DER THEOLOGE
Nr. 7
Jesus und die
ersten Christen
waren Freunde der Tiere
Vorwort
Teil 1: Jesus war ein Freund der Tiere
Teil 2: Die ersten Christen waren Vegetarier
Teil 3: Der kirchliche Widerstand gegen die vegetarische Ernährung
Teil 4: Absturz in die Barbarei durch das kirchliche Christentum
Teil 5: Anhang
Vorwort
Unsere Zeitepoche ist im kirchenchristlichen Abendland geprägt von einer großen
Selbstgerechtigkeit und einem Hochmut gegenüber anderen Epochen und Kulturen.
Zudem glaubt man, mit den eigenen Waffenarsenalen das Weltgeschehen im eigenen
Interesse in
Schach halten zu können. Und gleichzeitig gab es nie eine Zeitepoche und eine Kultur,
in der die Mitgeschöpfe der Menschen, die Tiere, so bestialisch, so grausam und
in solcher riesigen Zahl gequält, gefoltert und getötet werden - und zwar in
nahezu allen Kulturkreisen weltweit. Die Hauptverantwortung dafür tragen
letztlich die
Institutionen Kirche. Denn diese maßen sich an, angeblich allen Menschen weltweit das
"Heil"
zu bringen. Doch stattdessen führen sie die Menschen in gefühlsmäßige Verrohung
und Stumpfheit, und sie lehren, Tiere hätten keine unsterbliche Seele und wären
nicht leidensfähig wie die Menschen. So können von hier aus auch keine positiven
Impulse zu einem neuen Naturverständnis im Sinne einer Einheit allen Lebens (z.
B.: Alle Lebewesen haben denselben Atem) ausgehen - im Gegenteil. Doch Jesus kam
auch für die Tiere, und das Gebot der Urchristen "Du sollst nicht töten" gilt
auch gegenüber ihnen. Die Kirchenvertreter lächeln jedoch über diese Aussage, und auf
dem Petersplatz in Rom werden alljährlich Tiere vom Papst "gesegnet", bevor man
sie anschließend im Schlachthaus absticht. Doch
eines Tages werden die kirchlichen Obrigkeiten über sich selbst weinen. Noch sind es "nur" die Tiere, die durch
Massentierhaltung, hemmungslose Jagd, Folterung zu Versuchszwecken und
Vernichtung ihres Lebensraums unsäglich leiden. Doch es ist bereits so weit gekommen, dass sich der Erdplanet gegen seine Ausbeutung
für den Profit des menschlichen Ego wehrt und damit auch gegen die in der Geschichte
bisher beispiellose Barbarei an den Tieren. In immer kürzeren Abständen
ereignen sich Katastrophen, denn die "Mutter Erde" liegt im Fieber und kann diese grausame Zivilisation
nicht mehr länger ertragen. Und sie versucht deshalb, den Krankheitsverursacher abzuschütteln. Gleichzeitig sind, wie
zu allen Zeiten, Propheten und Seher aufgetreten, die den Menschen
Lösungsmöglichkeiten aufzeigten. Oder die sie über die Zusammenhänge
des Welt- und Naturgeschehens aufklärten (warum es z. B. "Raubtiere" gibt oder
Parasiten, und warum sich über Äonen alles so entwickelt hat, wie wir es heute
wahrnehmen). Doch insbesondere die Vertreter der Institutionen Kirche und ihre
Gläubigen treiben
es mehr und mehr auf die Spitze. Sie verspotten weise Menschen unserer Tage, und
sie rechtfertigen z. B. den hemmungslosen Fleischkonsum und das unermessliche Leid
der Tiere wie immer mit ihrer Bibel, wie auch in den nachfolgenden Artikeln
deutlich wird. Auch dieses Buch hat die Menschheit in ca. 1.700
Jahren mit in den Abgrund und in das Chaos geführt, weil Priester und Theologen
die darin noch enthaltene Wahrheit gefälscht und vielfach in ihr Gegenteil
verkehrt haben (vgl. dazu "Der Theologe Nr. 8" - Wie
der Teufel in der Bibel hauste). Und in diesem Abgrund
bleibt auch dem einzelnen nicht mehr viel Zeit, um seine Erdentage zu nützen.
Lesen Sie mehr darüber, wie
der Verrat des
kirchlichen Christentums an Jesus und dem Urchristentum auch im Hinblick auf die
Tiere aufgedeckt
werden kann.
|
"Frage doch das Vieh, das
wird´s dich lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir´s sagen,
oder die Sträucher der Erde, die werden dich´s lehren, und die Fische im
Meer werden dir´s erzählen. Wer erkennte nicht an dem allen, das des HERRN
Hand das alles gemacht hat, dass in Seiner Hand ist die Seele von allem, was
lebt, und der Lebensodem aller Menschen." |
Verheimlichte Quellen (Teil 1)
Jesus war ein Freund der Tiere
Irrtümer in der Bibel
Hat Jesus ein Passahlamm gegessen?
Die Klugheit des Christus
"Weh euch!"
Der "Körper des Todes"
Was steckt hinter den Fischwundern?
Anmerkungen
"Jesus hat doch auch Fleisch gegessen", sagen
manche, die den Fleischkonsum religiös rechtfertigen wollen. Doch Jesus gibt
keine Rechtfertigung für Knackwurst und Lammbraten, auch wenn er dafür
missbraucht wird, denn: Der Mann aus Nazareth und die ersten Christen waren
Tierfreunde und Vegetarier.
Dieses Wissen wurde in den vergangenen fast 2000
Jahren unterdrückt, verfälscht und in sein Gegenteil verkehrt. Das ist ein
Verrat an der Friedfertigkeit des Nazareners und führte dazu, dass das Töten und
Verspeisen von Tieren im "christlichen Abendland" zur blutigen Selbstverständlichkeit wurde. Wie war es
möglich, dass die Lebensweise und die Lehre des Jesus von Nazareth in einem
wichtigen Punkt so entstellt wurden?
Die Evangelien der Bibel, die über das Leben von
Jesus berichten, sind nicht über Nacht entstanden, sondern im Laufe von
Jahrhunderten, in denen heftig darüber gestritten wurde, was zu den "heiligen
Schriften" gehören soll und was nicht. Hinzu kommt, dass die zur Auswahl
stehenden Texte nicht von Zeitzeugen des Nazareners stammen, sondern erst
Generationen später aufgrund
von Überlieferungen aufgeschrieben wurden. Als "Kirchenvater" Hieronymus im Auftrag von
Papst Damasus I. im 4. Jahrhundert die lateinischen Texte des Neuen
Testaments vereinheitlicht, muss er sich mit zahlreichen Widersprüchlichkeiten,
Unvollständigkeiten und unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten auseinander
setzen. Er schreibt seinem Auftraggeber, dass ihn die Nachwelt als Bibelfälscher
verurteilen werde, weil er jeweils auswählen und nach eigenem Gutdünken
entscheiden muss, was er für richtig oder falsch, für unvollständig und
ergänzungsbedürftig hält. Er habe manches hinzugefügt und manches abgeändert (siehe dazu
"Der Theologe Nr. 14" -
Hieronymus und die Entstehung der Bibel).
Was Hieronymus hier über die lateinischen (und von der katholischen Kirche
später als "fehlerlos" dogmatisierten) Texte aussagt, lässt ahnen, dass es auch
schon in den anderen Sprachen mehr oder weniger Abweichungen vom tatsächlichen
Geschehen gab. Ursprünglich waren die Schriften
des Neuen Testaments nämlich gar nicht in Latein verfasst,
sondern in Griechisch. Doch Jesus und seine Jünger sprachen weder Latein noch
Griechisch, sondern Aramäisch. So hat man sich also bei der Überlieferung der
Inhalte schon hier zwangsläufig sehr weit von den Ursprüngen entfernt, wo die
Menschen Aramäisch miteinander sprachen. Und was daneben
oft völlig unberücksichtigt bleibt, sind die so genannten apokryphen (= verborgenen)
Schriften, die überhaupt keine Aufnahme in den offiziellen Bibeltext fanden,
obwohl sie vielfach älter waren und damit näher an den beschriebenen Ereignissen. Sie wurden zum Teil
vernichtet, zum Teil blieben sie ca. 1.800 Jahre verschollen und wurden erst in jüngster Zeit
wieder aufgefunden. Vieles, was Jesus von
Nazareth gesagt und getan hat und was in der Bibel fehlt, ist dort enthalten.
Und dass
es noch mehr und anderes von Jesus zu sagen gäbe, bestätigt auch die Bibel selbst,
denn im Johannesevangelium steht, dass Jesus "noch viele andere Dinge" getan hat, "die nicht aufgeschrieben
wurden" (Johannes 21, 25). Weil aber für das heutige Kirchenchristentum
nur maßgeblich ist,
was in der Bibel steht, wird damit sogar zugegeben, dass man nur eine Auswahl
von dem, was Jesus tat, anerkennt; eben nur das Biblische und nicht das, was z.
B. laut Johannesevangelium dort "nicht aufgeschrieben" wurde (Dass man
dem Vorbild von Jesus auch nicht folgte, ist ein weiteres Thema). Und ob es wirklich so war, wie es in diesen
von der Kirche ausgewählten Schriften steht, ist eine
weitere Frage.
Hat Jesus ein Passahlamm gegessen?
So soll Jesus nach den Worten des Lukasevangeliums zum Beispiel gefragt haben: "Wo ist
der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Passahlamm essen kann?" (22, 11) Tausende
von kleinen Schafen wurden damals zum Passahfest "geopfert" und am Abend jedes 14. Nisan (so der israelitische Monat)
verspeist, nachdem man ihnen zuvor bei lebendigem Leibe die Kehlen durchgeschnitten hatte
(die Priester forderten diese Tötungsart des Schächtens). Dies geschah offiziell zum
"Dank" an "Gott", dass dieser ägyptische Familien um 1500 v.
Chr. angeblich mit dem Tod
des ältesten Sohnes bestraft hatte (wegen der Versklavung der Israeliten durch
die Ägypter). Von den israelitischen Familien in Ägypten hätte dieser Gott sich zur selben Zeit aber angeblich damit
"begnügt", dass diese ihm ein Lamm geschlachtet hatten. Das soll gleichzeitig
das Zeichen gewesen sein, damit der älteste Sohn verschont würde. Doch der Gott,
den die Propheten verkündeten, widersprach schon durch den Propheten Jeremia
dieser angeblich von ihm stammenden Anordnung: "Ich aber habe euren Väter an
dem Tage, als ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt noch geboten von
Brandopfern und Schlachtopfern" (Jeremia 7, 22). Und Jesus hat
fortgesetzt, was die Propheten begonnen hatten - den Priesterkult und seine
teilweise grausamen Bräuche zu entlarven und die Menschen unmittelbar zu Gott,
ihrem Vater, zu führen.
Und so enthalten die neutestamentlichen
Erzählungen über das letzte Mahl von Jesus auch Unstimmigkeiten. Nach der Datierung des Evangelisten Johannes (13, 1-2; vgl.
19, 31) war es gar kein Passahmahl, und auch Paulus schreibt davon nichts
(vgl. 1. Korinther 11, 23-25). Denn Jesus wäre am 14. Nisan
gekreuzigt worden und das Mahl fand demzufolge am Tag vor dem Passahmahl
statt, also am 13. Nisan. Die Lämmchen für das Fest wurden demnach erst am
folgenden Tag umgebracht, zur gleichen Zeit, zur der auch Jesus hingerichtet worden
war. Aus dieser Datierung würde man ableiten können, dass Jesus und seine Jünger überhaupt kein Passahlamm gegessen haben.
(1) Nach der anderen Datierung der Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas
wurde Jesus aber erst am 15. Nisan
gekreuzigt und hätte demnach das "Festessen" am Tag zuvor, dem 14.
Nisan, noch als eine Art "Henkersmahlzeit"
einnehmen können. Kurioserweise hätte er sich bei Weigerung nach 4.
Mose 9, 13
(2) allein deswegen bereits das Todesurteil zugezogen.
Nach der Überlieferung der Evangelisten sei aber der
Grund dafür gewesen, dass Jesus offenbar nicht abstritt, der verheißene
"Christus", der "Messias" bzw. Befreier Israels zu sein. Und dieses Todesurteil
wäre Matthäus, Markus und Lukas zufolge am Morgen nach dem Passahmahl verhängt
und kurz darauf vollzogen worden.
Doch
die Datierung ist in diesem Zusammenhang zunächst gar nicht so wesentlich. Denn bei der hier besprochenen Thematik
geht es um die grundsätzliche Haltung zum Schlachten der Tiere und zum
Fleischkonsum und nicht darum, ob das letzte Mal von Jesus und seinen Jüngern
nun ein vorschriftsmäßiges Passahmahl war oder nicht.
Und für beide Datierungen gilt: Die Parallele zwischen den unzähligen abgeschlachteten Lämmchen und
der annähernd zeitgleichen Ermordung von Jesus ist sehr aussagekräftig. Junge Schafe
kamen zur Geburt von Jesus einst mit ihren Hirten in den bekannten Stall von
Bethlehem (zur Schafhaltung vgl. dazu hier).
Und am Ende seines irdischen Lebens schließt sich dieser Kreis, indem
Jesus mit diesen Tieren wieder in der Hinrichtung vereint ist. Er wurde zu den
"Armen" und "Gefangenen" gesandt, sagte er einst selbst (Lukas 4, 18).
Und in
seinen letzten Stunden erscheint es so, als sind darin auch die "armen" und
"gefangenen" Tiere einbezogen. Schwer vorstellbar, dass Jesus friedliche und wehrlose
Geschöpfe Gottes, unter denen er einst zur Welt kam und in deren Futtertrog er
einmal lag, willentlich aus Gaumenlust verspeiste (siehe dazu auch
hier) oder weil ein Ritus der
Priester es so forderte. Auffällig ist auch, dass Jesus bei diesem
letzten Essen anhand von Brot und Wein das
urchristliche "Abendmahl" erklärt und die angebliche Hauptspeise "Lammfleisch"
gar nicht erwähnt. Eine
mögliche Erklärung dafür gibt das außerbiblische
Ebionäerevangelium bzw. Ebionitenevangelium. Demnach antwortet Jesus auf
eine Frage, wo man ihm das "Passahmahl" zurichten
soll: "Begehre ich etwa, an diesem Passah Fleisch mit euch zu essen?"
(zit. bei Epiphanius, Panarion omnium haeresium 30, 22, 4) Der kirchliche
"Sektenbeauftragte" Epiphanius (ca. 315-403) bestreitet jedoch diese Aussage
von Jesus. Denn, so der Kirchenmann: "Passah ist [immer] Fleischbraten
und der Rest" (30, 22, 3). Zu der Version der Ebionäer passt jedoch, dass Jesus Tieropfer
grundsätzlich ablehnt.
Darin stimmt er mit allen jüdischen Propheten vor ihm überein (über
das Verhältnis von Mensch und Tier im alten Israel siehe auch unten). Mehrfach zitiert
der Mann aus Nazareth hierbei das durch den Propheten Hosea gegebene Gotteswort "Ich habe
Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer" (Matthäus 9, 13; 12, 7).
Und im Ebionäerevangelium steht es auch deutlicher, was zum Auftrag von Jesus,
dem Christus gehörte: "Ich bin gekommen, die Opfer
abzuschaffen" (zit. bei Epiphanius, Panarion omnium haeresium 30, 16, 4-5,
ausführlicher siehe unten).
Interessanterweise erklärt auch Papst Benedikt XVI., dass Jesus das
Passahmahl "ohne Lamm" gefeiert habe, jedoch nicht aus tierfreundlichen, sondern
aus kultischen Gründen (mehr dazu siehe hier).
Ein weiterer Bericht zum Thema "Passahmahl" steht im Evangelium der Zwölf (=
Evangelium des vollkommenen
Lebens; um 100 entstanden). Als "apokryphe" Schrift (wörtlich = "verborgene"
Schrift des frühen Christentums außerhalb der Bibel) anerkannt werden von den Kirchen nur einige Blätter
und Blatt-Teile (= so genannte Fragmente), die man
bisher offiziell gefunden hatte. Das gesamte antike Evangelium wurde von
dem englischen Theologen Gideon Jasper Richard Ouseley im Jahr 1902 durch eine
prophetische Innenschau neu aufgeschrieben und veröffentlicht, und es könnte
viele zuverlässige Details aus der Lehre Jesu enthalten (mehr zu diesem
Evangelium siehe unten; ein großer Teil der
tierfreundlichen Quellen aus diesem Evangelium siehe im
Anhang). Dieses Evangelium ist von
großer Klarheit, Kraft und Stimmigkeit, und es ist nahe liegender zu glauben,
dass es sich tatsächlich um eine Prophetie handelt, als umgekehrt zu argwöhnen,
Ouseley habe sich den Inhalt ausgedacht. Demnach hätte Judas dem
Hohepriester Kaiphas verraten, dass Jesus für sein Passahmahl kein Lamm
schlachten ließ, worauf dieser geantwortet habe: "Wahrlich, dies ist kein
Passahfest nach dem Gesetz des Moses. Er hat eine Tat begangen, die todeswürdig
ist; denn es ist eine schwere Übertretung des Gesetzes. Wozu brauchen wir noch
weitere Zeugen?" (Kapitel 76, 28) Demnach würde also die Datierung
der Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas bestätigt, und das letzte Mahl von
Jesus und seinen Jüngern hätte zeitgleich mit dem traditionellen Passahmahl
stattgefunden. Und dieses letzte Mahl hätte den Gegnern von Jesus einen weiteren
Grund dafür gegeben, seinen Tod zu fordern - und zwar einen, der ihnen sogar
triftiger schien als die anderen Anschuldigungen. Sollte also die Tierliebe von Jesus
tatsächlich die letzte Bestätigung für die Hinrichtungsforderung gewesen sein,
nachdem es bereits in den Monaten zuvor heftige Auseinandersetzung über seinen geistigen Auftrag
gab? (siehe
oben) Was war geschehen?
In einer weiteren "Neuoffenbarung", einem Evangelium, das den Verfasserangaben
zufolge 1989 von Christus selbst durch einen Propheten offenbart wurde, stehen
dazu bemerkenswerte Details. Demnach erklärt Christus: "Weder von den Aposteln
noch von den Jüngern wurde angeordnet, ein Lamm zu schlachten [was also mit den
Angaben im Ebionäerevangelium und dem Evangelium der Zwölf übereinstimmt]. Doch sowohl Mir als auch
den Aposteln und Jüngern wurden Teile eines zubereiteten Lammes als Gabe der Liebe
gereicht. Unsere Nächsten wollten uns damit beschenken, da sie es nicht besser wussten.
Ich segnete die Gabe und begann, das Fleisch zu Mir zu nehmen. Meine Apostel und
Jünger taten es mir gleich. Anschließend stellten sie Mir sinngemäß die Frage:
Wir sollen doch vom Fleischverzehr Abstand nehmen. So hast Du uns befohlen. Nun
hast Du selbst Fleisch verzehrt. Ich
unterwies die Meinen: Der Mensch soll kein Tier mutwillig töten und auch nicht das Fleisch
von Tieren verzehren, die zum Fleischverzehr getötet wurden. Doch wenn Menschen, die
noch unwissend sind, Fleisch als Nahrung zubereitet haben und es dem Gast zum Geschenk
machen und ihm zum Gastmahl reichen, dann sollte der Gast die Gabe nicht ablehnen. Denn
es ist ein Unterschied, ob der Mensch aus Gier nach Fleisch dies verzehrt oder als Dank an
den Gastgeber für seine Mühe. Der Wissende sollte jedoch, wenn es ihm möglich ist und es
die äußeren Umstände erlauben, dem Gastgeber allgemeine Hinweise geben, ihn jedoch nicht
eines Besseren belehren wollen. Wenn die Zeit reif ist, wird auch der Gastgeber diese
allgemeinen Hinweise verstehen ..." (Das ist Mein
Wort, Die Christusoffenbarung, welche die Welt nicht kennt, Verlag DAS WORT,
ISBN 3-89201-053-6, S. 809 f.)
Wenn man voraussetzt oder es für möglich hält, dass dieser Text authentisch
ist oder zumindest den Sachverhalt richtig wiedergibt, dann hält sich Jesus also nicht an Festvorschriften
und -bräuche und riskiert damit auch, deswegen als "Gotteslästerer" zum Tode verurteilt zu werden. Doch
er hätte diesen Konflikt nicht provoziert. Auch hätte er sich nicht schulmeisterlich über Gastgeber
oder Freunde gestellt und deshalb in der oben geschilderten Situation eine kleinere Menge Fleisch gegessen.
Dazu passen auch die Worte, die im Matthäusevangelium überliefert sind: "Nicht
das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern
was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein" (15,
11).
Demnach können also Worte, denen bestimmte Gedanken und Empfindungen zugrunde
liegen, das Leben eines Menschen schwerwiegender zeichnen als das, was er
äußerlich zu sich nimmt. Dennoch soll der Fleischverzehr nicht sein - in erster
Linie deshalb, weil dafür ein Tier leiden und sterben muss, wie z. B. auch aus
anderen Passagen dieser "Neuoffenbarung" hervorgeht. Wer allerdings anzweifelt, ob es
sich hierbei tatsächlich um Christusworte handelt, der kann zumindest nicht
ignorieren, was in belegbaren antiken Quellen nachzulesen ist.
So ist es ausgerechnet der "heilige" "Kirchenvater"
Hieronymus (347-419), der hierzu Bemerkenswertes schreibt. Er
schlägt den Bogen von der Sintflut bis zum Kommen von Jesus und erklärt: "Der Genuss des
Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt; aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und
die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft; wie man in der Wüste dem
murrenden, sinnlichen Volk Wachteln vorwarf. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit
erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr
erlaubt ist, Tierfleisch zu essen" (Adversus Jovinianum I, 18). Und
an anderer Stelle erklärt Hieronymus: "Wenn du vollkommen sein willst, ist es
gut, keinen Wein zu trinken und kein Fleisch zu essen" (Adversus Jovinianum
II, 6; siehe z. B. eine englische Übersetzung unter
http://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf206.vi.vi.II.html).
Jesus von Nazareth hat auch den Schmerz der Tiere gespürt, die auf die Schlachtbänke der
Menschen gelegt werden. Dazu passt eine Erzählung, wonach er einmal erlebt
hatte, wie ein Mann ein Pferd blutig schlägt. Daraufhin hätte er gerufen: "Weh
euch, der Stumpfheit eures Herzens wegen hört ihr nicht, wie es klagt und
schreit zu seinem himmlischen Schöpfer um Erbarmen, und dreimal Wehe über den,
gegen den es schreit und stöhnt in seiner Qual“ (Das Evangelium Jesu, Kap.
21, 5). Der evangelische Theologieprofessor Prof. Dr. Karl W. Rennstich
schreibt, dass diese Erzählung auch Teil einer "alten Bibelhandschrift"
ist, die in
der Pariser Universitätsbibliothek aufbewahrt wird"
(http://www.predigten.uni-goettingen.de/archiv-3/passion-im-lied-palmsonntag-2.html).
Und die Autorin Sigrun Koerner (Und war mit den Tieren, Bückeburg 1994, S. 9)
spricht von einer "uralten koptischen Bibelhandschrift", "die sich in der
Nationalbibliothek zu Paris befindet".
(3)
Gerade diese Überlieferung könnte man auch auf die Todesschreie der Tiere in den
heutigen Schlachthöfen beziehen, die es in jeder größeren Stadt gibt, und man
könnte auf
ähnliche Weise rufen: "Weh euch, die ihr nicht hört, wie
die Tiere zum Schöpfer im Himmel klagen und um
Erbarmen schreien! Dreimal wehe aber über die, über welche sie in ihren
Schmerzen schreien und klagen." Und dass demgegenüber eine "schonende" und "liebevolle" Schlachtung
nicht die urchristliche Alternative zu den Fließband-Schlachtungen ist,
kann man aus anderen Dokumenten erschließen.
In den von der Kirche als sehr bedeutsam eingestuften Papiasfragmenten
(wörtlich Ergänzungen der Evangelien aus der mündlichen Tradition),
entstanden ab ca. 120, erklärt Jesus weiter: "Alle Tiere, die das als Nahrung bekommen,
was man von der Erde empfängt, werden friedlich und in gegenseitigem
Einvernehmen leben" (Papias, ap. Irenäus V, 33, 3, 4). Hier knüpft
Jesus einerseits an den Schöpfungsbericht 1. Mose 1, 29-31 an, wonach
Menschen und Tiere durch die Früchte der Erde beschenkt werden und andererseits
an die Friedensreich-Prophezeiung bei Jesaja 11, 6-9. Demnach gibt es
also einen direkten Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und
Friedfertigkeit in der Tierwelt, und so kommt es im Laufe der Zeit zu einem ganz
neuen Miteinander: "Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den
Böcken lagern" (V. 6). "Und Löwen werden Stroh fressen wie die
Rinder" (V. 7). Hier könnte der Mensch zum historischen Vorbild für so genannte "Raubtiere"
werden, da er im Unterschied zu den momentanen
Lebensumständen einiger Tierarten gar nicht auf Fleisch angewiesen ist und am
leichtesten seine Ernährung umstellen könnte.
Doch solche Stellen wie bei Papias werden von den Menschen im Kirchenchristentum
entweder lächerlich gemacht, oder sie sind dort genauso unbekannt wie
der vollständige Text des Evangeliums der Zwölf (= Das Evangelium des vollkommenen
Lebens * = Das Evangelium Jesu). Dort sagt Jesus weiterhin zu
seinen Jüngern: "Gott ist gerecht und gütig und hat befohlen, dass die Menschen
leben sollen allein von den Früchten und den Saaten der Erde" (38, 4).
Ob es
eine Abschrift des aramäischen Originals dieses Textes und eine antike
altslawische Übersetzung im Vatikan tatsächlich gibt, wie es der Theologe Gideon
Jasper Ouseley sagt, konnte bis jetzt offenbar nicht zweifelsfrei bewiesen
werden. [Auch hier Forscher gesucht! Ein wissenschaftlich
fundierter Hinweis zur
altslawischen Übersetzung, welche den Ursprungstext bestätigt, wäre
hilfreich. Der Vatikan bzw. die Bibliothek des Vatikans haben eine entsprechende
offizielle Anfrage unsererseits nicht beantwortet, was eher für eine Existenz
dieser Dokumente spricht.] Dies ist insofern von Bedeutung, da mancher die Echtheit
einer prophetischen Botschaft anzweifelt, diese jedoch bei einer nachgewiesenen
Übereinstimmung mit einem antiken Text nicht mehr ignorieren könnte.
Im Evangelium Jesu ist auch das "Gleichnis vom verlorenen Sohn" ein wenig
anders überliefert als im Lukasevangelium der Bibel. Bei Lukas heißt es:
"Bringt das gemästete Kalb und schlachtet´s; lasst uns essen und fröhlich sein!"
(15, 23). Im Evangelium Jesu jedoch steht: "Bringet
die schönsten Früchte herbei und Brot und Öl und Wein und lasset uns essen und
fröhlich sein"
(58, 11).
(4) Und dass Jesus
angeblich einmal "Dämonen" in eine Herde Schweine geschickt haben soll, die sich
darauf hin einen Abhang hinunter gestürzt haben soll (Matthäus 8, 28 ff.),
ist in diesem Evangelium, wie auch in dem biblischen Johannesevangelium
überhaupt nicht erwähnt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich hierbei im Kern um
eine antike Exorzismus-Legende mit heidnischem Tieropfer-Motiv, deren Elemente
man auf Jesus übertragen hat.
(5)
Vergleichbar mit dem Evangelium der Zwölf =
Evangelium des vollkommenen Lebens = Evangelium Jesu ist die Situation beim Friedensevangelium der Essener. Nach Aussagen des
ungarischen Forschers Edmond B. Székely wird eine aramäische Fassung
dieses Evangeliums im Vatikan unter
Verschluss gehalten. Nachdem er eigenen Angaben zufolge kurzzeitig Einsicht erhalten hatte,
habe er den Text wohl ebenfalls in einer Art "Innenschau" aus dem Gedächtnis niedergeschrieben
(Südergellersen 1977). Demnach lehrte Jesus: "Und das
Fleisch geschlachteter Tiere in seinem Körper wird sein eigenes Grab werden. Denn wahrlich,
ich sage euch: Der, der tötet, tötet sich selbst, und wer vom Fleisch erschlagener Tiere isst,
isst vom Körper des Todes" (S. 41). Auch wenn Kritiker die Aussagen Székelys
anzweifeln oder nicht anerkennen, so handelt es sich auch hier um einen Satz, der
sich nahtlos in das Gesamtbild von Jesus einreiht, das man auch aus
wissenschaftlich gesicherten
Quellen von ihm hat. Denn Jesus setzt bei allen seinen Lehren das Gesetz von
Saat und Ernte voraus (d. h.: Was du anderen antust, wird eines Tages dir angetan
werden), und bereits die Propheten des Alten Testaments haben dabei das
Verhalten der Menschen an den Tieren mit einbezogen. So heißt es z. B. beim
Propheten Jesaja: "Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der einen Mann
erschlägt" (66, 3; Übersetzung von Martin Luther).
Interessant ist ein
Jesuswort aus dem um das Jahr 110 n.
Chr.
entstandenen Ägypterevangelium. Darin wird Jesus mit dem Satz zitiert "Iss jegliche Pflanze,
die mit Bitterkeit behaftete iss nicht" (zit. nach Clemens von
Alexandria, Stromateis 3, 9, 66). Allerdings geht es in diesem Zusammenhang nicht
um Ernährungsfragen
(anders als bei Skriver erörtert, a.a.O., S. 53), sondern Jesus verwendet den Satz sprichwörtlich und für die
Zuhörer etwas rätselhaft beim Thema "Fruchtbarkeit" und "Mutterschaft". Dabei
greift er jedoch ganz nebenbei auf eine einfache sprichwörtliche
Volksweisheit zurück, um sich vernünftig vegetarisch zu ernähren, wobei "bitter" in der aramäischen Muttersprache von Jesus
vielleicht auch "giftig" oder
"unbekömmlich" geheißen hatte.
In einem anderen Zusammenhang spricht Jesus über ein Lamm, das zum
Fleischverzehr getötet wurde, und leider ist auch hier der Sinn nicht sicher zu ermitteln.
Nachzulesen ist die Stelle in dem bekannten, um ca. 150 n. Chr. entstandenen
Thomasevangelium, das ägyptische Bauern im Jahr 1945 beim Pflügen in der
Nähe von Nag Hammadi am Nil gefunden hatten. In Vers 60 heißt es nach dem
Hinweis auf das geschlachtete Lamm: "Sucht auch
Ihr nach einem Ort für euch zur Ruhe, damit Ihr nicht [auch] zur Leiche [lat.:
cadaver] werdet und man Euch verzehrt" (zit. nach Synopsis Quattuor
Evangeliorum, Appendices, Evangelium Thomae Copticum, V. 60, Deutsche
Bibelstiftung, Stuttgart 1976). Und kurz zuvor heißt es: "Schaut aus nach
dem Lebendigen, solange Ihr lebt, damit Ihr nicht sterbt" (V. 59).
Und im
nachfolgenden Vers 61 ist dann nach Angaben des Herausgebers eine Passage
"zerstört oder verstümmelt". Vermutlich meinte Jesus in Vers 60 einen "inneren
Ruheort" bzw. einen "inneren Frieden", der den Menschen aus dem Kreislauf von Töten und Getötet-Werden gegenüber Menschen und Tieren befreit. Zudem könnte Jesus in
Vers 59 auch davor gewarnt haben, nicht nach einem getöteten Lamm als Beispiel
für "tote Nahrung" zu trachten, sondern nach lebendiger pflanzlicher Nahrung, so
dass er womöglich schon vor 2000 Jahren sinngemäß lehrte: Der Mord an den Tieren
führt zum Tod der Menschen.
"Gottes Mühlen mahlen langsam" heißt es ja auch in einem Sprichwort.
Doch heute kommen die
Grausamkeiten der Menschen an den Tieren ganz offensichtlich immer schneller auf den Menschen
selbst zurück, wenn
er diese nicht vielleicht doch noch bereut und umkehrt.
Was steckt hinter den "Fischwundern"?
Für die ehemaligen Fischer unter den Jüngern von Jesus bedeutet
die Umkehr auch eine
berufliche Veränderung: "Ich werde euch zu Menschenfischern machen", sagt Jesus und
"sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm" (Markusevangelium,
Markus 1, 17-18). Nach
dem Bericht im Lukasevangelium gewinnt Jesus das Vertrauen der Fischer durch einen
Riesenfang an Fischen entgegen den Prognosen der Fischfang-Experten. Im
griechischen Urtext heißt es
dazu, die Netze seien dabei "wiederholt" [bzw. "andauernd"] "gerissen" (griechische Imperfektform), so dass die Tiere
folglich wieder ins Freie schwimmen konnten, was auch als Symbol verstanden werden kann: Die Tiere lieben
die Freiheit wie die Menschen. Deshalb sollen diese aufhören, sie zu fangen!
Zwar hat die neue evangelisch-katholische Einheitsübersetzung (1984) eine
weniger nahe liegende Übersetzung gewählt, wonach die Netze nur "zu reißen
drohten", doch selbst in der Bibel steht nicht, dass die Jünger den Fang
sichergestellt und die Fische getötet und verkauft hätten. An anderer Stelle
heißt es in der Bibel
jedoch, Jesus hätte einige tote Fische zum Verzehr vermehrt. Doch das heißt
auch: Jesus hat nach dem Bericht der Bibel eben keine lebendigen Fische
geschaffen, welche die Menschen dann zum Verzehr getötet hätten. Und auch hier
kann die
Christusbotschaft "Das ist Mein Wort" (siehe
hier) zur weiteren Aufklärung beitragen.
Es wird dort, wie auch in der Bibel, berichtet, dass Jesus von Nazareth keine lebenden Fische erschaffen
hatte, "damit sie wieder getötet werden". Er schuf demnach tote Fische aus der
Geistsubstanz der Erde und er sagte dazu weiter: "Ich gab ihnen die toten Fische und gebot
ihnen, zugleich auch Brot und Früchte zu essen, damit sie den Unterschied erkennen zwischen
lebender und toter Nahrung, zwischen hoch schwingender und niedrig schwingender Kost
(vollständig in: Das ist Mein Wort, a.a.O., S. 384).
Allgemein könnte man die These aufstellen:
Die Tiere wollen den Menschen als ihren großen Geschwistern dienen, und so soll auch der Mensch
seinen Mitgeschöpfen, den Tieren, dienen. Als Jesus von Nazareth 40 Tage in der Wüste
ist,
lebt er unter den "wilden Tieren" (Bibel, Markusevangelium
1, 13), und
er hat sie dort sicher
nicht mit Pfeil und Bogen gejagt oder Speere nach ihnen geworfen, sondern er verstand
ihre
Sprache und lebte in Frieden mit ihnen. Es wird bereits für kurze Zeit Wirklichkeit, was der
Prophet Jesaja einige hundert Jahre zuvor voraussagte: "Der Geist Gottes lässt sich nieder auf
Ihm; der Geist der Weisheit und der Einsicht. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther
liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen und ein kleiner Junge kann sie hüten"
(11, 1.6-7).
Anmerkungen:
(1) Dies lehrt z.
B. ausgerechnet Papst Benedikt XVI. In seiner Predigt am Donnerstag, den
5.4.2007 in Rom sagte der Papst folgendes zum Thema: "Die Schriftfunde von
Qumran haben inzwischen zu einer überzeugenden Lösungsmöglichkeit geführt, die
zwar noch nicht allgemein angenommen ist, aber doch eine hohe Wahrscheinlichkeit
für sich hat. Johannes hat historisch genau berichtet, so dürfen wir nun sagen:
Jesus hat tatsächlich am Vorabend des Pascha-Festes zur Stunde des Lamm-Opfers
sein Blut vergossen. Er hat aber wahrscheinlich mit den Jüngern Pascha nach dem
Qumran-Kalender, also wenigstens einen Tag früher gefeiert, ohne Lamm
gefeiert, wie Qumran, das den Tempel des Herodes ablehnte und auf den neuen
Tempel wartete. Jesus hat Pascha gefeiert: ohne Lamm ..." (zitiert nach Georg
Meinecke, Papst Benedikt XVI: Jesus von Nazareth, aß kein Osterlamm, Books on
Demand, Norderstedt 2008, S. 13; mit Verweis auf die Quellen bei www.vatican.va;
nach Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. sei er stattdessen selbst "das
erwartete, das wirkliche Lamm" gewesen; vgl. dazu
Der Theologe Nr. 15 über die Essener von
Qumran. Doch Jesus hat keinesfalls den qumranischen Ritus übernommen; siehe
dazu hier)
(2) 4.
Mose 9, 13: "Wer aber rein ist und wer nicht auf der Reise ist und
unterlässt es, das Passah zu halten, der soll ausgerottet werden aus seinem Volk,
weil er seine Gabe nicht zur rechten Zeit dem HERRN gebracht hat. Er soll seine
Sünde tragen."
(3)
Nach Carl Anders Skriver, Die Lebensweise Jesu
und der ersten Christen,
a.a.O., S. 128, findet sich das Wort
sinngemäß auch in den Petrusakten, Seite 38, was eine bedeutsame
Fundstelle wäre. Demnach heißt es dort: "Weh euch, die ihr nicht hört, wie es
[das Tier] zum Schöpfer im Himmel klagt und um Erbarmen
schreit! Dreimal wehe aber über den, über welchen es in seinem Schmerz schreit und klagt."
Die Petrusakten sind eine "apokryphe" Apostelgeschichte,
die um 180 n. Chr. entstanden ist. Im Text der Petrusakten nach
Wilhelm Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen II, Tübingen 1997, S. 256-289
sind jedoch nur Fragmente ab der ursprünglichen Seite 45 veröffentlicht, so
dass wir die Zitierung von Skriver hier nicht überprüfen konnten.
Leider konnten wir auch die Quellenangaben von Prof. Dr. Karl W. Rennstich und
der Autorin Sigrun Körner nicht überprüfen, so dass hier weitere Nachforschungen
hilfreich wären.
Sigrun Körner zitiert den Jesus-Text mit den
Worten:
"Und es begab sich, dass der Herr auszog aus der
Stadt und ging über das Gebirge mit seinen Jüngern. Und sie kamen an einen Berg,
dessen Straße steil war. Allda fanden sie einen Mann mit seinem Saumtier. Sein
Tier war niedergestürzt, denn er hatte es überladen. Und er schlug es, dass es
blutete. - Jesus aber sprach: ´Mensch, was schlägst du dein Tier? Siehst du
nicht, dass es zu schwach ist für seine Last und weiß Du nicht, dass es
Schmerzen leidet?` - Der Mann antwortete: ´Was geht es Euch an. Ich darf es
schlagen, so viel es mir gefällt, sintemal es mein Eigentum ist und ich es
gekauft habe um ein gutes Stück Geld. Frage die, so bei Dir sind, denn sie
kennen mich und wissen davon.` Und etliche der Jünger sprachen: ´Ja, Herr, es
ist, wie er sagt. Wir haben gesehen, wie er es gekauft hat.` Aber der Herr
sprach weiter: ´Sehet denn nicht auch ihr, wie es blutet und höret auch ihr, wie
es jammert und schreit?` Sie antworteten und sprachen: ´Nein Herr, dass es
jammert und schreit, hören wir nicht.` Jesus aber ward traurig und rief: ´Wehe
Euch, dass ihr nicht höret, wie es schreit und klagtet zum himmlischen Schöpfer
um Erbarmen, dreimal aber wehe dem, über welchen es schreit und klaget in seinem
Schmerz.` Und er trat hinzu und rührte es an. Und das Tier stand auf und seine
Wunden waren heil. Zum Manne aber sprach er: ´Nun treibe weiter und schlage es
hinfort nicht wieder, auf dass Du Erbarmen findest"
(Und war mit den Tieren, Bückeburg 1994, S. 9).
Die gleiche Erzählung ist überliefert im Evangelium Jesu (siehe
hier).
(4) Und dass im Gleichnis
vom verlorenen Sohn gemäß der Bibel-Version ein Kalb geschlacht wird, ist ja
auch dort nur ein Gleichnis aus dem üblichen Lebensumfeld der damaligen
Menschen. Und es geht bei diesem Gleichnis ja gar nicht um die Tiere, und Jesus
hat auch in der Bibel nirgends erlaubt, eine Kalb zu schlachten. Das heißt:
Selbst wenn man nur die Bibel als Grundlage anerkennen will, dann sagt dieses
Gleichnis doch nur aus: Wenn der "Verlorene" zurück gekehrt ist, gibt es ein
großes Fest. Und was gehörte für die meisten Leute damals wie leider auch heute
noch zu einem großen Fest? Fleisch. Das ist ungefähr so, wie wenn heute jemand
ein solches Gleichnis erzählt und den Menschen, für die ein Festessen immer noch
mit Fleischspezialitäten verbunden ist, sagt: "Die Freude war so groß, dass es
gleich ein Festessen mit feinem Kalbsbraten dazu gab." Dass sie überhaupt keine
Kälber von ihren Müttern wegnehmen, sie brutal schlachten und deren Fleisch als
Gourmet-Spezialität essen sollten, steht auf einem anderen Blatt. Doch wer weiß,
ob Jesus in dem Gleichnis wirklich von einem geschlachteten Kalb sprach? Das ist
unwahrscheinlich. 50 Jahre später haben die Leute sich vermutlich nur noch daran
erinnert, dass Jesus im dem Gleichnis gesagt hat, man habe ein großes Fest
gefeiert. Und das Kalb hat der Autor dann einfach noch mit hinzu geschrieben und
Jesus unterschoben, weil er es sich selbst eben so vorstellte. Nun gibt es aber
zum Glück auch Evangelien außerhalb der Bibel. Und tatsächlich, im Evangelium
Jesu ist das Gleichnis im 58. Kapitel, Verse 7-15 anders überliefert,
nämlich mit den Worten: "Der Vater aber sprach zu seinen Knechten: Bringet das
beste Kleid herbei und ziehet es ihm an und stecket einen Ring an seine Hand und
Schuhe an seine Füße und bringet die schönsten Früchte herbei und Brot und Öl
und Wein und lasset uns essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot
und ist wieder lebendig; er war verloren und ist gefunden. Und sie begannen
alle, froh zu werden" (Vers 11).
(5) Dass es sich hierbei
nur um eine antike heidnische Exorzismus-Legende handelt, wird auch
dadurch nahe gelegt, dass Jesus auch sonst niemals Menschen geholfen hat, indem
er anderen Menschen oder Tieren schadete. Und selbst in der biblischen Legende
wird überhaupt nicht behauptet, dass Jesus die "Dämonen" aktiv in die armen
Tiere umgeleitet hätte. Nach dem Matthäusevangelium habe er nur gesagt
"Fahr aus", nach Markus und Lukas habe er ihnen aber angeblich
"erlaubt", sich so zu verhalten. Doch was heißt schon "erlaubt"?
Als Judas den Verrat an Jesus plante, habe Jesus ihm dem Johannesevangelium
zufolge auch gesagt: "Was du tust, das tue bald" (13, 27). Kann man
daraus nun folgern: Jesus habe Judas den Verrat erlaubt? Oder er habe Judas
sogar dazu aufgefordert, so dass er, Jesus, ja selbst schuld ist, wenn es dann
so kam? Bestimmt nicht. Jesus hat Judas nicht davon abgehalten (ihm den Verrat
aber keineswegs "erlaubt"), so wie er in der Exorzismus-Legende die dunklen
Kräfte auch nicht von ihrem Tun abgehalten hat. Dies als "Erlaubnis" zu deuten,
wie es die Evangelisten Markus und Lukas 50 Jahre nach dem Erdenleben von Jesus
tun (nicht aber Matthäus), ist schon wieder eine allzumenschliche Hinzufügung
und ein falsche Deutung, falls tatsächlich ein solches oder vergleichbares
Ereignis stattgefunden haben sollte.
Verheimlichte Quellen (Teil 2)
Die ersten Christen waren Vegetarier
Niemals Fleisch genossen
Wessen Wort gilt
Das Ringen um die Wahrheit
Schlimme Zeiten für die Tiere
Den Tieren wäre viel Leid erspart geblieben, wenn man auf Jesus von Nazareth gehört hätte, der seinen Nachfolgern gebot, kein Fleisch mehr zu essen. Doch in den Evangelien der Bibel finden sich nur noch wenige Spuren seiner Verbindung zu Natur und Tieren, etwa in der Erzählung über die Vögel unter dem Himmel, die sich nicht sorgen (Matthäus 6). Oder im Gleichnis vom Senfkorn, wo aus einem einzigen Korn ein ganzer Baum herauswächst, in dem die Vögel nisten können. So wird es auch mit dem kommenden Friedensreich sein, das anfangs ebenfalls klein wie ein Senfkorn ist und später "größer als die anderen Gewächse" wird (Matthäus 12). Und wenn Jesus 40 Tage lang in der Wüste "bei den wilden Tieren lebte" (Markus 1), dann ahnt man vielleicht etwas von dem großen Plan des Mannes aus Nazareth, das einstige Paradies auf der Erde wiederherzustellen. Wie Jesus ganz praktisch mit Tieren umgegangen ist und welche konkreten Schritte der einzelne in diese Richtung tun kann, darüber informiert die Bibel jedoch nur mangelhaft oder sogar falsch. Deshalb beziehen wir auch antike Quellen außerhalb der Bibel ein, in denen mehr und Genaueres darüber zu erfahren ist, z. B. darüber, ob die Christen sich an das Gebot von Jesus, kein Fleisch zu essen, gehalten haben.
Viele Informationen zu diesem Thema sind in dem Buch des
Religionswissenschaftlers
Carl Anders
Skriver, Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen (Lübeck 1973)
zusammengestellt, z. B. über Petrus, einen der bekanntesten Jünger. Skriver
zitiert Petrus gemäß der Clementinischen Homilien (= Predigten), einer Schrift
über den römischen Gemeindevorsteher Clemens, die um 220 im Palästina entstanden
ist. Petrus erklärt demnach, er lebe "von Brot und Oliven", denen er teilweise
Gemüse hinzufüge (XII, 6). Ähnliches wird vom Jünger Matthäus
berichtet. Der von Freund und Gegner als zuverlässig anerkannte Kirchenvater
Clemens von Alexandrien (3. Jahrhundert) schreibt über Matthäus, dass dieser "von
Pflanzenspeisen lebte und kein Fleisch berührte" (Paidagogos [= "Der Pädagoge",
das erste christliche Ethikbuch] II. 1, 16), ebenso wie der Jünger Matthias,
der nach dem Tod von Judas in den Kreis der zwölf Jünger hinein gewählt wird.
Und der Religionswissenschaftler Skriver ergänzt, dass nach dem Zeugnis der Schriftsteller des 2.
Jahrhunderts auch die Apostel Andreas, Philippus und Thomas sowie die
Evangelisten Markus und Lukas Vegetarier sind (S. 15).
Dass zu der ursprünglichen Gruppe der Zwölf bald auch andere hinzukommen, welche
die Hauptverantwortung für das junge Urchristentum tragen, zeigt das Beispiel
von Jakobus, des leiblichen Bruders von Jesus von Nazareth, des ersten Leiters
der Urgemeinde in Jerusalem. In der Bibel gilt er neben den tierfreundlich
lebenden Aposteln Petrus und Johannes als einer der drei "Säulen", die
entsprechendes "Ansehen genießen" (Paulus, Galater 2, 9). Von Jakobus schreibt
der Kirchenvater Hegesipp (um 180): "Er genoss weder Wein noch Rauschtrank;
auch aß er kein Fleisch" (Eusebius, Kirchengeschichte II, 23, 5-6).
Die Lebensweise der ersten Urchristen in Palästina ist für viele Menschen ein
Stein des Anstoßes. Denn nach wie vor ist der Tempel mit seinen täglichen
Tieropfern der religiöse und politische Mittelpunkt der Gesellschaft. Und bei
jedem der vielen Feste im Jahreslauf sind bestimmte Schlachtungen vorgeschrieben,
und das Verzehren bestimmter Fleischstücke bei den Festmählern gilt nicht nur
als Essgewohnheit, sondern als Gehorsam gegenüber einem Gott, der solches
geboten haben soll. Deshalb zählt die tierfreundliche Lebensweise des Jakobus
und der Urgemeinde als Abfall von Gott und seinen Geboten - ein Vorwurf, um
dessentwillen Jakobus im Jahr 62 n. Chr. von Anhängern der Jerusalemer Priester
durch Steinigung ermordet wird. Sein Nachfolger Simeon, ein Cousin von Jesus,
bleibt dieser Lebensweise zum Wohl von Mitmenschen und Tieren aber treu, ebenso dessen Nachfolger Justus (ab 107)
(Skriver, a.a.O., S. 15 f.). Man kann also davon ausgehen, dass die ersten Christen
aus Liebe zu den Tieren deren Schlachtung und Verspeisung ablehnten.
Jesus von Nazareth hatte die Bevölkerung einige Jahre zuvor darüber aufgeklärt,
dass die Opfervorschriften nicht von Gott stammen, sondern von den
Priestern, die sie anschließend Gott unterschoben haben. Und Jesus sagte: "Ich bin gekommen, die Opfer abzuschaffen, und wenn
ihr nicht ablasst zu opfern, wird der Zorn nicht von euch ablassen", wobei mit
dem Wort "Zorn" die negative Wirkung gemeint ist, welche auf die negative Ursache der Opfer
folgt.
Dieses Wort von Jesus ist im urchristlichen Ebionäerevangelium (Anfang des 2.
Jahrhunderts) dokumentiert, das die Kirche ca. 300 Jahre später vernichten ließ.
Nur wenige Sätze sind erhalten geblieben, die der katholische Kirchenlehrer
Epiphanius (ca. 315-403) in seinem Buch Arzneimittelkästchen gegen
alle Irrlehrer (ein zynischer Titel) überliefert (Panarion omnium haeresium 30, 16, 4-5).
Epiphanius berichtet auch,
dass die von ihm (nach einem Mann namens Ebion) so genannten Ebionäer oder Ebioniten auf die Frage, warum sie Fleischspeisen und Opferkult strikt
ablehnten, erklärten, Jesus habe es so gesagt (Panarion 30, 18, 9), ein sehr wesentliches antikes Zeugnis für das Denken
von Jesus von Nazareth.
Doch der Großteil der Menschen hört lieber weiter auf die Priester anstatt auf
den Mann aus Nazareth. Der Tempel, in dem die Tiere geschlachtet werden, gewinnt
noch an Bedeutung und wird als Kunstwerk sogar erst in den 60er-Jahren baulich
vollendet. Fast gleichzeitig beginnt der Aufstand gegen die römische
Besatzungsmacht. Dieser endet jedoch in einer Katastrophe mit über 100.000 Toten und der
Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr., kurz nachdem er fertig gestellt wurde. Von den Überlebenden kommen
manche jetzt zur Besinnung, und in einer jüdischen Quelle ist zu lesen: "Als der
Tempel zerstört worden war, mehrten sich die Enthaltsamen in Israel, die weder
Fleisch aßen noch Wein tranken" (Talmud, Baba Batra 60 b).
Das Ende des Krieges und des Tempels hätten einen Neuanfang in der Gesellschaft
auch im Verhältnis zu den Tieren bedeuten können. Doch ausgerechnet bei einigen,
die sich auf Christus berufen und die deswegen aus den Synagogen, den
verbliebenen Gebetshäusern, ausgeschlossen werden, ziehen allmählich die
Kompromisse ein und es wird wieder Fleisch gegessen. So jedenfalls geht es aus
einem Dokument über die Christen in Palästina Anfang des 2. Jahrhunderts hervor,
dem bekannten Brief des römischen Gesandten Plinius an Kaiser Trajan. Plinius,
ein Gegner der Christen, schreibt nach Rom, dass ehemalige Christen ihm
folgendes berichtet haben: "Danach sei es bei ihnen Brauch gewesen, auseinander
zu gehen und [später] wieder zusammenzukommen, um ein Mahl einzunehmen,
allerdings ein ganz gewöhnliches und unschuldiges", was man gut als ein
vegetarisches Mahl deuten könnte. Plinius sieht jedoch immer mehr Christen von
ihrem Glauben abfallen und schreibt weiter: "Fest steht jedenfalls, ...dass
... das Fleisch der Opfertiere, für das es eben noch kaum
mehr einen Käufer gab, überall wieder Absatz findet. Demnach ist es leicht
vorzustellen, welch große Zahl von Menschen auf den rechten Weg zu bringen wäre,
wenn man nur ihrer [tätigen] Reue stattgäbe" (Epistula (= Brief)
X, 96, zit. nach Adolf Martin Ritter, Alte Kirche, Kirchen- und
Theologiegeschichte in Quellen, Band I, Neukirchen 1977, S. 15).
Doch bevor in Palästina Menschen, die sich Christen nannten, wieder mit dem
Fleischverzehr begonnen hatten, war ein schützender Damm für die Tiere bereits in anderen Teilen des
römischen Reiches gebrochen.
Wie ist es dazu gekommen? Nachdem sich die Nachfolger von Jesus zunächst nur
gegenüber den jüdischen Priestern und ihren Anhängern behaupten müssen, tut sich
bereits um das Jahr 50 eine neue Front auf. Ein Einzelgänger namens Paulus fängt
auf eigene Faust an, Menschen für Christus zu gewinnen, und zwar außerhalb von
Israel (siehe dazu Der Theologe Nr. 5). Weil Paulus als Parteigänger der Pharisäer die Jesusnachfolger in
Jerusalem früher verfolgte, herrscht zunächst Freude über seine Bekehrung -
einem Erlebnis, bei dem ihm nach eigenen Angaben Christus erschienen ist. Doch
schon bald kommt es zum Konflikt zwischen der Urgemeinde in Jerusalem und dem
Neubekehrten, da Paulus in vielerlei Hinsicht von der Lehre des Jesus von
Nazareth abweicht, z. B. in seiner Lehre, dass der Glaube für das Heil der Seele
genüge, während Jesus immer wieder auf das rechte Tun hinwies (siehe dazu
"Der
Theologe Nr. 8", Vergleich Nr. 7).
In der Bibel wird dieser Konflikt fälschlicherweise
so dargestellt, als gehe es um die Frage, ob ein Urchrist auch alle jüdischen
Gebote und Kultvorschriften übernehmen müsse, auch wenn er von seiner
Nationalität her gar kein Jude ist. Zu diesen Vorschriften gehört z. B. auch ein
reduzierter Fleischkonsum, der sich an bestimmten "Reinheitsvorstellungen"
orientiert. Zwar gibt es in Israel eine solche Gruppierung, die den Glauben
an Christus und die jüdischen Vorschriften zu vereinbaren sucht (eine
Untergruppe der so genannten "Judenchristen"), doch beim
Konflikt zwischen Paulus und den Aposteln geht es um etwas anderes, nämlich um
einen umfassenderen und grundsätzlichen Konflikt: Es geht darum, ob man Jesus in
allem zum Vorbild nimmt und ihm in allem, was er gebot und tat, nachfolgt - so,
wie es die Jünger wollten. Oder ob es nicht so entscheidend ist, was Jesus im
Einzelfall lehrte, Hauptsache man glaubt daran, dass er uns erlöst habe - wie es
Paulus wollte (Dieses Thema ist ausführlicher besprochen in
"Der
Theologe Nr. 5" - Wie Paulus die Lehre des Jesus veränderte).
So hatte die Urgemeinde längst mit den jüdischen Kultvorschriften und einigen
anderen Überlieferungen gebrochen, weil Jesus es so gelehrt hatte. Dazu gehört,
dass man dort - sofern man Jesus von Nazareth auch in diesem Punkt folgt - aus Achtung
und Liebe zu den Tieren gar kein Fleisch mehr isst. Anders in den
Paulusgemeinden, die ihre "Erlösung" und "Freiheit in Christus" auch als
Freiheit zum Fleischverzehr verstehen, und wo sich die Menschen nicht darum zu
kümmern brauchen, wie es Jesus von Nazareth gehalten hat. Denn, so sagt Paulus
z. B. an anderer Stelle:
"Ob wir auch Christus gekannt haben nach dem Fleisch [d. h. als Mensch], so kennen wir ihn doch
jetzt so nicht mehr" (2. Korinther 5, 16).
Auf dem Apostelkonzil von Jerusalem (um 50) wird schließlich entschieden, Paulus
und seinen Anhängern folgende Auflage zu machen: Wenn sie sich schon die
Freiheit herausnehmen, Tiere zu verspeisen, dann sollen sie zumindest, wie es im
Judentum üblich ist, auf Fleisch aus heidnischen Kulthandlungen und auf Fleisch,
das noch Reste von Blut enthält, verzichten (Apostelgeschichte 15, 20). Das
Einhalten dieser jüdischen Speisevorschriften ist demnach vielleicht ein Kompromiss-Angebot der
Jerusalemer Urgemeinde an die von Paulus gegründeten Gemeinden, das dazu
beitragen soll, dass beide Richtungen nicht vollständig auseinander brechen.
Was ist nun aus dieser Vereinbarung geworden? Zunächst ist Paulus bereit, sich
selbst persönlich einzuschränken und er rät in seinen Briefen sogar, den
Vegetariern zuliebe ganz auf den Fleischkonsum zu verzichten; bzw. er tut es den
Glaubensgenossen zuliebe, die sich nicht trauen, Fleisch zu essen, weil dies
zuvor heidnischen Göttern geopfert wurde (Tierliebe und kultische Ängste standen
als mögliche Motive für den Fleischverzicht nebeneinander). Paulus betrachtet
sie nämlich als "Schwache im Glauben", auf die man unbedingt Rücksicht nehmen
müsse. "Der Schwache aber isst kein Fleisch", so Paulus (Römer 14, 2). Und: "Es
ist nicht gut, Fleisch zu essen oder Wein zu trinken oder sonst etwas zu tun,
wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt" (V. 21). Sofern man jedoch
keinen Anstoß erregt, ermuntert er
die Menschen, sich die Freiheit zu nehmen, alles zu essen, "was auf dem
Fleischmarkt angeboten wird" (1. Korinther 10, 25; siehe zum Thema:
"Der Theologe Nr. 5", Kapitel 2, Wie Paulus das
Fleisch in das urchristliche Mahl einführte). Damit hält sich Paulus
letztlich nicht an die Auflage des Apostelkonzils, und seine "Christus"-Botschaft wird in dieser
Hinsicht den gehobenen Kreisen des Imperium Romanum angepasst, in denen der
unbedenkliche Fleischkonsum üblich ist. Doch es sollte noch schlimmer kommen.
Paulus selbst oder einer seiner Schüler, der unter dem Namen "Paulus" schreibt,
fasst einen Brief an Timotheus ab, in dem vor den "teuflischen Lehren" der
"Lügenredner" gewarnt wird: Diese würden gebieten, Speisen zu meiden, die nach der
Überzeugung von Paulus bzw. seines Schülers von Gott geschaffen seien, damit sie
"mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit
erkennen." Denn alles, was Gott geschaffen hat, sei gut, und nichts sei
verwerflich, was mit Danksagung empfangen werde; denn es werde geheiligt durch
das Wort Gottes und Gebet (1. Timotheus 4, 1-5). Der Verzehr von Tieren sei also gut, wenn man
- vereinfacht gesprochen - das Tischgebet nicht vergisst. So wird diese
Bibelstelle bis heute in den Kirchen
ausgelegt. Wie ist das aber, wenn man in diesem Zusammenhang darauf hinweist, dass ja auch der M e n s c
h von Gott "geschaffen" ist? Könnte dann nicht jemand eines
Tages auf die Idee kommen, mit Berufung auf die Bibel auch
Menschenfleisch dadurch "heiligen" zu wollen, dass man Gott zuvor dafür dankt und betet?
(PS: Der als "Kannibale von Rothenburg" bekannt gewordene Armin Meiwes fühlte sich
beim Verzehren seines Freundes Bernd Brandes sogar an das kirchliche Abendmahl
erinnert, wo eine Backoblate nach katholischer Auffassung zuvor in die
"Substanz" Fleisch umgewandelt wird und den Gläubigen als angeblicher "Leib
Christi" gereicht wird.)
Was hat der Autor des Briefes an Timotheus gemeint, wenn er schreibt, "nichts
ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird"?
Befragt man das evangelische Standardlexikon Religion in Geschichte und
Gegenwart, dann wendet sich der Brief an Timotheus gegen eine "breite
asketisch-vegetarische Strömung innerhalb der Gemeinden, die den Verzicht auf
Fleischgenuss ... empfahl, aber in dem Augenblick häretisch [Anmerkung: = falsch
gläubig] wurde, wo sie es forderte" (zit. nach Skriver,
a.a.O., S. 12). So
weit die kirchliche Interpretation.
Doch erforscht man die zahlreichen außerbiblischen Quellen, dann ist diese
Lebensweise nicht nur eine "breite Strömung", sondern der "Hauptstrom". Und die
Irrlehrer sind demgegenüber Paulus und seine Schüler; und in deren Nachfolge
die Amtskirchen bis heute, die das Töten der Tiere für den Fleischkonsum als
unbedenklich betrachten und befürworten.
Carl Anders Skriver schreibt dazu: "Man macht sich keine Vorstellung, welch ein
Vernichtungskampf gegen diese vegetarische Wahrheit im Christentum seit 2000
Jahren bis in die gegenwärtige Wissenschaft hinein geführt worden ist"
(S. 12).
Dieser Kampf führt z. B. dazu, dass die Kirchenversammlung von Ancyra im Jahr 314
per Dekret beschließt, "dass die, die in der Geistlichkeit Priester und Diakonen
waren und sich des Fleisches enthielten, es kosten sollten und so, wenn sie
wollten, sich selbst besiegten, wenn sie aber Abscheu zeigten, nicht einmal das
mit Fleisch vermischte Gemüse zu essen ... sie aus dem Amte zu entfernen" seien
(zit. nach Johannes Schümmer, Die altchristliche Fastenpraxis, Münster 1933,
S. 32). Es sollte jedoch nicht bei Berufsverboten bleiben.
Der Gott der Kirche hat bereits im Neuen Testament der Bibel das grausame Schicksal sowohl von
Tieren als auch von Andersgläubigen eingeleitet, das sich, was die Tiere
betrifft, derzeit [21. Jahrhundert] weltweit allen Menschen zeigt, die es sehen
wollen. So werden z. B. im 2. Petrusbrief der Bibel Andersgläubige mit
den "unvernünftigen Tieren" verglichen, "die von Natur dazu geboren sind, dass
sie gefangen und geschlachtet werden" (Kapitel 2, Vers 12). Im
Alten Testament (siehe hier)
und bei den Griechen (siehe hier) gibt es bei
den Tieren zumindest ein paar Ausnahmen. Das Neue Testament hingegen
kennt bei keinem Tier eine Gnade.
Verheimlichte Quellen (Teil 3)
Der Widerstand
gegen die vegetarische
Ernährung
Kuchen oder Heuschrecken
Zum Schlachten geboren?
Blei in den Hals
Bann und Tod für Vegetarier
Kleine Veränderungen ...
Eine Verwechslung?
Verfolgt und getötet
Eindringliche Warnungen
"Man macht sich keine Vorstellung, welch ein Vernichtungskampf gegen diese vegetarische Wahrheit im Christentum seit 2000 Jahren geführt worden ist", schreibt der bekannte Theologe Carl Anders Skriver in seinem Buch Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen (Lübeck 1973). So ist den meisten Menschen heute nicht mehr bekannt, dass Jesus und die ersten Urchristen auch Freunde der Tiere waren und auf Fleischnahrung verzichteten (siehe dazu Teil 1 und Teil 2 der Serie "Verheimlichte Quellen"). Nachfolgend einige ausgewählte Beispiele, wie diese Einsicht durch die Kirchen bekämpft wurde.
Eine heftige Auseinandersetzung zu diesem Thema lieferten sich z. B. um das Jahr 400 die aus dem Urchristentum hervorgegangene Gruppe der Ebionäer
mit dem damaligen kirchlichen "Ketzerbekämpfer" (heute heißt es "Sektenbeauftragter") Epiphanius. Die Ebionäer
essen kein Fleisch und sie berufen
sich dabei auf Jesus von Nazareth, der solches geboten habe (Epiphanius,
Panarion omnium haeresium 30, 18, 9). Doch auch der Vorläufer von Jesus,
Johannes der Täufer, war nach der Überzeugung der Ebionäer kein Fleischesser. Denn in dem später nach ihnen benannten
Ebionäerevangelium heißt es über ihn:
"Seine Speise war wilder Honig, dessen Geschmack der des Manna war, wie Kuchen in Öl."
Das Ebionäerevangelium, das um das Jahr 110 verfasst wurde,
ist deutlich älter als die bis heute erhaltenen Handschriften der biblischen Evangelien und es wurde von der katholischen Kirche vollständig vernichtet.
Dass wir heute dennoch einige Sätze daraus kennen, "verdanken" wir ausgerechnet dem Sektenbeauftragten
Epiphanius, der vor allem durch die Bekämpfung des
bekannten Bibellehrers Origenes bekannt wurde. Epiphanius bezichtigt in seinem Buch
Panarion omnium haeresium (= "Arzneimittelkästchen" gegen alle Irrlehrer) die Ebionäer der "Lüge", und der Kirchenmann
zitiert aus diesem Anlass das damals noch erhaltene Evangelium. Johannes hätte sich nicht - wie dort zitiert - von Ölkuchen (griechisch enkris) ernährt,
sondern von Heuschrecken (griechisch akris), wie es im kirchlich anerkannten Matthäusevangelium steht. Der Vorwurf der "Lüge" beruht jedoch auf Gegenseitigkeit.
Denn das Ebionäerevangelium warnt umgekehrt, dass die damals kursierenden Handschriften des Matthäusevangeliums, die später zu "Gottes Wort" erklärt wurden
"gefälscht und verstümmelt" sind. Enkris oder Akris - wie hat es also ursprünglich geheißen? Sicher nur ein kleines Beispiel, wo Aussage gegen Aussage steht,
Überlieferung gegen Überlieferung. Wer sagt nun die Wahrheit? Und wer lügt? Gewiss ist nur - der Kirchenvater Hieronymus hat Ende des 4. Jahrhunderts
darüber berichtet -, dass es der sich herausbildenden Amtskirche darum geht, die bisher vielfältigen Überlieferungen mehr und mehr in ihrem
Sinne zurecht zu biegen.
In den ersten Jahrhunderten gilt es in kirchlichen Kreisen als Kriterium für Wahrheit, wenn eine Schrift von einem Apostel stammte.
Eine solche Herkunft kann man natürlich auch vortäuschen, um für eine bestimmte Schrift z. B. einen Platz in der entstehenden Bibel zu beanspruchen.
Dies ist offenbar der Fall beim 2. Petrusbrief, der angeblich vom Jünger Petrus stammt und deshalb von der Kirche auch zum "Wort Gottes" erklärt wurde.
Doch die neutestamentliche Wissenschaft ist sich heute weitgehend sicher, dass der Brief nicht von Petrus stammt - man spricht aber nur selten von einer "Fälschung",
sondern verwendet lieber den beschönigenden Begriff "Pseudepigraphie" (= "Pseudo-Schrift").
Und was trägt dieser kirchlicherseits zum "Gotteswort" erhobene gefälschte Brief
zum Thema bei? Der Verfasser lässt anlässlich der
Beschimpfung von Andersgläubigen durchblicken, was er von Tieren hält. Die
angeblichen Irrlehrer seien nämlich wie die angeblich "unvernünftigen" Tiere, "die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden"
(2, 2) - eine
Perversion der Lehre des Jesus und seines Jüngers Petrus, der sich nach antiken Quellen vegetarisch "von Brot und Oliven" ernährte, "denen er teilweise Gemüse hinzufüge"
(Clementinische Homilien XII, 6; vgl. auch die Fälschung in Apostelgeschichte
11, 7-9).
Doch es kommt noch einmal schlimmer: In der nun folgenden Zeit bleibt es nicht beim Rufmord an einzelnen Urchristen oder an
einzelnen Gemeinschaften, die man wie z. B. im 2. Petrusbrief verleumdet. Die
kirchlichen Tiermörder werden sehr bald auch zu Menschenmördern. Ein Beispiel
dafür wird von
Kaiser Konstantin berichtet, der die katholische Kirche ab dem Jahr 313
massiv bevorzugt und die urchristlichen Bewegungen ab 326 verfolgen lässt, auch
wenn er selbst erst auf dem Sterbebett katholisch wurde. In diesem Jahr wird von
ihm das so genannte "Häretikergesetz" erlassen, das jede Art von Versammlungen
von Christen, die vom Katholizismus abweichen, auch private, verbietet. Wer von
nun an Urchristen oder verwandten Gruppen einen Raum für Treffen zur Verfügung
stellt, dessen Haus soll an die römisch-katholische Kirche übereignet werden.
Von Konstantin ist überliefert, dass er den auf Alkohol verzichtenden und
vegetarischen "Irrlehrern" offenbar flüssiges Blei in den Hals schütten ließ
(Carsten Strehlow,
Vegetarismus/Veganismus als Bestandteil des Christentums, Berlin 2000).
In dem Kampf gegen die vegetarische "Irrlehre" hatte die Kirche bis dahin schon
Erfahrung. So lautete im 2. Jahrhundert im Osten des römischen Reiches z. B. ein Abschnitt eines Glaubensbekenntnisses, das
neue Mitglieder beim Eintritt in die Kirche sprechen mussten:
"Ich verfluche die Nazarener, die Sturen, die verneinen, dass das Opfergesetz von Moses gegeben wurde, die sich dem Essen lebender Kreaturen enthalten
und die nie Opfer darbieten".
Das Glaubensbekenntnis ist
den Clementiner Erinnerungen
beigefügt
(zit. nach dem Buch des Qumran-Forschers Hugh J. Schonfield, Die Essener,
Fulda 1985, S. 99,
der wiederum auf
den bekannten Klassiker von James Parkes, The Conflict of the Church and
the Synagogue, London 1934, S. 398,
verweist. Die Clementiner Erinnerungen
sind offenbar beim Kirchenvater Hegesipp (um 180) erwähnt). Von jüdischen
"Neubekehrten" wurde darin eine klare Abgrenzung von den "Nazarenern" gefordert,
einer der vielen von der Kirche bekämpften urchristlichen oder jüdischen
Gemeinschaften, die in den Schriften der Kirchenväter unter zahlreichen
Namensbezeichnungen erwähnt wurden. Und während im oströmischen Reich immerhin der Genuss von Wurst noch
lange verboten
ist, fördert ihn das kirchenchristliche Abendland mit Nachdruck, und die
Situation für die Tiere verschlechtert sich immer weiter.
Parallel dazu wird das Lehrgebäude des Katholizismus gegen die Tiere
weiter entwickelt. So wird ihnen durch die Kirchenheiligen Augustin (354-430)
und später Thomas von Aquin (1225-1274) eine unsterbliche Seele abgesprochen.
Damit werden sie ausdrücklich vom Heil in Christus ausgeschlossen. Und in diesem
Umfeld gründet man kirchliche Metzgerzünfte, und Menschen, die kein Fleisch
essen möchten, werden bedrängt, verfolgt und hingerichtet.
Eine
wesentliche Grundlage für die Verfolgung der Vegetarier als "Ketzer" ist der Bannfluch von Papst Johannes III. (561-574) auf der 1. Synode
von Braga/Portugal im Jahr 561: "Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den Menschen zum
Genuss gegeben hat, für unrein hält und ... auf sie verzichtet ..., der sei mit
dem Bannfluch belegt" (Cod. Alderspac. 184 membranac. Saec. XIV., zitiert nach
Ignaz von Döllinger, Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters, Bd. 2,
München 1890, S. 295 f.). Ein päpstlicher Bannfluch ist eine Art
Todesurteil, denn er hatte die "Vogelfreiheit" zur Folge. Der Verfluchte wird
aus der Gesellschaft ausgeschlossen, er verliert alle Rechte, und jeder darf ihn
straflos töten.
Der Papst zielte mit seinem Fluch damals vor allem auf die urchristlichen Manichäer.
Denn die Manichäer erklärten: "Man liest nie, dass Christus Fleisch aß, außer
beim letzten Abendmahl, um das Gesetz des Moses zu erfüllen (siehe dazu
oben). Vorher aß er kein Fleisch, damit auch
wir so handeln. Wie man liest, haben auch viele Heilige kein Fleisch gegessen;
also essen wir auch keines" (zitiert nach
Ignaz von Döllinger, Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters, Bd. 2,
München 1890, S. 295 f.)
Und weiter: "Da der Mensch essen muss, um auf Erden leben zu können, ist es
besser, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die viele Lichtanteile enthalten, wie
etwa Obst in leuchtenden Farben, Melonen, Kürbis und Gurken. Strikt zu meiden
sind dagegen Fleisch und Wein" (zitiert nach Petra Seifert/Manfred Pawlik,
Geheime Schriften mittelalterlicher Sekten, Aus den Akten der Inquisition,
Hamburg 2008, S. 116; mehr zu den Manichäern unter
http://www.das-weisse-pferd.com/02_09/mani.html). Die Manichäer wurden
genauso verfolgt und umgebracht wie alle anderen, die es wagten, den Menschen in
Wort und Tat eine Alternative zur Kirche zu bieten.
Im Mittelalter lässt die kirchliche Inquisition schließlich Menschen aufhängen, die sich weigerten, Tiere zu töten.
Als Beweis ihres rechten römisch-katholischen Glaubens mussten Verdächtige z. B. öffentlich ein
Tier schlachten. Der Philosoph Graf von Hoensbroech schreibt: "Durch eine
Bischofsversammlung in Goslar im Jahr 1051 wurden mehrere als Ketzer zum Tode
verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, Hühner zu töten; denn es entspräche
den Anschauungen der Katharer, keine Tiere zu töten (mehr zu den Katharern in
Südfrankreich siehe hier und
bei
http://www.das-weisse-pferd.com/03_03/die_katharer.html). Ja selbst das
Aussehen der Angeschuldigten genüge, sie als Ketzer zu verurteilen, weil ihre
Blässe zurückzuführen sei auf den der Lebensführung der Katharer entsprechenden
ausschließlichen Genuss von Pflanzennahrung" (Paul Graf von Hoensbroech, Das
Papsttum in seiner sozial-kulturellen Wirksamkeit, Leipzig 1904, S. 35; PS:
In Bezug auf eine vernünftige vegetarische Ernährung ist die angebliche "Blässe"
eine Verleumdung).
Und wie ergeht es den Tieren selbst? Zu Ehren des "heiligen" Vinzenzus wird z.
B. jährlich eine Ziege in Manganeses de la Polverosa in Spanien lebend vom Kirchturm geworfen.
In anderen Orten werden Stiere zur Ehre des katholischen Schutzheiligen des
Ortes durch die Straßen getrieben und am Ende der Festlichkeiten abgestochen
(das berühmteste Spektakel dieser Art findet alljährlich in Pamplona statt).
Diese und viele weitere grausame Bräuche und Traditionen entstehen in der
katholischen Bevölkerung. Zahllose Tiere werden zudem als Weihnachts- und
Osterfestbraten in allen kirchlich geprägten Ländern bis heute qualvoll gemästet
und verzehrt, und in dem überwiegend katholischem Frankreich erklärt die
Nationalversammlung erst im Jahr 2005 die Gänsestopfleber zum "nationalen
Kulturerbe". Dafür werden die Tiere zuvor "gestopft", d. h. mit qualvollen
Mitteln aufgebläht und aufgedunsen.
Während die katholische Lehre
bestrebt ist, das
teilweise furchtbare Verhalten der Menschen gegenüber den Tieren auch theologisch zu rechtfertigen
(z. B. Katholischer Katechismus Nr. 2417 und Nr. 2418), wird das
Thema in der evangelischen Theologie weitgehend ignoriert.
So schreibt etwa der Theologe Dr. Guido Knörzer über die evangelischen Denkgebäude: "Tiere, Pflanzen,
die Welt kommen hier nicht mehr vor" (Töten und Fressen? München 2001,
S. 60). Vielleicht ist ein tiefenpsychologischer Grund für den schlimmen Umgang der
Kirche mit den Tieren auch, dass diese weder katholisch noch evangelisch sind,
sondern einfach Geschöpfe Gottes.
Da das Thema "Tiere" bzw. "Tierleid" im aktuellen evangelischen Katechismus
überhaupt nicht vorkommt, ist es nicht verwunderlich, dass man auch bis in die jüngere Vergangenheit hinein die trotz Vernichtung noch vorhandenen Spuren der urchristlichen
Tierfreundlichkeit gerne unterschlägt. Z. B. wird in dem von Eduard Hennecke herausgegebenen wissenschaftlichen Nachschlagewerk
Neutestamentliche Apokryphen
(2. Auflage, 1924)
der Kirchenvater Hegesipp (um 180) zitiert. Der antike Zeuge schreibt darin über den Jesusbruder
Jakobus, den ersten Leiter der Jerusalemer Urgemeinde:
"Er genoss weder Wein noch Rauschtrank." Professor Hennecke zitiert diese Quelle aber nur teilweise, worauf
Carl Anders Skriver (a. a. O., S. 13) aufmerksam macht,
denn bei Hegesipp heißt es weiter "... und aß nichts, das beseelt war". In der
6. Auflage (1990) ist der Satz mittlerweile wieder vollständig zitiert.
PS: In der Bibliothek der Kirchenväter wird die Stelle übersetzt mit "... auch
aß er kein Fleisch" (http://www.unifr.ch/bkv/).
Doch was manchen Theologen nicht ins Konzept passt, wird möglicherweise auch dann angezweifelt, wenn die Quelle eindeutig ist. So mutmaßt z. B. der bekannte evangelische Theologe Walter Bauer (20. Jahrhundert), Professor und Herausgeber des Standardwerks Handbuch zum Neuen Testament, ob der Kirchenvater Clemens von Alexandrien (2. Jahrhundert) wohl die Jüngernamen durcheinander gebracht habe (nach Skriver, a.a.O., S. 15). Er schreibt: "Die Meinung, dass er [Matthäus] strenger Vegetarier gewesen sei (Paidagogos II, 1.16: "Matthäus lebte von Samenkörnern, Baumfrüchten und Gemüsen ohne Fleisch"), hat ihren Grund wohl in einer Verwechslung mit dem Apostel Matthias ..." Aus den antiken Quellen geht jedoch hervor, dass beide, Matthäus und Matthias, Vegetarier waren und längst nicht nur diese beiden. Es gibt allem Anschein nach keine antiken Zeugnisse, dass auch nur ein Apostel Fleisch gegessen hatte (mit Ausnahme des Außenseiters Paulus). Demgegenüber stehen viele Berichte, dass sie darauf verzichteten.
Dieses Wissen von der Lebensweise von Jesus und den Jüngern zieht sich im Untergrund durch die gesamte Geschichte der Christenheit und findet immer wieder Nachfolger.
Ein weiteres Beispiel sind die ebenfalls vegetarisch lebenden Katharer im mittelalterlichen Südfrankreich.
Sie werden - wie viele andere Urchristen auch - von der Kirche grausam verfolgt und getötet.
Heute kann man die weltweite Massentierhaltung und den Rekord an Tierversuchen als grausige Höhepunkte einer kirchlichen Tradition betrachten,
die den Menschen als "Ebenbild Gottes" von Natur und Tieren getrennt hat. Als Tüpfelchen auf das "i" passte dazu, dass sich im Jahr 2000
noch die meisten Abgeordneten der so genannten C-Parteien in Deutschland ("c" von "christlich"),
CDU und CSU, weigerten, der Aufnahme des Tierschutzes
in das deutsche Grundgesetz zuzustimmen. Erst im Jahr 2002 fand sich in diesen Parteien dafür
doch eine Mehrheit und das Grundgesetz konnte um den Tierschutz erweitert werden. Doch als eine Folge des bis dahin fehlenden Grundrechts wurde Anfang 2002
noch das Verbot des betäubungslosen Schlachtens ("Schächtens") für muslimische Metzger in Deutschland aufgehoben. Gleich den jüdischen Metzgern
wurde nun auch ihnen das Schächten erlaubt. Und auch sonst hat sich trotz der
Grundgesetz-Erweiterung für die Tiere seither praktisch so gut wie nichts verbessert.
Mittlerweile hat sich die weltgeschichtliche Situation allerdings vielfach
verändert, und Natur und Tiere gehorchen dem Kannibalen "Mensch"
insgesamt immer weniger.
Naturkatastrophen stürzen immer häufiger auf die Menschen ein, und die durch den
Fleischverzehr verursachten Krankheiten und Seuchen nehmen weltweit rapid zu. Immer wieder
hatte es zuvor in der Geschichte gegen den Widerstand von Theologie und Kirche Versuche gegeben, die verrohte und tierkannibalische Menschheit aufzurütteln.
So wird auch heute von vielen Gruppen und Einzelpersonen eindringlich davor gewarnt, das bestialische Verhalten gegenüber der Tierwelt fortzusetzen.
Denn Tiere leiden und empfinden wie wir Menschen,
je nach ihrem Bewusstseinsgrad mehr oder weniger. Für den Verursacher dieses
Leids, den Menschen, bedeutet dies früher oder später: Was er sät, das wird er ernten,
so die Warnungen. Konkret: Was er den Tieren antut,
fällt früher oder später auch auf ihn zurück und wird ihm angetan - wenn es nicht rechtzeitig und ernsthaft bereut und durch ein neues Verhalten unter Beweis gestellt wird.
Mensch und Tier: Verheimlichte Quellen (Teil 4)
Absturz in die Barbarei
durch das kirchliche Christentum
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Für eine Nahrung "frei von Mord" -
Griechenland und Rom
Israel: Gottespropheten
und Weisheitslehrer schützten die Tiere
Was aßen die Germanen?
"Wider die Christen"
Der Lynchmord an der Mathematikerin
Die Theologen
Dosenwurst aus
franziskanischer Hausschlachtung
Dank der Jesuiten: Fleisch für Japan
Gandhi: Europa verwirklicht den Geist Satans
Ein Bund mit den Tieren
Die
grausamen Tieropfer im Alten Testament und ihre Herkunft aus Ägypten
Das Symbol für den Heiligen Geist hängt tot im Kirchturm
Wie war es möglich, dass sich in den europäischen Kulturnationen Massentierhaltung, Tierversuche und eine gnadenlose Bejagung entwickeln konnte?
Bei den Philosophen im antiken Griechenland und in Rom wurden die Tiere hochgeschätzt, ebenso in außereuropäischen Hochkulturen wie z. B. Ägypten und Indien.
Durch Jesus von Nazareth hätten alle diese positiven Ansätze schon vor ca. 2000 Jahren ihre Vollendung finden können.
Denn
er strebte ausgehend von Palästina
ein weltumspannendes Friedensreich für Mensch, Natur und Tiere an, so wie es der
Prophet Jesaja vorher gesagt hatte: "Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen
und die Panther bei den Böcken lagern ... Löwen werden Stroh fressen wie die
Rinder ... Und ein Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter ..."
(11, 6-9). Doch eine neue Institution tritt wenig später in die Geschichte ein, welche
seine Ideale verrät
und die geistigen Grundlagen für die heutige Barbarei schafft: Es ist das kirchliche Christentum, das im Widerspruch zu anderen Religionen und antiken Weltanschauungen
den Menschen von seinen Mitgeschöpfen trennt. Man erklärt nur den Menschen zum Auserwählten Gottes, der in den Himmel eingehen würde, wenn er der Kirche die Treue hält.
Für die Tiere kennt diese neue Religion keinen Himmel, und auch auf der Erde beginnt für sie nun eine beispiellose Leidenszeit, deren Höhepunkt und gleichzeitig
deren Wendepunkt wir gegenwärtig erleben.
Für eine Nahrung "frei von Mord" - Griechenland und Rom
Die alte ägyptische Hochkultur mit ihren Pyramiden
betrachten wir heute oft mit Staunen und Ehrfurcht. Ägypten war eine
Ackerbaunation, in der viele Tiere als heilig galten oder gar als
Erscheinungsformen von Göttern. Zugtiere halfen dem Menschen bei der Feldarbeit,
man aß nur wenig Fleisch, und, um vor dem jenseitigen Totengericht bestehen zu
können, musste man nachweisen, auf der Erde kein Tier misshandelt zu haben.
Allerdings erscheint der zentrale kultisch-religiöse Bereich als leidvolle
Ausnahme: So gab es z. B. im Zusammenhang des
Totenkults grausame Tieropfer, die sich auch die Israeliten in
Ägypten abgeschaut hatten und später selbst praktizierten. Und da dies von
israelitischen Priestern als angebliches "Wort Gottes" ausgegeben und vom
kirchlichen Christentum als solches bestätigt wurde, drangen diese Grausamkeiten
auch prägend in die Kirche ein (vgl. dazu; Stefan
Grunert, Die Schächtung im Totenopfer in: Martin Fitzenreiter, Tierkulte im
pharaonischen Ägypten und im Kulturvergleich, Berlin 2003, S. 81 f.).
Letztlich waren es meist Priester, die den Tieren
Gewalt antaten, während Propheten und Philosophen ihre Fürsprecher waren. Auch im griechischen Kulturkreis, der Wiege
Europas, hatte sich in philosophischen Schulen eine höhere Ethik und Moral den
Tieren gegenüber herausgebildet. Während Homer im 8. Jahrhundert vor Christus
noch von Tieropfern der Vorfahren berichtete, lehnen die Orphiker (7. Jahrhundert v. Chr.)
den Fleischkonsum ab, da er die Rückkehr der Seele in ihre Heimat
beeinträchtige. Ebenso die asketisch lebenden Kyniker (4. Jahrhundert), die an
den bekannten Lehrer Sokrates anknüpfen. Und nachdrücklich setzten sich der
Mathematiker, Musiker und Philosoph Pythagoras (ca. 570-500 v. Chr.) und
der Arzt Empedokles (490-430 v. Chr.) für eine tierfreundliche und
vegetarische Lebensweise der Menschen ein. Es sei "die größte Befleckung" für
den Menschen, "Leben zu entreißen und edle Glieder hineinzuschlingen", so
Empedokles. In der gesamten griechischen Volksmythologie sind Menschen, Tiere
und göttliche Wesen intensiv verbunden, und der oberste Gott Zeus kann sich
z. B. in einen Stier oder Schwan verwandeln, so dass man in einem Tier auch einem
Gott begegnen kann. Trotzdem wurde in Griechenland noch viel gejagt oder
gefischt und der griechische Dichter Oppian schrieb um ca. 180 n. Chr. z.
B. eine poetische Abhandlung darüber (Halileulica). Bei ihm finden sich
zumindest aber auch Reste der hohen antiken Tierethik, wenn er z. B. die Delphine als
"Götterboten" vor dem Gejagt-Werden schützen will und über die Götter
Griechenlands schreibt: "So sehr, wie sie das Morden von Menschen verdammen,
hassen die Götter den, der Todesqual über die gütigen Herren der Tiefe bringt"
(zit. nach
http://www.delfine.net).
Heute verenden die Delphine auf dem "Papst-Planeten" Erde zu Hunderttausenden in
den Fangnetzen der Hochseefischer oder werden als "Konkurrenten" der Fischer
abgeschlachtet, um dann z. B. zu Schweinefutter für die Massentierhaltung
verarbeitet zu werden. Nach ca. 20 Millionen Jahren auf der Erde sterben sie
derzeit aus. Wie zahllose andere Tiere auch. Denn für den Kirchengott und andere
tierfeindliche Religionen gehören auch die "Götterboten" nur zu den
"unvernünftigen Tieren, die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und
geschlachtet werden" (angebliches "Gotteswort" in 2. Petrus 2, 12).
Kurz vor der Etablierung des kirchlichen
Christentums stand also das Verhältnis zu den Mitgeschöpfen der Menschen im
europäischen Kulturkreis vielfach auf der Kippe. Es gab ein Für und Wider, und
es war noch nicht klar, in welche Richtung die Entwicklung geht. So wurde z. B.
im republikanischen Rom, einer überwiegend städtischen Gesellschaft,
nur wenig gejagt (die Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin Diana wurde in Anlehnung an
die griechische Artemis erst in einem späteren Stadium auch zur Göttin der
Jagd), und es galt im Rom das Ideal der "Tugend".
Doch was gehört zu dieser "Tugend"? Die Verhalten zu den Tieren ist hier
einbezogen. So mahnt z. B. der bekannte Konsul Cato (95-46
v. Chr.): "Niemand darf mit beseelten Tieren wie mit Geräten umgehen" - eine
indirekte Absage an das spätere vom Katholizismus geprägte römische Recht, in der Tiere als "Sachen"
gelten, was sich bis heute in der europäischen Rechtssprechung erhalten hat. Der
Niedergang beginnt in Rom dann in der Cäsarenzeit ab ca. 50 v. Chr., als sich die gehobenen
Kreise zunehmend dem Fleischkonsum hingeben und für die Belustigung des
Volkes Tiere im Zirkus töten lassen. Dagegen protestieren Tierfreunde wie der
Philosoph Horaz (65-8 v. Chr.), der an seine Mitbürger appelliert:
"Wage es weise zu sein! Höre auf, Tiere zu töten!" Gegen den Fleischkonsum
wenden sich auch die heute weltbekannten Philosophen Seneca (55 v. Chr.-40), und Ovid
(43 v.Chr.-17), der eine der bekanntesten Tierhymnen schreibt, die "Rede des
Phythagoras", in welcher Ovid die Überzeugung des griechischen Philosophen
in einer fiktiven Rede darstellt. Und darin heißt es dann: "Sterbliche, hütet euch doch, mit frevelnder
Speise der Leiber euch zu beflecken! Es gibt ja Getreide und Obst, das der Bäume
Zweige belastet, die Reben sind voll von strotzenden Trauben. Reichtum spendet
euch die Erde verschwenderisch, friedsame Nahrung, und sie gewährt auch
Gerichte, die frei sind von Mord und vom Blute." Wegen Kritik am
ausschweifenden Lebensstil der Enkelin des Kaisers Augustus wird Ovid jedoch
aus Rom verbannt.
Der abendländischen Kirche sollte es einige Jahrhunderte
später sogar gelingen, die Ausschweifungen und Verbrechen der Machthaber zu segnen und
die Erkenntnisse der antiken Philosophie als gotteslästerlich zu brandmarken und
zu verbieten. So wäre z. B. ein scharfsinniger Denker wie Plutarch (46-120)
mit der Todesstrafe bedroht worden, wenn er ca. 300 Jahre später gelebt hätte.
Er spricht den Tieren einen Verstand und Rechte zu und beklagt, dass der Mensch
als Räuber in den Lebensraum von Tieren eindringt, die ihm nichts getan haben,
z. B. die Fische. Und wenn die Welt um des Menschen willen erschaffen sei, so
spottet er, welchen Sinn hätten dann wohl die schädlichen Insekten? Die Kritik
gilt der Schule der Stoiker, bei denen sich bereits die Sonderstellung des
Menschen abzeichnet, die später vom kirchlichen Christentum zugespitzt und
ausgebaut wird.
Israel: Die Gottespropheten und Weisheitslehrer schützten die Tiere
Auf Jesus von Nazareth kann
sich das kirchliche Christentum dabei aber nicht berufen. Er lebt mit
seinen Jüngern ähnlich wie eventuell die jüdische Gemeinschaft der
Essäer als Vegetarier, und viele seiner Erlebnisse mit den Tieren als den
kleinen Geschwistern der Menschen sind erst in den beiden vergangenen
Jahrhunderten neu entdeckt worden. Eine wesentliche Quelle ist z. B. das im Jahr
1881 von dem britischen Theologen Gideon Jasper Richard Ouseley in einer
Innenschau empfangene Evangelium der Heiligen Zwölf oder
Evangelium Jesu, das sich mit einem
in Aramäisch geschriebenen Ur-Evangelium aus antiker Zeit decken soll.
Tatsächlich kennt auch die kirchliche Wissenschaft ein Evangelium der Zwölf, wobei ein paar erhaltene
Reststücke, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit diesem Evangelium zugeschrieben
werden können, tatsächlich mit Passagen des im 19. Jahrhundert inspirierten Textes
übereinstimmen. Doch selbst in der Bibel ist noch nachlesbar,
wie Jesus - ähnlich wie andere Propheten vor ihm (siehe z. B. Hosea 6, 6;
Jesaja 1, 11.13, Jeremia 7, 21-23, Amos 5, 21-24*) - seine Stimme z. B. gegen die furchtbaren Tieropfer erhebt
(z. B. Matthäus 9, 13*) und wie
er die Tierhändler aus dem Tempel treibt.
Doch viele Tiere sind in Israel aus religiösen Gründen auch vor der Opferung und dem Fleischverzehr geschützt.
Ausgerechnet der kultische "Makel", dass man sie als "unrein" betrachtete
(siehe die Aufzählung in 3. Mose 11, 1-30), schützte sie. Religiöse Gründe hat allerdings auch
das brutalst bestialische Schächtgebot (die Pflicht, Tieren ohne Betäubung die Kehle durchzuschneiden und sie ausbluten zu lassen).
Diesen grässlichen Opferkult haben die Israeliten vermutlich in Ägypten kennen gelernt (vgl.
hier) und die Priester Israels haben dies später als Anweisung ihrem Gott Jahwe
bzw. ihrem Propheten Mose unterschoben.
Zumindest hat sich
in Israel aber ein komplettes Jagdverbot durchgesetzt,
da man ein Tier auf der Jagd nicht auf diese schreckliche "korrekte" Weise töten könne.
So wird in Psalm 104, einem Lob Gottes, auf wunderbare Weise das
Miteinander von Mensch und Tier in freier Natur veranschaulicht: "Du lässt die
Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin. Allen
Tieren des Feldes spenden sie Trank ... Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch
Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde und
Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und
Brot das Menschenherz stärkt. Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern
des Libanon, die er gepflanzt hat. In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, auf den
Zypressen nistet der Storch. Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem
Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht" (V. 10-11.14-18). Deshalb trifft
den Naturschänder und Jäger das Wehe Gottes: "Denn dich erdrückt dein Verbrechen
gegen den Libanonwald, und die Vernichtung des Großwilds lastet auf dir", droht
z. B. der Gottesprophet Habakuk im 7. Jahrhundert v. Chr. (2, 17). Zu
diesem Zeitpunkt hatte auch der große Prophet Jesaja schon seine Vision
vom kommenden Friedensreich kund getan, in dem weder der Mensch noch vormals
wilde Tiere mehr jagen: "Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim
Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten"
(11, 6). Der Mensch ist dazu aufgerufen, bereits jetzt nach dieser
neuen Ethik zu leben, und es gilt auch: "Wer einen Ochsen schlachtet, gleicht
dem, der einen Mann erschlägt"
(66, 3 nach der Lutherübersetzung). Das insgesamt widersprüchliche Verhältnis
zu den Tieren in Israel zeigt sich bereits in den unterschiedlichen
Schöpfungsberichten, wonach Mensch und Tier ursprünglich Vegetarier waren
(1. Mose 1, 29-31),
der Mensch seit der Sintflut jedoch mit Erlaubnis
"Gottes" "Furcht und Schrecken" über die Tiere bringen darf
(1. Mose 9, 2-4).
Es hängt ganz davon ab, ob die Texte aus prophetischer Quelle stammen, in denen
ein friedfertiges Miteinander von Mensch und Tier gelehrt wird, oder aus
priesterlichen Quellen, welche die Tierquälereien und Schlachtungen fordern.
Gleich den großen Gottespropheten Israels kennt auch der Weisheitslehrer Hiob
die Einheit allen Lebens und lehrt die Menschen, dass Tiere eine Seele haben und
dass Tiere den Menschen die Einheit der Schöpfung lehren können. So heißt es z.
B. in Hiob 12, 7: "Frage
doch das Vieh, das wird´s dich lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die
werden dir´s sagen, oder die Sträucher der Erde, die werden dich´s lehren, und
die Fische im Meer werden dir´s erzählen. Wer erkennte nicht an dem allen, das
des HERRN Hand das alles gemacht hat, dass in Seiner Hand ist die Seele von
allem, was lebt, und der Lebensodem aller Menschen." Und nach den Sprüchen
Salomos soll der Mensch aufhören, sich nach gelegentlichen Fleischmahlzeiten
zu sehnen: "Sei kein Weintrinker und sehne
dich nicht nach Mählern mit Fleisch noch nach Marktplätzen"
(Sprüche 23,20; Übersetzung der Septuaginta, Deutsche Bibelgesellschaft 2009).
Was im alten Israel - zwischen Propheten und Weisheitslehrern einerseits und
Priestern andererseits - umkämpft war und in westlichen Kulturkreisen bis
heute gesellschaftlich umkämpft ist, gilt in manchen östlichen Kulturen als selbstverständlich. Wie bei den griechischen Philosophen,
bei Jesus oder bei den Essäern lehrt man z. B. auch im Buddhismus die Verwandtschaft alles Lebendigen und zieht entsprechende Konsequenzen zum Schutz der Tiere.
Vom Hinduismus weiß man, dass auch praktische Überlegungen eine Rolle spielen. So
nennt Mahatma Gandhi die Kuh "die Mutter Indiens",
"welche die Kinder mit ihrer Milch ernährt, die Felder weich und fruchtbar macht, die Feuerstätten mit ihrem getrockneten Dung versorgt". Und von China wird berichtet,
dass die Bauern vier Jahrtausende lang vegetarisch lebten.
Selbst die als "wild" verschrieenen Germanen ernähren sich zu Beginn des ersten Jahrtausends vermutlich noch überwiegend ohne Fleisch.
Die "Minderheiten von Jägern hatten an der Kulturgestaltung so gut wie keinen Anteil. Die Viehzüchtung beschränkte sich damals auf die Zugtiere für den Ackerbau"
(Wolfgang Baumgärtl, Die Germanen, in: Lebensschutz Nr. 1/2001). Der römische Geschichtsschreiber Tacitus (55-116) schreibt: "Die germanischen Völker am Rhein ernähren
sich von Äpfeln und Feldfrüchten", wozu je nach Möglichkeiten "frisches Wildbret" kam.
Letzteres gilt in der römischen Küche, die bis heute von Getreideprodukten, Feldfrüchten und Oliven geprägt ist,
nämlich als "barbarisch". Doch die einflussreichen Philosophen,
die sich eine Zeitlang noch schützend vor die Tiere stellen können, werden durch das aufstrebende Kirchenchristentum vom 2. bis zum 4. Jahrhundert massiv bekämpft
und schließlich selbst mit dem Tode bedroht. Der kirchliche
Haupt-Lehrer
Paulus (10-ca. 65)
vertritt zwar teilweise noch eine hohe Ethik (z. B. soll das Böse mit Gutem überwunden
werden). Den Tieren gegenüber bricht Paulus jedoch alle Tabus, wenn er schreibt:
"Alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, das esst, ohne euch ein Gewissen darüber zu machen"
(Bibel, 1. Korinther 10, 25; siehe jedoch auch die Studie:
Paulus wäre heute Vegetarier in
Auch in der Bibel wird deutlich: Tiere sollen nicht
getötet werden). Die Anhänger der Kirche, die für ihr Seelenheil
nur "glauben" und einige Sakramente in Anspruch nehmen müssen (vor allem die Wassertaufe
für ihre Säuglinge), verrohen zunehmend und entfernen sich immer weiter von dem Mann aus Nazareth,
auf den sich die Kirche fälschlicherweise bis heute beruft. So spottet Kirchenlehrer Aristides (um 150) über die
angebliche "Unvernunft" der Ägypter, die Tiere heiligen
"und nicht merken, ... dass dieselben n i c h t s sind"
(Apologie 4, 2f; 5, 1ff; 6, 1; 12, 1.6ff. u. a.). Und Kirchenvater
Clemens von Alexandria
(ca. 150-210)
stößt Weherufe gegen die angeblich "Gottlosen" aus, welche unseren
Wohnplaneten, die Mutter Erde, ehren, und er lästert: "Ich bin aber gewohnt, die Erde mit meinen Füßen zu treten, nicht sie anzubeten"
(Protr. Kap. 2 und 4, zit. nach Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des
Christentums, Bd. 1, Reinbek 1986).
Doch gegen diese sich zunehmend entlarvende Barbarei des Kirchenchristentums
erhebt sich im 3. Jahrhundert noch einmal eine mächtige Stimme.
Der griechische Philosoph Plotin (205-270) und sein aus dem Libanon stammender Schüler Porphyrius (ca. 234-304) entwickeln eine große ethisch hoch stehende Gesamtschau der Schöpfung, wonach alles aus dem Geist hervorgegangen ist. Sie lehren, dass sich auch in der niedrigsten Schöpfungsform, der Materie, noch der Geist spiegelt und dass sich die Seele durch ein ethisches Leben wieder emporarbeiten und mit dem Geist verschmelzen kann. Porphyrius schreibt in dem Buch Über die Enthaltsamkeit von Beseeltem auch darüber, wie die sich höher entwickelnde Seele auf den Fleischgenuss verzichtet. Den Kirchenchristen hält der Philosoph vor, das antike "Vätererbe im Stich gelassen zu haben" und sich "eine neue, ausweglose Lehre zurechtzuzimmern, welche weder den Überlieferungen der Griechen noch denen der Juden die Treue bewahrt". Dazu spießt der Philosoph zahllose Unklarheiten, Wissenslücken und Widersprüche der kirchlichen Lehre auf und verfasst das 15-bändige Werk Wider die Christen - nach dem bekannten Kirchenhistoriker Adolf von Harnack "unstreitig das umfangreichste und gelehrteste Werk, welches im Altertum gegen das Christentum verfasst worden ist." Für den ersten bekannten kirchlichen Geschichtsschreiber, den Kirchenvater Euseb (263-339), gilt Porphyrius aus diesem Grund als "Wortführer der Dämonen". Sein Werk wird von der katholischen Kirche verbrannt, nachdem diese im Jahr 380 unter Kaiser Theodosius I. zur alleinigen Staatsreligion geworden ist, so dass es bis auf einzelne Zitate in Schriften von Kirchenmännern verloren ist.
Die Lynchmord an der Mathematikerin
Der Vernichtungskrieg der Kirche gegen die hohen geistigen und ethischen Wurzeln des Abendlandes ist mittlerweile voll entbrannt. Der einflussreiche römisch-katholische Senator Firmicus Maternus fordert von den Kaisern Konstantius II. und Konstans erstmals nachweisbar im Jahr 347 die Ausrottung der antiken Religionen und Philosophien. Noch zögern die Kaiser. Doch im Jahr 356 verhängt das Imperium Romanum für die Ausübung nichtkatholischer Gottesdienste bereits die Todesstrafe. Einem besonders schlimmen Gewaltverbrechen der Kirche fällt die bekannte Mathematikerin Hypatia (*370) aus Alexandria zum Opfer, eine Nachfolgerin von Plotin und Porphyrius als Oberhaupt der neuplatonischen Philosophenschule, aus deren Gedankengut übrigens im 19. Jahrhundert in England und Deutschland die ersten Vegetarier-Vereinigungen hervorgegangen sind. Hypatia, die heute "als erste bedeutende Frau der Wissenschaftsgeschichte des Abendlandes" gilt (Brockhaus Enzyklopädie), wird im Jahr 415 von Kirchenchristen unter Anführung des römisch-katholischen Predigers Petrus auf der Straße überfallen, in die katholische Kirche geschleift, dort nackt ausgezogen, mit Steinen beworfen und schließlich mit Glasscherben in Stücke geschnitten. Der Patriarch der römisch-katholischen Kirche, Kyrill von Alexandria, hatte zuvor offiziell seine Zustimmung zu der vorab geplanten Bluttat erteilt. Nach diesem furchtbaren Verbrechen gibt es eine "Ketzerin" und wahrscheinlich auch eine Fürsprecherin für Natur und Tiere weniger. Und ihr oberster Mörder, Kyrill von Alexandria, wird im 19. Jahrhundert heilig gesprochen. Die offizielle Kirchengeschichtsschreibung weist darauf hin, dass es trotzdem noch "bis ins 6. und 7., ja bis ins 9. Jhdt." dauert, bis das Heidentum ganz "beseitigt" ist (Karl Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte, Tübingen 1991, S. 94). Tatsächlich hat die Kirche v. a. die Kulte aus dem Heidentum in sich aufgesogen und imitiert (vgl. dazu Der Theologe Nr. 25). Und deren ursprüngliche Verfechter wurden auch deshalb ermordet, um die heidnische Herkunft des kirchlichen Glaubens und seiner Praktiken zu verschleiern.
An die Stelle der
ethisch hoch stehenden griechisch-römischen Philosophie setzt die Kirche ihre eigenen Theologen, allen voran ab dem 5. Jahrhundert den
"großen" Lehrer und "Heiligen" der Kirche, Kirchenvater Augustin
(354-430). Augustin ist als junger Mann Anhänger der so genannten
Manichäer, die - ausgehend von Persien - die urchristlichen Ideale wieder beleben
wollen und vegetarisch leben. Er zählt zu den "Auditores", den Zuhörern, die sich erst allmählich mit der urchristlichen Lehre vertraut machen und für die ein reduzierter
Fleischkonsum gilt. Doch der spätere Kirchenheilige wendet sich bald gegen
seine ehemaligen geistigen Lehrer, lässt sie blutig verfolgen und leitet auch für die Tiere die nächste grausame Epoche ein.
Die geistesgeschichtliche "Leistung" Augustins und seiner Nachfolger
ist es, mit Berufung auf die Bibel ("Macht euch die Erde untertan!" Tiere sind "unvernünftig")
die Sonderstellung des Menschen in der Schöpfung als "Gottes Ebenbild" zu begründen. Die Tiere erscheinen demgegenüber als "Gegenbild der menschlichen Auserwähltheit"
(Die Kulturwissenschaftlerin Sina Walden). Augustin schreibt über die
Tiere:
"Aus ihren Schreien
können wir ersehen, dass Tiere qualvoll sterben",
doch das tangiere den Menschen nicht, "denn das Tier entbehrt einer vernünftigen
Seele und ist deshalb nicht mit uns durch eine gemeinsame Natur verbunden"
(De moribus ecclesiae catholicae 2, 12, 54, 59). Das Gebot "Du sollst nicht töten" betreffe
angeblich nicht
"die unvernünftige Tierwelt", deren Leben und Sterben "unserem Nutzen angepasst" werde
(De Civitate Dei I, 20), und auch andere moralische Regeln zwischenmenschlichen Umgangs
gelten nicht für Tiere. Wörtlich schreibt Augustin: "Wenn
wir also das Verbot des Tötens nicht auf das Pflanzenreich anwenden, weil es da
keine Empfindung gibt, desgleichen nicht auf die unvernünftige Tierwelt mit
ihren fliegenden, schwimmenden, laufenden und kriechenden Geschöpfen, weil ihnen
im Unterschied von uns keine Vernunft verliehen ist, weswegen auch nach der
gerechten Anordnung des Schöpfers ihr Leben und Tod unserem Nutzen dienen muss."
(De Civitate Dei I, 20). Tiere könnten auch nie den Himmel betreten, und Vegetarismus sei "eine gottlose Ketzermeinung"
(Vom katechetischen Unterricht 2, 29).
Sich gar "von der Tötung
von Tieren und der Zerstörung von Pflanzen zurückzuhalten" sei nach
Augustin "der Gipfel des Aberglaubens". Trotz allem soll ausgerechnet Augustin vegetarisch gelebt haben.
Offenbar weiß er noch aus seiner Zeit bei den Manichäern von
negativen Folgen des Fleischverzehrs.
Eine ähnlich zwiespältige Haltung legt der sich
ebenfalls persönlich vegetarisch ernährende Patriarch Johannes Chrysostomos (345-407) an den Tag, der die
"Heiligung" von Tieren bekämpft, das Heidentum ausrotten will und
viele seiner Tempel zerstören lässt.
Dosenwurst aus franziskanischer Hausschlachtung
Oftmals verweist man in der Kirche auf einzelne positive Seiten
von Kirchenmännern - doch was hat sich in der Kirche durchgesetzt? Von
Franziskus von Assisi (ca. 1181-1226) wird etwa berichtet,
dass er von einer Fischhändlerin lebende Fische gekauft hat, um "Schwester Schleie" anschließend wieder ins Wasser zu werfen.
Doch übrig geblieben von diesen Idealen ist heute
z. B. Dosenwurst aus franziskanischer Hausschlachtung und ein tierfeindlicher Katechismus
der Katholischen Kirche, in dem es heißt "Gott hat die Tiere unter die
Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit
darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidung bedienen.
Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit
dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in
vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches
Leben zu heilen und zu retten" (Nr. 2417). Und: "Es ist unwürdig, für sie
[die Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern soll.
Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig
Menschen gebührt" (Nr. 2418).
Beim "heiligen" Kirchenvater Augustin war es vor allem die Leugnung einer unsterblichen Seele der Tiere und
ihre Funktion als Nutzwesen, die von dem nächsten "großen" Kirchenheiligen,
Thomas von Aquin (1225-1274), aufgegriffen und für das kirchliche Lehrsystem weiter ausgebaut wird. So würde "das Leben der Tiere und Pflanzen erhalten, doch nicht
um ihrer selbst willen, sondern des Menschen wegen". Es spiele so auch
keine Rolle, ob man Tiere gut oder schlecht behandle, und "keiner sündigt, indem
er eine Sache zu dem verwendet, wozu sie bestimmt ist", also z. B. ein Tier zum
menschlichen Gebrauch oder Verzehr
(Summa theologia
II. 64. I). Die Tiere seien "sprachlos" und es gebe nichts in ihren Seelen,
das "möglicherweise ohne einen Körper weiter existieren könne".
Und: "In Tieren
gibt es keine Sehnsucht nach Ewigkeit … Deshalb ist die Seele eines
Tieres unfähig, an der Ewigkeit des Seins teilzuhaben". "Also geht sie mit
dem Körper zugrunde" (Summa contra gentiles
II. 82).
An diese bis heute in der römisch-katholischen Kirche verbindliche Lehre
des Thomas von Aquin kann später der "Aufklärer"
Descartes (1596-1650) anknüpfen und sie ihres religiösen Zusammenhangs entkleiden; und daraus können sich
wiederum problemlos Tierversuche, Massentierhaltung, gnadenlose Bejagung und Tierquälereien aller Art entwickeln.
Die Hauptschuld für diese Entwicklung trägt jedoch die Institution Kirche.
Dank der Jesuiten: Fleisch für Japan
Mit der kirchlichen Missionierung der restlichen Welt tragen die Kirchenchristen ihre barbarische Ethik auch in ferne Kontinente und verbreiten weltweit unvorstellbares Leiden auch für die Tiere. So führen z. B. die Jesuiten in Japan um 1600 den allgemeinen Verzehr von Fleisch in dem asiatischen Land ein, was bis dahin nur in rituellen Zeremonien von Samurai-Kriegern praktiziert wurde. "Der erste Schlachthof wird 1621 in Nagasaki eingerichtet. Während der Ausbreitung des Christentums in Japan wird Fleisch von Schlachttieren im ganzen Land verzehrt" (Japan Magazin Nr. 4/2000), zuvor lebte man vegetarisch oder ernährte sich von Fischen. Und in Amerika werden im 18. und 19. Jahrhundert Hunderttausende von Büffeln zum Vergnügen der kirchenchristlichen Eroberer aus Europa abgeschlachtet, um nur eines von zahllosen Beispielen der Raubzüge der katholischen oder evangelischen Eroberer zu nennen, die mehr und mehr den gesamten Erdball umfassen.
Gandhi: Europa verwirklicht den Geist Satans
Der Hinduist Mahatma Gandhi, ein Anhänger der Bergpredigt des Jesus von Nazareth, erklärt am 8.9.1920: "Es ist meine feste Überzeugung, dass das heutige Europa nicht den Geist Gottes und des Christentums verwirklicht, sondern den Geist Satans. Und Satan hat den größten Erfolg, wo er mit den Namen Gottes auf den Lippen erscheint ... Ich meine, dass das europäische Christentum eine Verleumdung des Christentums Jesu bedeutet" (zit. nach W. Gabriel: Gandhi, Christus und die Christen, Halle 1931; auch in: Indische Geisteswelt, Band I, Glaube und Weisheit der Hindus, Hrsg.: Helmuth von Glasenapp, Holle-Verlag, Darmstadt 1958, S. 280 f.). Die Verhöhnung von Christus durch die großen Kirchen, so wie sie Gandhi beschreibt, bedeutet auch für die Tiere unermessliches Leid und Grauen bis in die Gegenwart. Zwar ist z. B. in Deutschland seit dem Jahr 2002 der Tierschutz auch im Grundgesetz verankert, doch hat sich dadurch praktisch für die Tiere nichts verbessert (vgl. dazu ein Plakat aus dem Jahr 2000). Mit der Einrichtung der industrialisierten Massentierhaltung und ihrer Auswüchse nach dem 2. Weltkrieg, den immer bestialischeren Tierversuchen und der gnadenlosen Jagd haben die Folgen der kirchlichen Lehre von der Sonderstellung des Menschen einen in der Geschichte bisher beispiellosen Höhepunkt erreicht. Dieser Höhepunkt ist aber gleichzeitig der Wendepunkt. Denn die Natur und ihre Elemente gehorchen der selbsternannten "Krone der Schöpfung" immer weniger und die durch die bestialische Behandlung bedingten Krankheiten und Seuchen der Tiere greifen immer mehr auf den Menschen über. Der Mensch verliert also jegliche Kontrolle über die Natur. Und das Leid, das er den Tieren zufügt, fällt immer schneller auf ihn selbst zurück.
Gleichzeitig wird in einer durch Prophetie
gegebenen Botschaft aus dem Jahr 2001 von einem neuen Bund Gottes mit den Tieren
gesprochen (Wortlaut nachlesbar bei
http://www.das-weisse-pferd.com/01_04/prophetie.html).
Vorausgesetzt, diese Prophezeiung stammt tatsächlich aus dem Gottesgeist, würde sich damit auch eine
Endzeit-Offenbarung des jüdischen
Propheten Hosea erfüllen,
in der vorhergesagt wird: "Und ich will zur selben Zeit für sie einen Bund schließen mit den Tieren auf dem Felde, mit den Vögeln unter dem Himmel und mit dem Gewürm des
Erdbodens und will Bogen, Schwert und Rüstung im Lande zerbrechen und will sie sicher wohnen lassen"
(2, 20).
In unserer heutigen Zeit wird immer mehr Menschen bewusst, in welchen Abgrund die kirchliche Lehre von der Sonderstellung und Einzigartigkeit des Menschen ihn selbst
und seine Mitgeschöpfe stürzte. Auch erfassen viele, dass es mehr Dinge "zwischen Himmel und Erde" gibt als es der überhebliche
Theologe mit seinen beschränkten intellektuellen Gedanken
erfassen kann. Mitzuhelfen, dass auf dieser Erde ein friedvolles Miteinander von
Menschen und Tieren im Einklang mit der Natur möglich ist,
das war schon die Bitte von Jesus von Nazareth an seine Jünger und Anhänger.
Und auch ca. 2000 Jahre später gibt es
wieder viele Chancen, die Hilfeschreie der Tiere zu erhören
und wenigstens manches von dem unsäglichen Leid wieder gutzumachen, was Menschen bis dahin an den Tieren verursachten.
*
Prophetenworte im Judentum:
- Gotteswort in Hosea 6, 6: "Denn Ich habe Lust an der
Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer"
- Jesaja 1, 11.13a: "Was soll Mir die Menge eurer Opfer?, spricht der
HERR, Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und
habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke ... Bringt Mir nicht
mehr dar so vergebliche Speisopfer. Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel ..."
- Jeremia 7, 21-23a: "So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Tut
eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und fresst Fleisch! Ich aber habe euren
Vätern an dem Tage, als Ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt noch
geboten von Brandopfern und Schlachtopfern; sondern dies habe Ich ihnen geboten:
Gehorcht Meinem Wort, so will Ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein
..."
- Amos 5, 22.24: "Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert,
so habe Ich keinen Gefallen daran und mag auch Eure fetten Dankopfer nicht
ansehen ... Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein
nie versiegender Bach."
- Jesus von Nazareth nach Matthäus 9, 13a: "Geht aber hin und lernt, was
das heißt (Hosea 6, 6): ´Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und
nicht an Opfer.`"
Quellen:
Die tierfreundlichen Stellen aus Das Evangelium Jesu finden Sie in einem
eigenen Anhang.
Verwendete Literatur u. a.:
Carl Anders Skriver*, Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen, Lübeck 1973
Carl Anders Skriver, Die vergessenen Anfänge der Schöpfung und des Christentums,
Lübeck 1977
*
Dr. Carl Anders Skriver (1903-1983) war Religionswissenschaftler (Promotion über
Die Idee der Schöpfung in den Veden)
und Theologe. Sein Ziel war eine Reformation des Christentums im Sinne des
Geistes seines Begründers.
Zum Weiterlesen:
Lesen Sie
auch "Der Theologe Nr. 31" -
Das Leid von Natur
und Tieren im kirchenchristlichen Abendland
Diese Ausgabe des Theologen ist eine Zusammenstellung von aktuellen
Kurzmeldungen zum Thema. So lesen Sie dort z. B. wie die
Jägerbehörde beim Landratsamt Würzburg und ihr Leiter Oswald Rumpel gegen ein
beispielhaftes Projekt vorgehen, das beweist, wie Landwirt und
Wildtiere zusammen in Frieden leben können (siehe
hier). Und wie Sie mithelfen können, sich dagegen
erfolgreich zu wehren! Oder Sie lesen ausführlich die Meldungen über das Todesurteil gegen den Bären Bruno und seinen
gewaltsamen Tod am 26.6.2006 bei Schliersee in Oberbayern (ab
hier).
Sowie:
"Der Theologe Nr. 37" -
Die blutige
Tempelkult und der Schöpfergott im eigenen Herzen
- gewidmet allen
unschuldigen Tieren, die zu den kirchlichen Festen ihr Leben lassen müssen.
Weitere Links zum Thema:
- Gottes Lamm an dürren Stätten - Der Tod im Schlachthaus und das Fest der
Auferstehung
(ND, 11.4.2009, http://www.neues-deutschland.de/artikel/147030.gottes-lamm-an-duerren-staetten.html?sstr=Ostern).
- Auch in der Bibel wird deutlich. Tiere
sollen nicht getötet werden - Gastbeitrag zu Der Theologe Nr. 7 -
http://www.theologe.de/bibel_tiere.htm
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Der Text kann wie folgt zitiert werden: |
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