DER THEOLOGE
Frage und Antwort
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Auf dieser Seite sind einige Fragen und Antworten
zu Themen von
allgemeinem Interessen veröffentlicht.
1) Starb Jesus einen
Sühnetod und rettet er vor einer
ewigen Verdammnis?
2)
Gibt es eine
Dreieinigkeit bzw. Trinität?
3)
Kann man die Bibel am
Gebot der Liebe
überprüfen?
4)
Hat die
Verehrung von Johannes Paul II. etwas mit
Jesus zu tun?
5)
Wie mache ich
ohne Kirche auf
Gott aufmerksam?
6)
Könnt Ihr nicht mehr Versöhnliches über die
Kirchen
schreiben?
7)
Haben Sie schon darüber nachgedacht, ob Sie vielleicht
Werkzeuge des Teufels sind?
8)
Was ist denn das für eine Herangehensweise an
eine solch ehrwürdige Institution wie die Kirche?
9)
Über Kirche und ihren Kampf gegen
religiöse
Minderheiten - Auseinandersetzung mit einem
Katholiken
10) Kritik an der Berichterstattung am
Selbstmord des katholischen Dekans von Lohr
11)
Was steckt hinter
Marienerscheinungen?
12) Welche Kraft haben
Reliquien, Ikonen oder Gebete zu
"Heiligen"?
13) Warum
sind Sie gegen religiöse Riten?
14) Hat Jesus nicht zu Petrus gesagt "Du bist der
Fels, und auf diesem Felsen werde ich meine
Kirche bauen"?
15) Werden einem bei der Einnahme des Abendmahls die Sünden vergeben?
16) Hat Jesus von einer
Erbsünde gesprochen?
17) Hat Jesus uns überhaupt erlöst und
stimmt sein Satz "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"?
1.
Starb Jesus einen Sühnetod
und rettet er
vor einer ewigen Verdammnis?
Frage:
Zufällig wurde ich auf Ihre Website www.theologe.de aufmerksam. Dabei las ich
mir einige Artikel durch und finde sie großteils recht interessant. Im
Artikel "Wer folgt Luther nach und wer folgt Christus nach?" fand ich u. a.
folgenden Abschnitt: "Eine ewige Verdammnis gibt es nicht. Früher oder
später wird sich jeder Mensch, jede Seele, aus ihrer selbst geschaffenen
"Verdammnis" mit der Hilfe von Christus lösen können." Dies irritiert ein
wenig. Ihr offensichtlicher Grundtenor besteht in der Wahrheit der
biblischen Aussagen. Diesen versuchen Sie zu untermauern, indem Sie einige
kirchliche Fälschungen offen legen. Trotz, dass viele Ihrer Aussagen Sinn zu
machen scheinen, kann o. g. Zitat nicht stimmen, es gibt hierfür keinerlei
biblischen Beleg - jedenfalls soweit ich die Bibel kenne. Ganz im Gegenteil,
es wird an x Stellen eineindeutig erklärt, dass es ein "Zu spät" gibt. Wenn
sich der Mensch nicht auf das "Geschenk", welches Jesus Christus uns bietet,
einlässt, es also annimmt, dann wird er verloren sein - das steht mehrfach
da - das findet sich auch in unterschiedlichsten Übersetzungen. Es handelt
sich hierbei also auch nicht um einen "Übersetzungsmangel" oder ähnliches.
Denn wenn es keine ewige Verdammnis gäbe, erklären Sie mir bitte, wozu Jesus
überhaupt gekommen ist und zum Christus wurde? Das wäre meiner Ansicht nach
sonst völlig überflüssig gewesen. Jesus hätte sich nie ans Kreuz nageln
lassen müssen, hätte nie sterben müssen, um unsere Schuld zu tragen.
Erklären Sie mir das bitte. T. G.
Eine ausführliche Antwort, in der auch die
nachfolgenden Abschnitte eingearbeitet wurden, lesen Sie in
"Der Theologe Nr. 58" - Der Kreuzestod von Jesus
hätte nicht sein müssen. Was bedeutet "Erlösung durch Christus"?
Antwort:
Die Lehre vom stellvertretenden Sühnetod von Jesus
Die Lehre von
einem angeblich stellvertretenden Sühnetod von Jesus kommt aus dem antiken
Judentum bzw. Heidentum und setzt einen zornigen Gott voraus, den man durch
Menschen- oder Tieropfer umstimmen oder besänftigen könne, wie
ausführlich in
Der Theologe Nr. 37
nachlesbar ist. Jesus lehrte
demgegenüber einen liebenden Vater, der keine äußeren Opferhandlungen will und braucht,
sondern der um das Vertrauen der Menschen wirbt und der ihnen selbst dann
nachgeht, wenn sie schon "verloren" zu sein scheinen (z. B. Gleichnis vom "verlorenen" Sohn).
Die Kirche hat nun aber - ausgehend vom Hebräerbrief des Neuen Testaments - die alten
heidnischen Vorstellungen vom zornigen Gott wieder erweckt, welche die
Israeliten einst aus Ägypten übernommen hatten. Und man hat sie nun dahin gehend variiert,
dass anstelle der bisherigen grausamen Tier- oder gar Menschenopfer jetzt Christus das Opfer sei
und von nun an der Glaube an diese angeblich notwendige und deshalb von Christus
freiwillig erbrachte Opfertat nötig sei, um "gerettet" zu
werden.
Doch wie gesagt. Das ist die Lehre des Hebräerbriefes, dessen
Verfasser noch nicht einmal bekannt ist. Manche schreiben den Brief dem Paulus
zu, weswegen er es Ende des 4. Jahrhunderts doch in die Bibel "schaffte",
nachdem auch sein Inhalt schon damals als höchst suspekt galt.
Der bekannte Kirchlehrer Origenes sagte z. B., es fehle der Beweis, dass ihn
ein Apostel geschrieben habe. Und sprachwissenschaftlichen Untersuchungen
zufolge ist z. B. die Einleitung und der Schluss nachweislich gefälscht
(siehe z. B. C. Breytenbach; Paulus, die Evangelien und das Urchristentum). Im Brockhaus Konversationslexikon heißt es zum Sachverhalt:
"Der Brief an die Hebräer wurde im Abendlande
bis ins 4. Jahrh. als nichtpaulinisch vom Kanon ausgeschlossen"
(S. 956; http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=122270).
Und auf diesen zweifelhaften, im Urchristentum abgelehnten und in der Kirche umstrittenen
Brief wird nun die ganze kirchliche Sühnopferlehre gegründet. Hinzu kommen noch
Aussagen des Paulus, der Jesus allerdings überhaupt nicht kannte (vgl.
Der Theologe Nr. 5). Doch auch bei ihm kommt das Wort "Sühnopfer"
z. B. nur an einer einzigen Stelle vor, in Römer 3, 25 und damit ist
in Wirklichkeit etwas anderes gemeint.
Das Wort "hylasterion" ist nämlich das Wort für den Deckel der "Bundeslade"
Israels mit den beiden Cherubim, den Erzengeln. Die Bundeslade enthielt das
Wertvollste, was das Volk hatte, die Gesetzestafeln mit den von Gott durch
Seinen Propheten Mose geoffenbarten Zehn Geboten. Das heißt sinngemäß. So
wie die beiden Engelwesen einst die wertvolle unverfälschte Gottesbotschaft
bewachten, so ist Christus nun selbst an ihre Stelle getreten und hat den
Willen und die Botschaft Gottes in vielen Details den Menschen nahe
gebracht.
Der Sühnopfer-Gedanke in dem Paulusbrief geht zurück auf die Fälschung
der Priesterschrift im Alten Testament, eine der Quellenschriften für
die fünf "Mosebücher". Die Priester waren es, die den Opfergedanken vor
allem aus Ägypten mitbrachten und in die Religion einführten. Demnach durfte
der
Oberpriester nur einmal im Jahr vor die Bundeslade treten und musste dazu
einen Stier und einen Widder schlachten. Der Qualm des verbrennenden Stieres
sorgte dann dafür, "dass die [Rauch-]Wolke vom Räucherwerk den Gnadenthron
bedeckte" [hylasterion = Gnadenthron = der Deckel der Bundeslade, der den
Thron Gottes symbolisiert] (3. Mose 16, 13). Dann besprengte der
Priester die Bundeslade erst mit dem Stierblut und dann mit dem Widderblut.
Das heißt: Die Priester haben die Bundeslade und den Gottesthron auf
furchtbarste Art und Weise durch Tierschächtungen geschändet.
Darauf haben die wahren Gottespropheten Israels immer wieder unter
Lebensgefahr eindringlich hingewiesen, wie z. B. Jeremia: "Denn Ich habe
euren Vätern, als ich sie aus Ägypten heraus führte, nichts gesagt und
nichts befohlen, was Brandopfer und Schlachtopfer betrifft" (7, 22).
Jeremia wurde auf Veranlassung der Priester darauf hin in eine Schlammgrube
geworfen, wo er verhungern sollte, doch die Babylonier retteten sein
irdisches Leben.
Wenn diese Lehre vom "Sühnopfer" aber nicht von Gott kommt, von wem dann?
Von der Priesterkaste, die das Volk bis heute in allen Religionen und Kulten
von Gott weg führen will. Und so haben auch die Priester der Kirche die
Sühnopfervorstellungen mit in ihre Verfälschung des Christentums hinüber
genommen. Doch es ist purer Götzenkult und wurde von allen Gottespropheten
bekämpft.
Und so kommt das Wort "Sühnopfer" auch an keiner einzigen Stelle in den Evangelien
vor und auch sonst bei Paulus nicht.
Auch das Wort "Opfer" kommt in diesem
Zusammenhang nur bei den Paulus-Schülern vor, nicht einmal bei Paulus
selbst. Und zwar einmal im Epheserbrief eines Paulusschülers, in
5, 2, wobei nicht klar ist, was der Schreiber hier eigentlich meint. Von
einem "Sühnopfer" ist jedenfalls nicht die Rede. Und in den vier Evangelien
sowieso kein Mal. Nur der Hebräerbrief spricht mehrfach von "Opfer", wobei
die Theologen ja noch nicht einmal wissen, wer ihnen dieses "Ei"
unterschoben hat. Es ist wirklich ein haarsträubender Befund. .
Jesus wollte ein Friedensreich aufbauen, keinen Opfertod sterben
Doch was wollte Jesus stattdessen wirklich? Er war
also nicht auf
dieser Erde, um ein endgültiges Opferlamm für einen zornigen und anders nicht zu
besänftigenden Gott zu sein, sondern um ein Friedensreich ("Reich Gottes")
mit den Menschen aufzubauen. Dafür hat er die Menschen in die Nachfolge
gerufen, und dafür hat er ihnen auch den gütigen Gott gelehrt. Und wer das
bejahte, der hatte in seinem persönlichen Leben die Aufgabe, auch nach Seinen Geboten zu
leben. Zum Opfer der damaligen Priester und Schriftgelehrten und der
römischen Obrigkeit wurde Jesus erst, als die Menschen ihn im Stich gelassen
hatten - sowohl die Bevölkerung, obwohl er sehr vielen Menschen zuvor Gutes
getan hatte; als auch seine unmittelbaren Anhänger und Jünger. Das geht alles auch aus der Bibel hervor.
Im kirchenchristlichen Abendland sind wir nun aber daran gewöhnt, die Bibel, und vor allem das Neue Testament, mit der Brille der
alten heidnischen Sühnetod-Vorstellung zu lesen, weil die Institutionen
Kirche und ihre Priester, Pfarrer und Theologen es uns so beibrachten. So werden auch viele Bibelstellen in diese
Richtung interpretiert, die ursprünglich in einem ganz anderen Zusammenhang
standen oder auch ganz anders verstanden werden können. Dies kann hier nicht
ausführlich dargelegt werden, doch zumindest am Beispiel einiger in der Christenheit bekannter
Redewendungen augezeigt werden.
Jesus hat sich trotzdem hingegeben
So kann man sagen, dass Jesus die Schuld seiner Jünger vielfach "trug", aber ganz praktisch und nicht dogmatisch im Sinne einer Sühnopferlehre. Z. B., indem er immer wieder deren Fehler ausbügelte oder sich schützend vor sie stellte. In diesem undogmatischen Sinne kann man auch richtig sagen: Jesus hat sich für uns geopfert. Er hat sich nämlich bis zur letzten Konsequenz für die anderen Menschen eingesetzt und er ist seinem Auftrag nie untreu geworden. Deshalb hat er auch - im übertragenen Sinn - sein Blut "für uns vergossen", denn er selbst hätte es leichter haben können. Doch er ist den letztlich einzig noch möglichen Weg für einen wahren Gottesboten zu Ende gegangen, nachdem die Mitmenschen versagt hatten: Den Weg der Standhaftigkeit trotz Folter und Todesurteil und den Weg der großen Einsamkeit. Und man könnte - wenn man so will - in diesem Sinne von "Gottes Lamm" sprechen, wenn man das Lamm als ein Symboltier für die Unschuld versteht. Und Jesus hat mit seinem Leben und Sterben auch seine eigenen Worte wahr gemacht, dass man diejenigen, die den Leib töten können, nicht zu fürchten braucht. Und von seinen Seelenkämpfen bis zu seinem Tod, vor allem im Garten Gethsemane, schreibt ja auch das Neue Testament.
Vor dem Tod am Kreuz
Wäre eine Erlösung für Menschen erst nach einem angeblichen stellvertretenden Sühnetod möglich gewesen, dann hätte Jesus auch das "Gleichnis vom verlorenen Sohn" nicht erzählen dürfen. Oder er hätte hinzufügen müssen, dass es erst gelten werde, nachdem er als "Opfer" gestorben und wieder auferstanden sein würde. So aber erzählte er vom liebenden Vater und von unserer Rückkehr zu Ihm, völlig unabhängig von seinem späteren Sterben. Nirgends spricht Jesus von einem zornigen Gott, dessen Zorn er durch seinen späteren grausamen Tod besänftigen müsse, um die Menschen erlösen zu können. Nur einmal ist bei einem eventuellen Jesuswort ohne einen solchen Zusammenhang von einem "Lösegeld" (lutron) die Rede (Markus 10, 45; parallel Matthäus 20, 28) - wahrscheinlich ein späterer kirchlicher Einschub in den Text -, wobei als Empfänger dieses "Lösegelds" ja eher Satan bzw. die Mächte der Finsternis in Betracht kämen als Gott, falls dieses Wort doch einmal tatsächlich gefallen sein sollte. Nach dem Motto: Wenn die "Finsternis" Jesus in die Hände bekommt, dann bleiben womöglich andere von ihr verschont.
Das Sterben von Jesus als Symbol für die Menschheit
Dass sich dieser Tod, der nicht so hätte kommen müssen, irgendwann abzeichnete, das hat Jesus mehr und mehr geahnt und auch Andeutungen darüber gemacht. Die dabei empfundenen Ängste sind kaum vorstellbar. Im Garten Gethsemane hat er Blut geschwitzt, so heißt es. Und dies ist aus medizinischer Sicht bei Todesangst möglich. Aber dass es so kam, war nicht der Wille Gottes, sondern der Wille der finsteren Mächte und der bösartige Wille von Menschen. Diese haben es so "beschlossen" (vgl. Lk. 22, 20-22), und die Ereignisse sind letztlich auch deshalb so gekommen, da andere Menschen, die versprochen haben, Jesus die Treue zu halten, versagt haben. So gesehen ist das Leben und Sterben von Jesus auch ein Symbol für die Menschheit in ihrer Gottverlassenheit, die sich für Untreue, Feigheit und Trägheit entscheidet anstatt Jesus nachzufolgen.
Die falsche Drohbotschaft einer ewigen Hölle
Und bis heute werden nun viele Menschen von der Drohbotschaft der Kirche mit ihrer
angeblich ewigen Hölle davon abgehalten, Christus zu vertrauen. Und hier
kann man ebenfalls sagen, dass es in der Bibel wohl keine
Lehre von der ewigen Verdammnis gibt wie sie von den beiden Großkirchen
gelehrt wird. Denn auch
hier werden einzelne Bibelstellen mit der Brille dieser Verdammnislehre gelesen, an
die man sich durch das kirchliche Dogma gewöhnt hat. Doch bei genauem
Hinschauen ist das keineswegs sicher und oft sogar nachweislich falsch, dass es
bei den scheinbaren biblischen Belegen um eine unendliche Verdammnis geht.
Dazu wurde eine eigene Ausgabe des Theologen verfasst, die Ausgabe Nr. 19,
www.theologe.de/theologe19.htm. Allerdings wird jeder Mensch
einst das ernten müssen, was er gesät hat, wenn es nicht rechtzeitig bereinigt und wieder gutgemacht ist (vgl. dazu Der Theologe Nr.
2).
Einiges zum Thema steht ja auch in
Der Theologe Nr. 2
(Es gibt keinen strafenden Gott)
oder Vom gekreuzigten Christus)
und
auf den übrigen Seiten
in Der Theologe Nr. 1, z.
B. was die evangelisch-lutherische
Kirche über die ewige Verdammnis lehrt.
Evangelische Kirche verstößt gegen eigenes Bekenntnis
Dass die Sühnopferlehre eine grobe Verfälschung
der ursprünglichen christlichen Lehre ist, wird mehr und mehr auch in den
Institutionen Kirche so gesehen. Das führt dort zu einem Glaubenskampf, da sich
innerkirchlich
nun die Vertreter der Sühnopferlehre und die Zweifler bzw. diejenigen,
welche die Verfälschung aufzeigen, gegenüber stehen. Doch Faktum ist: Die
Sühnopfer-Lehre ist unverzichtbarer Teil der evangelischen und katholischen
Lehre und wer erkannt hat, dass sie falsch ist, stellt sich klar außerhalb
der Kirche. Doch das tun nicht alle. Vor allem die evangelische Kirche
gerät deshalb hinsichtlich ihrer Sühnetod-Lehre in immer größeres Chaos,
nachdem vor allem prominente Vertreter das eigene Bekenntnis hier plötzlich anzweifeln
oder gar widerrufen.
Die nachfolgenden Details versuchen, die evangelische
Lehre zu diesem Thema darzulegen und sind deshalb recht schwere Kost. Um
eine einfache Antwort auf die Frage "Starb Jesus eine Sühnetod?" zu
bekommen, sind sie nicht mehr wichtig. Dazu reicht bereits alles bisher
Gesagte. Für den speziell am evangelischen Glauben Interessierte sei jedoch
noch das
Folgende hinzugefügt:
Hier also die teilweise komplizierten Details für den, der sich näher
mit der evangelischen Lehre und den innerkirchlichen Konflikten dazu beschäftigen
möchte:
Ausgerechnet der EKD-Chef und Hoffnungsträger des
deutschen Protestantismus, Nikolaus Schneider, Präses der Rheinischen Kirche
in Düsseldorf, streitet diese kirchliche Kernlehre ab. Die Tageszeitung
Die Welt schreibt: "Nikolaus Schneider, Präses der großen Rheinischen
Landeskirche, glaubt nicht, dass Jesus am Kreuz stellvertretend die Strafe
der Menschen auf sich genommen hat. Gott brauche kein Sühneopfer, "denn es
muss ja nicht sein Zorn durch unschuldiges Leiden besänftigt werden", sagte
Schneider kürzlich" (28.3.2010).
Klare Worte, wenn auch nicht
evangelisch, denn in den bis heute verbindlichen Grundlagen der Kirche, den
Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (u. a. Göttingen
1982), auf die alle evangelischen Pfarrer auch in den so genannten
"unierten" evangelischen Kirchen vereidigt werden (wo sich die Lutheraner
mit den "Reformierten", die sich an den Schweizer
"Reformatoren" Zwingli und Calvin
orientieren, zusammengeschlossen haben), heißt es unmissverständlich:
"Es
ist allein ein einziges, wahrhaftiges Sühneopfer, Opfer für die Sünde, in
der Welt gewesen, nämlich der Tod Christi ... Denn der Prophet [Jesaja]
hat das Wort Schuldopfer auf Christi Tod bezogen, anzuzeigen, dass die
Schuldopfer im Gesetz nicht das rechte Opfer wären, die Sünde zu bezahlen,
sondern es müsste ein anderes Opfer kommen, nämlich Christi Tod, wodurch
Gottes Zorn sollte gesühnet werden ... Darum bleibt dieses fest stehen, dass
nur ein einzig Opfer gewesen ist, nämlich der Tod Christi ... Gottes Zorn zu
versühnen" (Apologie der Konfession XXIV; S. 355).
Dieses
bis heute verbindliche Bekenntnis formulierte damals der "Reformator"
Philipp Melanchthon.
Deshalb hofft man in der evangelischen Kirche auch inständig, dass der
EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider
seine Ablehnung dieses Kernsatzes nicht wiederholt. Doch dessen Kirche, die
Evangelische Kirche im Rheinland, hat die Vorstellung ihres Präses
in einem Kirchenpapier zur Sühnetodvorstellung mit dem Titel
Aus Leidenschaft für uns gerade erst (Düsseldorf 2010) sogar bekräftigt. Darin wird
das bisherige evangelische Bekenntnis glatt abgelehnt. Wörtlich heißt es dort
in seltener Klarheit: "War der Tod Jesu ein Sühneopfer? Die Frage lässt sich einfach
beantworten: Er war es nicht" (S. 30).
Und in der kopflastigen Begründung der
kirchenamtlichen Glaubensaussage heißt es dazu weiter:
"In der Bibel dient die kultische Handlung der Realisierung von
Gottes Vergebung. Vergebung bedeutet, dass das menschliche Verhalten die
Beziehung zu Gott nicht mehr belastet. Die Änderung des Verhaltens und ein
Wieder-gut-Machen da, wo es möglich ist, sind untrennbar damit verbunden. In
Lebenszusammenhängen und Rechtssystemen, in denen vergeltende Sühne
selbstverständlich ist, mag der Satz ´Gott selber ist erschienen zur Sühne
für sein Recht` (Evangelisches Gesangbuch 16, 2) eine Veranschaulichung für
Vergebung sein. Er meint: Gott selbst stellt die von ihm geforderte
Gerechtigkeit her, er vollbringt die geforderte Sühneleistung, ein
begangenes Übel muss nicht durch Zufügung eines vergleichbaren Übels
ausgeglichen werden. So zeigt er sich als der gnädige Gott, der einen
anderen Weg wählt. Der Mensch wird entlastet von dem, was er ohnehin nicht
leisten kann: sein gestörtes Verhältnis zu Gott wieder gut zu machen. Dort
aber, wo der Sühnegedanke nicht mehr beheimatet ist, liegt das
Missverständnis nahe, es ginge Gott gewissermaßen persönlich darum, Sünde
durch Zufügung eines Übels, das die Menschen oder stellvertretend für sie
Jesus ertragen müssen, auszugleichen. Der Gedanke der Wiederherstellung der
Gerechtigkeit geht verloren ... [Doch] Gott fordert nicht ein Menschenopfer,
er gibt sich selbst."
Falls man das intellektuell verstehen möchte,
ist daran zutreffend, dass Gott in der Tat niemals ein "Menschenopfer"
forderte. Doch so richtig wird die Götzenlehre eines Sühnetods doch nicht
verworfen. Sie "mag", so das Zugeständnis in bestimmten
"Lebenszusammenhängen" "eine Veranschaulichung für Vergebung sein". Auch das
ganze Drumherum an der Erklärungen der Rheinischen Kirche ist nicht
eindeutig und es bleibt in der Schwebe, so dass der ganze kirchliche Unsinn
damit eher noch angereichert als verringert wird.
In Wirklichkeit wurde Jesus schlicht deshalb hingerichtet, weil
das Volk von den damaligen Priestern und Theologen aufgewiegelt wurde. Und
dies war möglich, weil
die Menschen ihm nicht gefolgt sind und weil sie Jesus und seine
Friedensbotschaft, die Bergpredigt, verraten haben. Und das ist heute leider
nicht anders als damals.
Doch was soll der evangelisch
Gläubige jetzt glauben? Soll er sich weiter an das verbindliche
Bekenntnis halten, welches lautet: "Darum bleibt dieses fest stehen, dass
nur ein einzig Opfer gewesen ist, nämlich der Tod Christi, Gottes Zorn zu
versühnen"? Oder soll er sich an die Änderung der Lehre halten, die jetzt
im Rheinland gilt und die lautet: "Der Tod Jesu war kein
Sühnopfer", sondern eine Art Entlastung. Für den einfachen Gläubigen ist damit ein ziemliches Chaos
entstanden. Vielleicht könnte man die kirchliche Antwort am ehesten mit
folgendem Satz zusammenfassen: "Das
ist alles
nicht so wichtig, zahle einfach Kirchensteuer!"
PS: Zur geistigen Dimension des Kreuzestods von Jesus siehe auch den Text einer
Neuoffenbarung
hier.
2.
Gibt es eine Dreieinigkeit?
Während des Surfens fand ich Ihre interessante Webseite. Wie stehen Sie zur
Dreieinigkeitslehre? H. H.
Es handelt sich um ein Zugeständnis der Kirche an den antiken Götter- und
Heroenkult, um in diesen Kreisen leichter Anklang zu finden. Demnach sollte
Jesus ohne jegliche Abstriche ein vollständiger Gott sein, so wie es die
Gläubigen der Götterkulte von ihren Göttern auch behaupten. Durch die
spätere Hinzufügung des Heiligen Geistes als dritte "Person" wird diese
menschliche "Gedankenkonstruktion" dann fast mechanisch, als ob man den "Geist" innerhalb von Raum und Zeit
als Person "dingfest" machen kann. Nebenbei gesagt: Es gab auch in antiken
Mysterienreligionen Dreieinigkeits-Konstruktionen, nachzulesen z. B. bei
Karlheinz Deschner in seinem Standardwerk
Abermahls krähte der Hahn.
Die im übrigen sehr komplizierte Lehre von der Dreieinigkeit wurde
auf dem Konzil von Nizäa im Jahr 325, das vom damaligen Alleinherrscher
Konstantin einberufen worden war, beschlossen. Die Lehre war unter den anwesenden
Theologen heftig umstritten, doch dem Kaiser ging es aus machtpolitischen
Gründen um eine Vereinheitlichung der Lehre, weswegen die Mehrheitsentscheidung
für eine angebliche Dreieinigkeit auch noch dogmatisiert wurde. Und kurz
darauf führte man im Römischen Reich die Todesstrafe
für alle Menschen ein, welche dieses katholische Dogma nicht für wahr
halten.
Wir haben mit dem blutigen Katholizismus und
Protestantismus und seinen Verfälschungen der Lehre Jesu jedoch nichts zu
tun. Für uns ist Gott als Geist der Ausgangspunkt der Schöpfung. Dieser All-Geist gibt allen Lebensformen ihren Atem und
durchströmt den Kosmos, weshalb ja auch die moderne Naturwissenschaft keine
kleinste Bausteine der Schöpfung mehr fixieren kann. Sondern man hat erkannt, dass
sich die Formen je kleiner je mehr ins Unbestimmte, Fließende auflösen. Die
kleinsten bekannten Informationsträger, die Quanten, können deshalb sowohl
als Teilchen als auch als Wellen erscheinen (siehe dazu die hochbrisanten
Erkenntnisse der modernen Quantenphysik). Wenn man so will, hat man hier von Seiten der Naturwissenschaft die
Nahtstelle
vom Materiellen zum Geistigen als dem Ursprünglichen gefunden bzw. ist
dabei, diese Übergänge weiter zu erforschen. Der Allgeist ist auch der geistige Odem in unserem Atem, weswegen
der Geist Gottes auch jeden Menschen und jede Lebensform durchströmt.
Der Schöpfergott ist demnach der "Vater-Mutter-Gott", der beide Pole,
männlich und weiblich, in sich vereint und der am ehesten als Selbst-Manifestation dieses All-Geistes umschrieben werden könnte. Er ist in
diesem Sinne auch "Person", und die Menschen beten zu Ihm auch als
dem all-gütigen und all-weisen "Vater".
Jesus nennt diesen Gott seinen "Vater" oder unseren "Vater", der "größer ist
als alles" (Johannes 10, 29), auch größer als er, Jesus
(Johannes 14, 28).
Jesus wies deshalb sogar die Anrede "guter Meister" zurück. Einem jungen
Mann erklärte er: "Was nennst Du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein"
(Lukas 18, 19). Und er, Jesus, sei von diesem Vater "ausgegangen"
(Johannes 16, 28).
Und wenn er
unter diesen Voraussetzungen dann davon spricht, er sei "eins" mit dem Vater, oder, wer ihn sehe, der sehe den Vater, dann
bedeutet das folglich nicht, dass er
eine Gott gleich geordnete "Person" einer angeblichen "Dreieinigkeit" oder
"Zweieinigkeit"
ist. Sondern Jesus, der Christus, spricht hier als Kind, der eine Beziehung zu seinem Vater hat.
Somit
beschreibt das neutestamentliche Zeugnis Jesus als einen, der in seinem Inneren
mit Gott geeint ist. Darüber hinaus reicht sein Bewusstsein als
unmittelbarer "Sohn" und "kosmischer Christus" auch tiefer in die Schöpfung
hinein als dies bei jedem anderen Menschen je möglich wäre, was allerdings ein
Glaube ist, den man mit dem Kopf nicht beweisen kann. In
einer Prophezeiung bzw. Neu-Offenbarung ist es jedoch so erklärt, und diese
Quelle kann jeder nachprüfen und für sich annehmen oder nicht (http://www.das-wort.com/deutsch/gottesprophetie-aktuell/das-ist-mein-wort---alpha-und-omega.php). So gesehen hat der in Jesus von
Nazareth inkarnierte Christus Anteil an Gott, und wie Gott-Vater
ist er demnach allgegenwärtig in der Schöpfung. Doch er bleibt als Kind dem Vater
= dem Vater-Mutter-Gott,
nachgeordnet, weswegen er wie alle anderen Menschen auch zu Gott, seinem
himmlischen Vater, betet.
Und wir als Menschen können nun wie Jesus ebenfalls zu Gott-Vater beten oder
auch zu Christus, der in Jesus inkarniert war, da Christus ja wie der
"Vater" in der Schöpfung allgegenwärtig ist und auch in uns lebt.
Jeder Mensch
kann es so halten, wie es ihm eben näher liegt.
Die kirchliche Lehre von der Dreieinigkeit ist demgegenüber eine
fehlerhafte Konstruktion, die intellektuell geprägten menschlichen Gehirnen
entsprungen ist.
Stattdessen könnte man es vereinfacht so sagen: Am Anfang war der Geist. Der
Geist gab sich im "Vater" eine Form.
Speziell der christliche Glaube beinhaltet dann eine weitere Entwicklung: Der Sohn ist
danach Kind dieses Vaters,
dem dieser einen Teil Seines geistigen Erbes übertragen hat. Und
Christus hat einen Teil dieses göttlichen Erbes wiederum in alle Menschen
und Seelen übertragen. Dieser so genannte "Erlöserfunke" ist in unserem
Herzen als zusätzliche Stütze und Kraft wirksam und kann nicht vernichtet
werden. So wurde Jesus, der Christus, zum Erlöser der Menschen, und eine
letztendliche Auflösung aller Formen, wie sie heute noch in östlichen
Religionen gelehrt wird, wurde durch ihn verhindert (so die
Christusoffenbarung "Das ist Mein Wort"; siehe hier).
Das Verhältnis von
Vater, Sohn und dem Allgeist = Heiliger Geist lässt sich also nicht mit drei sich
überlappenden Kreisen veranschaulichen, wie dies bei der kirchlichen Lehre von der Dreieinigkeit getan wird.
Hierzu ist auch noch wesentlich, dass die Kirchen auch auf
den "dreieinigen Gott" taufen, vor allem Säuglinge. Und um dies zu
rechtfertigen, wurde z. B. eine Stelle im Neuen Testament gefälscht. Doch
die Bibel enthält auch noch andere Stellen, die den Betrug wiederum
entlarven. Mehr dazu siehe unter
http://www.theologe.de/sakramente_der_kirche.htm#Dreieinigkeit
Eine Bemerkung am Rande:
Am 16.7.1945 zündete die USA in der Wüste von New
Mexiko die erste Atombombe. Man nannte sie Trinity = Dreieinigkeit. Wenn man
so will, kann man diese Namensgebung auch als ein Symbol für das
unermessliche Leid sehen, das die kirchliche Lehre im Laufe der Jahrhunderte
über die Menschen gebracht hat. Und es ist auch kein Zufall, dass die ersten
Christen, die auf Betreiben der Kirche hingerichtet wurden, Menschen
waren, die nicht an das damals neue Dogma der Dreieinigkeit aus dem Jahr 325
glaubten
(siehe dazu
http://www.theologe.de/freiechristen1.htm#Dreieinigkeit).
3.
Kann man die Bibel am Gebot der Liebe
überprüfen?
Vielen Dank für Ihre ehrliche und mutige Internetseite, in der ich gerne
gelegentlich lese! In
http://theologe.de/theologe18.htm fand ich u. a. den Lehrsatz Nr. 98 der
R.K.K., nämlich: "Wer nicht alle Bücher der Heiligen Schrift mit allen ihren
Teilen, wie sie die Kirchenversammlung von Trient anführte, als heilige
kanonische Schriften anerkennt oder wer leugnet, dass sie von Gott
eingegeben sind, der sei ausgeschlossen."
Könnte man an dieser Stelle nicht sogar Paulus zitieren, der schrieb: "Prüft
aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt"
(1. Thessalonicher 5, 21-22), oder noch besser die von Jesus Christus
überlieferte Aussage: "Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er
innewerden, ob diese Lehre von Gott ist" (Johannes 7, 17). Ich finde, dass
aus dieser Sichtweise heraus auch die Bibel am christlichen Gebot der Liebe
(z. B. Lukas 10, 27) bzw. anhand der natürlichen Ethik überprüfbar ist. Wie
stehen Sie dazu? M. W.
Vielen Dank für die Rückmeldung. Wir sehen es genauso. Man sollte die
einzelnen Passagen der Bibel genauso
prüfen, ob sie mit dem Gebot der Liebe im Einklang stehen. Sonst hat man
einen papierenen Papst, und es bestünde die sehr große Gefahr, dass man
eines Tages wieder verstärkt nach den brutalen Stellen der Bibel (z. B.
Völkermord, Hinrichtungen) handelt, was es ja alles schon gegeben hat. Ein
fast 100 %ig funktionierender Prüfungsmaßstab ist die Goldene Regel der
Bergpredigt: "Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihr
ihnen zuerst." Oder im Umkehrschluss: "Was du nicht willst, dass
man dir tu,
das füg auch keinem andern zu."
4.
Hat die Verehrung für Johannes Paul
II.
etwas mit Jesus zu tun?
Ich habe eben durch Zufall ihre Web-Seite gefunden und habe mir durchgelesen,
was sie so über die "Anbetung" des
Papstes geschrieben haben. Ich bin streng katholisch erzogen wurden und
kenne es so, dass wenn ein Freund, Verwandter oder Bekannter gestorben ist,
für diesen drei Tage gebetet wird. Also wird nach Ihren indirekten Angaben
dieser Mensch auch angebetet ?! Ganz ehrlich, das ist doch der größte
Schwachsinn! Ich sehe es einfach so, dass der Papst einfach nur das Wort
Gottes verbreitet hat und somit ein Jünger von Jesus der Neuzeit ist. So wie
Sie alles schreiben, habe ich das Gefühl, dass Sie über etwas verbittert
sind. Aber es hat ja jeder nicht verheiratete katholische Mann die
Möglichkeit, Papst zu werden. Vielleicht werden Sie es ja mal und dann
können Sie alles ändern was Ihnen nicht passt. L. D.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Es ist allerdings so, dass beim Papst
sicher anders gebetet wurde als bei einem Tod eines Ihrer Verwandten oder
Freunde. Schon jetzt spricht man von der baldigen Heiligsprechung von
Johannes Paul II., und er wurde schon jetzt angerufen wie ein "Heiliger",
und ich weiß wohl, dass die katholische Kirche dies von einer Anbetung
unterscheidet. Doch bei all´ der Verehrung ist es nicht verwunderlich, dass
ein Reporter des Bayerischen Rundfunks sich versprochen hat und auch bei
Papst Johannes Paul II. von "Anbetung" sprach.
Grundsätzlich: Ich kenne viele
Christen guten Willens, denen es sehr unangenehm ist, wenn Aufhebens um ihre
Person gemacht wird. Das sagte der verstorbene Papst zwar vordergründig von
sich auch. Doch alleine schon die "Rolle" des Papstes, so wie sie sich
entwickelt hat, als Mensch auszufüllen, ist zwangsläufig mit einem massiven Kult um die
Person verbunden. Allein schon dadurch, dass diese Person bei allen
Auftritten in - gelinde gesagt - übertriebener Weise im Mittelpunkt steht -
von der Kleidung bis zur exklusiven Behandlung - bringt dies zum Ausdruck.
Diesem Äußeren entspricht auch die Fülle der kirchlichen Macht. Ich glaube,
dass es ein echter Jünger Jesu in dieser Rolle als Papst überhaupt nicht aushalten
würde. Wer allerdings Papst wird, war zuvor in der Regel schon Bischof und
Kardinal (= Exzellenz und Eminenz) und hat sich also schon an dieses
Umfeld des Huldigens und Gehuldigt-Werdens gewöhnt.
Mir geht es nicht um irgendwelche persönlichen Dinge - weder aus der eigenen
Biographie noch aus dem Leben des Papstes -, sondern um Anstöße, die dazu
ermuntern sollen, einmal das Vordergründige zu hinterfragen und vielleicht
zu einer grundsätzlich anderen Sicht der Dinge zu kommen. Letztlich geht es
mir darum, Christus aus allen diesen Dingen heraus zu halten und etwas gegen die
Behauptung zu tun, bei dem ganzen katholischen Brimborium ginge es um Nachfolge Jesu. Die Kirche mag sich
"römisch-katholisch" nennen, aber sie soll Christus bzw. Jesus
einfach aus dem Spiel
lassen, wenn sie sich an heidnischen Kulten orientiert statt schlicht und
einfach die Spuren des Mannes aus Nazareth zu suchen. Dazu würde z. B.
gehören, dass alle Kleriker ihren Status und ihren Habitus, ihr ganzes
fromme Getue, ablegen und dass sie einfach demütige Brüder
unter ihren Geschwistern werden und dass sie - wenn sie noch nicht im
Rentenalter sind - etwas Vernünftiges arbeiten. Und das alles möchten die
"Herren der Kirche" leider nicht, weil es dem menschlichen Ego unangenehm
ist.
5.
Wie mache ich ohne Kirche auf Gott
aufmerksam?
Ihre Zeilen haben mich sehr beeindruckt und nachdenklich gestimmt. Bin
Katholikin, allerdings eine sehr kritische. In vielem stimme ich Ihnen
absolut bei. Allerdings stelle ich mir die Frage, wie mache ich ohne Kirche
bzw. ohne größere Gemeinschaft auf Gott aufmerksam? Benötigen viele Menschen
nicht einen Ort, an dem sie sich austauschen und einer Predigt lauschen
können. Ich bezweifle, ob die Hauskreise dazu in der Lage sein können. Hier
habe ich doch Bedenken, ob da die Lehre von Jesus nicht doch noch mehr
verloren geht. D. H.
Zu Ihrer Frage bzw. Ihren Bedenken kommt mir in den Sinn, dass es meines
Erachtens der richtige Ansatz ist, danach zu fragen, was der Lehre von Jesus
und ihrer Verwirklichung am meisten dient. Ich habe die Frage in
verschiedenen Phasen meines bisherigen Lebens unterschiedlich beantwortet
und die jeweils entsprechenden Konsequenzen gezogen. Dabei war mir wichtig,
die Fragen ohne Angst und Voreingenommenheit stellen zu können, mein
Gewissen wach zu halten und das Ergebnis offen lassen zu können. So habe ich
vielfach eine "Führung" in meinem Leben erlebt, für die ich heute sehr
dankbar bin. Die Größe und der Einfluss einer Gemeinschaft trat dabei hinter
die Frage nach der Wahrheit und Stimmigkeit zurück, weswegen ich auch lernen
durfte, manche Strecken ganz alleine gehen zu müssen. Manchmal dachte ich
dabei an
Jesus, der wohl auch in vielen Situationen alleine oder fast alleine
da stand und nur mit Gott verbunden war. An der nächsten Wegkreuzung traf
ich dann aber wieder auf neue Gefährten, und so ging es wieder ein Stück
gemeinsam weiter ...
6.
Könnt Ihr nicht mehr Versöhnliches
über die Kirchen schreiben?
Ein Leser (E. H.) wies uns auf "Positives" in den Kirchen hin und
schrieb: "Könnt Ihr nicht mehr Versöhnliches über die Kirchen schreiben?"
Sie haben von "Versöhnlichem" gesprochen. Von unserer Seite her sind wir
immer zu einer Versöhnung bereit, und wir haben nichts gegen Menschen in der
Kirche, gerade weil wir selbst lange Jahre dazu gehörten und die jeweiligen
Verhältnisse kennen. Keiner von uns ist im Zorn geschieden oder aufgrund von
persönlichen Konflikten, sondern aus grundsätzlichen Gründen.
Denn wir nehmen wir es nicht mehr hin, wenn dort der Name "Christus"
missbraucht wird für eine katholische, protestantische oder
römisch-lutherische Kunstreligion, die anderen - mit schlimmen Folgen - das
vorwirft, was am ehesten auf sie selbst zutrifft, nämlich eine "Sekte" zu
sein. Denn man kann es so sehen, dass sich die Kirche vom Urchristentum
abgespalten hat (secare = abspalten). Dabei setzt sie die Tradition alter
heidnischer Kultreligionen fort und hat einige Ansätze der Lehre von Jesus
dort mit hinein gewoben
(vgl.
www.theologe.de/kirche_verrat-an-jesus-dem-christus.htm).
In kurzer Zeit ist sie dabei zur staatlich finanzierten Großsekte
aufgestiegen. Sie widerspricht Jesus von Nazareth in wesentlichen Punkten,
worauf wir immer wieder hinweisen.
Dass es in der Kirche auch Positives gibt, ist unbestritten, doch sprechen
die Kirchen seit Jahrhunderten schon selbst genug darüber, so dass hier kein
Informationsdefizit besteht. Wichtig ist uns jedoch die Korrektheit. Was wir
schreiben, muss stimmen.
Mit den Kirchen haben wir - zusammengefasst - sehr schlechte Erfahrungen
gemacht. Mit Hilfe ihrer Sektenbeauftragten versuchen sie in Deutschland,
Andersgläubige, die ihnen nicht genehm sind, z. B. in deren beruflicher
Existenz mit Mitteln der Lüge und Verleumdung zu ruinieren. Oder diese
Menschen werden
von der Kirche diskriminiert, oder es wird versucht, ihnen Rechte vorzuenthalten und vieles
mehr. Was heute geschieht, ist eine Fortsetzung der Inquisition mit modernen
Mitteln, was z. B. Hubertus Mynarek in seinem Buch
Die neue Inquisition
oder Gerhard Besier und Erwin Scheuch in
Die neuen
Inquisitoren
an vielen Beispielen aufgezeigt haben. Leider ist in unserem Land immer noch
oftmals der Staat das Ross und die Kirche der Reiter, der das Staatsross
lenkt. Von einem weltanschaulich neutralen Staat sind wir noch weit
entfernt, und die Kirchenoberen untergraben und bekämpfen dieses Gebot des
Grundgesetzes, wo sie nur immer können. Und auch wenn viele Politiker keine
aktiven Kirchenchristen mehr sind, so sind sie doch immer wieder gemeinen
kirchlichen Stellungnahmen auf den Leim gegangen, wenn es um die Beurteilung
der kirchlichen Konkurrenz ging. Und in allen möglichen Entscheidungsgremien
der Gesellschaft (v. a. in den Rundfunkräten der Medien oder den Beiräten
der privaten Sender; in Ethik-Kommissionen, politischen Ausschüssen u. v.
m.) sitzen die Vertreter der Kirche. Und geht es dort um ein religiöses oder
spirituelles Themen, wird es ihnen als den "Experten" zugeschoben, obwohl
sie in Wirklichkeit nur Lobbyisten ihrer Institution sind. Ihre
Vormachtstellung nutzen sie dabei massiv aus, indem sie bestimmen, was in
unserer Gesellschaft als "religiös korrekt" zu gelten hat und was nicht und
gegen welche Form von Spiritualität z. B. Stimmung gemacht werden soll..
Versöhnung könnte hier auch bedeuten, dass die Kirchen die vielen Spielarten
der modernen Inquisition beenden und auf ihre zahllosen Privilegien und
Milliarden an Subventionen verzichten, so dass es in unserem Land ein faires
Nebeneinander unterschiedlicher Gemeinschaften gibt, und jeder Gottsucher
frei prüfen kann, wem er sich anschließen möchte. Aus den USA kommen zwar
viele weniger gute Einflüsse. Auf diesem Gebiet jedoch könnte man sich in
Deutschland mal eine Scheibe von dem US-amerikanischen Staat abschneiden. Ein solcher
staatskirchenherrlicher Klüngel wie in Deutschland, der nebenbei Milliarden
kostet, wäre dort undenkbar.
Dazu wäre es auch hilfreich, wenn die Kirchen ihre "Zwangsmitgliedschaften"
per angeblich notwendigen Säuglingstaufen einstellen, was an und für sich
ganz einfach wäre: Sie bräuchten nur festzulegen, dass der getaufte Säugling
durch die Taufe nicht mehr automatisch kirchensteuerpflichtiges Mitglied
ist, wenn er später etwas verdient. Diese Entscheidung könnte der
Betreffende dann zu gegebener Zeit selber treffen. Außerdem wäre es doch
eine Idee, wenn die Kirchen ihre Einschüchterungsversuche beenden (etwa mit
der jenseitigen Verdammnis), wenn Menschen diese unfreiwillige
Mitgliedschaft durch Austritt beenden wollen. Dazu müssten sie aber an
dieser Stelle ihre Lehre ändern. Wenn die Kirchenvertreter jedoch sagen, das können wir nicht,
dann ist diese Aussage auch sehr aufschlussreich.
Wir machen uns hier, ehrlich gesagt, keine Illusionen mehr. Stattdessen
schlagen wir vor, dass die vielen Menschen ihr positiven Beiträge und
Hilfsangebote nicht mehr in eine
Institution hineintragen, die Christus nicht gewollt hat. Sie verhelfen ihr
damit nämlich vielfach zu einem Feigenblatt und helfen mit, der Kirche den Anschein
des Positiven zu geben. Auf diese Weise werden dann auch die Wurzeln des
kirchlichen Amts-Christentums nicht so schnell entlarvt, und diese sind
leider nicht positiv.
So glauben wir es. Wir wollen Sie davon nicht überzeugen, doch handelt es
sich hier nicht um eine persönliche Angelegenheit von Kirchenaussteigern,
sondern um etwas Grundsätzliches. Jeder kann ja selbst der Sache auf den
Grund gehen, wenn er möchte.
7.
Haben Sie schon darüber nachgedacht,
dass Sie selbst
vielleicht Werkzeuge des Teufels sind?
Mat. 7, 16: "Denn an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen …" Haben Sie schon
mal darüber nachgedacht, dass Sie selbst vielleicht Werkzeug des Teufels
sind? R. M.
Wie Sie schon richtig schreiben. "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen".
Das gilt natürlich auch für uns.
Doch der Reihe nach: Die selbsternannten Kirchen "Jesu Christi" hatten
dabei nahezu 2.000 Jahre Zeit, um
Früchte zu bringen. Und welches waren die Früchte? Was hat also das kirchliche Christentum den Menschen
gebracht? Was zeigt ein Blick auf die letzten ca. 1.800 Jahre? Allein Ihre
Frage an uns hatte in früheren Jahrhunderten meist zur Folge, dass man den
Befragten anschließend entweder zum Exorzisten oder zum Henker schickte. Die
Früchte der Kirche sind u. a. Glaubenskriege, grausamste Foltermethoden,
Hinrichtungen, Anstachelung zu Weltkriegen, Kreuzzüge, Raubzüge,
Versklavung, brutale fortgesetzte Zerstörung und Vernichtung der Schöpfung
Gottes, bestialische Behandlung der angeblich seelenlosen Tiere,
unermessliches Leid der Tiere und der Mutter Erde, Psychosen und Neurosen,
Verzweiflung über einen angeblich geheimnisvollen Gott, geistige
Irreführung, Verbreitung von Angst und Schrecken durch bösartige Lehren wie
z. B. über eine "ewige Verdammnis", unermesslicher Reichtum mit Pomp und Prunk,
wirkungslose Segenssprüche für die Armen, veräußerlichter
betrügerischer Kult statt innerer Gottesbeziehung, Trennungen, Spaltungen
und Ausgrenzungen, Verfolgung, Hinrichtung und Diskriminierung
Andersgläubiger, Verleumdung und Bekämpfung Andersdenkender in der
Gegenwart, Heuchelei und Scheinheiligkeit, Verführung Minderjähriger und
vieles mehr, so dass der bekannte Historiker Karlheinz Deschner einmal
schrieb: "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums
kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit … keine Organisation der Welt,
die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen
belastet ist" (in: Die beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 43).
Gerade die unzähligen Verbrechen der Vergangenheit sind noch nicht gesühnt
geschweige denn wieder gut gemacht, und die Täter werden vielfach als Heilige oder
Selige verehrt - als unübersehbares Zeichen, dass sich die Kirche nicht wirklich geändert
hat.
Da können andere trotz ihrer Schwächen nicht so leicht mithalten. Und wie
wollen Sie das mit dem teilweise positiven Tun einzelner Kirchenmitglieder
aufwiegen?
Antwort von R. M.: Mat 16, 18: Jesus spricht: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen
werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht
überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. Was du auf
Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf
der Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein."
Ihr seid vom rechten Weg abgekommen. Dabei frevelt Ihr gegen Gott. Ihr
glaubt nicht mehr der Heiligen Schrift, aber predigt aus ihr! Ihr glaubt
nicht mehr an den Teufel und die ewige Verdammnis und Gottes Gerechtigkeit,
sondern macht euch eigene Götzenbilder aus Tieren [Anmerkung der Redaktion:
wir achten die Tiere als Geschöpfe, in denen ebenfalls Gott wirkt, und wir
bringen sie deswegen nicht um] und eine eigene neue Moral … Ihr glaubt,
Antworten zu kennen und dabei kennt Ihr nicht mal die Fragen. Euch ist
nichts heilig, nur das, was ihr selbst heilig sprecht
[Anmerkung der Redaktion: Für uns ist nur Gott heilig und wir sprechen
deshalb weder anständige Menschen noch Verbrecher oder Neurotiker heilig].
Das schreibe ich nicht, um euch zu
verwerfen, sondern in der Hoffnung, dass Ihr euch bekehrt. Denn wenn sein
Gericht kommen wird, werdet Ihr nicht mehr sagen können "Wir haben es nicht
gewusst!"
Natürlich können Sie glauben, was Sie möchten, denn wir
sind tolerant. Aber es wäre ehrlicher und besser, Sie würden Jesus von
Nazareth nicht mit hineinziehen in Ihre kirchlichen Gedanken. Denn da hilft
auch keine Bibelfälschung: Jesus ist kein Mann der Kirche, sondern ein Mann
des Volkes.
Wie wäre es, wenn die Kirchenleute mal zur Abwechslung sich selbst als die
"verlorenen Söhne" betrachten und nicht immer die anderen? Das wäre einmal
ein echter Schritt nach vorne.
Antwort von R. M.:
Die Kirche ist kein Monster, kein Ding. Aber jeder, der getauft wurde, ist
gleich ein Mitglied der Kirche, ob er will oder nicht. Dass man ein Teil der
Kirche wird, sagt nichts darüber, ob man ins Himmelreich kommt oder nicht.
Also, wenn man einmal gültig getauft worden ist, bleibt es das ganze Leben,
ob man will oder nicht. Wenn man versucht, auszutreten, ist es nur ein
trauriges Bekenntnis dieses Menschen … Also, es ist passiert, passiert und
wird passieren, dass die Menschen in der Kirche fallen und sündigen, aber
die Kirche ist dennoch mehr und wird bestehen …
[Anmerkung der Redaktion: Die Kirche wird solange bestehen, solange vor
allem
der Staat so dumm ist und sie aus allgemeinen Steuereinnahmen finanziert und
solange die Politiker vor dem Stuhl Petri auf die Knie fallen anstatt vor
Gott, ihrem liebenden Vater, demütig werden. Dass die Kirche (einmal
mehr im Gegensatz zu Jesus) einen Menschen niemals frei lässt und deshalb
auch einen Anspruch auf seine Seele erhebt, wenn er aus der Kirche
ausgetreten ist, wie der Kirchenmann hier korrekt darlegt, ist auch
an dieser Stelle in der
Broschüre Freie Christen Nr. 1 besprochen. Das Bibelwort aus Matthäus 16
über Petrus ist hier in
Der Theologe Nr. 2 erklärt bzw. ausführlich in
Der Theologe Nr. 51. Dem Kirchenmann haben wir
allerdings nicht mehr geantwortet.]
8.
Was ist denn das für eine Herangehensweise
an
eine solch ehrwürdige Institution wie die Kirche?
Was ist denn das für eine Herangehensweise an eine solch ehrwürdige Institution wie die Kirche? Sie polemisieren über die Lehre der Kirche anstatt diese in ihrer Tiefe richtig auszuleuchten ... [und ähnliche Vorwürfe. Dazu nachfolgend eine grundsätzliche Stellungnahme und ein Hilfe für alle, die z. B. an dem intellektuellen Gehabe von Theologen leiden.]
Uns wird ab und zu von kirchlichen Theologen
vorgeworfen, wir hätten die kirchlichen Lehren "in ihrer Tiefe"
nicht lehrbuchgetreu dargestellt oder wir müssten die
Zusammenhänge von theologisch "problematischen" Sachverhalten viel
ausführlicher "ausleuchten" (natürlich im kirchlichen Sinne) oder ähnliches.
Meistens steckt aber nicht sehr viel Substanz hinter solchen bitter-blumigen
Rückmeldungen, was sich spätestens dann herausstellt, wenn es um die Fakten geht. Denn
auf unsere regelmäßige Rückfrage, was genau denn "nicht richtig" oder "zu knapp"
erklärt sein soll, bekommen wir dann oft keine Antwort mehr oder nur eine
ausweichende. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit kirchlichen
Theologen, auch in vielen öffentlichen Veranstaltungen, ist uns eine
Verhaltensweise aufgefallen, die dabei fast immer wiederkehrte: Hat man irgendwo
bei uns einen tatsächlichen oder vermeintlichen kleinen Fehler gefunden, lastete man
ihm das ganze Gewicht der Kritik auf, so etwa nach dem Motto: "Sie
haben den geografischen Breitengrad von Auschwitz nicht korrekt berechnet".
Wenn ein vernünftig denkender Mensch in einer solchen Situation nicht aufpasst, geht
er dem
kirchlichen Theologen auf den klebrigen Leim und spricht mit ihm über Fehler
bei der Breitengrad-Messung
statt über die Vernichtung von Menschen. Solches passiert so oder so ähnlich
noch recht oft, weil die meisten
Theologen immer noch glauben, die "Spielregeln" bestimmen zu können. Denn schon
seit Jahrhunderten spielen die meisten von ihnen ihre Rolle der auf dem
hohen Ross trabenden "Autoritäten", die gnädig auf Andersdenkende
wie auf "verlorene Söhne" herab blicken. Wird diese "Gnade" aber
vom Volk nicht entsprechend gewürdigt und hofiert,
hat man in früheren Zeiten auch schon mal die Todesurteile veranlasst. Mit Jesus von
Nazareth gesprochen werden dabei "Mücken ausgesiebt" und "Kamele verschluckt",
und Jesus hatte für diese auf dem hohen Ross reitenden Amtsträger vor allem eine Botschaft: "Weh euch,
ihr Schriftgelehrten!"
Begegnet jemand also wieder einmal Experten für das Schlucken von
Kamelen und für das Aussieben von Mücken, z. B. bei einem öffentlichen Gespräch,
sollte man sich nicht von ihnen ins Bockshorn jagen lassen. Anstatt sich genötigt zu fühlen, sich
nach ihren Spielregeln zu rechtfertigen, wäscht man ihnen besser ungeniert
den Pelz. Dann merkt man manchmal schnell, dass man es mit einem Wolf im
Schafspelz zu tun hat. Denn unter der bis dahin "süßen Rede" explodiert
womöglich jetzt
ein brodelnder Vulkan. Der Hochmut kirchlicher Theologen, der sich
oft unter samtpfotiger Scheinheiligkeit verbirgt, kann auf diese Weise
schneller entlarvt werden. Und nach der Entlarvung hat sich schon mancher
zuvor
vermeintlich "besorgte" Seelsorger plötzlich als hoch aggressiv entpuppt. Und
man erlebt ein Indiz mehr dafür, dass die Kirche sich nicht wirklich
geändert hat.
Dabei handelt es sich - nebenbei
gesprochen - um einen staatsfinanzierten Hochmut, denn die Basis dafür sind
die Gelder aus dem allgemeinen Steueraufkommen (nicht die Kirchensteuer!), mit denen das ganze System konfessioneller Theologie
finanziert (mehrere Hundert Millionen Euro jährlich) und am Laufen gehalten wird.
Ohne die staatlichen Subventionen würde die ganze aufgeblasene kirchliche
Theologie bald in sich zusammenfallen.
9.
Über die Kirche und ihren Kampf gegen religiöse
Minderheiten -
Auseinandersetzung mit einem engagierten Katholiken
Bei meinem
Blick in die Kirchengeschichte bin ich nicht nur auf die von Ihnen (zu Recht)
beklagten Mängel gestoßen, sondern auch auf endlos viele Menschen und
Entwicklungen, die von dieser Kirche ausgingen und noch immer ausgehen, die die
Waagschale der Bewertung so deutlich nach der positiven Seite der Bewertung
ausschlagen lassen. Dazu gehört, dass das heutige humane Menschenbild, das alle
Welt anerkennt, von der Kirche ausgeht. Dass unsere abendländische Kultur ihren
Anfang in dieser Kirche (v. a. in den Klöstern) genommen hat. Dass unzählige
Vertreter dieser Kirche unter totaler Selbstaufopferung karitative und soziale
Leistungen vollbrachten haben und noch immer erbringen. Dass von Vertretern
dieser Kirche in Entwicklungsländern heute noch vorbildliche Aufbauarbeit
geleistet wird. Dass die Friedensbemühungen des Papstes schon zahlreiche
kriegerische Auseinandersetzungen verhindert haben. Dass die ethischen Appelle,
die von dieser Kirche ausgehen, heute eine Art "Weltgewissen" darstellen, das
sonst nirgends zu finden ist. Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig
erweitern ... Es ist einfach, schwarze Schafe, die es in allen Bereichen, in
denen Menschen wirkt, gibt, ausfindig zu machen ... Ich bin zuversichtlich, dass
die Mehrheit der Leser genügend geistige Reife besitzt, um Ihr Machwerk zu
durchschauen. W. L.
Ich habe kürzlich in einem Buch über die Geschichte der
Inquisition gelesen
(vgl.
http://www.theologe.de/LInquisition.htm), und ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie die Grauen und
das unermessliche Leid auch nur annähernd erfassen, wenn Sie glauben, so
leichtfüßig auf die positive Seite der Waagschale hüpfen zu können. Auch der
Papst kann das nicht, und es bedarf schon massiver Geschichtsverfälschungen bzw.
-klitterungen, um die Geschichte und Gegenwart unserer Kultur so
darzustellen, wie Sie dies versuchen.
Ich will mich jedoch kurz fassen und stellvertretend für viele Leiden nur daran
erinnern, dass die Kirchen durch ihre Sektenbeauftragten (die man besser
"Rufmordbeauftragte" nennen sollte) die Inquisition früherer Jahre heute gegenüber
vielen Andersgläubigen fortsetzen - nur mit anderen Mitteln und - Gott sei Dank
für die Opfer - mit geringeren Möglichkeiten. Und würden Menschen solcher
gebrandmarkten Glaubensgemeinschaften "unter totaler Selbstaufopferung
karitative und soziale Leistungen" hervorbringen, wie Sie dies lobend über
Katholiken schreiben, dann mögen Sie persönlich vielleicht Beifall spenden, wenn
Sie es denn wirklich tun würden. Ihre Rufmordbeauftragten sprechen dann jedoch
von "Ausbeutung", von "Entindividualisierung", von "totalitären Sekten" und manchem
mehr. Letztlich sind dies in der Regel Projektionen des eigenen Fehlverhaltens
bzw. Projektionen von kirchlichen Missständen.
Und wenn wir die Finger in die Wunden der Kirche legen, geht es uns ja nicht um
eine Kritik an ein paar schwarzen Schafen oder um eine Entlarvung von Fehlern,
die wir alle noch haben, sondern um einen "Stammbaum des Verbrechens", der seine
Früchte trug und der noch fruchtbar ist ...
Leider sind viele "haupt- und ehrenamtlich im Dienst am Nächsten tätige
Menschen", von denen Sie schreiben, damit beschäftigt, diesen unheilvollen Kern
durch ihr gut gemeintes Tun zu verschleiern. Doch warum tragen sie ihr Positives
in eine Institution hinein, die Jesus nicht gewollt hat und die nach dem
Historiker Karlheinz Deschner wie keine andere "zugleich so lange, so
fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist"? Und Sie und andere
sind weiterhin dabei? Ist das ein Zeichen von "geistiger Reife"? Oder vielleicht
eher von
Jahrtausende alter Indoktrination? Eine Fülle von Rückmeldungen auf unsere
Informationsschrift zeigt uns, dass allmählich der alte Staub aus der Seele gekehrt wird
und immer mehr Menschen beginnen, frei zu atmen ...
W. L.: Ich will auch nichts Positives herausfiltern und gegen Negatives aufrechnen,
aber Sie werden mir doch zugestehen, dass es mir erlaubt ist, mich mehr an den
weißen als an den schwarzen Schafen zu orientieren. Ich weiß nicht, wo Sie die
Wurzeln Ihres "Stammbaums des Verbrechens" sehen, wenn Sie von
"jahrtausendealter Indoktrination" sprechen - etwas bei Konstantin dem Großen
oder gar schon bei Paulus? Vielleicht haben Sie doch auch schon von Thomas von
Aquin gehört, Elisabeth von Thüringen, Karl Borromäus [Anmerkung:
siehe hier], von Adolph Kolping, Karl
Rahner ... und Mutter Teresa, um nur einige zu nennen. Dazu die unabsehbare
Schar von sozial und karitativ Tätigen im Dienste der Kirche, ohne die unser
Staat, falls er deren Aufgaben übernehmen müsste, Konkurs anmelden könnte!
Selbst bei den viel geschmähten Päpsten gibt es nicht nur sittenlose Menschen wie
Alexander VI., sondern auch höchst verehrungswürdige Vertreter wie etwa Hadrian
VI., den großen Soziallehrer Leo XIII. und in jüngster Zeit den gütigen Johannes
XXIII. ... Und hat es nicht schon unter den Jüngern Jesu einen gegeben, der ihn
ans Kreuz lieferte und einen, der ihn verleugnete? Hat Jesus das
Apostelkollegium deswegen eine Verbrecherclique genannt?
Es geht nicht darum, irgendwelche Sünder an einen Pranger zu stellen, sondern in
erster Linie um eine Aufklärung darüber, dass die katholisch Lehre und ihre
Hierarchie nicht christlich sind
(siehe dazu z. B. www.theologe.de/freiechristen1.htm
oder www.theologe.de/theologe18.htm). Ist dieser grundsätzliche Etikettenschwindel einmal entlarvt, kann man über
manches auch mal im Detail reden und sich hier und da auch sehr nahe kommen.
Doch die Behauptung der Kirchen, Nachfolger oder gar Stellvertreter des Jesus von Nazareth zu
sein, lassen wir nicht mehr durchgehen - und zwar sowohl aufgrund der Lehre als
auch aufgrund vieler Aspekte aus der Praxis.
Schon unter Konstantin und später vor allem unter Theodosius I. wurde die Kirche im
4. Jahrhundert in Kürze zu einer verfolgenden Institution, die mit ihrem
Absolutheitsanspruch - dem Philosophen Karl Jaspers zufolge - auch heute noch
ständig "auf dem
Sprung steht, die Scheiterhaufen für Ketzer neu zu entflammen." Hier liegt nach
wie vor die Zeitbombe, die von vielen Zeitgenossen schlicht unterschätzt wird.
Es ist uns gut verständlich, dass Sie sich an mehr oder weniger positiven
Gestalten innerhalb der Kirche orientieren. Doch welches System macht sich deren
guten Ruf zu Nutze? Als Beispiel dafür haben auch wir uns einmal mit
Elisabeth von Thüringen
beschäftigt. Und
wozu kann das christliche Tun einzelner Menschen missbraucht werden, wenn es
innerhalb einer Organisation geschieht, die Jesus nicht wollte? So mag es ja sein, dass man auch bei Päpsten
positive Eigenschaften ausfindig machen kann, denn jede Mensch hat auch positive
Seiten. Doch wollte Jesus einen Papst, einen so genannten "Heiligen Vater"? Oder
sagte Er nicht "Ihr sollt euch auf
Erden nicht Vater nennen, denn einer ist Euer Vater, Euer Vater im Himmel?"
Sie können in diesem Zusammenhang die Jünger von Jesus (Sie verwenden das
katholische Wort "Apostelkollegium") nicht mit der kirchlichen
Institution vergleichen und einfach nur sagen, hier wie da gebe es Licht und Schatten.
Das ist schon richtig, doch der entscheidende Unterschied dabei ist: Jesus
wollte die Nachfolge seiner Jünger - von mir aus der "Apostel", wie sie genannt werden. Die
Kirche mit ihren Päpsten, Dogmen, Sakramenten und Zeremonien wollte er hingegen
nicht - unabhängig vom Verhalten der Amtsträger.
Es darf auch in unerwähnt bleiben, dass der weitaus größte Teil der kirchlichen
Sozialleistungen vom Staat finanziert wird und Ihre These eines eventuellen
staatlichen Konkurses im sozial-karitativen Bereich ohne Kirche ist schlichtweg
falsch. Der geringe kirchliche Eigenbeitrag an den staatssubventionierten
Sozialdiensten ließe sich z. B. ersetzen durch das Streichen bei den staatlichen
Milliardenzuwendungen für innerkirchliche Zwecke, z. B. den staatlichen
Gehaltszahlungen für Bischöfe und andere Amtsträger, der Theologenausbildung an den Universitäten,
dem konfessionellen
Religionsunterricht, der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer und,
und, und ...
Es gäbe noch viel zu sagen, z. B. auch über die kirchlichen Wurzeln der Massentierhaltung
und der grausamen Tierversuche, was derzeit
ebenfalls mehr und mehr aufgedeckt wird
(vgl.
www.theologe.de/theologe7.htm#4).
Wir wollen Sie von allem nicht überzeugen und Sie mögen bis auf weiteres
überzeugter Katholik bleiben. Den Stein des Anstoßes, der ins Rollen gekommen
ist, werden Sie jedoch nicht aufhalten können und alles, davon sind wir
überzeugt, wird mit der Zeit offenbar werden ...
W. L.: Sie stellen die Behauptung auf, Jesus habe diese Kirche nicht gewollt, keinen
Papst, keine Priester, keine Messfeier, keine Riten, keine Heiligenverehrung ...
Wenn ich die Bibel lese, meine ich doch, daraus entnehmen zu können, dass Jesus
den damaligen Tempelkult, der ähnliche Riten kannte, durchaus respektiert, ja
mit vollzogen und nur pharisäische Scheinheiligkeit und Missbräuche gegeißelt hat
... Dass Kaiser Theodosius später das Christentum zur "Staatsreligion" erklärt
hat, mag man für intolerant halten - andererseits war sein Verbot der grausamen
Zirkusspiele ein Verdienst, das ihm zugute gehalten werden muss ... Die
Fehleinschätzung, die Sie bei Ihrer Rechnung mit den kirchlichen
Sozialleistungen aufmachen, möchte ich Ihnen nachsehen, wenn Sie den nötigen
Einblick nicht haben ...Wenn Sie die Behandlung der Sekten durch die Kirche
ansprechen, so mögen Ihre Anschuldigungen vielleicht für das Mittelalter
zutreffen, das von völlig anderen Vorstellungen bestimmt war. Heute fühlt sich
die Kirche mit Recht dazu verpflichtet, Warnungen vor Sekten auszusprechen, die
ihre Mitglieder schamlos ausbeuten und mit psychologischem Druckmitteln eine
totale Entpersönlichung und Abhängigkeit erzwingen, die menschenunwürdig ist ...
Als Beispiele seien nur die Moon-Sekte oder die Scientology-"Religion" genannt.
Sekten wie etwa die Heilsarmee, die sich bedürftiger Menschen annehmen, ohne
Andere zu attackieren, werden von der Kirche gewiss nichts zu fürchten haben
...
Ausgerechnet die Kirche erdreistet sich, "Warnungen vor
Sekten" auszusprechen. Wissen Sie auch nur von einem pädophilen Scientologen? Oder
welcher Moonie hat ein Kind missbraucht? Und wehe, wenn man auch nur einen
einzigen dort finden würde, den man verdächtigen könnte! Vergleicht man demgegenüber die
Verbrechen, die einzelne katholische Kirchenchristen täglich verüben, seien es
Raub, Mord, Kriege, Betrug usw., dann ist es, wie wenn man eine Mücke mit einem
Kamel abwiegen müsste. Dazu kommen die kaum zählbaren Sexualverbrechen der
Hauptamtlichen (oder die Unterdrückung von Kindern in kirchlichen Heimen in
jüngerer Vergangenheit), bei der minderjährige Katholiken "schamlos ausgebeutet"
werden und wo vielfach "mit psychologischen Druckmitteln eine Abhängigkeit erzwungen"
wird, die beim Opfer zu einer "totalen Entpersönlichung" führen kann. Ich
zitiere hierbei nur Ihre eigene Sektenwarnung. Tatsache: Ein vom Priester missbrauchtes
Kind malte während der anschließenden Therapie z. B. den Mann im Talar, wie er das Kind in einzelne lose Körperteile
zerlegte.
Dazu kommen die Verbrechen im Vatikan (Morde an dem Ehepaar Estermann und evtl. dem
Schweizergardisten Cedric Tornay, Vertuschung der Aufklärung; Betrugsbankrott
der Banco Ambrosiano, aufgehängter Bankier Calvi unter der Brücke der
Barmherzigen Brüder in London, usw.), die alltäglichen Verwicklungen der Kirche
in
Rüstungskonzerne oder Unrechts-Regimes
(z. B.
www.theologe.de/theologe16.htm#Argentinien) und vieles mehr. Und Sie wollen
vor "Sekten" warnen? Vor sich selber sollten Sie warnen, damit Eltern ihre Kinder z.
B. nicht mit dem Priester alleine lassen, denn ein aktiver Priester sagte mir
einmal, dass über 20 % seiner Priester-Kollegen zur Pädophilie neigen (und nicht nur
3-5 %, wie manche Experten schätzen), auch wenn die meisten davon dies nicht
bzw. noch nicht in die
Tat umsetzten. Doch können Sie mir das für Ihren Ortspriester für die Zukunft
garantieren?
"Ihr verblendeten Führer", rief Jesus den Theologen Seiner Zeit zu, "die ihr
Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt". Ja, man siebt die Mücken bei der
religiösen Konkurrenz aus und findet man keine, dann wühlt man im eigenen
Mülleimer, fängt dort eine Mücke und wirft sie dem Andersgläubigen ins Glas,
damit es dort tatsächlich etwas zu sieben gibt für die Sekten- = Rufmordbeauftragten. Denn was
man anderen unterstellt, sind oftmals Lügen, Verleumdungen, Verdrehungen oder
kalkulierte Missverständnisse wider besseren Wissens. Es ist dann letztlich der
Unrat aus dem eigenen Mülleimer, den man auf die anderen zu Unrecht projiziert.
Die Folgen für den Betroffenen: Ausgrenzung, Diskriminierung, Zerstörung von
Familien, Ruin der beruflichen Existenz und so weiter. Ich könnte von den vielen
Situationen, die mir persönlich bekannt sind, ein Buch schreiben.
Aber was würde eine solche Offenlegung bei den Inquisitoren und
ihren Helfern und Helfershelfern der Gegenwart nützen? Diese "Kamele" betrachtet
man dort nur als "Kamellen" und man verschluckt sie mit Leichtigkeit. Und weil
die Betroffenen deshalb nur rufermordet, nicht aber körperlich ermordet werden
wie in früheren Zeiten, hält man sich schon für tolerant.
Und auch durch das Nadelöhr würden die katholischen und evangelischen Kamele
nach eigener Einschätzung doch wohl hindurch kommen. Teile des Vermögens der Kirchen in Deutschland in Höhe von
981,1 Milliarden DM
(Der Spiegel Nr. 49/2001)
dürften demnach wohl nicht mit gemeint sein, wenn Jesus sagt "Ihr sollt euch nicht
Schätze sammeln auf Erden" bzw. "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon"?
Und wenn Ihre Kirchengemeinde einige Scherflein für das öffentlich Soziale gibt
und nicht nur Spenden einiger Mitglieder an andere Mitglieder weiterreicht, gut.
Man kann vielleicht von der Addition der "Scherflein" sprechen, vergleicht man
es mit dem "Schorf" von ca. 14,5 Milliarden Euro jährlich, welche die beiden
Großkirchen ( = Großsekten), die katholische und die evangelische, in
Deutschland aus dem allgemeinen Steuertopf jährlich an Subventionen erhalten -
trotz ihres Vermögens von fast einer Billion DM = ca. 500 Milliarden Euro. Und
auch die aus der Kirche Ausgetretenen müssen ihre Taler für die
Kirchensubventionen beisteuern. Noch nicht gerechnet die Staatszuschüsse für die
kirchlichen Sozialwerke (noch mal ca. 10 Milliarden Euro jährlich), vom
katholischen Deutschen Orden ganz zu schweigen, für dessen Pleitenwirtschaft
einmal mehr der Staat eingesprungen ist. Fragen Sie doch mal nach, wie kirchliche
Krankenhäuser, Schulen oder Altenheime finanziert werden! Nun gut, doch wehe,
eine kirchlich bekämpfte Glaubensgemeinschaft wagt es ebenfalls, ein einziges Krankenhaus
oder eine einzige Sozialstation, eine einzige Schule oder einen Kindergarten zu
eröffnen (und vielleicht sogar einen einzigen Euro Staatszuschuss zu beantragen)! Da hört
die scheinheilige Toleranz der Kirchen nämlich meist schon auf und man läuft
dagegen Sturm.
Alles, was wir schreiben, lässt sich beweisen, vorrechnen oder nachprüfen. Doch
was nützen Beweise für jemanden, der nicht sehen will! Um zu verstehen, dass
Jesus diese Kirche nicht gewollt hat, genügt vielen schon das unvoreingenommene
Lesen im Neuen Testament. Vielleicht durfte dieses Buch deshalb so lange nicht
vom Volk gelesen werden. Doch wenn jemand nicht sehen will, dann ist den
wiederum auf Staatskosten ausgebildeten Kirchenmännern und ihren Helfern schon
immer etwas eingefallen, damit man auch weiterhin nicht zu sehen braucht,
sondern weiterhin nur glauben darf. Und man wird auf entsprechendes Geheiß noch
jeden Schwerverbrecher in einen Heiligen verzaubern können (so wie man umgekehrt
jeden ehrenwerten Mensch in den Schmutz ziehen kann) - man muss nur das
gesellschaftliche Umfeld mit heranziehen, und man mag das Verbrechen ja als
solches für "wenig erfreulich" halten, aber stand der kirchliche Verbrecher
nicht im Dienste der Wahrheit oder hat er doch immerhin ("die Autobahnen" oder)
eine Kirche oder etwas Vergleichbares gebaut oder war liebevoll zu X oder Y? "Und warum so intolerant, ihr Opfer?"
so müsste man den kirchlichen Umgang mit unliebsamen religiösen Minderheiten
einmal entlarvend karikieren. "Seid doch etwas
toleranter zu euren Rufmördern oder Scharfrichtern!" Das sei ja richtig schlimm,
wie aggressiv diese Opfer immer sind! Woher nur dieser Hass?
Doch vielleicht ist der "Ketzer" ja in Wirklichkeit ganz friedlich und es ist
wiederum nur der eigene verdrängte Hass, die eigene übermäßige Wut, die der "Ketzer" dem Kirchenmann spiegelt und die dieser nur auf ihn projiziert. Und die einmal hoch kochen muss, damit man die reißerischen Wolfskrallen unter seinem
heuchlerischen Schafspelz erkennt.
Sie mögen Ihrer Kirche vieles verzeihen, aber eines würden wir auf jeden Fall
vorschlagen: Nennen Sie diese Kirche von uns aus "römisch-katholisch" oder nur "katholisch"
oder "vatikanisch" oder "päpstlich" oder wie auch immer. Doch bringen Sie den
Namen von Christus nicht länger in Verbindung mit den heidnischen
Kultlehren und den veräußerlichten Praktiken und Riten der Kirche
(vgl. dazu
http://theologe.de/kirche_verrat-an-jesus-dem-christus.htm).
Und ziehen Sie Christus
damit nicht
länger in den Schmutz dieser Institution hinein, welcher täglich mehr an die
Oberfläche kommt, weil sich vielleicht allmählich der entlarvt, der hinter ihr steht. Und
nennen Sie diese Kirche wenigstens nicht mehr "christlich"!
Der Selbstmord des römisch-katholischen Dekans von L., Dr. Klaus-Peter K. (+ 2006), hat für viel Unruhe gesorgt. Der Beitrag in Der Theologe gab dabei auch Anlass zu Kritik bei Katholiken, die den Stellvertreter des Bischofs sehr schätzten. Da die E-Mails nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, nachfolgend nur einer der Antwortbriefe an einen besorgten Katholiken:
Gerne antworten wir ein
paar Zeilen. Zunächst einmal möchten wir klar stellen: Wir haben
nichts Falsches geschrieben. Wir schreiben auch nicht, dass Herr Dr.
K. jemanden sexuell missbraucht hat. Doch ist eine
homosexuelle Beziehung eines Dekans, der gleichzeitig als
Stellvertreter des Bischofs fungiert, mit einem 16-Jährigen, der
ihm in seinem Amt z. B. als Helfer anvertraut ist, zumindest sehr problematisch, auch wenn der Jugendliche
den homosexuellen Handlungen mit dem Würdenträger zustimmt. Darin dürften sich wohl alle einig sein. Zudem fällt ein solches oder ähnliches Verhältnis ja
- ganz allgemein gesprochen und nicht auf Dr. K. bezogen - wohl nicht am 16.
Geburtstag eines Jugendlichen vom
Himmel (dem Tag der offiziellen "Sexualmündigkeit"), so dass grundsätzlich auch nach
einer Vorgeschichte für ein
später offenbar gewordenes sexuelles
Abhängigkeitsverhältnis gefragt werden kann.
Und Tatsache ist nun mal, dass unzählige Kinder und Jugendliche auch
über lange Zeiträume hinweg von kirchlichen Amtsträgern zunächst angelockt
und später zu gegebener Zeit sexuell missbraucht oder verführt wurden. Näheres wissen in den speziellen Situationen die
Betroffenen selbst, und hier ist die katholische Berichterstattung
meist an Scheinheiligkeit oder gar Unverfrorenheit nicht mehr zu überbieten.
Ob diese allgemeinen Ausführungen auch hier zutreffen, wissen wir
nicht, und es steht uns auch nicht zu, darüber zu urteilen. Doch
natürlich wissen manche Beteiligte mehr, und man hört natürlich als
Außenstehender hin, was diese sagen. Das aktuelle Beispiel: "Wir suchen nach einer Antwort, die Gott
allein weiß und geben kann", erklärt der Würzburger Stadtdekan
Monsignore Eberhard Kroth im Rahmen der Aussegnungsfeier
(Main-Echo, 18.11.2006). Oder
Domkapitular Heinz Geist: "Die Antwort auf das Geheimnis seines
Todes wisse nur Gott."
Die katholische
Kirche scheut sich also nicht,
"Gott"
in ihre Tragödien bzw. Machenschaften mit hineinzuziehen, und sie sollte wenigstens
den Schöpfer des Universums aus dem Spiel lassen, wenn es um die
Verschleierung ihrer Sünden geht.
Stattdessen könnte man bei solchen Anlässen durchaus
auch an andere Leidtragende denken, z. B. an den jungen Mann, der
sich vor dem Selbstmord des Dekans Hilfe suchend an die
Staatsanwaltschaft wandte.
Auch wurden solche und vergleichbare Situationen
in der Kirche natürlich bisher immer
verharmlost, so dass auch in diesem Fall der Dekan den Gläubigen im nachhinein
weiter als "Lichtgestalt"
gilt
(Main-Post, 20.11.2006).
Oder er wurde jetzt
erneut öffentlich geehrt,
z. B. als einer, der "unüberhörbar und leidenschaftlich seine Stimme
erhoben" hat, "wenn es darum ging, die Lehre der katholischen Kirche
zu vertreten ..."
(so der stellvertretende Dekan von L., Hermann
Becker,
Main-Echo, 18.11.2006).
Dabei
wurde zunächst das
Zölibats-Gelübde
gebrochen, was für einen Außenstehenden gar nicht verwerflich wäre, wenn nicht nach außen hin scheinheilig
etwas ganz anderes vorgespielt würde. Das ist der Kritikpunkt. Dann die ausgelebte Homosexualität von Amtsträgern,
über die wir ebenfalls nicht urteilen und über die ja kirchenintern unterschiedlich gedacht wird.
Scheinheilig vorgespielt
wird jedoch die offizielle Ablehnung. Und schließlich: Ein sexuelles Abhängigkeitsverhältnis
eines Würdenträgers mit einem
"Schutzbefohlenen", das wohl weder innerhalb noch
außerhalb der Kirche ethisch zu rechtfertigen ist. Und dann gab es laut
den Vorwürfen im Ermittlungsverfahren in dieser Situation noch eine "Nötigung in einem
besonders schweren Fall". Und weiter noch eine Lüge (als der
Amtsträger die Vorwürfe abgestritten hatte) und schließlich den
bestialischen Selbstmord (die Helfer am Tatort wissen, wie die
Leiche aussah). Da kommt einiges zusammen. Hinzu kommt noch geistige
Irreführung, wenn der Inhalt von Predigten nicht stimmt bzw.
nachweisbar nicht mit dem tatsächlichen Verhalten des Predigers
übereinstimmt.
Hier also trotzdem von
"Lichtgestalten" zu sprechen, ist auch bei
sehr viel Sympathie für die Kirche und Blindheit gegenüber
ihren dunklen Seiten zumindest fragwürdig. Jede andere Gemeinschaft müsste für
ein solches Verhalten eines ihrer Mitglieder von der Kirche und den Medien allerheftigste Angriffe einstecken
und müsste um ihre Existenz fürchten.
Nur in der Kirche selbst wird anscheinend erwartet, dass man nicht so
genau hinschaut.
Bitte
verstehen Sie uns aber nicht falsch. Wir haben nicht das Geringste
gegen Dr. K. Von ihm ist uns - im Unterschied zu seinem
evangelischen Kollegen Michael W. - auch kein öffentliches negatives
Wort über religiöse Minderheiten bekannt. Im übrigen glauben wir,
dass wir einander verzeihen sollen. Und das mag für die weniger
direkt Betroffenen auch einfach sein. Doch es ist eben die Frage, ob
einem Beschuldigten auch diejenigen verzeihen, die am meisten
geschädigt wurden. Und darauf käme es ja an. Da nützen keine
kirchlichen Absolutionen.
Die Zielrichtung des Artikels ist zudem nicht das Verhalten
von Dr. K. Sondern es geht vor allem um die scheinheilige und heuchlerische Kirchenpolitik, die sich
auch in dieser Situation wieder zeigt.
Die Kirche sollte einmal in
ehrliche Scham oder Reue versinken, anstatt sich weiter heraus zu
nehmen,
auf dem hohen Ross sitzen zu bleiben und mit dem Finger auf andere
zu zeigen,
in deren Reihen nicht annähernd Ähnliches passiert ist.
Darum geht es. Und so ein kirchliches Verhalten gegen Andersgläubige sollte sich allmählich
auch von selbst verbieten. Nicht das "Sündigen"
treibt die Sache auf die Spitze, wenn man danach ehrlich mit sich
ringt und umzukehren versucht.
Sondern das ganze nachfolgende klerikale Getue und Gehabe, das mit Christus und Gott nicht das Geringste zu tun
hat.
Mit Dr. K. sind wir in Frieden, und wir wünschen ihm von
Herzen, dass er an dem Ort, an dem er jetzt gerade ist, gute neue
Entscheidungen trifft. Nach römisch-katholischer Lehre (die K. auch so leidenschaftlich vertreten haben
soll) müsste er zwar
trotz der Ehre, die man ihm auf der Erde noch erweist (z. B.
ehrenvolle Bestattung im Priestergrab), in die ewige Hölle
(siehe Der
Theologe Nr. 18). Doch zum Glück
ist diese Lehre nur grausamer Unsinn.
PS: Inzwischen [2010] sind die
öffentliche Wahrnehmung dieses Themas und die Klagen gegen die
Kirche und ihre Amtsträger mit Recht eskaliert. Außerdem haben wir gehört,
dass der ehemalige Ministrant und homosexuelle Partner des Dekans
von Lohr
sich nach dessen Selbstmord auf eine ähnliche Weise getötet haben
soll, was die Schuld des stellvertretenden Bischofs und der Kirche
noch einmal massiv in die Höhe treiben würde. Nachprüfen konnten
wir es jedoch nicht.
11.
Was steckt hinter
Marienerscheinungen?
Wie sehen Sie und was halten Sie von Marienerscheinungen? Vielen
Dank für Ihre Antwort. M. F.
Dies ist in der Kürze nicht so leicht zu beantworten. Doch ich will
es stichpunktartig versuchen.
1) Marienerscheinungen sind wie alle vergleichbare Erscheinungen ein
astrales Phänomen. Dabei ist jedoch nahezu auszuschließen, dass
tatsächlich das Geistwesen, das in Maria, der Mutter von Jesus von
Nazareth, einst inkarniert war, damit etwas zu tun hat.
2) Der Komplex der Marienverehrung einschließlich von
Marienerscheinungen ist ein riesiges römisch-katholisches
Energiefeld im Diesseits und im Jenseits. Es bestehen
Kommunikationsbahnen von hier nach dort und von dort nach hier. In
der Regel ist eine solche Kommunikation mit Energieverlust für den
betroffenen Menschen auf der Erde verbunden, da die Erscheinungen u.
ä. Kraft kosten, bzw. da die "Erscheinenden", die dahinter stehen,
von der Energie der Menschen nehmen.
3) Nach dem Prinzip "Senden und Empfangen" tauchen die
"Erscheinungen" in der Regel bei Leuten auf, die in ihren Gedanken,
Phantasien, Wünschen, Gebeten usw. eine solche Vorstellungswelt
bereits zuvor nährten und nähren. Dabei besteht für die Menschen auch die Gefahr
einer Besetzung bzw. Besessenheit oder als Vorstufe
"Umsessenheiten", da jenseitige Seelen sich oftmals der Körper von
Menschen bedienen, um z. B. ihre ehemaligen Vorstellungen, die sie
einst als Menschen auf der Erde pflegten, nun aus dem Jenseits
weiter pflegen zu können.
4) Die ethisch-moralische Qualität der jenseitigen Sendestationen
hängt nach dem geistigen Gesetz "Gleiches zieht zu Gleichem" von den
Sendern im Diesseits ab. Also: Intolerante Fanatiker ziehen aus der
Astralwelt z. B. wieder intolerant Fanatisches an, ethisch
überwiegend untadelige Leute wieder ethisch Höherstehendes usw. usf.
5) Auch der Wahrheitsgehalt einer Erscheinung oder deren falsche
Vorstellungswelt hängt davon ab, was das Medium selbst für richtig und für
falsch hält. Dabei besteht auf jenseitiger Seite oftmals der Drang
nach einer Aufwertung, indem sich z. B. eine niedere Seele aus der
jenseitigen Welt als "Maria" ausgibt und ihren Seelenkörper in das
Bewusstsein eines Menschen einzuspiegeln versucht, der dann glaubt,
"Maria" zu sehen. Mit einer solchen
Täuschung qualifiziert sich eine mögliche jenseitige Quelle selbst
ab. Dabei ist es sogar möglich, dass das so
genannte Medium gar nicht von "drüben" empfängt, sondern aus seiner
eigenen Vorstellungs- und Bilderwelt schöpft, die sich unter
Umständen verselbstständigt hat.
Wie ich glaube herausgehört zu haben, zweifeln
Sie die "Echtheit"
dieser Erscheinungen an. Warum treten Ihrer Meinung nach die
Marienerscheinungen häufiger bei Kindern auf? Eine Forumsteilnehmerin
hatte ein Erscheinungserlebnis an einem Pilgerort; sie beschrieb es
als unerträgliche Liebe, zu viel für einen "Durchschnittsmenschen",
um es aushalten zu können. Ihrer Meinung nach sind wir gar nicht auf
diese Art von Liebe auf Erden vorbereitet.
Wenn eine solche Erscheinung die selbstlosen
Liebekräfte weckt, dann mag es positiv sein, und dieser Mensch kann
dann zu einem "Segen" für seine Mitmenschen und seine Umwelt werden.
Misstrauen ist jedoch angebracht, wenn Erlebnisse nur in Verbindung
mit bestimmten Dogmen oder Riten auftreten oder aufgetreten sind.
Dabei bleibt grundsätzlich die Frage, welche Energie hinter einer
Erscheinung steckt, da die positive Energie schlicht und
unspektakulär durch ein Leben nach den Geboten Gottes vermehrt wird.
Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass spirituelle Techniken
Energie freisetzen kann, die aber letztlich nicht die positive
Energie ist, die sich ein Mensch als innere Basis selbst erarbeitet
hat. Vielmehr hat der Mensch sich durch eine geistige Technik oder einen Kult
in ein Abhängigkeitsgeflecht begeben, das auch eine massive negative
Kehrseite hat. Ich zweifle dabei nicht die "Echtheit" einer
Erscheinung als solcher an, sondern die "Echtheit" ihres
vermeintlichen Urhebers, in diesem Fall von Maria. Da die Mutter von
Jesus nach meinem Glauben eine schlichte Frau war und den Marienkult
niemals befürworten würde, halte ich es für ausgeschlossen, dass sie
selbst hinter den Erscheinungen in diesem Umfeld steckt. Bedenken
Sie dazu auch, wie viele Marien-Projektionen die Gläubigen im Laufe
der letzten fast 2000 Jahren in die Atmosphäre gesendet haben. Das
ist ein gigantisches Energiefeld, in dem sich aus meiner Sicht
zahllose Seelen tummeln, darunter wohl auch weibliche Seelen, die
sich mit Maria identifizieren möchten und die sich in einer solchen
Erscheinung vielleicht darstellen könnten, nicht jedoch die Mutter
von Jesus.
Wenn es so ist, dass Marienerscheinungen häufiger bei Kindern
auftreten, was ich nicht weiß, dann könnte dies damit erklärt
werden, dass bei Kindern und älteren Menschen die Grenzen zwischen
Diesseits und Jenseits noch vielfach durchlässiger sind bzw. wieder
durchlässiger geworden sind. Bei einem Kind liegt das jenseitige
und eventuell auch letzte diesseitige Vorleben noch nicht so lange zurück
(vgl. dazu
www.theologe.de/theologe2.htm) und die Fixiertheit auf die
materielle Erscheinungswelt ist noch nicht so starr und undurchlässig wie bei
den meisten Erwachsenen. So gibt es auch Berichte von kleinen
Kindern, die offenbar munter über ihr letztes irdisches Leben
plauderten, was bald jedoch aufhörte. Außerdem kann in ihrem
Beispiel wohl davon ausgegangen werden, dass in diesen Kindern
Seelen inkarniert sind, die bereits durch ihr Vorleben mit dem Thema
"Marienerscheinungen" vertraut sind, was dann z. B. durch
eine entsprechende Erziehung angestoßen wird. Denn es ist gemäß dem
geistigen Prinzip "Gleiches zieht zu Gleichem" ja kein Zufall, in
welchem Umfeld eine Seele inkarniert.
Lesen Sie dazu auch:
"Der Theologe Nr. 45", Maria, die Mutter von
Jesus und der katholische Marienkult
12.
Welche Kraft haben Reliquien oder Ikonen
oder Gebete zu
"Heiligen"?
Was mich sehr interessiert: Wie die Kirche so vielen Menschen helfen kann, wenn sie eindeutig falsche Dogmen befolgt und mit der Wissenschaft (z. B. Psychotherapie) einfach nicht klar kommt. Warum haben christliche Reliquien, nämlich Körperteile von verstorbenen Heiligen, eine unerschöpfliche Kraft, Menschen zu heilen, und warum "antworten" Heilige wie zum Beispiel Seraphim Rose oder Johannes Chrysostomos, wenn sie, wie jeder andere Mensch der Reinkarnation unterliegen? Mir sind z. B. Wunder durch Ikonen bekannt, welche Gott als einen alten, weisen Mann mit Bart darstellen, was grundsätzlich ja nicht stimmt. A. A.
Die von Ihnen genannten Phänomene (Hilfen
trotz falscher Dogmen, Wirksamkeit von Reliquien, Ikonen) lassen
sich gut erklären: Alles vollzieht sich nach dem
Prinzip "Senden und Empfangen", wobei der eigene Glaube bzw. die
eigenen Gedanken und Empfindungen dabei meist die stärksten Kräfte
darstellen.
Sendet also jemand z. B. den starken Glauben an eine Genesung zu
einer bestimmten Reliquie oder zu einem "alten Mann mit Bart" oder
zu einem nachweisbar falschen Dogmenkomplex, so wird er zwar
einerseits von dort empfangen, andererseits aber auch zu einem
großen Teil die Rückstrahlung seiner eigenen Aussendung erleben.
Viele "Wunder" sind somit versteckte Selbstheilungen.
Doch die jeweiligen Energiefelder, die man ansendet, haben natürlich
auch eine Eigenwirkung, die mehr oder weniger stark sein kann. So
gibt es z. B. das geistige Energiefeld einer bestimmten Reliquie. In
diesem Feld ist alles gespeichert, was im Zusammenhang mit dieser
Reliquie bisher gedacht, geglaubt, getan usw. wurde - also ein massiver
Energiekomplex. Letztlich handelt es sich also um ein geistiges Phänomen,
die Reliquie selbst ist dabei nur der äußere Anknüpfungspunkt.
Ähnlich ist es bei der Anrufung eines bestimmten "Heiligen". Dass
sich tatsächlich das Geistwesen bzw. die Seele meldet, die einst in
diesem "Heiligen" inkarniert war, ist eher unwahrscheinlich, wenn
auch nicht ausgeschlossen. Kommt es tatsächlich zu jenseitigen
Einsprachen z. B. eines "Chrysostomos", ist das wahrscheinlich eher
ein Fopp oder eben eine Antwort von irgendwoher aus dem Energiefeld "Anrufung des
Johannes Chrysostomos".
Erfolgen aus solchen Energiefeldern Hilfen oder gar Heilungen, so
sind die dabei wirksamen Kräfte jedoch sicher nicht die reinen
Gotteskräfte = Selbstheilungskräfte, sondern - grob gesprochen -
Mischgut aus verschiedenen Einflüssen. Und das ist nicht harmlos.
Denn derjenige, der mit einem bestimmten Energiefeld kommuniziert,
ist oft auch an die dort wirksamen Kräfte mehr oder weniger
gebunden bzw. von diesen abhängig.
Natürlich hat jeder Gegenstand, jedes Kleidungsstück, jeder Stein
usw. auch
zunächst eine von sich aus positive Grundkraft. Wird er jedoch
z. B. zu einer "Reliquie", dann wird er stark mit der negativen Kraft der
Reliquiengläubigkeit aufgeladen, so dass dann eben verstärkt diese
Kräfte wirksam werden.
Positive Kräfte sind hingegen immer selbstlos und sie sind nicht an
Dogma, Form und Kult gebunden. Es ist letztlich der Odem der Liebe
Gottes, welche die ganze Schöpfung durchströmt.
Vergleiche: Zu "Heiligsprechungen" mehr dazu siehe
bei
Der
Papst auf Youtube und in
Der Theologe Nr. 16.
13.
Warum sind Sie gegen religiöse Riten?
Warum sind Sie gegen religiöse Riten, gemeinsamer Gottesdienst ...? Denn wenn selbst von Jesus nicht ausdrücklich verlangt, so doch eine schöne Form, gemeinsamen Glauben zu praktizieren. C. C.
Was die Riten und die Gottesdienste betrifft,
so hat Jesus eben, wie Sie auch selbst andeuten, keine Riten
gelehrt. Anders jedoch die Priester aller Religionen. Im Grunde
genommen brachte Jesus eine "innere Religion" ohne Priester oder
andere so genannte "Mittler". Äußere Handlungen mögen dafür Symbole
sein, aber nicht mehr. Die Riten und Gottesdienste der Religionen
haben jedoch ein Gewicht erhalten, das dazu führte, das aus einer
inneren Herzenssache etwas Veräußerlichtes wurde, wodurch das
ursprüngliche innere bzw. ethische Anliegen verfälscht oder gar
pervertiert wurde. So haben wir nichts gegen Symbole und praktizieren
auch einfache Handlungen zur Besinnung wie z. B. das Anzünden einer
Kerze. Doch wie schnell wurde aus einem Symbol z. B. ein "Sakrament"
oder aus einer Geste eine feste Zeremonie, und damit ist alles
bereits institutionalisiert bzw. verfälscht, weswegen hier aus
unserer Sicht weniger besser ist als zu viel.
14.
Hat Jesus nicht zu Petrus gesagt
"Du bist der Fels,
und auf diesem Fels werde ich meine Kirche bauen"?
Hat Jesus nicht zu Petrus gesagt "Du bist der Fels, und auf diesen
Felsen will ich meine Kirche bauen"? R. B.
Siehe dazu
Der Theologe Nr.
51
15.
"Werden einem beim Einnehmen
des Abendmahls die Sünden vergeben?"
Ich habe gelernt, dass mir beim Abendmahl die Sünden vergeben werden. Leider kann ich das innerlich irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen. Auch weiß ich nicht, was die Kirche noch zum Abendmahl lehrt, was mich interessieren würde. Ich fühle mich durch das Abendmahl (in der evangelischen Kirche) auch innerlich gar nicht befreit. Es ist für mich mehr ein Ausdruck der Gemeinschaft und ein Zeichen meiner Demut. W. P.
Die Kirche tat etwas anderes als das, was Jesus wollte
So ähnlich hat
es Jesus auch gemeint. Dabei hat er niemals an ein rituelles
Kultmahl mit Hostie und mit einem Schluck aus einem Kelch gedacht,
wie es in den Kirchen praktiziert wird, sondern an ein richtiges
Essen mit Speisen und Getränken. Wenn er dabei von seinem Leib und
seinem Blut sprach, dann tat er dies, um diese als Symbole für den für den Geist
der Wahrheit zu nehmen, der ihn durchdrungen hat und in dem seine
Nachfolger leben sollen.
Die Kirche hat nun etwas völlig anderes erfunden als das, was
Jesus wollte. In der katholischen Kirche gilt das Abendmahl sogar
als eine Art "Wiederholung" des Kreuzestodes von Jesus im rituellen
Handeln des Priesters, genauer: eine "Vergegenwärtigung" bzw.
"Realpräsenz", und man nennt es deshalb auch "Messopfer". Dazu
könnte man sehr viel sagen. Hier aber nur so viel: Es hat nichts mit
Christus zu tun.
Was die
evangelische Kirche änderte und
warum sich die Evangelischen nicht einigen konnten
Bevor
wir etwas zum Thema "Vergebung" sagen, hier zunächst in aller Kürze
die Entwicklung der evangelischen Abendmahlslehre: Die
Evangelischen sind sich - wie meistens - nicht einig, und auch ihr
Abendmahl hat nicht sehr viel mit Christus zu tun. Dabei knüpft es
zunächst am katholischen Abendmahl an:
Die katholische Kirche zeigt bei der Einsetzung des Abendmahls auf
eine ihrer Hostien und formuliert dazu das Jesuswort: "Das ist mein
Leib". Martin Luther
hielt nun an dem Wort "ist" fest, deutete es aber anders als die
katholische Kirche bis dahin. Die Hostie sei nämlich nicht identisch
mit dem Leib, doch "in, mit und unter" der Hostie "ist",
so Luther, der wahre
Leib. Entsprechendes soll für Wein und Blut gelten. Die Betonung liegt auf
bei ihm auf dem Wort "ist". Dies gelte aber nur während der Feier.
Anschließend sei die Hostie wieder bloße Oblate. Anders bei den
Katholiken, also der bisherigen Kirche vor Luther. Da bleibt die
Hostie angeblich für immer "realer" "Leib Christi".
Huldreich Zwingli, Johannes Calvin und andere "Reformatoren"
widersprachen Martin Luther und ersetzten das katholische "ist"
jedoch durch das Wort "bedeutet". Deshalb wurden gleich zwei neue
evangelische Kirchen gegründet, nicht eine. Und bis heute gibt es
deshalb die Evangelisch-Lutherischen und die
Evangelisch-Reformierten, letztere vor allem in der Schweiz und in den
Niederlanden. Das Abendmahl war der entscheidende Trennungsgrund. Deswegen wurde
1529 auch das Marburger Religionsgespräch geführt, und Martin Luther blieb stur
und die Gespräche scheiterten. Für Luther war es undenkbar, mit
Zwingli und den anderen Schweizern ein gemeinsames Abendmahl zu
feiern und damit in der Konsequenz eine gemeinsame Kirche zu gründen. Er hielt an
seiner Konstruktion fest ("in, mit und unter"), die jedoch weder von
den anderen Protestanten noch von den Katholiken akzeptiert wurde.
So entstanden aus einer Kirche nun mindestens drei.
Also:
Katholisch: Hostie = Leib
Lutherisch: "In, mit und unter" der Hostie ist der Leib
Reformiert: Die Hostie "bedeutet" der Leib
Und wie ging es weiter? König
Friedrich-Wilhelm III. hatte den evangelischen Kirchen zum Trotz im
Jahr 1817 einfach eine
Abendmahlsgemeinschaft in Preußen zwischen Reformierten und
Lutherischen durchgesetzt. Und in anderen Ländern haben es andere
Herrscher getan. Es entstand eine neue evangelische Kirche, die
"unierte". Und da es eben neben den "Unierten" weiter die
"Lutherischen" und die "Reformierten" gibt, die nicht mit der Union
einverstanden sind, sind es damit schon vier Großkirchen.,
darunter drei evangelische.
Also "Uniert": Beides ist möglich: Das lutherische oder das
reformierte Abendmahl. Es kann
so oder so praktiziert werden.
Die gültige evangelische Lehre: Kaum jemand kennt die Leuenberger Konkordie
Die evangelischen Theologen
stritten und verhandelten jedoch bis 1973 untereinander ständig weiter und
einigten sich dann lehramtlich ganz offiziell auf eine
Abendmahlsgemeinschaft aller ihrer drei Hauptkirchen, die so genannte Leuenberger Konkordie,
wobei die strittigen Punkte in kompromisshafte Redewendungen
("dahingegebenen Leib", "verheißendes Wort") eingekleidet wurden.
Das ist der Unterschied: 1529 hat man wenigstens noch Klartext
gesprochen, auch wenn es völlig falsch war. Im 20. Jahrhundert
verbreitete sich dann das
schönrednerische Darumherum-Gerede immer mehr, das man 1529 so noch nicht
kannte. Deshalb nahm man 1973 unter diesen Voraussetzungen noch
einen neuen Anlauf für eine innerevangelische
Abendmahlsgemeinschaft. Und diesmal klappte es. In der offiziellen
Bekenntnisschrift (die diejenigen aus dem 16. Jahrhundert ergänzt)
heißt es deshalb wörtlich:
15 b)
Abendmahl
Im Abendmahl schenkt sich der auferstandene Jesus Christus in seinem
für alle dahingegebenen Leib und Blut durch sein verheißendes Wort
mit Brot und Wein. Er gewährt uns dadurch Vergebung der Sünden und
befreit uns zu einem neuen Leben aus Glauben. Er lässt uns neu
erfahren, dass wir Glieder an seinem Leibe sind. Er stärkt uns zum
Dienst an den Menschen.
16 Wenn wir das Abendmahl feiern, verkündigen wir den Tod Christi,
durch den Gott die Welt mit sich selbst versöhnt hat. Wir bekennen
die Gegenwart des auferstandenen Herrn unter uns. In der Freude
darüber, dass der Herr zu uns gekommen ist, warten wir auf seine
Zukunft in Herrlichkeit.
Das heißt: In dem Augenblick,
in dem der Gläubige die Hostie im Mund zergehen lässt bzw. vom Wein
trinkt, soll mit ihm demnach folgendes passieren:
1) Es schenkt sich ihm Christus
2) Die Sünden werden ihm vergeben
3) Er wird zu neuem Leben aus Glauben befreit
4) Er erfährt, dass er Glied am Leib Christi ist
5) Er wird zum Dienst an Menschen gestärkt
6) Er verkündigt den Tod von Christus
7) Er bekennt die Gegenwart des Auferstandenen
8) Er freut sich daran
9) Er wartet glaubend auf seine Wiederkunft
Vergebung der Sünden? Katholisch, evangelisch oder praktisch?
So also die offizielle evangelische Lehre,
die allerdings kaum jemand kennt.
Die Vergebung der Sünden solle also dabei sein. Bei den
Katholiken sollen die Sünden demgegenüber vor allem durch Lossprechung durch
den Priester vergeben werden, also vor allem bei einer anderen kirchlichen
Handlung.
Da die Evangelischen viel weniger
beichten und viel weniger scheinbar los gesprochen werden, und wenn,
dann in der Regel nur pauschal (bei einer so genannten "Gemeinsamen
Beichte" im Gottesdienst), deshalb bekommen sie beim Abendmahl eine
quasi "vollautomatische" Lossprechung inklusive. Das klingt
vielleicht etwas zugespitzt, trifft aber den Kern.
Allerdings sollen beim Abendmahl auch bei den Katholiken "lässliche Sünden"
automatisch vergeben werden, wie immer man sich das genau
vorstellt.
Und weiter heißt es dort wörtlich:
"Als
Opfer wird die Eucharistie auch zur Vergebung der Sünden der
Lebenden und der Toten dargebracht und um von Gott geistliche und
zeitliche Wohltaten zu erlangen" (Katechismus der katholischen
Kirche, 1993 §14116). Das soll aber nicht die
Einnahme der Hostie durch den Gläubigen betreffen, sondern die angebliche
voraus gehende Verwandlung der Hostie in den "Leib Christi". Dies
soll durch die Kult-Worte des Priesters, durch den Christus selbst
angeblich handle, bereits im Vorfeld der eigentlichen Einnahme der
Hostie geschehen. Richtig sicher könne sich demnach der Katholik
erst bei der persönlichen Lossprechung = Absolution fühlen. Logisch
ist das aber alles nicht und es nährt letztlich vor allem so
genannte "ekklesiogene Neurosen".
Und, um es einmal klar zu sagen:
Vergebung der Sünden bekommt man dann, wenn man denjenigen, an dem
man schuldig geworden ist, um Vergebung bittet und dieser einem
vergibt. Darauf kommt es an. Und so hat es auch Jesus gelehrt:
"Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm
auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter
überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis
geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort
herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast"
(Matthäus 5, 25-26). Es kommt
also auf den Nächsten an. Und dazu braucht man überhaupt keine Kirche.
So einfach ist
das.
Und praktisch geht es Ihnen
vermutlich so wie den meisten Abendmahlsgängern. Wir gehen davon aus,
dass die angebliche Vergebung der Sünden bei den meisten
evangelischen Abendmahlsempfängern gar nicht im Bewusstsein ist, auch
wenn es der Pfarrer beim Verteilen der Hostie oder beim Halten
des Kelchs oft dazu murmelt, z. B. indem er immer wieder sagt "Zur Vergebung der
Sünden zur Vergebung der Sünden zur Vergebung der Sünden". Das
macht die Sache jedoch nicht wahrer. Insgesamt ist es mehr ein diffuses
sentimentales Gemeinschaftsgefühl. Am ehesten wird noch der oben genannte Punkt 4) von
den Gläubigen zu
glauben versucht und auch noch der Punkt 5). Das übrige sind in
diesem Zusammenhang für den Einzelnen nahezu inhaltsleere kirchliche Worthülsen.
Biblische Berichte zum Abendmahl und kirchliche Lehren stimmen nicht überein
Interessant ist jedoch: Die
angebliche Vergebung der Sünden beim Abendmahl ist auch in der Bibel
kaum bekannt. Jesus hat nur gemäß der Abendmahlserzählung des
Evangelisten Matthäus angeblich selbst gesagt, dass sein Blut
"zur Vergebung der Sünden" vergossen werden würde. Bei den
Evangelisten
Markus und Lukas fehlt diese Lehre jedoch ausdrücklich. Da wird das
Blut nur "für viele" bzw. "für euch vergossen", womit
die Evangelisten darauf hinweisen könnten, dass Jesus bis zuletzt
seinen Mitmenschen diente und geholfen hat, und dass er
unerschütterlich und ohne Widerruf seiner Botschaft treu blieb; bis
zu seiner Hinrichtung, die aber nicht hätte sein müssen, wenn ihm
mehr Menschen gefolgt wären.
Doch hat Jesus wirklich so gesprochen? Beim
Evangelisten Johannes stehen nicht einmal die Worte "für
viele" oder "für euch vergossen". Und auch Paulus wusste
im 1. Korintherbrief davon noch nichts. In erster Linie
lehrte Jesus die Dankbarkeit gegenüber Gott und den Gaben von Gottes
guter Schöpfung, den Gaben der Natur als Stärkung für Leib und
Seele, wie es z. B. in Evangelien außerhalb der Bibel steht:
"Die Speise ist für den Leib. Ich
reiche sie euch als Symbol für die innere Stärkung" (Das
Evangelium Jesu, Kapitel 76).
Und der Bibel-Matthäus war nun derjenige, der die
Lehre von Jesus so weit wie möglich an die jüdische Lehre anpassen
wollte. Deshalb hat dieser Bibelschreiber hier in dieses Ritual die
jüdische und heidnische Sühnopfer-Lehre hineinprojiziert (siehe
oben). Doch sein Evangelium ist nicht
das ursprüngliche. Der Bibelgelehrte Hieronymus (4.
Jahrhundert) wusste z. B. noch von einem Ur-Matthäus, dem
ursprünglichen hebräischen Matthäusevangelium, das dann durch den Bibel-Matthäus
in den Hintergrund gedrängt und letztlich ersetzt wurde. Dies ist alles wissenschaftlich
anerkannt. Die kirchliche Lehre entspricht also letztlich einem
bestimmten menschlichen Wunschdenken, nicht jedoch den Quellen.
Und es ist auch von
daher ein starkes Stück, was die Kirche hier lehrt. Da
gibt es allein schon in der Bibel fünf Berichte über diesen Vorgang.
Und nur einer hat die "Vergebung der Sünden" drin, und man kann sich
sogar denken, warum; welches Interesse den Schreiber also trieb. Doch prompt pickt man sich für die
kirchliche Lehre diesen Bericht heraus, der hier nicht mit allen
anderen übereinstimmt. Aber auch dieser spricht nur beim Wein von
"Vergebung der Sünden"; nicht beim Brot. Und ausgerechnet diesen
dürfen die Katholiken ja nicht einmal trinken, denn sie lassen nur
den Priester trinken (der aber womöglich auch die meiste Vergebung
nötig hat). Sie sehen schon, hier
kommt man vom einen ins andere. Die kirchliche Lehre ist weder
logisch, noch funktioniert sie, noch hat sie etwas mit Jesus zu tun.
Es ist eine einzige Volksverdummung.
Bitten Sie einfach Ihren
Nächsten um Vergebung, und wenn es Ihnen schwer fällt, bitten Sie
zunächst Gott oder Christus in Ihrem Inneren um tiefere Einsicht und Reue. Und umgekehrt: Vergeben Sie denen, die sich an Ihnen
versündigt haben. Dann wird es lichter auf diesem Planeten. Ein
kirchliches Abendmahl brauchen Sie dazu nicht.
16.
Hat Jesus von einer
"Erbsünde"
gesprochen
oder ist auch das eine Erfindung der Kirche?
Hat Jesus von einer Erbsünde gesprochen oder ist auch das eine Erfindung der Kirche? F. S. aus E.
Jesus hat niemals von einer
Erbsünde gesprochen. Ihm war klar, dass eine Seele in ihrem
Seelenleib ihre Sünden und Belastungen aus früheren Inkarnationen in
dieses Erdenleben mitbringt, um sie zu Schritt für Schritt zu
bereinigen. Das Ziel für Jesus war, dass die im Menschen inkarnierte
Seele wieder unbelastet von der Sünde wird, und er sagte wörtlich:
"Ihr sollt vollkommen sein, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist"
(Matthäus 5, 47). Der Theologe Paulus jedoch hielt es nicht
für nötig, die Lehre von Jesus vollständig zu übernehmen, und er
entwickelte eigene teils erheblich von Jesus abweichende Lehren
(siehe dazu Der Theologe Nr. 5). In
seinem Brief an die Römer, einer theologischen "Kopfgeburt"
und schweren intellektuellen Kost, schrieb er u. a. folgende Sätze:
"Deshalb wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist
und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen
durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben" (5, 12).
Gemeint ist Adam. Diese Theorie ist schwer verständlich, bedeutet
aber zunächst nur, dass Adam der erste Sünder gewesen sei. Von
einer "Vererbung" seines falschen Verhaltens im
Garten Eden schreibt auch Paulus nichts. Dafür schreibt Paulus
in Kapitel 7 weiter: "Wenn ich aber das tue, was ich nicht
will, ... so tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir
wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch,
nichts Gutes wohnt" (16-18). Damit wird die Verantwortung des
Menschen für sein Tun in Frage gestellt, und es ist das krasse
Gegenteil von Jesus, der lehrte: "Das Reich Gottes ist in euch"
(Lukas 17, 21). Und es widerspricht auch dem, was Paulus an
anderer Stelle in den Sinn gekommen ist, als er schreibt: "Wisst ihr
nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in
euch ist und den ihr von Gott habt?" (1. Korinther 6, 19).
Also: Was ist jetzt das Innerste des Menschen? Die mit dem Geist
Gottes wieder geeinte Seele, das von Gott gut geschaffene
Geistwesen, oder die "Sünde"?
Manche Theologen halten deshalb die Stelle im Römerbrief für eine
nachträgliche Fälschung. Die Kirche jedoch erklärte im 4.
Jahrhundert alle erhaltenen Zeilen von Paulus ausnahmslos als reines
Wort Gottes, obwohl doch eigentlich Jesus der "Sohn Gottes" gewesen
sein soll und nicht Paulus. Und die Kirche konstruierte ab dem 5.
Jahrhundert aus diesen wenigen Bibelstellen im Vergleich zu
Hundertausenden von Bibelstellen, wo etwas völlig anderes steht,
eine ganz eigene neue "Erbsündenlehre", die bald die ganze
Geistesgeschichte des Abendlandes dominieren wird.
So erfand der "heilige" katholische Kirchenvater Augustin
(354-430) die
Lehre, dass es seit Adam nicht mehr möglich sei, nicht zu sündigen
(non posse non peccare) - wie fast alles Katholische auch dies im
Widerspruch zu Jesus, der lehrte: "Geh hin und sündige hinfort nicht
mehr" (z. B. Johannes 8, 11). Nach Augustin hat Jesus
gelogen, denn er habe den Menschen etwas aufgetragen, das nach
seiner, Augustins Sicht, gar nicht möglich sei. Die Erbsünde und
ihre Übertragung auf alle Menschen "durch Geburt" wurde dann im
Jahr 418 bei der Synode von Karthago zur verbindlichen
Lehre erhoben (vgl. Denzinger/Hünermann, Kompendium der
Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Nr.
222-224) - und wer es nicht glaubt, würde ewig verdammt
werden.
Für ihr Dogma bog sich die Kirche auch die Bibelstelle in
1. Mose 8, 21 zurecht, die lautet, "das Trachten des
menschlichen Herzens" sei "böse von Jugend auf". Das heißt schlicht,
dass eben auch schon die Jugendlichen nach Sündhaftem trachten, da
natürlich ab einem bestimmten Alter die sündhaften Programme in der
Seele des Menschen verstärkt aktiv werden. Die Kirche jedoch leitete
davon jedoch als Dogma ab, das Trachten des menschlichen Herzens sei
nach ihrer Meinung böse seit der Zeugung des Embryos, dem die
Erbsünde beim Sex der Eltern übertragen werde. Der "heilige"
römisch-katholische Kirchenvater Thomas von Aquin sprach dann
im Mittelalter verbindlich von der peccatum originale =
Ursprungssünde, Erbsünde, obwohl nicht einmal der
Kirchenlehrer Paulus davon sprach. Es ist also eindeutig eine
kirchliche Erfindung.
Und bis heute quält die römisch-katholische Kirche die Menschen mit
dieser furchtbaren und unsinnigen Lehre und machte sie sogar zur
Grundlage ihrer noch schlimmeren Lehre von der ewigen Verdammnis,
die sich der Mensch bereits als Embryo durch diese Übertragung
beim Orgasmus des Vaters zugezogen habe, falls die Kirche nicht eingreifen würde. Und dies
führt dann bis heute beim kirchlichen Taufkult dazu, dass dem
Säugling bereits diese "Sünde" angeblich vergeben werde, um sein
"Seelenheil" zu ermöglichen.
Es ist von vorne bis hinten ein Hohn und Spott auf den großen
Weisheitslehrer Jesus von Nazareth. Für ihn war klar, dass jeder
Mensch im Einflussbereich der "Sünde" einst seinen ganz persönlichen
"Sündenfall" hatte, in einer seiner vergangenen Inkarnationen. Dass
dies aber nicht zwangsläufig so hätte sein müssen. Deshalb lehrte
Jesus ja die Menschen, wie sie durch Vergebung und Bitte um
Vergebung und durch Bereinigung ihrer Schwächen und Fehler
allmählich wieder diejenigen werden, als die sie Gott einst
geschaffen hatte - Seine vollkommenen Kinder. Und nicht - wie die
Kirche lehrt - seit ihrer Zeugung mit einem tödlichen Mal versehen,
das sie in die Hölle zieht, wenn sie nicht durch das Heilsangebot
der Kirche davon erlöst würden.
17.
Hat Jesus uns überhaupt erlöst und
stimmt sein Satz
"Ich bin
der Weg, die Wahrheit und das Leben"?
Wenn Jesus keinen
"Sühnetod" für unsere Sünden starb, hat er uns dann überhaupt
"erlöst"? Und stimmt dann überhaupt der Jesus zugeschriebene Satz
aus dem Johannesevangelium "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das
Leben. Keiner kommt zum Vater denn durch mich?" D.V.
Das Thema berührt zentralen Inhalte des
Christentums. Die Hintergründe sind aber nur wenigen bekannt.
Oben haben wir bereits auf die Frage
"Starb Jesus einen Sühnetod und rettet er vor einer ewigen
Verdammnis?" geantwortet. Weiteres lesen Sie auf der Seite
Die Kreuzigung hätte nicht sein müssen. Was
bedeutet ´Erlösung durch Christus`?
Aus den Texten
kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel,
Frage und
Antwort, Wertheim 2005, zit. nach
http://www.theologe.de/frageundantwort.htm, Fassung vom
27.9..2011
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