- Von Galen, Clemens August, Die „Pest des Laizismus” und ihre Erscheinungsformen, Verlag Aschendorff, Münster 1932
DER THEOLOGE
Nr. 27
Der
Kreuzzugs-Prediger:
Clemens August Kardinal von Galen trieb die Soldaten in
den
2.Weltkrieg
Seit dem 9.10.2005 ist er in der katholischen Kirche
ein "Seliger"
Im Juni 2005
ereignet sich im Dom in Münster ein gespenstisches Szenario: Das Grab des
ehemaligen Münsteraner Bischofs von Galen (1878-1946)
wird von Mumien-Experten und medizinischen Sachverständigen geöffnet. Doch
warum die Unterbrechung der "Totenruhe"
nach über 59 Jahren? (Die Leiche von Galens liegt dort seit 1946)
Es geht um eine Antwort auf die Frage: In welchem Zustand ist die Leiche?
Und die Qualität der Knochen von Kardinal Clemens August Graf von Galen ist
gut, so der Befund. So wurden Partikel des Skeletts von einer
Hand bzw. einem Fuß der ehemaligen Exzellenz und Eminenz entfernt, um den
Gläubigen bald als neue Reliquien dargereicht werden zu können
(Netzeitung,
17.6.2005). Denn in Rom wird bereits ein anderes Ereignis
vorbereitet. Etwa vier Monate nach der Leichenschau im Dom wird von Galen am
9.10.1945 in Rom selig gesprochen werden. Noch im selben Jahr hat der
Bischof von Münster, Reinhard Lettmann einen Finger in eine Krypta nach
Cloppenburg verbracht. Und ein Leichenteil unbekannter Art wurde von
Weihbischof Heinrich Jansen als Geschenk nach Rom gebracht, eventuell ein
Teil des Fußes (http://www.kbwn.de/html/kardinal_von_galen.html).
Nachfolgend einige Informationen
aus dem Leben des Mannes, dessen Skelett sich so gut erhalten hat:*
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Siehe auch: "Selig" gesprochene Päpste - "Heilig" gesprochene Päpste - Weitere "Heilige" |
Zum Protest gegen Euthanasie "schwer und lang" durchgerungen
Bischof von Galen hatte sich deutlich gegen den Massenmord an Behinderten im Dritten Reich ausgesprochen und gegen die Beschlagnahmung einzelner katholischer Einrichtungen. Er spricht in diesem Zusammenhang von der "Schreckensherrschaft der Gestapo" und hat immerhin erreicht, dass das "Euthanasie-Programm" der Nationalsozialisten teilweise unterbrochen wurde. Und damit ist er seinen schweigenden Mit-Exzellenzen einen Schritt voraus (siehe hier). Nach Aussage des Historikers Hubert Wolf, Professor für katholische Kirchengeschichte in Münster, hatte der Bischof allerdings "schwer und lang mit sich gerungen", ob er hier tatsächlich auf Konfrontation zu den Nationalsozialisten gehen soll (Spiegel online, 7.10.2005). Seine Entscheidung dafür brachte ihm später die "Seligsprechung".
Gefallene deutsche
Soldaten
wie die "heiligen Märtyrer" in der "ewigen Herrlichkeit"
Bereits unmittelbar nach dem Überfall Deutschlands auf Polen schreibt Bischof Clemens August Graf von Galen im Jahr 1939 an die Priester seines Bistums, dass die deutschen Männer nun auf der Wacht seien, "um das Vaterland zu schirmen und unter Einsatz des Lebens einen Frieden der Freiheit und Gerechtigkeit für unser Volk zu erkämpfen". Und als deutsche Truppen schließlich in Russland einmarschieren, jubelt der "selige Clemens" im September 1941 sogar, dass Gott den Soldaten an der Ostfront "ewige Herrlichkeit und Lohn zuteil werden" lässt, "ganz ähnlich wie den heiligen Märtyrern" (Spiegel online, 7.10.2005). Damit setzt Bischof von Galen die Soldaten, die unter dem Oberbefehl Adolf Hitlers gegen die kommunistisch regierte Sowjetunion Krieg führen, mit den Soldaten früherer katholischer Kreuzzugsheere gleich. Ihnen hatte die Kirche für ihre Massaker ebenfalls die ewige Seligkeit versprochen. Und im Jahr 1942 spricht Clemens August von Galen in einem Hirtenbrief sogar wortwörtlich von diesem "neuen Kreuzzug".
"Blutspender" in einem "neuen Kreuzzug"
So schreibt Bischof von Galen über die bis dahin gefallenen Opfer auf deutscher Seite: "Sie wollen Blutspender sein, auf dass das an Altersschwäche und anderen Übeln erkrankte Volk wieder jugendlich gesunde und aufblühe. Sie wollten in einen neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei ´Gott will es` den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Jahren der spanische Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte" (zit. nach Karlheinz Deschner, Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil II, S. 581). Und bis zuletzt war der als "Löwe von Münster" bekannt gewordene Bischof ein Einpeitscher für neue "Blutspender". Und so durfte er sich eigentlich nicht wundern, dass die englische Armee bei ihren Fliegerangriffen im Jahr 1943 auch den katholischen Dom in Münster ins Visier nehmen und zerstören, worüber er sich in Briefen an Papst Pius XII. bitter beklagt. Doch das Leid, das durch deutsche Angriffe verursacht wurde, beklagt er in diesem Zusammenhang nicht. Und so legt der "selige Clemens" auch unmittelbar vor Kriegsende den Soldaten sogar noch Verteidigung "bis zum letzten Blutstropfen" ans Herz (Karlheinz Deschner, Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil II, 1991, S. 77).
"Bis zum letzten Blutstropfen"
Den Inhalt dieser bösartigen Bischofsworte hatten wohl sehr viele Deutsche gegen Ende des Krieges für sich verinnerlicht. Denn dies führte noch zu Hunderttausenden oder gar Millionen von sinnlosen Todesopfern in den letzten Kriegsjahren, Kriegsmonaten und Kriegswochen. Unzählige Soldaten auf allen Seiten werden in Stücke gerissen, Rentner und Kinder in Deutschland als letztes Aufgebot an "Blutspendern" in den grauenvollen Tod geschickt. Und in diesem Geist, den Bischof von Galen so eindringlich beschwört, kommt es auch noch wenige Tage vor Kriegsende durch Standgerichte zu furchtbaren Hinrichtungen von allmählich vernünftig werdenden Menschen, die sich den alliierten Truppen ergeben wollen, um z. B. ein Dorf oder eine Stadt und ihre Bewohner zu schützen. So kann man auch einmal die Frage stellen, was diese wohl über den neuen "Seligen" und seine Forderung des bewaffneten Kampfes "bis zum letzten Blutstropfen" denken? (Ob sich die Seele des Bischofs heute in der Unterwelt vor der Rache vieler damals Getöteter verstecken muss ...?)
Waffenstillstand mit der Gestapo?
Der deutsche Propaganda-Minister Joseph Goebbels ist sich bewusst, was er an Bischof Clemens August von Galen als Kriegstreiber hat, weswegen er dessen Kritik an der Gestapo duldet und die Kritik des Bischofs an der Euthanasie bei seinen weiteren Planungen sogar berücksichtigt. Denn Joseph Goebbels weiß, dass er bei einer Verhaftung von Bischof von Galen "das katholische Münsterland und ganz Westfalen für den Rest des Krieges würde abschreiben müssen"
(Die Zeit, 29.9.2005). So groß ist der Einfluss des katholischen Würdenträgers. Und die Historikerin Beth A. Griech-Polelle (Beth A. Griech-Polelle, Bishop von Galen, 2002) weist weiter darauf hin, dass von Galen ab dem Sommer 1941 "seine öffentlichen Proteste so gut wie einstellte. Sie vermutet eine Art Waffenstillstand mit der Gestapo". Auf den Schlachtfeldern geht von nun an aber das große Morden erst richtig los, und hier sind sich die Nazis und die Bischöfe ohnehin weitgehend einig. Das Blut muss fließen ...Der Bischof als begeisterter Jäger
Das "triefende Blut" war Bischof Clemens August von Galen übrigens auch schon vor dem 2. Weltkrieg vertraut. Schon als junger Mann, so die Zeitschrift Wild und Hund, ist er "ein begeisterter Jäger" (Nr. 21/2005) und bringt demnach mit Freude unschuldige Tiere in Wald und Flur um. Damit ist der "selige" Bischof auch ein Beispiel für die Wahrheit eines Satzes von Leo Tolstoi, der einmal sagte: "Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein Schritt."
Auf dem Höhepunkt der Karriere
Als die Alliierten nach dem Krieg 1945 in Deutschland das Kommando übernommen hatten, betrachtet sie Bischof von Galen übrigens immer noch als "Feinde", wie sich ein US-amerikanischer Reporter erinnert (Spiegel online, 7.10.2005). Doch seiner kirchlichen und politischen Karriere schadet das nicht. Am 18.2.1946 wird Bischof von Galen in Rom von Papst Pius XII. für seine Verdienste in der Euthanasie-Diskussion zum Kardinal ernannt, und in seiner Heimatstadt Münster erhält er am 16.3.1946 die Ehrenbürgerwürde. Clemens August Kardinal von Galen ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt.
Blinddarmdurchbruch
Von diesem Augenblick an hat er nicht einmal eine ganze Woche mehr zu leben. Sechs Tage später, am 22.3.1946, klagt der neue Kardinal und frischgebackene Ehrenbürger Münsters in seiner Heimatstadt plötzlich über starke Bauchschmerzen, die ständig schlimmer werden. Und bevor ihm geholfen werden kann, ist der Kardinal tot.
Sein Blinddarm ist durchgebrochen, und sein Schicksal hat ihn eingeholt.
*
Zum Foto: Für das natürliche Empfinden wirkt der Anblick des Totenkopfes
eines Verstorbenen eher pietätlos. Für die römisch-katholische Kirche gelten
die Schädel und andere Gebeine der von ihr selig oder heilig Gesprochenen
jedoch als verehrungswürdige Reliquien, die man den Gläubigen oft auch
öffentlich präsentiert (z. B. das in München-St. Peter offen ausgestellte Skelett der "heiligen Munditia",
der z. B. bei lesbischen Katholikinnen sehr beliebten Patronin aller allein stehenden Frauen,
siehe
http://www.alterpeter.de/frameneu/mundi_frame.htm). Dies wird
in der Kirche nicht als pietätlos empfunden, sondern es
soll die Kirchenmitglieder im Glauben stärken. Der oben abgebildete Schädel
ist allerdings nicht der von Munditia und auch nicht der von Kardinal von Galen.
Diesen
haben nur die Mumien-Experten und
medizinischen Sachverständigen zu Gesicht bekommen.
|
Die Stadt Münster ist stolz auf ihren "blutigsten" Sohn
Schon seit einigen
Jahrhunderten kann man am Kirchturm der römisch-katholischen Lamberti-Kirche
in Münster
die Käfige
betrachten, in denen die Kirche im 16. Jahrhundert die Leichen der "Ketzer"
Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling zur Schau stellte.
Die Anführer der so genannten "Wiedertäufer" haben kurzzeitig in Münster regiert und dabei
auch Gewalt gegen die ihrerseits
gewalttätigen Katholiken angewandt. Nach grausamen
Folterungen wurden sie hingerichtet, nachdem katholische Truppen die Stadt
erobert hatten. Und die Käfige an St. Lamberti dienen bis heute als Mahnmal "gegen
den Abfall von der allein seligmachenden Kirche" (siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Lambertikirche_in_M%C3%BCnster). Und seit
dem 9.10.2005 ist die westfälische Stadt Münster nun um eine weitere makabre
Kuriosität reicher - dem Skelett eines "Seligen". Stadtfahnen für die neue Reliquie
Zu seiner Seligsprechung wegen seines
letztlich erfolglosen Protests gegen die Euthanasie putzt sich Münster am 9.10.2005 festlich heraus. In Gedenken an den unerbittlichen Kriegs- und Kreuzzugsprediger wehen von
allen städtischen Gebäuden die Stadtfahnen, und am Rathaus hängt die
Rathausfahne. Und die Knochen seines Skeletts im Dom zu Münster gelten
seither als wertvolle
Reliquien zur Stärkung des Glaubens. Kardinal-von-Galen-Schulen
Zu Ehren von August Clemens Kardinal von Galen sind auch viele Schulen
und Häuser nach ihm benannt, z. B. das Kardinal-von-Galen-Gymnasium
Münster, das Kardinal-von-Galen-Gymnasium Kevelaer, die
Kardinal-von-Galen-Schulen Mettingen, die Kardinal-von-Galen-Schule
Dinklage, die Kardinal-von-Galen-Schule Meppen, die
Kardinal-von-Galen-Schule Schöppingen, die Kardinal-von-Galen-Gesamtschule
Nordwalde, die Kardinal-von-Galen-Realschule Telgte, das
Kardinal-von-Galen-Haus in Stapelfeld, das Kardinal-von-Galen-Stift in
Münster, das Kolleg Kardinal von Galen in Lippetal (Haus Assen) und viele mehr. "Die Pest des Laizismus" Der neue "Selige" war übrigens auch als Schriftsteller tätig. Im Jahr 1932 publiziert er ein zukunftsweisendes Buch mit seinen demokratiefeindlichen Gedanken. Darin beschreibt er den nach seiner Überzeugung negativen Einfluss von "Laien" auf den Staat. Von Galen misstraut dabei allen politischen Mehrheitsentscheidungen und er setzt den "Willen Gottes" dagegen, der nach seiner Meinung von der katholischen Priester-Hierarchie repräsentiert wird. Nur wenige Monate später ist die Demokratie in Deutschland dann tatsächlich am Ende. Der Titel bzw. die Literaturangabe:
|
Kardinal Clemens August von Galen war jedoch nur einer von vielen
Kreuzzugspredigern, die von der Kirche selig- bzw. heilig gesprochen wurden. Im
Jahr 2007 wurde vor allem an den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II. gedacht
und an seine ebenfalls heilig gesprochene Gemahlin Kunigunde. Denn der Kaiser
hatte im Jahr 1007 das Erzbistum Bamberg gegründet.
Mehr über den "heiligen Heinrich" und das
1000-jährige Jubiläum des Erzbistums Bamberg lesen Sie in
"Der Theologe Nr. 29": 1000 Jahre Erzbistum Bamberg: kein
Grund zum Feiern.
Lesen Sie
auch:
Adolf Hitler,
die katholische Kirche
und die Judenverfolgung - "Wir setzen fort das Werk der Kirche"
Der Theologe Nr. 6: Die
evangelische Kirche - immer für den Krieg: 1813, 1870/71, 1914-1918 ...
Der Theologe Nr. 11 - Der Antisemit
Hans Meiser als erster evangelischer
Landesbischof Bayerns
|
Der Text
kann wie folgt zitiert werden: |
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