DER THEOLOGE
Nr. 92


Die Nachfolger des Nazareners
Urchristliche Gemeinschaften, von den Kirche verfolgt


Einleitung

Jesus, der Zimmermann aus Nazareth, brachte eine schlichte Lehre. Mit der Bergpredigt begeisterte er viele Menschen, die entschlossen waren, ihr Leben grundlegend zu ändern. Doch das Urchristentum hatte zunächst nur kurze Zeit Bestand, wie auch Theologen einräumen. "Schon im zweiten Jahrhundert hat tatsächlich eine tief greifende Veränderung stattgefunden, welche in einer bedenklichen Verflachung des Christentums-Verständnisses bestand" – so der Theologe Walter Nigg in seinem Buch der Ketzer (Zürich 1986, S. 73). Und sein Kollege Gerhard Wehr (Esoterisches Christentum) bedauert, dass die "frei waltenden Geistesgaben" des frühen Christentums, etwa die Prophetie oder die urchristliche Glaubensheilung, durch die "Amtsvollmacht" der Priesterkaste beseitigt wurden: "Spätestens seit der Mitte des 2. Jahrhunderts beginnt dieser Vorgang sich mit deutlichen Konturen innerhalb der Christengemeinden abzuzeichnen: Was einst aus ursprünglichem Geist-Erleben geschöpft war, wurde nun durch feste Bekenntnisformeln verdrängt." (Stuttgart 1995, S. 27) 
Während Bischöfe die Macht übernahmen, drangen äußere Rituale und Kulte meist heidnischen Ursprungs vor – so etwa das kultische Abendmahl an Stelle des gemeinsamen "Liebesmahls" oder die rituelle Säuglingstaufe an Stelle der Geisttaufe Erwachsener.
Dieser Prozess der Verdunkelung der ursprünglichen Lehre Christi bis hin zur Verkehrung in ihr Gegenteil vollzog sich nicht ohne Kämpfe. Immer wieder leisteten Einzelne oder Gruppen von Menschen Widerstand gegen die Entstehung einer äußeren Machtkirche, die Jesus nie gewollt hatte. Dies bedeutet nicht, dass die zahlreichen "Ketzer"-Bewegungen der Geschichte immer nahtlos an das frühe Christentum anknüpften. In einzelnen Aspekten waren auch sie Missverständnissen unterworfen oder schossen, wie wir sehen werden, über das Ziel hinaus. Doch sie alle sind der Beweis dafür, dass die Sehnsucht nach einem Reich des Friedens, das schon der Prophet Jesaja ankündigte, nicht aus den Herzen und den Seelen der Menschen verdrängt werden kann.

1) Wie sich die Dunkelheit in den urchristlichen Gemeinden verbreitete

2) Markion deckt auf - Verschwörung gegen die Wahrheit

3) Montanus - Eine Stimme, die nie hätte verstummen dürfen"

4) Mani - Ein Kämpfer für die Innere Religion

5) Origenes - Der Diamantene

6) Die Katharer - Das Gute durch das eigenen Leben bezeugen

7) Die Paulikianer - Tausende "Begleiter des Volkes" gesteinigt, verbrannt, geköpft

8) Die Bogumilen - Die wahre Kirche Christi ist das Herz der Menschen

 



(1) Niedergang durch die Bischöfe - Wie konnte das passieren?
Wie sich die Dunkelheit in den urchristlichen Gemeinden verbreitete

Bereits in den von Paulus gegründeten Gemeinden setzte eine Entwicklung ein, die den Freien Geist des Christus Gottes und das Prophetische Wort immer mehr zum Schweigen brachte und durch starre vereinheitlichte Normen ersetzte. Dazu gehörte vor allem die Einführung eines "Bischofs" als fest installierten Gemeindeleiter im Gegensatz zum urchristlichen Prinzip der Gleichheit, das Jesus von Nazareth brachte.
Denn viele der ersten Christen orientierten sich zunehmend an anderen Menschen statt an Christus, und sie fanden zu wenig Halt bei Gott in ihrem Inneren, in dem Sinne, wie es Jesus von Nazareth lehrte: "Das Reich Gottes ist inwendig in euch."
Anstatt mit Hilfe der inneren Gotteskraft, der Christus-Erlöserkraft, immer konsequenter nach den Geboten Gottes zu leben, erlaubte man sich zunehmend Schwächen und Nachlässigkeiten und ließ immer mehr Kompromisse zu.

Weil viele Christen also zu wenig in Christus in ihrem Inneren und im Tun Seiner Lehre verwurzelt waren, entstanden auch immer mehr Uneinigkeiten darüber, was nun in konkreten Situationen richtig und was falsch sei. Dabei taten sich zunehmend intellektuell geprägte Meinungsbildner hervor, die für die Übernahme der "Verantwortung" bereit waren, welche andere Christen aus Trägheit und Bequemlichkeit von sich weg schoben. Der lebendige "Gottesgeist", der die ersten Nachfolger von Jesus in ihrem Inneren und in der Gemeinschaft noch führte, wurde allmählich an den Rand gedrängt oder ist schließlich ganz verstummt. Stattdessen bekamen immer mehr auf ihr Ego bezogene und unterschwellig nach Macht strebende Personen das Sagen.

Hierarchien bildeten sich heraus und ein neues "Oben" und "Unten" entstand. Die ursprünglichen "Gemeinde-Ältesten", die ihre Aufgabe einzig aufgrund ihrer inneren Autorität ausüben sollten, wurden fest installierte Leiter. Und diese Funktion behielten sie auch dann, wenn sie von ihrer Lebensweise nicht mehr für eine Gemeindeleitung geeignet waren. Man nannte sie bald "Bischöfe". Sie nahmen Sonderplätze ein und begannen, besondere Gewänder zu tragen, und sie entschieden auch über die Finanzen. Unter der Führung dieser Bischöfe wurden aus einst weniger wichtigen Äußerlichkeiten und Symbolen immer mehr starre Vorschriften und Kulthandlungen, die Jesus nie gelehrt hat und deren Inhalte vielfach den antiken Götzen-, Herrscher-, Blut- und Priesterkulten entnommen wurden. Die früheren Baalspriester hatten auf diese Weise unmerklich wieder die Macht übernommen, nur dieses Mal unter dem falschen Etikett "christlich".
 
Das einst dynamische und lebendige Urchristentum wurde bald nur noch in kleinen Gruppen außerhalb dieser sich heraus bildenden Kirche gelebt. Diese entwickelte sich zu einem religiösen Gebilde, das man in der Geschichtsschreibung später "Frühkatholizismus" nennt und zunächst unmerklich und später immer klarer in Gegensatz zum Christus Gottes trat. So hat sich dunkle Macht allmählich in die urchristlichen Gemeinden geschlichen und dort verbreitet.
Als Kaiser Konstantin Anfang des 4. Jahrhunderts diese nur noch dem Namen nach "christliche" Kirche privilegiert hatte, war die Entwicklung zur einzigen totalitären Staatsreligion nur noch eine Frage der Zeit.
 
 



(2) Markion deckt auf:
Verschwörung gegen die Wahrheit ...

Gerade als sich eine amtskirchliche Tradition herauszubilden begann, die den Geist der Freiheit und Einheit der Urgemeinden in veräußerlichte Rituale zwängen wollte, stand ein Kämpfer gegen diese Entwicklung auf: Markion. Um 85 in Sinope am Schwarzen Meer als Sohn eines christlichen Gemeindevorstehers geboren, hatte der begüterte junge Mann beim Lesen eines Evangeliumstextes - damals gab es noch keine fest umgrenzte Bibel wie heute - ein einschneidendes Erlebnis, über das er selbst berichtet:
"O Wunder ... und Staunen ist, dass man gar nichts über das Evangelium sagen, noch über dasselbe denken, noch es mit irgend etwas vergleichen kann." Markion war kein Prophet und wohl auch kein Mystiker, doch ein radikal die Wahrheit suchender Mensch, der erfasste, dass die Lehre von Christus etwas geistig Revolutionäres, den ganzen Menschen Erfassendes und Verwandelndes ist. Markion fiel aber auch auf, dass in den ihm zur Verfügung stehenden Texten ganz unterschiedliche Gottesbilder zu finden waren: Auf der einen Seite der Gott der Liebe und Fürsorge, auf der anderen der Gott der Strafe, der ewigen Verdammnis, der Angst. Markion konnte sich dies nur so erklären, dass eine "Verschwörung der Wahrheit" stattgefunden hatte, und zwar nicht nur in den Texten des "Alten Testaments" (das damals noch nicht so genannt wurde), sondern auch in neueren Texten, die angeblich auf die Apostel zurückgingen.

Neuer Wein in neue Schläuche

Es ist das Verdienst Markions, als erster Mensch der neuen Zeitrechnung öffentlich auf den Widerspruch in der Bibel hingewiesen zu haben: Ein "Gott", der wie in den Büchern Mose grausamen Völkermord und Tiermord befiehlt, der die Todesstrafe noch gegen ungehorsame Söhne oder den Priestern widersprechende Israeliten verhängt, kann kein Gott der Liebe sein. Markion ging im Jahr 140 nach Rom, vermachte sein Vermögen aus Reedereigeschäften der dortigen Christengemeinde und begann einen Überzeugungsfeldzug für den Gott der Liebe. Doch man wollte seine Kritik nicht hören und zwang ihn, die römische Kirche wieder zu verlassen. Woraufhin der "erste Reformator" (Walter Nigg) der Christenheit kurzerhand eine eigene Kirche gründete. Denn es war eine Grundüberzeugung Markions, dass man den "neuen Wein" des ursprünglichen Christentums nicht in die "alten Schläuche" einer äußeren Kultreligion gießen konnte.

Vom Euphrat bis zur Rhone

Markion traf mit seiner Art der Wahrheitssuche und Verkündigung "offenbar die geheimen Sehnsüchte vieler Christenmenschen", so Gerd Lüdemann in seinem Buch Ketzer - die andere Seite des frühen Christentums (Stuttgart 1995, S. 169). Seine Gemeinden fanden sich im 2. und 3. Jahrhundert vom Euphrat bis zur Rhone. "Anhänger des Markion" werden teilweise bis ins 6. Jahrhundert hinein erwähnt; in Kleinasien und Armenien bilden sie eine der Wurzeln der späteren Paulikianer, die sein Erbe fortsetzen werden.

Gewaltlos und vegetarisch

Wir wissen allerdings nicht viel über das Leben der Markioniten, die von der Amtskirche mit großem Hass verfolgt wurden. Sie feierten einfache Gottesdienste, bei denen auch Laien predigen und Frauen die Taufe vollziehen durften. Sie lebten gewaltlos, vegetarisch und tranken keinen Alkohol. 
Mehr ist über ihre Lehre bekannt. Der gebildete Reeder aus Sinope wurde zum ersten Textkritiker der Bibel, der Fälschungen und Hinzufügungen aufdeckte und korrigierte. Er verwarf schließlich das Alte Testament völlig und ließ von den neueren Texten nur das Lukasevangelium und zehn Paulusbriefe gelten. Damit schuf er, der "Ketzer", auch den ersten "Kanon" der Bibel. Die römische Kirche beeilte sich daraufhin, einen eigenen Kanon zusammenzustellen, der bis heute im Gebrauch ist.
Offensichtlich ist der Gottsucher Markion mit seiner Radikallösung über das Ziel hinausgeschossen, und auch seine Auswahl an verbindlichen Schriften erscheint nicht geglückt. So verbannte er auch die Aussagen der großen Propheten des Alten Testaments, die sich bereits gegen die Tieropfer und gegen die bereits damals stattfindende Verfälschung der göttlichen Botschaft durch die Priesterkaste aussprachen, und er erkannte Paulusbriefe an, die bereits deutlich von Jesus von Nazareth abwichen.

Ähnliches gilt für Markions völlige Ablehnung der Welt als sündhaft - soweit man den zeitgenössischen Berichten Glauben schenken kann. Er erkannte zwar, was auch den heutigen Urchristen durch das Prophetische Wort wieder bekannt ist: dass die Welt, die verdichtete Materie, nicht die ursprüngliche Schöpfung Gottes ist, sondern eine Folge des Abfalls eines Teils der Geistwesen von Gott. Er sah oder wusste aber offenbar nicht, dass Gott auch die Materie am Leben erhält und dass in der Natur ein Abglanz der himmlischen Formen erahnt werden kann. Während Paulus, den Markion - wie gesagt - sehr schätzte, es den Christen freistellte, ehelos oder verheiratet zu leben (wobei er die Ehelosigkeit empfahl), forderte Markion, so ist es überliefert, von allen Gemeindemitgliedern strikte Enthaltsamkeit - ein Eingriff in den freien Willen, der den späteren Niedergang der markionitischen Gemeinden sicher mit verursachte.

Dennoch setzte der "größte Ketzer, der jemals aus dem Christentum hervorgegangen ist" (Egon Fridell) einen frühen und wichtigen Kontrapunkt zur verheerenden kirchlichen Vorstellung eines strafenden, auf ewig verdammenden Gottes, die in den vergangenen 2000 Jahren unsagbares Leid und Unheil in die Welt brachte. Es ist auch sein Verdienst, dass die Begeisterung für den Gott der Liebe, der allen Menschen ungeteilt und uneingeschränkt zugetan ist, nie ganz aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden ist.

 


 

(3) Montanus:
"Eine Stimme, die nie hätte verstummen dürfen"

Als das lebendige Urchristentum in der Mitte des zweiten Jahrhunderts verflachte, in seiner Begeisterung nachließ, als Rituale an die Stelle der Erschließung des inneren Lebens traten – etwa das rituelle Abendmahl an die Stelle des inneren "Liebesmahls" –, als die Verwalter des Glaubens, die Bischöfe und Priester, an die Stelle von Propheten und Lehrern traten, da gab es auch Proteste und Gegenbewegungen.

War Markion (ca. 85-ca. 160), der Verfechter des liebenden und Gegner des angeblich strafenden Gottes, eher ein rationaler und klarer Denker, so war sein Zeitgenosse Montanus, ebenfalls aus Kleinasien stammend, ganz anders: ein Visionär, ein Asket und Charismatiker. Markion und Montanus hatten bei allen Gegensätzen jedoch eines gemeinsam: Sie erkannten, dass das Christentum an einer Wegscheide stand: Entweder würde es sich auf seine Ursprünge besinnen und mit dem sittlichen Ernst und der mitreißenden Begeisterung der Frühzeit die Vollkommenheit im Geiste Gottes anstreben – oder es würde sich weiter an die Bequemlichkeit der Welt anpassen und die kirchlichen "Amtsgeschäfte" den Priestern überlassen, die sich anschickten, die Gemeinden an ihr Gängelband zu nehmen. Die Priesterkaste hatte die Geistesgaben des frühen Christentums bereits weitgehend zum Schweigen gebracht: die Gabe des Heilens durch den Geist Gottes, die Gabe des Lehrens aus innerer Vollmacht und nicht zuletzt die Gabe der prophetischen Rede. "Im Montanismus rebellierte das prophetische Wort gegen den Amts-Charakter der Kirche", schreibt der Kirchenhistoriker Walter Nigg (Prophetische Denker, S. 41). Und an anderer Stelle (Das Buch der Ketzer, S.119): "Das Wesen des Montanismus besteht in der Wiederentdeckung des urchristlichen Enthusiasmus. Das Geistesbrausen, das einst die Christen gleich Feuerflammen ergriffen hatte ..., bemächtigte sich des Montanus."
Neben Montanus traten die Frauen Priscilla, Maximilla und Quintilla als Wortträgerinnen des Geistes auf. Sie verkündeten das Nahen des Gottesreiches und erinnerten an die ethischen Forderungen der Bergpredigt des Nazareners. Den Gläubigen sollte nur eine Ehe erlaubt sein. Sie sollten häufig fasten und vor dem Martyrium der Christenverfolgungen nicht die Flucht ergreifen. Manches von diesen Forderungen erscheint uns aus heutiger Sicht übertrieben, auf merkwürdige Weise wiederum auf das Äußere gerichtet, obwohl man doch die Veräußerlichung der Institution Kirche bekämpfen wollte. Es war offenbar nicht so einfach, die – zu diesem Zeitpunkt wohl bereits verschüttete – ursprüngliche innere Religion des Nazareners wieder zu beleben, die den Menschen durch Selbsterkenntnis und Bereinigung seiner Sünden von innen heraus befähigt, die Gebote Gottes einzuhalten. Der wahre Kern des Montanismus war die Betonung der unbedingten Entscheidung für Gott, die der Mensch zu treffen hat, will er Gott wirklich zustreben. Denn jegliche Lauheit führt in die Irre. "Wer nicht für Mich ist, der ist gegen Mich", sagt Jesus. Walter Nigg spricht von einem ethischen "Maximalismus", der "eine der beachtenswertesten Erscheinungen innerhalb der christlichen Geistesgeschichte" sei. (Das Buch der Ketzer, S. 136)
Die Kirche nahm die Herausforderung einer Rückbesinnung auf die hohe Ethik der ersten Christen nicht an – sie entschied sich für den ethischen Minimalismus, der sie bis heute kennzeichnet. Ebenso wie Markion duldete sie auch Montanus und seine Gefolgsleute nicht in ihren Mauern – im Jahre 177 wurden die Montanisten ausgeschlossen, rund 20 Jahre nach dem ersten Auftreten des Montanus. Menschen, die höhere ethische Anforderungen an sich stellen wollten, wies die Kirche statt dessen den Weg in die Klöster – doch Einsiedelei und Abschottung von der Welt ist nicht der Weg des Nazareners. In der Abgeschiedenheit des Klosters fehlt dem Menschen vielfach der Spiegel der Selbsterkenntnis, der ihm sein Nächster ist, fehlen ihm die an jedem Tag anderen Erkenntnismöglichkeiten, die der Trubel des Alltags mit sich bringt.
"Mit der Ausscheidung der montanistischen Bewegung aus der Kirche verblasste auch das Prophetische in der Christenheit" so Nigg. "Eine Stimme hörte auf zu reden, die niemals hätte verklingen dürfen, denn damit ging eine unmittelbare Lenkung von oben verloren, die durch keine noch so geschickte kirchliche Organisation wettgemacht werden kann." (Prophetische Denker, S. 43)
Die montanistische Bewegung breitete sich noch einige Jahrzehnte lang weiter aus, bis nach Frankreich und Nordafrika, wo sogar der kirchliche Jurist und Ketzergegner Tertullian (gest. 220) zu ihr übertritt. Spätestens mit der systematischen Ketzerbekämpfung durch den römischen Staat auf Betreiben der katholischen Staatskirche im vierten Jahrhundert verschwinden die Montanisten. Die prophetische Stimme hörte jedoch nicht auf zu reden. Nur innerhalb der Kirche war sie bis zum Mittelalter nicht mehr zu hören – und auch dann, als durch Meister Eckehard, Katharina von Siena, Theresa von Àvila Aspekte der göttlichen Wahrheit zu den Menschen kamen, bekämpfte die Kirche diese Stimmen erneut und nahm sie nicht an, auch wenn der eine oder andere dieser großen Mystiker später "heilig" gesprochen wurde ...


 



(4) Mani

Ein Kämpfer für die Innere Religion

Eine Zeit lang sah es so aus, als würde die manichäische Bewegung die römisch-katholische Kirche an Bedeutung und Mitgliederzahl in den Schatten stellen. Doch dann wurde der Katholizismus zur Staatsreligion im römischen Reich. Die Zeit der Christenverfolgung durch die katholische Machtkirche begann.

Wie kommt das Böse in die Welt? Und wie kann man es überwinden? Diese Grundfragen der Menschheit bewegten gegen Ende des vierten Jahrhunderts auch den nordafrikanischen Rhetoriklehrer Augustinus (354-430). Er fand zu einer eher "katholischen" Lösung dieser Frage: "Und so suchte ich, woher das Böse kommt", schreibt er in seinen Bekenntnissen, "und ich suchte böse und sah das Böse in meinem Suchen." Augustin verurteilt demnach jegliche Beschäftigung mit dem Bösen: Dieses ist zu meiden und zu bekämpfen. Mit den Begriffen der heutigen Psychologie könnte man sagen: Das Böse wird verdrängt. Aus dieser Verdrängung resultiert dann die Projektion des eigenen Bösen auf den "bösen Anderen": den Sündenbock, den "Ketzer", den Juden, die "Hexe". Das vermeintliche Heil findet ein solcher Kirchenchrist in der Befolgung äußerer Regeln und Rituale: Kirchgang, Beichte, Wallfahrten, Ablässe ...
Augustinus, der bis heute als größter Kirchenlehrer der Antike gilt, wurde folgerichtig zu einem der ersten großen "Ketzer"-Verfolger" der Kirchengeschichte, der sogar die Folter rechtfertigte, die doch, im Vergleich zur "ewigen Verdammnis" der Seele, für den Körper wie eine "Kur" wirke. Mit besonderem Feuereifer ließ Augustinus eine Bewegung verfolgen, der er selbst einmal angehört hatte: die Manichäer.
Neun Jahre lang (373-382) war der junge Nordafrikaner Mitglied bei den Manichäern gewesen – als auditor ("Hörer"), also einfacher Gläubiger. Es war ihm dabei nicht gelungen, in den Rang eines "electus", eines Auserwählten, aufzusteigen – so nannte man dort diejenigen, die tiefer in die Geheimnisse des manichäischen Glaubens eingedrungen waren und andere darüber unterrichten durften. Augustinus berichtet selbst über seine Gespräche mit dem Manichäer Faustus (Contra Faustum), die ihm jedoch keine Antwort auf seine Zweifel und bohrenden Fragen gebracht hätten.

Äußere oder innere Religion?

Die Lehre der Manichäer über die Grundfragen des Lebens war in der Tat eine völlig andere, als sie Augustinus später vertrat. Hier wurde die Beschäftigung mit dem Bösen nicht abgelehnt – sie wurde sogar als eine Grundvoraussetzung für dessen Überwindung angesehen. Der Mensch muss das Böse in der Welt und vor allem in sich selbst nüchtern betrachten, um es dann mit Hilfe des inneren Lichtes, mit der Kraft des im Menschen wohnenden Christus Gottes, auch nous genannt, zu überwinden. Vor dem Sieg des Lichtes über die Finsternis steht also die Erkenntnis. Für Augustinus hingegen ist diese Erkenntnis zweitrangig: "Credo, quia absurdum", ich glaube, weil es absurd ist, lautet ein paradoxer Ausspruch, der von Tertullian stammt, jedoch auch mit dem Denken von Augustinus in Verbindung gebracht wird.
Wir stehen hier an einem geistesgeschichtlichen Scheideweg – und gleichzeitig sehen wir den Grundunterschied zwischen einer äußeren und einer inneren Religion: In der äußeren Religion geht es letztlich um Rituale und Dogmen, um die Befolgung von äußeren Regeln, mit denen angeblich der Zugang zum Göttlichen gesichert werden kann. In der inneren Religion geht es um die Wandlung des inneren Menschen durch Einsicht, Reue, Umkehr und Änderung des Verhaltens. Wer waren nun diese Manichäer, die zur Zeit des Augustinus zu einer mächtigen Konkurrenz für die römische Kirche herangewachsen waren, deren Gemeinden in späterer Zeit von Spanien bis ins ferne China nachgewiesen sind, auf die sogar noch Marco Polo stieß, als er 1275 in die Mongolei kam? Das war rund tausend Jahre nach dem Tod des Gründers der Bewegung: Mani.
Erst im 20. Jahrhundert gelang es, aufgrund von sensationellen Schriftenfunden vor allem in Ägypten, ein unabhängiges Bild dieses Religionsgründers und seiner Lehre zu zeichnen. Bis dahin war alles, was man darüber wusste, von der eineinhalb Jahrtausende währenden Verketzerung und Verfolgung alles Manichäischen durch die Kirche geprägt.
Der am 14. April 216 nördlich von Babylon geborene Sohn persischer Adeliger hieß zunächst Quirbakhar. Sein Geburtsort liegt an der Schnittstelle der indischen, persischen und babylonischen Kultur. Bereits im Alter von zwölf Jahren wird dem Knaben eine erste Offenbarung zuteil: Ein Engelwesen legt ihm nahe, die Glaubensgemeinschaft der Mandäer, der sein Vater angehört, zu verlassen. Mani berichtet über diese Erscheinung: "Da kam der lebendige Paraklet (der von Christus verheißene Tröster-Geist) zu mir herab und sprach mit mir. Er offenbarte mir das verborgene Mysterium ..., das Mysterium der Tiefe und der Höhe, ... des Lichtes und der Finsternis ... So wurde mir alles ... durch den Parakleten geoffenbart."

Mani wies auf Christus hin

Das Phänomen des Inneren Wortes, durch das der Geist Gottes zu aufbereiteten Menschen spricht, um ihnen Botschaften für die Menschen zu übermitteln, tritt in der Geschichte immer wieder auf. Der junge Perser wurde zunächst zwölf Jahre lang durch diese Innenschau unterwiesen, ehe er durch das Engelwesen, das sich "Al Taun", der Zwilling, nannte, zu öffentlicher Wirksamkeit berufen wurde. Von da an erhielt er auch den Namen "Mani", was auf Indisch so viel wie "Edelstein, Kristall" bedeutet und an das "Manas", das Geist-Selbst, erinnert und auch mit "Mann" und "Mensch" sprachverwandt ist.
Durch Mani entsteht sehr rasch eine umfassende geistige Bewegung, die zeitweise auch den persischen Königshof erreicht und von dort unterstützt wird. Kernpunkt der Lehre ist, im Anklang an die alte persische Lichtreligion des Zarathustra, der Kampf des Lichtes gegen die Finsternis. Man hat dem Manichäismus oft vorgeworfen, er beinhalte einen absoluten "Dualismus" von Gut und Böse. Doch das entspricht nicht der Wahrheit. Mani lehrte vielmehr, dass Licht und Finsternis ursprünglich vereint waren, bis das Böse sich vom Guten abspaltete und eigene Wege beschritt. In diesen kosmischen Kampf griff am Ende ein "Licht-Sohn" von erhabenster Größe ein, der in das Reich der Finsternis hinab stieg, um mit der Kraft seiner Liebe das Böse in Gutes umzuschmelzen. Er verleibte sich in einen besonderen Menschen ein und überwand den Tod.
Mani wies also auf Christus und Sein Golgatha-Opfer hin. Für ihn war Christus der Führer der Seelen zum Licht – und er war nicht der Auffassung, was ihm ebenfalls später vorgeworfen wurde, Christus habe sich gar nicht wirklich einverleibt (Doketismus). Mani lehrte, dass der Geist Gottes auch in der Materie, in jedem Stein, jeder Pflanze, jedem Tier gegenwärtig ist.

Gewaltlos auch gegenüber Tieren

Er selbst war ein begnadeter Künstler, der den Menschen als Musiker, Maler und Dichter die Geheimnisse des Lebens nahe brachte. Er versah seine Bücher selbst mit Illustrationen. Seine Haupt-Botschaft war die Liebe, mit deren Kraft es möglich sei, das Finstere zu erlösen – vielleicht könne man auch sagen: das Finstere zu "zerlieben". Jeder Manichäer sollte mindestens für einen Menschen sorgen, der ohne ihn nicht leben könnte, also etwa für einen Behinderten oder Kranken.
Die Bewegung der Manichäer war keine feste Organisation im kirchlichen Sinne – denn nach ihrer Auffassung sollte sich der Mensch weder an äußeren Besitz noch an eine äußere Organisation binden; das schwäche den Geist im Menschen. Die Manichäer lebten vegetarisch und gewaltlos und ihre Leiter blieben ehelos. Sie glaubten an die Wiederverkörperung und vertraten die Auffassung, dass jeder Mensch und jede Seele einst wieder zu Gott finden würde. Sie lehnten die Schriften des Alten Testamentes zum großen Teil ab, weil dort von einem Gott der Rache die Rede ist, und hielten sich statt dessen an die Bergpredigt Jesu.


Mani selbst wurde zum ersten Märtyrer seiner Bewegung, als neidische Magier des alten Zarathustra-Kultes gegen ihn intrigierten und er beim persischen Hof in Ungnade fiel. Er wurde grausam gefoltert und am 28. Februar 276 gekreuzigt. Die Bewegung breitete sich jedoch rasch weiter aus. Erst als die römische Kirche zur Staatsreligion wurde und auf Betreiben Augustinus’ und anderer "Kirchenlehrer" die unbarmherzige Verfolgung aller konkurrierenden Religionen begann, wurden den Manichäern zunächst alle Versammlungen verboten, dann die bürgerlichen Rechte aberkannt, schließlich wurden sie vertrieben, getötet, ihre Schriften vernichtet.
Flüchtende Manichäer gelangten allerdings von Nordafrika nach Italien und legten dort den Grundstein für den späteren Erfolg verschiedener "Ketzerbewegungen". Andere Manichäer flüchteten nach Armenien. Sie bildeten dort, gemeinsam mit Anhängern des Markion und anderen "Ketzern", das Volk der Paulikianer, das wiederum zur Grundlage für die späteren Bewegungen der Bogumilen und Katharer wurde.

Das Licht wird siegen

Die Idee einer Religion des Inneren, die den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit zum Ziel hat, lebte also weiter. Diese universelle, kosmische Idee kann niemand auslöschen. Manichäische Ideen begegnen uns sogar in Goethes Faust – der wohl nicht zufällig so heißt wie der von Augustinus geschmähte Manichäer Faustus. Faust, der durch alle Irrtümer hindurch "strebend sich bemüht", das Gute zu erkennen und zu tun, wird am Ende erlöst – nicht, weil er sich an äußere Rituale gehalten hat, sondern weil er auf seinem Erkenntnisweg aus seinen Fehlern gelernt hat.

Literatur: Rudolf Kutzli, Die Bogumilen, Verlag Urachhaus 1977


 


 

(5) Origenes
Der Diamantene

"Das Gute ist einfach und klar; verwirrend vielfältig aber ist das Schlechte. Einfach ist die Wahrheit; vielfältig ist die Lüge. Einfach ist die Gerechtigkeit; vielfältig sind die Möglichkeiten, sie zu erheucheln ... einfach ist Gottes Wort; vielfältig aber ist das Gott entfremdete Wort." Mit diesen Worten sprach der große Denker Origenes nicht nur bis heute gültige Wahrheiten aus – er charakterisierte auch seine Zeit.

Bereits im Verlauf des zweiten Jahrhunderts büßte das frühe Christentum seine innere Strahlkraft ein. Rituale wie die Säuglingstaufe, das rituelle Messopfer oder die von Priestern abgenommene Ohrenbeichte traten an die Stelle innerer Vorgänge wie der Geist-Taufe Erwachsener, des gemeinsamen Liebesmahls oder der Aussöhnung zwischen Streitenden. "Funktionäre" wie die Kassenführer (Bischöfe genannt, von episkopos, Aufseher) oder die Verwalter (Diakone oder Priester) begannen die Gemeinden zu beherrschen und waren vor allem an einem möglichst großem Zustrom zahlender "Schafe" interessiert. Der Glaube wurde verwässert, Christus z. B. als eine Art antiker Mysterien-Gott hingestellt, der dem Menschen ohne eigenes Zutun alle Sünden abnehmen kann – vermittelt durch die Priester.

Origenes wusste um die Reinkarnation

Ein entschiedener Kämpfer gegen diese Aushöhlung des ursprünglichen urchristlichen Glaubens und Lebens war der aus Ägypten stammende Origenes (ca. 184-253). Er studierte die überlieferten Texte der Bibel kritisch und unterschied mit seinem klaren Geist Ursprüngliches von Fälschungen und Hinzufügungen. Für Origenes, auch "der Diamantene" genannt, war die sichtbare Welt eine Folge des Abfalls einiger ursprünglich reiner Geistwesen von Gott. Durch die Erlösertat Christi auf Golgatha hatten alle Menschen und Seelen – ohne Ausnahme – die Möglichkeit erhalten, mit Christi Hilfe und durch ein Leben nach den göttlichen Gesetzen wieder in die reinen Welten zurückzugelangen. Dieser Rückweg kann in wiederholten Einverleibungen erfolgen – Origenes lehrte also das Gesetz der Reinkarnation. Er wandte sich nur gegen die Annahme einer "Seelenwanderung" von Menschenseelen etwa in Tierkörper. Auch eine ewige Verdammnis lehnte er als unchristlich und als Irrlehre ab.
Doch in einer Zeit zunehmender Christenverfolgung – auch Origenes selbst fiel ihr zum Opfer – konnte sich die wieder erweckte Lehre eines Geist- und Tatchristentums nur vereinzelt gegen die Übermacht der Verflachungskräfte durchsetzen. Ein gewaltiger Etappensieg für das äußere Macht- und Scheinchristentum war der Pakt, den Kaiser Konstantin, ein brutaler Machtpolitiker, im vierten Jahrhundert mit der römischen Kirche schloss. Und wieder stand ein Verfechter eines inneren Christentums bereit, den geistigen Kampf aufzunehmen: der ebenfalls aus Ägypten stammende Arius (ca. 260-336), der unmittelbar an die Lehren des Origenes anknüpfte. Doch die Lehre des Arius, insbesondere seine Ablehnung der völligen Gleichsetzung von Gott-Vater und Christus in der amtskirchlichen Dreifaltigkeitslehre, wurde auf dem Konzil von Nizäa (325) von Kaiser Konstantin verboten. Als, nach weiteren geistigen Kämpfen, Arius rehabilitiert wurde, vergiftete man ihn kurzerhand in Konstantinopel (336).
Man hätte die Anhänger der Lehre des Origenes, die der frühchristlichen Lehre entsprach, eigentlich "Origenisten" nennen können - doch weil Origenes auch in der Kirche noch immer großes Ansehen genoss, nannten die Theologen der Romkirche die Anhänger seiner Lehre lieber "Arianer". Der Kampf zwischen Katholiken und Arianern ging im weströmischen Reich noch bis zum Ende des vierten Jahrhunderts weiter. Teilweise fanden regelrechte Schlachten z. B. um den Besitz von Kirchen statt; die Arianer sanken dabei zum Teil auf das Niveau ihrer Gegner. Dann sorgte "Kirchenvater" Ambrosius (ca. 333-397) für ihre gnadenlose Verfolgung und für die Anwendung römischer Strafgesetze gegen sie: Beschlagnahmung von Gebäuden und Vermögen, Aberkennung bürgerlicher Rechte, Verbannung, Tod. Der Spanier Priscillian, der ebenfalls origenistische Ideen vertrat, unter anderem eine vegetarische Ernährung empfahl und das prophetische Wort schätzte, wurde 385 in Trier enthauptet – der erste von der Rom-Kirche ermordete "Ketzer". Von nun an war klar, was jedem anderen blühen konnte, der nicht den römisch-katholischen Glauben annehmen wollte.
Doch über eine geografische "Hintertüre" bekamen die Gedanken des Origenes neuen, ungeahnten Aufschwung: Der Gote Wulfilas (313-383), dessen Vorfahren aus Kleinasien stammten, lernte in Konstantinopel die Lehre des Origenes kennen und brachte sie den Goten nahe. Es entstand so etwas wie eine gotische Volkskirche, die zwar nicht direkt als "urchristlich" bezeichnet werden kann – die Goten waren z. B. wie alle Germanen, im Gegensatz zu Jesus von Nazareth, keine Pazifisten, sondern in ihrer Mehrzahl eher kriegerische Naturen. Die gotisch-arianische Kirche kannte auch Priester und Bischöfe, obwohl Jesus solche nicht eingesetzt hat. Doch diese mussten von ihrer Hände Arbeit leben und waren verheiratet. Es gab keinen Papst, keinen Kirchenzehnt, keine Heiligen- oder Reliquienverehrung, keinen Mutter-Gottes-Kult, keine Ohrenbeichte, keine Kindertaufe, kein rituelles Abendmahl, sondern ein "Brudermahl" nach urchristlichem Vorbild. Es gab zwar Klöster, aber deren Insassen blieben dort nur "auf Zeit", also ohne lebenslange Gelübde.

"Religion kann man nicht anbefehlen"

Bemerkenswert ist auch die Toleranz der germanischen Arianer: In den von ihnen beherrschten Gebieten machten sie keine Missionierungsversuche und beließen in der Regel den Katholiken ihre Kirchen. "Religion kann man nicht anbefehlen", lautete der Grundsatz des in Italien herrschenden Ostgotenkönigs Theoderich. Intolerant gegenüber Katholiken waren zeitweise lediglich die Wandalen, ebenfalls ein arianischer Germanenstamm, in Nordafrika. Die Arianer zeigten selbst in Kriegszeiten Achtung vor ihren Gegnern: Während der katholisch-byzantinische General Belisar 536 nach der Eroberung der von den Ostgoten verteidigten Stadt Neapel Plünderungen billigte und ein Blutbad anrichten ließ, bei dem auch katholische Einwohner nicht geschont wurden, ließ der Ostgote Totila alle Einwohner nach der Rückeroberung 543 am Leben, versorgte sie mit Nahrung und ließ sie gehen, wohin sie wollten, stattete sie teilweise sogar mit Reisegeld aus.
Die meisten der Germanenstämme, die seinerzeit rund um das Mittelmeer siedelten, nahmen den arianischen Glauben an. Erst die Vernichtungskriege Kaiser Justinians im 6. Jahrhundert gegen Wandalen und Ostgoten sowie die Unterwerfungs-Feldzüge der katholischen Franken gegen ihre germanischen Nachbarstämme im 7./8. Jahrhundert sorgten für den Sieg der römischen Kirche über die verhasste "Häresie". Im Jahre 543 ließ Kaiser Justinian die Lehren des Origenes verdammen, nicht zuletzt um die Religion seiner Kriegsgegner, der Ostgoten, in Verruf zu bringen.
Doch die Lehren des Origenes, die unter den Germanen - in freilich etwas abgewandelter Form - über viele Jahrhunderte Bestand hatten, wichen nur vorübergehend der kirchlichen Gewalt. Es ist sicher kein Zufall, dass ehemals von Goten besiedelte Gebiete, nämlich Oberitalien, Südfrankreich, Bulgarien, Bosnien, in späterer Zeit zum Nährboden für die bogumilische und katharische Bewegung wurden – die dann ebenfalls von der Kirche verfolgt und ausgerottet wurden. Doch bereits zur Reformationszeit tauchten in Ungarn und Polen wieder Glaubensgruppen auf, die sich "Arianer" nannten und an den Glauben der längst besiegt Geglaubten wieder anknüpften. Menschen kann man umbringen - Ideen und Ideale nicht.

 


 

(6) Die Katharer
Das Gute durch das eigene Leben bezeugen

Zwei Frauen, die allein unterwegs waren – das erregte Verdacht. Sie wurden aufgegriffen, verhört und – überführt: Als man sie aufforderte, ein rasch herbeigebrachtes Huhn zu töten, weigerten sie sich. Ehe die Katharerinnen Séréna und Agnès de Châteauverdun auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, verlangten sie als letzte Bitte nach frischem Wasser, um sich die Gesichter waschen zu können, die sie zur Tarnung geschminkt hatten. Sie wollten nicht so "bemalt" vor ihren Herrn treten.

Mit "größter Freude" verbrannt

Diese Episode spielte sich zu einer Zeit ab, als der Ketzerkreuzzug (1209-1229) des Papstes gegen die Katharer längst beendet, als auch die berühmte Ketzerburg Montségur schon gefallen war (1244). Das einst so freie und tolerante Okzitanien war unterworfen und Frankreich einverleibt; Inquisitoren durchkämmten nun systematisch Dorf um Dorf, Straße um Straße, Haus um Haus, um die letzten versprengten Katharer aufzuspüren.
Sie werden von den Häschern des Papstes "mit größter Freude" ermordet – wie die 400 Katharer, die Anfang Mai 1211 in dem Pyrenäendorf Lavaur verbrannt werden, nachdem sie das katholische Ave Maria nicht hersagen konnten. Die schwangere Donna Geralda, Katharerin und Schlossherrin in dem "Ketzernest", wird in einen Brunnen gestoßen und mit Steinen beworfen, bis man ihr Wimmern nicht mehr hört. Ihr Bruder Améric von Montreal wird mit 80 Rittern, Edelleuten und Troubadouren zum Richtplatz geführt. Améric wird als erster gehängt – doch der für 80 Verurteilte errichtete Riesengalgen bricht schon unter der ersten Last zusammen. Die Zimmerleute haben schlecht gearbeitet. Simon von Montfort, der Oberbefehlshaber des vom Papst angeordneten Ketzerkreuzzugs, hat keine Zeit zu verlieren: Er lässt die Ritter abstechen.

Wer sind diese Menschen, gegen die solche Grausamkeiten verübt werden? Wer sind sie, die niemanden gleichgültig ließen? Der "heilige" Bernhard von Clairvaux (1091-1153) rief gegen sie zum Völkermord auf: "So also, meine Teuren, verfolgt sie, ergreift sie und zögert nicht, sie alle umkommen zu lassen!" Doch selbst er musste zugeben, "dass es nichts Christlicheres gebe als diese Häretiker; was ihre Unterhaltung angehe, so könne nichts Tadelnswertes gefunden werden, und mit ihren Worten stimmten auch ihre Taten überein. Was die Sittlichkeit der Ketzer anbelange, so betrügen und bedrückten sie keinen, ihre Wangen seien bleich vom Fasten, und mit ihren Händen arbeiteten sie für ihren Lebensunterhalt." (Walter Nigg, Das Buch der Ketzer, Zürich 1986, S. 226). Tatsächlich wurden viele Katholiken für Ketzer gehalten, wenn sie zu blass aussahen – und Johann Teisseire aus Toulouse musste, um einer Verurteilung als Häretiker zu entgehen, den Eid leisten: "Ich bin kein Ketzer, denn ich habe eine Frau und schlafe bei ihr, ich habe Kinder und esse Fleisch, ich lüge, schwöre und bin ein gläubiger Christ, so wahr mir Gott helfe!"
Die Katharer erhielten vor allem in Südfrankreich großen Zulauf, wo ein freies, tolerantes Klima eine kulturelle Blüte ermöglichte. Die Troubadoure (die "Finder") konnten sich auf literarischem Gebiet ebenso entfalten wie die katharischen Wanderprediger auf religiösem Terrain. Die einfache Lebensweise und der sittliche Ernst der Katharer überzeugte das Volk mehr als die Prasserei und Verderbtheit eines großen Teils des römischen Klerus. Auch wenn die herrschenden Ritter, Grafen und Fürsten selbst keine Katharer wurden (als solche hätten sie die Waffen niederlegen müssen), so schlossen sich häufig ihre Frauen oder Töchter dieser Bewegung an. Viele Ritter waren empört über die Einmischung des Papstes in die freie Lebensart des Südens und versuchten, ihre politische und religiöse Freiheit gegen den Machtanspruch Roms zu verteidigen, der sich mit den Eroberungsgelüsten des französischen Herrschers in Paris liiert hatte. Der Kreuzzug gegen die Katharer war also ein religiöser und ein politischer Feldzug – der Süden Frankreichs verlor am Ende beide.
Doch ehe die Kirche zu diesem letzten Mittel der Vernichtung griff, konnte sich das Katharertum einige Jahrzehnte unter dem Schutz seiner toleranten Herrscher entfalten. Die "Albigenser", wie man sie nach einem ihrer Hauptorte, der Stadt Albi, auch nannte, teilten sich in drei Gruppen: An der Spitze standen die parfaits, die "Vollkommenen" – vermutlich nur wenige hundert Männer und Frauen, die sich ganz in den Dienst der Verbreitung dieser Lehre stellten und auch zölibatär lebten. Sie trugen weiße Gewänder als Sinnbild des Strebens nach absoluter Reinheit in Gedanken, Worten und Taten. Die Gemeinde im engeren Sinne bildeten die croyants, die "Gläubigen". Sie trugen in der Regel schwarze Gewänder – um damit zum Ausdruck zu bringen, dass ihre Seele zwar im Körper "eingesperrt" war, aber diese Welt nicht als ihre Heimat betrachtete. Die Gläubigen lebten zum Teil in der Ehe und hatten Kinder, um weiteren Seelen die Möglichkeit zur Inkarnation zu geben – denn die Katharer glaubten, wie die ersten Christen, an die Reinkarnation. Die dritte Gruppe bildeten – wie bei den Bogumilen – die auditores, die "Hörer", die man heute als "Sympathisanten" bezeichnen würde.
Die Katharer führten ein einfaches Leben, ernährten sich von ihrer Hände Arbeit, oft als Zimmerleute oder Weber. Viele der Frauen der Katharer kannten sich mit Heilkräutern und Nutzpflanzen aus. Sie bauten keine Kirchen, sondern trafen sich in der freien Natur oder in Höhlen, um gemeinsam zu beten oder über das Evangelium zu sprechen. Liturgische Rituale waren für sie ein "leeres, nichtiges Schauspiel". Anstelle des liturgischen "Opfermahls" der katholischen Kirche hielten sie ein feierliches gemeinsames Mahl, ähnlich dem "Liebesmahl" der Urkirche. Häufig beteten sie das Vaterunser, wobei sie allerdings nicht vom irdischen sondern vom "geistigen" Brot (pain suprasubstantiel) sprachen. Sie lehnten Kreuze mit Corpus ebenso ab wie die Fleischnahrung, die Kindertaufe und jegliche Art von Gewalt oder Krieg. Ein häufiges Symbol war ihnen die Taube – Symbol des Friedens und auch des heiligen Geistes. Gegenüber anderen Glaubensrichtungen war Toleranz für sie selbstverständlich.

Die Welt entstand durch den Fall

Das Hauptanliegen der Katharer und der Grund für ihre ernste Grundhaltung war der Kampf gegen das Böse, das nach ihrer Überzeugung hinter der Welt mit ihren Kriegen und Schlechtigkeiten aller Art stand und alle äußere Materie durchdrang. Das Böse musste zunächst jedoch im Herzen jedes einzelnen selbst erkannt und bekämpft werden durch den Weg der inneren Reinigung. Nach dem Glauben der Katharer konnte Gott die Welt unmöglich so geschaffen haben, wie sie ist - sie ist vielmehr eine Folge des Abfalls von Gott vor langer Zeit. Wie dies genau vor sich gegangen war, darüber entstanden allerdings im Laufe der Zeit unterschiedliche Ansichten. Wie bei den Bogumilen und Paulikianern gab es auch bei den Katharern "gemäßigte" und "radikale Dualisten": Während die Radikalen meinten, der "böse Gott" habe schon immer bestanden, waren die "Gemäßigten" der Ansicht, dass das Böse nur eine "Abspaltung" vom guten Gott ist. Ein Großteil der südfranzösischen Katharer neigte Ende des 12. Jahrhunderts nach dem Besuch eines Gesandten der "radikalen" albanischen Bogumilenkirche offenbar mehr zur "radikalen" Denkrichtung, das Böse habe immer schon bestanden. Solche Meinungsverschiedenheiten gab es in vielen Bewegungen. Dabei ließen sich einige der Katharer zu Diskussionen und sogar gegenseitigen Verfluchungen hinreißen, was die Bewegung möglicherweise noch angreifbarer machte, als sie es durch Roms Vernichtungswillen ohnehin schon war.

Ideen kann man nicht ermorden

Das schmälert aber nicht den unglaublichen Mut, mit dem Hunderte von Katharer, keineswegs nur die parfaits, nach Augenzeugenberichten ohne Klagen und Angst, ja teilweise sogar freudig singend in den Tod gingen. War ihnen dies möglich, weil die Welt mit ihren Verlockungen und Verstrickungen für sie bereits vorher "gestorben", also überwunden war? Weil sie mit ganzer Seele auf die geistige Welt bezogen waren und von dort in einer Weise Kraft und Trost empfingen, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar war?
Die römische Kirche hat jedenfalls wegen dieser todesmutigen Katharer die systematische Inquisition eingeführt. Und sie hat nicht nur einen grausamen Vernichtungskrieg gegen sie (und gegen das gesamte südliche Frankreich) vom Zaun gebrochen – sie hat die Vernichtung und Ausrottung Andersgläubiger auch durch Päpste und Heilige (wie Bernhard von Clairvaux oder Thomas von Aquin) ideologisch "rechtfertigen" lassen. Damit verlor sie jedoch ihre letzte Glaubwürdigkeit. "In diesem Sinne kann man sagen, dass die Häresie der Kirche einen Schlag versetzt hatte, von dem sich diese nicht wieder erholen sollte." (Eugen Roll, Die Katharer, Stuttgart 1979, S. 238)

Der Katharismus überlebte die Katastrophe von Montségur noch um einige Zeit. Denn man hatte rechtzeitig einige Parfaits aus der belagerten Festung hinausgeschleust – was später wohl zu der Legende geführt hat, man hätte einen "Schatz" in Sicherheit gebracht. Doch die Dominikaner und andere Inquisitoren hetzten sie mit Hunden durch Wälder und Höhlen der Pyrenäen, mauerten die letzten einige Jahrzehnte später in einer Höhle lebendig ein. Immerhin: Noch im 14. Jahrhundert gab es versprengte Katharer in Sizilien.
Wesentlicher noch als das sichtbare Fortwirken der katharischen Bewegung ist der untergründige Strom, der unaufhaltsam weiter fließt. Man kann zwar die Menschen töten, doch das geistige Potenzial, das sie aufgebaut und vermehrt haben, bleibt erhalten. Es speist den urchristlichen Strom, der immer wieder auftaucht und Menschen berührt. So finden sich katharische Gedanken, symbolisch verschlüsselt, in den Bildern eines Hieronymus Bosch ebenso wie in der klaren Forderung der Waldenser oder Hussiten, der mährischen Brüder oder der Täufer nach einem konsequenten, einfachen christlichen Leben. Die Hugenotten sind nicht zufällig im Stammland der Katharer, in Südfrankreich, erfolgreich, so wie ein Savonarola nicht zufällig in Florenz an die Bestrebungen der "Patarener", wie die italienischen Katharer genannt wurden, anknüpfen konnte.
Die Katharer haben ein Zeichen gesetzt: Dass es möglich ist, für ein überirdisches Ideal einzutreten, auch wenn es äußerlich aussichtslos zu sein scheint. Dass es sich lohnt, an das Gute nicht nur zu glauben, sondern es durch das eigene Leben zu bezeugen. Dass es sinnvoll ist, für das Licht zu kämpfen und in friedlicher Weise aufzuklären. Dass die geistige Energie dieses übermenschlichen Opfergangs nicht verloren ging, zeigt sich im weiteren Verlauf der Geschichte – nicht nur in religiöser, sondern auch in politischer Hinsicht: Auch die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hätte ohne die Katharer wohl nicht in dieser Weise stattfinden können.
 




(7) Die Paulikianer
Tausende "Begleiter des Volkes" gesteinigt, verbrannt, geköpft


Die Romkirche zerschlug im Laufe der Spätantike immer wieder jede religiöse Strömung, die Anschluss an das frühe Christentum suchte – seien es die "Markioniten", "Montanisten", "Manichäer" oder "Origenisten". Sie wurden geächtet, enterbt, ausgestoßen, ermordet, von Land zu Land gehetzt. Immer wieder jedoch entkamen einzelne Gläubige oder ganze Gruppen den Nachstellungen der sie im Auftrag der Rom-Kirche verfolgenden staatlichen Häscher, und sie flüchteten in Nachbarregionen. In Anatolien bildete sich aus den Versprengten das Volk der Paulikianer.

Keine Priester, Hinwendung zum Inneren Licht

Nach den Untersuchungen des Historikers Rudolf Kutzli waren auch zahlreiche so genannte "Mazdakisten" in dieser Zeit von Persien nach Armenien geflohen und schlossen sich teilweise den Paulikianern an. Ihre Anhänger beriefen sich auf Zarathustra (6. Jahrhundert vor Christus), und sie verkündeten eine Religion der universellen Brüderlichkeit: Jeder Mensch habe in gleicher Weise einen Anspruch auf ein menschenwürdiges Dasein. Die Mazdakisten wurden – nach vorübergehender Duldung – von den persischen Königen scharf bekämpft, denn sie stellten das feudale Ausbeutungssystem des Großgrundbesitzes in Frage. Auch die Priesterkaste wurde von den Mazdakisten für überflüssig erklärt, wobei sie sich auf Texte des Zarathustra berufen konnten, wie zum Beispiel: "Euch frage ich, die ihr euer Heil Priestern und Fürsten anvertraut! Nun ist die Erde ihre Beute! ... Macht uns die Erde wieder frei! Ein Opfer ist sie jetzt für Rasende. Priester und Fürsten engen das Leben ein, aber mit dem Leben werden wir siegen!"

Diese Zeilen klingen heute, im Zeitalter der ökologischen Katastrophen, sehr aktuell. Zarathustra lebte fünf Jahrhunderte vor Christus, doch in vieler Hinsicht nahm er Aspekte der Botschaft von Jesus von Nazareth vorweg – auch wenn, wie bei fast allen großen Religionsgründern, seine Lehre später verfälscht und ebenfalls zu einer ritualisierten äußeren Religion gemacht wurde. Den Mazdakisten ging es in erster Linie um die innere Befreiung des Menschen, um seine Hinwendung zum Inneren Licht: "Wann wird es aufgehen, das Morgenrot jener Tage, wo die Menschheit sich wendet zum Inneren Licht, zum Lichte der Wahrheit? Doch sei, wann es wolle ... Ich will mich mühen, als sei es schon Zeit." (Zarathustra)
 

Das urdemokratische Element der Mazdakisten zeigte sich später auch in der inneren Haltung der Paulikianer. Ihre geistigen Führer lehnten jede Machtausübung ab. Sie bezeichneten sich, wie ihre Vorläufer in den frühchristlichen Urgemeinden, als "Begleiter des Volkes", und sie wurden auch vom Volk gewählt. Sie unterschieden sich in Kleidung und Lebensweise nicht von anderen Gemeindemitgliedern. Jeder Gläubige war dazu aufgerufen, selbst das Neue Testament zu lesen und auszulegen und das wahre Christentum in sich zu ergründen. Die einzelnen Glaubensinhalte der Paulikianer sind nur indirekt zu erfahren, weil fast nur Berichte ihrer Gegner erhalten geblieben sind. Dies gilt übrigens für die meisten der von der Kirche verfolgten Gruppen.
So sollen sie geglaubt haben, dass Christus nur scheinbar Mensch gewesen wäre und dass auch das Böse von Ewigkeit her Bestand gehabt hätte. Wir sehen an diesem Beispiel einmal mehr, dass es schwierig war, den Glauben des ursprünglichen Christentums rein und unverfälscht durch die Wirren der zahlreichen Verfolgungen urchristlicher Glaubensbewegungen in der Antike und im Mittelalter hindurch zu retten. So manche Abweichung oder Verwirrung schlich sich ein. Das gilt auch für die Frage der Gewaltanwendung. Die Paulikianer waren keine Pazifisten wie Jesus von Nazareth, sondern verteidigten sich militärisch gegen die zahlreichen Angriffe und Ausrottungsversuche vor allem des byzantinischen Staates, dessen Kaiser durch die Priesterkaste zur Verfolgung der "Häretiker" aufgestachelt wurden. Immer wieder wurden Tausende von Paulikianern gesteinigt, verbrannt, geköpft.

Keine Bildnisse von Gott, Aufhebung des Leibeigenschaft

Im 8. Jahrhundert erhielten die Verfolgten allerdings eine Atempause. Die Paulikianer unterstützten Kaiser Leon III. in der Frage des Bilderstreits, der das oströmische Byzanz über Jahrzehnte in Atem halten sollte. Wie der Kaiser waren sie der Auffassung, dass der Mensch sich keine Bildnisse von Gott machen oder diese gar anbeten sollte. Heiligenverehrung lehnten sie ohnehin ab.
Auch übernahm Kaiser Leon III. urchristliche Prinzipien in die Politik. Er löste teilweise den Großgrundbesitz auf, hob die Leibeigenschaft der Bauern auf, verteilte an sie Land und schuf Genossenschaften. Die Armen erhielten kostenlose Rechtsprechung, die Stellung der Frau wurde erheblich verbessert.

Welcher Geist sprach aus den neuen Gesetzen, in denen zum Beispiel zu lesen steht "Gott hat den Menschen geschaffen und mit Freiheit geschmückt ... Die Gerechtigkeit, die Botin vom Himmel, ist das höchste irdische Gut, ... die höchste Sorge des Kaisers"? Der Historiker Rudolf Kutzli ist der Ansicht, dass diese Gesetze unverkennbar von paulikianischer Ethik geprägt waren.
 

Bereits Ende des 8. Jahrhunderts jedoch begannen wieder grausame Verfolgungen der Paulikianer. Sie hatten zu dieser Zeit aber bereits auf dem Balkan Fuß gefasst. Andere Paulikianer flüchteten an den Euphrat – wo sie der muslimische Emir wesentlich toleranter behandelte als der "katholische" Kaiser – oder über Nordafrika bis nach Frankreich. Ihr Wirken war wiederum der Same für weitere Gemeinschaften, welche zur Lehre von Christus zurückkehren wollten.

 

 


 

(8) Die Bogumilen
"Die wahre Kirche Christi ist das Herz der Menschen"

Sie verzichteten auf alle äußeren Rituale und Zeremonien, weil sie Gott in ihrem Inneren fanden. Die Bewegung der Bogumilen konnte sich fast ein halbes Jahrtausend auf dem Balkan halten. Als sie vernichtet wurde, hatte sie längst Samen ausgestreut ...

Mönche der Kirche lebten in Saus und Braus

"Wenn aber ein armer Wandersmann von weit her kommt und die Türme des Fürstenhofes erblickt, so verwundert er sich ... und stellt Fragen ... Wenn er aber den Fürstenhof betritt und sieht die hohen Paläste und Kirchen, außen mit Stein, Holz und Farbe, innen mit Marmor und Kupfer reich verziert, so weiß er nicht, womit er das alles vergleichen soll, denn in seinem Lande hat er nie etwas anderes als strohgedeckte Hütten gesehen, und der Arme beginnt den Verstand zu verlieren (Katja Papasov, Christen oder Ketzer – die Bogomilen, Ogham-Verlag, Stuttgart 1983, S. 122; eine Anmerkung: Die unterschiedliche Schreibweise "Bogumilen" oder "Bogomilen" ergibt sich aus unterschiedlichen Möglichkeiten der Transkription aus der kyrillischen in die lateinische Schrift: buchstabengetreu [o] oder aussprachegetreu [u].) .
So beschreibt ein Zeitzeuge die Kluft, die im 10. Jahrhundert zwischen der einfachen Landbevölkerung Bulgariens und dem Zarenhof in der Hauptstadt Preslav bestand. Nicht nur die Fürsten und Bojaren, auch die hohen Kleriker stützten sich nach byzantinischem Vorbild auf zahlreiche Privilegien und umfangreichen Grundbesitz. Dies betraf auch viele der orthodoxen Klöster: "Die Mönche lebten in Saus und Braus, kleideten sich in prächtige Gewänder, waren von zahlreichen Dienerschaften umgeben, aßen teure Speisen, ritten schöne Pferde und plünderten ihre Untergebenen grausam aus. Die Bauern mussten alle Staatssteuern in Sachwerten abliefern, die Bodensteuer, die Herdsteuer, die Viehsteuer, die Bienensteuer und andere. Zusätzlich legte noch die Kirche den Bauern beträchtliche Abgaben auf. (Papasov, S. 124)

Umwälzung lag in der Luft

So nimmt es nicht wunder, wenn sich angesichts dieser Zustände unter der geplagten Landbevölkerung "verschiedene ketzerische Lehren" breit machten. Der orthodoxe Priester Kosma berichtet davon, natürlich in abfälliger Weise: "Es geschah, dass zur Herrschaftszeit des rechtgläubigen Zaren Peter ein Pope namens Bogumil (deutsch: Gottesfreund) in den bulgarischen Landen auftauchte, der besser Bogunemil (der nicht von Gott Geliebte) genannt werden sollte. Er war der erste, der ketzerische Lehren in bulgarischen Gebieten predigte."
Der "ketzerische" Gemeindevorsteher (= Synekdemos) Bogumil lebte vermutlich von 913 bis 963 und begann sein öffentliches Wirken um 935. Er war eine überragende Persönlichkeit, nach der eine große Bewegung, die ein halbes Jahrtausend Bestand hatte, benannt ist. Doch diese Bewegung entstand nicht aus dem Nichts – die unerträglichen sozialen Verhältnisse Bulgariens waren nicht ihre letzte Ursache, sondern eher Auslöser und Verstärker einer religiösen Umwälzung, die "in der Luft" lag.

Die Bulgaren sind ursprünglich ein turksprachiges Reitervolk, das, aus Zentralasien kommend, im 7. Jahrhundert in den Balkanraum vordrang. Dort vermischten sie sich allmählich mit den ansässigen Slawen und übernahmen deren Sprache. In Asien hatten sie engen Kontakt zum Volk der Uiguren gehabt. Bei diesen war die Lehre des Manichäismus lange Zeit verbreitet, zeitweise sogar als "Staatsreligion". Auf dem Balkan wiederum trafen die Bulgaren unter anderem auf die Paulikianer, die man als die geistigen Erben der Manichäer bezeichnen könnte. Der Boden war also vorbereitet für eine Erneuerung dieser am Urchristentum orientierten "Ketzer"-Bewegungen.
Die Bogumilen verbreiteten sich sehr rasch in Bulgarien und in den angrenzenden Ländern Mazedonien, Serbien und Bosnien. Der Kern ihrer Lehre war, dass der Mensch ohne Vermittlung einer äußeren Instanz oder Institution in ein unmittelbares Verhältnis zu Gott treten kann. Deshalb bauten sie, jedenfalls in der Anfangszeit, keine äußeren Kirchen, sondern trafen sich in schlichten Versammlungsräumen. "Das Herz des Menschen ist die wahre Kirche Christi", sagte ein Bogumile, als er vor einem Inquisitionsgericht verhört wurde. (
Rudolf Kutzli, "Die Bogumilen", Verlag Urachhaus Stuttgart 1977, S. 159).

Erfahrung statt Tradition

Die Bogumilen pflegten auch keine Rituale oder liturgischen Zeremonien. Sie wollten das christliche Leben nicht auf Tradition, sondern auf spirituelle Erfahrung gründen. Sie trafen sich zu einer feierlichen Tischgemeinschaft nach dem Vorbild des urchristlichen "Liebesmahls". Sie kannten keine Priesterhierarchie, sondern lediglich eine Unterteilung ihrer Anhänger in "Vollkommene", "Glaubende" und "Zuhörer". Letztere würde man heute als "Sympathisanten" bezeichnen; die "Glaubenden" waren Vollmitglieder der bogumilischen Gemeinden. Die "Vollkommenen" zeichneten sich durch eine enthaltsame Lebensweise aus, vor allem aber durch eine natürliche Autorität, die allein auf ihrer inneren Entwicklung beruhte, auf dem "Maße des inneren Lichtes, das er zum Leuchten gebracht hatte" (Kutzli, a.a.O.). Zu einem "Vollkommenen" wurde man durch die "Geisttaufe" – das einzige Sakrament, das die Bogumilen kannten.

Die bulgarischen "Gottesfreunde", zumindest die "Vollkommenen" und die "Glaubenden" unter ihnen, lebten vegetarisch und waren gewaltlos. Sie wollten nicht das Göttliche, das in allem lebt, töten. Sie sahen es als ihre Aufgabe an, nicht nur sich selbst mit der Hilfe des inneren Christus zum Licht hin zu entwickeln, sondern auch das Böse in der Welt durch ihr Vorbild und ihre Liebe allmählich mit zu erlösen. So wollten sie das kommende "Reich des heiligen Geistes" vorbereiten. Sie glaubten an die Möglichkeit einer Wiederverkörperung der Seele, nicht aber an eine ewige Verdammnis. Sie lehnten die Verehrung des Kreuzes mit Korpus ab, hinterließen aber eine Fülle von Licht- oder Lebenskreuzen ohne Korpus.

Das Böse war nach Auffassung der Bogumilen durch den Sturz "Satanaels" aus dem Himmel entstanden. Aus diesem "Engelsturz" entstand auch die Materie und der Planet Erde. Weil aber Satanael den Menschen nicht das Leben einhauchen konnte, verlieh Gott jedem Menschen einen "Geist-Funken" aus Seinem Licht. Daraus ergibt sich die innere Zwiespältigkeit des Menschen: Äußerlich gehört er der Materie, innerlich Gott an.

Ablehnung der teuflischen Inspirationen in der Bibel

Die Bogumilen waren also, zumindest in ihrer Mehrzahl, keine Anhänger eines "radikalen" (gnostischen) Dualismus, wonach seit Urzeiten die Prinzipien Gut und Böse gleichberechtigt nebeneinander bestehen. Sie vertraten vielmehr einen "gemäßigten Dualismus", wonach Gott der Ursprung allen Seins und stärker als das Böse ist, das dereinst besiegt sein wird.
Wenn den Bogumilen bis heute immer wieder unterstellt wird, sie hätten nur an eine Schein-Existenz des Jesus von Nazareth auf der Erde und an eine Schein-Kreuzigung geglaubt ("Doketismus"), so beruht dies wohl auf einem Missverständnis: Sie glaubten, dass der innere Kern der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, nämlich der Christus Gottes, nicht von dieser Welt war und deshalb auch nicht getötet werden konnte.
Weil sie im Alten Testament der Bibel sehr viele Aussagen fanden, die sie mit einem liebenden Gott nicht in Einklang bringen konnten, lehnten sie dieses Buch weitgehend ab, erkannten nur die Psalmen und die Bücher von sechs Propheten als von Gott gegeben an, nicht aber beispielsweise die Bücher des Mose, die sie für vom Teufel inspiriert hielten. Die Möglichkeit, dass diese Bücher, wie so vieles andere, von der damaligen Priesterkaste verfälscht worden waren, war ihnen offenbar nicht mehr geläufig – hatte doch die Kirche die tiefschürfende Textkritik z. B. eines Origenes schon viele Jahrhunderte zuvor verketzert und weitgehend ausradiert.

Schlicht und klar statt katholisch oder orthodox

Die Lehre und Lebensführung der Bogumilen war in ihrer Schlichtheit und Klarheit nicht nur eine Gefahr für die etablierten Kirchen, für die katholische ebenso wie die – seit 1054 von ihr getrennte – orthodoxe. Diese Bewegung bedrohte auch die feudale staatliche Ordnung, die damals noch auf Ausbeutung und Unterdrückung angelegt war: Sie entzog einer religiösen Anschauung, die Sklaverei und Leibeigenschaft, Reichtum und Ausbeutung rechtfertigte, den Boden. Und so kam es, wie es kommen musste: Während die Bogumilen jeglichen Glaubenszwang ablehnten und die Freiheit des menschlichen Willens betonten, brachten ihnen die kirchlichen und staatlichen Institutionen das Gegenteil davon entgegen: Die bogumilische Bewegung wurde im byzantinischen Reich, in Bulgarien, in Serbien immer wieder verketzert und grausam bekämpft. So ließ der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos (1018-1116) den bogumilischen Gemeindevorsteher Basileios an den byzantinischen Hof nach Konstantinopel (heute Istanbul) rufen, angeblich, um sein Anhänger zu werden. In Wirklichkeit ließ er das Gespräch von hinter einem Vorhang versteckten Lauschern mitschreiben und die angereiste Delegation der Bogumilen anschließend von einem Inquisitionsgericht verurteilen und verbrennen.

Fotos - Oben: Radimlje - Bosniens größtes Bogumilen-Steinfeld; Rechts: Ein Bogumilenstein, fotografiert in Kroatien - Sonne, Mond und einfache Kreuze sind auf den Steinen zu sehen: Der Mensch als Gefäß soll die Kraft der inneren Sonne, die Christuskraft, in sich zum Leuchten bringen. Die Steine wurden womöglich zu einer Zeit gesetzt, als die Bogumilen bereits ihrer Vernichtung durch die Institution Kirche entgegen sahen.

Ausgestochene Augen und andere grausame Verfolgungen

Bereits vor Alexios hatte sein Vorgänger Basileios II. (976-1025) dreißig Jahre lang Krieg gegen den westbulgarischen Zaren Samuel geführt, der mit den Bogumilen sympathisierte und ihnen Glaubensfreiheit gewährte. Nach der blutigen Schlacht von Kljutsch (1014) nahm das byzantinische Heer des Basileios 14.000 bulgarische Soldaten gefangen. Auf Befehl des byzantinischen Kaisers wurden allen Gefangenen die Augen ausgestochen – nur jedem Hundertsten wurde ein Auge belassen, damit er die übrigen heimführen konnte. Diese grausame Verstümmelung sollte offenbar eine Verhöhnung der bogumilischen Lehre des "inneren Lichtes" sein. Als Zar Samuel seine Soldaten so herankommen sah, starb er gebrochenen Herzens. Kaiser Basileios erhielt den Beinamen "Bulgaroktos", Bulgarenschlächter, worauf er auch noch stolz war. Bis heute erinnert ein kleines Kloster am Vodoca-See (von "vadi oci", Augen ausreißen) in der Nähe des Schlachtfeldes im heutigen Mazedonien an dieses Verbrechen.
Auch die katholische Kirche bekämpfte die "Irrlehre" nach Kräften. Das Heer des vierten Kreuzzugs, der später statt des "heiligen Landes" das orthodoxe Byzanz erobern sollte, zog im Jahre 1202 von den Venezianern (die das Unternehmen finanziert hatten) zunächst gegen die dalmatinische Stadt Zadar im heutigen Kroatien – mit der Begründung, dort lebten "bogumilische Ketzer". Mehrfach ließ der Papst "Ketzerkreuzzüge" gegen die Bogumilen ausrufen.

Nachfahren wurden lieber Moslems als Katholiken

Trotz aller Verfolgungen verbreitete sich die Lehre der "Gottesfreunde" jedoch weiter. Zeitweise fand sie für einige Jahrzehnte staatlichen Schutz – so zu Beginn des 11. Jahrhunderts im westbulgarischen Reich (dem heutigen Mazedonien) um den Ohrid-See, oder im 13. und 14. Jahrhundert in Bosnien. Dort bildete das Bogumilentum zeitweise sogar eine Art Staatsreligion. Doch auch deren Tage waren gezählt. Als die Türken nach der Schlacht gegen die Serben auf dem Amselfeld (1389) auf dem Balkan weiter vordrangen, verweigerten die katholischen Nachbarn den bosnischen "Ketzern" jegliche Hilfe – es sei denn, sie wären zum Katholizismus übergetreten. Dazu waren die Bosnier jedoch nicht bereit. Die Türken rotteten die bosnische Oberschicht weitgehend aus; die einfachen Bauern begaben sich notgedrungen unter türkische Oberhoheit und nahmen in der Folgezeit fast alle den muslimischen Glauben an. Ihre Nachfahren sind die heutigen bosnischen Muslime.

Kirche kann Geist des Urchristentums nicht ausrotten

Doch die Kirche ahnte selbst, dass der im Bogumilentum wieder auferstandene Geist des Urchristentums nicht ausgelöscht werden kann. Papst Pius II. (1458-64) musste feststellen, dass die Kirche kaum jemals einer Bewegung so heftig und mit solch scharfen Mitteln entgegengetreten sei. Dennoch seien alle Anstrengungen der Kirche gegen diese "schlechten Menschen", die sich "gute Christen" nennen, letztlich erfolglos geblieben.
In der Tat: Bereits lange vor dem Ende der Bogumilen auf dem Balkan hatte die Lehre sich über ganz Europa verbreitet. Flüchtende Bogumilen setzten von Albanien nach Italien über. Andere fanden in der Ukraine und in Russland eine neue Heimat. Das berühmte orthodoxe Kloster auf dem Berg Athos in Griechenland war lange Zeit – bis ins 14. Jahrhundert hinein – ein Bollwerk des Bogumilentums. Große Gestalten der abendländischen Geistesgeschichte wie der römische Ketzer-Revolutionär Arnold von Brescia, der kalabresische Abt Joachim von Fiore, der Dichter Dante Alighieri könnten von Nachklängen dieser Bewegung beeinflusst worden sein. Sogar der von der katholischen Kirche vereinnahmte "Heilige" Franziskus von Assisi zeigte in seiner Naturverbundenheit und Schlichtheit eher bogumilische Züge – schließlich wurde "sein" Orden der Franziskaner gegen seinen Willen gegründet, und seine treuesten Schüler (Spiritualen genannt) wurden zu Hunderten auf den Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt.
Vor allem aber steht fest, dass es intensive Kontakte zwischen den Bogumilen des Balkans und den Katharern Südfrankreichs und Italiens sowie den "Gottesfreunden" des Rheinlands gab. Doch das ist ein weiteres Kapitel.

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
"Der Theologe", Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 92, Matthias Holzbauer, Urchristliche Gemeinschaften, von der Kirche verfolgt, Wertheim 2015, zit. nach
http://www.theologe.de/urchristentum_christenverfolgung-durch-kirche.htm,
Fassung vom 14.4.2017,
Copyright © und Impressum siehe hier.
Die Ausgabe Nr. 92 ist teilweise eine überarbeitete und erweiterte Fassung einzelner Aufsätze in dem Buch "Verfolgte Gottsucher" von Matthias Holzbauer, Marktheidenfeld 2004.

 

Lesen Sie auch den spannenden Reisebericht in die Vergangenheit (und doch auch in die Gegenwart) des Urchristentums: Auf den Spuren der Bogumilen - eine Reise nach Dalmatien und Bosnien

 

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"Ihr Völker der Erde, holt die Lehre des Jesus von Nazareth, des Freien Geistes, vom Kreuz herab". Dies ist die zentrale Botschaft der Broschüre Brüder und Schwestern, fürchtet euch nicht - der Geist unseres himmlischen Vaters ist mit uns. - Christus, der Freie Geist, außerhalb der Kirche. Die Broschüre enthält den Text der Lesung, die man sich auch als Video-Aufzeichnung ansehen kann. Sie ist gratis erhältlich in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch bei info@der-freie-geist.de. Der Text ist auch als PDF-Datei einsehbar.