DER THEOLOGE
Nr. 59
Viel Aufregung um den kirchlichen Blutkult
Eucharistie und Abendmahl: Weniger als ein Stück Brot
"Wiederverheiratete Geschiedene" zur
"Kommunion" zugelassen: Priester müssen dafür laut Dogma in
"ewige Hölle"
Katholiken in zweiter Ehe: Hostie nur
bei Verzicht auf Sex / Hostienkult und Hungertod / Hostie: Symbol oder
wahres "Fleisch"?
Kirchliche Abendmahlslehren haben mit Jesus nichts zu tun / Vergleich
zwischen "Hostienschändung" und "Kinderschändung"
Für die Kirche konkretisiert sich im so
genannten Abendmahl das
ganze angebliche "Geheimnis" des Glaubens. Für eine Außenstehenden ist es
jedoch nicht mehr als eine veräußerlichte Zeremonie, bei der die
Gläubigen eine Oblate von einem Priester oder Pfarrer entgegen
nehmen und diese aufessen - in der Wirkung nicht spektakulärer als
bei einer
Seifenblase, die schön anzusehen ist und dann bald zerplatzt, ohne dass
dabei irgendetwas Gravierendes passiert.
Dass es sich hier aus kirchlicher Sicht aber um eine entscheidende und
dabei nicht harmlose
Angelegenheit handelt, musste am 22.9.2011 zum Beispiel der damalige Bundespräsident Christian
Wulff erfahren. Bei der Messe mit Papst Joseph Ratzinger im
Olympiastadion in Berlin hatte er die Oblate = Hostie nicht erhalten,
obwohl er Katholik ist. Der Grund dafür: Er ist geschieden und zum
zweiten Mal
verheiratet, und solche Katholiken werden davon ausgeschlossen, das
"Geheimnis" ihres Glaubens zu "schmecken"*.
Um die
"Zulassung" so genannter
"wiederverheirateter Geschiedener" zur
"Kommunion", also zur Einnahme der Oblate = Hostie, gibt es
innerhalb der Kirche heftige Auseinandersetzungen. Dabei wurde der
Konflikt vom Vatikan 1994 unter Papst Johannes Paul II. und
Kardinalpräfekt Joseph Ratzinger bereits eindeutig und lehramtlich
abschließend und verbindlich entschieden. Dies sei nur möglich, wenn
in der zweiten (oder dritten oder weiteren) Ehe kein Sex mehr
praktiziert wird. Wir zitieren im Teil 2 dieser Studie aus
diesem wegweisenden Dokument, aus dem sich auch ergibt: Die 177
rebellierenden Priester aus der Erzdiözese Freiburg, die es anders praktizieren, stellen
sich eindeutig außerhalb der Kirche, was nach offizieller Lehre
später angeblich
"ewige Verdammnis" bedeutet. Und
für Hunderte von Priestern aus anderen Diözesen, die es ebenso halten,
gilt dies ebenfalls: verflucht und verdammt. Doch bereits auf der
Erde sollen Vorboten dieses geglaubten Höllenfeuers spürbar sein: "Deutschlands Katholikenchef Robert Zollitsch droht den
Rebellen mit harten Sanktionen", heißt es. Und der
Bischof redet Klartext,
wenn er droht, dass er keine "Praxis"
toleriere, "die eigenmächtig gegen Vorgaben der Weltkirche
verstößt" (spiegel.de,
12.6.2012).
Die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bekam 2011 im Olympiastadion die Oblate
als Protestantin ohnehin nicht. Kein Protestant oder
Andersgläubiger darf an dieser katholischen Zeremonie, diesem als "Abendmahl"
bezeichneten heidnischen Blutkult teilnehmen, bei dem zuvor Wein
in reales Blut verwandelt werden soll.
Dafür haben die Evangelischen ihr eigenes "Abendmahl". Und dort
bekommt der katholische Ex-Bundespräsident dann doch die Oblate = Hostie, wenn er als Katholik mit seiner evangelischen Frau z.B. den
lutherischen Gottesdienst in Großburgwedel besucht - allerdings eben "nur" eine aus katholischer
Sicht minderwertige evangelische Hostie, nicht den angeblich "wahren
Leib Christi" nach katholischer Vorstellung. Denn
Protestanten geben Katholiken die Hostie, aber Katholiken geben sie
Protestanten nicht, solange sich die Protestanten nicht wieder dem
Katholizismus unterwerfen.
Bevor wir hier in Teil 1 mosaikartig einige Abgründe der kirchlichen
Theologie und ihre Folgen zum Thema Eucharistie bzw. Abendmahl näher skizzieren, noch folgender Hinweis:
Im
Vaterunser der Christenheit heißt ja eine Bitte an Gott:
"Unser
tägliches Brot gib uns heute". Das heißt: Den Betenden ist bewusst,
dass jeder Mensch sein täglich Brot braucht, um nicht zu verhungern.
Schreckliche Tatsache ist jedoch: Es verhungern täglich Tausende von
Menschen aufgrund der ungleichen Verteilung der Nahrungsmittel auf
diesem Planeten - obwohl genügend für alle da wäre.
Dazu die Frage: Hat damit "Gott"
den Verhungernden das Brot nicht gegeben? Nein. Die Menschen haben
es nicht getan. Und in einer ursprünglichen Fassung des Vaterunser
heißt es in dem Gebet an Gott deshalb auch korrekt: "Unser tägliches Brot
gibst Du uns heute".
Das heißt: Gott gibt (!) das "täglich Brot",
und den ersten Christen war auch bewusst,
dass Gott immer reichlich gibt. Nur der Mensch hält es anders, und
er lässt unzählige seiner Geschwister verhungern und verdursten, weil
ihm anderes wichtiger erscheint, z.B. die "Gewinne"
für große Konzerne oder staatliche oder private Institutionen, die
den Hungertod von Tausenden von Menschen mit verantworten. Gerade
der unsäglich reiche Vatikan könnte die furchtbaren Hungersnöte in
dieser Welt zumindest lindern, wenn er bereit wäre, sich nach und nach von
seinem
unermesslichen Reichtum
zu verabschieden und ihn zum Wohle
anderer einzusetzen oder zumindest seinen immensen
Goldschatz
zu veräußern. Doch hier passiert nichts. Die Kirche fordert
immer nur die Gläubigen zum Geben auf. Das eigene Vermögen wird
nicht angetastet.
Betrachtet man in
diesem Zusammenhang die kirchlichen Lehren zum Abendmahl und zur
Eucharistie, dann bestätigt sich: Dies ist für die Kirche von alles
entscheidender Bedeutung, und hier tut man alles, um die aus
kirchlicher Sicht "reine Lehre" zu verteidigen. Wie viele Tausend
Menschen zwischenzeitlich verhungern, ist gemäß dem
kirchlichen Wertesystem jedoch nachgeordnet, man könnte auch sagen
zweitrangig bzw. dritt- oder viertrangig oder noch weiter hinten in
der klerikalen Reihenfolge der Wichtigkeiten.
Und versucht man diese Tragödie einmal aus der Sicht der betroffenen
Menschen zu verstehen, dann könnte man auch folgende Frage stellen:
"Was hilft einem ausgehungerten Menschen
mehr: Eine kräftige Scheibe Brot oder eine Backoblate, die aus
kirchlicher Sicht der verwandelte ´Leib Christi` sein soll?"
Könnte der an
Hungersnot leidende Mensch in der großen Not entscheiden, dann würde er
immer (!) die Scheibe Brot nehmen. Nur Extrem-Katholiken wie Therese Neumann aus Konnersreuth
(1898-1962), die vielleicht noch selig gesprochen wird, würden vielleicht vordergründig anders antworten.
Therese Neumann
soll sich jahrelang nur von der Hostie ernährt haben ohne etwas Vernünftiges
zu essen, doch eine Zeugin hat dies zwischenzeitlich als Betrug
entlarvt. Die "Resl" hatte in einer Kammer
Essen versteckt und heimlich ganz normal gegessen und so die
für ihren Körper lebenswichtigen Nährstoffe in sich aufgenommen, die
in einer Hostie eben nicht zu finden sind.
Aus praktischer Sicht ist die Hostie
also deutlich weniger als ein Stück Brot, und ein Stück Brot
deutlich mehr als eine Hostie. Manchem Kirchenmitglied ist dies auch
so bewusst, und er betrachtet die Hostie für sich nur als ein
"Symbol", wie es z.B. auch die evangelisch-reformierte Kirche
lehrt, die auf die Schweizer Reformatoren Huldreich Zwingli und
Johannes Calvin gründet.
Diese Sichtweise wird von der katholischen und der lutherischen Kirche jedoch
nicht toleriert, und die römisch-katholische Kirche schickt das
Kirchenmitglied, wenn es nach ihr ginge, dafür gar in die ewige Hölle (siehe
hier).
Doch bleiben wir bei
der Deutung dieses Kults als einem "Symbol":
Denn würde man die Rede vom "Leib Christi"
als ein positives Symbol verstehen, dann könnte damit z.B. auf
folgendes hingewiesen werden: Alle Lebewesen gehören zusammen in der großen Einheit.
Wofür steht
jedoch das "Sakrament" der katholischen Eucharistie und des
evangelischen Abendmahls in Wirklichkeit, wenn so
genannte Christen die Hungersnot in der Welt nicht lindern und ihre
Brüder und Schwestern - aus angeblichen wirtschaftlichen und
politischen Sachzwängen heraus, in Wirklichkeit aus den Auswüchsen
menschlichen Ego-Wahn heraus - ungeniert verhungern lassen, obwohl
genug für alle da wäre? Eine
tatsächliche Gemeinschaft in Christus zeigt sich immer und
ausnahmslos im praktischen Tun, darunter auch dem Wirtschaftssystem,
das man befürwortet, nicht im Umgang mit so genannten
"Sakramenten" (= Zeichenhandlungen) wie Abendmahl bzw. Eucharistie.
Warum aber dann diese
immense Bedeutung der Hostie in der Kirche und der Jahrhunderte lange Zwist innerhalb von Kirche und Theologie
um die Eucharistie bzw. das Abendmahl?
Lesen Sie weiter, denn es wird noch spannend.
Teil 1:
Was ist die Eucharistie bzw. das
Abendmahl?
Teil 1: Was ist die Eucharistie bzw.
das Abendmahl?
Immer weniger Menschen können mit den Kirchenlehren überhaupt etwas anfangen. So schrieb uns z.B. ein evangelischer Leser: "Ich habe gelernt, dass mir beim Abendmahl die Sünden vergeben werden. Leider kann ich das innerlich irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen. Auch weiß ich nicht, was die Kirche noch zum Abendmahl lehrt, was mich interessieren würde. Ich fühle mich durch das Abendmahl auch innerlich gar nicht befreit. Es ist für mich mehr ein Ausdruck der Gemeinschaft und ein Zeichen meiner Demut."
Die Kirche tat etwas anderes als das, was Jesus wollte - das kirchliche Abendmahl
Und so ähnlich hat
es Jesus auch gemeint. Er hatte niemals an ein rituelles
Kultmahl mit Hostie und mit einem Schluck Wein gedacht,
der angeblich Blut sein soll, wie es in den Kirchen praktiziert wird, sondern an ein richtiges
Essen mit Speisen und Getränken. Und bei diesem Anlass sprach Er
kurz vor Seinem Sterben auch von Seinem "Leib", also Seinem Körper, und
Seinem Blut. Und Er erzählte in dieser schweren Stunde ein Gleichnis,
um auf diese Weise deutlich zu machen: Wer Ihm nachfolgen möchte, der gibt sein ganzes
Leben für andere hin, symbolisch gesprochen: seinen Leib und sein
Blut. So werde Er selbst es jetzt tun, trotz furchtbaren Leides, das
Ihm dabei widerfährt. Jesus lehrte die selbstlose Liebe, und dieses
selbstlose Geben ist auch das Wesen Gottes, und so wirkt
auch der Geist
der Wahrheit in dieser Welt. Brot und Wein waren und sind also einzig Symbole
dafür, dass Jesus Sein Leben für Seine Mitmenschen hingegeben hat.
Wer daraus eine kultische Zeremonie, ein Ritual oder ein
kompliziertes Kirchensakrament macht, verunglimpft damit das
Andenken an den Mann aus Nazareth.
|
"Brot und Wein dienten einzig als Symbol für die Hingabe Meines Leibes und Meines Blutes. Ihr sollt daraus jedoch keine Zeremonie machen, sondern allezeit Meiner gedenken in allen euren Empfindungen, Gedanken, Worten und Handlungen. Auch, wenn ihr die Gaben des Lebens zu euch nehmt, welche euch von Gott gegeben sind aus dem Schoß der Mutter Erde, gedenket in Dank des Ewigen ..." (Prophetische Christusbotschaft "Das ist Mein Wort", Marktheidenfeld 1989, S. 837) |
Was die
evangelische Kirche änderte und
warum sich die Evangelischen nicht einigen konnten
Das meiste von
dem, was kirchlich Gläubige in dieses
"Sakrament" bzw. in diese Zeremonie hinein legen, ist hinzu erfunden, auch die entsprechenden Vergebungslehren im Zusammenhang
der Eucharistie bzw. des Abendmahls. Bevor
wir jedoch weiteres zum Thema "Vergebung" darlegen, hier zunächst in aller Kürze
die Entstehung der evangelischen Abendmahlslehre, die sich aus der
katholischen heraus entwickelt hat: Die
Evangelischen sind sich - wie fast immer - untereinander nicht einig, und auch ihr
Abendmahl hat nicht sehr viel mit Christus zu tun. Dabei knüpft es
zunächst an das römisch-katholische Abendmahl an:
Die gültige evangelische Lehre: Kaum
jemand kennt die Leuenberger Konkordie
Die evangelischen Theologen
stritten und verhandelten jedoch untereinander die nächsten
Jahrzehnte und Jahrhunderte ständig weiter und
einigten sich dann 1973 lehramtlich ganz offiziell doch auf eine
"Abendmahlsgemeinschaft" aller ihrer drei Haupt-Großkirchen, die so genannte Leuenberger Konkordie,
wobei die strittigen Punkte in kompromisshafte, gespreizte und unklare Redewendungen
("dahingegebenen Leib", "verheißendes Wort") eingekleidet
bzw. verklausuliert wurden, die - für klare und vernünftige Menschen
kaum noch verständlich - die neu konstruierte Gemeinschaft
markieren.
So also die offizielle evangelische Lehre
- eine Kopfgeburt,
die allerdings kaum jemand kennt, geschweige denn nachvollziehen
kann.
Die Vergebung der Sünden solle also dabei sein, als eines der vielen
Elemente. Bei den
Katholiken sollen die Sünden demgegenüber jedoch vor allem durch Lossprechung durch
den Priester vergeben werden, also vor allem bei einer anderen kirchlichen
Handlung. Doch auch bei der katholischen Eucharistie wird dieses Thema
einbezogen. Deshalb an dieser Stelle zunächst die Frage: Was lehrt die
katholische Kirche denn nun genau zum Abendmahl? Oben haben wir es
bereits kurz skizziert. Jetzt gehen wir noch näher darauf ein: Dazu
lesen wir aus dem Lehrwerk Josef Neuner, Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den
Urkunden der Lehrverkündigung, neubearbeitet von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger,
Regensburg 1971, 13. Auflage 1992. Nachfolgende Lehrsätze Nr. 577,
578, 580, 582, 585, 587, 607 und 608 gelten für die römisch-katholische
Kirche allesamt als "unfehlbar":
Vergebung der Sünden? Katholisch,
evangelisch oder praktisch?
Doch für die im Kirchen-Hickhack
verfangene Menschen kommt es noch schlimmer. Denn laut offizieller und
angeblich unfehlbarer kirchlicher Lehre werden ganze Scharen von Gläubigen
in die angeblich ewige Hölle verbannt, die sich nicht streng und
exakt an das katholische Deutungsmuster halten, also auch alle
Konstrukteure der evangelischen Leuenberger Konkordie. Diese haben
nun den Aspekt der "Vergebung" ebenfalls mit in ihre
ausgeklügelte evangelische
Kompromiss-Variante hinein geflochten. Da die Evangelischen aber viel weniger
beichten als die Katholiken und viel weniger scheinbar von Sünden los gesprochen werden
- und wenn, dann in der Regel nur pauschal (bei einer so genannten
"Gemeinsamen Beichte" im Gottesdienst) - deshalb bekommen sie beim
evangelischen Abendmahl eine
quasi komplette Lossprechung inklusive. Das klingt
vielleicht etwas zugespitzt formuliert, es trifft aber den Kern.
Biblische Berichte zum Abendmahl und
kirchliche Lehren stimmen nicht überein
Interessant ist dabei: Die
angebliche Vergebung der Sünden beim Abendmahl ist auch in der Bibel
kaum bekannt. Jesus hat nur gemäß der Abendmahlserzählung des
Evangelisten Matthäus angeblich gesagt, dass Sein Blut
"zur Vergebung der Sünden" vergossen würde. Bei den
Evangelisten
Markus und Lukas fehlt diese Lehre jedoch ausdrücklich. Da wird das
Blut nur "für viele" bzw. "für euch vergossen", womit
die Evangelisten darauf hinweisen, dass Jesus bis zuletzt
Seinen Mitmenschen diente und geholfen hat, und dass Er
unerschütterlich und ohne Widerruf Seiner Botschaft treu blieb; bis
zu Seiner Hinrichtung, die aber nicht hätte sein müssen, wenn Ihm
mehr Menschen gefolgt wären.
Die kirchlichen Lehren zur Eucharistie
stammen aus dem Baalskult und antiken Götzenkulten
Die kirchlichen Traditionen haben dabei sehr
viele antike Vorläufer. In den antiken Kulturen von Ugarit und Mari
wurde zum Beispiel ein Kult praktiziert, der heute bezeichnet wird als Kult von "Sparagmos" (= In Stücke Reißen eines Opfers) und
"Omophagie" (= Verzehr von dessen rohem Fleisch). Mit diesem
Sparagmos-Omophagie-Kult wurden Baal und seine Jungfrau Anat geehrt.
Die ersten Christen trafen sich in den
ersten Jahren, so weit
möglich, meist abends zum gemeinsamen Essen oder in besonders feierlicher
Form zu einem "Abendmahl". Dieses Gemeinschaftserlebnis wird in der Kirche
später durch das Zerkauen einer "Hostie" (einer Backoblate) ersetzt, die man
sich am Altar von einem Priester oder Pfarrer geben lässt, so dass das heutige
Kirchenmitglied kaum mehr eine Vorstellung davon hat, wie Jesus und die ersten
Christen auch hier ihren Alltag miteinander teilten - in Dankbarkeit gegenüber
Gott für die Gaben aus Gottes guter Schöpfung als Stärkung für Leib und Seele.
Interessant ist auch, dass Jesus bei
Seinem letzten Essen anhand von Brot und Wein das
urchristliche "Abendmahl" erklärt und dabei die angebliche Hauptspeise "Lammfleisch"
gar nicht erwähnt. Eine
Erklärung dafür gibt das außerbiblische
Ebionäerevangelium bzw. Ebionitenevangelium. Demnach antwortet Jesus auf
eine Frage, wo man ihm das "Passahmahl" zurichten
soll: "Begehre ich etwa, an diesem Passah Fleisch mit euch zu essen?"
(zit. bei Epiphanius, Panarion omnium haeresium 30, 22, 4)
Faktum ist: Jesus kam auch für die Tiere und Er erklärte,
dass das Gebot "Du sollst nicht
töten" auch gegenüber Tieren gilt.
Denn der Gottesgeist ist auch das Leben in den Tieren, die
gleich den Menschen eine unsterbliche Seele oder Teilseele haben und ebenso
Schmerzen empfinden wie Menschen. Dieses Leben in allen Lebensformen ist
vergleichbar einem inneren Licht, das auch jede durch ihr Fehlverhalten
belastete menschliche Seelen reinigen kann, wenn der Mensch nach den Geboten
Gottes lebt. Und als Jesus die Speisen und Getränke mit Seinem Leib und Seinem
Blut verglich, dann war das ein Symbol für das Licht des Christus, das in jedem
von uns hell leuchten möchte. Oder man könnte sagen: Leib und Blut sind Symbole
für den Geist des Christus in uns, und Seine Jünger sind aufgerufen, dass
Christus in ihren Herzen aufersteht, indem sie mehr und mehr lernen, in Seinem
Geist zu leben. Dafür war und ist das Abendmahl = Gemeinschaftsmahl ein Symbol.
Und es ist auch ein Mahl des Dankes für die guten gesunden Früchte und Getränke,
die uns Gott über die Mutter Erde schenkt und die bei diesem Mahl bewusst und
dankbar in der Gemeinschaft eingenommen werden.
Die Kirche hat nun
aber etwas völlig anderes in dieses Abschiedsessen von Jesus mit
Seinen Jüngern hinein interpretiert und fabuliert, und sie hat vieles hinzu erfunden, was
Jesus niemals wollte. So gilt in der katholischen Kirche das Abendmahl
als eine "Wiederholung" des Kreuzestodes von Jesus,
der
angeblich ein Sühnopfer gewesen sein soll. Diese Vorstellung stammt
aber aus antiken Götzenkulten und nicht von Jesus.
Weiter: Diese
angebliche - und nebenbei völlig sinnlose - "Wiederholung" sei nur durch das rituelle Handeln eines eigens
dafür geweihten Priesters möglich. Nur der Priester sei angeblich in der Lage, die "Vergegenwärtigung" bzw.
so genannte "Realpräsenz" von Christus auf diese Weise in
diesem Blutkult herbei
zu führen. Diese ganze katholische Zeremonie nennt man deshalb auch "Messopfer".
Und krasser ist der Gegensatz zu Jesus gar nicht denkbar, denn Jesus hat auch niemals
Priester gewollt.
Beim Abendmahl bzw. der Eucharistie wird im Katholizismus also täglich
die Hinrichtung von Jesus neu "vergegenwärtigt" - als ob
man sich immer vergewissern müsste, dass Er wirklicht getötet worden ist und
nicht etwa überlebt hat - so könnte
man dies tiefenpsychologisch deuten. Man interpretiert dieses furchtbare
Geschehen dann als
angebliches Blut-Opfer zur Sühnung menschlicher Schuld, weil der in den Kirchen
gelehrte "Gott" früher blutige Tieropfer als Sühnung für
menschliche Schuld forderte und sich dann anschließend am
"lieblichen" Fleischgeruch der brennenden Kadaver "beruhigt" hatte, wie es im Alten Testament
mehrfach heißt. Erst nach dem als Blut-Opfer gedeuteten grausamen Tod Seines Sohnes seien diese
Tieropfer dann durch den katholischen Messopfer-Blutkult abgelöst
worden.
Brot und Wein sollen bei diesem kirchlichen Ritual nun in das Fleisch und das
Blut von Jesus verwandelt werden, in den "Leib Christi" bzw. das
"Blut Christi". Die Katholiken nennen diese angebliche "Wandlung"
"Transsubstantiation",
und das alles funktioniere nur, wenn ein Priester die genau festgelegten
Wandlungsworte dazu spricht.
Und hierbei stellt sich dann unter anderem die
Frage: Erinnert das alles nicht an
Zaubersprüche, wie sie aus vielen Märchen und Sagen bekannt sind? Diese sollen auch nur dann wirken, wenn der Magier oder der
Zauberer exakt die richtige Zauberformel spricht. Ein falscher
Zauberspruch hingegen - und nichts soll demgegenüber passieren. Dabei handelt es sich
offensichtlich auch bei der Eucharistie um
nichts anderes als um Hokuspokus, und dieses Wort wird deshalb zutreffend
auch aus den katholischen Wandlungsworten "Hoc est corpus Meus" =
"Das ist Mein Leib" = Hokuspokus abgeleitet.
Es sei denn, jemand mobilisiert
in diesem Zusammenhang parallel zum Kult-Ritual starke Gedankenkräfte, welche dann eine bestimmte
Wirkung hervorbringen können, wie es zum Beispiel auch im Voodoo-Kult und bei
anderen magischen Kulten üblich ist. Die gewünschte Wirkung ist dann
aber nicht die Folge der Zauberformel, des Rituals oder
des kirchlichen Sakraments an sich, sondern eine bestimmte Wirkung ist die Folge der in diesem
Zusammenhang mobilisierten gedanklichen
Energien. Mit
Christus jedoch hat das alles nichts mehr zu tun.
Der katholische
Priester zeigt ja bei der Einsetzung des Abendmahls auf
eine der Hostien und formuliert dazu ein Jesuswort, wie es in der
Bibel überliefert ist: "Das ist mein
Leib". Martin Luther
hielt nun an diesem Wort "ist" fest, deutete es aber anders als die
katholische Kirche es bis dahin getan hat und weiter tut. Die Hostie
sei nämlich nach Martin Luther nicht identisch mit dem Leib, wie es
die katholische Kirche lehrt, doch "in, mit und unter" der Hostie
"ist", so Martin Luther, eben doch dieser wahre Leib vorhanden.
Entsprechendes soll für Wein und Blut gelten. Die Betonung liegt
also auch bei Martin Luther auf dem Wort "ist". Es sei also kein
Symbol, sondern angeblich real. Dies gelte aber ausdrücklich nur
während der Feier, also während der Blutkult-Zeremonie bzw. der
Durchführung der kirchlich "sakramentalen" Handlung. Anschließend
sei die Hostie nach Martin Luther und evangelisch-lutherischer Lehre
wieder bloße Oblate. Anders bei den Katholiken, also der bisherigen
Kirche vor Martin Luther. Da bleibe die einmal angeblich durch eine
Priester in den "Leib Christi" verwandelte Oblate = Hostie angeblich
für immer "realer" "Leib Christi".
Doch wie gesagt: Die Protestanten sind sich untereinander einig, was
an ihren Altären passieren soll:
Die Schweizer
Huldreich Zwingli, Johannes Calvin und andere "Reformatoren"
widersprachen Martin Luther und ersetzten das katholische "ist"
in der Abendmahlsformel durch das Wort "bedeutet". Deshalb wurden - vereinfacht
gesprochen - nun gleich zwei neue
evangelische Kirchen gegründet, nicht nur eine, weil sie sich vor
allem an diesem Punkt unterscheiden. Und bis heute gibt es
deshalb die Evangelisch-Lutherischen und die
Evangelisch-Reformierten, letztere vor allem in der Schweiz und in den
Niederlanden. Das Abendmahl war der entscheidende Trennungsgrund. Deswegen wurde
1529 auch das "Marburger Religionsgespräch" geführt, und Martin Luther blieb stur
bei seiner Meinung, verteufelte seine Gesprächspartner, vor allem
Huldreich Zwingli, wegen ihrer
abweichenden Haltung, und die Gespräche scheiterten.
Für Martin Luther war es undenkbar, mit Huldreich bzw. Huldrych Zwingli und den anderen Schweizern
ein gemeinsames Abendmahl zu feiern und damit in der Konsequenz eine
gemeinsame Kirche zu gründen. Stattdessen wird berichtet, dass
Martin Luther eine Schere genommen hat und das Tischtuch zwischen
sich und dem Schweizer Reformator Zwingli zum Zeichen der Trennung
durchschnitten hat.
Martin
Luther hielt an
seiner Spezial-Theorie "in, mit und unter" fest, die jedoch
nicht erklärt, wie genau denn die Oblate zu einem "Leib" wird und
später unverzehrt wieder zur bloßen Oblate wird. Und diese Theorie
wurde auch weder von
den anderen Protestanten noch vom Papst und den Katholiken akzeptiert.
So entstanden also aus einer Kirche nun mindestens drei.
Also noch einmal in der Zusammenfassung:
Katholisch: Hostie = Leib
Lutherisch: "In, mit und unter" der Hostie ist während des
Kults der Leib
Reformiert: Die Hostie "bedeutet" der Leib, ist also ein
Symbol
Und wie ging es weiter? König
Friedrich-Wilhelm III. hatte - den sturen, uneinigen und sich
beargwöhnenden evangelischen Kirchen zum Trotz
- im
Jahr 1817 einfach eine
Abendmahlsgemeinschaft in Preußen zwischen Reformierten und
Lutherischen durchgesetzt. Und in anderen deutschen Ländern haben es andere
Herrscher, die genug vom Theologen-Gezänk hatten, ebenfalls so gehalten. Es entstand auf diese Weise eine neue,
eine dritte evangelische Großkirche, die
"unierte". Und da es aber neben den "Unierten"
eben weiter die
"Lutherischen" und die "Reformierten" gibt, die nicht mit dieser Union
einverstanden waren und sind, sind es ab diesem Zeitpunkt schon vier Großkirchen,
die aus diesem Konflikt heraus entstanden sind, darunter drei evangelische.
Also "Uniert": Beides ist möglich: Das lutherische oder das
reformierte Abendmahl. Es könne
so oder so verstanden und praktiziert werden.
Und das ist der Unterschied. 1529 hatte man wenigstens noch Klartext
gesprochen, auch wenn die Ansichten teilweise absurd und haarsträubend waren. Im 20. Jahrhundert
verbreitete sich dann das
schönrednerische Darumherum-Gerede immer mehr, das man 1529 so noch nicht
kannte. Unter diesen Voraussetzungen nahm man 1973 also noch
einen neuen Anlauf für eine innerevangelische
Abendmahlsgemeinschaft. Und diesmal klappte es. In der offiziellen
Bekenntnisschrift Leuenberger Konkordie (die diejenigen aus dem 16. Jahrhundert ergänzt)
heißt es deshalb wörtlich:
Im Abendmahl schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem
für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort
mit Brot und Wein. Er gewährt uns dadurch Vergebung der Sünden und
befreit uns zu einem neuen Leben aus Glauben. Er lässt uns neu
erfahren, dass wir Glieder an seinem Leibe sind. Er stärkt uns zum
Dienst an den Menschen.
16) Wenn wir das Abendmahl feiern, verkündigen wir den Tod Christi,
durch den Gott die Welt mit sich selbst versöhnt hat. Wir bekennen
die Gegenwart des auferstandenen Herrn unter uns. In der Freude
darüber, dass der Herr zu uns gekommen ist, warten wir auf seine
Zukunft in Herrlichkeit.
Das sind teilweise schön
klingende, aber mit intellektuellem Ballast völlig überladene Worte,
und sie bedeuten im Einzelnen folgendes:
In dem Augenblick,
in dem der Gläubige die Hostie im Mund zergehen lässt bzw. vom Wein
trinkt, soll mit ihm demnach nach neu formulierter evangelischer Lehre folgendes passieren:
1) Es schenkt sich ihm Christus
2) Die Sünden werden ihm vergeben
3) Er wird zu neuem Leben aus Glauben befreit
4) Er erfährt, dass er Glied am Leib Christi ist
5) Er wird zum Dienst an Menschen gestärkt
6) Er verkündigt den Tod von Christus
7) Er bekennt die Gegenwart des Auferstandenen
8) Er freut sich daran
9) Er wartet glaubend auf seine Wiederkunft
Während der gläubige Protestant also auf der Hostie kaut, würden
sich angeblich diese neun (!) "heilswirksamen" Dinge gleichzeitig
ereignen.
Lehrsatz Nr.
577 - "Wer leugnet, dass
im Sakrament der heiligsten Eucharistie wahrhaft, wirklich und
wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der Seele und mit der
Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und folglich der ganze Christus
enthalten ist, und behauptet, er sei in ihm nur wie im Zeichen, im Bild
oder in der Wirksamkeit, der sei ausgeschlossen." [Anmerkung: Das
bedeutet "später ewig in der Hölle verdammt"]
Lehrsatz Nr.
578
- Wer sagt, im hochheiligen Sakrament der Eucharistie bleibe die
Substanz von Brot und Wein zugleich mit dem Leib und Blut unseres Herrn
Jesus Christus bestehen, und wer jene wunderbare und einzigartige
Wandlung der ganzen Brotsubstanz in den Leib und der ganzen Weinsubstanz
in das Blut leugnet, wobei nur Gestalten von Brot und Wein bleiben -
diese Wandlung nennt die Kirche sehr treffend Wesensverwandlung
(transsubstantiatio) -, der sei ausgeschlossen.
Lehrsatz Nr. 580
- Wer sagt, im wunderbaren Sakrament der Eucharistie sei nach
vollzogener Weihe nicht der Leib und das Blut unseres Herrn Jesus
Christus, sondern nur beim Gebrauch, wenn es genossen wird, nicht aber
vorher und nachher, und in den geweihten Hostien oder Brotteilchen, die
nach der Kommunion aufbewahrt werden oder übrig bleiben, bleibe aber
nicht der wahre Leib des Herrn zurück, der sei ausgeschlossen.
Lehrsatz Nr. 582 - Wer sagt, ... man solle ihn [Christus in der Hostie] nicht
nach der lobenswerten und allgemein verbreiteten Sitte und Gewohnheit
der heiligen Kirche bei Prozessionen feierlich umhertragen oder nicht
öffentlich dem Volk zur Anbetung zeigen ... , der sei ausgeschlossen.
Lehrsatz Nr. 585 - Wer leugnet, jeder Christ beiderlei Geschlechts, der die
Jahre der Unterscheidung erreichte, müsse jedes Jahr wenigstens an
Ostern zur Kommunion gehen nach der Vorschrift der heiligen Mutter, der
Kirche, der sei ausgeschlossen.
Lehrsatz Nr.
587 - Wer sagt, der bloße Glaube sei eine hinreichende Vorbereitung
auf den Genuss des Sakraments der heiligen Eucharistie, der sei
ausgeschlossen. Damit ein so hohes Sakrament nicht unwürdig und so zum
Tod und zur Verdammung genossen werde, so bestimmt und erklärt diese
heilige Kirchenversammlung [Trient 1551], dass diejenigen, die das
Gewissen einer schweren Sünde beschuldigt, wie sehr sie auch glauben,
die Reue zu haben, doch notwendig vorher die sakramentale Beichte
ablegen müssen, wenn sie einen Beichtvater erreichen können.
Lehrsatz Nr. 607 - Wer sagt,
durch jene Worte "Tut dies zu meinem Andenken" habe Christus seine
Apostel nicht zu Priestern bestellt, oder nicht angeordnet, dass sie
selbst und die anderen Priester seinen Leib und sein Blut opferten, der
sei ausgeschlossen.
Lehrsatz Nr. 608
- Wer sagt, das Messopfer sei nur Lob- und Danksagung oder das bloße
Gedächtnis des Kreuzesopfers, nicht aber ein Sühneopfer; oder es bringe nur
dem Nutzen, der kommuniziere; und man dürfe es nicht für Lebende und
Verstorbene, für Sünden, Strafen, zur Genugtuung und für andere Nöte
aufopfern, der sei ausgeschlossen.
Und weiter heißt es im Katechismus der katholischen Kirche wörtlich:
"Als
Opfer wird die Eucharistie auch zur Vergebung der Sünden der
Lebenden und der Toten dargebracht und um von Gott geistliche und
zeitliche Wohltaten zu erlangen" (Katechismus der katholischen
Kirche, 1993, Nr. 1416). Das solle aber nicht
direkt die
Einnahme der Hostie durch den Gläubigen betreffen, sondern die angebliche
voraus gehende Verwandlung der Hostie in den "Leib Christi". Dieser
angebliche Vergebungs-Akt
soll also durch die Kult-Worte des Priesters, durch den Christus selbst
angeblich handle, bereits im Vorfeld der eigentlichen Einnahme der
Hostie geschehen. Richtig sicher könne sich der Katholik
demnach aber erst nach der persönlichen Lossprechung = Absolution durch den
Priester fühlen.
Allerdings sollen dann beim Abendmahl selbst auch bei den Katholiken "lässliche Sünden"
automatisch vergeben werden, wie immer man sich das genau
vorstellt.
Liebe
Leserinnen, liebe Leser! An dieser Stelle eine Zwischenfrage: Blicken Sie noch durch? Logisch
ist das alles nicht, und es nährt letztlich vor allem so
genannte "ekklesiogene Neurosen".
Um wie viel natürlicher und wohltuender ist es doch, wenn man in Dankbarkeit gegenüber Gott,
dem Schöpfer und Geber allen Lebens, eine Scheibe Brot isst und das Brot
auch mit seinem Nächsten teilt - ohne Kirche, ohne Priester, ohne Kult. ohne
so genannte Einsetzungsworte und
ohne Zeremonien.
Und, um es einmal klar zu sagen:
Vergebung der Sünden bekommt man dann, wenn man denjenigen, an dem
man schuldig geworden ist, um Vergebung bittet und wenn dieser einem
vergibt. Nur darauf kommt es an. Und so hat es auch Jesus gelehrt:
"Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm
auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter
überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis
geworfen werdest. Wahrlich, Ich sage dir: Du wirst nicht von dort
herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast"
(Matthäus 5, 25-26). Es kommt
also immer auf den Nächsten an. Und dazu braucht man überhaupt keine Kirche,
weder eine katholische noch eine evangelische noch eine orthodoxe
noch eine evangelische Freikirche.
So einfach ist
das.
Und praktisch gehen wir davon
aus, dass die angebliche Vergebung der Sünden bei den meisten
evangelischen Abendmahlsempfängern gar nicht im Bewusstsein ist,
auch wenn es der Pfarrer beim Verteilen der Hostie oder beim Halten
des Kelchs oft hinzu murmelt, zum Beispiel, indem er immer wieder
sagt "Zur Vergebung der Sünden, zur Vergebung der Sünden, zur
Vergebung der Sünden". Das macht die Sache jedoch nicht wahrer.
Insgesamt ist es vor allem ein diffuses sentimentales
Gemeinschaftsgefühl, das hierbei erzeugt wird, verbunden mit der
Selbstsuggestion einer angeblichen "Stärkung". Das übrige sind in
diesem Zusammenhang für den Einzelnen nicht sehr viel mehr als inhaltsleere kirchliche Worthülsen.
Doch hat Jesus wirklich so gesprochen wie es im
Matthäusevangelium heißt? Beim
Evangelisten Johannes stehen nicht einmal die Worte "für
viele" oder "für euch vergossen". Und auch Paulus wusste
im 1. Korintherbrief davon noch gar nichts. In erster Linie
lehrte Jesus die Dankbarkeit gegenüber Gott und den Gaben von Gottes
guter Schöpfung, den Gaben der Natur als Stärkung für Leib und
Seele, wie es zum Beispiel in Evangelien außerhalb der Bibel steht:
"Die Speise ist für den Leib. Ich
reiche sie euch als Symbol für die innere Stärkung" (Das
Evangelium Jesu, Kapitel 76).
Der Bibel-Matthäus war nun aber derjenige, der die
Lehre von Jesus so weit wie möglich an die jüdische Lehre anpassen
wollte. Deshalb hat dieser Bibelschreiber hier in dieses Ritual die
jüdische und heidnische Sühnopfer-Lehre hineinprojiziert. Doch sein Evangelium ist nicht
das ursprüngliche Matthäusevangelium. Der Bibelgelehrte Hieronymus (4.
Jahrhundert) wusste zum Beispiel noch von einem Ur-Matthäus,
dem
ursprünglichen hebräischen Matthäusevangelium, das dann durch den Bibel-Matthäus
in den Hintergrund gedrängt und letztlich ersetzt wurde. Dies ist alles wissenschaftlich
anerkannt. Die kirchliche Lehre entspricht also einem
bestimmten menschlichen Wunschdenken, nicht jedoch den
ursprünglichen Quellen.
Und es ist auch von
daher ein starkes Stück, was die Kirche hier lehrt. Da
gibt es allein schon in der Bibel fünf Berichte über diesen Vorgang.
Und nur einer hat die "Vergebung der Sünden" drin, und man kann sich
sogar denken, warum; welches Interesse den Schreiber also dazu trieb. Doch prompt pickt man sich für die
kirchliche Lehre diesen Bericht heraus, der hier nicht mit allen
anderen übereinstimmt. Aber auch dieser spricht nur beim Wein von
"Vergebung der Sünden"; nicht beim Brot. Und ausgerechnet diesen
dürfen die Katholiken ja nicht einmal trinken, denn sie lassen nur
den Priester trinken (der aber womöglich auch die meiste Vergebung
nötig hat).
Man sieht schon, hier
kommt man von einer Absurdität in die andere. Die kirchliche Lehre ist weder
logisch, noch funktioniert sie, noch hat sie etwas mit Jesus zu tun.
Es ist letztlich eine einzige Volksverdummung oder eben "Hokuspokus".
So könnte man jedem ehrlichen
Gottsucher nur raten: Bitten Sie einfach Ihren
Nächsten um Vergebung, und wenn es Ihnen schwer fällt, bitten Sie
zunächst Gott oder Christus in ihrem Inneren um tiefere Einsicht und Reue. Und umgekehrt: Vergeben Sie denen, die sich an
Ihnen
versündigt haben. Dann wird es lichter auf diesem Planeten. Ein
kirchliches Abendmahl brauchen Sie dazu nicht.
Der Kult ist nun wiederum einer der Vorläufer der heutigen Hubertusmessen der Kirche und der kirchlichen Segnung der Jägergesellschaft, und er reicht
eben bis in die
kirchliche Abendmahlslehre hinein, wo durch Verzehr des "Gottes" eine Art Vereinigung mit diesem Gott
erreicht werden solle - wie beim Götzen Baal. Die katholische und die lutherische Kirche
betrachten die Hostie als angeblichen "Leib Christi", und zwar ausdrücklich nicht
(!) symbolisch, sondern genau wie im Baalskult real und zwar in Form von "rohem Fleisch"
und ausdrücklich nicht in der Vorstellung, dass dieser angebliche Leib vor dem Verzehr
gebraten oder gekocht würde.
Im Baalskult gab es darüber hinaus ein Ritual, wonach die Göttergemahlin Anat den Gott Baal
aufessen würde (S. E209). Die Religionswissenschaftler gehen jedoch
davon aus "dass die
Rede über das Verschlingen Baals durch Anat ... nicht wörtlich, sondern
allegorisch oder metaphorisch zu verstehen sei" (S. E210). Dies
entspricht den späteren evangelisch-reformierten Vorstellungen, wonach
der Gläubige den Leib Christi nur symbolisch zu sich nehme. Es gibt jedoch auch
die wörtliche Deutung des Baals-Rituals, die dem römisch-katholischen
Verständnis entspricht.
Und die Parallelen gehen noch weiter. Anat würde "Fleisch und Blut" des Gottes
zu sich nehmen, der zu diesem Zeitpunkt "tot war oder für tot gehalten wurde",
und es handle sich deshalb bei Anat und Baal womöglich um das rituelle "Trinken
von Flüssigkeiten eines toten Körpers"
(S. E208). Auch
hier hätte die Kirche die Praxis des Baalskults übernommen und ihrer Lehre
angepasst. Denn auch nach kirchlicher Lehre erlangt nur das Blut des
gerade eben hingerichteten, also toten Jesus die kirchliche Heilsbedeutung. Es
muss also in der Kirche unbedingt das Blut seines "toten Körpers"
sein, nicht
etwa eine Art "Blutspende" des lebendigen Jesus von Nazareth für den Gläubigen.
Erst der Tod des kirchlichen "Gottes" bringe nach jener Lehre das "Heil", und
das kirchliche Sakrament würde nach jener Lehre makabrerweise überhaupt nicht wirken, wenn
Jesus die Kreuzigung überlebt hätte.
Und so wie im Baalskult die
Götter und die Priester "aus
goldenem Becher Blut(!) der Rebstöcke"
tranken, exakt so trinken die Pfarrer und Priester der Institutionen Kirche heute "aus goldenem Becher
Blut der Rebstöcke". Denn der kirchliche Abendmahlskelch ist in der Regel
aus Gold oder vergoldet,
und der darin dargebotene Wein wurde nach kirchlicher Lehre zuvor durch den Priester in reales "Blut"
verwandelt. Es handelt sich also genau wie beim Baalskult bzw. Baalkult um "Blut der
Rebstöcke" "aus goldenem Becher". Und auch in den lutherischen Kirchen gilt gemäß der Lehre Martin
Luthers, dass "in, mit und unter" dem Wein das "wahre Blut" von Jesus getrunken
werde. Und bei den Lutheristen sind die Becher in der Regel ebenfalls aus Gold. Es handelt sich bei der so genannten
Eucharistie bzw. dem kirchlichen Abendmahl also um puren Baalskult. Sogar die
Vorschrift, dass niemals eine Frau den goldenen Becher reichen dürfe, hat
sich bis heute in der römisch-katholischen Kirche erhalten, wo Priesterinnen
verboten sind. Wörtlich heißt es über den Baal-Priester: "Er
dient Baal, dem Mächtigen, ehrt den Fürsten, den Herrn der Erde. Er erhob
sich, legte vor und speiste ihn. Er zerteilte eine Brust vor ihm, mit
scharfen Messer das Vorderstück des Masttieres ... Er gibt den Becher in
seine Hand ... einen großen Humpen von gewaltigem Maß ... Einen heiligen Becher,
nicht darf ihn schauen eine Frau" (zit.
nach
Walter Beyerlin (Hrsg.): Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament,
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985,
S. 212).
Ein rituelles "Heiliges Mahl" mit Altar, Messdienern, rituellen
Gewändern, Hostien, Weihwasser, Weihrauch und einem "ewigen Licht" gab es
darüber hinaus im Mithraskult bzw. dem mithräischen Baalskult und
in anderen
antiken Mysterienkulten,
allesamt
Variationen des Baal-Kults. Von dort hat es
die Kirche übernommen und mit Inhalten aus der Jesus-Überlieferung
versetzt. Ähnlich wie später bei den Katholiken wurden auch im Mithras- bzw.
Baalkult im rituellen
Mahl in verschiedenen Varianten der jeweilige "Gott"
aufgegessen, damit sich der Gläubige auf diese Weise im Kult magisch mit ihm vereint. Bekannt
ist dies vor allem auch aus dem Dionysos-, Attiskult oder eben aus dem
Mithraskult bzw. dem mithräischen Baalskult bzw. Baalkult. Eine religiöse
Handlung war dabei folgende: "Der
Einzuweihende begab sich in eine Grube, um sich mit dem tropfenden
Stierblute besudeln zu lassen und so in einer sehr eindrucksvollen Zeremonie
das Tierische in ihm selbst zu transzendieren [Anmerkung = angeblich auf eine höhere
Bewusstseinsstufe zu heben]. Die Reinwaschung durch das Blut wurde später
vom Christentum übernommen: Durch das Blutvergießen Jesu wurden wir
(angeblich) von unseren Sünden erlöst, und heute noch wird jeden Sonntag in
den christlichen [in Wirklichkeit: "heidnischen"] Kirchen symbolisch das
Blut Christi getrunken, das uns vergeistigen soll. Der Petersdom in Rom
erhebt sich übrigens just an dieser Stelle, wo damals die Taurobolien
(Stieropfer) des Mithraskultes gefeiert wurden" (Zeitenschrift Nr.
7/1995).
Lesen Sie mehr dazu auch in Der Theologe Nr. 66 über Kaiser Konstantin, z.B. das Kapitel
Katholizismus ist Baalskult im kirchlichen Gewand
Foto rechts: Im
Mithraskult ist es der Gott Mithras selbst, der in Gestalt eines
"Jünglings" den Stier als
"heilsnotwendiges" Blutopfer massakriert. Ähnlich später im
Katholizismus. Dort gelten Gott und sein Sohn aber als zwei
"Personen" einer Gottheit (neben denen es noch eine dritte
"Person" geben soll, den
"Geist"), die angeblich selbst das
"heilsnotwendige"
Blutopfer vollzieht, indem sich die eine
Person dieser Gottheit (der
"Sohn") zur Sühne für eine der beiden anderen Personen (den so
genannten
"Vater") durch Kreuzigung massakrieren lässt. Mit dieser ab dem
Jahr 100 entstandenen Theorie, auf welcher die neue katholische
Staatsreligion aufbaut, hat man Jesus von Nazareth und Seine Lehre eines
liebenden
"Gott-Vaters" in den Sumpf des Baalkults und anderer Opferkulte
hinunter gezogen. Und mit der Mithras-Statue in den Vatikanischen Museen
zeigt der Katholizismus unfreiwillig sein wahres Gesicht.
(Wikimedia-Commons Lizenz, Daniel CD 2004)
Und wie später vom Katholizismus übernommen, glaubten auch
die
Anhänger des Gottes Osiris, beim "heiligen Mahl" tatsächlich das
"Fleisch" des für sie geopferten Gottes zu essen. Und für das
Mahl bei Mithras gilt: "Im Brot und Wein des Altars teilt sich den Gläubigen
die Mithraskraft mit, die den Leib heiligt, aber als Seelennahrung zugleich
den Geist befeuert".
Auch die äußere Form der katholischen Messe wurde bis in
Einzelheiten hinein aus antiken Mysterienkulten übernommen: Altar,
Ministranten, Händefalten, Hinknien, Glöckchen usw. sind von vorne bis
hinten Abkupferungen aus heidnischen Kulten.
Die Gleichheit der Zeremonien, Inhalte und Kultgegenstände geht also bis ins Detail. So
werden die Hostien in der römisch-katholischen Kirche in einer Monstranz
aufbewahrt, genauso wie einst im Mithraskult. Und die katholische Monstranz zeigt
bis heute in ihrer Form eine goldene Sonne, als Symbol für den "sol invictus", den
obersten Gott des mithräischen Baalskults (Zeitenschrift Nr. 7/1995).
Und wie früher im Mithraskult das "Sakrament" des "heiligen Mahles" gefeiert
wird, so kennt man es auch heute in den Großkirchen. Bei Mithras war es so: "Priester reichen Brotscheiben, die mit
dem Kreuzeszeichen [Anmerkung: Der horizontale und der vertikale
Balken des Kreuzes hat in vielen Kulten eine symbolische Bedeutung] versehen
sind und die im heiligen Mahl zu konsekrierenden Hostien darstellen. Es war
ganz und gar üblich, in den Mithrastempeln Brot und Wasser zu verwenden,
über die der Priester bestimmte Formeln sprach. In späteren Zeiten wurde
anstelle des Wasser Wein verwendet." Und in unserer Zeit führt auf
diese Weise nun der
Katholizismus den antiken Baalskult weiter.
Jesus hingegen kannte kein solches Zeremonienwerk.
Foto links: Katholische Monstranz, nahezu identisch
aus dem mithräischen Baalskult übernommen. Die Sonne ist das Symbol des "Sol
invictus", des höchsten Gottes des Baalskults (Wikimedia
Commons-Lizenz, Dornicke 2008)
Jesus führte die Menschen auch niemals in Kirchen aus Stein - im Gegensatz
zu den katholischen, orthodoxen und evangelischen Institutionen. Steinerne
Prachtbauten und goldverbrämte Kirchen werden im kirchlichen Christentum wie in antiken Vielgötter-Kulten als Häuser
bzw. Dome Gottes verehrt, obwohl der Gottesbote Stephanus eindeutig
sprach: "Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen
gemacht sind, wie der Prophet spricht (Jesaja 66, 1-2): ´Der Himmel ist Mein
Thron und die Erde der Schemel Meiner Füße; was wollt ihr Mir denn für ein
Haus bauen`, spricht der Herr, oder ´was ist die Stätte Meiner Ruhe´?"
(Apostelgeschichte 7, 48-50).
Die
Gegenwart Gottes in allen Lebensformen wird
von der Kirche abgelehnt, obwohl auch davon noch hier und da in der
Bibel berichtet wird, zum Beispiel wenn es heißt: "Er [Gott] ist nicht ferne von
einem jeden von uns. Denn in Ihm leben, weben und sind wir"
(Apostelgeschichte 17, 27). Denn um diese Gegenwart zu erleben, braucht es keinen Kult,
keine Zeremonien und keine Priester. Deshalb wird die Kirche diesen
Glauben immer ablehnen. Stattdessen wird immer versucht, Gott in einer von einem Priester "verwandelten"
Hostie (dem angeblichen "Leib Christi") dingfest zu machen. Und er wird als solcher in einem
so genannten Tabernakel (einem Hostienschrank) bzw. einem angeblich "heiligen
Gefäß", der Monstranz, in einem Steinhaus, aufbewahrt bzw. in einer solchen Monstranz von kirchlichen Amtsträgern durch die Gegend getragen. Ein vergleichbares magisches Brimborium wurde
ansonsten immer auch durch heidnische Priester veranstaltet.
Wer nicht an das "wahre Fleisch" glaubt, soll dafür in eine "ewige Hölle"
Kommen wir noch einmal zurück zum eigentlichen "Sakrament", wie es die Kirche nennt. Beim kirchlichen Abendmahlssakrament wird nun das aus einer einfachen Backoblate "umgewandelte" Fleisch von Jesus, der "Leib Christi", am Ende vom Gläubigen gegessen. Und diese Zeremonie wird nun nicht etwa als symbolisches Essen des "Leibes Christi" verstanden (wie z. B. in der evangelisch-reformierten Kirche in der Schweiz), sondern sie wird als tatsächlicher Verzehr eines Stückes "Körper" von Jesus gedeutet, worauf man immer wieder hinweisen muss. Dies gilt auch für die lutherischen Christen, bei denen der "Zauber" allerdings nur während der Abendmahlshandlung anhalten soll und für welche die Oblate trotz ihrer neuen Funktion als "Leib Christi" auch ihre alte Funktion als schlichte Oblate beibehält. Deswegen ist für die Lutheraner die Oblate nach dem Abschluss der kirchlichen Handlung auch nur mehr wieder eine bloße Backoblate. Anders bei den Katholiken: Für sie bleibt die von einem katholischen Priester einmal "umgewandelte" Oblate für alle Zeiten ein Stück vom "Leib Christi" und ein umgewandelter "Wein" bliebe für immer das "Blut Christi". Knabbert also z.B. eine Maus in der staubigen Sakristei einer katholischen Kirche an einer Hostie, hat sie den "Leib Christi" aufgenommen. Knabbert sie jedoch in der verstaubten Sakristei einer evangelischen Kirche daran, dann hat sie nur eine Oblate angeknabbert.
|
"Und dass das Passa etwas Geistiges ist
und nicht dieses sinnlich wahrnehmbare Geschehen,
sagt er [Christus] selbst:
´Wenn ihr mein Fleisch nicht esst und mein Blut nicht trinkt, habt ihr
kein
Leben in euch.` [Joh. 6, 52-54]
Müssen wir etwa auf sinnlich wahrnehmbare Weise sein Fleisch verzehren
und sein Blut trinken? Wenn er dies aber mit geistiger Bedeutung sagt,
ist das Passa geistig
und nicht mit den [äußeren] Sinnen
wahrzunehmen." |
Der Unterscheid zwischen
katholisch und evangelisch erweist
sich z.B. in der konfessionellen Klinikseelsorge für die Katholiken als
sehr praktisch: Während der
katholische Priester die angeblich ein für allemal in den Leib Christi
"verwandelte" Oblate einfach
von Krankenzimmer zu Krankenzimmer tragen kann, muss der lutherische Pfarrer
in jedem Krankenzimmer mit dem ganzen Ritual komplett von vorne beginnen.
Mit Jesus von Nazareth, dessen Leib dabei in beiden Praktiken verzehrt werden
soll, hat dieser Kult in beiden Varianten jedoch nicht das Geringste zu tun.
Jesus traf sich, wie gesagt, mit Seinen Jüngern zu einem feierlichen Essen und erinnerte
daran, wie Er Sich und Sein Leben - gleich der Mutter Erde - bedingungslos
hingibt für Seine Nächsten. Und da das Leben in allem ist - im Menschen wie
in den Früchten der Erde - kann ein gemeinsames Mahl auch zum Symbol für das
Schicksal eines Menschen oder einer Gemeinschaft werden. Die Kirche jedoch
machte einen materialistischen Götzenkult daraus, der den Gläubigen teilweise
absurdes Denken abverlangt. So muss der Katholik glauben, dass die
"ganze
Brotsubstanz" sich in der Oblate komplett in den Körper von Jesus
verwandle. Die bisherige "Substanz von Brot"
und damit dessen bisheriges "Wesen" solle komplett
verloren gehen, während jedoch die chemische Zusammensetzung des
Kultobjektes unverändert bleiben soll, was man ja auch in jedem
entsprechenden Lebensmittel-Labor nachweisen kann. Glaubt der Katholik diese gesamte
Konstruktion nicht, käme
er für diesen seine Unglauben angeblich in die ewige Hölle
(siehe z.B. bei Neuner-Roos).
Hält man dem Gläubigen dann aber folgerichtig vor, nach seinem
eigenen Glauben habe er jetzt wie ein Kannibale ein Stück
"Menschenfleisch"
gegessen, dann wird er dies in den meisten Fällen
von
sich weisen, weil ihm diese Vorstellung vermutlich unheimlich ist. Und doch ist sie
logisch, auch wenn die theologischen Wortakrobaten in den Kirchen dazu mit
anderen Worten ihre
eigene absurde Logik zu konstruieren versuchen. So bleibt
am Ende nur die jeweilige Erfahrung des einzelnen Gläubigen, der
aber auch nicht immer das erlebt, was er kirchlicherseits erleben sollte.
Beispiel: Der als "Kannibale von Rotenburg" bekannt gewordene Kirchenchrist
Armin Meiwes fühlte sich zum Beispiel beim Verzehr seines von ihm zuvor
geschlachteten Bekannten Bernd Brandes
ähnlich wie beim kirchlichen Abendmahl, das er seit vielen Jahren zu sich
genommen hatte. Und die Kirchenführer haben das gar nicht gerne gehört.
Wie materieverhaftet und todesbezogen der Kirchenglaube sein kann, zeigt
sich weiterhin daran, dass dieses Ritual bzw. Sakrament des
"eucharistischen
Opfers"
auch für die verstorbenen Gläubigen dargebracht wird, "die
noch nicht vollständig gereinigt sind", also für
die römisch-katholischen Seelen im so genannten Fegefeuer, damit sie in das
"Reich Christi, in das Reich des
Lichtes und des Friedens" eingehen können
(Katholischer Katechismus Nr. 1371). Dass die irdische
katholische Kulthandlung der jenseitige Türöffner vom dortigen Fegefeuer in
ein jenseitiges Reich des Friedens sein soll, ist für einen Menschen, der seinen
Verstand gebraucht - gelinde gesagt - eine "kühne Vorstellung". Bei einer weniger populären
Religionsgemeinschaft würde es wohl gleich als Scharlatanerie und
Bauernfängerei verspottet werden. Im Katechismus der Katholischen Kirche
heißt es jedoch dazu: "Wir glauben nämlich, dass die Seelen, für welche während des
heiligen, erhabensten Opfers gebetet wird, sehr großen Nutzen davon haben"
(Nr. 1371).
Dass ein Gebet Nutzen bringen kann, soll hier gar nicht bestritten
werden; nämlich dann, wenn es sich um ein Herzensgebet handelt, welches mit
dem sonstigen Leben des Beters übereinstimmt. Doch nach katholischer Lehre
muss es lediglich während der Eucharistie gesprochen werden, um den
"großen Nutzen" zu erzielen.
Wohin das führen kann, zeigen zum Beispiel so genannte "Arme-Seelen-Zählgeräte", die es bis vor kurzem unter
anderem im katholischen Bayern
gab und welche der Beter bei der Totenmesse für den Verstorbenen bedienen
konnte. Das Gerät zeigt die Anzahl der bis dahin gesprochenen jeweiligen Gebete an, denn es gilt hier das Prinzip:
Je mehr, desto besser. Ein solches Denken öffnet Fanatikern Tür und Tor und
kann zu schweren Zwangsneurosen führen. Denn welcher daran Glaubende wagt schon zu sagen, wann
genug gebetet wurde.
Ist Hostienschändung schlimmer als Kinderschändung?
Für die Kirche ist das Abendmahl dabei immer
auch mit massiven Emotionen verbunden.
So wurde ein Gläubiger einmal von einem Dekan körperlich angegriffen, weil
er die in Empfang genommene Hostie nicht sogleich in den Mund steckte.
Einer dpa-Meldung vom 12.1.2007 zufolge hatte der
Stadtdekan
Johannes zu Eltz während einer Messe in der Bonifatiuskirche in Wiesbaden einen Gläubigen geschlagen,
nachdem sich dieser
die zuvor vom Würdenträger ausgeteilte Oblate nicht katholisch korrekt in den Mund
schob, sondern nur an ihr geknabbert und sie dann in seine Tasche gesteckt
hatte. Daraufhin soll der Priester laut gerufen haben "Wo ist die Oblate, wo ist
die Oblate?" Außerdem habe er den Mann unmittelbar im Anschluss daran und also
noch während der Eucharistiefeier so kräftig geschlagen, dass dieser mehrere Prellungen am
ganzen Körper erlitt und danach einen geschwollenen Knöchel hatte. Nach Aussage des
Geistlichen hätte der Würdenträger den Gläubigen aber nur in "Notwehr"
"festgehalten", weil der Gläubige
seinerseits zuvor den Dekan getreten hätte (Frankfurter Rundschau, 13.1.2007).
Auch andere Gläubige hätten dem Mann "die Arme auseinander gezogen". Ob dieser "die Hostie letztlich mitgenommen oder doch gegessen hat, konnten weder
Staatsanwaltschaft noch Bistum sagen", schreibt dpa weiter.
Was ist der kirchliche Hintergrund für diese
Prügelei bzw. tätlichen Auseinandersetzungen während der Eucharistiefeier? Nach
römisch-katholischem Glauben wird die Oblate durch die katholischen angeblichen
Wandlungsworte des Priesters
real in Fleisch vom Körper von Jesus verwandelt, was für viele Nichtkatholiken,
aber auch für manche Katholiken
eine wenig appetitliche und kannibalische Vorstellung ist. Für die
Katholiken ist das Ergebnis dieser so genannten "Transsubstantiation" dann
angeblich real der "Leib Christi" (siehe dazu oben "Die gültige
katholische Lehre"). Und diesen zum Beispiel in
einer Tasche mit aus der Kirche hinaus zu nehmen, gilt nach katholischem Recht als "sehr schwere Sünde".
Der Kirchenbesucher erklärte dazu: "Ich wollte sie mir zu Hause
mal näher angucken."
Was der Mann dabei vermutlich unterschätzte: "Im katholischen Kirchenrecht ist das die schwerste
Straftat, die man begehen kann", erläutert dazu Thomas Schüller, der
Kirchenrechtler der Diözese Limburg. Das Eingreifen des katholischen Dekans
sei notwendig gewesen, wenn auch nicht der körperliche Kontakt (Frankfurter
Rundschau, 13.1.2007). Und im Jahr 2010 wurde der Stadtdekan von
Wiesbaden zum Stadtdekan von Frankfurt am Main befördert. Sein Tun stand
seiner weiteren Karriere also nicht im Wege, wie mancher liberale Katholik
vielleicht glauben könnte. Das Gegenteil ist der Fall.
Dabei hatte der Wiesbadener Gottesdienstbesucher noch Glück.
Seine Absicht, sich die Hostie zuhause mal näher anzuschauen, wäre früher
womöglich sein Todesurteil gewesen. Und auch in unserer Zeit erstattete die
katholische Kirche Fall Strafanzeige wegen "Störung der Religionsausübung".
Doch umgekehrt zeigte der
Gläubige auch den in der katholischen Hierarchie "obersten" Priester der
Landeshauptstadt Wiesbaden wegen "gefährlicher Körperverletzung" an.
Er sieht nicht ein, wie dreist die Kirche hier wieder einmal Täter und Opfer
vertauschte und ihn zum "Täter" erklärte, obwohl er es war, der das
Kirchengebäude nur verwundet verlassen konnte. In früherer Zeit waren
es vor allem die jüdischen Mitbürger, denen immer wieder "Hostienschändung"
unterstellt wurde, und sie wurden dafür verfolgt und hingerichtet.
Und auch heute gewinnt man den Eindruck, dass Hostienschändung für die
Kirchenverantwortlichen immer noch schlimmer ist als zum Beispiel Kinderschändung.
Gegen das eine geht man martialisch vor, die Verbrechen an den Kindern
wurden jedoch vieltausendfach vertuscht und werden trotz unzähliger
Selbstmorde und Traumatisierungen von Missbrauchten immer noch klein
geredet. Doch während das kultische
"Delikt" "Hostienschändung"
bzw. "Hostienfrevel" vom deutschen Staat heute nicht mehr als ein
solches massives Verbrechen betrachtet wird, sieht es in manchen anderen
Ländern noch ganz anders aus.
Gläubige hatte Hostie auf die Kirchenbank gelegt: Vier Jahre Haft ohne Bewährung
Einige
Beispiele aus unserer Zeit [21. Jahrhundert] aus Indonesien:
Ein muslimischer Händler
"empfing" die Oblate und nahm sie mit nach draußen. Urteil: Sieben Jahre Haft
ohne Bewährung. In "Selbstjustiz" zündeten die
katholischen Gottesdienstbesucher zudem alle Verkaufsbuden auswärtiger moslemischer Händler
in Brand (zum Sachverhalt: siehe Vatikanradio, 12.4.2002).
Einem katholischen
Mädchen fiel die Hostie beim Empfang auf den Boden. Darauf hin wurde sie von
anderen Gottesdienstbesuchern tätlich angegriffen. Möglicherweise drohte
eine "Lynchjustiz". Unter den Angreifern und den Beschützern des
verängstigten Mädchens kam es zu schweren Ausschreitungen (zum Sachverhalt: siehe
Vatikanradio, 12.4.2002).
Eine Frau hat die Oblate
in der Kirchenbank aus dem Mund genommen und unter ihren Sitzplatz gelegt. Warum,
wird nicht berichtet. Urteil:
Vier Jahre Haft ohne Bewährung (zum Sachverhalt: siehe Vatikanradio,
29.6.2002).
Ein junger Protestant ging
mit seiner römisch-katholischen Freundin zur Messe. Aus unbekannten Gründen
steckte er ebenfalls die Hostie nicht in den Mund, worauf hin die
Gottesdienstbesucher auf ihn losgingen. Seine Gesundheit und sein Leben waren
jetzt in Gefahr. Die Polizei wurde gerufen und konnte den Mann erst durch
Abfeuern von Schüssen in die Luft aus der Gewalt der Katholiken befreien. Darauf
hin stürmten die Katholiken die Polizeistation und brannten sie nieder,
ebenfalls das Polizeiauto. Auch die beiden benachbarten Polizeistationen
wurden anschließend von den aufgrund des Hostien-Vorfalls randalierenden Katholiken niedergebrannt, es gab viele
Verletzte (The Jakarta Post,
Sinar Indonesia Baru, 9.2.2005).
Dies ist nur eine kleine Auswahl unter Dutzenden von ähnlichen
Gewaltausbrüchen.
Und in keinem Fall hat offenbar der Vatikan eingegriffen, um die Richter zu
milderen Urteilen zu bewegen. Als
"aufgeklärter" Europäer mag man vielleicht vermuten: In Deutschland wäre das
aber nicht mehr möglich. Doch was ist mit dem Stadtdekan von Wiesbaden, der
mittlerweile zum Stadtdekan von Frankfurt befördert wurde?
Zwar hatte der Amtsträger damals "angeboten", sich "dafür zu entschuldigen"
(Frankfurter Rundschau, 13.1.2007). Doch wozu wären Priester im
religiösen Eifer noch alles fähig?
Und wie beurteilen zum Beispiel die deutschen (!) katholischen Missionare in Indonesien die
Strafmaßnahmen gegen "Hostienfrevel" in ihrem Gastland? Diese
missbilligten nun nicht etwa die siebenjährige Kerkerhaft für den Muslim, der eine
Hostie mit nach draußen nehmen wollte, sondern sie schrieben auf ihrer Homepage:
"Das Urteil beschämt so manche deutsche Richter, die die
Verunglimpfung christlicher Symbole und Werte zumeist ´auf
Kosten der Staatskasse` einstellen"
(Ursprüngliche Quelle www.steyler.de/content/de/aktuell/nachrichten/02/nachrichten-2002-09-02.php4
nicht mehr erreichbar). Mit anderen Worten: In Deutschland solle sich die Justiz
einmal ein Beispiel an den
indonesischen Richtern nehmen - sieben Jahre Kerkerhaft für den nicht
unmittelbaren Verzehr der Kirchenhostie. Hier verschlägt es so manchem Kirchenkritiker
die Sprache. Und es zeigt: Die Gefahren für Andersdenkende sind immer noch
real, denn die deutschen Politiker loben, fördern und privilegieren den
Katholizismus neben dem Protestantismus in übermäßiger Weise und behandeln ihn
immer noch wie eine Staatsreligion. Doch wohin kann solches wieder führen?
Im Grunde genommen bestätigen diese Vorfälle
um die Hostie die Analyse des bekannten deutschen
Philosophen Karl Jaspers in seinem Werk
Der philosophische Glaube: Der "biblisch fundierte
Ausschließlichkeitsanspruch" der Kirchen stehe nach wie vor "ständig
auf dem Sprung, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen" (9. Auflage,
1988, Seite 73).
Doch damit nicht genug. Der Tübinger Religionswissenschafter Günter Kehrer
erklärt gemäß einer dpa-Meldung vom 5.2.2006, dass der falsche Umgang mit
der Hostie nicht nur die "schwerste Straftat" nach dem Kirchenrecht sei. Sondern es gilt darüber hinaus:
"Hostienschändung ist [im
Katholizismus] eine Sünde, die nie vergeben werden kann, für sie gibt es
ewiges Fegefeuer [also ewige nie endende qualvolle Höllenschmerzen]. Dagegen ist Gott im Islam barmherzig, es gibt nichts, was
nicht verziehen werden könnte."
|
Aus den hier dokumentierten Fakten und Glaubensdokumenten ergibt sich: Für einen überzeugten Katholiken ist Hostienschändung schlimmer als Kinderschändung. (PS: Bereits Tausende von katholischen Priestern haben Kinder sexuell missbraucht; siehe z. B. http://app.bishop-accountability.org/member/index.jsp und unsere vielen Meldungen hier) Sehen Sie das auch so? Dann bleiben Sie katholisch. Oder sehen Sie das nicht so? |
An dieser Stelle sei deshalb noch einmal darauf hingewiesen. Der katholische Kult ist eben katholisch. Aber mit Jesus, dem Christus, und mit dem Gott, den Jesus uns lehrte, hat der Katholizismus nichts zu tun. Auch der Protestantismus nicht, der zum Beispiel den freien Willen in Glaubensdingen leugnet und der die deshalb unfreiwillig Nichtglaubenden ebenfalls ewig verdammen will. Der Gott, den Jesus lehrte, ist demgegenüber ein barmherziger Gott, der keines Seiner Kinder in ein ewiges Fegefeuer oder eine ewige Hölle schickt, wie dies die Katholiken bzw. Protestanten lehren (siehe dazu "Der Theologe Nr. 19" - Es gibt keine ewige Verdammnis). Und auch der spezielle katholische "Hostienzauber" hat nichts mit Gott und Christus zu tun. Es handelt sich stattdessen um einen sehr gefährlichen Götzenkult, dessen Vorläufer aus dem Vielgötter-Glauben auch in anderen Kulten nachweisbar sind.
Hygieneüberlegung: Wer hat "schmutzige Hände"?
An dieser Stelle noch eine Überlegung über die
Ausgestaltung des katholischen Sakramente-Rituals: Juan Luis Kardinal Cipriani, der Erzbischof von
Lima (Peru), zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten Kirchenmännern der
Welt. Er hatte im Jahr 2009 beim kirchlichen Abendmahl, auf katholischer Seite
"Eucharistie" genannt, klar für die so genannte "Mundkommunion" im
Unterschied zur "Handkommunion" Stellung bezogen. Dabei legt der Priester den
Gläubigen die Oblate auf die Zunge. Bei der Handkommunion gibt er ihm die Oblate
stattdessen in die Hand, und der Gläubige führt seine eigene Hand mit der Oblate
zum Mund.
Der Kardinal zu diesem Thema wörtlich: "Wir empfangen die Heilige Eucharistie auf der Zunge.
Damit vermeiden wir, dass unsere schmutzigen Händen in Kontakt mit dem Leib
Christi kommen. In dieser Erzdiözese gibt es noch die Erlaubnis, dass die
Eucharistie mit der Hand empfangen werden kann. Ich sagte ´gibt es noch`, weil
ich mehr und mehr Priester und Gläubige ermutige, den sichtbaren Respekt
gegenüber den Leib Christi zu zeigen und diesen nicht einfach auszuteilen als ob
man einige Papiere verteilt" (zit. nach kath.net, 3.9.2009).
Mit dieser Praxis würde zugegebenermaßen vermieden, dass die "schmutzigen Hände" des
Gläubigen mit der Hostie in Berührung kommen. Die Bedenken vor den "schmutzigen
Händen" des Gläubigen werfen aber unweigerlich auch die Frage auf: Was aber ist
dann mit den "schmutzigen
Händen" des Priesters? Muss man, wenn man schon in diesem
Zusammenhang von "schmutzigen
Händen" spricht, dann nicht vor allem dies bedenken?
Denn der Empfänger der Hostie hat doch nun wirklich kein hygienisches
Problem damit, die Hostie mit seinen eigenen (!) Händen anzufassen. Dies tut er ja
auch, wenn er ein Stück Brot isst. Dass aber ein anderer (!), in diesem Fall der
Priester, die Hostie vor dem Verzehr mit seinen Händen anfasst, ist doch das weitaus größere
hygienische Problem. Und dies ist für viele Menschen schlicht ein Unding; da nämlich auf diese
Weise zwangsläufig Bakterien, Viren oder Körperzellen eines Dritten in den
eigenen Körper gelangen! Aus diesem Grund essen die meisten Menschen ja auch grundsätzlich
einem anderen nicht aus der Hand, und dieses Verhalten macht auch Sinn.
Um eine Berührung der Hostie durch "schmutzige Hände" generell zu
vermeiden, gäbe es nun grundsätzlich die Möglichkeit, dass der Priester bei der Austeilung der
Eucharistie Handschuhe verwenden würde, wenn er die Hostie den Gläubigen auf die Zunge legt. Hier könnte man zum
Beispiel an
Stoffhandschuhe denken, die nach jeder Eucharistiefeier gewaschen oder auch
entsorgt werden
könnten. Oder man könnte an Gummihandschuhe denken,
wie sie auch in anderen Dienstleistungsbereichen verwendet werden, die eine
bestimmte Hygiene erfordern und in denen der damit Arbeitende mehr Gefühl in den
Händen hat als zum Beispiel bei Stoffhandschuhen. Auch in vielen
Lebensmittelverkaufsstellen ist dies längst Standard. Hier werden in der Regel
transparente Handschuhe aus Plastik verwendet. Doch diese hygienischen
Überlegungen gibt es in der Kirche gar nicht. Da überlegt man stattdessen, was
man tun könne, damit der Gläubige die Oblate nicht mit seinen eigenen Händen
berührt. Folglich werden immer kleinere Mengen an
Körperzellen und Bakterien vom Priester über die Hostie in den Gläubigen
übertragen.
So könnte man auch fragen: Warum lässt
die Kirche die Hostie dann nicht zum Beispiel auf einem Tablett darreichen, und der
Gläubige nimmt sie sich selbst? Und wenn der Hostienempfänger oder
"Kommunikant" dabei "schmutzige" Hände haben sollte, was der Kardinal Erzbischof
von Lima fürchtet, dann sind es wenigstens seine eigenen (!) Hände und nicht der
Schmutz eines Dritten.
Hierzu nun noch eine weitere
Überlegung:
Laut römisch-katholischer Lehre hat jeder Priester seit seiner Weihe den so
genannten "character indelebilis", einen angeblich "unzerstörbaren"
Weihe-Charakter. Und dieser soll auch dann nicht verloren gehen, wenn es sich zum
Beispiel um einen
pädophilen Priester handelt, der seine verbrecherischen Neigungen im
Verborgenen auch praktiziert.
Was könnte dies nun für das Abendmahl bedeuten? Nun gibt es schon ein kleines Hygieneproblem bei
der einfachen Austeilung der Hostie durch den Priester.
Wie ist das aber dann
bei einem pädophilen Priester? Aus einzelnen erschütternden Opferberichten ist
nämlich
bekannt, dass Jungen und Mädchen von Priestern sogar in der Sakristei der Kirche
unsittlich berührt oder gar vergewaltigt worden sind, unmittelbar vor oder nach der
Eucharistie, bzw. dass dort
bei dieser Gelegenheit auch Oralverkehr
oder Analverkehr praktiziert wurde.
Doch wie immer die einzelnen Verbrechen oder prinzipiell nicht strafbaren
Handlungen sich ereignet haben - vor oder nach der Messe standen sie immer auch
mit den Handlungen im unmittelbar angrenzenden Gottesdienstraum in zeitnaher Verbindung, bei welchen der
Priester eben mit seinen Händen die Oblate austeilt, "Respekt vor der Hostie" hin
oder her.
Auch von daher ist es gerade in unserer Zeit, in der Tausende von Priestern
wegen Kindsmissbrauch angeklagt sind, abwegig, wenn ein ranghoher Kardinal die
"schmutzigen Hände" des Gläubigen als Problem sieht, nicht jedoch den
Priester und dessen Hände.
Oder gilt hier am Ende, dass der "character
indelebilis" des Priesters in diesem Fall sozusagen "schmutzige Hände"
ausreichend neutralisieren könne, so dass man bei der Frage "Mundkommunion" oder
"Handkommunion" die Person des Priesters ausklammern könne? Dies würde sicher
niemand ernsthaft tun.
Jesus lehrte keine Austeilung von Hostien
Und bedenken wir an dieser Stelle abschließend auch noch einmal ganz klar: Jesus von Nazareth hat niemals das Verteilen von Hostien gelehrt,
sondern Er hat mit Seinen Jüngern ein richtiges Mahl mit Essen und Trinken eingenommen.
Die ritualisierte katholische Eucharistie stammt demgegenüber aus antiken
Götzen-Kulten, in erster Linie dem Baalskult. Es handelt sich also bei einer Hostie niemals um einen so
genannten "Leib Christi", weil der ganze kirchliche Kult nichts mit Ihm,
dem Christus, zu tun
hat. Und so sprach Jesus auch gemäß der Bibel der Kirche: "Der Geist ist´s, der
lebendig macht, das Fleisch ist nichts nütze" (Johannesevangelium 6, 63)
und vieles ähnliche mehr. Das heißt: Alle Veräußerlichungen wie Sakramente,
Rituale, Zeremonien und dergleichen sind letztlich Schall und Rauch.
Und so sprach Jesus, der
Christus, auch deutliche Worte zu den Theologen Seiner Zeit und zu deren
äußeren Kulten und Riten. So sagte Er: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind
sie voller Raub und Gier! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des
Bechers, damit auch das Äußere rein wird! Weh euch, Schriftgelehrte und
Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen
hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat. So
auch ihr, von außen scheint ihr fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und
Unrecht" (Matthäusevangelium 23, 25-27). Und ist es heute anders?
Das Hokuspokus der Eucharistie
Während also Jesus mit Seinen Jüngern ein
Gemeinschaftsmahl feierte, ist die Eucharistie im wahrsten Wortsinn ein
"Hokuspokus". Denn
es spricht sehr vieles dafür, dass das Wort "Hokuspokus" im Zusammenhang mit der
Eucharistie entstanden ist. Es wird allerdings noch eine andere Erklärung
angeboten, nämlich dass das "Hocus pocus" "Taschenspieler" bedeutet.
Das Wort tauchte im 17. Jahrhundert zuerst in England auf, und der Prälat John
Tillotson schrieb 1694,
"bei aller Wahrscheinlichkeit" ("in all
probability") sei hocus pocus "nothing else but a corruption of hoc est corpus,
by way of ridiculous imitation of the priests of the Church of Rome in their
trick of Transubstantiation" (= "nicht anderes als eine Korruption von ´Dies ist
Leib` in Form einer lächerlich machenden Nachahmung der Priester der römischen
Kirche bei ihrem Trick der Transsubstantiation"). (zit. nach Wikipedia, Stand:
25.9.2012)
Zur Erinnerung: "Transsubstantiation" ist das katholisch-theologische
Fach-Fremdwort für die angebliche Verwandlung einer Oblate in den "Leib" von
Christus.
Der gesamte Sachverhalt ist bei
Wikipedia wie folgt
beschrieben:
"Hokuspokus,
auch: hocus pocus fidibus
(pseudolateinische Neuschöpfung
des 17. Jahrhunderts)
ist ein Zauberspruch, dessen Bedeutung nicht einwandfrei geklärt ist ... Eine
weitverbreitete – und auch in etymologischen
Lexika zu findende – Theorie sieht
einen Zusammenhang mit der Eucharistiefeier in der katholischen Kirche, die bis
zum Zweiten Vatikanischen Konzil zumeist in lateinischer Sprache gehalten wurde.
Der Priester spricht dabei während der Wandlung die Konsekrationsformel:
Hoc est
enim corpus meum, deutsch: ´Denn
dies ist mein Leib.`
Gemeint ist der Leib Jesu Christi. Die Menschen in der Kirche, die kein Latein
verstanden, hörten nur so etwas wie Hokuspokus. Da nach katholischem Verständnis
etwas verwandelt wird – nämlich die Hostie in den Leib Jesu Christi – war der
Zauberspruch geschaffen. Andere vermuten in diesem Zusammenhang eine absichtliche
Verballhornung der katholischen Zeremonie durch Teile der reformatorischen
Kirchen, die bestrebt waren, das Latein in den Gottesdiensten durch die
regionale Sprache abzulösen."
Für die andere, die
Taschenspieler-Erklärung, wird als Argument das Buch
Hocus Pocus Iunior. The anatomie of
Legerdemain
von
Elias Piluland (1634) genannt.
Die deutsche Übersetzung lautet
Hocus Pocus oder Taschen-Spieler, darin die Kunst auß der Taschen zu spielen gar
deutlich beschrieben wird; auch mit schönen Figuren erklärt, daß ein Unwissender
hierauß nach weniger Übung dieselbe Kunst völlig erlernen könne.
In Deutsch erschien um 1675 weiterhin die Schrift
Machiavellischer Hocus Pocus Oder
Statistisches Taschen-Gauckel- und Narren-Spiel.
Fotos oben und unten: Eine Hostie in einer Monstranz wird verehrt. In Wirklichkeit ist der Geist Gottes schon vor der katholischen "Wandlung" in ihr und auch in allen anderen Lebensformen und Gegenständen, weil Er in der ganzen Schöpfung allgegenwärtig ist. Ein solches Brimborium wäre Jesus ein Gräuel. Denn Er ist ein natürlich denkender Mann des Volkes und nicht ein Mann der Kirche.
Johann Wolfgang von Goethe gebrauchte den
Begriff Hockuspockus wiederum "für eine kirchliche Zeremonie, eine Kerzenweihe
in der Sixtinischen Kapelle"
(lt. Wikipedia).
Hier wird das Wort "Hokuspokus" also nachgewiesen ausgedehnt auf weitere
Narreteien und Blendwerke der Kirche. Dabei sind die beiden
Erklärungsmöglichkeiten kein Widerspruch, sondern sie lassen sich gut
vereinbaren, und es ist gar nicht so wichtig, welche Bedeutung der anderen kurz
voraus ging. Denn das Murmeln des Priesters am Altar wird allemal verglichen mit
dem "Gaukel- und Narrenwerk" von Zauberern, welche die Menschen mit ihren Tricks
unterhaltsam täuschen. Und so ähnlich machen es die Priester bei der
Eucharistie. Nur, dass man bei den Taschenspielern tatsächlich etwas zu sehen
bekommt, während man bei den Priestern den "Trick" glauben muss.
Und Tatsache ist auf
jeden Fall: Das Wort "Hokuspokus"
wurde bereits im 17. Jahrhundert im Zusammenhang der Eucharistie gebraucht,
wie das Zitat von John Tillotson oben beweist. War der Wort-Ursprung bei der
Eucharistie, könnte es so gewesen sein:
1) Die (eventuell) anglikanischen Kirchenbesucher bezeichnen die Verwandlung bei
den Katholiken aufgrund von "Hoc corpus meum" umgangssprachlich als Hokuspokus.
2) Das Wort wird in der Folgezeit auch für andere Tricks verwendet.
Mit Gott hat die Eucharistie auch von daher nichts zu tun. Man könnte von einem
"Altarzauber" sprechen, der mehr oder weniger beschwörend oder eben
oberflächlicher inszeniert wird, je nach Fähigkeiten des Priesters, die Handlung
zu präsentieren.
* Anmerkung:
Im Grunde begann hier die Demontage des Ex-Präsidenten der Bundesrepublik
Deutschland. Der Papst brüskierte ihn öffentlich als nicht "hostienwürdig" und
damit eindeutig als eine Art "Katholiken 2. Klasse" im Unterschied zu vielen
Tausend katholischen Bundesbürgern, die im Olympiastadion alle an ihrem
von der Kirche gedemütigten Präsidenten vorbei ziehen durften, um sich ihre Hostie zu holen und um
das "Heil zu schmecken". Doch Christian Wulff reagierte nicht mit
Unterwerfungsgesten und mit dem Flehen um Gnade für seine sündige Seele trotz seiner
Verfehlung, die ihn vom Sakrament der Eucharistie ausschließt, sondern
er reagierte mit vorsichtiger
und leicht süffisanter
Kritik am Papst. Doch damit hatte er wohl sein politisches Todesurteil
gesprochen. Denn bei der Hostie kennen die Kirche und ihre treuesten Diener keine Gnade. Es dauerte nun nicht mehr lange, da wurde alles nur Erdenkliche
aus der Biografie des damaligen Bundespräsidenten und aus der Biografie seiner Frau ans Licht der Öffentlichkeit
gezogen, was irgendwie kritisierbar ist oder sein könnte. Würde man Ähnliches auch mit allen anderen führenden
Politikern machen, wer weiß, was da noch alles ans Tageslicht käme!
Christian Wulff musste schließlich zurück treten, oder besser: Er
wurde zuvor fallen gelassen.
Teil 2: Die Nichtzulassung
geschiedener Katholiken zur "Kommunion", wenn sie zum zweiten Mal verheiratet
sind
Der Höllenritt der "ewig verdammten" Priester"
177 deutsche Priester aus dem Erzbistum Freiburg haben sich im Juni 2012 "offen zum Ungehorsam" gegen den Vatikan bekannt, und sie fordern vom Papst die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zum Empfang der Hostie, der so genannten "Kommunion". Trotz des Verbots lassen diese Priester auch diese Gläubigen zur so genannten Kommunion zu. Damit sind sie nach verbindlicher und unfehlbarer Lehre der römisch-katholischen Kirche "ewig Verdammte". Die Begründung dafür ergibt sich vor allem aus zwei Dogmen bzw. Lehrentscheidungen.
Unterwerfung unter Papst sei "heilsnotwendig"
So gilt zunächst
für jeden Katholiken und natürlich erst recht für Priester:
"Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt
zum Heile notwendig. Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden
Wir." (Lehrsatz Nr. 430 aus der Dogmensammlung von Neuner/Roos, dort auch
als "unfehlbar" markiert)
Und dann geht es bei dieser Frage zweitens nicht etwa um ein Randgebiet der
Kirche. Sondern es geht um ganz wesentliche Teile dieser Blutkult-Lehre. So hatte
sich die
Glaubenskongregation (die moderne Inquisitionsbehörde) unter Führung des
damaligen Präfekten Kardinal Ratzinger am 14.9.1994 vom damaligen Papst Johannes Paul
II. die päpstliche Zustimmung zu dem Dokument
SCHREIBEN AN DIE BISCHÖFE DER KATHOLISCHEN KIRCHE ÜBER DEN KOMMUNIONEMPFANG
VON WIEDERVERHEIRATETEN GESCHIEDENEN GLÄUBIGEN
eingeholt.
Zweite Ehe nach Scheidung: "Situation, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht"
Darin wurde zu Beginn auf die Bedeutung dieses Dokuments als kirchlich
absolut verbindliche
Lehraussage des "universalen Lehramts der Kirche" hingewiesen. Es heißt wörtlich:
"Es kommt dem universalen Lehramt der Kirche zu, in Treue zur Hl. Schrift
und zur Tradition das Glaubensgut zu verkünden und authentisch
auszulegen. In Anbetracht der neuen, oben erwähnten pastoralen Vorschläge
[Wiederverheiratete Geschiedene teilweise zur so genannten Kommunion
zuzulassen] weiß sich diese Kongregation verpflichtet, die Lehre und Praxis
der Kirche auf diesem Gebiet erneut in Erinnerung zu rufen."
Und dann heißt es weiter wörtlich:
"In Treue gegenüber dem Wort Jesu hält die Kirche daran fest, dass sie eine
neue Verbindung nicht als gültig anerkennen kann, falls die vorausgehende
Ehe gültig war. Wenn Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie
sich in einer Situation, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht. Darum
dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion
empfangen."
Warum diese päpstliche Entscheidung gleich einem Dogma ist
Und wenn das
"universale Lehramt der Kirche" angeblich "in Treue zur
Heiligen Schrift und zur Tradition",
wie es hier heißt, etwas verkündet, dann handelt es sich dabei um einen so genannten "Gegenstand des
katholischen Glaubens". Und dieser hat als solcher den Rang eines "Dogmas".
Das glauben Sie nicht? Es ist aber so, und dies ergibt sich u. a. aus einem
päpstlichen Lehrschreiben von Papst Paul VI., in welchem er 1973 mit ausschweifenden intellektuellen
Formulierungen erklärt, was denn nun ein "Dogma" sei. Der Papst schreibt
zunächst verklausuliert:
"Nach der katholischen Lehre erstreckt sich die Unfehlbarkeit des Lehramtes
der Kirche aber nicht nur auf die Hinterlassenschaft des Glaubens, sondern
auch auf jenes, ohne dass diese Hinterlassenschaft nicht richtig bewahrt und
dargestellt werden kann. Die Erstreckung dieser Unfehlbarkeit auf die
Hinterlassenschaft des Glaubens selbst aber ist eine Wahrheit, von der die
Kirche schon vor den Anfängen an für sicher hielt, dass sie in den
Verheißungen Christi geoffenbart sei." (Mysterium Ecclesiae vom
24.6.1973)
Auf Deutsch: Die so genannte "Hinterlassenschaft des Glaubens" ist für die
Kirche die Bibel. Und diese "Hinterlassenschaft" könne nur vom päpstlichen
Lehramt richtig interpretiert und so angeblich "richtig bewahrt" werden.
Papst Paul VI. schreibt dann weiter:
"Auf diese Wahrheit gestützt,
definierte das 1. Vatikanische Konzil als Materie des katholischen Glaubens:
´Mit göttlichem und katholischen Glauben ist all das zu glauben, was im
geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der
Kirche – sei es in feierlicher Entscheidung oder kraft ihres gewöhnlichen
und allgemeinen Lehramtes – als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt
wird`. Diese Gegenstände des katholischen Glaubens also – die mit dem
Namen ´Dogmen` bezeichnet werden – sind und waren zu jeder Zeit
notwendigerweise die unveränderliche Norm."
Zum besseren Verständnis dieses komplizierten Konstrukts: Die Bibel
enthalte für die Kirche verbindlich und fehlerlos das angebliche "Wort
Gottes". Doch das "gewöhnliche und allgemeine Lehramt" entscheidet, was
damit gemeint sei, was, so wörtlich "als von Gott geoffenbart zu glauben
vorgelegt wird". Und was ist das? Es ist letztlich alles, was dieses Lehramt
in der Auslegung der Bibel behauptet und als als verbindliche Lehraussage
definiert. Und das sind laut Papst Paul VI. eben die "Gegenstände des katholischen Glaubens", "die mit Namen ´Dogmen`
bezeichnet werden".
Päpstliche
Lehrschreiben oder vom Papst genehmigte Lehrschreiben der
Glaubenskongregation haben in diesem Sinne also selbst dann den Rang eines Dogmas, wenn
sie im
gewohnheitsmäßigen kirchlichen Alltags-Sprachgebrauch nicht als "Dogma"
bezeichnet werden, sondern eben verharmlosend "nur" als "universales Lehramt". Und dass es bei
der Nichtzulassung wiederverheirateter Katholiken zum katholischen Abendmahl
um etwas gehen soll, das "als von Gott geoffenbart zu glauben
vorgelegt wird", ist unmissverständlich und klar. Denn Joseph
Ratzinger behauptet hier mit Zustimmung von Papst Johannes Paul II. eindeutig, auch wenn es
natürlich Unsinn ist: "In Treue gegenüber
dem Wort Jesu (!) hält die Kirche daran fest ..." Die Kirchenführer
behaupten also, sie würden mit ihrem Schreiben nur ihre eigene Bibel mit den
dort überlieferten Jesus-Worten auslegen, und nur der Papst ist wiederum
katholischerseits autorisiert, dies "richtig" tun zu können.
Hunderte deutscher Priester feiern laut Kirchenlehre Sonntag für Sonntag satanische Messen
So gilt also
folglich auch im Hinblick auf das Schreiben an die Bischöfe der
katholischen Kirche über den Kommunionempfang von wiederverheirateten
geschiedenen Gläubigen: Wer diesem Schreiben widerspricht, den trifft
der katholische
Bannfluch der angeblichen ewigen Verdammnis. So heißt es u. a. im Lehrsatz Nr. 85 von
Neuner/Roos einmal mehr angeblich "unfehlbar":
"Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die
geschriebene wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen." Oder im
Lehrsatz Nr. 75 in der Dogmen- und Lehrsatzsammlung
Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen
Lehrentscheidungen, Enchiridion
smybolorium definitionum et declarationum de rebus fidei et morum,
herausgegeben von Peter Hünermann, 43. Auflage, Freiburg 2011:
"Wer auch immer gerettet werden
will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten. Wer diesen
nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig
zugrunde gehen."
Aus diesem Grund sind also die 177 Priester "ausgeschlossen" und noch
Hunderte weitere Priester aus anderen Diözesen auch, die sich noch nicht
als "ungehorsam" "geoutet" haben. Wörtlich heißt es "anathema
sit". Das heißt: Es ist
über sie der Bannfluch ausgesprochen. Denn "die
177 Priester bezichtigen sich ... ausdrücklich, gegen die Order von oben zu
handeln. Ein solches Bekenntnis hat es in dieser Dimension in Deutschland
bislang noch nicht gegeben" (spiegel.de, 12.6.2012). Und das, was
hier verharmlosend als bloße "Order" herunter gespielt wird, ist
eben in
Wirklichkeit ohne Wenn und Aber das päpstliche Lehramt, das spätestens seit dem Dogma
von 1870 keinen Irrtum kennt.
Das hat aber
auch zur Folge, dass alle Gläubigen, welche die Messen dieser 177 Priester
besuchen, sich von aus Sicht der Kirche ewig Verdammten die Sakramente reichen lassen. Und
stimmen sie dem zu, was durch diese Priester geschieht, dann werden sie
ebenfalls von der Kirche ewig verdammt.
Aus diesem Grund müsste man hier von
"satanischen Messen"
sprechen, die im Namen der römisch-katholischen Kirche weit mehr als
hundertfach derzeit in Deutschland Woche für Woche zelebriert werden. Und
alle Teilnehmer wären auf dem direkten Weg in eine ewige Hölle, wenn die
kirchliche Lehre stimmt.
Lesen wir weiter, was der Vatikan von den Priestern und den Gläubigen in dem
hier zitierten Schreiben der Glaubenskongregation fordert, in dem er
verbietet, dass ein Katholik, der das zweite Mal verheiratet ist, die
sonntägliche Hostie bekommt. Wörtlich:
"Diese Norm hat nicht den Charakter einer Strafe oder irgendeiner
Diskriminierung der wiederverheirateten Geschiedenen, sie bringt vielmehr
eine objektive Situation zum Ausdruck, die als solche den Hinzutritt zur
heiligen Kommunion unmöglich macht: ´Sie stehen insofern selbst ihrer
Zulassung im Weg, als ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse in
objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der
Kirche sind, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber
hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man
solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen
hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum
und Verwirrung`". (Apost. Schreiben Familiaris consortio, 84: AAS 74
(1982) 185-186)
Geschiedene Katholiken in zweiter Ehe sind verpflichtet zur Scheidung, oder es gilt: Hostie nur bei Verzicht auf Sex
Doch es gibt
auch einen offiziellen Weg des Vatikan für diese Menschen, die Hostie zu
bekommen und sie nicht "unwürdig" "zur Verdammnis" einzunehmen. Sie müssen von nun an
in ihrer zweiten Ehe
ganz auf Sex verzichten. Die Alternative heißt also: Sex oder Hostie. Beides
zusammen geht nicht.
Wörtlich heißt es in dem verbindlichen dogmengleichen
Lehrschreiben von Papst und Glaubenskongregation nämlich weiter:
"Für die Gläubigen, die in einer solchen ehelichen Situation leben, wird der
Hinzutritt zur heiligen Kommunion ausschließlich durch die sakramentale
Lossprechung eröffnet, die ´nur denen gewährt werden kann, welche die
Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut
und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im
Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass,
wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen - zum Beispiel wegen der
Erziehung der Kinder - der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen
können, ´sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich
der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind` (Ebd., 84: AAS
74 (1982) 186). In diesem Fall können sie zur heiligen Kommunion
hinzutreten ..."
Das ist eindeutig, man muss es sich aber erst einmal bewusst machen. Joseph Ratzinger und Karol
Wojtyla lehren, alle geschiedenen Katholiken in zweiter Ehe hätten die
Verpflichtung (!) zur Trennung (!). Das heißt z. B.: Ex-Bundespräsident Christian
Wulff hätte die Scheidung von seiner zweiten Frau Bettina einreichen müssen,
um eine Chance zu erhalten, wieder die Hostie zu bekommen. Und hätte er aus Rücksicht auf das
gemeinsame kleine Kind aber an der zweiten Ehe festgehalten, hätte er sich
dem Papst gegenüber verpflichten müssen, nicht mehr mit seiner Frau Bettina
die "Akte" zu vollziehen, "welche Eheleuten vorbehalten sind". Dann hätte er
die Hostie im Olympiastadion bekommen. Das genau ist die Kirche, und nichts
anderes.
Verzichtet Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) grundsätzlich auf ehelichen Sex? Mord wird vergeben, eine zweite Ehe nicht
Aufsehen erregte
dabei Im April 2012, dass Papst Joseph
Ratzinger persönlich dem geschiedenen und wiederverheirateten CSU-Ministerpräsidenten
Bayerns, Horst
Seehofer (CSU) aus München, in Rom die Hostie reichte, obwohl dessen erste Ehe mit seiner
Frau Christel Seehofer nicht
kirchlich für ungültig erklärt wurde, bevor er seine jetzige Frau Karin
1985 geheiratet hatte - laut Joseph Ratzinger eine "Verletzung des Zeichens
des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm". Gehen wir davon aus, dass der Papst
sich zur rechten Zeit an seine eigenen Dogmen und Lehrsätze erinnert und sich auch daran hält und dass auch Horst Seehofer
ein treuer Katholik ist, woran er ja nie einen Zweifel ließ, dann dürfte
dies eigentlich
nur folgendes bedeuten: Ministerpräsident Horst Seehofer verzichtet jetzt in seiner
seit 1985 bestehenden zweiten Ehe gänzlich auf
den, wie es manchmal heißt, "Vollzug der ehelichen Gemeinschaft". Dies könnte er dem Papst mitgeteilt haben, worauf hin er die
"Hostienwürdigkeit" von höchster kirchlicher Stelle zurück erhielt
und damit die angebliche "sakramentale Gemeinschaft" mit Christus wieder
erlangte.
Dass es so sein könnte, dafür würde auch die Verteidigung
der Seehofer-Hostie durch
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sprechen, der das Handeln des
Papstes mit den Worten verteidigte:
"Wer bin ich, dass ich die 'katholischen' Lebensumstände von Horst
Seehofer bewerte? ... Es muss doch auch möglich sein, katholisch zu sein,
ohne dass das bis ins Letzte immer überprüft wird" (spiegel.de,
27.6.2012). Das könnte bedeuten, dass der ranghohe Politiker beim Papst
zumindest den Eindruck ehelicher sexueller Enthaltsamkeit gemacht haben
muss.
Andernfalls hätte sich der Papst hier gegen seine Kirche und
seine eigenen verbindlichen Lehrschreiben gestellt. Und dann würde er ebenfalls unter den Bannfluch
fallen, wie oben dargelegt,
da er Horst Seehofer die Hostie verbotenerweise gereicht hätte. Denn Joseph Ratzinger kennt
zumindest die äußere Ehesituation von Horst Seehofer (mehr dazu siehe unter
Nachrichten).
Doch wohlgemerkt: Seitensprünge mit Geliebten seien aus römisch-katholischer Sicht verzeihlich, und
wenn es nur darum ginge, würden auch ranghohe Politiker die Hostie weiterhin bekommen.
So spielt die zwischenzeitliche außereheliche Beziehung des
Ministerpräsidenten mit seiner Freundin Anette Fröhlich, mit der der
Ministerpräsident auch ein gemeinsames Kind hat, für die Hostienfrage keine
entscheidende Rolle. Das Problem
für die Kirche ist hier ausschließlich eine zweite Ehe mit einer Frau und die Kinder, die
jemand in dieser katholisch ungültigen Verbindung gezeugt hat. Und das Problem
für die Kirche besteht dann, wenn der Ministerpräsident in diesem Fall "der Verpflichtung zur Trennung" von seiner
zweiten Frau nicht nachkommt, obwohl die gemeinsamen Kinder schon erwachsen
sind.
Die Kirche fordert in solchen und ähnlich gelagerten Situationen, sich
wieder auf die Suche nach der ersten Frau zu machen, um von nun an nur noch mit ihr die katholisch erlaubten
"Akte" zu vollziehen - wie es in dem Kirchendokument heißt - welche laut Papst Joseph Ratzinger
nur "Eheleuten vorbehalten
sind".
Allgemein gilt dabei: "Wilde Ehen", Liebschaften,
außereheliche Affären, Vergewaltigungen, Missbrauch von Kindern usw. fallen
für die Täter nicht bzw. nicht dauerhaft unter das katholische Hostienverbot. Und übrigens auch nicht Mord. So erklärt
Rebellen-Priester Konrad Irslinger aus dem Bistum Freiburg: "Sogar
für Mord gibt es Absolution. Eine zweite Ehe kann dagegen nicht bereut und
nicht vergeben werden, das ist unlösbar. Wiederverheiratete Katholiken leben
so bis an ihr Lebensende in Sünde und wir Pfarrer sollen ihnen alle
Sakramente verwehren." (spiegel.de, 14.6.2012)
Um die Situation noch einmal
zusammen zu fassen: Es geht hier nicht um Spekulationen über die private
Situation eines katholischen Spitzenpolitikers. Es geht darum, dass der
Papst und die Bischöfe Hunderten von deutschen Priestern schwerste Strafen
androhen, weil sie in ihrem Blutkult wiederverheirateten Geschiedenen die
Oblate = Hostie reichen. Er
selbst, der Papst, aber macht es ganz genauso, doch da heißt es
plötzlich, Joseph Ratzinger habe "so gehandelt, wie es wohl jeder Seelsorger
tut, der keinen zurückweisen will" (Erzbischof Kardinal Woelki,
spiegel.de, 27.6.2012). Also Doppelmoral, zweierlei Maß,
Scheinheiligkeit! Den einfachen Priester trifft dafür der Bannfluch, beim
Papst selbst gilt es als "seelsorgerliche" Verantwortung. Das ist der
Unterschied. Und manchmal fragt sich auch so mancher Zeitgenosse: In welcher
Zeit leben wir eigentlich und in welches Milieu hinein zahlt unser Staat
eigentlich die Milliarden an Subventionen?
Warum ein pädophiler Priester einen wiederverheiraten Geschiedenen aus Barmherzigkeit "mittragen" kann
Lesen wir noch,
was die Kirche den Katholiken als Alternative anbietet, die in ihrer zweiten Ehe nicht auf
die Sexualität verzichten möchten. Wörtlich:
"Ein Kommunionempfang im Gegensatz zu den Normen der kirchlichen
Gemeinschaft ist deshalb ein in sich widersprüchlicher Akt. Die sakramentale
Gemeinschaft mit Christus beinhaltet den Gehorsam gegenüber der Ordnung der
kirchlichen Gemeinschaft, auch wenn dies manchmal schwierig sein kann, und
setzt diesen voraus; sie kann nicht in rechter und fruchtbarer Weise
erfolgen, wenn sich ein Glaubender, der sich Christus direkt nähern möchte,
diese Ordnung nicht wahrt ... Das Mit-Leiden und Mit-Lieben der Hirten und
der Gemeinschaft der Gläubigen ist nötig, damit die betroffenen Menschen
auch in ihrer Last das süße Joch und die leichte Bürde Jesu erkennen können.
Süß und leicht ist ihre Bürde nicht dadurch, dass sie gering und
unbedeutend wäre, sondern sie wird dadurch leicht, dass der Herr - und mit
ihm die ganze Kirche - sie mitträgt."
(Ausführliche Quellenangabe bei vatican.va: Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt + Alberto Bovone,
Tit.-Erzbischof von Cäsarea in Numidien, Sekretär. Papst Johannes Paul II
hat in einer dem Kardinalpräfekten gewährten Audienz das vorliegende
Schreiben, das in der "Ordentlichen Versammlung" dieser Kongregation
beschlossen worden war, gebilligt und zu veröffentlichen angeordnet. Rom, am
Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, den 14. September 1994, am Fest
Kreuzerhöhung)
Abgesehen davon,
dass eine hier behauptete "sakramentale Gemeinschaft mit Christus" Unsinn
ist, bedeuten diese Sätze: Katholiken, die in zweiter Ehe verheiratet sind,
seien angeblich nicht in der Lage, in diese "sakramentale Gemeinschaft mit
Christus" zu gelangen. Und das bedeutet in der Folge: Sie werden von den
anderen "barmherzig" mitgetragen. Z. B. auch von pädophilen Priestern, die
weiterhin vollgültig die Hostie
angeblich "verwandeln" und auch sich selbst austeilen dürfen,
selbst wenn sie z. B. ein Kind
vergewaltigt haben.
Der Höllenritt der Kirche als Gefahr für den Staat
Doch schnell
wird aus dem Mitgetragen-werden aus kirchlicher Sicht ein "Höllenritt" ganzer katholischer
Kirchengemeinden, denen nun angeblich ewig verdammte Priester vorstehen, die ihre
Gläubigen vor Ort - Lemmingen gleich - mit nach unten reißen, wenn sich die
Gläubigen und die barmherzig "Mitgetragenen" hinter ihre Dorf- und Stadtteil-Priester stellen und nicht hinter
den Papst, dem sich alle Menschen für ihr Seelenheil nun mal unterwerfen
müssen. So, genau so und nicht anders, lehrt es nach ihrer
Selbstbezeugung
"unfehlbar" die Kirche.
Und diese Kirche ist quasi in Deutschland
faktisch immer noch eine der beiden
Staatskirchen und wird mit staatlichen Milliardensubventionen am Leben erhalten.
Deshalb müsste er Staat nun endlich handeln, um
nicht das ganze Gemeinwohl mit in den Höllenschlund, in den der kirchliche
Reiter das Staatsross lenkt, zu stürzen - und mit ihm die
vielen Andersgläubigen, Atheisten, Moslems, Juden, Freidenker und viele mehr,
die aus gutem Grund keine Katholiken sind. Und was die Katholiken selbst
betrifft, so sagen immer mehr Gläubige: "Ich trete jetzt endlich aus." Denn
mit "Gott", den uns Jesus von Nazareth lehrte und der auch in unserem
Seelengrund in unserem Herzen lebt, hat das ganze kirchliche Brimborium
nicht das Geringste zu tun.
Siehe dazu auch: Mord wird verziehen, eine zweite Ehe nicht - ein Interview
mit dem Rebellen-Priester Konrad Irslinger aus dem Bistum Freiburg bei
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-interview-mit-pfarrer-konrad-irslinger-a-838908.html
Teil 3: Nachrichten zum Abendmahl
2.4.2005 -
"Geschieden - ausgeschieden? Was der Papst nicht sehen durfte - Erinnerungen an
das Kirchenoberhaupt in Mainz im Jahr 1980; von Dieter Potzel, Theologe
- "Mit einigen
Dutzend Passanten stand ich 1980 am Straßenrand in Mainz neben
dem Studentenwohnheim, in dem ich damals wohnte. Wir warteten auf den
Papst, der hier auf der vierspurigen Schnellstraße mit seinem ´Papamobil` vorbeifahren sollte. Alle waren neugierig und
friedlich, auch eine Gruppe engagierter Katholiken, die zwei Transparente mit sich
führten, auf denen zu lesen war ´Geschieden - ausgeschieden?` und ´Ökumene -
nur ein leeres Wort?` Als sich uns zunächst ein gepanzerter Mannschaftswagen
der Polizei langsam näherte, dachte ich noch an nichts Schlimmes.
Wahrscheinlich eine normale Sicherheitsvorkehrung! Was dann aber folgte, hatte
ich in dieser Schnelligkeit so ähnlich nur noch einmal erlebt - bei einem Einsatz der gefürchteten
rumänischen "Securitate" unter Regierungschef Ceausescu. Dabei wurde eine Passantin aus einem
belebten Kaufhaus heraus in einer Geschwindigkeit gekidnappt, dass es einem
als Unbeteiligten schier den Atem verschlug.
Das Panzerfahrzeug in Mainz
stoppte damals direkt vor den Transparenten. Plötzlich wurden die Türen
von innen aufgestoßen, und mit Knüppeln bewaffnete und mit Helmen geschützte Polizisten
in Kampfanzügen stürzten sich ohne Vorwarnung auf die entsetzt
schreienden Katholiken. Das Spezialkommando riss die Transparente an sich,
und die Staatsmacht war so schnell wieder verschwunden, wie
sie gekommen war. Erst jetzt war der ´Frieden` eingekehrt, so wie er für
den Papstbesuch erwünscht war. Wenig später fuhr Papst Johannes Paul II. mit
dumpfem Gesichtsausdruck grüßend vorbei. Der Empfang in Mainz sei herzlich für das
Kirchenoberhaupt gewesen, hieß es dann so oder so ähnlich später in den
Nachrichten."
29.7.2005 / 30.12.2012 -
Führt
die Kommunität von Taizé die evangelischen Jugendlichen dem Papst zu? /
Warum bekam Frére Roger Schütz kurz vor seinem Tod die katholische Hostie?
-
Im Jahr 2011/2012 fand das alljährliche Jugendtreffen der Bruderschaft von
Taizé, wo die Spiritualität von Taizé gepflegt wurde, in Berlin statt. Papst
Joseph Ratzinger schickte Grußworte nach Berlin und wartete 2012 im Vatikan auf
die Jugendlichen. Denn das nächste Jugendtreffen fand 2012/2013 in Rom
statt. Dieser Ort und dieser Zeitpunkt sind dabei nicht nur vordergründig
zu betrachten. Taizé steht seit Jahrzehnten für eine auf Weichheit und
Unmerklichkeit angelegte allmähliche Vereinnahmung bzw. Verschlingung durch den
"Drachen" Vatikan, der seinen Schlund still und leise, doch dafür ganz weit offen hat. 
Die Bruderschaft von Taizé in Südfrankreich wurde seit 1949 viele Jahrzehnte
lang durch Prior und Bruder Roger Schutz, "Frère Roger" genannt, geführt. Am 16.8.2005
fiel Roger dann einem Messer-Attentat einer
Anhängerin zum Opfer fiel, die sich offenbar mehr persönliche Zuwendung von ihm erzwingen wollte
und ihn ermordete, weil sie diese nicht bekam.
Schütz gehörte eigentlich der evangelisch-reformierten Konfession
an, praktizierte aber in Taizé die
Einheit mit der katholischen Kirche so, "dass gerade auch Päpste dem
freudig zustimmen" (FAZ, 13.7.2005;
Anmerkung: z.B. mit getrenntem
Abendmahl innerhalb einer gemeinsamen Veranstaltung bzw. in einem gemeinsamen Raum).
Foto rechts: Leviathan;
Urheber: Castrocane, 2008; GNU-Lizenz für freie Dokumentation - Wer wird alles
von der Machtkirche in Rom geschluckt?
Und es war wohl auch kein
Zufall, dass ausgerechnet der spätere Papst Benedikt XVI. Roger Schutz bei den
Beerdigungsfeierlichkeiten zum Tod von Johannes Paul II. im Jahr 2005 die katholische Hostie
überreichte, obwohl die römisch-katholische Kirche dies für Evangelische eindeutig ablehnt. Vatikan-Sprecher
Joaquin Navarro-Valls teilte dazu später mit, dass Schutz gerade in einer
Gruppe von katholischen Amtsträgern stand, welche die Hostie erhielten und ließ
verlauten: "In dieser Situation erschien es unmöglich, ihm das Allerheiligste
Sakrament zu verweigern, zumal sein katholischer
(Anmerkung der Redaktion: "!")
Glaube wohl bekannt ist." Und als ob ihm ein entlarvender Versprecher
passiert sei, fügte Joaquin Navarro-Valls dann "präzisierend" hinzu,
Schutz bejahe "voll den Glauben der katholischen Kirche an die Eucharistie"
(Evangelisches
Sonntagsblatt Bayern, 17.7.2005).
13.7.2011 -
"Todesser" bei der
Eucharistie - Parallelen zwischen Lord Voldemort in der Harry-Potter-Saga und
dem Papst -
In den Harry-Potter-Romane und -Filmen bedient sich der "dunkle Lord" Voldemort für sein Tun der so
genannten "Todesser" oder "Totesser". Das
erinnert unter anderem an die Eucharistie: Laut
römisch-katholischer Lehre essen die Gläubigen bei der Eucharistie real
(!) und ausdrücklich nicht symbolisch den Leib ihres Gottes. Zugespitzt
müsste man deshalb formulieren: Die Hostie kann als ein Leichenteil verstanden
werden. Der Eucharistie-Kult ist zudem ein furchtbarer Blutkult, da die
Gläubigen bzw. der Priester auch das Blut des getöteten Jesus
angeblich real (!) trinken, was von deren Gott zur Sühne
angeblich sogar
eingefordert worden sein soll. Es wird also nach kirchlicher Lehre real ein Stück "Leib"
gegessen und "Blut" getrunken, weswegen die Kirche ihre
Gläubigen damit faktisch zu
"Todessern" oder "Todtrinkern" macht.
Vergleicht man zudem die katholische Ernährungslehre (Der Mensch dürfe
alle Tiere
unbeschränkt zur Ernährung töten) mit dem
Vegetarismus im Urchristentum, so gilt auch im Hinblick auf den
massenhaften Fleischkonsum im kirchlichen Abendland (wofür in der
qualvollen Massentierhaltung Millionen von Tiere am Fließband geschlachtet werden):
Die Gläubigen sind "Todesser" von unzähligen Tieren aller Art.
Oder anders
formuliert: Durch ihre Essgewohnheiten verursachen sie den Tod von
unzähligen Tieren und auch von unzähligen Menschen. Denn mittlerweile
ist nachgewiesen: Der Fleischkonsum der Reichen mit seinem gigantischen
Futter- und Wasserverbrauch ist auch eine Hauptursache für die weltweiten
Hungersnöte. Die für den Fleischgenuss gemästeten Tiere der Reichen
"fressen" das Korn der Armen. Der Katholizismus ist also im wahrsten
Sinne des Worte eine
Todesser-Religion. Weitere Parallelen zwischen Lord Voldemort und
dem Papst siehe hier.
Vgl. dazu auch "Satirische Überlegungen" zu Gollum,
einer Figur aus der Saga Der Hobbit bzw. Der Herr der Ringe.
6.6. / 10.7.2012 -
Riesen-Eklat im
Schatten von Vatileaks: Holte sich der Ministerpräsident Bayerns, Horst Seehofer (CSU), vom Papst verbotenerweise die Hostie? Zerfällt das vatikanische
Verbotswerk?
- Horst Seehofer nutzte offenbar die "Gunst der Stunde" im Tollhaus Vatikan und holte
sich von Papst Joseph Ratzinger verbotenerweise die Hostie. Denn Horst Seehofer
ist geschieden und wieder verheiratet und solche Katholiken bekommen die Hostie
ausdrücklich nicht, und Horst Seehofer weiß das ganz genau. Kurz zuvor wurde
in einem vertraulichen Vatikan-Dokument der
vermeintliche Tod Benedikts noch 2012 bekannt gegeben und enthüllt, dass dort
ein Machtkampf tobt.
Weil auch der damalige Bundespräsident Christian Wulff ein wiederverheirateter
Geschiedener ist, wurde er vom Empfang der Hostie bei
der Eucharistie ausgeschlossen, als Joseph Ratzinger im Berliner Olympiastadion am
22.9.2011 die Messe zelebrierte. Und erst am Wochenende 2./3.6.2012 hatte Papst
Benedikt XVI. bekräftigt: "Es sei
eine ´große Aufgabe`, dafür zu sorgen, dass sich wiederverheiratete Geschiedene
´geliebt, akzeptiert und nicht ausgeschlossen fühlen, auch wenn sie nicht die
Beichte, die Absolution und die Eucharistie empfangen können`" (http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.papstbesuch-hat-seehofer-den-papst-ausgetrickst.bf4ead33-0350-4e84-9bf1-8d73f8cbbf23.html).
Nun schuf Horst Seehofer jedoch bereits vor einigen Wochen möglicherweise vollendete
gegenteilige Tatsachen und das Foto, wie er seinen Mund öffnete und ihm Joseph
Ratzinger die Hostie auf die Zunge legt, ging europaweit durch die Presse. Die
Abendzeitung fragt: "Hat Seehofer den Papst ausgetrickst?" In diesem Fall
würde er mitsamt der Hostie später in die "ewige Hölle" fahren. Denn wer die
Hostie "unwürdig" zu sich nimmt wie anscheinend Ministerpräsident Horst Seehofer von der
CSU, der genieße den angeblichen "Leib Christi" angeblich "zum Tod und zur
Verdammung" (vgl. Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche, Lehrsatz Nr. 587).
Dabei stellt sich allerdings auch die Frage: Hatte Benedikt XVI. völlig die Orientierung verloren? Und die
Desorientierung war im Rückblick nur ein weiteres Symptom oder gar eine Art Mit-Auslöser für die nachfolgenden
Enthüllungen, um wieder Ordnung in den Vatikan zu bekommen? Oder rebelliert
jetzt selbst der Papst gegen die katholische Lehre und handelt teilweise anders
als er lehrt, und das vatikanische Verbotswerk steht kurz vor dem Zerfall? Auf jeden Fall kennt Joseph Ratzinger die familiäre Situation von
Horst Seehofer ganz genau. Und der Vatikan schweigt und verurteilt das aus
katholischer Sicht todeswürdige Vergehen Seehofers ausdrücklich nicht.
Es gibt allerdings noch eine weitere Möglichkeit der
Legitimation dieser kirchlichen Handlung. Für den Fall, dass
Horst Seehofer auf ehelichen Sex verzichtet oder zumindest beim
Papst den Eindruck erweckt, dass dies so sei, darf der
Kirchenführer dem ranghohen Politiker die Hostie geben. In diese
Richtung könnte die Rechtfertigung der Seehofer-Hostie durch
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki gedeutet werden, der das
Handeln des Papstes mit den Worten verteidigte:
"Wer bin ich, dass ich die 'katholischen' Lebensumstände von
Horst Seehofer bewerte? ... Es muss doch auch möglich sein,
katholisch zu sein, ohne dass das bis ins Letzte immer überprüft
wird" (spiegel.de, 27.6.2012).
PS: Zur Verdeutlichung: Es
geht hier nicht um das uneheliche Kind, das der überzeugte Katholik
Horst Seehofer während seiner kirchlich ungültigen zweiten Ehe
mit seiner Frau Karin Seehofer mit seiner damaligen Geliebten
Anette F. in Berlin zeugte. Das Problem bei der Hostie ist für
die Kirche nicht die Geliebte. Es ist
die kirchlich ungültige zweite Ehe des Spitzenpolitikers mit seiner Frau Karin, mit der er im Gegensatz
zur Lehre vom katholischen Ehesakrament drei Kinder gezeugt
hatte.
Allgemein gesprochen: Für den Fall des grundsätzlichen
Verzichts auf ehelichen Sex würde ein "wiederverheirateter"
geschiedener Katholik die Hostie bekommen. Außerehelicher
Sex, z.B. mit einer Geliebten, wäre vom katholischen Hostienverbot
jedoch nicht betroffen, da dieser nach
katholischer Lehre immer wieder vergeben werden könne, nicht
jedoch eine fortdauernde zweite Ehe.
Um die Situation
noch einmal zusammen zu fassen: Es geht hier nicht um
Spekulationen über die private Situation eines katholischen
Spitzenpolitikers. Es geht darum, dass der Papst und die
Bischöfe Hunderten von deutschen Priestern einerseits schwerste Strafen
androhen, weil sie wiederverheirateten Geschiedenen die Hostie
reichen. Er selbst aber, der Papst, macht es andererseits ganz genauso.
Doch da heißt es nun plötzlich, Joseph Ratzinger habe "so gehandelt,
wie es wohl jeder Seelsorger tut, der keinen zurückweisen will"
(Erzbischof Kardinal Woelki, spiegel.de, 27.6.2012). Also
Doppelmoral, zweierlei Maß, Scheinheiligkeit! Den einfachen
Priester trifft dafür der Bannfluch, beim Papst selbst gilt das
gleiche Verhalten
als "seelsorgerliche" Verantwortung. Das ist der Unterschied.
Doch schließlich steht das - für die Kirche einer Goldgrube
gleiche - "parasitäre" Verhältnis von Kirche und Staat in Bayern
auf dem Spiel - mit Millionen an Geldern vom Staat an die
Kirchen und willfährigen katholischen Politikern vor allem aus
der CSU in jeder Hinsicht. Da kann eine so kleine Hostie das
altbewährte Modell schon noch einmal festigen.
Mehr dazu siehe oben im
Text.
|
Der Text kann wie folgt zitiert werden: |
Online-Zeitschrift "Der Theologe"
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