DER THEOLOGE
Nr. 20


Elia, Amos und Jeremia -
 Propheten als unbequeme Mahner für das Volk -
Propheten nach Jesus


Die Propheten in der jüdischen und christlichen Welt hatten ein schweres Los. Sie verkündeten den Menschen Botschaften, die sie als "Mittler" zur geistigen Welt in ihrem Inneren vernommen hatten. Sie führten äußerlich ein bescheidenes Leben nach den Geboten des "Schöpfergottes", z.B. den bekannten Zehn Geboten oder der Bergpredigt des Jesus von Nazareth. Propheten mussten zuvor oft langwierige innere Kämpfe durchstehen, bis sie diese Aufgabe schließlich angenommen haben. Dazu gehört auch das Vertrauen und die Erfahrung: Es ist tatsächlich der "Gottesgeist", den sie in ihrem Inneren hören können. Und sie können ihm als Sprachrohr dienen, d.h. als Kanal für Seine Botschaft an die Menschen. Das war immer eine schwere Last für den Menschen, denn ein echter Gottesprophet musste immer auch selbst erfüllen, was er an andere weitergab. Und schnell gerieten Propheten immer wieder in Konflikt mit den jeweils herrschenden Priestern und Schriftgelehrten.


Vorwort

Elia - "Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?"

Amos - Seine Worte sind unerträglich für das Land

Jeremia - von denen missachtet, gequält und ermordet, denen er helfen wollte

Klare Gottesworte der Propheten über die Priester

Propheten in den letzten 2000 Jahren

Wie die Kirche die von Christus verheißenen Propheten intellektuell auszuschalten versucht

Der wiederkommende Christus - der größte Feind der Kirche

 


Vorwort

Nachfolgende Essays über drei Propheten des Alten Testaments, Elia, Amos und Jeremia, stehen beispielhaft auch für die anderen Propheten wie z. B. Jesaja, Hosea, Daniel, Hesekiel (= Ezechiel) und viele andere. Die grundsätzliche Frage nach dem Ursprung und Wesen von Prophetie wird hier nicht weiter thematisiert. Der Autor geht davon aus, dass die ursprünglichen Prophetien dieser Männer echte Gottesprophetien sind und dass nur jemand, dessen Bewusstsein mit dem Geist und den Geboten Gottes einigermaßen in Einklang steht, in der Lage ist, überhaupt prophetische Botschaften aus dieser Quelle und in dieser Qualität zu empfangen. Wo dies nicht der Fall ist, sinkt das Niveau von eventuellen "Durchgaben" im Verhältnis zu dem Lebenswandel des Betroffenen. Eventuelle Botschaften eines solchen Mediums würden dann nicht aus dem höchsten Bewusstsein, Gott, stammen. In diesem Sinne lehrte es auch Jesus, der für die Zukunft gebot, den echten Gottespropheten bzw. den falschen Propheten "an den Früchten" zu erkennen (Matthäus 7, 15 ff.). Oder der sagte: "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden ..." (Johannes 16, 12 ff.).
Die Kirchen lehren im Unterschied zu Jesus jedoch, dass die Prophetie bzw. die
"Offenbarung" mit Jesus ganz bzw. überwiegend abgeschlossen wurde und nun das Zeitalter der Kirche begonnen hätte. Sollte doch hier und da ein Prophet sprechen, so die kirchliche Lehre, müsste die Prophetie mit dem Kanon der Bibel übereinstimmen, wie ihn die Theologen der Kirche festgelegt haben (mehr dazu weiter unten) und auch sonst mit der kirchlichen Lehre. Da dies jedoch so gut wie nie der Fall war, wurden nahezu alle Propheten von der Kirche bekämpft und verfolgt. Scheinbar anders war es bei Hildegard von Bingen, die jedoch nur von der Kirche vereinnahmt wurde.

Die Essays über Elia, Amos und Jeremia wurden bereits 1996 im Verlag Wort, Bild und Ton veröffentlicht und erscheinen hier neu in leicht überarbeiteter Form. Die Zitate stammen allesamt aus den Büchern der Bibel. Bei Elia aus dem 1. und 2. Buch Könige, bei Amos und Jeremia aus den gleichnamigen Büchern.

PS: Lesen Sie dazu auch Der Theologe Nr. 13, Aaron oder Korach - Wie die Priester die Herrschaft über das Volk erlangten.

 



 
Elia -
"Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?
"

"Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!" Diese Worte spricht laut der Erzählung im Buch 1. Könige in der Bibel ein Engel zum Propheten Elia, der unter einem Wacholderstrauch in der Wüste liegt und sterben will (19, 5). Doch sein prophetischer Auftrag ist noch nicht beendet, und Elia macht sich, neu gestärkt, noch einmal auf, um als Prophet helfend seinem Volk Israel beizustehen.

Elia lebt im 9. Jahrhundert vor Christus in Israel. Die Menschen hatten sich von ihrem Gott, an den sie bis dahin glaubten, abgewandt und verehren nun einen Gott "Baal". Der Name "Baal" steht für einen "Fruchtbarkeitsgott", wobei nicht näher überliefert ist, welche Lebensweise die Menschen im einzelnen damit verbinden. Das Königshaus unter Ahab, wo ebenfalls Baal verehrt wird, lässt jedenfalls aus Habgier töten: Der Weinbergbesitzer Nabot wird umgebracht, weil er nicht einverstanden ist, sein Land - Grundlage für die soziale Gleichheit der Familien und Sippen - an das Königshaus abzutreten (vgl. 1. Könige 21).

Der Gottesprophet tötet nicht

Nach der biblischen Überlieferung tötet Elia später die Baalspriester, doch das ist sehr wahrscheinlich eine Geschichtsfälschung. Spätere Generationen haben ihm dies unterschoben, um ihre eigenen Morde mit dem "Vorbild" des Propheten zu rechtfertigen (vgl. auch die Ausführungen zu Mose in "Der Theologe Nr. 13"). Denn ein wahrer Gottesprophet hält sich an die Zehn Gebote und tötet nicht. Er deckt stattdessen das Unrecht schonungslos auf und ruft die Menschen zur Umkehr. Deswegen wird Elia auch verfolgt und muss sich immer wieder verstecken. Er kündigt auch eine schwere Hungersnot an, die nach dem Gesetz von Saat und Ernte ("Was der Mensch sät, das wird er ernten"; in der alttestamentlichen Theologie auch "Tun-Ergehens-Zusammenhang" genannt) auf die Menschen zukommen wird. Er selbst wird in dieser Zeit, wie die Bibel erzählt, an einem Bach von Raben ernährt. Später findet er Unterschlupf bei einer Witwe und deren Sohn.

"Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?"

Auf dem Höhepunkt der Hungersnot ruft der Prophet dem Volk zu: "Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so folgt ihm nach, ist`s aber Baal, so folgt ihm nach" (1. Könige 18, 21).

Die Worte des Propheten wirken. Nach der Abkehr vom "Fruchtbarkeitsgott" Baal, so wird erzählt, regnet es wieder im Land, doch Elia hat immer noch Feinde, welche die innere Umkehr nicht wirklich vollziehen. Elia flieht jetzt in die Wüste, will nicht mehr. Doch Gott ruft ihn - wohl über Elias innere Stimme - zum Berg Sinai, wo Mose einst die Zehn Gebote für das Volk empfangen hatte.

Ein mächtiger Orkan bringt dort schier Berge ins Wanken und Felsen zum Zerbrechen, doch Elia hört die Stimme Gottes in seinem Inneren nicht. Die Erde bebt, doch Elia hörte die Stimme wieder nicht. Schließlich kommt eine Feuersbrunst, aber erneut keine Nachricht, die er als Wort Gottes verstehen und evtl. an andere weitergeben könnte. Nach dem Feuer kommt ein "stilles sanftes Sausen", und jetzt ist es soweit: Der Prophet vernimmt in sich wieder die Stimme Gottes für eine weitere Aufgabe ... (19, 11-13)

"Swing low, sweet chariot"

Am Ende seines irdischen Lebens trifft sich Elia mit Elisa, seinem Nachfolger als Prophet (vgl. 2. Könige 2). Sie stehen beide am Ufer des Jordan. Und was dann geschieht, erzählen die dunkelhäutigen Sklaven Amerikas im 19. Jahrhundert in einem Lied: "Swing low, sweet chariot, comin` for to carry me home." Ein feuriger "chariot", ein Wagen, kommt, mit feurigen Rossen, und geleitet den Gottesboten zurück in die "himmlischen Welten", so der Gospel-Song, "comin` for to carry me home".

Mit Elia schließt auch das heilige Buch des Judentums, bei uns als "Altes Testament" bekannt. In seinen letzten Sätzen kündigt es an, dass der Prophet Elia noch einmal kommen oder sprechen wird vor der letzten schweren Zeit auf dieser Erde (Maleachi 3, 23-24). So glauben zum Beispiel viele Menschen zur Zeit des Jesus, in Johannes dem Täufer sei der Prophet Elia wieder inkarniert. Nach den Worten der Bibel soll er "das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern", auf dass Friede werde. Und wer weiß, ob er nicht in unserer Zeit gesprochen hat. Der Spott der Theologen wäre ihm auf jeden Fall sicher gewesen ...
 



Amos -
"Seine Worte sind unerträglich für das Land
"

Im 8. Jahrhundert v. Chr. lebten die Israeliten in einem geteilten Land. Dem Südreich (Stamm Juda) stand das Nordreich (die übrigen Stämme Israels) feindselig gegenüber. Da wurde im Süden ein Prophet gerufen. Er hatte die Aufgabe, dem Nordreich den Untergang anzukündigen, falls die Menschen dort ihr Verhalten nicht änderten.

Sie verabscheuen den, der ihnen die Wahrheit sagt

Amos prangert deshalb die korrupten und ungerechten Zustände im Lande an: Gewalt, Bestechung, Ausbeuten der Armen, Ess- und Trinkgelage der Reichen mit sexuellen Ausschweifungen, veräußerlichte Religion. Das Recht wird "in Wermut verkehrt" und die Gerechtigkeit zu Boden gestoßen (5, 7). Der fremde Prophet stößt mit dieser Botschaft überall im Land auf erbitterten Widerstand. Die Menschen "sind dem gram, der sie im Tor zurechtweist, und verabscheuen den, der ihnen die Wahrheit sagt" (5, 10), so das prophetische Wort. Vor allem die Priester stellen sich gegen ihn und melden dem König: "Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel. Seine Worte sind unerträglich für das Land" (7, 10).

Die schlimmen Zustände in Israel werden Folgen haben. Mit anschaulichen Vergleichen weist Amos auf das Gesetz von Ursache und Wirkung hin: "Brüllt etwa ein Löwe im Walde, wenn er keinen Raub hat? Gibt der junge Löwe Laut in seinem Versteck, ohne dass er einen Fang getan hat?" (3, 4) Und Amos prophezeit: "Die elfenbeingeschmückten Häuser sollen zugrunde gehen und viele Häuser werden vernichtet werden" (3, 15). Und: "Siehe es kommt die Zeit über euch, dass man euch herausziehen wird mit Angeln und, was von euch übrig bleibt, mit Fischhaken. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinaus müssen und weggeschleppt werden, spricht der HERR (4, 2-3). Und auch sein Tun stellt der Prophet in den Zusammenhang von Ursache und Wirkung: "Bläst man etwa die Posaune in einer Stadt und das Volk entsetzt sich nicht?" (3, 6) Die Posaune ist er selbst, und er löst Entsetzen aus. Denn er zeigt als Prophet auf, was passiert, wenn das Volk nicht umkehrt. Gleichzeitig weist er den Weg, wodurch die Umkehr eingeleitet werden könnte und wie die Menschen dem drohenden Unheil noch entgehen können.

Reif für das Ende

Und so geschieht des HERRN Wort durch Amos an das Volk: "Suchet mich, so werdet ihr leben" (5, 4). Die von den Priestern geheiligten Hörner des Altars in Bethel werden abbrechen und auf den Boden stürzen (3, 14). Deshalb: "Suchet nicht Bethel und kommt nicht nach Gilgal, [den "Heiligtümern" der Priester] ... Denn Gilgal wird zum Galgen gehen und Bethel wird zunichte werden. [Stattdessen:] Suchet den HERRN, so werdet ihr leben" (5, 5-6). "Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt, so wird der Herr bei euch sein, wie ihr rühmt ... Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach" (5, 14.24).

Der Oberpriester Amazja lässt Amos darauf hin des Landes verweisen: "Du Seher, verschwinde. Flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage dort. Aber weissage nicht mehr in Bethel, denn es ist der Tempel des Königreichs" (7, 12-13).
Amos dagegen hält treu an seinem Auftrag fest. Demütig bekennt er gegenüber dem höchsten Priester noch ein letztes Mal: "Ich bin ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der HERR hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: ´Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel`" (14-15).
Doch der von den Menschen als "Vermittler zu Gott" geweihte Oberpriester lässt es nun nicht mehr zu, dass Gott durch Prophetenmund sprechen kann. Wie verhält sich nun der Prophet? In seinem Inneren sieht Amos, der Landwirt und Prophet, nun einen Korb mit reif geerntetem Obst, und er vernimmt noch einmal die Stimme Gottes. Er schreibt auf: "Da sagte der HERR zu mir: ´Mein Volk Israel ist reif für das Ende`" (8, 2). So kündigt er dem Oberpriester den Tod an und dem Volk die Vernichtung. Dann muss er aus dem Nordreich Israel fliehen.

Noch einmal eine kleine Zeit zur Umkehr

Israel bleiben jetzt noch wenige Jahre. Immer noch Zeit genug, um doch noch auf den Propheten zu hören und eine Kehrtwendung zu vollziehen. Doch die Menschen tun es nicht. Stattdessen nehmen sie sich die Zeit, um militärisch aufzurüsten. Das assyrische Großreich soll mit Waffengewalt von einer Eroberung Israels zurückgehalten werden. Weil die Bundes-Geschwister im Südreich bei diesem Plan nicht mitmachen wollen, richtet sich der Groll des Nordens zunächst auf sie. Israel zieht deswegen zunächst in den Krieg gegen Juda, den "abtrünnigen" Stamm im Süden. Amos und seine Prophetie scheinen Vergangenheit, und Israel hat ganz entgegen den Weissagungen zunächst den gewünschten militärischen Erfolg. Jerusalem, die Hauptstadt des südlichen Stammes Juda, wird von der vereinigten Armee der israelischen Nord-Stämme und der mit dem Norden verbündeten Aramäer eingeschlossen. Doch "Gottes Mühlen mahlen langsam", wie das bekannte Sprichwort heißt. Und Jerusalem fällt nicht (siehe 2. Könige 16, 5). Dann wendet sich der Krieg. Anstatt sich von den eigenen Leuten aus dem Nordreich erobern zu lassen, ruft der Stamm Juda im Süden lieber die Großmacht Assyrien zu Hilfe. Dieser Hilferuf passt ganz in die Pläne des assyrischen Großkönigs. Die assyrische Armee wird erneut mobil gemacht und setzt sich nun Richtung Palästina in Bewegung. Das Ziel des gewaltigen Kriegszugs: Nord-Israel mit seiner Hauptstadt Samaria.

Jetzt werden aus den Angreifern Angegriffene. Doch Israel hatte ja militärisch vorgesorgt. Und das im Vergleich zu Assyrien kleine Land Israel kann der assyrischen Armee auch einige Jahre standhalten. Doch auf Dauer lässt sich das Land militärisch nicht mehr verteidigen. Im Jahr 722 v. Chr. ist es dann so weit. Das Ende ist gekommen. Die Hauptstadt Samaria wird belagert und erobert, und die Menschen werden verschleppt, "so dass der Stamm Juda im Süden allein übrig blieb" (2. Könige 17, 18). Amos hatte mit seinen Warnungen den Untergang des Nordreiches nicht aufhalten können. Die israelischen Stämme des Nordens werden endgültig vernichtet, so wie es Amos einst prophezeit hat, und einige übrig gebliebene Menschen vermischen sich mit den Nachbarvölkern.

Hunger nach dem geistigen Brot

Doch der Prophet hatte nicht nur den äußeren Lauf der Dinge aufgezeigt. Er hatte auch das Innere der Menschen angesprochen, die Sehnsucht nach Gott und nach dem wahren Wesen der Menschen. "Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werden, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören", so ein anderes Wort des Propheten (8, 11). Zunächst ist auch diese Prophezeiung mit innerer Unruhe und Verzweiflung verbunden, denn es heißt weiter über diesen Hunger: "Dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen und doch nicht finden werden" (V. 2). Doch noch inmitten der Leidenszeit wird bereits die Zeitenwende eingeleitet. So weitet der Feigenzüchter aus dem Südreich am Ende seiner Offenbarung mit einer Verheißung den Blick auf die Zukunft: "Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihr Risse vermauern, und was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist" (9, 11). "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein. Denn ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Land ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR, dein Gott" (13-15). Manche sagen, das war lange her, und es ist längst vorbei. Andere sagen, es ist noch lange nicht so weit. Wieder andere aber sagen, diese Zeit hätte jetzt begonnen ...
 



Jeremia -
von denen missachtet, gequält und ermordet,
denen er helfen wollte

Es war um das Jahr 600 v. Chr. - eine schicksalhafte Zeit für Jerusalem und Juda, dem einzig übrig gebliebenen Stamm in Israel (siehe dazu oben den Bericht über Amos). Die Großmacht Babylon hat das assyrische Großreich als stärkste Herrschaftsmacht abgelöst und war mit militärischen Mitteln nicht mehr aufzuhalten. Sie eroberte Land für Land und gliederte es dem neuen Großreich ein. Noch war Juda, das übrig gebliebene ehemalige Südreich Israels, unabhängig. Wie würden sich seine Führer verhalten, wie die Bevölkerung?

In dieser Zeit wurde das Wort Gottes durch den Propheten Jeremia gegeben. Und es war politisch klar: Israel solle sich Babylon nicht mit Gewalt widersetzen. Gott würde Sein Volk durch die schwere Zeit führen, bis auch Babylon sein Schicksal ereilen werde und Israel wieder in Freiheit leben könne. Doch die politische und religiöse Obrigkeit im damaligen Israel widersetzte sich dem Propheten, bekämpfte ihn und rüstete zum Krieg gegen Babylon. Gott aber tröstete Jeremia und richtete ihn immer wieder auf. Fast 50 Jahre stand der Prophet Jeremia dem Volk Israel zur Seite. Er gab nicht auf und hielt Gott und den Menschen die Treue. Sein Lohn war Undank. Am Ende, so die Überlieferung, wird er sogar von einer wütenden Volksmenge gesteinigt. Zuvor hatte Gott ihn in die Zukunft schauen lassen: "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will Ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen ... Ich will Mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen Mein Volk sein, und Ich will ihr Gott sein" (31, 31.33).

Jeremia ist gefangen und steht allein

Entgegen den Warnungen Jeremias entscheiden sich die Politiker und Priester Israels für den Verteidigungskrieg gegen Babylon. Diese Entscheidung ist zugleich ein Urteil gegen den Propheten, und die Vertreter der Oberschicht der Israeliten sprechen zum König: "Lass doch diesen Mann töten; denn auf diese Weise nimmt er den Kriegsleuten, die noch übrig sind in dieser Stadt, den ganzen Mut, desgleichen dem ganzen Volk, weil er solche Worte zu ihnen sagt" (38, 4). Jeremia wird deshalb als angeblicher Volksverräter in eine Schlammgrube geworfen, wo er verhungern und verdursten soll.
Doch "da ist noch einer, der im Namen des HERRN weissagte, Uria, der Sohn Schemajas ... Der weissagte ... ganz wie Jeremia" (26, 20). Auch er soll deshalb hingerichtet werden. Als der Gottesprophet Uria vom Todesurteil gegen ihn erfährt, gelingt ihm zunächst die Flucht nach Ägypten. Doch die Machthaber des Staates Juda lassen ihn verfolgen und verlangen von den Ägyptern seine Auslieferung. Diese geben dem mörderischen Verlangen der Nachbar-Regierung nach. Zurück in Jerusalem wird der Prophet auf Befehl des Königs von Israel erstochen. Nun ist nur noch Jeremia am Leben, der allerdings einen langsameren und qualvolleren Tod sterben soll als sein Mitstreiter Uria. Doch ein Angestellter des jüdischen Königshauses hat Mitleid mit dem Propheten. Er setzt sich für Jeremia ein und erwirkt eine teilweise Begnadigung. Das Todesurteil wird aufgehoben. Jeremia wird von nun an im Wachhof am Königshaus eingesperrt.

Noch einen Acker kaufen, bevor das Land erobert wird

Dort erhält Jeremia von Gott den Auftrag, in seinem Heimatort Anatot einen Acker zu kaufen bzw. kaufen zu lassen. Jeremia seufzt, erinnert sich aber an die Verheißung des Landes und betet zu Gott: "Du hast ihnen dies Land gegeben, wie du ihren Vätern geschworen hattest, dass du es ihnen geben wollest, ein Land darin Milch und Honig fließt. Und nun heißt es wieder: ´Kaufe dir einen Acker um Geld und nimm Zeugen dazu`, dabei ist die Stadt doch in die Hände der Babylonier gegeben" (32, 22.25). Und Jeremia empfängt die Antwort: "Siehe, Ich, der Herr, bin der Gott allen Fleisches, sollte Mir etwas unmöglich sein" (V. 27).

So lässt Jeremia aus der Gefangenschaft für 17 Lot Silber den Acker kaufen, gleichsam als Signal für die anderen Bewohner Judas und als Zeichen für die Zukunft. Und Gott spricht weiter durch den Propheten: "Es sollen Äcker gekauft werden in diesem Land, von dem ihr sagt: ´Eine Wüste ist’s ohne Menschen und Vieh; es ist in der Babylonier Hände gegeben`" (32, 43).

Bald kommt der Tag, an dem die Soldaten Babylons an den Grenzen Judas stehen und einmarschieren wollen. Der Krieg beginnt und Juda hat militärisch keine Chance gegen Babylon. Doch wegen seines halsbrecherischen kriegerischen Widerstands fließen Unmengen an Blut, unzählige Menschen werden getötet. Um den Widerstand gegen die Einverleibung zu brechen, setzt die babylonische Großmacht brachiale Mittel ein: Die Häuser und Mauern Jerusalems und Judas werden niedergerissen, die meisten Überlebenden werden verschleppt. Jeremia aber wird nach dem Einmarsch der babylonischen Truppen von den Eroberern aus dem Kerker befreit. Die Babylonier lassen ihn als freien Mann ziehen.

Erneute Missachtung und Beschimpfung des Propheten

Geschlagen kommen nun einige im Lande verbliebene Obere des Volkes und die Bevölkerung auf Jeremia zu und bitten den Propheten um ein "Wort Gottes" für die neue Situation. Dabei hatten sich die meisten von ihnen schon vorab entschieden, bevor sie nur halbherzig nach einem Ratschlag Gottes fragen: Sie wollen so schnell wie möglich das verwüstete Land verlassen, wollen die Folgen des Krieges nicht mehr sehen, keine Hungersnot mehr erleiden. Ägypten, so glauben sie, sei die Großmacht, die militärisch stark genug sei, um Babylon zu trotzen, und zudem gebe es dort auch genug zu essen, weswegen man dorthin flüchten und um Asyl bitten wolle. Doch Gott spricht anders. Er weiß, dass es für das Volk besser ist, wenn es im verheißenen Land bleibt und das Land weiter bzw. neu aufbaut, und Er gibt dem Volk eine klare und unmissverständliche Botschaft: "Werdet ihr in diesem Land bleiben, so will Ich euch auch bauen; Ich will euch pflanzen ... Ihr sollt euch nicht fürchten vor dem König von Babel, spricht der Herr; denn Ich will bei euch sein, dass Ich euch helfe und von seiner Hand errette" (42, 10-11).

Ein eindeutiges Wort also, gegeben durch Prophetenmund. Und Jeremia hatte ja zur Bekräftigung dieser Führung durch den Gottesgeist selbst einen Acker im verheißenen Land gekauft. Was würden nun die anderen tun, nachdem sich Gott durch Jeremia offenbart hat? Die erste Antwort, die Jeremia aus der versammelten Volksmenge zugerufen wird, lautet: "Du lügst" (43, 2).
Große Unruhe entsteht nun in der Menge, und die Versammlung nimmt folgende Entwicklung: Immer mehr Bürger melden sich zu Wort und sehen es ebenso oder ganz ähnlich wie der erste Rufer. Der prophetischen Botschaft könne man nicht vertrauen. Und so setzt sich in der Bevölkerung erneut die Überzeugung durch, auch dieses Mal nicht auf den Propheten zu hören. Man wisse einen "besseren" Weg.
Das Volk Israel, von dem ja nur noch der Stamm Juda existierte, bricht also auf Richtung Ägypten. Wer jedoch auf das "Wort Gottes" hören und im Land bleiben will, bekommt von den Obrigkeiten Judas keine Chance. Alle müssen mit. Freiwillig oder gezwungenermaßen. Die Obrigkeiten, Politiker und Priester, dulden nicht, wenn jemand im Land bleiben will. So wird auch Jeremia gezwungen, mit nach Ägypten zu ziehen.

Die "Himmelskönigin" hilft nicht

Doch das Leben in Ägypten gestaltet sich ganz anders als es sich die Israelis erhofft hatten. Es ist ein harter täglicher Existenzkampf ums nackte Überleben. In dieser Situation zweifeln die Menschen immer mehr an ihrem Gott ohne sich bewusst zu machen, dass sie selbst es waren, die Seinen Ratschlag in den Wind schlugen. Warum nicht zu dem selben Gott beten wie die Ägypter? So die Überlegung. "Wenn wir wie die Ägypter zu der ´Himmelskönigin` beten, würde sich unser Schicksal wenden und es ginge uns wieder gut". So denken allmählich immer mehr Israeliten. Schließlich entscheiden die Priester und die Oberen des Volkes: Von nun an solle die Himmelskönigin, die "große Göttin" Ägyptens, als neuer Gott Israels verehrt werden. 
Jeremia ist verzweifelt. In dieser Situation vernimmt der gegen seinen Willen mit nach Ägypten verschleppte Prophet in seinem Inneren erneut das "Wort Gottes". Der Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, der Gott aller wahren Gottespropheten warnt die Bevölkerung vor neuem noch schlimmerem Unheil, wenn Israel jetzt damit beginnt, den Götzen-Kult der "Himmelskönigin" zu pflegen und sich nun völlig von dem Gott ihrer Väter lossagt. Es ist der Gott, der durch Seinen Propheten Jeremia spricht und der Sein Volk zu Frieden und Glück führen will und auch kann. Wie würde die Reaktion der Oberen, der Priester und der Bevölkerung auf die erneute Warnung sein? Würden die Israeliten sich wenigstens jetzt besinnen und ihr Vorhaben aufgeben und Gott fragen, was stattdessen in dieser Situation getan werden könne? Doch nichts dergleichen geschieht. Die "große Göttin" Ägyptens soll Israel helfen. So der Beschluss der Obrigkeiten. Doch die neue Religion bringt keine Vorteile. Im Gegenteil: Statt einer Verbesserung der Lebenssituation brechen bald eine Hungersnot und Seuchen aus und fordern ein Opfer nach dem anderen. Die Folge: Die Israeliten verrohen immer mehr, und Gewalt und Morde im Volk nehmen zu. Nun sind auch die Tage des Propheten gezählt. Jeremia wird unter unbekannten Umständen von den "eigenen" Leuten erschlagen, so die Überlieferung. Schließlich bleibt nur ein kleines Häufchen verelendeter Israeliten im Asyl-Land Ägypten übrig.

Neuer Anfang für die am Boden Liegenden

Doch es ist nicht das Ende. Denn die wenigen Überlebenden besinnen sich nun. Sie beschließen, sich zurück nach Israel zu schleppen. Und dort treffen mittlerweile auch die ersten Verschleppten aus Babylon wieder ein. Denn das Großreich Babylon war in die Hand der Großmacht Persien gefallen, wie der Prophet Jeremia es zuvor vorhergesagt hatte. Und die Perser ließen die Bevölkerung Judas frei. Viel Zeit, sehr viele Zeit ist verloren, die zum Segen des Landes und seiner Leute hätte eingesetzt werden können, und viel Blut, sehr viel Blut ist geflossen, auch das Blut der Gottespropheten Uria und Jeremia.
Doch die "Übriggebliebenen" von Israel bekommt wieder eine neue Chance, ihr Land und ihre Gesellschaft nach den Geboten Gottes aufzubauen. So wie es einst durch den Propheten Jeremia verheißen wurde: "Ich habe dich je und je geliebt, darum habe Ich dich zu Mir gezogen aus lauter Güte. Wohlan, Ich will dich wiederum bauen, dass du gebaut sein sollst, du Jungfrau Israel; du sollst dich wieder schmücken, Pauken schlagen und herausgehen zum Tanz. Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias ..." (31, 3-5) Würde nun diese nächste Chance genützt?
Viele Jahre später wird Jesus von Nazareth Seinen Zeitgenossen das Gleichnis vom Weinbergsbesitzer und seinen Gärtnern erzählen. Immer wenn der Besitzer seine Boten zu den Gärtnern schickte, werden sie von diesen umgebracht. In der Bibel der Kirchen heißt es weiter: "Da hatte er noch einen einzigen Sohn, der war ihm lieb; den sandte er zum letzten auch zu ihnen und sprach: ´Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.` Aber die Weingärtner sprachen untereinander: ´Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein!`" (Markus 12, 6-7)
 



Klare Gottesworte der Propheten über die Priester


In unserer Gesellschaft haben sich die meisten Menschen daran gewöhnt, dass es Priester gibt, die am Sonntag in ihren Kirchen predigen.
Doch ist uns bewusst: Jesus, der Christus, hat niemals Pfarrer, Priester oder gar Päpste gewollt? Und Jesus gründete weder eine äußere Religion noch eine Institution Kirche?
Auch die
wahren Gottespropheten des Alten Testaments waren außerhalb einer Kirche und außerhalb einer Institution. Es waren rechtschaffene Menschen, welche nach den Geboten Gottes lebten und auch das Gebot "Bete und arbeite" erfüllten. Und sie wurden aus ihrem Alltag heraus vom Feuer des prophetischen Geistes erfasst und dazu berufen, das Gotteswort an ihre Mitmenschen weiter zu geben.

Auch Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes und der größte Gottesprophet aller Zeiten, war außerhalb einer Kirche oder Institution. Und keiner Seiner Jünger war ein Priester oder wurde von Ihm zu einem Priester berufen. Jesus, der Christus, kündigte jedoch an, nach Seiner Zeit auf dieser Erde wiederum Propheten und Weise zu senden, durch die Gott den Menschen die Wahrheit offenbart. Und so gibt es auch im lebendigen Urchristentum seit je her Propheten, wovon auch die Schriften des Neuen Testaments noch Zeugnis ablegen.
Der
Ewige, der redende Gott, sprach und spricht also zu allen Zeiten durch erleuchtete Männer und Frauen. Denn der freie Geist lässt Seine Kinder nie allein. Er beauftragte aber nie einen Pfarrer oder einen Priester, über Gott zu predigen, sondern Er berief Prophetinnen und Propheten, durch die Er unmittelbar zu den Menschen sprechen kann.

Woher kommt dann aber das Priestertum
, so könnte man fragen, wenn es nicht von Gott installiert wurde? Es ist eine Erfindung der veräußerlichten Religionen mit ihren Kulten und Zeremonien, und es stammt aus heidnischen Götzenkulten wie dem antiken Baals-Kult in seinen vielen Erscheinungsformen. Die Priester und Pfarrer der Institutionen Kirche sind also die Erben des Baals-Kults, und sie dienen bis heute dessen Prinzipien. Mit dem Schöpfergott und mit Jesus, dem Christus, haben sie nichts zu tun. Denn Gott ist der freie Geist, und Er lässt sich von keiner Religion oder Institution vereinnahmen und Er lässt sich auch nicht in deren Predigtordnungen, Sakramente und Rituale einbinden.

Und so erhoben wahre Gottespropheten zu allen Zeiten immer wieder ihre machtvolle Stimme gegen die Priester, die zu Unrecht behaupteten, die Menschen zu Gott führen zu können und zu den von ihnen vereinnahmten falschen Propheten, die nur die Priesterlehren wiederholen. So auch in der Zeit des Alten Bundes vor Jesus von Nazareth.

Dort spricht Gott z. B. durch den Propheten Jeremia zu den Priestern und falschen Propheten:
"Weh euch, Hirten, die ihr die Herde Meiner Weide umkommen lasst und zerstreut!, spricht der Herr ... Propheten wie Priester sind ruchlos ... Darum ist ihr Weg wie ein glatter Weg, auf dem sie im Finstern gleiten und fallen." (Jeremia 23, 1.11-12)

Oder Gott spricht durch den Propheten Maleachi über die beamteten Religionsführer: "Verfluchen werde Ich euren Segen, weil ihr´s nicht wollt zu Herzen nehmen ... Ihr seid abgewichen vom Weg und habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung." (Maleachi 2, 8)

Oder hören wir, was der große Gottesprophet Jesaja verkündete:
"Priester und [falsche] Propheten schwanken vom Wein. Wen will der Mann denn Erkenntnis lehren, wem das Gehörte erklären? Was soll sein Gestammel, sein Papperlapp, sein Geschwätz bald hier, sein Geschwätz bald dort?"
(Jesaja 28, 10)

Durch den Propheten Hosea sprach Gott: "Doch nicht irgendeiner wird verklagt, nicht irgendwer wird gerügt, sondern dich, Priester, klage ich an." (Hosea 4, 4)
Und an einer anderen Stelle bei Hosea liest man sogar folgende Worte: "Die Rotte der Priester liegt auf der Lauer wie eine Bande von Räubern, ... ja, sie treiben schändliche Dinge."
(Hosea 6, 9)

Und über Priester und Volk zusammen heißt es bei Jesaja: "Siehe, des Herrn Arm ist nicht zu kurz, dass Er nicht helfen könnte, und Seine Ohren sind nicht hart geworden, sodass Er nicht hören könnte. Was zwischen euch und eurem Gott steht, das sind eure Vergehen, eure Sünden verdecken Sein Gesicht ... Denn eure Hände sind mit Blut befleckt, eure Finger mit Unrecht, eure Lippen lügen, eure Zunge flüstert Bosheit." (Jesaja 59, 1-2)

Und was lehrt Jesus, der Christus?
"Weh Euch, ihr Schriftgelehrten", heute würde man sagen, "ihr Theologen". "Alle ihre Werke tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden ... Sie sitzen gern obenan bei Tisch ... und haben´s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn Einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemand unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist." (Matthäus 23, 5-9)

Wenn also Jesus so eindeutig sagt, dass alle Menschen Geschwister sind und keiner ein Rabbi sein soll, also ein Kleriker, Pfarrer, Monsignore, Hochwürden oder dergleichen, warum geschieht dann in den Institutionen Kirche genau das Gegenteil?
Und wenn Jesus, für den alleine Gott heilig ist, so eindeutig lehrte, keinem Menschen auf Erden den Titel "Vater" zu verleihen, warum führte die Kirche dann den "Heiligen Vater", den Papst, ein?
Wir zeigen es auf, bilden Sie sich selbst ein Urteil.

Und hören wir weiter, was Jesus spricht:
"Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die hinein wollen, lasst ihr nicht hinein gehen ... Weh euch, ... die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat. So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht." (Matthäus 23, 13.27)
 
Die sind klare Worte und man könnte fragen:
Warum ist das so? Eine Antwort darauf lautet: Um ein Priester oder kirchlicher Schriftgelehrter zu werden, spielt die Nähe zu Gott und die Gotteserfahrung keine Rolle. Priester wird man einzig aufgrund des intellektuellen Fachwissens eines theologischen Studiums, aufgrund von Lippenbekenntnissen und aufgrund von bestimmten Meinungen über den Glauben, die der Kirchenlehre oder der Lehre der jeweiligen Religion angepasst sein müssen. Aber niemals aufgrund einer Nähe zu Gott. 
 
Ganz anders bei einem Gottespropheten. Ein echter Gottesprophet wird von Gott berufen und er verpflichtet sich, das, was er den Menschen aus dem Gottes-Geist weiter gibt, auch selbst zu tun. Sonst kann er für Gott kein Instrument sein.

Als der Prophet Jesaja in seinem Herzen von Gott berührt wurde, da rief er:
"Weh mir, ich vergehe. Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Seraphim, [ein weiblicher Erzengel] zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand ... und rührte meinen Mund an und sprach: ´Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt ... Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie Er sprach: ´Wen soll Ich senden? Wer will Unser Bote sein?` Ich aber sprach: ´Hier bin ich, sende mich!`"

So die Worte über die Berufung des Propheten Jesaja. Doch wo sind in unserer Zeit die Gottespropheten geblieben, die Jesus von Nazareth angekündigt hat und die von Gott berufen wurden, ähnlich wie einst im Alten Testament? Die Antwort darauf ist so traurig wie klar. Sie wurden von den kirchlichen Institutionen verfolgt und getötet. Oder sie wurden vereinnahmt und ihre Lehre wurde verfälscht und in das Götzen-Lehrwerk der kirchlichen Priesterkaste eingeflochten. Und um diesen Missbrauch zu verschleiern, behaupten die Kirchenführer, in unserer Zeit gebe es keine wahren Gottespropheten mehr wie im Alten Bund, da deren Prophetenamt übergegangen sei auf die Priester der Kirche. Und sie behaupten das, obwohl doch Jesus niemals solches lehrte und niemals von Priestern sprach.

Mit dieser Lüge, dass der Dienst der Propheten auf die Priester übergegangen sei, entlarven die Theologen folglich ihren Gegensatz zu Jesus, dem Christus. Denn der Christus-Gottes-Geist hat niemals auch nur einen einzigen Priester eingesetzt, sondern zu allen Zeiten Propheten, durch die der freie Geist immer wieder zu den Menschen sprechen konnte.
 



Gottespropheten in den letzten 2000 Jahren

Die Kirchen lehren sinngemäß, Jesus wäre als "Sohn Gottes" gleichzeitig der letzte "Prophet" gewesen, durch den Gott direkt zu den Menschen gesprochen hätte. Jesus selbst lehrt dies aber ausdrücklich nicht. Er warnt vor den "falschen Propheten" und erklärt, wie man demgegenüber "wahre Gottespropheten" erkennen kann:

So heißt es in der Bibel, im Matthäusevangelium: "Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte ... Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (Bibel, Matthäus 7, 15-17.20).
An anderer Stelle spricht Jesus von dem "Geist der Wahrheit", der noch weiter gehende Wahrheiten verkündet als diejenigen, die er, Jesus selbst, in die Welt brachte: "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen ..." (Johannes 16, 12-13).
Und selbst Paulus weiß ganz selbstverständlich von weiteren Propheten, wenn er schreibt: "Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied. Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen ..." (1. Korinther 12, 27-28).

Die Kirchen lehren im Unterschied zu Jesus und Paulus jedoch, dass die Prophetie bzw. die "Offenbarung" mit Jesus ganz bzw. überwiegend abgeschlossen wurde und nun das "Zeitalter" der Kirche begonnen hätte. Mit anderen Worten heißt das: Die Kirche will und braucht keine Propheten, denn es gibt für sie ja die Bibel, und diese wird von den kirchlichen Schriftgelehrten, eben den Theologen, ausgelegt und der Katholizismus reklamiert für sich, dass nur ihr Papst und das mit ihm verbundenen römisch-katholische Lehramt die Bibel richtig auslegen können (siehe hier).
Diese Situation kann man sich auch praktisch verdeutlichen: Kann sich jemand vorstellen, dass ein Papst, Kardinal, Landesbischof oder Dekan auf einen Propheten hört, wenn "die geistige Welt" durch einen Propheten den betreffenden Würdenträger korrigieren möchte? Oder kann sich jemand vorstellen, dass ein Prophet auch nur einen von über 2000 Lehrsätzen im Katholischen Katechismus ändern darf? Oder dass er an einer einzigen evangelischen Bekenntnisformulierung etwas ändern darf? Nie und nimmer. Sollte aber doch vielleicht einmal ein "Prophet" von der Kirche anerkannt werden, müsste die Prophetie mit dem "Kanon" (= der kirchlich verbindlichen "Richtschnur") der Bibel übereinstimmen, wie ihn die Theologen der Kirche festgelegt haben. Doch die Propheten waren immer unbequeme Mahner, und sie richteten ihre Worte immer wieder auch gegen das institutionalisierte Amts-Christentum. Deshalb werden dort nur die "Haus- und Hofpropheten" geduldet, die nur das "prophezeien", was identisch mit der Lehre der kirchlichen Theologen und Priester ist.

So ähnlich war es schon zur Zeit des Alten Testaments, als den warnenden Prophezeiungen des Gottespropheten Jeremia vom "Hofpropheten" und Priesterhelfer Hananja widersprochen wurde (Jeremia 28). Die bequemen und halsstarrigen Zeitgenossen glaubten dem "Heilspropheten" Hananja, doch Recht behielt Jeremia. Und die Bevölkerung nutzte die Chance nicht, Unheil abzuwenden, weil Hananja bewirkt hat, "dass dies Volk sich auf Lügen verlässt" (V. 15). In der Zeit nach Christus wurde es dann noch schlimmer, weil die Kirche von vorne herein pauschal gegen Propheten außerhalb ihres Kirchenpferchs eingestellt ist, während die religiösen Obrigkeiten im Alten Testament ihre Worte wenigstens hin und wieder zur Kenntnis nahmen. Folglich wurden Propheten oder Menschen mit prophetischen Botschaften für die Menschheit immer wieder von den Priestern und Theologen der Kirche beschimpft, verspottet oder verfolgt, und man ließ sie dann z. B. auf den Scheiterhaufen hinrichten. Auf diese Weise erging es den Propheten nach Christus ähnlich wie denen des Alten Testaments. Ihr Leben war ständig bedroht.

Und so haben auch in den letzten 2000 Jahren immer wieder Prophetinnen und Propheten zu den Christen gesprochen. Selten ließen sich diese von der Kirche vereinnahmen, und eventuell geschah dies erst nach deren Tod, als sie sich nicht mehr dagegen wehren konnten. Manchmal wurden sie auch geduldet. Oft jedoch wurden sie totgeschwiegen, verleumdet oder hingerichtet. Und in unserer Zeit werden sie von vorneherein lächerlich gemacht und in den Massenmedien werden alle als "Spinner" oder "Sektierer" "gefährliche Gurus" in einen Topf geworfen, die der Kirche nicht genehm sind. Dadurch werden auch viele weise Zeitgenossen aufgrund der kirchlichen Inspiration in den Schmutz gezogen und ihre Botschaften durch Rufmord kaltgestellt.

Umgekehrt könnte man fragen: Wohin hat denn nun die Kirche, die seit Jahrhunderten gegen die Propheten ist, die Christenheit geführt? Und was hat ihre Bibel den Menschen in 1700 Jahren gebracht? Immer wieder hat man sich darauf berufen - nicht zuletzt, um Kriege zu rechtfertigen und um die Erde auszubeuten. Und immer ließ sich die Kirchenbibel so interpretieren, wie es die Täter - seien es Kriegsherren, Tierquäler oder Naturschänder - gerade benötigten. Nach nahezu 2000 Jahren Kirchengeschichte kann man deshalb sagen: Der Zustand unserer Erde und der Gesellschaften zeigt zuhauf genau diejenigen "Früchte", an denen man, wie Jesus es lehrte, "den falschen Propheten" erkennen kann. Tausende Kinderschänderverbrechen von Priestern sind hier in diesem Rahmen dann die letzen Ausgeburten dieser Früchte. Dass die Kirchenführer die "falschen Propheten" sind, darauf findet sich schon ein Hinweis in den Weherufen des Jesus von Nazareth, als er sagte: "Auf dem Stuhl des Mose", des großen Gottespropheten des Alten Bundes, "sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer" (Matthäus 23, 2), also die damaligen Theologen und Priester. Zu Unrecht, wie Jesus beklagt. Denn diese "Propheten" sind die falschen, da sie verdrehen und verfälschen, was durch Mose übermittelt wurde wie z. B. die Zehn Gebote.
Ähnlich erging es dann Jesus selbst. Auch auf seinen "Stuhl" - im übertragenen Sinne - haben sich wieder die Theologen gesetzt. Und eine der konfessionellen Hauptfraktionen spricht gar vom "Heiligen Stuhl", auf dem ihr angeblicher "Stellvertreter" von Jesus sitzt. Und dass es sich damit wiederholte, was Jesus selbst in Matthäus 23, 2 anprangerte, das geben sie lehramtlich selbst zu, wenn es z. B. in der Vatikan-Verlautbarung Kongregation für den Klerus aus dem Jahr 1994 heißt: Es sei angeblich der "Heilige Geist, der dem Priester in der Priesterweihe die prophetische Aufgabe überträgt". Prophet sei also ab jetzt der Priester. Damit werden die echten Propheten von der Kirche eindeutig ausgeschaltet und durch ihre Priester ersetzt.
Doch was hätten im Gegensatz dazu echte Propheten bewirken können, wenn man nur auf sie gehört hätte und nicht auf die Priester, die das Prophetenamt für sich beschlagnahmen.

Nachfolgend einige Beispiele, wobei man jeden Propheten am Kriterium der "Früchte", von dem Jesus sprach, prüfen kann:
 
Montanus, Mani, Marcion, Bogumil, Girolamo Savonarola in Florenz (mehr dazu in dem Buch Verfolgte Gottsucher), die Zwickauer Propheten Markus Stübner, Thomas Drechsel und Nikolaus Storch (siehe www.theologe.de/theologe10.htm), Hans Böhm (der "Pfeifer von Niklashausen"), Sebastian Franck, Jakob Böhme, Johann Georg Gichtel, Emanuel Swedenborg, Birgitta von Schweden, Hildegard von Bingen, Theresa von Avila, Katharina von Siena, Joachim von Fiore, Mechthild von Magdeburg, Gertrud von Helfta, Margareta Porete (frz. Marguerite Porète bzw. Porrette), die Brüder und Schwestern des freien Geistes in Italien, Gruppen freier Gottesfreunde und unzählige dem Namen nach nicht mehr bekannte Propheten, Prophetinnen und Gottesboten, die (wie z. B. Marguerite Porete 1310 auf dem Place de Grève, heute Place de l’Hôtel-de-Ville in Paris) auf den Scheiterhaufen der Kirche ihr Leben ließen.
Einige der hier genannten waren noch teilweise im Kirchentum befangen (z. B. Katharina von Siena oder Birgitta von Schweden) oder ihre Botschaften wurden - gleich denen der alttestamentlichen Gottespropheten - von den Priestern nachträglich gefälscht. Doch beinhalteten auch durch sie gegebenen Botschaften bereits die geistige Kraft zur Überwindung der Kirche und ihres Machtanspruchs.

In unserer gegenwärtigen Zeit ist vor allem Gabriele Wittek zu nennen: In Veröffentlichungen wird oft mit der Bezeichnung "Gabriele, Würzburg" auf sie hingewiesen, auch "Gabriele, die Prophetin Gottes der Jetztzeit". Die durch sie gegebenen "Botschaften aus dem All" bzw. "Offenbarungen" können wir nach eingehender Prüfung uneingeschränkt als solche bejahen und das durch sie gegebene prophetische Wort aus dem Christus-Gottesgeist ist unverfälscht für jeden Menschen einsehbar (z. B. hier) - im Unterschied zu den Gottespropheten des Alten Testaments, deren Worte durch die "Lügengriffel" (Jeremia 8, 8) der überarbeitenden Priester teilweise leider nur "beschädigt" überliefert sind. Bei Gabriele sind die "Früchte" ein weltweites Werk, das praktische Lebenshilfen für alle Menschen beinhaltet oder internationale Stiftungen für die Bewahrung der Natur und einen Lebensraum für Tiere. Als Ernährungsgrundlage dient der "Friedfertige Landbau" der Landwirtschaft. Hinzu kommen ein eigenes Heil- und Erziehungswesen, Konzepte für Bauen, Wohnen und Kleidung usw. und im 21. Jahrhundert verstärkt ein selbstloser Einsatz in Afrika (Brunnenbohren, Schulen, Waisenkinderbetreuung und vieles mehr). Dies alles weist darauf hin, dass die durch sie vermittelte urchristliche Lehre, die auf der Bergpredigt des Jesus von Nazareth aufbaut, keine Theorie für Intellektuelle darstellt, sondern praktisch lebbar ist.  Und die durch sie gegebenen Offenbarung sind voll und ganz außerhalb der Kirche!

Bei vielen anderen so genannten "Neuoffenbarungen" ist aus unserer Sicht überwiegend Zutreffendes mit Fehlern vermischt. So z. B. unsere Einschätzung der Schriften von Jakob Lorber, der im 19. Jahrhundert in Österreich wohnte und als "Schreibknecht Gottes" bekannt wurde, wobei seine Schriften immer viel näher an der Botschaft des Jesus von Nazareth sind als die Lehren der Großkirchen.
In obiger Aufstellung haben wir auch einige weitere bekannte Propheten nicht genannt, da durch manche nach unserer Überzeugung "Mischgut" offenbart wurde: also Richtiges mit teilweise Falschem vermischt, was immer auch dem Bewusstseinsstand des jeweiligen Propheten entsprach. Dies kann auch bei den oben genannten nicht ausgeschlossen werden. Letztlich kann nur ein Mensch mit höherem Bewusstsein das noch gröbere treffsicher "prüfen", nicht umgekehrt, was jedoch keinem die eigene Gewissensentscheidung abnimmt. Dort, wo wir aufgrund der uns vorliegenden Informationen hier und da Bedenken hatten, haben wir den Namen eher nicht genannt.

Die wahre Gottesprophetin Marguerite Porete zeigte den Menschen den Weg zu Gott auf dem Grund des eigenen Herzens und war nicht bereit, ihre Erfahrung gegenüber der kirchlichen Inquisition zu widerrufen. Die römisch-katholische Kirche ließ sie deshalb 1310 am Seine-Ufer in Paris, wo heute das Rathaus von Paris steht, lebendig verbrennen. Foto rechts: @ Maryanne Bilham (USA) for Divine Eros

Literatur zum Gegensatz von Prophet und Priester:
Walter Nigg, Prophetische Denker, Löschet den Geist nicht aus, Rottweil 1986, ISBN 3-89201-004-8 mit dem ausgezeichneten und sehr informativen Kapitel "Das Prophetische im christlichen Geschichtsraum". Es folgen spannend geschriebene Biografien zu den "prophetischen" Denkern John Henry Newman, Sören Kierkegaard, Fedor Dostojewski und Friedrich Nietzsche.
(Das Buch ist im Gabriele-Verlag erhältlich)
 



Wie die Kirche die von Christus verheißenen Propheten
intellektuell auszuschalten versucht

Für Jesus von Nazareth, Paulus und die ersten Christen war es selbstverständlich, dass Gott weiterhin Propheten sendet.
Dazu nur einige Beispiele:

Jesus von Nazareth zu den Theologen und Schriftgelehrten seiner Zeit: "Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur anderen ..." (Matthäus 23, 34)
Jesus von Nazareth zu seinen Jüngern: "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern, was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen." (Johannes 16, 12-13)
Der Prophet Johannes von Patmos: "Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan." (Offenbarung 1, 1)
Der Schreiber des 2. Petrusbriefes: "Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehen in euren Herzen." (2. Petrus 1, 19)
Propheten in der urchristlichen Gemeinde in Antiochia: "Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaen, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war und Saulus. (Apostelgeschichte 13, 1)
Bericht des Lukas über einen Propheten: "Und als wir mehrere Tage dableiben, kam ein Prophet mit Namen Agabus aus Judäa herab ... und sprach: ´Das sagt der Heilige Geist ...`" (Apostelgeschichte 21, 10-11)
Paulus im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth: "Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer ..."
(1. Korinther 12, 28)

Den Priestern der Kirche waren die Propheten jedoch seit je her ein Dorn im Auge, und sie brachten sie Zug um Zug zum Schweigen. Mit messerscharfer intellektueller Kälte dogmatisierte die römisch-katholische Kirche zuletzt auf dem 2. Vatikanischen Konzil den angeblichen Abschluss der Offenbarung mit Jesus von Nazareth, die Ablehnung der Propheten (mit Ausnahme der Haus- und Hofpropheten, die nur prophezeien, was die Priester lehren) und den angeblichen Übergang der Prophetie auf die Bischöfe und das Lehramt der Kirche. Tatsächlich hat man auch dadurch die Lehre des Jesus von Nazareth in sein Gegenteil verkehrt. Doch lesen Sie selbst, worauf sich die Kirche in der Dogmatischen Konstitution Dei Verbum im Jahr 1964 erneut festgelegt hat.

"Nachdem Gott aber oftmals und auf viele Weisen in den Propheten gesprochen hatte, ´hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns gesprochen im Sohn [Hebr. 1, 1] ... er ist es also, der ... schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und somit abschließt und durch göttliches Zeugnis bekräftigt, dass Gott wirklich mit uns ist ... Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund, niemals vorüber gehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Kundwerdung unseres Herrn Jesus Christus [vgl. 1. Tim 6, 14; Tit 2, 13]." (2. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei verbum, 1964, § 4, zit. nach Denzinger-Hünermann, Lehrsätze Nr. 4207 und 4208)

"Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte – so hat er es in seiner großen Güte verfügt – auf ewig unversehrt fortdauern und allen Geschlechtern weitergegeben werden. Darum hat Christus, der Herr, in dem die ganze Offenbarung des höchsten Gottes sich vollendet, den Aposteln den Auftrag gegeben, das Evangelium, das, vordem durch die Propheten verheißen, ... allen zu predigen ... Damit aber das Evangelium in der Kirche stets unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel als ihre Nachfolger Bischöfe zurückgelassen, denen sie ´ihr eigenes Lehramt übergaben.`"
(2. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei verbum, 1964, § 7, zit. nach Denzinger-Hünermann, Lehrsätze Nr. 4207 und 4208)

"Diese Überlieferung, die von den Aposteln stammt, entwickelt sich in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes weiter. Es wächst nämlich das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte sowohl aufgrund des Nachsinnens und des Studiums der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen, als auch aufgrund der inneren Einsicht in die geistlichen Dinge, die sie erfahren, sowie aufgrund der Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt die sichere Gnadengabe der Wahrheit empfangen haben. Denn die Kirche strebt im Lauf der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis sich an ihr die Worte Gottes erfüllen." (Dei verbum, wie oben; Denzinger-Hünermann, § 8, Lehrsatz Nr. 4210)

"Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen, ist allein dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt steht also nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nur lehrt, was überliefert ist, da es ja dieses (Wort Gottes) nach göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes ehrfürchtig hört, heilig bewahrt und treu erklärt und all das, was es von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus dieser einen Hinterlassenschaft des Glaubens schöpft. Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem überaus weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, dass das eine nicht ohne das andere besteht und alles zusammen, jedes auf seine Weise, durch das Tätigsein des einen Heiligen Geistes wirksam zum Heil der Seelen beitragen." (2. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution De divina revelatione Dei verbum, § 10, zit. nach Denzinger-Hünermann, Lehrsatz Nr. 4214) 

Wer die Geschichte der Kirche und die von ihr verübten Bestialitäten auch nur ansatzweise kennt, der spürt, was hinter diesen mit intellektueller Kälte ausgeklügelten Worten wirklich steckt. Der Kirchenhistoriker Karlheinz Deschner schreibt deshalb: "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit ... keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche" (in: Die beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 42 f.)
. Und es ist noch nicht vorbei. Denn nach wie vor steht der "biblisch fundierte Ausschließlichkeitsanspruch" der Kirchen "ständig auf dem Sprung, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen", wie der Philosoph Karl Jaspers schreibt (Der philosophische Glaube, 9. Auflage, München 1988, S. 73)

Wer ist der richtige Christus und wer der falsche?
Zu dieser ausgeklügelten Strategie gehört auch die Behauptung, der Christus der Institutionen Kirche wäre der "richtige", während der in Wahrheit richtige unter den Bann fällt, den die Kirchenoberen und ihre "Sektenbeauftragten" = Inquisitoren aus dem Bibelwort in Matthäus 24, 23-28 (und den Parallelstellen im Markus- und im Lukasevangelium) ableiten, welches lautet: "Wenn dann jemand zu euch sagen wird: ´Siehe, hier ist der Christus!` oder: ´Da`, so sollt ihr´s nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt. Wenn sie also zu euch sagen werden: ´Siehe, er ist in der Wüste!`, so geht nicht hinaus; ´siehe er ist drinnen im Haus!`, so glaubt es nicht. Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohnes sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier."

Obwohl also der "Christus der Institutionen Kirche" und ihrer Dogmen nachweislich im krassen Gegensatz zu dem Jesus von Nazareth steht, der einst die Bergpredigt lehrte, bauen die Kirchenführer bis heute auf die verstandesmäßige Beschränktheit, Vergesslichkeit, Gewohnheit und Traditionsgebundenheit von Menschen, die nicht merken, dass der schlimmste falsche Christus derjenige ist, den die Institutionen Kirche in ihrem religiösen Macht-Imperium selbst predigen. Wehe also aus kirchlicher Sicht dem "echten"!

Wenn Christus also wirklich in einem menschlichen Körper wieder auf der Erde inkarnieren würde, das heißt, zurück auf diese Erde kommen würde, dann wäre er aus kirchlicher Sicht schnell ebenfalls zum "falschen" Christus abgestempelt. Doch glaubt man den Gottespropheten nach Jesus von Nazareth, dann geschieht das Wiederkommen von Christus gar nicht auf diese Weise. Sondern Christus würde demnach im Geiste wiederkommen und - wie einst der Schöpfergott im Alten Bund - schon zuvor durch Prophetenwort wieder zu den Menschen sprechen, wie es ebenfalls vielfach angekündigt ist (siehe oben). Von daher fällt er schon einmal nicht unter den Bannstrahl der Kirche gegen alle die leibhaftigen "Christusse" außerhalb der kirchlichen Institution, "die Zeichen und Wunder tun". Und hier gibt es in der Tat Dutzende, ja gar Hunderte von Paranoikern, die behaupten, "Christus" zu sein und die sich teilweise auch astraler negativer Kräfte bedienen und damit auch verblüffende magische Fähigkeiten erlangen können.
Und was viele Propheten ankündigten, deckt sich mit der Prophezeiung im Matthäusevangelium der Bibel, wonach der "Christus", der "in der Wüste" oder "drinnen im Haus" zu sehen ist, eben nicht der richtige sei. Das Kommen des Christus wird laut Matthäusevangelium so beschrieben: "Wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen".
Es ist also ein kosmisches geistiges Geschehen, vergleichbar einem mächtigen Blitz, der über den ganzen Horizont, also "vom Osten ... bis zum Westen", leuchtet. Doch dieses Geschehen wird nur von denen erfasst, deren Bewusstsein nicht an die vergängliche Materie gebunden ist, sondern die es durch ein Leben nach den Geboten Gottes darüber hinaus entwickelt haben. Das besagt die Stelle: "Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier." Wer also nur auf die sterbliche Materie blickt und ihr verhaftet bzw. bewusstseinsmäßig gefangen ist, der ist - symbolisch gesprochen - unter den "Geiern" und erfasst das große kosmische Geschehen nicht.

Dass Christus selbst zuvor durch Prophetenwort wieder zu den Menschen spricht und dass es neben "falschen Propheten" auch in unserer Zeit "richtige" gibt, steht damit nicht in Widerspruch und ist ja ebenfalls in den Evangelien der Bibel angekündigt, z. B. im Johannesevangelium (Kapitel 16). Und auch hier gibt es ein Merkmal, "falsch" und "richtig" zu unterscheiden. In der Bergpredigt, wie sie im Matthäusevangelium überliefert ist, ist das Kriterium genannt: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte ... Darum: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (7, 16-17). Die "falschen" werden an schlechten Früchten erkannt, die "richtigen" an guten.
Und auch hier lohnt sich einmal mehr der Hinweis auf die Worte von Karlheinz Deschner. "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit ... keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche"
(in: Die beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 42 f.)
.
Wenn also die Vertreter dieser Institution sich anmaßen, dass ausgerechnet sie die "Unterscheidungsgabe" für "richtig" und "falsch" hätten, dann liegen auf der Waagschale ihrer "Früchte" ungesühnte Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes und damit auch ein für jeden gutwilligen Gottsucher eindeutiges Kriterium der Geschichte.

 


Der wiederkommende Christus -
 der größte Feind der Kirche


Zeitgemäße Gedanken zu einem unbequemen Thema

"Jesus kommt wieder", heißt es im Bekenntnis der Kirchen. Doch wehe, er käme wirklich! Es reicht der gesunde Menschenverstand, um sich klar darüber zu werden, dass er die kirchlichen Dogmen, Bekenntnisse, Riten und Zeremonien nicht segnen oder befürworten würde. Auch würde er nicht in den Vatikan reisen, um sich bei seinem angeblichen Stellvertreter zu bedanken, dass der Papst und seine Vorgänger so "tapfer" die Stellung in den letzten 2000 Jahren gehalten hätten.
 
Wenn er auf leisen Sohlen kommen würde, würde er vielleicht als erstes freundlich darauf hinweisen, dass man sein Leben als Jesus von Nazareth ganz falsch verstanden hat. Und er würde um eine entsprechende Klarstellung Lehre bitten. Doch schon mit dieser Bitte würde er sich sogleich zum Gegner dieser Kirche machen. Denn die kirchliche Lehre ist nun mal in ihren wesentlichen Grundlagen "unfehlbar" und keiner Korrektur mehr zugänglich (vgl. das Unfehlbarkeitsdogma von 1870 und einen weiteren "unfehlbaren" Lehrsatz über die "ganze kirchliche Überlieferung"). Dies gilt für die römisch-katholische Lehre, doch im Kern auch für die evangelische. Beide Kirchen lehren, dass sich Gott in der Bibel abschließend und letztverbindlich geäußert haben soll. Ein wiederkommender Christus darf demzufolge also nichts anderes sagen als das, was sowieso schon in der Bibel steht. Ein Mann, der fortlaufend Bibelstellen zitiert - das könne man vielleicht durchgehen lassen. Aber nichts anderes. Auch keine anderen Interpretationen der Bibel. Für diesen Fall würde ihn die katholische Kirche ewig verdammen (siehe hier). Und beide Großkirchen würden dann sicher behaupten: "Dieser Mann könne unmöglich der wiedergekommene Christus sein. Denn er lehrt etwas anders als wir." Würden sie sich anders verhalten, dann müssten sie ja zugeben, dass sie sich seit ca. 1700 Jahren geirrt haben. Und das dürfe niemals sein.

Wenn Jesus also wiederkommen würde, selbst wenn er am Anfang sehr vorsichtig ist, dann wäre der Konflikt mit den Großkirchen unausweichlich
. Denn diese müssten auf ihn hören, wenn sie wirklich die Kirche "Jesu Christi" wären, wie sie immer wieder vordergründig behaupten. Doch sie werden mit Sicherheit nicht auf ihn hören. Zu vieles haben die Kirchen im Laufe ihrer Geschichte schon aufgebaut, was zu Jesus von Nazareth im Gegensatz steht (siehe die weiteren Themen in der Schriftenreihe des "Theologen"): Die ganzen Lehre vom gerechten Krieg bis hin zur Seligkeit durch Glauben, obwohl Jesus immer wieder vom rechten Tun sprach und vieles mehr: die Dogmen, von denen Jesus nie sprach und die Sakramente, die er nie einsetzte; die Kirchenhierarchie und den Beamtenapparat, die Konkordate und Staatsverträge, die Schatzkammern und die vielen Reliquien, die riesigen kirchlichen Rechtssammlungen, viele tausend Seiten von Kirchenjuristen aller Generationen geschrieben; dann die Tradition, das Schaugepränge und Brimborium, das "Gehabe" und "Getue" der Amtsträger, die Weltjugendtreffen und Kirchentage für die Jugend usw. usf.
Doch was hat das alles mit Christus und mit Gott zu tun? Gott sei geheimnisvoll, so die Herren der Kirche. Und sie rechtfertigen ihr ganzes Treiben mit diesem angeblichen "Geheimnis Gottes", das niemand lüften könne, dem sie aber, die konfessionell geweihten bzw. installierten Theologen am nähesten kämen. Doch man müsse dieses Geheimnis ja auch gar nicht lüften. Denn es genüge der Glaube der Menschen, dass die Kirche durch ihre Predigten und Sakramente ihnen, den Gläubigen, den Himmeln vermitteln könne, auch wenn sie vieles davon gar nicht verstehen.

Doch was wird sein, wenn Jesus wiederkommt und das "Geheimnis Gottes" endlich lüftet? Was ist, wenn er den Menschen alles Wichtige erklärt? Schon kleine Widersprüche zur kirchlichen Lehre würden ihn zum "Irrlehrer" machen, vor dem man warnt. Denn würden ihm die Leute glauben, wäre mit seinem Wiederkommen auch das Ende der kirchlichen Macht gekommen. Das weiß die Kirche, und deshalb hat sie Angst vor ihm. Doch so schnell würden sich die Konfessionspriester und ihre Helfer nicht geschlagen geben. Mit Zähnen und Klauen würden sie um ihre Institutionen kämpfen, um ihre Macht und um ihre Privilegien; wie immer in den letzten 2000 Jahren. Christus kommt wieder. Doch wo käme denn die Kirche da hin, wenn es sich dabei um einen Mann handeln würde, der ihr widerspricht?

So würde Jesus, wenn er nicht mehr vorsichtig wäre, wohl dem Papst in Rom die Maske vom Gesicht ziehen. Und er würde wohl wieder seine "Wehe-Rufe" aussprechen, wie gegenüber den Theologen und Schriftgelehrten seiner Zeit. "Weh euch, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen" (Matthäus 23, 13). Und die Heuchler mit ihrem Stehkragen und dem Kreuz um ihren Hals und an ihren Jacken würden sich wieder zusammensetzen und beratschlagen, wie sie ihn beseitigen können: den "Sektenführer", den "selbsternannten Christus", den "falschen Propheten", den "falschen Christus", den "totalitären Guru", den "Scharlatan", den "falschen Heilsversprecher".  Sogar einen untrüglichen "Beweis" würde man führen, um Christus zu "entlarven". Der Beweis wäre: Dieser Christus, wie er sich nennt, hält sich nicht an die kirchlichen Dogmen und Bekenntnisschriften. Diese aber enthalten die bewährte Tradition zahlloser Generationen. Und, was noch schlimmer sei: Dieser vielleicht sogar "Verrückte" hält sich nicht einmal an ihre Bibel. Er würde sich dort nur die Stellen herauspicken, die ihm genehm sind.
Und man könnte an dieser Stelle hinzufügen: Ja, genau. So wie er es schon als Jesus von Nazareth gemacht hatte, als er damals der "heiligen" Überlieferung widersprochen hatte, als er sie korrigierte und als er den damaligen Theologen seine Worte entgegen rief: "Ich aber sage euch ..."

Sollte er sich das noch einmal getrauen? Die Bibel gelte doch in allen Konfessionen als weltweit unbestrittene "Grundlage der gesamten Weltchristenheit", so die institutionell beglaubigten Experten. Und die Dogmen und Bekenntnisschriften der Konfessionen seien doch die einzig rechtmäßigen Auslegungen der Bibel. Dagegen käme der wieder gekommene Christus nicht an. Ein "Wichtigtuer" sei er, vermutlich psychisch sehr krank und von "wahnhaften Größenphantasien" getrieben. "Ich aber sage euch ...?" Wo käme die Kirche denn da hin, wenn einfach einer aufsteht und ruft: "Ich aber sage euch"? Einfach nicht Ernst nehmen, gerade gut genug für das unterhaltsame Kaffeegespräch bei einem Stück Kuchen nach der Theologenkonferenz. Ja, viel zu viel habe man sich schon mit diesem "armen Schwein" beschäftigt. Viel zu viel Aufmerksamkeit habe er schon bekommen. Wir beten noch kurz für ihn, dann packt ihm ein Stück Kuchen ein, und wenn er dann nicht endlich Ruhe gibt, wird eben die Polizei geholt. Basta.

Sollte er aber trotz dieser Verleumdungen in der Bevölkerung gut ankommen, würde die Kirche das nicht einfach hinnehmen. Denn sie verfügt über viele Mittel und Wege. Falls er also wieder als erfolgreicher und beliebter Zimmermann arbeiten würde, würde man dazu aufrufen, diesem "Sektenbetrieb" keine Aufträge zu geben. Auch die Verantwortlichen der Handwerkermesse würde man "warnen", so dass er dort gar keinen Stand bekommt. Keine Zeitung soll Werbeanzeigen für seine Dienstleistungen veröffentlichen. Man könne die Absage ja damit begründen, seine Lehre sei nicht mit den Geschäftsgrundlagen des jeweiligen Zeitungsverlags vereinbar.
 
Die Kirche hat überall ihre Leute gleich Lobbyisten sitzen. Das würde auch ein wiederkommender Christus zu spüren bekommen. Und so könnte sie an allen Stellen versuchen, über ihren Kritiker, den Christus, entsprechend "aufzuklären" oder, wo man das als notwendig erachten würde, politisch oder notfalls juristisch gegen ihn vorzugehen oder eben einfach die Polizei anzurufen. Und die maßgeblichen Politiker würden wieder respektvoll vor der Macht ihrer religiösen Obrigkeiten buckeln. Denn wie sagte doch einer der Kirchenführer unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs? Seine Worte lauteten wie folgt: "Dass die Kirche sich nicht umzustellen braucht, empfinden sicherlich die meisten als einen Abglanz der Ewigkeit" (Der evangelische Dekan Georg März aus Würzburg, zit. nach C. Vollnhals, Evangelische Kirche und Entnazifizierung, München 1989, S. 134). Oder wie sagte ein Kirchenführer unserer Zeit? "Als Gottmensch ist er", der Priester, "der personifizierte Bund zwischen Gott und Mensch selbst ... Der Priester ist der Mann vor Gott" (Joachim Kardinal Meisner bei seiner Predigt im Kölner Dom am 15.6.2012). Tief durchatmen. So war es, und so ist es, und so würde es immer sein. Und dieser "Irrlehrer, der die Christenheit durcheinander bringt"? Er ist weder Priester noch hat er auch nur ein einziges Semester Theologie studiert. Er kann ja noch nicht einmal fehlerfrei reden und schreiben. Und mit seinen "Sprüchen" über Gott versucht er doch nur, seinen "Minderwertigkeitskomplex" zu überspielen. Die Kirche jedoch ist "der Abglanz der Ewigkeit", geführt von den "Gottmenschen", den Priestern, oder von ausgebildeten Pfarrern und Theologen. So denken die Herren der Kirche, und sie glauben, dass sie ewig so weitermachen können.

Nahezu 2000 Jahre sind die Herrschenden und Regierenden gekommen und wieder gegangen. Die Kirche aber blieb - an der Seite der gegenwärtigen oder - klug vorausschauend - der künftigen Machthaber. Und immer wieder ließ sie sich mit Reichtum, Privilegien und Vergünstigungen beschenken. Doch immer wenn sich durch einen Propheten der Himmel ein Stück weit auf die Erde neigte, begann der Stuhl Petri in Rom unmerklich ins Wanken zu kommen, und seine vielen kleinen evangelischen Beistell-Schemel fingen an, zitternd zu vibrieren. Doch wenn Christus käme, würde der Stuhl vielleicht für alle sichtbar umfallen, und die einzelnen Schemel würden der Reihe nach umkippen wie Dominosteine! Welche Gefahr könnte also von dem wiederkommenden Christus ausgehen? Es gibt keine größere Gefahr für die real existierenden Kirchen. Wehe, er käme! Wehe, er käme wirklich noch ein zweites Mal! Wehe, wehe! Wurde er nicht ans Kreuz genagelt? Hat er nicht freundlicherweise nach seiner Auferstehung weitgehend geschwiegen? Haben wir ihn nicht seit 2000 Jahren immer wieder tot am Kreuz präsentiert? Nur an Weihnachten zur Abwechslung einmal lächelnd in eine Krippe gelegt? Hat man nicht die "ketzerischen" Christus- und Gottespropheten in den letzten Jahrhunderten erfolgreich zum Schweigen gebracht? Und hat sich nicht die Kirche immer erfolgreich gegen "Häresien", "Ketzereien" und "Sekten" gewehrt und diese immer "unschädlich" gemacht? Würde er jetzt selber tatsächlich wiederkommen? Will er die bewährten Institutionen gar zum "Endkampf" provozieren?

Die Kirche braucht keinen wiederkommenden Christus. Sie ist eine mächtige Institution geworden, die mächtigste Institution des gesamten Erdkreises und einer der größten Finanzmächte obendrein. Sie ist kein Tummelplatz mehr für versponnene Wanderprediger. Die Kirche hat die Bibel. Sie hat ihre Dogmen und Bekenntnisschriften, und ihre Gläubigen sprechen Woche für Woche das apostolische Glaubensbekenntnis. Und es gibt den Mann auf dem "Heiligen Stuhl", als "Heiliger Vater" verehrt, der Papst, zum Zeichen für die Einheit der Christenheit, denn es handelt sich ja nur um einen Einzigen, einen einzigen Mann! Unterwerfung und Unterordnung unter ihn bedeute "Einheit". Und sein "Urbi et Orbi" dringt machtvoll in alle Paläste dieser Erde und auch in die letzte Hütte am Rande der Zivilisation. Und wie die Menschen ihm zujubeln, wenn er wieder und wieder zu ihnen kommt. Kein Geld ist ihnen dafür zu schade. Dieser Mann gibt ihnen Hoffnung. Er ist ihnen Vorbild. Und er gibt ihnen Kraft, auch den Evangelischen. Und natürlich hat die Kirche auch ihn, den Christus, in ihre Obhut genommen. Sie hat ihn sich genommen als schweigenden Gott. Hilflos lallend in der Krippe oder zum Schweigen gebracht am Kruzifix. Dort habe er uns erlöst. Das muss reichen. Wehe, er würde sich tatsächlich getrauen, noch einmal zu kommen ... 
 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
"Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 20:  Elia, Amos und Jeremia - Propheten als unbequeme Mahner für das Volk - Propheten nach Jesus, Wertheim 1996, zit. nach http://www.theologe.de/theologe20.htm, erweiterte Fassung vom 24.9.2015;
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