DER THEOLOGE
Hintergrund zu
Philipp Melanchthon
Brief an die Main-Post Würzburg vom 11.1.2005 zum Artikel Ein Baumeister des Hauses Europa über Philipp Melanchthon und die Melanchthon-Akademie in Bretten
In dem Artikel "Ein Baumeister des Hauses Europa" über das geistige Erbe
Philipp Melanchthons heißt es über den Mitstreiter Martin Luthers: "Die
Religion sei für Melanchthon eine Frage der Gewissensfreiheit gewesen,
die zu respektieren sei". Das stimmt so nicht. Für seinen eigenen
Glauben wollte Melanchthon den Respekt der katholischen Kirche. Für
friedfertige Zeitgenossen aber, die ihre Kinder noch nicht als Säuglinge
taufen lassen wollten, forderte er die Todesstrafe. Im Auftrag der
Universität Wittenberg schrieb Melanchthon im Jahr 1536 ein Gutachten in
dieser Sache, in dem es heißt: "Dieweil man doch sieht und greift, dass
grobe falsche Artikel [bei den Andersgläubigen, den so genannten "Täufern"] sind, schließen wir, dass in diesem Fall die Halsstarrigen
auch mögen getötet werden" (zit. nach der Tomos-Ausgabe der
Lutherschriften, Jena 1558, Band 8; Signatur der Stadtbibliothek
Nürnberg: 1163/2°). Martin Luther stimmte dem Gutachten übrigens zu.
Martin Melanchthon und Luther waren also keineswegs Vorläufer der modernen
europäischen Gewissensfreiheit. Und man kann nur hoffen, dass solche
finsteren Ansichten wie in dem Gutachten niemals mehr in Europa Gehör
finden.
Dieter Potzel
Aktualisierung und weitere Fakten:
Die Kirche hat das Jahr 2010 in Gedenken an ihren Reformator Philipp
Melanchthon zum Melanchthon-Jahr ausgerufen. Der am 16.2.1497 in Bretten
geborene Gelehrte ist am 19.4.1560 im Alter von 63 Jahren in Wittenberg
verstorben. Die Kirche gedenkt nun seines 450. Todesjahres.
Philipp Melanchthon gratulierte dem
Schweizer Reformator Johannes Calvin im Jahr 1553 schriftlich zur
Hinrichtung des Arztes und Wissenschaftlers Michael Servet, der nicht an
die kirchliche Dreieinigkeit glaubte (Wikipedia: Johannes Calvin,
5.12.2009).
Die Völlerei und Tierverachtung im
Protestantismus, die den Weg in unsere heutige Massentierhaltung
bahnte, zeigt sich auch an der damaligen Bewirtung von Philipp
Melanchthon. Als er einmal in Nürnberg einkehrte, wurde er wie folgt
bewirtet: "Schweinekopf und Lendenbraten in saurer Sauce, Forellen und
Eschen, Rebhühner mit Kapaun und Hecht in Sülze, Wildschweinbraten mit
Pfeffersauce ... so ging´s zu, wenn der Herr Philipp kam ... im Alltag
ging es bescheidener zu" (zit. nach Veranstaltungen in Luthers Landen,
Kulturmagazin für Sachsen-Anhalt und Thüringen, 1997, S. 12).
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