DER THEOLOGE
Nr. 89


Der moderne Inquisitor, "der alle Register zog"
Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk aus München, Sektenbeauftragter von 1991-2014: ein Nachruf auf sein Wirken



Dr. Wolfgang Behnk, der so genannte "Sektenbeauftragte" der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Geburtsjahr 1949), hat sich in diesem Erdenleben einen Namen gemacht als eisenharter Bekämpfer von religiösen Minderheiten, vor allem von Urchristen im Universellen Leben, deren Existenz er mit Verleumdungen und lügenhaften Meinungen über Jahre und Jahrzehnte - symbolisch gesprochen - zu zertreten suchte. So berichten es Betroffene. Die Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern ehren ihn anlässlich des Beginns seines Ruhestands im Jahr 2014 als den "Mann, der alle Register zog" (Nr. 4/2014). So "gelang" ihm beispielsweise die Vernichtung eines EDV-Betriebes aufgrund von Verdächtigungen, nur aufgrund des urchristlichen Glaubens von Betriebsangehörigen seien die Daten bei dieser Firma angeblich nicht sicher.
Bei einer staatlich anerkannten Schule, die nach den Werten des deutschen Grundgesetzes, nach den staatlichen Lehrplänen und nach urchristlichen Werten arbeitet und welche bei Schülern, Eltern und Behörden gleichermaßen gut angesehen ist, erreichte er trotz aus der Luft gegriffener Unterstellungen seine Ziele jedoch nicht, die Schule zu schließen. Auch seine Beschwörung im Jahr 1993, in Deutschland könne unter bestimmten Umständen ein ähnliches "Sekten-Drama" wie damals in Waco/Texas/USA stattfinden, zählte zu den "Registern", die er zog.
Zwar wurden aufgrund dieser und weiterer gezielter Aufhetzungen Scharen von Sensations-Journalisten auf die Urchristen angesetzt, doch das Schreckens-Szenario des Kirchenmannes war eine inquisitorische Meinungsäußerung ohne reale Substanz, sonst nichts.
Beim heutigen Herausgeber des "Theologen", einem ehemaligen Pfarrer seiner Kirche, hatte das Wirken des offiziellen Beauftragten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern jedoch wiederum "Erfolg". Nachdem der Mann, "der alle Register zog", in der fränkischen Stadt Ansbach 1995 einen seiner vielen Inquisitions-Vorträge hielt, über den in der Lokalpresse ausführlich berichtet wurde, geschah folgendes: Der Marktstand
seines ehemaligen Kollegen mit Lebensmitteln aus kontrolliert-ökologischem und friedfertigem Anbau wurde aus fadenscheinigen Gründen gekündigt. Dr. Behnk hatte zuvor die Verbindung des Marktverkäufers zur urchristlichen Glaubensgemeinschaft hergestellt, die er als "gefährliche Sekte" verleumdete, weil sie sich nicht den Papst- und den Luther-Lehren unterwirft und nicht mit den kirchlichen Großinstitutionen gemeinsame Sache macht.
Man könnte Seiten über Seiten füllen über die Umtriebe nur dieses einen Mannes im Dienst der Kirche und über die gravierenden negativen Folgen für die Verleumdeten. Es soll jedoch, damit diese Ausgabe des "Theologen" nicht zu sehr ausufert, bei einigen Aspekten bleiben.

"Wenn Sie bei mir auf Inquisition tippen, dann liegen Sie natürlich richtig!"

(Der Vorgänger und das Vorbild von Pfarrer Wolfgang Behnk im Amt des "Sektenbeauftragten", Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack, in einem
Brief an H. Radegeis vom 30.4.1986; Brief liegt der Redaktion vor)

Wesentlich ist dabei die geistige Grundlage, also die Basis der gut bezahlten "Inquisitions"-Tätigkeit des Sektenbeauftragten Behnk. Diese erläuterte der spätere evangelische Kirchenrat selbst in seiner Doktorarbeit mit dem Titel De servo arbitrio Pro Gratia Dei (Über den geknechteten Willen - Für die Gnade Gottes). Seinen klerikalen Doktorhut erwarb er also aufgrund einer Untersuchung einer der zentralen Schriften Martin Luthers mit dem Titel De servo arbitrio (Vom geknechteten Willen). Dieses Werk des "Reformators" führt die Gläubigen hinunter in die Abgründe des lutherischen "Gottes", der sich für viele Gottsucher, die bei ihrer Gottsuche ihren gesunden Menschenverstand nicht ausschalten, als "Gott der Unterwelt" entpuppt.

Doch prüfen Sie selbst! Martin Luther behauptet in seiner Schrift zum Beispiel eine angebliche Alleinwirksamkeit "Gottes" in allem, was geschieht, im Guten wie im furchtbar Bösen. Also, Gott bewirke auch alles Böse in dieser Welt, so Luther. Weiterhin behauptet Luther, dass "Gott" nur einige Menschen zur ewigen Seligkeit vorher bestimmt habe; alle anderen jedoch habe der gleiche "Gott" zur ewigen Hölle vorher bestimmt. Mit anderen Worten: Bei der Zeugung von Milliarden von Embryos bestimmt der Gott Luthers voraus, dass diese werdenden kleinen Mensch einst in einer an Grausamkeit nicht zu überbietenden ewigen Hölle enden sollen.
Und, was damit zusammen hängt: Nach Martin Luther besitze der Mensch folglich auch keinen freien Willen, sich für ein Leben nach den Gottesgeboten frei zu entscheiden, sondern er werde im späteren Leben entweder von "Gott" oder vom Teufel gesteuert, je nach Vorherbestimmung.
Zwar schrieb Dr. Wolfgang Behnk, dass diese hier kurz skizzierte Luther-Lehre "gefährlich" sei, aber - nach einem über 300 Seiten langen Wenn und Aber - trotzdem "letztlich verbindlich". Mehr dazu lesen Sie in Der Theologe Nr. 1 - Martin Luther und der Gott der Unterwelt: Die Lehre und Hintergründe der evangelisch-lutherischen Kirche.
 
Dabei stellt sich auch die Frage: Was will man auch von Kirchenmännern erwarten, die diesen Mann Martin Luther verehren, an seine Lehre glauben und sich sogar "lutherisch" nennen, wenn sie über andere Gemeinschaften urteilen? Doch warum machen sich staatliche Behörden zum Büttel dieser modernen Inquisition und schenken ihr teilweise blind Glauben? Oder warum stellen sie Lutheraner und Katholiken gar als staatliche "Sektenbeauftragte" in den Staatsdienst ein, obwohl der Staat zur weltanschaulichen Neutralität gegenüber allen gesetzestreuen Glaubensgemeinschaften verpflichtet wäre?

"Wenn sie gleich das reine Evangelium wollten lehren, ja wenn sie gleich Engel und Gabriel vom Himmel wären - will er predigen, so beweise er den Beruf oder Befehl [der Kirche]. Will er nicht, so befehle die Obrigkeit solchen Buben dem rechten Meister, der Meister Hans heißt (= dem Henker)."

(Martin Luther erklärt die Kirche zur Richterin auch über die Engel im Himmel; zit. nach Der 82. Psalm durch D.M.L., geschrieben und ausgelegt Anno 1530, Tomos 5, S. 74b ff.)


In dieser Ausgabe des "Theologen" wird vor allem eine Zusammenfassung der Tätigkeiten Dr. Behnks bis zum Jahr 2003 gegeben. Die Studie Ein Falschmünzer im Pfarrertalar (1) wurde dem Buch Der Steinadler und sein Schwefelgeruch, Marktheidenfeld 2003 mit freundlicher Genehmigung des Autors Matthias Holzbauer entnommen und geringfügig überarbeitet, und sie ist noch einmal in einzelne Kapitel unterteilt. Die Fußnoten wurden ebenfalls aus dem Buch übernommen. Das gilt auch für die Studie Eine urchristliche Schule - das darf nicht sein (2). Der Anhang Evangelische Kirche und Kinder: Dazu schwiegen die Sektenbeauftragten wurde von uns zusammen gestellt. Im Anschluss daran noch ein Artikel aus dem Jahr 1998 aus der Zeitschrift Das Weisse Pferd (3). Dort wird von dem "Arbeitsplatzvernichter" Dr. Behnk berichtet, als es um die EDV-Firma ging, die ihm zum Opfer fiel; ergänzend dazu nur wenige Beispiele der Bekämpfung von Marktständen von Urchristen, wo es um den Verkauf von kontrolliert-ökologischen Lebensmitteln geht (4), aus Materialien aus dem Buch Der Steinadler und sein Schwefelgeruch zusammen gestellt. Schließlich zum Abschluss eine eigene kurze Studie zu dem Thema Was ein Sektenbeauftragter seinen eigenen Kindern widmet (5). Dort werden einige Passagen aus der Doktorarbeit näher beleuchtet, die der spätere Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk einst seinen kleinen Kindern gewidmet hatte.

"Die Kirche hat kraft ihrer göttlichen Einsetzung die Pflicht, auf das gewissenhafteste das Gut des göttlichen Glaubens unversehrt und vollkommen zu bewahren und beständig mit größtem Eifer über das Heil der Seelen zu wachen. Deshalb muss sie mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte. Somit kommt der Kirche aus der ihr vom göttlichen Urheber übertragenen Machtvollkommenheit nicht nur das Recht zu, sondern sogar die Pflicht, gleich welche Irrlehren nicht nur nicht zu dulden, sondern vielmehr zu verbieten und zu verurteilen, wenn das die Unversehrtheit des Glaubens und das Heil der Seelen fordern."

(Das "Ausmerzungs-Prinzip" der Sektenbeauftragten, wie es der von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 selig gesprochene Papst Pius IX. formuliert hatte. Sein Schreiben aus dem Jahr 1862 wurde in die verbindliche Sammlung der Dogmen und Lehrsätze der römisch-katholischen Kirche aufgenommen; hier zit. nach Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche, Regensburg 1992, Lehrsatz Nr. 382. Auch wenn es ein offizieller Lehrsatz nur der römisch-katholischen Kirche ist, so handeln auch lutherische Sektenbeauftragte nach diesem Ausmerzungs-Prinzip; unbewusst oft auch, um von ihrer katholischen Mutterkirche entsprechende Lorbeeren zu bekommen)

Schließlich noch ein weiterer Hinweis: Der Autor des "Theologen", ein ehemaliger Pfarrer der lutherischen Kirche, hatte am 26.4.1995 auch einen Brief an viele ehemalige Weggenossen in der lutherischen Kirche geschrieben - verbunden mit der Hoffnung, sie würden dem inquisitorischen Treiben Dr. Behnks Einhalt gebieten oder es zumindest aufzeigen und öffentlich kritisieren. Doch nichts in diese Richtung geschah. So ist das Tun des Sektenbeauftragten, über den in dieser Ausgabe berichtet wird, auch kein Verhalten, das eben eine Person mit Namen Dr. Wolfgang Behnk zu verantworten hat. Sondern die Verantwortung trägt die Kirche als Ganzes. Denn der von seiner Kirche als Kirchenrat geadelte Theologe handelte niemals im persönlichen Interesse, sondern immer und ausschließlich im Namen seines Auftrag- und Geldgebers.
Somit geht es hier in dieser Ausgabe von Der Theologe Nr. 89 um ein stellvertretendes Handeln für die gesamte Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und darüber hinaus für die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland, die unter dem Dach der EKD zusammen geschlossen ist. Denn auch dort wurde Dr. Wolfgang Behnk als offizieller Vertreter des deutschen Protestantismus geführt und als Kirchenexperte gegen religiöse Minderheiten weiter empfohlen. Letztlich steht der einzelne moderne Inquisitor, "der alle Register zog", damit für das gesamte zeitgenössische Luthertum und er lebte vor, wie lutherisches Denken und Tun in unserer Zeit aussieht.
Dabei sei an dieser Stelle noch einmal an Martin Luther selbst erinnert, der einst die Hinrichtung von Predigern gefordert hatte, die nicht von seiner Kirche autorisiert worden sind. Wörtlich: "Wenn sie gleich das reine Evangelium wollten lehren, ja wenn sie gleich Engel und Gabriel vom Himmel wären. Will er predigen, so beweise er den Beruf oder Befehl. Will er nicht, so befehle die Obrigkeit solchen Buben dem rechten Meister, der Meister Hans heißt (= dem Henker)." (Der 82. Psalm durch D.M.L., geschrieben und ausgelegt Anno 1530, Tomos 5, S. 74b ff.)

Doch um welche "Register" handelte es sich nun, die in unserer Zeit im Sinne und in der Nachfolge von Martin Luther gezogen wurden?
Eine Auswahl davon wird hier in der Ausgabe Der Theologe Nr. 89 vorgestellt.
 



1
Der Lutheraner Wolfgang Behnk - ein Falschmünzer im Pfarrertalar

"Als Wolfgang Behnk, evangelisch-lutherischer Pfarrer in Gerbrunn bei Würzburg, im Juni 1991 zum Nachfolger des Ende 1990 verstorbenen bayerischen "Sektenbeauftragten" Friedrich Haack ernannt wird, ahnt noch kaum jemand, wie ehrgeizig der etwas nervös wirkende damals 41-Jährige danach trachten wird, seinen Vorgänger in der Intensität der diabolischen Verleumdungsarbeit noch zu übertreffen – zumindest was die Urchristen im Universellen Leben angeht", so schreibt der Autor Matthias Holzbauer in seinem Buch Der Steinadler und sein Schwefelgeruch - Das neue Mittelalter auf Seite 310. Nachfolgend der weitere Inhalt dieses Buchkapitels, für diese Ausgabe des "Theologen" leicht überarbeitet.

Der kühle Norddeutsche gibt sich zunächst betont locker und kommunikativ, taucht ohne Vorankündigung im Haus des Universellen Lebens auf, angeblich um "Kontakt zu knüpfen", und teilt anschließend der Zeitung Main-Post mit, er wolle nicht so wie sein Vorgänger [Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack] agieren, der vielen "zu polemisch" 446 gewesen sei, der oft "mit Fakten geizte" 447 – nein: "argumentativ und dialogisch" werde sein Stil sein, er wolle "offen das Gespräch mit den Gruppen und Bewegungen suchen", denn er sei "kein Inquisitor", er praktiziere "Toleranz", wolle nicht "Zustimmung aggressiv einfordern oder mit Heilsentzug drohen", sondern nur "Hilfen zur Urteilsbildung geben, Fakten zeigen, aber das Urteil muss jeder selber treffen". Die evangelische Kirche wolle "durch ihren Glauben überzeugen und durch Taten, die daraus folgen, nicht durch institutionelle oder staatliche Macht". 448

Hatte er schon mit diesen ersten Worten im Amt die Öffentlichkeit bewusst getäuscht? Oder war er zunächst von seinen Zielen überzeugt und geriet dann in geradezu obsessiver Weise in den Bann seines Vorgängers, in dessen Archiv er sich mehrere Monate lang durch die dort gestapelten Inquisitionsakten wühlte? Jedenfalls wurde sehr bald erkennbar, dass der angekündigte Kurswechsel nicht nur ausblieb, sondern dass Behnks Stil sich in das genaue Gegenteil seiner vollmundigen Absichtserklärung verkehrte.

Droht ein "Massenselbstmord" auch in Deutschland?
Fernseh-Feindbilder
Hetze zur besten Sendezeit
Ein Pfarrer auf spätabendlichen Schleichwegen
Rufmord mit Zitatenmontage
Damit der schwarze Sender schwarz bleibt: Urchristen anschwärzen
Ein "Pfarrer" als Arbeitsplatzvernichter
Auch so kann man sein täglich Brot verdienen ...
Landwirte als "Verfassungsfeinde" diffamiert
Polizei schützt Rufschädiger

Schon wenige Tage nach seiner offiziellen Amtseinführung im Dezember 1991 lanciert Behnk einen Artikel in den Münchner Merkur (16.12.1991), der unter der Überschrift Guru machte reiche Beute einen der unter berufsmäßigen Rufschädigern so beliebten Rundumschläge durch die "Ketzer"-Landschaft enthält. Behnk möchte jetzt plötzlich nicht mehr, wie wenige Monate zuvor, Menschen durch den "Glauben überzeugen", sondern er will "durch gezielte Information verhindern, dass Menschen dem Betrug auf den Leim gehen". Dem Universellen Leben wirft er nun vor, diese "Sekte" versuche, "Jugendliche in ihre Netze zu treiben". Behnk zimmert weiter an seinem Feindbild: "Sekten" seien gefährlich, denn sie würden für den, der "sich in sie hinein begibt, zur Droge, welche völlige Abhängigkeit bedeutet. ... Er hängt, medizinisch gesprochen, am ´Dauertropf` der Gruppe, die sich ´intensiv` seiner und seines Vermögens annimmt". 449 Das Universelle Leben, so Behnk, sei eine "finanzstarke Kunst-Religion" 450, eine mit "bewundernswerter juristischer Raffinesse aufgebaute totalitäre Organisation". Er warnt deshalb davor, "sich von der Herzlichkeit der Sektenmitglieder beeindrucken zu lassen: Diese Freundlichkeit ist eine knallharte Investition, die mit Zins und Zinseszins zurückgefordert wird." 451 Der Kontrast zu seinen Ankündigungen kurz zuvor, im Juni 1991, "dialogisch" argumentieren zu wollen, könnte kaum schärfer sein.

Im 17. Jahrhundert hätte man gesagt: Wenn dir jemand besonders freundlich vorkommt, so könnte es eine Hexe oder ein Hexer sein, die dich verzaubern wollen. In jedem Fall ist es wichtig für einen Inquisitor, das "Volk" in seinen natürlichen Wahrnehmungen und seinen spontanen Gefühlsregungen ("Ich sehe jemanden, der freundlich ist; der kann doch so schlecht nicht sein") zu verunsichern. Dabei greift Behnk, wie viele seiner Vorgänger, auf einprägsame Bilder zurück: "Sekten" seien "wie ein Fliegenpilz: Von außen betrachtet sind sie schön, aber beißt man hinein, erkennt man das Gift." 452

Der Giftpilz - so hieß ein "Stürmerbuch", 1938 vom nationalsozialistischen Hetzblatt Der Stürmer herausgegeben, in dem "deutscher Jugend ein Wissen von jüdischen Dingen" beigebracht werden sollte. Wenn man auch die Verfolgung der Juden im Dritten Reich nicht mit der heutigen Verfolgung religiöser Minderheiten vergleichen kann, so sind die Analogien in der Verleumdungs-Argumentation doch immer wieder verblüffend. So wie Behnk und andere Verleumdungsexperten dem Universellen Leben (und nicht nur diesem) immer wieder vorwerfen, es verfolge in erster Linie wirtschaftliche Ziele, so warf auch Der Stürmer den Juden vor, sie seien "gar keine Glaubensgemeinschaft, sondern ein Bund zur Vertretung wirtschaftlicher und politischer Interessen". 453

"Der biblisch fundierte Absolutheitsanspruch der Kirche steht ständig auf dem Sprunge, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen."

 (Der Philosoph Karl Karl Jaspers 445)

Wolfgang Behnk verbindet geschickt die Verleumdungen seines Vorgängers Pfarrer Haack und des römisch-katholischen "Sektenbeauftragten" Graf von Magnis zu einem neuen Feindbild des Universellen Lebens, das er, losgelöst von der Realität, immer weiter ausbaut: Das Universelle Leben, so behauptet er, sei eine "geschlossene Ideologie, ... in der jegliche Kritikfähigkeit ausgeschlossen und keine Gewissensbildung mehr möglich" sei. 454 Die Urchristen hätten somit ihre "materielle Verfügungsgewalt" ebenso verloren wie ihre "geistige und gewissensmäßige Freiheit" und seien in Gefahr, in Panik zu geraten. 455 Behnk hat die Schriften des Universellen Lebens gelesen und weiß daher, dass die Bewahrung und Schulung eines wachen Gewissens anhand der Bergpredigt und der Zehn Gebote Gottes zu den wichtigsten Zielen des dort gelehrten Inneren Weges gehört; er weiß, dass die Kritikfähigkeit des Menschen, das kritische Hinterfragen sowohl der eigenen Gedanken und Motive als auch der Tagesereignisse, dort ebenfalls gelehrt wird. Er weiß, dass jeder Urchrist selbstverständlich über sein eigenes Konto verfügt – wenn er also Gegenteiliges behauptet, so tut er es jedes Mal wider besseres Wissen.

Droht ein "Massenselbstmord" auch in Deutschland?

Als in Waco (USA) am 19. April 1993 bei der Erstürmung der Ranch der "Davidianer" durch Polizisten 81 Menschen ums Leben kommen, wittert der Kirchenmann Behnk seine große Chance. Obwohl bis heute nicht vollständig geklärt ist, wie viele der umgekommenen Davidianer verbrannten (und wer den Brand eigentlich ausgelöst hat), wie viele sich gegenseitig erschossen und wie viele unter den Kugeln der Polizeibeamten starben, geht man in der Öffentlichkeit zunächst von einem "Massenselbstmord" aus. Zwei Tage später, am 21. April, lässt Behnk über den Evangelischen Pressedienst nachfolgende Meldung verbreiten:

"Ein Massenselbstmord wie der von Anhängern der Davidianer-Sekte im texanischen Waco ist nach Ansicht des Münchner Sektenbeauftragten Pfarrer Wolfgang Behnk auch in Deutschland möglich. ´Diese Gefahr besteht, sobald sich Menschen in den Einflussbereich einer geschlossenen Ideologie gegeben, in der jegliche Kritikfähigkeit ausgeschlossen ist und keine Gewissensbildung mehr möglich ist` .... Wenn die Ideologie der Sekte von apokalyptischen Endzeiterwartungen durchdrungen sei und eine psychische Abhängigkeit zu einer Führergestalt bestehe, sei die Möglichkeit eines Massensuizids gegeben, sobald sich der Sektenführer in einer ausweglosen Situation sehe ... ´Wenn Selbstmord als letzte Konsequenz gefordert wird, dann folgen alle wie die Lemminge kritiklos seinem Kommando.` Behnk warnte in diesem Zusammenhang vor der Gruppe ´Universelles Leben`, die in der Nähe von Würzburg einen ´Christusstaat Neues Jerusalem` errichten will."

Diese Pressemeldung wurde aufgrund ihres Sensationsgehalts von zahlreichen Zeitungen übernommen; auch der Bayerische Rundfunk interviewte Behnk, der seinen "Verdacht" dort wiederholte. 456

Wer die Urchristen kennt (und Behnk hatte die urchristlichen Schriften ausführlich studiert!), der weiß, dass ein Selbstmord für sie völlig undenkbar ist, schon allein weil er ihrer Glaubenslehre widerspricht. Denn nach urchristlicher Lehre muss die Seele des Menschen, der sich selbst das Leben nimmt, so lange auf der Erde verweilen, wie es dem Menschen zu leben vorgegeben gewesen wäre. Sie muss erleben, wie die Hinterbliebenen darauf reagieren und erahnen, was der Mensch noch alles an Positivem hätte tun können, wäre er am Leben geblieben.

Doch Behnk hatte die Sensationsgier der Massenmedien geweckt. Zu Fuß, per Auto, sogar mit einem gemieteten Hubschrauber steuern Scharen von Journalisten einen Bauernhof bei Würzburg an, um das "Waco in Unterfranken" zu suchen. Die Main-Post (14.5.1993) schreibt: "Viel Aufregung um das von Anhängern der Glaubensgemeinschaft ´Universelles Leben` betriebene Gut Greußenheim. Seit Wochen kommt es zur Konfrontation zwischen Fernsehteams und den Bewohnern ... Fakt ist jedenfalls, dass der Medien-Run auf das Gut nach dem Massenselbstmord von Anhängern der Davidianer-Sekte im texanischen Waco am 19. April begann. Auslöser dürfte eine sicherlich kühne Spekulation des evangelischen Sektenpfarrers Wolfgang Behnk gewesen sein ... Bezeichnend auch, dass eines der Filmteams angab, den Tipp für Dreharbeiten auf Gut Greußenheim von Behnk erhalten zu haben."

Vermutlich war dies auch bei anderen Filmteams der Fall. Denn indem Behnk die Aufmerksamkeit der deutschen Journaille auf das Universelle Leben lenkte, erreichte er zweierlei: Zum einen wurden die Urchristen in einem besonders kritischen Moment bundesweit als ein Haufen unberechenbarer Verführter und Verrückter dargestellt. Und zum anderen schaffte Behnk etwas, wovon sein Vorgänger Haack nur geträumt hatte: Er nützte den Einfluss und die Medienkontakte seiner Kirche mitsamt einem eigenen "Beauftragten" der Lutherischen Kirche beim Bayerischen Rundfunk dazu, das "Sekten"-Thema" als "Reizthema" auf allen Kanälen zu etablieren – und sich als "Experten" gleich mit dazu. Dadurch erreichte die Ausgrenzung der Urchristen, die sich bis dahin überwiegend auf der Ebene regionaler Tageszeitungen abgespielt hatte, eine völlig neue Dimension.

Fernseh-Feindbilder

Ein Hetz-Artikel in der örtlichen Tagespresse ist schlimm genug – eine bundesweit im Abendprogramm ausgestrahlte Fernsehsendung mit sensationellen, hektischen Bildfolgen und düsterer Musikuntermalung wirkt noch weit stärker auf das Unterbewusstsein. Der rasch dazu gesprochene Text kann – im Gegensatz zur Zeitung – kaum reflektiert werden; zurück bleiben oft nur Versatzstücke von Assoziationen und Vorurteilen. Schon die Anmoderation legt die emotionale Richtung fest – wie die von Friedrich Küppersbusch in der Sendung ZAK im Westdeutschen Rundfunk (25.4.1993):
"Liebt eure Firma, kauft Häuser, kauft Grundstücke, freut euch auf den Profit, das predigt Gabriele von Würzburg."

Das "predigt" sie gar nicht, also ist schon der erste Satz eine Lüge – die aber gleich wieder geschickt verharmlost wird:
"Und wenn das verboten wäre, dann wäre wohl die F.D.P. eine kriminelle Vereinigung. Trotzdem mauern die Behörden, denn diese Gabriele Wittek gilt als Chefin einer umstrittenen Sekte, und die heißt Universelles Leben. Jämmerliches Sterben hat (man) ja diese Woche in Waco, Texas, übelst demonstriert."

Hier wird eine direkte Assoziation hergestellt: Jämmerliches Sterben – Universelles Leben. Diese setzt sich im Unterbewusstsein fest – auch wenn der nachfolgende Satz sie scheinbar wieder verharmlost:
"Aber die deutsche Sekte unterscheidet sich von dieser christlichen Guerilla aus den USA (dadurch), dass sie nicht bewaffnet ist, sondern ihr kleines Dorf bei Würzburg mit Rechtsanwälten verteidigt. Was man trotzdem berichten darf, zeigt jetzt Detlef Cosmann."

Cosmann behauptet dann in seinem Filmbeitrag, der Hof in Greußenheim sei "abgesichert mit aufwendiger Elektronik, Doppelzaun mit Sicherheitstrakt für Grenzschützer und pflichtbewusste Hunde". Diese falsche Behauptung wurde ihm zwar am 23.6.1993 vom Landgericht Würzburg untersagt – doch in den Köpfen der Betrachter ist der im Film gezeigte Zaun, optisch verzerrt von unten in grotesker Vergrößerung aufgenommen, längst gespeichert. Der angebliche "Doppelzaun" war nichts als ein neuer Weidezaun für Tiere, hinter dem einige Pfosten des alten Zaunes noch nicht entfernt waren ...

Eine Steigerung dieser Hetze erlebten die Fernsehzuschauer am 9. Mai 1993 in der Sendung Die Reporter in Pro 7. Auch hier werden schon in der Anmoderation die Weichen gestellt:
"Der Massentod, die brennenden Bilder aus Waco haben alle aufgeschreckt. Allein in Amerika gibt es über 3000 fanatische Sekten. Doch wer glaubt, ein solches Inferno sei bei uns nicht möglich, der irrt. Die Verkünder der Moon-Sekte, des Universellen Lebens, der Scientologen oder der Philadelphia-Gemeinde – sie leben unter uns. Und so verschieden die Heilslehren dieser Seelenverkäufer auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: den religiösen Fanatismus. Ihre Anhänger geben den Propheten ihr Geld, ihre Arbeitskraft, ihre Gesundheit und nicht selten auch ihr Leben. Sie folgen ihnen blind ins Reich des Bösen."

Nach dem Fall der Berliner Mauer suchen offenbar nicht nur die Generäle der NATO, sondern auch die Journalisten der Medien-Meute nach einem neuen Feindbild, einem "Reich des Bösen". Da kommen die "Sekten" gerade recht. Die Behauptung, die "Anhänger ... geben den Propheten ihr Geld, ihre Arbeitskraft, ihre Gesundheit und nicht selten auch ihr Leben", könne allerdings, so urteilte am 10.8.1993 das Landgericht Würzburg, dem Sender Pro 7 nicht untersagt werden, denn sie sei "nicht ehrverletzend. Auch innerhalb der katholischen Kirche ist es die Regel, dass bei Eintritt in einen Orden das Vermögen auf die Ordensgemeinschaft übertragen wird. Bei dieser Behauptung handelt es sich letztlich nur um eine symbolische Darstellung der Hingabe der Mitglieder an die jeweilige Glaubensgemeinschaft."

Der Leser möge selbst urteilen, ob er nach der Lektüre der oben angeführten Anmoderation auch zu diesem Schluss kommt. Im übrigen besteht der Unterschied eben darin, dass kein Fernsehsender in Deutschland nach der Waco-Katastrophe auf die Idee kam, drohende Massenselbstmorde in katholischen Klöstern zu suggerieren.

Das absurde Urteil des Landgerichts wird noch unverständlicher, wenn man bedenkt, dass im Filmbericht unmittelbar nach diesen einleitenden Worten Bilder von Leichenbergen gezeigt wurden, unterlegt mit den Worten:
"8. August 1969: Charles Manson und die Anhänger seiner Teufelssekte bringen in Kalifornien acht Männer und Frauen auf bestialische Weise um. Bekanntestes Opfer: die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate. 18. November 1978: Jim Jones, Führer der Volkstempelsekte, bringt im südamerikanischen Urwald in Guyana tausend seiner Anhänger dazu, sich mit Zyankali zu vergiften. Jüngster Fall, 19. April 1993: In der Flammenhölle von Waco sterben 86 Davidianer, angeführt vom selbsternannten Messias David Koresh."

Wenig später wurde dann im Film gezeigt, wie einige Urchristen versuchten, ein von dem privaten Verleumder Hans-Walter Jungen aus Hettstadt angeführtes Filmteam von einem Privatgrundstück in der Nähe des Gutes Greußenheim zu verweisen. 457 Immerhin wurde dem Fernsehsender vom Landgericht untersagt, die Behauptung zu wiederholen, es seien Hunde auf die Reporter gehetzt worden.

Auch "Pfarrer" Behnk tritt in Pro 7 auf – und behauptet, er sei von Gabriele "bedroht" worden, weil sie, Bezug nehmend auf die ständige Schmähkritik Behnks an ihrer Person, in der Zeitschrift Der Christusstaat geschrieben hatte: "Mit der Kraft der selbstlosen Liebe habe ich ´Pfarrer` Haack und seinen ebenfalls verstorbenen Amtskollegen ´Pfarrer` Haberer überwunden. Mit der Kraft der selbstlosen Liebe werde ich auch Herrn Behnk überwinden."

In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk 458 zeigte sich Behnk überzeugt, "mit selbstloser Liebe überwinden" bedeute, "dem Tode zuführen". Der kirchenhörige Rundfunksender bezeichnete Gabrieles Äußerungen als "Todesorakel"; Antenne Bayern sprach gar von einem "Todesfluch" 459. Seltsam nur, dass in der Bibel, auf die sich die Kirchen so gerne berufen, der Begriff "überwinden" immer im positiven Sinne gebraucht wird. 460  Doch die "Arbeit" eines Inquisitors besteht eben darin, alles, was ein "Ketzer" äußert, sofort zu verdrehen und gegen ihn zu wenden.

Auch der Hessische Rundfunk baut gleich zu Beginn seiner Sendung Teuflisch abgezockt – Sekten auf Seelenjagd (22.6.1993) mit Bildern von brennenden Häusern in Waco und von ekstatisch zuckenden Bhaghwan-Jüngern Stimmung auf. Dann wird neben anderen Gruppierungen auch das Universelle Leben als "Wirtschaftskonzern" mit "knallharten Managern" bezeichnet. Die dazugehörigen Bilder erschlichen sich Kamil Taylan und Ulrike Bremer vom Hessischen Rundfunk, indem sich der Deutschtürke Taylan als Journalist eines türkischen Privatsenders ausgab, der positiv über das Universelle Leben berichten wolle.

Wer will es den Urchristen verdenken, dass sie spätestens nach dieser Erfahrung Journalisten gegenüber äußerst zurückhaltend sind?

Hetze zur besten Sendezeit

Für Taylan und Bremer war dies jedoch nur eine Art Generalprobe. Sie kamen wieder, stellten ihre Kameras direkt vor dem Eingang der Klinik auf, vor der Schule und vor einer Jugendherberge, in der eine urchristliche Jugendgruppe untergebracht war. Das Resultat dieses Medienterrors war ein 45-Minuten-Film, der am 10.12.1993 um 21.45 Uhr bundesweit ausgestrahlt wurde: Das Seelenkartell. Auch hier wird der "Massenselbstmord" von Waco erwähnt, es werden "Aussteiger" befragt, deren Aussagen dann auch noch wahrheitswidrig verzerrt werden – so etwa die Aussage einer Frau, sie habe "200 Mark" monatlich für ihre Mithilfe auf einem Hof erhalten. Dass die Frau Rentnerin ist, ihr festes Auskommen hat und sich lediglich in ihrer Freizeit ein Zubrot verdiente, wird verschwiegen: "Die Anhänger helfen gerne. Viel bekommen sie dafür nicht." Durch geschickte Einblendung von Namen aus Register-Unterlagen und irreführender Darstellung von Firmenzusammenhängen wird der Eindruck erweckt, zwei Urchristen würden den gesamten Gewinn der Christusbetriebe persönlich einstreichen: "Gemeinwohl für zwei – gemeiner geht es nicht." Eine glatte Lüge – gemeiner geht es wirklich kaum.

Diese Verleumdung wird wenig später zur Folge haben, dass einer der auf diese Weise verleumdeten Urchristen in seiner Familie mit größtem Misstrauen beäugt wird und die eigene Tochter ihm zeitweise nicht mehr vertraut. Was die kirchlichen Rufmordbeauftragten den Urchristen zu Unrecht immer vorwerfen: sie würden sich abschotten, Kontakte abbrechen – das erledigen sie auf solche Weise gleich selber. Dieser Urchrist stammt aus einer katholischen antifaschistischen Familie; sein Vater wurde von den Nazis umgebracht. Und nun hält seine Tochter es allen Ernstes für möglich, dass er ein Rechtsradikaler sein könnte – weil der Hessische Rundfunk, wie viele kirchliche Verleumder, behauptet, das Universelle Leben sei "antisemitisch", seine Veröffentlichungen "dumpfe, braune Propaganda". Als "Beleg" dient ein einziges Extrablatt der Zeitschrift Der Christusstaat aus dem Jahre 1991, in dem an einer Stelle in missverständlicher Weise von "Illuminaten" und "Zionisten" die Rede ist - obwohl der zuständige Redakteur diese Ausführungen später öffentlich bedauerte und zurücknahm; obwohl jüdische Patienten aus Israel, die regelmäßig die Naturklinik der Urchristen besuchen, sich öffentlich für die Urchristen verbürgen; obwohl sogar kirchliche Autoren zugeben müssen, dass ein "struktureller Antisemitismus" im Universellen Leben nicht vorhanden ist (und natürlich auch sonst keiner); obwohl der Bayerische Verwaltungsgerichtshof am 4.4.1995 ausdrücklich feststellte, dass der Vorwurf des "Rassismus und dabei insbesondere Antisemitismus" gegen die Urchristen nicht statthaft ist 461; obwohl sogar die Bayerische Staatsregierung am 30.1.1995 feststellte, dass "für eine Verbindung der Glaubensgemeinschaft zu rechtsextremen Organisationen keine Anzeichen" bestehen – trotz all dieser eindeutigen Aussagen wurde die Antisemitismus-Keule immer wieder gegen das Universelle Leben geschwungen. Auf diese Weise können die Kirchen eben am einfachsten von ihrer eigenen antisemitischen Vergangenheit und ihrer Mitschuld am Holocaust ablenken (vgl. z. B. hier).

Durch die (natürlich anonym vorgebrachten) Vorwürfe von Aussteigern, durch Interviews mit kirchlichen "Experten" wie Wolfram Mirbach (der als lutherischer Pfarrer ausgerechnet den Urchristen vorwirft, sie strebten eine Betreuung des Menschen "von der Wiege bis zur Bahre" an), durch Befragung von ausgesuchten, zuvor aufgehetzten Bürgern in den Straßen Hettstadts und Michelrieths wird in diesem Film insgesamt der Eindruck erweckt, es handle sich bei dem Universellen Leben um eine Ansammlung von gefährlichen Halbverrückten, die unter der totalen Kontrolle ihrer "Manager" ausgebeutet würden.

Genau das schrieb Behnk auch prompt in den Lutherischen Monatsheften (1/1994): Die Mitglieder des Universellen Lebens stünden unter der "totalitären Kontrolle" ihrer Führung. Der Evangelische Pressedienst verbreitet es, die Zeitungen drucken es ab. Die Verleumdung greift sich selber auf und pflanzt sich auf diese Weise fort.

Man benötigt heute keinen "Meister Hans", keinen Henker mehr, nach dem noch Luther gegen die Täufer und "Hexen" rief. Es genügten der Hessische Rundfunk und der Evangelische Pressedienst, um eine religiöse Minderheit zu erledigen, um sie mediengerecht "hinzurichten". Denn die Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten – und sie sind verheerend. Noch am selben Abend der ersten Ausstrahlung, am 10. Dezember 1994, ruft ein Mann in den Räumen des Universellen Lebens in Nürnberg an, wo gerade eine Veranstaltung läuft, und schreit in den Hörer: "Verschwindet, ihr Schweinepack!" Am Tag darauf empört sich ein Passant, dem in München ein Flugblatt des Universellen Lebens angeboten wird: "Ich habe die Sendung gesehen, und ich hoffe, ihr brennt jetzt bald!" Ein anderer Passant sagt im Hinblick auf einen der im Film namentlich beschimpften Urchristen: "Sie tun mir leid. Wenn ich den ... erwische, dann schlage ich ihn windelweich, diesen Gangster." Unflätigste Beschimpfungen sind auf Anrufbeantwortern von Urchristen zu hören, auf Telefaxen zu lesen (z.B. München, Luzern, Würzburg), Urchristen werden in aller Öffentlichkeit als "Seuche" beschimpft (Ingolstadt), als "Faschisten" (Berlin), "schlimmer als Hitler" (Darmstadt), als "Verbrecherbande" (Michelrieth), sie seien "ähnlich wie die Davidianer in Texas", sie gehörten "verboten", "vergast" (Frankfurt) oder "in die Strafanstalt gesperrt", "erschossen" (Würzburg); es gibt eine Bombendrohung im Haus des Universellen Lebens in Würzburg (28.12.1993). In Tübingen kommt eine Frau mit einem Artikel, in dem Behnk zitiert wird, zum Marktmeister und fordert, der "UL-Stand" müsse "entsprechend gekennzeichnet" werden. In Unterfranken werden Dorfbewohner von Nachbarn beschimpft, weil sie "bei denen" einkaufen.

Mindestens ebenso bezeichnend für die Wirkung des Films sind die Äußerungen weniger rabiater Zeitgenossen: Kunden in Christusbetrieben, die "gar nicht glauben" können, dass "dieser nette Laden" auch dazu gehöre; ein Postbeamter, der einen Urchristen fragt, ob es stimme, dass er nur 200 Mark erhalte; desgleichen betagte Eltern, die ihren längst erwachsenen Sohn fragen, ob auch er wirklich nur 200 Mark erhalte und alles abliefern müsse. Andere verstehen die Sendung als Aufforderung zur Selbstjustiz: In Darmstadt wird ein Schaukasten des Universellen Lebens herausgerissen und weggeschleppt, in Singen ein Schaukasten beschmiert, in Arnstein bei Würzburg werden vor Häusern von Urchristen Autoreifen durchstochen, in Michelrieth Antennen abgeknickt, auf dem Hof der urchristlichen Schule werden Lampen eingeworfen.
Schwerer wiegen jedoch die unausgesprochenen Gedanken, die in den Köpfen festgesetzten Vorurteile, die über Jahre hinweg ihre Wirkung behalten können. Um diese zu verstärken, wird der Film über kirchliche und staatliche Medienstellen auch in den kommenden Jahren und gar Jahrzehnten überall verbreitet. Zu diesem Zweck wurde er in die Medien-Kataloge der Kirche übernommen. Aus diesen Katalogen bestellen dann evangelische und katholische Religionslehrer Filme für den staatlich finanzierten evangelischen und katholischen Religionsunterricht = Konfessionsunterricht an staatlichen Schulen. Und immer wenn das Thema "Sekten" auf dem Lehrplan stand und der Lehrer "etwas über das Universelle Leben" suchte, dann wurde ihm dieses böse Machwerk angeboten, nicht nur jahrelang, sondern auch darüber hinaus im 21. Jahrhundert - schon die Schulkinder wurden also auf diese Weise gegen die urchristliche Gemeinschaft aufgehetzt.
So wurde der Film also immer wieder in Schulen beim Religionsunterricht gezeigt oder (wie in Würzburg) Pädagogikstudenten empfohlen – und zwar teilweise bereits wenige Tage nach der Erstsendung, was auf lange Vorplanung hindeutet. Hedda Coulon, Hausjuristin des Hessischen Rundfunks, zeigt den Film persönlich im CVJM Aschaffenburg und wiederholt in einem anschließenden Vortrag Behnks Verleumdungen. 462 Noch im Jahr 2002 bietet ihn der junge katholische Pfarrer des 2000-Seelen-Ortes Pöttmes (Landkreis Aichach) seinen Pfarrkindern zum Verkauf an – weil er sich, so sagen Ortskundige, offenbar durch die Bekämpfung der örtlichen Gruppe des Universellen Lebens "höheren Orts" "Pluspunkte" verschaffen will.

Als die Urchristen sich durch die Fernsehsendung nicht einschüchtern lassen und umgehend in Frankfurt Flugblätter verteilen, in denen sie die Kirchenhörigkeit des Hessischen Rundfunks anprangern, stellen sich die HR-Journalisten Taylan und Bremer im Bayerischen Rundfunk (13.12.1993) als "Verfolgte" hin: In ihrer Wohngegend, einem kleinen Dorf, so beschweren sie sich mit larmoyanter Stimme, seien Flugblätter verteilt worden, in denen sie als "Volksverhetzer" bezeichnet wurden. Da sind Inquisitoren und ihre Handlanger äußerst empfindlich. Dass sie durch solche Aktionen (und nur deshalb werden sie gemacht) ein wenig davon ahnen könnten, was sie anderen antun, kommt ihnen dabei offenbar nicht in den Sinn.

Ein Pfarrer auf spätabendlichen Schleichwegen

Ähnliches gilt auch für Pfarrer Behnk selbst: Als Urchristen im Sommer 1996 in seinem Wohnumfeld Flugblätter verteilen und seine Nachbarn auffordern, ihm einmal wegen seiner Rufmord-Tätigkeit "ins Gewissen zu reden", setzt er alle Medienhebel in Bewegung, um sich gegen die "Verleumdungskampagne" zu wehren. Über den eigentlichen Hintergrund, die evangelische Schlammschlacht gegen eine Minderheit, schweigt der Evangelische Pressedienst wohlweislich. Ähnlich verhält es sich mit einem weiteren Vorfall: Nachdem vor urchristlichen Einrichtungen und Privathäusern ständig gefilmt wird, stehen eines Tages einige Kameraleute in Behnks Straße in München-Feldmoching, um sein Haus zu filmen. Der Rufmordbeauftragte mokiert sich darüber – was Inquisitoren mit anderen tun, darf noch lange nicht mit ihnen gemacht werden. Doch wenige Tage später kreuzt er selber spät abends, mit einer Videokamera ausgerüstet, vor dem Hof der Urchristen in Greußenheim auf, um Frau Wittek zu "besuchen". 463

Auf jeden Fall nützen Inquisitoren alle Kanäle, auch die neuen, privaten – den Ketzern bleibt hingegen als Gegenöffentlichkeit meist nur das Verteilen von Flugblättern. Behnk und seine Rufmord-Kollegen sind von den ARD-Tagesthemen (z.B. 2.7.1996) bis zum SAT 1-Frühstücksfernsehen (z.B. 12.10.1994) überall zu sehen – und nur selten versäumen sie, auf das Universelle Leben als "besonders gefährliche Sekte" hinzuweisen. In fast allen Talkshows von Hans Meiser (12.4.94, 4.3.1996) über Ulrich Meyer (11.10.1994) und Fliege (14.12.1994) bis hin zu Bärbel Schäfer (20.2.1997) und Arabella Kiesbauer (10.9.1998) wird den Urchristen übel mitgespielt. Und gleich, ob so genannte "Sonnentempler" sterben (1994), die AUM-Sekte einen Anschlag in der Tokioter U-Bahn unternimmt (1995) oder 50 "Heaven`s Gate"-Anhänger in Kalifornien Selbstmord begehen (1997) – immer ist Behnk zur Stelle, um bei diesen Gelegenheiten über einen möglichen Massenselbstmord der Urchristen zu orakeln. Um sich juristisch abzusichern, bringt er vorneweg einen scheinbar abwiegelnden Satz: "Ich will nicht behaupten, dass ein Massenselbstmord unter den Wittek-Gläubigen wie jetzt in den USA bevorsteht", sagt er z.B. dem Stern (10.4.1997). Aber dann sagt er`s doch: "Aber die UL-Führung treibt möglicherweise auf einen Punkt zu, der nicht mehr kontrollierbar ist ... Die spielen in gefährlicher Weise mit dem Feuer, weil sie Endzeitängste schüren und geschickt Feindbilder aufbauen. Es ist so, als ob man mit einer angezündeten Lunte in einem Sprengstoffschuppen nach dem Rechten sehen würde."
Der Stern übernimmt nur allzu gerne das Feindbild des "Pfarrers", der so virtuos mit dem Feuer der Emotionen des Publikums spielt, und schlussfolgert, das Universelle Leben sei Deutschlands gefährlichste Sekte. Was Behnk dann prompt wieder aufgreift und weiter verbreitet: "... laut Stern die gefährlichste Sekte Deutschlands!" Die Boulevardblätter wie die Nürnberger Abendzeitung (12.4.1997) bringen so etwas bereitwillig in ihre Schlagzeilen: Massen-Selbstmord? Fränkische Sekte außer Kontrolle.

Andere Verleumdungsbeauftragte stoßen in dasselbe Horn, etwa Pastor Joachim Keden von der lutherischen Kirche im Rheinland, der "vor einem kollektiven Selbstmord von Sektenanhängern in Deutschland" warnt und dabei das Universelle Leben erwähnt 464. Oder Kurt-Helmuth Eimuth, lutherischer Rufmordbeauftragter aus Frankfurt, der 1993 schreibt, das Drama von Texas werde sich zwar "(hoffentlich) in Deutschland nicht wiederholen können. Und doch gibt es auch hier religiöse Eiferer, deren Denken eine ähnliche Struktur aufweist." 465 Zum Beispiel das Universelle Leben. Ein Jahr später nennt er in einem Radiointerview Waco und Universelles Leben in einem Atemzug: Er spricht über die "Angst in dieser Welt, nämlich dass alles sowieso schief geht, dass diese Welt untergeht – so war es ja bei den Davidianern, und so ist es heute beim Universellen Leben in Würzburg". 466 Eimuth hat sich ansonsten ein spezielles Verleumdungsgebiet erschlossen: Er schreibt ein Buch über Die Sekten-Kinder und nützt für die Buchwerbung die geballten Medien-Kontakte der lutherischen Kirche. "Fast 200 000 Kinder" wachsen nach Eimuths Angaben in "Sekten" auf, wo sie angeblich vielfältigen Gefahren ausgesetzt sind – von Kindsmissbrauch durch katholische und teilweise auch lutherische Geistliche ist hingegen mit keinem Wort die Rede. Er behauptet, die Kinder von Urchristen dürften nicht mit anderen Kindern "aus der bösen Welt" spielen, "weil die einen verderben könnten" 467. Das Gegenteil ist der Fall: In einzelnen Dörfern in der Umgebung Würzburgs erlauben kirchliche Eltern ihren Kindern nicht, mit Kindern von Urchristen zu spielen. Angeblich soll ein Kind von Urchristen Angst gehabt haben, "verdammt zu sein" – offenbar verwechselte man es mit einem katholischen oder lutherischen Kind, wo die "ewige Verdammnis" bis heute gültige Glaubenslehre ist. Die Stoßrichtung ist klar: Die Kirchen fürchten um ihr Monopol der Beeinflussung von Kindern – und sie können sich Kindererziehung eben nur so vorstellen, wie sie es selber tun – mit Angst und Schuldgefühlen. Und eben das unterstellen sie dann anderen.

Rufmord mit Zitatenmontage

Das gilt auch für Behnks Verleumdungen gegen die Urchristen. Um sie nicht sogleich als solche erkennbar zu machen, wendet er einen Trick an: Er nimmt Zitate aus urchristlichen Büchern und Schriften, schneidet ganz bestimmte Stellen heraus, so dass der Zusammenhang nicht mehr zu erkennen ist, und projiziert diese angeblichen "Original-Dokumente" dann, z.B. bei einem Vortrag, per Overhead-Projektor an die Wand. Bisweilen sind die dadurch entstandenen raffinierten Verdrehungen, mit komplizierter intellektueller Akrobatik und in hektischer Sprache vorgetragen, nur für ausgesprochene Kenner der urchristlichen Lehre auf den ersten Blick durchschaubar. Einige Beispiele mögen dies verdeutlichen:

Beispiel "absolutes Gesetz": Gabriele schreibt im Vorwort zu dem Buch Mit Gott lebt sich`s leichter, dass sie alles, was sie in diesem Buch niedergelegt hat, "selbst erfahren, durchlebt und durchlitten" hat. Sie fährt fort: "Durch die herrliche Führung unseres Erlösers habe ich zum Ursprung der Quelle gefunden, bin eingetaucht in die göttliche Liebe und Weisheit ... Seine Gnade und Liebe führte mich. Ich bin in meinem Inneren geworden, was ich war und in Seinen Augen ewig bin: das Absolute Gesetz selbst. Das Gesetz der Liebe und Weisheit gibt als Wesen des Lichts, was es im Erdenkleid erlebt, erfahren, verwirklicht und durchlitten hat. Erfüllt von Seinem Geiste lebe und gebe ich."
Wenn hier von einem "absoluten Gesetz" gesprochen wird, dann ist jedem unbefangenen Leser klar, dass es sich hier um ein "Gesetz der Liebe und Weisheit" handelt, das jeder Gott zustrebender Mensch zunächst in sich verwirklichen kann und sollte, um es dann an andere weiterzugeben. Wie gesagt: Jeder Mensch.
Pfarrer Behnk reißt nun einen Satz ("Ich bin in meinem Inneren geworden, was ich war und in Seinen Augen ewig bin: das Absolute Gesetz selbst") aus dem Zusammenhang und leitet daraus ab, Gabriele stelle sich über ihre Mitmenschen und beanspruche für sich persönlich eine absolute Verfügungsmacht über andere Menschen. Eine diabolische Verleumdung – und gleichzeitig eine typische Projektion kirchlichen Denkens: Ein kirchlicher Inquisitor kann sich menschliche Gemeinschaft nur hierarchisch gegliedert und mit klarer Befehlsgewalt von Seiten der Kirchenoberen vorstellen, wie sie in Extremform im katholischen Dogma des Jurisdiktionsprimats des Papstes (1870) zum Ausdruck kommt. 468

Beispiel Gedankenstille: In dem Buch Ursache und Entstehung aller Krankheiten, das Gabriele nach Überzeugung der Urchristen durch göttliche Offenbarung empfing, ist gegen Ende eine "morgendliche Ausrichtung" abgedruckt, mit der sich z.B. ein kranker Mensch auf den Tag einstimmen kann. Nun neigen kranke Menschen wohl eher als gesunde dazu, in Grübeleien oder Pessimismus zu verfallen und sich mit negativen Gedanken zu quälen. Am Ende des meditativen Textes erhalten sie deshalb in diesem Zusammenhang den Rat: "Rede wenig und denke noch weniger! Sprich nur, wenn es wesentlich ist! Empfinde edel und gut. Veredle dich!"
Behnk reißt nun wiederum nur einen Satz heraus ("Rede wenig und denke noch weniger"), verschweigt aber den gesamten Zusammenhang, verschweigt auch, dass Urchristen in vielen Büchern und Schriften immer wieder zum Nachdenken über ihr Leben und über ihren Anteil an den Geschehnissen des Alltags angeregt werden, und folgert daraus, im Universellen Leben werde man generell vom Denken abgehalten.

Dass ein Theologe und Inquisitor nichts vom "Stille-Werden" versteht, wie es Mystiker aller Religionen dem Menschen als spirituelle Übung nahe legen, ist nicht verwunderlich. Das Resultat ist aber wiederum eine böswillige Projektion: Die Kirche selbst ist es, die Menschen vom Nachdenken abhalten will, insbesondere über die Widersprüche zwischen der Lehre des Jesus von Nazareth und dem, was die Kirche daraus gemacht hat.

Beispiel Distanzierung: Während des Golfkrieges 1991 brachten die Urchristen einige Extrablätter heraus, in denen sie zu Frieden und Gewaltverzicht aufriefen und darauf hinwiesen, dass Jesus von Nazareth Pazifist war. Sie distanzierten sich von allen Regierungen und Machthabern, die sich zwar christlich nennen, aber Bomben auf ihre Mitmenschen werfen lassen. Behnk greift nun den Satz "Wir distanzieren uns" heraus, ohne den Hintergrund des Krieges zu erwähnen und folgert daraus, die Urchristen lehnten andersgläubige Mitmenschen und insbesondere staatliche Einrichtungen aus Prinzip rundweg ab, was überhaupt nicht stimmt. Das Gegenteil ist richtig. Auch hier eine Projektion: Die Kirche hat den Staat immer für ihre Zwecke benutzt – sich aber immer von ihm distanziert, sobald er nicht mehr nach ihrer Pfeife tanzte.

Diese wenigen Beispiele mögen genügen – sie verdeutlichen das Prinzip. Aus solchen Verdrehungen baut der Inquisitor Behnk im Dienste der Lutherkirche in Deutschland sein Feindbild auf. Er suggeriert den Zuhörern, nach urchristlicher Lehre solle die "Persönlichkeit" des Menschen "zerstört" werden – und verschweigt, dass (gemäß des Paulus-Wortes "Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir") lediglich das ichbezogene, negative Verhalten und Denken erkannt, bereut und bereinigt, also in Positives umgewandelt werden soll. Er suggeriert, dass der im Universellen Leben verwendete Begriff "unpersönlich" bedeute, dass die Persönlichkeit des Menschen aufgelöst werden solle – obwohl er genau weiß, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Inneren Weg ein selbstloses, ausgewogenes, nicht nur auf einzelne Personen bezogenes oder auf persönliche Vorteile bedachtes Verhalten anzeigt. Er suggeriert, dass es im Universellen Leben keine Gnade und Vergebung gebe – das Gegenteil ist der Fall. Er suggeriert, dass bereits den Kindern der urchristlichen Schule der "Innere Weg" gelehrt würde – obwohl dieser Weg erst im Erwachsenenalter (ab 18 Jahren) beschritten werden kann. Vor allem aber: Behnk hält über Jahre hinweg bis in die Gegenwart an seinen nachweislich falschen Darstellungen fest und gibt die falsche Münze seiner Verleumdungen weiter, obwohl er mündlich und schriftlich immer wieder auf die wahren Sachverhalte hingewiesen wurde. Von daher ist es gerechtfertigt, ihn als "Falschmünzer im Pfarrertalar" zu bezeichnen – und seinen Pfarrertitel, der ja ein gewisses moralisches Niveau nahe legen soll, mit Anführungszeichen zu versehen. Die Leitung der lutherischen Landeskirche in Bayern allerdings lobt ihn immer wieder wegen seiner "seelsorgerischen Arbeit" und befördert ihn zum Kirchenrat. Damit entlarvt sich auch hier der Wolf im Schafspelz.

Nun könnte man fragen: Wie bringt es ein Pfarrer, der die Bibel kennt, fertig, über Jahre hinweg gegen das achte Gebot zu verstoßen und seine Mitmenschen ganz offensichtlich wider besseres Wissen immer wieder böswillig zu verleumden? Ist ein solches Verhalten nicht dem Krankheitsbereich des schizophrenen Formenkreises zuzuordnen?

Die Antwort könnte lauten: Er hat als lutherischer Pfarrer nun mal gelernt, mit Gehirn zerreißenden Widersprüchen zu leben. Hubertus Mynarek stellt in seinem Buch Die neue Inquisition 469 dar, wie Behnk in seiner Promotionsarbeit 470 in den Abgrund des Gottesbildes Martin Luthers blickte: Ein willkürlicher, ja bisweilen grausamer Gott, der selbstherrlich beschließt, welcher Mensch zum Heil und welcher zur Sünde vorherbestimmt sein soll. Luther bestritt dem Menschen rundheraus den freien Willen – woraus man eigentlich folgern müsste, dass die Lehre Luthers mit dem deutschen Grundgesetz, das von der Selbstbestimmung des mündigen Bürgers ausgeht, nicht zu vereinbaren, also verfassungswidrig ist. Lutherische Theologen lernen, diese Widersprüche nun aber zu vertuschen, zu verdrängen. Genau das, was Luther dem Menschen abspricht: den freien Willen, spricht nun der berufsmäßige Verunglimpfer Behnk im Auftrag seiner Kirche den "Sekten"-Mitgliedern ab.

Damit der schwarze Sender schwarz bleibt: Urchristen anschwärzen

Mit seinem umfangreichen Arsenal an Verdrehungen und Verleumdungen tritt der Inquisitor Behnk nun jahrelang immer wieder in Aktion. Die Inquisition ist mehr oder weniger zu seinem Lebensinhalt geworden und dafür dient er seiner Kirche und dafür bezahlt sie ihn. Er versucht z.B. bei den Medien, bei Behörden, bei Politikern bestimmte Einrichtungen der Urchristen anzuschwärzen, etwa die Naturklinik (S. 294 ff.) oder die Schule (S. 356 ff.). Ein echter Rufmordbeauftragter kümmert sich aber auch um "kleinere Fische" – die "Ketzerei" muss auch in scheinbaren Kleinigkeiten bekämpft und beseitigt werden. Als etwa die Firma Gut zum Leben im Sommer 1996 beim Bayerischen Rundfunk Werbung für ihre Produkte ausstrahlen ließ, rief Behnk umgehend beim Sender an, um die weitere Ausstrahlung der Werbespots mit der Behauptung zu unterbinden, bei der Firma handle es sich um eine "Sekte", die neben dem Brotverkauf die Kunden auffordere, zu Veranstaltungen des Universellen Lebens zu kommen. Der staatliche Rundfunksender stornierte daraufhin für eine Woche die Ausstrahlung, bis er davon überzeugt werden konnte, dass er einer Lüge aufgesessen war: An den Marktständen der Firma wird niemand missioniert. Was Behnk natürlich wusste – die Stadt München hatte es auf eine Anfrage der CSU hin für den Viktualienmarkt eindeutig so festgestellt.

Doch Behnk gab sich noch lange nicht geschlagen: Er schrieb einen Brief an den Intendanten, der eine erneute Einstellung der Werbung zur Folge hatte. Kernstück der falschen Anschuldigungen in diesem Brief ist eine Zitatenmontage aus dem Brief eines Urchristen an Pfarrer Behnk: Der Urchrist hatte Behnk gefragt, wie er reagieren würde, wenn man z.B. über seine Frau öffentlich sagen würde, sie würde von ihrem Mann "skrupellos und eiskalt ausgenutzt. Sie ist nicht zur eigenen Meinung fähig und damit äußerst selbstmordgefährdet". Denn genau dies verbreitet Behnk immer wieder über die Urchristen. Behnk ließ jedoch den einleitenden Satz ("Würden Sie ruhig und gelassen bleiben, wenn ich folgendes in der Presse veröffentlichen würde?") einfach weg und tat so, als hätte der Urchrist ihn und seine Frau tatsächlich so beschimpft.

Das ist berechnender, kaltblütiger Rufmord: noch die eigene Entlarvung als Ausgangspunkt für die nächste Lüge zu nehmen. Behnk selber bezeichnet übrigens indirekt sein eigenes Verhalten in seinem Brief an den Intendanten als "kriminell" – indem er denjenigen, der solche "Familienhetze", wie sie ihm vorgeblich widerfahren sei, an andere weitergebe, als "kriminell" bezeichnet.

Erst mit Hilfe der Gerichte 471 war es schließlich nach Ablauf eines Jahres möglich, die Rundfunkanstalt dazu zu zwingen, den abgeschlossenen Vertrag einzuhalten. Doch Behnk brachte jetzt seinerseits den Sender dazu, am Tag der erneuten Ausstrahlung der Produktwerbung eine Meldung auszustrahlen, mit der die Werbung konterkariert wurde:
"Der Bayerische Rundfunk muss gegen seinen Willen einen Werbespot einer totalitären Sekte ausstrahlen. BR-Sprecher Tief sagte, der Sender sei durch ein Urteil des Oberlandesgerichtes München verurteilt worden, die Spots des Werbeträgers Gut zum Leben auszustrahlen. Dahinter stehe die Sekte Universelles Leben, die nach Einschätzung des evangelischen Sektenbeauftragten hilfesuchende Menschen abhängig machen und ihnen die Freiheit zu Kritik und Gewissensbildung nehmen will."

Es ist wie im Mittelalter: Wer die Anweisungen eines Inquisitors nicht befolgt, muss sich dafür rechtfertigen – weil er sonst unweigerlich selbst in die Schusslinie gerät. Dass ein solch geschäftsschädigendes Verhalten in das 20. Jahrhundert und in das heutige Vertragsrecht nicht hineinpasst und daher nicht wiederholt werden darf, musste wiederum durch einen Gerichtsbeschluss 472 festgestellt werden.

Nur nebenbei sei erwähnt: Die Gebäude des Bayerischen Rundfunks in München befinden sich scheinbar zufällig in unmittelbarer Nähe und teilweise in der gleichen Straße des Büros von Pfarrer Behnk, und neben dem Büro des Sektenbeauftragten liegt auch gleich das Büro des evangelisch-lutherischen "Beauftragten beim Bayerischen Rundfunk" - dem Filz von Staat und Kirche entspricht also auch die räumlich unübersehbare Nähe zwischen Kirche und öffentlich-rechtlichem Rundfunk. Die kirchlichen Beauftragten und ihre medialen Handlanger sind also nahezu Tür an Tür verbunden.

Ein "Pfarrer" als Arbeitsplatzvernichter

Wenn es der religiösen "Konkurrenz" schadet, schreckt ein Rufmordbeauftragter vom Schlage eines Pfarrer Behnk auch nicht vor der Vernichtung von Arbeitsplätzen zurück. Im Mai 1997 schafft er es, in der Fachzeitschrift Medical Tribune einen Artikel über die von Urchristen betriebene EDV-Firma EDV für Sie unterzubringen. Diese kleine Firma betreute unter anderem 400 Arztpraxen in Unterfranken – im Auftrag des Hannoveraner Software-Unternehmens Medi-Star. Unter der vielsagenden Überschrift Können Psychosekten in der Praxis-EDV spionieren? streut nun Medical Tribune, unter ausdrücklicher Zitierung Behnks, den Verdacht aus, die EDV-Fachleute könnten Daten aus den Arztpraxen zu Missionierungszwecken missbrauchen – wofür es keinerlei Anhaltspunkte gibt!

Nun beginnt das übliche Medien-Täuschungsspiel: Die Verdächtigung, die er selbst in die Welt gesetzt hatte, griff Behnk alsbald als scheinbare Nachricht von "unabhängiger", dritter Seite wieder auf und verbreitet die Anwürfe des Medical Tribune als Pressemeldung der evangelischen Landeskirche in Bayern, nicht ohne scheinheilig hinzuzufügen:
"Der Bayerische Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, Wolfgang Behnk, begrüßte die Aufklärungsarbeit von Medical Tribune. Behnk betonte, dass die Vorgänge nicht nur die Medizinerschaft, sondern gerade auch die Patienten betreffe. Immerhin ... handle es sich beim UL um ´Deutschlands gefährlichste Sekte` (Stern), die aufgrund gerichtlicher Entscheidungen als eine ´totalitäre` Organisation bezeichnet werden darf, durch die Hilfesuchende in geistige, psychische und materielle Abhängigkeit gebracht würden. ... Der von Medical Tribune vorgetragenen Sorge wegen möglicher ´EDV-Spionage` durch eine Psychosekte müsse ... durch geeignete Schutzmaßnahmen Rechnung getragen werden." 473

In einem Interview mit Antenne Bayern (25.5.1997) wird der "Pfarrer" deutlicher und erklärt, was er unter dem schön klingenden Wort "Schutzmaßnahmen" versteht: "... und da sollte sich die Ärzteschaft überlegen, ob sie solche Organisationen an die intimen Patienten- und Abrechnungsdaten heranlassen will."

Bezüglich der Ärzte hatte Behnk sich zwar verrechnet – sie vertrauten mit überwältigender Mehrheit ihren langjährigen Betreuern und hätten deren Dienste gerne noch länger in Anspruch genommen. Doch die durch Behnks Wühlarbeit losgetretene Presselawine überrollte die Software-Firma in Hannover, die aufgrund des kirchlich erzeugten öffentlichen Drucks schweren Herzens den Vertrag mit EDV für Sie kündigte. Zehn Mitarbeiter standen auf der Straße.

Der Versuch, von der Zeitschrift Medical Tribune und der lutherische Kirche für diesen Skandal wenigstens Schadensersatz zu bekommen, scheiterte an offenbar hochgradig kirchenhörigen Richtern. Während das Landgericht Hamburg Ende 1997 noch feststellte, dass es sich bei dem auslösenden Artikel "um schadensersatzpflichtige Geschäftsschädigungen handelt, da keinerlei Anhaltspunkte für den geäußerten Verdacht gegeben waren" 474, sahen das Oberlandesgericht Hamburg sowie zwei Münchner Gerichte 475 die fraglichen Verdächtigungen als "Meinungsäußerung" an. "Das Ergebnis dieser Rechtsauffassung", so der damalige Anwalt der Urchristen, "ist besorgniserregend: Wer von den Kirchen wegen seines Glaubens als gefährlich bezeichnet wird, sollte beruflich nicht mehr in ´hochsensiblen Bereichen` tätig werden, da ihn die Kirchen von dort ohne weiteres vertreiben dürfen." 476 Noch einige Aspekte dazu in dem Artikel Wer das falsche Gebetbuch hat, darf wirtschaftlich vernichtet werden.

Auch so kann man sein täglich Brot verdienen ...

Die Vernichtung von "ketzerischen" Arbeitsplätzen gehört sicherlich zu den besonderen Momenten im Arbeitsalltag eines Inquisitors. Wie sonst die tägliche Verleumdungs-"Arbeit" aussieht, kann man ein wenig anhand des folgenden Vorfalls erahnen, für den sich ein Zeuge verbürgt:

In einer südwestdeutschen Großstadt ist in der Stadthalle ein Vortrag über "Ganzheitsmedizin" angekündigt, den Ärzte der Naturklinik Michelrieth halten werden. Am Tag vor dem Vortragsabend klingelt bei dem für die Vergabe der Stadthalle zuständigen Beamten das Telefon. Es meldet sich ein Herr Behnk. Er wolle die Stadt "warnen": Hinter dem Vortrag stünde eine "gefährliche Vereinigung", das Universelle Leben. Auch die Bayerische Staatsregierung habe ihm das im Wesentlichen bestätigt.

Pfarrer Behnk hat in diesem Fall jedoch Pech: Der Beamte hatte über seine Sekretärin zufällig eine Sondernummer der Zeitung Der Christusstaat in die Hand bekommen, in welcher der fragliche Bericht der Bayerischen Staatsregierung – der keineswegs Behnks Verleumdungen bestätigte 477 – wörtlich abgedruckt war. Mehr als diese Lüge störte den Beamten jedoch das unangenehm fanatische und erregte Auftreten des Kirchenvertreters. Er schilderte hinterher, wie sehr ihn dieses unfaire Vorgehen betroffen gemacht habe.

Als der Beamte dem Kirchenvertreter nicht zu Willen war, versucht Behnk ihn einzuschüchtern. Er verlangt nun den Vorgesetzten, die Oberbürgermeisterin, zu sprechen. Doch die Stadt ließ sich nicht beirren – der Vortrag fand statt. Der Inquisitor jedoch wurde gereizt. Früher hätte er nun noch weitere "Register" ziehen können ...

Wenn man die Vielzahl von Fällen betrachtet, in denen den Urchristen – meist ohne Angabe von Gründen – Säle verweigert oder wieder abgesagt wurden (S. 405 ff.), so kann man erahnen, in wie vielen Fällen ein solches Vorgehen mehr Erfolg hatte.

In einem anderen Fall rastete Behnk gegenüber einem ihm unbotmäßigen Stadtoberhaupt sogar in aller Öffentlichkeit aus. Bei einem Vortrag in der Auferstehungskirche von Lohr am Main beschwerte sich Behnk im Juli 1997 öffentlich über den Marktheidenfelder Bürgermeister Leonhard Scherg, weil dieser eine Ansiedlung von Betrieben der Urchristen im Ortsteil Altfeld nicht verhindert habe 478. Als Bürgermeister Scherg klarstellt 479, dass die Grundstücke von privat verkauft wurden und die Stadt nach geltendem Recht keine Einspruchsmöglichkeit hatte, tritt Pfarrer Behnk in einem Leserbrief 480 noch einmal nach. Um Schergs angebliche Unfähigkeit zur Umsetzung kirchlicher Wünsche plakativ darzustellen, rühmt er die "informative" und "sachgerechte" Verhinderung der Ansiedlung der Urchristen auf dem Würzburger Heuchelhof (vgl. S. 220 ff.) – Ehrabschneider lieben eben solche Kampagnen! Scherg kündigte daraufhin eine Dienstaufsichtsbeschwerde 481 gegen Behnk bei der lutherischen Kirche an.

Landwirte als "Verfassungsfeinde" diffamiert

Besser auf der Kirchenlinie lagen die Landwirtschaftsämter Aschaffenburg/Karlstadt und Würzburg, als sie im März 1998 die Anträge zweier urchristlicher Bauernhöfe auf Fördermittel im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms ablehnten – indem sie sich auf die "wehrhafte Demokratie" beriefen und darauf, dass "Pfarrer" Behnk sich laut Gerichtsbeschlüssen im Rahmen der Meinungsfreiheit ungestraft über die angebliche psychische, materielle und geistige Abhängigkeit der Urchristen verbreiten dürfe. Tilmann Toepfer von der Main-Post (8.5.1998) drückte es so aus: "Die Landwirtschaftsämter argumentieren jetzt, die totalitäre Struktur des UL verbiete eine Förderung. ... Der Gleichheitsgrundsatz gehe nicht so weit, dass der Staat seine Feinde auch noch finanzieren müsse." In Focus Nr. 26/1998 stand zu lesen: "Bayerische Behörden zweifeln an der Verfassungstreue des Universellen Lebens ... Der Grundsatz der wehrhaften Demokratie gebiete es nicht, ´den Staat seinen Feinden auszuliefern.`"

So können also ökologische Landwirte, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, über Nacht zu "Staatsfeinden" werden – nur weil sich ein lutherischer Pfarrer seine Lügen und Verleumdungen von den Gerichten als "zulässige Meinungsäußerungen" absegnen lässt; und weil der demokratische Staat alles andere als "wehrhaft", sondern ganz im Gegenteil zu feige ist, den verfassungsfeindlichen Ausgrenzungsforderungen der Großkirchen energisch die Stirn zu bieten.

Wo es hingegen um kirchliche Vereinigungen geht, ist dasselbe Ministerium überaus großzügig. Jahrelang gewährte das Landwirtschaftsministerium den "katholischen Dorfhelferinnen" Subventionen in Millionenhöhe, obwohl es an einem "Verwendungsnachweis" fehlte, wie der Bayerische Rechnungshof kritisierte. Insgesamt kamen in dem erst 1999 aufgedeckten Skandal über 20 Millionen Mark an erschwindelten Zuschüssen und hinterzogenen Steuern zusammen. 482

Doch nicht immer erliegen staatliche Organe den kirchlichen Pressionen. Das Würzburger Verwaltungsgericht hob am 14.4.1999 die Ablehnungsbescheide der Landwirtschaftsämter auf, indem es auf Tatsachen hinwies, die den Behörden längst bekannt sein mussten: Dass das Universelle Leben nachweislich "kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes" ist. Dass es "keine Anzeichen dafür gebe, dass innerorganisatorische Grundsätze aus dem Bereich des Gemeinschaftslebens auf den staatlichen Bereich übertragen werden sollen." Dass "den bayerischen Behörden derzeit keine tatsächlichen Anhaltspunkte für politisch motivierte Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch das Universelle Leben vorliegen". 483 Aber was zählt das alles, wenn ein "Pfarrer" von der Medien-Kanzel sein Verdammungsurteil spricht?

Polizei schützt Rufschädiger

Eine weitere Studie weist nach 484, dass die irreführenden Behauptungen Pfarrer Behnks über die Urchristen ähnlich wie in diesem Beispiel auch in vielen anderen Fällen zu Rechtsverstößen und Diskriminierungen geführt haben: zu Saalabsagen, Anzeigen-Verweigerungen, zu Mobbing, Boykottaufrufen 485 bis hin zur Aufnahme des Universellen Lebens in staatliche "Sektenberichte". 486 Zahlreiche "Kollegen" Behnks verwenden seine vorgefertigten Zitaten-Collagen, so z.B. der Würzburger katholische Rufmordbeauftragte Alfred Singer, um damit über die Urchristen in öffentlichen oder handverlesenen Veranstaltungen herzuziehen. Andere Kollegen greifen die Verleumdungen bereitwillig auf und fügen ihnen neue hinzu – so wie Pastor Wolfgang Reich aus Norddeutschland, der sich 1993 auf dem Evangelischen Kirchentag in München bei einem Vortrag Behnks wie auf Bestellung zu Wort meldete und behauptete, er kenne jemand, der sein gesamtes Erbe in das Heimholungswerk habe einbringen müssen und der jetzt keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern haben dürfe. Obwohl es so etwas nicht gibt, antwortete Behnk, er erhalte "immer wieder" ähnliche Erfahrungsberichte. Als anwesende Urchristen den "Fragesteller" dazu aufforderten, Namen zu nennen und Beweise für diese Anschuldigung zu erbringen, wurde dies vom Publikum mit Gelächter quittiert. Als die Urchristen daraufhin die Polizei riefen, um wenigstens die Personalien des Anschwärzers feststellen zu lassen, wurde dies von anwesenden Kirchenvertretern in theatralischer Weise als "Einschüchterungsversuch" und "Einschränkung der freien Meinungsäußerung" bezeichnet – und der Evangelische Pressedienst verbreitete mit gespielter Empörung die Meldung, dass die Polizei "auf den Wink einer Sekte" reagiert habe. 487 (Solche "Winke" darf in unserem Staat eben nur einer geben: die Kirche!) Die Polizei kam zwar und nahm die Personalien des Verleumdungsgehilfen auf – doch die Urchristen erhielten sie nicht. Angeblich waren sie wenige Tage später bereits "unauffindbar". Die Kirche kann also beruhigt sein: Auch die Polizei spurt noch! Als der Name des Pastors zwei Jahre später durch Zufall bekannt wurde, war es für eine Klärung des Vorfalls längst zu spät.

Auch zahlreiche Journalisten wie z.B. Holger Reile vom Südkurier (5.1.1995) greifen Behnks Verleumdungen begierig auf und verbreiten ihre Artikel auch in anderen Zeitungen.

Doch der Ungeist in "Pfarrer" Behnk lässt diesem keine Ruhe. Wer durch die Abwertung anderer ständig Aufwertungs-Energie erhält, der leidet nicht selten unter einem Sucht-Phänomen. Wer anderen ständig vorwirft, zu keiner "Gewissensbildung" mehr fähig zu sein, der hat vermutlich sein eigenes Gewissen längst abgetötet. Wie anders ist es zu erklären, dass "Pfarrer" Behnk eines Tages in Pfarrerskleidung im Wohnort von Gabrieles Familie, der schwäbischen Kleinstadt Wertingen, auftaucht, um sich dort bei Verwandten nach den längst verstorbenen Eltern Gabrieles zu erkundigen. Will er immer neues Verleumdungsmaterial heranschaffen, neue Verdrehungen und Verdächtigungen konstruieren, will er noch weiter Karriere machen? Sein Verhalten hat jedenfalls zur Folge, dass Gabriele ihre nächsten Verwandten und das Grab ihrer Eltern nicht mehr besuchen kann, weil ihre Verwandten endlich Ruhe vor den ständigen Anfeindungen und Gesprächen haben wollen. Auch das ist "Pfarrer" Behnks Werk, bis heute gedeckt von seinen kirchlichen Vorgesetzten, den jeweiligen bayerischen Landesbischöfen Johannes Hanselmann (bis 1994), Hermann von Loewenich (1994-1999), Johannes Friedrich (1999-2011) und Heinrich Bedford-Strohm (2011-2014).

Fußnoten:

445  Karl Jaspers, "Der philosophische Glaube", 9.Aufl. 1988, S. 73
446  Main-Post, 15.6.1991
447  Main-Post, 17.6.1991
448  Main-Post, 15.6.1991
449  Evangelischer Monatsgruß Würzburg, November 1991
450  epd, 7.4.1993
451  Nürnberger Nachrichten, 12.2.1992
452  Evangelisches Sonntagsblatt Bayern, 18.4.1993
453  September 1940
454  Göttinger Tageblatt, 22.4.1993
455  Main-Post, 13.10.1993
456  Bei der Gründungsversammlung von "Bürger beobachten Sekten" (S. 307) am 15.12.1994 verstieg sich Behnk sogar zu der Behauptung, die Urchristen würden "möglicherweise sogar für den nächsten
            Sektenmord verantwortlich"  sein (Fränkische Nachrichten, 16.12.1994)
457  vgl. S. 265
458  Bayern 2, 22.4.1993
459  Antenne Bayern, 1.7.1993
460  vgl. Johannes 16, 33: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden" oder Römer 12,22: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."
            Weitere Stellen in: Der Christusstaat Nr. 8/1993
461  siehe hier das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 4.4.1995 - vgl. auch Urteil des Landgerichts Hamburg vom 12.11.2003 und Urteil des Landgerichts Berlin vom 15.6.2004"
462  Main-Echo, 15.4.1994
463  Süddeutsche Zeitung, 7.8.1996
464  epd, 7.1.1996
465  Evangelisches Sonntagsblatt Bayern, 21.3.1993
466  Radio FFH, "Radiomarkt", 10.1.1994
467  Stuttgarter Nachrichten, 19.4.1996
468  Näheres hierzu: Hubertus Mynarek, Verrat an der Botschaft Jesu, Verlag Das Wort Rottweil 1986
469  S. 156 ff
470  Wolfgang Behnk, "Contra Liberum Arbitrium – Pro Gratia Dei. Willenslehre und Christuszeugnis bei Luther und ihre Interpretation durch neuere Lutherforschung", 1982, siehe dazu http://theologe.de/theologe1.htm
471  Oberlandesgericht München, 9.7.1997
472  Landgericht München, 27.8.1997
473  Pressemitteilung vom 18.5.1997, zitiert nach "Luthers totalitäres Regime vor Gericht", Verlag Das Weisse Pferd, S. 50
474  Luthers totalitäres Regime vor Gericht, Verlag Das Weisse Pferd, S. 54
475  Landgericht München I, Oberlandesgericht München
476  Luthers totalitäres Regime vor Gericht, Verlag Das Weisse Pferd, S. 56
477  S. 357 f.
478  Main-Echo, 10.7.1996
479  Main-Echo, 13.7.1996
480  Main-Echo, 15.7.1996
481  Main-Echo, 17.7.1996
482  Süddeutsche Zeitung, 4.2.1999, Stuttgarter Zeitung, 5.2.1999
483  Luthers totalitäres Regime vor Gericht, Verlag Das Weisse Pferd, S. 66 ff
484  ebenda, S. 64 ff
485  zu den Auswirkungen der Verhetzung siehe S. 404 ff.
486  vgl. S. 379 ff.
487  z.B. Kitzinger Zeitung, 12.6.1993

 



2
Eine urchristliche Schule? Das darf nicht sein!

Fünf Jahre lang kämpften Urchristen um die Anerkennung einer Privaten Weltanschauungsschule, bis sie endlich gemäß der Gesetze genehmigt wurde, weil alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Doch dann kam 1991 Dr. Wolfgang Behnk und entfesselte im Namen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ein Kesseltreiben, um die Schule wieder kaputt zu machen. Und obwohl er auch hier "alle Register zog", ist die staats- und gesetzestreue Schule seither erfolgreich und bei Eltern und Kindern gleichermaßen beliebt. Im Anhang eine Ergänzung über Vorfälle in der evangelischen Kirche, zu denen die lutherischen Sektenbeauftragten schwiegen.

Für eine lebendige Glaubensgemeinschaft ist es selbstverständlich, auch für die Erziehung der Kinder eine eigene Alternative zu entwickeln und anzubieten. Schon Mitte der achtziger Jahre begannen die Urchristen, eigene Erziehungseinrichtungen aufzubauen. Dies ist z.B. bei Kindergärten von den rechtlichen Anforderungen her (Fachpersonal usw.) nicht allzu schwierig. Die Behörden hatten kaum die Möglichkeit, dies zu verweigern.

Von Anfang an wurde jedoch klar, dass solche Einrichtungen der Kirche ein Dorn im Auge waren. Als die Urchristen in Würzburg einen ersten Kindergarten eröffneten, brach der Würzburger Vertreter des Evangelischen Pressedienstes, Gerhard Lenz 488, im katholischen Fränkischen Volksblatt 489 (1.2.1986) sogleich eine Kampagne vom Zaun. In einem fast ganzseitigen Artikel berichtet er ausführlich über "personelle Verflechtungen" zwischen dem Verein "Kinderland e.V." und den Urchristen. Der Würzburger Sozialreferent Peter Motsch nimmt Anstoß daran, dass man ihn vor Erteilung der vorläufigen Betriebsgenehmigung über diese Verbindung im Unklaren gelassen habe – obwohl dies an den rechtlichen Voraussetzungen nicht das Geringste ändert! Aber ein "Ketzer" hat eben seinen Glauben überall zu offenbaren ...

Schul-Antrag auf der langen Bank
Hinhaltetaktik und Schikanen bis zuletzt
Eine Schule mit familiärer Atmosphäre
Pfarrer Behnk bläst zur Treibjagd auf die Christusschule
"Der Staat ist nicht der Büttel der Sektenbeauftragten"
Politiker werden aufgehetzt
Hierzu schwiegen die Sektenbeauftragten

Die Regierung von Unterfranken beanstandet laut Volksblatt, dass der Kindergarten "inmitten vielbefahrener Bundesstraßen in einem Gewerbegebiet" liege. Dass das betreffende Gebäude – ein einstöckiges Haus – in einem geschützten, begrünten Hof liegt, von den umgebenden Straßen durch mehrstöckige Gebäude abgeschirmt, verschweigt Lenz nicht nur: Er bringt auch noch ein völlig irreführendes Foto, auf dem er nicht den Kindergarten, sondern einen angrenzenden Parkplatz samt einem Müllbehälter mit leeren Flaschen zeigt. Und am Ende des Artikels fordert er die Leser unverblümt zum Boykott des Kindergartens auf – denn diese könnten ja sonst angesichts der in diesem Stadtteil fehlenden Kindergartenplätze auf die Idee kommen, dort ihre Kinder hinzuschicken: "Sollte der behördenintern so umstrittene Kindergartenland-Kindergarten am Europastern offiziell seinen Betrieb aufnehmen, müssten sich interessierte Grombühler Eltern hier wohl einige Fragen stellen." Hauptsächlich wohl die Frage, ob ein Katholik oder Protestant eine von der katholischen Zeitung offiziell als "ketzerisch" gebrandmarkte Einrichtung benützen darf, ohne selbst in Ketzerverdacht zu geraten.

Schul-Antrag auf der langen Bank

Die "Versuchung" blieb ihnen in diesem Fall erspart. Die urchristlichen Eltern fanden sehr bald andere Standorte für ihre Kindergärten außerhalb der Stadt. 490 Und noch im selben Jahr (am 24.10.1986) stellten sie bei den zuständigen Behörden den Antrag, eine private Weltanschauungs-Schule einrichten zu dürfen. Diese Möglichkeit ist sowohl im Grundgesetz 491 als auch in der Bayerischen Verfassung 492 ausdrücklich vorgesehen. Doch die Regierung von Unterfranken lehnte auf Anweisung des Bayerischen Kultusministeriums diesen ersten Antrag im Sommer 1988 ab. Die Urchristen machten von ihrem Recht auf Akteneinsicht Gebrauch – und stellten mit Erstaunen fest, dass die Regierung von Unterfranken sich bei ihrer "Urteilsfindung" zum großen Teil auf ein "Informations"-Dossier des Bischöflichen Ordinariats Würzburg gestützt hatte! Als offizielle Begründung wurde allerdings nur angegeben, dass die organisatorische "Verfestigung" des Universellen Lebens für das Betreiben einer Schule nicht ausreichend sei.

Zum Skandal wird diese Ablehnung, wenn man von zwei Vorgängen Kenntnis hat, die gleichzeitig am 5. September 1988 stattfanden: Am selben Tag, als das Kultusministerium in München der Regierung von Unterfranken die Weisung erteilt, den Antrag der Urchristen abzulehnen, genehmigt die Regierung von Oberbayern einen anderen Antrag zur Errichtung einer Privatschule: einer kirchlichen. Antragsteller ist die "Integrierte Gemeinde" in Walchensee. Hier ist der Ablauf genau umgekehrt wie im Fall der Urchristen: Das Kultusministerium hebt sogar einen Ablehnungsbescheid der Regierung von Oberbayern auf. Bischof Stimpfle aus Augsburg hatte sich persönlich für diesen Antrag eingesetzt 493 – so wie sich, im umgekehrten Fall, der Würzburger Bischof Scheele gegen den urchristlichen Antrag eingesetzt hatte.

Da weiß man also, wer in Bayern für politische Entscheidungen, vor allem auf dem Gebiet der Erziehung, wirklich "zuständig" ist. Eine katholische Schule* wird sofort genehmigt – eine urchristliche Schule wird mit fadenscheiniger Begründung abgelehnt.

Doch die urchristlichen Eltern lassen sich nicht einschüchtern. Einige von ihnen fahren mit ihren Kindern nach München und finden Kultusminister Zehetmair in seinem Amtsgebäude. Dieser reagiert jedoch beleidigt und verlässt den Raum. Die Urchristen machen wieder einmal die Erfahrung, was es bedeutet, eine kirchlich beeinflusste Öffentlichkeit gegen sich zu haben: Normalerweise werden derartige Aktionen mit Kindern von der Presse positiv aufgegriffen. Doch die Bild-Zeitung (6.9.88) macht aus dem Vorgang die Schlagzeile: "Sekten-Kinder besetzten Ministerbüro – von ihren radikalen Eltern zu Polit-Aktion missbraucht." Der "Sekten-Spezialist" Pfarrer Haack wird zitiert: "Es ist gut, dass das Ministerium den Schulbetrieb nicht erlaubt hat."

Den Urchristen bleibt einmal mehr nur der Klageweg. Doch der kostet Zeit und Geld. Zwei Jahre müssen die Vertreter des Schulvereins "Ich helfe dir" auf die erste Verhandlung warten. Und siehe da: Am 16. August 1990 entscheidet das Verwaltungsgericht Würzburg, dass die Regierung von Unterfranken verpflichtet wird, den Urchristen die Genehmigung zum Betrieb einer privaten Grund- und Hauptschule zu erteilen. Für eine Ermessensentscheidung der Behörden sei "bei der gegebenen Verfassungslage kein Raum". Der Staat sei nicht nur zu religiös-weltanschaulicher Neutralität verpflichtet, es sei ihm auch verwehrt, eine "inhaltliche Qualitätsprüfung von Religions- und Weltanschauungsinhalten vorzunehmen, bestimmte Bekenntnisse zu privilegieren oder den Glauben oder Unglauben seiner Bürger zu bewerten". Das Grundrecht auf Gleichbehandlung (Art. 4 Grundgesetz) schütze "nicht nur die großen christlichen Kirchen, sondern auch alle anderen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften und Gruppierungen".

Die Urchristen hatten in diesem Verfahren ein Gutachten des Religionswissenschaftlers Prof. Hubertus Mynarek vorgelegt zu der Frage, ob das Universelle Leben eine Weltanschauung im Sinne der Verfassung sei. Nach Aussage Prof. Mynareks kann daran kein Zweifel bestehen: Im Universellen Leben seien "alle Strukturelemente, die zu einer Weltanschauung gehören, konsequent und logisch aus dem obersten Seins-Prinzip abgeleitet". Mynarek bestätigte in seinem Gutachten auch, dass das Universelle Leben eine christliche Weltanschauungsgemeinschaft ist.

Das Ergebnis des Gerichtsprozesses ist eine Blamage für einen Staat, der den Grundsatz der Gleichbehandlung aller Bürger vor aller Augen missachtet hatte. Wer nun angenommen hatte, dass dieser Staat eine offenbar längst überfällige Korrektur seiner Haltung gegenüber religiösen Minderheiten vornehmen würde, sah sich getäuscht: Kultusminister Zehetmair fuhr wenige Tage nach dem Würzburger Urteil in Urlaub und ließ verlautbaren, man müsse vor einer Genehmigung zunächst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Das neue Schuljahr beginnt in Bayern im September – und die räumlichen Voraussetzungen für einen provisorischen Schulbeginn im Jahr 1990 waren vorhanden! Sogar die Main-Post (21.8.1990) schüttelte über eine solche Gleichgültigkeit gegenüber den Rechten unbescholtener Bürger den Kopf: "Der Kampf dieser Menschen gegen die Windmühlen von Staat und Kirche ist noch nicht ausgestanden. ... Den Grund dafür versteht eigentlich keiner mehr." Auch die Aufforderung der Urchristen an Ministerpräsident Max Streibl, ein "Machtwort" zugunsten einer religiösen Minderheit zu sprechen 494, verhallt ungehört. Als Minister Zehetmair kurz vor Schulbeginn an einer Tagung in Würzburg teilnimmt, stehen urchristliche Eltern und Kinder vor dem Hotel Rebstock, um mit ihm zu sprechen und ihre Entschlossenheit für eine eigene Schule zu bekräftigen. Doch Zehetmair entschwindet durch den Hinterausgang.

Hinhaltetaktik und Schikanen bis zuletzt

Das Bayerische Kultusministerium erteilt keine Schulgenehmigung, sondern geht in die Berufung – eine reine Hinhaltetaktik, denn neue Argumente hatten die Behörden nicht vorzubringen. Dies bestätigte sich am 24. Juli 1991: Der Verwaltungsgerichtshof in München bestätigt das Ersturteil. Eine wesentliche Rolle spielen in der Berufungsverhandlung die Glaubensinhalte des Universellen Lebens, die in den Büchern des Inneren Weges und in dem umfassenden Offenbarungswerk "Das ist Mein Wort" 495 niedergelegt sind. Auf der Grundlage eines ausführlichen Berichtes über den Glauben, das Denken und Leben der Urchristen kommt das Gericht zu dem Schluss, dass der Einwand einer "mangelnden Verfestigung" nicht stichhaltig ist, dass daher die Voraussetzungen zum Betreiben einer Schule erfüllt sind.

Doch die Urchristen kennen inzwischen ihre Pappenheimer. Noch im Gerichtssaal beantragen sie, das Gericht solle die Genehmigung mittels einer einstweiligen Anordnung erteilen, um einer weiteren Verzögerungstaktik den Riegel vorzuschieben.

Die erweist sich tatsächlich als notwendig. Das neue Schuljahr 1991 beginnt am 12. September, ohne dass eine Genehmigung vorliegt. Die Regierung von Unterfranken lässt verlauten, sie warte noch auf eine Stellungnahme aus dem Kultusministerium. Die schriftliche Urteilsbegründung sei dort noch nicht eingetroffen. Die Kinder, die sich schon auf ihre neue Schule gefreut haben, müssen also noch einmal den Gang in die Regelschulen antreten. Doch einige der Eltern lassen ihre Kinder zu Hause, weil die ihnen rechtmäßig zustehende Genehmigung doch jeden Tag eintreffen müsste. Als die Behörden nun mit Bußgeldern drohen, kommen die Kinder zwar in die Schule, verweigern aber zum Teil die Mitarbeit im Unterricht: Sie wollen in die Christusschule. Statt sich für die Schikanen seiner Behörde zu entschuldigen, beklagt sich Abteilungsleiter Jürgen Röhling von der Regierung von Unterfranken über "massiven Psychoterror", dem seine Behörde ausgesetzt sei. Offenbar ist man es auf Seiten des Staates nicht gewohnt, dass Eltern mit legalen Mitteln für ihre verfassungsmäßigen Rechte eintreten.

Erst am 23. September 1991 hat das Warten ein Ende: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof erlässt eine einstweilige Anordnung, wonach der Betrieb der Schule unverzüglich aufgenommen werden kann. Fast genau fünf Jahre haben die Urchristen für etwas kämpfen müssen, was kirchlichen Antragstellern in den Schoß zu fallen pflegt: eine eigene Schule. Es ist die erste und unseres Wissens bisher einzige private Weltanschauungsschule in Deutschland. 496

Das Presse-Echo lässt jedoch bereits erahnen, wie sehr dieser Durchbruch die Großkirchen in Rage bringt. Von "Kaderschmiede für die Glaubensgemeinschaft" 497 ist da die Rede; im Rheinischen Merkur (30.8.1991) macht Werner Thiede, Theologe und Mitarbeiter der "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen", Stimmung gegen die neue Schule, noch ehe sie den ersten Tag in Betrieb war: Die Lehre des Universellen Lebens sei "gefährlich" für Kinder, Geschichten von Elfen und Wichteln seien "fragwürdige Weltbildelemente" – hat da der Staat, so Thiede, nicht "einen Schutzauftrag auch für noch unmündige Schulkinder"?

Von einem Schutzauftrag des Staates für das verfassungsmäßig verbriefte Recht der Eltern, über die Erziehung ihrer Kinder im Rahmen der Gesetze selbst zu entscheiden, spricht Thiede nicht. Das müssen die Eltern sich schon selbst gegen den Staat vor den Gerichten erkämpfen.

Eine Schule mit familiärer Atmosphäre

Der Kampf sollte noch weitergehen. Zunächst aber wird der Schulbetrieb in Esselbach (Landkreis Main-Spessart) in einer ehemaligen Kleiderfabrik aufgenommen, die von Eltern und Freunden der Schule in liebevoller Kleinarbeit renoviert wurde und die den Kindern eine Atmosphäre bietet, in der sie sich wohlfühlen können. Noten gibt es erst in den höheren Klassen. Die Lehrer lassen sich mit "Du" anreden, legen viel Wert auf gezielte Einzelförderung und soziales Lernen: Ältere Schüler helfen jüngeren, jeder übernimmt reihum kleinere Aufgaben wie Aufräumen, Putzen, Abspülen. Von Anfang an wird in der Schule, die allen Kindern der Umgebung offen steht, eine Ganztagesbetreuung angeboten mit gemeinsamem (vegetarischen) Mittagessen, mit Sprach-Wahlfächern, Arbeitsgemeinschaften und Freizeitangeboten; später kommt eine eigene Musikschule hinzu – all dies zu einer Zeit, in der die PISA-Studie 498 und der Ausbau der Ganztagesbetreuung unter Kultuspolitikern, Lehrern und Eltern noch nicht in aller Munde waren. Besonderer Wert wird auf frühe berufliche Orientierungsmöglichkeiten gelegt: regelmäßige Praktika in Betrieben nach Wahl der Schüler, wo sie sich spielerisch mit den Aufgaben des Berufslebens vertraut machen können.

Das Ergebnis gibt der neuen Schule recht: Beim "Qualifizierenden Hauptschulabschluss" nach Abschluss der 9. Schulklasse erreichen hier regelmäßig prozentual wesentlich mehr Schüler den notwendigen Notendurchschnitt von 2,5 als Schüler anderer Schulen – was allerdings auch damit zusammen hängt, dass weniger Schüler nach der vierten Klasse direkt an Gymnasien oder Realschulen wechseln. Dieser Weg steht heute auch nach dem Hauptschulabschluss jedem Jugendlichen offen. Viele der Schulabgänger der Christusschule machen zunächst das freiwillige zehnte Schuljahr, wobei sie von den Lehrern der zuständigen staatlichen Schulen wegen ihrer Motivation, Selbständigkeit und Aufgewecktheit meist gerne aufgenommen werden.
Die Schüler werden nach den in Bayern üblichen Lehrplänen unterrichtet; dies wird von den Behörden regelmäßig überprüft, ohne dass je irgend welche Beanstandungen festgestellt worden wären. Seit die Schule offiziell genehmigt wurde, normalisierte sich trotz der Anlaufschwierigkeiten das Verhältnis zwischen Behörden und Schulleitung rasch: Wen bayerische Behörden einmal unter ihre Fittiche genommen haben, den behandeln sie in der Regel ordnungsgemäß – und beschützen ihn bei Bedarf sogar gegen unsachgemäße Angriffe von Seiten der Kirche und ihrer Helfershelfer.

Pfarrer Behnk bläst zur Treibjagd auf die Christusschule

Dies muss auch "Pfarrer" Wolfgang Behnk erfahren, als er 1994 zur Treibjagd auf die Schule bläst. In Kreuzwertheim 499 suggeriert er seinen Zuhörern in einer öffentlichen Veranstaltung laut Zeitungsbericht 500, "die Schule des Universellen Lebens sei grundgesetzwidrig, weil hier der Art. 2 des Grundgesetzes missachtet werde, der die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiere. Er wollte dies mit den Zielen des Universellen Lebens belegen, zu denen der ´Abbau alles Individuellen, aller familiären und persönlichen Bindungen, letztlich des Menschseins` 501 gehöre. Es sei besonders problematisch, Kinder ´einem Entpersönlichungs- und Entsozialisierungssystem auszusetzen`."

Bereits im August 1994, als der Schulverein die Erweiterung der Grundschule auf die neunklassige Grund- und Hauptschule ankündigte, hatte Behnk geschäumt: "Das ist keine kindergerechte Erziehung, sondern ideologische Indoktrination." 502 Die Kirche schließt auch hier wieder nur zu gern von sich auf andere.

Doch gerade einem besonders eifrigen Inquisitor kann es passieren, dass er bei seiner zwanghaften Verleumdungsarbeit auch einmal über die eigenen Füße stolpert. Behnk hatte im April 1994 offenbar die guten Kontakte seines Vorgängers Haack zu bayerischen CSU-Politikern 503 wieder aufgewärmt und drei CSU-Landtagsabgeordnete mit seinen Verleumdungen versorgt. Christian Will (Würzburg), Karl Freller 504 (Schwabach) und Markus Sackmann (Roding) reichten bei der Bayerischen Staatsregierung eine umfangreiche Anfrage ein, betreffend "Verbreitung des Sektenwesens in Bayern; hier: Heimholungswerk – Universelles Leben". Eine der gestellten Fragen betraf auch die Schule: Mit welcher Legitimation sie errichtet sei und ob staatliche Kontrolle möglich sei.

Einmal abgesehen davon, dass bereits der gesamte Fragenkatalog ein im Grunde verfassungswidriger Ausforschungsantrag gegen unbescholtene Bürger ist: Die gestellten Fragen erlauben zudem einen Einblick in die offenkundige intellektuelle Beschränktheit der agierenden gewählten Volksvertreter. Vom Gerichtsverfahren, das den Staat zwang, die Schule zu genehmigen, hatte jeder aufmerksame Zeitungsleser Kenntnis. Und dass auch eine Privatschule staatlicher Aufsicht unterliegt, gehört zum Grundwissen jedes Kulturpolitikers. Dementsprechend kurz angebunden war die Antwort der Regierung auf die zweite Frage, die, wie alle Antworten, Ende Februar 1995 veröffentlicht wurde:

"Als genehmigte private Volksschule unterliegt auch diese Weltanschauungsschule der staatlichen Schulaufsicht, die sehr sorgsam darüber wacht, dass der Unterricht den gesetzlichen Vorgaben entsprechend erteilt wird. Auffälligkeiten haben sich bisher nicht ergeben."

Solche nüchternen, entlastenden Antworten ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten 16-seitigen Bericht, an dessen Formulierung sechs bayerische Ministerien 505 beteiligt waren. Es gibt nach Auskunft der Regierung weder einen Anlass, das Universelle Leben durch den Verfassungsschutz zu beobachten noch "Erkenntnisse über rechtsextreme Veröffentlichungen bzw. Aktivitäten ... Es bestehen derzeit keine Erkenntnisse darüber, dass aus der religiösen Grundeinstellung des ´Universellen Lebens` heraus eine Bestrebung gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, insbesondere gegen die Menschenrechte, verfolgt würde." Genau das hatte Behnk aber in Bezug auf die Schule behauptet! Es gebe auch "keine Anhaltspunkte, ... dass das Universelle Leben die innerorganisatorischen Grundsätze aus dem Bereich des Gemeinschaftslebens heraus auf den staatlichen Bereich übertragen will". Auch Erkenntnisse über "Repressalien gegen Aussteiger" liegen nicht vor.

"Der Staat ist nicht der Büttel der Sektenbeauftragten"

Der Bericht der Bayerischen Staatsregierung über das Universelle Leben erweist sich als Bumerang für den lutherischen Sektenpfarrer – und als Rehabilitierung der Urchristen 506. Im Mittelalter hätte spätestens jetzt der Inquisitor die unbotmäßigen Landesherren exkommuniziert und sie für vogelfrei erklärt. Im 20. Jahrhundert bleibt ihm immerhin noch die Presse. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Berichts der Staatsregierung berichtet die Katholische Nachrichtenagentur:

"Der Sektenbeauftragte ... Wolfgang Behnk hat erneut vor der Gruppierung ´Universelles Leben` gewarnt und ihr ´grundgesetzwidrige, demokratiefeindliche Ideologie und Praxis` vorgeworfen. Energisch wandte sich Behnk gegen die Darstellung des Bayerischen Kultusministeriums, wonach es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass das UL die Demokratie gefährde und gegen Menschenrechte verstoße. ... Behnk legte Zehetmair insgesamt 20 ´Dokumente` vor, die nach seiner Ansicht ´sehr wohl massive sachliche Anhaltspunkte` für eine Gefährdung der Demokratie durch das ´Universelle Leben` geben." 507

Diese "Dokumente" waren allerdings nur die weidlich bekannten (und in Kap. 3, S. 310 ff. widerlegten) Verleumdungen und Verdrehungen, die Behnk bei solchen Gelegenheiten immer aus der untersten Schublade zu ziehen pflegt.
Minister Zehetmair betonte demgegenüber, der Staat sei an die weltanschauliche Neutralität gebunden – und deshalb sei der Staat auch nicht "der Büttel der Sektenbeauftragten". 508 Wie sehr muss die Kirche einen konservativen Minister wohl bedrängt und genervt haben, ehe er einen solchen Ausspruch tut?

Doch bei der Verfolgung Andersgläubiger hat die Kirche einen langen Atem. Werner Thiede 509 äußert jetzt im Materialdienst der EZW (8/1995) die "Hoffnung", dass "nunmehr das bayerische Kultusministerium die Schule des UL einer erneuten Überprüfung unterziehen wird, die sich am Kriterium der Verfassungsgemäßheit orientiert."

Die bayerischen Schulbehörden reagieren auf diesen Druck, der sicher nicht nur von dieser kirchlichen Stelle ausgeht, indem sie ohne Vorankündigung eine zusätzliche, besonders ausführliche Visitation durchführen. Das Ergebnis ist jedoch wiederum positiv – insbesondere wird die "Zwanglosigkeit", die "Sprachgewandtheit" und die "Reife" der Schüler hervorgehoben.

Das hindert Behnk aber nicht, Anfang 1996 erneut die Schließung der urchristlichen Schule zu fordern, weil die Gerichte ihm die Meinungsäußerung erlaubt hätten, dass diese Schule "grundgesetzwidrig" sei. Dass in einem Rechtsstaat die Behörden nicht aufgrund der bloßen Meinung eines Pfarrers einen solchen Schritt tun können – damit vermag ein Inquisitor mit seiner menschenfeindlichen Denkstruktur offenbar kaum zurechtzukommen.

Politiker werden aufgehetzt

Behnk hat wohl nicht damit gerechnet, dass Behörden – zumal in Bayern – ebenfalls über einen langen Atem verfügen. Wer eine von ihnen beaufsichtigte Einrichtung angreift, der unterstellt gleichzeitig den Behörden, nicht gut gearbeitet zu haben – und bringt sie damit gegen sich auf. Weniger Skrupel, den Anwürfen kirchlicher Eiferer zumindest verbal entgegenzukommen, haben auf Wählerstimmen spekulierende Politiker – bis hinauf zum Ministerpräsidenten. Als Edmund Stoiber im Februar 1996 nach Lohr kommt, sitzen die Inquisitions-Handlanger Thomas Müller und Hans-Walter Jungen in der ersten Reihe und fragen ihn, ob er "gegen das Universelle Leben endlich so energisch vorgehen wolle wie gegen die ´Scientology Church` oder ob ´bayerische Sekten Privilegien genießen`". 510 Stoiber "bedauerte", so ein Zeitungsbericht, dass man bezüglich der Schule vor Gericht unterlegen sei, obwohl man "alles versucht" habe, um die Gründung dieser Schule zu verhindern. "Der Kampf müsse aber weitergeführt werden, er betrachte die Urteile nicht als ´Tatsachen für alle Zeiten`". 511 Stoiber wolle "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die private Volksschule der Sekte ´Universelles Leben` vorgehen." 512

Spricht so ein verantwortungsbewusster Politiker, der sich der Neutralitätspflicht des Staates bewusst ist?

Ermutigt durch solche Stimmen, macht Behnk einen erneuten Vorstoß zur Schließung der Schule, diesmal beim Bayerischen Innenministerium 513, weil er beim Kultusminister offensichtlich auf Granit beißt. Zehetmair hatte zuvor die Einladung zu einem persönlichen Besuch in der Schule dankend abgelehnt:

"Die Ergebnisse der Unterrichtsbesuche sind dem Staatsministerium bekannt und werden hier nicht bezweifelt. Das Ministerium ... weiß die Ausübung bei der zuständigen Regierung von Unterfranken in den besten Händen."

Behnk erreicht, dass der zuständige Abteilungsleiter der Regierung von Unterfranken, Jürgen Röhling, persönlich in die Schule kommt. Doch das Ergebnis ist wiederum nicht nach Behnks Geschmack: "Das Gebäude und die sonstigen sachlichen Voraussetzungen ... sind sehr positiv zu bewerten. ... Die pädagogisch durchwegs sehr ansprechend gestalteten Klassenzimmer sind durch eine wohnliche Atmosphäre gekennzeichnet. ... Die Schüler machen in allen Jahrgangsstufen einen fröhlichen, freundlichen und disziplinierten Eindruck. Die Information durch die Schulleitung erfolgte bereitwillig und ohne Vorbehalte", so der Regierungsbericht. 514

Minister Zehetmair wird nun von seiner eigenen Partei angegriffen. Vorneweg der junge "Wadlbeißer" Markus Sackmann, über den die Mittelbayerische Zeitung schreibt:: "Dass diese Vereinigung mit staatlichen Zuschüssen eine Volksschule betreiben kann, übersteigt das Rechtsverständnis des Rodinger CSU-Abgeordneten Markus Sackmann." 515 Weil dieses "Rechtsverständnis" offenbar in der Zeit Josef Filsers 516 stehen geblieben ist. "Das Ministerium traut sich nicht an die Sache ran", tönt Sackmann; Minister Zehetmair scheue "offenbar die offensive Auseinandersetzung mit dubiosen religiösen Bewegungen". Sackmann bringt einen Antrag auf erneute Überprüfung der Schule in den Kulturausschuss des Landtags ein. Die SPD spricht ganz richtig von einem "Misstrauensantrag" der CSU gegen die Regierung von Unterfranken. Karl Freller (CSU) wirft der SPD vor, sie "schweige" zum Thema "Sekten". 517

So ist das bei der Inquisition: Wer nicht mit auf die "Ketzer" einschlägt, der macht sich selbst verdächtig.

Die Christusschule lädt daraufhin sämtliche Abgeordneten des Bayerischen Landtags in die Schule ein – doch keiner kommt. Die Kultusbeamten hingegen rücken wieder an, untersuchen die wohl bestuntersuchte Schule Bayerns ein weiteres Mal, lassen sich auch die Schulhefte zeigen und stellen fest: "In den Vorbereitungsunterlagen, den Schülerheften und im Unterricht konnten keine Hinweise darauf gefunden werden, dass verfassungsrechtlich bedenkliche Inhalte vermittelt werden." 518

Spätestens jetzt müsste einem unbefangenen Betrachter klar geworden sein, dass sich der "Sektenpfarrer" Behnk mit seinen Warnungen vor angeblichen Gefahren der urchristlichen Schule auf einer rein ideologisch-theoretischen Ebene bewegt und dabei die Tatsachen auch noch verdreht, während praktische Untersuchungen vor Ort jedes Mal das Gegenteil erbringen. Doch Politiker wie Sackmann sind nicht an Erkenntnissen oder Tatsachen interessiert. Wollen sie sich mit der "Sekten"-Hatz profilieren? Im Auftrag von Sackmann fertigt Behnk nun als nächste Attacke ein "Gutachten über die Verfassungswidrigkeit der Grund- und Hauptschule der Organisation ´Universelles Leben`" an, das im Juni 1997 bei einem öffentlichen Hearing der CSU-Fraktion vorgestellt wird und anschließend innerhalb der Staatsregierung kursiert, ohne dass die Urchristen Einblick in dieses Kirchenpapier erhalten. Bei diesem CSU-Hearing darf auch der Frankfurter Rufmordbeauftragte Kurt-Helmuth Eimuth (S. 325 f.) seine Thesen über die angebliche Gefährdung von Kindern in Sekten, insbesondere im Universellen Leben, dem Publikum vorstellen. Auch er hat im Gegensatz zu den Kultusbeamten nie eine Erziehungseinrichtung der Urchristen von innen gesehen, geschweige denn mit einem der Kinder gesprochen. Behnk fordert erneut, etwa im November 1997, die Schließung der Schule: Dass Kontrollen der staatlichen Schulaufsicht bislang keine Beanstandungen ergeben hätten, beweise gar nichts. 519

Wann wird die Bayerische Staatsregierung es endlich begreifen? Wer "Ketzer" ist und wer nicht, wer also in unserem Land frei leben darf und wer nicht, das weiß und entscheidet einzig und allein die Machtinstitution Kirche!

Das Ressort von Kultusminister Zehetmair, der sich nicht ohne weiteres in ein solches Schema pressen lässt, wird bei der nächsten Kabinettsreform geteilt: Der Bereich der Schulen wird ihm genommen, es bleibt ihm das Amt eines Kultur- und Wissenschafts-Ministers. Zuständig für die Schulen und neue Kultusministerin wird nun die Franz-Josef-Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, die sogleich ganz andere Töne anschlägt. Sie stehe der Schule der Urchristen "sehr negativ" gegenüber und arbeite in dieser Frage mit den "Sektenbeauftragten" eng zusammen. 520
Bereits am 28.10.1996 hatte Hohlmeier, damals noch Staatssekretärin bei Zehetmair, bei der Frauenunion in Herzogenaurach über das Universelle Leben ("so wird es beschrieben", sagte sie – von wem wohl?) behauptet, es schotte sich "systematisch nach außen ab" und verfolge "in ziemlich aggressiver Weise ökonomische und auch politische Interessen". Die Schule der Urchristen, so fügte sie an, "ist uns ein Dorn im Auge". Ein Dorn im Auge behindert bekanntlich das Sehvermögen.

Offenbar schenkt die Ministerin dem Kirchenfunktionär Behnk mehr Glauben als ihren eigenen Beamten, die – im Gegensatz zu jenem – die Schule seit Jahren genau kennen. Auf mehrfache Einladungen, die Schule selbst kennen zu lernen, hat Frau Hohlmeier bis heute [2003] nicht reagiert. Ihren Amtseid, der sie zu weltanschaulicher Neutralität verpflichten würde, scheint die Katholikin diesbezüglich nicht besonders ernst zu nehmen.

Zur selben Zeit wird bekannt, dass in Auerbach (Oberpfalz) Nonnen in einer katholischen Schule eigenhändig sexualkundliche Seiten aus einem Biologiebuch herausgerissen haben. Sie stehen offenbar dem katholischen "Engelwerk" nahe und machen den Kindern Angst vor dem Teufel. Im Kindergarten wird den Kindern mit dem baldigen Tod gedroht, wenn sie nicht brav sind; wer beim Essen spricht, muss in die Abstellkammer. Hier wird das Kultusministerium erst aktiv, als die Eltern protestieren. Einige der Nonnen werden nicht weiter beschäftigt, die Kindergartenleiterin wird abgesetzt. Doch was wäre geschehen, wenn solche Dinge in einer urchristlichen Einrichtung geschehen wären? Man hätte mit Sicherheit sämtliche Einrichtungen der Glaubensgemeinschaft sofort geschlossen, von der Medienkampagne ganz zu schweigen. Doch hier, wo einmal tatsächliche (und nicht nur eingebildete) Missstände vorliegen, schweigt Behnk. Warum wohl?

Man mag zu den Zeugen Jehovas stehen, wie man will: Sie gehörten nach Aussage von Mithäftlingen zu den mutigsten und standhaftesten Häftlingen in den Konzentrationslagern, praktizierten bis zuletzt einen gemeinschaftlichen Zusammenhalt. Sie waren die einzige religiöse Gruppe, die konsequent den Kriegsdienst verweigerte: Mindestens 250 Zeugen wurden deshalb hingerichtet. Katholische oder evangelische Kriegsdienstverweigerer, die für ihre religiöse Überzeugung in den Tod gingen, kann man hingegen an den Fingern einer Hand abzählen. Was wäre geschehen, wenn die großen Kirchen nur einen Bruchteil des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur aufgebracht hätten, den diese religiöse Minderheit vorlebte?

Dieses 2. Kapitel der Ausgabe "Der Theologe Nr. 89" ist ein Auszug aus dem Buch Der Steinadler und sein Schwefelgeruch - Das neue Mittelalter. Das Buch kann bestellt werden beim Verlag Das Weisse Pferd., 464 Seiten, zum Sonderpreis von 14,90 € + Versandkosten.

 

Fußnoten:

488  vgl. S. 304 f.
489  Gerhard Lenz arbeitete vor seiner Tätigkeit beim epd beim Fränkischen Volksblatt
490  Ein Standort in Hettstadt (S. 236 ff.), für den bereits ein Grundstück angekauft war, wurde von der Gemeinde allerdings blockiert – sie verweigerte die Erschließung.
491  Art. 7 Abs. 5 GG
492  Art. 69 Abs. 3 BV
493  Süddeutsche Zeitung, 7.10.1988
494  Main-Post, 22.8.1990
495  Gabriele-Verlag DAS WORT, www.das-wort.com, Tel. 09391/504135
496  Kirchliche Schulen arbeiten auf konfessioneller Grundlage; die anthroposophischen Schulen geben als Hintergrund besondere pädagogische Ziele an.
497  Main-Echo, 3.9.1991
498  Der erste Teil der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) der OECD erbrachte Ende 2001 das Ergebnis, dass deutsche Schüler in Bezug auf die Fähigkeit, gelesene Texte eigenständig
             zu verarbeiten, im internationalen Vergleich nur einen unteren Mittelplatz einnehmen.
499  vgl. S. 308 sowie Anmerkung 456
500  Main-Echo, 17.12.94
501 zu Behnks Verleumdungsmethoden siehe S. 326 ff. Das "Individuelle" des Menschen soll auf dem Inneren Weg im Universellen Leben nicht "abgebaut" werden, sondern lediglich das Ichbezogene, mit dem sich
           der Mensch gegen seine Mitmenschen stellt. "Bindung" bedeutet in der Lehre des Universellen Lebens – im Gegensatz zur "Verbindung", die positiv bewertet wird – eine Abhängigkeit, Unselbständigkeit, ständige
           Erwartungshaltung, die es zu überwinden gilt. Nicht das "Menschsein" soll aufgehoben werden, sondern das allzu menschliche, niedere Ich, also die Selbstbezogenheit, der Egoismus, soll in positive Eigenschaften
           wie innere Stärke, Verständnis, Toleranz, Gemeinschaftssinn umgewandelt werden. All dies ist Behnk bekannt – dennoch stellt er die Lehre der Urchristen immer wieder bewusst falsch dar, um sie zu diskreditieren.
502  Main-Post, 3.8.1994
503  S. 109 f.
504  Karl Freller, Theologe, von Beruf katholischer Religionslehrer, wurde später Staatssekretär im Kultusministerium
505  Die Ministerien für Kultus, Inneres, Justiz, Finanzen, Wirtschaft und Soziales
506  Lediglich einige wenige Meinungsäußerungen Behnks gegen die Urchristen, die dieser sich von Gerichten als "zulässig" hatte bestätigen lassen, wurden im Bericht referiert
507  Fränkisches Volksblatt, 1.3.1995
508  Kitzinger Zeitung, Main-Post, 4.3.1995
509  siehe S. 353 f.
510  Main-Echo, 8.2.1996
511  ebenda
512  Kitzinger Zeitung, 9.2.1996
513  Kitzinger Zeitung, 2.10.1996
514  Aktenvermerk vom 17.10.1996
515  Mittelbayerische Zeitung, 23.10.1996
516  Josef Filser: klerikaler Zentrums-Abgeordneter des 19. Jahrhunderts, satirische Figur des Schriftstellers Ludwig Thoma
517  Main-Post, 6.12.1996
518  Vermerk, 14.1.1997
519  epd-Meldung, 19.11.1997
520  Main-Post, 12.11.2001


NACHWORT: Bis heute [2014] gab es von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern kein Wort des Bedauerns, keine Bitte um Entschuldigung oder um Vergebung bei den Opfern. Weder für die haltlose bösartige Anschuldigung aus dem Jahr 1993, bei den Urchristen drohe möglicherweise ein "Massenselbstmord" und für die furchtbaren Folgen dieser Verdächtigung für die Betroffenen, die oben nur ansatzweise geschildert wurden. Noch für die Zerstörung einer EDV-Firma allein aus Glaubensgründen noch für den Versuch, eine staatlich anerkannte, gesetzestreue, und bei Eltern und Schülern beliebte Schule zu verbieten. Noch für unzählige Schäden mehr, die hier gar nicht alle aufgeführt werden können. Kein Bedauern, keine Bitte um Entschuldigung. Nichts. Nur das Lob für den jetzigen Pensionisten für seinen Dienst im Sinne der Kirche. Das also ist das Wesen der Kirche.

 



Ergänzungen der Redaktion Der Theologe: Evangelische Kirche und Kinder - Hierzu schwiegen die lutherischen Sektenbeauftragten (nur eine kleine Auswahl)

1 Der ehemalige Leiter der Odenwaldschule Gerold Becker konnte weiter in der lutherischen Kirche Karriere machen, obwohl er bereits 1998 und 1999 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde. Ein Grund dafür war, dass er zwischenzeitlich zu einem der höchsten Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland in Sachen Erziehung aufgestiegen war. Die EKD ließ ihn auch noch gewähren, obwohl ein erstes Opfer bereits auspackte. Die Frankfurter Rundschau schreibt: "Mit der Aufklärung war es überhaupt so eine Sache. Denn Becker hatte es seit seinem Abschied von der OSO [Odenwaldschule in Oberhambach] 1985 zu allerlei prestigeträchtigen Posten gebracht: Er war Vorstandschef der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime, leitender Mitarbeiter am Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung des Hessischen Kultusministeriums, vertrat als Theologe bei schulischen Fachgesprächen mit dem Land die evangelische Kirche (EKD). Noch 1998, als eins seiner Opfer ihn erfolglos konfrontiert und bereits die OSO um Hilfe gebeten hatte, trat Becker als Mitglied der EKD-Kammer für Bildung und Erziehung auf. Diejenigen, die von den Vorwürfen wussten, schwiegen derweil (13.3.2010). Während der pädophile Verbrecher zu einem der damals obersten Experten der EKD wurde, wütete der lutherische Kirchenrat gegen die Schule von Urchristen, weil es dort angeblich "gefährlich" für die Schüler sei, was nur auf haltlosen Verleumdungen beruhte. Wie gefährlich unzählige die Schüler in Wirklichkeit in Gegenwart von lutherischen Pädagogen lebten und leben, wurde leben, war für ihn kein Thema. 
Ein Opfer von Ex-Rektor Gerold Becker enthüllt Details des Missbrauchs. Die heutige Direktorin der Odenwald-Eliteschule berichtet: "B. nahm ihn in den Arm und tröstete ihn. Dann legte er den Jungen aufs Bett und zog ihn aus. Er streichelte ihn im Intimbereich und befriedigte sich dabei selbst" (bild.de, 12.3.2010). Der Rektor machte nach seiner Zeit an der Odenwald-Eliteschule Karriere in der EKD. So schrieb der pädophile Ex-Rektor der Odenwaldschule später in der bekannten EKD-Studie Aufwachsen in schwieriger Zeit etwa den Aufsatz Kindsein 1994 - zur Lage der Kinder.

2
Der damalige evangelische Pfarrer von Friedrichsdorf bei Bad Homburg hat gestanden, Anfang der 80er-Jahre, mit einem Jungen seiner Gemeinde Kontakte gehabt zu haben, "die sexuell übergriffig und mit dem Dienst eines Pfarrers nicht vereinbar waren". Der Pfarrer sei anschließend nach Idstein gewechselt und erhält mittlerweile seine Pension. (Frankfurter Rundschau, 13.3.2010)

3 Kindsmissbrauch in der Lutherkirche, einer von vielen - Ein Opfer berichtet: "Denn als ich dreizehn war, begannen die schlimmsten Jahre meines Lebens. Ich wurde tatsächlich in ein anderes Heim verlegt, nämlich in das evangelische Knabenheim Westuffeln im westfälischen Werl. Heute heißt die Einrichtung ´Von Mellin'sche Stiftung Kinder- und Jugendhilfe Westuffeln`, und es gibt inzwischen eine Liste mit den Namen von mehreren Mitschülern, die sich dort gemeldet haben und die das Gleiche mitgemacht haben wie ich ... [Der Erzieher] war Diakon, also ein Mitarbeiter der evangelischen Kirche mit theologischer Qualifikation, und von den Von-Bodelschwinghschen Anstalten Bethel ähnlich einem Leiharbeiter zum Dienst nach Werl entsendet worden ... In den ersten Wochen meines Aufenthaltes in dem Heim beobachtete ich, wie jede Nacht ein anderer Junge in das Zimmer des Erziehers gerufen wurde. Sie blieben etwa eine halbe Stunde drinnen, und viele weinten, wenn sie herauskamen. Unser Jüngster, Wolfgang, war erst elf, er kam eines Nachts vor Schmerzen schreiend und mit blutendem Penis heraus. Wir alle eilten an sein Bett, um ihn zu trösten. Ich hatte keine Ahnung, was mit ihm passiert sein könnte, aber ich spürte eine große Angst in mir. Wolfgang ist später Polizist geworden, und als ich letztes Jahr zu Besuch in dem Heim war, hat mir der neue Heimleiter erzählt, dass er sich umgebracht hat. Mehrere meiner Mitschüler haben Selbstmord begangen. Ich glaube, dass es wegen des Missbrauchs war ... Von nun an musste ich also jeden Tag zu ihm kommen, und immer fand ich unter seinem Bett mehrere Limonadenflaschen, die ich ausleeren musste. Schnell bemerkte ich, dass sich keine Limonade, sondern Urin darin befand ... Als ich sein Zimmer trat, sagte er: ´Du musst beim Arbeiten im Garten besser werden, aber wir werden darüber hinwegsehen.` Dabei nahm er meine Hand und legte sie auf sein Genital. Er selbst legte seine Hand dann auf mein Genital, und etwas später musste ich mich auf die Bettkante setzen und ihn manuell befriedigen. Er stand dabei mit heruntergelassener Hose vor mir. Danach urinierte er in eine der Limonadenflaschen. Bei anderen Gelegenheiten musste ich mich vor ihn stellen, und er saß auf der Bettkante und versuchte, mich manuell zu befriedigen. Ich musste auch in diese Flaschen pinkeln"
(Auszug aus: faz.net, 14.3.2010;
http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/
Doc~EF6E8DC47A8584B51B7A979E7403D0486~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
.

4 Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff "wurde als zwölfjähriger Schüler 1960 im evangelischen Internat Gaienhofen am Bodensee von einem Lehrer wiederholt missbraucht. Das beschreibt der Autor im "Spiegel" ... Der Mann, der auch sein Religionslehrer war, habe ihn ´unter immer neuen Vorwänden auf sein Zimmer` geholt. Kirchhoff musste ´Doktorspiele, Ferkeleien, unausgegorenen Sex` über sich ergehen lassen. Wie der "Spiegel" berichtet, habe der Pädagoge Kirchhoff auch ´oral befriedigt.` Jahrelang habe er versuchte, den Missbrauch in Worte zu fassen: ´Ich musste über etwas sprechen, zu dem es keine Sprache gab, ich musste mir eine erfinden.` Trotz der sexuellen Liberalisierung sei ihm dies bis heute nicht wirklich gelungen: ´Der ganze Sex-Sprachmüll hat die Sprachnot der Betroffenen nicht gelindert, im Gegenteil: Für die schlichte Wahrheit gab es jetzt gar keine Worte mehr ...` Der Lehrer sei ´mit Billigung der evangelischen Landeskirche davongekommen.`" (bild.de, 14.3.2010)

5 Spiegel online enthüllt die "Hölle" beim renommierten evangelisch-lutherischen Windsbacher Knabenchor (20.3.2010), eine Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, in deren Namen der Sektenbeauftragte Wolfgang Behnk gegen Andersdenkende wütete. Klaus Kirschner schreibt sich die erlittenen Qualen in dem "Kinder-KZ" "Windsbacher Knabenchor" kurz vor seinem Tod von der Seele. Das Magazin berichtet: "Kirschner schildert in seinen Briefen, wie er und seine Klassenkameraden von dem Lehrer und dem damaligen Internatsleiter, einem evangelischen Pfarrer, regelmäßig geschlagen wurden. So habe der Internatsleiter vornehmlich nach dem Mittagessen einzelne Jungen in sein Büro geholt, dessen Tür doppelt gepolstert gewesen seien - ´damit die Schreie der Gepeinigten nicht an die Öffentlichkeit drangen`. Dort habe er ihnen die Wahl zwischen Nilpferdpeitsche und Rohrstock gelassen und die Kinder anschließend verprügelt. Die Schläge hätten ihn offensichtlich sexuell erregt." Auch Peter Lemberg, ehemaliger Windsbacher Knabensänger, packt aus: "Zwei seiner Schulkameraden hätten später Selbstmord begangen, weil sie die Demütigungen in Windsbach nie verkraften konnten. Von einem Präfekt sei ein Mitschüler so geschlagen worden, dass ihm das Trommelfell platzte. Als sie älter wurden, seien sie tatsächlich angewiesen worden, kleinere Schüler zu verprügeln: ´Es wurde nicht gelegentlich geschlagen, sondern systematisch.`"
Die jüngsten Vorwürfe liegen nur weniger Jahre zurück: "2004 gab es in Windsbach zwischen Eltern und Chorleitung einen heftigen Streit um den Dirigenten Karl-Friedrich Beringer. Beringer war vorgeworfen worden, er habe Kinder angebrüllt, gedemütigt, gewürgt und misshandelt. Der Dirigent hatte das zurückgewiesen. Hinreichende Beweise für Gewalttätigkeiten gab es nicht - Beringer konnte seine Arbeit fortsetzen. Eltern berichten, in den Proberäumen seien nun auch auf Wunsch Beringers Kameras installiert worden. Seither habe man von Übergriffen nichts mehr gehört."
Lesen Sie mehr bei: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,684604,00.html
Kirchenrat Behnk drängte die Behörden derweil, die Schule der Urchristen zu schließen, weil er dort Negatives befürchte, was aber frei erfunden war. Hätten die Behörden nur bei Einrichtungen der Kirche des Sektenbeauftragten näher hingesehen, hätte man vielleicht manches verhindern können.

6 Evangelischer Pfarrer verging sich an vielen Jungen, einem Mädchen und an den eigenen Söhnen / Kirche vertuschte jahrzehntelang bis zur Verjährung / 30-40 Opfer? Viele sind seelisch zerstört, begingen Selbstmordversuche oder sind früh gestorben / Täter wurde nur versetzt und wurde Seelsorger für junge Gefangene und durfte weiter Religionsunterricht halten / Von Kollegen gedeckt / Schwerste "Erinnerungslücken" bei allen Verantwortlichen - Der Spiegel deckt in Nr. 28/2010 jetzt neue Kinderschänderverbrechen durch einen evangelischen Gemeindepfarrer auf. Pastor Gert Dietrich K. konnte bis zu seinem Ruhestand unbehelligt im Amt wüten, obwohl es zahllose Versuche von Opfern und Mitwissern gab, die Verbrechen zu beenden. Da der Artikel nicht im Internet einsehbar ist, hier einige Auszüge:
- "Irgendwann hatte man den Eindruck, es handle sich um Abgründe ausschließlich aus katholisch-bürgerlichem Milieu. Nun zeigt sich, dass die evangelische Kirche nach sehr ähnlichen Mechanismen funktioniert. Auch sie verheimlichte solche Fälle unter dem Vorwand seelsorgerlicher Schweigepflicht, vernachlässigte die Aufklärung und riskierte so weitere Missbrauchsfälle."
- Ein Opfer: Der Pfarrer "spielte den perfekten Kümmerer, um dann zuzuschlagen".
- Der Kollege des Verbrechers, dem Eltern von den verbrecherischen Taten erzählten: "Die seelsorgerliche Schweigepflicht habe ihn abgehalten, so etwas weiterzumelden."
Der Kollege zu einem Opfer, zu dem missbrauchten Stiefsohn des Täters: "Wie kannst du es wagen, so ein Gerücht in die Welt zu setzen? Und denk an deine Mutter, welche Chance es für sie ist, mit Pastor K. verheiratet zu sein."
- Der Täter zu einem schutzbefohlenen Mädchen, mit dem er darauf hin fünf Jahre lang Sex hat. "Er beteuert, einzig sie könne ihn von seiner Neigung zu Jungs heilen."
- Die vorgesetzte Pröpstin zu ihrem Schweigen: "´Ich wollte ihm seine Existenz nicht kaputtmachen.`"
- "Im Fall von Pastor K. gibt es aber angeblich keine Unterlagen. Und es gab nie ein Disziplinarverfahren ... Alles ist unergründlich, unbegreiflich, keine Akten, nur allumfassende Vergesslichkeit. Begreiflicher wird der Fall, wenn man ihn aus dem System der Kirche heraus nachvollzieht. Kein Aufhebens! Keine schwiemeligen Details. ´Ich war nicht traurig darüber, dass das hier nicht öffentlich wurde ... Das wäre ja ganz schön blöde`". So die Pröpstin. Zum Vergleich: Derweil wütete Pfarrer Behnk gegen die Erziehungseinrichtung von Urchristen, die sich nichts, aber auch gar nichts hat zuschulden kommen lassen. Was in seiner eigenen evangelischen Einrichtung jedoch an Verbrechen passierte, wurde von seinen Kollegen vertuscht bzw. keiner schaute genauer hin.
- "Angeblich sind es bereits 30, 40 Hinweise, Fälle. Immer mehr Opfer melden sich."
- Einer vom Pfarrer missbrauchten Stiefsöhne unternahm einen Selbstmordversuch, und über zwei andere (von fünf) heißt es: "Zwei der fünf K.-Brüder sind gestorben. Der eine an Aids, der andere an Drogen., sie hatten nie einen festen Boden in ihr Leben bekommen."

7 Als Vorschulkind im Martin-Luther-Haus missbraucht, bis heute traumatisiert / "Regelrechtes System der Gewalt" / Bischof Friedrich unter Druck: Hat er es als laufen lassen? - Der Heimleiter des Martin-Luther-Hauses in Nürnberg sperrte sie - nach Angaben der heute 42jährigen Frau - als Vorschulkind manchmal tagelang in ein Zimmer ein. Dort versuchte er Zungenküsse und unternahm Berührungen im Intimbereich. Auch gab es heftige Schläge und Demütigungen vor allen anderen und vieles mehr. "Beim Gottesdienst in der nahen Kapelle hätten sie dann fromm singen müssen. ´Wenn jemand nicht mitsang, setzte es wieder Strafen.`". Das Mädchen hat die Zeit im Martin-Luther-Haus "schwer gezeichnet" und nicht verkraftet, es warf sie immer wieder aus der Bahn. Nach über 30 Jahren wird ihr jetzt der Aufenthalt in einer Trauma-Klinik möglich. Der Direktor gibt nur die Schläge zu (http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1202588&kat=120&man=3).
Mittlerweile meldeten sich immer mehr Zeugen und Opfer, die von einem "regelrechten System der Gewalt" sprechen (nn-online.de, 10.4.2010). Eine andere Zeugin wurde bei einem "Ausflug" von einer Kirche in die nächste geschleift und wollte zwischenzeitlich wenigstens nur einmal ein Eis essen. Unter Tränen erzählt sie, wie sie daraufhin vor 150 Leuten bloß gestellt wurde. Berüchtigt waren die Streichel-Attacken des Direktors. Die Mädchen mussten sich dazu in seinem Büro nackt ausziehen und überall berühren lassen. Nun hat ein Opfer berichtet, sie habe Dekan Johannes Friedrich damals von der "Streichel-Therapie" des Leiters erzählt. Der Bischof und langjährige Vorgesetzte des Sektengbeauftragten Wolfgang Behnk (1999-2011) verteidigt sich damit, er könne sich nicht mehr daran erinnern.

8
Anklage: Kind vergewaltigt und Sekretärin sexuell missbraucht - Doch EKD-Gerichtshof stellt Verfahren gegen Oberkirchenrat ein und weigerte sich, die Opfer überhaupt anzuhören / Bischof wusste von schwerer sexueller Nötigung der Sekretärin und schritt nicht ein / Opfer: EKD-Weisungen zum sexuellen Missbrauch seien "Hohn" und "Makulatur", Anzeige von Sexualverbrechen von Pfarrern bei der Kirche "sinnlos" - Der Vater des renommierten Oberkirchenrats der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern H. war einst der erste lutherische Pfarrer der neu gebauten und 1939 eingeweihten "Christuskirche" in Hof an der Saale; kurz nachdem man überall im Land und auch in dieser Stadt die jüdischen Synagogen in Schutt und Asche gelegt hatte. Schließlich bestieg Pfarrer K.H. in den 60er-Jahren dort ebenfalls die Kanzel. Als sich ein 13jähriges Mädchen 1964 wegen der Trennung seiner Eltern Hilfe suchend an den Seelsorger wandte, reagierte dieser an dem Mädchen seine Sexualität ab. "Er hat sich ihr genähert. Er hat sie in seinem Auto mitgenommen und dort missbraucht. Er hat sie auf Waldlichtungen gefahren und dort missbraucht. Er hat sie zu Hause besucht und dort missbraucht. Er hat sie im Pfarrhaus missbraucht. Zum letzten Mal missbrauchte er sie, als er ihr an ihrem 14. Geburtstag eine Glückwunschkarte der Kirchengemeinde überbrachte. Das Mädchen war noch nicht aufgeklärt, es hatte zuvor keinen Kontakt zu Jungen und erlebte die Handlungen des Pfarrers als kompletten Albtraum. Sie wurde magersüchtig und hatte über viele Jahre gravierende gesundheitliche und psychische Probleme. Sie konnte keine normalen Freundschaften mehr knüpfen, auch Hilfe im Glauben zu finden und auf Gott zu vertrauen - das war ihr in ihrer Not nicht mehr möglich, auch später nicht", so beschreibt das Sonntagsblatt in seiner Ausgabe Nr. 27 vom 30.6.2013 die Leidensgeschichte der Frau.

Erst die Aufdeckung Hunderter und gar Tausender von Sexualverbrechen von katholischen Priestern im Jahr 2010 hätten ihr Mut gemacht, über den evangelisch-lutherischen Pfarrer, der ihr Leben im Kindesalter zerstörte, nach ca. 45 Jahren zu sprechen. Dieser machte zwischenzeitlich Karriere als evangelisch-lutherischer Dekan von Ingolstadt, bevor er 1972 nach ganz "oben" in die Meiserstraße in München in die Kirchenleitung befördert wurde. Dort war es bis 1988 als Abteilungsleiter und Oberkirchenrat auch der Verantwortliche für den Evangelischen Religionsunterricht an allen Schulen in ganz Bayern. Und in der Nachbarschaft und beim gleichen Arbeitgeber machte ab 1991 auch der Sektenbeauftragte Dr. Wolfgang Behnk als Kirchenrat im Kampf der Lutherkirche gegen Urchristen und andere religiöse Minderheiten Karriere.
In der Zentrale der bayerischen evangelischen Landeskirche verging sich der Oberkirchenrat dann in der Folge an zwei Sekretärinnen. Auch hier liegen unabhängig von der Anklage der Vergewaltigung des Kindes als glaubwürdig geltende Zeugenaussagen vor. "Er verschloss die Tür von innen und zeigte bei Kaffee und Keksen eine Kriegsverletzung im Genitalbereich. Dann nötigte er die Mitarbeiterin zu sexuellen Handlungen. Die junge Frau war paralysiert - und ertrug es über Monate. Aus Scham und Angst, den Job zu verlieren, konnte sie sich niemanden anvertrauen. In ihrer völligen Verzweiflung ließ sich sich nach dem Sommerurlaub 1976 einen Termin beim damaligen Landesbischof Johannes Hanselmann geben. Sie erzählte alles ... Doch passiert ist nichts. Von diesem Zeitpunkt an war für die betroffene Frau klar, dass sie mit niemandem mehr in der Landeskirche über das Geschehen reden kann."
 Nach ihrer Versetzung fädelte der Oberkirchenrat auf diese Weise mit ihrer Nachfolgerin ein sexuelles Verhältnis ein. "Keiner hinderte ihn [den Oberkirchenrat] daran, seine sexuellen Obsessionen weiter auszuleben." Nach außen hin war die Karriere jedoch steil:
So schrieb der Theologe viel beachtete Fachartikel, wie z. B. die Studie Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen des Religionsunterrichts, in Klaus D. Wolff, Glaube und Gesellschaft, Mühlscher Universitätsverlag, Bayreuth 1981, S. 241ff. Auch war er von 1973-1981 einer der Vorstandsmitglieder des renommierten protestantischen und bundesweit tätigen Comenius-Instituts, dessen Satzungszweck lautet: "Der Zweck des Vereins ist die Förderung von Bildung und Erziehung aus evangelischer Verantwortung."
Da die Verbrechen - wie üblich bei fast allen Straftätern im Pfarrertalar - juristisch verjährt sind, beschäftigte sich nur die innerkirchliche Disziplinarkammer mit dem mittlerweile im Ruhestand lebenden Kirchenführer ... "
Die Einstellung des Verfahrens sieht sie [das als Kind missbrauchte Mädchen] als ´Schlag ins Gesicht für alle Opfer`, ´nach dem brutalen Unrecht des Missbrauchs ist das die zweite Schuld der Kirche`".
Doch die Kirche bekommt dank Ihrer Lobby-Arbeit vom Staat Jahr für Jahr Milliardensubventionen aus den allgemeinen Steuermitteln und kann sich ein solches Vorgehen immer noch erlauben. Die führenden Politiker sind nahezu alle kirchengläubige Mitglieder ihrer Institutionen und tun in der Regel, was die Kirche von ihnen will.
Das oberste Kirchengericht der EKD nahm - ohne Opfer und Zeugen der Anklage überhaupt anzuhören - die zwischenzeitliche Suspension des mittlerweile [Juli 2013] 89-jährigen Oberkirchenrats zurück und stellte das Ermittlungsverfahren vollständig ein.
Der Lebenslauf des Kirchenführers bleibt deshalb offiziell zu 100 % "sauber".
Zwangsläufig denkt man bei diesen Berichten jedoch auch an die Vertuschungs-, und Deckungs-Konglomerate in der römisch-katholischen Kirche und an das dunkle Prinzip "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus". Als nämlich der Vatikan 2013 die Suspension eines pädophilen Straftäters nach dessen Haftentlassung nicht aufhob und wenigstens einmal durchzugreifen schien, nannte dieser gleich die Namen von mindestens neun weiteren Priestern und Prälaten, die Sex mit Jugendlichen hatten, nach denen Zuhälter auf den Straßen Roms Ausschau gehalten hatten. Wenn also das Opfer in dem Verfahren vor dem höchsten evangelischen Gericht von der Verhandlung gegen den Täter und Oberkirchenrat i.R. ausgeschlossen wurde, so sollte zumindest die Rückfrage gestellt werden: Was genau sollten Opfer und Außenstehende nicht hören? Wurde womöglich gezielt Weiteres verheimlicht und vertuscht? Hatte der Angeschuldigte möglicherweise noch die eine oder andere "Information" über Dritte in der Hinterhand, die nicht öffentlich werden sollte?

9 Unmoralische Geheimnisse - Evangelisches Landeskirchenamt in München: "Intern ging es über Tische und Bänke" - Im Zuge der Verfahrenseinstellung gegenüber einem der evangelischen Kirchenführer in Bayern, Oberkirchenrat H., der als Pfarrer ein Kind missbrauchte, gab auch ein "wichtiger Mitarbeiter des Landeskirchenamts" gegenüber der Süddeutschen Zeitung allgemein gehaltene Einblicke. Seine Stellungnahme ist auch insofern von Bedeutung, da sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern seit Ende der 70er-Jahre in der Bekämpfung religiöser Minderheiten, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, besonders hervortut und besonders üble Verleumdungen durch ihre Beauftragten, Pfarrer Haack und Pfarrer Behnk, verbreitete.
Der bekannte Oberkirchenrat hatte als Pfarrer über einen längeren Zeitraum ein 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht, das bei ihm Hilfe suchte, und er nötigte später in mindestens einem Fall seine Sekretärin sexuell. "Er war Teil der Kirchenprominenz". Die Süddeutsche Zeitung schreibt: "´Nach außen hin stand die Kirche für Moral und Anstand, intern aber ging es über Tische und Bänke`, sagt heute in wichtiger Mitarbeiter des Landeskirchenamts. Wenn aber jeder sein unmoralisches Geheimnis hat, dann wird der Übergriff auf eine Sekretärin genauso zum vermeintlichen Kavaliersdelikt wie die Gewalt gegen eine 13-jährige Konfirmandin: nicht schön, aber man muss es ja nicht an die große Glocke hängen. In solchen Situationen entstehen Bünde und Bündnisse zum Schutz der Institution und der Personen. Sie halten und wirken lange." (20.9.2013)


 



3
Wer das "falsche" Gebetbuch hat, darf wirtschaftlich vernichtet werden

Zehn Jahre lang betreute eine kleine EDV-Firma aus Marktheidenfeld die Software von mehreren hundert Arztpraxen korrekt und zur vollen Zufriedenheit ihrer Kunden. Dann entschloss sich ein Kirchenvertreter, der lutherische "Sektenbeauftragte" Dr. Wolfgang Behnk, der Firma trickreich den Garaus zu machen.

Weil sich ihre Mitarbeiter dem urchristlichen Gedankengut der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben verbunden fühlten, verdächtigte er sie, möglicherweise die Patientendaten der Ärzte zu missbrauchen. Die Wochenzeitung Medical-Tribune griff diese Verdächtigung in einem Artikel mit der reißerischen Überschrift Können Psychosekten in der Praxis-EDV spionieren? auf, und Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk aus München machte daraus eine Pressekampagne, die schließlich dazu führte, dass die EDV-Firma schließen musste. 14 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze.

Ein Opfer kirchlicher Arbeitsplatzvernichtung demonstriert gegen Bischof Hermann von Loewenich und Pfarrer Wolfgang Behnk

Nunmehr verlangen sie von ihren Verleumdern Schadensersatz. Zunächst von dem Verlag Medical-Tribune. Das Landgericht Hamburg stellte fest, dass die Zeitschrift für alle Schäden hafte, die den EDV-Leuten aus der Verdächtigung entstanden sind bzw. noch entstehen. Wörtlich schreibt das Gericht: "Unstreitig hat es in der zehnjährigen Tätigkeit der Klägerin nie Fälle von Datenmissbrauch gegeben. Auch der Umstand, dass Geschäftsführer, Gesellschafter und Mitarbeiter der Klägerin Mitglieder der Gemeinschaft Universelles Leben sind, und die Klägerin sich selbst als Christusbetrieb des Universellen Lebens bezeichnet, gibt keinen hinreichenden Anlass, die Zuverlässigkeit der Klägerin in puncto Datensicherheit in Frage zu stellen ..."

Dieses klare Urteil wurde nunmehr auf die Berufung von Medical-Tribune hin vom Oberlandesgericht Hamburg aufgehoben: Zwar sei es richtig, dass sich die EDV-Firma nie etwas habe zuschulden kommen lassen; dennoch sei der geschäftsschädigende Bericht nicht zu beanstanden: Die Wartung von EDV-Systemen in Arztpraxen sei generell nicht ohne Sicherheitslücke. "Besonders problematisch" sei dies, "wenn die sich aus dieser Sicherheitslücke ergebende Zugriffsmöglichkeit etwa im Rahmen von Wartungstätigkeiten sich Personen eröffnet, die ihrerseits durch Sektenzugehörigkeit oder sonst ideologisch nachhaltig gebunden sind". Dann sei es Aufgabe der Fachpresse, dies der Leserschaft mitzuteilen und "entsprechend zu warnen". Der Presse könne es "nicht verwehrt sein, wahrheitsgemäß zu berichten, dass diese gefährliche Konstellation nicht nur theoretischer Natur ist, sondern, jedenfalls abstrakt, bei der entsprechende Zugriffsmöglichkeit habenden Klägerin als Christusbetrieb der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben gegeben ist".

Doch die Annahme, dass sich jemand, der 10 Jahre korrekt gearbeitet hat, allein wegen seiner Weltanschauung Misstrauen und eine öffentliche Warnung durch eine geschäftsschädigende Pressekampagne gefallen lassen muss, stellt eine Entgleisung dar, die mit unserer Verfassungsordnung nicht vereinbar ist. Das Grundgesetz unterscheidet nicht zwischen Kirchenzugehörigkeit und "Sektenzugehörigkeit". Im übrigen ist die Glaubensgemeinschaft Universelles Leben eine von der Gerichtsbarkeit wiederholte Male als Religionsgemeinschaft im Sinne der Verfassung anerkannte Gruppierung und die EDV-Firma ein Betrieb von Privatleuten und nicht der Glaubensgemeinschaft (die keine Firmen besitzt). Wenn das Oberlandesgericht so pauschal von den Gefahren "ideologischer Bindungen" spricht, die es bereits "abstrakt" rechtfertigen würden, in geschäftsschädigender Weise zu warnen, drängt sich die Rückfrage nach den Gefahren "ideologischer Bindungen" von Richtern auf, die sich im vorliegenden Fall möglicherweise nicht nur "abstrakt", sondern höchst konkret auswirkten.

Und wie gefährlich sind erst die Bindungen des lutherischen Bischofs Hermann von Loewenich und seines Gehilfen Dr. Behnk? Ihr Vorbild Martin Luther rief dazu auf, die Bauern zu ermorden und die Synagogen der Juden einzuäschern. Man kann vor den Lutheranern Wolfgang Behnk und Hermann von Loewenich nicht eindringlich genug warnen; denn wer weiß, ob sie nicht demnächst ebenfalls zu Mord und Brandstiftung aufrufen. Jedenfalls "abstrakt" lässt sich diese Gefahr nicht leugnen. Und konkret lässt sich bereits jetzt feststellen: Wenn Sie ihren Betrieb oder ihren Arbeitsplatz loswerden wollen, dann gehen Sie zu Bischof Hermann von Loewenich und Pfarrer Wolfgang Behnk - die können Ihnen sagen, wie man das macht. (Das Weisse Pferd Nr. 9/1998)
 



4
Der Kampf der Kirche gegen Marktstände, wenn Betreiber nicht katholisch oder evangelisch sind

"Kauft nicht beim Juden!", hieß es 1933 in den deutschen Städten. 50 Jahre später kann man nicht mehr ganz so unverhüllt zum Verkaufsboykott gegen eine religiöse Minderheit aufrufen. Doch dass es auf Deutschlands Marktplätzen und an seinen Straßen offenbar "katholische" Karotten und "lutherische" Kartoffeln, aber keinesfalls "urchristliche" Zwiebeln zum Verkauf geben darf, das muss man den Gläubigen schon beibringen. Sie könnten sich ja sonst mit Ketzerei anstecken ...

Wer auch hier im Hintergrund meist die Strippen zieht, kann man sehr gut in einer Stadt wie Erlangen beobachten. Dort wagten es die Erlanger Nachrichten (13.12.2003), den örtlichen "Lebe Gesund!"-Stand unter der Überschrift "Bärlauch & Brot zu jeder Jahreszeit" abzulichten. Daraufhin erschienen prompt fünf Leserbriefe (20.12.2003, 3.1.2004), in denen beanstandet wurde, wie "unreflektiert" dieser Artikel sei und dass "notwendige Nachforschungen" nicht angestellt worden seien. Bei näherem Hinsehen erwies sich: Alle fünf Schreiber stehen in enger Verbindung zur evangelischen Kirche – doch nur einer von ihnen, Pfarrer Michael Fragner aus Reichenberg, gab sich in der Unterschrift als solcher zu erkennen. Pfarrer Holger F. und Pfarrerin Christiane W. verschwiegen hingegen ihre Funktion und Herkunft. Hinzu kam der evangelische Dekanats-Synodale Klaus W. sowie Stefan B., dem man offensichtlich die Funktion zugedacht hatte, als Kirchenmitglied in öffentlicher Stellung (bei der Stadt Erlangen) die Interessen der Kirche zu vertreten: Er zitierte ausführlich aus den gesammelten Verunglimpfungen des evangelischen Verleumdungsbeauftragten in Bayern, Wolfgang Behnk. Immerhin erhielten zwei andere Leserbriefschreiber die Gelegenheit, das böse "Spiel" der Lutherkirche aufzudecken (3. und 10.1.2004).

Eine Inquisitions-Attacke, die sich wenig später in ähnlicher Form im benachbarten Nürnberg wiederholte. Hier war es die CSU-Fraktion im Nürnberger Stadtrat, die ein Verbot des "Lebe Gesund!"-Marktstandes auf dem Nürnberger Hauptmarkt forderte. Und wer in dieser Fraktion stellte den Antrag? Peter Bielmeier, seines Zeichens lutherischer Pfarrer und für die Dauer seines Stadtratsmandats von der Betreuung einer Pfarrei entbunden. Der eifrige Lutheraner verstieg sich zu der aberwitzigen "Begründung", Nürnberg, als "Stadt der Menschenrechte" könne sich einen solchen Marktstand "nicht erlauben". Als ob sein Antrag nicht gerade ein Indiz dafür wäre, wie gefährdet offenbar die Menschenrechte in einer Stadt wie Nürnberg noch immer sind.
Vollends lächerlich war jedoch der Vorstoß der CSU-Fraktion, wenn man weiß, dass auf dem gleichen Markt ein Stand des katholischen Klosters Plankstetten steht. Ein Vergleich der beiden Stände lohnt sich: Bei "Lebe Gesund!" arbeiten keineswegs nur Anhänger des Universellen Lebens, sondern Angehörige verschiedenster Nationen und Glaubensrichtungen. In einem Kloster hingegen darf es nur Katholiken geben. Angestellte bei "Lebe Gesund!" erhalten den vollen Arbeitslohn im tariflichen Rahmen und sind voll sozialversichert – im Gegensatz zu den Insassen von Klöstern, die in der Regel nur ein Taschengeld erhalten und geringfügig pauschal versichert sind. Auf dem Klosterstand wurde zudem des Öfteren für Gottesdienste und Einkehrtage im Kloster geworben – was ihnen niemand ankreidete, was aber die "christlichen" Politiker von der CSU dem "Lebe Gesund!"-Stand unterstellten, obwohl es solches dort nicht gibt.
Dementsprechend verlief auch das von der CSU angeregte "Prüfungsverfahren" im Sande – denn eine rechtliche Möglichkeit, einem Markthändler wegen seines Gebetbuches die Lizenz zu entziehen, gibt es in unserem Land Gottlob bislang nicht.

Doch auch seit Jahren fest etablierte Marktstände werden immer wieder öffentlich verleumdet und an den Pranger gestellt. Wie in München, wo im April 2006 plötzlich in der Bild-Zeitung von einer "dubiosen Sekte" auf dem Viktualienmarkt die Rede war – mit großer Schlagzeile auf allen verfügbaren Zeitungskästen der Stadt. Die Fäden zog dabei einmal mehr der lutherische Verleumdungsexperte Wolfgang Behnk, der sich in dem Schmäh-Artikel ausführlich befragen ließ. Dass an dem betreffenden Marktstand seit 15 Jahren ohne jegliche behördliche Beanstandung anständige Arbeit geleistet wird, spielte dabei keine Rolle. Wenn die Kirche es will, wird zwar nicht mehr der Scheiterhaufen, aber die Medienmacht der Bild-Zeitung "angezündet", um eine missliebige Minderheit regelrecht an den Pranger zu stellen, ganz nach dem in der deutschen Geschichte nicht ganz unbekannten Motto: "Kauft nicht beim Urchristen!"

Die Angriffe kirchlicher Verleumdungsbeauftragter gegen Marktstände, die von Menschen betrieben werden, die dem Universellen Leben nahe stehen, traten dabei seit ca. 1984 derartig häufig auf, dass in dem Buch Der Steinadler und sein Schwefelgeruch diesem Phänomen im Rahmen des ein eigener Exkurs von 26 Seiten Länge (S. 176-202) gewidmet ist. Insgesamt 33 Orte, insbesondere in Süd- und Westdeutschland, wurden darin bis zum Jahr 2003 aufgeführt. Doch das Sündenregister der Kirchen ist in Wirklichkeit noch viel länger – denn die Dunkelziffer ist hoch. In vielen Fällen werden Markthändler mit dem "falschen" Gebetbuch bereits im Vorfeld mit fadenscheinigen Begründungen abgewiesen - oder wieder vom Markt vertrieben, noch ehe sie richtig Fuß fassen konnten.
Alle diese Beispiele zeigen, wie leicht eine unkritische Öffentlichkeit noch immer von den leibhaftigen Vertretern der Intoleranz aus den Großkirchen dazu gebracht werden kann, demokratische Grundsätze augenblicklich über Bord zu werfen, sobald ein Kirchenvertreter mit Amtsautorität dies so will. Solange dieser Einfluss der Kirchen besteht, kann man wohl kaum sagen, dass wir in einem demokratischen Land leben, in dem die Menschenrechte uneingeschränkt geachtet werden.

 


 

 5
Was ein Sektenbeauftragter seinen eigenen Kindern widmet

Der Sektenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk aus München, bekämpfte vor allem die Erziehungskonzepte anderer Gemeinschaften, darunter eine staatliche anerkannte Privatschule eines nichtkirchlichen Trägers, der ein erfolgreiches pädagogisches Konzept aufweisen konnte. Dabei entstellt der moderne Inquisitor deren Lehren bewusst und gibt sie falsch wieder, um sie auf diese Weise überhaupt erst verleumden zu können. Jeder Interessierte, der dies nachprüft, kann sich selbst davon überzeugen, doch wer macht sich schon diese Mühe? Doch es würde sich lohnen, um zu verstehen, wie die Institution Kirche, insbesondere die Lutherkirche, in unserer Zeit arbeitet. Und lohnenswert ist auch, einmal nachzufragen, was denn dieser kirchliche "Experte" eigentlich selber glaubt. Auch da können einem die Augen aufgehen.

Der Theologe Nr. 1 deckt deshalb auf, welche evangelische Lehre der Vertreter der Kirche seinen eigenen Kindern vermittelt. So hat er seine Doktorarbeit Gegen den freien Willen Für die Gnade Gottes (Lateinischer Originaltitel: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei; Europäische Hochschulschriften, Reihe XXIII / Bd. 188, Frankfurt 1982) ausdrücklich seinen beiden Kindern Oliver und Susanne gewidmet, damals vermutlich noch im Grundschulalter. Ausgerechnet eine Schrift, in der es darum geht, dass der Mensch laut seinem Religionsgründer Martin Luther keinen freien Willen habe, sondern entweder von Gott oder dem Teufel gesteuert werde.

Wie kommt der Sektenbeauftragte dazu, eine solche Lehre zu verteidigen? Denn es ist eine Lehre, die für die Erziehung verheerende Folgen haben kann. Z. B., wenn ein Jugendlicher Verbrechen begeht und dann sagt: "Ich bin gar nicht verantwortlich dafür, denn das war ja gar nicht ich, sondern Gott oder der Teufel in mir haben das getan. So habe ich es von Martin Luther im Religionsunterricht gelernt."
Könnte es sein, dass der Urheber dieser Lehre selbst keinen freien Willen mehr hatte und von einem anderen gesteuert wurde? Dann darf er diese Erfahrung aber doch nicht für alle Menschen verallgemeinern.

Andersdenkenden wirft der Sektenbeauftragte Dr. Behnk nun aber heuchlerisch vor, dass deren Lehre angeblich nicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland übereinstimme, wo der freie Wille der Persönlichkeit zu den Verfassungsgütern gehört. Doch dieser Vorwurf entpuppt sich in Wirklichkeit als Projektion seines eigenen abgründigen lutherischen Glaubens auf andere. Denn i
m Gegensatz zu den ethischen Werten unserer Verfassung widmete der Kirchenrat als Doktorand seinen eigenen Kindern eine ganz andere Lehre, nämlich diejenige Luthers. Und er bezeichnet diese trotz kleinerer Korrekturen den Kindern gegenüber als "letztlich verbindlich" (S. 397), obwohl sie "äußerst gefährlich" sei (S. 344), Und heißt das nicht: Die Kinder sollen lernen, in diesen Glauben hinein zu wachsen und danach zu leben?
Der spätere Kirchenrat bekämpft also auf diese Weise einen der wesentlichen Grundwerte unserer Verfassung und Rechtsordnung, nämlich die Freiheit und Verantwortlichkeit jedes einzelnen Bürgers.

Der zentrale eigene Glaubenssatz des evangelischen Sektenbeauftragten ist dabei folgender:
"Der dreieinige Gott befreit uns sola gratia / sola fide / solo Christo (= allein aus Gnaden / allein durch Glauben / allein durch Christus) aus der ´sündigen` Zwangssituation, selber definieren zu müssen, worin die Freiheit unseres Wesens und Wollens besteht" (S. 397).

Unverblümt formuliert heißt diese hochintellektuelle Formulierung: Wenn ein Mensch sich selbst seine Freiheit erarbeitet, gilt er als "Sünder". Der Kirchengott befreie ihn aber von dieser angeblichen "Sünde", indem ihm dort vorgeschrieben wird, was er zu glauben hat.

DER KIRCHENGOTT DES SEKTENBEAUFTRAGTEN NIMMT DEN MENSCHEN ALSO DIE FREIHEIT, er "befreit" sie angeblich davon. Damit erläutert der Vertreter der lutherischen Kirche, was ähnlich der Großinquisitor im Roman Brüder Karamasov von Fjodor Dostojewski als das Wesen der Kirche beschreibt:
"
Und die Menschen freuten sich, dass sie wieder geführt wurden wie eine Herde und dass ihnen die furchtbare Gabe [der Freiheit; der freien Entscheidung, was gut und was böse sei], die ihnen so viel Qual gebracht hatte, endlich vom Herzen genommen war
."

Das heißt: Die Menschen müssten auch noch dankbar dafür sein, wenn der Kirchengott sie "besetzt" und in seinem Sinne steuert. Und wie hat man sich das vorzustellen?

Dr. Behnk zitiert in diesem Sinne Martin Luther wörtlich:
"Auf diese Weise ist der menschliche Wille mitten zwischen beide [Gott und den Teufel] gestellt, ganz wie ein Reittier, wenn Gott darauf sitzt, will er und geht, wohin Gott will ... Wenn der Satan darauf sitzt, will er und geht, wohin der Satan will. Und er hat nicht die Entscheidungsfreiheit, zu einem der Reiter zu laufen oder ihn zu suchen, sondern die Reiter selbst streiten darum, ihn festzuhalten und zu besitzen"
(WA 18, S. 635).

Und der Sektenbeauftragte widmet seinen Kindern darüber hinaus Folgendes:
Gott "treibt" den Menschen oft "regelrecht dorthin", dass er sich "in das Böse verstrickt" (S. 336).
"Erstens ist nach dem Sündenfall eben nicht mehr alles gut, was Gott schafft; auch wenn dieser die Sünde selbst nicht schafft, so schafft er doch den postadamitischen Menschen als Sünder" (S. 335).
"... der Wille des Menschen hat mithin über seine eigene Verstockung keinerlei Macht, sondern ist dem verstockenden Willen Gottes - wenngleich williglich und verantwortlich - ausgeliefert" (S. 333).
Gott lässt es nicht nur zu, dass sich der Pharao "immer mehr in das Böse verstrickt", sondern er treibt ihn "regelrecht" dorthin, "indem er ihm sein Wort vorhält, ohne ihm seinen Geist zu geben" (S. 336).
"All das aber, was uns äußerlich so scheint, als wäre Gott nur ein Zürnender oder gar der Teufel selbst, ist doch nichts anderes als eine Herausforderung des Glaubens an die Liebe Gottes"
(S. 367).
"Wer hingegen, so warnt Luther, die nähere Beschaffenheit bzw. das Wie und das Warum des verborgenen Willens Gottes untersuchen will, der muss mit jemandem verglichen werden, der es sich zum Ziel setzt, ´gygantum more cum Deo pugnare` (= nach Art der Giganten mit Gott zu kämpfen) und der dabei nicht die geringste Chance eines Sieges hat ... Unweigerlich stürzt man aus der Höhe seiner Spekulation ab, geht ´zu poden`, gerät in ´certa desperatio` (= sichere Verzweiflung), rennt wie gegen eine eiserne Mauer an und bricht sich auf alle Fälle den Hals" (S. 364ff.).
"Luther kann ... sogar einmal sagen, dass die Majestät des Deus absconditus (= des verborgenen Gottes) noch viel heiliger und furchtbarer ist, als eine unermessliche Menge koryzischer Höhlen" (S. 361).
"Denn der nun angesprochene Deus (= Gott) ... behält sich selber solche Freiheit vor ... D. h., der Empfang des Heils und des Unheils hängt allein davon ab, ... welche Menschen er [Gott] ... verloren lassen gehen will, und welche nicht ... Luther ... präzisiert auch, ... was er [Gott] ... will, nämlich den Tod des Sünders, den er keineswegs betrauert oder gar aufzuheben bereit ist. Und zwar aus dem bereits ... vorgebrachten Grund, dass Gott ´omnia in omnibus` (= "alles in allem") wirkt, auch den Tod" (S. 362).
"Es heißt doch: Weil Gott es so will, gerät der Mensch unter die Macht des Bösen" (S. 355).

Da fragt man sich als normaler denkender Mensch. Wo liegt denn eigentlich der Unterschied zwischen diesem evangelischen Gott und dem Teufel?

Und ist dies alles
- und man könnte noch einiges mehr zitieren - nicht eine furchtbare Form der Gottesvergiftung sogar gegenüber den eigenen Kindern? Auf jeden Fall sollten diese Anmerkungen genügen, um deutlich zu machen, dass der Staat und seine Organe den kirchlichen Sektenbeauftragten niemals glauben dürfen und sie der Staat endlich als das betrachten, was sie sind: Verleumder im Auftrag der eigenen Konfession, die andere Glaubensrichtungen bekämpfen - so wie es die Kirche in ihren Lehrsätzen beschlossen und in allen Jahrhunderten mit den Mitteln ihrer jeweiligen Zeit auch getan hat (siehe dazu Der Theologe Nr. 86).


 


 

  Link: Das Ende der Inquisition? Ausführliches Interview des "Theologen" mit dem Soziologen und Kirchenkritiker Matthias Holzbauer - http://www.der-freie-geist.de/video/inquisition-04

 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 89: Der moderne Inquisitor, "der alle Register zog", zit. nach http://www.theologe.de/sektenbeauftragter.htm, Fassung vom 26.5.2016,
Copyright © und Impressum siehe hier.

  TWITTER FACEBOOK STUDIVZ WEBNEWS

Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer interessanter Texte.
Alle Theologen-Ausgaben finden Sie auf der Startseite
[ theologe.de ]
Weitere Seiten mit Hintergrundinformationen finden Sie bei [ Inhaltsverzeichnis ]

 [ 2 - Reinkarnation ]  [ 3 - Luther-Christus ]  [ 4 - Kirche-Holocaust ]  [ 5 - Paulus ]
 [ 6 - Krieg, Waffenexporte ]  [ 7 - Tiere ]  [ 8 - Bibel ]  [ 9 - Exorzismus ]  [ 12 - Neue Inquisition ]  
    [ 14 - Hieronymus-Bibel ]  [ 15 - Qumran ]  [ 16 - Vatikan ]  [ 17 - Organspende ]  [ 18 - Dogmen ] 
 [ 19 - Keine ewige Hölle ]
  [ 20 - Propheten ]  [ 23 - Kirche-Staat ]  [ 25 - Götzenkult Kirche ]  
 [ 28 - Luther-Juden ]  [ 31 - Klimakatastrophe ]  [ 33 - Zehn Gebote ]  [ 40 -Taufe ]  [ 41- Apokalypse ] 
     [ 46 - Kirchensubventionen ]  [ 48 - Positives Denken ]  [ 49 - Prädestination ]  [ 50 - Genmanipulation ]
     [ 51 - Petrus-Kirche ]  [ 53 - Atomkraft ]  [ 56 - Weltjugendtag ]  [ 58 - Kreuzigung ]  [ 59 - Abendmahl ] 
 
    [ 61 - Nachruf auf Kirche ]  [ 63 - Pfarrer ]  [ 65 - Esst kein Fleisch ]  [ 66 - Kaiser Konstantin ]
   [ 67 - 500 Jahre Reformation ]  [ 68 - Verfluchungen der Kirche ]  [ 70 - Papst Bergoglio ] 
[ 74 - Pfingsten ]  [ 75 - Würzburg ]  [
82 - Kirchenaustritt ]  [ 90 - Kreuzzüge ]   
[ FC 3 - Reichtum der Kirche ]  [ FC 6 - Kirche und Tod ]  [ Glaubenstest ]  [ Vaterunser ]  
  [ Urchristentum ]  [ Prophetie ]  [ Sex-Verbrechen von Priestern ]  [ Schwarzbuch Kath. Kirche ] 
  [ Schwarzbuch Evang. Kirche ]  [ 2005 bis 2013 ]
 [ Aktuell ]  [ Links ]  [ E-Mail ]  [
Impressum ] 

 




Die Zeitschriften
DER THEOLOGE (Impressum; bitte Grafik anklicken), Ausgaben Nr. 1, 3, 8, 70 und Auszüge aus Nr. 41 sind kostenlos auch inGratis-Hefte "Der Theologe" gedruckter Form erhältlich. Ebenfalls die Hefte "Freie Christen Nr. 1" - Es braucht keine Kirche aus Stein und Stoppt die Milliarden für die Kirche (Herausgeber: Initiative Mahnmal) mit einem ähnlichen Inhalt wie DER THEOLOGE, Ausgabe Nr. 46. Dazu einfach eine E-Mail mit Ihrer Postadresse senden und diese Hefte anfordern.
 
Über eine finanzielle
Unterstützung
freuen wir uns natürlich:
IBAN: DE06 6739 0000 0002 0058 08 bei der Volksbank Main-Tauber, BIC: GENODE61WTH, Kontoinhaber: Dieter Potzel, Verwendungszweck: "Der Theologe". Vielen herzlichen Dank! (Selbstkosten ca. 8,50 € in Deutschland; ca. 11,00 € außerhalb Deutschlands) Möchten Sie die
Verbreitung der Inhalte des
"Theologen"
im Internet fördern, dann setzen Sie einfach einen Link zu unserer Hauptseite oder zu anderen Seiten oder weisen Sie anderweitig auf diese Seiten hin.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------

"Ihr Völker der Erde, holt die Lehre des Jesus von Nazareth, des Freien Geistes, vom Kreuz herab". Dies ist die zentrale Botschaft der Broschüre Brüder und Schwestern, fürchtet euch nicht - der Geist unseres himmlischen Vaters ist mit uns. - Christus, der Freie Geist, außerhalb der Kirche. Die Broschüre enthält den Text der Lesung, die man sich auch als Video-Aufzeichnung ansehen kann. Sie ist gratis erhältlich in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch bei info@der-freie-geist.de. Der Text ist auch als PDF-Datei einsehbar.