DER THEOLOGE
Nr. 85


Die katholische Kirche
 und der Holocaust


 

Beim Thema "Katholische Kirche und Holocaust" wird meist Papst Pius XII. genannt, der in die Geschichte einging als der Papst, der zum Holocaust schwieg. Nun aber möchte ihn der Vatikan demnächst gerne selig sprechen, weswegen umfangreiche Geschichtsklitterungen vorgenommen werden. Dieses Thema wird in einer eigenen Ausgabe des Theologen behandelt: Der Theologe Nr. 57 - Papst Pius XII., die Faschisten und der Holocaust.
Nachfolgende Daten zeigen kirchliche Hintergründe und Lehren auf, die dazu führten, dass der Holocaust (= die Shoah) möglich wurde.

 



INHALT
Teil 1 - Eineinhalbtausend Jahre Judenverfolgung: Die kirchlichen Wurzeln des Holocaust

Teil 2 - Tomás de Torquemada - der "teure Sohn" der Kirche

Teil 3 - Adolf Hitler: "Wir setzen fort das Werk der Kirche"

Teil 4 - Die Ereignisse im Zeitablauf 1924-1932

Teil 5 - Die Ereignisse im Zeitablauf 1933-1939

Teil 6 - Die Ereignisse im Zeitablauf 1940-1950

Teil 7 - Die Ereignisse im Zeitablauf um das Jahr 2000

Teil 8 - Der Holocaust und die kirchliche Lehre von der ewigen Verdammnis

Teil 9 - Antijüdische Stellen im Neuen Testament

 

"[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt ..."

(Die Allgemeine Kirchenversammlung zu Florenz (Konzil von Florenz) (1438-1445), Lehrentscheid für die Jakobiten (1442), zit. nach Josef Neuner - Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, 13. Auflage, Regensburg 1992.
Das Urteil des Konzils von Florenz wird dort unter der Nr. 381 als "unfehlbarer" und damit für allen Zeiten gültiger Lehrsatz der Kirche markiert)

"Die Kirche hat kraft ihrer göttlichen Einsetzung die Pflicht, auf das gewissenhafteste das Gut des göttlichen Glaubens unversehrt und vollkommen zu bewahren und beständig mit größtem Eifer über das Heil der Seelen zu wachen. Deshalb muss sie mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte. Somit kommt der Kirche aus der ihr vom göttlichen Urheber übertragenen Machtvollkommenheit nicht nur das Recht zu, sondern sogar die Pflicht, gleich welche Irrlehren nicht nur nicht zu dulden, sondern vielmehr zu verbieten und zu verurteilen, wenn das die Unversehrtheit des Glaubens und das Heil der Seelen fordern."

(Brief des von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 "selig" gesprochenen Papst Pius IX. an den Erzbischof von München und Freising aus dem Jahr 1862;
zit. nach Josef Neuner - Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, 13. Auflage, Regensburg 1992, Lehrsatz Nr. 382)

 


 


 

Teil 1
Eineinhalb Jahrtausende Judenverfolgung der Kirche
Die kirchlichen Wurzeln des Holocaust

Bereits in den ersten Jahrhunderten riefen die "heiligen" Kirchenväter zur Verfolgung der Juden auf. Und der Historiker Friedrich Heer schrieb: "Adolf Hitler beruft sich selbst, so auch im Gespräch mit Kardinal Faulhaber - offenbar, ohne Widerspruch zu finden -, darauf, dass er nur tue, was die Kirche eineinhalb Jahrtausende lang lehrte und den Juden gegenüber praktizierte" (Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 10). Die Beweise für die Richtigkeit dieser Aussage würden Bücher füllen. Hier nur einige Beispiele.

Das Arsenal des kirchlichen Rufmords

"Die acht Predigten des Johannes Chrysostomos (um 350-407) im Jahre 387 gegen die Juden in Antiochien haben epochale Bedeutung. Hier ist das Arsenal aller Waffen gegen die Juden bis heute versammelt. Die Jude ist: ein fleischlicher Jude, ein schlüpfriger geiler Jude, ein dämonischer Jude, ein geldgieriger Jude, ein verfluchter Jude. Der Jude ist ein Mörder der Propheten, ein Mörder Christi, ein Gottesmörder. Der Jude verehrt den Teufel. Die Juden sind Trunkenbolde, Hurer, Verbrecher. Sei sind das gottesmörderische Volk." (Heer, a.a.O., S. 67)

"Solche Tiere, die zur Arbeit untauglich geworden sind, eignen sich zur Verwendung als Schlachttiere. Das ist den Juden widerfahren. Sie machten sich selbst zur Arbeit untüchtig und sind so geeignet zur Schlachtung geworden."

(Der "heilige" Kirchenvater und Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos (344-407; siehe rechts), Schutzpatron der kirchlichen Prediger in:
Adversus Judaeos, I,2 PG 48, 846)

Der Anstifter schützt die Täter

Ein bewährtes Mittel kirchlicher Inquisition ist die Anstiftung zu den Verbrechen. D. h. die Kirche versuchte, sich nicht selbst die Hände blutig zu machen, sondern Täter zu finden, die den kirchlichen Willen in die Tat umsetzen.
Karl Thieme
schrieb dazu in seinem Buch Judenfeindschaft, Darstellung und Analysen, Frankfurt 1963: "Dass von derartiger Schmähung aus dem Mund kirchlicher Autoritäten der Weg nicht weit war zur Synagogenbrandstiftung, versteht sich von selbst ... In einem der Fälle, wo das geschehen war - zu Kallinikum am Euphrat 388 - und Kaiser Theodosius den Befehl gab, die Brandlegungen zu bestrafen und die Schäden an der Synagoge auf Kosten des Ortsbischofs, des Anstifters, zu reparieren, hat kein Geringerer als [Bischof] Ambrosius protestiert." (S. 13 f.)
Zwar hatte die Kirche beim Kaiser schon seit 380 die Erhebung zur einzigen Staatsreligion und die Todesstrafe für Nichtkatholiken durchgesetzt, doch die jüdischen Mitbürger waren zeitweise noch geschützt. Allerdings nicht mehr lange. Der später heilig gesprochene einflussreiche "heilige" Kirchenvater Ambrosius solidarisiert sich mit den Brandstiftern und zwingt den Kaiser, den Befehl zur Reparatur der Synagoge auf Kirchenkosten zurückzunehmen.
Karl Thieme zitiert dazu zunächst den "heiligen" Ambrosius: "Ich erkläre, dass ich die Synagoge in Brand gesteckt, ja, dass ich ihnen dazu den Auftrag gegeben habe, damit kein Ort mehr sei, so Christus geleugnet wird." Und der Historiker fährt dann fort: "In offener Kirche hat er [Ambrosius] durch Unterbrechung des Gottesdienstes den Kaiser moralisch gezwungen, seine Befehl zurückzuziehen und zuletzt allen Missetätern völlige Straflosigkeit zu gewähren."

Die Juden bis ca. 1500: 1300 Jahre Opfer der Kirche

Als der Papst im 11. Jahrhundert zum Kreuzzug aufrief, begannen die katholischen Soldaten zunächst mit der Ermordung von Tausenden von europäischen Juden. Später folgten dann die Massaker an den Moslems in Palästina. Bis "zur Zeit Luthers hatte der christliche Antijudaismus die Geschichte Europas seit gut 1300 Jahren beeinflusst. Zu seinen Stereotypen gehörten um 1500 ... Die Juden seien gottlos, christenfeindlich, verstockt, blind gegenüber der göttlichen Wahrheit, verflucht, stammten vom Teufel ab, seien mit dem Antichrist der Endzeit identisch, hätten den Gottesmord begangen, verübten regelmäßig Ritualmorde an christlichen Kindern, begingen Hostienfrevel, Brunnenvergiftung und strebten heimlich nach Weltherrschaft, etwa durch Verrat an feindliche Mächte ...  Seit ... Zünfte und Gilden Juden ausschlossen und in das Geldgeschäft abdrängten, schrieb man ihnen Wucher, Arbeitsscheu und Ausbeutung von Christen zu. Seit Erfindung der Druckerpresse (um 1440) verbreiteten neu aufgelegte Adversus-Judaeos-Texte von Kirchenvätern und neu verfasste volkssprachliche Hetzschriften christlicher Theologen oder jüdischer Konvertiten solche Stereotype massenhaft in Europa. Predigtkampagnen der Bettelorden und Judenverfolgung durch die Inquisition gingen Hand in Hand." (Wikipedia; Stand: 23.8.2014)

Martin Luther, der Prophet der Reichspogromnacht

Durch das Auftreten Martin Luthers wurde auch das Verlangen nach neuen Judenverfolgung wieder angeheizt. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich der "Reformator" überwiegend diesem Thema, konnte sich jedoch mit seinen Forderungen bei den Fürsten nicht wie gewünscht durchsetzen. Erst spätere Generationen setzten in die Tat um, was Martin Luther wollte.
Als in Deutschland in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938 überall die Synagogen in Flammen aufgingen, brach deutschlandweit in der Kirche großer Jubel aus. Und man vergaß nicht, einem der wichtigsten Inspiratoren der Reichspogromnacht, Martin Luther, zu danken. So schrieb etwa der evangelische Landesbischof Martin Sasse wenige Tage später, als von den Synagogen nur noch Schutthaufen übrig waren: "Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen ... In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann ... der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist" (23.11.1938 im Vorwort zur Neuauflage der bekannten Lutherschrift "Von den Juden und ihren Lügen").
Dass auch die katholische Kirche den Judenhass schürte, der zum Holocaust führte, siehe z. B. im nachfolgenden Teil 2. Und Verteidiger Martin Luthers behaupten oft, dass Martin Luther ja gar nichts anderes tat als die Kirche seit Hunderten von Jahren vor ihm. Das ist im Prinzip richtig, doch Landesbischof Sasse hatte den Anteil der römisch-katholischen Kirche an den Judenverfolgungen und der Reichspogromnacht auch gar nicht bestritten. Er nannte Luther ja "nur" den "größten Antisemiten seiner Zeit". Und auf welche Weise er viele katholische Theologen und Kirchenväter noch übertroffen hat, lesen Sie z. B. in einer Gegenüberstellung zwischen Forderungen Martin Luthers und der Vollstreckung im Deutschland des 20. Jahrhunderts.
 



 

Teil 2

Tomás de Torquemada, der "teure Sohn" der Kirche


Die Kirche ließ schon in früheren Jahrhunderten immer wieder die Juden verfolgen. Zunächst wurden sie ermordet, wenn sie sich nicht zur Kirche bekehrten. Hatten sie sich jedoch zum kirchlichen Christentum bekehrt, wurden sie z. B. verfolgt und ermordet, weil sie weiterhin "judaisierende" Vorstellungen hatten oder schlicht ihr Blut nicht "rein" war. Sie konnten also manchmal machen, was sie wollten. Sie konnten dem Galgen nicht entgehen. Im nationalsozialistischen Deutschland war es so, dass z. B. die evangelischen Kirche ihre Mitglieder jüdischer Herkunft ausschloss oder innerkirchlich diskriminierte. Und weder evangelische noch katholische Kirche haben gegen ihre spätere Ermordung protestiert. Und in der spätmittelalterliche bzw. frühneuzeitlichen katholischen Kirche Spaniens ließ die Kirche selbst sogar ihre eigenen Mitglieder verfolgen, sofern sie jüdischstämmig waren. Die nicht zur Kirche konvertierten (= übergetretenen) Juden wurden sowieso verfolgt.

Maßgeblich dafür war damals der römisch-katholische Großinquisitor Tomás de Torquemada (1420-1498). "Unter ihm wurde die Inquisition als territoriale Organisation und staatliches Machtinstrument ausgebaut, das vor allem gegen vermeintlich judaisierende Konvertiten vorging. An der Vorbereitung des Pogroms von 1492, das nichtkonvertierwillige Juden zur Auswanderung zwang, war er führend beteiligt. Nach der Reconquista wurde die Inquisition auf konvertierte Mauren (Moriskenproblem) ausgeweitet. - In dem von Tomás de Torquemada gegründeten Konvent Santo Tomás zu Ávila führte er in den Statuten das Prinzip der ´Reinheit des Blutes` (limpieza de sangre) ein" (http://www.bbkl.de/t/torquemada_t.shtml).

Karlheinz Deschner fand dafür in seiner Kriminalgeschichte des Christentums, Band 8, deutliche Worte:
"Dieses katholische Superscheusal, das führend das große Judenpogrom von 1492 mit vorbereitet und in dem von ihm noch gegen sein Lebensende gegründeten Dominikanerkonvent Santo Tomás (de Aquino) statutarisch auf ´Reinheit des Blutes` (limpieza de sangre) als Norm besteht, jagt nun vor allem die angeblich judaisierenden ´Neuchristen`, Juden also, die Christen geworden waren. Die Scheiterhaufenexzesse werden als regelrechte Volksschauspiele begangen und noch unter Sixtus an drei Tagen in Toledo 2.400 Marranen verbrannt, wie die zum Katholizismus konvertierten Juden hießen, was ´Schweine` bedeutet. Als eigentlicher Begründer der Spanischen Inquisition, die insgesamt über 300.000 Menschen vernichtet haben soll, als Organisator wie Ideologe ihres Terrors, hat Torquemada, der sich für ´ein Instrument der göttlichen Vorsehung` hielt und [sich] somit auch von seinem Gewissen her alles erlauben konnte, in seinem achtzehnjährigen Wirken als Leiter des Inquisitionstribunals 10.220 Menschen lebend verbrannt, 6.840 ´in effigie` (d. h. in Bildgestalt), weil sie verstorben oder geflohen waren. 97.321 wurden durch ihn aus staatlichen oder sonstigen Ämtern gestoßen und ehrlos, insgesamt somit etwa 114.300 Familien für immer ruiniert – Angaben Juan Antonio Llorentes, des späteren Sekretärs der Spanischen Inquisition, der sich dabei auf deren Archive stützt. ´Darin sind nicht eingeschlossen jene Personen, die wegen ihrer Verbindungen zu den Verurteilten mehr oder weniger deren Unglück teilen mussten`"
Noch 1484, in seinem Todesjahr, übermittelte Papst Sixtus IV. ein Lob des Kardinals Borgia an den spanischen Großinquisitor und ergänzte seinerseits: ´Wir haben dieses Lob mit großer Freude vernommen und sind darüber begeistert, dass Ihr, reich an Kenntnissen und bekleidet mit Macht, all Eure Anstrengungen auf solche Gegenstände richtet, die den Namen des Herrn erhöhen und dem wahren Glauben nützlich sind. Wir rufen auf Euch Gottes Segen herab und ermuntern Euch, teurer Sohn, mit der früheren Energie fortzufahren und unermüdlich der Sicherung und Festigung der Grundlagen der Religion zu dienen; in dieser Angelegenheit könnt ihr stets auf unser besonderes Wohlwollen rechnen`" (http://www.deschner.info/index.htm?/de/werk/50/leseprobe.htm).

Unter anderem hier liegen in der römisch-katholischen Kirche maßgebliche Wurzeln für den Holocaust.

 

 




Teil 3
Adolf Hitler, das katholische Milieu in Wien und die Judenverfolgung
"Wir setzen fort das Werk der Kirche"

Adolf Hitler war Mitglied der römisch-katholischen Kirche und zahlte bis an sein Lebensende seinen "Kirchenbeitrag", d. h. Kirchensteuer. Als junger Mann stand Hitler unter dem Einfluss der von der katholischen Kirche unterstützten Christlichsozialen Partei Österreichs. Obwohl er zeitlebens von Martin Luther fasziniert war, hält er der römischen "Mutterkirche" als Mitglied die Treue. Die Judenverfolgung versteht er später als eine Fortsetzung des "Werkes der Kirche".

Österreich ist vor dem 1. Weltkrieg ein Vielvölkerstaat mit konfessionellen Spannungen und Kämpfen. Der Antisemitismus jedoch ist eine Gemeinsamkeit von Katholiken und Evangelischen. Die Katholiken formieren sich damals vor allem in der Christlichsozialen Partei, die sich bis 1893 "Die Antisemiten" nannte. Und auch nach der Umbenennung behält sie den ursprünglichen Namen intern bei.

Kirchliche Amtsträger wiegeln auf, Bürger stechen zu - Karikatur zur Judenverfolgung aus dem Jahr 1850

Der bekannteste christlich-soziale Politiker dieser Zeit ist der Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Zum Umgang mit Juden erklärt das katholische Stadtoberhaupt im österreichischen Reichstag in Wien provozierend, es sei ihm "gleichgültig, ob man die Juden henkt oder köpft". Und das von den Christlichsozialen finanzierte Bukowinaer Volksblatt schreibt, dass man "eine Zacherlinspritze [Zacherlin ist ein Insektenvertilgungsmittel] gegen die Juden erfinden" müsse.

"Als Ende des 19. Jahrhunderts die modernen antisemitischen Bewegungen entstanden, gehörte die katholische Kirche, die ständig vor einer wachsenden jüdischen Gefahr warnte, zu den bedeutendsten Akteuren.“ Alle Elemente der modernen Judenverhetzung seien "von der katholischen Kirche nicht nur geduldet, sondern auch von ihren offiziellen und inoffiziellen Organen aktiv vertreten“ worden ... "Der Übergang von den mittelalterlichen Vorurteilen gegen die Juden zur modernen politischen antisemitischen Bewegung, der sich innerhalb weniger Jahrzehnte vor dem Holocaust vollzog, hatte in der katholischen Kirche einen seiner wichtigsten Architekten."

(Der Historiker David I. Kertzer, Die Päpste gegen die Juden, Berlin 2004)

Die Politik Dr. Luegers hat die volle Unterstützung der katholischen Kirche Österreichs, die den Antisemitismus immer wieder schürt und dafür auf zahlreiche Lügen der Kirchengeschichte zurückgreift. Dazu gehören die angeblichen jüdischen Ritualmorde, die in früheren Jahrhunderten schon als Grund für Judenverfolgungen herhalten mussten. Brigitte Hamann schreibt in ihrem Bestseller Hitlers Wien: "Führend in der Verbreitung vieler Schauermärchen waren katholische Geistliche, die auch die nötige Literatur beisteuerten." Und: "Da auch Pfarrer von den Kanzeln herab den Antisemitismus predigten und den ´Abwehrkampf`` gegen die Juden als richtig und notwendig darstellten, sahen Luegers Anhänger immer weniger Unrecht darin, diese ´Gottlosen` zu schikanieren" (Hitlers Wien, S. 413.415). Der Wiener Bürgermeister setzt sich im Gegenzug sehr für die katholische Kirche ein. Brigitte Hamann schreibt: "Lueger wiederum rief zum stärkeren Kirchenbesuch auf und umgab sich bei seinen öffentlichen Auftritten mit Vorliebe mit Geistlichen und Nonnen" (S. 419).


Wiens damaliger katholischer Bürgermeister Dr. Karl Lueger: "Gleichgültig, ob man die Juden henkt oder köpft."

Adolf Hitler ist von Dr. Lueger und seiner Politik beeindruckt. Allerdings stören den späteren Führer bei Lueger und den Christlichsozialen die einseitige Ausrichtung auf die katholische Kirche, "die Bindungen an den Klerus". Denn Hitler dachte nicht in Konfessionen, sondern konfessionsübergreifend, heute würde man sagen "ökumenisch". In Mein Kampf missbilligt er die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Evangelischen und ruft dazu auf: "Darum sei jeder tätig, und zwar jeder, gefälligst, in seiner Konfession." So hält er es auch selbst. Trotz seiner lebenslangen Verehrung für Martin Luther bleibt Adolf Hitler "von der Wiege bis zur Bahre" römisch-katholisch und preist den Nationalsozialismus als ökumenische Bewegung. Hitler wörtlich: "Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläubige Protestant neben dem gläubigen Katholiken sitzen, ohne je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner religiösen Überzeugung geraten zu müssen." Katholiken und Evangelische sollen nach dem Willen Hitlers einander achten und schätzen und gemeinsam gegen den jüdischen Feind kämpfen (70. Auflage, München 1933, S. 628ff.).

Hitler gelingt schließlich etwas, was es bis dahin in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben hatte: Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche stehen hinter ihm und seiner antisemitischen Politik.

Während die Evangelische Kirche in der Weimarer Republik den Aufstieg der NSDAP an die Macht tatkräftig fördert, lehnen die katholischen Bischöfe die Mitgliedschaft in der NSDAP zunächst noch ab. Sie unterstützen dafür die rein katholische Zentrumspartei. Das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Nazis ändert sich jedoch, als der neu gewählte Reichskanzler Hitler am 23.3.1933 der Kirche in seiner Regierungserklärung die "Unverletzlichkeit des katholischen Glaubens" zusichert.

Bereits wenige Wochen später koordinieren die Nazis mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche das Verbot anderer Glaubensgemeinschaften wie der Zeugen Jehovas, die in den folgenden Jahren zu Hunderten ermordet werden. Und am 20.7.1933 schließt Nazi-Deutschland mit der katholischen Kirche ein Konkordat ab, das der Kirche umfangreiche Privilegien zugesteht. Dazu gehören kirchliche Selbstverwaltung, eigene Gesetzesvollmacht, katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen und der staatliche Schutz der katholischen Verbände und Vereine. Im Gegenzug erkennt der Vatikan als erster Staat Nazi-Deutschland in vollem Umfang völkerrechtlich an.

Kirchliche Amtsträger schüren unterdessen weiter den Antisemitismus bzw. befürworten eine Verfolgungsmaßnahme nach der anderen. Die Weichen für den Holocaust an den Juden sind gestellt. Und ein Blick in die Konzils- und Synodengeschichte der Kirche gibt Hitler recht, wenn er im Hinblick auf die Judenverfolgung an Papst Pius XII. schreibt: "Wir setzen fort das Werk der Katholischen Kirche" (zit. nach Wochenpost, 12.4.1995;  einzelne Synodenbeschlüsse sind in der Schrift "Die evangelische Kirche und der Holocaust" mit eingearbeitet). Und bei anderer Gelegenheit rechtfertigt Hitler die Judenverfolgung mit den Worten, "dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in den 1500 Jahren gegen sie getan habe" (zit. nach Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 406).

Katholische Bischöfe, hochrangige Nazis, Minister Goebbels: Privilegien für die Kirche

Dass die Nazis später ihre Ideologie von den kirchlichen Wurzeln abzukoppeln versuchen, kommt den beiden Großkirchen sehr gelegen. In der Nachkriegszeit wird nämlich eine Legende vom "Widerstand" der Kirche gestrickt und dafür das Zeugnis von Einzelnen für die Kirche als Ganzes vereinnahmt.

Unmittelbar nach 1945 ist das noch anders: Beide Kirchen setzen sich mit Engagement vor allem für die Verteidigung von Nazi-Kriegsverbrechern ein. Der Vatikan ist in dieser Zeit Zufluchtsort für Kriegsverbrecher, die aus Deutschland fliehen. Von Rom aus verhilft ihnen die Kirche mit falschen Pässen zur Flucht nach Südamerika.

Einer von ihnen ist Adolf Eichmann, evangelisch und einst Mitglied des CVJM ("Christlichen Verein Junger Männer"), der Organisator der "Endlösung" an den Juden. Eichmann sagt dazu am 14.5.1961: "Ich erinnere mich in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa und entschied, den katholischen Glauben zu honorieren, indem ich Ehrenmitglied wurde" (zit. nach Ernst Klee, Persilscheine und falsche Pässe, Frankfurt am Main 1991, S. 25). Eichmann, der auch nach seiner Entführung durch den israelischen Geheimdienst nach Israel sein Tun nicht bereut, blieb zwar offiziell evangelisch, trug aber in seinen argentinischen Pass "katholisch" ein, was er offenbar als "Ehrenmitgliedschaft" auffasst.

Und Hans-Ulrich Rudel, der höchstdekorierte deutsche Soldat des 2. Weltkriegs, der ebenfalls dank der Hilfe der katholischen Kirche vor der Strafverfolgung ins Ausland fliehen kann, bekennt im Jahr 1948: "Man mag sonst zum Katholizismus stehen wie man will. Was in diesen Jahren durch die Kirche ... an wertvollem Menschentum unseres Volkes gerettet worden ist, soll billigerweise unvergessen bleiben" (Klee, a.a.O., S. 26).

 

 



Teil 4

Die Ereignisse im Zeitablauf 1924-1932

 

Einführung - Es ist zu bedenken, dass ein großer Teil der Nationalsozialisten evangelische oder katholische Kirchenmitglieder sind ... Eine klare Unterscheidung "Hier die Nazis, dort die Kirche" ist aus diesem Grund nicht möglich. Beide Bereiche überschneiden sich bei Hunderttausenden von Betroffenen, die sowohl NSDAP- als auch Kirchenmitglieder sind.
 

Anfang Januar 1894 - Ein späterer Priester wird zum "Schutzengel" für Adolf Hitler und rettet dem vierjährigen Kind und späteren Führer das Leben. Die Donau-Zeitung berichtet am 9.1.1894, dass "ein Knabe gerade noch rechtzeitig vor dem sicheren Tode des Ertrinkens gerettet" worden sei, und zwar von "seinen beherzten Kameraden". "Hitler wohnte damals mit seiner Familie in Passau im Haus der Familie Kühberger, deren fast gleichaltriger Sohn Johann Nepomuk später Priester, Organist und Domkapellmeister in Passau wurde. Er soll an jenem Januartag Hitler aus dem eisigen Inn gezogen haben. Die Episode war zu Lebzeiten Kühbergers stadtbekannt und wurde auch von ihm selbst weitererzählt." (Sonntagsblatt, Evangelische Wochenzeitung für Bayern, Nr. 3 vom 19.1.2014)
PS: Im Frühjahr 1898 wurde der dann achtjährige Hitler erneut aus einem reißenden Gebirgsbach in Österreich gerettet, dann von einem Landwirt.


1924 - In seinem Buch Mein Kampf erklärt Adolf Hitler, die sich auf Martin Luther berufende Los-von-Rom-Bewegung um die Jahrhundertwende sei ein "schwerer politischer Fehler" gewesen (zit. nach Brigitte Hamann, a.a.O., S. 357), auch wenn er Luther ansonsten weiter bewundert. Hitler sucht als römisch-katholischer Staatsmann aber gezielt auch das Bündnis mit dem Vatikan.
Im Jahr 1933 gewährt Hitler der katholischen Kirche in einem "Konkordat" umfangreiche Privilegien (und führt u. a. die bis heute erhobene Kirchensteuer ein) und wertet damit die römisch-katholische Kirche im evangelisch geprägten Deutschland in einer Weise auf, die gar nicht hoch genug einzuschätzen ist (der protestantische Reichskanzler Graf Otto von Bismarck hatte ca. 60 Jahre zuvor noch Privilegien für die katholische Kirche gestrichen). Umgekehrt ist der Vatikan der erste Staat, der Nazi-Deutschland anerkennt. Papst Pius XII., dessen Seligsprechung seit einiger Zeit vorbereitet wird, wird später zum Holocaust schweigen.


 

1924 - Adolf Hitler beklagt in Mein Kampf die konfessionelle Zerstrittenheit zwischen Evangelischen und Katholiken als Schwächung des Antisemitismus. Versuche von Katholiken oder Evangelischen, Angehörige der jeweils anderen Konfession überzeugen zu wollen, lehnt er ab:
"Kaum aber, dass es gelungen war, dem deutschen Volk in dieser Frage den großen, einigenden Kampfgedanken zu schenken, als der Jude auch schon zur Gegenwehr schritt ... Er ... hat ... den Zwiespalt gesät" zwischen "Katholizismus und Protestantismus". "Der Jude hat jedenfalls das gewollte Ziel erreicht: Katholiken und Protestanten führen miteinander einen fröhlichen Krieg, und der Todfeind der arischen Menschheit und des gesamten Christentums lacht sich ins Fäustchen ..."


1924 - Adolf Hitler entwirft ein ökumenisches Zukunftsbild beider Konfessionen: Katholiken und Protestanten sollen einander achten und schätzen und gemeinsam gegen den Juden kämpfen. Und der Kampf wird bald auch auf andere Glaubensgemeinschaften ausgedehnt.
"Für die Zukunft der Erde liegt aber die Bedeutung nicht darin, ob die Protestanten die Katholiken oder die Katholiken die Protestanten besiegen, sondern darin, ob der arische Mensch ihr erhalten bleibt oder ausstirbt ... Darum sei jeder tätig, und zwar jeder, gefälligst, in seiner Konfession, und jeder empfinde es als seine erste und heiligste Pflicht, Stellung gegen den zu nehmen, der in seinem Wirken, durch Reden oder Handeln aus dem Rahmen seiner eigenen Glaubensgemeinschaft heraustritt und in die andere hineinzustänkern versucht ..."


1924 - Hitler, der als Knabe auch Ministrant in der Klosterschule im Benediktinerstift Lambach war, lebt diese Haltung selbst vor und bleibt zeitlebens Katholik und zahlt immer pünktlich seinen Kirchenbeitrag. Im Buch Mein Kampf erklärt er weiter, dass sowohl der evangelische als auch der katholische Glaube mit dem Nationalsozialismus vereinbar ist.
"Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläubige Protestant neben dem gläubigen Katholiken sitzen, ohne je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner religiösen Überzeugung geraten zu müssen. Der gemeinsame gewaltige Kampf, den die beiden gegen den Zerstörer der arischen Menschheit führten, hatte sie im Gegenteil gelehrt, sich gegenseitig zu achten und zu schätzen" (Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1933, 70. Auflage, S. 628 ff.).

 

29.3.1924 - Konkordat zwischen seiner Heiligkeit Papst Pius XI. und dem Staate Bayern (http://www.bmi.bund.de/cae/servlet/contentblob/129376/publicationFile/13160/Bayern_Kathol_Kirche.pdf) - Kardinal Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., schloss das erste Vatikan-Konkordat im 20. Jahrhundert ab, das der Kirche die Fortsetzung der staatlichen Subventionen und Privilegien sicherte. Der Vatikan wählte dazu als ersten "Partner" den Freistaat Bayern, obwohl die Weimarer Reichsverfassung von 1919 auch in Bayern gültige ist. Darin wird unter anderem die "Ablösung" = Beendigung der Staatszahlungen an die Kirche gefordert, was bis heute [2014] nicht erfolgte. Das in diesem Sinne verfassungswidrigen Konkordat sicherte sich dem Vatikan beispielsweise den konfessionell-katholischen Religionsunterricht an Staatschulen auf Staatskosten. Es folgten die Konkordate mit Preußen (1929) und Baden (1932). "Pacellis Verhandlungspartner, selbst wenn sie ihm wie im Fall Bayern sehr gewogen waren, waren zum Teil schockiert, mit welcher Unverfrorenheit und Kaltschnäuzigkeit der römische Diplomat Maximalforderungen aufstellte und im Einzelfall sogar vor regelrechten Erpressungen nicht zurückschreckte. So stellte er im Fall des Bayern-Konkordats zwar eine Unterstützung des Vatikans für die Interessen des Deutschen Reiches in Aussicht, und zwar bei der Frage der Bistumsgrenzen in den vom deutschen Reich abgetrennten Flächen wie dem Saarland. Doch er fügte unmissverständlich hinzu, dies werde nur dann eintreten, wenn Bayern zuvor in der Frage der schulischen Erziehung die Forderungen des Vatikans erfüllen würde." (Matthias Holzbauer, Der unselige Papst, Marktheidenfeld 2012, S. 79)


27.10.1928 - Adolf Hitler wirbt für ein ökumenisches kirchliches Christentum:
"In unseren Reihen dulden wir keinen, der die Gedanken des Christentums verletzt ... Diese unsere Bewegung ist tatsächlich christlich. Wir sind erfüllt von dem Wunsche, dass Katholiken und Protestanten sich einander finden mögen in der tiefen Not unseres eigenen Volkes" (zit. nach Juden-Christen-Deutsche 1, a.a.O., S. 65).


 

1932 - Mit den Stimmen der NSDAP erreicht der katholische Reichskanzler und Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem, Franz von Papen, das Verbot der Freidenker-Bewegung in Deutschland. Franz von Papen wird am 30.1.1933 nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler dessen Vize-Kanzler. 1959 wird er vom Vatikan zum vatikanischen "Geheimkämmerer" erhoben.

 

 


 

 

Teil 5
Die Ereignisse im Zeitablauf 1933-1939



23.3.1933
- Adolf Hitler sieht in seiner Regierungserklärung die evangelische und die römisch-katholische Kirche als die wichtigste Basis für den Aufbau Nazi-Deutschlands an:
Adolf Hitler im Reichstag in Berlin wörtlich: "Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums ... Ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, dass die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erneuerung unseres Volkes, die sich die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt ... Der Kampf gegen eine materialistische Weltauffassung und für die Herstellung einer wirklichen Volksgemeinschaft dient ebenso sehr den Interessen der deutschen Nation wie denen unseres [!] christlichen Glaubens" (zit. nach Joachim Beckmann, Kirchliches Jahrbuch für die Evangelische Kirche in Deutschland, 1933-1944, Gütersloh 1948, S. 23).
In den folgenden Monaten koordinieren Nazi- und Kirchenvertreter die Bekämpfung anderer Gemeinschaften (siehe z. B. Zeitablauf: 9.6.1933).



24.3.1933 - Ermächtigungsgesetz - Der deutsche Reichstag überträgt mit 2/3-Mehrheit die gesamte, auch die Verfassung ändernde Gesetzgebung zunächst für vier Jahre auf Adolf Hitler. Das so genannte "Ermächtigungsgesetz" wird später mehrfach verlängert. Auch die katholische Zentrumspartei stimmte unter der Bedingung zu, dass Nazi-Deutschland mit dem Vatikan ein Konkordat abschließt, was die Strategen im Vatikan gerne vorbereiten und was am 20.7.1933 auch verabschiedet wird. Der Vatikan braucht die Zentrumspartei nun nicht mehr, da man über das Konkordat direkt mit Nazi-Deutschland in Freundschaft verbunden war. Die Zentrumspartei löste sich dann am 5.7.1933 auf.


 

28.3.1933 - Die katholischen Bischöfe widerrufen ihre frühere Ablehnung des Nationalsozialismus. Nachdem die katholischen Bischöfe bislang - im Unterschied zum Protestantismus - die Mitgliedschaft in der NSDAP verboten hatten, heben sie das Verbot der NSDAP-Parteimitgliedschaft am 28.3.1933 auf. Ausschlaggebend ist die Zusicherung der "Unverletzlichkeit des katholischen Glaubens" durch Adolf Hitler (in: H. Müller, Katholische Kirche und Nationalsozialismus, dtv-Taschenbuch 1965, S. 88 f.; zit. nach Georg Denzler/Volker Fabricius, Christen und Nationalsozialisten, Frankfurt am Main 1991, S. 60).


 

7.4.1933 - Arierparagraph bzw. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Ausschluss aller Juden aus dem öffentlichen Dienst (vgl. Synode von Clermont im Jahr 535: Juden dürfen keine öffentlichen Ämter bekleiden)


 

25.4.1933 - Weitgehende Beschränkung der Zahl jüdischer Studenten (vgl. Konzil von Basel im Jahr 1434: Juden dürfen keine akademischen Grade erwerben)


 

26.4.1933 - Adolf Hitler beruft sich auf die kirchliche Tradition: Am gleichen Tag, an dem die Evangelische Kirche ihr neues Gutachten über die "Judenfrage" zunächst intern veröffentlicht, rechtfertigt Adolf Hitler in einem Gespräch mit dem katholischen Bischof Dr. Hermann Wilhelm Berning von Osnabrück die Judenverfolgung damit, "dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in 1500 Jahren gegen sie getan habe" (zit. nach Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 406).
Und offenbar weist Hitler auch bei anderen Gesprächen mit den Kirchenführern darauf hin. So heißt es weiter: "Adolf Hitler beruft sich selbst, so auch im Gespräch mit [dem katholischen] Kardinal Faulhaber, - offenbar, ohne Widerspruch zu finden - darauf, dass er nur tue, was die Kirche eineinhalb Jahrtausende lang lehrte und den Juden gegenüber praktizierte" (Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Esslingen 1967, S. 10).

 

"Hitler trifft in der Nähe des Klosters Chorin eine Diakonisse und diese fragt ihn: 'Herr Reichskanzler, woher nehmen Sie nur die Kraft für Ihr schweres Werk?' Da zieht er ein Neues Testament aus seiner Rocktasche und sagt: 'Hier, Schwester!'"

(Schwester Dora Gerhardt am 31.10.1933 auf der Tagung des Zehlendorfer Verbandes für evangelische Diakonie über den Katholiken Adolf Hitler
vor über 1.000 Diakonissen; zit. nach Ernst Klee, Die SA Jesu Christi, S. 42; vgl. dazu unten: Antijüdische Stellen im Neuen Testament)

 

5.5.1933 - Der römisch-katholische Kardinal Michael Faulhaber bedankt sich in einem Brief an die bayerische Staatsregierung, "dass sich im öffentlichen Leben unter der neuen Regierung manches gebessert hat: Die Gottlosenbewegung ist eingedämmt, die Freidenker können nicht mehr offen gegen Christentum und Kirche toben, die Bibelforscher können nicht mehr ihre amerikanisch kommunistische Tätigkeit entfalten" (Akten Deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, Teil I, Mainz 1968, S. 259, Anm. 17; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 9).


 

10.5.1933 - Öffentliche Bücherverbrennungen jüdischer Bücher (vgl. 12. Synode von Toledo im Jahr 681: Verbrennung des Talmud und anderer jüdischer Schriften)


 

9.6.1933 - Zusammenkunft von NS-Vertretern der Ministerien in Preußen und der Gestapo mit Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche in Berlin. Viele Kirchenvertreter fordern das Verbot der Zeugen Jehovas. So bittet auf diesem Treffen z. B. der katholische Domkapitular Ferdinand Piontek um "strenge staatliche Maßnahmen" gegen diese Gemeinschaft. Und der anwesende evangelische Oberkonsistorialrat D. Fischer will ein Verbot der Zeugen Jehovas wegen der Gefahr für das "deutsche Volkstum". Darüber hinaus vertritt er die Auffassung, dass die Kirche auch  "mit ihren eigenen Mitteln" entgegentreten müsse (Protokoll der Besprechung im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung; Ev. Zentralarchiv, 7 / Generalia XII. Nr. 161; zit. nach Garbe, a.a.O., S. 10). Zwei Wochen später werden die Zeugen Jehovas verboten.



27.6.1933 - Der katholische Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg verbietet allen katholischen Pfarrern Kritik am Nationalsozialismus.


3.7.1933 - Der Bischof und spätere Erzbischof von Regensburg Michael Buchberger erklärt die Zustimmung der römisch-katholischen Kirche zur "geistigen Gleichschaltung" mit der NSDAP. In einem Brief an Adolf Hitler schrieb der Bischof: "Wir sind bereit, voll guten Willens und Loyalität ... zusammenzuarbeiten, das heißt für die geistige und moralische Gleichschaltung des gesamten deutschen Volkes auf christlicher und patriotischer Basis.“
(Ludwig Volk, Akten Kardinal Michael von Faulhabers 1917-1945, Kommission für Zeitgeschichte A 17, Mainz, 1975, Anlage zu Nr. 330: Buchberger an Hitler, S. 747; zit. nach hpd.de, 11.7.2013)


14.7.1933 - Alle Parteien außer der NSDAP sind seit diesem Tag verboten oder haben sich aufgelöst. Deutschland ist nun auch äußerlich eine reine Ein-Parteien-Diktatur mit Adolf Hitler als Reichskanzler und dem parteilosen Franz von Papen als Vizekanzler (bis August 1934). Adolf Hitler ist bis zu seinem Lebensende Katholik wie sein Vizekanzler Franz von Papen (1879-1969), der zudem seit 1923 päpstlicher Geheimkämmerer ist sowie Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Ritter des Malteserordens. In dieser Situation erfolgt nun die historische "Stunde" der römisch-katholischen Kirche, die weltweite Anerkennung des neuen Nazi-Deutschlands durch den Papst und die Kirche durch das Konkordat.


 

20.7.1933 - Der Vatikan schließt mit dem Deutschen Reich ein Konkordat ab und sichert sich weit reichende Rechte (z. B. Selbstverwaltung, Gesetzesvollmacht, katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen, Schutz der katholischen Verbände und Vereine). Darin werden auch die bisher abgeschlossenen verfassungswidrigen Konkordate mit Bayern (1924), Preußen (1929) und Baden (1932) bestätigt. Für die katholische Kirche ist es "hoch erfreulich, dass endlich einmal wieder ihre hierarchische Gliederung vom Reiche gestützt und anerkannt über alle Länder von den Alpen bis zum Meeresstrand ausgebaut war", so der katholische Regierungsrat Bauer aus Nürnberg (zit. nach "Im Schritt der neuen Zeit", Sonntagsbeilage der Bayerischen Volkszeitung, 17.12.1933, S. 4; zit. bei Helmut Steuerwald, Die Kirchen im Bann des Nationalsozialismus, http://www.hbb-bayern.de). Bis dahin stand die römisch-katholische Kirche in Deutschland eher im Schatten der evangelischen Kirche, die seit ihrer Entstehung in Deutschland die am stärksten prägende Kraft ist.

Michael Kardinal von Faulhaber aus München predigt von der Freundschaft zwischen der Nazi-Regierung und dem Vatikan und erklärt später, Papst Pius XI. sei "der beste Freund, am Anfang sogar der einzige Freund des neuen Reiches gewesen. Millionen von Menschen im Ausland standen lange misstrauisch dem neuen Reich gegenüber und haben erst durch den Abschluss des Konkordats Vertrauen zur deutschen Regierung gefasst" (zit. nach Karlheinz Deschner, Ein Jahrhundert Heilsgeschichte, Köln 1982, S. 432 f.).

Anmerkung: Das Hitler-Konkordat oder Reichskonkordat mit dem "Heiligen Stuhl" ist bis heute [2014] in vollem Umfang auch weiterhin in der Bundesrepublik Deutschland gültig. Das von Kirchenmitgliedern in Richterroben besetzte Bundesverfassungsgericht hatte am 26.3.1957 entschieden, dass das Reichskonkordat am 12.9.1933 durch Bekanntmachung im Reichsgesetzblatt durch Reichskanzler Adolf Hitler, Außenminister (und späteren Kriegsverbrecher) Freiherr von Neurath und Innenminister (und späteren Kriegsverbrecher) Wilhelm Frick im Rahmen des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes vom 24.3.1933 zur Abschaffung der Republik und Errichtung der Diktatur gültig zustande gekommen sei und folglich auch für die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland verbindlich und gültig sei.


 

15.9.1935 - Nürnberger Gesetze: Das neue Reichsbürgergesetz stempelt Juden zu Bürgern zweiter Klasse. Das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre "verbietet Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und artverwandten Blutes".
Weiterhin: Der Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Deutschen bzw. Menschen artverwandten Blutes wird verboten.
Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes bis zum Alter von 45 Jahren auch nicht in ihrem Haushalt beschäftigen.

(vgl. Synode von Elvira im Jahr 306: Verbot der Ehe und des Geschlechtsverkehrs zwischen Christen und Juden)
 


14.3.1937 - Papst Pius XI. ließ von den Kanzeln die Enzyklika "Mit brennender Sorge" vorlesen. Während die Situation für die Juden im Land immer dramatischer wurde, drehte sich die Kirche nur um die eigenen Belange. So ging es in der Enzyklika um die Verletzungen des Konkordats zwischen NS-Diktatur und Vatikan vom 20.7.1933 durch staatliche Stellen und dem daraus resultierenden "Leidensweg der Kirche" in Deutschland. Konkret wurden z. B. staatliche Eingriffe in die Priesterausbildung oder den konfessionell-katholischen Religionsunterricht in staatlichen Schulen beklagt oder die "Gottesleugnung" oder Aufrufe zum Kirchenaustritt durch einzelne NS-Funktionäre. Demgegenüber sei es "selbstverständlicher Rechtsanspruch der Eltern und Kinder, dass staatliche Pflichtorganisationen für die Jugend von allen Betätigungen christentums- und kirchenfeindlichen Geistes gesäubert würden" (Wikipedia: Stand: 16.3.2012).
Die Verantwortlichen für den "Leidensweg der Kirche" werden jedoch nie genannt, auch Hitler und NSDAP werden nicht genannt. "
So blieb das Schreiben an einigen Stellen vage. Auch Antisemitismus und Judenverfolgung kamen nicht zur Sprache". In seinem Werk
Die katholische Kirche und der Holocaust schreibt Daniel Jonah Goldhagen: "Diese Enzyklika wird oft fälschlich als Beweis für die Abneigung der Kirche, Pacellis oder Pius' XI. gegen den Nationalsozialismus angeführt oder als radikale Verurteilung des Nationalsozialismus dargestellt. Tatsächlich wandte sich die Enzyklika klar und volltönend gegen Verletzungen des Konkordats (…) Die Enzyklika verurteilte den Nationalsozialismus nicht als solchen" (S. 64).

Es ging der Kirche in mittelalterlicher Manier vor allem um Vorrang der Kirche gegenüber dem Staat, die weltweite Macht des Papsttums und den maßlosen Anspruch von Kirche und Papst, Gottes "Stellvertreter" auf Erden zu sein. Wörtlich heißt es in der Enzyklika: "Wer die biblische Geschichte und die Lehrweisheit des Alten Bundes aus Kirche und Schule verbannt sehen will, lästert das Wort Gottes, lästert den Heilsplan des Allmächtigen, macht enges und beschränktes Menschendenken zum Richter über göttliche Geschichtsplanung."
Menschen, die aus der Kirche austreten wollten, werden vom Papst mit aus dem Zusammenhang gerissenen Jesus-Worten bedroht: "Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater verleugnen", obwohl Jesus und Kirche ja völlig verschieden bzw. gegensätzlich sind. Am Ende resümierte der Papst, "dass ihn kein innigerer Wunsch leite als die Wiederherstellung eines wahren Friedens zwischen Kirche und Staat in Deutschland"
(Wikipedia).

Adolf Hitler kritisiert die Enzyklika und weist im Gegenzug u. a. auf die pädophilen Verbrechen in der Kirche hin. Adolf Hitler wörtlich:
"Es geht auch nicht an, von dieser Seite aus die Moral des Staates zu kritisieren, wenn man selbst mehr als genug Grund hätte, sich um die eigene Moral zu kümmern"
(zit. nach einestages.spiegel.de, 14.3.2012). Nachdem der Staat bereits seit 1936 das Ausmaß der Pädophilie in der Kirche nicht mehr duldete und eine Reihe von Prozessen gegen "sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen" in der Kirche anstrengte, werden diese Maßnahmen nach Verlesung der Enzyklika verstärkt. Der Staat lässt der Kirche nicht mehr durchgehen, dass es sich hier angeblich nur um Einzelfälle handele, sondern spricht von einer "symptomatischen Erscheinung" (Wikipedia). Es beginnen nun auch weitere "Sittlichkeits- und Unterschlagungsprozesse" gegen einzelne Priester und Ordensleute. In Koblenz lässt man z. B. 170 Franziskaner wegen homosexueller Prostitution und Pädophilie verhaften, wörtlich wegen "Verführung Jugendlicher und Verwandlung des Klosters in ein Bordell für Männer".

 


6.7.1938 - Auflösung jüdischer Grundstücks- und Immobilienagenturen sowie jüdischer Heiratsvermittlungsinstitute, die an Nichtjuden vermitteln (vgl. Konzil von Basel im Jahr 1434: Juden dürfen nicht als Unterhändler bei Verträgen zwischen Christen, insbesondere nicht als Vermittler von Ehen auftreten).


 

25.7.1938 - Deutsche dürfen nicht mehr zu jüdischen Ärzten (vgl. Trullanische Synode im Jahr 692).


 

31.7.1938 - Jüdische Testamente, die das "gesunde Volksempfinden" beleidigen, dürfen für nichtig erklärt werden (vgl. 3. Laterankonzil im Jahr 1179: Juden dürfen zum Christentum übergetretene Glaubensbrüder nicht enterben).



8. / 9. / 10.11.1938 - Die Ermordung des Nazi-Diplomaten Ernst Eduard vom Rath in Paris durch einen jüdischen Bürger löst in Deutschland die Reichspogromnacht bzw. Reichskristallnacht aus - Die Synagogen werden in Brand gesteckt ...
(vgl. auch Konzil von Oxford im Jahr 1222: Verbot des Synagogenbaus)


Ab November 1938 -
Weitere Massendeportationen von Juden in Konzentrationslager

 

28.11.1938 - Die Lokalbehörden werden ermächtigt, Juden an bestimmten Tagen von den Straßen zu verbannen (vgl. 3. Synode von Orleans im Jahr 538: Juden dürfen sich in der Karwoche nicht auf der Straße zeigen).

 

3.12.1938 - Zwangsarisierung jüdischen Haus- und Grundbesitzes
Juden müssen Häuser und Grundstücke zu Spottpreisen verkaufen. Wer vor 1938 ein "Judenhaus" kaufte, wurde noch als "Judenfreund" verschrien. Jetzt bedienen sich immer mehr dank der "günstigen" Angebote. Umgekehrt ist es nicht erlaubt, den jüdischen Mitbürgern zu verkaufen (vgl. Synode von Ofen im Jahr 1279: Christen ist es nicht erlaubt, Grund und Boden an Juden zu verkaufen oder zu verpachten).


 

28.12.1938 - Juden müssen in bestimmten Häusern konzentriert werden.
(vgl. die Synode von Narbonne im Jahr 1050. Gemäß des Synodenbeschlusses ist es Christen nicht erlaubt, bei Juden zu wohnen).

 


17.9.1939 - Die römisch-katholischen Bischöfe Deutschlands feiern per Hirtenbrief, dass nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen Zehntausende katholischer Polen, darunter Hunderte von Priestern ermordet werden. In einem Hirtenbrief fordern alle römisch-katholischen Bischöfe die katholischen Soldaten Deutschlands zum weiteren Töten ihrer Glaubensgenossen auf. Wörtlich: "In dieser entscheidungsvollen Stunde ermuntern und ermahnen wir unsere katholischen Soldaten, in Gehorsam gegen den Führer, opferwillig unter Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit ihre Pflicht zu tun. Das gläubige Volk rufen wir auf zu heißem Gebet, dass Gottes Vorsehung den ausgebrochenen Krieg zu einem für Vaterland und Volk segensreichen Erfolg und Frieden führen möge" (zit. nach Hans Prolingheuer, Thomas Breuer: Dem Führer gehorsam: Christen an die Front, Publik Forum, Oberursel 2005, S. 185)

September 1939 - Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg verkündet den Soldaten an der Front in einem weiteren Hirtenbrief, dass sie als "Pflicht vor Gott" töten müssen: "Ihr leistet diesen alles umfassenden Dienst als Pflicht vor Gott, übernommen durch einen Eid! ... Fällt der eine oder andere von euch, so ist das weit mehr als nur die Entrichtung der menschlichen Schuld an den Allbezwinger Tod. Es ist letzte Hingabe an das Vaterland und Volk. Soldatentod ist damit Opfertod. Opfertod ist Heldentod. Heldentod ist ehrenvoller Tod, ein Ruhmeskranz"
(zit. nach Der Spiegel Nr. 12, 17.3.1965)

Anmerkungen: Zur Kriegsbegeisterung auch in der römisch-katholischen Kirche siehe auch der am 9.10.2005 selig gesprochene Clemens August Kardinal von Galen aus Münster.
Papst Pius XII. lehnte es bewusst ab, den Angriff zu verurteilen
(siehe nächste Meldung) und ließ die deutschen Bischöfe wohlwollend gewähren.
 

 

21.9.1939 - Juden dürfen nur noch in Judenvierteln wohnen. So hat es auch die Kirche seit dem Mittelalter mit der jüdischen Bevölkerung gehalten (z. B. lt. Beschluss der Synode von Breslau im Jahr 1267).


 

November 1939 - Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939 durch Georg Elser im Bürgerbräukeller in München läuten in ganz Deutschland die Kirchenglocken zu "Dankgottesdiensten" für die Bewahrung des Führers. "Nuntius Cesare Orsegnio überbringt die persönlichen Glückwünsche von Papst Pius XII." (Evangelisches Sonntagsblatt Nr. 46, 15.11.2009). Adolf Hitler und die Parteispitze der NSDAP hatten den Versammlungsort wegen schlechten Wetters früher als geplant verlassen, um zurück nach Berlin zu reisen.

 

"Es ist üblich geworden, immer dann, wenn die Haltung der offiziellen katholischen Kirche in Deutschland der Nazizeit angezweifelt wird, die Namen der Männer und Frauen zu zitieren, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen gelitten haben und hingerichtet worden sind. Aber jene Männer, Prälat Lichtenberg, Pater Delp und die vielen anderen, sie handelten nicht auf kirchlichen Befehlt, sondern ihre Instanz war eine andere, deren Namen auszusprechen heute schon verdächtig geworden ist: das Gewissen".

(Heinrich Böll, Schriftsteller, Nobelpreisträger, 1917-1985)


 

30.12.1939 - Juden wird die Benutzung von Speisewagen der Bahn untersagt (vgl. Synode von Elvira im Jahr 306: Verbot der gemeinsamen Speiseeinnahme von Juden und Christen)

 

 

 


 

 

Teil 6
Die Ereignisse im Zeitablauf 1940 - 1950

 

 

1.9.1941 - Einführung des Judensterns (vgl. 4. Laterankonzil im Jahr 1215: Juden müssen ein Unterscheidungszeichen an ihrer Kleidung tragen)


 

3.9.1941 - Erste Probevergasungen mit "Zyklon B" in Auschwitz

 


9.9.1942 - Vorschlag der Parteikanzlei der NSDAP an das Justizministerium, Juden die Erhebung von Zivilklagen zu verbieten (vgl. 3. Laterankonzil im Jahr 1179: Juden dürfen Christen nicht anklagen und können nicht Zeugen gegen Christen sein).

 

Ab 1945 - "Rom ist in den Nachkriegsjahren der beliebteste Wallfahrtsort flüchtiger Nazis. In der Ewigen Stadt finden sie Unterschlupf und falsche Papiere zur Flucht ins Ausland" (Ernst Klee, in: Persilscheine und falsche Pässe, Frankfurt am Main 1991, S. 25).
Dank katholischer Hilfe können z. B. der Organisator der "Endlösung", das evangelische Kirchenmitglied Adolf Eichmann, und der Katholik und Auschwitz-Arzt Josef Mengele nach Südamerika fliehen.
Eichmann, der als Jugendlicher im CVJM (= Christlicher Verein Junger Menschen) tätig war, sagt dazu am 14.5.1961: "Ich erinnere mich in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa und entschied, den katholischen Glauben zu honorieren, indem ich Ehrenmitglied wurde."


Anmerkung: Eichmann bleibt offiziell evangelisch, trägt aber in seinen argentinischen Pass "katholisch" ein, was er als Ehrenmitgliedschaft auffasst.


Bei der Flucht hochrangiger Nazi-Kriegsverbrecher aus Deutschland war vor allem die römisch-katholische Kirche helfend tätig, da sie über die bessere internationale Infra-Struktur wie die evangelischen Kirchen verfügte. In ihrem Anliegen, schlimmste Verbrecher der Strafverfolgung zu entziehen, waren sich beide Kirchen aber einig.
Stefan Klemp schreibt in seinem Buch KZ-Arzt Aribert Heim: Die Geschichte einer Fahndung, Münster 2001:
"Ganz allgemein hat sich insbesonders die katholische Kirche aktiv an der Organisation der Flucht von deutsch-österreichischen NS- und kroatischen Ustascha-Verbrechern nach dem 2. Weltkrieg beteiligt ...Enger Mitarbeiter von [Franziskaner und Ustascha-Verbrecher] Krunoslav Draganovic war der österreichische Bischof Alois Hudal. Er beschaffte flüchtigen NS-Verbrechern falsche Papiere, ausgestellt von einem ´Österreichischen Bureau` in Rom. Päpstliche Stellen unterstützen die Flüchtlinge und beschafften notwendige Visa, das [von der Kirche dominierte] italienische Rote Kreuz war für Pässe zuständig. Beteiligt war auch die deutsche ´Stille Hilfe`, die zu Beginn ihrer Tätigkeit von [überwiegend evangelischen] Kirchenvertretern gefördert wurde. Es gab im Wesentlichen drei große Zielrichtungen der Flucht: Südamerika, Nahost und Spanien"
(S. 129)
.

Zu den NS-Schwerverbrechern, die dank des Einsatzes der Kirche nie zur Rechenschaft gezogen wurden, gehörten neben dem bekannten Auschwitz-Arzt Dr. Josef Mengele z. B. die beiden SS-Ärzte Dr. Aribert Heim und Dr. Hans Eisele. Dr. Hans Eisele, Arzt in den KZs in Mauthausen und Buchenwald, starb 1967 in Ägypten
(S. 130). Dr. Heim starb dort unbehelligt erst 1992. Dr. Eisele, der aus einer bewusst römisch-katholischen Familie stammte, stellte sich immer als "überzeugten Christen" dar. Er hatte 300 Häftlinge ermordet, sowie experimentelle Operationen ohne Betäubung an Häftlingen durchgeführt und hat auch anderweitig Häftlinge misshandelt und gequält.
Die Verbrechensliste von Dr. Aribert Heim, der ebenfalls in Mauthausen und Buchenwald sowie im KZ Sachsenhausen seine grässlichen Menschenversuche vor allem an jüdischen Bürgern durchführte, ist noch länger. Auch er war als Österreicher vermutlich Katholik. Er hat Hunderte von Juden durch Spritzen von Benzin direkt ins Herz eigenhändig ermordet und hat Häftlingen unbetäubt Organe heraus geschnitten und sei dabei mit besonderer Heimtücke vorgegangen, indem er die Häftlinge z. B. ahnungslos ließ. Nach dem Krieg verhalf die Kirche auch "Dr. Tod" oder dem "Schlächter von Mauthausen" dann erfolgreich zur Flucht.
Der Spiegel schreibt über seine Taten wie folgt:
"Einen Wiener Juden soll Heim vor einen Spiegel gezerrt haben: ´Schau dir doch deine Nase an, so etwas kann unser Führer nicht brauchen.` Der Mann habe darauf bitterlich weinend um sein Leben gefleht, er müsse seine alte Mutter versorgen. Heim tötete den Häftling mit einer Injektion ins Herz. Der Leiche wurde der Kopf abgenommen, um ihn auszukochen. Nach einigen Tagen zeigte Heim einem Besucher stolz seine Trophäe: ´Da schau, wäre um den schönen Kopf doch schade gewesen, dass er verbrannt wird.` Einem anderen getöteten Häftling soll Heim, so ein Zeuge, ´große Hautstücke aus Rücken und Brust` geschnitten haben, weil darauf ein Schiff tätowiert war. Die Haut wurde, erinnert sich der Zeuge, gegerbt, um daraus einen Lampenschirm für den Lagerkommandanten zu fertigen. Auf welch perverse Art Heim seine Opfer ermordete, bezeugte 1975 auch Karl Lotter, der als Pfleger im KZ-Krankenrevier arbeiten musste. Er schildert den Fall eines jungen Tschechen, der mit einer eitrigen Infektion am Bein auf die Station kam. Heim habe ihn auf seinen durchtrainierten Körper und sein makelloses Gebiss angesprochen. Freundlich plauderte er mit dem Mann über die Heimat, bevor er ihn narkotisierte. Doch statt das verletzte Bein zu operieren, habe Heim mit einem schnellen Schnitt die Bauchdecke des Tschechen aufgeschlitzt und sich an den Eingeweiden des Patienten zu schaffen gemacht. Anschließend entfernte er die Hoden des jungen Mannes, schälte eine Niere, nahm die zweite heraus: alles zu Übungszwecken. Die Spruchkammer Berlin kam in einem Sühneverfahren 1979 zu dem Schluss: Heim ´weidete sich an der Todesangst seiner Opfer`"
(Nr. 35/2005)
.

 


20.7.1945 - Auf Initiative der Evangelischen Kirche erfolgt ein scharfer Protest von Landesbischof Meiser und Kardinal Faulhaber gegenüber der Militärregierung. Die Forderungen:
- Keine pauschale Verurteilung ehemaliger Parteigenossen
- Keine pauschale Verurteilung von SS-Leuten
- Freilassung der inhaftierten Bankiers und Industriellen
Die Kirchenführer beklagen, "... wie schwer diese Industriellen, zum Teil höheren Alters, unter den Entbehrungen der Gefängnisse und ihre Familien unter dieser Trennung leiden" (zit. nach Klee, Persilscheine, a.a.O., S. 14). Das unsagbare Leid in den jüdischen Familien war Landesbischof Meiser einige Jahre zuvor jedoch kein einziges Wort wert, und er kritisierte andere scharf, die wenigstens überlegten, vielleicht etwas zu sagen.


 

6.10.1945 - Der Berichterstatter der Bayerischen Staatsregierung Etzel schreibt an den ersten Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner, dass in den Kirchen Stimmung zugunsten der Nazis gemacht werde. Am Beispiel seiner Beobachtungen in Bamberg berichtet er, die Pfarrer versuchten "falsches Mitleid" zu erregen, ein katholischer Pfarrer mache z. B. "aus Nazis Märtyrer". Die öffentliche Meinung wird durch die "Klerikalen" "vergiftet und zersetzt" (zit. nach Vollnhals, a.a.O., S. 139).


 

1946 - Konrad Adenauer, 1945 Mitbegründer und seither Vorsitzender der CDU, über die Schuld der Bischöfe:
"Im übrigen hat man aber auch gewusst - wenn man auch die Vorgänge in den Lagern nicht in ihrem ganzen Ausmaße gekannt hat -, dass die persönliche Freiheit, alle Rechtsgrundsätze mit Füßen getreten wurden, dass in den Konzentrationslagern große Grausamkeiten verübt wurden, dass die Gestapo, unsere SS und zum Teil auch unsere Truppen in Polen und Russland mit beispielloser Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Die Judenpogrome 1933 und 1938 geschahen in aller Öffentlichkeit. Die Geiselmorde in Frankreich wurden von uns offiziell bekannt gegeben. Man kann also wirklich nicht behaupten, dass die Öffentlichkeit nicht gewusst habe, dass die nationalsozialistische Regierung und die Heeresleitung ständig ... gegen die einfachsten Gebote verstießen. Ich glaube, dass, wenn alle Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tage öffentlich von den Kanzeln aus dagegen Stellung genommen hätten, sie vieles hätten verhindern können. Das ist nicht geschehen, und dafür gibt es keine Entschuldigung" (zit. nach Der Spiegel Nr. 34/1998).


Anmerkung: Es hat auch kein Bischof um Verzeihung gebeten. Eine gemeinsame Kanzelabkündigung in dem von Adenauer genannten Sinne stand nie zur Diskussion.



1947 - Der evangelisch-lutherische Theologieprofessor Walter Künneth, der sich 1933 für Judenverfolgung und Krieg aussprach und mittlerweile als Honorarprofessor in Erlangen lehrt, veröffentlicht das Buch Der große Abfall. Darin wirft er den Nazis vor, von Gott abgefallen zu sein. Künneth spricht von "Imitation der Katholischen Kirche" und von einer "Verdrehung der Grundsätze der katholischen Kirche". Der Führer sei dem Papst vergleichbar, die Nazi-Hierarchie sei ähnlich wie die römisch-katholische Hierarchie gebildet, für das System des bedingungslosen Gehorsams und den "Orden der SS" seien die Jesuiten Vorbild gewesen.
Künneth wörtlich: "Die durch die Machtherrlichkeit der katholischen Kirche einst ausgelösten Jugendträume Hitlers finden in dem tief gegliederten Pyramidenbau der nationalsozialistischen Anti-Kirche ihre Erfüllung" (Der große Abfall, Hamburg 1947, S. 142; Vergleich mit der katholischen Lehre: S. 142-145).


Anmerkung: Adolf Hitler ist bis zu seinem Tod katholisches Kirchenmitglied und zahlt immer pünktlich seine Kirchensteuer. Er wird nie exkommuniziert.



1948 - Hans-Ulrich Rudel, ehemaliger NS-Kampfflieger und der höchstdekorierte deutsche Soldat, flieht vor der Strafverfolgung wegen Kriegsverbrechen nach Rom. Im Rückblick schreibt er über die Hilfe der katholischen Kirche für hochrangige Nazi-Kriegsverbrecher:
"Man mag sonst zum Katholizismus stehen, wie man will. Was in diesen Jahren durch die Kirche, vor allem durch einzelne menschlich überragende Persönlichkeiten innerhalb der Kirche, an wertvollem Menschentum unseres Volkes gerettet worden, oft vor dem sicheren Tode gerettet worden ist, soll billigerweise unvergessen bleiben" (zit. nach Klee, Persilscheine, a.a.O., S. 26).


 

1950 - Der Bamberger Flüchtlingsausschuss wehrt sich in einer Petition gegen die Unterbringung von Juden zusammen mit deutschen Heimatvertriebenen, "da es den Heimatvertriebenen nicht zugemutet werden kann, mit Elementen unter einem Dach zu wohnen, die zu hohem Prozentsatz kriminell sind, keiner geregelten Arbeit nachgehen und denen weder an einer sittlichen Einordnung noch an einer Respektierung der staatlichen Autorität liege."
Dazu der römisch-katholische Bamberger Oberbürgermeister, der sonst von "Gottesfurcht und Nächstenliebe" spricht: Die Juden seien die "Hauptwanzenträger", die "in einem der großen noch nicht verwendeten Stallgebäude unterzubringen" seien (zit. nach Königseder/Wetzel, a.a.O., S. 220 f.; vgl. dazu Luthers Forderung, die Juden in Ställen unterzubringen).

 

 


 

 

Teil 7
Die Ereignisse im Zeitablauf um das Jahr 2000



September 1998 - Die Jüdin Tikva Bat Shalom aus Jerusalem stellt in einem Brief an die Zeitschrift Der Theologe heraus, dass "der Gott der Kirche nichts mit dem GOTT" zu tun hat, "der Himmel und Erde schuf". Sie schreibt: "Die Kirche nahm sich besonders all das [aus der Bibel] heraus, was gegen Juden zu verwenden war ... Worte GOTTES, mit denen Er Seine Kinder schalt. Begegneten den Kirchenchristen aber Verheißungen, die der Ewige Seinem Volk zugesagt hat, so bezogen sie diese auf die Kirche ..."
(shalom_j@netvision.net.il)



11.10.1998 - Papst Johannes Paul II. spricht die Karmeliterin Edith Stein, die 1942 im KZ ermordet wurde, als "Märtyrerin" heilig. Edith Stein war vom Judentum zum katholischen Glauben übergetreten. Jüdische Verbände protestieren gegen die Heiligsprechung. Denn Edith Stein wurde nicht getötet, weil sie Katholikin, sondern weil sie Jüdin war.
 

 

Mai 2006 - Papst Benedikt XVI. besucht Auschwitz. Am 11.9.2009 erscheint darüber eine Dokumentation der Zeitung Die Welt mit dem Titel: Der Versuch, aus Tätern Opfer zu machen.
(http://www.welt.de/politik/deutschland/article4510495/Als-Benedikt-XVI-aus-Taetern-Opfer-machen-wollte.html).

 


11.5.2009 - Papst Benedikt XVI. besucht die Gedenkstätte für Holocaust-Opfer Yad Vashem in Jerusalem. Dabei sagt Joseph Ratzinger "kein Wort über die Haltung der Kirche zum Holocaust, über den Antijudaismus in der Kirchengeschichte, der die Shoah erst ermöglicht hat. Er beschränkt sich darauf, das ´Mitleiden` der katholischen Kirche mit den Opfern zu nennen ... Die nächsten Tage werden zeigen, wie Israel mit diesem Schweigen eines Papstes leben kann"
(Spiegel online, 11.5.2009).

 

"Ratzinger hat ja – etwa in seiner skandalösen Rede in Auschwitz [am 28.5.2006] – behauptet, der Holocaust sei das Produkt der Gottlosigkeit, der Judenmord sei im Grunde genommen der Versuch gewesen, Gott auszuschalten. Nun behauptet Joachim Gauck, die ´Überhöhung des Holocausts in eine Einzigartigkeit` sei auch das Produkt der Gottlosigkeit". Wer so denke, habe nach Neu-Bundespräsident Joachim Gauck "das Koordinatensystem religiöser Sinngebung verloren". "Dass der Holocaust von Leuten geplant, durchgeführt und geduldet wurde, die zu 99 Prozent Christen waren, fällt dabei unter den Tisch – und soll wohl unter den Tisch fallen."

(Der Journalist Alan Posener am 28.2.2012; zit. nach http://starke-meinungen.de/blog/2012/02/28/der-pfarrer-als-prasident-joachim-gauck-und-der-holocaust/#more-3157;
Alan Posener klagt mit Recht die Kirchenmitglieder an, die zu 99 % für den Holocaust verantwortlich waren. Doch mit Jesus, dem Christus hat das alles nichts zu tun. Kirche und Christus sind Gegensätze.)

 


März 2011 - Papst Joseph Ratzinger umgeht in seinem neuen Buch
Jesus von Nazareth, Band 2
mit viel Raffinesse das Thema "Judenmission" der Kirche.
So schreibt er von
"folgenschweren Missverständnissen", welche "die Jahrhunderte belastet haben". Dann, ähnlich wie bei seiner Regensburger Rede über den Islam, macht sich Benedikt XVI. zu eigen, was andere schreiben. Er zitiert dazu zunächst den fanatischen und "heiligen" Kreuzzugsprediger Bernhard von Clairvaux; und zwar eine Passage, mit denen der "heilige" Bernhard den "seligen" Papst Eugen III. geschult hatte, der wiederum im Jahr 1145 zum Zweiten Kreuzzug ins "Heilige Land" aufgerufen hatte. Und zu dieser Passage zitiert Joseph Ratzinger weiterhin den Kommentar der Bernhard-Clairvaux-Biografin Hildegard Brem, und zwar ohne eigene Kommentierung. Auf dieser Weise versucht er zu verschleiern, was er selbst denkt. Er macht sich das Zitat aber zu eigen, indem er es einfach unkommentiert lässt. Der Satz aus dem Papst-Buch lautet:
"Hildegard Brem kommentiert diese Stelle so: ´Im Anschluss an Röm 11, 25 muss sich die Kirche nicht um die Bekehrung der Juden bemühen, da der von Gott dafür festgesetzte Zeitpunkt ´bis die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben` (Röm 11, 25) abgewartet werden muss. Im Gegenteil, die Juden sind selbst eine lebendige Predigt, auf die die Kirche hinweisen muss, da sie das Leiden des Herrn vergegenwärtigen ...`" (Winkler I, S. 834) (S. 60.61)
Mit anderen Worten: Schweigen und abwarten.
Die Zeit laufe hier für die Kirche. Irgendwann habe man sie schon dort, wo man sie haben wolle.



16.10.2013 - Totenmesse der kirchlich rehabilitierten Piusbrüder für den "gläubigen Katholiken" und Kriegsverbrecher Erich Priebke - Wie Adolf Hitler selbst war auch SS-Hauptsturmführer Erich Priebke bis zuletzt Kirchenmitglied und zahlte seine Kirchenbeiträge. Der "gläubige Katholik" (spiegel.de, 16.10.2013) wurde von der Priesterbruderschaft St. Pius X, kurz Piusbrüder, mit einer feierlichen Messe in den "Himmel" verabschiedet, nachdem er im Alter von 100 Jahren verstorben war. Er war 1944 an führender Stelle verantwortlich für die Erschießung von 335 italienischen Zivilisten als Racheakt für ein Attentat von italienischen Untergrundkämpfern. So hat der "gläubige Katholik" die Liste der Todeskandidaten "geführt" und zwei von ihnen auch eigenhändig erschossen. Reue oder Schuldbewusstsein hatte er nie, denn er habe nur Befehle ausgeführt, so seine Rechtfertigung.
Tatsächlich haben die evangelischen und katholischen deutschen Bischöfe den Krieg Nazi-Deutschlands befürwortet und abgesegnet, und der Vatikan hat über die so genannte "Rattenlinie" ab 1945 unzählige Kriegsverbrecher in Sicherheit vor einer Strafverfolgung gebracht und hauptsächlich nach Südamerika geschleust, wo auch Priebke Jahrzehnte unbehelligt gelebt hatte. 1995 wurde er jedoch gefasst und nach Italien überstellt. Diese "Rattenlinie" über viele eingeweihte Klöster kommentierte der hoch dekorierte Nazi-Kampfflieger Ulrich Rudel nach dem Krieg u. a. wie folgt:
"Man mag sonst zum Katholizismus stehen, wie man will. Was in diesen Jahren durch die Kirche, vor allem durch einzelne menschlich überragende Persönlichkeiten innerhalb der Kirche, an wertvollem Menschentum unseres Volkes gerettet worden, oft vor dem sicheren Tode gerettet worden ist, soll billigerweise unvergessen bleiben" (zit. nach Klee, Persilscheine, a.a.O., S. 26).

Allerdings wurde die Messe für den Katholiken Priebke am Stammsitz der Piusbrüder in Albano Laziale in Italien abgebrochen. Zunächst kam es im Vorfeld zu Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen trauernden und den Toten ehrenden Neo-Nazis und Demonstranten, die jeweils auch ihre Parolen anstimmten. Nur "eine Handvoll rechtsradikaler Priebke-Fans" sollte der Messe beiwohnen, doch schließlich drängten immer mehr Neo-Nazis nach, was zum Abbruch geführt haben soll.
Die Exkommunikation der Piusbrüder wurde durch Papst Benedikt XVI. aufgehoben, und die konservativen Katholiken wurden wieder in die Kirche aufgenommen. Dass einer ihrer Bischöfe, Richard Williamson, den Holocaust leugnet, soll Josef Ratzinger "nicht gewusst" haben. Doch auch der ehemalige italienische Regionalleiter Pater Florian Abrahamowicz sagte:
"Ich weiß, dass die Gaskammern zur Desinfektion benutzt wurden. Ich weiß nicht, ob darin Menschen zu Tode gekommen sind" (zit. nach spiegel.de). Und: "Priebke hat es so ähnlich gesagt".


17.10.2013 - Vor 70 Jahren: Wie Papst Pius XII. schwieg, als die deutsche SS über 1000 Juden Roms unter den päpstlichen Augen aus ihren Häusern zerrte und nach Auschwitz transportierte. Der Papst entschloss sich auch, nicht zu protestieren. Ein verzweifelter Brief versteckter Juden um Hilfe wird bis heute im päpstlichen Geheimarchiv unter Verschluss gehalten. Dafür wird er sich zwei Jahre später dafür einsetzen, Nazi-Kriegsverbrecher mit kirchlicher Hilfe nach Südamerika zu schleusen, um sie vor Strafverfolgung zu schützen, die bekannte "Rattenlinie" des Vatikan  - http://einestages.spiegel.de/s/tb/29643/judenrazzia-1943-in-rom-retten-sie-uns-eure-heiligkeit.html - Die zunächst für 2014 geplante "Seligsprechung" von Pius XII. soll nun noch einmal verschoben werden ...


 
 




Teil 8

Der Holocaust und die kirchliche Lehre
von der ewigen Verdammnis

 

Die Nationalsozialisten haben nach anfänglichem Bekenntnis zum kirchlichen Christentum den Antisemitismus von seinen kirchlichen Wurzeln zu lösen versucht. Dies hat es der Kirche erleichtert, sich nach 1945 als "Opfer" darzustellen anstatt sich als Anstifter bzw. Vorläufer zu erkennen.
Doch die "Endlösung" des Holocaust steht in vieler Hinsicht in Verbindung zum evangelischen und katholischen Glauben.
Mehrere Jahrhunderte lang werden die Juden als angebliche "Christusmörder" verfolgt. Zu unterschwelligen Rachegefühlen kommt aber noch ein wesentlicher Aspekt der kirchlichen Lehre hinzu, der die Verfolgung bis zum Tod erst begründet: Der katholische und der evangelische Glaube wähnen sich gemäß ihrer Dogmen und Bekenntnisschriften im Besitz der selig machenden Wahrheit, und katholische und evangelische Kirche lehren bis heute die mögliche ewige Verdammnis für viele Andersgläubige. Deshalb lautet eine wesentliche Frage auch:
In welcher Beziehung stehen der Holocaust und die Lehre von der ewigen Verdammnis?

In der Vergangenheit wurden Millionen der vermeintlich ewig Verdammten auf Veranlassung der Kirche auch hingerichtet. Der kirchliche Glaube an die ewige Verdammnis ihrer Opfer trägt dabei entscheidend zum Abbau der Hemmschwelle gegenüber Folter und Mord bei. Was seien schon die paar Minuten Qual auf dem Scheiterhaufen gegenüber dem ewigen Höllenfeuer, das Gott angeblich dem Opfer sowieso bald bereitet? Das vermeintlich "Positive" dabei aus kirchlicher Sicht: Die Hingerichteten können andere Katholiken und Evangelische nicht mehr "verführen", und ihr qualvoller Tod ist auch eine Abschreckung für Schwankende. Und außerdem hätte ihnen die Kirche die große Chance gegeben, sich noch in letzter Minute, während die Flammen z. B. schon am Körper hoch züngeln, zum kirchlichen Glauben zu bekehren und auf dieser Weise ihrer angeblichen ewigen Verdammnis zu entgehen (vgl. dazu auch Der Theologe Nr. 19).
... So gesehen wäre der Holocaust aus römisch-katholischer Sicht nur das vergängliche irdische Feuer vor dem unvergänglichen "ewigen Feuer" gewesen, wobei die Juden in Deutschland vor jenem bewahrt worden wären, wenn sie kurz vor ihrer Vergasung oder Erschießung noch die Religion ihrer katholischen Peiniger angenommen hätten. Hätten sie stattdessen die Religion ihre evangelischen Peiniger angenommen, hätte ihnen das nach römisch-katholischer Lehre auch im Jenseits nichts genützt. Und im Diesseits hatte es den jüdischen Mitbürgern sowieso nichts genützt, wenn sie evangelisch oder katholisch geworden sind, wie ja auch in der Dokumentation deutlich wurde. Sie wurden von den Kirchen in der Regel fallen gelassen und von den Machthabern genauso umgebracht wie alle anderen Juden.

 



Teil 9

Antijüdische Stellen im Neuen Testament

 

Für beide Großkirchen ist die Bibel verbindliches, reines und abschließendes Gotteswort ... Auch haben sich die Kirchen bis heute nicht von nachfolgenden Bibelstellen distanziert, von denen sie sich in der Vergangenheit u. a. zu wüstem Antisemitismus inspirieren ließen und zur geistigen Vorbereitung des Holocaust. Sollen z. B. nachfolgende Stellen wirklich verbindliches, reines und abschließendes Gotteswort sein? Und wenn ja, kann dann ausgeschlossen werden, dass sich Kirchenanhänger irgendwann wieder darauf berufen?

"Als sie [die Juden] aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er [Paulus] die Kleider aus und sprach zu ihnen: ´Euer Blut komme über euer Haupt" (Apostelgeschichte 18, 6).

Paulus: "Siehe aber zu: du heißest ein Jude ... Nun lehrst du andere, und lehrst dich selber nicht; du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst; du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe; dir gräuelt vor den Götzen, und du raubest Gott, was sein ist; du rühmest dich des Gesetzes, und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes; denn ´eurethalben wird Gottes Name gelästert unter den Heiden`, wie geschrieben steht" (Römer 2, 17.21-24, nach der Lutherübersetzung von 1964; diese Bibelstelle wurde von der evangelischen Kirche schon einmal korrigiert, indem sie die einzelnen Vorwürfe mit Fragezeichen versehen hat; bei dem schwerwiegenden Vorwurf am Schluss wurde die Bibelstelle jedoch nicht verändert).

Paulus: "Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Auserwählten [als die sich die Mitglieder der Kirche später betrachten] aber haben es erlangt. Die andern sind verstockt, wie geschrieben steht (Jesaja 29, 10): ´Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.` Und David spricht (Psalm 69, 23-24): ´Lass ihren Tisch zur Falle werden und zu einer Schlinge und ihnen zum Anstoß und zur Vergeltung. Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit`" (Römer 11, 7-10).

Paulus: "Aber was mir Gewinn war [die jüdische Lehre und Überlieferung], das habe ich ... für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden ..., und ich erachte es für Dreck ..." (Philipper 3, 8)

Paulus: "Die haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen Feind ... Aber der Zorn Gottes ist schon in vollem Maße über sie gekommen" (1. Thessalonicher 2, 15 f.).
 

Paulusschüler: "Denn es gibt viele Freche, unnütze Schwätzer und Verführer, besonders die aus der Beschneidung, denen man das Maul stopfen muss, weil sie ganze Häuser verwirren und lehren, was nicht sein darf ..." (Titus 1, 10 f.; die evangelisch-katholische Einheitsübersetzung verwendet für "die aus der Beschneidung" die sinngemäße Formulierung "die aus dem Judentum kommen"; Luther schreibt "die aus den Juden")

Unser Vorschlag: Wenn es den Kirchen mit ihrer Distanzierung vom Antisemitismus ernst ist, dann sollten sie sich zumindest von den oben ausgewählten sieben Bibelstellen distanzieren und diese aus den "Gottesworten"
herausnehmen oder sie entsprechend korrigieren.


 




Quellen- und Literaturverzeichnis:

Die Hinweise auf die katholischen Synodenbeschlüsse finden sich in Juden-Christen-Deutsche, Band 1, S. 28-30.


 Weitere Literaturangaben: Siehe bei Der Theologe Nr. 4

 

 



 

 

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 85, Die katholische Kirche und der Holocaust, Wertheim 1999, zit. nach http://www.theologe.de/katholische-kirche_holocaust.htm, Fassung vom 23.8.2014

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