DER THEOLOGE
Frage und Antwort

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Auf dieser Seite sind einige Fragen und Antworten
zu Themen von allgemeinem Interessen veröffentlicht
.

  1) Starb Jesus einen Sühnetod und rettet er vor einer ewigen Verdammnis?

  2) Gibt es eine Dreieinigkeit bzw. Trinität?

  3) Kann man die Bibel am Gebot der Liebe überprüfen?

  4) Hat die Verehrung von Johannes Paul II. etwas mit Jesus zu tun?

  5) Wie mache ich ohne Kirche auf Gott aufmerksam?

  6) Könnt Ihr nicht mehr Versöhnliches über die Kirchen schreiben?

  7) Haben Sie schon darüber nachgedacht, ob Sie vielleicht Werkzeuge des Teufels sind?

  8) Was ist denn das für eine Herangehensweise an eine solch ehrwürdige Institution wie die Kirche?

  9) Über Kirche und ihren Kampf gegen religiöse Minderheiten - Auseinandersetzung mit einem Katholiken

10) Kritik an der Berichterstattung am Selbstmord des katholischen Dekans von Lohr

11) Was steckt hinter Marienerscheinungen?

12) Welche Kraft haben Reliquien, Ikonen oder Gebete zu "Heiligen"? 

13) Warum sind Sie gegen religiöse Riten?

14) Hat Jesus nicht zu Petrus gesagt "Du bist der Fels, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen"?

15) Werden einem bei der Einnahme des Abendmahls die Sünden vergeben?

16) Hat Jesus von einer Erbsünde gesprochen?

17) Hat Jesus uns überhaupt erlöst und stimmt sein Satz "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"?
 



 1.
 Starb Jesus einen Sühnetod
 und rettet er vor einer ewigen Verdammnis?

Frage:
Zufällig wurde ich auf Ihre Website www.theologe.de aufmerksam. Dabei las ich mir einige Artikel durch und finde sie großteils recht interessant. Im Artikel "Wer folgt Luther nach und wer folgt Christus nach?" fand ich u. a. folgenden Abschnitt: "Eine ewige Verdammnis gibt es nicht. Früher oder später wird sich jeder Mensch, jede Seele, aus ihrer selbst geschaffenen "Verdammnis" mit der Hilfe von Christus lösen können." Dies irritiert ein wenig. Ihr offensichtlicher Grundtenor besteht in der Wahrheit der biblischen Aussagen. Diesen versuchen Sie zu untermauern, indem Sie einige kirchliche Fälschungen offen legen. Trotz, dass viele Ihrer Aussagen Sinn zu machen scheinen, kann o. g. Zitat nicht stimmen, es gibt hierfür keinerlei biblischen Beleg - jedenfalls soweit ich die Bibel kenne. Ganz im Gegenteil, es wird an x Stellen eineindeutig erklärt, dass es ein "Zu spät" gibt. Wenn sich der Mensch nicht auf das "Geschenk", welches Jesus Christus uns bietet, einlässt, es also annimmt, dann wird er verloren sein - das steht mehrfach da - das findet sich auch in unterschiedlichsten Übersetzungen. Es handelt sich hierbei also auch nicht um einen "Übersetzungsmangel" oder ähnliches. Denn wenn es keine ewige Verdammnis gäbe, erklären Sie mir bitte, wozu Jesus überhaupt gekommen ist und zum Christus wurde? Das wäre meiner Ansicht nach sonst völlig überflüssig gewesen. Jesus hätte sich nie ans Kreuz nageln lassen müssen, hätte nie sterben müssen, um unsere Schuld zu tragen. Erklären Sie mir das bitte. T. G.

Eine ausführliche Antwort, in der auch die nachfolgenden Abschnitte eingearbeitet wurden, lesen Sie in "Der Theologe Nr. 58" - Der Kreuzestod von Jesus hätte nicht sein müssen. Was bedeutet "Erlösung durch Christus"?

Antwort
:

 Die Lehre vom stellvertretenden Sühnetod von Jesus

Die Lehre von einem angeblich stellvertretenden Sühnetod von Jesus kommt aus dem antiken Judentum bzw. Heidentum und setzt einen zornigen Gott voraus, den man durch Menschen- oder Tieropfer umstimmen oder besänftigen könne, wie ausführlich in Der Theologe Nr. 37 nachlesbar ist. Jesus lehrte demgegenüber einen liebenden Vater, der keine äußeren Opferhandlungen will und braucht, sondern der um das Vertrauen der Menschen wirbt und der ihnen selbst dann nachgeht, wenn sie schon "verloren" zu sein scheinen (z. B. Gleichnis vom "verlorenen" Sohn). Die Kirche hat nun aber - ausgehend vom Hebräerbrief des Neuen Testaments - die alten heidnischen Vorstellungen vom zornigen Gott wieder erweckt, welche die Israeliten einst aus Ägypten übernommen hatten. Und man hat sie nun dahin gehend variiert, dass anstelle der bisherigen grausamen Tier- oder gar Menschenopfer jetzt Christus das Opfer sei und von nun an der Glaube an diese angeblich notwendige und deshalb von Christus freiwillig erbrachte Opfertat nötig sei, um "gerettet" zu werden.
Doch wie gesagt. Das ist die Lehre des Hebräerbriefes, dessen Verfasser noch nicht einmal bekannt ist. Manche schreiben den Brief dem Paulus zu, weswegen er es Ende des 4. Jahrhunderts doch in die Bibel "schaffte", nachdem auch sein Inhalt schon damals als höchst suspekt galt. Der bekannte Kirchlehrer Origenes sagte z. B., es fehle der Beweis, dass ihn ein Apostel geschrieben habe. Und sprachwissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist z. B. die Einleitung und der Schluss nachweislich gefälscht (siehe z. B. C. Breytenbach; Paulus, die Evangelien und das Urchristentum). Im Brockhaus Konversationslexikon heißt es zum Sachverhalt:
"Der Brief an die Hebräer wurde im Abendlande bis ins 4. Jahrh. als nichtpaulinisch vom Kanon ausgeschlossen" (S. 956; http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=122270).

Und auf diesen zweifelhaften, im Urchristentum abgelehnten und in der Kirche umstrittenen Brief wird nun die ganze kirchliche Sühnopferlehre gegründet. Hinzu kommen noch Aussagen des Paulus, der Jesus allerdings überhaupt nicht kannte (vgl. Der Theologe Nr. 5). Doch auch bei ihm kommt das Wort "Sühnopfer" z. B. nur an einer einzigen Stelle vor, in Römer 3, 25 und damit ist in Wirklichkeit etwas anderes gemeint. Das Wort "hylasterion" ist nämlich das Wort für den Deckel der "Bundeslade" Israels mit den beiden Cherubim, den Erzengeln. Die Bundeslade enthielt das Wertvollste, was das Volk hatte, die Gesetzestafeln mit den von Gott durch Seinen Propheten Mose geoffenbarten Zehn Geboten. Das heißt sinngemäß. So wie die beiden Engelwesen einst die wertvolle unverfälschte Gottesbotschaft bewachten, so ist Christus nun selbst an ihre Stelle getreten und hat den Willen und die Botschaft Gottes in vielen Details den Menschen nahe gebracht.

Der Sühnopfer-Gedanke in dem Paulusbrief geht zurück auf die Fälschung der Priesterschrift im Alten Testament, eine der Quellenschriften für die fünf "Mosebücher". Die Priester waren es, die den Opfergedanken vor allem aus Ägypten mitbrachten und in die Religion einführten. Demnach durfte der Oberpriester nur einmal im Jahr vor die Bundeslade treten und musste dazu einen Stier und einen Widder schlachten. Der Qualm des verbrennenden Stieres sorgte dann dafür, "dass die [Rauch-]Wolke vom Räucherwerk den Gnadenthron bedeckte" [hylasterion = Gnadenthron = der Deckel der Bundeslade, der den Thron Gottes symbolisiert] (3. Mose 16, 13). Dann besprengte der Priester die Bundeslade erst mit dem Stierblut und dann mit dem Widderblut. Das heißt: Die Priester haben die Bundeslade und den Gottesthron auf furchtbarste Art und Weise durch Tierschächtungen geschändet.

Darauf haben die wahren Gottespropheten Israels immer wieder unter Lebensgefahr eindringlich hingewiesen, wie z. B. Jeremia: "Denn Ich habe euren Vätern, als ich sie aus Ägypten heraus führte, nichts gesagt und nichts befohlen, was Brandopfer und Schlachtopfer betrifft" (7, 22). Jeremia wurde auf Veranlassung der Priester darauf hin in eine Schlammgrube geworfen, wo er verhungern sollte, doch die Babylonier retteten sein irdisches Leben.
Wenn diese Lehre vom "Sühnopfer" aber nicht von Gott kommt, von wem dann? Von der Priesterkaste, die das Volk bis heute in allen Religionen und Kulten von Gott weg führen will. Und so haben auch die Priester der Kirche die Sühnopfervorstellungen mit in ihre Verfälschung des Christentums hinüber genommen. Doch es ist purer Götzenkult und wurde von allen Gottespropheten bekämpft.

Und so kommt das Wort "Sühnopfer" auch an keiner einzigen Stelle in den Evangelien vor und auch sonst bei Paulus nicht. Auch das Wort "Opfer" kommt in diesem Zusammenhang nur bei den Paulus-Schülern vor, nicht einmal bei Paulus selbst. Und zwar einmal im Epheserbrief eines Paulusschülers, in 5, 2, wobei nicht klar ist, was der Schreiber hier eigentlich meint. Von einem "Sühnopfer" ist jedenfalls nicht die Rede. Und in den vier Evangelien sowieso kein Mal. Nur der Hebräerbrief spricht mehrfach von "Opfer", wobei die Theologen ja noch nicht einmal wissen, wer ihnen dieses "Ei" unterschoben hat. Es ist wirklich ein haarsträubender Befund. .

Jesus wollte ein Friedensreich aufbauen, keinen Opfertod sterben

Doch was wollte Jesus stattdessen wirklich? Er war also nicht auf dieser Erde, um ein endgültiges Opferlamm für einen zornigen und anders nicht zu besänftigenden Gott zu sein, sondern um ein Friedensreich ("Reich Gottes") mit den Menschen aufzubauen. Dafür hat er die Menschen in die Nachfolge gerufen, und dafür hat er ihnen auch den gütigen Gott gelehrt. Und wer das bejahte, der hatte in seinem persönlichen Leben die Aufgabe, auch nach Seinen Geboten zu leben. Zum Opfer der damaligen Priester und Schriftgelehrten und der römischen Obrigkeit wurde Jesus erst, als die Menschen ihn im Stich gelassen hatten - sowohl die Bevölkerung, obwohl er sehr vielen Menschen zuvor Gutes getan hatte; als auch seine unmittelbaren Anhänger und Jünger. Das geht alles auch aus der Bibel hervor.
Im kirchenchristlichen Abendland sind wir nun aber daran gewöhnt, die Bibel, und vor allem das Neue Testament, mit der Brille der alten heidnischen Sühnetod-Vorstellung zu lesen, weil die Institutionen Kirche und ihre Priester, Pfarrer und Theologen es uns so beibrachten. So werden auch viele Bibelstellen in diese Richtung interpretiert, die ursprünglich in einem ganz anderen Zusammenhang standen oder auch ganz anders verstanden werden können. Dies kann hier nicht ausführlich dargelegt werden, doch zumindest am Beispiel einiger in der Christenheit bekannter Redewendungen augezeigt werden.

Jesus hat sich trotzdem hingegeben

So kann man sagen, dass Jesus die Schuld seiner Jünger vielfach "trug", aber ganz praktisch und nicht dogmatisch im Sinne einer Sühnopferlehre. Z. B., indem er immer wieder deren Fehler ausbügelte oder sich schützend vor sie stellte. In diesem undogmatischen Sinne kann man auch richtig sagen: Jesus hat sich für uns geopfert. Er hat sich nämlich bis zur letzten Konsequenz für die anderen Menschen eingesetzt und er ist seinem Auftrag nie untreu geworden. Deshalb hat er auch - im übertragenen Sinn - sein Blut "für uns vergossen", denn er selbst hätte es leichter haben können. Doch er ist den letztlich einzig noch möglichen Weg für einen wahren Gottesboten zu Ende gegangen, nachdem die Mitmenschen versagt hatten: Den Weg der Standhaftigkeit trotz Folter und Todesurteil und den Weg der großen Einsamkeit. Und man könnte - wenn man so will - in diesem Sinne von "Gottes Lamm" sprechen, wenn man das Lamm als ein Symboltier für die Unschuld versteht. Und Jesus hat mit seinem Leben und Sterben auch seine eigenen Worte wahr gemacht, dass man diejenigen, die den Leib töten können, nicht zu fürchten braucht. Und von seinen Seelenkämpfen bis zu seinem Tod, vor allem im Garten Gethsemane, schreibt ja auch das Neue Testament.

Vor dem Tod am Kreuz

Wäre eine Erlösung für Menschen erst nach einem angeblichen stellvertretenden Sühnetod möglich gewesen, dann hätte Jesus auch das "Gleichnis vom verlorenen Sohn" nicht erzählen dürfen. Oder er hätte hinzufügen müssen, dass es erst gelten werde, nachdem er als "Opfer" gestorben und wieder auferstanden sein würde. So aber erzählte er vom liebenden Vater und von unserer Rückkehr zu Ihm, völlig unabhängig von seinem späteren Sterben. Nirgends spricht Jesus von einem zornigen Gott, dessen Zorn er durch seinen späteren grausamen Tod besänftigen müsse, um die Menschen erlösen zu können. Nur einmal ist bei einem eventuellen Jesuswort ohne einen solchen Zusammenhang von einem "Lösegeld" (lutron) die Rede (Markus 10, 45; parallel Matthäus 20, 28) - wahrscheinlich ein späterer kirchlicher Einschub in den Text -, wobei als Empfänger dieses "Lösegelds" ja eher Satan bzw. die Mächte der Finsternis in Betracht kämen als Gott, falls dieses Wort doch einmal tatsächlich gefallen sein sollte. Nach dem Motto: Wenn die "Finsternis" Jesus in die Hände bekommt, dann bleiben womöglich andere von ihr verschont.

Das Sterben von Jesus als Symbol für die Menschheit

Dass sich dieser Tod, der nicht so hätte kommen müssen, irgendwann abzeichnete, das hat Jesus mehr  und mehr geahnt und auch Andeutungen darüber gemacht. Die dabei empfundenen Ängste sind kaum vorstellbar. Im Garten Gethsemane hat er Blut geschwitzt, so heißt es. Und dies ist aus medizinischer Sicht bei Todesangst möglich. Aber dass es so kam, war nicht der Wille Gottes, sondern der Wille der finsteren Mächte und der bösartige Wille von Menschen. Diese haben es so "beschlossen" (vgl. Lk. 22, 20-22), und die Ereignisse sind letztlich auch deshalb so gekommen, da andere Menschen, die versprochen haben, Jesus die Treue zu halten, versagt haben. So gesehen ist das Leben und Sterben von Jesus auch ein Symbol für die Menschheit in ihrer Gottverlassenheit, die sich für Untreue, Feigheit und Trägheit entscheidet anstatt Jesus nachzufolgen.

Die falsche Drohbotschaft einer ewigen Hölle

Und bis heute werden nun viele Menschen von der Drohbotschaft der Kirche mit ihrer angeblich ewigen Hölle davon abgehalten, Christus zu vertrauen. Und hier kann man ebenfalls sagen, dass es in der Bibel wohl keine Lehre von der ewigen Verdammnis gibt wie sie von den beiden Großkirchen gelehrt wird. Denn auch hier werden einzelne Bibelstellen mit der Brille dieser Verdammnislehre gelesen, an die man sich durch das kirchliche Dogma gewöhnt hat. Doch bei genauem Hinschauen ist das keineswegs sicher und oft sogar nachweislich falsch, dass es bei den scheinbaren biblischen Belegen um eine unendliche Verdammnis geht. Dazu wurde eine eigene Ausgabe des Theologen verfasst, die Ausgabe Nr. 19, www.theologe.de/theologe19.htm. Allerdings wird jeder Mensch einst das ernten müssen, was er gesät hat, wenn es nicht rechtzeitig bereinigt und wieder gutgemacht ist (vgl. dazu Der Theologe Nr. 2).

Einiges zum Thema steht ja auch in Der Theologe Nr. 2 (Es gibt keinen strafenden Gott) oder Vom gekreuzigten Christus) und auf den übrigen Seiten in Der Theologe Nr. 1, z. B. was die evangelisch-lutherische Kirche über die ewige Verdammnis lehrt.

Evangelische Kirche verstößt gegen eigenes Bekenntnis

Dass die Sühnopferlehre eine grobe Verfälschung der ursprünglichen christlichen Lehre ist, wird mehr und mehr auch in den Institutionen Kirche so gesehen. Das führt dort zu einem Glaubenskampf, da sich innerkirchlich nun die Vertreter der Sühnopferlehre und die Zweifler bzw. diejenigen, welche die Verfälschung aufzeigen, gegenüber stehen. Doch Faktum ist: Die Sühnopfer-Lehre ist unverzichtbarer Teil der evangelischen und katholischen Lehre und wer erkannt hat, dass sie falsch ist, stellt sich klar außerhalb der Kirche. Doch das tun nicht alle. Vor allem die evangelische Kirche gerät deshalb hinsichtlich ihrer Sühnetod-Lehre in immer größeres Chaos, nachdem vor allem prominente Vertreter das eigene Bekenntnis hier plötzlich anzweifeln oder gar widerrufen.

Die nachfolgenden Details versuchen, die evangelische Lehre zu diesem Thema darzulegen und sind deshalb recht schwere Kost. Um eine einfache Antwort auf die Frage "Starb Jesus eine Sühnetod?" zu bekommen, sind sie nicht mehr wichtig. Dazu reicht bereits alles bisher Gesagte. Für den speziell am evangelischen Glauben Interessierte sei jedoch noch das Folgende hinzugefügt:

Hier also die teilweise komplizierten Details für den, der sich näher mit der evangelischen Lehre und den innerkirchlichen Konflikten dazu beschäftigen möchte:
Ausgerechnet der EKD-Chef und Hoffnungsträger des deutschen Protestantismus, Nikolaus Schneider, Präses der Rheinischen Kirche in Düsseldorf, streitet diese kirchliche Kernlehre ab. Die Tageszeitung Die Welt schreibt: "Nikolaus Schneider, Präses der großen Rheinischen Landeskirche, glaubt nicht, dass Jesus am Kreuz stellvertretend die Strafe der Menschen auf sich genommen hat. Gott brauche kein Sühneopfer, "denn es muss ja nicht sein Zorn durch unschuldiges Leiden besänftigt werden", sagte Schneider kürzlich" (28.3.2010).
Klare Worte, wenn auch nicht evangelisch, denn in den bis heute verbindlichen Grundlagen der Kirche, den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (u. a. Göttingen 1982), auf die alle evangelischen Pfarrer auch in den so genannten "unierten" evangelischen Kirchen vereidigt werden (wo sich die Lutheraner mit den "Reformierten", die sich an den Schweizer "Reformatoren" Zwingli und Calvin orientieren, zusammengeschlossen haben), heißt es unmissverständlich:

"Es ist allein ein einziges, wahrhaftiges Sühneopfer, Opfer für die Sünde, in der Welt gewesen, nämlich der Tod Christi ... Denn der Prophet [Jesaja] hat das Wort Schuldopfer auf Christi Tod bezogen, anzuzeigen, dass die Schuldopfer im Gesetz nicht das rechte Opfer wären, die Sünde zu bezahlen, sondern es müsste ein anderes Opfer kommen, nämlich Christi Tod, wodurch Gottes Zorn sollte gesühnet werden ... Darum bleibt dieses fest stehen, dass nur ein einzig Opfer gewesen ist, nämlich der Tod Christi ... Gottes Zorn zu versühnen" (Apologie der Konfession XXIV; S. 355).

Dieses bis heute verbindliche Bekenntnis formulierte damals der "Reformator" Philipp Melanchthon.
Deshalb hofft man in der evangelischen Kirche auch inständig, dass der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider seine Ablehnung dieses Kernsatzes nicht wiederholt. Doch dessen Kirche, die Evangelische Kirche im Rheinland, hat die Vorstellung ihres Präses in einem Kirchenpapier zur Sühnetodvorstellung mit dem Titel Aus Leidenschaft für uns gerade erst (Düsseldorf 2010) sogar bekräftigt. Darin wird das bisherige evangelische Bekenntnis glatt abgelehnt. Wörtlich heißt es dort in seltener Klarheit: "War der Tod Jesu ein Sühneopfer? Die Frage lässt sich einfach beantworten: Er war es nicht" (S. 30).

Und in der kopflastigen Begründung der kirchenamtlichen Glaubensaussage heißt es dazu weiter:
"In der Bibel dient die kultische Handlung der Realisierung von Gottes Vergebung. Vergebung bedeutet, dass das menschliche Verhalten die Beziehung zu Gott nicht mehr belastet. Die Änderung des Verhaltens und ein Wieder-gut-Machen da, wo es möglich ist, sind untrennbar damit verbunden. In Lebenszusammenhängen und Rechtssystemen, in denen vergeltende Sühne selbstverständlich ist, mag der Satz ´Gott selber ist erschienen zur Sühne für sein Recht` (Evangelisches Gesangbuch 16, 2) eine Veranschaulichung für Vergebung sein. Er meint: Gott selbst stellt die von ihm geforderte Gerechtigkeit her, er vollbringt die geforderte Sühneleistung, ein begangenes Übel muss nicht durch Zufügung eines vergleichbaren Übels ausgeglichen werden. So zeigt er sich als der gnädige Gott, der einen anderen Weg wählt. Der Mensch wird entlastet von dem, was er ohnehin nicht leisten kann: sein gestörtes Verhältnis zu Gott wieder gut zu machen. Dort aber, wo der Sühnegedanke nicht mehr beheimatet ist, liegt das Missverständnis nahe, es ginge Gott gewissermaßen persönlich darum, Sünde durch Zufügung eines Übels, das die Menschen oder stellvertretend für sie Jesus ertragen müssen, auszugleichen. Der Gedanke der Wiederherstellung der Gerechtigkeit geht verloren ... [Doch] Gott fordert nicht ein Menschenopfer, er gibt sich selbst."
 
Falls man das intellektuell verstehen möchte, ist daran zutreffend, dass Gott in der Tat niemals ein "Menschenopfer" forderte. Doch so richtig wird die Götzenlehre eines Sühnetods doch nicht verworfen. Sie "mag", so das Zugeständnis in bestimmten "Lebenszusammenhängen" "eine Veranschaulichung für Vergebung sein". Auch das ganze Drumherum an der Erklärungen der Rheinischen Kirche ist nicht eindeutig und es bleibt in der Schwebe, so dass der ganze kirchliche Unsinn damit eher noch angereichert als verringert wird.
In Wirklichkeit wurde Jesus schlicht deshalb hingerichtet, weil das Volk von den damaligen Priestern und Theologen aufgewiegelt wurde. Und dies war möglich, weil die Menschen ihm nicht gefolgt sind und weil sie Jesus und seine Friedensbotschaft, die Bergpredigt, verraten haben. Und das ist heute leider nicht anders als damals.


Doch was soll der evangelisch Gläubige jetzt glauben? Soll er sich weiter an das verbindliche Bekenntnis halten, welches lautet: "Darum bleibt dieses fest stehen, dass nur ein einzig Opfer gewesen ist, nämlich der Tod Christi, Gottes Zorn zu versühnen"? Oder soll er sich an die Änderung der Lehre halten, die jetzt im Rheinland gilt und die lautet: "Der Tod Jesu war kein Sühnopfer", sondern eine Art Entlastung. Für den einfachen Gläubigen ist damit ein ziemliches Chaos entstanden. Vielleicht könnte man die kirchliche Antwort am ehesten mit folgendem Satz zusammenfassen: "Das ist alles nicht so wichtig, zahle einfach Kirchensteuer!"


PS
: Zur geistigen Dimension des Kreuzestods von Jesus siehe auch den Text einer Neuoffenbarung hier.
 



2.
Gibt es eine Dreieinigkeit?

Während des Surfens fand ich Ihre interessante Webseite. Wie stehen Sie zur Dreieinigkeitslehre? H. H.

Es handelt sich um ein Zugeständnis der Kirche an den antiken Götter- und Heroenkult, um in diesen Kreisen leichter Anklang zu finden. Demnach sollte Jesus ohne jegliche Abstriche ein vollständiger Gott sein, so wie es die Gläubigen der Götterkulte von ihren Göttern auch behaupten. Durch die spätere Hinzufügung des Heiligen Geistes als dritte "Person" wird diese menschliche "Gedankenkonstruktion" dann fast mechanisch, als ob man den "Geist" innerhalb von Raum und Zeit als Person "dingfest" machen kann. Nebenbei gesagt: Es gab auch in antiken Mysterienreligionen Dreieinigkeits-Konstruktionen, nachzulesen z. B. bei Karlheinz Deschner in seinem Standardwerk Abermahls krähte der Hahn.
Die im übrigen sehr komplizierte Lehre von der Dreieinigkeit wurde auf dem Konzil von Nizäa im Jahr 325, das vom damaligen Alleinherrscher Konstantin einberufen worden war, beschlossen. Die Lehre war unter den anwesenden Theologen heftig umstritten, doch dem Kaiser ging es aus machtpolitischen Gründen um eine Vereinheitlichung der Lehre, weswegen die Mehrheitsentscheidung für eine angebliche Dreieinigkeit auch noch dogmatisiert wurde. Und kurz darauf führte man im Römischen Reich die Todesstrafe für alle Menschen ein, welche dieses katholische Dogma nicht für wahr halten.
 
Wir haben mit dem blutigen Katholizismus und Protestantismus und seinen Verfälschungen der Lehre Jesu jedoch nichts zu tun. Für uns ist Gott als Geist der Ausgangspunkt der Schöpfung. Dieser All-Geist gibt allen Lebensformen ihren Atem und durchströmt den Kosmos, weshalb ja auch die moderne Naturwissenschaft keine kleinste Bausteine der Schöpfung mehr fixieren kann. Sondern man hat erkannt, dass sich die Formen je kleiner je mehr ins Unbestimmte, Fließende auflösen. Die kleinsten bekannten Informationsträger, die Quanten, können deshalb sowohl als Teilchen als auch als Wellen erscheinen (siehe dazu die hochbrisanten Erkenntnisse der modernen Quantenphysik). Wenn man so will, hat man hier von Seiten der Naturwissenschaft die Nahtstelle vom Materiellen zum Geistigen als dem Ursprünglichen gefunden bzw. ist dabei, diese Übergänge weiter zu erforschen. Der Allgeist ist auch der geistige Odem in unserem Atem, weswegen der Geist Gottes auch jeden Menschen und jede Lebensform durchströmt.
 
Der Schöpfergott ist demnach der "Vater-Mutter-Gott", der beide Pole, männlich und weiblich, in sich vereint und der am ehesten als Selbst-Manifestation dieses All-Geistes umschrieben werden könnte. Er ist in diesem Sinne auch "Person", und die Menschen beten zu Ihm auch als dem all-gütigen und all-weisen "Vater". 

Jesus nennt diesen Gott seinen "Vater" oder unseren "Vater", der "größer ist als alles" (Johannes 10, 29), auch größer als er, Jesus (Johannes 14, 28). Jesus wies deshalb sogar die Anrede "guter Meister" zurück. Einem jungen Mann erklärte er: "Was nennst Du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein" (Lukas 18, 19). Und er, Jesus, sei von diesem Vater "ausgegangen" (Johannes 16, 28). Und wenn er unter diesen Voraussetzungen dann davon spricht, er sei "eins" mit dem Vater, oder, wer ihn sehe, der sehe den Vater, dann bedeutet das folglich nicht, dass er eine Gott gleich geordnete "Person" einer angeblichen "Dreieinigkeit" oder "Zweieinigkeit" ist. Sondern Jesus, der Christus, spricht hier als Kind, der eine Beziehung zu seinem Vater hat. Somit beschreibt das neutestamentliche Zeugnis Jesus als einen, der in seinem Inneren mit Gott geeint ist. Darüber hinaus reicht sein Bewusstsein als unmittelbarer "Sohn" und "kosmischer Christus" auch tiefer in die Schöpfung hinein als dies bei jedem anderen Menschen je möglich wäre, was allerdings ein Glaube ist, den man mit dem Kopf nicht beweisen kann. In einer Prophezeiung bzw. Neu-Offenbarung ist es jedoch so erklärt, und diese Quelle kann jeder nachprüfen und für sich annehmen oder nicht (http://www.das-wort.com/deutsch/gottesprophetie-aktuell/das-ist-mein-wort---alpha-und-omega.php). So gesehen hat der in Jesus von Nazareth inkarnierte Christus Anteil an Gott, und wie Gott-Vater ist er demnach allgegenwärtig in der Schöpfung. Doch er bleibt als Kind dem Vater = dem Vater-Mutter-Gott, nachgeordnet, weswegen er wie alle anderen Menschen auch zu Gott, seinem himmlischen Vater, betet.
Und wir als Menschen können nun wie Jesus ebenfalls zu Gott-Vater beten oder auch zu Christus, der in Jesus inkarniert war, da Christus ja wie der "Vater" in der Schöpfung allgegenwärtig ist und auch in uns lebt. Jeder Mensch kann es so halten, wie es ihm eben näher liegt.
 
Die kirchliche Lehre von der Dreieinigkeit ist demgegenüber eine fehlerhafte Konstruktion, die intellektuell geprägten menschlichen Gehirnen entsprungen ist. Stattdessen könnte man es vereinfacht so sagen: Am Anfang war der Geist. Der Geist gab sich im "Vater" eine Form.
Speziell der christliche Glaube beinhaltet dann eine weitere Entwicklung: Der Sohn ist danach Kind dieses Vaters, dem dieser einen Teil Seines geistigen Erbes übertragen hat. Und Christus hat einen Teil dieses göttlichen Erbes wiederum in alle Menschen und Seelen übertragen. Dieser so genannte "Erlöserfunke" ist in unserem Herzen als zusätzliche Stütze und Kraft wirksam und kann nicht vernichtet werden. So wurde Jesus, der Christus, zum Erlöser der Menschen, und eine letztendliche Auflösung aller Formen, wie sie heute noch in östlichen Religionen gelehrt wird, wurde durch ihn verhindert (so die Christusoffenbarung "Das ist Mein Wort"; siehe hier)
Das Verhältnis von Vater, Sohn und dem Allgeist = Heiliger Geist lässt sich also nicht mit drei sich überlappenden Kreisen veranschaulichen, wie dies bei der kirchlichen Lehre von der Dreieinigkeit getan wird.

Hierzu ist auch noch wesentlich, dass die Kirchen auch auf den "dreieinigen Gott" taufen, vor allem Säuglinge. Und um dies zu rechtfertigen, wurde z. B. eine Stelle im Neuen Testament gefälscht. Doch die Bibel enthält auch noch andere Stellen, die den Betrug wiederum entlarven. Mehr dazu siehe unter http://www.theologe.de/sakramente_der_kirche.htm#Dreieinigkeit

Eine Bemerkung am Rande
: Am 16.7.1945 zündete die USA in der Wüste von New Mexiko die erste Atombombe. Man nannte sie Trinity = Dreieinigkeit. Wenn man so will, kann man diese Namensgebung auch als ein Symbol für das unermessliche Leid sehen, das die kirchliche Lehre im Laufe der Jahrhunderte über die Menschen gebracht hat. Und es ist auch kein Zufall, dass die ersten Christen, die auf Betreiben der Kirche hingerichtet wurden, Menschen waren, die nicht an das damals neue Dogma der Dreieinigkeit aus dem Jahr 325 glaubten (siehe dazu http://www.theologe.de/freiechristen1.htm#Dreieinigkeit).
 



3.  
Kann man die Bibel am Gebot der Liebe überprüfen?

Vielen Dank für Ihre ehrliche und mutige Internetseite, in der ich gerne gelegentlich lese! In http://theologe.de/theologe18.htm fand ich u. a. den Lehrsatz Nr. 98 der R.K.K., nämlich: "Wer nicht alle Bücher der Heiligen Schrift mit allen ihren Teilen, wie sie die Kirchenversammlung von Trient anführte, als heilige kanonische Schriften anerkennt oder wer leugnet, dass sie von Gott eingegeben sind, der sei ausgeschlossen."
Könnte man an dieser Stelle nicht sogar Paulus zitieren, der schrieb: "Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt" (1. Thessalonicher 5, 21-22), oder noch besser die von Jesus Christus überlieferte Aussage: "Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist" (Johannes 7, 17). Ich finde, dass aus dieser Sichtweise heraus auch die Bibel am christlichen Gebot der Liebe (z. B. Lukas 10, 27) bzw. anhand der natürlichen Ethik überprüfbar ist. Wie stehen Sie dazu? M. W.

Vielen Dank für die Rückmeldung. Wir sehen es genauso. Man sollte die einzelnen Passagen der Bibel genauso prüfen, ob sie mit dem Gebot der Liebe im Einklang stehen. Sonst hat man einen papierenen Papst, und es bestünde die sehr große Gefahr, dass man eines Tages wieder verstärkt nach den brutalen Stellen der Bibel (z. B. Völkermord, Hinrichtungen) handelt, was es ja alles schon gegeben hat. Ein fast 100 %ig funktionierender Prüfungsmaßstab ist die Goldene Regel der Bergpredigt: "Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihr ihnen zuerst." Oder im Umkehrschluss: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu."

 



4.
Hat die Verehrung für Johannes Paul II.
etwas mit Jesus zu tun?

Ich habe eben durch Zufall ihre Web-Seite gefunden und habe mir durchgelesen, was sie so über die "Anbetung" des Papstes geschrieben haben. Ich bin streng katholisch erzogen wurden und kenne es so, dass wenn ein Freund, Verwandter oder Bekannter gestorben ist, für diesen drei Tage gebetet wird. Also wird nach Ihren indirekten Angaben dieser Mensch auch angebetet ?! Ganz ehrlich, das ist doch der größte Schwachsinn! Ich sehe es einfach so, dass der Papst einfach nur das Wort Gottes verbreitet hat und somit ein Jünger von Jesus der Neuzeit ist. So wie Sie alles schreiben, habe ich das Gefühl, dass Sie über etwas verbittert sind. Aber es hat ja jeder nicht verheiratete katholische Mann die Möglichkeit, Papst zu werden. Vielleicht werden Sie es ja mal und dann können Sie alles ändern was Ihnen nicht passt. L. D.
 
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Es ist allerdings so, dass beim Papst sicher anders gebetet wurde als bei einem Tod eines Ihrer Verwandten oder Freunde. Schon jetzt spricht man von der baldigen Heiligsprechung von Johannes Paul II., und er wurde schon jetzt angerufen wie ein "Heiliger", und ich weiß wohl, dass die katholische Kirche dies von einer Anbetung unterscheidet. Doch bei all´ der Verehrung ist es nicht verwunderlich, dass ein Reporter des Bayerischen Rundfunks sich versprochen hat und auch bei Papst Johannes Paul II. von "Anbetung" sprach.

Grundsätzlich: Ich kenne viele Christen guten Willens, denen es sehr unangenehm ist, wenn Aufhebens um ihre Person gemacht wird. Das sagte der verstorbene Papst zwar vordergründig von sich auch. Doch alleine schon die "Rolle" des Papstes, so wie sie sich entwickelt hat, als Mensch auszufüllen, ist zwangsläufig mit einem massiven Kult um die Person verbunden. Allein schon dadurch, dass diese Person bei allen Auftritten in - gelinde gesagt - übertriebener Weise im Mittelpunkt steht - von der Kleidung bis zur exklusiven Behandlung - bringt dies zum Ausdruck. Diesem Äußeren entspricht auch die Fülle der kirchlichen Macht. Ich glaube, dass es ein echter Jünger Jesu in dieser Rolle als Papst überhaupt nicht aushalten würde. Wer allerdings Papst wird, war zuvor in der Regel schon Bischof und Kardinal (= Exzellenz und Eminenz) und hat sich also schon an dieses Umfeld des Huldigens und Gehuldigt-Werdens gewöhnt.

Mir geht es nicht um irgendwelche persönlichen Dinge - weder aus der eigenen Biographie noch aus dem Leben des Papstes -, sondern um Anstöße, die dazu ermuntern sollen, einmal das Vordergründige zu hinterfragen und vielleicht zu einer grundsätzlich anderen Sicht der Dinge zu kommen. Letztlich geht es mir darum, Christus aus allen diesen Dingen heraus zu halten und etwas gegen die Behauptung zu tun, bei dem ganzen katholischen Brimborium ginge es um Nachfolge Jesu. Die Kirche mag sich "römisch-katholisch" nennen, aber sie soll Christus bzw. Jesus einfach aus dem Spiel lassen, wenn sie sich an heidnischen Kulten orientiert statt schlicht und einfach die Spuren des Mannes aus Nazareth zu suchen. Dazu würde z. B. gehören, dass alle Kleriker ihren Status und ihren Habitus, ihr ganzes fromme Getue, ablegen und dass sie einfach demütige Brüder unter ihren Geschwistern werden und dass sie - wenn sie noch nicht im Rentenalter sind - etwas Vernünftiges arbeiten. Und das alles möchten die "Herren der Kirche" leider nicht, weil es dem menschlichen Ego unangenehm ist.
 



5.
Wie mache ich ohne Kirche auf Gott aufmerksam?

Ihre Zeilen haben mich sehr beeindruckt und nachdenklich gestimmt. Bin Katholikin, allerdings eine sehr kritische. In vielem stimme ich Ihnen absolut bei. Allerdings stelle ich mir die Frage, wie mache ich ohne Kirche bzw. ohne größere Gemeinschaft auf Gott aufmerksam? Benötigen viele Menschen nicht einen Ort, an dem sie sich austauschen und  einer Predigt lauschen können. Ich bezweifle, ob die Hauskreise dazu in der Lage sein können. Hier habe ich doch Bedenken, ob da die Lehre von Jesus nicht doch noch mehr verloren geht. D. H.
 
Zu Ihrer Frage bzw. Ihren Bedenken kommt mir in den Sinn, dass es meines Erachtens der richtige Ansatz ist, danach zu fragen, was der Lehre von Jesus und ihrer Verwirklichung am meisten dient. Ich habe die Frage in verschiedenen Phasen meines bisherigen Lebens unterschiedlich beantwortet und die jeweils entsprechenden Konsequenzen gezogen. Dabei war mir wichtig, die Fragen ohne Angst und Voreingenommenheit stellen zu können, mein Gewissen wach zu halten und das Ergebnis offen lassen zu können. So habe ich vielfach eine "Führung" in meinem Leben erlebt, für die ich heute sehr dankbar bin. Die Größe und der Einfluss einer Gemeinschaft trat dabei hinter die Frage nach der Wahrheit und Stimmigkeit zurück, weswegen ich auch lernen durfte, manche Strecken ganz alleine gehen zu müssen. Manchmal dachte ich dabei an Jesus, der wohl auch in vielen Situationen alleine oder fast alleine da stand und nur mit Gott verbunden war. An der nächsten Wegkreuzung traf ich dann aber wieder auf neue Gefährten, und so ging es wieder ein Stück gemeinsam weiter ...

 



6.
Könnt Ihr nicht mehr Versöhnliches
über die Kirchen schreiben?

Ein Leser (E. H.) wies uns auf  "Positives" in den Kirchen hin und schrieb: "Könnt Ihr nicht mehr Versöhnliches über die Kirchen schreiben?"

Sie haben von "Versöhnlichem" gesprochen. Von unserer Seite her sind wir immer zu einer Versöhnung bereit, und wir haben nichts gegen Menschen in der Kirche, gerade weil wir selbst lange Jahre dazu gehörten und die jeweiligen Verhältnisse kennen. Keiner von uns ist im Zorn geschieden oder aufgrund von persönlichen Konflikten, sondern aus grundsätzlichen Gründen.
Denn wir nehmen wir es nicht mehr hin, wenn dort der Name "Christus" missbraucht wird für eine katholische, protestantische oder römisch-lutherische Kunstreligion, die anderen - mit schlimmen Folgen - das vorwirft, was am ehesten auf sie selbst zutrifft, nämlich eine "Sekte" zu sein. Denn man kann es so sehen, dass sich die Kirche vom Urchristentum abgespalten hat (secare = abspalten). Dabei setzt sie die Tradition alter heidnischer Kultreligionen fort und hat einige Ansätze der Lehre von Jesus dort mit hinein gewoben (vgl.
www.theologe.de/kirche_verrat-an-jesus-dem-christus.htm). In kurzer Zeit ist sie dabei zur staatlich finanzierten Großsekte aufgestiegen. Sie widerspricht Jesus von Nazareth in wesentlichen Punkten, worauf wir immer wieder hinweisen.
Dass es in der Kirche auch Positives gibt, ist unbestritten, doch sprechen die Kirchen seit Jahrhunderten schon selbst genug darüber, so dass hier kein Informationsdefizit besteht. Wichtig ist uns jedoch die Korrektheit. Was wir schreiben, muss stimmen.
 
Mit den Kirchen haben wir - zusammengefasst - sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Mit Hilfe ihrer Sektenbeauftragten versuchen sie in Deutschland, Andersgläubige, die ihnen nicht genehm sind, z. B. in deren beruflicher Existenz mit Mitteln der Lüge und Verleumdung zu ruinieren. Oder diese Menschen werden von der Kirche diskriminiert, oder es wird versucht, ihnen Rechte vorzuenthalten und vieles mehr. Was heute geschieht, ist eine Fortsetzung der Inquisition mit modernen Mitteln, was z. B. Hubertus Mynarek in seinem Buch Die neue Inquisition oder Gerhard Besier und Erwin Scheuch in Die neuen Inquisitoren  an vielen Beispielen aufgezeigt haben. Leider ist in unserem Land immer noch oftmals der Staat das Ross und die Kirche der Reiter, der das Staatsross lenkt. Von einem weltanschaulich neutralen Staat sind wir noch weit entfernt, und die Kirchenoberen untergraben und bekämpfen dieses Gebot des Grundgesetzes, wo sie nur immer können. Und auch wenn viele Politiker keine aktiven Kirchenchristen mehr sind, so sind sie doch immer wieder gemeinen kirchlichen Stellungnahmen auf den Leim gegangen, wenn es um die Beurteilung der kirchlichen Konkurrenz ging. Und in allen möglichen Entscheidungsgremien der Gesellschaft (v. a. in den Rundfunkräten der Medien oder den Beiräten der privaten Sender; in Ethik-Kommissionen, politischen Ausschüssen u. v. m.) sitzen die Vertreter der Kirche. Und geht es dort um ein religiöses oder spirituelles Themen, wird es ihnen als den "Experten" zugeschoben, obwohl sie in Wirklichkeit nur Lobbyisten ihrer Institution sind. Ihre Vormachtstellung nutzen sie dabei massiv aus, indem sie bestimmen, was in unserer Gesellschaft als "religiös korrekt" zu gelten hat und was nicht und gegen welche Form von Spiritualität z. B. Stimmung gemacht werden soll..
 
Versöhnung könnte hier auch bedeuten, dass die Kirchen die vielen Spielarten der modernen Inquisition beenden und auf ihre zahllosen Privilegien und Milliarden an Subventionen verzichten, so dass es in unserem Land ein faires Nebeneinander unterschiedlicher Gemeinschaften gibt, und jeder Gottsucher frei prüfen kann, wem er sich anschließen möchte. Aus den USA kommen zwar viele weniger gute Einflüsse. Auf diesem Gebiet jedoch könnte man sich in Deutschland mal eine Scheibe von dem US-amerikanischen Staat abschneiden. Ein solcher staatskirchenherrlicher Klüngel wie in Deutschland, der nebenbei Milliarden kostet, wäre dort undenkbar.
Dazu wäre es auch hilfreich, wenn die Kirchen ihre "Zwangsmitgliedschaften" per angeblich notwendigen Säuglingstaufen einstellen, was an und für sich ganz einfach wäre: Sie bräuchten nur festzulegen, dass der getaufte Säugling durch die Taufe nicht mehr automatisch kirchensteuerpflichtiges Mitglied ist, wenn er später etwas verdient. Diese Entscheidung könnte der Betreffende dann zu gegebener Zeit selber treffen. Außerdem wäre es doch eine Idee, wenn die Kirchen ihre Einschüchterungsversuche beenden (etwa mit der jenseitigen Verdammnis), wenn Menschen diese unfreiwillige Mitgliedschaft durch Austritt beenden wollen. Dazu müssten sie aber an dieser Stelle ihre Lehre ändern. Wenn die Kirchenvertreter jedoch sagen, das können wir nicht, dann ist diese Aussage auch sehr aufschlussreich.
 
Wir machen uns hier, ehrlich gesagt, keine Illusionen mehr. Stattdessen schlagen wir vor, dass die vielen Menschen ihr positiven Beiträge und Hilfsangebote nicht mehr in eine Institution hineintragen, die Christus nicht gewollt hat. Sie verhelfen ihr damit nämlich vielfach zu einem Feigenblatt und helfen mit, der Kirche den Anschein des Positiven zu geben. Auf diese Weise werden dann auch die Wurzeln des kirchlichen Amts-Christentums nicht so schnell entlarvt, und diese sind leider nicht positiv.
So glauben wir es. Wir wollen Sie davon nicht überzeugen, doch handelt es sich hier nicht um eine persönliche Angelegenheit von Kirchenaussteigern, sondern um etwas Grundsätzliches. Jeder kann ja selbst der Sache auf den Grund gehen, wenn er möchte.
 



7.
Haben Sie schon darüber nachgedacht,
dass Sie selbst vielleicht Werkzeuge des Teufels sind?

Mat. 7, 16: "Denn an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen …" Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass Sie selbst vielleicht Werkzeug des Teufels sind? R. M.

Wie Sie schon richtig schreiben. "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen". Das gilt natürlich auch für uns. Doch der Reihe nach: Die selbsternannten Kirchen "Jesu Christi" hatten dabei nahezu 2.000 Jahre Zeit, um Früchte zu bringen. Und welches waren die Früchte? Was hat also das kirchliche Christentum den Menschen gebracht? Was zeigt ein Blick auf die letzten ca. 1.800 Jahre? Allein Ihre Frage an uns hatte in früheren Jahrhunderten meist zur Folge, dass man den Befragten anschließend entweder zum Exorzisten oder zum Henker schickte. Die Früchte der Kirche sind u. a. Glaubenskriege, grausamste Foltermethoden, Hinrichtungen, Anstachelung zu Weltkriegen, Kreuzzüge, Raubzüge, Versklavung, brutale fortgesetzte Zerstörung und Vernichtung der Schöpfung Gottes, bestialische Behandlung der angeblich seelenlosen Tiere, unermessliches Leid der Tiere und der Mutter Erde, Psychosen und Neurosen, Verzweiflung über einen angeblich geheimnisvollen Gott, geistige Irreführung, Verbreitung von Angst und Schrecken durch bösartige Lehren wie z. B. über eine "ewige Verdammnis", unermesslicher Reichtum mit Pomp und Prunk, wirkungslose Segenssprüche für die Armen, veräußerlichter betrügerischer Kult statt innerer Gottesbeziehung, Trennungen, Spaltungen und Ausgrenzungen, Verfolgung, Hinrichtung und Diskriminierung Andersgläubiger, Verleumdung und Bekämpfung Andersdenkender in der Gegenwart, Heuchelei und Scheinheiligkeit, Verführung Minderjähriger und vieles mehr, so dass der bekannte Historiker Karlheinz Deschner einmal schrieb: "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit … keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist" (in: Die beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 43).
Gerade die unzähligen Verbrechen der Vergangenheit sind noch nicht gesühnt geschweige denn wieder gut gemacht, und die Täter werden vielfach als Heilige oder Selige verehrt - als unübersehbares Zeichen, dass sich die Kirche nicht wirklich geändert hat.
Da können andere trotz ihrer Schwächen nicht so leicht mithalten. Und wie wollen Sie das mit dem teilweise positiven Tun einzelner Kirchenmitglieder aufwiegen?

Antwort von R. M.: Mat 16, 18: Jesus spricht: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein."
Ihr seid vom rechten Weg abgekommen. Dabei frevelt Ihr gegen Gott. Ihr glaubt nicht mehr der Heiligen Schrift, aber predigt aus ihr! Ihr glaubt nicht mehr an den Teufel und die ewige Verdammnis und Gottes Gerechtigkeit, sondern macht euch eigene Götzenbilder aus Tieren [Anmerkung der Redaktion: wir achten die Tiere als Geschöpfe, in denen ebenfalls Gott wirkt, und wir bringen sie deswegen nicht um] und eine eigene neue Moral … Ihr glaubt, Antworten zu kennen und dabei kennt Ihr nicht mal die Fragen. Euch ist nichts heilig, nur das, was ihr selbst heilig sprecht [Anmerkung der Redaktion: Für uns ist nur Gott heilig und wir sprechen deshalb weder anständige Menschen noch Verbrecher oder Neurotiker heilig]. Das schreibe ich nicht, um euch zu verwerfen, sondern in der Hoffnung, dass Ihr euch bekehrt. Denn wenn sein Gericht kommen wird, werdet Ihr nicht mehr sagen können "Wir haben es nicht gewusst!"


Natürlich können Sie glauben, was Sie möchten, denn wir sind tolerant. Aber es wäre ehrlicher und besser, Sie würden Jesus von Nazareth nicht mit hineinziehen in Ihre kirchlichen Gedanken. Denn da hilft auch keine Bibelfälschung: Jesus ist kein Mann der Kirche, sondern ein Mann des Volkes. 
Wie wäre es, wenn die Kirchenleute mal zur Abwechslung sich selbst als die "verlorenen Söhne" betrachten und nicht immer die anderen? Das wäre einmal ein echter Schritt nach vorne.

Antwort von R. M.: Die Kirche ist kein Monster, kein Ding. Aber jeder, der getauft wurde, ist gleich ein Mitglied der Kirche, ob er will oder nicht. Dass man ein Teil der Kirche wird, sagt nichts darüber, ob man ins Himmelreich kommt oder nicht. Also, wenn man einmal gültig getauft worden ist, bleibt es das ganze Leben, ob man will oder nicht. Wenn man versucht, auszutreten, ist es nur ein trauriges Bekenntnis dieses Menschen … Also, es ist passiert, passiert und wird passieren, dass die Menschen in der Kirche fallen und sündigen, aber die Kirche ist dennoch mehr und wird bestehen …

[Anmerkung der Redaktion: Die Kirche wird solange bestehen, solange vor allem der Staat so dumm ist und sie aus allgemeinen Steuereinnahmen finanziert und solange die Politiker vor dem Stuhl Petri auf die Knie fallen anstatt vor Gott, ihrem liebenden Vater, demütig werden. Dass die Kirche (einmal mehr im Gegensatz zu Jesus) einen Menschen niemals frei lässt und deshalb auch einen Anspruch auf seine Seele erhebt, wenn er aus der Kirche ausgetreten ist, wie der Kirchenmann hier korrekt darlegt, ist auch an dieser Stelle in der Broschüre Freie Christen Nr. 1 besprochen. Das Bibelwort aus Matthäus 16 über Petrus ist hier in Der Theologe Nr. 2 erklärt bzw. ausführlich in Der Theologe Nr. 51. Dem Kirchenmann haben wir allerdings nicht mehr geantwortet.]
 



8.
Was ist denn das für eine Herangehensweise
an eine solch ehrwürdige Institution wie die Kirche?

Was ist denn das für eine Herangehensweise an eine solch ehrwürdige Institution wie die Kirche? Sie polemisieren über die Lehre der Kirche anstatt diese in ihrer Tiefe richtig auszuleuchten ... [und ähnliche Vorwürfe. Dazu nachfolgend eine grundsätzliche Stellungnahme und ein Hilfe für alle, die z. B. an dem intellektuellen Gehabe von Theologen leiden.]

Uns wird ab und zu von kirchlichen Theologen vorgeworfen, wir hätten die kirchlichen Lehren "in ihrer Tiefe" nicht lehrbuchgetreu dargestellt oder wir müssten die Zusammenhänge von theologisch "problematischen" Sachverhalten viel ausführlicher "ausleuchten" (natürlich im kirchlichen Sinne) oder ähnliches. Meistens steckt aber nicht sehr viel Substanz hinter solchen bitter-blumigen Rückmeldungen, was sich spätestens dann herausstellt, wenn es um die Fakten geht. Denn auf unsere regelmäßige Rückfrage, was genau denn "nicht richtig" oder "zu knapp" erklärt sein soll, bekommen wir dann oft keine Antwort mehr oder nur eine ausweichende. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit kirchlichen Theologen, auch in vielen öffentlichen Veranstaltungen, ist uns eine Verhaltensweise aufgefallen, die dabei fast immer wiederkehrte: Hat man irgendwo bei uns einen tatsächlichen oder vermeintlichen kleinen Fehler gefunden, lastete man ihm das ganze Gewicht der Kritik auf, so etwa nach dem Motto: "Sie haben den geografischen Breitengrad von Auschwitz nicht korrekt berechnet". Wenn ein vernünftig denkender Mensch in einer solchen Situation nicht aufpasst, geht er dem kirchlichen Theologen auf den klebrigen Leim und spricht mit ihm über Fehler bei der Breitengrad-Messung statt über die Vernichtung von Menschen. Solches passiert so oder so ähnlich noch recht oft, weil die meisten Theologen immer noch glauben, die "Spielregeln" bestimmen zu können. Denn schon seit Jahrhunderten spielen die meisten von ihnen ihre Rolle der auf dem hohen Ross trabenden "Autoritäten", die gnädig auf Andersdenkende wie auf "verlorene Söhne" herab blicken. Wird diese "Gnade" aber vom Volk nicht entsprechend gewürdigt und hofiert, hat man in früheren Zeiten auch schon mal die Todesurteile veranlasst. Mit Jesus von Nazareth gesprochen werden dabei "Mücken ausgesiebt" und "Kamele verschluckt", und Jesus hatte für diese auf dem hohen Ross reitenden Amtsträger vor allem eine Botschaft: "Weh euch, ihr Schriftgelehrten!"
Begegnet jemand also wieder einmal Experten für das Schlucken von Kamelen und für das Aussieben von Mücken, z. B. bei einem öffentlichen Gespräch, sollte man sich nicht von ihnen ins Bockshorn jagen lassen. Anstatt sich genötigt zu fühlen, sich nach ihren Spielregeln zu rechtfertigen, wäscht man ihnen besser ungeniert den Pelz. Dann merkt man manchmal schnell, dass man es mit einem Wolf im Schafspelz zu tun hat. Denn unter der bis dahin "süßen Rede" explodiert womöglich jetzt ein brodelnder Vulkan. Der Hochmut kirchlicher Theologen, der sich oft unter samtpfotiger Scheinheiligkeit verbirgt, kann auf diese Weise schneller entlarvt werden. Und nach der Entlarvung hat sich schon mancher zuvor vermeintlich "besorgte" Seelsorger plötzlich als hoch aggressiv entpuppt. Und man erlebt ein Indiz mehr dafür, dass die Kirche sich nicht wirklich geändert hat.
Dabei handelt es sich - nebenbei gesprochen - um einen staatsfinanzierten Hochmut, denn die Basis dafür sind die Gelder aus dem allgemeinen Steueraufkommen (nicht die Kirchensteuer!), mit denen das ganze System konfessioneller Theologie finanziert (mehrere Hundert Millionen Euro jährlich) und am Laufen gehalten wird. Ohne die staatlichen Subventionen würde die ganze aufgeblasene kirchliche Theologie bald in sich zusammenfallen.

 



9.
Über die Kirche und ihren Kampf gegen religiöse Minderheiten -
 Auseinandersetzung mit einem engagierten Katholiken

Bei meinem Blick in die Kirchengeschichte bin ich nicht nur auf die von Ihnen (zu Recht) beklagten Mängel gestoßen, sondern auch auf endlos viele Menschen und Entwicklungen, die von dieser Kirche ausgingen und noch immer ausgehen, die die Waagschale der Bewertung so deutlich nach der positiven Seite der Bewertung ausschlagen lassen. Dazu gehört, dass das heutige humane Menschenbild, das alle Welt anerkennt, von der Kirche ausgeht. Dass unsere abendländische Kultur ihren Anfang in dieser Kirche (v. a. in den Klöstern) genommen hat. Dass unzählige Vertreter dieser Kirche unter totaler Selbstaufopferung karitative und soziale Leistungen vollbrachten haben und noch immer erbringen. Dass von Vertretern dieser Kirche in Entwicklungsländern heute noch vorbildliche Aufbauarbeit geleistet wird. Dass die Friedensbemühungen des Papstes schon zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen verhindert haben. Dass die ethischen Appelle, die von dieser Kirche ausgehen, heute eine Art "Weltgewissen" darstellen, das sonst nirgends zu finden ist. Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig erweitern ... Es ist einfach, schwarze Schafe, die es in allen Bereichen, in denen Menschen wirkt, gibt, ausfindig zu machen ... Ich bin zuversichtlich, dass die Mehrheit der Leser genügend geistige Reife besitzt, um Ihr Machwerk zu durchschauen. W. L.

Ich habe kürzlich in einem Buch über die Geschichte der Inquisition gelesen (vgl. http://www.theologe.de/LInquisition.htm), und ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie die Grauen und das unermessliche Leid auch nur annähernd erfassen, wenn Sie glauben, so leichtfüßig auf die positive Seite der Waagschale hüpfen zu können. Auch der Papst kann das nicht, und es bedarf schon massiver Geschichtsverfälschungen bzw. -klitterungen, um die Geschichte und Gegenwart unserer Kultur so darzustellen, wie Sie dies versuchen.
Ich will mich jedoch kurz fassen und stellvertretend für viele Leiden nur daran erinnern, dass die Kirchen durch ihre Sektenbeauftragten (die man besser "Rufmordbeauftragte" nennen sollte) die Inquisition früherer Jahre heute gegenüber vielen Andersgläubigen fortsetzen - nur mit anderen Mitteln und - Gott sei Dank für die Opfer - mit geringeren Möglichkeiten. Und würden Menschen solcher gebrandmarkten Glaubensgemeinschaften "unter totaler Selbstaufopferung karitative und soziale Leistungen" hervorbringen, wie Sie dies lobend über Katholiken schreiben, dann mögen Sie persönlich vielleicht Beifall spenden, wenn Sie es denn wirklich tun würden. Ihre Rufmordbeauftragten sprechen dann jedoch von "Ausbeutung", von "Entindividualisierung", von "totalitären Sekten" und manchem mehr. Letztlich sind dies in der Regel Projektionen des eigenen Fehlverhaltens bzw. Projektionen von kirchlichen Missständen.
Und wenn wir die Finger in die Wunden der Kirche legen, geht es uns ja nicht um eine Kritik an ein paar schwarzen Schafen oder um eine Entlarvung von Fehlern, die wir alle noch haben, sondern um einen "Stammbaum des Verbrechens", der seine Früchte trug und der noch fruchtbar ist ...
Leider sind viele "haupt- und ehrenamtlich im Dienst am Nächsten tätige Menschen", von denen Sie schreiben, damit beschäftigt, diesen unheilvollen Kern durch ihr gut gemeintes Tun zu verschleiern. Doch warum tragen sie ihr Positives in eine Institution hinein, die Jesus nicht gewollt hat und die nach dem Historiker Karlheinz Deschner wie keine andere "zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist"? Und Sie und andere sind weiterhin dabei? Ist das ein Zeichen von "geistiger Reife"? Oder vielleicht eher von Jahrtausende alter Indoktrination? Eine Fülle von Rückmeldungen auf unsere Informationsschrift zeigt uns, dass allmählich der alte Staub aus der Seele gekehrt wird und immer mehr Menschen beginnen, frei zu atmen ...

W. L.: Ich will auch nichts Positives herausfiltern und gegen Negatives aufrechnen, aber Sie werden mir doch zugestehen, dass es mir erlaubt ist, mich mehr an den weißen als an den schwarzen Schafen zu orientieren. Ich weiß nicht, wo Sie die Wurzeln Ihres "Stammbaums des Verbrechens" sehen, wenn Sie von "jahrtausendealter Indoktrination" sprechen - etwas bei Konstantin dem Großen oder gar schon bei Paulus? Vielleicht haben Sie doch auch schon von Thomas von Aquin gehört, Elisabeth von Thüringen, Karl Borromäus [Anmerkung: siehe hier], von Adolph Kolping, Karl Rahner ... und Mutter Teresa, um nur einige zu nennen. Dazu die unabsehbare Schar von sozial und karitativ Tätigen im Dienste der Kirche, ohne die unser Staat, falls er deren Aufgaben übernehmen müsste, Konkurs anmelden könnte! Selbst bei den viel geschmähten Päpsten gibt es nicht nur sittenlose Menschen wie Alexander VI., sondern auch höchst verehrungswürdige Vertreter wie etwa Hadrian VI., den großen Soziallehrer Leo XIII. und in jüngster Zeit den gütigen Johannes XXIII. ... Und hat es nicht schon unter den Jüngern Jesu einen gegeben, der ihn ans Kreuz lieferte und einen, der ihn verleugnete? Hat Jesus das Apostelkollegium deswegen eine Verbrecherclique genannt?

Es geht nicht darum, irgendwelche Sünder an einen Pranger zu stellen, sondern in erster Linie um eine Aufklärung darüber, dass die katholisch Lehre und ihre Hierarchie nicht christlich sind (siehe dazu z. B. www.theologe.de/freiechristen1.htm oder www.theologe.de/theologe18.htm). Ist dieser grundsätzliche Etikettenschwindel einmal entlarvt, kann man über manches auch mal im Detail reden und sich hier und da auch sehr nahe kommen. Doch die Behauptung der Kirchen, Nachfolger oder gar Stellvertreter des Jesus von Nazareth zu sein, lassen wir nicht mehr durchgehen - und zwar sowohl aufgrund der Lehre als auch aufgrund vieler Aspekte aus der Praxis.
Schon unter Konstantin und später vor allem unter Theodosius I. wurde die Kirche im 4. Jahrhundert in Kürze zu einer verfolgenden Institution, die mit ihrem Absolutheitsanspruch - dem Philosophen Karl Jaspers zufolge - auch heute noch ständig "auf dem Sprung steht, die Scheiterhaufen für Ketzer neu zu entflammen." Hier liegt nach wie vor die Zeitbombe, die von vielen Zeitgenossen schlicht unterschätzt wird.
Es ist uns gut verständlich, dass Sie sich an mehr oder weniger positiven Gestalten innerhalb der Kirche orientieren. Doch welches System macht sich deren guten Ruf zu Nutze? Als Beispiel dafür haben auch wir uns einmal mit Elisabeth von Thüringen beschäftigt. Und wozu kann das christliche Tun einzelner Menschen missbraucht werden, wenn es innerhalb einer Organisation geschieht, die Jesus nicht wollte? So mag es ja sein, dass man auch bei Päpsten positive Eigenschaften ausfindig machen kann, denn jede Mensch hat auch positive Seiten. Doch wollte Jesus einen Papst, einen so genannten "Heiligen Vater"? Oder sagte Er nicht "Ihr sollt euch auf Erden nicht Vater nennen, denn einer ist Euer Vater, Euer Vater im Himmel?"
Sie können in diesem Zusammenhang die Jünger von Jesus (Sie verwenden das katholische Wort "Apostelkollegium") nicht mit der kirchlichen Institution vergleichen und einfach nur sagen, hier wie da gebe es Licht und Schatten. Das ist schon richtig, doch der entscheidende Unterschied dabei ist: Jesus wollte die Nachfolge seiner Jünger - von mir aus der "Apostel", wie sie genannt werden. Die Kirche mit ihren Päpsten, Dogmen, Sakramenten und Zeremonien wollte er hingegen nicht - unabhängig vom Verhalten der Amtsträger.
Es darf auch in unerwähnt bleiben, dass der weitaus größte Teil der kirchlichen Sozialleistungen vom Staat finanziert wird und Ihre These eines eventuellen staatlichen Konkurses im sozial-karitativen Bereich ohne Kirche ist schlichtweg falsch. Der geringe kirchliche Eigenbeitrag an den staatssubventionierten Sozialdiensten ließe sich z. B. ersetzen durch das Streichen bei den staatlichen Milliardenzuwendungen für innerkirchliche Zwecke, z. B. den staatlichen Gehaltszahlungen für Bischöfe und andere Amtsträger, der Theologenausbildung an den Universitäten, dem konfessionellen Religionsunterricht, der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer und, und, und ...
Es gäbe noch viel zu sagen, z. B. auch über die kirchlichen Wurzeln der Massentierhaltung und der grausamen Tierversuche, was derzeit ebenfalls mehr und mehr aufgedeckt wird (vgl. www.theologe.de/theologe7.htm#4). Wir wollen Sie von allem nicht überzeugen und Sie mögen bis auf weiteres überzeugter Katholik bleiben. Den Stein des Anstoßes, der ins Rollen gekommen ist, werden Sie jedoch nicht aufhalten können und alles, davon sind wir überzeugt, wird mit der Zeit offenbar werden ...

W. L.: Sie stellen die Behauptung auf, Jesus habe diese Kirche nicht gewollt, keinen Papst, keine Priester, keine Messfeier, keine Riten, keine Heiligenverehrung ... Wenn ich die Bibel lese, meine ich doch, daraus entnehmen zu können, dass Jesus den damaligen Tempelkult, der ähnliche Riten kannte, durchaus respektiert, ja mit vollzogen und nur pharisäische Scheinheiligkeit und Missbräuche gegeißelt hat ... Dass Kaiser Theodosius später das Christentum zur "Staatsreligion" erklärt hat, mag man für intolerant halten - andererseits war sein Verbot der grausamen Zirkusspiele ein Verdienst, das ihm zugute gehalten werden muss ... Die Fehleinschätzung, die Sie bei Ihrer Rechnung mit den kirchlichen Sozialleistungen aufmachen, möchte ich Ihnen nachsehen, wenn Sie den nötigen Einblick nicht haben ...Wenn Sie die Behandlung der Sekten durch die Kirche ansprechen, so mögen Ihre Anschuldigungen vielleicht für das Mittelalter zutreffen, das von völlig anderen Vorstellungen bestimmt war. Heute fühlt sich die Kirche mit Recht dazu verpflichtet, Warnungen vor Sekten auszusprechen, die ihre Mitglieder schamlos ausbeuten und mit psychologischem Druckmitteln eine totale Entpersönlichung und Abhängigkeit erzwingen, die menschenunwürdig ist ... Als Beispiele seien nur die Moon-Sekte oder die Scientology-"Religion" genannt. Sekten wie etwa die Heilsarmee, die sich bedürftiger Menschen annehmen, ohne Andere zu attackieren, werden von der Kirche gewiss nichts zu fürchten haben ...

Ausgerechnet die Kirche erdreistet sich, "Warnungen vor Sekten" auszusprechen. Wissen Sie auch nur von einem pädophilen Scientologen? Oder welcher Moonie hat ein Kind missbraucht? Und wehe, wenn man auch nur einen einzigen dort finden würde, den man verdächtigen könnte! Vergleicht man demgegenüber die Verbrechen, die einzelne katholische Kirchenchristen täglich verüben, seien es Raub, Mord, Kriege, Betrug usw., dann ist es, wie wenn man eine Mücke mit einem Kamel abwiegen müsste. Dazu kommen die kaum zählbaren Sexualverbrechen der Hauptamtlichen (oder die Unterdrückung von Kindern in kirchlichen Heimen in jüngerer Vergangenheit), bei der minderjährige Katholiken "schamlos ausgebeutet" werden und wo vielfach "mit psychologischen Druckmitteln eine Abhängigkeit erzwungen" wird, die beim Opfer zu einer "totalen Entpersönlichung" führen kann. Ich zitiere hierbei nur Ihre eigene Sektenwarnung. Tatsache: Ein vom Priester missbrauchtes Kind malte während der anschließenden Therapie z. B. den Mann im Talar, wie er das Kind in einzelne lose Körperteile zerlegte.
Dazu kommen die Verbrechen im Vatikan (Morde an dem Ehepaar Estermann und evtl. dem Schweizergardisten Cedric Tornay, Vertuschung der Aufklärung; Betrugsbankrott der Banco Ambrosiano, aufgehängter Bankier Calvi unter der Brücke der Barmherzigen Brüder in London, usw.), die alltäglichen Verwicklungen der Kirche in Rüstungskonzerne oder Unrechts-Regimes (z. B. www.theologe.de/theologe16.htm#Argentinien) und vieles mehr. Und Sie wollen vor "Sekten" warnen? Vor sich selber sollten Sie warnen, damit Eltern ihre Kinder z. B. nicht mit dem Priester alleine lassen, denn ein aktiver Priester sagte mir einmal, dass über 20 % seiner Priester-Kollegen zur Pädophilie neigen (und nicht nur 3-5 %, wie manche Experten schätzen), auch wenn die meisten davon dies nicht bzw. noch nicht in die Tat umsetzten. Doch können Sie mir das für Ihren Ortspriester für die Zukunft garantieren?
"Ihr verblendeten Führer", rief Jesus den Theologen Seiner Zeit zu, "die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt". Ja, man siebt die Mücken bei der religiösen Konkurrenz aus und findet man keine, dann wühlt man im eigenen Mülleimer, fängt dort eine Mücke und wirft sie dem Andersgläubigen ins Glas, damit es dort tatsächlich etwas zu sieben gibt für die Sekten- = Rufmordbeauftragten. Denn was man anderen unterstellt, sind oftmals Lügen, Verleumdungen, Verdrehungen oder kalkulierte Missverständnisse wider besseren Wissens. Es ist dann letztlich der Unrat aus dem eigenen Mülleimer, den man auf die anderen zu Unrecht projiziert. Die Folgen für den Betroffenen: Ausgrenzung, Diskriminierung, Zerstörung von Familien, Ruin der beruflichen Existenz und so weiter. Ich könnte von den vielen Situationen, die mir persönlich bekannt sind, ein Buch schreiben.
Aber was würde eine solche Offenlegung bei den Inquisitoren und ihren Helfern und Helfershelfern der Gegenwart nützen? Diese "Kamele" betrachtet man dort nur als "Kamellen" und man verschluckt sie mit Leichtigkeit. Und weil die Betroffenen deshalb nur rufermordet, nicht aber körperlich ermordet werden wie in früheren Zeiten, hält man sich schon für tolerant.
Und auch durch das Nadelöhr würden die katholischen und evangelischen Kamele nach eigener Einschätzung doch wohl hindurch kommen. Teile des Vermögens der Kirchen in Deutschland in Höhe von 981,1 Milliarden DM (Der Spiegel Nr. 49/2001) dürften demnach wohl nicht mit gemeint sein, wenn Jesus sagt "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden" bzw. "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon"? Und wenn Ihre Kirchengemeinde einige Scherflein für das öffentlich Soziale gibt und nicht nur Spenden einiger Mitglieder an andere Mitglieder weiterreicht, gut. Man kann vielleicht von der Addition der "Scherflein" sprechen, vergleicht man es mit dem "Schorf" von ca. 14,5 Milliarden Euro jährlich, welche die beiden Großkirchen ( = Großsekten), die katholische und die evangelische, in Deutschland aus dem allgemeinen Steuertopf jährlich an Subventionen erhalten - trotz ihres Vermögens von fast einer Billion DM = ca. 500 Milliarden Euro. Und auch die aus der Kirche Ausgetretenen müssen ihre Taler für die Kirchensubventionen beisteuern. Noch nicht gerechnet die Staatszuschüsse für die kirchlichen Sozialwerke (noch mal ca. 10 Milliarden Euro jährlich), vom katholischen Deutschen Orden ganz zu schweigen, für dessen Pleitenwirtschaft einmal mehr der Staat eingesprungen ist. Fragen Sie doch mal nach, wie kirchliche Krankenhäuser, Schulen oder Altenheime finanziert werden! Nun gut, doch wehe, eine kirchlich bekämpfte Glaubensgemeinschaft wagt es ebenfalls, ein einziges Krankenhaus oder eine einzige Sozialstation, eine einzige Schule oder einen Kindergarten zu eröffnen (und  vielleicht sogar einen einzigen Euro Staatszuschuss zu beantragen)! Da hört die scheinheilige Toleranz der Kirchen nämlich meist schon auf und man läuft dagegen Sturm.
Alles, was wir schreiben, lässt sich beweisen, vorrechnen oder nachprüfen. Doch was nützen Beweise für jemanden, der nicht sehen will! Um zu verstehen, dass Jesus diese Kirche nicht gewollt hat, genügt vielen schon das unvoreingenommene Lesen im Neuen Testament. Vielleicht durfte dieses Buch deshalb so lange nicht vom Volk gelesen werden. Doch wenn jemand nicht sehen will, dann ist den wiederum auf Staatskosten ausgebildeten Kirchenmännern und ihren Helfern schon immer etwas eingefallen, damit man auch weiterhin nicht zu sehen braucht, sondern weiterhin nur glauben darf. Und man wird auf entsprechendes Geheiß noch jeden Schwerverbrecher in einen Heiligen verzaubern können (so wie man umgekehrt jeden ehrenwerten Mensch in den Schmutz ziehen kann) - man muss nur das gesellschaftliche Umfeld mit heranziehen, und man mag das Verbrechen ja als solches für "wenig erfreulich" halten, aber stand der kirchliche Verbrecher nicht im Dienste der Wahrheit oder hat er doch immerhin ("die Autobahnen" oder) eine Kirche oder etwas Vergleichbares gebaut oder war liebevoll zu X oder Y? "Und warum so intolerant, ihr Opfer?" so müsste man den kirchlichen Umgang mit unliebsamen religiösen Minderheiten einmal entlarvend karikieren. "Seid doch etwas toleranter zu euren Rufmördern oder Scharfrichtern!" Das sei ja richtig schlimm, wie aggressiv diese Opfer immer sind! Woher nur dieser Hass?
Doch vielleicht ist der "Ketzer" ja in Wirklichkeit ganz friedlich und es ist wiederum nur der eigene verdrängte Hass, die eigene übermäßige Wut, die der "Ketzer" dem Kirchenmann spiegelt und die dieser nur auf ihn projiziert. Und die einmal hoch kochen muss, damit man die reißerischen Wolfskrallen unter seinem heuchlerischen Schafspelz erkennt.
Sie mögen Ihrer Kirche vieles verzeihen, aber eines würden wir auf jeden Fall vorschlagen: Nennen Sie diese Kirche von uns aus "römisch-katholisch" oder nur "katholisch" oder "vatikanisch" oder "päpstlich" oder wie auch immer. Doch bringen Sie den Namen von Christus nicht länger in Verbindung mit den heidnischen Kultlehren und den veräußerlichten Praktiken und Riten der Kirche (vgl. dazu http://theologe.de/kirche_verrat-an-jesus-dem-christus.htm). Und ziehen Sie Christus damit nicht länger in den Schmutz dieser Institution hinein, welcher täglich mehr an die Oberfläche kommt, weil sich vielleicht allmählich der entlarvt, der hinter ihr steht. Und nennen Sie diese Kirche wenigstens nicht mehr "christlich"!

 



10.
Zur Berichterstattung über den Selbstmord
 des katholischen Dekans von L.

Der Selbstmord des römisch-katholischen Dekans von L., Dr. Klaus-Peter K. (+ 2006), hat für viel Unruhe gesorgt. Der  Beitrag in Der Theologe gab dabei auch Anlass zu Kritik bei Katholiken, die den Stellvertreter des Bischofs sehr schätzten. Da die E-Mails nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, nachfolgend nur einer der Antwortbriefe an einen besorgten Katholiken:

Gerne antworten wir ein paar Zeilen. Zunächst einmal möchten wir klar stellen: Wir haben nichts Falsches geschrieben. Wir schreiben auch nicht, dass Herr Dr. K. jemanden sexuell missbraucht hat. Doch ist eine homosexuelle Beziehung eines Dekans, der gleichzeitig als Stellvertreter des Bischofs fungiert, mit einem 16-Jährigen, der ihm in seinem Amt z. B. als Helfer anvertraut ist, zumindest sehr problematisch, auch wenn der Jugendliche den homosexuellen Handlungen mit dem Würdenträger zustimmt. Darin dürften sich wohl alle einig sein. Zudem fällt ein solches oder ähnliches Verhältnis ja - ganz allgemein gesprochen und nicht auf Dr. K. bezogen - wohl nicht am 16. Geburtstag eines Jugendlichen vom Himmel (dem Tag der offiziellen "Sexualmündigkeit"), so dass grundsätzlich auch nach einer Vorgeschichte für ein später offenbar gewordenes sexuelles Abhängigkeitsverhältnis gefragt werden kann. Und Tatsache ist nun mal, dass unzählige Kinder und Jugendliche auch über lange Zeiträume hinweg von kirchlichen Amtsträgern zunächst angelockt und später zu gegebener Zeit sexuell missbraucht oder verführt wurden. Näheres wissen in den speziellen Situationen die Betroffenen selbst, und hier ist die katholische Berichterstattung meist an Scheinheiligkeit oder gar Unverfrorenheit nicht mehr zu überbieten.
 
Ob diese allgemeinen Ausführungen auch hier zutreffen, wissen wir nicht, und es steht uns auch nicht zu, darüber zu urteilen. Doch natürlich wissen manche Beteiligte mehr, und man hört natürlich als Außenstehender hin, was diese sagen. Das aktuelle Beispiel: "Wir suchen nach einer Antwort, die Gott allein weiß und geben kann", erklärt der Würzburger Stadtdekan Monsignore Eberhard Kroth im Rahmen der Aussegnungsfeier
(Main-Echo, 18.11.2006). Oder Domkapitular Heinz Geist: "Die Antwort auf das Geheimnis seines Todes wisse nur Gott." Die katholische Kirche scheut sich also nicht, "Gott" in ihre Tragödien bzw. Machenschaften mit hineinzuziehen, und sie sollte wenigstens den Schöpfer des Universums aus dem Spiel lassen, wenn es um die Verschleierung ihrer Sünden geht.
Stattdessen könnte man bei solchen Anlässen durchaus auch an andere Leidtragende denken, z. B. an den jungen Mann, der sich vor dem Selbstmord des Dekans Hilfe suchend an die Staatsanwaltschaft wandte.  

Auch wurden solche und vergleichbare Situationen in der Kirche natürlich bisher immer verharmlost, so dass auch in diesem Fall der Dekan den Gläubigen im nachhinein weiter als "Lichtgestalt" gilt (Main-Post, 20.11.2006). Oder er wurde jetzt erneut öffentlich geehrt, z. B. als einer, der "unüberhörbar und leidenschaftlich seine Stimme erhoben" hat, "wenn es darum ging, die Lehre der katholischen Kirche zu vertreten ..." (so der stellvertretende Dekan von L., Hermann Becker, Main-Echo, 18.11.2006).

Dabei wurde zunächst das Zölibats-Gelübde gebrochen, was für einen Außenstehenden gar nicht verwerflich wäre, wenn nicht nach außen hin scheinheilig etwas ganz anderes vorgespielt würde. Das ist der Kritikpunkt. Dann die ausgelebte Homosexualität von Amtsträgern, über die wir ebenfalls nicht urteilen und über die ja kirchenintern unterschiedlich gedacht wird. Scheinheilig vorgespielt wird jedoch die offizielle Ablehnung. Und schließlich: Ein sexuelles Abhängigkeitsverhältnis eines Würdenträgers mit einem "Schutzbefohlenen", das wohl weder innerhalb noch außerhalb der Kirche ethisch zu rechtfertigen ist. Und dann gab es laut den Vorwürfen im Ermittlungsverfahren in dieser Situation noch eine "Nötigung in einem besonders schweren Fall". Und weiter noch eine Lüge (als der Amtsträger die Vorwürfe abgestritten hatte) und schließlich den bestialischen Selbstmord (die Helfer am Tatort wissen, wie die Leiche aussah). Da kommt einiges zusammen. Hinzu kommt noch geistige Irreführung, wenn der Inhalt von Predigten nicht stimmt bzw. nachweisbar nicht mit dem tatsächlichen Verhalten des Predigers übereinstimmt.
Hier also trotzdem von "Lichtgestalten" zu sprechen, ist auch bei sehr viel Sympathie für die Kirche und Blindheit gegenüber ihren dunklen Seiten zumindest fragwürdig. Jede andere Gemeinschaft müsste für ein solches Verhalten eines ihrer Mitglieder von der Kirche und den Medien allerheftigste Angriffe einstecken und müsste um ihre Existenz fürchten. Nur in der Kirche selbst wird anscheinend erwartet, dass man nicht so genau hinschaut.

Bitte verstehen Sie uns aber nicht falsch. Wir haben nicht das Geringste gegen Dr. K. Von ihm ist uns - im Unterschied zu seinem evangelischen Kollegen Michael W. - auch kein öffentliches negatives Wort über religiöse Minderheiten bekannt. Im übrigen glauben wir, dass wir einander verzeihen sollen. Und das mag für die weniger direkt Betroffenen auch einfach sein. Doch es ist eben die Frage, ob einem Beschuldigten auch diejenigen verzeihen, die am meisten geschädigt wurden. Und darauf käme es ja an. Da nützen keine kirchlichen Absolutionen.

Die Zielrichtung des Artikels ist zudem nicht das Verhalten von Dr. K. Sondern es geht vor allem um die scheinheilige und heuchlerische Kirchenpolitik, die sich auch in dieser Situation wieder zeigt.
Die Kirche sollte einmal in ehrliche Scham oder Reue versinken, anstatt sich weiter heraus zu nehmen, auf dem hohen Ross sitzen zu bleiben und mit dem Finger auf andere zu zeigen, in deren Reihen nicht annähernd Ähnliches passiert ist. Darum geht es. Und so ein kirchliches Verhalten gegen Andersgläubige sollte sich allmählich auch von selbst verbieten. Nicht das "Sündigen" treibt die Sache auf die Spitze, wenn man danach ehrlich mit sich ringt und umzukehren versucht. Sondern das ganze nachfolgende klerikale Getue und Gehabe, das mit Christus und Gott nicht das Geringste zu tun hat.

Mit Dr. K. sind wir in Frieden, und wir wünschen ihm von Herzen, dass er an dem Ort, an dem er jetzt gerade ist, gute neue Entscheidungen trifft. Nach römisch-katholischer Lehre (die K. auch so leidenschaftlich vertreten haben soll) müsste er zwar trotz der Ehre, die man ihm auf der Erde noch erweist (z. B. ehrenvolle Bestattung im Priestergrab), in die ewige Hölle (siehe Der Theologe Nr. 18). Doch zum Glück ist diese Lehre nur grausamer Unsinn.

PS: Inzwischen [2010] sind die öffentliche Wahrnehmung dieses Themas und die Klagen gegen die Kirche und ihre Amtsträger mit Recht eskaliert. Außerdem haben wir gehört, dass der ehemalige Ministrant und homosexuelle Partner des Dekans von Lohr sich nach dessen Selbstmord auf eine ähnliche Weise getötet haben soll, was die Schuld des stellvertretenden Bischofs und der Kirche noch einmal massiv in die Höhe treiben würde. Nachprüfen konnten wir es jedoch nicht.

 



11.
Was steckt hinter Marienerscheinungen?

Wie sehen Sie und was halten Sie von Marienerscheinungen? Vielen Dank für Ihre Antwort. M. F.

Dies ist in der Kürze nicht so leicht zu beantworten. Doch ich will es stichpunktartig versuchen.
1) Marienerscheinungen sind wie alle vergleichbare Erscheinungen ein astrales Phänomen. Dabei ist jedoch nahezu auszuschließen, dass tatsächlich das Geistwesen, das in Maria, der Mutter von Jesus von Nazareth, einst inkarniert war, damit etwas zu tun hat.

2) Der Komplex der Marienverehrung einschließlich von Marienerscheinungen ist ein riesiges römisch-katholisches Energiefeld im Diesseits und im Jenseits. Es bestehen Kommunikationsbahnen von hier nach dort und von dort nach hier. In der Regel ist eine solche Kommunikation mit Energieverlust für den betroffenen Menschen auf der Erde verbunden, da die Erscheinungen u. ä. Kraft kosten, bzw. da die "Erscheinenden", die dahinter stehen, von der Energie der Menschen nehmen.

3) Nach dem Prinzip "Senden und Empfangen" tauchen die "Erscheinungen" in der Regel bei Leuten auf, die in ihren Gedanken, Phantasien, Wünschen, Gebeten usw. eine solche Vorstellungswelt bereits zuvor nährten und nähren. Dabei besteht für die Menschen auch die Gefahr einer Besetzung bzw. Besessenheit oder als Vorstufe "Umsessenheiten", da jenseitige Seelen sich oftmals der Körper von Menschen bedienen, um z. B. ihre ehemaligen Vorstellungen, die sie einst als Menschen auf der Erde pflegten, nun aus dem Jenseits weiter pflegen zu können.

4) Die ethisch-moralische Qualität der jenseitigen Sendestationen hängt nach dem geistigen Gesetz "Gleiches zieht zu Gleichem" von den Sendern im Diesseits ab. Also: Intolerante Fanatiker ziehen aus der Astralwelt z. B. wieder intolerant Fanatisches an, ethisch überwiegend untadelige Leute wieder ethisch Höherstehendes usw. usf.

5) Auch der Wahrheitsgehalt einer Erscheinung oder deren falsche Vorstellungswelt hängt davon ab, was das Medium selbst für richtig und für falsch hält. Dabei besteht auf jenseitiger Seite oftmals der Drang nach einer Aufwertung, indem sich z. B. eine niedere Seele aus der jenseitigen Welt als "Maria" ausgibt und ihren Seelenkörper in das Bewusstsein eines Menschen einzuspiegeln versucht, der dann glaubt, "Maria" zu sehen. Mit einer solchen Täuschung qualifiziert sich eine mögliche jenseitige Quelle selbst ab. Dabei ist es sogar möglich, dass das so genannte Medium gar nicht von "drüben" empfängt, sondern aus seiner eigenen Vorstellungs- und Bilderwelt schöpft, die sich unter Umständen verselbstständigt hat.

Wie ich glaube herausgehört zu haben, zweifeln Sie die "Echtheit" dieser Erscheinungen an. Warum treten Ihrer Meinung nach die Marienerscheinungen häufiger bei Kindern auf? Eine Forumsteilnehmerin hatte ein Erscheinungserlebnis an einem Pilgerort; sie beschrieb es als unerträgliche Liebe, zu viel für einen "Durchschnittsmenschen", um es aushalten zu können. Ihrer Meinung nach sind wir gar nicht auf diese Art von Liebe auf Erden vorbereitet.

Wenn eine solche Erscheinung die selbstlosen Liebekräfte weckt, dann mag es positiv sein, und dieser Mensch kann dann zu einem "Segen" für seine Mitmenschen und seine Umwelt werden. Misstrauen ist jedoch angebracht, wenn Erlebnisse nur in Verbindung mit bestimmten Dogmen oder Riten auftreten oder aufgetreten sind. Dabei bleibt grundsätzlich die Frage, welche Energie hinter einer Erscheinung steckt, da die positive Energie schlicht und unspektakulär durch ein Leben nach den Geboten Gottes vermehrt wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass spirituelle Techniken Energie freisetzen kann, die aber letztlich nicht die positive Energie ist, die sich ein Mensch als innere Basis selbst erarbeitet hat. Vielmehr hat der Mensch sich durch eine geistige Technik oder einen Kult in ein Abhängigkeitsgeflecht begeben, das auch eine massive negative Kehrseite hat. Ich zweifle dabei nicht die "Echtheit" einer Erscheinung als solcher an, sondern die "Echtheit" ihres vermeintlichen Urhebers, in diesem Fall von Maria. Da die Mutter von Jesus nach meinem Glauben eine schlichte Frau war und den Marienkult niemals befürworten würde, halte ich es für ausgeschlossen, dass sie selbst hinter den Erscheinungen in diesem Umfeld steckt. Bedenken Sie dazu auch, wie viele Marien-Projektionen die Gläubigen im Laufe der letzten fast 2000 Jahren in die Atmosphäre gesendet haben. Das ist ein gigantisches Energiefeld, in dem sich aus meiner Sicht zahllose Seelen tummeln, darunter wohl auch weibliche Seelen, die sich mit Maria identifizieren möchten und die sich in einer solchen Erscheinung vielleicht darstellen könnten, nicht jedoch die Mutter von Jesus.
Wenn es so ist, dass Marienerscheinungen häufiger bei Kindern auftreten, was ich nicht weiß, dann könnte dies damit erklärt werden, dass bei Kindern und älteren Menschen die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits noch vielfach durchlässiger sind bzw. wieder durchlässiger geworden sind. Bei einem Kind liegt das jenseitige und eventuell auch letzte diesseitige Vorleben noch nicht so lange zurück (vgl. dazu www.theologe.de/theologe2.htm) und die Fixiertheit auf die materielle Erscheinungswelt ist noch nicht so starr und undurchlässig wie bei den meisten Erwachsenen. So gibt es auch Berichte von kleinen Kindern, die offenbar munter über ihr letztes irdisches Leben plauderten, was bald jedoch aufhörte. Außerdem kann in ihrem Beispiel wohl davon ausgegangen werden, dass in diesen Kindern Seelen inkarniert sind, die bereits durch ihr Vorleben mit dem Thema "Marienerscheinungen" vertraut sind, was dann z. B. durch eine entsprechende Erziehung angestoßen wird. Denn es ist gemäß dem geistigen Prinzip "Gleiches zieht zu Gleichem" ja kein Zufall, in welchem Umfeld eine Seele inkarniert.

Lesen Sie dazu auch: "Der Theologe Nr. 45", Maria, die Mutter von Jesus und der katholische Marienkult
                                   

 



12.
Welche Kraft haben Reliquien oder Ikonen
oder Gebete zu
"Heiligen"?

Was mich sehr interessiert: Wie die Kirche so vielen Menschen helfen kann, wenn sie eindeutig falsche Dogmen befolgt und mit der Wissenschaft (z. B. Psychotherapie) einfach nicht klar kommt. Warum haben christliche Reliquien, nämlich Körperteile von verstorbenen Heiligen, eine unerschöpfliche Kraft, Menschen zu heilen, und warum "antworten" Heilige wie zum Beispiel Seraphim Rose oder Johannes Chrysostomos, wenn sie, wie jeder andere Mensch der Reinkarnation unterliegen? Mir sind z. B. Wunder durch Ikonen bekannt, welche Gott als einen alten, weisen Mann mit Bart darstellen, was grundsätzlich ja nicht stimmt. A. A.

Die von Ihnen genannten Phänomene (Hilfen trotz falscher Dogmen, Wirksamkeit von Reliquien, Ikonen) lassen sich gut erklären: Alles vollzieht sich nach dem Prinzip "Senden und Empfangen", wobei der eigene Glaube bzw. die eigenen Gedanken und Empfindungen dabei meist die stärksten Kräfte darstellen.
Sendet also jemand z. B. den starken Glauben an eine Genesung zu einer bestimmten Reliquie oder zu einem "alten Mann mit Bart" oder zu einem nachweisbar falschen Dogmenkomplex, so wird er zwar einerseits von dort empfangen, andererseits aber auch zu einem großen Teil die Rückstrahlung seiner eigenen Aussendung erleben. Viele "Wunder" sind somit versteckte Selbstheilungen.
Doch die jeweiligen Energiefelder, die man ansendet, haben natürlich auch eine Eigenwirkung, die mehr oder weniger stark sein kann. So gibt es z. B. das geistige Energiefeld einer bestimmten Reliquie. In diesem Feld ist alles gespeichert, was im Zusammenhang mit dieser Reliquie bisher gedacht, geglaubt, getan usw. wurde - also ein massiver Energiekomplex. Letztlich handelt es sich also um ein geistiges Phänomen, die Reliquie selbst ist dabei nur der äußere Anknüpfungspunkt.
Ähnlich ist es bei der Anrufung eines bestimmten "Heiligen". Dass sich tatsächlich das Geistwesen bzw. die Seele meldet, die einst in diesem "Heiligen" inkarniert war, ist eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen. Kommt es tatsächlich zu jenseitigen Einsprachen z. B. eines "Chrysostomos", ist das wahrscheinlich eher ein Fopp oder eben eine Antwort von irgendwoher aus dem Energiefeld "Anrufung des Johannes Chrysostomos".
Erfolgen aus solchen Energiefeldern Hilfen oder gar Heilungen, so sind die dabei wirksamen Kräfte jedoch sicher nicht die reinen Gotteskräfte = Selbstheilungskräfte, sondern - grob gesprochen - Mischgut aus verschiedenen Einflüssen. Und das ist nicht harmlos. Denn derjenige, der mit einem bestimmten Energiefeld kommuniziert, ist oft auch an die dort wirksamen Kräfte mehr oder weniger gebunden bzw. von diesen abhängig.
Natürlich hat jeder Gegenstand, jedes Kleidungsstück, jeder Stein usw. auch zunächst eine von sich aus positive Grundkraft. Wird er jedoch z. B. zu einer "Reliquie", dann wird er stark mit der negativen Kraft der Reliquiengläubigkeit aufgeladen, so dass dann eben verstärkt diese Kräfte wirksam werden.
Positive Kräfte sind hingegen immer selbstlos und sie sind nicht an Dogma, Form und Kult gebunden. Es ist letztlich der Odem der Liebe Gottes, welche die ganze Schöpfung durchströmt.

Vergleiche: Zu "Heiligsprechungen" mehr dazu siehe bei Der Papst auf Youtube und in Der Theologe Nr. 16.

 



13.
Warum sind Sie gegen religiöse Riten?

Warum sind Sie gegen religiöse Riten, gemeinsamer Gottesdienst ...? Denn wenn selbst von Jesus nicht ausdrücklich verlangt, so doch eine schöne Form, gemeinsamen Glauben zu praktizieren. C. C.

Was die Riten und die Gottesdienste betrifft, so hat Jesus eben, wie Sie auch selbst andeuten, keine Riten gelehrt. Anders jedoch die Priester aller Religionen. Im Grunde genommen brachte Jesus eine "innere Religion" ohne Priester oder andere so genannte "Mittler". Äußere Handlungen mögen dafür Symbole sein, aber nicht mehr. Die Riten und Gottesdienste der Religionen haben jedoch ein Gewicht erhalten, das dazu führte, das aus einer inneren Herzenssache etwas Veräußerlichtes wurde, wodurch das ursprüngliche innere bzw. ethische Anliegen verfälscht oder gar pervertiert wurde. So haben wir nichts gegen Symbole und praktizieren auch einfache Handlungen zur Besinnung wie z. B. das Anzünden einer Kerze. Doch wie schnell wurde aus einem Symbol z. B. ein "Sakrament" oder aus einer Geste eine feste Zeremonie, und damit ist alles bereits institutionalisiert bzw. verfälscht, weswegen hier aus unserer Sicht weniger besser ist als zu viel.
 



14.
Hat Jesus nicht zu Petrus gesagt
"Du bist der Fels,
und auf diesem Fels werde ich meine Kirche bauen
"?

Hat Jesus nicht zu Petrus gesagt "Du bist der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen"? R. B.
Siehe dazu Der Theologe Nr. 51

 



15.
"Werden einem beim Einnehmen des Abendmahls die Sünden vergeben?"

Ich habe gelernt, dass mir beim Abendmahl die Sünden vergeben werden. Leider kann ich das innerlich irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen. Auch weiß ich nicht, was die Kirche noch zum Abendmahl lehrt, was mich interessieren würde. Ich fühle mich durch das Abendmahl (in der evangelischen Kirche) auch innerlich gar nicht befreit. Es ist für mich mehr ein Ausdruck der Gemeinschaft und ein Zeichen meiner Demut. W. P.

Die Kirche tat etwas anderes als das, was Jesus wollte

So ähnlich hat es Jesus auch gemeint. Dabei hat er niemals an ein rituelles Kultmahl mit Hostie und mit einem Schluck aus einem Kelch gedacht, wie es in den Kirchen praktiziert wird, sondern an ein richtiges Essen mit Speisen und Getränken. Wenn er dabei von seinem Leib und seinem Blut sprach, dann tat er dies, um diese als Symbole für den für den Geist der Wahrheit zu nehmen, der ihn durchdrungen hat und in dem seine Nachfolger leben sollen.
Die Kirche hat nun etwas völlig anderes erfunden als das, was Jesus wollte. In der katholischen Kirche gilt das Abendmahl sogar als eine Art "Wiederholung" des Kreuzestodes von Jesus im rituellen Handeln des Priesters, genauer: eine "Vergegenwärtigung" bzw. "Realpräsenz", und man nennt es deshalb auch "Messopfer". Dazu könnte man sehr viel sagen. Hier aber nur so viel: Es hat nichts mit Christus zu tun.

Was die evangelische Kirche änderte und
warum sich die Evangelischen nicht einigen konnten

Bevor wir etwas zum Thema "Vergebung" sagen, hier zunächst in aller Kürze die Entwicklung der evangelischen Abendmahlslehre: Die Evangelischen sind sich - wie meistens - nicht einig, und auch ihr Abendmahl hat nicht sehr viel mit Christus zu tun. Dabei knüpft es zunächst am katholischen Abendmahl an:
Die katholische Kirche zeigt bei der Einsetzung des Abendmahls auf eine ihrer Hostien und formuliert dazu das Jesuswort: "Das ist mein Leib". Martin Luther
hielt nun an dem Wort "ist" fest, deutete es aber anders als die katholische Kirche bis dahin. Die Hostie sei nämlich nicht identisch mit dem Leib, doch "in, mit und unter" der Hostie "ist", so Luther, der wahre Leib. Entsprechendes soll für Wein und Blut gelten. Die Betonung liegt auf bei ihm auf dem Wort "ist". Dies gelte aber nur während der Feier. Anschließend sei die Hostie wieder bloße Oblate. Anders bei den Katholiken, also der bisherigen Kirche vor Luther. Da bleibt die Hostie angeblich für immer "realer" "Leib Christi".
Huldreich Zwingli, Johannes Calvin und andere "Reformatoren" widersprachen Martin Luther und ersetzten das katholische "ist" jedoch durch das Wort "bedeutet". Deshalb wurden gleich zwei neue evangelische Kirchen gegründet, nicht eine. Und bis heute gibt es deshalb die Evangelisch-Lutherischen und die Evangelisch-Reformierten, letztere vor allem in der Schweiz und in den Niederlanden. Das Abendmahl war der entscheidende Trennungsgrund. Deswegen wurde 1529 auch das Marburger Religionsgespräch geführt, und Martin Luther blieb stur und die Gespräche scheiterten. Für Luther war es undenkbar, mit Zwingli und den anderen Schweizern ein gemeinsames Abendmahl zu feiern und damit in der Konsequenz eine gemeinsame Kirche zu gründen. Er hielt an seiner Konstruktion fest ("in, mit und unter"), die jedoch weder von den anderen Protestanten noch von den Katholiken akzeptiert wurde. So entstanden aus einer Kirche nun mindestens drei.
Also:
Katholisch: Hostie = Leib
Lutherisch: "In, mit und unter" der Hostie ist der Leib
Reformiert: Die Hostie "bedeutet" der Leib

Und wie ging es weiter? König Friedrich-Wilhelm III. hatte den evangelischen Kirchen zum Trotz im Jahr 1817 einfach eine Abendmahlsgemeinschaft in Preußen zwischen Reformierten und Lutherischen durchgesetzt. Und in anderen Ländern haben es andere Herrscher getan. Es entstand eine neue evangelische Kirche, die "unierte". Und da es eben neben den "Unierten" weiter die "Lutherischen" und die "Reformierten" gibt, die nicht mit der Union einverstanden sind, sind es damit schon vier Großkirchen., darunter drei evangelische.
Also "Uniert": Beides ist möglich: Das lutherische oder das reformierte Abendmahl. Es kann so oder so praktiziert werden.

Die gültige evangelische Lehre: Kaum jemand kennt die Leuenberger Konkordie

Die evangelischen Theologen stritten und verhandelten jedoch bis 1973 untereinander ständig weiter und einigten sich dann lehramtlich ganz offiziell auf eine Abendmahlsgemeinschaft aller ihrer drei Hauptkirchen, die so genannte Leuenberger Konkordie, wobei die strittigen Punkte in kompromisshafte Redewendungen ("dahingegebenen Leib", "verheißendes Wort") eingekleidet wurden. Das ist der Unterschied: 1529 hat man wenigstens noch Klartext gesprochen, auch wenn es völlig falsch war. Im 20. Jahrhundert verbreitete sich dann das schönrednerische Darumherum-Gerede immer mehr, das man 1529 so noch nicht kannte. Deshalb nahm man 1973 unter diesen Voraussetzungen noch einen neuen Anlauf für eine innerevangelische Abendmahlsgemeinschaft. Und diesmal klappte es. In der offiziellen Bekenntnisschrift (die diejenigen aus dem 16. Jahrhundert ergänzt) heißt es deshalb wörtlich:

15 b) Abendmahl
Im Abendmahl schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort mit Brot und Wein. Er gewährt uns dadurch Vergebung der Sünden und befreit uns zu einem neuen Leben aus Glauben. Er lässt uns neu erfahren, dass wir Glieder an seinem Leibe sind. Er stärkt uns zum Dienst an den Menschen.
16 Wenn wir das Abendmahl feiern, verkündigen wir den Tod Christi, durch den Gott die Welt mit sich selbst versöhnt hat. Wir bekennen die Gegenwart des auferstandenen Herrn unter uns. In der Freude darüber, dass der Herr zu uns gekommen ist, warten wir auf seine Zukunft in Herrlichkeit.


Das heißt: In dem Augenblick, in dem der Gläubige die Hostie im Mund zergehen lässt bzw. vom Wein trinkt, soll mit ihm demnach folgendes passieren:
1) Es schenkt sich ihm Christus
2) Die Sünden werden ihm vergeben
3) Er wird zu neuem Leben aus Glauben befreit
4) Er erfährt, dass er Glied am Leib Christi ist
5) Er wird zum Dienst an Menschen gestärkt
6) Er verkündigt den Tod von Christus
7) Er bekennt die Gegenwart des Auferstandenen
8) Er freut sich daran
9) Er wartet glaubend auf seine Wiederkunft

Vergebung der Sünden? Katholisch, evangelisch oder praktisch?

So also die offizielle evangelische Lehre, die allerdings kaum jemand kennt. Die Vergebung der Sünden solle also dabei sein. Bei den Katholiken sollen die Sünden demgegenüber vor allem durch Lossprechung durch den Priester vergeben werden, also vor allem bei einer anderen kirchlichen Handlung.

Da die Evangelischen viel weniger beichten und viel weniger scheinbar los gesprochen werden, und wenn, dann in der Regel nur pauschal (bei einer so genannten "Gemeinsamen Beichte" im Gottesdienst), deshalb bekommen sie beim Abendmahl eine quasi "vollautomatische" Lossprechung inklusive. Das klingt vielleicht etwas zugespitzt, trifft aber den Kern.
Allerdings sollen beim Abendmahl auch bei den Katholiken "lässliche Sünden" automatisch vergeben werden, wie immer man sich das genau vorstellt.
Und weiter heißt es dort wörtlich:
"Als Opfer wird die Eucharistie auch zur Vergebung der Sünden der Lebenden und der Toten dargebracht und um von Gott geistliche und zeitliche Wohltaten zu erlangen" (Katechismus der katholischen Kirche, 1993 §14116). Das soll aber nicht die Einnahme der Hostie durch den Gläubigen betreffen, sondern die angebliche voraus gehende Verwandlung der Hostie in den "Leib Christi". Dies soll durch die Kult-Worte des Priesters, durch den Christus selbst angeblich handle, bereits im Vorfeld der eigentlichen Einnahme der Hostie geschehen. Richtig sicher könne sich demnach der Katholik erst bei der persönlichen Lossprechung = Absolution fühlen. Logisch ist das aber alles nicht und es nährt letztlich vor allem so genannte "ekklesiogene Neurosen".

Und, um es einmal klar zu sagen: Vergebung der Sünden bekommt man dann, wenn man denjenigen, an dem man schuldig geworden ist, um Vergebung bittet und dieser einem vergibt. Darauf kommt es an. Und so hat es auch Jesus gelehrt: "Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast" (Matthäus 5, 25-26). Es kommt also auf den Nächsten an. Und dazu braucht man überhaupt keine Kirche. So einfach ist das.

Und praktisch geht es Ihnen vermutlich so wie den meisten Abendmahlsgängern. Wir gehen davon aus, dass die angebliche Vergebung der Sünden bei den meisten evangelischen Abendmahlsempfängern gar nicht im Bewusstsein ist, auch wenn es der Pfarrer beim Verteilen der Hostie oder beim Halten des Kelchs oft dazu murmelt, z. B. indem er immer wieder sagt "Zur Vergebung der Sünden zur Vergebung der Sünden zur Vergebung der Sünden". Das macht die Sache jedoch nicht wahrer. Insgesamt ist es mehr ein diffuses sentimentales Gemeinschaftsgefühl. Am ehesten wird noch der oben genannte Punkt 4) von den Gläubigen zu glauben versucht und auch noch der Punkt 5). Das übrige sind in diesem Zusammenhang für den Einzelnen nahezu inhaltsleere kirchliche Worthülsen.

Biblische Berichte zum Abendmahl und kirchliche Lehren stimmen nicht überein

Interessant ist jedoch: Die angebliche Vergebung der Sünden beim Abendmahl ist auch in der Bibel kaum bekannt. Jesus hat nur gemäß der Abendmahlserzählung des Evangelisten Matthäus angeblich selbst gesagt, dass sein Blut "zur Vergebung der Sünden" vergossen werden würde. Bei den Evangelisten Markus und Lukas fehlt diese Lehre jedoch ausdrücklich. Da wird das Blut nur "für viele" bzw. "für euch vergossen", womit die Evangelisten darauf hinweisen könnten, dass Jesus bis zuletzt seinen Mitmenschen diente und geholfen hat, und dass er unerschütterlich und ohne Widerruf seiner Botschaft treu blieb; bis zu seiner Hinrichtung, die aber nicht hätte sein müssen, wenn ihm mehr Menschen gefolgt wären.
Doch hat Jesus wirklich so gesprochen? Beim Evangelisten Johannes stehen nicht einmal die Worte "für viele" oder "für euch vergossen". Und auch Paulus wusste im 1. Korintherbrief davon noch nichts. In erster Linie lehrte Jesus die Dankbarkeit gegenüber Gott und den Gaben von Gottes guter Schöpfung, den Gaben der Natur als Stärkung für Leib und Seele, wie es z. B. in Evangelien außerhalb der Bibel steht:
"Die Speise ist für den Leib. Ich reiche sie euch als Symbol für die innere Stärkung" (Das Evangelium Jesu, Kapitel 76). Und der Bibel-Matthäus war nun derjenige, der die Lehre von Jesus so weit wie möglich an die jüdische Lehre anpassen wollte. Deshalb hat dieser Bibelschreiber hier in dieses Ritual die jüdische und heidnische Sühnopfer-Lehre hineinprojiziert (siehe oben). Doch sein Evangelium ist nicht das ursprüngliche. Der Bibelgelehrte Hieronymus (4. Jahrhundert) wusste z. B. noch von einem Ur-Matthäus, dem ursprünglichen hebräischen Matthäusevangelium, das dann durch den Bibel-Matthäus in den Hintergrund gedrängt und letztlich ersetzt wurde. Dies ist alles wissenschaftlich anerkannt. Die kirchliche Lehre entspricht also letztlich einem bestimmten menschlichen Wunschdenken, nicht jedoch den Quellen.

Und es ist auch von daher ein starkes Stück, was die Kirche hier lehrt. Da gibt es allein schon in der Bibel fünf Berichte über diesen Vorgang. Und nur einer hat die "Vergebung der Sünden" drin, und man kann sich sogar denken, warum; welches Interesse den Schreiber also trieb. Doch prompt pickt man sich für die kirchliche Lehre diesen Bericht heraus, der hier nicht mit allen anderen übereinstimmt. Aber auch dieser spricht nur beim Wein von "Vergebung der Sünden"; nicht beim Brot. Und ausgerechnet diesen dürfen die Katholiken ja nicht einmal trinken, denn sie lassen nur den Priester trinken (der aber womöglich auch die meiste Vergebung nötig hat). Sie sehen schon, hier kommt man vom einen ins andere. Die kirchliche Lehre ist weder logisch, noch funktioniert sie, noch hat sie etwas mit Jesus zu tun. Es ist eine einzige Volksverdummung.

Bitten Sie einfach Ihren Nächsten um Vergebung, und wenn es Ihnen schwer fällt, bitten Sie zunächst Gott oder Christus in Ihrem Inneren um tiefere Einsicht und Reue. Und umgekehrt: Vergeben Sie denen, die sich an Ihnen versündigt haben. Dann wird es lichter auf diesem Planeten. Ein kirchliches Abendmahl brauchen Sie dazu nicht.

 



16.
Hat Jesus von einer
"Erbsünde" gesprochen
 oder ist auch das eine Erfindung der Kirche?

Hat Jesus von einer Erbsünde gesprochen oder ist auch das eine Erfindung der Kirche? F. S. aus E.

Jesus hat niemals von einer Erbsünde gesprochen. Ihm war klar, dass eine Seele in ihrem Seelenleib ihre Sünden und Belastungen aus früheren Inkarnationen in dieses Erdenleben mitbringt, um sie zu Schritt für Schritt zu bereinigen. Das Ziel für Jesus war, dass die im Menschen inkarnierte Seele wieder unbelastet von der Sünde wird, und er sagte wörtlich: "Ihr sollt vollkommen sein, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Matthäus 5, 47). Der Theologe Paulus jedoch hielt es nicht für nötig, die Lehre von Jesus vollständig zu übernehmen, und er entwickelte eigene teils erheblich von Jesus abweichende Lehren (siehe dazu Der Theologe Nr. 5). In seinem Brief an die Römer, einer theologischen "Kopfgeburt" und schweren intellektuellen Kost, schrieb er u. a. folgende Sätze: "Deshalb wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben" (5, 12). Gemeint ist Adam. Diese Theorie ist schwer verständlich, bedeutet aber zunächst nur, dass Adam der erste Sünder gewesen sei. Von einer "Vererbung" seines falschen Verhaltens im Garten Eden schreibt auch Paulus nichts. Dafür schreibt Paulus in Kapitel 7 weiter: "Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, ... so tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt" (16-18). Damit wird die Verantwortung des Menschen für sein Tun in Frage gestellt, und es ist das krasse Gegenteil von Jesus, der lehrte: "Das Reich Gottes ist in euch" (Lukas 17, 21). Und es widerspricht auch dem, was Paulus an anderer Stelle in den Sinn gekommen ist, als er schreibt: "Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt?" (1. Korinther 6, 19). Also: Was ist jetzt das Innerste des Menschen? Die mit dem Geist Gottes wieder geeinte Seele, das von Gott gut geschaffene Geistwesen, oder die "Sünde"?
Manche Theologen halten deshalb die Stelle im Römerbrief für eine nachträgliche Fälschung. Die Kirche jedoch erklärte im 4. Jahrhundert alle erhaltenen Zeilen von Paulus ausnahmslos als reines Wort Gottes, obwohl doch eigentlich Jesus der "Sohn Gottes" gewesen sein soll und nicht Paulus. Und die Kirche konstruierte ab dem 5. Jahrhundert aus diesen wenigen Bibelstellen im Vergleich zu Hundertausenden von Bibelstellen, wo etwas völlig anderes steht, eine ganz eigene neue "Erbsündenlehre", die bald die ganze Geistesgeschichte des Abendlandes dominieren wird.
So erfand der "heilige" katholische Kirchenvater Augustin (354-430) die Lehre, dass es seit Adam nicht mehr möglich sei, nicht zu sündigen (non posse non peccare) - wie fast alles Katholische auch dies im Widerspruch zu Jesus, der lehrte: "Geh hin und sündige hinfort nicht mehr" (z. B. Johannes 8, 11). Nach Augustin hat Jesus gelogen, denn er habe den Menschen etwas aufgetragen, das nach seiner, Augustins Sicht, gar nicht möglich sei. Die Erbsünde und ihre Übertragung auf alle Menschen "durch Geburt" wurde dann im Jahr 418 bei der Synode von Karthago zur verbindlichen Lehre erhoben (vgl. Denzinger/Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Nr. 222-224) - und wer es nicht glaubt, würde ewig verdammt werden.
Für ihr Dogma bog sich die Kirche auch die Bibelstelle in 1. Mose 8, 21 zurecht, die lautet, "das Trachten des menschlichen Herzens" sei "böse von Jugend auf". Das heißt schlicht, dass eben auch schon die Jugendlichen nach Sündhaftem trachten, da natürlich ab einem bestimmten Alter die sündhaften Programme in der Seele des Menschen verstärkt aktiv werden. Die Kirche jedoch leitete davon jedoch als Dogma ab, das Trachten des menschlichen Herzens sei nach ihrer Meinung böse seit der Zeugung des Embryos, dem die Erbsünde beim Sex der Eltern übertragen werde. Der "heilige" römisch-katholische Kirchenvater Thomas von Aquin sprach dann im Mittelalter verbindlich von der peccatum originale = Ursprungssünde, Erbsünde, obwohl nicht einmal der Kirchenlehrer Paulus davon sprach. Es ist also eindeutig eine kirchliche Erfindung.
Und bis heute quält die römisch-katholische Kirche die Menschen mit dieser furchtbaren und unsinnigen Lehre und machte sie sogar zur Grundlage ihrer noch schlimmeren Lehre von der ewigen Verdammnis, die sich der Mensch bereits als Embryo durch diese Übertragung beim Orgasmus des Vaters zugezogen habe, falls die Kirche nicht eingreifen würde. Und dies führt dann bis heute beim kirchlichen Taufkult dazu, dass dem Säugling bereits diese "Sünde" angeblich vergeben werde, um sein "Seelenheil" zu ermöglichen.
Es ist von vorne bis hinten ein Hohn und Spott auf den großen Weisheitslehrer Jesus von Nazareth. Für ihn war klar, dass jeder Mensch im Einflussbereich der "Sünde" einst seinen ganz persönlichen "Sündenfall" hatte, in einer seiner vergangenen Inkarnationen. Dass dies aber nicht zwangsläufig so hätte sein müssen. Deshalb lehrte Jesus ja die Menschen, wie sie durch Vergebung und Bitte um Vergebung und durch Bereinigung ihrer Schwächen und Fehler allmählich wieder diejenigen werden, als die sie Gott einst geschaffen hatte - Seine vollkommenen Kinder. Und nicht - wie die Kirche lehrt - seit ihrer Zeugung mit einem tödlichen Mal versehen, das sie in die Hölle zieht, wenn sie nicht durch das Heilsangebot der Kirche davon erlöst würden.

 



17.

Hat Jesus uns überhaupt erlöst und stimmt sein Satz
"
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"?

Wenn Jesus keinen "Sühnetod" für unsere Sünden starb, hat er uns dann überhaupt "erlöst"? Und stimmt dann überhaupt der Jesus zugeschriebene Satz aus dem Johannesevangelium "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater denn durch mich?" D.V.

Das Thema berührt zentralen Inhalte des Christentums. Die Hintergründe sind aber nur wenigen bekannt. Oben haben wir bereits auf die Frage "Starb Jesus einen Sühnetod und rettet er vor einer ewigen Verdammnis?" geantwortet. Weiteres lesen Sie auf der Seite Die Kreuzigung hätte nicht sein müssen. Was bedeutet ´Erlösung durch Christus`?
 

Aus den Texten  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel,
Frage und Antwort, Wertheim 2005,  zit. nach http://www.theologe.de/frageundantwort.htm, Fassung vom 27.9..2011



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