DER THEOLOGE Nr. 4
Auszug


Die katholische Kirche
 und der Holocaust


 

Nachfolgende Daten sind ein Auszug aus "Der Theologe Nr.4" - Die evangelische Kirche und der Holocaust. Es werden die Passagen zitiert, welche die römisch-katholische Kirche betreffen. Sie zeigen kirchliche Hintergründe auf, die dazu führten, dass der Holocaust (= die Shoah) möglich wurde. Weitgehend unberücksichtigt bleiben deshalb hier die Jahrhunderte lang von der römisch-katholischen Kirche geforderten oder inszenierten Judenverfolgungen. Diese wurden, wie später bei den Nationalsozialisten (die wie Hitler selbst überwiegend Katholiken oder Protestanten waren), zum Teil mit der fehlenden "Reinheit" ihres Blutes begründet. Wenigstens ein Beispiel dafür wird hier jedoch im Anhang gegeben.
 

 

"Hitler trifft in der Nähe des Klosters Chorin eine Diakonisse und diese fragt ihn: 'Herr Reichskanzler, woher nehmen Sie nur die Kraft für Ihr schweres Werk?' Da zieht er ein Neues Testament aus seiner Rocktasche und sagt: 'Hier, Schwester!'" (Schwester Dora Gerhardt am 31.10.1933 auf der Tagung des Zehlendorfer Verbandes für evangelische Diakonie über den Katholiken Adolf Hitler vor über 1.000 Diakonissen; zit. nach Ernst Klee, Die SA Jesu Christi, S. 42; vgl. dazu unten: Antijüdische Stellen im Neuen Testament)


 




Einführung - ... ist zu bedenken, dass ein großer Teil der Nationalsozialisten evangelische oder katholische Kirchenmitglieder sind ... Eine klare Unterscheidung "Hier die Nazis, dort die Kirche" ist aus diesem Grund nicht möglich. Beide Bereiche überschneiden sich bei Hunderttausenden von Betroffenen, die sowohl NSDAP- als auch Kirchenmitglieder sind.


1924 - In seinem Buch Mein Kampf erklärt Adolf Hitler, die sich auf Martin Luther berufende Los-von-Rom-Bewegung um die Jahrhundertwende sei ein "schwerer politischer Fehler" gewesen (zit. nach Brigitte Hamann, a.a.O., S. 357), auch wenn er Luther ansonsten weiter bewundert. Hitler sucht als römisch-katholischer Staatsmann aber gezielt auch das Bündnis mit dem Vatikan.
Im Jahr 1933 gewährt Hitler der katholischen Kirche in einem "Konkordat" umfangreiche Privilegien (und führt u. a. die bis heute erhobene Kirchensteuer ein) und wertet damit die römisch-katholische Kirche im evangelisch geprägten Deutschland in einer Weise auf, die gar nicht hoch genug einzuschätzen ist (der protestantische Reichskanzler Graf Otto von Bismarck hatte ca. 60 Jahre zuvor noch Privilegien für die katholische Kirche gestrichen). Umgekehrt ist der Vatikan der erste Staat, der Nazi-Deutschland anerkennt. Papst Pius XII., dessen Seligsprechung seit einiger Zeit vorbereitet wird, wird später zum Holocaust schweigen.


 

1924 - Adolf Hitler beklagt in Mein Kampf die konfessionelle Zerstrittenheit zwischen Evangelischen und Katholiken als Schwächung des Antisemitismus. Versuche von Katholiken oder Evangelischen, Angehörige der jeweils anderen Konfession überzeugen zu wollen, lehnt er ab:
"Kaum aber, dass es gelungen war, dem deutschen Volk in dieser Frage den großen, einigenden Kampfgedanken zu schenken, als der Jude auch schon zur Gegenwehr schritt ... Er ... hat ... den Zwiespalt gesät" zwischen "Katholizismus und Protestantismus". "Der Jude hat jedenfalls das gewollte Ziel erreicht: Katholiken und Protestanten führen miteinander einen fröhlichen Krieg, und der Todfeind der arischen Menschheit und des gesamten Christentums lacht sich ins Fäustchen ..."


1924 - Adolf Hitler entwirft ein ökumenisches Zukunftsbild beider Konfessionen: Katholiken und Protestanten sollen einander achten und schätzen und gemeinsam gegen den Juden kämpfen. Und der Kampf wird bald auch auf andere Glaubensgemeinschaften ausgedehnt.
"Für die Zukunft der Erde liegt aber die Bedeutung nicht darin, ob die Protestanten die Katholiken oder die Katholiken die Protestanten besiegen, sondern darin, ob der arische Mensch ihr erhalten bleibt oder ausstirbt ... Darum sei jeder tätig, und zwar jeder, gefälligst, in seiner Konfession, und jeder empfinde es als seine erste und heiligste Pflicht, Stellung gegen den zu nehmen, der in seinem Wirken, durch Reden oder Handeln aus dem Rahmen seiner eigenen Glaubensgemeinschaft heraustritt und in die andere hineinzustänkern versucht ..."


1924 - Hitler, der als Knabe auch Ministrant in der Klosterschule im Benediktinerstift Lambach war, lebt diese Haltung selbst vor und bleibt zeitlebens Katholik und zahlt immer pünktlich seinen Kirchenbeitrag. Im Buch Mein Kampf erklärt er weiter, dass sowohl der evangelische als auch der katholische Glaube mit dem Nationalsozialismus vereinbar ist.
"Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläubige Protestant neben dem gläubigen Katholiken sitzen, ohne je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner religiösen Überzeugung geraten zu müssen. Der gemeinsame gewaltige Kampf, den die beiden gegen den Zerstörer der arischen Menschheit führten, hatte sie im Gegenteil gelehrt, sich gegenseitig zu achten und zu schätzen" (Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1933, 70. Auflage, S. 628 ff.).



27.10.1928 - Adolf Hitler wirbt für ein ökumenisches kirchliches Christentum:
"In unseren Reihen dulden wir keinen, der die Gedanken des Christentums verletzt ... Diese unsere Bewegung ist tatsächlich christlich. Wir sind erfüllt von dem Wunsche, dass Katholiken und Protestanten sich einander finden mögen in der tiefen Not unseres eigenen Volkes" (zit. nach Juden-Christen-Deutsche 1, a.a.O., S. 65).


 

1932 - Mit den Stimmen der NSDAP erreicht der katholische Reichskanzler und Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem, Franz von Papen, das Verbot der Freidenker-Bewegung in Deutschland. Franz von Papen wird am 30.1.1933 nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler dessen Vize-Kanzler. 1959 wird er vom Vatikan zum vatikanischen "Geheimkämmerer" erhoben.


23.3.1933 - Adolf Hitler sagt in seiner Regierungserklärung den "Schutz" Nazi-Deutschlands für die katholische und die evangelischen Kirchen zu. In den folgenden Monaten koordinieren Nazi- und Kirchenvertreter die Bekämpfung anderer Gemeinschaften
.


 

28.3.1933 - Die katholischen Bischöfe widerrufen ihre frühere Ablehnung des Nationalsozialismus. Nachdem die katholischen Bischöfe bislang - im Unterschied zum Protestantismus - die Mitgliedschaft in der NSDAP verboten hatten, heben sie das Verbot der NSDAP-Parteimitgliedschaft am 28.3.1933 auf. Ausschlaggebend ist die Zusicherung der "Unverletzlichkeit des katholischen Glaubens" durch Adolf Hitler (in: H. Müller, Katholische Kirche und Nationalsozialismus, dtv-Taschenbuch 1965, S. 88 f.; zit. nach Georg Denzler/Volker Fabricius, Christen und Nationalsozialisten, Frankfurt am Main 1991, S. 60).


 

7.4.1933 - Arierparagraph bzw. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Ausschluss aller Juden aus dem öffentlichen Dienst (vgl. Synode von Clermont im Jahr 535: Juden dürfen keine öffentlichen Ämter bekleiden)


 

25.4.1933 - Weitgehende Beschränkung der Zahl jüdischer Studenten (vgl. Konzil von Basel im Jahr 1434: Juden dürfen keine akademischen Grade erwerben)


 

26.4.1933 - Adolf Hitler beruft sich auf die kirchliche Tradition: Am gleichen Tag, an dem die Evangelische Kirche ihr neues Gutachten über die "Judenfrage" zunächst intern veröffentlicht, rechtfertigt Adolf Hitler in einem Gespräch mit dem katholischen Bischof Dr. Hermann Wilhelm Berning von Osnabrück die Judenverfolgung damit, "dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in 1500 Jahren gegen sie getan habe" (zit. nach Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 406).
Und offenbar weist Hitler auch bei anderen Gesprächen mit den Kirchenführern darauf hin. So heißt es weiter: "Adolf Hitler beruft sich selbst, so auch im Gespräch mit [dem katholischen] Kardinal Faulhaber, - offenbar, ohne Widerspruch zu finden - darauf, dass er nur tue, was die Kirche eineinhalb Jahrtausende lang lehrte und den Juden gegenüber praktizierte" (Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Esslingen 1967, S. 10).


 

5.5.1933 - Der römisch-katholische Kardinal Michael Faulhaber bedankt sich in einem Brief an die bayerische Staatsregierung, "dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch kommunistische Tätigkeit entfalten" (Akten Deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, Teil I, Mainz 1968, S. 259, Anm. 17; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 9).


 

10.5.1933 - Öffentliche Bücherverbrennungen jüdischer Bücher (vgl. 12. Synode von Toledo im Jahr 681: Verbrennung des Talmud und anderer jüdischer Schriften)


 

9.6.1933 - Zusammenkunft von NS-Vertretern der Ministerien in Preußen und der Gestapo mit Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche in Berlin. Viele Kirchenvertreter fordern das Verbot der Zeugen Jehovas. So bittet auf diesem Treffen z. B. der katholische Domkapitular Ferdinand Piontek um "strenge staatliche Maßnahmen" gegen diese Gemeinschaft. Und der anwesende evangelische Oberkonsistorialrat D. Fischer will ein Verbot der Zeugen Jehovas wegen der Gefahr für das "deutsche Volkstum". Darüber hinaus vertritt er die Auffassung, dass die Kirche auch  "mit ihren eigenen Mitteln" entgegentreten müsse (Protokoll der Besprechung im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung; Ev. Zentralarchiv, 7 / Generalia XII. Nr. 161; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 10). Zwei Wochen später werden die Zeugen Jehovas verboten.



27.6.1933 - Der katholische Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg verbietet allen katholischen Pfarrern Kritik am Nationalsozialismus.


 

14.7.1933 - Alle Parteien außer der NSDAP sind seit diesem Tag verboten oder haben sich aufgelöst. Deutschland ist nun auch äußerlich eine reine Ein-Parteien-Diktatur mit Adolf Hitler als Reichskanzler und dem parteilosen Franz von Papen als Vizekanzler (bis August 1934). Adolf Hitler ist bis zu seinem Lebensende Katholik wie sein Vizekanzler Franz von Papen (1879-1969), der zudem seit 1923 päpstlicher Geheimkämmerer ist sowie Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Ritter des Malteserordens. In dieser Situation erfolgt nun die historische "Stunde" der römisch-katholischen Kirche, die weltweite Anerkennung des neuen Nazi-Deutschlands durch den Papst und die Kirche durch das Konkordat.


 

20.7.1933 - Der Vatikan schließt mit dem Deutschen Reich ein Konkordat ab und sichert sich weit reichende Rechte (z. B. Selbstverwaltung, Gesetzesvollmacht, katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen, Schutz der katholischen Verbände und Vereine). Für die katholische Kirche ist es "hoch erfreulich, dass endlich einmal wieder ihre hierarchische Gliederung vom Reiche gestützt und anerkannt über alle Länder von den Alpen bis zum Meeresstrand ausgebaut war", so der katholische Regierungsrat Bauer aus Nürnberg (zit. nach "Im Schritt der neuen Zeit", Sonntagsbeilage der Bayerischen Volkszeitung, 17.12.1933, S. 4; zit. bei Helmut Steuerwald, Die Kirchen im Bann des Nationalsozialismus, zit. bei http://www.hbb-bayern.de). Bis dahin stand die römisch-katholische Kirche in Deutschland deutlich im Schatten der evangelischen Kirche, die seit ihrer Entstehung in Deutschland die am stärksten prägende Kraft ist.
Michael Kardinal von Faulhaber aus München predigt von der Freundschaft zwischen der Nazi-Regierung und dem Vatikan und erklärt später, Papst Pius XI. sei "der beste Freund, am Anfang sogar der einzige Freund des neuen Reiches gewesen. Millionen von Menschen im Ausland standen lange misstrauisch dem neuen Reich gegenüber und haben erst durch den Abschluss des Konkordats Vertrauen zur deutschen Regierung gefasst" (zit. nach Karlheinz Deschner, Ein Jahrhundert Heilsgeschichte, Köln 1982, S. 432 f.).


 

15.9.1935 - Nürnberger Gesetze: Das neue Reichsbürgergesetz stempelt Juden zu Bürgern zweiter Klasse. Das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre "verbietet Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und artverwandten Blutes".
Weiterhin: Der Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Deutschen bzw. Menschen artverwandten Blutes wird verboten.
Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes bis zum Alter von 45 Jahren auch nicht in ihrem Haushalt beschäftigen.

(vgl. Synode von Elvira im Jahr 306: Verbot der Ehe und des Geschlechtsverkehrs zwischen Christen und Juden)



6.7.1938 - Auflösung jüdischer Grundstücks- und Immobilienagenturen sowie jüdischer Heiratsvermittlungsinstitute, die an Nichtjuden vermitteln (vgl. Konzil von Basel im Jahr 1434: Juden dürfen nicht als Unterhändler bei Verträgen zwischen Christen, insbesondere nicht als Vermittler von Ehen auftreten).


 

25.7.1938 - Deutsche dürfen nicht mehr zu jüdischen Ärzten (vgl. Trullanische Synode im Jahr 692).


 

31.7.1938 - Jüdische Testamente, die das "gesunde Volksempfinden" beleidigen, dürfen für nichtig erklärt werden (vgl. 3. Laterankonzil im Jahr 1179: Juden dürfen zum Christentum übergetretene Glaubensbrüder nicht enterben).



8. / 9. / 10.11.1938 - Die Ermordung des Nazi-Diplomaten Ernst Eduard vom Rath in Paris durch einen jüdischen Bürger löst in Deutschland die Reichspogromnacht bzw. Reichskristallnacht aus - Die Synagogen werden in Brand gesteckt ...
(vgl. auch Konzil von Oxford im Jahr 1222: Verbot des Synagogenbaus)


Ab November 1938 -
Weitere Massendeportationen von Juden in Konzentrationslager

 

28.11.1938 - Die Lokalbehörden werden ermächtigt, Juden an bestimmten Tagen von den Straßen zu verbannen (vgl. 3. Synode von Orleans im Jahr 538: Juden dürfen sich in der Karwoche nicht auf der Straße zeigen).

 

3.12.1938 - Zwangsarisierung jüdischen Haus- und Grundbesitzes
Juden müssen Häuser und Grundstücke zu Spottpreisen verkaufen. Wer vor 1938 ein "Judenhaus" kaufte, wurde noch als "Judenfreund" verschrien. Jetzt bedienen sich immer mehr dank der "günstigen" Angebote. Umgekehrt ist es nicht erlaubt, den jüdischen Mitbürgern zu verkaufen (vgl. Synode von Ofen im Jahr 1279: Christen ist es nicht erlaubt, Grund und Boden an Juden zu verkaufen oder zu verpachten).


 

28.12.1938 - Juden müssen in bestimmten Häusern konzentriert werden.
(vgl. die Synode von Narbonne im Jahr 1050. Gemäß des Synodenbeschlusses ist es Christen nicht erlaubt, bei Juden zu wohnen).

 

21.9.1939 - Juden dürfen nur noch in Judenvierteln wohnen. So hat es auch die Kirche seit dem Mittelalter mit der jüdischen Bevölkerung gehalten (z. B. lt. Beschluss der Synode von Breslau im Jahr 1267).


 

1939 - Kriegsbegeisterung auch in der römisch-katholischen Kirche. Beispiel: Der am 9.10.2005 selig gesprochene Clemens August Kardinal von Galen aus Münster.
 


November 1939 - Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939 durch Georg Elser im Bürgerbräukeller in München läuten in ganz Deutschland die Kirchenglocken zu "Dankgottesdiensten" für die Bewahrung des Führers. "Nuntius Cesare Orsegnio überbringt die persönlichen Glückwünsche von Papst Pius XII." (Evangelisches Sonntagsblatt Nr. 46, 15.11.2009). Adolf Hitler und die Parteispitze der NSDAP hatten den Versammlungsort wegen schlechten Wetters früher als geplant verlassen, um zurück nach Berlin zu reisen.
 


30.12.1939 - Juden wird die Benutzung von Speisewagen der Bahn untersagt (vgl. Synode von Elvira im Jahr 306: Verbot der gemeinsamen Speiseeinnahme von Juden und Christen)


 

1.9.1941 - Einführung des Judensterns (vgl. 4. Laterankonzil im Jahr 1215: Juden müssen ein Unterscheidungszeichen an ihrer Kleidung tragen)


 

3.9.1941 - Erste Probevergasungen mit "Zyklon B" in Auschwitz


 

9.9.1942 - Vorschlag der Parteikanzlei der NSDAP an das Justizministerium, Juden die Erhebung von Zivilklagen zu verbieten (vgl. 3. Laterankonzil im Jahr 1179: Juden dürfen Christen nicht anklagen und können nicht Zeugen gegen Christen sein).

 

Ab 1945 - "Rom ist in den Nachkriegsjahren der beliebteste Wallfahrtsort flüchtiger Nazis. In der Ewigen Stadt finden sie Unterschlupf und falsche Papiere zur Flucht ins Ausland" (Ernst Klee, in: Persilscheine und falsche Pässe, Frankfurt am Main 1991, S. 25).
Dank katholischer Hilfe können z. B. der Organisator der "Endlösung", das evangelische Kirchenmitglied Adolf Eichmann, und der Katholik und Auschwitz-Arzt Josef Mengele nach Südamerika fliehen.
Eichmann, der als Jugendlicher im CVJM (= Christlicher Verein Junger Menschen) tätig war, sagt dazu am 14.5.1961: "Ich erinnere mich in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa und entschied, den katholischen Glauben zu honorieren, indem ich Ehrenmitglied wurde."


Anmerkung: Eichmann bleibt offiziell evangelisch, trägt aber in seinen argentinischen Pass "katholisch" ein, was er als Ehrenmitgliedschaft auffasst.


 

20.7.1945 - Auf Initiative der Evangelischen Kirche erfolgt ein scharfer Protest von Landesbischof Meiser und Kardinal Faulhaber gegenüber der Militärregierung. Die Forderungen:
- Keine pauschale Verurteilung ehemaliger Parteigenossen
- Keine pauschale Verurteilung von SS-Leuten
- Freilassung der inhaftierten Bankiers und Industriellen
Die Kirchenführer beklagen, "... wie schwer diese Industriellen, zum Teil höheren Alters, unter den Entbehrungen der Gefängnisse und ihre Familien unter dieser Trennung leiden" (zit. nach Klee, Persilscheine, a.a.O., S. 14). Das unsagbare Leid in den jüdischen Familien war Landesbischof Meiser einige Jahre zuvor jedoch kein einziges Wort wert, und er kritisierte andere scharf, die wenigstens überlegten, vielleicht etwas zu sagen.


 

6.10.1945 - Der Berichterstatter der Bayerischen Staatsregierung Etzel schreibt an den ersten Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner, dass in den Kirchen Stimmung zugunsten der Nazis gemacht werde. Am Beispiel seiner Beobachtungen in Bamberg berichtet er, die Pfarrer versuchten "falsches Mitleid" zu erregen, ein katholischer Pfarrer mache z. B. "aus Nazis Märtyrer". Die öffentliche Meinung wird durch die "Klerikalen" "vergiftet und zersetzt" (zit. nach Vollnhals, a.a.O., S. 139).


 

1946 - Konrad Adenauer, 1945 Mitbegründer und seither Vorsitzender der CDU, über die Schuld der Bischöfe:
"Im übrigen hat man aber auch gewusst - wenn man auch die Vorgänge in den Lagern nicht in ihrem ganzen Ausmaße gekannt hat -, dass die persönliche Freiheit, alle Rechtsgrundsätze mit Füßen getreten wurden, dass in den Konzentrationslagern große Grausamkeiten verübt wurden, dass die Gestapo, unsere SS und zum Teil auch unsere Truppen in Polen und Russland mit beispielloser Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Die Judenpogrome 1933 und 1938 geschahen in aller Öffentlichkeit. Die Geiselmorde in Frankreich wurden von uns offiziell bekannt gegeben. Man kann also wirklich nicht behaupten, dass die Öffentlichkeit nicht gewusst habe, dass die nationalsozialistische Regierung und die Heeresleitung ständig ... gegen die einfachsten Gebote verstießen. Ich glaube, dass, wenn alle Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tage öffentlich von den Kanzeln aus dagegen Stellung genommen hätten, sie vieles hätten verhindern können. Das ist nicht geschehen, und dafür gibt es keine Entschuldigung" (zit. nach Der Spiegel Nr. 34/1998).


Anmerkung: Es hat auch kein Bischof um Verzeihung gebeten. Eine gemeinsame Kanzelabkündigung in dem von Adenauer genannten Sinne stand nie zur Diskussion.



1947 - Der evangelisch-lutherische Theologieprofessor Walter Künneth, der sich 1933 für Judenverfolgung und Krieg aussprach und mittlerweile als Honorarprofessor in Erlangen lehrt, veröffentlicht das Buch Der große Abfall. Darin wirft er den Nazis vor, von Gott abgefallen zu sein. Künneth spricht von "Imitation der Katholischen Kirche" und von einer "Verdrehung der Grundsätze der katholischen Kirche". Der Führer sei dem Papst vergleichbar, die Nazi-Hierarchie sei ähnlich wie die römisch-katholische Hierarchie gebildet, für das System des bedingungslosen Gehorsams und den "Orden der SS" seien die Jesuiten Vorbild gewesen.
Künneth wörtlich: "Die durch die Machtherrlichkeit der katholischen Kirche einst ausgelösten Jugendträume Hitlers finden in dem tief gegliederten Pyramidenbau der nationalsozialistischen Anti-Kirche ihre Erfüllung" (Der große Abfall, Hamburg 1947, S. 142; Vergleich mit der katholischen Lehre: S. 142-145).


Anmerkung: Adolf Hitler ist bis zu seinem Tod katholisches Kirchenmitglied und zahlt immer pünktlich seine Kirchensteuer. Er wird nie exkommuniziert.



1948 - Hans-Ulrich Rudel, ehemaliger NS-Kampfflieger und der höchstdekorierte deutsche Soldat, flieht vor der Strafverfolgung wegen Kriegsverbrechen nach Rom. Im Rückblick schreibt er über die Hilfe der katholischen Kirche für hochrangige Nazi-Kriegsverbrecher:
"Man mag sonst zum Katholizismus stehen, wie man will. Was in diesen Jahren durch die Kirche, vor allem durch einzelne menschlich überragende Persönlichkeiten innerhalb der Kirche, an wertvollem Menschentum unseres Volkes gerettet worden, oft vor dem sicheren Tode gerettet worden ist, soll billigerweise unvergessen bleiben" (zit. nach Klee, Persilscheine, a.a.O., S. 26).


 

1950 - Der Bamberger Flüchtlingsausschuss wehrt sich in einer Petition gegen die Unterbringung von Juden zusammen mit deutschen Heimatvertriebenen, "da es den Heimatvertriebenen nicht zugemutet werden kann, mit Elementen unter einem Dach zu wohnen, die zu hohem Prozentsatz kriminell sind, keiner geregelten Arbeit nachgehen und denen weder an einer sittlichen Einordnung noch an einer Respektierung der staatlichen Autorität liege."
Dazu der römisch-katholische Bamberger Oberbürgermeister, der sonst von "Gottesfurcht und Nächstenliebe" spricht: Die Juden seien die "Hauptwanzenträger", die "in einem der großen noch nicht verwendeten Stallgebäude unterzubringen" seien (zit. nach Königseder/Wetzel, a.a.O., S. 220 f.; vgl. dazu Luthers Forderung, die Juden in Ställen unterzubringen).


September 1998 - Die Jüdin Tikva Bat Shalom aus Jerusalem stellt in einem Brief an die Zeitschrift Der Theologe heraus, dass "der Gott der Kirche nichts mit dem GOTT" zu tun hat, "der Himmel und Erde schuf". Sie schreibt: "Die Kirche nahm sich besonders all das [aus der Bibel] heraus, was gegen Juden zu verwenden war ... Worte GOTTES, mit denen Er Seine Kinder schalt. Begegneten den Kirchenchristen aber Verheißungen, die der Ewige Seinem Volk zugesagt hat, so bezogen sie diese auf die Kirche ..."
(shalom_j@netvision.net.il)



11.10.1998 - Papst Johannes Paul II. spricht die Karmeliterin Edith Stein, die 1942 im KZ ermordet wurde, als "Märtyrerin" heilig. Edith Stein war vom Judentum zum katholischen Glauben übergetreten. Jüdische Verbände protestieren gegen die Heiligsprechung. Denn Edith Stein wurde nicht getötet, weil sie Katholikin, sondern weil sie Jüdin war.
 

 

Mai 2006 - Papst Benedikt XVI. besucht Auschwitz. Am 11.9.2009 erscheint darüber eine Dokumentation der Zeitung Die Welt mit dem Titel: Der Versuch, aus Tätern Opfer zu machen.
(http://www.welt.de/politik/deutschland/article4510495/Als-Benedikt-XVI-aus-Taetern-Opfer-machen-wollte.html).

 



 

Der Holocaust und die kirchliche Lehre
von der ewigen Verdammnis

 

Die Nationalsozialisten haben nach anfänglichem Bekenntnis zum kirchlichen Christentum den Antisemitismus von seinen kirchlichen Wurzeln zu lösen versucht. Dies hat es der Kirche erleichtert, sich nach 1945 als "Opfer" darzustellen anstatt sich als Anstifter bzw. Vorläufer zu erkennen.
Doch die "Endlösung" des Holocaust steht in vieler Hinsicht in Verbindung zum evangelischen und katholischen Glauben.
Mehrere Jahrhunderte lang werden die Juden als angebliche "Christusmörder" verfolgt. Zu unterschwelligen Rachegefühlen kommt aber noch ein wesentlicher Aspekt der kirchlichen Lehre hinzu, der die Verfolgung bis zum Tod erst begründet: Der katholische und der evangelische Glaube wähnen sich gemäß ihrer Dogmen und Bekenntnisschriften im Besitz der selig machenden Wahrheit, und katholische und evangelische Kirche lehren bis heute die mögliche ewige Verdammnis für viele Andersgläubige. Deshalb lautet eine wesentliche Frage auch:
In welcher Beziehung stehen der Holocaust und die Lehre von der ewigen Verdammnis?

In der Vergangenheit wurden Millionen der vermeintlich ewig Verdammten auf Veranlassung der Kirche auch hingerichtet. Der kirchliche Glaube an die ewige Verdammnis ihrer Opfer trägt dabei entscheidend zum Abbau der Hemmschwelle gegenüber Folter und Mord bei. Was seien schon die paar Minuten Qual auf dem Scheiterhaufen gegenüber dem ewigen Höllenfeuer, das Gott angeblich dem Opfer sowieso bald bereitet? Das vermeintlich "Positive" dabei aus kirchlicher Sicht: Die Hingerichteten können andere Katholiken und Evangelische nicht mehr "verführen", und ihr qualvoller Tod ist auch eine Abschreckung für Schwankende. Und außerdem hätte ihnen die Kirche die große Chance gegeben, sich noch in letzter Minute, während die Flammen z. B. schon am Körper hoch züngeln, zum kirchlichen Glauben zu bekehren und auf dieser Weise ihrer angeblichen ewigen Verdammnis zu entgehen (vgl. dazu auch Der Theologe Nr. 19).
..
. So gesehen wäre der Holocaust aus römisch-katholischer Sicht nur das vergängliche irdische Feuer vor dem unvergänglichen "ewigen Feuer" gewesen, wobei die Juden in Deutschland vor jenem bewahrt worden wären, wenn sie kurz vor ihrer Vergasung oder Erschießung noch die Religion ihrer katholischen Peiniger angenommen hätten. Hätten sie stattdessen die Religion ihre evangelischen Peiniger angenommen, hätte ihnen das nach römisch-katholischer Lehre auch im Jenseits nichts genützt. Und im Diesseits hatte es den jüdischen Mitbürgern sowieso nichts genützt, wenn sie evangelisch oder katholisch geworden sind, wie ja auch in der Dokumentation deutlich wurde. Sie wurden von den Kirchen in der Regel fallen gelassen und von den Machthabern genauso umgebracht wie alle anderen Juden.

 



 

Antijüdische Stellen im Neuen Testament

 

Für beide Großkirchen ist die Bibel verbindliches, reines und abschließendes Gotteswort ... Auch haben sich die Kirchen bis heute nicht von nachfolgenden Bibelstellen distanziert, von denen sie sich in der Vergangenheit u. a. zu wüstem Antisemitismus inspirieren ließen und zur geistigen Vorbereitung des Holocaust. Sollen z. B. nachfolgende Stellen wirklich verbindliches, reines und abschließendes Gotteswort sein? Und wenn ja, kann dann ausgeschlossen werden, dass sich Kirchenanhänger irgendwann wieder darauf berufen?

Da sprach [angeblich] Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: "... Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit" (Johannes 8, 31.44).

"Als sie [die Juden] aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er [Paulus] die Kleider aus und sprach zu ihnen: ´Euer Blut komme über euer Haupt" (Apostelgeschichte 18, 6).

Paulus: "Siehe aber zu: du heißest ein Jude ... Nun lehrst du andere, und lehrst dich selber nicht; du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst; du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe; dir gräuelt vor den Götzen, und du raubest Gott, was sein ist; du rühmest dich des Gesetzes, und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes; denn ´eurethalben wird Gottes Name gelästert unter den Heiden`, wie geschrieben steht" (Römer 2, 17.21-24, nach der Lutherübersetzung von 1964; diese Bibelstelle wurde von der evangelischen Kirche schon einmal korrigiert, indem sie die einzelnen Vorwürfe mit Fragezeichen versehen hat; bei dem schwerwiegenden Vorwurf am Schluss wurde die Bibelstelle jedoch nicht verändert).

Paulus: "Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Auserwählten [als die sich die Mitglieder der Kirche später betrachten] aber haben es erlangt. Die andern sind verstockt, wie geschrieben steht (Jesaja 29, 10): ´Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.` Und David spricht (Psalm 69, 23-24): ´Lass ihren Tisch zur Falle werden und zu einer Schlinge und ihnen zum Anstoß und zur Vergeltung. Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit`" (Römer 11, 7-10).

Paulus: "Aber was mir Gewinn war [die jüdische Lehre und Überlieferung], das habe ich ... für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden ..., und ich erachte es für Dreck ..." (Philipper 3, 8)

Paulus: "Die haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen Feind ... Aber der Zorn Gottes ist schon in vollem Maße über sie gekommen" (1. Thessalonicher 2, 15 f.).

"Denn es gibt viele Freche, unnütze Schwätzer und Verführer, besonders die aus den Juden, denen man das Maul stopfen muss, weil sie ganze Häuser verwirren und lehren, was nicht sein darf ..." (Titus 1, 10 f.)

Unser Vorschlag: Wenn es den Kirchen mit ihrer Distanzierung vom Antisemitismus ernst ist, dann sollten sie sich zumindest von den oben ausgewählten sieben Bibelstellen distanzieren und diese aus den "Gottesworten"
herausnehmen oder sie entsprechend korrigieren.


 



Quellen- und Literaturverzeichnis:

Die Hinweise auf die katholischen Synodenbeschlüsse finden sich in Juden-Christen-Deutsche, Band 1, S. 28-30.


 Weitere Literaturangaben: Siehe bei Der Theologe Nr. 4

 

 



Anhang
: Tomás de Torquemada

Die Kirche ließ schon in früheren Jahrhunderten immer wieder die Juden verfolgen. Zunächst wurden sie ermordet, wenn sie sich nicht zur Kirche bekehrten. Hatten sie sich jedoch zum kirchlichen Christentum bekehrt, wurden sie z. B. verfolgt und ermordet, weil sie weiterhin "judaisierende" Vorstellungen hatten oder schlicht ihr Blut nicht "rein" war. Sie konnten also manchmal machen, was sie wollten. Sie konnten dem Galgen nicht entgehen. Im nationalsozialistischen Deutschland war es so, dass z. B. die evangelischen Kirche ihre Mitglieder jüdischer Herkunft ausschloss oder innerkirchlich diskriminierte. Und weder evangelische noch katholische Kirche haben gegen ihre spätere Ermordung protestiert. Und in der spätmittelalterliche bzw. frühneuzeitlichen katholischen Kirche Spaniens ließ die Kirche selbst sogar ihre eigenen Mitglieder verfolgen, sofern sie jüdischstämmig waren. Die nicht zur Kirche konvertierten (= übergetretenen) Juden wurden sowieso verfolgt.

Maßgeblich dafür war damals der römisch-katholische Großinquisitor Tomás de Torquemada (1420-1498). "Unter ihm wurde die Inquisition als territoriale Organisation und staatliches Machtinstrument ausgebaut, das vor allem gegen vermeintlich judaisierende Konvertiten vorging. An der Vorbereitung des Pogroms von 1492, das nichtkonvertierwillige Juden zur Auswanderung zwang, war er führend beteiligt. Nach der Reconquista wurde die Inquisition auf konvertierte Mauren (Moriskenproblem) ausgeweitet. - In dem von T. gegründeten Konvent Santo Tomás zu Ávila führte er in den Statuten das Prinzip der »Reinheit des Blutes« (limpieza de sangre) ein" (http://www.bbkl.de/t/torquemada_t.shtml).

Karlheinz Deschner fand dafür in seiner Kriminalgeschichte des Christentums, Band 8 deutliche Worte:
"Dieses katholische Superscheusal, das führend das große Judenpogrom von 1492 mit vorbereitet und in dem von ihm noch gegen sein Lebensende gegründeten Dominikanerkonvent Santo Tomás (de Aquino) statutarisch auf «Reinheit des Blutes» (limpieza de sangre) als Norm besteht, jagt nun vor allem die angeblich judaisierenden «Neuchristen», Juden also, die Christen geworden waren. Die Scheiterhaufenexzesse werden als regelrechte Volksschauspiele begangen und noch unter Sixtus an drei Tagen in Toledo 2.400 Marranen verbrannt, wie die zum Katholizismus konvertierten Juden hießen, was «Schweine» bedeutet. Als eigentlicher Begründer der Spanischen Inquisition, die insgesamt über 300.000 Menschen vernichtet haben soll, als Organisator wie Ideologe ihres Terrors, hat Torquemada, der sich für «ein Instrument der göttlichen Vorsehung» hielt und [sich] somit auch von seinem Gewissen her alles erlauben konnte, in seinem achtzehnjährigen Wirken als Leiter des Inquisitionstribunals 10.220 Menschen lebend verbrannt, 6.840 «in effigie» (d. h. in Bildgestalt), weil sie verstorben oder geflohen waren. 97.321 wurden durch ihn aus staatlichen oder sonstigen Ämtern gestoßen und ehrlos, insgesamt somit etwa 114.300 Familien für immer ruiniert – Angaben Juan Antonio Llorentes, des späteren Sekretärs der Spanischen Inquisition, der sich dabei auf deren Archive stützt. «Darin sind nicht eingeschlossen jene Personen, die wegen ihrer Verbindungen zu den Verurteilten mehr oder weniger deren Unglück teilen mussten. ...»
Noch 1484, in seinem Todesjahr, übermittelte Papst Sixtus IV. ein Lob des Kardinals Borgia an den spanischen Großinquisitor und ergänzte seinerseits: «Wir haben dieses Lob mit großer Freude vernommen und sind darüber begeistert, dass Ihr, reich an Kenntnissen und bekleidet mit Macht, all Eure Anstrengungen auf solche Gegenstände richtet, die den Namen des Herrn erhöhen und dem wahren Glauben nützlich sind. Wir rufen auf Euch Gottes Segen herab und ermuntern Euch, teurer Sohn, mit der früheren Energie fortzufahren und unermüdlich der Sicherung und Festigung der Grundlagen der Religion zu dienen; in dieser Angelegenheit könnt ihr stets auf unser besonderes Wohlwollen rechnen.»" (http://www.deschner.info/index.htm?/de/werk/50/leseprobe.htm).

Hier liegen in der römisch-katholischen Kirche maßgebliche Wurzeln für den Holocaust.


 

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 4, Auszug "Die katholische Kirche und der Holocaust", Wertheim 1999, zit. nach http://www.theologe.de/katholische-kirche_holocaust.htm, Fassung vom 18.11.2009

 

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