DER THEOLOGE
Nr. 12
Der
„Sektenbeauftragte“ -
der neue Inquisitor
Die
Bekämpfung friedfertiger religiöser Minderheiten
durch die Kirchen in Deutschland
|
"Im
Mittelalter wären wir ganz anders mit euch umgesprungen" |
1) "Sektenbeauftragter", "Religions- und
Weltanschauungsbeauftragter" - Begriffe ...
2) Der erste "Sektenbeauftragte"
3) Die moderne Inquisition
4) Wie äußern sich katholische Verlautbarungen?
5) Die Verdrehung des Begriffes "Toleranz"
6) Die Strategie der Kirche
7) Die Zerstörung von Familien
8) Die Verantwortung der gesamten Kirche
9) Inquisition - früher und heute
1) "Sektenbeauftragter", "Religions- und Weltanschauungsbeauftragter"
-
Begriffe aus
dem 20. Jahrhundert
Früher wurden sie "Inquisitoren"
genannt. Sie betonten vordergründig ihre angebliche "Sorge" um ihre Mitmenschen.
Doch
dahinter steckten die "Wölfe im Schafspelz". Die "Inquisition" der beiden Großkirchen hat das Leben zahlloser
Menschen und die Zerstörung ihrer Familien in zwei Jahrtausenden auf dem Gewissen (siehe dazu
www.kirchenopfer.de).
Machtdemonstration der Kirche: Die früheren "Sektenbeauftragten"
genießen ihren Triumph. Die urchristlichen Abweichler vom "reinen"
römisch-katholischen Glauben werden gleich auf dem
Scheiterhaufen verbrennen.
Die modernen Begriffe für die Inquisitoren, z. B. "Beauftragte für Religions-
und Weltanschauungsfragen", tauchen in ähnlicher Form schon im Dritten Reich
auf. So hieß das Referat V beim Reichssicherheitshauptamt z. B. "Referat für Religions- und
Weltanschauungsfragen" und war dem SS-Führer Heinrich Himmler
unterstellt. Die Zielsetzung dieses Referates war "das Auslöschen des
Sektenwesens". Die Arbeitsweise: Verleumdung, Denunziation, üble Nachrede,
falsche Anschuldigungen vor Gerichten (Institut für Zeitgeschichte -
Universität München, Brief von C. Nestmann, 15.1.1988).
Der Katholik Adolf
Hitler war bestrebt, eine Auseinandersetzung zwischen den Großkirchen oder gar
Übertritte von einer Konfession zur anderen zu vermeiden, um die Menschen nicht
von ihren "völkischen" Aufgaben abzulenken. Er selbst blieb
zeitlebens Mitglied der römisch-katholischen Kirche und zahlte immer pünktlich
seinen Kirchenbeitrag (Belege bei "Der Theologe
Nr. 4"). Und auch um die Gunst der Kirchen
für die "völkischen" Aufgaben zu gewinnen, kam der nationalsozialistische Staat gerne deren Verlangen
nach, kleinere religiöse Bewegungen zu bekämpfen. So wurde bereits im Jahr 1932
unter der Kanzlerschaft des Katholiken Franz von Papen mit den Stimmen der NSDAP
und unter dem Beifall der Kirchen die Freidenker-Bewegung verboten.
Im Jahr 1933 kommentiert dann Das Evangelische Deutschland, das in Berlin erscheinende
damals
"maßgebliche Organ auf protestantischer Seite" das Verbot der Zeugen Jehovas mit Dankbarkeit und fordert weitere Verbote: "Die Kirche wird dankbar anerkennen, dass durch dieses Verbot eine
Entartungserscheinung des Glaubens beseitigt worden ist ... Damit ist jedoch noch keine
vollständige Bereinigung der Sekten erreicht. Erwähnt seien nur die
Neuapostolischen" (Das Evangelische Deutschland, Kirchliche Rundschau für das Gesamtgebiet der Deutschen
Evangelischen Kirche, Nr. 37, 10.9.1933; zit. nach Detlef Garbe, Die Verfolgung
der Zeugen Jehovas im Dritten Reich, EZW-Text Nr. 145, Berlin 1999, S. 10).
Einmal mehr ließ ein Staat dem Inquisitionsgeist der Kirche freien Lauf,
und die Kirche bedankt sich z. B. mit uneingeschränkter Unterstützung für alle
Angriffskriege. So sind in der Zeit von 1933 bis 1939 z. B. 5-10 % der KZ-Insassen Zeugen
Jehovas. 1.200 von ihnen kommen dort ums Leben, weitere 250 werden anderweitig erhängt,
erschossen oder geköpft. Und im Jahr 1942 verlangt z.
B. der bayerische evangelische Pfarrer Friedrich Wilhelm Auer eine
"Bartholomäusnacht", bei der kein Jude verschont werden soll.
Kirche und Nationalsozialisten arbeiteten bei der "Bereinigung der Sekten"
und der Judenverfolgung vielfach Hand in Hand. Die
Apologetische Centrale in Berlin, Vorläuferin der heutigen Evangelischen
Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW), erarbeitet z. B. Materialien über "Sekten" und
Juden. Und deren Leiter Walter Künneth schreibt in einem Brief vom 16.12.1933
über die Zusammenarbeit mit der Gestapo: "Der Materialaustausch
zwischen dem Geheimen Staatspolizeiamt und der Apologetischen Centrale hat bereits
begonnen. Auch mit dem Propaganda-Ministerium wurde Fühlung aufgenommen. Es besteht die
Aussicht, dass auch hier eine Arbeitsverbindung zustande kommt. Auch das
Reichsinnenministerium hat in den vergangenen Monaten der Apologetischen Centrale
wiederholt wichtiges Material zur Durchprüfung und praktischen Ausnutzung zur Verfügung
gestellt" (Evangelisches Zentralarchiv 1/C3/392; zit. nach
Röhm/Thierfelder, Juden-Christen-Deutsche, Stuttgart 1990, Band 1, S. 412;
weitere Hinweise
siehe z. B.: Der Theologe Nr. 4: "Die evangelische
Kirche und der Holocaust").
Obwohl die Nationalsozialisten die Centrale zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund eines Konflikts der Kirchenmänner
mit dem NS-Ideologen Alfed Rosenberg (aufgrund dessen germanisch-heidnischer Anschauungen,
die allerdings von Adolf Hitler als dessen Privatmeinung und ausdrücklich nicht als Position der NSDAP
bezeichnet wurden) schließen, hat
sich die Haltung der Kirchen gegenüber religiösen Minderheiten nicht geändert.
So fordert z. B. 1937 der der Bekennenden Kirche angehörige Oberkirchenrat D.
Otto Bezzel: "Die Juden sind die Zerstörer und gehören
hinausgepeitscht" (zit. nach
Evangelisches Sonntagsblatt in Bayern Nr. 42/1988, S. 15). Im Jahr 1947 wird D. Otto Bezzel zum Personalreferenten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche
Bayerns befördert. Damit ist er faktisch der zweitstärkste Mann hinter dem
Landesbischof, was er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1962 auch bleibt.
Der Name des Referats V im damaligen
Reichssicherheitshauptamt, "Referat für Religions- und
Weltanschauungsfragen", wurde Anfang der 70er Jahre fast identisch in dem
Namen "Arbeitsgemeinschaft
für Religions- und Weltanschauungsfragen" wieder verwendet. Diese ist eine
Initiative des Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack (F.
W. Haack, Sekten, 1974, S. 62 - Der Hinweis auf Pfarrer Haack fehlt in
späteren Auflagen). Beauftragte für "Sekten- und Weltanschauungsfragen" arbeiten
nach dem Krieg seit den 60er Jahren nebenamtlich, später hauptamtlich in den beiden
Großkirchen. Wie
früher so auch heute
tragen diese Männer und teilweise auch Frauen die "fromme" Maske der
"Sorge" um ihre Mitmenschen. Doch so
mancher Zeitgenosse hat dahinter schon den reißenden "Wolf im Schafspelz" erleben müssen.
Nicht jeder "Sektenbeauftragte" ist dabei wie der andere, und einzelne sind auch
weniger inquisitorisch veranlagt als seine Kollegen. Worum es bei dieser Arbeit jedoch
grundsätzlich geht, zeigt ein Blick in die Entwicklung in der 2. Hälfte des 20.
Jahrhunderts.
2) Der erste "Sektenbeauftragte"
Erster "Sektenbeauftragter" ist
Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack
- von
1964-67 als Gemeindepfarrer in Hof an der Saale im Nebenamt Beauftragter für "Sekten- und Weltanschauungsfragen" der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, seit 1969 hauptamtlich tätig. In jenem Jahr
wurde diese Stelle zuerst in der Evangelischen-Lutherischen Landeskirche in
Bayern geschaffen. Nachfolger Haacks wurde 1992 Dr. Wolfgang Behnk.
Haack und Behnk wie auch alle anderen üben diesen Dienst im Rahmen ihres Auftrags als evangelische
Pfarrer aus. Dieser ist z. B. für die beiden bayerischen Pfarrer offiziell wie
folgt beschrieben:
1) In der Kirchenverfassung, Grundartikel:
"Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern steht mit der ganzen Christenheit
unter dem Auftrag, Gottes Heil in Jesus Christus in der Welt zu bezeugen."
2) Im Pfarrergesetz, Art. 6 a: "Ich
bin bereit, das Amt, das mir anvertraut wird, nach Gottes Willen in Treue zu
führen, das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift
gegeben und im Bekenntnis unserer evangelisch-lutherischen Kirche bezeugt ist,
zu predigen, die Sakramente ihrer Einsetzung gemäß zu verwalten, das
Beichtgeheimnis und die seelsorgerliche Verschwiegenheit zu wahren und mich in
allen Dingen so zu verhalten, wie es meinem Auftrag entspricht. Dazu erbitte ich
die Hilfe des Dreieinigen Gottes."
3) In der Ordnung kirchlichen Lebens,
Abschnitt IX, Abs. 3: "Pfarrer und Gemeinde haben miteinander dafür zu sorgen,
dass die Auslegung der Heiligen Schrift recht geschieht, dem Verständnis und den
jeweiligen Verhältnissen der Gemeinde entspricht und niemand durch falsche Lehre
und Irrglauben verführt wird ..."
4) Noch einmal im Pfarrergesetz, Par.
37, für Pfarrer mit "allgemeinkirchlichen Aufgaben", zu denen der
"Sektenbeauftragte" gehört: "In der ihm übertragenen allgemeinkirchlichen
Aufgabe soll der Pfarrer seinen Dienst ausrichten gleicherweise zum Aufbau der
Kirche wie der einzelnen Gemeinde ..."
Der Auftrag des "Sektenbeauftragten" ist also innerkirchlich. Doch der erste "Sektenbeauftragte"
hatte sich bereits ganz andere und weiter gehende Ziele im Hinblick auf die
kleineren Gemeinschaften gesetzt. So schreibt Pfarrer Haack in seiner
Darlegung Sekten von 1974 im ersten Kapitel: "Nicht aus
Konkurrenzneid und nicht aus Hass, weder aus theologischer Rechthaberei noch aus
Machtgründen, sondern allein wegen der geistlichen Gefahren muss die Kirche auch
heute den Sekten entgegentreten ..." Die Formulierung "auch heute" legt nahe,
dass man ergänzt "wie früher". Und wie hat das die Kirche früher getan,
wäre die anschließende Frage? Um keine
unerwünschten Assoziationen zu wecken, schreibt Haack weiter: "... Sie wird es,
wie zu den Tagen der Apostel, mit geistlichen und geistigen Waffen tun."
Das steht aber so nicht in den oben zitierten grundlegenden Kirchengesetzen und
Dienstaufträgen. Und
schon gar nicht steht dort, dass der Staat
parallel dazu aufgefordert werden soll, mit dem ihm zur Verfügung stehenden "Waffen"
das Seine zu tun. Doch welcher Kirchenverantwortliche interessiert sich dafür?
Arbeitsplatzbeschreibungen sind schnell neu formuliert, und Haack schuf Fakten
und gab damit die Richtung vor,
in die auch nachfolgende
"Sektenbeauftragte" gehen sollten.
Und welches sind hierbei genau die "geistlichen Gefahren", die man kirchlicherseits abwenden will? In erster Linie sind es Kirchenaustritte,
auch wenn man das nicht so gerne zugibt. Denn
diese tun den Kirchen am meisten weh.
Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack knüpft dabei an die Geschichte der Inquisition an, und er gibt dies auch zu. So schreibt er in einem Brief vom 30.4.1986: "Wenn Sie bei mir auf Inquisition tippen, dann liegen Sie natürlich richtig!" (Kopie des Briefes an H. Radegeis liegt uns vor*) So wurden früher durch die Inquisition der Kirchen "Ketzer" und "Hexen" zuerst kirchlich verurteilt und dann den staatlichen Henkern überantwortet. Und der Staat wurde dazu aufgefordert, die "aufrührerischen" Bauern (Luther) oder im Krieg die "ungläubigen" Türken (Evangelische Bekenntnisschriften) zu töten bzw. die Juden mit unterschiedlichsten Strafmaßnahmen bis zur Hinrichtung zu verfolgen (Luther). Auch Eltern, die ihren Säugling nicht taufen lassen wollten, sollte der Staat auf Verlangen der Kirche hinrichten (Melanchthon, Luther), und viele mehr. Haack versteht sich jedoch als "moderner" Inquisitor und schreibt weiter: "Sehen Sie, auch die Inquisition ist moderner geworden und hält sich auch an die Grundsätze der fairen Berichterstattung" (*Brief von Friedrich Wilhelm Haack an H. Radegeis vom 30.4.1986, siehe hier). Also faire Berichterstattung statt Hinrichtungen? Wer einmal zur Zielscheibe der modernen Inquisition geworden ist, kann darüber nur den Kopf schütteln. Von fairer Berichterstattung kann keine Rede sein oder nur in vereinzelten Ausnahmefällen. Hinter der frommen Maske verbirgt sich meist ein Wolf im Schafspelz.
|
"Ich tu´ das Üble, schrei´ dann selbst zuerst
- |
So haben die Kampagnen der Kirchenvertreter in unserer Zeit bereits zu folgenden Maßnahmen gegen religiöse Minderheiten geführt: Behördliche Verbote, Informationsstände oder Büchertische aufzustellen; Verweigern oder Streichen von bestimmten öffentlichen Zuschüssen; Benachteiligungen von Privatpersonen und Geschäftsleuten durch Behörden und Gerichte; Errichten von staatlichen Stellen zur Überwachung von Minderheiten, die man meist mit Mitgliedern der Kirchen besetzt; in Einzelfällen Berufsverbote (Menschen müssen öffentlich erklären, keiner so genannten "Sekte" anzugehören, um bestimmte Berufe auszuüben, bestimmte Verträge unterzeichnen zu können oder andere Aufgaben oder Rechte wahrnehmen zu können); weiterhin gibt es viele Werbeverbote (z. B. Verbot, Plakate aufzuhängen) oder Verbot von Vermietungen (z. B. bei öffentlichen Gebäuden in Berlin) und manches mehr. Hinzu kommt der vielfache Rufmord in den Medien, der auch im nichtstaatlichen Bereich unübersehbare negative Folgen hat. Und gerade bei noch leicht zu beeinflussenden Jugendlichen wird in der Regel im 9. Schuljahr die "Sektenkeule" im kirchlichen Religionsunterricht geschwungen, der - nebenbei gesagt - zu 100 % vom Staat, d. h. von allen Bürgern bezahlt wird; also auch von denen, die man dort in den Schmutz zieht.
4) Wie äußern sich katholische Verlautbarungen?
Hierzu ist zunächst zu sagen, dass sich in
den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst ein Netz evangelischer
Sektenbeauftragter aufgebaut hat. Erst in den 80er Jahren zieht die katholische
Kirche nach. Den besonderen Inquisitions-Eifer der Evangelischen erklärt der
Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek u. a. damit, dass die evangelische
Kirche selbst eine "Sekte hoch zwei" ist. Sie will zum einen der katholischen
Muttersekte imponieren, von der sie sich abgespalten hat (lat. secare =
abspalten), nachdem sich die katholische "Sekte" ursprünglich einmal vom
Urchristentum abgespalten hatte. Und zum anderen projiziert man mit den
Inquisitions-Bemühungen eigene Defizite auf Andersgläubige
(vgl. hierzu v. a.
in "Der Theologe Nr. 1": Die Besprechung der Promotion des
Sektenbeauftragten Wolfgang Behnk).
Die katholischen Sektenbeauftragten
unterscheiden sich im Prinzip nicht von den evangelischen, und nachfolgende
Passage aus einer Broschüre des Bischöflichen Generalvikariats Aachen könnten im
Kern auch in einer evangelischen Broschüre stehen. So heißt es in der
Verlautbarung Neue Kultbewegungen und
Weltanschauungsszene 2, Mönchengladbach o. J.: "Wenn
wir aber unseren eigenen Glaubensauffassungen und Grundsätzen - Achtung des
Menschen, Achtung der Religionsfreiheit, Vertrauen auf den Heiligen Geist ... -
treu sein wollen, dann können wir uns nicht damit zufrieden geben, die Sekten zu
verdammen und zu bekämpfen ... Die Herausforderung durch die neuen religiösen
Bewegungen liegt darin, unserer eigenen Erneuerung zu einer größeren pastoralen
Wirksamkeit einen Impuls zu verleihen" (S. 33).
|
"Wenn die
Kirche keine Hoffnung mehr hat, den Ketzer zu bekehren, so trennt sie ihn,
in Fürsorge für das Wohl der anderen, durch die Exkommunikation von ihrer
Gemeinschaft, und überdies überlässt sie ihn dem weltlichen Gericht, damit
es ihn durch den Tod aus der Welt schaffe: ulterius relinquit eum judicio
saeculari a mundo ex terminandum per mortem." |
Auch hier wird die Verdammung und Bekämpfung der als "Sekten" verleumdeten
religiösen Minderheiten einfach selbstverständlich vorausgesetzt, ohne dass dieses Handeln
überhaupt in Frage gestellt geschweige auf eine kirchliche Legitimation
verwiesen wird. Es
bleibt auch unbeantwortet, wie "Achtung der Religionsfreiheit"
einerseits und "die Sekten zu verdammen und zu bekämpfen" andererseits
vereinbart werden soll. Auf diese Weise verkommen Werte wie "Achtung des
Menschen, Achtung der Religionsfreiheit, Vertrauen auf den Heiligen Geist" zu
scheinheiligen Worthülsen.
Weiter noch: Das II. Vatikanische Konzil
bekannte sich sogar zur Toleranz gegenüber anderen religiösen
Gemeinschaften (siehe unten). Doch die Praxis sieht ganz anders aus. Immerhin mussten die "Sektenbeauftragten" dazu manche Begriffe
in ihrer Bedeutung verändern, um den Widerspruch zwischen Theorie und Praxis
nicht zu offensichtlich erscheinen zu lassen. Bei den Theologen ist es ja
möglich,
Begriffe verschieden zu interpretieren. Dies kann leider so weit gehen, dass ein Begriff
auch begründet in sein
Gegenteil verkehrt werden kann, wenn er in sein Gegenteil verkehrt werden soll,
wie man am Beispiel des Begriffes "Toleranz" nachfolgend zeigen kann.
5) Die Verdrehung des Begriffes "Toleranz"
a) Auf dem II.
Vatikanischen Konzil wurde ein Dokument über die Religionsfreiheit
verabschiedet, welches auch die "Toleranz gegenüber andere religiöse Gruppen
einschließt".
Über dieses Dokument referiert z. B. Pater Anselm Reichold, OSB (Vortrag
abgedruckt in: Jugendsekten, Hrsg.: Junge Union Bayern, München 1985, S. 47).
Dabei spricht er plump einfach von einer Ausnahme, wo "Intoleranz" geboten sei, und sagt:
"Aber ebenso ´intolerant` war er [Jesus] gegen die bewussten Betrüger." Nur: Wer
sind für einen überzeugten Katholiken die "bewussten Betrüger"? Anstatt sich zu fragen, ob man
nicht selbst der
Betrüger ist (indem man z. B. behauptet, "katholisch" oder "evangelisch" wäre
"christlich", also etwas, was im Sinne von Christus sei), projiziert man
die Beschimpfung auf die religiösen Minderheiten, denen
gegenüber folglich "Intoleranz" geboten sei. Was ist das Toleranzgebot des II. Vatikanums ihnen
gegenüber dann noch wert?
b) Einen Schritt weiter in der
Manipulation geht wiederum der evangelische Weltanschauungsbeauftragte Friedrich-Wilhelm Haack. So
sagte er 1982: "Nun ist Toleranz gegenüber Ideen dann ein Unding, wenn diese
Ideen beispielsweise lebensgefährdend sind. Was würde man einer Religion
gegenüber sagen, die Menschenopfer bringen will? Auf ihre Weise tun dies die
Ersatzreligionen tausendfach ... Toleranz kann sich gar nicht gegen Ideen
richten, sondern nur gegenüber Menschen. Auch dann, wenn diese Träger
zerstörerischer Ideen sind. Dann allerdings wird es auch Sache der Toleranz
sein, das Leben der Gefährdeten zu bewahren und diese Menschen an der Ausübung
ihrer zerstörerischen Ideen zu hindern."
|
"Verstehen
wir unseren Glauben richtig, dann haben wir kein Recht, den ´Anderen` in
seinem Glauben zu lassen." |
Die geschliffenen Worte Haacks klingen für
naive Ohren
scheinbar vernünftig - auch wenn das Wort "Toleranz" - wie oben grundsätzlich
erläutert - unmerklich in sein Gegenteil verkehrt ist. "Tolerant" sei demnach
derjenige, der einen anderen an der Ausübung seiner Religion hindert. Natürlich nur
unter bestimmten Bedingungen - nur dann nämlich, wenn die Religionsgemeinschaft
"Träger" einer "zerstörerischen Idee" sei. Doch das ist ja nach Haacks Meinung
kein Einzelfall, den man unter Umständen nachweisen müsste, sondern er ist "tausendfach" gegeben, womit wiederum alle
religiösen Minderheiten pauschal im Visier sind. Was also ist das Wort "Toleranz" in
diesem Zusammenhang noch wert? Wird dieser hohe Wert hier nicht schlichtweg
verhöhnt?
c) Jetzt bräuchten die "Sektenbeauftragten"
die anderen Religionsgemeinschaften also nur noch als "Träger zerstörerischer
Ideen" verleumden, was bei jeder Gemeinschaft mithilfe von inquisitorischem
Geschick - worin die Beauftragten ja geschult sind - möglich ist. So wie also
zunächst das Wort "Toleranz" verdreht wurde, so folgen nun andere und neue
Verleumdungen, Verdrehungen und Lügen - diesmal mit dem Ziel, einer
Gemeinschaft "zerstörerische Ideen" unterzuschieben. Haacks
amtierender Nachfolger Behnk [im Jahr 2008] betrieb diese Methode
teilweise bis in
den Wortlaut hinein, wenn er das ethisch-moralische Ziel der Überwindung von Egoismus zum Beispiel als "Persönlichkeitszerstörung" diffamiert.
Alles das hat System und schafft durch ständige Wiederholung die geistigen
Grundlagen, auf der eine vielfältige Diskriminierung von seriösen und
friedfertigen Gemeinschaften möglich gemacht werden
kann. Die Kirche schwingt wieder - diesmal bildlich gesprochen - die Fackel und das Kruzifix.
Es ist nur die
Frage, was der Staat alles anbrennen und verbrennen lässt und wie weit es die
Kirche diesmal damit bringt.
|
Die Intoleranz der Kirche
"Nein, Kriege, Kriege in eigener Regie, führt
der Papst inzwischen keine mehr, nicht mehr gegen Heiden und nicht mehr
gegen Christen, weil man ihm alles, womit er Jahrhunderte lang Kriege
geführt, weggenommen hat - Truppen, Generäle, Schlachtschiffe, Kanonen,
Festungen, Waffenfabriken. Doch gibt es Möglichkeiten, die Menschen auf
andere Weise, gleichsam friedlicher zu bekämpfen. Ideologisch, durch
dogmatischen Wahnsinn, der sich ja nie mit dem bloßen Glauben begnügt, der
"missionieren", ausgreifen will; durch Unterstützung einer desaströsen
Gesellschaftsmoral, die die Armen zugunsten der Reichen betrügt; durch eine
desaströse Sexualmoral, die im Mutterschoß schützt, was sie preisgibt im
Krieg ... Im Übrigen ist das Papsttum, seine ganze Geschichte beweist es,
intolerant durch und durch, ist tolerant nur, wenn es die Opportunität
erheischt, wenn es zweckdienlich ist, wenn es einfach nicht mehr anders
geht, aber nur dann!" |
Wolfgang Behnk - als Nachfolger des
ersten modernen Inquisitors Haack - ging sogar noch einen Schritt weiter als
sein geistiger Vater und
unterstellte z. B. einer friedfertigen urchristlichen Gemeinschaft ohne einen
geringsten Anknüpfungspunkt gar alle Voraussetzungen für
einen Massenselbstmord. Allerdings nur dann - so eine bei Kirchenvertretern
übliche taktische Einschränkung - wenn diese Menschen sich einmal in einer ausweglosen Situation
befinden sollten.
Auch an diesem Beispiel zeigt sich die Machart der Verhetzung anderer durch die
Macht der Kirche. Die Niedertracht und Bösartigkeit ist kaum noch zu überbieten:
Denn es werden keine Fakten genannt (weil es sie - wie meistens
- nicht gibt), nur übel wollende Unterstellungen und Verdrehungen! Und schwerwiegender als in diesem
Beispiel konnten "zerstörerische" Ideen,
die Behnks Vorgänger Haack zur Bedingung für Intoleranz gemacht hat, gar nicht
unterstellt werden. Hier ging es letztlich sogar um die grundlose Unterstellung von
möglichem "Mord", wenn man sich einmal vorstellt, dass in ein Massenselbstmord-Szenario
auch von ihren Eltern abhängige Kinder mit hineingedacht werden.
Das waren also - wenn man so will - jetzt die "möglichen" "Menschenopfer", die Behnks Lehrer,
Pfarrer Haack,
zuvor beschworen hatte, und damit wird die Volksverhetzung durch die Kirche auf
die Spitze getrieben.* Dabei war es in der Vergangenheit die Kirche selbst, die
Millionen von Menschen ermorden ließ und damit Menschenopfer in einem unvorstellbaren
Ausmaß darbrachte. So schrieb auch der bekannte Historiker Karlheinz Deschner,
er kenne "in Antike, Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des
20. Jahrhunderts, keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so
fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche
Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche" (in: Die
beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 43). Wobei es eine zusätzliche historische Schuld
der Kirche ist, den von Christus abgeleiteten Namen "christlich" in den Schmutz
getreten zu haben und bis heute zu treten, denn mit Jesus Christus hat das alles
nicht das Geringste zu tun.
7) Die Zerstörung von Familien
Ein Hauptansatzpunkt für das destruktive Wirken der Kirche sind
dabei die Familien. So appellierte der evangelische "Sektenbeauftragte"
Friedrich-Wilhelm Haack 1977 im Handbuch für
Kirchenvorsteher an die evangelischen Kirchenvorsteher unter der Rubrik Religiöse Gemeinschaften, Sekten:
"Religiöse Auseinandersetzungen in einer Familie können zu den übelsten und
zerstörerischsten Begebenheiten werden. Liebe ist das stärkste Argument, darf
aber nicht mit ´Nachgeben um des lieben Friedens willen` verwechselt werden ..."
Viele Mitbürger denken bei solchen Sätzen vor allem an den fanatischen
Katholizismus, der unsägliches Leid z. B. in viele konfessionsverschiedene
Familien gebracht hat, doch Haack hat natürlich die kleineren Bewegungen im
Blick.
Bestünde nämlich die Gefahr, dass ein Mitglied sich einer als Sekte verleumdeten
religiösen Minderheit zuwendet, sollte sofort Kontakt mit dem Geistlichen
aufgenommen werden. Kirchenvorsteher können solche Kontakte vermitteln.
Auf diese Weise schürt der "Sektenpfarrer" aber genau das, was er anprangert.
Anstatt dass man in der Familie offen und respektvoll miteinander redet und dem
anderen die Glaubensfreiheit lässt, gießt die evangelische Seite Öl ins Feuer
und trägt den Konflikt von Anfang an über die Familie hinaus. Erfahrungsberichte zeigen, wie durch Einschalten des Pfarrers und des "Sektenbeauftragten"
eine familiäre Situation erst "zu den übelsten und zerstörerischsten
Begebenheiten" wurde, während man mögliche Konflikte in der Familie ohne
kirchliche Einmischung mit Fairness, gegenseitigem Wohlwollen und Toleranz hätte
beilegen können. Denn der Kirchenvertreter ist in dieser Situation ja kein
neutraler und fairer Vermittler. Er vertritt schon durch sein Amt (und oft auch
durch seine hinterhältige Art) von Anfang an die Glaubensposition des kirchlich
orientierten Partners und betrachtet den anderen der beiden Partner und dessen
Denken als das "Problem", das gelöst werden muss.
Diese
Form von kirchlicher Einmischung in Familien angesichts der angeblichen Bedrohung durch "Sekten" und
andere "Religiöse Gemeinschaften" beschränkt sich bei
Friedrich-Wilhelm Haack gemäß des
oben dargelegten Pfarrer-Dienstauftrages
zunächst noch auf die Mitglieder der Evangelisch-Lutherischen Kirche.
Dass die Mitgliedschaft in der Regel ohne Zustimmung des Betreffenden bei einer Säuglingstaufe
zustande gekommen war, wird von der Kirche natürlich nicht problematisiert.
Dabei könnte man diese Praktiken in Verbindung mit den von der Kirche geschürten
Jenseits-Ängsten (weswegen es ja auch die "Nottaufe" gibt) auch als
"Zwangschristianisierung" bezeichnen. Und gerade selbstständig denkende und
freiheitsliebende Menschen nehmen diesen Zustand später nicht einfach als
gottgegeben hin, sondern korrigieren ihn oftmals durch einen Kirchenaustritt.
Und hier erweitert nun die Kirche selbstherrlich ihren Auftrag an ihren
Mitgliedern, und sie greift dazu direkt die möglichen Alternativen an, die sich
einem Kirchenaussteiger bieten, in erster Linie kleinere religiöse
Gemeinschaften.
Theologisch wird dies damit gerechtfertigt, dass man weiter eine Art
Besitzrecht auf die Seele des Aussteigers reklamiert. Beispielhaft wird dies
in einem Brief des bayerischen Landesbischofs Johannes Hanselmann (dem
ehemaligen Vorgesetzten von Friedrich-Wilhelm Haack und Wolfgang Behnk)
deutlich, in dem es heißt: "Ich möchte Ihnen aber nur zu bedenken geben, dass
man aus der Kirche, in die man durch die heilige Taufe eingegliedert wurde,
nicht aus- und eintreten kann wie bei einem Verein, wenn man anderswo etwas
gefunden hat, was einem vielleicht mehr zusagt. Man kann Gott den Bund, den er
in der heiligen Taufe mit uns geschlossen hat, nicht einfach kündigen" (Brief vom 6.9.1985 an A.
Emtmann). Das mag gut gemeint gewesen sein. Doch es ist nicht nur scheinheilig,
sondern diabolisch, v. a., weil man einmal mehr "Gott" kirchlich vereinnahmt. Und in diesem Zusammenhang wird auch das "Anderswo" verteufelt, das dem ehemaligen evangelischen oder
katholischen Kirchenmitglied heute "mehr zusagt". Auf diese Weise wird sowohl
ein lösbarer Familienkonflikt als auch ein fortgeschrittener Rosenkrieg zu einer
apokalyptischen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse hochstilisiert, bei der
die Fronten von Anfang an klar sind und die nicht nur Kleinfamilien zerstören,
sondern ganze Familiensippen ins Unglück stürzen kann.
Die kirchliche Methode der Demagogie, anderen Bösartiges anzudichten, kann dabei
sehr leicht vor allem wenig nachdenkende Menschen beeinflussen, wie es in der
Vergangenheit auch immer wieder geschah. So war es für manche Menschen, die den
Inquisitoren früherer Jahrhunderte glaubten, z. B. eine Ehre, das Holz für einen
Scheiterhaufen herbeischaffen zu dürfen. Doch auch in der Gegenwart liegen die
Menschen den kirchlichen Demagogen vielfach zu Füßen oder lassen sich zum
Instrument bzw. Büttel der kirchlichen Religionspolitik machen.
Ist eine Ehe schließlich gescheitert (jede 3. Ehe ist leider davon betroffen),
geht die Auseinandersetzung oftmals weiter im Sorgerechtsstreit um die Kinder.
Auch hier die alten Muster: Durch
die Einmischung des kirchlichen Sektenbeauftragten werden nicht selten alle Probleme
der "bösen Sekte" angelastet anstatt sich wenigstens jetzt um ein faires Abwägen der
Situation auch nur zu bemühen. Und während der Sektenbeauftragte Haack gar von
"Liebe" heuchelte (siehe oben), waren die
kirchlichen Beauftragten in vielen bekannt gewordenen Fällen nicht einmal zu
Wohlwollen oder wenigstens minimaler Selbstkritik bereit. Stattdessen ist der
mit der religiösen Minderheit sympathisierende Partner in der kirchlichen Betrachtungsweise immer der
schuldige Täter oder die leibhaftige Bedrohung für sein Kind. Und alle anderen Beteiligten werden
dann ermuntert, sich als dessen
unschuldige Opfer zu suhlen. Damit wurden v. a. die betroffenen Kinder in ein
kaum vorstellbares Gefühlschaos gestürzt. So hatten z. B. Kinder schöne
Erfahrungen mit dem Elternteil gemacht, der die Kirche verlassen hat und wurden
anschließend regelrecht genötigt, ihr Erleben gemäß dem kirchlichen Schema
anders zu deuten. Und so mancher Familienrichter brauchte schon einige
Zivilcourage, um sich dieses kirchliche Feindbild nicht aufzwingen zu lassen,
sondern um beide Seiten gerecht abwägen zu können - obwohl er dann selbst in Verdacht geriet,
mit der "Sekte" gemeinsame Sache zu machen. Was die Kirche hier bereits an
Familienstrukturen langfristig zerstört hat, müsste in einer eigenen Schrift
dokumentiert werden.
8) Die Verantwortung der gesamten Kirche
Viele der Kirche grundsätzlich positiv
gegenüberstehende Menschen weichen diesen Themen aber weiter gerne aus und fragen sich, ob nicht die
"Sektenbeauftragten" nur einzelne extreme Stimmen innerhalb einer "pluralen" Kirche
seien, die sich doch insgesamt geändert habe.
Dazu lässt sich sagen, dass einzelne Kirchenmitglieder anders denken mögen (wie
auch vereinzelte Sektenbeauftragte ihr Amt weniger inquisitorisch ausüben), doch
der Sektenbeauftragte bekämpft grundsätzlich Minderheiten im Auftrag der gesamten Kirche, und
er tut es nicht als Einzeltäter, sondern auch offiziell im Namen seiner Kirche. Und
verantwortlich für die Arbeit der Sektenbeauftragten sind deshalb die jeweils
vorgesetzten Kirchenleitungen. Diese tragen damit die Verantwortung für das Tun. Im Beispiel von
Dr. Behnk ist dies der Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in
Bayern, bestehend aus dem Landesbischof (derzeit [2009] Dr. Johannes
Friedrich) und 17 Oberkirchenräten: Sie beriefen
Pfarrer Behnk ins Amt, sie schützen und loben ihn und beförderten ihn gar zum
Kirchenrat, um seine Position in Kirche und Gesellschaft weiter zu stärken und
seinem inquisitorischen Treiben zusätzlichen Nachdruck zu verleihen. Und wer einmal ins Visier von
ihm oder seinesgleichen geraten war, der glaubt nicht mehr, dass die Kirche sich
geändert habe. Der hat es praktisch erfahren, dass sie sich nicht geändert hat
und dass es vielfach Wölfe im Schafspelz sind, mit denen man es zu tun hat. Die
Kirche habe sich, so mancher Kirchenkritiker, allenfalls dem
Zeitgeist angepasst. Und zu diesem Geist passt es auch, dass man bestimmte "Männer fürs
Grobe" die unpopulären Arbeiten machen lässt.
So schrieb etwa der "Sektengegner" Norbert Thiel am Beispiel von Behnks
Vorgänger Haack, wie es sich mit Pfarrer Haack und seiner Landeskirche
verhält: "Pfarrer Haacks Wirken
wird vielleicht kritisch betrachtet, de facto aber bewusst geduldet und sogar
aktiv gefördert" (Norbert Thiel, Der Kampf gegen neue religiöse Bewegungen,
Mörfelden 1986, S. 79). Zudem treten in den Kirchen heute vermehrt "Freizeit-Inquisitoren" auf, welche sich auch ohne offiziellen
kirchlichen Auftrag als
"Sektenexperten" profilieren wollen, was bereits unter Pfarrer Haack
kräftig gefördert wurde. Bekannt wurde v. a. die Sektenumfrage der
Landeskirche (gemeint ist auch hier die Evangelisch-Lutherische Kirche in
Bayern) aus dem Jahr 1967, um Aktivitäten religiöser Minderheiten
auszuspionieren. Friedrich-Wilhelm Haack schrieb damals:
"Zur
Beschaffung von Informationen empfehlen sich besonders Oberschüler und Jugendkreise.
Diese kommen oft besser an die notwendigen Informationen heran als die
Kirchenvorsteher" (Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche
in Bayern, Jahrgang 1967, S. 327). Heute traut sich die Kirche mit solchen
und ähnlichen Praktiken nicht mehr ganz so frech an die Öffentlichkeit.
Der Denunziant (A.Paul Weber, 1936) - Die Kirche hat von Anfang an
verdeckte Informanten bzw. Denunzianten
als Helfer im Kampf gegen religiöse Minderheiten eingesetzt. Und der
evangelische Sektenbeauftragte Friedrich-Wilhelm Haack
führt diesen
"Dienst" im Jahr 1967 sogar in die evangelische Jugendarbeit ein.
Sie
agiert dafür aber verstärkt im Hintergrund. So werden z. B. Bürger mit
Entscheidungsbefugnissen durch Telefonanrufe eingeschüchtert und bedrängt,
Anhängern religiöser Minderheiten bestimmte Rechte zu verweigern, z. B.
die Möglichkeit, an einem Marktstand ihre Waren zum Verkauf anzubieten. Dabei
wird sehr oft der Freizeit-Inquisitor vorgeschoben. Ein "besorgter Bürger" (in
Wirklichkeit ein vom kirchlichen Inquisitor beauftragter oder mit ihm zusammen
arbeitender Kirchenanhänger) beschwert sich dann, warum der Minderheit (die sich
- wohlgemerkt - nichts zuschulden kommen ließ) nicht das Handwerk gelegt wird.
Oder der "Bürger" bringt als stiller Denunziant beim Sektenbeauftragten diesen
erst zum Handeln.
(Ein Beispiel lesen Sie
hier).
Das Niederträchtige am Tun der Kirche ist, dass
ihre Vorwürfe gegen Andersgläubige meist falsch sind, teilweise sogar absurd. So
absurd, wie in früheren Zeiten viele kirchliche Vorwürfe der Kirchen gegen
"Ketzer", "Hexen", Juden, Bauern und Türken absurd waren. Dennoch: In der
Vergangenheit ist es der Kirche jeweils gelungen, die
staatlichen Obrigkeiten letztlich als Vollstrecker ihrer "Sektenbekämpfung" bis
hin zu
Hinrichtungen und Kriegen zu gewinnen. Die Parallele zur Gegenwart besteht
darin, dass auch die heutigen "Sektenbeauftragten" vielfach bestrebt sind, ihren
Kampf auf Politiker und Richter zu übertragen und die Medien dafür einzusetzen, in denen
wiederum Vertreter der Kirchen z. B. für religiöse Themen im Fernsehprogramm
hauptverantwortlich sind.
So gossen viele kirchenverbundene Journalisten, Richter und Politiker in den letzten Jahren
weiteres Öl in den Brandherd, und die Kirchenvertreter waren dankbar, dass sie
dann ihre "groben" Angelegenheiten gar nicht selbst erledigen mussten. Oder
Politiker betrachteten die modernen Inquisitoren
irrtümlich als "Experten" zu religiösen Fragen anstatt als bloße
Interessenvertreter ihrer Kirche. Während aber in der Vergangenheit viele
"Ketzer", "Hexen", Juden, Bauern und Türken getötet wurden, sind in
der Gegenwart einem solchen Tun zum Glück noch Riegel vorgeschoben. Doch dieser
Riegel hält nur, wenn Politiker und Bürger sich vom letztlich totalitären kirchlichen
Herrschaftsanspruch lösen und in diesem Zusammenhang auch die unsägliche Milliarden-Subventionierung und Privilegierung
der katholischen und evangelischen
Institutionen zugunsten einer Gleichbehandlung mit anderen Gemeinschaften
endlich beenden. Doch leider wird das Unrecht derzeit auf die Spitze getrieben.
So ließ sich z. B. jüngst die in ihrem Inquisitionsgebaren europaweit führende
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern von entsprechend indoktrinierten
Richtern sogar bestätigen, dass es zur Wahrnehmung der "grundgesetzlich
garantierten Religionsfreiheit" sogar notwendig sei, überall bekannt zu machen,
"wer mit wem in Verbindung steht", d. h. welche Bürger einer von der Kirche
verhetzten und verleumdeten Minderheit nahe stehen (Main-Post, 11.12.2006).
Das entsprechende Gericht betonte nämlich, "dass mittlerweile viele Menschen
Kontakte zu Glaubensgemeinschaften jeglicher Art und deren Aktivitäten
kategorisch ablehnten" (PS: mit ähnlichen Argumenten wurde vor
einigen Jahrzehnten der Judenstern gerechtfertigt). Und warum ist das so? Es ist die "Frucht" der bösen Saat
der kirchlichen "Sektenbeauftragten" und ihrer Volksverhetzung gegen
Minderheiten. Die Niedertracht und Bösartigkeit, mit der v. a. die
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sozusagen als Speerspitze ihren Feldzug
zur Existenzvernichtung Andersgläubiger zu führen versucht, eskalierte zuletzt
leider weiter.
Und so gilt noch immer, was Karl Jaspers in seinem Werk
Der philosophische Glaube schrieb: Der "biblisch fundierte
Ausschließlichkeitsanspruch" der Kirchen steht nach wie vor "ständig auf dem
Sprung, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen" (9. Auflage,
1988, S. 73).
|
"Es ist durchaus nicht abwegig zu sagen, dass
Benedikt XVI. die Aussagen Gregors XVI. im 19. Jahrhundert, seines
Vorgängers, wiederholt, zwar nicht in dieser scharfen Form, als dieser
sagte, die Religions- und Gewissensfreiheit sei eine absurde Wahnidee.
Freilich sagt das so in dieser Weise Papst Benedikt XVI. nicht, aber er
meint eben, dass durch diese Dekrete der Religionsfreiheit
[des 2.
Vatikanischen Konzils] ein Relativismus
eingeführt wird, der nicht tragbar ist." |
* Eine Antwort aus den Reihen dieser Gemeinschaft
[des Universellen Lebens] war
damals: "Sollten einige Urchristen ... durch die Rufmordkampagnen der beiden
Institutionen Katholisch und Evangelisch hingemordet werden, dann haben sich
diese Urchristen nicht selbst das Leben genommen, sondern sie wurden getötet.
Denn sich das Leben zu nehmen, ist nicht in unserem urchristlichem Sinne"
("Christusstaat weltweit" Nr. 8/1993).
** Professor Dr. Gotthold Hasenhüttl wurde am 2.1.2006 die römisch-katholische
Lehrerlaubnis entzogen. Er hatte auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin
zu einer katholischen Abendmahlsfeier auch Protestanten und andere
Nicht-Katholiken eingeladen, was nach römisch-katholischer Lehre verboten
ist.
9.) Inquisition -
früher und heute
Nachfolgend eine Gegenüberstellung der Arbeitsweisen der Inquisition früher und heute. Die Zitate in der linken Spalte stammen aus dem Standardwerk von Iosif R. Grigulevic, Ketzer-Hexen-Inquisitoren, Herausgeber Fritz Erik Hoevels, Ahriman-Verlag, Freiburg 1995.
|
Inquisition damals |
Inquisition heute |
|
|
|
|
|
Pfarrgeistliche bzw. die jeweiligen Ortspfarrer oder Ortspriester sind auch heute überall dort zur Stelle, wo z. B. Urchristen Marktstände aufbauen, um dort gesunde Nahrungsmittel zu verkaufen. Ihre Gehilfen rufen dann bei der Stadtverwaltung an und protestieren dagegen, dass diese Leute dort ihre Waren neben katholischen oder evangelischen Händlern verkaufen dürfen. Sie verlangen entweder ein Verbot des Standes oder eine Kennzeichnungspflicht des religiösen Bekenntnisses der Händler. |
|
3) "Um jemanden zur Verantwortung ziehen zu können, musste man selbstverständlich einen Grund haben. Als solcher diente in Glaubensangelegenheiten die Beschuldigung, die eine Person gegen eine andere erhob wegen Zugehörigkeit zu einer Sekte bzw. Sympathie oder Hilfe für einen Ketzer." (S. 119) |
|
|
|
Heute reisen so genannte "Sektenbeauftragte" durch die Lande und halten Vorträge, in denen sie den Leuten angebliche Merkmale "gefährlicher" Gruppierungen präsentieren. Dabei vertrauen sie darauf, dass die Zuhörer nicht merken, wie sehr die meisten dieser Kriterien in Wirklichkeit auf die großen Kirchen zutreffen. Sind diese Veranstaltungen auch schlecht besucht, so sorgt doch die kirchenfreundliche Lokalpresse für eine Verbreitung der abstrusen Thesen. Würde ein Redakteur wagen, nicht im Sinne der Kirche zu schreiben, wären seine Tage vermutlich gezählt. |
|
5) "Die Inquisitoren zogen es vor, die Informationen von den Denunzianten persönlich zu empfangen, indem sie ihnen versprachen, ihren Namen geheim zu halten." (S. 119) |
|
|
|
|
|
7) "Aussagen zugunsten des Angeklagten wurden jedoch nicht berücksichtigt, da man der Ansicht war, dass diese durch verwandtschaftliche Bande oder durch sonstige Abhängigkeiten des Zeugen vom Beschuldigten hervorgerufen worden waren." (S. 124) |
|
|
|
|
|
|
|
Dieter Potzel, Evangelischer Theologe und Weltanschauungsbeauftragter der
Initiative "Bürger beobachten Kirche" (BBK), ehemaliger evangelischer Pfarrer
Links:
Wie die Verfolgung religiöser Minderheiten im Deutschland des ausgehenden
20. Jahrhunderts fröhliche Urständ feiert in
http://www.steinadler-schwefelgeruch.de/buch/kapitel-2.html#Kapitel%202
Mehr über die Sektenbeauftragten Haack und Dr. Behnk lesen Sie auch bei
www.michelrieth.com
Hier lesen Sie die Klage der urchristlichen
Glaubensgemeinschaft Universelles Leben gegenüber der Evangelischen-Lutherischen
Kirche in Bayern für 10 Jahre Verfolgung:
http://www.universelles-leben.org/cms/nachrichten/luthers-totalitaere-nachfolger-vor-gericht-universelles-leben-verlangt-schadenersatz-fuer-10-jahre-verfolgung/klagetext-133-seiten-din-a4.html
Aktuell im Jahr 2009 -
Wie die Zeitung Main-Post eine religiöse Minderheit bekämpft
|
Der Text kann wie folgt zitiert werden: |
Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer
interessanter Texte.
Alle Theologen-Ausgaben finden Sie auf der Startseite
[
www.theologe.de
]
Weitere Seiten mit Hintergrundinformationen finden Sie bei
[
Inhaltsverzeichnis
]
[
1 - Luther-Evangelische Lehre
]
[
2 - Reinkarnation
]
[
3 - Luther-Christus
]
[ 4 - Kirche-Holocaust
]
[
5 - Paulus
] [
7 - Urchristentum-Tiere
]
[ 8 - Bibel
] [ 9 - Anneliese
Michel-Exorzismus ]
[ 11 - Bischof Meiser
] [
12 - Sektenbeauftragte ]
[
14 - Hieronymus-Bibel ]
[ 15
- Qumran ]
[
16 - Papst ] [
17 - Organspende ]
[
18 - Glaube der Kirche
] [
19 - Keine ewige Hölle ]
[
20 - Propheten ] [ 23 - Kirche-Staat
]
[ 24 - Kirche und Hölle auf
Erden ]
[
25 - Götzenkult Kirche ]
[
28 - Luther-Juden ]
[
30 - Elisabeth von
Thüringen ] [
31 - Tiere-Kirche ] [
32 - Sakramente der Kirche ]
[
33 - Zehn Gebote ]
[ 34 -
Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit ]
[ 35 - Rechtfertigungslehre
]
[
39 - Bewaffnung im Vatikan
]
[
40 -Taufe ]
[
41- Apokalypse ] [
42 - Baal ]
[
FC 1 - Kirchenaustritt
]
[
FC 3 - Reichtum der Kirche ]
[
FC 6 - Kirche und Tod ]
[
Englisch - Bible
]
[
Spanisch - Teólogo ]
[
2008-2 ] [
Kirchenaussteiger ] [
2009-1] [
2009-2 ]
[ 2010-1
] [ Glaubenstest
]
[
Pfarrer ] [
Michelrieth ]
[ Vaterunser ]
[
Links
]
[
Frage und Antwort ]
[ 500 Jahre Reformation
]
[ Bischof Huber
]
[ Klage gegen evangelische
Kirche ]
[ Klage gegen katholische
Kirche ]
[
Prophetie ]
[
Geburt von Jesus ]
[
Sex-Verbrechen von Priestern
]
[
E-Mail ]
[
Impressum
]
|
Die Zeitschriften
DER THEOLOGE,
Ausgaben Nr. 1, 3 und 8,
und die Ausgabe Nr. 1
der
FREIEN |