Wer war der
"heilige"
Heinrich,
Vorbild im katholischen Glauben?
"... So brach kurz nach Beginn
seiner Herrschaft [König des Ostfrankenreiches seit 1002]
ein Krieg mit dem Herzog von Schwaben, Hermann II., aus, der
sich ebenfalls Hoffnungen auf den Thron gemacht hatte. Dabei kam
es nicht zu direkten Kämpfen zwischen dem Herzog und dem neuen
König. Vielmehr verwüstete Heinrich die Besitzungen Hermanns
und Hermann bekämpfte die Unterstützer Heinrichs im schwäbischen
Adel. Als sich kein militärischer Erfolg abzeichnete, begab sich
Heinrich II. nach Sachsen, wo er sich in Merseburg von den
Großen huldigen ließ. Anschließend zog er nach Paderborn, wo
seine Gemahlin zur Königin geweiht wurde ...
Zur Wehr setzen musste sich Heinrich ebenfalls gegen den
Markgrafen Heinrich von Schweinfurt, dem er für seine Wahl zum
König das Herzogtum Bayern versprochen, aber später nicht
übergeben hatte. Nach dem Wortbruch des Königs verbündete
der Markgraf sich mit dem König von Polen und Böhmen, Bolesław
I. Chrobry, und dem Bruder des Königs, Brun. Im Sommer des
Jahres 1003 erhoben sich diese gegen Heinrich. Nach schweren
und blutigen Kämpfen, bei denen der Markgraf fast seine gesamten
Besitzungen verlor, schlug Heinrich auch diesen Aufstand nieder
...
... Der Erzbischof kam Heinrich in
Bergamo entgegen und krönte ihn am 14. Mai 1004 in Pavia zum Rex
Langobardorum. Die Krönung geschah in derselben Krönungskirche
San Michele, in der zwei Jahre zuvor Arduin zum König gekrönt
worden war. Anders als seine Vorgänger trug Heinrich ab diesem
Zeitpunkt zwei Kronen und nicht eine gemeinsam für beide Reiche.
In der folgenden Nacht kam es zu einem grausamen Massaker an
der Bevölkerung Pavias, nachdem diese sich gegen den neuen König
erhoben hatte. Heinrich ließ seine vor den Toren lagernden
Truppen die Stadt stürmen. Dabei wurde der größte Teil Pavias
eingeäschert, viele Bewohner getötet und deren Leichen
geplündert.
Zwischen den Jahren 1004 und 1018 führte Heinrich drei lange Kriege und mehrere kleinere Feldzüge gegen das Herzogtum des Polenfürsten Bolesław I. Chrobry ...
Nach der Rückkehr vom ersten
Feldzug nach Italien versammelte Heinrich II. ein Heer, um
gegen Polen zu ziehen. Thietmar von Merseburg berichtete,
dass er alle seine ihm und Christus getreuen Vasallen auf Mitte
August zum Kriegzuge entbot, ließ er der […] Empörung freien
Lauf, um die wütende Feindschaft des anmaßenden Boleslaw zu
bändigen ...
... Trotzdem führte Heinrich sein in Merseburg versammeltes Heer
im Sommer 1004 über das Erzgebirge nach Nordböhmen, wo er die
Burg Satzi eroberte und die polnische Besatzung töten ließ,
und zog anschließend weiter nach Prag ... Schon wenige Monate
später unternahm Heinrich II. den zweiten Feldzug gegen Polen,
nachdem er von Mai bis Juni die Westfriesen über die Zuiderzee
mit einer Flotte angegriffen und zur Unterwerfung gezwungen
hatte.
In Rom wurde er von Papst, Geistlichkeit und Volk festlich
begrüßt. Am 14. Februar 1014 krönte ihn Benedikt VIII. in der
Basilika St. Peter zum Kaiser und seine Gattin zur Kaiserin.
Nachdem Heinrich Kaiser geworden war, führte er erneut Krieg
gegen Bolesław ...
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Beim
Übergang des kaiserlichen Heeres
über die Oder und im weiteren
Verlauf des Feldzuges wurden
mehrere tausend polnische Gegner
getötet oder gelangten in
Gefangenschaft, darunter auch Frauen
und Kinder. Aber auch auf Seiten
des Kaisers gab es hohe Verluste.
Auf Wunsch des Papstes, der sich vom byzantinischen Kaiser bedrängt sah, zog Heinrich 1021 sogar mit einem Heer nach Nordapulien und belagerte die byzantinische Festung Troia. Im folgenden Jahr gelang zwar die Einnahme, doch konnten die byzantinischen Truppen nicht zu einer Schlacht gezwungen werden.
Der "heilige" Kaiser Heinrich II. und seine "heilige" Gemahlin Kunigunde stiften 1007 das Bistum Bamberg (seit 1818 Erzbistum) - der Auftakt für die blutige Verfolgung und Ausrottung der in Oberfranken lebenden Slawen. Das Bild zeigt beide mit dem Bamberger Dom, für den Heinrich II. bereits 1002 den Grundstein gelegt hatte. Heinrich und Kunigunde sind beide im Dom in Bamberg bestattet, genauso wie Papst Clemens II., der 1047 auf seiner Reise nach Deutschland vermutlich mit Blei vergiftet wurde. (PS: Sein zuvor abgesetzter Vorgänger Benedikt IX. war übrigens auch wieder sein Nachfolger.)
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Heinrich wird als fromm und von
der Sakralität seines Amtes
durchdrungen beschrieben. Er
machte große Schenkungen aus dem
Reichsgut an die Klöster und deren
Äbte sowie die Bistümer und Bischöfe
des Reiches. So schenkte er noch
in seinem Todesjahr dem Kloster
Fulda die Grafschaft Stodenstadt im
Maingau.
Bei den meisten von Heinrichs Feldzügen stellten die geistlichen Fürsten das größte Truppenkontingent. Ein persönlicher Grund für die Bevorzugung der Kirche und die Schenkungen mag die Kinderlosigkeit von Heinrich und seiner Frau Kunigunde gewesen sein. Da mit keinem leiblichen Erbe zu rechnen war, bot sich die Kirche als Garant für das Fortbestehen des Reiches an.
Doch er regierte nicht nur die Kirche, er regierte das Reich auch durch die Kirche. Er regierte vor allem mit Hilfe der Bischöfe.
Neben den kirchenpolitischen und religiösen Gründen für die Gründung des Bistums [Bamberg] dürfte auch die Absicht gestanden haben, mit Hilfe des neuen Bistums die heidnischen Slawen, die im östlichen Reichsgebiet zu dieser Zeit noch zahlreich vertreten waren, endgültig zu christianisieren. Tatsächlich hat die Gründung die Christianisierung und [gewaltsame] Niederringung der Slawen am Oberrhein, im Fichtelgebirge und in den benachbarten böhmischen Gebieten besiegelt.
Heinrich wurde im Jahre 1146 für die Christianisierung der Westslawen, vor allem aber für die Gründung des Bistums Bamberg von Papst Eugen III. heilig gesprochen.
... Auf der anderen Seite wurden kurz nach Heinrich im Jahre 1189 der Bamberger Bischof Otto I. und die Gattin Heinrichs, Kunigunde, im Jahre 1200 heilig gesprochen. Das Bistum Bamberg hatte damit in kurzer Zeit drei Heilige und verbuchte immerhin 11,11 % der zwischen 1100 und 1200 gelungenen Kanonisierungsverfahren. In den 500 Jahren seit der ersten offiziellen päpstlichen Heiligsprechung im Jahre 993 gelangten insgesamt weniger als 100 Verfahren zum erfolgreichen Abschluss" (Wikipedia, Stand: 25.10.2006).
Anmerkung: Der Grund für die Heiligsprechung ist im Wikipedia-Text vom 25.10.2006 allerdings beschönigend formuliert ("Christianisierung der Westslawen", "Gründung des Bistums Bamberg"). In einem offiziellen Protokoll aus dem Jahr 1146 ist deutlich formuliert, warum das Bistum vor allem gegründet wurde. Das Ziel war, "... dass das Heidentum der Slawen vernichtet werde und der Name Christi dort für immer in feierlichem Andenken stehen soll" (zit. nach Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 6, S. 71). Es ging also um die Ausrottung von anderen Glaubensrichtungen und deren Gläubigen, die dem totalitären Herrschaftsanspruch des Katholizismus ein Dorn im Auge waren.
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Und wer war der
"Heilige
Vater"
Benedikt VIII.?
Neben dem "heiligen" Kaiser Heinrich II. und seiner "heiligen" Gemahlin Kunigunde steht bei dem Jubiläum der Bamberger Kirchen im Jahr 2007 auch der "Heilige Vater" Papst Benedikt VIII. mit im Mittelpunkt des Geschehens. Er hat nämlich im Jahr 1020 anlässlich eines Treffens mit Heinrich und Kunigunde die Kirche St. Stephan eingeweiht, die seither als die einzige in Deutschland von einem Papst eingeweihte Kirche gilt. Ist wenigstens das ein Grund zum Feiern oder wenigstens ein bisschen stolz zu sein? Wer war der "Heilige Vater" Benedikt VIII.?
Benedikt VIII. (1012-1020)
trifft sich im Jahr 1020 in Bamberg mit Kaiser Heinrich II., den er im
Jahr 1014 in Rom zum Kaiser gekrönt hatte und mit Kaiserin Kunigunde. Die
von ihm bei diesem Anlass eingeweihte, zwischenzeitlich
zerstörte und neu aufgebaute Stephanskirche ist heute die evangelische
Hauptkirche von Bamberg, das im Volksmund ja als "fränkisches Rom" gilt.
Um diese Kirchenweihe entsprechend zu würdigen
oder richtig einzuordnen, ist die Antwort auf
die Frage wichtig: Was hat Benedikt VIII.
sonst noch vollbracht?
Auf
der Synode von Pavia im gleichen Jahr 1020 führt Benedikt VIII. z. B. auch den
Zölibat bzw. Zwangszölibat für Priester ein, die von nun an nicht
mehr heiraten dürfen (im Jahr 1139 auf dem 2. Laterankonzil wurde dies als
"unabdingbare Zugangsvoraussetzung" für den Priesterberuf bestätigt).
Dadurch sollte das Vermögen der Kirchenmänner nicht mehr an ihre Kinder
vererbt werden, sondern der Institution Kirche zufallen. Offizieller
Grund für den Zölibat ist allerdings die geforderte äußerliche sexuelle
"Reinheit"
der Priester. Dass kein Blut an ihren Händen kleben sollte, wird jedoch
nicht gefordert, wobei die kirchlichen Amtsträger das Blut von unliebsamen Zeitgenossen
in der Regel durch ihre Helfer und
Helfershelfer vergießen ließen. So
ließ Benedikt VIII. im Jahr 1017 in Rom eine
große Anzahl von Juden bei einem Pogrom köpfen. Und im Jahr 1020
(dem Jahr der Synode von Pavia und der
Kirchenweihe in Bamberg) inszeniert der Papst
in Rom erneut ein Pogrom und lässt die jüdischen
Mitbürger dieses Mal verbrennen. Der Grund: Ihr
falscher Glaube sei angeblich der Grund für
einen Orkan bzw. ein schweres Erdbeben in der
Stadt gewesen.
Doch vermutlich wird all´ das die
Kirchen in Bamberg nicht daran hindern,
ihr ökumenisches Jubiläum, das ihnen
die "Väter im Glauben", Kaiser Heinrich
II. und Papst Benedikt VIII., bescheren, zu feiern.
Und dazu passend: NPD-Parteitag 2008 in
Bamberg
All´
dies ist ohne Zweifel ein wichtiges und notwendiges Anliegen. Doch was
können solche Demonstrationen bewirken, solange man nicht den Wurzeln der
Fremdenfeindlichkeit auf den Grund geht?
"Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen und
mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und
Gefangenen, von den Köpfen streitbarer Feinde." Das soll Gott laut der
Bibel angeblich
zum Thema "Umgang mit fremden Völkern" gesagt haben (5. Mose 32, 42). Und es gibt in der Bibel noch viele andere
Stellen, in denen Gott angeblich zur Ermordung der Fremden aufruft (vgl. z. B.
www.theologe.de/altes_testament.htm)
- neben anderen Stellen, wonach die
Fremden so gut behandelt werden sollen
wie die Einheimischen. Woran soll sich
der Bibelleser also halten? Vielleicht
an das Neue Testament? Dort werden
Andersgläubige jedoch auch als
"schmutzige Schandflecken" (2. Petrus 2,
12)
bezeichnet, die wie Tiere seien, "die von Natur aus dazu
geboren sind, gefangen zu werden und umzukommen".
Die Kirche entschied sich
im Laufe der Jahrhunderte für
eine Ausgrenzungs- und Sündenbockpraxis. Der deutsche Kaiser Heinrich
II., von Klerikern erzogen, gründete 1007 das Bistum Bamberg mit dem
öffentlich bekundeten Zweck, "dass das Heidentum der Slaven vernichtet werden
soll". Die damals im Fichtelgebirge in Oberfranken lebenden Slawen wurden so zu den
ersten Opfern der Kirche in der Geschichte Bambergs. Der rechtsradikale
und ausländerfeindliche Heinrich hingegen wurde von der katholischen
Kirche im Jahr 1146 heilig gesprochen und wird bis heute vor allem in
Bamberg hoch verehrt. Kein Wunder also,
dass bei einer solchen Tradition auch
der NPD-Bundesparteitag im Jahr 2008 in
Bamberg stattfand. Denn durch die Kirche
wurde bereits ein dafür geeigneter Boden
bereitet. Dieselbe Kirche hat
auch den erklärten
Antisemiten Pius IX. (19. Jahrhundert) selig gesprochen. Und die
evangelische Schwesterkirche weigert sich bis heute, der Umbenennung von
Straßen und Plätzen zuzustimmen, die nach dem furchtbaren Antisemiten
Martin Luther (vgl.
www.theologe.de/martin_luther_juden.htm)
oder dem
antisemitischen bayerischen Landesbischof Meiser benannt sind (vgl.
www.theologe.de/theologe11.htm).
Wenn sich nun ausgerechnet die Kirchen zu Kämpfern
gegen den Rechtsradikalismus aufschwingen wollen, dann sollten sie sich
zuvor von den Grausamkeiten der Bibel lossagen, sich von ihren
rechtsradikalen Heiligen und Kirchenführern distanzieren und ihre Rufmordkampagnen gegen
religiöse Minderheiten beenden. Das heißt, sie müssten den "Kampf
gegen den Rechtsradikalismus" zunächst im eigenen Lager führen (vgl.
dazu auch www.theologe.de/theologe4.htm).
Bistumsgründer als
Vorläufer des
Rechtsradikalismus
Weitere
Gräueltaten im Bistum Bamberg -
Sie sollten lieber bereuen als
feiern
Opfer der Kirche in Bamberg
Zur Erinnerung - Der 1.11.1007: Auf einer
Kirchenversammlung in Frankfurt gründet Kaiser
Heinrich II. das Bistum Bamberg. Wichtigstes
Ziel der Gründung:
"Die Vernichtung der
dort seit langem sitzenden slawischen Heiden" (Karlheinz Deschner,
Kriminalgeschichte des Christentums, Bd.6,
S. 70). Die Kirchenversammlung beschließt,
"dass das Heidentum der Slaven [vom neuen
Bistum Bamberg aus] vernichtet
werden soll". Nachfolgend einige weitere
Ereignisse aus der Geschichte des Bistums
Bamberg:
27.7.1298: Unter der
Geistlichkeit wurde das Gerücht einer
angeblichen Hostienschändung durch Juden
gestreut. Das war der Anlass für den fanatisch
katholischen
Ritter Rindfleisch, in fränkischen Städten
alle Juden zu ermorden. In Bamberg lässt
Rindfleisch am 27.7.1298 durch
seine Horden 130 jüdische Männer, Frauen und
Kinder foltern und erschlagen oder
verbrennen. Darunter sind auch Juden aus
Frankreich.
30.4.1451: In Bamberg wird das Judendekret
des päpstliche Legaten und Kardinals
Nikolaus von Kues veröffentlicht. Von nun an
müssen alle Juden ein besonderes Zeichen
tragen: Die Männer auf dem Obergewand einen
gelben Ring, die Frauen an ihrem Schleier
drei blaue Streifen. 490 Jahre später befahl
Hitler das Tragen des Judensterns.
31.7.1595: Das Zentgericht zu Bamberg
verkündet, "dass Margaretha Behemer wegen
Teufelsbündnis zu lebendem Brand verdammt wird."
30.3.1610: In einem Mandat des Bamberger
Bischofs Johann Gottfrieds von Aschhausen
werden die Beamten des Hochstifts Bamberg
zur Denunziation von Hexen angehalten.
1616: Bischof Johann Gottfried nimmt eine
Missernte und einen Frost in der Gegend von
Zeil am Main zum Anlass, dort vermeintliche
Hexen und Hexenmeister festsetzen und
hinrichten zu lassen. Hintergrund: In Zeil
hat die Reformation besonders stark Fuß
gefasst. Im Tagebuch des Zeiler
Bürgermeisters Hans Lang sind 129
Hingerichtete allein für diesen Ort
verzeichnet - bei 300 Einwohnern! Die
Aufzeichnungen enden kurz vor seiner eigenen
Hinrichtung im Jahre 1628.
6.3.1617: Vier
"unholde Frauen" werden
verbrannt, unter ihnen Barbara Ziegler.
13.4.1617: Die Leiche der Anna Rüthsin wird
verbrannt. Sie hatte sich im "Druderei"-Gefängnis
in Bamberg aus Angst und Verzweiflung selbst erhängt.
26.6.1617: Vier "Zauberer" werden verbrannt:
Lorenz Kütsch und seine Mutter Elisabeth,
Anna Rinder und Elisabeth Buckel.
7.8.1617: Im Gefängnis stirbt die
"Zauberin"
Margaretha Legin - wohl an den Folgen der
fürchterlichen Torturen der Folter.
27.9.1617: Der Leichnam einer alten
"Zauberin", der Hausfrau des Fritz Buckel,
wird verbrannt. Auch sie war im Gefängnis an den
Folgen der Folterungen gestorben.
4.10.1617: Neun
"Unholde" werden verbrannt,
unter ihnen Endres Ziegler und Rochus
Hoffmann mit seinen zwei Töchtern, die noch
ledigen Standes gewesen sind.
18.12.1617: Sechs
"Unhode" werden
verbrannt, unter ihnen Hans Knobelbart.
17.2.1618: Barbara Dennerin aus Niederndorf
wird enthauptet, dann ihr Körper zu Asche
verbrannt.
18.3.1619: Zwei "Unholde" werden verbrannt.
27.5.1626: Durch einen Frost erfrieren in
der Bamberger Gegend Wein und Korn. Man
schreibt das schlechte Wetter den Menschen
zu, die im Verdacht stehen, nicht dem "rechten"
römisch-katholischen Glauben anzuhängen, den "Zauberern" und
"Unholden". Der
Erzbischof von Bamberg setzt aufgrund der
Missernte eine Kommission ein, die
die Schuldigen verhaften und verhören soll.
Er werden dazu 25 neue Gefängnisse auf Türmen und
Erkern in der Umgebung der Stadt gebaut. Im
Hexenhaus am Häfnermarkt schmachten manche
Bamberger Bürgerinnen, die für den Frost im
Mai 1626 verantwortlich gewesen sein sollen, jahrelang,
und sie siechen dort qualvoll dahin.
8.6.1627: Die als Hexe angeklagte Anna
Düßlein wird, wie ein Protokoll vermerkt,
von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags,
also vier Stunden, auf den "Bock" mit
scharfer Spitze gesetzt (zu den
Foltermethoden der kirchlichen Inquisition siehe auch
http://www.theologe.de/LInquisition.htm). Zum
Vergleich: Andere "Hexen" mussten schon nach
einer Viertelstunde ohnmächtig vor
Schmerzen herunter genommen werden. Anna
Düßlein war noch nach über drei Stunden wohl bei
vollem Bewusstsein und noch nicht tot.
22.9.1627: Hanns Lemprechten wird als
"Zauberer" mit dem Schwert hingerichtet und
dann zu Pulver verbrannt. In Zeil am Main
stand ein Backsteinofen zum Verbrennen der "Unholde".
24.1.1628: Gemäß Urteil wird die angebliche
Hexe Anna Ebert, die eine Hostie "verunehrt"
haben sollte, wegen ihrer schweren
Verbrechen zuerst mit glühender Zange
gegriffen, dann wird ihr die rechte Hand
zugleich mit dem Kopf abgeschlagen und die
Leiche wird verbrannt. Ihre Asche wird in
der Luft zerstreut. Am selben Tag werden
auch Katharina Haan, Ehefrau des Bamberger
Kanzlers, und ihre Tochter, die ebenfalls
Katharina hieß, hingerichtet. Der
Kanzler selbst ist zu diesem Zeitpunkt in
Speyer, wo er, allerdings ohne Erfolg, den
Klageweg gegen das Hexenverfahren einleiten
will. Auch er fällt jetzt bei der Kirche in
Ungnade und wird seinen Schicksal nicht entgehen
(siehe unten).
1.7.1628: Bürgermeister Johann Junius
gesteht erstmalig aus Furcht vor neuen
Foltern, an einer Teufelsbuhlschaft
beteiligt gewesen zu sein. Bei
voraus gegangenen Foltern mit Daumenstock,
Beinschrauben und Leiter hatte er noch
nichts gestanden. Seiner Tochter schreibt er
am 24.7.1628: "Wer in das haus kompt, der
muß
ein Drudner werden oder wird so lange
gemartert, biß das er etwas auß seinem Kopff
erdachte ..., vnd sich erst, daß got
erbarme, vf etwas bedenke. ... Denn sie
lassen niht mit den martern nach, biß man
etwas sagt; er sey so fromm als er wolle, so
muß er ein trudner sein. Kompt auch keier
herrauß, wenn er gleich ein graf wär. ...
Das darfst künlich für mich schwören, daß
ich kein trudner, sondern ein mertirer bin
vnd sterb hiemit gefaßt. Guter nacht, denn
dein vatter Johannes Junius sieht dich
nimmermehr." Der Bürgermeister der Stadt,
der auf diese Weise seine Unschuld beteuert, wird auf
bloßen Verdacht hingerichtet.
Zum Foltertod
von Bürgermeister Johannes Junius durch die
Inquisitoren der Kirche im Bamberger
Malefiz-Haus siehe auch die sehenswerten
Links:
http://www.baba-jaga.net/Storys/Johannes_Junius.html
http://www.youtube.com/watch?v=qfRKfimBGpw
(Film)
http://www.youtube.com/watch?v=ucGG2xmRC2Y
(Film)
14.7.1628: Der bambergische Kanzler Dr. Haan,
der gezwungenermaßen auch gegen seinen
Kollegen Junius aussagen musste, wird früh
um halb fünf Uhr im Gefängnis in Gegenwart
von 80 Leuten enthauptet. Um neun Uhr
morgens des darauf folgenden Tages wird
seine Leiche öffentlich verbrannt.
In Bamberg waren unter den Verurteilten der
Hexenprozesse zahlreiche Personen von Rang
und Namen. Ein wichtiger Grund hierfür wird
deutlich, wenn man weiß, dass bei jedem
Verhafteten eine Schätzung seines Vermögens
mit zu Protokoll gegeben wurde. Kaiser
Ferdinand II. ermahnte deshalb Bischof
Exzellenz Johann Georg
Fuchs von Dornheim, mit der "höchst
schmutzigen Confiscation" aufzuhören. Doch
wirkliche Macht über die Vertreter der Kirche
hatte er nicht. Der Katholizismus triumphiert
grausam über die "weltliche Gewalt" und
bereicherte sich an seinen Opfern.
20.7.1628: Die 62jährige Ann Beurin wird mit
Daumenstock und Beinschrauben gefoltert. Am
23. Juli wird die Folter auf dem Bock
fortgesetzt.
März 1629 - Höhepunkt der Verhaftungen mit
anschließenden Hinrichtungen im Erzbistum
Bamberg.
(Zum Gedenken an die Opfer siehe
http://www.youtube.com/watch?v=099P72_awAA)
12.10.1629: Durch Urteil des Richters und
der Schöffen werden acht Personen
verurteilt, mit Feuer lebendig hingerichtet
zu werden, weil sie unter der Folter Gott,
dem Allmächtigen, erschrecklich abgesagt und
sich dem leidigen Satan mit Leib und Seele
ergeben hätten. In der Tortur hatten sie
gestanden, Hostien durchstochen zu haben,
bis Blut daraus geflossen sei. Dafür wurden
sie so oft mit glühenden Zangen gezwickt,
als sie die Tat angeblich begangen hatten.
Vor der Vollstreckung des Todesurteils
hackte man ihnen noch die rechte Hand ab.
30.1.1630: Die vierzigjährige Christina
Wildenberger ist durch die Anwendung des
Bockes so entkräftet, dass sie
heruntergenommen werden muss, ohne dass sie
gestanden hätte. Sie stirbt im Kerker.
Lakonisch vermerkt das Protokoll: "mortua in
carcere" (= gestorben im Kerker).
Insgesamt sollen im Bistum (bzw. seit 1818
Erzbistum) Bamberg bis zu 900 Menschen wegen
"Hexerei" hingerichtet worden sein.
Allein "von 1625 bis 1630, also in fünf Jahren,
wurden in Bamberg sechshundert Hexen verbrannt.
Um die Ungeheuerlichkeit dieser Zahl zu
verstehen, muss man erwägen, dass das
Fürstbistum Bamberg höchstens 100.000 Einwohner
zählte" (Graf von Hoensbroech, Das Papsttum
in seiner sozial-kulturellen Wirksamkeit,
Leipzig 1904, S. 157).
4.2.1631: Barbara Schwarz, Ehefrau des
Gänswirts aus Zeil am Main, kommt wieder in
Zeil an. Sie war im Jahr davor als Hexe
mehrfach gefoltert worden, ohne ein
Geständnis abzulegen, und dann aus dem
Zeiler Gefängnis entflohen. In Regensburg
hatte sie sich Kaiser Ferdinand zu Füßen
geworfen und, ein einmaliger Fall, eine
Aufhebung der Anklage erreicht. Doch bei
ihrer Rückkehr nimmt ihr Mann die mutige
Frau nicht mehr auf. Er hatte inzwischen
eine andere geheiratet.
Jetzt noch zwei Daten aus der Zeit ca. 300
Jahre später:
1937: Der evangelisch-lutherische
Oberkirchenrat Otto Bezzel, der der
"Bekennenden Kirche" angehört, fordert in
einer Predigt in der Bamberger
Erlöserkirche: "Die Juden sind die Zerstörer
und gehören hinausgepeitscht" (Evangelisches
Sonntagsblatt Nr. 42/1988, S. 15). Oberkirchenrat
Bezzel war nach dem Krieg von 1947-1962
Personalreferent der Evangelisch-lutherischen Landeskirche
Bayern und damit einflussreichster Mann nach
dem antisemitischen Landesbischof Meiser.
31.1.1944: Der
Bamberger Erzbischof Kolb schreibt: "Wenn Armeen
von Soldaten kämpfen, dann muss ein Armee von
Betern hinter der Front stehen." Der Erzbischof
verlangte "heißes Gebet" für das geliebte Volk
und Vaterland (vgl. dazu
"Der
Theologe Nr. 27" - Der Kreuzzugsprediger:
Clemens August Kardinal von Galen treibt
Soldaten in den 2. Weltkrieg).
(Materialsammlung zum Erzbistum Bamberg:
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der
"Initiative Ein Mahnmal für die Millionen
Opfer der Kirche",
www.kirchenopfer.de)
Deshalb unsere konkrete
Forderung im Anschluss an das Jubiläum
"1000 Jahre Bistum
Bamberg":
Ein Mahnmal
für die Opfer der Kirche in Bamberg
Weitere Informationen zu den Opfern der Kirche
in Bamberg:
siehe
http://malefiz.blogspot.com/
Die allgemeine Vergebungsbitte
des Bistums
Ehrlich oder taktisch?
Am 11.3.2007 wurde das Jubiläumsprogramm um
eine weitere Veranstaltung ergänzt, von der
zunächst nicht die Rede war - ein so genannter
Vespergottesdienst im Bamberger Dom, in dem
erstmals von
"Opfern" der Kirche
gesprochen wurde.
"1000 Jahre
Bistum Bamberg - feiern Sie mit!", so
wurde man bis dahin im Internet auf der Seite
des Erzbistums Bamberg begrüßt, und es folgte
das Programm: Empfänge, Ausstellungen,
Festgottesdienste, Vorträge. Die unzähligen
Opfer dieser 1000-jährigen Geschichte tauchten
zunächst nicht auf. Erst im Laufe des Jahres bekannte man sich
zur Ermordung von Juden und
"Hexen",
zur Beteiligung an Kreuzzügen, zu
Sexualverbrechen von Priestern und vielem mehr.
Dies war ein erstes Signal in eine notwendige
Richtung. Doch es muss leider bezweifelt werden, ob
nun
eine ernsthafte Auseinandersetzung und
Aufarbeitung folgt. Der
Vespergottesdienst
(dessen Inhalt uns im Wortlaut
vorliegt) macht nämlich auch den Eindruck, als sollte
damit vor allem unbequemen Kritikern der Wind aus den
Segeln genommen werden. Warum ist das so?
1.) Das Würzburger katholische Sonntagsblatt
schreibt über die Veranstaltung: Verfehlungen
konkret benennen. Doch genau das geschah
kaum. Was im Dom tatsächlich zur Sprache kam, fasste Erzbischof Ludwig Schick
in die Worte: "Wir können Schuld und
Versagen nur allgemein und lückenhaft andeuten"
(Pressemitteilung des Erzbistums vom 9.3.2007). So spricht z. B. eine
katholische Laienmitarbeiterin stellvertretend
für die Kirche: "Juden und innerkirchliche
Abweichler wurden verfolgt und getötet." Oder
ein Priester: "Der Hexenwahn im Hochstift
Bamberg kostete zu Beginn des 17. Jahrhunderts
etlichen hundert Menschen das Leben." Immerhin
schon ein wenig konkret.
Aber die Juden und
"Abweichler" hatten Namen, und sie hatten eine
Lebensgeschichte. Und es ist deshalb auch die
Frage wichtig: Was genau ist passiert? Hinter den
"etlichen hundert" Ermordeten verbergen sich
furchtbare Familientragödien. Welche? Wer
erzählt die Geschichte dieser Opfer der Kirche?
Damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Und
weiter: Es gab Anstifter, es gab Täter und es
gab Mitläufer. Wer waren die
Anstifter und die Täter? Und wer die Mitläufer? Und
warum? Dazu Erzbischof Schick:
"Wir benennen heute Fakten und nehmen
keine Schuldzuweisungen vor. Wir weisen auf
Ereignisse hin, die Schuld bedeuten und Schuld
waren. Schuld ist immer ein ´Konvolut` von
menschlichem Versagen, von Zeitumständen, von
gesellschaftlichem Druck, von Unbedachtheit."
Hierzu ist zu sagen: Wer von einem
"Konvolut" spricht anstatt
sich das Leiden der Opfer zu vergegenwärtigen
und es von Herzen zu bereuen,
der hat noch nicht erfasst, was notwendig wäre.
Der glaubt weiter, auf dem hohen Ross sitzen
bleiben zu können und hofft, dass ihn die
Schreie der Opfer schon nicht mehr einholen
werden. Doch das wird eines Tages, früher oder
später, passieren, und sei es nach einigen
Hundert Jahren. Gottes Mühlen mahlen langsam, doch
sie mahlen. Schon in der Bibel
steht: "Irret euch
nicht. Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der
Mensch sät, das wird er ernten"
(Galaterbrief 6, 7). Und wohl kein Opfer würde
dann als Beschwichtigung der schlimmen Taten akzeptieren, dass z. B.
die "Zeitumstände"
für ihn eben nicht so günstig gewesen sein sollen.
2.) Ein wirkliches Eingeständnis von
Schuld würde demgegenüber voraussetzen, dass man die
Seelen der Gequälten und Ermordeten, die ja auch nach
römisch-katholischer Lehre noch im Jenseits
leben,
um Vergebung bittet. Doch das versucht man im
Dom von Bamberg nicht
einmal ansatzweise. Man bittet stattdessen
"Christus" um Erbarmen. Das
mag die Kirche
gerne tun, doch wie ehrlich ist eine
solche Bitte, wenn man die Opfer selbst dann links
liegen lässt? Und weiter: Hört man einmal in die jeweiligen
Bitten hinein, dann ist das leider auch
ernüchternd: "Juden und innerkirchliche
Abweichler wurden verfolgt und getötet", heißt
es z. B. im 5. Teil des Bekenntnisses. Und die
dazu gehörige "Vergebungsbitte" lautet dann:
"Herr, wir bitten dich: Verzeihe uns, wenn wir
zu wenig Erbarmen gezeigt haben." Soll das
vielleicht auch heißen können:
"Statt sie zu ermorden, hätte es ja auch
´genügt`, sie lebenslang einzusperren?" Und was
heißt hier "Wenn"? Man hätte
ja zumindest formulieren können:
"Verzeihe uns, dass (oder
"wo") wir zu wenig Erbarmen
gezeigt haben." Doch man sagt
"Wenn" und liebäugelt weiter mit
der Selbsttäuschung, dass vielleicht alles gar
nicht so schlimm sei.
Der Bamberger
Domschatz und der Mann aus Nazareth
Um den Domschatz zu Bamberg, der die Kronen von
Kaiser Heinrich II. und der Kaiserin Kunigunde
enthält sowie ein so genanntes Kreuzreliquiar
von Heinrich II. (eine Goldschmiedearbeit, in
die angeblich vier Splitter vom Kreuz von
Golgatha eingearbeitet worden sind - die
Splitter sind, wie fast alle
Reliquien, Fälschungen),
ist innerhalb
von Bayern ein Streit
entbrannt.
Der Domschatz
wird in
der Münchner Residenz aufbewahrt und soll zurück
in die Schatzkammern des Erzbistums Bamberg. Andere wollen ihn aber
in
München belassen.
Oder der Sachverhalt im 3. Teil des
Bekenntnisses: "Der Hexenwahn im Hochstift
Bamberg kostete zu Beginn des 17. Jahrhunderts
etlichen hundert Menschen das Leben." Die diesem
Verbrechen zugeordnete Bitte lautet dann:
"Herr,
wir bitten dich: Verzeihe uns, wenn
[Anmerkung: wieder "wenn"
statt "dass"] wir
mehr auf unsere Kraft als auf deine gewaltlose
Liebe vertraut haben. Stärke uns in unserem
Einsatz für Toleranz und friedlichen
Interessenausgleich bei uns und in der ganzen
Welt." An und für sich wären das korrekte Worte,
Doch in welchem Zusammenhang stehen sie?
Immerhin geht es um wahnhafte Massaker und Morde
(siehe oben z. B. hier). Und
mit welchen Empfindungen ist das Bekenntnis konkret gefüllt?
Sind solche Bekenntnisse nicht vielfach leer und hohl?
Das alles ist aufs Ganze gesehen jedenfalls keine ernsthafte Bitte um Vergebung.
Und es
dürfte niemanden verwundern, wenn die Wut der
Opfer im Jenseits (falls sie dort leben) auf die Kirche damit erst
recht angefacht würde. Und auch bei den
Bitten 1, 2, 4, 6, 7 und 8 ist es nicht viel
besser.
3.) Eine wirkliche Erkenntnis der Schuld
würde weiterhin voraussetzen, dass man nicht
ausgerechnet einen Haupttäter ungeschoren davon
kommen lässt. Doch genau das passiert bei der
Vergebungsbitte des Erzbistums Bamberg. So wird
der
"heilige"
Heinrich als Täter nicht einmal erwähnt.
Im Gegenteil: Erzbischof Ludwig Schick stellt
ihn weiterhin als Vorbild hin und sagt:
"Jede
Gesellschaft aller Zeiten braucht auch Heilige;
die wie Jesus Christus und in seiner Nachfolge
den Menschen dienen: Frauen und Männer, wie
Heinrich und Kunigunde ..." Heinrich
in der Nachfolge von Jesus Christus? Das ist
schon eine krasse Verhöhnung des friedfertigen
Propheten aus Nazareth. Wie der
"heilige"
Heinrich Christus angeblich u. a. diente, lesen
Sie oben. Die Bürger in
Bamberg und Umgebung sollten sich nicht für
dumm verkaufen lassen.
4.) Mehrfach wies die Kirche auch darauf hin, dass
sie sich in diesem Vespergottesdienst von der
Schuld "reinigen" wolle. Wörtlich Erzbischof
Ludwig Schick: "Dazu ist es wichtig, dass wir
unsere Herkunft sehen und aus den vielen guten
Personen und Institutionen, Fakten und
Ereignissen der 1000-jährigen Geschichte
positive Impulse empfangen und die Kraft
schöpfen, weiterzumachen sowie das Gute noch zu
verstärken und zu verbessern. Dazu ist es aber
auch notwendig, dass wir in unserer ´Herkunft`
das Schuldhafte, das Versagen und die
Nachlässigkeit sehen, um uns davon zu reinigen."
Und: "Damit wir in Zukunft mehr Licht sein und
bringen können, feiern wir diesen Gottesdienst
der ´Reinigung des Gedächtnisses`, der Bitte um
Vergebung und der Erneuerung." Und schließlich
noch einmal:
"Reinigen
wir unser Gedächtnis." Soll das nun
bedeuten, dass man sich in Zukunft nicht mehr an
diese Ereignisse zu erinnern braucht? Oder dass
mit diesem Vespergottesdienst nun alles gesühnt und abgegolten sei? So dass man
sich von nun an wieder mit einem guten, weil
"gereinigten" Gewissen an das
vergossene Blut erinnern könne?
Wenn das Bistum Bamberg nun glaubt, sich auf diese Weise
von den Verbrechen "reinigen"
zu können, dann
ist das - gelinde gesagt - ein Trugschluss. Denn
wie heißt es schon in der Bibel:
"Was der
Mensch sät, das wird er ernten." Es sei
denn, es wird rechtzeitig ehrlich bereut,
ehrlich um Vergebung gebeten und - so weit möglich
- wieder gut gemacht. Doch davon ist noch nicht viel zu
spüren. Außerdem ist es notwendig, dass den
Tätern von den Opfern verziehen wird. Doch diese wurden ja nicht
einmal um Verzeihung gebeten.
Happy birthday, Bistum Bamberg
Diejenigen, die sich um den Verbleib des
"Schatzes" auseinandersetzen, nennen sich alle
Christen. Sie berufen sich also auf Christus.
Deshalb muss auch die Frage erlaubt sein, was
wohl Christus mit dem Schatz tun würde, könnte
man ihn heute fragen? Würde er für den Verbleib
in München stimmen oder für die Verlegung nach
Bamberg?
Durchsucht man die Bibel nach Aussagen von ihm,
die man zur Beurteilung heranziehen könnte,
dann findet sich z. B. das Wort: "Ihr
sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden"
(Matthäusevangelium 6, 19). Oder
die Aussage: "Verkaufe alles, was du hast, und
gib´s den Armen, so wirst du einen Schatz im
Himmel haben" (Lukasevangelium, 18, 22).
Dabei unterschied der Mann aus Nazareth in diesem
Zusammenhang nicht zwischen "Schätzen auf
Erden", die sich jemand durch ehrliche Arbeit
erworben hat, und Schätzen mit einer
zweifelhaften Herkunft oder gar Schätzen, an denen
Blut klebt. Der reiche junge Mann, der
traurig wegging, als Jesus ihm diesen Vorschlag
gemacht hatte ("Verkaufe alles"), war jedenfalls keiner, der seinen
Reichtum durch Unrecht erbeutet hatte. Denn er
hatte immerhin die Zehn Gebote "gehalten von
Jugend auf" (18, 21). Das kann man von
Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde jedoch nicht
behaupten (siehe oben).
Denn durch diese beiden "Heiligen" und durch das
Bistum Bamberg (siehe
oben) ist viel Leid über unzählige
Menschen in Europa gekommen, und an ihren
Schätzen klebt folglich sehr viel Blut - vor
allem an Kronen, für deren Erwerb zuvor Kriege
geführt worden sind.
Der reiche junge Mann ging nach der Begegnung
mit Jesus von Nazareth traurig weg und behielt
seinen Schatz. Und wie wird es heute mit den
Politkern und Kirchenführern weiter gehen, die
im Unterschied zum reichen jungen Mann in der
Bibel auf einem unrechtmäßig erworbenen Schatz
sitzen? Sie werden wohl kaum so traurig und
betroffen sein. Denn sie betrachten sich als die Hüter der
"unveräußerlichen Güter" des
kirchenchristlichen Abendlandes. Und in dieser
Funktion kommen sie möglicherweise überhaupt nicht auf
die Idee, sich die Frage zu stellen: "Was würde
Christus mit dem Bamberger Domschatz tun, wenn
man ihn heute fragen könnte?" Und damit ersparen sie
sich auch eine Antwort. Es werden sich dann entweder
diejenigen durchsetzen, die den Schatz in
München belassen wollen oder diejenigen, die ihn
nach Bamberg schaffen wollen. Auf jeden Fall
wird dann niemand traurig sein wie der junge
Mann nach der Begegnung mit Jesus, denn diese
Begegnung wird heute aus gutem Grund vermieden.
"Happy birthday,
Bistum Bamberg".
Auszug aus dem Grußwort von
Papst Benedikt XVI. zum
1000jährigen Jubiläum des
Bistums:
"Mit besonderer Freude habe ich
davon Kenntnis erhalten, dass
das Erzbistum Bamberg vom 1.
November 2006 bis zum 1.
November 2007 ein Jubiläumsjahr
aus Anlass seines
tausendjährigen Bestehens
feiert. Wenn ich auch nicht -
wie es mein Vorgänger Benedikt
VIII. [siehe oben
Wer war der
"Heilige Vater" Benedikt VIII.?]
im Jahre 1020 getan hat - in
eigener Person nach Bamberg
kommen kann, so soll doch zur
Eröffnung der Jahrtausendfeier
des Erzbistums der herzliche
Segensgruß des Nachfolgers des
heiligen Petrus nicht fehlen
… Mit Euch blicke ich auf den
langen Weg zurück, den das
Bistum des heiligen Heinrich
[siehe oben
Wer war der "heilige" Heinrich?]
durch ein Jahrtausend
gegangen ist, das von
tief greifenden politischen,
kulturellen und religiösen
Umbrüchen gekennzeichnet war.
Dass in all diesen Stürmen
Hirten und Gläubige ´den guten
Kampf gekämpft, den Lauf
vollendet und den Glauben
bewahrt` (2 Tim 4, 7), ja auch
Zeiten kraftvoller Blüte des
Glaubens erlebt haben, ist
wahrlich Grund genug, aus
dankerfülltem Herzen ein
freudiges ´Te Deum` anzustimmen,
das nun das ganze Jubiläumsjahr
nicht verstummen soll [siehe
hier einige
Beispiele für den "guten Kampf"]
… Die Feier dieses Millenniums
soll jedoch nicht so sehr ein
Verweilen im Gedenken an eine
bedeutende Vergangenheit sein.
Vielmehr gilt es, aus deren
reichem Erbe jene Kräfte zu
schöpfen, die das Gottesvolk des
Erzbistums Bamberg befähigen,
der Mahnung des Apostels zu
folgen: ´Seid stets bereit,
jedem Rede und Antwort zu
stehen, der nach der Hoffnung
fragt, die euch erfüllt` (1 Petr
3, 15) [wie z. B.
Erzbischof Kolb] …An
diese Sendung ... gemahnt Euch
ein überaus kostbarer Zeuge der
tausendjährigen Bamberger
Geschichte: der Sternenmantel
des heiligen Kaisers Heinrich
[auf dem ein von der Kirche
missbrauchter Christus von den
Bischöfen und den Sternen des
Kosmos umgeben wird] … Denn
das Amt des Kaisers diente dem Auftrag der
Kirche …" [Heute
heißt es: Das Amt des Politikers
dient dem Auftrag der Kirche;
oder anders formuliert: Der Staat ist das Ross,
die Kirche der Reiter;
siehe Der Theologe Nr. 23]
Die Vergangenheit lebt
Aus dem Vatikan, am 22. Oktober
2006, dem 29. Sonntag im
Jahreskreis, Benedictus pp XVI.
Die Anmerkungen in eckigen
Klammern stammen von der
Redaktion.
Das vollständige
Grußwort lesen Sie bei:
http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/information/jubilaeum2007/service/papstgruss.html
Das kalte Grauen der Pracht
Beitrag für die
Festschrift "1000 Jahre Bamberger
Dom"
Jesus, der Christus, lehrt die Menschen einen liebenden Gott, den man "Vater" nennen darf. Er lehrt sie nicht die Verehrung von Knochen und von halbverwesten und eingetrockneten Leichenteilen, wie es die katholische Kirche tut (vgl. http://www.jubeljahr2000.de/reliquien.html). Der "Vater" von Jesus gibt allem Leben seinen Atem, und auch in der Bibel steht, dieser Gott "ist Geist" (2. Korinther 3, 17), und: "Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist" (Johannes 3, 8). Doch was ist demgegenüber eine Religion, in der Körperteile Verstorbener eine solche zentrale Bedeutung haben wie in der katholischen Kirche? Handelt es sich dabei nicht um einen Totenkult? Und "was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?", schreibt bereits der Philosoph Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert in dem Werk Die fröhliche Wissenschaft.
Tot wäre jedoch nur dieser Kirchengott, und ein Schimmer von seinem Leichenglanz überzieht auch sensible Kirchenbesucher. Die kalte Pracht dieser Denkmäler aus Stein, in denen viele hilflos suchende Menschen auf und ab laufen, stimmt manchen depressiv. Bischöfe und "Heilige" der Vorzeit hat man dort in Marmor, Stein oder Beton gehauen oder ihre Blutrunst gar mit Gold überzogen. Und so drohen sie bis heute - versteinert, wie man sie betrachten kann - mit erhobenem Zeigefinger auf die Gläubigen herunter. Heute gehören diese Figuren zu den Kunstschätzen des Abendlandes, doch wer waren die Menschen, die einst in diesen Körpern lebten? Fast bei jedem dieser Würdenträger kann man die Frage stellen: Wie viele Leichen hat dieser auf dem Gewissen? Und wie viele jener? Und: Auf wie vielen Knochen und Gebeinen ist der Bischofsstuhl dieser Exzellenz errichtet? Und wie viel Blut klebt am Stuhl jener?
Man muss gut addieren können, auch große Zahlen. Denn Millionen von Menschen fielen allein in Europa dem Wahn des katholischen und des evangelischen Glaubens zum Opfer, und viele Täter werden in den Kirchen noch heute verehrt wie einst. Und wie einst erheben die Päpste, Eminenzen und Exzellenzen den Anspruch, Vermittler von Leben oder Tod zu sein und den einzigen Weg zurück zu Gott anzubieten. Dabei sind sie nur die Mittler des Todes. Ewig verdammt sei, wer den kirchlichen Weg kennt und ausschlägt, so ihr Wahn. Für alle Zeiten würde er furchtbare Höllenqualen erleiden, für immer und ewig, ununterbrochenes Grauen, ohne Aussicht auf ein Ende, gefoltert in alle Unendlichkeit - das ist die Drohbotschaft der Kirche, die sich hinter der Maske einer "Frohbotschaft" verbirgt. Keine Reue oder Umkehr werde dann mehr erhört, kein Zurückwinseln in den Schoß der großen "Mutter Kirche" sei mehr möglich, die - gleich der großen Hure aus der biblischen Apokalypse - nahezu mit jedem Machthaber buhlte und die von den Herrschern der Völker über Jahrhunderte die Todesurteile für Menschen einforderte, die eigenständig zu denken und zu fühlen wagten.
Bei einem Gespräch im Bekanntenkreis fällt plötzlich der Satz: "Du landest auch noch auf dem Scheiterhaufen", und es ist für einen Augenblick ganz still ... Und wer spürt sie noch in solchen Augenblicken, die alte Angst, dieser Macht ausgeliefert zu sein, von welcher der Historiker Karlheinz Deschner schreibt: "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit ... keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist" (in: Die beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 42 f.).
Und es ist noch nicht vorbei. Denn nach wie vor steht der "biblisch fundierte Ausschließlichkeitsanspruch" der Kirchen "ständig auf dem Sprung, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen", wie der Philosoph Karl Jaspers schreibt (Der philosophische Glaube, 9. Auflage, München 1988, S. 73). Doch wer auch immer dieses Verlangen hat und jederzeit bereit wäre, es wieder zu tun - die Hände sind ihnen derzeit gebunden.
Doch was sind schon die Scheiterhaufen? Die ewige Verdammnis sei schlimmer als jeder noch so in die Länge und in die Breite gezogene Foltertod, so die Lehrer der Kirche, wenn sie Klartext reden und man sich als Zuhörer nicht mit vordergründig milder klingenden Floskeln abspeisen lässt. Auch wenn es also derzeit keine kirchlichen Scheiterhaufen gibt: Das Entsetzen und die Pein sind nach kirchlichem Glauben nur verschoben auf die Zeit nach dem Tod. Das Gräuelwerk der Eminenzen hat einen langen Atem. Doch jeder kirchliche Christ kann sich überlegen, ob er wirklich noch länger warten will, um sich aus diesem System von Schauder, Verdammnisdrohung und inszenierter inhaltsleerer Tröstung zu verabschieden. Vor allem, weil er aufgrund von Zweifeln oder abweichenden Überzeugungen für die "Herren der Kirche" ohnehin längst zu den ewig Verdammten zählt (siehe dazu www.theologe.de/glaubenstest.htm).
Angst und Faszination liegen in den Kirchen nahe beieinander. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer dieser Kirchen aus Stein! Sie blicken hinauf zum Dom in Köln oder zum Ulmer Münster, oder Sie stehen vor dem wuchtigen Bollwerk des Bamberger Doms. Oder Sie sitzen in einer Kathedrale. Oder gar im Petersdom in Rom. Und Sie sehen: Groß und mächtig ist die Pracht. Hohl und kalt leuchtet ihre Macht. Ein tonnenschweres Erbe der monströsen Vergangenheit mitten im Getöse der geschäftigen Gegenwart. Jeder Mensch sehnt sich hin und wieder nach Ruhe, und mancher steuert aus diesem Grund eine Kirche an. Doch wer die Stille nicht in sich selbst finden kann, im eigenen Inneren, der wird auch in den Kirchengebäuden nicht zur Ruhe kommen. Und schon gar nicht in ihren grausigen Reliquienkammern mit den hübsch geschmückten Knochen und Knöchelchen und den getrockneten Fleischresten - trotz des Abstands von der hektischen Betriebsamkeit in den Städten darum herum. Denn zwielichtig ist die Stille der Kirchen und trügerisch. Und einiges, was sich dort abspielt, ist vordergründig weder sichtbar noch hörbar.
-
So machte ich eines Tages Bekanntschaft mit einer engagierten Katholikin, die als "Medium" Erfahrungen mit Jenseitskontakten hatte und der ich manches gar nicht glaubte, wovon sie mir berichtet. Doch eine Erzählung ließ mich aufhorchen: Sie sagte, dass sie im Dom in Bamberg nicht in Ruhe beten konnte, da sich dort verzweifelte Seelen von Menschen zusammenfänden, die verstorben waren. Sie erlebte im Dom ein furchtbares Klagen und Geschrei. Und die Tatsache, dass sie sich ja im Dom befänden, inmitten der vielen Kreuze, Altäre und Reliquien, konnte die "armen Seelen" weder trösten noch ihnen weiterhelfen.
Als ich später selbst diesen Dom betrete, kann ich zwar als "nicht medialer" Mensch Gott sei Dank weder Seelen sehen noch hören; doch dass sie um mich sein könnten, ist für mich gut vorstellbar. Vielleicht sind auch viele der oft brutalst gefolterten und getöteten Opfer der Kirche darunter, die gekommen sind, um in den kalten Mauern nach den Tätern zu suchen. Und wenn schon in diesem einen Dom so viele Seelen hausen, wie wird es dann wohl in den vielen anderen Domen und Kathedralen zugehen?
Man muss dies alles nicht glauben. Doch ich ahne seither, woher vielleicht
dieser unterschwellige Schauer kommt, der mich als Kirchenbesucher immer wieder
anfliegt und der sich abwechselt mit einem Lockruf, doch bitte
einzutreten in die Gemäuer und in die Gemächer, um dort vielleicht den
"Geheimnissen Gottes" auf die Spur zu kommen. Und es scheint dabei nur, als hätten die
mächtigen Steinblöcke alles das stumm überdauert, was um sie herum in allen den
Jahrhunderten geschah. Doch das Blut der Opfer der Kirche klebt noch unsichtbar
an den
Steinen, und es rinnt noch unsichtbar durch die Kirchenbänke, und man kann es vielleicht an seinen feinen Empfindungen merken. Wie
sprach Jesus von Nazareth? "Wenn diese [meine Jünger] schweigen werden, so
werden die Steine schreien" (Lukas 19, 40). Und schließlich: Es komme
irgendwann die Zeit, da würde kein
Stein mehr auf dem anderen bleiben.
Der Lockruf der Kirche hat viele Melodien.
Wer hat nicht schon einmal harmonische Klänge der Kirchenmusik in sich aufgenommen?
Den
wuchtigen Orgelklang, die vielstimmige Fülle von Chor und Orchester oder die
sanfte Stimme eines einzelnen Chorknaben? Manches mag dabei unmittelbar unsere
Herzen berühren: "Nun danket alle Gott" erklingt es vielleicht aus Hunderten von
Mündern oder "Großer Gott, wir loben dich". Und der Klang und die Kraft der
Musik und die feierliche Stimmung können bis in unsere Seele vordringen, und die
Kirche hat sich das immer zunutze gemacht.
So schreibt der Historiker
Karlheinz Deschner: "Die Hinrichtung der
´Ketzer’, die meist an einem Festtag stattfand,
gestaltete die Catholica zu einer Schaustellung
ihrer unbeschränkten Gewalt. Sonderreiter luden
das Volk ein, man nahm hohe Preise für
Fensterplätze und gab jedem Gläubigen, der Holz
für den Scheiterhaufen herbeischleppte, einen
vollkommenen Ablass. Auf dem Weg zur Richtstätte
wurde das Opfer oft unter einen Narrenhut
gesteckt, mit glühenden Zangen gezwickt und ihm
manchmal noch die rechte Hand abgeschlagen. Nur
in Ausnahmefällen hat man einen Verurteilten vor
der Exekution gnadenweise erwürgt. Während der
Häretiker, je nach Windrichtung, erstickte oder
langsam verbrannte, sangen die versammelten
Katholiken das Lied ´Großer Gott, wir loben
Dich`" (Abermals krähte der Hahn, btb-Taschenbuch, 3. Auflage 1996, S. 548).
"Und
damit der Lobgesang dabei nicht
durch den Todeskampf der
Andersgläubigen irritiert wurde,
bekamen diese
Das ist die Tradition, und diese Tradition ist noch nicht tot. Ihr Grauen schlingert sich unmerklich wie ein unsichtbar tödlicher Schleier auch in die Melodien der unheimlich vertrauten Kirchenlieder.
Bringt man zur Zeit des Alten Testaments Millionen von Tiere im Tempel um, um einen angeblich zornigen Gott zu "beruhigen", so bringt man zur Zeit des Neuen Testaments auf den Kirchen-, Kathedralen- und Domplätzen Millionen von Menschen um - immer im Namen Gottes. Die Tiere quält und schlachtet man zudem bis heute mit kirchlichem Segen, und man bringt weit mehr um, als man (fr)essen kann und subventioniert anschließend die Vernichtung der überschüssigen Kadaver. Auf diese Weise geschah und geschieht, was man mit Worten aus dem Katholischen Katechismus beschreiben könnte: "Das Alte Testament bereitet das Neue vor, während dieses das Alte vollendet" (Nr. 140). Und alles, was geschah und noch in den Gebeinen der Lebenden und der Toten steckt, macht einen Dom oder eine Kathedrale zu einer Stätte der gespenstischen Dunkelheit. Schon bei Tageslicht. Und welche Todesangst könnte einen einsamen Besucher dort wohl erst nachts ergreifen? Und die weiträumigen Vorplätze der Dome und Kathedralen, auf den Tausende unschuldiger Menschen dem Henker übergeben wurden, wirken vom Kirchengebäude aus gesehen wie die Todesstreifen, die man noch überqueren muss, um dem Schlund der Kirche zu entfliehen.
Angesichts der bestialischen Morde der kirchlichen Kreuzfahrer an friedlichen Muslimen, an jüdischen Mitbürgern, an Freidenkern oder an Abweichlern im eigenen Lager, angesichts der durch nichts zu überbietenden Folter- und Hinrichtungsmethoden der kirchlichen Inquisition (vgl. Die Foltermethoden der Inquisition), angesichts von Völkermorden und Hexenverbrennungen weltweit und angesichts der Bestialität gegenüber den Tieren bis in die Gegenwart muten die alttestamentlichen Grausamkeiten eher wie Vorübungen an. Diese kirchlichen Verbrechen sind - trotz halbherzigem päpstlichem Eingeständnis - von den Verantwortlichen nie ernsthaft bereut, geschweige denn wieder gut gemacht worden (vgl. Offener Brief der Freien Christen an den Papst) und die jüngsten Gräueltaten reichen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. So fielen nach Schätzungen z. B. bis zu 750.000 orthodoxe Serben dem faschistisch-katholischen Ustascha-Regime in Kroatien während des 2. Weltkriegs zum Opfer, das vom Papst in Rom unterstützt wurde, während umgekehrt die orthodoxe serbische Cetnik-Bewegung Massaker an Kroaten verübte. Und während der Militärdiktatur in Argentinien machten die Führer der römisch-katholischen Kirche den Militärs Vorschläge, wie sie Regime-Gegner möglichst unauffällig hinrichten können. Und die Inbrunst der Gesänge in den Kreisen der Täter ist heute wie einst - verlockend und gefährlich zugleich.
Für Augenblicke scheinen Kirchen den Menschen auch Schutz zu bieten, die dort Schutz suchen. Doch kann man sich an einem solchen Ort geschützt fühlen? In Ruanda in Afrika schütten Ende des 20. Jahrhunderts katholische Amtsträger Benzin über die dort Zuflucht suchenden Menschen des Tutsi-Stammes und lassen sie in Flammen aufgehen oder mit einfahrenden Bulldozern zermalmen. Die Vergangenheit bricht für erschüttende Augenblicke wieder in die Gegenwart ein, um sich dann wieder hinter dem Bollwerk von Kirchenmauern zu verschanzen - bis wieder etwas passiert. Und in New York, im Stadtteil Manhattan, brennt im Winter 2001 die St.-John-The-Divine-Kathedrale, eine der größten Prachtbauten der Welt. Und wenn man dies so sehen will - vielleicht ein Symbol für das Ungesühnte, was die Kirchen anderen Jahrhunderte lang angetan haben und was früher oder später nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung auf sie selbst zurückfällt.
Der Beitrag ist ein Auszug aus der Informationsschrift Nr. 1 der Freien Christen für den Christus der Bergpredigt, "Gott wohnt nicht in Kirchen aus Stein". Er ist kein Teil der offiziellen "Festschrift" zur Jubiläum des Bistums. Die Herausgeber hatten jedoch die Erlaubnis, ihn dort als Ergänzung ungekürzt zu übernehmen. Der vollständige Text der Informationsschrift ist im Internet nachzulesen unter http://www.theologe.de/freiechristen1.htm.
Der Autor dieser Web-Site: Dieter Potzel, Evangelischer Theologe, war von 1988 bis 1992 evangelischer Gemeindepfarrer der Kirche Bamberg St.-Stephan, deren Grundstein im Jahr 1007 von Kaiserin Kunigunde gelegt wurde. Er ist 1992 aus der Kirche ausgetreten, lebt heute in Unterfranken und bietet Würdige Bestattungen und Festliche Trauungen ohne Kirche an.
Lesen Sie auch:
Links zum Erzbistum Bamberg unter:
http://www.murphys-outlaw.com/de-rjk/imprint-de.html
"Der Theologe Nr. 27": Der Kreuzzugsprediger: August Clemens Kardinal von Galen trieb die Soldaten in den 2. Weltkrieg
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