DER THEOLOGE
Nr. 57


 Geplante Seligsprechung des Papstes, der zum Holocaust schwieg

Papst Pius XII., die Faschisten und der Holocaust


Einleitung:
Papst Joseph Ratzinger ("Benedikt XVI.") versuchte, die Verbrechen des Dritten Reiches einer "neuheidnischen Weltanschauung" in die Schuhe zu schieben. Doch das ist eine der vielen katholischen Geschichtsfälschungen. Im Jahr 1933 betrug der Bevölkerungsanteil der Evangelischen 62,7 % und der der Katholiken 32,5 %, zusammen 95,2 %. Die Gesellschaft war also um einiges intensiver durch die Kirche geprägt als heute und die Kirchenbindung und der Gottesdienstbesuch der Mitglieder war um einiges intensiver als heute. Im Jahr 2010 sind es dann noch 29,7 % Protestanten und 29,9 % Katholiken, zusammen 59,6 %, mit weiter fallender Tendenz und abnehmender Kirchenbindung. Und die verstärkten Kirchenaustritte in den Jahren 1937-1939 waren z. B. geringer als im Jahr 1992. Im Jahr 1961 war die Anzahl der Kirchenmitglieder in Westdeutschland gar wieder auf 96,6 % der Bevölkerung angestiegen.
Zusammenfassend kann man sagen: Das gesellschaftliche Leben in Deutschland der 30er-Jahre, das dem Faschismus und dem Holocaust den Boden bereitete, war vor allem kirchlich geprägt, überwiegend protestantisch, aber auch katholisch. Das "germanische Neuheidentum" der damaligen Zeit, das von der Kirche heute hoch gespielt wird, war im Vergleich mit der kirchlichen Dominanz eher eine Randerscheinung. Die übergroße Mehrheit der Nationalsozialisten waren gleichzeitig überzeugte Evangelische oder Katholiken.

Am Beispiel der damals dominierenden evangelischen Kirche zeigt die Dokumentation Der Theologe Nr. 4 - Die evangelische Kirche und der Holocaust auf, wie das protestantische Kirchentum Zug um Zug in den Holocaust führte. Der Theologe Nr. 57 beleuchtet nun am Beispiel von Papst Pius XII. die Verantwortung der katholischen Kirche an Faschismus und Shoa (= Holocaust). Beides ist bis heute noch nicht aufgearbeitet und wird im Geschichtsunterricht in den Schulen weit gehend verschwiegen. Und mehr noch: Pius XII. soll von Papst Jorge Mario Bergoglio sogar "selig" gesprochen werden.

Und während der Anteil der Protestanten an der Gesamtbevölkerung seit 1933 um mehr als die Hälfte zurück gegangen ist, sind die Katholiken seither nur wenig geschrumpft, und es gibt mittlerweile im so genannten "Land der Reformation" mehr Katholiken als Protestanten, während beide von den Konfessionslosen (34,6 % Bevölkerungsanteil) bereits deutlich überholt wurden (hinzu kommen noch 4,4 % Muslime und 1,7 % Andersgläubige). Als Gegengewicht zu dieser Entwicklung wurde von Politikern und Kirchenführern der millionenschwere so genannte "Staatsbesuch" von Papst Benedikt XVI. in Deutschland im Jahr 2011 organisiert, bei dem der Großteil der verantwortlichen Politiker dem Kirchenoberhaupt auf beängstigende Weise zu Füßen lag. Sogar im demokratisch gewählten Bundestag durfte der Kirchenführer  sprechen, obwohl die vatikanische Regierungsform der Alleinherrschaft (Vereinigung der Legislative, Exekutive und Judikative in einer einzigen Person) des Papstes dazu im krassen Gegensatz steht.
 
Dieser Besuch wurde von vielen Bürgern auch deshalb als bedrohlich empfunden, da Papst Joseph Ratzinger wieder die Zeiten beschwor, die so mancher sich "liberal" wähnende Katholik schon für "überwunden" hielt. Etwa wenn der Papst im Berliner Olympiastadion mit dem Höllenfeuer drohte, in Erfurt jeden Kompromiss mit den Evangelischen ablehnte oder in Freiburg die deutschen Verfassungsrichter zu einer Audienz bestellte.

Man könnte sagen: Während diese Zivilisation mehr und mehr aufgrund menschlicher Fehlentwicklungen zugrunde geht, steuert man im Vatikan mit Nachdruck zurück ins Mittelalter, in die Zeit der totalitären Zwangsherrschaft der römisch-katholischen Kirche über Europa. Daran ändert auch der neue Papst, der gewiefte Jesuit Jorge Mario Bergoglio, nichts. Vordergründig passt man sich aus Nützlichkeitserwägungen und Machtpolitik an den Zeitgeist an, doch mit großer Vorsicht, jedoch immer weniger verhohlen, zeigte zuletzt Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. nun wieder diesen Kurs der Kirche Richtung Mittelalter auf. Und dieser Kurs wird von Papst Jorge Mario Bergoglio alias "Franziskus" fortgesetzt trotz vordergründiger "Volksnähe". Denn die Kirche würde sich nur wirklich "ändern", wenn sie auch offiziell ihre Lehren, z. B. ihre Höllen- und Verdammnislehren, ändert. Und das wird nicht geschehen.
 
In diesem Zusammenhang muss auch der von Rom geförderte Personenkult um Papst Eugenio Pacelli, Pius XII. (1876-1958) verstanden werden, an dessen Höhepunkt seine "Seligsprechung" und spätere "Heiligsprechung" stehen soll.

Das teilweise Taktieren des Vatikan um die geplante "Seligsprechung" hängt damit zusammen, dass der Pacelli-Papst auch als der Papst, der zum Holocaust schwieg, in die Geschichte eingegangen ist. Zurecht, doch die Meister der Geschichtsfälschung in Rom wollen hier noch einiges umschreiben, um eine Auseinandersetzung mit dem Judentum in dieser Sache zu vermeiden. Wohl nur dieser Umstand hat die Seligsprechung bis jetzt verzögert.
Lesen Sie nachfolgend in Der Theologe Nr. 57, wer Papst Pius XII. war, welchen Glauben er hatte und welche Politik er damit machte, z. B. den faschistischen Schreckensherrschaften in Europa an die Macht zu verhelfen und mit ihnen zu paktieren.
Und wenn ein Mann wie Pius XII. zum katholischen "Seligen" und "Heiligen" für das 21. Jahrhundert aufgebaut werden soll, dann ist eine solche Richtungsanzeige immer auch ein deutliches Zeichen dafür, wohin die Kirche insgesamt zusteuert. Und die Vorbereitung der "Seligsprechung" sagt vielleicht mehr über den heutigen Vatikan aus als über Papst Eugenio Pacelli ("Pius XII."). Auch die Verwicklungen des argentinischen Papstes in den Pakt der Kirche Argentiniens mit der Militärdiktatur (1976-1983) und in den Pakt der Kirche Chiles mit der Militärdiktatur (1973-1988) bedürfen in diesem Zusammenhang noch der Aufarbeitung.


Krönung von Papst Pius XII. 1939 (Lizenz: J. Specht, Wikimedia-Commons)

Zur Einstimmung auf die Informationen Der Theologe Nr. 57 sehen Sie hier Bilder von der Krönung des angeblichen
"Rektors der Welt" und "Lenkers des Erdkreises":  http://www.youtube.com/watch?v=v2tE4BokoK8&feature=related

 

Inhalt:


Einleitung

1. Teil: Pius XII. - Der kaltherzige Papst

Ein einseitiger Film voller Ungenauigkeiten und Fälschungen

Eugenio Pacelli - ein außerordentliches "Geschenk" des "Herrn" für seine Kirche

Verleihung des "heroischen Tugendgrades" für Pius XII.

Wird der "Heilige Vater" beim Tod zurück gestuft und später erneut "heilig" gesprochen?

Hitler´s Pope (= Hitlers Papst)

Das vorläufige Ende des Kirchenstaats und das päpstliche Anspruch auf die Weltherrschaft

Warum das Kirchenrecht über das Recht der Staaten gestellt wird


2. Teil: Das schwarze Rom greift nach der Macht über die Seelen

"Bereits als Priester zur Welt gekommen" - Reinkarnation und der "Club von Papst-Seelen"

Anrufung von Seelen - Katholische schwarze Magie und Spiritismus

Von den Eltern weg geholt, um die Kirche gegen Säkularismus und Liberalismus zu verteidigen

Pacelli arbeitete dem "Sodalitium pianum", der "Kurial-Gestapo" zu

Die massive Kampfansage der Kirche an den demokratischen Rechtsstaat

Pacellis Konkordate und wie der heilige Pius X. den 1. Weltkrieg anstachelte

Durchtriebene Kirche: Unterwerfung der Orthodoxie und Soldatensegnungen auf allen Seiten

Pius XII. - der Vater des zentralisierten absolutistischen Kirchenrechts

Pius XII. - der Garant der neuen Weltmachtsansprüche der Kirche

3. Teil: Päpste als Steigbügelhalter des Faschismus

 
Die Zeit der Konkordate und der Machtanspruch der Kirche in Zeiten der Demokratie

"Die politische Dummheit der Deutschen ist so riesengroß"

Pacelli, der "Papst der Konkordate" sucht sich sein erstes Opfer: den Freistaat Bayern

Die strategische und finanzielle Bedeutung Deutschlands für den Vatikan

Das Bündnis zwischen Vatikan und Faschismus in Italien

Die katholischen Parteien waren den Plänen von Papst und Vatikan nicht mehr dienlich

Die Kirche erklärt sich zu einer "Gesellschaft von Ungleichen"

Diktator Benito Mussolini als Auserwählter "Gottes"

Selbstbewusste "Laienkatholiken" als Störfaktoren für die päpstliche "Machtvollkommenheit"

Wie sich die Katholiken dank vatikanischer Hilfe mit dem Nationalsozialismus aussöhnten

Kirche und Nazi-Deutschland: Komplizenschaft, Verbrüderung und das Konkordat

4. Teil: Kreuzzüge, Ausmerzungen und Völkermorde mit päpstlichem Segen

Der katholisch-faschistische Staat in Österreich von 1934-1938

Die österreichische Kirche auf dem Weg vom Klerikalfaschismus zum Nationalsozialismus

Die Massaker der Italiener in Äthiopien mit dem Segen der Kirche

Jahrhunderte lange Unterdrückung der Menschen in Spanien - "Das Geld ist sehr katholisch"

Arbeiter und Bürger wählen die Demokratie, und Kirche und Faschisten nehmen dies nicht hin

Kirche ruft "Kreuzzug" und Krieg gegen die spanische Republik aus

Die deutschen katholischen Bischöfe und ihre Hirtenbriefe zum spanischen Bürgerkrieg

600.000 Tote und 498 heuchlerische Seligsprechungen im Jahr 2007

Faschisten sehen sich als Kämpfer für den falschen "Christus" der Institution Kirche

Das Blut der "Ketzer" - Franco lässt nach dem Krieg weitere 200.000 Menschen ermorden

Der neue Papst Pius XII. gratuliert Franco zum "von der Kirche so ersehnten Sieg"

Eugenio Pacelli zum "Lenker des Erdkreises" gekrönt

Papst Pius XII. bezeichnete Ungehorsam gegenüber Adolf Hitler als "Sünde"

Die Slowakei von Hitlers und des Papstes Gnaden unter der Diktatur eines Priesters

Der Angriff Hitlerdeutschlands auf Polen mit indirekter Zustimmung des von Pius XII.

Angriff auf die Sowjetunion: Papst wünscht Hitler "nichts sehnlicher als einen Sieg"

Soldaten als "Blutspender", die sich "opfern wie die alten Kreuzfahrer"

Das faschistische "Gottes und Marias"

Nach Massaker: Päpstlicher Segen für die "weitere Arbeit"

Vierzig Pfund Augen als Geschenk für den katholischen Diktator

Gebete im Parlament und Franziskaner als Massenmörder in den Konzentrationslagern

Papst Pius XII. lobt bestialischen Faschistenführer als "praktizierenden Katholiken"

Papst Wojtyla sprach Kriegsverbrecher selig und Papst Ratzinger betet an seinem Sarg

Selig ist, wer den Strategien der vatikanischen Machtpolitik nützt

5. Teil: Das Schweigen des Papstes zum Holocaust an den Juden

 
"Faschistenkomplize Pius XII." bahnt Hitler den Weg

 Kirchenpolitische Interessen und Rücksichten

Die "starke Jungfrau" und warum der Papst eventuell seinen Protestversuch ins Feuer warf

 Wie auch Katholiken mit Wissen oder Billigung des Papstes ans Messer geliefert wurden

Was hätte ein päpstlich angeregter Protest gegen den Holocaust bewirken können!

Die Entmündigung des politischen Katholizismus durch den Papst

Die Verbrämung des Schweigens und mehrere in Klöstern versteckte Juden

Hitler rechtfertigt die Judenverfolgung mit dem "Vorbild" der Kirche

Papst ordnet Einbehaltung jüdischer Waisenkinder und deren katholischer Taufe an

Fluchthilfe für Faschisten, Exkommunikation von Kommunisten, Ablehnung der Religionsfreiheit

Die Wiederaufrüstungspolitik der Kirche und die kirchliche Verurteilung des Pazifismus

Das Ziel eines großkatholischen Reiches

Pius XII. verurteilte die Atombombenabwürfe nicht, dafür viele nichtkatholische Bücher

Das "Jahrhundertereignis" - Die unfehlbar leibliche Himmelfahrt der katholischen Maria

Papst hinterließ ein Privatvermögen von 80 Millionen Mark in Gold und Valuten

 Träumte Papst Ratzinger von einer neuen katholischen Weltdiktatur mit faschistoiden Zügen?

Joseph Ratzinger forderte "eine" "politische Weltautorität"

6. Teil: Konkordate: Wie Faschisten die Kirche mit Privilegien und Finanzen ausstatteten


Österreich: Unterschriften auf unterschiedlicher Höhe

Deutschland: Keine politische Betätigung, dafür Unsummen an Geld und Privilegien

Macht, Geld und Indoktrination

Der Papst als der "einzige Freund des neuen Reiches"

Wie die Kirchenlobbyisten die Konkordate in die Demokratie mit hinüber nahmen

Staatsfinanzierter großer Schwindel

Mit Christus hat es nichts zu tun
 
Anmerkungen

Anhang: Der Tod des Papstes

Buch

 

1. Teil - Pius XII. - Der kaltherzige Papst

Am Abend des katholischen Feiertags Allerheiligen, dem 1.11.2010, wurde um 20.15 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen ARD und parallel auf dem italienischen Sender RAI 1 zur besten Sendezeit ein Film mit dem schlichten Titel Pius XII. ausgestrahlt. Und genauso schlicht oder vielmehr platt wie der Titel war auch die Handlung des Filmes. Es ging nämlich ausschließlich darum, dass Pius als "Wohltäter der Juden" dargestellt wurde, weil er dafür sorgte, dass einige römische Juden Unterschlupf in Klöstern und Pfarrhäusern fanden.

Aber ist Pius XII. nicht  d e r  Papst, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass der Vatikan zum Holocaust geschwiegen hat?
Das spielte in diesem Film keine Rolle. Kein Wunder, der Film wurde ja auch produziert im Auftrag der italienischen
RAI und des Bayerischen Rundfunks. Und beide Sender sind ja nicht gerade als besonders kirchenkritisch bekannt; und mit von der Partie war auch die italienische Produktionsfirma Lux Vitae
, in der - wie Insider berichten - einiges an Geld aus dem Vatikan steckt.
Das heißt also: Zwei öffentlich rechtliche Fernsehsender aus Italien und Deutschland stecken Millionen an Geldern aus öffentlichen Rundfunkgebühren in einen Film, der diesen äußerst umstrittenen Papst verherrlicht und die kritischen Seiten seines Lebens konsequent ausblendet. Wird hier also nicht wieder einmal die Geschichte verfälscht und verklärt, und zwar von den Tätern und ihren Verbündeten? Und werden hier nicht die Opfer ein zweites Mal zum Opfer, indem man das Leiden oder deren volles Ausmaß verschweigt? Und wie man Geschichte verfälscht und verklärt, damit hat gerade der Vatikan Jahrhunderte lange Erfahrung.

 

Ein einseitiger Film voller Ungenauigkeiten und Fälschungen


Und wer wüsste das besser als die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die auf eine lange, leidvolle und tragische Erfahrung zurückblicken, gerade mit dieser Kirche, die über viele Jahrhunderte die Menschen zum Hass auf die Juden anstachelte und damit den Boden für den Holocaust mehr oder weniger vorbereitete?
Der Ober-Rabbiner der Stadt Rom, Ricardo di Segni, protestierte umgehend in der Novemberausgabe der Zeitschrift
Shalom gegen diesen Film, der nach seiner Meinung einen ganz bestimmten Zweck verfolgt habe, nämlich "die absolute Güte dieses Pontifex zu zeigen und all das, was er getan hat, politisch und moralisch, zu rechtfertigen."
Doch "man könne", so der Ober-Rabbiner weiter, "die historische Kontroverse nicht durch eine den Glauben verteidigende Absolution einfach verkürzen. Er bedaure es persönlich, dass die Produktionsfirma
Lux Vitae diesmal einen so einseitigen Film voller historischen Ungenauigkeiten herausgebracht habe".

Der Film spielt in Rom und handelt fast ausschließlich von der Deportation eines großen Teils der jüdischen Gemeinde im Oktober 1943 und der nachfolgenden Rettung einiger Juden in katholischen Klöstern und anderen Einrichtungen. Und es ist klar, dass die heutige, die wieder erstandene jüdische Gemeinde Roms diese Vorgänge sehr genau kennt. Verschwiegen wurde in dem Film zum Beispiel, dass Pius XII gegen die Deportation selbst - die praktisch vor seiner Haustüre stattfand - keineswegs protestiert hat, obwohl er sogar von einzelnen Vertretern der deutschen Besatzungsmacht unter der Hand dazu gedrängt wurde. Diese befürchteten einen Volksaufstand in Rom, wenn die Deportationen weiter gingen.
Es war auch nicht der Vatikan, der erreichte, dass einige der zunächst in Rom eingesperrten Juden wieder frei kamen - wie es in dem Film fälschlicherweise dargestellt wird -, sondern es waren die betreffenden Gefangenen selbst, die mit ihren Papieren beweisen konnten, dass sie gar keine Juden waren oder dass sie gar keinen jüdische Ehepartner hatten. Auch die Pläne Adolf Hitlers zu einer Entführung des Papstes, die es tatsächlich gab, wurden nicht, wie im Film dargestellt, durch eine melodramatische Begegnung eines SS-Mannes mit dem Papst verhindert, sondern sie wurde dadurch verhindert, dass dieser Mann Adolf Hitler persönlich davon überzeugen konnte, dass dieser Schuss für die deutsche Armee nach hinten losgehen würde.

Doch nicht nur melodramatisch, sondern fast schon gotteslästerlich war die Szene, in der Pacellis Haushälterin ihn aufforderte, gegen die Judenverfolgung zu protestieren, sonst werde man ihn später kreuzigen. Worauf dann der Film-Pius antwortet: "Das ist eben mein Kreuz, und ich muss es alleine tragen." Was hat dieser Papst, der Vertreter einer in der Geschichte über und über mit Blut besudelten Machtinstitution, mit Jesus von Nazareth zu tun, mit dem er hier verglichen werden soll? Soll er am Ende noch zum Märtyrer hochstilisiert werden? Und beachten wir auch den gravierenden Unterschied:
Pacelli trägt das Kreuz, weil er nicht geholfen hat. Jesus trug das von der Priesterkaste auferlegte Kreuz, weil er seinen Mitmenschen geholfen hat und für sie da war
.

Im Gegensatz zu Italien nahm man diesen Film in Deutschland eher gelangweilt zur Kenntnis, trotz bester Sendezeit mit enttäuschenden 8 % Quotenanteil, bei den jüngeren Zuschauern unter 50 gar nur mit 4,5 %. Doch täuschen wir uns nicht:
Gerade in Deutschland sollte vor allem auch die jüngere Generation wachsam sein und genau beobachten, was der Vatikan hier möglicherweise wieder im Schilde führt. Denn wenn man eines aus der Geschichte lernen kann, dann ist es die Einsicht, dass die Schachzüge dieser fast zwei Jahrtausende alten Institution niemals ausschließlich auf die Vergangenheit, sondern immer auch auf die Gegenwart und auf die Zukunft gerichtet sind.
 

Eugenio Pacelli - ein außerordentliches "Geschenk" des "Herrn" für seine Kirche


Und deshalb soll hier der Frage nachgegangen werden: Weshalb ist ausgerechnet dieser Papst dem Vatikan so wichtig, dass er alle Hebel in Bewegung setzt und allen Einfluss geltend macht - den er ohne Zweifel noch immer in den Massenmedien besitzt - um diesen Mann, Eugenio Pacelli mit bürgerlichem Namen, von allen Vorwürfen reinzuwaschen? Und Reinwaschen, das geht heutzutage eben am besten durch einen aufwändig gemachten, rührseligen Film einschließlich Liebesgeschichte und mit allem Drum und Dran. Warum also ist dieser Papst und sein Leumund so wichtig? Das ist eine sehr spannende Frage. Und um der Antwort auf diese Frage auf die Spur zu kommen, hier zunächst eine Rückblende in den April 2010: Damals wurde in Italien eine Vorab-Schau dieses Filmes vorgeführt, und zwar in Castelgandolfo, also der Sommerresidenz des Papstes, und in Anwesenheit von Papst Josef Ratzinger. Zur Erinnerung: Die Auftraggeber des Films waren der
Bayerische Rundfunk und die italienische RAI. Und warum hat ihn wohl der Papst als Erster vorgeführt bekommen? So könnte man die Frage stellen, ob er ihn etwa absegnen musste? Oder man war gewiss, dass man ganz so gefilmt hat wie der Papst das wollte, und man konnte den Film dann quasi dem Papst zum Geschenk machen.
Aber noch interessanter als diese Tatsache sind die Kommentare, die Papst Ratzinger dazu gemacht hat: "Pius XII. war ein barmherziger Papst", sagte er laut
Radio Vatikan (10.4.2010). Der Pacelli-Papst sei in dieser Zeit ein "Vater für alle" gewesen. Der Papst habe für die Rettung Roms und vieler Verfolgter in den Jahren 1943 und 1944 eine "fundamentale Rolle" gespielt.
Weiter sagte Papst Ratzinger: "Pius XII war der Papst unserer Jugendzeit. Mit tiefem Wissen hat er den Menschen seiner Zeit viel weitergegeben. Damit zeigte er den Weg der Wahrheit. Und mit seiner Weisheit hat er der Kirche die Richtung in das dritte Jahrtausend gezeigt. Insbesondere liegt mir am Herzen, Pius XII. als den barmherzigen Papst in Erinnerung zu behalten. Das war in einer sehr schwierigen Zeit."

Dies ist zunächst einmal der typische Sprachgebrauch von Josef Ratzinger. Er verwendet viele schöne und süße Worte, aber er sagt nicht, was er damit meint. So sagt er, Pius hätte den Menschen "viel weitergegeben". Doch was hat er weitergegeben? Er sagt, damit "zeigte er den Weg der Wahrheit auf". Doch womit? Der Papst sagt kein Wort, wie dieser Weg der Wahrheit ausschaut? Er spricht weiterhin von Barmherzigkeit und sagt nicht, was barmherzig im Leben des Pius XII. gewesen sein soll. Das ist typisch Josef Ratzinger. Aber das war nicht die erste Lobhudelei von Josef Ratzinger in Richtung seines Vorgängers Eugenio Pacelli. Im November 2008 hatte er sich sogar zu der Behauptung verstiegen, Papst Pius XII. sei ein Geschenk Gottes gewesen. Wörtlich sagte er: "Mit der Persönlichkeit von Pius XII.
hat der Herr seiner Kirche ein außerordentliches Geschenk gemacht, für das wir ihm dankbar sein müssen" (zit. nach Südtirol online, 8.11.2008).

Doch welcher "Herr" ist hier gemeint? Wer die blutige Kirchengeschichte kennt, der weiß: Jesus von Nazareth war nie der "Herr" dieser Kirche. Aber welcher "Herr" könnte dann hinter diesem "Geschenk" stecken? Und um diese Frage besser zu beantworten, werden hier zunächst weitere Fakten zusammen getragen. Und es lässt sich dabei heraus finden, für wen der Papst ein "Geschenk" war und ob er tatsächlich ein "Vater für alle" gewesen ist, wie Josef Ratzinger so vollmundig behauptet hat. Doch bleiben wir zunächst noch bei der Frage: Weshalb ist dieser Mann für den Vatikan so wichtig? Und da kommen wir an einem Umstand nicht vorbei. Für diesen Papst läuft seit langem - genauer gesagt schon seit 1965 - ein sogenannter "Seligsprechungsprozess". Und der kommt und kommt einfach nicht voran. Warum?
 

Verleihung des "heroischen Tugendgrades" für Pius XII.


Für die von der Kirche voran getriebene "Seligsprechung" gibt es eine Blockade. Vor allem jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger fühlen sich verhöhnt, wenn sie sich vorstellen: Ausgerechnet  d e r  Papst, der zum Holocaust geschwiegen hat, würde zur katholischen "Ehre der Altäre" erhoben. Und trotzdem setzt der Vatikan mit seinem zähen und langen kalten Atem, für den er nun einmal bekannt ist, immer wieder alle Hebel in Bewegung, um genau diesem Ziel näher zu kommen. Kurz vor Weihnachten 2009 tat Papst Ratzinger einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung, als er nämlich gleich zwei Päpste auf einmal - nämlich Johannes Paul II. und Pius XII. - den sogenannten "heroischen Tugendgrad" zuerkannte. Der "heroische Tugendgrad" ist traditionell eine wesentliche Voraussetzung für eine Seligsprechung. Was jetzt noch fehlt, ist ein Wunder, das durch die Betreffenden bewirkt worden sein soll; dass zum Beispiel jemand gesund geworden ist, der zuvor die verstorbenen Päpste um Beistand gebeten hatte. Und irgendeine zur Hysterie neigende Nonne, die solches bezeugt, wird sich doch wohl irgendwo finden lassen ...

Doch Fürbitten an Verstorbene, das ist blanker Spiritismus. Und überhaupt:
Weshalb braucht der Mensch eigentlich Mittler, wenn er Gott um etwas bittet? Das hat die Kirche doch nur so eingefädelt, weil sie seit Jahrhunderten die Vorstellung eines grausamen und strafenden Gottes verbreitet, der durch Rituale oder Opfer besänftigt werden müsse oder eben durch die Fürsprache eines Kontaktmanns, der angeblich besonders gute Beziehungen habe. Im Grunde sieht dieser katholische "Himmel" doch aus wie ein durch und durch korrupter Staat, in dem auf dem "normalen Dienstweg" nichts läuft. Und der "normale Dienstweg", das wäre im übertragenen Sinn doch die direkte vertrauensvolle Hinwendung des Menschen zum Schöpfergott und zu Christus, die mit Ihrer Kraft in jedem Menschen und in jeder Seele gegenwärtig sind. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Die Vatikankirche hindert seit Jahrhunderten die Menschen daran, sich direkt an Gott zu wenden und ein  e c h t e s  Vertrauensverhältnis zu Gott aufzubauen, indem sie aus dem Gott der Liebe, Den Jesus, der Christus, uns lehrte, einen im Prinzip strafenden, unberechenbaren Gott gemacht hat, der ein blutiges Opfer benötigte, um seinen Zorn zu besänftigen.
Und warum sollen die Menschen keine direkte unmittelbare Beziehung des Kindes zum Vater-Mutter-Gott aufbauen? Weil sie dann keine Vermittler mehr bräuchten, keine Heiligen als Fürsprecher, aber auch keine Priester und keine Bischöfe, keine Kardinäle und erst recht keinen Papst. Denn Gott, der Ewige, benötigt keinen Stellvertreter auf Erden, denn Er selbst ist vertreten in jedem Menschen. Und Jesus, der Christus, hat ja auch gar keine Heiligenverehrung ins Leben gerufen - ganz im Gegenteil: Er sagte sinngemäß: Geht in das "stille Kämmerlein" und wendet euch nach Innen, denn das Reich Gottes ist inwendig in euch.
Und Er lehrte uns, dass wir wieder "vollkommen" werden sollen, dass wir also Kinder Gottes sind und auf dem Weg zurück zu Ihm sind. Und auch heilig ist nur Einer, so sprach Er, nämlich Gott, unser Vater. Und er lehrte uns im Vaterunser, dass wir einfach "Vater"" zu unserem Vater im Himmel sagen können, dass wir Ihn, den Allmächtigen, also mit "Du" anreden dürfen. Doch Seine angeblichen Nachfolger im Priester- und Bischofstalar, im Kardinalspurpur und im weißen Papstgewand, das den Schein heiligen soll, sind beleidigt, wenn man sie nicht mit "Hochwürden", "Eminenz", "Exzellenz" oder gar "Heiliger Vater" anspricht.


Wird der "Heilige Vater" beim Tod zurück gestuft und später erneut "heilig" gesprochen?


Wenn Jesus von Nazareth also lehrte, es gebe nur einen "heiligen" Vater, dann bleibt doch die Frage, warum es dann in der Kirche so viele so genannte "Heilige" gibt? Vordergründig sind das Menschen, die dieser Kirche gut gedient haben, und die Kirche ehrt dafür ihre Diener und beruft sie zu "Heiligen".
Aber wenn es doch nur einen "Heiligen Vater" gibt, den im Himmel, so wie Jesus von Nazareth es uns sagte, dann ist die weitere Frage, wo die vielen Heiligen der Kirche dann sein werden? Im Himmel können sie sicher nicht sein, denn dort gibt es ja nur einen Heiligen, das ist Gott, der Schöpfergott und "Vater", so wie es uns Jesus, der Christus, gesagt hat. Wo aber werden dann die Heiligen der Kirche wohl sein?
Und dazu passt noch eine weitere Frage: Was ist denn mit den vielen guten Menschen, die nicht katholisch sind? Warum werden also immer nur Katholiken heilig gesprochen? Vielleicht, weil die anderen bereits an der Hand von Christus Richtung "Himmel" gehen und eine solche kirchliche Prozedur nicht benötigen.

Doch wie dem auch sei: Die Verehrung von Heiligen oder die Vorstufe davon, der Seligen, hat nichts mit Jesus von Nazareth zu tun. Sie stammt aus dem Heidentum, wo es diverse Götter und Halbgötter zu verehren galt, und dort hat es sich die Kirche abgeschaut.
Überdies ist es ja auch äußerst merkwürdig, dass im Falle der Päpste diese schon zu Lebzeiten mit "Heiliger Vater" angeredet werden sollen. Da sind sie also angeblich schon heilig. Sind sie aber dann verstorben, dann werden sie offenbar zurückgestuft. Da müssen sie sozusagen die Ochsentour von ganz unten herauf wieder antreten und erst einmal mühsam erst einmal wieder selig werden und später dann wieder heilig. Und wie mühsam das ist, das sieht man gerade an Pius XII.

In diesem Zusammenhang ist das Doppelpack von Papst Ratzinger Ende 2009 sehr interessant: Pacelli und Wojtyla bekommen beide den "heroischen Tugendgrad" und sollen auch gemeinsam selig werden. Das erinnert an das Jahr 2000. Da hat Papst Karol Wojtyla selbst einen ähnlichen Doppelpack auf den Weg gebracht, und es wurden dann tatsächlich die beiden Päpste Pius IX und Johannes XXIII. selig gesprochen.

Und Pius IX., das war der Papst, der im Jahr 1870 das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit postulierte und der außerdem ein Antisemit war, der sich weigerte, ein jüdisches Kind seinen Eltern wieder zu geben, weil ein katholisches Dienstmädchen dieses Kind heimlich römisch-katholisch getauft hatte. Johannes XXIII., Papst Angelo Guiseppe Roncalli, der Papst des 2. Vatikanischen Konzils, war hingegen sehr beliebt. Irgendwie kommt einem das so vor wie bei einem Arzt, der einem kranken Kind eine bittere Medizin verabreichen soll; er nimmt dazu ein Stückchen Zucker. Und so ist es offenbar auch hier bei diesem Doppelpack: Der beliebte Johannes Paul II wird der Weltöffentlichkeit offeriert, damit sie Pius XII. mit dem bitteren Beigeschmack millionenfachen Leides endlich ebenfalls schluckt.

Wobei auch die Seligsprechung des Vorgängers von Benedikt XVI. erheblich ins Stocken geraten war. Denn Johannes Paul II hatte den mexikanischen Priester und Ordensgründer der Legionäre Christi, den Bigamisten und Kinderschänder Marcial Maciel, Zeit seines Lebens gedeckt und offenbar auch verhindert, dass die Affären des Kinderschänders Kardinal Groer in Österreich wirklich aufgedeckt und aufgearbeitet werden konnten. Und trotzdem hat er von Josef Ratzinger schon mal vorab den "heroischen Tugendgrad" zugesprochen bekommen. Und das ist kein Wunder: Ratzinger und Wojtyla verbindet ja so manches. So war Josef Ratzinger unter seinem Vorgänger als Kardinal der Glaubenskongregation viele Jahre lang über die Vertuschung ungezählter Kinderschänderverbrechen durch pädokriminelle Unholde im Priestertalar unterrichtet.
Aber die geplante Seligsprechung von Pius XII. geht noch zäher vonstatten. Davon war nach seinem Tod im Oktober 1958 zunächst kaum etwas zu spüren. Dieser Papst hatte ja die Aura eines unnahbaren Aristokraten um sich verbreitet. Man nannte ihn wegen seiner blassen asketisch anmutenden Gestalt auch Pastor Angelicus, den engelgleichen Hirten. Doch mit der Verehrung war es schlagartig vorbei, als im Jahr 1963 der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth sein Stück
Der Stellvertreter in die deutschen Theater brachte. Nichtsdestotrotz wurde im Jahr 1965 das Seligsprechungsverfahren für Pius XII. eröffnet.
 

Hitler´s Pope (= Hitlers Papst)


Rolf Hochhuth bezeichnet Papst Pacelli bis heute als erbärmlichen Feigling, weil er es unterlassen hat, klar gegen die Vernichtung der Juden Stellung zu beziehen. Und im Grunde hat sich der geistige Kampf um die Deutungshoheit bezüglich dieses umstrittenen Papstes bis heute weiter verschärft.
Bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begann der preisgekrönte Schriftsteller Karlheinz Deschner in mehreren Büchern die umfangreiche Verstrickung dieses Papstes in die historische Schuld des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen. Doch um die Jahrtausendwende spitzte es sich dann noch einmal zu. Der britische Journalist und Buchautor John Cornwell veröffentlichte 1999 sein Buch Hitler´s Pope, also Hitlers Papst, dessen deutsche Ausgabe den Titel trägt Pius XII, der Papst, der geschwiegen hat.

Cornwell, ein praktizierender Katholik, war nach eigenem Bekunden angetreten, Pius zu entlasten, doch je länger er sich mit dem Thema beschäftigte, je mehr musste er einsehen, dass dies um der Wahrheit willen nicht möglich war. Und so schreibt er im Vorwort seines Buches:
"Mitte 1997, als ich meine Recherchen beinahe abgeschlossen hatte, befand ich mich innerlich in einem Zustand, den ich nur als moralische Erschütterung bezeichnen kann. Das Material, das ich gesammelt hatte und das mir einen umfassenden Überblick über Pacellis Leben lieferte, führte nicht zu einer Entlastung, sondern zu einer weitreichenden Anklage. Meine Untersuchungen", so schreibt Cornwell weiter, "über die Laufbahn Pacellis seit Beginn des Jahrhunderts", gemeint ist natürlich das 20. Jahrhundert, "erzählen
die Geschichte eines Strebens nach beispielloser päpstlicher Macht, das 1933 dazu geführt hat, die Kirche in eine Komplizenschaft mit den dunkelsten Kräften des Jahrhunderts hineinzuziehen" (S. 10f.).

Und "das Streben nach beispielloser päpstlicher Macht", das ist in der Tat ein Schlüsselbegriff, den man im Auge behalten sollte, wenn man die Vorgänge rund um diese historische Figur Pius XII. tiefer verstehen will. Denn dieses Streben nach "beispielloser päpstlicher Macht", das ging im Zweifelsfall auch über Leichen, und deshalb war auch Karlheinz Deschner bereits im Jahr 1965 zu dem Schluss gekommen: "Erwägt man das Verhalten Eugenio Pacellis zur Politik von Mussolini, Franco, Hitler und Pavelic, so scheint es kaum eine Übertreibung, zu sagen:
Pius XII ist wahrscheinlich mehr belastet als jeder andere Papst seit Jahrhunderten. Mittelbar und unmittelbar ist er so offensichtlich in die ungeheuersten Gräuel der faschistischen Ära und damit der Geschichte überhaupt verstrickt, dass es bei der Taktik der römischen Kirche nicht verwunderlich wäre, spräche man ihn heilig" (Mit Gott und den Faschisten, S. 257).

Und genau das ist geplant. Doch man würde die Vatikankirche schlecht kennen, wenn man annehmen würde, dass sie sich den damit verbundenen historischen Tatsachen ehrlich stellen würde, um sie dann einmal gründlich aufzuarbeiten. Stattdessen erleben wir in den letzten Jahren, dass mindestens fünf katholische Journalisten und Historiker gerade über dieses Thema weitere Bücher herausgebracht haben, die allesamt das Ziel haben, die Vorgänge um Pius XII zu verharmlosen und zu relativieren. So, als könnte man durch viel Reden und Schreiben und theologisches, intellektuelles Argumentieren den klaren Blick auf die äußerst umstrittene Grundlinie dieses Pontifikats ein wenig vernebeln. Und es scheint auch angesichts des verbissenen Eifers, der hier zur Verteidigung Eugenio Pacellis an den Tag gelegt wird, dringend geboten, einmal einen näheren Blick auf das Leben dieses angeblichen "Stellvertreters Christi" zu werfen.

War er wirklich so barmherzig, wie uns sein Nachfolger Josef Ratzinger glauben machen möchte, oder war er nicht in Wahrheit ein kaltherziger Papst, der kaum in der Lage war, sich überhaupt in die Menschen einzufühlen, die er mit seinen Taten und mit seinem Schweigen gleichermaßen Menschen in Leid und Not stürzte? War er wirklich ein "Vater für alle", wie Papst Ratzinger vollmundig behauptet? Und war er dann auch der Vater der sechs Millionen Juden, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden, ohne dass er seine Stimme dagegen erhob? War er der Vater der orthodoxen Serben, die zu Hunderttausenden von katholischen kroatischen Faschisten umgebracht wurden - obwohl Pacelli darüber genau Bescheid wusste und nicht dagegen einschritt und obwohl katholische Priester federführend bei der Ermordung waren? War er der Vater der im spanischen Bürgerkrieg und im Abessinienkrieg Italiens hingemetzelten Männer und Frauen und Kinder? Er, der damals als Kardinal-Staatssekretär der zweitwichtigste Mann einer Kirche war, die in beiden Kriegen klar für die faschistische Seite Partei ergriff und deren Gewaltexzesse rechtfertigte und segnete? War er der Vater der Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten der Front mit Hilfe seiner Militärpfarrer in den Tod geschickt wurden? Oft genug auch noch fast bis zum so genannten "Endsieg", angespornt von den katholischen Bischöfen, die von den Kanzeln die Hingabe des Leibes und des Lebens forderten? (siehe z. B. Kardinal von Galen).

Vielleicht war er der Vater der Kriegsverbrecher katholischen Glaubens bis hin zu Adolf Hitler, die Pacelli nie exkommunizierte, im Gegensatz zu den Mitgliedern und Wählern der Kommunistischen Partei Italiens nach dem Krieg. Das war er wohl. Doch der "Vater aller" war er sicherlich nicht. Und wenn ihm in dem eingangs erwähnten Film die sinngemäßen Worte in den Mund gelegt werden "Adolf Hitler habe das Christentum misshandelt, ebenso wie die moralische Norm, und er habe die Gleichheit aller Menschen verachtet", so haben die Macher dieses Huldigungsfilms offenbar nicht bemerkt, dass solche Worte direkt auf Pius und seine Kirche zurückfallen, denn sie haben über blutigste Jahrhunderte das  w a h r e  Christentum misshandelt, unter anderem durch Ketzerverfolgung und Inquisition.

Wenn wir nun tiefer in den Lebenslauf dieses Papstes einsteigen, dann wird man sehen, welche Fülle an Anschauungsmaterial gerade das Erdenleben dieses Kirchenfürsten über die Politik der Päpste liefert, nicht nur im 20. Jahrhundert, sondern auch bis in das 21. Jahrhundert hinein.


Das vorläufige Ende des Kirchenstaats und das päpstliche Anspruch auf die Weltherrschaft


Eugenio Pacelli wurde am 2. März 1876 in Rom geboren. 1876, das erscheint uns heute so weit weg. Doch rückt dieses Datum vielleicht etwas näher, wenn man hinzufügt, dass im selben Jahr - nur zwei Monate früher - in der Nähe der mindestens ebenso katholischen Stadt Köln der wichtigste Vertreter des sogenannten "Rheinischen Katholizismus" der Nachkriegszeit zur Welt kam, nämlich Konrad Adenauer, der die Bundesrepublik Deutschland 1½ Jahrzehnte lang entscheidend geprägt hat. Und der kleine Eugenio, der im selben Jahr in Rom geboren wurde, sollte später einmal die Vatikankirche - wie sie heute ist - in unterschiedlichen Positionen bis hinauf zum Papst, mehr als vier Jahrzehnte lang entscheidend mitprägen und damit auch indirekt die Geschichte Mittel- und Südeuropas und der ganzen Welt.

Und wir dürfen auch nicht vergessen: Der spätere Papst wurde in eine entscheidende und stürmische Zeit der italienischen Geschichte hineingeboren. Nur sechs Jahre vor seiner Geburt, im September 1870, hatte das erst neun Jahr zuvor geeinte italienische Königreich sein Territorium vervollständigt, indem es den sogenannten "Kirchenstaat" mit seiner Hauptstadt Rom fast kampflos eroberte. Damit war der Vatikan endlich auf dem Boden der historischen Tatsachen angelangt. Er hatte "seinen" Kirchenstaat verloren, den er sich mehr als 1000 Jahre zuvor durch eine der größten Betrugsaktionen der Weltgeschichte - nämlich der sogenannten "Konstantinischen Schenkung" ergaunert hatte. Durch eine gefälschte Urkunde war im 8. Jahrhundert behauptet worden, Kaiser Konstantin habe bereits im 4. Jahrhundert der römischen Kirche riesige Ländereien übereignet, und die fränkischen Könige waren darauf hereingefallen. Seitdem hatte der Vatikan von seinem Gebiet in der Mitte Italiens aus zahlreiche Kriege angezettelt und die verschiedenen Nachbarstaaten immer wieder gegeneinander ausgespielt, um seine eigene Macht zu mehren.

Doch damit war jetzt endlich Schluss, und was für den Vatikan noch ärgerlicher war:
Kaum ein Italiener weinte offenbar diesem Staat eine Träne nach. Es war ein durch und durch morscher Feudalstaat, gegründet auf Ausbeutung und Zensur und zudem mit einem Ghetto, in dem die Juden über Jahrzehnte bis aufs Blut schikaniert und gequält worden waren. Doch wie reagierte nun der Vatikan? Nun: Er hat dem italienischen Staat diese Niederlage nie wirklich verziehen. Die Päpste zogen sich schmollend in ihren Palast auf dem Vatikanhügel zurück und spielten fast 60 Jahre lang die Beleidigten. Sie untersagten den italienischen Katholiken, mit diesem verhassten italienischen Staat irgendwie zu kooperieren oder sich an Wahlen zu beteiligen. Auch wenn sich natürlich keineswegs alle Italiener daran hielten, so wirken doch die Folgen dieses Boykotts des Staates durch die Kirche in Italien in gewisser Weise bis heute nach. Sie äußern sich in einer weit verbreiteten Geringschätzung des Staates und seiner Gesetze. Und auch der Aufstieg der Mafia in bestimmten Teilen des Landes fand hier einen geeigneten Nährboden.

Und gleichzeitig orientierte sich der Vatikan neu. Schon ein Jahr vor Eroberung des Kirchenstaats durch italienische Truppen hatte Papst Pius IX. das 1. Vatikanische Konzil einberufen. Und im Sommer 1870 drückte er gegen alle innerkirchlichen Widerstände das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit durch. Gleichzeitig - und das ist weniger bekannt - wurde auf demselben Konzil noch ein weiteres Dogma beschlossen, wonach dem Papst
der universale Jurisdiktions-Primat zukomme. Darunter versteht man, "dass der ... römische Pontifex den Vorrang" - lateinisch: ´primatum` - "´über den ganzen Erdkreis inne hat, dass er Haupt der gesamten Kirche, Vater und Lehrer der gesamten Christenheit ist`..." (Hubertus Mynarek, Verrat an der Botschaft Jesu, S. 39) "Die römische Kirche besitzt ´den Vorrang der ordentlichen Gewalt über alle anderen Kirchen`". Und dieser Gewalt gegenüber "´... sind Hirten und Gläubige jeglichen Ritus und Rangs ... zur Pflicht hierarchischer Unterordnung und wahren Gehorsams gehalten ...`" Der Papst - so dieses Dogma weiter - ist "´der Oberste Richter aller Gläubigen’, dessen Gewalt die allerhöchste auf Erden ist, sodass er selbst von keinem gerichtet werden kann."
Und "es wird noch eigens betont", so der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek weiter, "dass dies ´die Lehre der katholischen Wahrheit` sei, ´von der niemand abweichen kann, ohne Schaden zu leiden an seinem ... Heil`"
(S. 40)
. Dieser Text von 1870 ist bis heute gültig.

Und das ist doch nichts anderes als der Anspruch auf die Weltherrschaft! Das ist Größenwahnsinn in Potenz! Das ist ohne Zweifel eine katholische Wahrheit, aber mit der Wahrheit Gottes, des Allerhöchsten, hat sie nichts, aber auch gar nichts zu tun. Denn der Schöpfergott ist die absolute Liebe, und Er verdammt keines Seiner Kinder. Und Er lässt jedem Seiner Kinder auch die absolute Freiheit. Und vor Gott gibt es keine Hochgestellten und keine Niederen. Es gibt auch keine Dogmen und verdammungsbewahrenden Glaubenssätze.
 

Warum das Kirchenrecht über das Recht der Staaten gestellt wird

 
Und dieses Dogma des Jurisdiktionsprimats ist weiterhin absolut verbindlich und gültig. Jeder Katholik muss es glauben, wenn er nicht Schaden an seinem Heil nehmen wolle, und das heißt auf deutsch: Wenn er nicht in der ewigen Hölle landen möchte. Die Vatikankirche hat es von alters her so eingerichtet, dass sie ihre wesentlichen Glaubenssätze gar nicht mehr zurücknehmen kann, selbst wenn sie es wollte. Denn dann würden die Päpste sich ja in wesentlichen Glaubensfragen widersprechen. Und das kann ja nach katholischer Lehre einfach nicht sein! Und was nicht sein darf, das kann einfach nach katholischer Lehre nicht sein, und wenn es hundertmal so wäre.
Das heißt also:
Gerade in einer Situation, in der die Kirche ihre unmittelbare weltliche Macht verliert - nämlich während der Bildung der italienischen Nation - erhebt die Vatikankirche so deutlich wie kaum je zuvor ihren Anspruch auf die absolute Weltherrschaft. Und vielleicht erkennt jetzt so mancher Zeitgenosse aufgrund dieses Dogmas des "universalen Jurisdiktionsprimats", warum sich die Institution Katholisch bis heute erlaubt, ihr eigenes Kirchenrecht über die Gesetze der Staaten - auch der demokratischen Staaten - zu stellen, und zum Beispiel die Verfolgung von Straftaten in den eigenen Reihen, wie der Pädokriminalität, einfach zu unterlassen.

Und was hat nun Papst Pius XII. mit all dem zu tun? Dies alles erfolgte ja vor seiner Geburt. Papst Pius XII. war nun aber der Papst, der wie kaum ein anderer diese von seinem Vorgänger Pius IX. vorgegebene Linie weiter verfolgte, und zwar kompromisslos und ohne jede Rücksicht auf das Schicksal ganzer Völker, auch ohne Rücksicht auf die eigenen katholischen Gläubigen. Und, wenn es sein musste, buchstäblich auch nur, indem es Tote geben musste, wobei er natürlich niemanden eigenhändig umbrachte. Doch sein Lebensweg führte ihn an Millionen von Leichen vorbei und über viele Leichen hinweg, von denen er wohl zumindest einen großen Teil hätte retten können.

Man sieht also: Gerade durch die Hartnäckigkeit, mit der heute Papst Joseph Ratzinger - übrigens ebenso wie sämtliche seiner Vorgänger der letzten 50 Jahre - ausgerechnet diesen Papst Pius XII. selig und später wohl auch noch heilig sprechen wollen, hat er uns sozusagen auf eine heiße Spur gesetzt. Und wenn wir bedenken, dass Jesus von Nazareth sagte
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Johannes 18, 36), dann können wir das gut vergleichen mit dem, was der Papst und die Vatikankirche im Gegensatz dazu tun.

 


 

2. Teil - Das schwarze Rom greift nach der Macht über die Seelen 

Das schwarze Rom greift nach der Macht über die Seelen. Wir betrachten dazu die Politik von Papst Pius XII., der von Papst Benedikt XVI. demnächst selig gesprochen werden soll. Der Anlass, hier genauer hinzuschauen, war ein Film über Pius XII., der am 1. November 2010 parallel im deutschen und im italienischen Fernsehen lief, der aber offenbar nur dazu diente, diesen Papst von dem Vorwurf reinzuwaschen, er habe sich durch sein Schweigen zum Holocaust historisch schwer belastet. Im 1. Teil gingen wir der Frage nach, weshalb denn der Vatikan in Gestalt des derzeitigen Papstes Joseph Ratzinger diesen äußerst umstrittenen Papst unbedingt seligsprechen will. Und wir sind am Ende des 1. Teils ein wenig eingetaucht in das Italien des ausgehenden 19. Jahrhunderts, also in die Zeit, in die Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., hineingeboren wurde. Der Vatikan hatte durch die Einigung Italiens 1861 seinen Kirchenstaat verloren, doch der damalige Papst Pius IX. reagierte auf den sich anbahnenden Verlust seiner weltlichen Macht mit einer geradezu größenwahnsinnig anmutenden Trotzreaktion: Auf dem ersten Vatikanischen Konzil 1870 unterzog er seine eigene Kirche einer beispiellosen Zerreißprobe und drückte zwei Dogmen durch, die bis heute gültig sind: Das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit und das Dogma des universalen Jurisdiktionsprimats des Papstes, was, wie wir ausführlich erläutert haben, nichts Geringeres als einen erneuten Anspruch der Päpste auf die Weltherrschaft bedeutet. Und wir haben am Ende der letzten Teils auch darauf hingewiesen, was Jesus von Nazareth zu all dem sagte, nämlich: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt!"
Nur sechs Jahre nach dem 1. Vatikanischen Konzil, am 2. März 1876, kam in Rom im Haus des Kirchenanwalts Filippo Pacelli der kleine Eugenio zur Welt. Man muss sich Rom damals als eine Stadt vorstellen, durch die ein unsichtbarer Riss ging: Das "neue Rom" als die neue Hauptstadt des vereinigten Königreichs Italien stand dem "schwarzen Rom" gegenüber. Und auf welcher Seite die Familie Pacelli stand, deren Ernährer für die Kurie arbeitete, und das bereits in dritter Generation, das verstand sich von selbst. Die Bürger des päpstlich gesinnten "schwarzen Rom" protestierten vielfach gegen einen Staat, der die Jahrhunderte alte unheilvolle absolutistische Macht des Vatikans einfach beenden wollte. Manche von ihnen trugen zum Beispiel nur einen Handschuh, sie stellten im Wohnzimmer einen Stuhl mit der Sitzfläche zur Wand oder sie hielten ihre Fensterläden provozierend geschlossen.

Wir haben im 1. Teil auch darauf hingewiesen, dass diese Jahrzehnte lange Opposition der Kirche gegen den neu entstandenen italienischen Nationalstaat bis hin zur Sabotage keine bloße Spielerei war, sondern unterschwellig gravierende Folgen hat bis in die Gegenwart hinein. So schreibt zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung am 9. November 2010 über den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi: "Er wollte nie akzeptieren, dass eine parlamentarische Demokratie nach anderen Regeln funktioniert als eine Firma ... Berlusconi erscheint auch so gut wie nie im Parlament. Das ist nicht der einzige Ausdruck seiner Verachtung und Missachtung der Staatsinstitutionen."
In Deutschland oder der Schweiz wäre so eine Haltung eines maßgeblichen Politikers undenkbar. In Italien ist sie noch immer, 150 Jahre nach der Gründung des italienischen Staates, weit verbreitet.


"Bereits als Priester zur Welt gekommen" - Der Glaube an Reinkarnation und der kleine "Club von Papst-Seelen"


Der kleine Eugenio war "spindeldürr und von zarter Konstitution", so schreibt John Cornwell in seinem Buch Der Papst, der geschwiegen hat, doch er zeigte "von frühem Alter an ein beeindruckendes Maß an Intelligenz und Gedächtnisstärke" (S. 33). Und er fährt fort: "Als Kind bestand sein liebstes Spiel darin, Priestergewänder anzuziehen und in seinem Schlafzimmer die Messe zu zelebrieren. ... Als eine Tante nicht zur Maiandacht gehen konnte, weil sie krank war, veranstaltete der kleine Eugenio für sie eine Ersatzandacht einschließlich der Predigt" (S. 35).

Es ist schon merkwürdig, wenn wir mal vergleichen: Der kleine Joseph Ratzinger hatte ganz ähnliche Anwandlungen. In seinem Buch Papst-Entzauberung zitiert der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek den derzeitigen Papst mit den Worten: "Als später einmal der Kardinal Faulhaber in unsere Gegend kam, mit seinem gewaltigen Purpur, hat der mir natürlich um so mehr imponiert, so dass ich gesagt habe, so was möchte ich werden." Und an anderer Stelle erinnert sich Ratzinger: "Meine Eltern hatten mir schon in der zweiten Schulklasse mein erstes Missale gekauft."
Und Hubertus Mynarek kommentiert das wie folgt: "Man vergegenwärtige sich: Der Junge ist gerade mal sieben oder acht Jahre alt und kriegt schon das Messbuch, das der Priester am Altar benutzt’" (S. 17). Sein Bruder Georg, der später auch Priester wurde, soll ja auch fleißig mit Priester gespielt haben.

Dazu ein weiterer Gedanke: Wie ist das, wenn z. B. berühmte Musiker schon als Kleinkinder auf erstaunliche Weise zu musizieren und zu komponieren begonnen haben? Und zukünftige Päpste halten eben schon als Kinder Predigten. Könnte das nicht mit der Reinkarnation zusammenhängen?
Die Möglichkeit wiederholter Einverleibungen gehört ja zum Urwissen der Menschheit, und dieses Wissen war auch im frühen Christentum durchaus präsent. Es ist also denkbar, dass die Seele eines Papstes sich nach dem Tod des Körpers einige Zeit später gezielt wieder eine hundertfünfzigprozentig katholische Familie aussucht - wie sie z. B. bei Pacelli und Ratzinger vorhanden war - und genau dort wieder anfängt, wo sie aufgehört hat. Als Pacelli mit 18 Jahren nach dem Abitur seinen Eltern mitteilte, er wolle Priester werden, wunderte sich in der Familie jedenfalls niemand darüber. Seine ältere Schwester Elisabetta kommentierte es im Nachhinein mit den Worten: "In unseren Augen war er bereits als Priester zur Welt gekommen" (Cornwell, a.a.O., S. 38).

Aber was bedeutet das? Es geht in dieser Studie ja darum, warum ein bestimmter Papst unbedingt selig und später heilig gesprochen werden soll. Und damit das möglich wird, soll er zunächst von aller historischen Schuld, die ihm im Falle Pius ohne Zweifel anhaftet, reingewaschen werden. Und da steht man dann wieder vor der Frage: Weshalb will der Vatikan, dass ganz bestimmte Päpste heiliggesprochen werden? Ist das nur ein merkwürdiges Ritual oder eben der katholische Kult? Oder geht es noch um etwas ganz anderes? Wenn das wirklich so wäre - denn man kann das ja nicht beweisen -, aber wenn das wirklich so wäre, dass im Zuge der Reinkarnation bestimmte Seelen sich immer wieder in solche Umstände auf der Erde einverleiben, dass sie später Papst werden können, dann wäre das womöglich nur ein relativ kleiner Club von Seelen, die sich immer wieder abwechseln und die gesamte Papstgeschichte abdecken würden.
 

Anrufung von Seelen - Katholische schwarze Magie und Spiritismus


Aber könnte es auch nicht sein, dass man durch eine Heiligsprechung ganz bestimmten Päpsten, die die Macht er Kirche besonders wirkungsvoll vermehrt haben, einen größeren Einfluss auch vom Jenseits aus ermöglichen will? Zu einem sogenannten Heiligen kann und soll ein Katholik ja beten, und was passiert dabei? Er ruft doch die Seele eines Verstorbenen um Beistand an, er nimmt Kontakt mit ihr auf. Und dadurch kann doch diese Seele vom Jenseits aus vermehrt Einfluss nehmen - natürlich wieder im Sinne der Kirche!
Das könnte einen fast an schwarze Magie oder an Spiritismus erinnern. Und könnte nicht noch etwas Zusätzliches geschehen? Ein selig oder heilig gesprochener Papst erfährt besondere Verehrung, seine Seele bekommt durch die Gebete, durch die Fürbitten, sozusagen vermehrt Energie von braven Katholiken - etwa, damit er um so rascher wieder den Landeplatz für die nächste Einverleibung findet? Wird also gleichzeitig durch die Verehrung hier auf der Erde sozusagen eine Art Magnet aufgebaut, der die Seele wieder in das nächste Erdenkleid ziehen kann? Das sind jetzt natürlich Spekulationen, die ein bestimmtes geistiges Wissen bzw. einen solchen Glauben voraus setzen, den man nicht beweisen kann. Aber fest steht jedenfalls: Eine Selig- und Heiligsprechung ist auch unabhängig von solchen gruseligen Überlegungen eine immense Aufwertung für einen Papst, und dahinter steckt ganz unverblümt die Botschaft: "So wie derjenige sollen es seine Nachfolger auch machen. Und nicht nur die, sondern auch alle anderen Kleriker. Er ist ein Vorbild im katholischen Sinne. Und genau unter diesem Aspekt ist es interessant, den Lebenslauf von Papst Pius XII. weiter zu verfolgen.

 

Von den Eltern weg geholt, um die Kirche gegen Säkularismus und Liberalismus zu verteidigen


Im Jahr 1901 wurde der junge Priester Eugenio Pacelli bereits im Alter von 25 Jahren für den Vatikan rekrutiert. Pietro Gasparri, ein damals 49jähriger Experte für Kirchenrecht, kam persönlich in die elterliche Wohnung, in der der junge Priester noch immer wohnte, und er lud ihn ein, mit ihm gemeinsam die Kirche "gegen den Ansturm des Säkularismus und Liberalismus in Europa" zu verteidigen (Cornwell, S. 51). 29 Jahre später, im Jahr 1930, sollte dann der Lehrling Pacelli seinem Meister Gasparri auf den Stuhl des Kardinalstaatssekretärs, des zweitwichtigsten Mannes im Vatikan, folgen.
Der junge Vatikanbeamte Pacelli erlebte also noch die beiden letzten Jahre des Pontifikats von Papst Leo XIII. aus nächster Nähe mit. Dieser Papst wird bis heute in katholischen Kreisen als "Arbeiterfreund" gehandelt, weil er 1891 eine Enzyklika zur sozialen Frage herausgebracht hatte. In Wahrheit hatte der Vatikan nur Angst vor dem Sozialismus und möglichen Arbeiterunruhen und wollte dieser Gefahr durch die Gründung eigener katholische Arbeitervereine vorbeugen. Die Kirche hat in ihrer Geschichte immer zu den Mächtigen gehalten und die Ausgebeuteten ermahnt, die angeblich gottgegebene Ordnung nicht umzustürzen, und da machte auch Leo keine Ausnahme. Wie der absolute Monarch im Vatikanpalast wirklich über soziale Dinge dachte, das sieht man an seinem Verhalten, wie es John Cornwell beschreibt: "Von katholischen Besuchern wurde erwartet, bei der Begrüßung zu seinen Füßen zu knien, und währende seines Pontifikats sprach er nie auch nur ein einziges Wort zu seinen niederen Dienern" (S. 49f.). Er war eben der über ihnen thronende "Nachfolger Petri".

Auf Leo XIII. folgte 1903 Papst Pius X., und unter der Ägide dieses Papstes stieg der junge Pacelli rasch die vatikanische Karriereleiter empor. Was dies bedeutet, kann man ermessen, wenn man weiß, dass Giuseppe Sarto alias Pius X. ein ausgesprochener Inquisitor auf dem Papstthron war. Er führte 1910 die sogenannten "Antimodernisten-Eide" ein: Jeder Priester musste unter anderem schwören, dass Christus selbst die Kirche eingesetzt habe, und er musste jegliche kritische und historische Untersuchung der Kirchenlehre und der Bibel rundheraus ablehnen. Das kirchliche Personal sollte also unter allen Umständen von dem "Gift" abgeschottet werden, das insbesondere aus den USA oder Frankreich in die Reihen der Kleriker einzusickern drohte; der Gedanke etwa, dass Demokratie etwas in der Kirche zu suchen haben könnte. Etliche Priester wurden auch exkommuniziert, so etwa der französische Theologe Alfred Loisy, von dem der bekannte Satz stammt: "Jesus verkündete das Reich Gottes, und gekommen ist die Kirche." Dabei war dies die schlichte Wahrheit. Dass Jesus von Nazareth keine Kirche gegründet und auch keine Priester eingesetzt hat, das ist doch eine historische Tatsache! Wie kann man das einfach leugnen?


Man kann, wenn man Papst ist. Der Antimodernisteneid wurde übrigens erst 1967 abgeschafft, nicht ohne anschließend durch ein verbindliches "Glaubensbekenntnis" ersetzt zu werden. Dass die Gehirnwäsche der Kleriker durch ihre eigene Kirche im Grunde noch immer dieselbe ist wie vor hundert Jahren und früher, das zeigt ein Vorgang aus dem Jahr 1997, als nämlich Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst, in seiner Eigenschaft als Präfekt der Glaubenskongregation, der Nachfolgebehörde der Heiligen Inquisition, den Theologen Tissa Balasuriya aus Sri Lanka exkommunizierte. Dieser hatte sich geweigert, ein ihm vom Vatikan vorgelegtes Schriftstück zu unterschreiben. Darin stand unter anderem der Satz: "Außerdem nehme ich mit religiöser Unterwerfung des Willens und des Intellekts sowohl alle Lehren, die der Papst, als auch alle Lehren, die das Bischofskollegium verkündet, an, wenn sie das ordentliche Lehramt ausüben und auch wenn sie diese Lehren in einer nicht endgültigen Art und Weise vortragen" (Wer sitzt auf dem Stuhl Petri?, Band 2, S. 41).
 

Pacelli arbeitete dem "Sodalitium pianum", der "Kurial-Gestapo" zu


Hier wird das eigene Gewissen völlig ausgeschaltet und auch der Verstand. Aber genau darum geht es ja. Pius IX., der X., der XI. und der XII. hätten es nicht besser formulieren können. Von den Exegeten, also den Theologen, die die Bibel auslegen sollen, verlangte Pius X. einen zusätzlichen Eid. Der Schwörende gelobte, "die Grundsätze ... und Dekrete, die durch den Apostolischen Stuhl und die päpstliche Bibelkommission veröffentlicht sind oder noch veröffentlicht werden (!), als die oberste Richtschnur und Norm treu und aufrichtig zu bewahren und unverletzlich zu beschützen und dass ich sie niemals durch die Lehre oder durch Wort und Schrift bekämpfen werde" (Karlheinz Deschner, Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 1, S. 178).

Für den unverbogenen gesunden Menschenverstand ist das unfassbar! Die Priester mussten also im 20. Jahrhundert etwas beschwören, das sie noch gar nicht kannten, denn sie mussten auch geloben, diejenigen Dekrete anzuerkennen, die noch gar nicht veröffentlicht waren! Also sozusagen ein Maulkorb im voraus, ein vorauseilender Gehorsam in Potenz, ein totaler Verzicht auf eigenständiges Denken, und zwar für ein ganzes Theologen-Leben!

Aber diese Eide genügten Papst Pius X. immer noch nicht. Er richtete zusätzlich einen eigenen vatikanischen Geheimdienst ein, eine "Kurial-Gestapo", wie Karlheinz Deschner sie nennt, und zwar zur Bespitzelung der eigenen Leute! Und dass der junge Pacelli diesem antimodernistischen Spitzelnetzwerk, wie der katholische Priester und Historiker Hubert Wolf es unverblümt nennt, während der gesamten Amtszeit Pius X., also elf Jahre lang, unbeschadet entging, sagt schon einiges über seinen Charakter aus. Der katholische Priester und Historiker Hubert Wolf erklärt in seinem Buch Papst und Teufel, dass einiges dafür spreche, dass Pacelli selbst in den Geheimdienst mit dem klingenden lateinischen Namen "Sodalitium pianum" verwickelt war. Er sei nämlich "immerhin fünf Jahre unmittelbarer Zuarbeiter" des Leiters dieses Geheimdienstes, Umberto Benigni, gewesen "und wurde sein Nachfolger auf dem Posten als Untersekretär" (S. 45).
Doch auch wenn Pacelli selbst nicht mitgespitzelt hat, so hat er sich auf jeden Fall stromlinienförmig angepasst. Und dieser Inquisitorenpapst Pius X. war ihm immerhin so wichtig, dass er, Pacelli, ihn als Pius XII. 1954 persönlich als bisher letzten Papst heiliggesprochen hat - und dabei den Ausspruch tat: "Himmlische Freude überströmt Unser Herz!" (Cornwell, S. 61) Und genau dieser Papst, Pius X., ist bis in die Gegenwart der geistige Anführer der berüchtigten Bruderschaft St. Pius, wozu auch der Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson in führender Position gehört. Und Führer dieser ultrareaktionären Gruppierung wurden von Papst Ratzinger im Jahr 2010 eigens wieder vollumfänglich in die römisch-katholische Amtskirche aufgenommen.


Die massive Kampfansage der Kirche an den demokratischen Rechtsstaat


Wer also Papst Pius XII. selig und heilig sprechen will, wie es Papst Benedikt XVI. plant, der spricht auch den Inquisitorenpapst Pius X., seinen von Pius XII. persönlich heilig gesprochenen ehemaligen Vorgesetzten, ein zweites Mal heilig. Und das alles zusammen ist nichts anderes als eine massive Kampfansage an jegliche Verfassung eines modernen demokratischen Rechtsstaats, in der Meinungsfreiheit und Glaubensfreiheit und Entscheidungsfreiheit, also der freie Wille des Menschen verankert sind. Und genau dorthin entwickelt sich offenbar wieder die Kirche. Da ist es auch kein Hinderungsgrund, dass Pius-Bruder-Bischof Richard Williamson auch 2011 die Juden einmal mehr als "Haupttäter des Gottesmordes" bezeichnete (bild.de, 24.10.2011) - eine Anklage, welche immer wieder die Jahrhunderte lange Verfolgung und Vernichtung des Judentums durch die Kirche begründete.

Und eine solche Seligsprechung von Pius XII. wäre dann auch ein Signal, dass der Vatikan die Menschenrechts-Verhinderungs-Politik fortsetzen will, die die Päpste seit Jahrhunderten praktizieren. Denken wir an Gregor XVI., der 1832 die Gewissensfreiheit des Menschen wörtlich als "Wahnsinn", lateinisch "deliramentum", bezeichnete. Und auch der angeblich so liberale Leo XIII., der angebliche Arbeiterfreund, hat erklärt, "dass es niemals erlaubt ist, die Gedankenfreiheit, Pressefreiheit, Lehrfreiheit sowie die unterschiedslose Religionsfreiheit zu fordern". Und noch Papst Paul VI. hat die Welt beschworen, die "rechte Freiheit des Gewissens" nicht mit einer "falschen Gedankenfreiheit" zu verwechseln (Deschner, Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 1, S. 176).
Und was falsch und richtig ist, das bestimmt natürlich immer der jeweilige Papst und niemand sonst. Wir werden in dieser Studie noch herausarbeiten, welcher Staat das Ideal von Pius XII. war. Das war eben auf keinen Fall der demokratische Rechtsstaat mit einer Vielzahl gleichberechtigter Religionen, mit Glaubens- und Gewissenfreiheit. Das das war der katholisch geprägte Ständestaat mit faschistischen Zügen, wie er mehr als 35 Jahre im Spanien Francos bestand, oder eine kurze Zeit in Österreich unter Kanzler Dollfuß; oder wie es das Italien Mussolinis war oder das katholische Kroatien während des 2. Weltkriegs, wo hunderttausende von orthodoxen Serben von Katholiken bestialisch umgebracht wurden, ohne dass Papst Pacelli auch nur mit einem Wort eingegriffen oder das Morden gebremst hätte. Doch dazu später mehr.


Pacellis Konkordate, und wie der heilige Pius X. den 1. Weltkrieg anstachelte
 

Als der mittlerweile "heilige" Papst Pius X. im August 1914, also kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, verstarb, da war der intelligente und zielstrebige Vatikanbeamte Pacelli längst mit seinem Lebensthema befasst: Zusammen mit seinem Mentor Gasparri arbeitete er an der Ausarbeitung von Konkordaten, also von Verträgen zwischen Staat und Kirche. Solche Verträge gab es in der Geschichte immer wieder, doch jetzt wurden sie für den Vatikan besonders wichtig: Weil er nicht mehr über einen eigenen Staat verfügte, also nicht mehr mit einer Armee drohen konnte, um seine Ziele durchzusetzen, verlegte er sich mehr aufs Verhandeln. Wobei man sagen muss: Wer bei solchen Verhandlungen bis heute über den Tisch gezogen wird, das ist niemals die Kirche, das ist immer der Staat, und immer geht es dabei um zwei Dinge: um die Erziehung der Kinder und um das Geld, das der Staat an die Kirche zahlen soll.
Es geht den Vatikan dabei also ausschließlich um seinen Vorteil, um seine Macht, um sein Geld. Hier war Pacelli rasch in seinem Element, und bereits mit dem ersten Konkordat, das er aushandelte, schrieb er Geschichte. Allerdings nicht im positiven Sinne. Er heizte nämlich durch seine Rücksichtslosigkeit und Kaltschnäuzigkeit massiv die Spannungen an, die wenig später zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führen sollten. Am 24. Juni 1914 schloss der Vatikan nach 18-monatigen Geheimverhandlungen unter Pacellis Federführung ein Konkordat mit Serbien ab, wobei all die traditionellen Rechte missachtet wurden, die bis dahin auf dem Balkan der Hegemonialmacht Österreich-Ungarn zugekommen waren. Die Habsburger-Monarchie war es nämlich bis dahin gewesen, die sich für den Schutz der versprengten katholischen Minderheiten auf dem überwiegend orthodox geprägten Balken zuständig fühlte. Doch für derlei althergebrachte Befindlichkeiten war in der rigorosen neuen Linie des Vatikan kein Platz mehr. Der römischen Kurie ging es ausschließlich darum, ihre Macht über die Katholiken in aller Welt ohne Umwege in ihren eigenen Händen zu bündeln. Zentralisierung hieß das neue Zauberwort. Was dieses Vorgehen in den betroffenen Ländern und Völkern an Diskussionen und Spannungen auslöste, wie es die politische Großwetterlage beeinflusste, war dem vatikanischen Verhandlungsführer Eugenio Pacelli offenbar völlig gleichgültig. Warnungen auch aus den eigenen Reihen ließ er unbeachtet. Das Ergebnis dieses Konkordats war dann tatsächlich eine erhebliche Verschärfung der Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien. In Wien geriet die anti-serbische Stimmung auf einen Siedepunkt. Alle politischen Kräfte von links bis rechts waren sich darin einig, dass dieses Konkordat mit dem Vatikan ein Affront, eine Demütigung Österreichs durch Serbien war, die man so nicht einfach hinnehmen könne.
Und als dann nur vier Tage nach Abschluss dieses Konkordats, nämlich am 28. Juni 1914, das habsburgische Thronfolger-Ehepaar in Sarajevo ermordet wurde, dann waren, so schreibt John Cornwell, "die Emotionen bereits hoch gepeitscht. Das serbische Konkordat trug ohne Zweifel zu den kompromisslosen Forderungen Österreichs an Serbien bei, die den Krieg unvermeidlich machten" (S. 73).

Doch den Vatikan trifft nicht nur eine indirekte Mitschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs Ende Juli 1914. Karlheinz Deschner hat in seinem umfassenden Werk Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert heraus gearbeitet, dass der von Pius XII. so hochverehrte und 1954 von ihm heiliggesprochene Papst Pius X. und der von ihm 1953 selig gesprochene Kardinalstaatssekretär Merry del Val
(der auch den Index der verbotenen Bücher betreute und den "Modernismus" bekämpfte, einen Versuch einer Harmonisierung zwischen Wissenschaft und Kirche) mit zu den direkten Kriegstreibern gehörten. Zwei Tage vor Ausbruch des Krieges, am 26. Juli 1914, schickte nämlich der bayerische Geschäftsträger beim Römischen Stuhl, Baron von Ritter, ein Telegramm nach München mit folgendem Wortlaut: "Baron Ritter an die bayerische Regierung. Der Papst billigt ein scharfes Vorgehen Österreichs gegen Serbien. Der Kardinalstaatssekretär hofft, dass dieses Mal Österreich standhalten wird. Er fragt sich, wann es denn sollte Krieg führen können, wenn es nicht einmal entschlossen wäre, mit den Waffen eine ausländische Bewegung zurückzuweisen, die die Ermordung des Erzherzogs herbeigeführt hat, und die in Rücksicht auf die gegenwärtige Lage Österreichs dessen Fortbestand gefährdet" (S. 163f.). Dieses Diplomaten-Kauderwelsch kann auch übersetzt werden mit: Der Papst will den Krieg.

 
Durchtriebene Kirche: Unterwerfung der Orthodoxie und Soldatensegnungen auf allen Seiten


Wie brisant der Inhalt dieses Telegramms ist, das zeigt sich auch darin, dass der Staatssekretär Felix Fechenbach, der in der bayerischen Staatskanzlei zur Zeit der Münchner Räterepublik 1919 dieses Telgramm fand und veröffentlichte, noch im Jahr 1926 für dessen Freigabe von einer rechtskonservativ beeinflussten Justiz zu zehn Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Was Papst und Vatikan also wirklich dachten, das sollte der Öffentlichkeit natürlich verschwiegen werden.
Man muss sich dazu auch vergegenwärtigen, dass die Zeichen unmittelbar nach dem Attentat von Sarajevo keineswegs eindeutig auf Krieg standen. Der Thronfolger Franz Ferdinand war innerhalb der Monarchie nicht gerade beliebt, und man war mancherorts insgeheim sogar froh, in auf diese Weise los geworden zu sein. Doch im Verlauf weniger Wochen gewannen dann die Kriegstreiber die Oberhand. Für den Vatikan brachte der Krieg die Aussicht, mit Hilfe des katholischen Österreich-Ungarn nach Osteuropa vorzustoßen und dort die orthodoxen Kirchen nach einem gewonnenen Krieg auf die eine oder andere Weise von Rom abhängig zu machen. Es ist ein uralter Traum der Vatikankirche, die im Jahr 1054 erfolgte Trennung zwischen römischer und orthodoxer Kirche wieder rückgängig zu machen - natürlich unter Führung des Vatikans, das versteht sich von selbst. Und dieser uralte Traum des Vatikans wird nach dem Ersten Weltkrieg auch einer der wichtigsten Gründe sein, weshalb die Romkirche unter dem späteren Papst Pacelli dann sämtliche faschistischen Diktatoren Europas fördern und unterstützen wird.

Doch unabhängig von solchen strategischen Erwägungen ist jeder Krieg immer auch Wasser auf die Mühlen der Kirche. Die Menschen sind auf existentielle Weise mit Leid und Tod konfrontiert und suchen den Halt dort, wo man sie von Kindesbeinen an hin dirigiert und indoktriniert hat: in den Kirchen aus Stein und bei den Mittlern, die Gott angeblich zwischen sich und die Menschen gesetzt hat, also bei den Pfarren und Priestern. Und diese sind dann auch sogleich zur Stelle und schicken die Soldaten auf beiden Seiten der Front in den Tod, indem sie den Krieg auf beiden Seiten jeweils als "gerecht" und von Gott gewollt hinstellen. Wohlgemerkt: Auf beiden Seiten! So, als ob Gott sich selbst widersprechen oder sich selbst ad absurdum führen könnte!
Dabei war doch Jesus von Nazareth ein durch und durch friedliebender Pazifist, der die Gewaltlosigkeiten und die Feindesliebe lehrte und der uns Menschen ermahnte: "Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen!" Der nicht nur zum Frieden zwischen den Menschen aufrief, sondern auch zum Frieden zwischen Mensch und Natur! Und bis zum Beginn des vierten Jahrhunderts konnte in der urchristlichen Bewegung, die er ins Leben rief, kein Soldat, kein Metzger, kein Jäger ein Glied einer urchristlichen Gemeinde werden, wenn er nicht seinen Beruf aufgab. Erst durch die verhängnisvolle Konstantinische Wende im 4. Jahrhundert, in deren Folge die katholische Kirche einzige Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, wurde dies dann alles gründlich auf den Kopf gestellt und ins Gegenteil verkehrt.
 

Pius XII. - der Vater des zentralisierten absolutistischen Kirchenrechts "Codex Iuris Canonici"
 

Und mit Kaiser Konstantin hielten auch die Juristen Einzug in die Kirche, die im Auftrag des Kaisers die Dogmen und Glaubenssätze formulierten, die ab sofort jeder Katholik wortwörtlich zu glauben hatte, wenn er nicht ausgeschlossen und damit angeblich auch ewig verdammt werden wollte. So, als ob man die absolute Wahrheit Gottes in intellektuell ausgefeilten Sätze einfangen und ein für allemal festlegen könnte. Im Grunde ist es ja bis heute so geblieben. Denken wir an die Anti-Modernisten-Eide von Pius X., die vorhin erwähnt wurden. Oder denken wir an die Glaubensbekenntnisse, die der jetzige Papst Ratzinger als Leiter der Glaubenskongregation abtrünnigen Theologen vorgelegt hat. Genau dieses Kirchenrecht war nun auch die Domäne des jungen Vatikanbeamten Eugenio Pacelli. Während Millionen seiner Altersgenossen auf den europäischen Schlachtfeldern mit Billigung und auf Betreiben seiner Kirche verbluteten, stellte Pacelli gemeinsam mit seinem Mentor Gasparri im Jahr 1917 die erste Fassung einer neuartigen Rechtssammlung fertig: den Codex Iuris Canonici, die Zusammenfassung des Kirchenrechts.

Zwar gab es auch bis dahin schon ein Kirchenrecht und eine teilweise Zusammenfassung im so genannten Corpus Iuris Canonici, dem Vorläufer des von Pacelli verfertigten Codex. Doch aufs Ganze gesehen war das Kirchenrecht verstreut über eine Fülle von Verordnungen und Verfügungen, die je nach Land und Umständen voneinander abweichen konnten. Doch nun war die absolute Bündelung und Zentralisierung der päpstlichen Macht angesagt. Alle Katholiken weltweit sollten direkt und ohne Zwischeninstanzen auf den Papst als ihren obersten Chef eingeschworen und verpflichtet werden.
John Cornwell nennt die Herausgabe und weltweite Verbreitung dieses Kirchengesetzbuches "das vielleicht wichtigste Ereignis in der neueren Geschichte der katholischen Kirche" (S. 62), denn: "Seine Überzeitlichkeit und Universalität verlieh einer neuen und beispiellosen Auffassung von höchster päpstlicher Autorität ewige Gültigkeit" (S. 63).
Wir erinnern uns: Auf dem ersten Vatikanischen Konzil 1870 hatte Papst Pius IX. nicht nur die Unfehlbarkeit des Papstes in Lehrfragen als Dogma verkündet, sondern auch den Jurisdiktionsprimat des Papstes, dass also der Papst oberster Richter aller Menschen ist. Und dieses Dogma wurde nun auch im Kirchenrecht fest verankert.
Im Kanon 218 steht zu lesen: "Der römische Papst ... hat... die höchste und umfassendste jurisdiktionelle Vollmacht in der universellen Kirche, in Angelegenheiten des Glaubens und der Sitten sowie auch in jenen, die sich über die Disziplin und Verwaltung der Kirche in der ganzen Welt erstrecken" (S. 63).
Also auf Deutsch: Der Papst bestimmt alles. Er ist nicht nur der absolute Diktator im Vatikan, sondern er herrscht im Grunde über alle Katholiken weltweit, und zwar nicht nur über Priester, sondern auch über die Laien. Die Generalsekretärin der SPD in Deutschland, die Katholikin Andrea Nahles, hat das also ganz richtig erfasst, als sie in einem Interview über den Papst sagte: "Er ist der Chef vom Ganzen"
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.1.2010).

Jesus von Nazareth hingegen beanspruchte keine weltliche Macht. Er sagte "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Und er ließ allen Menschen die Freiheit, über ihr Leben selbst zu entscheiden. Denn wir alle sind freie Kinder Gottes, denen Gott, unser aller Vater, den freien Willen geschenkt hat.


Pius XII. - der Garant der neuen Weltmachtsansprüche der Kirche


Und wenn man sich einmal klar macht, wie es dem Vatikan gelungen ist, innerhalb von nur etwas mehr als hundert Jahren von einem absoluten Tiefpunkt wieder zu einer weltpolitischen Bedeutsamkeit aufzusteigen, dann weiß man, was der Vatikan Leuten wie Eugenio Pacelli zu verdanken hat
. Im Jahr 1861 hatte der Vatikan seinen weltlichen Staat verloren, zehn Jahre später auch noch die Stadt Rom. Die Päpste waren bekannt als erbitterte Feinde jeder Bestrebung, Demokratie oder Menschenrechte einzuführen, und unzählige Menschen atmeten nun auf. Die Vatikanherrscher waren zu Bedeutungslosigkeit herab gesunken und der Lächerlichkeit preis gegeben, denn man diskutierte nun auch offen über die Blutspur, die die Kirche in der Geschichte hinter sich hergezogen hat. Und obwohl diese Blutspur der Kirche im 20. Jahrhundert, wie wir noch sehen werden, keineswegs zu Ende war, im Gegenteil, gelang es den Päpsten bis heute, sich in der Welt wieder zu einer Art moralischen Autorität aufzuspielen. Und je mehr Kinderschänderskandale von Priestern, je mehr Verwicklungen des Vatikans in mafiöse Geldgeschäfte aufgedeckt werden, desto mehr pocht der Papst auf diese angemaßte, im Grunde aber zutiefst hohle Autorität. Und desto mehr versucht er anzuknüpfen an Männer wie Pacelli, deren zäher Sturheit und verbissener Durchtriebenheit er diese angemaßte Autorität letztlich zu verdanken hat. Und nicht zuletzt deshalb soll Pius XII. heute selig und heilig gesprochen werden.
Im Grunde könnte man sagen: Dass der Vatikan es geschafft hat, sich innerhalb von einem runden Jahrhundert wieder das Etikett des Moralischen umzuhängen, das ist so etwas von unglaublich, das ist ein derartiger Etikettenschwindel, dass sich dieses Betrugsmanöver durchaus messen kann mit dem anderen großen Betrug der Weltgeschichte, mit der die Geschichte des sogenannten Kirchenstaates einst begann, nämlich mit der Konstantinischen Schenkung. Zur Erinnerung: Im 8. Jahrhundert behauptete der damalige Papst mit Hilfe einer dreist gefälschten Urkunde, Kaiser Konstantin habe der Kirche im 4. Jahrhundert ganz Italien mit all seinen Provinzen zum Geschenk gemacht. Damals war es der Frankenkönig Pippin, der auf den Betrug hereinfiel. Heute sind es weite Teile der Weltöffentlichkeit, 2011 z. B. die meisten deutschen Bundestagsabgeordneten, die sich blenden lassen von einem angeblichen Stellvertreter Christi - obwohl doch Jesus von Nazareth nie eine Kirche gegründet, nie Priester eingesetzt hat, geschweige denn einen Papst.

Einer, der sich nicht blenden ließ, sondern der ganz genau hinschaute und die Geschichte der Kirche so gründlich untersuchte wie kaum ein zweiter, das ist der preisgekrönte Schriftsteller Karlheinz Deschner, und er kam zu dem Schluss: "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche" (Die beleidigte Kirche, S. 42f.).
Wobei man noch hinzufügen müsste: Mit "christlich" und Christus hat diese Kirche mit Sicherheit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Das belegen die Tatsachen zur Genüge.

Und weshalb soll von dieser Kirche nun ausgerechnet Pius XII. selig gesprochen werden? Das ist die Ausgangsfrage und gleichzeitig der rote Faden dieser Studie. Und es bleibt auch in den nächsten Teilen spannend. Denn dann wird untersucht, wie Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., das vom ihm maßgeblich zusammengefasste Kirchenrecht in konkrete Konkordate umsetzt, also in Vereinbarungen zwischen Kirche und Staat, vor allem in Deutschland. Und weshalb ausgerechnet in Deutschland? Auch dieser Frage werden wir in der nächsten Folge nachgehen. Denn: "Wer schweigt, macht sich schuldig."
 

 


 

3. Teil - Deutschland und Italien
Die Päpste als Steigbügelhalter des Faschismus

Papst Pius XII., mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli, saß von 1939 bis 1958 auf dem Stuhl Petri und ist heute vor allem dadurch bekannt, dass er wahrend des Zweiten Weltkriegs zum Holocaust geschwiegen hat. Dennoch soll ausgerechnet dieser Papst nach dem Willen des Vatikans unbedingt selig und später auch heilig gesprochen werden. Und wir gehen in dieser Studie der spannenden Frage nach, weshalb fast alle Päpste seit Pius XII. - von Paul VI.  über Johannes Paul II. bis hin zu Benedikt XVI. - mit erstaunlicher Beharrlichkeit, man könnte schon fast sagen: mit Sturheit - an diesem Ziel festhalten. Weshalb also ist dieser Papst für den Vatikan so bedeutsam? Weshalb war er auch so wichtig für die Romkirche? So wichtig, dass man ihn gleichsam zum Vorbild für künftige Päpste erheben will. Welche besonderen Verdienste hat sich der Pacelli-Papst für seine Kirche erworben? Denn von einer Vorstellung kann man sich rasch verabschieden: dass nämlich eine Selig- oder Heiligsprechung durch die römische Kirche irgendetwas mit besonderen Tugenden ethischer und moralischer Art zu tun haben könnte, gar noch im Sinne des Jesus, des Christus. Nein: Hier geht es vor allem um Unterwerfung, um die Mehrung der Macht, des Reichtums und des Ansehens der Kirche selbst. Und wenn ein Papst selig gesprochen werden soll, dann erst recht!
Das heißt auch: Für einen echten Nachfolger des Jesus von Nazareth, der in seinem Leben die hohe Ethik und Moral des Jesus, des Christus - also die Hoheitslehre der Bergpredigt - anstrebt, wäre es alles andere als erstrebenswert, unter die katholischen Heiligen aufgenommen zu werden, im Gegenteil! Zumal ja Jesus von Nazareth keine Heiligen ernannt hat, sondern er hat sinngemäß gesagt: Nur Einer ist heilig, und das ist euer Vater im Himmel. Und Helvetius, der bekannte französische Philosoph der Aufklärungszeit, hat schon im 18. Jahrhundert über die katholische Kirche gesagt: "Liest man ihre Heiligenlegenden, so findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern!"


Bereits in den vorangegangenen Teilen wurden einige Anhaltspunkte für das "Warum Papst Pius XII selig gesprochen werden soll" aufgezeigt; auch die steile Karriere des jungen Priesters und Vatikanbeamten Pacelli, woraus deutlich wird, dass er schon in jungen Jahren eine wichtige Rolle gespielt hat bei der Neufassung des Kirchenrechts, das im Jahre 1917 dann als Codex Iuris Canonici neu veröffentlicht wurde. In diesem Codex wurde nochmals klar festgelegt, was Papst Pius IX bereits 1870 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil als Dogma verkündet hatte: Dass nämlich der Papst oberster Richter über alle Menschen ist. Pacelli hat also schon in jungen Jahren an maßgeblicher Stelle mitgeholfen, den absoluten Herrschaftsanspruch des Papsttums und die Zentralisierung der päpstlichen Gewalt auf Rom hin neu zu formulieren und in konkrete Gesetze umzumünzen.


Die Zeit der Konkordate und der Machtanspruch der Kirche in Zeiten der Demokratie


Und die konkrete Umsetzung des päpstlichen Herrschaftsanspruchs in allen Bereichen, das blieb auch die Aufgabe Pacellis im weiteren Verlauf seiner Karriere. Er wurde nämlich 1917 zum Nuntius, also zum päpstlichen Boschafter, in München ernannt.
Man muss sich dazu die Situation am Ende des Ersten Weltkriegs vor Augen halten: Die großen Monarchien Mitteleuropas - das Habsburger Reich und das deutsche Kaiserreich - waren zusammengebrochen. Überall entstanden Demokratien. Doch die Demokratie mitsamt der Menschenrechte hatte der Vatikan immer bekämpft. Die Kaiser und Könige, über die der Vatikan dem Volk die Lüge verbreitete, sie wären von Gottes Gnaden eingesetzt, die hatten der Kirche meist großzügige Privilegien eingeräumt. Jetzt tauchte überall in den Verfassungen der neu entstehenden Staaten die Forderung nach einer Trennung von Staat und Kirche auf, auch in der Weimarer Republik in Deutschland. Doch gerade diese Situation bot der päpstlichen Machtpolitik, die in sehr langen Zeiträumen zu denken pflegt, auch eine neue Chance: Wenn der demokratische Staat weniger in die Kirche hineinregiert als die bisherige Monarchie, dann kann der Vatikan - sprich: der Papst - in diesen Ländern nun umso leichter seinen absolutistischen Machtanspruch auf die gesamte Kirche, einschließlich aller Priester und Laien, durchsetzen.

Und genau dies war die Aufgabe Pacellis in Deutschland: so viele Konkordate wie möglich abzuschließen, und zwar nicht nur mit dem Deutschen Reich als Ganzem - das sollte Pacelli erst mit der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 gelingen - sondern, entsprechend der föderalistischen Struktur Deutschlands, auch mit einzelnen Regionen, Länder genannt. In seinem Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert beschreibt der preisgekrönte Schriftsteller Karlheinz Deschner die Stoßrichtung der römischen Konkordatspolitik wie folgt:
"Da der Kurie seit dem Verlust des Kirchenstaats die üblichen weltlichen Machtmittel mangelten, wurde allmählich die Konkordatspolitik - besonders nach dem Ersten Weltkrieg - Mittelpunkt ihrer Diplomatie. Damals, am 19. Mai 1918", schreibt Deschner weiter, "trat auch der Codex Iuris Canonici in Kraft. Und brachte dies gewaltige, alle innerkirchlichen Verhältnisse systematisch erfassende und im engen Anschluss an das Papsttum disziplinierende Werk ... auch wenig Neues, ... so involvierte doch die hier erreichte radikale interne Verrechtlichung auch nach außen Konsequenzen: besonders die Beseitigung jeder Staatskirchenhoheit und dafür die Verankerung gewisser Verordnungen des ´kanonischen` Rechts im ´weltlichen`. Im Grunde nichts anderes als der alte Kampf um die Macht, die Sicherung und Ausweitung klerikaler Vorrechte mit neuen Mitteln, mit, ´legalen`" - so Deschner (Teil 1, S. 413).

Und Karlheinz Deschner fährt fort: "Ein Konkordat also, schon im Mittelalter bekannt, wurde für die Päpste unter den veränderten Umständen ihres Machtkampfes immer mehr das erstrebenswerteste Ziel. Denn schließt die Kurie einen solchen Vertrag, hat fast immer sie den Vorteil - warum anders sollte sie einen Vertrag schließen!"
Im Grunde ist das bis heute so geblieben. Und man  muss sich wundern, wieso sich die Politiker bis heute immer wieder reihenweise von den schlauen Prälaten über den Tisch ziehen lassen. Karlheinz Deschner verfasste den hier gerade vorgetragenen Text in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also noch vor dem Fall der Berliner Mauer. Doch seine Warnung und seine bestechend scharfe Analyse verhallte vollkommen ungehört. Sämtliche aus der DDR hervorgegangenen sogenannten "neuen Bundesländer" schlossen nach der Wende Konkordate und Staatsverträge mit den beiden Großkirchen ab und verpflichteten sich zu jährlichen Millionenzahlungen - an die steinreichen Kirchenkonzerne wohlgemerkt -, so wie dies in den alten Bundesländern der Bonner Republik längst der Fall ist.
 

"Die politische Dummheit der Deutschen ist so riesengroß"


Die deutschen Steuerzahler zahlen seither auch in den neuen Bundesländern z. B. den Bischöfen und Landesbischöfen samt Gefolge ihre fürstlichen Gehälter von acht- bis zehntausend Euro monatlich. In ganz Deutschland zahlen die Bundesländer auf diese Weise fast eine halbe Milliarde Euro pro Jahr an die Kirchen. Begründet werden diese dreisten jährlichen Raubzüge - man kann es kaum anders nennen - mit der Auflösung kirchlicher Fürstentümer in napoleonischer Zeit. Dabei ist eines klar: Selbst wenn diese Neuordnung der politischen Verhältnisse durch Napoleon eine derartige Entschädigung rechtfertigen würde - was sehr fraglich ist - so wäre der damalige Verlust für die Kirche inzwischen längst mehrfach zurückbezahlt.
Und weil die Kirchen das sehr genau wissen, obwohl sie es nie zugeben würden, haben sie vorgesorgt und sich sogenannte "Ewigkeitsklauseln" oder "Freundschaftsklauseln" in die Verträge einbauen lassen. Da steht dann drin, dass diese Konkordate und Staatsverträge nur im gegenseitigen Einvernehmen der Vertragspartner geändert werden können. Mit anderen Worten: Der Staat gibt die Gesetzgebung hier freiwillig aus der Hand und verspricht der Kirche, neue Gesetze und ihre Ausführungen nur mit Zustimmung der Kirche zu erlassen. Und die damit verbundenen astronomischen Zahlungen an die Kirche sind noch immer nur ein Teil der Summe, die der deutsche Staat den Kirchen jährlich an Subventionen und Steuerbefreiungen zugute kommen lässt. Alles in allem sind das rund 15 Milliarden Euro im Jahr!
Der deutsche Kabarettist Hagen Rether brachte es auf den Punkt: "Seht die Bischöfe und Kardinäle unter dem Himmel! Sie säen nicht, sie ernten nicht, und wir erhalten sie doch!"

Und was sagte Jesus von Nazareth dazu? (Mt 6, 19) "Häuft euch keine Schätze an, die Motten und Rost fressen." Die Dreistigkeit, mit der die Kirchen Jahr für Jahr den Staat ausplündern, hat übrigens bereits im 19. Jahrhundert ein Vertrauter Bismarcks in gewisser Weise vorhergesehen, Kurd von Schlözer, der zeitweise als preußischer Gesandter beim Vatikan tätig war und die vatikanische Politik rasch durchschaut hatte. Er sagte kurz vor seinem Tod: "Die politische Dummheit der Deutschen ist so riesengroß, dass man sie nicht zu fassen vermag(zit. nach Deschner, Teil 1,  S. 415).

Ob diese Aussage auch heute zutreffend ist, das muss jeder für sich selbst beantworten. Und noch früher hat dies der große Deutsche Johann Wolfgang von Goethe vorausgesehen: (zit. nach Deschner, Teil 1, S. 349)
"Ist Concordat und Kirchenplan / Nicht glücklich durchgeführt? / Ja, fangt einmal mit Rom nur an, / da seid ihr angeführt!" - Also: In Rom würden die dummen Politiker schon richtig angeleitet, wie so ein Konkordat abzufassen ist. Und in seinem Faust sagt Goethe: "Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte".
Dass solche "Ewigkeitsklauseln", wie es in den Verträgen ausgehandelt wurde, in einem Vertrag von vornherein juristisch sittenwidrig sind, kümmert bis heute weder die Kirchen noch die Politiker, die mit diesen auf Kosten der Steuerzahler bis heute gemeinsame Sache machen.

Der Staat bzw. die deutschen Bundeslänger könnten aber jederzeit aus diesen Verträgen aussteigen, ohne noch einen Cent zu bezahlen. Ja, sie  m ü s s t e n  sogar endlich aussteigen, würden sie die Verfassung des deutschen Staates ernst nehmen. Denn im deutschen Grundgesetz steht eindeutig, dass die finanziellen Leistungen des Staates an die Kirchen "abzulösen" sind. Wenn der Staat stattdessen aber wie in Ostdeutschland immer neue finanzielle Verpflichtungen eingeht, dann handeln die Staatsvertreter eklatant gegen ihre eigene Verfassung. Und das ist nicht erst seit heute so, auch nicht erst seit der Geltung des deutschen Grundgesetzes  n a c h  dem Zweiten Weltkrieg, sondern das gilt schon seit dem Ende des Ersten Weltkriegs. Denn genau diese Passage, dass die Staatsleistungen abzulösen sind, wurde aus der Weimarer Verfassung des Jahres 1919 unverändert in das Grundgesetz übernommen.
Man muss sich das einmal vorstellen: Seit mehr als 90 Jahren steht ein eindeutiger Auftrag an die Politiker in der deutschen Verfassung. Doch kein Politiker, keine Partei macht bis heute ernsthafte Anstalten, diesen Auftrag umzusetzen und dies endlich einmal durchzuziehen. Die Kirche ist offenbar noch immer zu mächtig, und sie setzt bis heute immer weitere, zusätzliche Zahlungen durch - alle natürlich auf die "ewige Freundschaft" ausgerichtet.


Pacelli, der "Papst der Konkordate" sucht sich sein erstes Opfer: den Freistaat Bayern


Und wer hat mit allem dem begonnen? Das war niemand anderes als Kardinal Eugenio Pacelli, damals der päpstliche Nuntius in München. Im März 1924 schloss er nämlich ein bis heute gültiges Konkordat des so genannten Heiligen Stuhls mit dem Land Bayern ab. Und auch damals schon verstießen die neu vereinbarten Zahlungen Bayerns an die Romkirche gegen die Weimarer Verfassung. Wenn also Papst Ratzinger Pius XII. selig sprechen will, so würde ein deutscher Papst nun den "Papst der Konkordate" selig sprechen, der den Raubzug der Kirche gegen den Steuerzahler im 20. Jahrhundert erneut eingeläutet und wieder salonfähig gemacht hat - und zwar unter permanenter Missachtung der deutschen Verfassung. Doch was kümmert die Kirche eine staatliche Verfassung? Doch die Politiker geloben der Verfassung Treue und dürfen sich nicht zu Bütteln der Kirchenhierarchie degradieren lassen, was aber seit Jahrzehnten geschieht.

Und nicht umsonst hat sich der schlaue Pacelli als erstes Opfer den Freistaat Bayern herausgesucht und dort eine Art "Musterkonkordat" ausgehandelt. Er tat es, weil dort die rechtsgerichteten und klerikalen Kräfte sehr stark waren. Er versäumte es auch nicht, in diesem Konkordat die kirchlichen Privilegien bei der Kindererziehung zu sichern, also die Subventionierung der Konfessionsschulen und den Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Karlheinz Deschner kommentiert das in seinem Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert wie folgt: "Muss die Kirche doch, Inbegriff alles Totalitären, den Menschen, kaum geboren, durch die Taufe vergewaltigen, um ihn bis zum Tod gängeln zu können" (Teil 1, S. 416).

Dem Nuntius Pacelli gelang es während der Weimarer Zeit, nicht nur mit Bayern ein solches Konkordat abzuschließen, sondern noch mit zwei weiteren deutschen Ländern: 1929 mit Preußen, dem damals mit Abstand größten deutschen Landesteil, und 1932 mit Baden. Pacellis Verhandlungspartner, selbst wenn sie ihm wie im Fall Bayern sehr gewogen waren, waren zum Teil schockiert, mit welcher Unverfrorenheit und Kaltschnäuzigkeit der römische Diplomat Maximalforderungen aufstellte und im Einzelfall sogar vor regelrechten Erpressungen nicht zurückschreckte. So stellte er im Fall des Bayern-Konkordats zwar eine Unterstützung des Vatikans für die Interessen des Deutschen Reiches in Aussicht, und zwar bei der Frage der Bistumsgrenzen in den vom deutschen Reich abgetrennten Flächen wie dem Saarland. Doch er fügte unmissverständlich hinzu, dies werde nur dann eintreten, wenn Bayern zuvor in der Frage der schulischen Erziehung die Forderungen des Vatikans erfüllen würde.

In Baden wiederum drückte Pacelli 1932 das Konkordat durch, obwohl er genau wusste, dass dies in diesem Bundesland die Koalition zwischen der katholischen Zentrumspartei und den Sozialdemokraten sprengen würde - was dann auch eintrat. Wie gesagt: Rücksichtnahme auf das Wohlergehen oder die politische Zukunft eines Landes oder Volkes - das existierte für Pacelli nicht. Entscheidend war einzig und allein, was der so genannte "Heilige Stuhl" beabsichtigte und was den politischen Zielen des Vatikans dienlich war.

Das erinnert vielleicht so manchen an den Gründer des dubiosen katholischen Geheimbundes Opus Dei, Jose Maria Escrivà de Balaguer. Er hat seinen Schülern als Lehrsatz folgendes mit auf den Weg gegeben: "Die Ebene der Heiligkeit, die der Herr von uns fordert, wird durch drei Punkte bestimmt: heilige Unnachgiebigkeit, heiliger Zwang, heilige Unverschämtheit" (zit. nach Hubertus Mynarek,  Der polnische Papst, S. 93).
Vielleicht hat der Opus-Dei-Gründer ja von  d e m  Papst gelernt, der während seiner römischen Jahre ab 1946 dort regierte - das war nämlich Pius XII. Wie stark der Einfluss dieses Geheimbundes Opus Dei noch immer ist - auch heute noch - das sieht man daran, dass der heutige Papst Ratzinger Jose Maria Escrivà de Balaguer eine fünf Meter hohe Marmorstatue im Vatikan gewidmet hat, mit eigenem Wappen.
 

Die strategische und finanzielle Bedeutung Deutschlands für den Vatikan


Interessant wäre jetzt natürlich noch die Frage: Weshalb war Deutschland so wichtig, dass der Vatikan einen seiner besten Leute, den mit allen theologischen und intellektuellen Wassern gewaschenen Pacelli, dort hingeschickt hat? Nun, Deutschland ist bis heute das bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Land in Mitteleuropa und von daher von strategischer Bedeutung, vor allem, wenn man, wie der Vatikan, darauf spekuliert, die abtrünnigen Brüder und Schwestern im Osten Europas, die seit dem Jahre 1054 von der römischen Kirche getrennten orthodoxen Christen, eines Tages wieder unter die Oberherrschaft des Papstes zu bekommen. Und natürlich parallel dazu oder anschließend die Lutheraner, die vor allem in Deutschland verbreitet sind. Und wenn der Erste Weltkrieg anders ausgegangen wäre, dann wäre der Vatikan dem Ziel der "Rückholung" der Orthodoxen mithilfe deutscher und österreichischer Truppen wohl ein ganzes Stück näher gekommen.
Aber es gibt noch eine weit banalere Erklärung, weshalb Deutschland für den Vatikan so wichtig ist; und die liefert John Cornwell in seinem Buch Der Papst, der geschwiegen hat. Dort lesen wir:
"Deutschland hatte vor dem Krieg" - gemeint ist der Erste Weltkrieg - "einen größeren Beitrag zur Finanzierung des Heiligen Stuhls geleistet als alle anderen Nationen der Welt zusammen" (S. 107). Und vermutlich zahlen die Deutschen bis heute mehr als jedes andere Land der Welt für die Aufrechterhaltung dieses "Stuhls".

Zudem hat der Vatikan Deutschland schon immer sehr aufmerksam beobachtet, inwieweit es den vatikanischen Plänen dienlich sein konnte. Als im Jahr 1888 Kaiser Wilhelm II in Rom auf Papst Leo XIII. traf, sagte dieser zu ihm: "Deutschland muss einmal das Schwert der katholischen Kirche werden" (Walter Löhde, Das päpstliche Rom und das deutsche Reich, S. 246).
Damit wollte er wohl sagen: "Ich könnte euch Deutsche gut gebrauchen, um mir, wenn es sein muss, mit Waffengewalt, meinen Kirchenstaat zurückzuholen."


Das Bündnis zwischen Vatikan und Faschismus in Italien
 

Daraus wurde zwar nichts, aber der Vatikan erreichte dieses Ziel auf andere Weise. Im Jahr 1929 schloss nämlich der sogenannte Heilige Stuhl mit dem italienischen Faschistenführer Benito Mussolini ein Konkordat ab, die sogenannten Lateranverträge, wodurch der Kirchenstaat wiederhergestellt wurde; zwar nur als Kleinststaat mit weniger als tausend Einwohnern. Dafür erhielt der Vatikan aber eine hohe Millionensumme als finanzielle "Entschädigung" für den bei der Gründung des italienischen Königreichs erlittenen Gebietsverlust - was übrigens den Grundstock bildete für das immense Vermögen, das der Vatikan durch geschickte Geldanlage seither aufgehäuft hat.

Doch wie gelang es dem Vatikan, den faschistischen Duce zu diesem ungewöhnlichen Schritt zu bewegen? Diese Frage führt uns zwar auf den ersten Blick ein wenig weg von dem Lebenslauf des späteren Papstes Pius XII., der zu dieser Zeit ja noch nicht wieder in Italien, sondern noch in Berlin und München tätig war. Und doch sind diese Vorgänge in Rom äußerst aufschlussreich für das, was sich zehn Jahre später - nämlich im Juli 1933 - unter Pacellis Ober-Regie in Deutschland abspielen sollte: nämlich der Abschluss des sogenannten Hitler-Konkordats, das bis heute [2011] ununterbrochen in Kraft ist.
Die Vorgänge in Italien wickelte zudem ein alter Vertrauter Pacellis ab: Sein Mentor und Lehrmeister, der damalige Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri. Und auch mit Papst Pius XI. war dessen späterer Nachfolger Pius XII. schon damals sehr gut bekannt, denn Achille Ratti (Pius XI.) war vor seiner Wahl zum Papst im Jahr 1922 päpstlicher Nuntius in Warschau, also in einem Nachbarland des Deutschen Reiches gewesen. Ratti und Pacelli reichten sich also als Nuntius-Nachbarn die Hand. Und man davon ausgehen, dass Pacelli als Teil dieser vatikanischen Seilschaft über alles genauestens informiert war.
 
Was also hat der Vatikan dem Duce Mussolini als Gegenleistung für dessen großzügiges Entgegenkommen angeboten? Denn irgendwie war es auch hier ein Tauschgeschäft, wie meist in der Politik. Der Vatikan hatte seinen "Teil" der Vereinbarung schlauerweise bereits sieben Jahre zuvor geleistet, so dass er nicht nachlegen musste. Im Gegenteil: Er konnte nun den Preis dafür fordern, dass der 1922 frisch gewählte Papst Achille Ratti, Pius XI., Mussolini nichts weniger als die Machtergreifung in Italien ermöglichte.

Karlheinz Deschner schreibt in seinem Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert über Mussolini, als er erst einfacher Parlamentarier war und noch ohne jede Regierungsverantwortung:
"Am 21. Juni 1921 distanzierte er sich im Parlament derart von seinem Klerushass, dass Kardinal Ratti, wenige Monate vor seiner Papstwahl, jubelte: ´Mussolini macht schnelle Forschritte und wird mit elementarer Kraft alles niederringen, was ihm in den Weg kommt. Mussolini ist ein wunderbarer Mann. Hören Sie mich? Ein wundervoller Mann! ... Die Zukunft gehört ihm!`" (Teil 1, S. 322)
Wobei dieses Zitat weniger etwas über Mussolini aussagt, als über Kardinal Ratti, den späteren Papst Pius XI., und auch über die Politik des Vatikan überhaupt: Ein Machtmensch wie Mussolini, der schon damals, so Deschner, ein "Propagandist systematischer Gewaltanwendung" war (S. 322), so ein Typ fasziniert die Kirchenbosse und weckt ihren untrüglichen Instinkt dafür, wie man solche Machtmenschen für die eigene Machtmehrung einspannen könnte.


Die katholischen Parteien waren den Plänen von Papst und Vatikan nicht mehr dienlich


Karlheinz Deschner analysiert in dem erwähnten Buch, woraus die Gemeinsamkeiten und damit die Anziehungskräfte zwischen Papsttum und Faschismus bestehen:
"Überhaupt wurden für Papst und Mussolini nicht nur Sozialismus und Liberalismus zu Spielarten des Kommunismus, sondern sogar Sozialdemokratie und Rationalismus ... Für beide war das Führerprinzip zentral. Beide traten für Autorität, Gehorsam, Disziplin ebenso ein, wie sie individuelle Freiheit und soziale Gleichheit bekämpften, von Kritik und Diskussion nichts wissen wollten und überhaupt den Menschen zum bloßen Befehlsempfänger entmündigten" (S. 326).
Und diese Analyse von Deschner ist so prägnant, dass man sie sich auch für andere Situationen merken sollten. So tickten nämlich die Päpste Pius XI. und auch Pius XII., und so tickt der Vatikan im Grunde bis heute. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Studie immer wieder auf diese Elemente stoßen, und weil sie so wesentlich sind, sollte man es noch einmal wiederholen: "Überhaupt wurden für Papst und Mussolini" - schreibt Deschner - "nicht nur Sozialismus und Liberalismus zu Spielarten des Kommunismus, sondern sogar Sozialdemokratie und Rationalismus."

An dieser Stelle ist es sinnvoll, kurz inne zu halten, denn diese Einstellung, die wird immer wieder dazu führen, auch und gerade in Deutschland - wir werden es noch sehen - dass der Vatikan politischen Koalitionen katholischer Parteien und Sozialdemokraten und Liberalen äußerst distanziert gegenübersteht und sie teilweise sogar sabotiert. Diese Einstellung wird während des Zweiten Weltkrieges weiter dazu beitragen, dass Papst Pius XII., nicht zuletzt aus Furcht vor einem kommunistischen Aufstand, nichts gegen den Abtransport der Juden aus Rom unternehmen wird. Sie wird auch dazu führen, dass derselbe Papst nach dem Zweiten Weltkrieg in Italien allen Katholiken strengstens untersagen wird, die Kommunistische Partei zu wählen, was einer Exkommunikation gleichkommt - während derselbe Papst und auch sein Vorgänger nie etwas Ähnliches gegen die faschistischen Diktatoren Mussolini, Franco oder Hitler unternommen haben.

Deschner analysiert, wie bereits erwähnt, weiter:
"Beide" - also Papsttum und Faschismus - "traten für Autorität, Gehorsam und Disziplin ebenso ein, wie sie individuelle Freiheit und soziale Gleichheit bekämpften, von Kritik und Diskussion nichts wissen wollten und überhaupt den Menschen zum bloßen Befehlsempfänger entmündigten" (S. 326).
Dies wird, wie wir gleich sehen werden, dazu führen, dass die katholischen Parteien, sowohl in Italien als auch in Deutschland, dem Faschismus geopfert wurden. Und dies wiederum wird einer der wesentlichen Gründe dafür sein, dass Papst Pius XII. zum Holocaust schweigen wird. Denn das politische Instrument einer selbstständigen und selbstdenkenden katholischen Laienschaft, vor der Hitler hätte Angst haben müssen, hatte der Vatikan längst aus der Hand gegeben. Und diese faschistoide Gesinnung, die Deschner hier beschreibt, wird noch in unseren Tagen dazu führen, dass der jetzige Papst Ratzinger und sein Vorgänger Wojtyla gemeinsam die
"Theologie der Befreiung "Südamerikas zum Untergang verurteilten, ebenso wie sie sämtliche Kirchenvolksbegehren und dergleichen bis heute wie Luft behandeln.


Die Kirche erklärt sich zu einer "Gesellschaft von Ungleichen"
 

Die Kirche sah - wir haben es im 2. Teil dieser Studie schon ausgeführt - in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im faschistischen Ständestaat ihre ideale politische Ausprägung. Und auch wenn sie sich seither notgedrungen mit dem demokratischen Rechtsstaat irgendwie arrangieren musste, sei die Frage erlaubt, ob sich diese Affinität unter der Oberfläche wirklich geändert hat. Schließlich ist diese innere Verwandtschaft zwischen Faschismus und Katholizismus sogar nachzulesen in den offiziellen Lehrverkündigungen der Vatikankirche.
So steht in dem Buch Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung von Neuner und Roos unter der Randnummer 394 folgender Lehrsatz:
"Die Kirche Christi ist jedoch nicht eine Gemeinschaft von Gleichgestellten, in der alle Gläubigen dieselben Rechte besäßen. Sie ist eine Gesellschaft von Ungleichen, und das nicht nur, weil unter den Gläubigen die einen Kleriker und die anderen Laien sind, sondern vor allem deshalb, weil es in der Kirche eine von Gott verliehene Vollmacht gibt, die den einen zum Heiligen, Lehren und Leiten gegeben ist, den anderen nicht … So führen und leiten sie die Kirche Gottes mit aller Machtvollkommenheit: mit Gesetzen ..., mit richterlichen Entscheidungen und schließlich mit heilsamen Strafen gegen Schuldige, auch wenn sie Widerstand leisten ... So ist es Gegenstand des Glaubens, dass die Kirche Christi eine vollkommene Gesellschaft darstellt. Und diese wahre und so glückliche Kirche Christi ist keine andere als die eine, heilige, katholische und apostolische römische Kirche".

Und an dieser Stelle muss zur Verdeutlichung auch auf Folgendes hingewiesen werden: Der dogmatische Lehrsatz aus der kirchlichen Dogmen- und Lehrsatzsammlung kommt nicht von Gott. Und das hat auch nicht Jesus von Nazareth gesagt. Das haben alte Männer der Vatikankirche sich ausgedacht, um das Volk zu unterjochen und in die Irre zu führen.

Jeder Mensch kann glauben, was er will, aber wenn jemand einem Papst nachfolgt, dann ist er ein Papist und noch lange kein Christ. Denn Jesus, der Christus, sagte: "Ihr aber seid alle Brüder und Schwestern". Er sprach nicht: "Ihr seid Brüder und Schwestern von Ungleichen." Die katholische Kirche lehrt also einmal mehr das krasse Gegenteil von dem, was Jesus, der Christus, gelehrt hat.
Und unwillkürlich kommt einem da auch die Novelle Der Großinquisitor in den Sinn. Sie stammt von Fjodor Dostojewski, der wie kaum ein anderer erfasst hat, was den Vatikan und seine Päpste im Innersten antreibt. Dostojewski lässt den Großinquisitor zu Christus, der überraschend wiedergekehrt ist, sagen, dass nach Auffassung der Kirche das Glück der Menschen gerade darin bestehe, auf die Freiheit zu verzichten.
Der Großinquisitor sagt: "Fünfzehn Jahrhunderte haben wir uns mit dieser Freiheit abgequält - jetzt ist es mit ihr zu Ende, gründlich zu Ende. Du glaubst das nicht? ... Doch wisse, dass diese Menschen gerade heutzutage mehr als je überzeugt sind, vollkommen frei zu sein; und dabei haben sie selbst uns ihre Freiheit gebracht und sie uns gehorsam zu Füßen gelegt".
Der Großinquisitor rechnet es sich und den Seinen geradezu als Verdienst an, dass sie endlich die Freiheit überwältigt haben, und zwar, um die Menschen glücklich zu machen.
"Denn erst jetzt", sagt er, und meint natürlich die Inquisition, "erst jetzt ist es zum ersten Mal möglich geworden, an das  G l ü c k  der Menschen zu denken". "Wir haben deine Tat verbessert", sagt der Großinquisitor weiter, "und sie auf das Wunder, das Geheimnis und die Autorität gegründet. Und die Menschen freuten sich, dass sie wieder wie eine Herde geleitet wurden und dass endlich das furchtbare Geschenk, das ihnen so viel Qual bereitet hatte, von ihren Herzen genommen war". Damit war wiederum die Freiheit gemeint.
 

Diktator Benito Mussolini als Auserwählter "Gottes"
 

Es ist also kein Zufall, dass der Vatikan in den meisten Fällen der Wegbereiter der Faschisten war, z. B. in Italien. Dort witterte die Kurie auch die Chance, ihren Einfluss im italienischen Königreich, das ja gegen den erbitterten Widerstand des Vatikans entstanden war, wieder zu vergrößern. Papst Pius XI. wurde jedenfalls nicht müde, den Faschistenchef Benito Mussolini auch weiterhin in den höchsten Tönen zu loben. Im August 1923 sagte er dem belgischen Botschafter: "Für Italien hat Gott einen solchen Mann erweckt ... er allein hat erfasst, was sein Land benötigt, um es aus der Anarchie zu befreien, in die ein impotenter Parlamentarismus und drei Kriegsjahre es geworfen hatten" (zit. nach Deschner, Teil 1, S. 328). Und 1926 verkündete der angebliche Stellvertreter Christi ganz offiziell: "Mussolini wurde uns von der göttlichen Vorsehung gesandt!" (S. 342) Der Diktator ist nach Ansicht des selbsternannten Stellvertreters Gottes also ein "Auserwählter Gottes". Welchem Gott dient also der Papst? Und die Vorsehung welchen Gottes ist hier am Werk?

Machen wir an dieser Stelle noch einmal einen kurzen Sprung in die Gegenwart: Im Dezember 2010 lobte Papst Joseph Ratzinger die Lateranverträge von 1929, die Pius XI. mit seinem "Auserwählten" Mussolini abgeschlossen hat. Denn, so Benedikt XVI: "Die mit den Lateranverträgen verbundene Gründung des Vatikanstaates habe dem Papsttum die Souveränität und Unabhängigkeit gegeben, die es zur Leitung der Weltkirche brauche" (Radio Vatikan, 17.12.2010). Wir sehen also: Kein Wort darüber, dass der Vatikan sich diese Geschenke dadurch erkauft hat, dass er einem brutalen Faschisten zur Macht verholfen und die Demokratie in Italien für 23 Jahre ausgelöscht hat.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, was hätte wohl Jesus von Nazareth zu all´ dem gesagt? Er, der dem Hohepriester sagte (Joh. 18, 36): "Mein Reich ist nicht von dieser Welt"! Als hingegen der Widersacher Gottes ihn, Christus, versuchen wollte mit den Worten (Mt. 4, 9). "Dies alles will ich Dir geben, wenn Du niederfällst und mich anbetest", da wies Jesus diesen von sich (Mt. 4, 10): "Weiche von Mir, Satan!"
Und wie war es bei Papst Pius XI.? Benito Mussolini winkte mit staatlichen Privilegien, er holte gleich sechs katholische Priester (!) in sein erstes Kabinett. Der Faschistenchef erhöhte die staatlichen Zuschüsse für kirchliche Bauten und den Klerus, machte 1929 den Katholizismus zur Staatsreligion und stellte den Kirchenstaat wieder her. Die Kirche setzte weiterhin bei ihm durch, dass z. B. abtrünnige Priester keinerlei öffentliche Ämter mehr bekleiden durften, usw. usf. "Dies alles will ich Dir geben ..." - Der Papst reagierte gegenteilig als der Nazarener. Er schmeichelte dem Diktator bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Und nicht nur das: Der Vatikan verpflichtete sich im Konkordat von 1929, dass alle seine Priester sich aus der faschistischen Politik heraushalten würden und die Faschisten mit dem Segen der Kirche frei Hand hätten. Aber die Weichen dorthin hatte der Papst schon viel früher gestellt, nämlich bereits 1924, als er nämlich die eigene katholische Partei, den Partito Popolare, fallen ließ. Dessen populärer Vorsitzender Don Sturzo musste im Oktober 1924 ins Exil gehen. Er wäre mit seiner Partei zwar in der Lage gewesen, gemeinsam mit den Sozialisten die Faschisten an der Machtergreifung zu hindern. Doch Papst und Vatikan wollte keine katholische Partei. Sie wollte Mussolini.
 

Selbstbewusste "Laienkatholiken" als Störfaktoren für die päpstliche "Machtvollkommenheit"
 

Und so kann man auch verstehen, warum für den Vatikan bis heute selbstständige katholische Laienbewegungen, Kirchenvolksbegehren, "Wir sind Kirche" und dergleichen keine große Bedeutung haben bzw. nichts bedeuten oder bei ihren strategischen Überlegungen nur Störfaktoren sind. Und deshalb wurde beim Deutschlandbesuch von Benedikt XVI. auch kein einziger Katholik in das Freiburger Konzerthaus eingeladen, der auch nur die leiseste Kritik am Führungsstil des Papstes geäußert hatte. Keiner bekam eine Eintrittskarte und alle schluckten es. Denn es ist eben so. Es zählt nur die Unterwerfung unter den Pontifex maximus, sonst gar nichts. Das ist das Wesen der Kirche und das   i s t   Kirche. Sonst nichts.

Und was Pius XI. im Einklang mit seinem späteren Nachfolger Pius XII. in Italien einfädelte, das wiederholte sich später in Deutschland und in Spanien, in Kroatien und der Slowakei: Der Vatikan als Steigbügelhalter der Faschisten. Italien war also nur der Anfang, der Auftakt.

Und was 1923 in Italien ausgeführt wurde, das wiederholte sich zehn Jahre später auch in Deutschland. Nur dass es diesmal nicht Kardinalstaatssekretär Gasparri war, der das Konkordat für Papst Pius XI. aushandelte, sondern Kardinal Pacelli, der spätere Pius XII., der 1930 Gasparris Nachfolger geworden war, also nun bereits der zweitmächtigste Mann im Vatikan nach Pius XI.
Und wie sich die Verhältnisse gleichen: Auch in Deutschland gab es damals eine katholische Partei, das Zentrum, das aufgrund seiner Mittelstellung im politischen Spektrum häufig an Regierungen beteiligt war. Doch auch dieser Partei begegneten Papst Pius XI und sein Nuntius Pacelli mit tiefem Misstrauen. Die deutschen Laienkatholiken, die ein halbes Jahrhundert zuvor den so genannten Kulturkampf gegen die deutsche Regierung unter Otto von Bismarck gewonnen hatten, waren der Kurie schlicht zu selbstbewusst und zu eigenständig, und in Rom wurden deren Tage vermutlich schon gezählt. Koalitionen des katholischen Zentrums mit den Sozialdemokraten sahen die Kirchenoberen immer nur als vorüber gehende Notlösung an, denn von links, so die kirchliche Sichtweise, drohte ja die eigentliche Gefahr für die Kirche.
Der katholische Journalist Hanspeter Oschwald kommt in seinem Buch Pius XII, der letzte Stellvertreter zu dem Schluss, dass Hitler sehr wohl hätte verhindert werden können, aber nur dann, wenn Zentrum und Sozialdemokratie eng und dauerhaft zusammengearbeitet hätten
. Und er schreibt weiter:
"Ohne die autoritären Denkstrukturen in der katholischen Kirche hätten Zentrum und SPD zur Zusammenarbeit geführt werden können" (S. 125). Doch das war nicht im Sinne Roms:
"Für Pius gab es nur die Richtung nach rechts. Nach links bedeutete für ihn, den Kommunismus zu fördern und die Interessen der Kirche zu verraten" (S. 124). Das heißt: Papst und Vatikan wollten auch in Deutschland keine katholische Partei im Zentrum einer Demokratie. Sie wollten eine andere Entwicklung.

Politiker des Zentrums und der ebenfalls katholischen Bayerischen Volkspartei versuchten dennoch, das Beste aus der Situation zu machen. Doch der Vatikan kam ihnen dabei ständig in die Quere. Zu Ostern 1931 versuchte der Reichsinnenminister Joseph Wirth, in Rom Papst Ratti und seinen Kardinalstaatssekretär Pacelli davon zu überzeugen, dass es angesichts der instabilen politischen Verhältnisse nicht durchsetzbar sei, ein Konkordat des Deutschen Reiches mit dem Vatikan abzuschließen. Denn man müsse dann den Protestanten etwas Ähnliches gewähren, was der Vatikan aber ablehnte. Würden sich also Papst und Laienkatholiken zusammen auf ein raffiniertes Vorgehen einigen, um die Protestanten aus dem Boot zu werfen? Der Vatikan war noch eine Stufe raffinierter. Und nur wenig später, im August 1931, kam es folglich in Rom zu einer erregten und dramatischen Auseinandersetzung zwischen Kardinal Pacelli und dem deutschen Zentrums-Reichskanzler Heinrich Brüning.
Heinrich Brüning, einem der letzten Kanzler der deutschen Demokratie, berichtet in seinen Erinnerungen, dass Kardinalstaatssekretär Pacelli von ihm verlangt habe, eine Regierung mit den Rechtsparteien zu bilden, um dann mit diesen ein Konkordat durchzusetzen. Brüning war erschrocken. Und er verabschiedete sich dann vom Kardinal mit der spitzen und gleichzeitig prophetischen Bemerkung, er hoffe dass "der Vatikan mit Hitler und Hugenberg einen größeren Erfolg haben werde als mit dem Katholiken Brüning(Cornwell,  S. 158). Und genauso ist es dann gekommen.


Wie sich die Katholiken dank vatikanischer Hilfe mit dem Nationalsozialismus aussöhnten


Von Seiten der Verteidiger des späteren Papstes Pius XII. hört man jedoch häufig, das Reichskonkordat mit Hitler von 1933 sei vorrangig eine Idee Hitlers gewesen, um das Image seiner Regierung aufzubessern. Die eben geschilderten Vorgänge belegen hingegen, dass der Vatikan und insbesondere Pacelli schon sehr viel länger und intensiver, ja geradezu wie besessen auf dieses Ziel hingearbeitet hatten. Und die Frage, ob der Vatikan Hitler zur Macht verholfen hat oder nicht, ist zumindest in Deutschland genauso heikel wie die Frage, weshalb Pius XII. später zum Holocaust geschwiegen hat. Denn ohne die Machtübernahme Hitlers hätte es auch keinen Holocaust gegeben. Und eine Frage ist, wenn wir einmal auf das Konkordat mit Italien zurückblenden: Was war diesmal der Preis, den die Kirche für ein Konkordat mit Deutschland zu zahlen bereit war? Und jetzt wird es spannend.

Am 30. Januar 1933 übernahm Adolf Hitler als neuer Reichskanzler die Macht im Deutschen Reich. Nachdem das katholische Zentrum sich widerspenstig gezeigt hatte, war es der katholische ehemalige Zentrumspolitiker Franz von Papen, der die Bildung einer Rechtsregierung unter Führung von Adolf Hitler eingefädelt hatte, in der er selbst Vizekanzler wurde. Doch noch hatte Hitler nicht ganz gewonnen. Denn noch stand, so Karlheinz Deschner, "der deutsche Katholizismus fast geschlossen gegen Hitler; die Parteien, die Verbände und der größte Teil der Gläubigen" (Teil 1, S. 435). Nur die Evangelischen und ihre Pfarrer hatte Hitler zum allergrößten Teil schon auf seiner Seite. Die katholischen Bischöfe hielten jedoch noch kurze Zeit an ihrer Haltung fest, dass eine Mitgliedschaft in der NSDAP nicht mit dem katholischen Glauben vereinbar sei. Und bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 konnten die Nationalsozialisten zwar ihre Stimmenzahl leicht erhöhen, sie erreichten jedoch nicht die absolute Mehrheit. Die katholischen Parteien blieben weiterhin "stabil". Doch im Vatikan setzte man nicht auf die katholischen Parteien, sondern auf ein anderes "Pferd". Doch was tat seinerseits das "Pferd"? John Cornwell schreibt:
"Angesichts seiner Entschlossenheit, einen neuen Kulturkampf mit dem Risiko eines erfolgreichen katholischen Widerstands zu vermeiden, wollte Hitler sich nicht direkt mit den Bischöfen anlegen. Es musste jedoch etwas geschehen, um sie zu neutralisieren. Und genau an diesem Punkt kam Pacellis Streben nach einem Reichskonkordat Hitler zu Hilfe" (Cornwell, S. 167).

Und Hitler gelang weit mehr als eine "Neutralisierung" der katholischen Bischöfe. Er hat auch sie - wie schon zuvor die Protestanten - schließlich ganz auf seine Seite gezogen. Dabei kam Hitler zu Hilfe, dass mit dem Prälaten Ludwig Kaas an der Spitze der Zentrumspartei nun ein katholischer Priester stand, noch dazu ein enger Vertrauter Kardinal Pacellis, der ständig nach Rom fuhr und dort sich darüber beriet, was er tun solle. Und dieser Prälat Kaas kam schon einen Tag nach der Märzwahl zu Vizekanzler Papen und erklärte - so beschreibt es Deschner - er komme zwar "ohne zuvorige Fühlungsnahme mit seiner Partei" doch er sei "nunmehr bereit, einen Strich unter die Vergangenheit zu setzen" (Teil 1, S. 436). Als dann Ende März das sogenannte Ermächtigungsgesetz im Reichstag zur Abstimmung stand, mit dem Hitler den Parlamentarismus abschaffte und sich diktatorische Vollmachten sicherte, gab es in der Zentrumspartei zunächst erbitterte Meinungsverschiedenheiten. Am Ende setzte sich jedoch Prälat Kaas in seiner Partei durch, indem er rief: "Bin denn nun ich der Führer der Partei oder wer sonst?" (zit. nach Cornwell, S. 169) Jeder wusste natürlich, dass Zentrumsführer Prälat Kaas mit den obersten Führern der Katholiken in Rom in ständigem Kontakt stand. Das Zentrum stimmte folglich dem Ermächtigungsgesetz zu und löste sich später selbst auf, damit es nur noch die NSDAP gebe. Und die deutschen Bischöfe zogen ihre Kritik am Nationalsozialismus eine knappe Woche später zurück. Und an diesem 28.3.1933 verkündeten die deutschen Bischöfe, dass nun auch jeder Katholik Mitglied der NSDAP sein könne. 

Verteidiger von Pius XII. führen an dieser Stelle an, dass der spätere Papst diese Entscheidungen der Politiker und der Bischöfe zugunsten der Nationalsozialisten nicht selbst herbeigeführt habe. Dafür gebe es keinen Beleg. Im Gegenteil, so etwa der katholische Priester und Kirchengeschichtler Hubert Wolf: Pacelli sei sogar erbost gewesen, als er von der Auflösung des Zentrums erfahren habe. Er habe die Bemerkung gemacht: "Schade, dass es zu diesem Zeitpunkt gekommen ist" (Cornwell, S. 184). Doch selbst wenn diese Aussage stimmen sollte, dann würde sie nur eines belegen: Dass nämlich der Kardinal die Auflösung des Zentrums nur sozusagen als Verfügungsmasse in den Verhandlungen mit Hitler betrachtete, und als nichts sonst.
Und auch wenn man davon ausgehen muss, dass Pacelli und Kaas sehr wohl alles absprachen, ohne es immer im Detail aufzunotieren: Eines direkten Befehls hätte es gar nicht bedurft. Denn der Vatikan hatte seine Laien und auch seine Bischöfe in Deutschland aus seinen taktischen Erwägungen heraus zunächst schlicht im Stich gelassen. Sie hingen sozusagen solange in der Luft, bis sie sich gleich ihrer Zentrale in Rom ebenfalls mit dem faschistischen Regime arrangierten.
John Cornwell schreibt: "Meine Untersuchungen über die Laufbahn Pacellis seit Beginn des Jahrhunderts - also des 20. Jahrhunderts - erzählen die Geschichte eines Strebens nach beispielloser Macht, das 1933 dazu geführt hat, die Kirche in eine Komplizenschaft mit den dunkelsten Kräften des Jahrhunderts hinein zu ziehen" (S. 11).


Katholiken und Nazi-Deutschland: Komplizenschaft, Verbrüderung und als Höhepunkt das Konkordat


Die Verhandlungen für ein Reichskonkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan hatten inzwischen längst begonnen. Zeitgleich wurde aus der neuen Komplizenschaft zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus immer mehr eine Verbrüderung.
So bedankte sich in einem Brief an die bayerische Staatsregierung vom 5.5.1933 der römisch-katholische Kardinal Michael Faulhaber, der Joseph Ratzinger später zum Priester weihte, "dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen [Nazi-]Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben [sie wurden verboten] ..." (Akten Deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, Teil I, Mainz 1968, S. 259, Anm. 17). Und fünf Tage nach diesem Brief, am 10.5.1933, wurden überall in Deutschland auf Scheiterhaufen  unliebsame Bücher verbrannt. Und am 9.6.1933 forderte der katholische Domkapitular Ferdinand Piontek "strenge staatliche Maßnahmen" gegen die Zeugen Jehovas (Protokoll der Besprechung im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung; Ev. Zentralarchiv, 7 / Generalia XII. Nr. 161). In der Folge wurden ca. 1500 der "Zeugen" in den Konzentrationslagern erschossen, erhängt oder geköpft. Und am 27.6.1933 verbietet Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg allen katholischen Priestern gar eine Kritik am Nationalsozialismus. Nationalsozialismus und Katholizismus waren nun enge Verbündete. Und als Höhepunkt dieser Entwicklung kam nun im Sommer 1933 das Konkordat.

Am 20.7.1933 wurde das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Nazi-Deutschland feierlich unterzeichnet. Auf Seiten des Vatikans unterzeichnete dessen Drahtzieher Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. Und das für die Inkrafttretung notwendige Gesetz zur Durchführung des Konkordats vom 12.9.1933 trug die Unterschrift von Adolf Hitler persönlich. Dieses Konkordat brachte dem nationalsozialistischen Regime nicht nur unschätzbares internationales Renommé ein, sondern auch die Zusage der Kirche, dass die katholischen Geistlichen sich wie in Italien fortan jeglicher politischen Betätigung enthalten würden. Die Kirche hatte sich - ähnlich wie in Italien - mit dem faschistischen Regime arrangiert und wurde dafür mit der Zusage belohnt, dass die staatlichen Zuschüsse und Steuerbefreiungen an die Kirche unverändert weiter bestehen sollten. Und sie bestehen in Deutschland bis heute, und zwar in Höhe von jährlich ca. 15 Milliarden Euro. Zudem wurden unabhängig davon sämtliche Wirtschaftsunternehmen dazu verpflichtet, die Kirchensteuer automatisch vom Gehalt ihrer Beschäftigten abzuführen und über die staatlichen Behörden der Kirche zukommen zu lassen. Zu diesem Zweck wurde jeder deutsche Arbeitnehmer verpflichtet, seine Konfession auf der Lohnsteuerkarte anzugeben. Diese für die Kirche einzigartige Regelung wurde auch der Bundesrepublik übernommen und ist neben dem Reichsjagdgesetz von 1934 das einzige Gesetz aus der Hitlerzeit, das weiterhin Gültigkeit hat.
Aber genauso schlimm wie das Konkordat selbst ist seine politische Funktion, denn als Gegenleistung der Kirche verabschiedeten sich aufgrund des Drucks aus Rom große Teile des deutschen Volkes selbst aus der Politik. Die Kirche überließ dem Diktator Hitler uneingeschränkt das Feld und gab ihm mit kirchlichem Segen politisch freie Hand, indem es den eigenen Amtsträgern durch das Konkordat jede politische Betätigung und natürlich erst recht jede "kritische" politische Betätigung untersagte. Und das alles nur, um den Reichtum der Kirche zu erhalten und um ihre Macht über die Seelen unumschränkt weiter aufrecht zu erhalten.
Und das ist doch eine Seligsprechung für Pacelli wert. Oder nicht?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, im nächsten Teil der Studie werden wir sehen, wohin diese Bündnisse mit den faschistischen Diktatoren Europas praktisch ührten, wie viel Leid und Grausamkeit dadurch heraufbeschworen wurde, und was davon zu halten ist, wenn sich die beiden deutschen Großkirchen dann später, nach dem großen Krieg, selbst heuchlerisch zu angeblichen "Widerstandskämpfern" hochstilisierten.

 




4. Teil -
Österreich, Italien, Spanien, Slowakei, Polen, Russland, Jugoslawien
Kreuzzüge, Ausmerzungen und Völkermorde mit päpstlichem Segen

In den ersten drei Teilen über Papst Pius XII., der nach dem Willen von Papst Joseph Ratzinger demnächst selig gesprochen wird, haben wir den Werdegang dieses Papstes mitverfolgt, der als Eugenio Pacelli im Jahr 1876 in Rom zur Welt kam und schon bald im Vatikan Karriere machte. Wir sahen auch, wie der Vatikan sich zunächst ohne Berührungsängste mit dem italienischen Faschistenführer Benito Mussolini arrangierte, der zum Dank dafür 1929 den Vatikanstaat zumindest als Kleinstaat wiederherstellte. Und wie er dann auch mit dem Diktator Adolf Hitler bereits 1933 ein Konkordat abschloss und damit den Nazi-Staat international enorm aufwertete und international überhaupt erst salonfähig machte. Doch weshalb verhielt sich der Vatikan so? Weil der Feind für die Päpste immer links stand und nur dort. Die Kommunisten und Sozialisten, die die traditionelle Gesellschaftsordnung und vor allem die alte feudale Besitzordnung verändern wollten, das war für sie die eigentliche Gefahr. Schließlich hat der Vatikan traditionell sehr viel Besitz und Reichtum zu verlieren - bis heute! Der Vatikan hatte auch immer das Ziel vor Augen, möglichst viel der im 19. Jahrhundert eingebüßten Macht wieder zurückzuerobern. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckte er auch vor dem Pakt mit dem faschistischen Teufel nicht zurück, gleich in welchem Land.


Der katholisch-faschistische Staat in Österreich von 1934-1938
 

"Gleich und gleich gesellt sich gern", sagt schon eine bekannte Volksweisheit. Doch Italien und Deutschland waren erst der Anfang. Die nächste Station auf diesem verhängnisvollen Weg war Österreich. Fast zeitgleich mit der Machtübernahme der Nazis in Deutschland etablierte sich hier im März 1933 eine klerikalfaschistische Diktatur unter der Führung des Bundeskanzlers und Katholiken Engelbert Dollfuß. Dollfuß setzte die junge Demokratie in Österreich schon bald außer Kraft und schuf unter enger Anlehnung an die Vatikankirche und an Mussolini einen austrofaschistischen Ständestaat.

Auf dem Katholikentag 1933 in Wien erläuterte Dollfuß dieses Vorhaben mit folgenden Worten: "Ja, wir wollen einen christlich-deutschen Staat in unserer Heimat errichten! Wir brauchen uns nur an die letzten Enzykliken des Heiligen Vaters zu halten; sie sind uns Wegweiser für die Gestaltung des Staatswesens in unserer Heimat. Die jetzige Regierung ist einmütig entschlossen, im christlich-deutschen Geist die Erneuerung von Staat und Wirtschaft in die Wege zu leiten."
Gemeint war dabei die Enzyklika Quadragesimo Anno von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1931, die die päpstliche Empfehlung für den Aufbau einer Gesellschaft nach ständischem Muster formulierte. Pius XI. sprach in dieser Enzyklika von einem Bild des faschistischen Korporationsstaates mit sympathischen Zügen (gedenkdienst.at).

Dollfuß schloss seine Rede dann mit dem Satz "Gott will es". Genau so, wie auch schon die Kreuzfahrer im Mittelalter riefen, als sie gegen Moslems und Juden zu Felde zogen. Auch das Kruckenkreuz, das der austrofaschistische Ständestaat in der Folge als Symbol verwendete (Bild links), war schon das alte Symbol der mittelalterlichen Kreuzfahrer gewesen. Die österreichischen Bischöfe sahen in der faschistischen Regierung Dollfuß die Garantie für die künftige ungeschmälerte Wahrung ihrer Interessen.
 Für die junge österreichische Demokratie hatten sie nicht die geringste Sympathie. Das Wiener Diözesanblatt schrieb dazu im Dezember 1933 wörtlich: "Die Phrase von der falsch verstandenen Volkssouveränität ist nicht nur gedankenlos, sondern auch unchristlich, ja im tiefsten Grunde atheistisch, das heißt gottesleugnerisch" (gedenkdienst.at).

Linke Regimegegner wurden in Konzentrationslagern interniert, der Widerstand der sozialdemokratisch orientierten Arbeiterbewegung in Wien wurde mit Militärgewalt niedergeschlagen. Gleichzeitig griffen aber auch die von Deutschland aus gesteuerten österreichischen Nationalsozialisten bereits nach der Macht. Der austrofaschistische Ständestaat überlebte zwar die Ermordung von Bundeskanzler Dollfuß im Juli 1934 durch österreichische Nazis, doch auf Dauer war dieser Staat durch den Zweifronten-Bürgerkrieg gegen Sozialisten und Nationalsozialisten so geschwächt, dass er dem Anschluss Österreichs durch Hitler im Jahr 1938 nichts mehr entgegensetzen konnte.

 

Die österreichische Kirche auf dem Weg vom Klerikalfaschismus zum Nationalsozialismus
 

Zuvor schon gab es aber in der Kirche in Österreich Gruppierungen und Personen, die im Hintergrund bereits an einer Annäherung an den Nationalsozialismus arbeiteten. Der Wiener Kardinal Theodor Innitzer hatte schon frühzeitig Geheimverhandlungen mit Repräsentanten des Nationalsozialismus von höchster Ebene aus in Auftrag gegeben, so die bekannte österreichische Historikerin Erika Weinzierl. Man wollte Übereinstimmungen in der Ideologie von Katholizismus und Nationalsozialismus herausarbeiten und entsprechend verbreiten.  Katholisch-nationale Politiker, aber auch mit dem Nationalsozialismus sympathisierende Theologen und Bischöfe wie Alois Hudal, führten die Kirche in Österreich vom klerikal-faschistischen Ständestaat hin zum Nationalsozialismus.

Die Kirche hatte also wieder in bewährter Weise begonnen, sich den rasch verändernden Machtverhältnissen anzupassen und diese auch noch zu fördern. Noch 1933 standen die obersten Repräsentanten des österreichischen Katholizismus dem Nationalsozialismus im benachbarten Deutschen Reich deutlich reserviert gegenüber. Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 war davon nicht mehr viel übrig. Bis auf den zwischenzeitlich verstorbenen Salzburger Fürst-Erzbischof Ignatius Rieder unterzeichneten alle gemeinsam im März 1938 eine feierliche Erklärung, mit der sie den Anschluss Österreichs an des Deutsche Reich begrüßten und die Katholiken dazu aufforderten, bei der Volksabstimmung am 10. April 1938 mit "Ja" zu stimmen. Der steirische Fürstbischof Ferdinand Pawlikowski gab außerdem seiner Hoffnung auf ein positives Verhältnis von Staat und Kirche Ausdruck, da aus Sicht der katholischen Kirche viele Anliegen des Nationalsozialismus durchaus fördernswert seien. Dazu gehörte für ihn beispielsweise die "Unterdrückung des verderblichen Einflusses des Weltjudentums in Wirtschaft und Kultur." Adam Hefter, der Fürstbischof von Klagenfurt. ließ er es sich nicht nehmen, Adolf Hitler bei seinem Besuch im April 1938 in Klagenfurt in vollem Ornat zu begrüßen (gedenkdienst.at).

Die katholische Kirche wechselte also ganz rasch die Seiten und lief ohne viel Federlesens zu den neuen Machthabern von Hitlers Gnaden über. Kardinal Theodor Innitzer ließ im März 1938 in der neu angegliederten "Ostmark" sämtliche Kirchenglocken läuten und übersandte dem neu ernannten Gauleiter von Wien die Versicherung, dass die österreichischen Bischöfe "freiwillig und ohne Zwang unsere nationale Pflicht erfüllt haben. Ich weiß, dass dieser Erklärung eine gute Zusammenarbeit folgen wird. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung und Heil Hitler! Theodor Innitzer" (Deschner, Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Band 1, S. 487).
Durch Hitler, den, so Kardinal Innitzer wörtlich, "von Gott gesandten Führer", werde "die tausendjährige Sehnsucht unseres Volkes erfüllt" (Deschner, Band 1, S. 525). In der Folge trug die Kirche das ihre dazu bei, dass Widerstand gegen die neuen Machtverhältnisse kaum noch möglich war. Die neue Losung, mit der sie sich den geänderten Machtverhältnissen anpasste, lautete: "Ein Volk - ein Reich - ein Führer - ein Herrgott." So das Erdberger Pfarrblatt im Mai 1938 (gedenkdienst.at).


Für den späteren sozialdemokratischen Bundeskanzler Bruno Kreisky hingegen waren die Klerikalfaschisten, die ihn 1936 wegen "illegaler Agitation eingesperrt hatten, damals die "Totengräber der parlamentarischen Demokratie Österreichs" (Süddeutsche Zeitung, 22.1.2011). Doch auch die heutige Demokratie Österreichs hat noch immer mit diesem Erbe zu kämpfen. So wie in Deutschland noch immer das Hitlerkonkordat von 1933 in Kraft ist, so gilt dasselbe für das Dollfußkonkordat, das im selben Jahr 1933 zwischen Österreich und dem Vatikan unter Federführung von Eugenio Pacelli geschlossen wurde. Immerhin gibt es in Österreich mittlerweile - 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs - eine mutige Initiative von Bürgern, die mit einem Volksbegehren im Jahr 2011 die noch immer aus diesem Konkordat resultierenden Privilegien und staatlichen Zahlungsverpflichtungen des Staates an die Kirche endlich abschaffen wollen. Nicht nur Deutschland, auch Österreich zahlt also bis heute Unsummen an die Kirche. Allein das ist für den Vatikan ohne Zweifel schon Grund genug, Eugenio Pacelli seligzusprechen, da er diese Konkordate maßgeblich eingefädelt und ausgehandelt hat!
 

Die Unterwerfung Äthiopiens und die Massaker der italienischen Faschisten im Namen der Kirche und von "Christus"
 

Gerade durch die Anbiederung an die faschistischen Diktatoren hat die Kirche also ihren Besitzstand an Reichtum und Privilegien sichern und weiter ausbauen können. Und zu dieser Anbiederung an die Diktatoren gehörte ganz selbstverständlich auch die Rechtfertigung ihrer zahlreichen Kriege. Dabei schreckten der Papst und sein Kardinalstaatssekretär Pacelli auch nicht davor zurück, vor aller Ohren Gewalt und Krieg als angeblich gottgefällig zu rechtfertigen. Es war zunächst Papst Pius XI., der im August 1935 verkündete, ein "Verteidigungskrieg" zum Zwecke der "Expansion einer wachsenden Bevölkerung" könne "gerecht und richtig" sein, was sich sowohl auf die deutschen Pläne nach Eroberung Osteuropas als auch auf die italienischen Kriegspläne in Abessinien anwenden ließ. Und diese scheinheiligen und in sich vollkommen widersprüchlichen Worte, die dem Pazifisten Jesus von Nazareth direkt ins Gesicht schlagen, kamen nicht von ungefähr. Zu dieser Zeit liefen nämlich ´die Vorbereitungen Mussolinis für den Überfall des faschistischen Italien auf das wehrlose afrikanische Land Äthiopien, damals Abessinien genannt, bereits auf Hochtouren.

Als der hässliche und ungleiche Krieg dann begann, begrüßten ihn die italienischen Bischöfe und spendeten sogar Kirchenglocken, goldene Halsketten und Bischofskreuze für den Sieg der "gerechten und heiligen Sache". "Der Erzbischof von Neapel veranstaltete von Pompeji nach Neapel eine Prozession mit dem Bild der Madonna, während gleichzeitig Militärflugzeuge Flugblätter abwarfen, in denen die heilige Jungfrau, der Faschismus und der abessinische Feldzug im selben Satz verherrlicht wurden." Soweit Karlheinz Deschner in seinem Buch Abermals krähte der Hahn (S. 598).
Und in seinem historischen Werk Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert berichtet derselbe Autor, dass der Erzbischof von Tarent eine Messe auf einem italienischen Unterseeboot feierte und dabei verkündete: "Der Krieg gegen Äthiopien sollte als heiliger Krieg angesehen werden, als ein Kreuzzug"; ein italienischer Sieg werde "Äthiopien, das Land der Ungläubigen und Schismatiker, dem katholischen Glauben öffnen" (Deschner, Band 1, S. 503).


Wohlgemerkt: Die Äthiopier bekennen sich in ihrer Mehrheit bis heute zum Christentum, allerdings sind sie eben keine Katholiken. Der Mailänder Kardinal Ildefons Schuster sagte 1936 bei einer Segnung heimgekehrter Soldaten: "Wir arbeiten mit Gott zusammen in dieser nationalen und katholischen Mission des Guten - vor allem in diesem Augenblick, in dem auf den Schlachtfeldern Äthiopiens die Fahne Italiens im Triumph das Kreuz Christi vorwärts trägt" (Deschner, Band 1, S. 503).

Kann man sich eine größere Gotteslästerung vorstellen? Von Oktober 1935 bis Mai 1936 veranstalten die italienischen Klerofaschisten mit modernsten Waffen einschließlich Giftgas ein grausames Massaker an einem hoffnungslos unterlegenen Volk, ein Massaker, bei dem mehrere 100.000 Menschen brutal umgebracht wurden - und Kardinal Schuster beruft sich zur Rechtfertigung dieses Gemetzels auch noch auf Gott, auf den liebenden Vater aller Menschen?!

Und was habe dieser "Gott" nun bewerkstelligt: "Überall, unter allen Bäumen, liegen Menschen. Zu tausenden liegen sie da. Ich trete näher, erschüttert. An ihren Füßen, an ihren abgezehrten Gliedern sehe ich grauenhafte, blutende Brandwunden. Das Leben entflieht schon aus ihren von Yperit verseuchten Leibern" 
(Wikipedia, Italienisch-Äthiopischer Krieg, Stand: 25.10.2011).
Das schrieb ein Vertreter des Roten Kreuzes nach dem Besuch auf einem der Schachtfelder Abessiniens, nachdem dort Giftgas eingesetzt worden war. Doch die überfallenen Äthiopier starben auf vielfältige Weise: durch Bombardements, in Konzentrationslagern, durch standrechtliche Geisel-Erschießungen nach Partisanenaktionen oder ganz einfach durch Hunger und Entbehrung, nachdem man zuvor ihre Dörfer zerstört hatte. Und das alles im Namen Gottes!


Und auch Eugenio Pacelli, zu dieser Zeit vor seinem Aufstieg an die Spitze noch der zweitmächtigste Mann im Vatikan, trug seinen Teil zur Kriegsverherrlichung bei, sprach mitten im Abessinien-Krieg über "Roms heilige Bestimmung" und trat, "stets für ein gutes Verhältnis zu Mussolini und zum faschistischen Italien ein ... Insbesondere hat er im Abessinien-Konflikt die nationale Haltung des italienischen Klerus gefördert und unterstützt." So jedenfalls urteilte 1939 der Leiter des Referats für Angelegenheiten des Vatikan im deutschen Auswärtigen Amt (Deschner, Band 1, S. 503).  

Und dieser Mann, Pius XII., soll selig- und heilig gesprochen werden? Für wie vergesslich, dumm und für wie manipulierbar halten die Oberen im Vatikan, allen voran der derzeitige Papst Joseph Ratzinger, eigentlich ihre Mitmenschen, dass sie ihnen zutrauen, diese unglaubliche Dreistigkeit einfach so zu schlucken?
 

Jahrhunderte lange Unterdrückung der Menschen durch die Kirche in Spanien - "Das Geld ist sehr katholisch"
 

Doch wir befinden uns in unserer Rückschau erst im Jahr 1936, und Eugenio Pacelli wird noch weitere 22 Jahre Zeit haben, seine Eignung für eine Seligsprechung nach katholischem Muster unter Beweis zu stellen. "Der Abessinienkrieg hat die Verfestigung der Achse Rom-Berlin bewirkt und damit die Katastrophen Ende der dreißiger Jahre entscheidend vorbereitet", schreibt der Historiker Karlheinz Deschner. Und er fügt hinzu: "Direkt vom abessinischen Kriegsschauplatz schifft man italienische Truppen nach Spanien ein" (Deschner, Band 1, S. 508). Der nächste Kreuzzug, und auch dieser voll im Sinne der Kirche.

Hier baut sich also das nächste Drama des an Tragödien so reichen 20. Jahrhunderts auf, und wieder ist es die Kirche, ist es insbesondere der Vatikan, der dafür die Hauptverantwortung trägt. Liebe Leserinnen, liebe Leser, Sie ahnen es vielleicht. Es geht um den Spanischen Bürgerkrieg. Er begann am 18. Juli 1936, als Teile der spanischen Armee gegen die von der Mehrheit des Volkes gewählte Regierung der Volksfront putschten und damit einen drei Jahre dauernden grausamen Bürgerkrieg auslösten. Doch die Gewalt und der Hass, die in diesem Krieg wie eine Eruption zum Ausbruch kamen, die hatten eine lange Vorgeschichte. Man kann dazu wieder Karlheinz Deschner zitieren, der diese Vorgeschichte in seinem Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert sehr prägnant zusammenfasst:
"Die Ursache des Spanischen Bürgerkrieges war weder ein politischer noch religiöser Konflikt, sondern ein sozialer: der schreiende Gegensatz zwischen einer kleinen Oberschicht und dem oft bis aufs Blut ausgebeuteten Volk. Die spanische Kirche aber partizipierte daran - seit der ausgehenden Antike schon mächtig und reich, durch Jahrhunderte langen Terror, durch Sklaverei, Judenpogrome, Inquisition. Um die Wende zur Neuzeit soll ihr die Hälfte des Volkseinkommens zugefallen sein. Im frühen 19. Jahrhundert gehörten ihr immerhin noch 6 Millionen Hektar Land, 17 Prozent der Bodenfläche; neben Schenkungen hochgeborener Granden meist konfiszierte ´Ketzerländereien.` Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kontrollierten die Jesuiten - nominell ein ´Bettelorden`, der von Spenden und Almosen leben soll - ein Drittel des spanischen Kapitals" (Deschner, Band 1, S. 508)
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Karlheinz Deschner schreibt dann weiter:
"Unter 18 1/2  Millionen Spaniern waren noch im frühen 20. Jahrhundert 12 Millionen Analphabeten, fast zwei Drittel aller Einwohner. Und zwei Drittel litten an endemischer Unterernährung, ganze Landstriche verfielen dem Hunger. Während 96 Prozent der Spanier nur ein  Drittel des bebauten Bodens besaßen, hatte die Kirche ihr Vermögen in Banken investiert, in Straßenbahnen, Eisenbahnen, Schifffahrtgesellschaften, Reedereien, Wasserkraftwerken, Bergwerken, Textilfabriken, Bauunternehmen u. a., sonnte sich der Klerus, verfilzt mit Großkapital und Adel, im Glanz seiner gesellschaftlichen Beziehungen. ... Die Kirche aber ließ das Volk im Dreck verkommen" (Deschner, Band 1, S. 509ff.).
Ende. Kein Wunder, dass damals ein geflügeltes Wort lautete: "El dinero es muy catolico" - "Das Geld ist sehr katholisch." Noch in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts sagte ein Politiker, als er eine Schule für Arbeiter genehmigen sollte: "Wir brauchen keine Menschen, die denken, sondern Ochsen, die arbeiten können" (Deschner, Band 1, S. 509ff.). Und auch dazu gibt es ein geflügeltes Wort, diesmal allerdings aus Deutschland: "Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: "Halt du ist dumm, ich halt sie arm!"
Und das passt hier sehr gut, weil ja in Spanien über Jahrhunderte die Schulen fest in der Hand der Kirche lagen. Doch diese himmelschreienden Verhältnisse führten letztlich dazu, dass die Bevölkerung sich in Scharen von der Kirche abwandte. Um 1910 waren über zwei Drittel der Spanier keine praktizierenden Katholiken mehr. Dennoch war der Katholizismus aufgrund eines Konkordats von 1876 noch bis 1931 alleinige Staatsreligion unter Ausschluss aller andern Konfessionen, und der Staat bezahlte trotz des immensen kirchlichen Reichtums noch immer Kirche und Klerus aus allgemeinen Steuermitteln!


Arbeiter und Bürger wählen die Demokratie, und Kirche und Faschisten nehmen dies nicht hin
 

Kein Wunder, dass es im Volk brodelte und gärte, vor allem unter den Armen. Es kam immer wieder zu Unruhen und zu Streiks, so z. B. 1917 in Oviedo, wo sich bei der blutigen Niederwerfung eines Generalstreiks durch das Militär ein Major namens Francisco Franco zum ersten Mal einen Namen machte. Aber erst die langen Schatten der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts ließen die soziale und wirtschaftliche Rückständigkeit des Landes so ungeschminkt hervortreten, dass ein Wechsel der Verhältnisse eintrat: Die Spanier schickten 1931 erst den Militärdiktator Miguel Primo de Rivera und dann den König Alfons XIII. ins Exil und riefen die Republik aus. Eine neue, vom Volk gewählte Regierung krempelte die Ärmel hoch und machte sich mit Hochdruck an die Arbeit: Scheidungsgesetz, Frauenrechte, Mindestlöhne, 48-Stunden-Woche, Agrarreform, Enteignung großer Güter, Verdoppelung der Löhne für Landarbeiter, der Bau von 10.000 neuen Schulen. All dies hätte bereits genügt, um die Kirchenhierarchie gegen diese linksliberal orientierte Regierung aufzubringen, doch die Reformen gingen noch weiter: Staat und Kirche wurden getrennt. Die Spanier haben es tatsächlich gewagt - im Bild gesprochen -, die an den Brüsten des Staates saugende Schlange dort zu entfernen. Die staatlichen Subventionen für kirchliche Vereine wurden gestrichen und der Kirche wurde auch die Einflussnahme auf die Schulen genommen.
Doch wer die Kirchengeschichte kennt, der weiß: Wer so etwas tut, der riskiert Kopf und Kragen. Und die Reaktion ließ auch nicht lange auf sich warten. Papst Pius XI. rief in einer Enzyklika schon kurz darauf zu einem "heiligen Kreuzzug für die vollständige Wiederherstellung der kirchlichen Rechte" auf. Gemeint sind damit natürlich die alten feudalen Rechte und Privilegien, die sich die Kirche im Laufe von Jahrhunderten angeeignet hatte.


Und Papst Pius XI. zeigte mit dieser Äußerung unmissverständlich, auf welcher Seite er stand - und auf welcher Seite der Vatikan, trotz aller frömmelnder Worte und Beteuerungen, bis heute steht: auf der Seite der Reichen und Mächtigen. Und es deutet sich hier schon an: Während sich die römische Kurie in anderen Ländern wenigstens einige Mühe gab, ihre Intrigen und Manipulationen nicht allzu offensichtlich werden zu lassen - im Fall Spanien gab sie jegliche Zurückhaltung auf und mischte sich ganz offen und ungeniert in die Innenpolitik eines fremden Staates ein. Kein Wunder: Kenner der Mittelmeerpolitik des Vatikans bezeichnen bis heute Spanien als eines der Länder, die der Vatikan als seine "angestammten Feudalgüter" betrachtet, sozusagen als althergebrachtes Eigentum der Päpste.
Und diese Einstellung galt natürlich nicht nur für den damaligen Papst Pius XI. selbst, sondern auch für seine rechte Hand, für den zweitmächtigsten Mann im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der als Pius XII. der nächste Papst werden sollte. Pacelli hatte sich im Jahr 1933 persönlich darum gekümmert, in Spanien eine rechtsgerichtete Sammelpartei zu gründen, die CEDA, die auch für Spanien einen katholisch-faschistoiden Ständestaat nach österreichischem oder italienischem Vorbild anstrebte und welche die zwischenzeitliche Demokratie nach offizieller Aussage ihres "Führers" Gil Robles nur als Sprungbrett zur Macht benützen wollte, um sie dann anschließend abzuschaffen. Gil Robles war vom katholischen Orden der Salesianern erzogen worden und er bewunderte den katholischen Führer Deutschlands, Adolf Hitler.

Das propagandistische Trommelfeuer der gesamten Kirchenhierarchie aus Spanien und aus Rom gegen die "gottlose" spanische Linksregierung verfehlte seine Wirkung nicht. Bereits 1933 wurde eine Rechtsregierung gewählt, die ihre Hauptaufgabe darin sah, die Gesetze der Vorgängerregierung umgehend wieder abzuschaffen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass diese Rechtsregierung unter anderem deshalb zustande kam, weil die Linke zuvor das Wahlrecht für Frauen eingeführt hatte, die jedoch insbesondere auf dem Lande noch überwiegend auf die Anweisungen ihrer Beichtväter hörten, welche Partei sie denn nun wählen sollen.

Zum rechten Lager gehörte damals auch eine rein faschistische Partei, die Falange, die nach Aussage von Karlheinz Deschner insbesondere von den Jesuiten gefördert wurde und deren Führer Ramón Serrano Suñer, ein Schwager Francos und ein Freund Mussolinis und Hitlers, später im Jahr 1942 von Papst Pius XII. mit dem Großkreuz des Ordens Pius IX. ausgezeichnet werden sollte. Wir erinnern uns: Pius IX. hatte im Jahr 1870 nicht nur die Unfehlbarkeit der Päpste, sondern auch deren Vorrangstellung in der Welt als oberste Richter aller Richter zum Dogma erhoben. Wie eng Kirche und faschistische Partei miteinander verfilzt waren, zeigt sich auch daran, dass jedes Mitglied der faschistischen Falange damals regelmäßig zur Messe gehen, beichten und die Kommunion empfangen musste. Nach dem Bürgerkrieg stieg die Falange dann zur einzigen in Spanien noch zugelassenen Partei auf.
 

Kirche ruft "Kreuzzug" und Krieg gegen die spanische Republik aus
 

Als die so geprägte Rechtsregierung die sozialen Errungenschaften der Vorgänger rückgängig zu machen beginnt und das soziale Elend wieder zunimmt, kommt es erneut zu Aufständen, die vom Militär blutig unterdrückt werden. Tausende werden ohne Prozess eingesperrt, aber noch immer ist Spanien eine Demokratie. Bei den Wahlen im Januar 1936 siegt wiederum die Volksfront, und zwar klar. Das Volk hat entschieden, wie es regiert werden möchte. Doch Kirche und Faschisten wollten das nicht hinnehmen. Und dieser "überwältigende Wahlsieg der Volksfront", so Karlheinz Deschner, "war der tiefere Grund für den Ausbruch des Bürgerkriegs" noch im Juli desselben Jahres. Die Ermordung des Führers der Monarchistenpartei, José Calvo Sotelo, Mitte Juni 1936 war, so Deschner weiter, "allenfalls ein Signal. Der Aufstand war längst vor dem Mord geplant" (Deschner, Band 1, S. 519).

Und so ein Aufstand kostet Geld. Finanzier der Erhebung, an deren Spitze sich sehr rasch der Major Francisco Franco setzte, war der mallorquinische Schmugglerkönig, Immobilienspekulant und rechtsgerichtete Medienzar Juan March, der sich vor dem Putsch rechtzeitig mit seinem Vermögen nach Frankreich abgesetzt hatte, um von dort aus geschickt die finanziellen Fäden zu ziehen. Der katholische Moraltheologe Johannes Ude, als Vegetarier, Pazifist und Atomkraftgegner eine absolute Ausnahmeerscheinung unter seinen Priesterkollegen, zog aus diesen Vorgängen den Schluss: "Die nationale Front besorgte also unter kapitalistischer Finanzierung vom Ausland her die Geschäfte der Großgrundbesitzer, um das Vaterland - gemeint ist natürlich der Großgrundbesitz - vor dem Kommunismus zu retten" (Deschner, Band 1, S. 520).
Dies waren also die Vorgänge hinter den Kulissen - und man kann sich auch ohne viel Phantasie vorstellen, dass die gerade in Spanien steinreiche Kirche an dieser Bestandssicherung mit Waffengewalt lebhaften Anteil nahm.


Von Beginn an unterstützte der spanische Klerus nicht nur den Militäraufstand gegen die demokratisch gewählte Regierung, die Bischöfe stilisierten ihn sogar zu einem "Kreuzzug" hoch. "Dies ist kein Krieg", schreib beispielsweise Marcelino Olaechea, Bischof von Pamplona, in einem Hirtenbrief vom 23. August 1936, "dies ist ein Kreuzzug, und die Kirche kann gar nicht anders, als alles, was sie hat, für die Kreuzfahrer in die Waagschale zu werfen." Oder der Bischof von Salamanca, Pla y Deniel. Er schrieb am 30. September: "Es handelt sich nicht mehr um einen Bürgerkrieg, sondern um einen Kreuzzug für die Religion, für das Vaterland und die Zivilisation". Und derselbe Bischof Pla y Deniel, inzwischen Kardinal und Erzbischof von Toledo und damit Primas von Spanien, verkündete noch im Jahr 1958, also fast 20 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs: "Die Kirche hätte niemals einen reinen Militärputsch gesegnet, noch eines der Lager in einem Bürgerkrieg. Sie segnete, jawohl, einen Kreuzzug!" (http://lascrucesdelasespadas.blogspot.com/2010/12/franco-y-la-iglesia-catolica.html)

Wohlgemerkt: Wir befinden uns hier nicht im Mittelalter, sondern mitten im 20. Jahrhundert. Doch was die Bischöfe hier wiedergaben, das war eins zu eins auch die Meinung des Vatikans. Papst Pius XI. segnete am 14. September 1936 "alle, die sich die schwierige Aufgabe vorgenommen haben, die Rechte Gottes und der Religion wiederherzustellen" (Deschner, Band 1, S. 534). Und der zweitmächtigste Mann, noch im Hintergrund, stimmte zu.

Und auch hier wird wieder Gott verhöhnt. Denn Er, unser himmlischer Vater, hat weder eine Religion gegründet, auch nicht Sein Sohn Christus, noch beansprucht Er hier auf der Erde irgendwelche Rechte - weder das Recht auf Grundbesitz, noch auf Indoktrination von Kindern noch auf Ausbeutung von Erwachsenen. Er befürwortet auch keine Kriege und keine Gewalt, denn Er liebt alle seine Kinder gleich.

 

Die deutschen katholischen Bischöfe und ihre Hirtenbriefe zum spanischen Bürgerkrieg
 

Und doch ist das, was Papst Pius XI. hier von sich gibt, noch geradezu diplomatisch verklausuliert im Vergleich zu dem, was interessanterweise die deutschen Bischöfe schon im August 1936 in einem Hirtenbrief dazu schreiben, den sie übrigens auf direkte Anweisung von Kardinalstaatsekretär Pacelli verfasst haben. Hier wird das Thema Spanien direkt angesprochen, und zwar wie folgt:
"Welche Aufgabe damit unserem Volk und Vaterland zufällt" - gemeint ist der Krieg in Spanien - "ergibt sich von selbst. Möge es unserem Führer" - gemeint ist Adolf Hitler - "mit Gottes Hilfe gelingen, dieses ungeheuer schwere Werk der Abwehr" - gemeint ist die angebliche Gefahr des Bolschewismus - "in unerschütterlicher Festigkeit und treuester Mitwirkung aller Volksgenossen zu vollbringen" (Deschner, Band 1, S. 526).


Noch deutlicher werden die deutschen katholischen Bischöfe dann im Januar 1937, als sie in einem weiteren Hirtenbrief schreiben: "Geliebte Diözesanen! Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat den Anmarsch des Bolschewismus von weitem gesichtet und sein Sinnen und Sorgen darauf gerichtet, diese ungeheure Gefahr von unserem deutschen Volk und dem Abendland abzuwehren. Die deutschen Bischöfe halten es für ihre Pflicht, das Oberhaupt des Deutschen Reiches in diesem Abwehrkampf" - in Wirklichkeit wurde in Spanien eine rechtmäßige Regierung von Militärs angegriffen, es ist also genau umgekehrt - "... in diesem Abwehrkampf mit allen Mitteln zu unterstützen, die ihnen aus dem Heiligtum zur Verfügung stehen. So gewiss der bolschewistische Todfeind ... seine ersten Angriffe immer gegen die Diener der Heiligtümer des kirchlichen Lebens richtet, wie die Vorgänge in Spanien aufs neue beweisen ..., so gewiss ist die Mitarbeit an der Abwehr dieser satanischen Macht auch eine religiöse und kirchliche Zeitaufgabe geworden" (Deschner, Band 1, S. 526).

Das ist ungeheuerlich! Das ist nicht nur eine Gotteslästerung, denn Gott wird hier für einen blutigen Bürgerkrieg vereinnahmt, und der politische Gegner wird als "Satan" gebrandmarkt. Dieser Hirtenbrief ist zugleich auch eine offizielle kirchliche Rechtfertigung des Eingreifens der faschistischen Mächte Deutschland und Italien auf der Seite der Franco-Faschisten in Spanien. Und eines ist gewiss: Ohne diese Hilfe aus Deutschland und Italien hätte Franco diesen Bürgerkrieg nie gewinnen können. Schon allein der Transport der Franco-Truppen vom damals spanisch besetzten Marokko auf das spanische Festland wäre ohne die Flugzeuge Hitlers nicht möglich gewesen. Dieser Hirtenbrief ist daher zugleich auch eine Generalabsolution für alle deutschen Soldaten, die von deutschen Flugzeugen aus Bomben auf die wehrlose Zivilbevölkerung warfen, zum Beispiel auf die baskische Stadt Guernica, und die dabei das deutsche Militärgerät im Auftrag Hitlers und Görings bereits für den späteren Zweiten Weltkrieg ausprobierten. Wo der "Satan" also wirklich zu finden ist, das mag jeder selbst beurteilen.

Doch dieser Hirtenbrief der Deutschen Bischofskonferenz von 1937 ist noch in anderer Hinsicht entlarvend. Er zeigt nämlich in aller Deutlichkeit, dass die Legende vom angeblichen Widerstand der Vatikankirche gegen das Hitlerregime eine glatte Lüge ist. Deutlicher als hier kann man einen Diktator gar nicht hofieren und unterstützen. Und auch die bis heute von Theologen und katholischen Historikern häufig geäußerte Ausflucht, Papst Pius XII. habe nur deshalb zum Holocaust, also zur millionenfachen Ermordung der Juden, geschwiegen, weil er eine gewählte deutsche Regierung nicht so direkt hätte angreifen können und weil er damit die deutschen Katholiken hätte beschützen wollen, erweist sich als billige Ausrede, ja als glatte Lüge. Denn hier, im Spanien des Jahre 1936, hat der Vatikan mitsamt seinen Bischöfen sehr wohl eine vom Volk gewählte Regierung angegriffen. Und Pius XI. und sein späterer Nachfolger Pacelli nahmen dabei sehenden Auges in Kauf, dass insbesondere auch die spanischen Katholiken einen erheblichen Teil der Zeche dieser Kriegstreiberei bezahlen mussten.
 

600.000 Tote und 498 heuchlerische Seligsprechungen im Jahr 2007
 

Dieser Bürgerkrieg wurde nämlich mit erheblicher Grausamkeit von beiden Seiten geführt, und zu den 600.000 Todesopfern gehörten auch mehrere tausend Priester und Nonnen. Sie wurden ermordet, weil sich gerade zu Beginn des Bürgerkrieges der über Jahrhunderte angestaute Hass auf die Kirche, die für diesen Krieg ganz offensichtlich eine der treibenden Kräfte war, auf entsetzliche Weise entlud. Auch Klöster und Kirchen wurden zu hunderten niedergebrannt. Doch für die Zyniker der Macht in Rom waren dies offenbar nur "Kollateralschäden", die man in Kauf nehmen musste. Schließlich ging es hier ums Eingemachte: um den Grund- und Immobilienbesitz der Kirche, um ihre üppige Finanzierung durch den Staat, um die staatliche gesicherte Einflussnahme auf die Kinder - all dies stand auf dem Spiel. Und es ging in Spanien gegen eine Linksregierung, die man im Vatikan, wie wir gehört haben, von vorne herein als "satanische Macht" ansah. Dem nationalsozialistischen Deutschland oder dem faschistischen Italien hingegen bot man nicht die Stirn - denn diese ließen schließlich die Privilegien und den Besitzstand der Kirche weitgehend unangetastet. Und die Faschisten, die brauchte man ja auch für den Kampf gegen den Bolschewismus, und insgeheim vielleicht auch, um sich dadurch endlich auch den großen Jahrhunderte alten Traum des Vatikan zu erfüllen: die Orthodoxen Russlands eines Tages wieder katholisch zu machen.

Der Vatikan lieferte auf diese Weise einen Teil seines treuesten Personals ans Messer. Doch es gehört zur vatikanischen Logik, auch aus dieser Tragödie noch im übertragenen Sinne Kapital zu schlagen. Am 28.10.2007  wurden in der größten Seligsprechungszeremonie der Kirchengeschichte 498 spanische "Märtyrer" selig gesprochen, die zu Beginn des von der Kirche zum Kreuzzug erklärten Krieges gegen die demokratisch gewählte Regierung getötet worden waren. Katholische Priester, die von Franco-Truppen ermordet wurden, weil sie mit der Republik sympathisierten - auch solche gab es durchaus - waren natürlich keine dabei. Nicht ein einziger.
Auch das muss man sich einmal noch bewusster machen: Im Jahr 2007 (!) spricht der Vatikan durch den Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kardinal José Saraiva Martins nahezu 500 Katholiken selig, die im Zusammenhang des von der Kirche und den Faschisten angezettelten bewaffneten Kampfes gegen die Demokratie ums Leben gekommen sind. Benedikt XVI. hielt sich dabei schlau im Hintergrund und zog hinter den Kulissen die Fäden. Das Spektakel überließ er Kardinal Martins. Wer Ohren hat zu hören, der höre.


Zurück ins Jahr 1936. Durch seine massive Einflussnahme auf internationaler Ebene trug der Vatikan nicht nur dazu bei, dass Hitler und Mussolini den Militärputsch in Spanien massiv unterstützen. Dieser Propagandafeldzug gegen die angebliche bolschewistische Gefahr und zur angeblichen Rettung des christlichen Abendlandes führte auch maßgeblich dazu, dass die demokratischen Staaten Europas mehr oder weniger die Hände in den Schoß legten. Die einzige Macht, die die spanische Republik wirklich unterstützte, das war die Sowjetunion. Und hier stoßen wir auf eine weitere Ironie der Geschichte: Zu Beginn des Bürgerkrieges waren nämlich die Kommunisten auf republikanischer Seite entgegen aller Propaganda der Rechten eine verschwindende Minderheit. Doch nun nahm der Einfluss Moskaus immer mehr zu. Und dieser Einfluss führte dann gegen Ende des Bürgerkriegs zu kräftezehrenden internen Bruderkämpfen auf republikanischer Seite, zu einem regelrechten Krieg im Krieg. Denn auch Moskau ging es um die Macht und um sonst nichts. Das Wohl der Völker war Stalin ganz offensichtlich völlig gleichgültig. Und genau das hatte er mit den Mächtigen im Vatikan gemeinsam.
 

Faschisten sehen sich als Kämpfer für den falschen "Christus" der Institution Kirche
 

Die flammenden Hirtenbriefe und Kanzelpredigten des spanischen Klerus landauf, landab blieben natürlich nicht ohne Wirkung. Wie porentief Katholizismus und Faschismus während des spanischen Bürgerkriegs und auch danach zusammengehörten, das sieht man z. B. am offiziellen Reglement des faschistischen Rebellenheeres:
"Denke daran", heißt es da, "dass du berufen bist, Christus die Nation seiner Auserkorenen wieder zu erobern, die ihm von anderen entrissen wurde. Wenn du dich ganz in den Dienst dieser hehren Aufgabe stellst und dein Leben dafür opferst, so lobpreise die göttliche Barmherzigkeit, die das Gewissen mit dem erhabenen Licht des Märtyrerscheins überstrahlt. ... Du trägst in deinem Herzen das Feuer eines Apostels, und deine Hände müssen das Werkzeug der göttlichen Allmacht sein" (Deschner, Band 1, S. 522f.).
Das ist in Wahrheit eine einzige Gotteslästerung! Der Name Gottes, des Vaters aller Menschen, wird hier für einen abscheulichen und brutalen Brudermord und für Massaker missbraucht!


Und wie sehr es nötig war, auf diese geradezu satanische Weise das Gewissen der Franco-Soldaten zu vernebeln und abzutöten, das beschreibt Karlheinz Deschner in dem Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert so: "Selbst das katholische Irland mobilisierte eine Brigade für den ´christlichen Kreuzzug`, bei dem schon am ersten Tag General Queipo de Llano das Arbeiterviertel von Sevilla dem Erdboden gleich machen ließ, nachdem man zuvor alle - so gut wie waffenlosen - Männer auf den Straßen zusammengetrieben und abgestochen hatte" (Deschner, Band 1, S. 522).
Ähnliches geschah im Februar 1937, als Zehntausende von Menschen vor den Truppen der nationalen Front flüchteten, die doch angeblich kam, um sie vor dem Bolschewismus zu retten. Drei Tage lang bombardierten Flugzeuge und Kriegsschiffe die Straßen, 10.000 flüchtende Menschen kamen um.

Franco selbst stilisierte sich alsbald zum "Kämpfer Christi" und - ähnlich wie  Adolf Hitler - zum "Werkzeug der Vorsehung". Und der Generalissimus wurde nicht müde zu betonen: "Dieser Krieg ist kein Bürgerkrieg, sondern ein Kreuzzug gegen die Weltrevolution." Der Erzbischof von Santiago de Compostela pflichtete ihm bei: "Christus und der Antichrist bekämpfen sich auf unserem Boden" (Deschner, Band 1, S. 524).

Ja, der Antichrist, der uralte Gegenspieler Gottes, hat immer schon großen Gefallen daran, wenn Menschen, sich gegenseitig foltern, verstümmeln und ermorden, möglichst noch im Namen Gottes, damit dessen Name gleich mit besudelt wird. "Viva Cristo Rey, es lebe Christus, der König" - das war der Schlachtruf, mit dem die faschistische Falange und die Carlisten aus Navarra in die erbarmungslosen Schlachten des Bürgerkriegs zogen - letztere mit einem Herz-Jesu-Amulett über dem Herzen, das wie ein afrikanischer Voodoo-Fetisch die Kugeln des Feindes abhalten sollte.


Das Blut der "Ketzer" "reinigt" das Land. Franco lässt nach dem Krieg weiter morden - Die nächsten 200.000 Opfer
 

Doch das Abschlachten war mit der Niederlage der Republik noch keineswegs vorbei. Noch sechs Jahre lang, bis 1945, wurden verdächtige "Linke" im ganzen Land aufgespürt und ermordet. Man rechnet mit weit mehr als 100.000 Menschen, vielleicht sogar 200.000, die noch nach dem Ende der Kämpfe durch das Franco-Regime umgebracht wurden. Die meisten wurden irgendwo am Straßenrand verscharrt, und erst seit wenigen Jahren trauen sich ihre Familien, diese Gräber aufzuspüren und die Toten zu exhumieren.
Das "Werkzeug der katholischen Vorsehung", Francisco Franco, hat dieses grausame Nachspiel offenbar schon von Anfang an so geplant. Als er kurz nach dem Staatsstreich 1936 von einem britischen Journalisten gefragt wurde, was er damit meine, wenn er sage, er werde Spanien "um jeden Preis vom Marxismus befreien", ob das nicht bedeute, dass er "halb Spanien erschießen lassen" müsse, da antwortete der Caudillo: "Ich wiederhole: um jeden Preis!" (Deschner, Band 1, S. 537).

Durch ein "Blutopfer", so schreibt der Journalist Jürgen Schaefer über den Bürgerkrieg, wollte Franco Spanien "läutern" - auch dies eine durch und durch katholische, aber absolut unchristliche Vorstellung
(Geo Nr. 10/2010, S. 106). Durch den Tod und das Blut der Ketzer wird das Land geläutert und von der gefährlichen Ansteckung der Häresie gereinigt - das war auch schon die furchtbare Weltanschauung der spanischen Inquisition, die über Jahrhunderte ihren Terror im Land verbreitete, die alles Nicht-Katholische ausmerzte und zum Schweigen brachte. Solche "Blutopfer" und Massaker an Andersgläubigen sind also seit je her römisch-katholische Tradition, besonders in Spanien.
 

Der neue Papst Pius XII. gratuliert Franco zum "von der Kirche so ersehnten Sieg"
 

Inzwischen wurde Eugenio Pacelli am 2.3.1939 zum neuen Papst Pius XII. gekrönt. Pius XI. war am 10.2.1939 nach langer Krankheit "plötzlich" gestorben und der neue Papst knüpfte nahtlos an den alten an. Einer seiner ersten Amtshandlungen: Er gratulierte am 1.4.1939 Franco mit warmherzigen Worten zum Sieg im Krieg und er sprach dabei wörtlich von einem "von der katholischen Kirche so ersehnten Sieg": "Indem wir unser Herz zu Gott erheben, freuen wir uns mit Ehrwürdiger Exzellenz [dem Bischof] über den von der katholischen Kirche so ersehnten Sieg. Wir hegen die Hoffnung, dass Ihr Land nach der Wiedererlangung des Friedens mit neuer Energie die alten christlichen Traditionen wieder aufnimmt" (Deschner, Band 1, S. 536).

Wie gesagt, Franco enttäuschte umgekehrt den Papst nicht. Er hielt als Diktator eines katholischen Ständestaats die "katholische Tradition" hoch bis zum seinem Tod im Jahr 1975. Sein Grab befindet sich bis heute in einer monumentalen Kirche im Valle des los caídos, im "Tal der Gefallenen". Dessen Monumentalbauten wurden nach dem Krieg allerdings nur für die Gefallenen der nationalen Seite errichtet - und zwar von republikanischen Zwangsarbeitern. Die Orte, an denen die Gefallenen der anderen Seite verscharrt wurden, sind - wie gesagt - bis heute oft noch gar nicht gefunden.
 

Papst Pius XII. sprach von "der von der katholischen Kirche so ersehnte Sieg" Francos in Spanien. Es folgten Säuberungen mit bis zu 200.000 Morden.
Später wünschte er Adolf Hitler nach dem Überfall auf Russland "nichts sehnlicher als den Sieg".



Wer also Pius XII. unter solchen Umständen selig sprechen will, der plant, einen Mann selig zu sprechen, der nicht nur zum Holocaust schwieg, sondern der auch für einen der blutigsten und grausamsten und längsten Bürgerkriege des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitverantwortlich war. Denn die treibende Kraft hinter dem spanischen Bürgerkrieg, wie schon hinter ungezählten Kriegen der Geschichte, das war der Vatikan
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"Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen" - das sagte hingegen der Nazarener, der uns die Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit vorlebte. Und um Krieg, um einen noch größeren Krieg, wird es auch in der fünften Folge unserer Reihe gehen - und um die Rolle, die der Vatikan darin spielte.
 

Eugenio Pacelli zum "Lenker des Erdkreises" gekrönt

Doch es lohnt sich, zuvor noch einen kurzen Blick auf diese Wahl selbst zu werfen, genauer gesagt auf das Krönungsritual, das ihr unmittelbar folgte. Denn hier erleben wir etwas, das zwar heute nicht mehr in dieser Weise an die große Glocke gehängt wird, das aber deshalb noch lange nicht außer Kraft gesetzt ist: Kardinal Caccia Dominioni setzte dem neu gewählten Papst die Papst-Krone, die Tiara, aufs Haupt und sagte dazu: "Empfange die mit einer dreifachen Krone geschmückte Tiara und wisse, dass du der Vater der Fürsten und Könige bist, der Lenker des Erdkreises!" (Karlheinz Deschner, Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 2, S. 18)

Der katholische Journalist und Buchautor Hanspeter Oschwald hat Pius XII. in seinem Buch über diesen Papst als den "letzten Stellvertreter" bezeichnet. Er meint damit aber nicht, dass die Päpste seither den Anspruch des angeblichen "Stellvertreters Jesu" aufgegeben hätten oder auch den vatikanischen Größenwahn, der in dem Dogma zum Ausdruck kommt, das Papst Pius IX. im Jahr 1870 verkündete: dass nämlich die Päpste die obersten Richter des Erdkreises seien, über die niemand richten könne. All diese Ansprüche bleiben bis heute unverändert bestehen. Oschwald meint damit etwas anderes. Er meint die uneingeschränkte Autorität eines Papstes, dem innerhalb der Kirche bis weit in die 50er Jahre hinein niemand zu widersprechen wagte.

Der Vatikan hat es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gewagt, bei der Krönung eines neuen Papstes diese uralte Macht-Formel vom "Lenker des Erdkreises" zu verwenden. Sie klingt offenbar nicht mehr modern genug. In der schwülen und aufgeheizten Atmosphäre der späten 30er Jahre, als ringsum in Europa zahlreiche faschistische, mit dem Vatikan eng befreundete Diktaturen am Ruder waren, klang derartiger Größenwahn aber noch ganz normal.

Vielleicht hat der Vatikan auch gespürt, dass die Völker nach dem großen Krieg etwas schlauer geworden sind und zwei und zwei zusammenzählen können. Denn: Wäre der Papst wirklich der "Lenker des Erdkreises" - weshalb konnte oder wollte er dann die große Menschheitskatastrophe des Zweiten Weltkriegs mit 60 Millionen Toten nicht verhindern? Weshalb konnte oder wollte er nichts gegen die vielen Kriege und Naturkatastrophen danach tun? Was bewirkt dann bis heute der Segen "Urbi et Orbi", der Stadt und dem Erdkreis, den der jeweils amtierende Papst zweimal im Jahr spendet? Und in der Welt sieht es immer schlimmer aus! Da kann doch etwas nicht stimmen!

Aber vielleicht will ja Papst Joseph Ratzinger gerade deshalb seinen Vorgänger Pius XII. unbedingt selig und später auch heilig sprechen, weil er ganz bewusst an diesen Anspruch "Lenker des Erdkreises", "Richter aller Richter" wieder anknüpfen will? Nicht umsonst wird Pius XII. in dem äußerst lesenswerten Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert von Karlheinz Deschner so beschrieben:
"Der Pacellipapst, verliebt in Macht und Herrlichkeit, ein bühnenreifer Aristokrat, der dem Persönlichkeitskult schwirrende Flügel verlieh, der die Wirkung seiner Auftritte berechnete ´wie eine Primadonna`, der sich in Menschenansammlungen badete, obwohl er sie gefürchtet hat, der dabei vor Erregung zu vibrieren, zu zittern begann, der sich, wie keiner seiner Vorgänger, ´lebendiger Petrus`  nennen ließ, ... dieser Papst gerierte sich derart pharaonisch-hieratisch, dass es selbst den vieles verkraftenden Monsignori missfiel: ´bis in die letzte Faser seines Herzens ein Alleinherrscher`, der keine Mitarbeiter wollte, sondern bloß Ausführende, Befehlsempfänger(Deschner, Teil 2, S. 19).

Insofern könnte dieser Papst tatsächlich einem katholischen Idealbild entsprechen. Nur: Mit Jesus von Nazareth, dem großen Liebe- und Weisheitslehrer, der ein bescheidenes Leben führte und alle seine Mitmenschen als seine Brüder und Schwestern ansprach, hat das alles jedenfalls nicht das Geringste zu tun.


Papst Pius XII. bezeichnete Ungehorsam gegen Adolf Hitler als "Sünde". "Wir lieben Deutschland jetzt noch viel mehr"


Der neu gewählte Papst, zuletzt als Kardinalstaatssekretär ohnehin die rechte Hand seines Vorgängers Pius XI., setzte dessen Politik nahtlos fort. Dazu gehörte auch, faschistische Diktatoren äußerst wohlwollend zu behandeln. Kurz nach seiner Thronbesteigung erflehte er für den Diktator Adolf Hitler "mit den besten Wünschen den Schutz des Himmels und den Segen des allmächtigen Gottes" (Deschner, Teil 2, S. 25).  
Wohlgemerkt: Das geschah im Jahr 1939, nach siebenjähriger Terrorherrschaft der Nazis mit den Nürnberger Rassegesetzen, mit Judenpogromen und Reichspogromnacht. Zu all dem hatte Eugenio Pacelli geschwiegen, obwohl er ganz genau wusste, wer Adolf Hitler war - er hatte dessen Buch Mein Kampf schon lange vor dessen Machtergreifung genau gelesen. Das hinderte ihn aber nicht daran, 1939 zu betonen, dass der "Führer" das "legale Oberhaupt der Deutschen sei und jeder sündige, der ihm den Gehorsam verweigere" (zit. nach Karlheinz Deschner, Opus Diaboli, S. 167 f).

Adolf Hitler brauchte sich jedenfalls keine Sorgen über Widerstand von Seiten der Kirche zu machen, als er zwei Wochen nach Pacellis Thronbesteigung seine Truppen in Prag einmarschieren ließ und damit dem gerade einmal 20 Jahre alten Staat der Tschechoslowakei schon wieder den Todesstoß versetzte. Der neue Papst äußerte vielmehr Ende April 1938 damals noch als Kardinalstaatssekretär gegenüber deutschen Rom-Reisenden: "Wir haben Deutschland" - "Wir", das ist der so genannte "Pluralis majestatis" - "Wir haben Deutschland, wo Wir Jahre unseres Lebens verbringen durften, immer geliebt, und Wir lieben es jetzt noch viel mehr (!). Wir freuen Uns der Größe, des Aufschwungs und des Wohlstandes Deutschlands, und es wäre falsch, zu behaupten, dass Wir nicht ein blühendes, großes und starkes Deutschland wollen" (S. 29).
 

Die Slowakei von Hitlers und des Papstes Gnaden unter der Diktatur eines päpstlichen Kammerherren
 

Und zu diesem "großen und starken Deutschland", das der Papst so enthusiastisch begrüßte, gehörte nunmehr als Marionettenstaat auch die gesamte Tschechoslowakei - von der aber umgehend wiederum die Slowakei als neuer eigener Staat von Hitlers Gnaden abgetrennt wurde. Die Tschechische Republik und die Slowakei, die seit 1993 wieder getrennte Wege gehen, unterscheiden sich bis heute in historischer und konfessioneller Hinsicht stark voneinander. Das böhmische Kernland war als Hochburg der Ketzerei des 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannten Jan Hus dem Vatikan schon immer suspekt, und deshalb weinte er dem tschechischen Staat auch keine Träne nach. Die Slowakei hingegen ist bis heute stark vom Katholizismus geprägt. Und so wurde der erste Ministerpräsident und wenig später der erste Staatspräsident der neuen Republik von Hitlers Gnaden niemand anderes als Jozef Tiso, ein katholischer Priester und Theologieprofessor.

Papst Pius XII. unterstützte diese neuerliche Allianz von Kirche und Faschismus von Anfang an voll. Der Vatikan erkannte den neuen Marionettenstaat als einer der ersten an, empfing den neuen Staatschef Tiso im Vatikan und verlieh ihm den Titel eines "päpstlichen Kammerherrn" - woraufhin dieser frischgebackene Kammerherr vollmundig verkündete: "Katholizismus und Nationalsozialismus haben viel Gemeinsames und arbeiten Hand in Hand für die Verbesserung der Welt" (S. 31).

Und was verstehet ein katholischer Prälat unter der "Verbesserung der Welt"? Der päpstliche Kammerherr Jozef Tiso hob als erstes Meinungs-, Presse- und Redefreiheit auf und verbot alle Parteien außer seiner "Volkspartei". Die slowakischen Juden ließ er in den sicheren Tod deportieren. Als der Priester Tiso gefragt wurde, ob dies christlich und human sei, antwortete er: "Ist es christlich, wenn die Slowaken sich von ihren ewigen Feinden, den Juden, befreien wollen? Die Liebe zu unserem Nächsten ist Gottes Gebot. Seine Liebe macht es mir zur Pflicht, alles zu beseitigen, was meinem Nächsten Böses antun will" (S. 31f.).

Der Priester und von Pius XII. zum päpstlichen Kammerherrn ernannte slowakische Diktator Jozef Tizo im Jahr 1941 bei seinem Verbündeten Adolf Hitler in Berlin. Tiso wurde 1947 in der Tschechoslowakei als Kriegsverbrecher hingerichtet. Große Teile der katholischen Kirche in der Slowakei sehen ihn jedoch als Märtyrer und betreiben seine Selig- und Heiligsprechung (Bild: Gemeinfrei nach Wikiemedia Commons, Narodowe Archiwum Cyfrowe, Sygnatura: 2-12457, Erstveröffentlichung Oktober 1941).

Wer jetzt denkt, hier sei ein katholischer Priester übergeschnappt und habe sich seine eigene Version der Katholizismus ausgedacht, der kennt die katholischen Dogmen nicht, die bis heute in Kraft sind. Was Josef Tiso hier vortrug das erinnert bis in die Wortwahl hinein an ein Dogma, das bis heute für jeden Katholiken maßgeblich ist, vor allem für diejenigen, die in politischen Ämtern stehen. In der katholischen Lehrsatz-Sammlung von Neuner und Roos mit dem Titel Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung lesen wir unter Randnummer 382 folgendes:
"Die Kirche hat kraft ihrer göttlichen Einsetzung die Pflicht, aufs gewissenhafteste das gut des göttlichen Glaubens unversehrt und vollkommen zu bewahren und beständig mit größtem Eifer über das Heil der Seelen zu wachen. Deshalb muss sie mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte."

Wem läuft es da nicht kalt den Rücken hinunter? "... mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen ..." - wer denkt da nicht an die Scheiterhaufen der Inquisition und der Hexenverfolgung? Auch wenn Joseph Ratzinger immer versucht, die Ermordung der Juden im 20. Jahrhundert allein den Nazis anzulasten - bei den eben zitierten Worten aus dem Mund des katholischen Priesters Jozef Tiso ahnt man, dass auch die Verbrennungsöfen von Auschwitz ohne die Jahrhunderte lange Vorbereitung durch die kirchliche Judenfeindschaft gar nicht denkbar gewesen wären. Und für diese verbrecherische Ideologie wird dann auch noch Gott, der liebende Vater aller Menschen und Wesen, in Anspruch genommen!

"Für den Vatikan aber ", so schreibt Karlheinz Deschner, "war Tisos klerofaschistische Slowakei ´Liebkind` über das Kriegsende hinaus, ihr Präsident selbst ´ein vorbildlicher Priester, der ein unbescholtenes Leben führte`" (S. 34). Auch hier laufen Vorbereitungen für eine Seligsprechung.


Der Angriff Hitlerdeutschlands auf Polen mit indirekter Zustimmung von Pius XII.


Als Hitlerdeutschland dann am 1. September 1939 Polen überfiel, kam kein Wort des Protestes aus dem Vatikan. Und das kam nicht von ungefähr. Bereits Mitte August hatte Pius XII. dem Botschafter Hitlers im Rom versichert, er werde sich jeder Verdammung Deutschlands enthalten, wenn es Polen bekriege. Polen war und ist bis heute zwar ein sehr katholisches Land - doch der Strategie des Vatikan stand es dennoch im Wege. Das Ziel des Vatikan war die Niederschlagung der Sowjetunion, letztlich um die Orthodoxen mit militärischer Gewalt wieder in die Romkirche zurückholen zu können.

So haben sie es in der Geschichte immer gemacht. Schon der "heilige" Bonifatius zog im Auftrag des Papstes im Gefolge fränkischer Truppen im 8. Jahrhundert durch Germanien, um das Land katholisch zu machen. Ebenso hielt es Karl der Große mit den Sachsen, von denen er Tausende umbringen ließ. Mit Feuer und Schwert zogen die Kreuzzügler gegen die Muslime, aber auch gegen Hussiten, Slawen und Katharer. Mit Feuer und Schwert wurden die Ureinwohner Amerikas katholisch gemacht, wobei die katholischen Eroberer mit Billigung des Papstes den größten Völkermord aller Zeiten verursachten. "Taufe oder Tod" - das war die Devise. Wobei wir gleich noch sehen werden, dass es im 20. Jahrhundert noch eine Steigerung gibt, die da lautet: "Taufe und Tod!"

Am liebsten hätte der Papst es also gesehen, wenn Polen gemeinsam mit Deutschland nach Russland marschiert wäre. Doch die Polen wussten genau, dass sie von Hitler so oder so nichts Gutes zu erwarten hatten und suchten lieber die Nähe der Westmächte. "Polen focht nicht, wie es sollte, mit Deutschland gegen die gefürchtete Sowjetunion", schreibt Deschner (S. 49). Und deshalb wurde es mehr oder weniger geopfert.
Kein Protest war aus dem Vatikan zu hören gegen die Bombardierung polnischer Städte, gegen die Inhaftierung, Folterung und Ermordung polnischer Lehrer, Professoren, Offiziere und auch Priester durch die deutschen Besatzer, ganz zu schweigen von der Ausrottung von Juden, Roma und Behinderten. Vier polnische Bischöfe, fast 2000 Priester und mehr als 200 Nonnen wurden getötet, Tausende von katholischen Klerikern wurden in Konzentrationslagern eingesperrt - doch der Papst schwieg.

Doch ist es nicht genau dieses Schweigen, das redet und das den Vatikan Lügen straft, wenn er immer wieder anführt, das Schweigen des Papstes zum Holocaust sei aus Angst geschehen, dass die Katholiken in Deutschland es ausbaden müssten? Wenn es seinen strategischen Erwägungen entsprach, dann war dem Papst und war dem Vatikan das Schicksal Tausender, ja Millionen von Katholiken offenbar gleichgültig.

Das musste auch der polnische Außenminister Józef Beck erkennen, der im September 1939 dem Zangenangriff der deutschen und sowjetischen Truppen auf Polen durch die Flucht nach Rumänien entkam. Beck sagte dem italienischen Botschafter in Bukarest: "Einer der Hauptverantwortlichen für die Tragödie meines Landes ist der Vatikan. Zu spät erkannte ich, dass wir eine Außenpolitik betrieben haben, die lediglich der egoistischen Zielsetzung der katholischen Kirche diente" (Deschner, Teil 2, S. 39).
 

Pius XII. nach dem Angriff auf die Sowjetunion: "Lichtblicke, die das Herz erheben". Er wünsche dem Führer "nichts sehnlicher" als einen Sieg
 

Diese Zielsetzung der Kirche wurde durch den Pakt zwischen Hitler und Stalin zunächst erheblich gebremst. Doch dann entschloss sich Hitler im Juni 1941 zum Angriff auf die Sowjetunion. Und schon eine Woche später, am 29. Juni 1941, meldete sich der Papst mit einer Rundfunkansprache zu Wort. "Mitten im Dunkel des Gewitters", so der Pontifex, fehle es nicht "an Lichtblicken, die das Herz zu großen, heiligen Erwartungen erheben: Großmütige Tapferkeit zur Verteidigung der Grundlagen der christlichen Kultur und zuversichtliche Hoffnungen auf ihren Triumph" (Deschner, Teil 2, S. 164). Jeder, der das hörte, wusste genau, was mit diesen Metaphern gemeint war: der Kampf gegen den Bolschewismus. Und genau dies ließ Pius XII. auch z. B. dem spanischen Botschafter mitteilen: "Pius XII. habe freundschaftliche Gefühle für das Reich. Er wünsche dem Führer nichts sehnlicher als einen Sieg über den Bolschewismus" (S. 167).

Während der Papst als Oberhaupt aller Katholiken in der Öffentlichkeit noch den Schein ein klein wenig wahrte und in Metaphern sprach (worin ja die Päpste Meister sind), nahmen die deutschen Bischöfe kein Blatt vor den Mund. "Mit Genugtuung verfolgen wir den Kampf gegen die Macht des Bolschewismus", schreibt die Deutsche Bischofskonferenz am 10. Dezember 1941 (S. 150).
Und ein Jahr später lassen sie verlauten: "Ein Sieg über den Bolschewismus wäre gleichbedeutend mit dem Triumph der Lehren Jesu über die der Ungläubigen" (Karlheinz Deschner, Abermals krähte der Hahn, S. 647). Womit sie die friedvolle Lehre des Pazifisten Jesus einmal mehr in ihr genaues Gegenteil verkehrt haben. Der Bischof von Eichstätt, Michael Rackl, schrieb gar in einem Hirtenbrief Ende September 1941, dieser Krieg sei "wirklich ein Kreuzzug, ein heiliger Krieg für Heimat und Volk, für Glauben und Kirche, für Christus und sein heiliges Kreuz" (S. 148). Doch diese Ungeheuerlichkeit ist kein Einzelfall - war es doch in allen Kriegen so, dass die Kirchen und ihre Feldgeistlichen, die katholischen wie die lutherischen, nichts dabei fanden, die Soldaten zu beiden Seiten der Front gegeneinander in den Tod zu schicken, jeweils mit dem Hinweis, dies sei Gottes Wille.
 

Papst und Bischöfe: Soldaten im Dienste der Faschisten seien "Blutspender", die sich "opfern wie die alten Kreuzfahrer"
 

Und die römisch-katholischen Bischöfe waren es auch, die bis zum Schluss, als das katastrophale Ende des Krieges bereits mit Händen zu greifen war, die Soldaten noch zum Durchhalten aufforderten. "Noch 1944 und 1945", so schreibt Karlheinz Deschner in Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, "noch 1944 und 1945 predigt der Bamberger Erzbischof Kolb, nach dem die Stadt dankbar eine Straße nennt: ´Wenn Armeen von Soldaten kämpfen, dann muss eine Armee von Betern hinter der Front stehen` ... Noch am 22. Januar 1945 eifert auch der Bischof von Würzburg seine Diözesanen an: ´Stellt euch aber auch auf Seiten der staatlichen Ordnung! ... Im Geiste des heiligen Bruno darf ich euch zurufen: Erfüllet gerade in Notzeiten eure Pflichten gegen das Vaterland! Denkt an die Mahnung des heiligen Paulus: ´Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt.` ... Nehmet alle Heimsuchungen auf euch, Gott zulieb! Diese Opfer werden dann Sprossen in eurer Himmelsleiter. Im Opfer wirket ihr euer Heil!`" (S. 203)
Im Januar 1945 war das, man muss sich das einmal vorstellen! Und dieser Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried wird bis heute von kirchlichen Kreisen in Würzburg als eine Art Widerstandskämpfer verehrt, nach ihm ist ein katholisches Bildungshaus benannt. Und auch der sogenannte "heilige Bruno", auf den er sich berief, war ein Würzburger Bischof des Mittelalters, der sehr gerne und häufig Krieg führte. Nur dass eben dieser "Geist des heiligen Bruno" nichts, aber auch gar nichts mit dem friedvollen Geist des Christus zu tun hat, der sagte: "Stecke dein Schwert in die Scheide! Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen!"

Und der von Papst Ratzinger im Jahr 2005 selig gesprochene Clemens August Kardinal von Galen aus Münster beschwor die deutschen Soldaten als "Blutspender" für den katholischen Kreuzzug unter Führung Adolf Hitlers:
"Sie wollen Blutspender sein, auf dass das an Altersschwäche und anderen Übeln erkrankte Volk wieder jugendlich gesunde und aufblühe. Sie wollten in einen neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei ´Gott will es` den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Jahren der spanische Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte" (Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 2, S. 581). Der Bischof von Münster trieb bis in die letzten Kriegstagen 1944 und 1945, als der Krieg längst entschieden war, die deutschen Soldaten in Mord und Totschlag hinein und forderte die "Verteidigung" Nazi-Deutschlands "bis zum letzten Blutstropfen" (S. 77), was Papst Pius XII. nicht hinderte, von Galen 1946 wegen seiner Kritik an der Euthanasie-Politik der Nationalsozialisten die Kardinalswürde zu verleihen.

Diese vereinzelten Lichtblicke kirchlicher Würdenträger (wie Galens einsamer Protest gegen die Euthanasie; die anderen Bischöfe protestierten nicht) ändern jedoch nichts an dem abgrundtiefen Gegensatz zwischen Jesus von Nazareth und der Politik der Kirche und der Päpste durch die Jahrhunderte. Dieser schroffe Gegensatz bleibt auch bestehen, wenn zwischendurch, je nach Wetterlage, wieder einmal andere Töne angestimmt werden. Papst Pacelli war hier immer einen Tick voraus. So sprach er sprach in seiner Weihnachtsbotschaft 1944, als der Sieg der Alliierten absehbar war, nicht ganz überraschend plötzlich von den "Grundlehren über die wahre Demokratie" (Deschner, Teil 2, S. 100).
Zwei Jahre zuvor und vor der Kriegswende in Stalingrad im Jahr 1942 hatte der Papst noch in martialischem Ton ausgerufen: "Ihr freiwilligen Kreuzfahrer einer neuen und edlen Gesellschaft, erhebt die neue Standarte der moralischen und christlichen Erneuerung, erklärt der Finsternis einer sich von Gott lösenden Welt den Krieg ... Durchdrungen von Kreuzfahrergesinnung kommt es den besten und auserwähltesten Gliedern der Christenheit zu, sich zu vereinigen im Geist der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe zu dem Ruf: Gott will es!, bereit zu dienen, sich zu opfern wie die alten Kreuzfahrer" usw. usf. (S. 178f.)
Konnte, ja musste das nicht jeder Soldat, der tief in der Sowjetunion, wie ihm gesagt wurde, in einem heiligen "Kreuzzug" gegen die Macht des Bolschewismus kämpfte und tötete, dies direkt auf sich beziehen? Und so war es wohl auch gemeint. Und erst recht musste er es auf sich beziehen, wenn er nicht in Hitlers Armee in der Sowjetunion, sondern z. B. in der kroatisch-katholischen Ustascha-Armee kämpfte.
 

Das faschistische "Kroatien Gottes und Marias"


Und damit sind wir bei einem weiteren dunklen Kapitel in der an moralischen Tiefpunkten, ja Tiefschlägen so reichhaltigen Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Denn zwischen 1941 und 1943 entstand auf dem Gebiet des zerschlagenen Königreichs Jugoslawien ein deutsch-italienischer Vasallenstaat: das faschistisch-katholische "Kroatien Gottes und Marias", so wurde es genannt, in dem sich dann unter wohlwollender vatikanischer Schirmherrschaft Jahrhunderte alte religiöse Spannungen und Konflikte mit unvorstellbarer Grausamkeit blitzartig entluden. 

Doch der Reihe nach. Eugenio Pacelli, der vatikanische Spitzendiplomat mit dem hervorragenden Gedächtnis, hatte in Jugoslawien noch eine Rechnung offen. Obwohl es den Katholiken Mitte der 30er Jahre im Königreich Jugoslawien sehr gut ging, wollte der Vatikan auch mit diesem Land unbedingt ein Konkordat aushandeln, das aber dann am Widerstand der orthodoxen Kirche scheiterte. Pacelli, der als Kardinalstaatssekretär an der Aushandlung dieses Konkordats maßgeblich beteiligt gewesen war, fühlte sich zutiefst gekränkt und stieß im Dezember 1937 eine bemerkenswerte Drohung aus, und ich zitiere: "Es kommt der Tag, ... so die Zahl jener nicht gering sein wird, die sehr bedauern werden, ein großmütiges und großherziges gutes Werk ausgeschlagen zu haben, das der Statthalter Christi ihrem Land anbot" (Deschner, Teil 2, S. 213).
Und Karlheinz Deschner kommentiert das wie folgt: "Pacelli wusste offenbar, was er sagte. Seine Drohung war nicht in den Wind gesprochen. 1941 erfüllte sie sich in einem Maß, das die schlimmsten Massaker des christlichen Mittelalters fast übertrifft" (Teil 2, S. 213).

Der Alptraum begann, als deutsche Truppen im April 1941 in Jugoslawien einmarschiert waren. Das Land wurde aufgeteilt, und in Kroatien wurde ein eigener Staat errichtet, der auch das heutige Bosnien-Herzegowina mit umfasste. Die Herrschaft in diesem Staat übernahm die faschistische Miliz der Ustascha, der "Aufständischen", wie es übersetzt heißt, unter ihrem Anführer Ante Pavelić. Der "Poglavnik", so das kroatische Wort für "Führer", war zu diesem Zeitpunkt bereits ein wegen mehrfachen Mordes gesuchter Verbrecher und Terrorist. Das hinderte aber den Erzbischof von Zagreb, Alojzie Stepinac, nicht daran, von Anfang an engstens mit diesem faschistischen Regime zusammenzuarbeiten. Und das hinderte auch Papst Pius XII. nicht, den kroatischen Faschistenboss bereits Mitte Mai 1941 im Vatikan in besonders feierlicher Privataudienz zu empfangen und ihn mit besonderer Herzlichkeit und mit den "besten Wüschen für die weitere Arbeit" wieder zu entlassen (S. 219).


Papst wusste von Massaker an Orthodoxen und segnete den Faschistenführer persönlich mit besten Wünschen für die weitere "Arbeit"


"Mit den besten Wüschen für die weitere Arbeit" - Man muss dazu wissen, dass nur wenige Tage vor dieser Audienz in Rom die Ustascha in der kroatischen Stadt Glina an die 500 orthodoxe Serben ermordet hatte, andere wurden zwangsweise zum Katholizismus "bekehrt". Die Massaker in der orthodoxen Kirche von Glina, von denen es im Verlauf des Jahres 1941 noch weitere geben sollte, gehören zu grausamsten, die dokumentiert sind. Und nicht nur das: Ein Gesandter des gerade zerschlagenen Königsreichs Jugoslawien hatte den Papst unter Hinweis auf diese schrecklichen Vorgänge dringend aufgefordert, Pavelić nicht zu empfangen, was dieser aber ignorierte (Julia Gorin, Mass Grave of History, Jerusalem Post, 22.2.2010).
Papst Pius XII. war also immer aufs genaueste über die Vorgänge in Kroatien und Bosnien informiert, so wie der Vatikan meist über die Vorgänge in aller Welt sehr gut informiert ist, besonders, was überwiegend katholisch geprägte  Länder angeht. Doch dieser hervorragende Kenntnisstand hinderte den römischen Pontifex keineswegs daran, während der gesamten zwei Jahre, in der dieses alptraumhafte Regime Bestand hatte, aufs Engste mit diesem zusammenzuarbeiten und die Amtsträger dieses Regimes immer wieder seiner Wertschätzung zu versichern und seinen katholischen Segen zu erteilen.

Um die Vorgänge in Kroatien zu verstehen, muss man wissen, dass der Religionskonflikt auf dem Balkan schon viele Jahrhunderte alt ist. Die Vatikankirche hat es nie akzeptiert, dass die orthodoxe Konfession seit dem Jahr 1054 eigene Wege geht. Und im katholischen Kroatien war im 19. Jahrhundert eine katholisch-nationalistische Bewegung entstanden, deren Führer Ante Starčević die Ansicht vertrat, dass alle orthodoxen Serben verschwinden müssten. Die Serben seien, so wörtlich, "eine Arbeit für den Schlachthof". Und diese Bewegung war nun an der Macht und setzte ihr "Programm" ohne jedes Zögern in die Tat um.

Und mit dieser Bewegung war gleichzeitig auch die katholische Kirche an die Macht gekommen. Ustascha-Bewegung und Kirche ließen sich nicht voneinander trennen, sie bildeten eine unauflösliche Einheit. Jeder Ustascha musste einen Eid des Gehorsams schwören "bei dem allmächtigen Gott und bei allem, was mir heilig ist". Die Ustascha-Kapläne leisteten den eigenen Schwur vor zwei Kerzen, dem Kruzifix, einem Dolch und einem Revolver. Einer dieser Kapläne, Pater Šimić, erklärte einem entsetzten italienischen Truppenkommandeur im Mai 1941das Ziel der Ustascha-Politik mit dem kurzen Satz: "Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten."


Erst zwangsgetauft, dann massakriert - Vierzig Pfund Augen als Geschenk für den katholischen Diktator

 
Und dies waren keine leeren Worte. Die faschistischen Horden zerstörten in zwei Jahren nicht nur fast sämtliche Kirchen der orthodoxen Serben, die unter ihnen lebten, sie massakrierten auch Hunderttausende von ihnen. Und eine große Anzahl Serben zwang man zuvor noch zum Übertritt zum Katholizismus und teilte ihnen dann zynisch mit, man habe nun zwar ihre Seelen gerettet, für ihre Körper treffe das aber leider nicht zu. Und man brachte sie dann um. Statt "Taufe oder Tod" wie im Mittelalter gegenüber "Heiden" und Juden, hieß es nun: "Taufe und Tod". Und der Ablauf dieser Schlächtereien war derart grauenhaft, dass sogar deutsche und italienische Truppen, die ja selbst für so manches Massaker auf dem Balkan verantwortlich waren, protestierten und teilweise damit begannen, die serbische Bevölkerung mit Waffengewalt vor dem Blutrausch der katholischen Schlächter zu schützen.

Es ist das Verdienst des jugoslawischen Schriftstellers Vladimir Dedijer und des deutschen Buchautors Karlheinz Deschner, diesen Völkermord mitten im 20. Jahrhundert der kollektiven Vergesslichkeit entrissen zu haben. Dedijer schrieb das Buch Jasenovac - das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan, und auch Deschner berichtete mehrfach detailliert über diese Vorgänge, unter anderem in den Büchern Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert und Mit Gott und den Faschisten. Dort schildert er im Detail einiges von dem, was dokumentiert ist.

Karlheinz Deschner also schreibt: "Ungezählte serbische Geistliche erlitten grausame Foltern. In Zagreb ... schlug und quälte man den orthodoxen Metropoliten Dositej so bestialisch, dass er davon wahnsinnig wurde ... Ende April 1941 umzingelten Ustaschen" mehrere serbische Dörfer.
"Dann ließen sie ... 250 ... Männer und Frauen einen Graben ausheben, banden ihnen die Hände auf den Rücken und begruben sie lebendig. ... In Kosinj, wo die Ustaschen sechshundert Serben zusammengetrieben hatten, musste eine Mutter mit einer Schüssel das Blut ihrer vier Söhne auffangen. ... Die Kirche von Glina ... wurde ... in einen Schlachthof verwandelt. Das Blutbad dauerte von abends 10 Uhr bis morgens 4 Uhr und ging acht Tage weiter. Die Uniformen der Schlächter mussten gewechselt werden, weil sie vom Blute durchnässt waren ... Der italienische Schriftsteller Curzio Malaparte interviewte Pavelić in Zagreb. ´Während er sprach`, schreibt Malaparte, ´schaute ich auf einen Weidenkorb, der zur Rechten des Poglavnik auf seinem Schreibtisch stand. Der Korb wurde geöffnet und eine Menge Meeresgetier oder dergleichen kam zum Vorschein. ´Austern von Dalmatien?` fragte ich. Ante Pavelić hob den Deckel und zeigte mir das Zeug, das aussah wie eine Masse klebriger, gallertartiger Austern. Mit einem müden, freundlichen Lächeln sagte er: ´Ein Geschenk meiner treuen Ustaschen. Vierzig Pfund menschliche Augen!` Das war der Mann, den Pius XII. gesegnet hatte`" (Karlheinz Deschner, Mit Gott und den Faschisten, S. 236-238).

Und es geht noch viele Seiten lang so weiter, da stockt einem wirklich der Atem beim Lesen, und oft waren es nur ein oder zwei Überlebende, die später von den Details dieser Scheußlichkeiten berichten konnten. Aber es ist wichtig, dass dies der Nachwelt nicht vorenthalten wird - nicht nur, um den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sondern auch, um zu dokumentieren, zu welch infernalischem Hass auf alles Andersgläubige eine entfesselte Ideologie fähig ist, die sich mit dem angeblichen Segen des Allerhöchsten über alle Regeln der Menschenwürde hinwegsetzt. Denn machen wir uns bewusst: All dies, was wir gehört haben, und noch viel mehr geschah im Namen des katholischen Gottes!
 

Gebete zum katholischen Gott im Faschistenparlament / Franziskaner als Massenmörder in den Konzentrationslagern


Und mitten in diese Mordorgien hinein ließ sich Erzbischof Alojzije Stepinac von diesem Mann, Ante Pavelić, mit allen kroatischen Bischöfen feierlich empfangen und sicherte dem Faschistenboss seine volle Unterstützung zu:
"Wir bezeugen von ganzem Herzen Ehrerbietung", sagte der Erzbischof, "und versprechen ergebene und treue Mitarbeit für die strahlendste Zukunft unseres Vaterlandes" (Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 2, S. 223).

Wenn schon der oberste kroatische Kirchenmann so dachte und redete - und dies in vollem Einklang, wie wir gehört haben, mit dem Papst - wie konnten dann die anderen kroatischen Kleriker zurückstehen? Bereits am ersten Tag der Machtübernahme der Faschisten gaben diese über Radio bekannt, dass die Bevölkerung auf dem Land von niemand anderem als den Priestern weitere Direktiven erhalten würden. Deschner schreibt über diese enge Zusammenarbeit: "Bischöfe und Priester saßen im Sobor, dem Ustascha-Parlament, das den Heiligen Geist mit dem Gesang ´Veni Creator` anrief, Geistliche dienten als Offiziere in Pavelićs Leibwache, Franziskaner kommandierten in Konzentrationslagern ..." (S. 230)

Der Franziskanerpater Miroslav Filipović-Majstorović war zeitweise der Kommandant des berüchtigten Todeslagers Jasenovac, in dem Zehntausende von Serben, Juden und Roma ermordet wurden. Jasenovac war berüchtigt wegen seiner Massenenthauptungen, und auch dabei taten sich verschiedene Geistliche besonders hervor. Der Franziskaner-Stipendiat Brzica etwa enthauptete in nur einer Nacht, am 29. August 1942, 1360 Menschen mit einem Spezialmesser. Klöster dienten unter anderem als Waffenlager und Befehlszentralen der Ustascha, und katholische Priester waren die Anführer bei diversen Mordaktionen. Der Franziskaner Srečko Perić etwa befahl an einem Sonntag von der Kanzel aus den Dorfbewohnern: "Kroatische Brüder, geht und schlachtet alle Serben ab. Zuerst tötet meine Schwester, die mit einem Serben verheiratet ist, und dann der Reihe nach alle Serben. Wenn ihr damit fertig seid, kommt zu mir in die Kirche, damit ich euch die Beichte abnehmen kann und eure Sünden vergeben werden" (Dedijer, Jasenovac - das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan, S. 133).
So funktioniert also ein katholisches Massaker. Die Menschen werden erst zum Töten aufgehetzt, und anschließend können sie alles gleich wieder beichten und erhalten die sofortige Absolution. Das ist wahrhaft katholischer Zynismus in Aktion!
 

Papst Pius XII. lobt bestialischen Faschistenführer Pavelic als "praktizierenden Katholiken"


Der Primas, also der oberste Bischof Kroatiens, Erzbischof Alojzije Stepinac, ließ seine Priester in ihrer Mordlust nicht nur gewähren, er unterstützte das Regime von Beginn an bedingungslos, sprach bereits kurz nach der Machtergreifung in einem Hirtenbrief salbungsvoll von der
"Hand Gottes", die "in diesem Werk zu erkennen" sei, lobte den Obermörder Pavelić als "ergebenen Katholiken" und ließ sich im Januar 1942 zum offiziellen Militärvikar der faschistischen Ustascha ernennen. Noch 1943, als sich die  Niederlage der Faschisten bereits abzeichnete, betonte er ausdrücklich die "Verdienste" der Franziskaner bei der "Bekehrung" von Orthodoxen und beschwor den Papst, sich den Kroaten zuzuwenden, zeige ihr junger Staat doch "bei jeder Gelegenheit, dass er seinen herrlichen katholischen Traditionen treu zu bleiben wünscht".

Und Papst Pius XII.? Der protestierte die ganze Zeit über mit keinem Wort gegen die Mordaktionen, sondern unterstütze das Völkermord-Regime bei jeder sich bietenden Gelegenheit und lobte dessen Führer Pavelić, als, so wörtlich,
"praktizierenden Katholiken" (Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 2, S. 252).

Und diese Fürsorge ging auch nach dem Krieg unverändert weiter. Pavelić und mit ihm sage und schreibe weitere 1827 kroatische Kriegsverbrecher fanden in katholischen Klöstern Unterschlupf und gelangten, wie auch viele deutsche Nazis, über die sogenannte "Rattenlinie" nach Spanien und Südamerika. Pavelić selbst starb 1959 in Madrid mit einem Rosenkranz in der Hand, den er von Papst Pius XII. persönlich erhalten hatte. Und auch um seinen Primas Stepinac kümmerte sich Pius XII. persönlich. Dieser wurde nach dem Krieg von den Behörden Jugoslawiens vor Gericht gestellt, mit detaillierten Zeugenaussagen der Beihilfe zum Massenmord überführt und zu 16 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Pius XII. jedoch ernannte ihn daraufhin 1953 demonstrativ zum Kardinal, stellte ihn als Märtyrer hin und rühmte vor aller Welt seine, so wörtlich, "großen Verdienste".


Papst Wojtyla sprach Kriegsverbrecher-Kardinal Stepinac selig und Papst Ratzinger betet innig neben seinem Glassarg
 

Und aufgrund dieser "großen Verdienste", die in dieser Studie aus Zeitgründen nur ansatzweise geschildert werden konnten, wurde derselbe Alojzije Stepinac, der Kollaborateur einer blutrünstigen faschistischen Mörderbande, 1998 von Papst Johannes Paul II. auch noch selig gesprochen. Und Papst Joseph Ratzinger ließ es sich nicht nehmen, anlässlich seines Besuchs in Kroatien im Juni 2011 neben dem Sarg dieses Faschistenfreundes öffentlich und innig zu beten und ihn als einen "Verteidiger ´des wahren Humanismus`" zu loben. (spiegel.de, 5.6.2011)

Kann man diesen Zynismus noch überbieten?
Und dann will dieser Papst Joseph Ratzinger auch noch Pius XII. selig sprechen, also den Papst, der nicht nur zum Völkermord der Nazis an den Juden schwieg, sondern auch zum katholischen Völkermord an den orthodoxen Serben; den Papst, mit dessen stillschweigender Billigung diese grausigen Schlachtfeste stattfanden. Und der damit schon wieder den Grundstein legte für den nächsten blutigen Religionskrieg, den wir in den 90er Jahren auf dem Balkan erlebten.

Eines steht fest: Die Entschuldigung, oder besser besagt: der Entschuldigungsversuch, den kirchliche Historiker meist für das Schweigen des Pacelli-Papstes zum Holocaust anführen, dass er nämlich Angst um das Wohlergehen der Katholiken vor allem in Deutschland gehabt habe, dieses Argument ist nicht nur für sich genommen schon äußerst fragwürdig. Im Fall Kroatiens läuft es vollends ins Leere. Die US-amerikanische Journalistin und Buchautorin Julia Gorin, selbst aus einer jüdischen Familie stammend, schreibt in der Jerusalem Post:
"Es sind nicht die Juden, denen die Kirche die größte Entschuldigung wegen des Zweiten Weltkriegs schuldig ist, sondern es sind die Serben. Wenn Pius tatsächlich hoffte, eine Gefahr für Millionen von Katholiken dadurch zu vermeiden, dass er nichts über die europäischen Juden sagte - was könnte dann der Grund dafür gewesen sein, nichts über Kroatien zu sagen ...? Und worin hätte die Gefahr für die Gläubigen innerhalb des katholischen Kroatien bestanden?"
(22.2.2010) Damit entlarvt Julia Gorin das heutige "Verständnis" für das Schweigen des Papstes als zynische Heuchelei.

Foto (domi12345, 2004; GNU-Lizenz, Wikimedia-Commons): Die mit Wachs überzogene Leiche von Kardinal Alojzije Stepinac, dem Militärvikar der Völkermörder der faschistischen Ustascha. Er ist schon "selig", Pius XII. steht die Prozedur noch bevor. Papst Joseph Ratzinger betete 2011 neben dieser Leiche im Dom in Zagreb.


Selig ist, wer den Strategien der vatikanischen Machtpolitik nützt

 

Wir sehen an all dem, dass eine Seligsprechung im katholischen Sinne nichts, aber rein gar nichts mit besonderen Charakterstärken oder gar einem christlichen Lebenswandel zu tun hat, sondern immer nur mit den strategischen Zielen der Vatikankirche und mit dem vielen Geld, das die Anhänger des Seliggesprochen für die Seligsprechung bereit sind zu bezahlen, eine Summe im sechsstelligen Bereich.
Und wer die strategischen Ziele der vatikanischen Machtpolitik fördert, indem er z. B. die Orthodoxie auf dem Balkan oder in Russland schwächt oder zurückdrängt, der hat sich aus Sicht der Kirche das Etikett "selig" verdient. Mit Jesus, dem Christus, dem großen Liebe- und Weisheitslehrer, hat das alles jedenfalls nicht das Geringste zu tun, im Gegenteil: Gott, unser liebender Vater, wird durch solche Taten, wie sie in dieser Sendung geschildert wurden, am laufenden Band auf´s Allerschändlichste verhöhnt.

Und in diesem Sinne ist es dann sogar verständlich, dass gerade Pius XII. selig gesprochen werden soll.
Karlheinz Deschner erkannte dies bereits im Jahr 1965, denn er beendete sein Buch Mit Gott und den Faschisten mit dem Satz: "Erwägt man das Verhalten Eugenio Pacellis zu Politik von Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić, so scheint es kaum eine Übertreibung, zu sagen: Pius XII. ist wahrscheinlich mehr belastet als jeder andere Papst seit Jahrhunderten. Mittelbar und unmittelbar ist er so offensichtlich in die ungeheuersten Gräuel der faschistischen Ära und damit der Geschichte überhaupt verstrickt, dass es bei der Taktik der römischen Kirche nicht verwunderlich wäre, spräche man ihn heilig" (S. 257).

An dieser Stelle sollten sich auch einmal die deutschen Politiker fragen: Wie lange noch wollen sie einem Papsttum den Rücken stärken, einem Papsttum, das nur durch Verbrechen zu dem wurde, was es heute ist? Wie lange noch wollen sie, die Politiker, den kirchlichen Institutionen mit jährlich mehr als 15 Milliarden Euro an Subventionen und Steuerbefreiungen aus dem allgemeinen Steuertopf unter die goldbehangenen Arme greifen - diesen Institutionen, deren Grundaussagen in ihren Dogmen und Lehrsätzen der Verfassung zuwiderlaufen, weil sie den freien Willen des Menschen leugnen und die Drohbotschaft einer ewigen Verdammnis lehren? Wie lange noch wollen die Politiker die deutsche Verfassung ignorieren, die von ihnen seit mehr als 90 Jahren verlangt, endlich die Trennung von Staat und Kirche herbei zu führen und diesen uferlosen Staatsleistungen für die Kleriker ein Ende zu machen? Und wie lange noch wollen deutsche Politiker am Hitlerkonkordat von 1933 festhalten, das bis heute in Kraft ist? Ist das nicht eine Schande für das deutsche Volk?

Auf das Schweigen dieses Papstes zum Holocaust, also zu Ermordung der Juden, wurde in diesem 4. Teil nur am Rande eingegangen, obwohl die Kritik an diesem Papst heute meist allein an diesem Punkt festgemacht wird. Doch wenn wir allein auf das zurückblicken, was wir hier dargelegt haben: Dieser Mann hat buchstäblich so viele Leichen im Keller, dass schon jetzt das Urteil der Geschichte verheerend ist.
In der letzten Folge unserer Studie über Pius XII. werden wir uns näher mit dem Holocaust und mit der Nachkriegszeit befassen - immer in der Frage: Wer um Himmels Willen soll da selig gesprochen werden?

 



5. Teil:
Das Schweigen des Papstes zum Holocaust an den Juden

"Wer schweigt, macht sich schuldig," lautet ein bekanntes Sprichwort. Und wenn man den Namen Pius XII. irgendwo erwähnt, so kommt meistens sogleich die Aussage: "Ach ja, das ist doch der Papst, der zum Holocaust geschwiegen hat." So richtig diese Aussage auch ist, so falsch wäre es, das Leben von Eugenio Pacelli alias Pius XII. auf diesen einen Aspekt zu beschränken. Wer die bisherigen vier Teile der Studie über diesen Papst gelesen hat, der weiß, dass in jeder dieser Folgen Aspekte zur Genüge enthalten sind, die bei einer Seligsprechung dieses Mannes berücksichtigt werden müssten - auch ohne den Holocaust. Doch bei diesem schrecklichen Thema kommt nun weiteres hinzu:


"Faschistenkomplize Pius XII." bahnt Hitler den Weg
 

Als Papst Joseph Ratzinger im September 2011 nach Deutschland kam, schrieb der mehrfach preisgekrönte Autor Karlheinz Deschner einen Artikel in der Frankfurter Rundschau mit der Überschrift Wie man Seliger wird (21.9.2011). "Mit Benedikt XVI. kommt jener Papst nach Deutschland, der den Faschistenkomplizen Pius XII. selig sprechen will", so beginnt Deschner seinen Artikel. Er erwähnt dann zunächst das Konkordat, das Pacelli als Kardinalstaatssekretär 1933 mit dem Diktator Adolf Hitler ausgehandelt hatte, "ein ´unbeschreiblicher Erfolg` für Hitler", so Deschner, "verschaffte es ihm doch vor aller Welt Legalität. Pacelli hatte Hitler den Weg gebahnt, indem er die mit rheinischen Großindustriellen verbundene Zentrums-Partei, das politische Instrument der Kurie in Deutschland, ´mehr nach rechts` sich orientieren, ´eine Regierung der Rechten` bilden hieß. Verfechter eines autoritären Staates und einer autoritären Kirche, hatte er Hitler schließlich ... auch entscheidend mit zur Macht verholfen."
Obwohl er zwei ganze Zeitungsseiten zur Verfügung hat, muss Deschner dieses überaus dramatische und folgenschwere Kapitel der deutschen Geschichte im Telegrammstil abhandeln, weil es über Pius einfach so viel Belastungsmaterial gibt. Und so geht es weiter:
"Kurz darauf unterstützte Pacelli, nun einflussreicher Kardinalstaatssekretär Pius (des) XI., Mussolinis abessinische Expansion, jenen traurig schmutzigen Triumph über ein hoffnungslos unterlegenes Volk mittels der Segnungen auch einer vatikanischen Munitionsfabrik, mittels Bombenflugzeugen, Madonnenbildern, Giftgas und Flammenwerfern, während er dies alles zugleich durch die Bischöfe Italiens als heilig, als Kreuzzug, Evangelisation und große zivilisatorische Wohltat an den äthiopischen ´Barbaren` propagieren ließ. Und weiter gleich, Schlag auf Schlag, ein noch grandioseres, noch gnadenreicheres, 600.000 Spaniern das Leben kostendes Gemetzel, der Bürgerkrieg, global in eine ´rote Weltrevolution` umgelogen (unter 473 spanischen Parlamentsabgeordneten saßen 15 Kommunisten). Ein gar frommes Schlachten somit wieder, in dem Staatssekretär Pacelli die ´sehr edlen christlichen Gefühle` Francos feierte, eines Rebellen, der sich selbst ´Kämpfer Christi` und ´Werkzeug der Vorsehung` nannte und noch nach dem Krieg, laut Schätzungen des italienischen Außenministers Graf Ciano, täglich in Sevilla 80, in Barcelona 150, in Madrid 200 bis 250 Gefangene hinrichten, der allein in den ersten Jahren nach Ende des Bürgerkrieges bis zum Frühjahr 1942, da er auf Wunsch Pius XII. begann, ´die alten christlichen Traditionen` wieder aufzunehmen, mehr als 200.000 Menschen erschießen ließ."

Karlheinz Deschner berichtet ebenfalls, dass Papst Pius XII. weder gegen die Zerschlagung der Tschechoslowakei protestierte noch gegen die kriegerischen Überfälle der deutschen Wehrmacht auf Polen und die Sowjetunion. Und er fährt dann fort: "... ja, mitten im großen Krieg verlockte ihn jetzt die Vernichtung des Kommunismus, verlockte die Katholisierung des Balkans, wo die Pavelić-Ustascha bereits kaum ausdenkbar blutrünstig missioniert hatte, verlockte die Unterwerfung der Russisch-Orthodoxen Kirche. So war der Papst voller "Bewunderung großer Eigenschaften des Führers" und wünschte, wie er gleich durch zwei Nuntien (in Vichy und in Madrid) zum Ausdruck brachte, ´dem Führer nichts sehnlicher als einen Sieg`" (siehe oben).


Kirchenpolitische Interessen und Rücksichten


Zum Massenmord an der jüdischen Bevölkerung schreibt Karlheinz Deschner in diesem Artikel in der Frankfurter Rundschau nur einen einzigen Satz. Pius protestierte, so Deschner, " ... nicht einmal - vor allem wohl infolge oft deklarierter kirchenpolitischer Interessen und Rücksichten - gegen die Verfolgung der Juden, ihre, bald schon europaweite, Massenvernichtung."

"Kirchenpolitische Interessen und Rücksichten" ... die werden in der Tat immer wieder angeführt, um das Verhalten Pacellis zu erklären. Warum hat er zum Holocaust geschwiegen? Sicher nicht, weil er die Weltanschauung Adolf Hitlers bewundert hätte. Für einen Papst in Rom kann es nun mal außer seiner eigenen vatikanisch-katholischen Weltanschauung nichts geben, was er bewundert. Er schwieg wohl auch nicht, weil er in besonderem Maße antisemitisch oder antijüdisch eingestellt gewesen wäre - jedenfalls nicht mehr, als es damals innerhalb der Kirche üblich war. Nein, er schwieg aus "kirchenpolitischen Interessen und Rücksichten" - und die waren ihm offensichtlich wichtiger als das Leben von Millionen Menschen, von denen er wusste, dass sie in unmittelbarer Lebensgefahr schwebten. Denn der Vatikan war, wie immer, frühzeitig und genau darüber informiert, was sich in Mittel- und Osteuropa mit den Juden abspielte.

Doch woraus bestanden nun diese "kirchenpolitischen Interessen und Rücksichten", die Pius solange zaudern und zögern ließen, bis kaum noch jemand zu retten war? Nun, es waren im Grunde kaltherzige strategische Erwägungen, die den Vatikan bereits zwei Jahrzehnte zuvor in mehr oder weniger offene Bündnisse mit sämtlichen faschistischen Diktatoren Europas hineingeführt hatten, denn: Der Faschismus in all seinen Spielarten war für die Kirche ein Gegengewicht gegen den sowjetischen Bolschewismus, aber auch gegen Sozialismus und Kommunismus in all seinen Spielarten - denn darin sah der Vatikan den Antichristen am Werk. Die römische Kirche hielt sich in ihrer Geschichte schließlich immer auf Seiten der Mächtigen und Reichen - und sie hat ja selbst auch ein gewaltiges Vermögen zu verlieren. Und genau deshalb vermied es Pius XII. buchstäblich bis zuletzt, sich in irgendeiner Weise gegen Hitler zu stellen. Erst als alles vorbei war, als Deutschland besiegt war und Hitler Selbstmord begangen hatte, schwenkte der Papst um und erklärte in einer Ansprache, es sei eine "gute Tat" gewesen, den "satanischen Nazismus" zu vernichten.


Pascalina, die "starke Jungfrau" an der Seite des Papstes, und warum der Papst eventuell einen Protestversuch ins Feuer warf

 

Natürlich passt diese bittere Wahrheit über die zutiefst menschenverachtende strategische Partnerschaft zwischen Vatikan und Faschismus nicht zu einer Seligsprechung, wie man sie sich im Katholizismus des beginnenden 21. Jahrhundert vorstellt. Deshalb serviert uns die katholische Geschichtsschreibung seit vielen Jahren in Dutzenden von Büchern und Filmen eine etwas andere Version. Pacelli habe geschwiegen, um schlimmeres Unheil zu verhindern, heißt es da. Wobei dann immer noch die Frage wäre, was es denn Schlimmeres gibt als den Mord an ca. sechs Millionen Menschen wegen ihrer jüdischen Abstammung.
Aber bleiben wir einmal bei dieser Version der Geschehnisse. Sie wird meist festgemacht an einer einzigen Aussage.
Schwester Josephina Lehnert, die sich später Pascalina nennt (andere Schreibweise: Pasqualina), die bayerische Haushälterin Pacellis, erzählt, Pius habe im Juli 1942 einen öffentlichen Protest vorbereitet, und zwar gegen die Deportation der Juden in den Niederlanden. Zuvor hatten unter anderem die katholischen Bischöfe der Niederlande gegen den Abtransport der Juden protestiert. Als Pius aber erfahren haben soll, dass die deutschen Besatzer als Reaktion auf diese Proteste auch diejenigen Juden mit abtransportierten, die katholisch getauft waren, habe er seinen Protest aber Feuer geworfen.

"Mutter" Pascalina galt im übrigen als die "beherrschende Figur" (was auch immer das bedeutete) im Umfeld von Pius XII. (so Roger Peyrefitte in seinem Buch Die Schlüssel von Sankt Peter, zit. nach Der Spiegel, 21.11.1983), was ihr den Spitznamen "virgo potens" einbrachte ("starke Jungfrau"). Sie war die starke Frau an der Seite des Papstes, was offenbar dazu führte, dass sie nach dem Tod von Pius XII. 1958 "unverzüglich" die päpstliche Sommerresidenz Castelgandolfo "verlassen" musste (Wikipedia, Stand: 5.11.2011). Für ihre Dienste an Eugenio Pacelli, der - wie hier nachgewiesen - in zahllose Verbrechen und Völkermorde verwickelt ist, erhielt sie später den katholischen Orden Pro Ecclesia et Pontifice (1958), das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1969), den Bayerischen Verdienstorden (1983), das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1981) und ein Grab am Campo Santo Teutonico in Rom (1983); einem Gelände, wo schon die römischen Kaiser Nero und Caligula gelegen haben sollen.
Und Papst Joseph Ratzinger lobte die "Virgo potens", weil sie es verstanden habe, "für Pius XII. den menschlichen Lebensraum zu schaffen, den er brauchte", so ein Zitat aus Martha Schad, Gottes mächtige Dienerin, Schwester Pascalina und Papst Pius XII. (München 2007; siehe rechts), wobei sie natürlich überhaupt nicht "Gott" gedient hat, sondern Papst Pacelli, faktisch dem obersten Baalspriester der Welt. Und so lautet auch der Titel ihres 1962 erschienenen eigenen Buches: Ich durfte ihm [also Pacelli] dienen, Erinnerungen an Papst Pius XII.

Und da die hoch dekorierte Haushälterin Pascalina die einzige "Zeugin" des eventuellen Protestversuchs von Pius XII. im Jahr 1942 ist, und sonst offenbar niemand im Vatikan und der ganzen Kirche etwas davon mitbekommen hat, macht den Wahrheitsgehalt der Geschichte natürlich sehr fraglich. Es könnte allerdings auch aufzeigen, dass der Papst solche wichtigen Dinge gar nicht mit seinen Kardinälen besprach, sondern nur mit Pascalina Lehnert, der "virgo potens". Und es muss mangels Einblicken offen bleiben, ob päpstliche Entscheidungen von 1939-1958 möglicherweise vor allem Entscheidungen von Pascalina waren. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass Papst Pius XII. nach dem Tod seines Kardinalstaatssekretärs keinen Nachfolger für dieses vakante Führungsamt ernannte, sondern auch dieses Amt zusätzlich selbst ausfüllte. Kritiker mutmaßen, er hatte ja Pascalina.
Doch selbst wenn die Haushälterin hier die Wahrheit sagt, was alles in der Welt soll daran heroisch, selig oder heilig sein, wenn jemand darüber nachdenkt, sein Missfallen gegenüber der Abschlachtung von Millionen Menschen zum Ausdruck zu bringen und dann doch lieber schweigt! Dann könnte man geradezu alle Katholiken, die in verantwortlicher Position zu Verbrechen geschwiegen haben, zu Kandidaten einer Seligsprechung machen, denn ihnen allen müsste zugute gehalten werden, dass sie ja gleich dem Papst nur den Mund gehalten haben, um angeblich den Täter nicht noch zu weiteren Taten zu provozieren. Und dabei könnte man auch gleich einige Mafiosi mit einbeziehen, die aufgrund der "Omerta" (dem Schweigen) Mafia-Rache-Morde verhindert haben. Dann würde das Schweigen zu Verbrechen also offiziell zu einer tugendhaften katholischen Norm.

Falsch an der ganzen Geschichte zur "Rechtfertigung" des Papstes ist ohnehin, dass meistens die Zahl von 40.000 Menschen ins Spiel gebracht wird, welche auf die Proteste in den Niederlanden hin zusätzlich ermordet worden sein sollen, was den angeblichen Protestwunsch des Papstes zum Holocaust verhindert hätte. In Wahrheit waren es 114.
Doch bleiben wir bei bei der Frage: Kann es wirklich sein, dass Pius XII. nur deshalb schwieg, weil er die Sorge hatte, die Katholiken in Deutschland könnten im Falle seines Protestes von einer zornigen Reaktion des Nazi-Regimes getroffen werden?
 

Wie auch Katholiken mit Wissen oder Billigung des Papstes ans Messer geliefert wurden


Dagegen spricht auch der Tatbestand, dass die Nationalsozialisten auch in Deutschland ohnehin alle Juden, die katholisch oder evangelisch getauft waren, aufgrund ihrer Abstammung in die Gaskammern deportierten, wie die Juden jüdischen Glaubens auch. Und das war schon lange vor 1942 bekannt. Es waren also ohnehin schon Tausende von getauften Katholiken dabei, die deportiert, vergast und verbrannt wurden, während der Papst weiter schwieg. Und parallel dazu wurden Kirchenmitglieder aufgrund ihrer jüdischen Abstammung auch in ihren jeweiligen Kirchengemeinden vielfach ausgegrenzt. Und dass die Nazis früher oder später in den Niederlanden genauso vorgehen würden, war also zu erwarten gewesen. Fast zynisch hierbei die spätere Heiligsprechung des katholischen Holocaust-Opfers Edith Stein; einer Jüdin, die zum Katholizismus übergetreten war. Wohlgemerkt: Sie wurde vergast, weil sie Jüdin war, nicht weil sie gleichzeitig Katholikin war. Aber die Kirche reklamierte Edith Stein als "ihr" Opfer.
 
Gegen die These von der "Sorge" des Papstes um die deutschen Katholiken spricht weiter, dass die Vatikankirche auch in weiteren Fällen keinerlei Skrupel hatte, ihre eigenen Gläubigen in höchste Gefahr zu bringen oder in einer Gefahr zu belassen, wenn sie bestimmte strategische Absichten verfolgte - etwa, als sie zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs für die faschistische Seite General Francos Partei ergriff und dabei in Kauf nahm, dass Tausende von Priestern und Nonnen umgebracht wurden. Außerdem war dies eine offene Kriegserklärung an alle die Priester, welche die spanische Republik und Demokratie befürworteten und die dann auch von den mit dem Vatikan verbündeten Faschisten umgebracht wurden. Oder denken wir an das katholische Polen, wo im Zweiten Weltkrieg durch die deutschen Besatzer Tausende von Akademikern, Offizieren und Priestern umgebracht wurden, ohne dass der Vatikan auch nur ein Wörtchen des Protestes erhoben hätte. Weshalb sollte der Papst jetzt so um das Wohl der deutschen Katholiken besorgt sein, die er erst zehn Jahre zuvor, wie wir in den vorhergehenden Sendungen gehört haben, durch seine eigenen strategischen Winkelzüge mit in die Hände Hitlers manövriert hatte?

Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass Eugenio Pacelli mitunter tatsächlich Gedanken der Sorge hatte. Man kann ja in seinen Kopf nicht hineinblicken. Und sehr wahrscheinlich hatte er, je länger der Krieg dauerte und je näher die Front und die deutsche Besatzung sich dem Vatikan näherten, auch schlichtweg Angst davor, das Deutsche Reich zu brüskieren. Bezeichnenderweise erhob der Papst erst dann seine Stimme gegen Bombenangriffe auf große Städte, als es um Rom ging und die Bomben schon in Hörweite seiner Schlafgemächer einschlugen. Zuvor war das für ihn kein Thema gewesen.

Und in Juli 1942, als die von der dominanten Haushälterin geschilderte Szene gespielt haben soll, gab es in Rom jedoch weder deutsche Besatzungstruppen noch Bombenangriffe. Und Pacelli war ein versierter Spitzendiplomat, der ganz genau wusste, dass es ein Unterschied war, ob katholische Bischöfe in den Niederlanden gegen die deutsche Besatzungsmacht protestierten, oder ob der Papst den Millionen von Katholiken in Hitlers eigenem Land etwas zu sagen gehabt hätte. Und so saß er das Thema aus.

Doch selbst dann, wenn Pius XII. von seinen Anhängern sein Schweigen zur Vernichtung der Juden gar nicht angelastet wird, so fehlt für seine geplante Seligsprechung immer noch ein notwendiges "Wunder". Bei Papst Johannes Paul II. fand sich bekanntlich die Nonne Marie Simon-Pierre, die von Johannes Paul II. aus dem Jenseits von der Parkinsonschen Krankheit geheilt worden sei, nachdem die Nonne ihn im Jahr 2005 deswegen angefleht habe. Bei Pius XII. bleibt noch abzuwarten, welches "Wunder" man noch findet oder welches Wunder er eventuell aus dem Jenseits angeblich noch tut.


Was hätte ein päpstlich angeregter Protest gegen den Holocaust bewirken können!


Dass durch Protest bei den Nationalsozialisten aber durchaus etwas bewegt werden konnte, das zeigt der Streit um die Kruzifixe in bayerischen Schulen im Jahr 1941. Nach stürmischen Protesten mussten die Behörden ihren Plan zurücknehmen, die Kreuze aus einigen bayerischen Schulen zu entfernen. Da suchten z. B. 120 empörte Frauen das Landratsamt in Bad Kissingen auf und kündigten an, ihre im Krieg kämpfenden Männer und Söhne zum Widerstand aufzurufen, denn ihr "Vertrauen zum Führer" sei erschüttert (Katholisches Sonntagsblatt Würzburg, 14.8.2011). Die Nationalsozialisten waren beeindruckt und gerührt. Und durch diesen spontanen Protest kam niemand zu Schaden, es wurde niemand verhaftet oder bestraft, und er hatte außerdem noch "Erfolg".
Einen ähnlichen Erfolg feierten die deutschen Protestanten schon 1934, als ihr bayerischer Landesbischof Hans Meiser durch die Reichskirche kurzfristig abgesetzt worden war. Nach einer Protestdemonstration in München wurde Meiser sogar von Hitler persönlich empfangen und vom Führer wieder ohne Wenn und Aber in sein Amt eingesetzt.

Und was wäre also geschehen, wenn ein Protest gegen die Massenmorde durch ganz Deutschland gegangen wäre, und zwar nicht spontan, sondern von höchster katholischer Stelle angeregt? Hätte das wirklich nichts bewirken können? Millionen von katholischen Soldaten standen an der Front. Wären sie nicht verunsichert gewesen? Oder hätten die Machthaber sich gar an den katholischen Frontsoldaten im Dienst des Führers gerächt? Mit Sicherheit nicht.

Aber all das sind nichts weiter als theoretische Gedankenspiele. Denn in dem erwähnten Fall mit den Kruzifixen ging es um das Eingemachte der katholischen Kirche, es ging um die kirchliche Macht über die Erziehung der Kinder. Da musste reagiert werden. Im anderen Fall hingegen ging es um das Leben von Millionen Menschen, die wegen ihres Glaubens - der sie nach katholischer Lehre sowieso bald in die ewige Hölle bringen würde - und wegen ihrer Abstammung verfolgt wurden. Da ließ man als Papst besser die Finger davon.

Und weshalb ließ er die Finger davon? Vielleicht auch deshalb, weil ihm schon die bloße Möglichkeit eines politischen Protestes der katholischen Gläubigen im Grunde zutiefst zuwider war. Die Aktionen der Frauen in Bad Kissingen und anderswo zeigen ja, dass es hier noch immer ein Potenzial in Deutschland gegeben hätte.
Doch Pacelli hatte schon in seiner Zeit als Nuntius in München und Berlin in den 20er Jahren dieses Potenzial keineswegs unterstützt, im Gegenteil: Er hatte die katholischen Parteien, vor allem das Zentrum, immer wieder zu gängeln versucht und ihnen eine Koalition mit den Rechtsparteien nahegelegt. Und 1933, als Hitler die Macht ergriff, hatte der damalige Kardinalstaatssekretär Pacelli die eigene Partei, das katholische Zentrum, so in der Luft hängen lassen, dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als sich selbst aufzulösen. Das Konkordat mit Hitler war dem Kirchenfürsten Pacelli (und seiner deutschen Haushälterin Pascalina) wichtiger gewesen als der aktive politische Katholizismus in Deutschland, der eine Generation zuvor immerhin im "Kulturkampf" mit Bismarck stand - und der in der Weimarer Zeit, wäre der Vatikan ihm nicht in den Rücken gefallen, gemeinsam mit den Sozialdemokraten womöglich die Machtergreifung Hitlers hätte verhindern  können.
 

Die Entmündigung des politischen Katholizismus durch den Papst


Doch Papst Pacelli hatte anders entschieden. Und das war kein Zufall. Dahinter steht nämlich Pacellis Auffassung von Kirche: Da gibt es den Papst, die Bischöfe und die Priester - und dann gibt es eine Kluft, und dann kommt erst das Volk. Das Volk, das andächtig auf das zu lauschen hat, was die Kircheoberen ihnen zu sagen haben, und das gehorcht, und zwar bei Androhung der ewigen Verdammnis. Die Eigenverantwortung katholischer Gläubiger, die eigene Ideen entwickeln, die eigene Entscheidungen treffen - all das war schon dem Kurienkardinal Pacelli so fremd, dass er auch später als Papst nicht im Traum daran dachte, dieses Potenzial in irgendeiner Weise zu nützen. Statt dessen gab er lieber diplomatisch verklausulierte und geschraubte Erklärungen von sich, aus denen dann heute seine Verteidiger an manchen Stellen in einer Art Kaffeesatzleserei den Hauch eines Protestes herauszulesen versuchen. Doch vergebens: Weder die Nationalsozialisten als Täter noch die Juden als Opfer hat Pacelli jemals klar benannt. Und den politischen Katholizismus, der auf diese Untaten hätte reagieren können, den hatte er ohnehin bereits Jahre zuvor den absolutistischen Machtansprüchen seiner Kirche geopfert.

Vielleicht ist das ja auch einer der Hauptgründe, weshalb Papst Ratzinger seinen Vorgänger Pacelli unbedingt selig sprechen möchte: Weil er nämlich selber eine ähnlich mittelalterliche Auffassung von Kirche vertritt und katholische Laien wie auch unbotmäßige progressive Theologen ähnlich herablassend behandelt wie fast alle seiner Vorgänger es taten.

Der britische Buchautor John Cornwell bringt es in seinem Buch Pius XII., der Papst der geschwiegen hat, so auf den Punkt: "Pacellis Schweigen angesichts der Ungeheuerlichkeit des Holocaust bedeutete nicht nur ein persönliches Versagen, sondern ein Versagen des Papsttums als Institution und der von ihm geprägten Kultur des Katholizismus."
Und Cornwell schreibt weiter: "Es war ein Grundzug von Pacellis Ideologie der päpstlichen Macht, dass Katholiken ihr soziales und politisches Denken einer Instanz ´überantworten` sollten, dass sie ihre Verantwortung als Katholiken für das, was auf der Welt geschah, aufgeben und nach oben blicken sollten zum Heiligen Vater ..." (345 f.)
Es geht also um das Versagen des katholischen "Petrusamtes", das alle "Petrusjünger" zu gehorsamen Untertanen entmündigt, die im Küssen des Fischer-Rings an der Hand des Papstes der Erfüllung ihrer religiösen Sehnsucht am nähesten kommen, nicht jedoch im Tun des Rechten und Guten.
Oder, wie es der deutsche Germanist Walter Jens im Jahr 1999 bei der Besprechung des eben erwähnten Buches von Cornwell auf den Punkt brachte: "Jesus, der Jude mit dem gelben Fleck auf dem zerschlissenen Rock: zur Seite geschoben beim Aufbau unumschränkter römischer Macht" (Die Woche, 29.10.1999).
 

Die Verbrämung des Schweigens und mehrere in Klöstern versteckte Juden


Der Versuch, Pacellis Schweigen zum Holocaust damit zu erklären, er habe damit ja nur Schlimmeres verhindern wollen, ist also nichts anderes als eine billige Ausrede. Auch, wenn man bedenkt, wie nur kurze Zeit später die meisten deutschen Städte mit ihren Millionen von Katholiken in Schutt und Asche gelegt worden sind. Und nicht nur das: Dieser Versuch, das Schweigen des Papstes als ethisch wertvoll darzustellen, ist gleichzeitig eine Abwertung, ja eine Verhöhnung von all den mutigen Menschen, die auch in scheinbar aussichtsloser Lage versucht haben, einem verbrecherischen Regime die Stirn zu bieten - und die dann unter Lebensgefahr tatsächlich so manches Menschenleben gerettet haben. Und wenn Pacelli tatsächlich ein reines Gewissen gehabt hätte - weshalb hat er es dann auch nach dem Krieg bis zu seinem Tode vermieden, zum Holocaust Stellung zu beziehen?

Doch die katholische Geschichtsschreibung ist erfinderisch und - symbolisch gesprochen - einfallsreicher als ein Dutzend Schlangen.
Nachdem man das Schweigen von Pius zum Holocaust insgesamt nicht mehr leugnen kann, versucht man ihn nun zum stillen Retter zumindest einiger Tausend römischer Juden hoch zu stilisieren. Wahr daran ist nur, dass tatsächlich zahlreiche Juden, die der Razzia der SS im Oktober 1943 entgangen waren, später in Kirchen und Klöstern bis zum nahen Kriegsende Unterschlupf fanden. Doch war das nicht ohnehin ein schlichtes Gebot der Menschlichkeit, zumal wenn man sich Christ nennt? Zumal das für den Papst mit keinerlei Einschränkung oder einem persönlichen Risiko verbunden war.

Und was war dem vorausgegangen? Die Vorgänge im Rom des Oktober 1943 sind trotz aller Beschönigungsversuche wiederum alles andere als ein Ruhmesblatt für Eugenio Pacelli. Denn anders, als es heute oft dargestellt wird, auch in von der katholischen Kirche teuer bezahlten Fernsehfilmen, hat der Papst keineswegs durch seine Intervention weitere Deportationen gestoppt. Es waren vielmehr schlichtweg keine weiteren mehr vorgesehen (!). Und zu der voraus gegangenen Deportation nach Auschwitz, die praktisch vor seiner Haustüre geschah und sich über mehrere Tage hinzog, schwieg Pacelli ebenso wie zum Holocaust insgesamt.

Doch Eugenio Pacelli und Pascalina waren mit Sicherheit nicht dumm, und sie wussten zu diesem Zeitpunkt natürlich, dass die Deutschen den Krieg nicht mehr gewinnen konnten. War das mit ein Grund dafür, dass der Papst am Ende dann doch noch ein gewisses kalkuliertes Risiko einging und die Klöster für flüchtende Juden öffnen ließ? Denn die Kirche denkt natürlich auch über das Kriegsende hinaus. Oder war es tatsächlich ein schlechtes Gewissen, weil er nicht schon zuvor etwas unternommen hatte? Wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass diese Schutzaktion für einige wenige in letzter Minute nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war im Vergleich zu dem, was ein klares Wort des Oberhaupts vor mehreren hundert Millionen Katholiken zur rechten Zeit hätte bewirken können.
 

Hitler rechtfertigt die Judenverfolgung mit dem "Vorbild" der Kirche


Doch dann hätte der Papst auch eingestehen müssen, dass die Kirche die Hauptschuld trägt an der Verfolgung der Juden durch die Geschichte und damit mitschuldig daran ist, dass es überhaupt zum Holocaust kommen konnte. Doch von einem solchen Eingeständnis ist die Kirche bis heute weit entfernt. Noch im August 2005 sprach Papst Joseph Ratzinger bei seinem Besuch in der Synagoge von Köln von einer "wahnwitzigen neuheidnischen Rassenideologie", die zur Auslöschung des europäischen Judentums geführt hätte. Als ob diese Ideologie ohne die Jahrhunderte lange Vorbereitung durch die kirchliche Judenfeindschaft überhaupt denkbar gewesen wäre!

Adolf Hitler selbst rechtfertigt in einem Gespräch mit Bischof Hermann Wilhelm Berning von Osnabrück vom 26.4.1933 die Judenverfolgung damit,
"dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirche in 1500 Jahren gegen sie getan habe" (zit. nach Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 406).
Und im Mai 2006 versuchte Papst Ratzinger bei seinem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz den Holocaust so darzustellen, als ob die Deutschen, die dabei mitmachten, allesamt von einer "Schar von Verbrechern" missbraucht worden seien. Damit wiederholte er die Zwecklüge ungezählter Deutscher, die nach dem Krieg von ihrer eigenen Schuld ablenken wollten.
Und das wollten auch die deutschen Bischöfe. Unmittelbar nach dem Krieg stilisierten sie sich nachträglich alle zu "Widerstandskämpfern" hoch, obwohl nicht wenige von ihnen, wie wir in den voran gegangenen Teilen beschrieben haben, die deutschen Soldaten bis fast zum Schluss zum Weiterkämpfen und zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit aufgefordert hatten.


Nach dem 2. Weltkrieg: Einbehaltung jüdischer Waisenkinder und deren katholische Taufe auf Veranlassung des Papstes


Und nach dem Krieg stießen Vertreter jüdischer Organisationen, die jüdische Kinder, die in katholischen Einrichtungen versteckt worden waren, wieder abholen wollten, auf erheblichen Widerstand. Der Historiker Saul Friedländer war so ein Kind, und er berichtet in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (10.1.2011), dass sein Onkel erst die Polizei einschalten musste, um ihn, seinen Neffen, zurückzubekommen. Erst Jahre später erfuhr Friedländer, weshalb das so war. Er berichtet: "Von Papst Pius XII. kam die Anweisung, dass man die getauften jüdischen Kinder in katholischen Institutionen, deren Eltern nicht zurückgekehrt waren, nicht mehr zurückgeben solle. Meine Eltern sind nicht zurückgekommen." Allein die katholische Zwangstaufe von einzelnen jüdischen Kindern, mit deren "Rettung" man sich heute brüstet, ist ein unvorstellbarer Skandal mit verbrecherischem Beigeschmack. Man hat damit bereits bewusst die Ermordung der Eltern einkalkuliert, denen es bei der Vorstellung einer Zwangskatholisierung ihrer Kinder sicher das Herz gebrochen hätte.
Auch der kleine Saul war inzwischen im Internat katholisch getauft worden und hatte von seinen katholischen "Rettern" den Namen "Paul" erhalten (was den Wandel vom Juden "Saulus" zum Kirchenlehrer "Paulus" symbolisieren soll) und sollte zu einem strammen Katholiken erzogen werden.
Dies erinnert in furchtbarer Weise auch an den Kinderraub von Papst Pius IX., der das jüdische Kind Edgardo Mortara 1859 von seinen Eltern in den Vatikan entführen ließ, es adoptierte und zu einem unterwürfigen katholischen Priester machte, nachdem er erfahren hatte, dass das katholische Kindermädchen den kleinen Edgardo ohne Wissen von dessen Eltern katholisch "notgetauft" hatte, um dessen Seele vor der "ewigen Hölle" zu retten. Das Dienstmädchen wurde dafür ausdrücklich gelobt. Und Pius IX. wurde von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 selig gesprochen.
 

Die kirchliche "Rattenlinie" = Fluchthilfe für die Faschisten nach Südamerika, Exkommunikation von Kommunisten und Ablehnung der Religionsfreiheit


Während also die gerade erst den Gaskammern entronnenen Verwandten von ermordeten Juden in der Nachkriegszeit um die Herausgabe von deren Kindern durch die Kirche an die Familien kämpfen mussten, gelang Tausenden von Kriegsverbrechern aus Deutschland, Kroatien und anderen Ländern wie von Zauberhand die Flucht nach Spanien und Südamerika. Sie bedienten sich dabei der sogenannten "Rattenlinie", auf der sie von Kloster zu Kloster (im übertragenen Sinne von einem "Rattenloch" zum nächsten) geschleust und von katholischen Geistlichen geschützt und betreut wurden. Auch dies geschah unter dem Pontifikat von Pius XII. Und dieser Mann soll jetzt selig gesprochen werden.

Man will weiter einen Mann selig sprechen, der zwar weder Hitler noch andere katholische Nazis aus der Kirche ausschloss, der aber im Jahr 1949 nicht zögerte, allen Italienern mit der Exkommunikation zu drohen, die auch nur in Verbindung mit der Kommunistischen Partei Italiens standen. Man will einen Mann seligsprechen, der zwar 1946 gegen die Verhaftung des kroatischen Faschistenkollaborateurs Erzbischof Stepinac öffentlich protestierte, dem aber die Ermordung von Millionen Juden weder einen öffentlichen Protest noch eine einzige Solidaritätsmesse wert war.
Man will im 21. Jahrhundert einen Mann selig sprechen, der noch 1953 verkündete, dass die Religionsfreiheit, also ein grundlegendes Menschenrecht, gegenüber dem Wahrheitsanspruch der Kirche nicht gelte.
Wörtlich sagte er: "Was nicht der Wahrheit oder Sittennorm entspricht, hat objektiv kein Recht auf Existenz, Propaganda und Aktion."

Und dass dies keine leeren Worte waren, zeigte sich im August 1953 in Spanien. Mit der Franco-Diktatur schloss der Vatikan nämlich ein Konkordat ab, das die katholische Religion zur "einzigen Religion der spanischen Nation" erklärte und alle anderen Religionen extrem benachteiligte, ja fast in den Untergrund trieb, wie Karlheinz Deschner schreibt. Dass der spanische Staat sich in diesem Konkordat enorme finanzielle Opfer für die Kirche aufbürden ließ, versteht sich fast schon von selbst.
Wer also glaubt, die Kirche habe sich geändert, der verwechselt ganz offenbar "Änderung" mit raffinierter Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist. Und möglicherweise gibt der Zeitgeist die Seligsprechung von Pius XII. schon bald her.
Gleichzeitig erklärte auch Kurienkardinal Alfredo Ottaviani im Hinblick auf protestantische Minderheiten Italiens und Spaniens: "In den Augen eines wahren Katholiken ist die sogenannte Duldsamkeit nicht am Platz" (Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert, Teil 2, S. 583). Und noch 1955 bezeichnete Papst Pius XII. die Reformation "als das schwerste Verhängnis, welches das christliche Abendland und seine Kultur treffen konnte" (zit. nach Main-Post, 10.11.2010). Schon 1948 hatte der Vatikan Religionsgespräche und gemeinsame Gottesdienste mit den Protestanten ausdrücklich verboten. Eine Seligsprechung Pacellis durch Ratzinger wäre also auch ein weiteres Signal dafür, dass für den Vatikan "Ökumene" Unterwerfung unter den Stuhl Petri bedeutet, auch wenn man dies aus den gespreizten Wortgeflimmere der entsprechenden Verlautbarungen nicht immer sofort heraus hört.


Die Wiederaufrüstungspolitik der Kirche und die kirchliche Verurteilung des Pazifismus von Jesus


Papst Pius XII. ist zudem ein Mann, der wie kein zweiter dafür verantwortlich ist, dass Deutschland nur wenige Jahre nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wieder aufrüstete. Es war der Kölner Kardinal Frings, der im März 1950 als erster öffentlich die Wiederaufrüstung der Deutschen forderte, und zwar, wie er selbst betonte, in Übereinstimmung mit dem Papst, der seinerseits bereits 1948 gefordert hatte: "Ein Volk, das von einem ungerechten Angriff bedroht ... ist, kann, wenn es christlich handeln will, nicht in passiver Gleichgültigkeit verharren, und noch mehr verbietet die Solidarität der Völkerfamilie den anderen, sich in gefühlloser Neutralität als einfache Zuschauer zu verhalten." Karlheinz Deschner fragt hier zurecht: "Statt gefühlloser Neutralität also gefühlvoller Krieg?" (Deschner, Teil 2, S. 373)

"... wenn es christlich handeln will ..." Mit der Lehre des Jesus von Nazareth hat das alles nichts, aber auch gar nichts zu tun, denn dieser sagte klar und eindeutig: "Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen." Was aber sagt Kardinal Frings auf dem Katholikentag in Bochum? "Der Papst lässt keinen Zweifel darüber, dass es eine verwerfliche Sentimentalität, ein falsch gerichteter Humanitätsdünkel wäre, wenn aus Furcht vor den Leiden des Krieges jemand Unrecht geschehen lässt. Nach den Gedanken des Papstes ist also eine Kriegsführung, die gegen Unrecht gerichtet ist, nicht nur ein Recht, sondern sogar die Pflicht aller Staaten" (S. 373).
Und in einem Hirtenbrief fügte er hinzu, "dass eine Propaganda für eine uneingeschränkte und absolute Kriegsdienstverweigerung mit dem christlichen Gedanken nicht vereinbar ist, dass auch diejenigen auf einem Irrweg sind, die der Jugend solches Denken beibringen" (S. 373f.).
Damit die Jugend also nicht auf den pazifistischen "Irrweg" gebracht wird, trägt z. B. auch das Kardinal-Frings-Gymnasium in Bonn-Beuel den Namen der Eminenz.
Und die Umbenennung der großen Rheinbrücke in Düsseldorf von Südbrücke in "Josef-Kardinal-Frings-Brücke" im Jahr 2006 zeigt auf, welche Kräfte in Deutschland wieder nach oben drängen. In Düsseldorf wurde von der CDU-Mehrheit im Stadtrat im Jahr 2011 übrigens auch das Todesurteil gegen zwei Frauen im Jahr 1738 bestätigt (sie wurden bei lebendigem Leib verbrannt), da die beiden Frauen "in abergläubische Praktiken" verwickelt waren..

Kardinal Frings erklärt hier Jesus von Nazareth also zu einem "Irrlehrer"! Und Papst Pacelli erklärte ihn, Christus, den großen Liebe- und Weisheitslehrer, für "gemeingefährlich", denn als "gemeingefährlich" verwarf er, der Papst den "extremen Pazifismus", "also den", so Karlheinz Deschner, "der allein und eigentlich im Sinne Jesu Pazifismus ist" (Deschner, Teil 2, S. 404).
Das alles mag ja katholisch sein oder lutherisch, christlich ist es jedenfalls nicht. Doch wie könnte die Kirche auch anderes lehren, hat sie doch durch die Jahrhunderte hindurch Kriege nicht nur befürwortet, sondern auch immer wieder selbst angezettelt. Zu allen Zeiten hat die katholische Kirche die Völker dieser Erde mit Füßen getreten und nur ihrem Gott gedient, dem Mammon, und ihm zu Ehren, geraubt, geplündert, gefoltert und gemordet. Immer ging es nur darum den Reichtum und den Einfluss der Kirche zu mehren. Dafür ging man allzu gerne und freiwillig, oftmals federführend, auch Bündnisse mit teuflischen Diktatoren ein. Einen Menschen zu töten ist ein Verbrechen. Millionen  Soldaten mit angeblich Gottes Segen den Kriegen aufeinanderzuhetzen hingegen gilt als ein gottgefälliges Werk.

Und die Verdammung des Pazifismus, also der Friedfertigkeit, die der Nazarener lehrte, zieht sich ebenfalls wie ein roter Faden bis heute durch die Verlautbarungen der angeblichen Stellvertreter Christi. "Wir sind keine Pazifisten!" erklärte z. B. Johannes Paul II. 1991 während des Krieges gegen den Irak, und auch sein Nachfolger, Papst Josef Ratzinger alias Benedikt XVI., lehnte noch im November 2004, also wenige Monate vor seiner Wahl zum Papst, Pazifismus als "unchristlich" ab (Wer sitzt auf dem Stuhl Petri? Band 3, Seite 25).

Der katholische Bundeskanzler Konrad Adenauer jedenfalls machte sich die Aufrüstungspolitik des Vatikan voll zu eigen und erklärte 1952 die Frage der Wiederbewaffnung Deutschlands zu einer "Weltanschauungsfrage". Es gehe darum so Adenauer wörtlich, "ob Europa christlich bleibt oder ob Europa heidnisch wird" (Deschner, Teil 2, S. 344). So als ob es nicht gerade die Romkirche gewesen wäre, die von Anfang an das ursprüngliche Urchristentum in sein Gegenteil verwandelt hätte, indem es heidnische Rituale und Bräuche zuhauf aus antiken Kulten übernahm.


Das Ziel eines großkatholischen Reiches


Übrigens: Der Katholik Adenauer, während der Weimarer Zeit Oberbürgermeister von Köln, hatte sich zwar während des Dritten Reiches aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, zuvor jedoch 1929 Mussolini begeistert zum Abschluss der Lateranverträge gratuliert und sich 1932 an die Nazis angebiedert, indem er erklärte, "dass nach meiner Meinung eine so große Partei wie die NSDAP unbedingt führend in der Regierung vertreten sein müsse" (Deschner, Teil 1, S. 461). Auch der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss, ein Protestant, hatte 1932 "neben allerlei Tadelnswertem viel Positives am Nazismus gefunden, vor allem Hitler selbst auffallend geschont", wie Deschner schreibt (Teil 1, S. 461). Und auch Heuss war für die Wiederbewaffnung, so wie ja auch beide Großkirchen Kriege und Gewalt immer gerechtfertigt haben.
In einem Hirtenwort gab der oben bereits genannte Joseph Kardinal Frings 1951 auch noch die Strategie preis, die hinter all dem steckte, nämlich: "Die Verwirklichung des Ideals, das Reich Karls des Großen zu errichten, ist noch nie so nah gewesen wie jetzt" (Deschner, Teil 2, S. 374). Darum geht es also der römisch-katholischen Kirche, ob sie nun von Pacelli, Wojtyla oder Ratzinger angeführt wird.

Und Großmachtträume sind es, die die Kirche leiten. Man könnte es auch Größenwahn nennen: die Errichtung eines europäischen Großreichs mit Waffengewalt - denn bei Licht besehen war Karl der sogenannte Große ein brutaler Gewaltherrscher, der in 46 Regierungsjahren fast 50 Feldzüge führte. Und fast immer waren es Angriffskriege, die der von der katholischen Kirche "heilig gesprochene" Kaiser anzettelte.
Besonders brutal die Massakrierung und Zwangskatholisierung der Sachsen von 772 bis 804. Allerdings hat Kardinal Frings bei seiner Schwärmerei über den "heiligen" Karl die Ironie der Geschichte außer Acht gelassen, die darin besteht, dass die Anbiederung der Kirche an alle faschistischen Diktatoren Europas maßgeblich zur Katastrophe des Zweiten Weltkriegs beigetragen hat. Und nach dessen Ende fanden sich die Grenzen der Einflusssphäre des sogenannten westlichen Abendlandes genau dort wieder, wo sie zur Zeit Karls des Großen, also mehr als tausend Jahre zuvor, auch schon waren - nämlich an der Elbe.

"Was verdient ein Papst", fragt Karlheinz Deschner in seinem Buch Kirche und Faschismus, "der nicht nur mit Pavelić im Bunde war, sondern auch mit Mussolini, Franco und Hitler? Und mit ihrer Hilfe, über 55 Millionen Tote hinweg, die Russen bis an die Grenzen Bayerns brachte?"
(S. 90)
 

Pius verurteilte die Atombombenabwürfe nicht, dafür viele nichtkatholische Bücher

 
Das alles brachte die Kirche aber nicht zum Nachdenken, im Gegenteil: Mit um so größerem Eifer stürzten sich Papst und Kirche nun mit in den Kalten Krieg. So wie Pius XII. die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki nie verurteilt hat, so unterstütze er auch Konrad Adenauer bei seinen Plänen, auch Deutschland atomar zu bewaffnen. Führende kirchliche Theologen wie der Jesuit Gustav Gundlach wurden nicht müde, auch den atomaren Krieg theologisch zu rechtfertigen. Auch wenn es dann mit den deutschen Atomwaffen entgegen dem Wunsch der Vatikan nichts wurde, so unterstützte der Vatikan - so wie übrigens auch die Lutherkirche - über viele Jahrzehnte gegen alle Bedenken aus dem Volk "erfolgreich" die Energieerzeugung durch Atomkraftwerke. Noch 2007 lobte der jetzige Papst Joseph Ratzinger ausdrücklich, so wörtlich, "den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand."
PS: Wenn Kirchenvertreter, gleich ob katholisch oder lutherisch, heute nach der Atomkatastrophe von Fukushima behaupten, immer schon Bedenken gegen die Atomkraft gehabt zu haben, so ist das einmal mehr Lug und Trug gegenüber dem Volk (siehe dazu auch Der Theologe Nr. 53).

Aber die Kirche glaubte schon immer, das Denken der Menschen unter Kontrolle zu haben und bis in die Einzelheiten hinein bestimmen zu können. Papst Pius XII., der jetzt selig gesprochen werden soll, steht auch für den Index verbotener Bücher, auf den während seiner Amtszeit, nämlich zur Zeit des beginnenden Kalten Krieges, die Werke so bekannter Schriftsteller und Philosophen wie André Gide, Jean-Paul Sartre, Alberto Moravia oder Simone de Beauvoir gesetzt wurden (Iosif Grigulevic, Ketzer-Hexen-Inquisitoren, S. 469). Adolf Hitlers Hauptwerk Mein Kampf hingegen landete nicht auf dem Index, obwohl Pacelli es schon in den 20er Jahren von vorne bis hinten gelesen hatte.

Mit Sartre oder Beauvoir sollte das Volk sich also nicht befassen. Es sollte statt dessen aufblicken zum sogenannten "Heiligen Vater" und zu den Menschen, die ihm von der Kirche als Vorbilder, als angebliche "Heilige", präsentiert wurden. Und da lag Pius (dem) XII. besonders einer seiner Vorgänger am Herzen, den er 1954 heilig sprach, nämlich Pius X., in dessen Amtszeit von 1903 an er seine Karriere in der römischen Kurie begonnen hatte. Ausgerechnet Pius X., auf den sich übrigens auch die fanatische Pius-Bruderschaft in ihrem Namen bezieht. Wir haben zu Beginn dieser Studie nachgewiesen, wofür dieser Papst steht: Für einen innerkirchlichen Geheimdienst, eine regelrechte Schnüffel- und Denunziantenzentrale in Rom, die mit den Mitteln der modernen Inquisition alle Theologen rigoros abstrafte, die noch ihren eigenen Verstand zu gebrauchen versuchten.
 

Das "Jahrhundertereignis" - Die unfehlbar leibliche Himmelfahrt der katholischen Maria


Solche Theologen, die ihren Verstand selbstständig einsetzten, konnte auch Pius XII. nicht gebrauchen - vor allem dann nicht, als er im Jahr 1950 das auch unter Theologen äußerst umstrittene Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel verkündete. Schon der gesunde Menschenverstand könnte hier einwenden, was denn Maria mit ihrem irdischen Körper in einem "Himmel" anfangen soll, in dem ansonsten nur "feinstoffliche Wesen" existieren. Für Pacelli jedoch war dieses Dogma "das größte religiöse Ereignis des Jahrhunderts", wie es ein vom Vatikan verbreiteter Werbetext verkündete. "Eviva la Madonna! Evviva il Papa!" schrie die Menge auf dem Petersplatz. "Gott war offenbar vergessen worden", schreibt dazu Hans Erich Lampl in dem von Karlheinz Deschner herausgegebenen Buch Der gefälschte Glaube (S. 262). Nicht vergessen hat aber Papst Pacelli, seinem Dogma noch einen Nachsatz hinzuzufügen, zu dem Lampl schreibt: "Potenzieller Scheiterhaufengeruch schlägt aus diesem sanftheitsheuchelnden ´Credo` entgegen" (S. 266).
Und dieser Nachsatz lautet: "Wenn daher, was Gott verhüte, jemand diese Wahrheit, die von Uns definiert worden ist, zu leugnen oder bewusst in Zweifel zu ziehen wagt, so soll er wissen, dass er vollständig vom göttlichen und katholischen Glauben abgefallen ist."

Man muss sich das einmal vorstellen: Schon das bloße Zweifeln an diesem Dogma führt zum Ausschluss aus der Kirche und damit geradewegs in die Hölle! "Ist dies auch Tollheit, so hat es doch Methode", steht bei Shakespeare im Hamlet, und das kann man geradewegs auf die Dogmen der Kirche übertragen. Denn es ist in der Tat so: Wer auch nur einen der vielen angeblich unfehlbaren Lehrsätze der Kirche nicht annimmt, gleich welchen, der unterliegt automatisch der Exkommunikation. Die wenigsten Katholiken wissen das, aber es steht, ebenso wie Pacellis Mariendogma - das hat die Randnummer 487 - in der offiziell autorisierten Lehrsatzsammlung der Vatikankirche, herausgegeben von Neuner und Roos. Unter Randnummer 85 lesen wir da nämlich: "Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen."

Und  wo sind nun die Katholiken, die wirklich ausnahmslos alles glauben, was die Amtskirche den Gläubigen in eineinhalbtausend Jahren so alles vorgesetzt hat, von der Jungfrauengeburt über die Reliquienverehrung bis hin zur leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Wenn aber die meisten Katholiken ohne es zu ahnen längst automatisch ausgeschlossen sind, wozu zahlen sie dann eigentlich noch Kirchensteuer?
Auf jeden Fall zeigt dieser Nachsatz des Mariendogmas von 1950, wes Geistes Kind hier am Werk ist. Der Gottesgeist, der freie Geist, der für alle Menschen gleichermaßen da ist, der ist es sicher nicht, der einem Menschen eingibt, alle zu verdammen, die nicht seine Ansichten teilen. Weshalb ausgerechnet Eugenio Pacelli, der ansonsten so kühle und zurückhaltende, wenig Emotionen zeigende Chefdiplomat an der Spitze der Kurie, sich plötzlich mit derartiger Begeisterung in ein schwärmerisches Mariendogma förmlich hineinsteigerte, wäre eigentlich eher ein Fall für die Psychoanalyse. Vielleicht spielt dabei, wenige Jahre nach dem Krieg, auch das schlechte Gewissen eine gewisse Rolle, das der Papst mit diesem medienwirksamen Event, so würden wir heute sagen, zu kompensieren versuchte.
 

Papst hinterließ ein Privatvermögen von 80 Millionen Mark in Gold und Valuten
 

Pacelli gab sich ja ständig den Anstrich eines vollkommenen Asketen; man bezeichnete ihn auch als "pastor angelicus", als "engelgleichen Hirten". Doch so ganz durchgeistigt, wie seine Bewunderer ihn gerne sahen, war er offenbar doch nicht. Er scheint durchaus noch Sinn für gewisse materielle Dinge gehabt zu haben, zum Beispiel Geld. Wie anders wäre es zu erklären, dass dieser Papst, als er starb, seinen Erben ein Privatvermögen von 80 Millionen Mark in Gold und Valuten hinterließ. Dies entnehmen wir dem Buch Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert von Karlheinz Deschner (Teil 2, S. 292). Er schrieb dies bereits 1982, also vor drei Jahrzehnten, und widersprochen hat ihm in diesem Punkt bisher niemand. Auch nicht der Aussage, dass Pacellis drei Neffen allesamt führende Posten sowohl beim Vatikan als auch bei dem Vatikan eng verbundenen Wirtschaftsunternehmen bekleideten und während seiner Amtszeit Einnahmen von umgerechnet 120 Millionen Mark erzielten. Die durch verschiedene Fernsehfilme bekannt gewordenen Begünstigungen von Verwandten durch Rodrigo Borgia alias Papst Alexander VI. lassen grüßen, auch wenn man natürlich nicht weiß, ob Pius XII. seine Neffen begünstigt hat oder ob sie unabhängig von ihrem Onkel kirchliche Karriere machten (PS: "Neffen" sind im katholischen Sprachgebrauch oft auch die leiblichen Söhne der Priester).
 

Träumt Papst Ratzinger von einer neuen katholischen Weltdiktatur mit faschistoiden Zügen?
 

Aber auch das scheint einer Seligsprechung nicht im Wege zu stehen. Bleibt die Frage: Welchen Narren haben die Päpste, die nach ihm kamen, an diesem Vorgänger nur gefressen? Denn selig sprechen wollten ihn fast alle. Um der Antwort auf diese Frage auf die Spur zu kommen, lassen wir einmal einen Zeitzeugen zu Wort kommen, der in zweierlei Hinsicht unverdächtig ist: Zum einen ist er Katholik, zum anderen sprach er seine Ansicht bereits 1935 aus, als Pacelli noch gar nicht Papst war. Dieser Zeitzeuge ist der ehemalige Reichskanzler Heinrich Brüning, ein Politiker der katholischen Zentrumspartei, und er kam zu dem Schluss: "Hinter der Verständigung mit Hitler stehe die vatikanische Bürokratie und ihr Augure Pacelli. Ihnen schwebe ein autoritärer Statt und eine autoritär von der vatikanischen Bürokratie geleitete Kirche vor, die miteinander einen ewigen Bund schlössen" (zit. nach Cornwell, S. 185).
Dies bestätigte sich immer wieder auch nach dem 2. Weltkrieg, zuletzt zum Beispiel in Lateinamerika beim Bündnis der Kirche mit dem katholischen Diktator Pinochet in Chile oder dem Bündnis des Vatikan mit der faschistischen Militärdiktatur in Argentinien zwischen 1975 und 1983.

"... ein autoritärer Statt und eine autoritär von der vatikanischen Bürokratie geleitete Kirche ..." Könnte es nicht sein, dass genau das auch dem heutigen Papst Ratzinger vorschwebt, so wie es auch seinem Vorgänger Wojtyla vorgeschwebt ist? Dann sollte Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI. aber auch so ehrlich sein, das zu sagen, statt ausgerechnet diesem Papst, der kein Wort gegen den Holocaust über die Lippen brachte, einen, so wörtlich "heroischen Tugendgrad" zuzuerkennen, wie im Dezember 2009 geschehen, oder sogar zu behaupten, wie im April 2010, Pius sei "in dieser schweren Zeit ein Vater für alle" gewesen, ja sogar "ein barmherziger Papst", der mit seiner Weisheit der Kirche die Richtung in das dritte Jahrtausend gezeigt" habe (Radio Vatikan, 10.4.2010). Im November 2008 verstieg sich Joseph Ratzinger sogar zu der Aussage, Papst Pius XII. sei ein Geschenk Gottes gewesen. Wörtlich sagte er: "Mit der Persönlichkeit von Pius XII. hat der Herr seiner Kirche ein außerordentliches Geschenk gemacht, für das wir ihm dankbar sein müssen" (Südtirol online, 8.11.2008).

Ist diese Lobhudelei nicht ein Hohn auf alle Opfer des Krieges und des Faschismus? Denn in welche Richtung dieser Kirchenmann die Kirche geführt und wie er den Verlauf der Geschichte in höchst unheilvoller Weise mit beeinflusst hat, das haben wir in dieser Studie heraus gearbeitet. Was führt Joseph Ratzinger eigentlich im Schilde, wenn er ausgerechnet die Richtung Pacellis durch eine Seligsprechung für das dritte Jahrtausend vorgeben will? Will er etwa das Rad der Geschichte zurückdrehen, träumt er am Ende von einer katholischen Weltdiktatur mit faschistoiden Zügen, in der seine mittelalterlichen Fantasien Wirklichkeit werden sollen? Und ist es nicht auch eine Verhöhnung Gottes, diesen Mann als ein "Geschenk des Herrn" zu bezeichnen? Ist es nicht eine Schande für alle aufrechten Bürger, dass der Filz von Staat und Kirche nicht einmal vor den Gräueln des Nationalsozialismus halt macht und maßgebliche Wegbereiter des Faschismus wie Pacelli in aller Öffentlichkeit ohne bedeutende politische Konsequenzen verherrlicht werden dürfen, als Gipfel des Zynismus noch dazu von einem deutschen Papst Ratzinger?

Und ein "Vater für alle", das war Papst Pacelli sicherlich auch nicht: weder für die zu Millionen ermordeten Juden noch für die zu Hunderttausenden ermordeten orthodoxen Serben, weder für die Soldaten, die auf beiden Seiten der Fronten mit dem Segen seiner Feldkapläne in Elend und Tod geschickt wurden noch für die Völker, die jahrelang unter den faschistischen Diktaturen zu leiden hatten, die mit seiner Hilfe an die Macht kamen. Ein barmherziger Vater - das war er allenfalls für die Tausende von Kriegsverbrechern, denen nach dem Krieg auf der vom Vatikan installierten "Rattenlinie" die Flucht ins Ausland gelang.

 

"Der Vatikan hat eine umfassende Reform der weltweiten Finanzmärkte gefordert. Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden rief die internationale Gemeinschaft am Montag [24.10.2011] zur Einrichtung einer Weltnotenbank auf, um die Finanzströme zu regulieren. In einer zunehmend globalisierten Welt sei allein eine Weltautorität kompatibel mit den Bedürfnissen der Menschheit, heißt es in einer Note der Vatikanbehörde ... Papst Benedikt XVI. hatte bereits vor zwei Jahren in seiner Sozialenzyklika Caritas in veritate (Die Liebe in der Wahrheit) zur Gründung einer ´politischen Weltautorität` aufgerufen. Diese sei nötig, um ´die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, einer Verschlimmerung der Krise und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen`. Sie sei darüber hinaus erforderlich, um für Frieden und Abrüstung zu sorgen, Ernährungssicherheit und Umweltschutz zu gewährleisten sowie die Migrationsströme zu regulieren" (jesus.de, 24.10.2011).

Und wer kommt aus Sicht des Vatikan dafür in Frage, diese eine "Weltautorität" zu sein? Und welche "Weltautorität" hat die Welt in den letzten Jahrhunderten in den Abgrund gestürzt, in dem sie heute schon liegt? Und soll die alte "Weltautorität" die neue sein? Wer Ohren hat zu hören, der höre.


Liebe Leserinnen, liebe Leser! Wir können Ihnen an dieser Stelle nur raten: Bleiben Sie wachsam! Der Vatikan, auch das haben wir in dieser Studie aufgezeigt, hat einen sehr langen Atem. Wo Politiker in Wahlperioden von vier oder fünf Jahren denken, da denken Päpste in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. Bleiben Sie also wachsam, sobald das Thema Seligsprechung wieder auftaucht, und insbesondere dann, wenn es Papst Pius XII. betrifft. Und denken Sie daran: Wir benötigen weder Selige noch Heilige, und schon gar keinen autoritären Staat, wie z. B. der Vatikan einer ist. Denn der freie Geist, den wir auch Gott nennen, der ist überall lebendig und steht jedem von uns als Kraftquelle in seinem Inneren zur Verfügung, der sich Ihm zuwendet. Und dieser freie Geist braucht keine Religion und keine Kirche.

 


 

6. Teil: Konkordate: Wie Faschisten die Kirche mit Privilegien und und Finanzen ausstatteten

Zum Abschluss dieser Ausgabe noch einmal ein Blick auf die Konkordate des Vatikan mit den faschistischen Staaten, eines der größten "Verdienste" des späteren Papstes Pius XII.: Wussten Sie schon, dass Österreich und Deutschland im Jahr 2013 ein gemeinsames Jubiläum miteinander verbunden hat? Ob es allerdings ein Grund zum Feiern ist, das ist eine andere Frage. Im Jahr 1933 schlossen nämlich beide Staaten mit dem Vatikan sogenannte Konkordate ab, also Verträge auf höchster Ebene, die der Kirche bis zum heutigen Tag erhebliche machtpolitische und finanzielle Privilegien sichern. Denn beide Konkordate sind bis heute fast unverändert in Kraft. Und das, obwohl sie beide von faschistischen Regierungen abgeschlossen wurden – ebenso übrigens, wie zuvor das Konkordat des Vatikans mit Mussolini, der 1929 den Vatikanstaat wiederherstellte.

Wenn man nach acht Jahrzehnten, also nach fast drei Generationen, auf historische Ereignisse zurückblickt, so tut man das meist mit einem gewissen inneren Abstand und überlässt die Debatte eher den historisch Interessierten. Hitlers Machtergreifung, seine Gesetze und Verträge sind nach so langer Zeit vielfach ausgeleuchtet und weitgehend aufgearbeitet.
Ähnliches gilt für Österreich, auch wenn dort die damalige klerikalfaschistische Ära des Bundeskanzlers und Mussolini-Fans Engelbert Dollfuß nicht bei allen so kritisch gesehen wird wie die Ära Hitler in Deutschland. Doch man hat aus der Geschichte etwas gelernt. Doch die Frage sei erlaubt: Haben wir das wirklich?
 

Österreich: Unterschriften auf unterschiedlichen Höhen
 

Die beiden Konkordate sind, wie gesagt, jedenfalls noch immer in Kraft. Am 5. Juni 1933 unterzeichnete die österreichische Regierung unter Dollfuß das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl. Dabei gab es einen kleinen Zwischenfall: Der Verhandlungsführer des Vatikans, der Spitzendiplomat Kardinal Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII.,  war entsetzt, als er feststellen musste, dass auf dem offiziellen Dokument seine Unterschrift auf gleicher Höhe mit derjenigen des Bundeskanzlers zu lesen sein sollte – "dem Heiligen Stuhl komme immer der Primat zu", so seine empörte Aussage. Doch er konnte dennoch zufrieden sein. Österreich garantierte unter anderem die Ausbildung der Theologen auf Staatskosten an staatlichen Universitäten, die Finanzierung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen und die vollständige Finanzierung der kirchlich geführten Schulen sowie – ganz wichtig: das Recht der Kirche, aufgrund der staatlichen Steuerlisten Kirchenbeiträge zu erheben. All das gilt bis heute unverändert.
 

Deutschland: Keine politische Betätigung, dafür Unsummen an Geld und Privilegien
 

Zur selben Zeit, im Sommer 1933, verhandelte Kardinal Pacelli bereits fieberhaft mit dem Deutschen Reich. Das heiß ersehnte Ziel, das Pacelli schon seit mehr als zehn Jahren, als langjähriger Vatikanbotschafter in München und Berlin, angestrebt hatte, schien endlich Wirklichkeit zu werden: ein Konkordat mit Deutschland. Adolf Hitler andererseits war es wichtig, sicherzustellen, dass die katholische Kirche in Deutschland sich ihm bei der faschistischen Gleichschaltung des Staates nicht in den Weg stellen würde. Dieses Ziel erreichte er auch: In dem am 20. Juli 1933 unterzeichneten Reichskonkordat wurden den katholischen Priestern ab sofort jegliche politische Betätigung untersagt. Im Gegenzug sicherte das Reich der Kirche ihren Besitzstand an Gebäuden zu und ihren rechtlichen Staus als "Körperschaft öffentlichen Rechts". Die theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten blieben ebenso erhalten wie der staatsfinanzierte Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Auch katholische Schulen durfte es weiterhin geben, und vor allem: Die sogenannten Staatsleistungen, die astronomischen Subventionen an die Kirchen sollten erhalten bleiben, ebenso wie deren Recht, Kirchensteuer einzuziehen.
 

Macht, Geld und Indoktrination
 

Man sieht schon an der Ähnlichkeit der Bestimmungen, dass in den beiden Nachbarstaaten Deutschland und Österreich mit Kardinal Pacelli derselbe Verhandlungsführer auf vatikanischer Seite am Werk war. Es ging – wie fast immer in der Geschichte der Kirche – hauptsächlich um Macht, um Geld und um die möglichst ungehinderte Erziehung, man könnte auch sagen: Indoktrinierung der Kinder.
Wobei es beim Geld in einem Punkt einen kleinen, aber bedeutsamen Unterschied gibt, und zwar den zwischen Kirchensteuer und Kirchenbeitrag: In Deutschland gelang es der Kirche, die Wirtschaftsunternehmen verpflichten zu lassen, die Kirchensteuer gleich vom Lohn abzuziehen.
In Österreich hingegen bekommt die Kirche die Meldedaten der jeweiligen Religionsangehörigen vom Staat zur Verfügung gestellt, um den Kirchenbeitrag selber zu erheben. Doch wenn der Gläubige nicht zahlen will, muss die Kirche gegen ihn prozessieren, wenn sie an das Geld kommen will. In Deutschland treibt es der Staat ein. Dieser Unterschied besteht bis heute unverändert.
 

Der Papst als "der einzige Freund des neuen Reiches"
 

Es ging also ums Geld – gleichzeitig aber auch um große Politik. Denn gerade das Reichskonkordat verschaffte Adolf Hitler, der gerade erst am Beginn seiner Diktatur stand, ein ungeheures internationales Renommee.
Der Münchner Kardinal Michael Faulhaber gab dies selber zu. In einer Predigt bestätigte er 1936, dass der damalige Papst Pius XI., so wörtlich, "der beste Freund, am Anfang sogar der einzige Freund des neuen Reiches gewesen war."
Der Vatikan verbündete sich in der damaligen Zeit in der Tat mit allen faschistischen Diktatoren Europas, von Italien über Deutschland, Österreich, Spanien, der Slowakei bis hin zum grausamen katholisch-faschistischen Regime und Kroatien zwischen 1941 und 1943.
 

Wie die Kirchenlobbyisten die Konkordate mit in die Demokratie hinüber nahmen
 

Vor diesem Hintergrund sollte man eigentlich erwarten, dass die Kirche dieser Ereignisse von 1933 mit Scham gedenkt: Bündnisse mit den Faschisten, die wenig später ganz Europa ins Unglück gestürzt haben, für das Linsengericht der Erhaltung von Privilegien und Geld.
Man sollte erwarten, dass diese unselige Vergangenheit längst aufgearbeitet wurde und auch die Verträge inzwischen Vergangenheit sind. Doch das Gegenteil ist der Fall: sie gelten bis heute! Nach dem Krieg brachten kirchlich geprägte Politiker nicht nur das Kunststück fertig, die Konkordate in den demokratischen Rechtsstaat hinüber zu retten. Wohlgemerkt: Verträge, die in beiden Fällen unter undemokratischen Bedingen entstanden waren und von einem diktatorisch manipulierten Rumpfparlament verabschiedet wurden.
Die Kirchenlobbyisten sorgten sogar dafür, dass in Deutschland nach der Wiedervereinigung 1989 noch weitere Konkordate mit den neuen Bundesländern im Osten Deutschlands abgeschlossen wurden. Das bedeutet: weitere Privilegien, weitere Geldzahlungen, und das in Gegenden, in denen gerade die Katholiken nur eine verschwindende Minderheit sind. Gleichzeitig wurden die Privilegien und Zahlungen auch auf die Lutherkirche ausgedehnt. Was das Kassieren staatlicher Gelder angeht – auf diesem Gebiet besteht längst einvernehmliche Ökumene.
 

Staatsfinanzierter großer Schwindel
 

Bringt man dies alles allerdings in Verbindung mit Christus, auf dessen Namen sich die Kirchen berufen, so stellt sich die Frage, was das alles mit Jesus von Nazareth zu tun haben soll. Gerade diese Staatsleistungen sind ein Skandal für sich. Der Staat subventioniert beide Großkirchen in Deutschland beispielsweise mit etwa 17 Milliarden Euro pro Jahr, darunter auch erhebliche Steuerbefreiungen. Die Gehälter von Bischöfen und Kardinälen, um nur en Beispiel zu nennen, werden nach wie vor vom Staat bezahlt. Mehr dazu siehe in Der Theologe Nr. 46
Wohlgemerkt: Dies alles erfolgt zusätzlich zur staatlich erhobenen Kirchensteuer und auch zusätzlich zu den umfangreichen Zuschüssen zu kirchlichen Sozialleistungen.
Kirchliche Schulen, Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser bezahlt zu fast 100 Prozent ebenfalls die Allgemeinheit und nicht die Kirche.
Die staatlichen Subventionen werden zudem mit einem historischen Schwindel begründet: Es seien Entschädigungen für angebliche Enteignungen von Kirchenbesitz zu napoleonischer Zeit, so wird behauptet. In Wirklichkeit wurden damals nur uralte Reichslehen wieder eingezogen, die das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zuvor auf Zeit an die Kirchen vergeben hatte.
 

Mit Christus hat es nichts zu tun
 

Zudem wäre der deutsche Staat eigentlich schon seit 1919 verpflichtet, diese Zahlungen zu beenden. Was er aber nicht tut; es kamen statt dessen immer neue hinzu. Und von Kindesbeinen an kirchlich geprägte Politiker ändern nichts daran. Haben sie etwa Angst vor der Drohbotschaft der ewigen Hölle, die die Kirchen noch immer verbreiten? Ich persönlich bin überzeugt, dass das alles jedenfalls mit Jesus von Nazareth, der von Seiner Hände Arbeit lebte und niemandem zur Last fiel, kaum etwas zu tun haben kann.

Haben wir wirklich aus der Geschichte etwas gelernt? 80 Jahre Konkordate, 1933-2013, wären ein Anlass, darüber einmal ehrlich nachzudenken. Die Zahl der Kirchenmitglieder schrumpft immer mehr, in den Staatskassen ist ebenfalls Ebbe, und doch gehen die Privilegien und Zahlungen immer weiter, als wäre nichts gewesen. Gleichen die Kirchen nicht noch immer einem Reiter, der das Ross Staat in seinem Sinne zu lenken versucht?  (Matthias Holzbauer)

 


Papst Pius XII., die Faschisten und der Holocaust als BUCH - unter dem Titel- Der unselige Papst: Pius XII. und seine Verstrickung in die Verbrechen des 20. Jahrhunderts, 276 Seiten, kartoniert, 13,50 Euro + 1,00 Euro Versand (ins Ausland nach Aufwand). Im Buch wurde die hier vorliegende Studie ergänzt und um ein weiteres Kapitel erweitert. Bestellung mit Angabe von Post- bzw. Rechnungsanschrift und der Notiz, dass Sie das Buch "Der unselige Papst" bestellen, hier. Sie bekommen dann das Buch mit Rechnung zugesandt.

 


Anmerkungen:

Tipps zum Weiterlesen
:

Die katholische Kirche und der Holocaust
Die evangelische Kirche und der Holocaust
 

Anhang: Der Tod des Papstes

Er wurde von vielen verehrt fast wie ein Gott und ihm wurde auch nach dem Tod gehuldigt fast wie einem Gott. Entsprechend spektakulär gestalteten sich sein Sterben und seine Beerdigung. Nachdem Papst Pius XII. auf seiner Sommerresidenz Castelgandolfo am frühen Morgen des 9.10.1958 starb, folgte am späten Abend dann ein Triumphzug für seine Leiche auf den Straßen bis nach Rom.
"Millionen von Menschen hatten sich entlang der Straßen versammelt, die der mit vier Engeln und mit der Tiara geschmückte Leichenwagen passierte. Dem Sarg folgten in strenger Ordnung Kolonnen von Priestern, Ordensleuten und päpstlichen Gardisten ... In der Dämmerung erreichte der eindrucksvolle Zug schließlich den von Fackeln erleuchteten Petersplatz. Ob wohl je ein römischer Kaiser einen solchen Triumphzug erlebt habe, notierte fragend Kardinal Giuseppe Roncalli, der Mann, der dem Verstorbenen als Johannes XXIII. auf den Stuhl Petri folgte, vom Pathos des Moments überwältigt, in sein Tagebuch"
(http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2873/der_bizarre_tod_des_stellvertreters.html, 14.3.2012).

Dummerweise machte der für die Einbalsamierung des Pontifex maximus (dem Titel für den obersten Imperator von Rom) zuständige Leibarzt, Riccardo Galeazzi-Lisi, einige schwerwiegende Fehler. Anstatt wie bei früheren Päpsten schnell alle Organe zur besseren Haltbarkeit des Körpers heraus zu schneiden und das Blut in der Leiche durch eine hochprozentige Formalinlösung zu ersetzen, versuchte Galeazzi-Lisi mithilfe von Kräutern und ätherischen Ölen eine weniger martialische Konservierung. Und zur besseren Einwirkung wurde der tote Papst auch gleich mit einer Plastikfolie überzogen. Doch der Arzt hatte das Tempo der Verwesung brutal unterschätzt.
Die Folge: "Wegen des entsetzlichen Verwesungsgeruches fielen Wachen am aufgebahrten Leichnam reihenweise in Ohnmacht und mussten in immer kürzeren Abständen ausgetauscht werden. Während der Überführung waren aus dem päpstlichen Leichenwagen mehrfach Geräusche zu hören - Verwesungsgas war mit lautem Knallen aus dem Körper ausgetreten. Im Petersdom wurde der Tote vorsichtshalber auf einem meterhohen Podest aufgebahrt, damit die trauernden Gläubigen die Verfärbungen von Gesicht und Händen nicht aus der Nähe sehen konnten. Am Ende soll von dem Leichnam Pius' XII. sogar die markante Nase abgefallen sein."

Auch hatten viele Medien aufgrund eines Irrtums eines Informanten den Tod von Pius XII. schon am 8.10.1958 verkündet. Darauf hin wurde die Fahne am italienischen Präsidentenpalast bereits am 8.10.1958 auf Halbmast gesetzt, US-Präsident Dwight D. Eisenhower, Queen Elizabeth II. und Bundeskanzler Konrad Adenauer hatten schon am 8.10. ihre Beileidstelegramme verschickt. In Wirklichkeit war Pacelli noch relativ lebendig.
Und kurz darauf wurde im Stern vom 25.10.1958 ausgerechnet ein Foto veröffentlicht, "auf der eine Nonne bei der künstlichen Beatmung Pius' XII. zu sehen ist". Die ganz in Schwarz gehüllte Nonne ist von hinten zu sehen und aus heutiger Sicht könnte man deshalb auch den Eindruck gewinnen, als würde die Film-Gestalt des schwarzen Darth Vader (aus: Krieg der Sterne) seinen Imperator nun in Empfang nehmen.
Der Leibarzt hatte dieses Foto aufgenommen, und er erhielt nach der Veröffentlichung Hausverbot im Vatikan und wurde aus der italienischen Ärztekammer ausgeschlossen.
Kurz nach dieser Aufnahme war Pius XII. dann aber wirklich tot, und erstmals in der Geschichte der
Menschheit wurde der "Fürst dieser Welt" in einer weltweit übertragenen monströsen Zeremonie, jedoch mit den geschilderten schwerwiegenden hygienischen Problemen, im Anschluss an ein letztes Requiem in die vatikanischen Grotten eingemauert (siehe Foto links: GNU-Lizenz für freie Dokumentation; Robert Bellamy (JelloSheriffBob)). Hochrangige Delegationen von politischen Machthabern aus 53 Staaten waren dazu gekommen.

Doch auch für den Papst gilt schlicht die Gesetzmäßigkeit: "Was der Mensch sät, das wird er ernten." Und der unerwartet rasche Verfall seines Leibes könnte dabei in diesem Fall auch als ein Symbol für seelische Vorgänge interpretiert werden. Und im Jenseits ist ja auch dieser Machtmensch plötzlich nicht mehr als eine "arme Seele".

Hier die Bilder von RAI 3 zum Papst-Tod: http://www.youtube.com/watch?v=vauJ1BAUXp8

 

Link: Kirchenheilige und Reliquien - http://www.der-freie-geist.de/video/kirchenheilige_und_reliquien_01

 

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 57: Matthias Holzbauer u. a., Papst Pius XII., die Faschisten und der Holocaust, zit. nach http://www.theologe.de/papst_pius-xii_seligsprechungsverfahren_holocaust.htm, Fassung vom 18.8.2014,
Copyright © und Impressum siehe hier.

 

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