DER THEOLOGE
Nr. 36
Kirche und Islam bzw. Islamismus
Vorbemerkung:
Martin Luther sah im Islam der türkischen
Osmanen die große Bedrohung für das kirchenchristliche Abendland. Der
"große Deutsche" predigte deshalb im Jahr 1529:
"... weil die Christen ... ein jeglicher von seiner Obrigkeit, zum Streit
wider die Türken gefordert und berufen werden, sollen sie tun als die treuen und
gehorsamen Untertanen (wie sie denn gewisslich tun, so sie rechte Christen sind) und mit
Freuden die Faust regen und getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel
sie immer mögen, weil sie eine Ader regen können ... werden sie darüber erschlagen,
wohlan, so sind sie nicht allein Christen, sondern auch gehorsame, treue Untertanen
gewesen, die Leib und Gut in Gottes Gehorsam bei ihren Oberherrn zugesetzt haben. Selig
und heilig sind sie ewiglich ..."
(Eine Heerpredigt wider den Türken, D. Mar. Luther. Anno 1529; Tomos 4,
S. 494 b - 496). Wer das anders sah,
wie der urchristliche Lehrer Michael Sattler, dem drohte der
Foltertod. Sattler lehrte laut der gegen ihn verfassten Klageschrift unter
Punkt 9, "dass Christen nicht gegen die
Türken kämpfen sollen; wenn er die Wahl hätte und ein Krieg überhaupt recht
wäre, dann würde er lieber auf Seiten der Türken kämpfen". Und weiter: "Christen dürfen niemandem das Leben nehmen, sie können nur Gott um ihren Schutz
anrufen. Wenn die Türken gegen Christen in den Krieg ziehen, so liegt es daran,
dass sie es als Muslime nicht besser wissen. Menschen, die sich Christen nennen
und Türken töten, sind ´türcken nach dem geist`".
Auch wollte Michael Sattler mit Berufung auf Jesus laut Punkt 3 der
Klageschrift keine Säuglinge taufen. Wegen diesen und weiteren
Glaubensgründen und seiner Haltung gegenüber dem Islam wird ihm 1527 in
Rottenburg am Neckar zuerst die Zunge heraus gerissen, dann werden mit
glühenden Schmiedeisen Löcher in seinen Leib gebrannt, danach wird er ganz "zu
Pulver" verbrannt. Drei Tage später wird seine Frau, die seine
Überzeugungen teilt, solange in den Neckar getaucht, bis sie ertrunken ist
(Quelle).
Der Theologe Thomas Kaufmann weist in seinem neuen Buch Geschichte der
Reformation, Frankfurt am Main, Leipzig 2009 nun darauf hin, "dass die
Angst vor den Türken entscheidend zum Erfolg der Reformation beigetragen
habe", so Die Zeit (Nr. 1, 30.12.2009).
Wie ist es heute? Von den beiden Großkirchen setzt sich vor allem die
evangelische öffentlich mit dem Islam auseinander und bietet dafür auch eine
eigene sachlich gehaltene Internet-Seite (http://www.kirche-islam.de/).
Die Haltung der evangelischen Kirche ist jedoch überhaupt nicht einheitlich.
So erläutert eine andere offizielle evangelische Seite, wie ein Muslim vom
evangelischen Glauben überzeugt werden könne (http://www.ead.de/gebet/30-tage-gebet/durch-gebet-berge-versetzen/wie-findet-ein-muslim-zu-jesus-christus.html),
wobei die evangelischen Christusvorstellungen missioniert werden, die nur
noch wenig mit dem zu tun haben, wie Jesus, der Christus, wirklich war.
Zum Thema siehe auch:
http://wetzww.neitung.de/deutschland/799170.html
und http://www.ksta.de/html/artikel/1190968686826.shtml.
Die Auseinandersetzung in der römisch-katholischen Kirche wird mehr im
Hintergrund geführt. Siehe dazu eine Sendung von Radio Vatikan zu den
islamkritischen Äußerungen des Papstes unter
http://www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=96118. Ein
Überblick aus römisch-katholischer Sicht hinsichtlich der Schweiz aus dem
Jahr 2002 siehe unter
http://www.kath.ch/infosekten/text_detail.php?nemeid=8244
Auf dieser Seite wird das Thema - vergleichbar einem Mosaik - anhand
jüngerer Ereignisse der Zeitgeschichte beleuchtet.
Lesen Sie eine Zusammenstellung der Meldungen aus den Rubriken
Der Theologe aktuell sowie
Das Weisse Pferd aktuell
aus dem Jahren 2005 bis 2009
(chronologisch geordnet).
|
Unser Anliegen: Wir bewerten den Islam ausdrücklich nicht. Auch nicht seinen Stifter Mohammed oder weitere Lehrer dieser Religion. Das mögen diejenigen tun, die dies als ihre Aufgabe betrachten. Wir wenden uns jedoch dagegen, wenn ein verfälschtes Christentum den Namen von Jesus, dem Christus, missbraucht, um einen Kulturkampf gegen den Islam zu führen oder gar Kriege gegen islamisch geprägte Länder befürwortet. Anstatt die Botschaft des Christus vorzuleben, wird er auf diese Weise mit den Lippen bekannt und seine Lehre dabei mit Füßen getreten. Dadurch entstehen in islamischen Ländern falsche Vorstellungen von Christus. Und wir möchten mithelfen, aufzuklären, dass diese Art von Christentum mit dem Mann aus Nazareth nur wenig oder gar nichts zu tun hat. |
Inhaltsverzeichnis:
2005
Die Kreuzzüge sind noch lebendig
Konflikt Iran
- USA: "Durch ein persisches Auge"
Von Präsident
Bush bis Islamischer Dschihad - alle huldigen dem Papst
"Königreich der
Himmel" - Kreuzzugswahn ist noch nicht überwunden
Römisch-katholischer Professor: Aufrufe von Papst Urban II. gleichen denen
Osama bin Ladens
2006
Der
Konflikt um die Mohammed-Karikaturen
Jahreslosung
2006 - "Gottes" Beistand für einen Völkermörder - Kirchen entlarven sich
Libanon-Krieg - "Test" für den Iran-Krieg? War es ein gerechter Krieg?
Kriegsstimmung in der evangelischen Kirche
Nahost-Kriege: Wer steigt aus aus dem Kreislauf der Gewalt?
Papst beleidigt Islam -
Sturm der Entrüstung in der moslemischen Welt über Benedikt XVI.
Wegen Kritik
am Papst: CSU-Chef Stoiber schließt Türkei aus Europa aus
Ausschreitungen in
Indonesien nach Hinrichtung von drei Katholiken
Das Spiel
von Politik, Militär und Wissenschaft mit dem Feuer
Trotz Audienz
für Moslems: Katholische Kirche verlangt Unterwerfung aller Menschen unter
den Papst für Erlangung des Heils
Kirchliche Politiker
kritisieren Absage der Oper mit enthaupteten Kopf Mohammeds und anderer
Menschheitslehrer
Drahtzieher
polarisieren weiter gegen Islam
CDU-Generalsekretär macht Islam für Gewalt verantwortlich und verschweigt
Verantwortung des kirchlichen Christentums
Der Krieg beginnt
Protest gegen
Islam: Evangelischer Pfarrer verbrennt sich bei lebendigem Leib
George W.
Bush und Benedikt XVI. - Ökumenische politische Doppelstrategie?
|
"Ich halte die Regensburger Rede, so wie sie gehalten wurde,
für prophetisch." (Papst-Privatsekretär Georg Gänswein auf die Frage "Warum hat den Text niemand gegengelesen?" - aus einem Interview mit der Zeitschrift Kurier, 3.9.2007 über die Rede des Papstes am 10.9.2006 an der Universität Regensburg; mehr dazu hier) |
2007
Die "heilige"
Elisabeth und der Kreuzzug gegen die Moslems im Palästina
"Wir fliegen in
den Krieg" - Deutschland im heimlichen Angriffskrieg
Kardinal Lehmann
sollte in Saudi-Arabien eine Messe lesen dürfen - Was müsste er selbst dafür
tun?
Afghanistan: Nahezu täglich getötete Zivilisten - Der heimliche Krieg wird
immer brutaler
Afghanistan,
Irak: Kriege geraten immer mehr außer Kontrolle
Streng
gläubige Katholikin mit islamischem Freund warf Neugeborenes aus dem Fenster
Kampf der
Kulturen in Deutschland: Katholische Politiker wollen Islam klein halten
Das Christentum hätte
den Pazifismus des Jesus von Nazareth lehren sollen
Islamische
Schulbücher - Mehr Toleranz als vermutet
2008
Ruanda - Der Verrat
der Kirche an Jesus von Nazareth - Moslems von Präsident um Hilfe gebeten
Provozierende Medien-Inszenierung in der Osternacht - Prominenter Muslim
katholisch getauft
2009
Muslimischer Ministerpräsident der Türkei verweist Christen und Juden
auf deren 5. Gebot
Ein großer Teil der
Moslem-Gemeinschaften beteiligt sich nicht am Kirchentag
Der Schaden
durch Mission / Die Morde von Jemen und Dresden
Der Muezzin von Köln und die Totenglocke von Bad
Königshofen
Nach dem Neubau-Verbot für Minarette: Schweigen in der
Schweiz bald auch die Kirchenglocken?
1.11.2001 -
Die Kreuzzüge sind noch lebendig:
Was sind die Ursachen der Aggressionen, die sich vielfach in der islamischen
Welt gegen den Westen aufgebaut haben. Lesen Sie dazu
http://www.das-weisse-pferd.com/01_11/kreuzzuege.html
12.2.2005 -
Konflikt Iran - USA:
Zu
diesem Thema äußerte sich im Jahr eine Iranerin, die in
Deutschland lebt. Damals hatten die USA den Iran in die "Achse des
Bösen" eingereiht. Wenn Sie mehr über die Hintergründe aus
"persischer Sicht" erfahren wollen,
welche dem gegenwärtigen Konflikt zugrunde liegen, lesen Sie:
http://www.das-weisse-pferd.com/02_04/persisches_auge.html
3.4.2005 -
Von Präsident Bush bis Islamischer Dschihad -
alle huldigen dem Papst: Das erinnert in diesen Tagen viele
Christen an die biblische Prophezeiung des Matthäusevangeliums, wo es bei
der Versuchung von Jesus im
Blick auf "alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht" heißt: "Das alles
will ich [der "Fürst dieser Welt"] dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest"
(Matthäus 5, 9).
5.5.2005 -
Kinostart von "Königreich der Himmel" - Der Kreuzzugswahn ist noch
nicht überwunden.
Noch relativ milde kam die Kirche in der aufwändigen
Hollywood-Produktion über die Kreuzzüge davon. Wem jedoch das, was er gesehen
hat, schon ausreicht, der kann sich überlegen, warum er noch Mitglied ist. Der
bekannte deutsche Philosoph Karl Jaspers warnte z. B. davor, dass der "biblisch
fundierte Absolutheitsanspruch" der Kirchen nach wie vor "ständig auf dem
Sprung" stehe, "von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen
(Der
philosophische Glaube, 9. Auflage, 1988, S. 73). Wer es nicht glaubt? In der
aktuellen Lehrbuchsammlung der katholischen Kirche von
Josef Neuner und
Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden und Lehrverkündigungen, neu
bearbeitet von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger wird u. a. ohne jeglichen
kritischen Kommentar die "Glaubenswahrheit" Nr. 382 dargelegt, in der es
heißt: Die Kirche muss "mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen,
was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte."
Und der Abt Bernhard von Clairvaux (1091-1153), der durch seine
Kreuzzugspredigten den grausamen Tod zahlloser Menschen auf dem Gewissen hat,
wird seit 1179 bis heute in der römisch-katholischen Kirche als "Heiliger"
verehrt. Ihm ist auch der 20.8. als Namenstag gewidmet und er wurde 1830 gar zum
"Kirchenlehrer" erhoben. Das sind nur wenige Beispiele.
Wie praktisch
"ausgemerzt" wurde, lesen
Sie auch in drei Artikeln in der Zeitschrift
"Das Weisse Pferd",
v. a.. im ersten Artikel über die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer im
1. Kreuzzug 1099. Der zweite Artikel weist auf den Kreuzzug gegen die
christlichen Katharer hin und der dritte behandelt ausführlich den Krieg der
Kirche gegen die christlichen Arianer.
http://www.das-weisse-pferd.com/98_ex/kreuzzuege.html
http://www.das-weisse-pferd.com/98_ex/katharer.html
http://www.das-weisse-pferd.com/00_01/arianer.html
30.10.2005 -
Römisch-katholischer Professor gibt zu: "Die Verheißungen durch den
damaligen Papst gleichen den Aufrufen Osama bin Ladens" -
"Bin Laden in der Tradition von Papst Urban II."
lautete die Überschrift in zahlreichen Tageszeitungen
(z. B. Main-Echo
29./30.10.2005), welche eine Meldung der
Katholischen Nachrichtenagentur KNA
verbreiteten. Darin heißt es wörtlich: "Nach Meinung des katholischen Augsburger
Theologen Klaus Kienzler ´wurzelt die fundamentalistisch-islamische
Dschihad-Idee in den christlichen Kreuzzügen`. Die arabischen Kriegsherren
hätten zur Zeit Saladins (1138 bis 1193) den ´heiligen Krieg` der römischen
Westkirche übernommen, um muslimische Kämpfer für die Rückeroberung Jerusalems
zu motivieren, sagt Kienzler bei einem Vortrag in der Münchner
Ludwig-Maximilians-Universität. Der Hass zwischen Christen, Juden und Muslimen
sei erst durch die Kreuzzüge entstanden. Der Fundamentaltheologe zitierte einen
Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. (1088 bis 1099) und erklärte dazu: ´Die
Verheißungen des Paradieses für die christlichen Märtyrer durch den damaligen
Papst gleichen den Aufrufen Osama bin Ladens.`"
Dies wiegt umso schwerer, da sich die römisch-katholische Kirche bis heute nicht
von ihrem "Heiligen Vater" Urban II. distanziert hat, obwohl zeitgleich
zu Urban II. mit
Clemens III. ein zweiter Papst regierte (1080 bis 1100), den z. B. die damalige
deutsche Bischofskonferenz als den rechtmäßigen betrachtete und dessen
"moralische Integrität" auch von seinen Gegnern "anerkannt" wurde
(Wikipedia-Internet-Enzyklopädie zu Clemens III.). Doch der Vatikan
entschied sich für den Mordbrenner Urban II., der die Kreuzzüge ins Leben rief,
als den rechtmäßigen "Heiligen Vater". So könnte man einmal mehr
grundsätzlich fragen: Wer sitzt eigentlich auf dem Stuhl Petri?
Lesen
Sie dazu:
Über die geistigen Wurzeln des Holocaust:
Die Kreuzzüge - die brutale Vernichtung Andersgläubiger:
http://www.das-weisse-pferd.com/98_ex/kreuzzuege.html
8.2.2006 -
Der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen -
Lesen Sie dazu den Artikel
Der Kampf der Kulturen
-
http://www.das-weisse-pferd.com/98_01/kriege.html
Darin heißt es u. a.: "Nicht im ´Kampf der Kulturen` kann die Zukunft
der Menschheit liegen, sondern in der Suche nach der gemeinsamen Identität aller
Menschen ..."
13.3. / 14.3.2006 -
Jahrslosung 2006 - "Gottes" Beistand für einen
Völkermörder - Kirchen entlarven sich - "Ich lasse dich
nicht fallen und verlasse dich nicht" heißt ein angebliches Gotteswort an Josua
in der Bibel (Josua 1, 5b), das die katholische und die evangelische
Kirche in Deutschland als Jahreslosung 2006 für die Gläubigen auswählten.
Unmittelbar zuvor heißt es in der Bibel: "Niemand wird dir Widerstand leisten können, solange
du lebst" (Vers 5a). Worum geht es? Bereits einige Verse weiter bekommt
die kirchliche Andachtsstimmung die ersten Kratzer. "Jeder, der sich deinem
Befehl widersetzt und nicht allen deinen Anordnungen gehorcht, soll mit dem Tod
bestraft werden" (Vers 16). Also wird hier zunächst erklärt, wie
sich die eigene Bevölkerung verhalten muss: Befehle ausführen oder hingerichtet
werden. Den Nachbarvölkern "stockte der Atem" (5, 1), als sie
das hörten. Doch lange würden
sie nicht mehr atmen können, denn bald gerieten sie selbst in Visier. Zuerst wurden die
menschlichen Bewohner und die Tiere der heutigen
Palästinenserstadt Jericho massakriert: "Mit scharfem Schwert weihten sie [die
Soldaten unter dem Befehl Josuas] alles, was in der Stadt war, dem Untergang,
Männer und Frauen, Kinder und Greise, Rinder, Schafe und Esel" (6, 21).
Nicht alle befolgten jedoch den Ausrottungsbefehl, so dass wieder eine Phase innerer
"Säuberungen" folgte: "Bei wem man
dann etwas findet, das dem Untergang geweiht ist, der soll mit allem, was er
hat, verbrannt werden ..." (7, 15.25). Dann wieder Völkermord nach
außen: "Es gab an
jenem Tag insgesamt zwölftausend Gefallene, Männer und Frauen, alle Einwohner
von Ai. Josua aber ließ seine Hand mit dem Sichelschwert nicht sinken, bis er
alle Einwohner von Ai dem Untergang geweiht hatte ... Den König von Ai aber ließ
er an einem Baum aufhängen ... (8, 25.29). Und so weiter. Alles im
Auftrag des "Gottes", der dem Feldherrn Josua die Massaker befohlen hatte und
ihm für seine Befehlstreue versprochen hatte: "Ich lasse dich nicht fallen und
verlasse dich nicht" - die Jahreslosung der Kirchen für das Jahr 2006.
Vertreter der Kirchen erklären nun als Rechtfertigung ihrer Jahreslosung, dass es
bei diesen Ereignissen in Wirklichkeit gar nicht so gewalttätig zuging, wie dies
in der Bibel beschrieben sei. Das ist
insofern bemerkenswert, da dies ja auch ein Eingeständnis wäre, dass die
biblischen Berichte die Wirklichkeit verfälscht hätten. Warum werden sie dann
aber als "Gottes Wort" bezeichnet? Kann eine Fälschung gleichzeitig
"Gottes Wort" sein?
Abgesehen von diesem Widerspruch glaubt man den kirchlichen Theologen aber
gerne, dass das damalige Volk Israel viel friedlicher war,
und spätere Schriftgelehrte und Theologen sich die Massaker nur besonders total und grausam
ausgemalt hatten. Doch das spielt im Zusammenhang der Jahreslosung 2006 keine
Rolle. Denn in diesem Zusammenhang zählt eben nicht die Historie vor über 3.000 Jahren (die hoffentlich
friedlicher war), sondern das, was heute als "Gottes Wort" in der Bibel steht.
Mit anderen Worten: Was für die Kirchen als "Gottes Wort" gilt, ist
heute maßgeblich und nicht das, was
sich vielleicht in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hat, aber niemand
beweisen kann. Und als "Gottes Wort" gilt eben der Völkermord nach außen und
nach innen in seiner schlimmsten Form. So kann
man sich auch fragen: Mit welchem Recht erhebt man sich angesichts dieser
"heiligen Schriften" in den Kirchen heute z. B. über den Islam,
dessen Gläubige in der Geschichte mehrfach tatsächliche Opfer von
kirchlichen Völkermördern wurden?
Wer die Kirche und ihre Lehren kennt, den überrascht die Selbstverständlichkeit
dieses Horrors allerdings nicht. Durch Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte
(die Nachfahren der früheren Inquisitoren) werden auch heute Minderheiten auf Schärfste bekämpft,
die den Kirchen ein Dorn im Auge sind (siehe
Der Theologe Nr. 12). Und in den vergangenen
ca. 1.700 Jahren verbündete man sich mit vielen Regimes, welche auf Geheiß der
Kirche Menschen hinrichten ließen, die dieser unliebsam waren. Und wörtlich heißt es bis heute
in den gültigen Lehren der Kirche: "Deshalb muss sie [die römisch-katholische
Kirche] mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den
Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte." (Neuner-Roos, Der
Glaube der Kirche, Glaubenswahrheit Nr. 382, siehe dazu
Der Theologe Nr. 18).
Sollten also eines Tages sogar wieder Menschen "ausgemerzt" werden, (wenn man sich
wieder mit einem dazu passenden Regime verbündet), bräuchte sich niemand zu
wundern. Damit es aber nicht dazu kommt, wäre es notwendig, dass alle aufrechten
Demokraten und Verfechter von Glaubensfreiheit und Toleranz die Kirchen in die
Schranken des Grundgesetzes weisen (wo sich die Bundesrepublik Deutschland zur
Religionsfreiheit und zur Ablösung kirchlicher Privilegien bekennt) anstatt sie mit Milliardensubventionen am
üppigen Leben zu erhalten und ihre Macht- und Ausrottungsphantasien achselzuckend
hinzunehmen.
Warner gibt es viele, so z. B. auch den Göttinger Theologen Gerd
Lüdemann, der zur Jahreslosung u. a. schrieb: "Die Texte aus dem Josuabuch
schildern die totale Abschlachtung der kanaanäischen Bevölkerung ... Der Bann
hat einen erschreckend grundsätzlichen Charakter: Gott lässt seine Exekutoren
nicht fallen und verlässt sie nicht"
(Welt am Sonntag, 8.1.2006;
http://www.welt.de/data/2006/01/08/828497.html).
19.7. / 28.11.2006 -
Libanon-Krieg - "Test" für Iran-Krieg?
War es ein gerechter Krieg? Kriegsstimmung in der evangelischen
Kirche
-
"Pünktlich" drei
Tage nach der Fußball-Weltmeisterschaft begann am 12.7.2006 der von vielen voraus geahnte
neue Nahost-Krieg. Im Zusammenhang des Weihnachts-Urbi-et-Orbi von Benedikt XVI.
war verschiedentlich gemutmaßt worden, dass die derzeitige Regierung der USA das Fußball-Großereignis in
Deutschland noch abwartet, um dann in irgendeiner Form gegen den Iran
loszuschlagen (siehe dazu unsere Meldung
vom 25.12.2005). Am 19.7.2006, eine Woche nach Beginn des neuen Krieges,
verbreiteten die New York Times in den USA und The Guardian in
Großbritannien die Meldung, dass Israel anscheinend in enger Absprache mit der
Regierung Bush
handele. "Washington habe Israel ein Zeitfenster von einer Woche eingeräumt, um
die Infrastruktur der militanten Hisbollah zu zerstören", die bekanntlich
vom Iran unterstützt wird (Focus online,
19.7.2006; siehe dazu auch
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,427836,00.html). "Israels
Militäroffensive im Libanon sei lange geplant gewesen", glaubt auch der
israelische Historiker Tom Segev (Spiegel online, 19.7.2006).
"Israel habe von den USA
eine ´carte blanche` (= Freibrief, Blanko-Vollmacht) für eine Ausweitung der
Angriffe gegen Hisbollahziele im Libanon", sagte zudem ein Armeesprecher
Israels, der anonym bleiben möchte
(Spiegel online, 21.7.2006). Und vielleicht hat der gläubige protestantische US-Präsident
George W. Bush
(er wurde einst vom "Evangelisten" Billy Graham
für den kirchlichen Glauben bekehrt) auf eine Art "Wunschzettel" für mögliche
Entwicklungen zurück gegriffen, als er Syrien am 19.7.2006
scharf attackierte und in diesem Zusammenhang erklärte: "Mir kommt´s so vor, als
wollten die Syrer wieder in den Libanon" (Focus online, 20.7.2006). Zum
Zeitpunkt des etwas überraschenden Wortbeitrags des Präsidenten waren allerdings die Israelis wieder dort eingedrungen und
nicht die Syrer, die 2005 als bisherige "Schutzmacht" ihre Truppen unter dem
Jubel der libanesischen Bevölkerung zurückgezogen hatten.
Mittlerweile hat auch der US-amerikanische Journalist Seymour Hersh Indizien
dafür zusammengetragen, dass der Libanon-Krieg für die Bush-Regierung ein
"Testlauf für einen Iran-Krieg" gewesen sein soll
(siehe
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,431774,00.html).
Ganz
selbstverständlich
können die Kirchenchristen bei ihrer Beurteilung des
Krieges die in ihrem Glaubensbekenntnis verankerte "Lehre vom gerechten
Krieg" anwenden, der auch
für die evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland bis heute verbindliche
Glaubenslehre ist.
So wird in der
Augsburger Konfession
gelehrt, "dass
Christen mögen ... Übeltäter mit dem Schwert strafen [und](,) rechte Kriege
führen"
(CA XV),
und jeder Pfarrer wird darauf vereidigt. Am
direktesten sprach bisher der bekannte Politologe, Buchautor und häufige
Referent auf Kirchentagen und in kirchlichen Kreisen, Dr. Matthias Küntzel, von einem "gerechten
Krieg"
(Spiegel online, 23.7.2006) - im Gegensatz zur UNO, deren
Vertreter in diesem Krieg z. B. "Verstöße gegen internationales Recht" beklagte
(25.7.2006).
Zwar hatten sich der Papst und der EKD-Vorsitzende Bischof Wolfgang Huber
während des Krieges der
UN-Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand angeschlossen, doch
vor allem innerhalb der evangelischen Kirche griff vielfach unverhohlene
Kriegsstimmung um sich. So heißt es z. B. im Leitartikel von Johannes Gerloff in dem
angesehenen evangelischen Wochenmagazin
idea-spektrum (Nr. 29/2006):
"´Israel
muss die Hisbollah total vernichten.` Darin sind sich die messianische Jüdin
Alice aus Naharija und der arabische Christ Nabil aus Mrar einig." Und: "Die
größte Angst der Israelis kommt immer wieder zur Sprache: dass der Druck der
Weltöffentlichkeit Israel einmal mehr zwingen könnte, eine Militäraktion
vorzeitig und unvollendet abbrechen zu müssen." Dies klingt wie eine Drohung
gegenüber europäischen Vermittlern wie Javier Solana oder der französischen Regierung oder
dem deutschen Ex-Außenminister Joschka Fischer, die sich um einen
sofortigen Waffenstillstand bemühen, um weiteres furchtbares Leid zu verhindern.
Und dann lässt die evangelische Zeitung am Ende ihres Kommentars eine vielleicht
versteckte Aufforderung zum Krieg gegen den Iran folgen: "Wer dem mörderischen
Ungetüm das Genick brechen will, muss sich nach Teheran wenden."
PS: Auch der
bekannte römisch-katholische Fernsehkorrespondent Ulrich W. Sahm
(ntv),
gleichzeitig Mitarbeiter der römisch-katholischen Nachrichtenagentur
KNA,
stand hinter den Angriffen der israelischen Armee. Sein Argument: "Die
Kriegserklärung ging vom Libanon aus"
(idea spektrum Nr. 31/2006).
Einmal mehr wird der große jüdische Friedensstifter Jesus von Nazareth damit von den Kirchenchristen
auf böse Art und Weise verhöhnt.
Denn Jesus sprach niemals von totaler militärischer Vernichtung eines Gegners
oder einer Angst, einen Krieg vorzeitig abbrechen zu müssen oder davon, einem
Gegner das Genick zu brechen. Nicht einmal von einem "gerechtfertigten"
"Verteidigungskrieg". Jesus lehrte
in der Bergpredigt
(Matthäusevangelium, Kapitel 5-7):
"Liebet eure Feinde, segnet,
die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch
beleidigen und verfolgen." Wem dies ethisch zu anspruchsvoll erscheint oder aus
einer Betroffenheit heraus augenblicklich unannehmbar, der sollte sein Denken
und Empfinden dann aber wenigstens nicht "christlich" nennen. Und Jesus lehrte auch ganz
schlicht und für jeden sofort verständlich: "Alles nun, was ihr wollt,
dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" Dies ist
gleichbedeutend dem bekannten Sprichwort "Was du nicht willst, dass man dir tu,
das füg auch keinem andern zu." Oder Jesus weiter: "Was siehst du aber
den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem
Auge." Oder: "Selig sind die Friedensstifter; denn sie werden Gottes Kinder
heißen." Das
also wäre der Beitrag von Christen zum Nahost-Krieg im Gegensatz zu vielen
anti-christlichen evangelischen Beiträgen. Auffällig ist, dass sich viele
Nachfolger Martin Luthers nicht einmal mehr die Mühe machen, Jesus zu
widerlegen. Auch jammern sie gar nicht mehr herum, dass es doch so
"schwer" sei, seine Lehre zu befolgen und man leider "notgedrungen" das Gegenteil von
dem tun müsse, was er lehrte. Jesus von Nazareth wird immer häufiger einfach
ignoriert.
Selbst das Alte Testament, gleichermaßen die Glaubensgrundlage des Judentums
und der Kirche, wird vielfach ignoriert und damit stellenweise praktisch für bedeutungslos erklärt.
Denn das Alte
Testament lehrt: "Auge um Auge, Zahn um Zahn"
(2. Mose 21, 24).
Bekanntlich hat Jesus auch diesem Satz, der einem Geschädigten
erlauben soll, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, deutlich widersprochen
(siehe
dazu Matthäus 5, 38 ff.).
Doch dessen Lehre hat man ja eh´ schon über Bord geworfen. Nun steht aber auch
hier im Alten Testament geschrieben: Vergeltung mit
Gleichem, nicht mit
Unverhältnismäßigem.
Doch man hielt sich in diesem Krieg auch nicht an dieses Gebot im Alten Testament, sondern riss
sinngemäß für ein Auge manchmal 100 Augen aus und für einen Zahn manchmal 100
Zähne. Wäre man stattdessen nach dem alttestamentlichen Prinzip "Auge um Auge, Zahn um
Zahn" (bzw. "Auge für Auge, Zahn für Zahn") vorgegangen, so wäre also auf eine Entführung oder einen Terror-Anschlag
eine Vergeltung gleichen Ausmaßes erfolgt.
Für die Kirchenchristen in der
US-Regierung und ihre Gesinnungsfreunde in den deutschen Kirchen zählt es jedoch
zum legitimen Recht, ein Unrecht x-fach vergelten zu dürfen bis zur Ausrottung
eines Verursachers, was auch mit der Ausmerzung zahlloser Unbeteiligter
verbunden ist. Und im Alten Testament gibt es
leider auch andere Stellen, in denen ein solches Verhalten auch religiös gerechtfertigt
wird. Zudem glauben Millionen von Bibelanhängern, v. a. in den USA, dass
ihr evangelischer bzw. kirchlicher Gott in der so genannten "Endzeit" der Armee
Israels den militärischen Sieg schenkt und alle ihre Gegner vernichtet, und dass sich die Israelis anschließend
zum kirchlichen Glauben bekehren. In
diesem Sinne biegt man sich teilweise gefälschte Bibelstellen aus dem Alten Testament
(so z. B. in Hesekiel 38 und 39) oder der
Offenbarung des Johannes (z. B. 14, 20)
zurecht.
Siehe dazu:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5782498_TYP_THE_NAV_REF3,00.html.
Im Gegensatz dazu ist auch die Verheißung an den Propheten Abraham zu bedenken,
in der es heißt: "In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden"
(1. Mose 12, 3). Wie aber müsste eine Politik aussehen, die zum "Segen" auch
für die anderen "Geschlechter" bzw. Völker würde? Zudem heißt es sowohl im Alten als auch im
Neuen Testament: "Was der Mensch sät, das wird er ernten."
Wenn diese geistige "Gesetzmäßigkeit" zutreffend ist, kann sich jeder selbst ausrechnen, was bald auf
diejenigen zukommt, die in den letzten Wochen anderen großes Leid zufügten, gleich, auf welcher
Seite sie stehen. "Es wurde so viel Hass gesät", berichten Menschen vor Ort
(siehe
http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,432616,00.html),
und dies gilt wohl für Menschen in Israel und im Libanon. "Fast der ganze
Südlibanon ist eine Ruinenlandschaft", schreibt z. B.
Spiegel online (15.8.2006),
und was werden wohl die Flüchtlinge denken, die in ihre Häuser
zurückkehren wollten und dort jetzt nur noch eine Ruine finden
(siehe dazu
auch
http://focus.msn.de/politik/nahost/beirut_nid_33705.html über die Situation
in Beirut). Noch wenige Stunden vor Kriegsende wurden die Angriffe mit
auch in militärischen Kreisen heftig kritisierten Streubomben intensiviert, von denen 100.000 noch nicht explodiert seien und in
der "Nachkriegszeit" weiter täglich Menschen töten
(siehe
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,434435,00.html).
Während des Krieges wurden zudem Phosphorbomben abgeworfen, die demnächst als
chemische Waffen geächtet werden sollen (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,443964,00.html).
Und schließlich hat die israelische Armee auch die im Jahr 1997 von 152 Staaten
geächteten Landminen eingesetzt (http://www.focus.de/politik/nahost/un_nid_40121.html).
Und ein Krieg zieht
immer auch noch weitere unheilvolle Kreise: Bei einem Angriff soll
z. B. auch der Bruder eines libanesischen Studenten aus Kiel ums Leben gekommen
sein.
Und dieser versuchte später wiederum, zwei Bomben in deutschen Regionalzügen zu
zünden. Nach Ansicht von Experten sind solche privaten Tragödien oft der
Auslöser dafür, dass sich jemand dem Terrorismus zuwendet. Wie also könnte man
demnach den Terrorismus wirksam bekämpfen?
Anmerkung: Im Jahr
1982 kam es im Libanon sogar zu einer massiven Kriegshandlung einer angeblich
"christlichen" Armee:
Damals verübte die so genannte Phalangisten-Armee der kirchenchristlichen
Maroniten das Massaker in
den palästinensischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila nahe Beirut. Die
israelischen Besatzer hielten den Maroniten dabei den Rücken frei. 2.500
Palästinenser wurden wahllos ermordet, nachdem zuvor der maronitische libanesischen Präsidenten Baschir Gemayel
ermordet wurde und man Palästinenser als Drahtzieher vermutete. Die Maroniten
erkennen den römisch-katholischen Papst im Rom als ihr Oberhaupt an
(Näheres dazu bei
http://de.wikipedia.org/wiki/Sabra_und_Schatila).
Zum Kriegsverlauf:
Während drei bekannte israelische Schriftsteller (David Grossmann, A. B.
Yehoshua, Amoz Oz) in der letzten Kriegsphase ein sofortiges beidseitiges Ende der Angriffe forderten
(Haaretz, 6.8.2006)
und auch Rolf Verleger vom
Zentralrat der Juden in Deutschland die Fortsetzung des Kriegs kritisierte
(siehe
http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/430907.html),
meldete sich zu diesem Thema
in Deutschland auch der außenpolitische Sprecher der CDU, das Vorstandsmitglied Eckart von Klaeden,
zugleich Mitglied im
Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages,
zu Wort. Er warf der Hisbollah vor, möglichst "viele Tote unter der
Zivilbevölkerung beider Seiten" herbeiführen zu wollen
(Bild, 5.8.2006).
"Wir dürfen auf diese menschenverachtende
Strategie nicht hereinfallen", so der führende evangelisch-lutherische
Politiker. Was sollte das nun praktisch heißen? Es war offenbar eine weitere
Rechtfertigung dafür, dass der Krieg erst einmal weitergehen müsse.
Eine andere Rechtfertigung lautete seit dem 1.8.2006, der Krieg sei eine
notwendige "Vorbereitung für
die
internationale Friedensmission" im Libanon, die seither vorbereitet wurde.
Dabei könnten folgende Entwicklungen allerdings eine Warnung sein: Nach
dem Irak-Krieg der USA wurde das Land zur Operationsbasis für Terroristen (ca.
6.500 Todesopfer seit "Kriegsende", davon ca. 40 getötete US-Soldaten monatlich,
tägliche Selbstmordattentate). Und auch seit dem Afghanistan-Krieg der NATO
verfällt dieses Land zunehmend in Terror und Chaos und die im Krieg scheinbar
besiegten Taliban kommen wieder. Im Libanon kommen zu den Todesopfern und
Verletzten momentan auch wirtschaftliche Schäden in Höhe von ca. acht Milliarden
Euro hinzu, das Ausmaß der Ölpest noch nicht mit eingerechnet (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,432293,00.html).
Der Krieg hat solche "ökologischen Schäden" verursacht, dass auch die
Landwirtschaft, die Lebensgrundlage der Bevölkerung, auf lange Sicht zerstört
ist. "So hätten etwa die israelischen Luftangriffe auf den Süden des
Libanons so schwere Umweltschäden angerichtet, dass dort die nächsten Jahre
nicht mehr an Landwirtschaft ... zu denken sei"
(dpa, 27.10.2006).
PS: Wer soll dafür aufkommen und wie genau soll denn die "internationale
Friedensmission" die Friedens- und Versöhnungsbereitschaft der Bevölkerung
fördern?
Im Nachbarland Syrien war in den letzten Kriegstagen "die Wut kaum noch
kontrollierbar", so der Imam Muhammad al-Habash. Spiegel online
schreibt: "´Das Volk glaubt, es habe die
religiöse Pflicht, den Besatzern Widerstand zu leisten`, sagt er und erzählt von
Familien in seinem Bekanntenkreis, deren Söhne sich in den letzten Tagen in den
Dschihad verabschiedet haben. Vermutlich in den Libanon, da Syrien der
Frustration noch kein Ventil bietet. Al-Habash ist ein Geistlicher, der für
seine Weltoffenheit und Toleranz bekannt ist. ´Aber jedes Mal, wenn die Menschen
hier Opfer von Israel werden, wird die Stimme der Gemäßigten immer leiser. Wir
verlieren an Glaubwürdigkeit`, beklagt er. ´Wenn der Krieg weiter eskaliert,
wird sich unser Volk von nichts mehr aufhalten lassen`" (10.8.2006).
Nun
ist der Krieg tatsächlich kurzzeitig eskaliert, doch mittlerweile haben alle
Seiten der UN-Resolution für eine Waffenruhe zugestimmt. Doch werden sich nun z.
B. alle Kämpfer, die gerade erst in den Dschihad gezogen waren, der Führung der
Hisbollah beugen, wenn diese die Waffen niederlegt? Oder ist das Leid des gerade
gestoppten Krieges und der akuten Kriegsfolgen nicht schon der Keim für den
nächsten Krieg? Auch die israelische Regierung hat bereits die Fortsetzung des
Krieges angekündigt, wenn die Hisbollah sich nicht entwaffnen lässt.
Währenddessen bauen jüdische Siedler im besetzten Westjordanland weiter illegal
Häuser auf Grundstücken von Palästinensern, was von der Regierung geduldet wird.
(http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/448497.html).
Doch immerhin gibt es auch einen jüdischen Rabbi, der palästinensischen Opfern
beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern oder bei der Ernte hilft.
Die deutsche Regierung hat sich ebenfalls in den Konflikt hineinziehen lassen
und schickte 2.500 Soldaten im Rahmen der UN in den Libanon, um
Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden (siehe dazu z. B.
http://www.netzeitung.de/deutschland/433054.html).
Lesen Sie dazu auch:
Der Theologe Nr. 6 - Die
evangelische Kirche, immer für den Krieg
Der Theologe Nr. 3 - So spricht Martin Luther - so
spricht Jesus von Nazareth
20.7.2006 -
Nahostkriege -
Lesen Sie dazu den Artikel
Wer steigt aus aus dem Kreislauf der Gewalt? (http://www.das-weisse-pferd.com/02_04/kreislauf_gewalt.html)
15.9. / 2.10.2006 -
Papst beleidigt Islam
- Sturm der Entrüstung in der
moslemischen Welt über Benedikt XVI. -
Es ist kaum vorstellbar, dass
Joseph Ratzinger, der seine Reden Wochen im Voraus penibel plant, nicht wusste,
was er tat. Seine Rede in der Universität Regensburg war dann eine
hintergründige Kampfansage an den Islam, nachdem er am 10.9.2006 in München ebenso
hintergründig die Toleranz gegenüber Kritikern ablehnte, welche die Lehre des Katholizismus
aufdecken (Wörtlich warf er ihnen "Zynismus" vor, "der die Verspottung des
Heiligen als Freiheitsrecht ansieht" und er ergänzte, dies sei nicht
"die Art von
Toleranz und von kultureller Offenheit, auf die die Völker warten und die wir
alle wünschen"). Im nächsten Absatz lesen Sie zunächst, was der
Papst am 12.9.2006 in Regensburg wörtlich sagte (zit. nach der Mittelbayerischen
Zeitung Regensburg, mittelbayerische.de). Die fett markierten Stelle sind
dabei der Anlass für die Entrüstung, wobei sich der Papst das Zitat von Kaiser
Manuel II. durch die Art und Weise der Darlegung unmissverständlich zu eigen
macht:
"Eminenzen, Magnifizenzen, Exzellenzen,
verehrte Damen und Herren! Es ist für mich ein bewegender Augenblick, noch
einmal in der Universität zu sein und noch einmal eine Vorlesung halten zu
dürfen ...
Dass es auch solch radikaler Skepsis gegenüber notwendig und vernünftig bleibt,
mit der Vernunft nach Gott zu fragen und es im Zusammenhang der Überlieferung
des christlichen Glaubens zu tun, war im Ganzen der Universität unbestritten.
All dies ist mir wieder in den Sinn gekommen, als ich kürzlich den von Professor
Theodore Khoury (Münster) herausgegebenen Teil des Dialogs las, den der
gelehrte byzantinische Kaiser Manuel II. Palaeologos wohl 1391 im
Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser über Christentum und Islam und
beider Wahrheit führte. Der Kaiser hat wohl während der Belagerung von
Konstantinopel zwischen 1394 und 1402 den Dialog aufgezeichnet; so versteht man
auch, dass seine eigenen Ausführungen sehr viel ausführlicher wiedergegeben sind
als die Antworten des persischen Gelehrten. Der Dialog erstreckt sich über den
ganzen Bereich des von Bibel und Koran umschriebenen Glaubensgefüges und kreist
besonders um das Gottes- und das Menschenbild, aber auch immer wieder
notwendigerweise um das Verhältnis der ´drei Gesetze`: Altes Testament - Neues
Testament - Koran. In dieser Vorlesung möchte ich nur einen - im Aufbau des
Dialogs eher marginalen - Punkt behandeln, der mich im Zusammenhang des Themas
Glaube und Vernunft fasziniert hat und der mir als Ausgangspunkt für meine
Überlegungen zu diesem Thema dient.
|
"Ich halte die Regensburger Rede, so wie sie gehalten wurde,
für prophetisch." |
In der von Professor Khoury herausgegebenen siebten Gesprächsrunde (Dialexis-Kontroverse)
kommt der Kaiser auf das Thema des Djihad (heiliger Krieg) zu sprechen. Der
Kaiser wusste sicher, dass in Sure 2, 256 steht: Kein Zwang in Glaubenssachen -
es ist eine der frühen Suren aus der Zeit, in der Mohammed selbst noch machtlos
und bedroht war. Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran
niedergelegten - später entstandenen - Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von
´Schriftbesitzern` und ´Ungläubigen` einzulassen, wendet er sich in erstaunlich
schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von
Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ´Zeig mir
doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und
Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er
predigte, durch das Schwert zu verbreiten`. Der Kaiser
begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig
ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. ´Gott
hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß (´syn logo`) zu handeln, ist
dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers.
Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede
und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele
zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst
eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann…`.
Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt
lautet: Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der
Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in
griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für
die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an
keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit. Khoury
zitiert dazu eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez,
der darauf hinweist, dass Ibn Hazn so weit gehe zu erklären, dass Gott auch
nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und dass nichts ihn dazu verpflichte,
uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch
Idolatrie [= Götzendienst] treiben."
Auf diese Weise konstruierte
Benedikt XVI. also auch eine an Geschichtsfälschung grenzende Verbindung von
"Vernunft" und Katholizismus und rückte den Islam in Richtung "Idolatrie" (=
Götzendienst). Joseph Ratzinger ist wie kein anderer die Verkörperung des
Katholizismus, und er kennt natürlich auch den "unfehlbaren"
römisch-katholischen Lehrsatz: "[Die heilige römische Kirche, durch das
Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und
verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide`
noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen
Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel
und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der
Kirche) anschließt" (zit. nach Josef Neuner, Heinrich Roos, Der
Glaube der Kirche, Regensburg 1971, Nr. 381; siehe dazu
Der Theologe Nr. 18). Moslems müssen also nach römisch-katholischer
Lehre nach ihrem Tod in die Hölle, wenn sie nicht rechtzeitig katholisch werden.
Demgegenüber ist es noch maßvoll, was Benedikt XVI. in Regensburg tatsächlich
sagte. Doch in jeder Zeile ist die unter bescheidenem Auftreten verborgene
Überheblichkeit des "Lenkers des Erdkreises" spürbar, der nicht die geringsten
Zweifel daran hat, auf welcher Seite angeblich das "Heil" zu finden ist und auf
welcher das "Unheil". Natürlich ist es positiv, wenn er darauf
hinweist, dass eine Religion nicht mit Gewalt verbreitet werden darf. Doch hätte
er es vor allem im Hinblick auf seine eigene Kirche sagen können. So erklärt
die römisch-katholische Kirche z. B. die Bibel als "wahres Wort Gottes"
und legitimiert damit auch die biblische Aufforderung zu Krieg und Völkermord als "wahres
Wort Gottes". Siehe dazu einen Auszug aus der kirchlichen Bibel in
Der Theologe Nr. 26. Zudem sind kirchliche Drohungen mit der Hölle, z. B. Kindern gegenüber, auch eine Form der
"Gewalt" sind, nämlich psychischer Gewalt, die auch heute noch
angewandt wird.
Nach den weltweiten Unruhen aufgrund Benedikts Regensburger Rede rudert der
Papst aber etappenweise zurück.
Das Zitat von Kaiser Manuel II. drücke "in keiner Weise" seine "persönliche Haltung dem Islam
gegenüber" aus (Spiegel online, 17.9.2006), so der Papst fünf Tage
später. Doch Benedikt bleibt wortkarg,
vermeidet jetzt bewusst Näheres über seine "Haltung dem Islam gegenüber".
Und schweigt auch über offizielle römisch-katholische Lehrsätze wie "So
verwerfen und verabscheuen Wir die gottlose Lehre von der Gleichwertigkeit aller
Religionen" (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, 13. Auflage, Regensburg
1992, Lehrsatz Nr. 369, vgl. Der Theologe Nr. 18).
Währenddessen gießt das evangelische Wochenmagazin idea-spektrum
weiter Öl ins Feuer und fragt in ihrem Leitartikel Warum der Rückzug des
Papstes? - Der Leitartikel beginnt mit den Worten: "Als einziges
deutsches Blatt brachte es die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) auf den
Punkt: ´Bestimmte Dingen darf man nicht sagen, weil sie wahr sind. Diese
Erfahrung macht ... der Papst.` Und später: "Wie aber können Christen und
Moslems an einen Gott glauben, wenn alles, was Christen auszeichnet (Kreuzigung,
Auferstehung), von Moslems geleugnet wird?" (Nr. 39/2006) Der
Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek hat einmal sinngemäß erklärt, dass in
den Protestanten ein tief sitzender Minderwertigkeitskomplex gegenüber der
katholischen Kirche steckt, den sie mit noch schärferer Bekämpfung
Andersgläubiger und religiöser Minderheiten zu kompensieren sucht als dies bei
Katholiken üblich ist. Auch die Protestanten bezeichnen sich zu Unrecht als
"Christen" (siehe dazu den Widerspruch zu Jesus von Nazareth in
Der Theologe Nr. 1).
Was der Papst in seiner Rede dem Islam vorhielt, erscheint dabei vor allem als
eine Projektion von Verbrechen und Glaubensgrundlagen der eigenen Kirche auf
Andersgläubige (der Katholizismus wurde Jahrhunderte lang mit dem Schwert
verbreitet), wobei offenbar nicht oder nur kaum zwischen Islam und gewalttätigem
islamischen Fundamentalismus unterschieden wird. So erwähnt Benedikt z. B.
nicht, dass der
Islam in der Geschichte vielfach toleranter, friedfertiger und gerechter war als
das kirchliche Christentum. Vor allem der protestantische Gründervater Martin
Luther rief zu regelrechten Gewaltexzessen auf
(siehe Der
Theologe Nr. 3), so dass die Verleumdung und Kritisierung Mohammeds
durch die Evangelischen, die Martin Luther bis heute ehren, ebenfalls eine Projektion der eigenen Vergehen auf
Andersgläubige ist.
PS: Unter zahllosen Beispielen aus dem Verhältnis
von kirchlichem Christentum und Islam hier nur zwei Hinweise: Besonders grausam war die
Eroberung von Jerusalem
durch die römisch-katholischen Kreuzfahrer im Jahr 1099 und die Massaker an den
moslemischen Einwohnern; siehe
http://www.das-weisse-pferd.com/99_14/jerusalem.html.
Oder die
Verfolgung der Moslems in Spanien. So schreibt
Spiegel online (16.9.2006):
"Zunächst geduldet
werden verbliebene Muslime und Juden im 15. und 16.
Jahrhundert zusehends drangsaliert. Zwangstaufe und Ausweisung sind an der
Tagesordnung. Selbst Konvertiten können sich nicht in Sicherheit vor Verfolgung
wiegen. Spanisch-katholischer Fanatismus und die Inquisition der katholischen
Kirche sind der Schrecken aller Minderheiten." Für Benedikt XVI. war die
Inquisition jedoch eine "Fortschritt", da im Unterschied zu sofortigen
Hinrichtungen die Kirche hier erstmals "Untersuchungen" durchführen ließ
(allerdings oftmals unter Folter). Joseph Ratzinger wörtlich: "Aber
man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts
mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass Untersuchungen
statt finden mussten" (Monitor,
3.3.2005; siehe auch hier).
In Spanien werden bis heute von den Katholiken zum
Gedenken an die Vertreibung der muslimischen Mauren im Jahr 1492 Mohammed-Puppen
in die Luft gesprengt oder vom Kirchturm geworfen. Erstmals in diesem Jahr
verzichten einige Orte auf die symbolischen Tötungen Mohammeds
(http://www.netzeitung.de/vermischtes/444293.html).
Heuchlerisch ist zudem die Konstruktion einer Verbindung
zwischen Katholizismus und Vernunft, da die römisch-katholischen Dogmen in der
Regel im
Widerspruch zur Vernunft stehen (z. B. Jungfrauengeburt,
Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes, "unbefleckte Empfängnis" von Maria
durch ihre Mutter Anna, Verwandlung einer Oblate in den Körper von Jesus usw.).
Die von Vernunft geprägte griechische und römische Philosophie wurde dagegen von
der Kirche massiv bekämpft, und viele ihrer Vertreter ließ man umbringen. Zudem wehrt sich die
römisch-katholische Kirche mit dem als "unfehlbar" geltenden Lehrsatz Nr. 57 aus
dem Buch Der Glaube der Kirche von
Neuner/Roos gegen eine Anpassung ihres Glaubens an den Fortschritt der
Wissenschaft, und sie droht den auf diese Weise Glaubenden die ewige Hölle
an. Wörtlich heißt der Lehrsatz: "Wer sagt, es sei möglich, dass man den von
der Kirche vorgelegten Glaubenssätzen entsprechend dem Fortschritt der
Wissenschaft gelegentlich einen anderen Sinn beilegen müsse als den, den die
Kirche verstanden hat und versteht, der sei ausgeschlossen." "Ausgeschlossen" bedeutet hier "ewig verdammt". Das islamische Gottesbild
demgegenüber diesem katholischen Gottesbild als "unvernünftig" darzustellen, ist
zumindest unredlich vom Papst. Und eine Kampfansage ist zudem die
unwidersprochene Charakterisierung der islamischen Gottesvorstellung mit den
Worten: "Wenn er [Gott] es wollte, müsse der Mensch auch Idolatrie
[= Götzendienst] treiben." Hier sollte Benedikt XVI. lieber vor der
eigenen Türe kehren (Siehe dazu
Der
Theologe Nr. 25 - Die Kirche: ein totalitärer Götzenkult). Und anstatt
den Islam zu Unrecht als weniger vernünftig als die Kirche abzuwerten und seine
Anhänger belehren zu wollen, sollte er lieber um Reue bitten für das, was seine
Kirche den Moslems angetan hat.
PS: Eine islamische Antwort von Ahamadiyya Muslim Jamaat Amerkia
(Ein Kommentar über die Ausführungen des Papstes Benedikt XVI.) auf die Rede des Papstes in Regensburg
ist unter www.verlagderislam.de
(ISBN Nr. 3-932244-89-3)
erhältlich.
PS:
Auch die Moslems in Deutschland mussten den
Papstbesuch mitbezahlen. Geht man von Kosten für den Staat in Höhe von ca.
250 Millionen Euro aus und von ca. 3,5 % Moslems in Deutschland, dann entfällt
auf diese Bevölkerungsgruppe ein Anteil von 8,75 Millionen Euro, die sie für
Benedikts Besuch aufbringen mussten.
Siehe dazu
auch unsere Meldung: George W. Bush und
Benedikt XVI. - Ökumenische politische Doppelstrategie?
20.9.2006 -
Wegen Kritik am
Papst: CSU-Chef Edmund Stoiber schließt Türkei aus Europa aus -
Erneut hat der CSU-Ministerpräsident aus Bayern die islamkritischen Äußerungen von
Papst Benedikt XVI. verteidigt. Er meldete sich aus dem oberfränkischen
katholischen Kloster Banz zu Wort und kritisierte seinerseits islamische
Politiker aus der Türkei wegen deren Kritik an Joseph Ratzinger, dessen Besuch
in Bayern für Stoiber "vielleicht ein Jahrtausendereignis" war. Aus der
Haltung der türkischen Politiker spreche "eine große geistige und kulturelle Distanz zu unserer
europäischen Werteordnung", so der römisch-katholische deutsche
Spitzenpolitiker, der im Jahr 2002 beinahe Bundeskanzler geworden wäre.
Gleichzeitig nimmt Stoiber den Konflikt zum Anlass, die Türkei inoffiziell aus
Europa auszuschließen. Im Gegensatz zur völkerrechtlichen Einteilung der
Kontinente erklärt der überzeugte Katholik wörtlich: "Die Türkei ist nicht
Europa – und die Türkei gehört nicht nach Europa!" (Focus online,
20.9.2006) Der Kampf der Religionen ist in vollem Gang.
Um im 16. Jahrhundert das Eindringen der Türken nach Mitteleuropa zu stoppen,
rief Martin Luther zu Krieg und Massakern auf,
um die Vorherrschaft der Kirche zu erhalten.
PS: In Deutschland lebt eine Minderheit von ca. 3 % türkischstämmigen Moslems.
Vgl. dazu die Idee eines geeinten
römisch-katholischen Europa unter der Oberhoheit des Papstes in Rom.
Sowie den Sachverhalt, dass die Europäische
Verfassung vor zwei überlebensgroßen Papst-Statuen unterzeichnet wurde.
Und siehe dazu auch unsere Distanzierung von Benedikt XVI.
22.9. / 26.9.2006 -
Ausschreitungen in
Indonesien nach Hinrichtung von drei Katholiken -
In Indonesien
liefern sich Katholiken (ca. 4 % der Bevölkerung) und Protestanten (ca. 8 %)
einerseits und Moslems andererseits (ca. 87 %) seit Jahren furchtbare Gemetzel mit zahllosen Toten.
Jetzt wurden auf der Insel Sulawasi drei
Katholiken hingerichtet, die
dafür verurteilt wurden, im Jahr 2000 Übergriffe auf Moslems entscheidend mit angezettelt zu
haben, die zu Ausschreitungen zwischen Muslimen und Kirchenchristen führten (ca. 1.000 Tote).
Nun kam es erneut zu Gewaltexzessen aufgebrachter Kirchenanhänger mit
Brandstiftungen, Plünderungen von Läden, die Moslems gehören, sowie Attacken gegen staatliche Gebäude
(dpa, 22.9.2006). Papst Benedikt XVI. hatte vergeblich versucht, die Hinrichtungen
der drei zu verhindern, die gesagt hatten, sie seien unschuldig. Ob das
Kirchenoberhaupt auch die Gewaltexzesse der Katholiken verurteilt hat, ist nicht
bekannt.
Wird dabei in Indonesien
ein endzeitliches Szenario vorweg genommen, das bald auch auf andere Länder
übergreift?
Jede Seite rechtfertigt neue Massaker und
gewalttätige Übergriffe dabei auch mit den Massakern und gewalttätigen
Übergriffen der anderen Seite und übt Rache. Die darin verwickelten Mitglieder der
römisch-katholischen Kirche und der evangelischen Kirche sollten sich als erstes
ausdrücklich von Jesus von Nazareth distanzieren, und sich stattdessen sinngemäß zu
folgendem bekennen: "Wir
stehen in der Tradition der Päpste, die Krieg und Gewalt als mögliches Mittel
der Auseinandersetzung befürworteten, und von Martin
Luther, der im Konfliktfall auch Massaker befürwortete, und wir bekennen uns
zur Lehre vom ´gerechten Krieg`, so wie er im Katholizismus und Protestantismus
bis heute geglaubt wird. Doch mit Jesus, dem Christus, haben wir nichts zu tun."
Dies wäre auch ein deutliches Signal an die islamische Welt, dass einerseits
Kirche, Vatikan und Luthertum und andererseits christlicher
Glaube in der Nachfolge des Jesus von Nazareth im Kern Gegensätze sind.
PS: Welche Macht die Kirche in Indonesien - trotz der
zahlenmäßigen Übermacht der Moslems -
teilweise hat, zeigt auch folgendes Beispiel aus dem Jahr 2005: Ein Mann, der
eine römisch-katholische Hostie nicht während der Veranstaltung zerkaute und
schluckte, sondern mit nach außen nahm, wurde beobachtet, denunziert,
festgenommen und zu acht Jahren Haft verurteilt.
PS: Auch Moslems wurden aufgrund der Unruhen aus dem Jahr 2000 verurteilt und
erhielten bis zu 15 Jahren Haft.
23.9.2006 / 4.5.2007 -
Das Spiel von Politik, Militär und Wissenschaft mit dem Feuer: Massive Warnungen
werden ignoriert
- ...
Und auch die Militärs glauben, ohne schwere Schäden zündeln zu können: 1999 half man mit,
Jugoslawien anzugreifen und zu
bombardieren, 2001 griffen auch deutsche Flieger Afghanistan an. Heute zahlen wir Milliarden an
Folgekosten vor Ort. Die den Kriegen zugrunde
liegenden Probleme hat man jedoch nicht gelöst, die Kessel brodeln weiter (PS:
US-Soldaten sollen zudem Gefangene in Afghanistan gefoltert und ermordet haben; siehe
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,438858,00.html;
der Krieg gilt unter Experten schon jetzt als kaum mehr zu gewinnen; die
Ausgaben würden damit in ein Milliardengrab fließen; vgl.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,439688,00.html).
Die
Vorschläge des großen Friedensstifters Jesus von Nazareth (z. B. "Alles, was ihr
wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen zuerst") hält man in
Politik und Militär ohnehin für utopisch. Trotzdem missbraucht man dort weiter seinen Namen (z. B.
durch die Bezeichnung "christlich"). Und die Probleme bauen sich wieder auf.
Beispiel Libanon. Die Bundeswehr ist mit 1.000 Soldaten gerade
dorthin unterwegs, um im Auftrag der UNO die Nachschub-Bewaffnung der islamistischen
Hisbollah-Armee auf dem Seeweg militärisch zu unterbinden (was wohl auch Millionen oder
langfristig
Milliarden kostet). Und ein paar Dutzend
römisch-katholische und evangelisch-lutherische "Militärseelsorger" (früher
nannte man sie "Feldgeistliche") sind mit ihren Bibeln auch wieder mit an Bord. Vor
mehreren Hunderttausend begeisterten Anhängern in Beirut hat jetzt Hisbollah-Chef
Nasrallah öffentlich den Eintritt Deutschlands in den
Nahost-Konflikt kritisiert und der Rechtfertigung von Angela Merkel
widersprochen, der Militäreinsatz
Deutschlands diene der "Sicherheit Israels" (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,438719,00.html).
Auch
Syriens Staatschef Assad bezeichnete das militärische Eingreifen der Deutschen in
den Nahost-Konflikt als sinnlos und den Erfolg als unmöglich, da die Hisbollah die
"Unterstützung des Volkes" besitze.
Durch das Eingreifen Deutschlands
in den unterschwellig weiter schwelenden Nahost-Krieg und die Äußerungen des deutschen
Papstes über den Propheten Mohammed ist Deutschland erstmals mit ins Zentrum der
weltweiten Auseinandersetzungen gerückt ...
Allgemein könnte man sagen: Schlägt man Warnungen
in den Wind, baut sich in der Regel das nächste Ereignis auf ...
23.9. / 26.9.2006 -
Trotz Audienz
für Moslems: Katholische Kirche
verlangt Unterwerfung aller Menschen unter den Papst für die Erlangung des Heils
- Im Zuge der Beschwichtigung von Moslems übte sich der Vatikan und katholische
Würdenträger zuletzt gelegentlich in einer Art "Kuschel-Pädagogik". Doch es ist fraglich, ob
das Fass, das Benedikt XVI. in der Regensburger Universität aufgemacht hat,
wieder so leicht zu schließen ist. In diesem Zusammenhang ist auch der Hinweis
auf den nach römisch-katholischer Lehre unfehlbaren Lehrsatz wesentlich, der
lautet: "Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen
unbedingt zum Heile notwendig." So z. B. der Lehrsatz Nr. 430 aus dem
Standardwerk von Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche.
Immerhin hätte Benedikt XVI. die historische Chance, mit dem
Un- und Wahnsinn seiner Kirche aus vielen Jahrhunderten endlich aufzuräumen und
schlicht zu verkünden: "Ich erkläre diesen Lehrsatz für ungültig" (... und
gleich ein paar Dutzend weitere auch). Man muss aber kein Prophet sein, um zu
prophezeien, dass er wohl nicht das Geringste von dem widerrufen wird, was die Kirche
bis heute lehrt. Auch die Audienz für muslimische Religionsführer in
Castelgandolfo hat daran nichts geändert (vgl. dazu den Artikel Drewermann
kritisiert Islam-Gipfel beim Papst unter
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,439334,00.html).
Doch dann sollte man sich auch keine Illusionen machen über den
Stuhl Petri und seine Funktion im Weltgeschehen. Doch das Problem ließe sich
auch von einer anderen Seite her lösen, nämlich durch massive Kirchenaustritte.
Wenn z. B. alle Katholiken austreten, die nach der Lehre ihrer Kirche nach
ihrem Tod ohnehin ewig verdammt sind (siehe
www.theologe.de/glaubenstest.htm; in Deutschland wären das mehrere
Millionen), dann könnte der Papst nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, für
das kirchliche Abendland zu sprechen. Er wäre dann nur noch eine Art
"Sektensprecher" für eine römisch-katholische Minderheit, und die moslemische
Welt bräuchte seinen Aussagen nicht mehr so viel Bedeutung beizumessen.
27.9. / 19.10.2006 -
Kirchliche Politiker
kritisieren Absage der Oper mit enthauptetem Kopf Mohammeds und anderer
Menschheitslehrer - Die deutsche
Regierung und vor allem die sich zu Unrecht "christlich" nennende CDU
kritisieren derzeit mit aller
Schärfe die Absage einer Oper in Berlin, an deren Ende man den
abgeschlagenen Kopf Mohammeds (neben dem von Poseidon, Buddha und Jesus) auf der Bühne
zeigt. "Inakzeptabel und lächerlich" sei die Absetzung, so der
römisch-katholische Innenminister Wolfgang Schäuble. Der ebenfalls
katholische CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer warf der Deutschen Oper sogar
"pure Feigheit" vor. Und die evangelisch-lutherische Pfarrerstochter
und Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte das Verhalten der Deutschen Oper
sogar als "unerträglich". Es ist allerdings fraglich, ob die
Reaktionen auf die Absage genauso heftig ausgefallen wären, wenn auch Mose, der
dem Judentum als Religionsstifter gilt, mit geköpft worden wäre. Insgesamt
scheint es so, als ob die Politiker der islamischen Welt
ihr Land und ihre Kultur als mögliches Feindbild geradezu aufdrängen wollten, obwohl sie dazu
verpflichtet wären, Schaden von ihm abzuwenden. In moslemischen Ländern wird
nämlich bereits eine normale Abbildung
Mohammeds oder seine Darstellung durch einen Schauspieler abgelehnt. Die von der
deutschen Regierung ausgesuchten "handverlesenen" Vertreter
der Muslime in Deutschland (von den 15 geladenen Moslems gehören nur vier zu den
vier größten islamischen Dachverbänden; siehe
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,439389,00.html) und die Bundesregierung
selbst wollen jedoch, dass die Oper
wieder aufgeführt wird, und sie möchten sich die Inszenierung zusammen ansehen.
Die Besonnenheit der Intendantin, die das Stück nach dem Eklat um Benedikt XVI.
(siehe hier) vorsorglich vom Spielplan nahm, wird unterdessen
immer mehr zur Staatsaffäre, und sie muss um ihren Arbeitsplatz fürchten. Das
Land Berlin will die Oper unbedingt wieder aufführen, und man hofft auf eine
Initiative, an der sich auch die Kirchen beteiligen (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,439592,00.html).
Das intellektuelle Theater-Deutschland rüstet sich zum Kampf der Kulturen, und
vermutlich muss bald ein Großaufgebot an Polizei und Sicherheitskräften die
schauspielerische Enthauptung von Mohammed, Buddha und Jesus und das Zeigen der
gerollten Köpfe absichern. Damit zündelt man jedoch direkt über einem Pulverfass, und man
fordert das Schicksal geradezu heraus. Die von den (im Vergleich zur
Enthauptungsszene eher harmlosen) Mohammed-Karikaturen ausgelösten weltweiten Unruhen könnten nämlich für
diejenigen eine Warnung sein, die selbstzufrieden glauben, es wieder
besser zu wissen. Dieses Pulverfass wurde im kirchlichen Abendland im Laufe von
Jahrhunderten entscheidend mit aufgefüllt. Denn die Kirche ließ früher Muslime und
andere Andersgläubige zu Millionen tatsächlich köpfen oder anderweitig hinrichten
(siehe z.
B. www.kirchenopfer.de).
Und in der Gegenwart sind es ebenfalls die Oberlehrer in Politik und Kirche,
die das Atomwaffenlager in bestimmten Ländern des Abendlandes befürworten.
Sollte jedoch eine islamische Republik wie Iran im Verdacht stehen,
den Besitz derselben Waffen anzustreben, legt man einen anderen Maßstab an und droht
mit Sanktionen oder gar mit Krieg. Mit dem christlichen Glauben und mit dem
Pazifisten Jesus (der lehrte: "Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun, das
tut ihr ihnen zuerst" bzw. sinngemäß "Was du nicht willst, das man dir tu, das
füg´ auch keinem anderen zu!") hat das nichts zu tun.
PS: Und was nützt langfristig ein Atomwaffensperrvertrag, wenn er
zuallererst von den
so genannten Atommächten selbst nicht eingehalten wird? Artikel 6 sieht nämlich
vor, dass die Länder, die völkerrechtlich "legal" über Atomwaffen verfügen,
abrüsten müssen. Doch das geschieht nicht. Stattdessen bauen diese Staaten
überwiegend ihre militärischen Vormachtstellungen aus (und arbeiten z. B. wie
die USA an einer immer weiteren Präzisierung von Atombomben). Damit verlieren
sie aber auch das moralische Recht, gegen andere Länder, die ebenfalls nach
Atomwaffen streben, vorzugehen. Und so wird insgesamt ein furchtbares
apokalyptisches Szenario aufgebaut.
Im Abendland kritisiert man jedoch nicht nur Mohammed, sondern man verhöhnt auch Jesus von Nazareth, der
von der Kirche ständig als geschundene
Leiche am Kreuz dargestellt wird, obwohl er dort schon lange nicht mehr hängt
(zur tiefenpsychologischen Bedeutung des
Kruzifix siehe www.theologe.de/theologe2.htm#Kruzifix).
Die drei abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Buddha und Mohammed in der Oper könnten
schließlich auch ein
Symbol dafür sein, dass man weltweit gerade dabei ist, den friedfertigen Kern
ihrer Lehren zu köpfen und ganz allmählich auf einen möglichen Weltenbrand hinsteuert, für
den man dann natürlich "die andere Seite" verantwortlich machen würde, nicht sich
selbst (PS: In der ursprünglichen Fassung der Oper Idomeneo von Wolfgang Amadeus
Mozart werden die Propheten gar nicht geköpft. Es ist eine Hinzufügung des
Berliner Regisseurs Hans Neuenfels).
So beklagen die
katholischen und evangelischen Politiker heute schon die fehlende Toleranz in
moslemischen Ländern. Dabei übt man sie gegenüber friedfertigen religiösen
Minderheiten im eigenen Land auch nicht. Dies gilt vor allem für das Land Berlin, wo der Staat auch
unbescholtene und zum Staat loyale Gemeinschaften diskriminiert und
bekämpft (siehe unten z. B. "Berlin - Hauptstadt der Intoleranz" in
unserer Meldung
vom 17.9.2006). Die kirchlichen Politiker sollten also lieber damit beginnen, vor der
eigenen Türe zu kehren anstatt den Moslems Ratschläge zu geben, die man
selber nicht erfüllt.
28.9. / 29.9.2006 -
Drahtzieher polarisieren
weiter gegen Islam - Deutschlands größte Zeitung Bild
veröffentlicht nun den abgeschlagenen Theater-Kopf Mohammeds auf Seite 1. Dazu die
Überschrift Warum kuschen wir vor dem ISLAM?, obwohl noch kein einziger
Moslem sich bisher offiziell beschwert hat. Gleichzeitig wird die ARD
dafür kritisiert, dass sie einen "Thriller über kriminelle Türken" in das
Nachtprogramm verbannt hat (27./28.9.2006), bei dem "die Familie des braven
Deutschen Felix Laub" "zerstört" wird, und über den die Katholische
Nachrichtenagentur KNA urteilt: "Der Film zählt zu den herausragenden
Fernsehereignissen des Jahres" (27.9.2006).
Das ganze brandgefährliche "Spiel" um den Kopf Mohammeds in
Deutschland ist
bislang ausschließlich hausgemacht, allerdings mit ständigen Provokationen, so
dass es eine Frage der Zeit sein könnte, bis jemand sich tatsächlich provozieren lässt.
Und dann könnten die Provokateure wieder mit dem Finger auf "diese intoleranten
Fanatiker" zeigen.
Auf derselben Titelseite von Bild findet sich auch das Foto eines lächelnden Joseph
Ratzinger mit seinem Sekretär Georg Gänswein, der ihm gerade die Mütze wechselt;
dazu die Überschrift: Unser Papst ganz wohl behütet. Die
Drahtzieher im Hintergrund arbeiten offenbar immer stärker auf eine
Polarisierung hin. Wir sind Papst - mit dieser Schlagzeile versuchte
Bild bereits im Jahr 2005, die ganze Nation hinter das katholische Kirchenoberhaupt
zu stellen, und bis heute gilt er vielen Medien als "unser Papst" (siehe dazu unsere
Distanzierung von Benedikt XVI.).
Joseph
Ratzinger
hatte vor 16 Tagen mit der unkommentierten Zitierung, Mohammed habe an Neuem nur
"Inhumanes und Schlechtes" gebracht, den Auftakt der
Provokationen gemacht. Und seine versöhnlich klingenden Ergänzungserklärungen
blieben mehrdeutig. Benedikts Anhänger Edmund Stoiber, CSU-Vorsitzender in
Deutschland und seit dem Bayern-Besuch von Joseph Ratzinger im katholischen
Aufwind, legte ebenfalls noch einmal nach: "Für was sollte sich der Papst
entschuldigen? Ich würde mir wünschen, dass sich diejenigen entschuldigen, die
gegen den Papst gehetzt und Gewaltausbrüche provoziert haben!" (Bild, 28.9.2006)
Außerdem "sollte in deutschen Moscheen zumindest auch deutsch gesprochen und auf
deutsch gepredigt werden." Ob die "Ratschläge" der deutschen Politiker
an die Moslems von diesen wohl "richtig" verstanden werden?
30.9. / 13.10.2006 -
Evangelischer
CDU-Generalsekretär macht Islam für Gewalt verantwortlich und verschweigt die
Verantwortung des kirchlichen Christentums -
"Das
Problem religiös motivierter Gewalt ist heute fast ausschließlich ein Problem
des Islam", so der neue Vorwurf des evangelischen CDU-Spitzenpolitikers. Außerdem
fühle er sich von den Moslems beleidigt, wenn er ihnen als "Ungläubiger" gilt
(Netzeitung, 30.9.2006). Nicht beleidigt ist er allerdings, dass ihm die
katholische Kirche nicht einmal zugesteht, einer "Kirche" anzugehören, da der
Vatikan die Evangelischen nicht als Kirche anerkennt (siehe
hier). Auch geht der Generalsekretär der CDU in seiner Frontstellung gegen den Islam darüber
hinweg, dass die Kriege der USA gegen Länder der islamischen Welt zu
einem großen Teil religiös motiviert sind. So hat der evangelische Präsident George
W. Bush z. B. vor dem Irak-Krieg angeblich von "Gott" den Auftrag dazu erhalten,
und die meisten Mitglieder der US-Regierung bekennen sich zu ihrem überzeugten
protestantischen Glauben. Ca. eine halbe Million Tote soll dieser Krieg und
seine Folgen bisher gefordert haben (nach Angaben des US-"Verteidigungsministeriums" Pentagon sind es höchstens 50.000), der mit Lügen
begründet wurde (siehe
http://www.netzeitung.de/spezial/irak/445891.html). Viele moslemische
Zivilisten wurden dabei in Einzelfällen von kirchenchristlichen Eroberern
kaltblütig ermordet (Siehe z. B.
http://focus.msn.de/politik/ausland/irak_nid_36983.html). Und auch die CDU-Bundestagsabgeordneten
in Deutschland stimmten 1999
einstimmig für die Bombardierung Jugoslawiens und holten sich dabei den Segen
ihrer Kirche (vgl. dazu den Artikel "Weg mit dem scheinheiligen ´C`! - CDU
soll sich nicht christlich nennen";
http://www.das-weisse-pferd.com/99_12/cdu_scheinheilig.html). Ebenso war
es 2002 bei dem Angriff auf Afghanistan, wo man mithalf, die islamistische
Taliban-Regierung weg zu bomben. Jetzt wies die Entwicklungshilfe-Ministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul darauf hin, dass die Taliban durch das teilweise
brutale Verhalten der kirchengläubigen Besatzer in der Bevölkerung immer mehr
Zulauf gewinnen (siehe
http://www.bild.t-online.de,
Newsticker 13.10.2006).
Und schließlich ist es das Vorbild von Ronald Pofallas
Glauben, Martin Luther, der wie kaum ein anderer zur Gewalt im Namen der
Religion aufrief (siehe dazu Der Theologe Nr. 3). So forderte Martin Luther z. B. wörtlich: "... weil die Christen ...
ein jeglicher von seiner Obrigkeit, zum Streit wider die Türken gefordert und
berufen werden, sollen sie tun als die treuen und gehorsamen Untertanen (wie sie
denn gewisslich tun, so sie rechte Christen sind) und mit Freuden die Faust
regen und getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie
immer mögen, weil sie eine Ader regen können ... werden sie darüber
erschlagen, wohlan, so sind sie nicht allein Christen, sondern auch gehorsame,
treue Untertanen gewesen, die Leib und Gut in Gottes Gehorsam bei ihren
Oberherrn zugesetzt haben. Selig und heilig sind sie ewiglich"
(Eine Heerpredigt wider den Türken, D. Mar. Luther. Anno 1529; Tomos
4, S. 494 b - 496).
Bis heute hat sich die
evangelische Kirche z. B. nicht von Martin Luther distanziert, der zudem die
Todesstrafe für Juden (wenn sie ihren Glauben in der Öffentlichkeit
praktizieren) und Andersgläubige forderte und vielfach
durchsetzte. Die Kirche ehrt ihn aber wie eh und je als "großen Deutschen" und "Vorbild im
Glauben".
Hinzu kommt die subtile Gewalt der Diskriminierung und Ausgrenzung religiöser
Minderheiten in Deutschland, die überwiegend "religiös motiviert" ist
(Konkurrenz für die Kirchen), denn die Betroffenen stehen oftmals oder gar meistens loyal zum
Staat und haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Siehe dazu
Der Theologe Nr. 12 und den zutreffenden
Bericht des US-Außenministeriums über die
Einschränkung der Religionsfreiheit in Deutschland.
Schließlich unterschlägt der evangelische
CDU-Spitzenpolitiker auch die Praxis von einzelnen israelischen Siedlergruppen
im Nahen Osten, die sich mit Gewalt bestimmte Landstriche von den Moslems holen
wollen, weil es ihnen im Alten Testament so versprochen wurde (siehe dazu
Der Theologe Nr. 26).
Nicht erwähnt von Roland Pofalla wird in diesem Zusammenhang auch, dass in gemischt-religiösen Ländern wie
Indonesien die Gewalt gegen den Andersgläubigen gleichermaßen von Moslems
und Kirchenchristen ausgeht (siehe hier). Und
es gäbe noch viele Beispiele mehr. Doch es passt natürlich einfacher in ein
Schwarz-Weiß-Weltbild, wenn man wie der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagt:
"Das Problem religiös motivierter Gewalt ist heute fast ausschließlich ein
Problem des Islam." So wird mit der Zeit ein immer explosiveres Szenario herauf
beschworen, begleitet von der Melodie: "Wir können nichts dafür, schuldig sind die
Moslems."
PS: Mittlerweile haben Anhänger der regierungstreuen dänischen Volkspartei
DVP, deren Mitglieder überwiegend auch Mitglieder der evangelisch-lutherischen
Kirche sind,
den Propheten Mohammed als urinierendes Kamel dargestellt. Zur Erinnerung: Für
Moslems gilt bereits eine einfache bildhafte Darstellung oder eine Film, in dem
Mohammed durch einen seriösen Schauspieler dargestellt wird, als eine Verletzung
des religiösen Empfindens. Die DVP beschimpfte die Moslems im obigen
Zusammenhang als "Menschen, die sich ganz offensichtlich auf einem
zivilisatorischen, kulturellen und geistigen Niveau des Jahres 1005 statt 2005
befinden" (Netzeitung, 8.10.2006). Und in Deutschland soll ab Dezember
2006 in der Deutschen Oper wieder der Kopf Mohammeds abgeschlagen werden. Im
kirchenchristlichen Abendland wird gerade getestet, wie weit man mit seiner Arroganz und
Dekadenz noch gehen kann. Mittlerweile hat sich der dänische Ministerpräsident
Rasmussen jedoch scharf von der Mohammed-Darstellung aus den Reihen der DVP
distanziert.
Lesen Sie dazu auch den Artikel Die Kreuzzüge sind noch lebendig (http://www.das-weisse-pferd.com/01_11/kreuzzuege.html).
28.10. / 20.11.2006 -
Der Krieg beginnt
- Als die Regierung Schröder/Fischer die Bundeswehr im Oktober/November 2001
in den Afghanistan-Krieg schickte (bei der
Bundeswehr-Beteiligung an den Angriffen auf Jugoslawien im Kosovo-Krieg 1999
sammelte man bereits erste Erfahrungen),
glaubte man an einen schnellen Sieg gegen die damalige islamistische
Taliban-Regierung. Doch die Taliban sind wieder da. Und jetzt heißt es in
Focus online unter der Überschrift Lernt, Taliban zu töten fünf Jahre später: "Nato-Verbündete, allen voran die USA,
verlangen immer drängender von den Deutschen, ihre Soldaten nicht nur zur
Stabilisierung Nordafghanistans einzusetzen, sondern Kampftruppen in die
blutigen Gefechte mit den Taliban im Süden zu schicken" (28.10.2006).
Mit anderen Worten: Anstatt mit den Totenschädeln getöteter Moslems
herumzuspielen, sollen die deutschen Soldaten lieber mithelfen, lebendige
aufständische Islamisten zu töten (siehe auch hier). Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist (wenn es nicht eh schon
so weit ist), und man könnte sagen: "Na, also". Ganz allmählich wurden wir daran
gewöhnt, wie eine ursprünglich reine Armee zur Verteidigung des eigenen Landes
in anderen Teilen der Erde allmählich in einen
neuen weltweiten Krieg hineingezogen wird (was alles übrigens Milliarden
kostet). Jetzt legt auch der Spiegel nach: "Die Deutschen müssen das
Töten lernen", lautete die Schlagzeile der Ausgabe Nr. 47/2006, die
britischen und kanadischen Soldaten in den Mund gelegt wird. Die Bundeswehr soll
also den Vormarsch der Taliban am Hindukusch stoppen.
Und rechtzeitig vor den blutigen Schlachten erklärt z. B. der ehemalige
Landesbischof Thüringens, Werner Leich, erneut öffentlich die
evangelisch-lutherische Lehre zum Krieg, und er schreibt im Hinblick auf die
"Auslandseinsätze" der Bundeswehr: Unter der Voraussetzung der "Würde des
Menschen" "hat die Staatsmacht das Recht, Soldaten einzuberufen und einzusetzen,
wenn die Sicherheit der Bürger bedroht ist. Das ist Gottes Regierweise im
Bereich der Welt" (idea-spektrum Nr. 43/2006). Und es ist sicher nicht
schwer, irgendwie zu begründen, wie die Taliban uns alle bedrohen. Und auch der
EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, wandte sich klar gegen die
Beendigung des Afghanistan-Einsatzes (z. B. Kölner Stadtanzeiger, 25.10.2006). Dabei wäre es
eine einfache Weisheit, wenn man sich einmal bewusst machen würde: Krieg löst
kein Problem, sondern Krieg bringt immer nur wieder neuen Krieg, weswegen
sich ja auch Jesus von Nazareth eindringlich gegen jede Art von Krieg aussprach.
Doch die Kirchen haben seine Lehre bekanntlich "verbessert", wie es einst
der Großinquisitor im Roman Die Brüder Karamasov von Dostojewski
formulierte.
Lesen Sie dazu auch:
Afghanistan:
Deutschland im heimlichen Angriffskrieg
Libanon-Krieg - "Test" für Iran-Krieg?
War es ein gerechter Krieg? Kriegsstimmung in der evangelischen
Kirche
Der Theologe Nr. 6 - Die
evangelische Kirche - immer für den Krieg
1.11. / 16.11.2006 -
Protest gegen
Islam: Evangelisch-lutherischer Pfarrer verbrennt sich bei lebendigem Leibe -
Pfarrer Roland Weißelberg (73) aus Windischholzhausen bei Erfurt gingen
die Warnungen der Kirche vor dem Islam nicht weit genug. Deshalb fährt er am
Reformationstag, den 31.10.2006, in das legendäre Augustinerkloster nach
Erfurt (Martin Luther lebte dort sechs Jahre als Mönch und wurde dort 1507 zum
Priester geweiht), wo an diesem Morgen der Kantaten-Gottesdienst stattfindet. Als
in der Kirche gerade das Abendmahl vorbereitet wird, übergießt sich der Pfarrer in
der Baugrube unmittelbar neben der Kirche mit Benzin und zündet sich an. Der
Tagesspiegel schreibt dazu: "Da der Mann zuvor im Kreuzgang des Klosters
gesehen worden war, habe er möglicherweise eine Selbstverbrennung während des
Gottesdienstes geplant. Er sei vielleicht nur deshalb auf die Baustelle
ausgewichen, weil das Westportal der Augustinerkirche ausnahmsweise verschlossen war"
(1.11.2006).
Dort steht nämlich um 10.43 Uhr gerade der Kirchenchor und singt "Ave verum corpus"
(= "Gegrüßt seist du, wahrer Leib") von Wolfgang Amadeus
Mozart, als den Sängern beißender Geruch brennenden Fleisches in die Nase
steigt. Erste Kirchenbesucher laufen nach draußen und sehen mit Entsetzen, was gerade
passiert.
Mit seinem Selbstmord habe er "seine große Sorge über die
Ausbreitung des Islams zum Ausdruck bringen wollen", so die Pröpstin Elfriede Begrich (Spiegel online, 1.11.2006)
über Pfarrer Roland Weißelberg, den sie "als
sehr belesenen und aktiven Christen" beschrieb, der noch vor 14 Tagen selbst
einen evangelisch-lutherischen Gottesdienst zelebriert hat. Immer wieder warnte
der evangelische Pfarrer vor den "Nachfolgern Mohammeds". Die
Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt dazu: "Wie kann ein so
eloquenter, gottesfürchtiger, vernünftiger und bis zuletzt agiler und vitaler
Mann ein Fanal setzen gegen eine Bedrohung, die zumindest in Erfurt bis heute
weitgehend abstrakt geblieben ist?" (3.11.2006) Verhältnismäßig wenige
Moslems leben in Thüringen in Frieden mit ihren Nachbarn und ihrer Umgebung. Ironie des Schicksals: In der
Spezialklinik in Halle/Saale rang ein muslimischer Arzt vergeblich um das Leben
des evangelischen Theologen (idea-spektrum Nr. 45/2006). Die Frau des
Pfarrers, Ingelore Weißelberg, hat sich bei ihm inzwischen entschuldigt.
PS: Bereits in der DDR war Pfarrer Weißelberg öffentlich bekannt. So hatte er
z. B. am 21.4.1988 eine Veranstaltung unter dem Titel
Christlicher Glaube und
marxistische Weltanschauung im Gespräch moderiert
(Utopie kreativ, H.
129/139 (Juli/August 2001), S. 709-721).
Welches sind mögliche Hintergründe des Selbstmords? Pfarrer Uwe Edom,
sein Nachfolger im Pfarramt in Windischholzhausen erinnert sich an ein Gespräch,
in dem Pfarrer Roland Weißelberg "bedauert habe, dass der Islam zu stark werde, dass das Christentum
zu wenig Profil habe und deshalb untergehe" (FAZ, 3.11.2006*). Bei Martin
Luther, dessen geistige Nähe Pfarrer Weißelberg im Erfurter Augustinerkloster
vor seinem Tod suchte, war das noch anders.
Martin Luther wollte die Ausbreitung des Islam in Europa mit aller Gewalt
verhindern, und er ging deshalb rigoros vor. Um einen
moslemischen Einfluss in Europa zu unterbinden, rief er zum gnadenlosen Krieg
gegen die Türken, deren Heer vor Wien stand. In dieser Situation predigte Martin
Luther: Die "Christen" sollen "mit Freuden die Faust regen und getrost
dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer mögen ... werden
sie darüber erschlagen, wohlan ... selig und heilig sind sie ewiglich" (Eine
Heerpredigt wider den Türken, Anno 1529; Tomos 4, S. 494b-496). Wer also
im Krieg gegen den Islam ums Leben kommt, wurde von Luther selig bzw. heilig
gesprochen, was vielleicht auch die Hemmschwelle des Thüringer Pfarrers zum
Selbstmord senkte. "Der 73-Jährige habe bereits seit Jahren die Haltung der
Kirche kritisiert und bei Treffen und Versammlungen mehr Aufmerksamkeit für die
Auseinandersetzung mit dem Islam gefordert, sagte die Erfurter Pröpstin Elfriede Begrich unter Verweis auf die Ehefrau des Mannes" (Tagesspiegel).
Pfarrer Weißelberg beschwor immer wieder die Bedrohung des kirchlichen
Christentum durch den Islam und wollte mit seiner geistig toten Kirche nicht
kampflos untergehen, sondern forderte, "dass die Christen ihr Europa verteidigen müssten" (Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung, 5.11.2006). "Der Islam ist dran", so Weißelberg in
den letzten zwei, drei Jahren im Pfarrer-Ruheständler-Konvent, der ihm als
Plattform diente.
Der lutherische Pfarrer muss extrem verzweifelt über seine Kirche gewesen sein. Eine erste
Reaktion in der von ihm gewünschten Richtung kam vom Magdeburger Bischof Axel Noack, der
sich im Zusammenhang des Selbstmords neben dem Entsetzen über die Tat auch für "ein klares Bekenntnis der Moslems
zur Gewaltfreiheit" aussprach (Tagesspiegel). Auch brachte der Bischof
die Haltung Martin Luthers gegenüber den "Türken vor Wien" von sich aus ins
Gespräch und erklärte im Interview: "Er [Luther] meinte, dass wir von den Türken neu lernen könnten, was Glaube ist" (Spiegel online, 3.11.2006).
Die evangelische Kirche stellt Martin Luther bis heute immer wieder als
beispielhaft hin und untergräbt damit eine Orientierung an ethisch wertvollen,
christlichen und demokratischen Werten. Denn was
Martin Luther u. a. gemeint hat, als er der Christenheit die kriegerischen Osmanen aus
dem 16. Jahrhundert als Glaubensvorbild hinstellt, wird ja aus seiner
Heerpredigt deutlich (siehe hier).
Ruth Meili, Pfarrerin, Mitglied der Kirchenleitung der Kirchenprovinz Sachsen
und Leiterin der evangelischen Communität Casteller Ring (CCR), die das
Augustinerkloster betreuen, hat übrigens mit Pfarrer Weißelberg am Tatort noch
gebetet. Sie hat in diesem Zusammenhang gesagt, "dass er sich mit dieser Tat nicht von Gott getrennt habe"
(FAZ, 3.11.2006) bzw. "dass Gott mit ihm sei" (idea-spektrum
Nr. 45/2006).
Auch wenn nicht klar wird, wie die Theologin ihre Worte genau gemeint hat,
so ist für die Protestanten Gott auf jeden Fall Gott auch ein "grausamer Gott" (siehe
z. B. Der Theologe Nr. 1).
Das Verhalten der Theologin Ruth Meili kommentierte der Kurator Lothar Schmelz
von der Klosterleitung mit den Worten: "Es hat sich gezeigt, dass wir hier im Kloster eine
Art Familie sind" (Tagesspiegel). (Doch wehe, Ähnliches wäre im Umfeld
einer religiösen Minderheit passiert!)
Pfarrer Uwe Edom, Nachfolger Weißelbergs im Pfarramt in Windischholzhausen
"glaubt, dass Weißelberg sich bewusst am
Reformationstag verbrannt habe. Das sei schließlich der Tag der kirchlichen
Erneuerung." (idea-spektrum Nr. 46/2006).
* Solche und ähnliche Vorahnungen zur Zukunft der Kirche häufen sich. Die Kirche
wird überwiegend noch von staatlichen Milliarden-Subventionen am Leben gehalten
(siehe
www.stop-kirchensubventionen.de).
PS: Lesen Sie dazu auch - Ein Mahnmal in
Erfurt für die Millionen Opfer der Kirche
30.12.2006 / 1.1.2007 -
George W. Bush und
Papst Benedikt XVI.: Ökumenische politische Doppelstrategie? -
Nach
der Hinrichtung Saddam Husseins lobte der protestantische US-Präsident
George W. Bush die Tat als "wesentlichen Meilenstein" auf dem Weg zu einer
Demokratie im Irak. Der Vatikan sprach sich jedoch gegen die Todesstrafe aus,
obwohl sie laut ihrem gültigen Katechismus "in schwerwiegendsten Fällen"
grundsätzlich nicht "auszuschließen" sei (Nr. 2266). Doch jede
Hinrichtung ist "Brudermord", gleich wer der Hingerichtete ist. Die kirchlichen
Positionen sind wie meistens zwiespältig. Und was anlässlich der Hinrichtung von
Saddam Hussein und anderen Beispielen auf den ersten Blick aussieht wie zwei
unterschiedliche Positionen, könnte auch eine abgestimmte Doppelstrategie sein,
mit der die beiden mächtigsten Führer des kirchlichen Abendlandes gemeinsame
Politik machen. Denn der US-Präsident und der Papst sind intensiver miteinander
verbunden als allgemein bekannt. Dazu einige Hinweise:
Ohne Kardinal Ratzingers Hilfe wäre George W. Bush wahrscheinlich gar
nicht Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Mitten im Wahlkampf
2004 schrieb Kardinal Ratzinger im Namen des Vatikan einen Brief an die
amerikanischen Bischöfe, in dem er ihnen nahe legte, Politkern, die sich
nicht klar gegen die Abtreibung aussprächen, die Kommunion zu verweigern.
Doch ging es dabei wirklich nur um den wichtigen Schutz für ungeborene
Kinder? Oder war diese drakonische Anordnung nicht vor allem gegen den
demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten und Katholiken John Kerry
gerichtet, der - im Gegensatz zum Protestanten Bush - eine liberalere
Gesetzgebung beim Thema Abtreibung wollte?
Im Zusammenhang der Regensburger Rede von Benedikt XVI. (siehe
dazu unsere Meldungen mit einem Auszug der Rede hier) schreibt Sybille Hamann für die
Presse in Wien (20.9.2006) von einer möglichen
"geopolitischen Neuorientierung" des Papstes:
"Und zwar eine Annäherung an die
evangelikalen Christen und an die USA." Man müsse auch Päpste "ganz nüchtern
... als Realpolitiker interpretieren", die ab und zu "neue Duftmarken"
setzen. Laut Hamann ist die katholische Kirche "weltweit in der Defensive
und von Skandalen gebeutelt. Die Evangelikalen jagen ihr in rasantem Tempo
Territorien ab, missionieren mit großem Erfolg in Lateinamerika, in Afrika,
in Ostasien und Osteuropa. In den USA sind sie, in Gestalt von George W.
Bush, de facto an der Macht".
Und
der Nahostexperte
Professor Mohssen Massarrat aus Osnabrück meint in einem Interview mit
der Wochenzeitung Freitag (22.9.2006), dass der Papst mit
seiner Rede in Regensburg im Grunde die Intellektuellen in aller Welt
beleidige, indem er glaube, diese würden nicht merken, dass seine Aussagen
über die angebliche Friedfertigkeit seiner Religion eine "Lüge" seien. Man
müsse daran erinnern, "dass alle Gewaltorgien des 20. Jahrhunderts - nicht
zuletzt die beiden Weltkriege - von [angeblich] christlichen Ländern
ausgingen" [vgl. dazu den "Theologen Nr. 27" über den von Benedikt XVI. "selig" gesprochenen modernen
Kreuzzugsprediger Kardinal von Galen]. "Nach meinem Eindruck brauchen die westlichen Demokratien so
etwas wie eine zweite Aufklärung in Sachen Frieden." Ratzinger habe "den
Alleinvertretungsanspruch des Katholizismus für das Gute und Vernünftige
herausstellen" wollen, sollte jedoch "aufpassen, nicht als ein Papst, der
Kriege schürt, in die Geschichte einzugehen".
Deutlich wird auch
der
israelische Friedensaktivist Uri Avnery, der, ebenfalls in Freitag
(6.10.2006) zu den Papstäußerungen Stellung nimmt. Er
stellt zunächst in Anspielung auf die mittelalterlichen Auseinandersetzungen
zwischen Kaisern und Päpsten, eine "wunderbare Harmonie" zwischen "dem
gegenwärtigen Papst Benedikt XVI. und dem gegenwärtigen Kaiser George Bush
II." fest. Avnery legt dann Wert auf die Feststellung, dass der Islam in der
Geschichte viel toleranter war als die so genannten Christen. Die aus
Spanien vertriebenen Juden etwa wurden 50 Generationen lang im damaligen
osmanischen Reich geschützt, ehe sie im Völkermord der Nazis untergingen.
Schließlich bringt der israelische Journalist die Papstrede in Zusammenhang
mit dem Versuch Bushs, "die Herrschaft über die Öl-Ressourcen der Welt zu
rechtfertigen. Es wäre nicht das erste Mal im Laufe der Geschichte, dass ein
religiöses Mäntelchen über nackte wirtschaftliche Interessen gebreitet wird
... Die Rede des Papstes passt zu diesen Bemühungen. Wer kann uns die
möglichen unheilvollen Folgen voraussagen?"
1.1.2007 -
Kirchliches "Elisabethjahr"
2007 - Wie die Kirche Elisabeths Mann, Landgraf Ludwig, zum Kreuzzug gegen die
Moslems in Palästina warb -
Lesen Sie Auszüge aus Der Theologe Nr.
30:
1) Kreuzzüge gegen Moslems und
Urchristen
2) Elisabeth und
Ludwig als Opfer ihrer Religion
3)
Kaiser Friedrich II.,
"der Sarazene"
13.3. / 17.7.2007 -
"Wir fliegen in
den Krieg" - Deutschland im
heimlichen Angriffskrieg - Im krassen Widerspruch zum deutschen Grundgesetz
beschloss der deutsche Bundestag mehrheitlich die Entsendung von Kampfbombern in den
Afghanistan-Krieg, den so genannten Tornados (auch die Fraktion der GRÜNEN stimmte mehrheitlich dafür,
wie schon für den Kosovo-Krieg und für den Beginn des Afghanistan-Krieges). Zwar werfen die Deutschen die Bomben nicht selber ab, sondern
sagen "nur" der USA, wohin diese die Bomben werfen müssen. Doch der Unterschied
ist minimal. Da keine der afghanischen Kriegsparteien Deutschland bis dahin etwas getan
hat, handelt es sich um einen Angriffskrieg. Die USA führen solche "präventiven"
Angriffskriege "gegen den Terror" ohne Zustimmung der UNO seit Ende 2001 und wollen auch die Deutschen
immer weiter mit hinein ziehen. Denn man braucht die eigenen Kapazitäten wohl
schon für die nächsten Kriegsziele.
Um die überwiegend kriegsunwillige deutsche Bevölkerung ruhig zu halten, denken
sich die Politiker trickreiche Konstruktionen aus: So heißt es, die Bundeswehr
wäre im Rahmen des von der UNO eingesetzten ISAF-Einsatzes (International
Securitiy Assistance Force) tätig. Gleichzeitig ist sie aber auch Teil des
andauernden weltweiten Krieges mit den Namen "Enduring Freedom", der
unter dem Oberkommando der USA geführt wird und der mit der UNO nichts zu tun
hat. Im Rahmen dieses Krieges sind seit 2001 auch Tausende unschuldiger
Zivilisten getötet worden. Das wird jedoch gerne verheimlicht. Denn ein großer
Teil der Bevölkerung hat in der Schule auch noch gelernt,
Deutschland übe sich in Deeskalation von Konflikten, nicht im Führen von
Kriegen, wie es seit 1999 (Kosovo-Krieg der Regierung Schröder (evangelisch) /
Fischer (katholisch)) praktiziert wird.
Eine Verfassungsklage der Abgeordneten Peter Gauweiler
(CSU) und Willi Wimmer (CDU) gegen den erweiterten Kriegseinsatz Deutschlands in
Afghanistan wurde
bereits abgewiesen. Auch die Klage der Linkspartei. Derweil schuf die
Bundeswehr erste vollendete Tatsachen. "Wir fliegen in den Krieg", schreibt
Bild am 3.4.2007.
Siehe dazu auch unsere Meldungen vom:
23.9.2006
28.10.2006
sowie den Artikel: Die Lunte brennt - Wohin treibt der Afghanistan-Krieg?
vom Dezember 2001
http://www.das-weisse-pferd.com/01_12/afghanistan.html
Für den Krieg müssen wir auch wieder Millionen oder gar Milliarden
Euro an Steuergeldern aufbringen, die woanders fehlen. Z. B. gehen alleine
die Unterhaltskosten der Tornado-Flotte in die Zig-Millionen. Nach einer Stunde
Flug muss das Kriegsflugzeug nämlich 20 Stunden gewartet werden
(AP, 13.4.2007),
und bis jetzt erlitten nur bei Übungen schon 44 Tornados Totalschaden durch
Abstürze, Kollisionen und Brände.
Und glaubt die deutsche Regierung Merkel-Müntefering im Ernst, dass die Islamisten, die in Afghanistan vor dem NATO-Angriff
im Jahr 2001 die
Regierung stellten, ohne schlimme Folgen für die Bundesrepublik Deutschland und
die anderen NATO-Staaten einfach von der Erdoberfläche weggebombt werden können?
Vielmehr gilt, was schon in der Bibel (Galaterbrief 6, 7) steht: "Was der Mensch sät, das wird er ernten." Das heißt z. B. auch:
"Wer Krieg sät, wird Krieg ernten."
PS:
Die Kirchen lehren jedoch, dass dies nur manchmal so ist, nicht immer.
Und Angela Merkel ist evangelisch, Franz Müntefering katholisch, und auch die
übrigen Minister sind meistens evangelisch oder katholisch und lassen sich von
den Kirchenführern segnen und in die Irre führen.
Aktualisierung [18.5.
/ 23.6.2007]
Drittes Selbstmordattentat gegen die Bundeswehr
- Deutsche Armee als Teil des Krieges "Enduring Freedom" / Immer mehr
Zivilisten werden versehentlich mit getötet: Während die NATO im April und Mai
2007 wöchentlich die Anzahl der von ihr im Rahmen von "Enduring Freedom" getöteten Taliban-Soldaten im zwei- oder
dreistelligen Bereich verkündet, schlagen die Islamisten teilweise in Guerilla-Taktik zurück. Zeitgleich zur Meldung über 67 getötete Taliban am
18.5.2007 im Osten Afghanistans werden im Norden drei deutsche NATO-Soldaten von zwei
Taliban-Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt und getötet. Es ist das
dritte Selbstmordattentat gegen die Bundeswehr in Afghanistan. Und damit erhöht sich die Zahl der
auf diese Weise getöteten Deutschen von 5 auf 8. Hinzu kommen 13 bei Unfällen
getötete Soldaten.
Anlässlich des Attentats auf die Bundeswehr bestätigte der
römisch-katholische "Verteidigungs"-Minister Franz Josef Jung noch
einmal, dass die deutsche Armee nicht nur im Auftrag der UNO tätig ist, sondern
auch als Teil des von der USA geführten weltweiten Krieges "Enduring
Freedom" (z. B. Main-Echo, 24.5.2007). In diesem seit
2001 geführten Krieg hat die USA schon nachweislich mit massiven Lügen zur
Täuschung der Weltöffentlichkeit gearbeitet, z. B. zu Beginn des
völkerrechtswidrigen Einmarsches
in den Irak im Jahr 2003. Der evangelische Präsident George W. Bush setzt dort
weiter auf den militärischen Sieg und kündigt für den Sommer 2007 bereits "mehr
Opfer auf allen Seiten" an (ARD, Tagesschau, 24.5.2007).
Mittlerweile informieren Irak-Kriegs-Veteranen immer mehr über die
Gräueltaten der Enduring-Freedom-Truppen an der Zivilbevölkerung vor
allem im Irak. "Veteranen beschreiben in ´The Nation`, dass US-Soldaten
rücksichtslos um sich feuern, sobald sie das Militärgelände verlassen. Einige
schossen demnach Löcher in Benzinkanister, die am Wegesrand verkauft werden, um
dann Granaten in die Benzinpfützen zu werfen. Andere eröffnen das Feuer auf
Kinder – unter den Augen der Iraker. Es existieren sogar Fotos, auf denen
Soldaten irakische Leichen schänden. Auf einem Bild soll ein Soldat so tun, als
ob er das verspritzte Gehirn eines toten irakischen Mannes mit seinem braunen
Plastik-Löffel der Armee essen wollte." Und: "Das Kämpfen mitten in belebten
irakischen Innenstädten – auf Marktplätzen und in engen Wohnvierteln – führt
dazu, dass die US-Soldaten Gewalt völlig wahllos einsetzen und tausendfach
Unschuldige töten" (http://www.focus.de/politik/ausland/tid-6860/irak-krieg_aid_66752.html).
So frisst sich der kirchenchristliche Westen auf solche Weise immer weiter
mordend in die islamische Welt hinein und wundert sich dann, dass auch der
gewalttätige Islamismus immer mehr zunimmt. Eigentlich müssten die US-Truppen
Morde und Tötungen Unschuldiger verfolgen, doch ein Armeevertreter resigniert:
"´Man kann gar nicht jedes Mal eine Untersuchung einleiten, wenn ein Zivilist
verletzt oder getötet wird, weil es ganz einfach so oft passiert und man sonst
die ganze Zeit nichts anderes tun könnte`, sagt Leutnant Jonathan Morgenstein."
Die Bundeswehr sollte auch deshalb nicht Teil der Enduring Freedom-Truppen sein.
Zu Opfern von
"Enduring Freedom"
zählen in diesem Sommer auch in Afghanistan
vor allem immer mehr unbeteiligte Zivilisten. Zuletzt kamen wieder 25
Zivilisten ums Leben, darunter Frauen und Kinder, die bei einem
NATO-Luftangriff auf Taliban-Soldaten ebenfalls mit in Stücke gerissen wurden.
Erst einige Tage zuvor versteckten sich islamistische Kämpfer unter Kindern,
weswegen sieben Kinder bei dem Angriff gleich mit getötet wurden. In der
Vergangenheit bombte die NATO manchmal auch auf Verdacht bzw. irrtümlich, und
sie verwandelte z. B. eine Hochzeitsfeier in ein Blutmeer mit Dutzenden von
Toten. Mittlerweile hat der afghanische Präsident Karsai die ISAF-Truppen
scharf kritisiert und um Absprache aller Angriffe mit der
afghanischen Regierung aufgefordert. Wegen der deutschen Beteiligung am Krieg
"Enduring Freedom" drohen jetzt auch Deutschland Selbstmordattentate von
islamistischen Kriegern (Nachrichtenagenturen am 23.6.2007).
10.6.2007 -
Kardinal Lehmann sollte
in Riad/Saudi-Arabien eine katholische Messe lesen dürfen - Was müsste er
selbst dafür tun? - Kardinal Karl Lehmann möchte "in
Saudi-Arabien Gottesdienst halten dürfen, ohne verhaftet zu werden"
(Spiegel online, 9.6.2007). Dieser Wunsch ist begrüßenswert, genauso wie
die allgemeine Forderung nach Religionsfreiheit in islamischen Ländern. Der
Wunsch des Kardinals bedürfte aber sicher auch einiger Vorleistungen seitens
der römisch-katholischen Kirche, um eine politische Chance zu haben. Diese
könnten sein:
1.) Die römisch-katholische Kirche bereut das Leid, das sie durch
die Kreuzzüge in den arabischen Ländern angerichtet hat und bittet um
Vergebung. Die Vergebungsbitte darf nicht unverbindlich an die Adresse
von "Jesus Christus" gerichtet werden wie frühere "Vergebungsbitten",
sondern an die Seelen und Menschen, denen das Leid tatsächlich zugefügt
wurde, also z. B. an die zahllosen Ermordeten bzw. deren Nachkommen. Die
islamischen Religionsführer beraten die Kirche dabei, welche genaue Form von
den Moslems auch als echte Vergebungsbitte (und nicht nur als taktisches
Manöver) empfunden würde und die Kirche kommt diesen Wünschen entgegen. Beide
Seiten treten auch in Gespräche über eine mögliche historische
Wiedergutmachung ein.
2.) Die römisch-katholische Kirche erklärt, dass niemals mehr
katholische Soldaten arabische bzw. muslimisch geprägte Länder überfallen werden. Und wenn sie es
doch tun, dann würden diese auf der Stelle exkommuniziert.
3.) Die römisch-katholische Kirche erklärt ihren bisher als "unfehlbar"
geltenden Lehrsatz für ungültig, der lautet: "Dem römischen Papst
sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig.
Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir" (zit. nach
Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche, Lehrsatz Nr. 430; siehe dazu
Der Theologe Nr. 18). Auf diese Weise nimmt
die Kirche den Moslems die Angst, sie müssten sich entweder früher oder
später alle der
Kirche unterwerfen oder mit der dauernden Einschüchterung leben, später in der Hölle
ewig grausame Qualen zu erleiden. Und sie
nimmt den islamischen Regierungen die Angst, die Kirche möchte die
muslimische
Bevölkerung in diesem Sinne bewusst indoktrinieren bzw. einzelne gezielt aus ihrer
bisherigen Religion und aus ihrem Familienverbund heraus lösen. Dazu wird kirchlicherseits auch der
ebenfalls als bisher "unfehlbar" geltende Lehrsatz für ungültig erklärt, der
lautet: "[Die heilige römische Kirche, durch das
Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und
verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide`
noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen
Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel
und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der
Kirche) anschließt" (zit. nach Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche,
Lehrsatz Nr. 381; siehe dazu Der Theologe Nr. 18).
4.) Die römisch-katholische Kirche erklärt, dass sie nicht im
Namen des Jesus von Nazareth spricht, der von allen Moslems als einer der
größten Propheten verehrt wird. Sie macht dazu den Menschen in den
arabischen Ländern klar, dass die Kirche die Person des Jesus in einen "dreieinigen" Gott
mit eingearbeitet hat, in dessen Namen sie spricht und der unter
Kaiser Konstantin im Jahr 325 zum verbindlichen "Gott der Kirche" erklärt
wurde. Wenn die Kirche also in ihren geplanten Messen in Saudi-Arabien von "Jesus" oder von
"Christus" spricht, dann sei nicht der Mensch Jesus gemeint, der
einst über die
staubigen Straßen Palästinas ging, der von einer "Dreieinigkeit" nichts
wusste (vgl. hier) und der von vielen Moslems geschätzt wird. Sondern es sei der
"Gott"
gemeint, dessen Konturen erst im 4. Jahrhundert verbindlich festgelegt
wurden und in den man einige Elemente der Botschaft von Jesus mit
aufgenommen hat. Diese Elemente könnten dann auch zu einer positiven
Verbindung zwischen Katholiken und Moslems beitragen.
Wenn Kardinal Karl Lehmann König Abdullah bin Abd al-Aziz diese
Vorschläge unterbreitet, dürften wesentliche Voraussetzungen dafür
geschaffen sein, dass eines Tages katholische Amtsträger in Riad und auch in
der übrigen islamischen Welt ohne Druck und Zwang ihren Glauben praktizieren
und Messen lesen dürfen. Dann sind auch wichtige Voraussetzungen dafür
geschaffen, die es den islamischen Ländern erleichtern würden, die
Religionsfreiheit einzuführen und einen Religionswechsel von Bürgern zu
tolerieren.
24.6. / 28.6.2007 -
Afghanistan: Nahezu täglich
getötete Zivilisten: Der heimliche Krieg wird immer brutaler:
Im
Oktober 2001 glaubte die NATO noch, in relativ kurzer Zeit die islamistische Taliban-Regierung in
Afghanistan wegbomben und einen Staat nach westlichen Prinzipien aufbauen zu
können. Und auch die deutsche Regierung aus
SPD und GRÜNEN beteiligte sich in einer "historischen" Entscheidung an
diesem Krieg (die nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien im
Jahr 1999* nicht mehr so
schwer fiel). Am 5.10.2001 rief die NATO wegen des Anschläge in New York den
"Bündnisfall" aus. Man sprach von einer "Verbindung" zwischen den
Terroristen und der afghanischen Regierung, und der Krieg gegen Afghanistan
begann am 7.10.2001. Offiziell sagte man, bei dem Krieg handle sich um
"kollektive Selbstverteidigung" (NATO-Vertrag, Artikel 5). Es gehe darum, "unsere Sicherheit" am Hindukusch zu
"verteidigen", wie der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck den
Bürgern auf einer Pressekonferenz am 5.12.2002 weis zu machen versuchte
(vgl.
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/weissbuch/strutynski.html).
Doch die deutschen Wohnzimmer-Strategen unterschätzten die Taliban.
Zwar wurden sie schnell aus der Regierung vertrieben. Doch fast sechs Jahre später ist der Afghanistan-Krieg
immer noch nicht "gewonnen" und brutaler denn je. Täglich
sollen zuletzt jeweils Dutzende Taliban liquidiert worden sein, doch es
scheinen nicht weniger zu werden. Zuletzt erreichten auch nahezu täglich
Meldungen über "bedauerlicherweise" von der NATO bzw. der ISAF
(International Securitiy Assistance Force) getötete Zivilisten die
Öffentlichkeit. Und bei einer Kriegsberichterstattung erfährt man ja meist nur
etwas von der Spitze des Eisbergs.
Einige der aktuellen Meldungen: NATO-Soldaten überschritten
versehentlich die Grenze zu Pakistan und töteten Zivilisten in einem Haus
(Bild, 24.6.2007). / Bei einem US-Angriff auf ein kleines Hotel in
Pakistan wurden zwölf Zivilisten zerfetzt. / Laut pakistanischer Polizei
wurden bei einem weiteren Angriff weitere 20 Zivilisten getötet (Spiegel
online, 24.6.2007). / Erst vor einem Tag waren in einem
afghanischen Dorf neben 20 Taliban auch 25 Zivilisten getötet, darunter neun
Frauen und drei Babies (Focus online, 22.6.2007; siehe bereits unsere
Meldung hier bzw.
http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan_aid_64211.html) usw.
usw.
Um aus den Bewohnern Afghanistans mehr Informationen über die Taliban
herausholen zu können, wenden die von den USA geführten Truppen auch Folter
und Schein-Exekutionen an. Focus online schreibt: "US-Soldaten
rechtfertigten die Gewalt gegen die afghanische Bevölkerung pauschal: ´Die
Afghanen haben eine andere Kultur`, sagte Captain Brad McCoy vom
Führungsstab der aktuellen Operation ´Maiwand`. ´Wir sind nicht dazu da,
ihre Kultur zu verändern`"
(http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan_aid_64306.html).
Noch immer hat die deutsche Regierung offenbar nicht verstanden, dass
Krieg immer nur wieder mehr Krieg bringt und dass eine solche Politik den Krieg auch ganz allmählich
ins eigene Land bringt. So wenden die deutschen Regierungen keinen Schaden
vom Land ab, wozu sie verpflichtet wären, sondern sorgen durch die
Kriegsbeteiligung Deutschlands (siehe dazu die Aussage des deutschen
Ministers Franz-Josef Jung hier) täglich
für die Eskalation der Schäden. Dabei gehen die Politiker sehr leise vor, um
die deutsche Bevölkerung nicht zu verschrecken. So kämpfen offenbar auch
schon 100 deutsche "Soldaten der Elitekampftruppe ´Kommando Spezialkräfte`;
sie operieren im Verborgenen an der Seite der US-Truppen und ihrer Koalition
der Willigen. Wie man hört, beiderseits der afghanisch-pakistanischen
Grenze"
(http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/weissbuch/strutynski.html). Dabei lassen
sich die deutschen Politiker
von den Kirchen, die den Afghanistan-Krieg von Anfang an mit dem üblichen
"Wenn und Aber" "legitimierten"**, mitunter in
trügerische "Sicherheit" versetzen. Und seitdem im Jahr 1985 das 5. Gebot
von "Du sollst nicht töten" in "Du sollst nicht morden" geändert wurde
(neue Einheitsübersetzung der Bibel), können auch die Kirchenvertreter das Töten im
Krieg leichter rechtfertigen. Doch mit dem Friedensstifter Jesus von
Nazareth haben der Afghanistan-Krieg und auch alle anderen Kriege nicht das
Geringste zu tun. Einmal mehr wird dabei Jesus, der Christus, der große
Menschheitslehrer, von denen verhöhnt, die sich zwar "christlich" nennen,
doch im krassen Gegensatz zur christlichen Lehre sowohl kriegerische
Islamisten als auch (versehentlich aber stetig) unbeteiligte Moslems in
Stücke reißen lassen. Und mit jedem Toten wächst in der Bevölkerung auch der
Hass auf die Angreifer. Was die eigentliche Aufgabe der christlich geprägten
Länder gewesen wäre, siehe hier.
Mehr zum Afghanistan-Krieg: Siehe unsere Meldung
hier. Und wieder ein kleiner Schritt Richtung großer Krieg: Bundeswehr
bald mitten im Kampfgebiet?
Lesen Sie unter:
http://www.focus.de/politik/ausland/koalitionspolitiker_aid_64864.html
*
Lesen Sie dazu auch den Offenen Brief der
Freien Christen: Distanziert Euch vom Krieg oder nennt
Euch nicht christlich!
**
"In der Abschluss-Kundgebung der
EKD-Synode
[Evangelische Kirche in Deutschland] vom 9. November [2001] bezogen die
Synodalen bei aller Solidarisierung mit den zivilen Opfern und der Einrede
auf die humanitäre Verantwortung der Entscheidungsträger letztlich eine für
ihre innere Verfassung typische Sowohl-als-auch-Position: Beide Optionen
(für oder gegen den Militäreinsatz) werden der individuellen
Gewissensentscheidung anheim gestellt und damit kirchlich legitimiert ..."
Ein Antrag von einzelnen Synodalen für eine kirchliche Entscheidung gegen den Krieg
wurde von der EKD abgelehnt. "In einer fast zeitgleich ergangenen
Erklärung des Vorsitzenden der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz,
Kardinal Lehmann, werden wiederum sowohl die Bedenken wie auch die
Anerkenntnis eines «ultima ratio»-Handelnmüssens der Staaten zum Schutze
ihrer Bürger vor terroristischen Anschlägen in ein verbales Gemenge eines
von Zweifeln zerfurchten Einerseits-andererseits und Sowohl-als-auch gegossen".
Damit "legitimierte" auch die römisch-katholische Kirche den Krieg (http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Kirche/franz.html).
15.8. /
16.8.2007
-
Afghanistan, Irak -
Kriege geraten immer mehr außer Kontrolle -
Trotz immer neuer
"Erfolgsmeldungen" über im Krieg getötete Taliban (25.7.2007:
"Mehr als 70"
http://www.focus.de/politik/ausland/koalitionstruppen_aid_67837.html; 10.8.2007: "Dutzende"
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,498739,00.html)
geraten die beiden von der US-Regierung entfesselten
Kriege in Afghanistan und Irak immer mehr außer Kontrolle. Es scheint, dass
trotz der andauernden Tötungen von Taliban, die bis zum NATO-Angriff im
Oktober
2001 die afghanische Regierung stellten, immer mehr Taliban
"nachwachsen". Diese oder andere gewaltbereite Gruppen töten nun ihrerseits z. B. Deutsche, wie z. B. am
15.8.2007 die drei
Sicherheitsbeamten.
Im Irak kamen am selben Tag gar
mindestens 500 Menschen bei Anschlägen um (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,499961,00.html).
Dennoch gibt es weiter Bestrebungen, zusätzlich zu den beiden Fronten am
Hindukusch und im Zweistromland noch einen dritten Krieg gegen den Iran zu
beginnen.
Doch man kann Islamisten nicht einfach von der Erdoberfläche
wegbomben, und dies hat auch nicht das Geringste mit Jesus von Nazareth zu
tun, der
die Goldene Regel lehrte ("Alles, was ihr wollt, das Euch die Leute
tun, das tut ihr ihnen zuerst"; Matthäus 7, 12). Und
einen Frieden wird es auch nie geben, solange man glaubt, man hätte ja ein
"Recht", einen Krieg zu führen und solange man
zudem glaubt, die "Goldene
Regel" könne man nicht auf die Politik anwenden.
Mehr zum Afghanistan-Krieg lesen Sie z. B.
hier.
18.9. / 20.9.2007 -
Streng gläubige Katholikin mit
islamischem Freund warf ihr
Neugeborenes aus dem 10. Stock
- Die Mutter
(Monika K. aus Hamburg, 27 Jahre alt, "streng gläubige Katholikin"), die ihr Neugeborenes 30 Minuten nach der Geburt in
eine Plastiktüte steckte und von einem Hochhausbalkon warf, kommt mit einer
milden Strafe davon: drei Jahre und neun Monate Haft für Totschlag wegen
verminderter Zurechnungsfähigkeit (http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2007/09/18/urteil-mutter-hamburg/baby-10-stock,geo=2514186.html).
Bevor sie das Verbrechen gestand, hatte sie noch ihren islamischen Freund der Tat bezichtigt:
Er habe "das Baby in eine Tüte gestopft und vom Balkon geworfen"
(Bild, 5.9.2007). Die Polizei glaubte ihr und verfolgte zunächst den
Freund. Die Frau machte ihm zudem Vorwürfe, sie nicht heiraten zu wollen. Außerdem hätte er sie mit
anderen Frauen betrogen und viele Nächte in Spielsalons verbracht.
Der Mann erklärte hingegen: "Sie hatte Angst vor ihren katholischen Eltern.
Sie wollten keinen Moslem als Schwiegersohn. Aber das ist keine Entschuldigung.
Ich wäre für das Kind da gewesen." Und: "Sie ist so eiskalt." Der erste
Polizist am Tatort sagte vor Gericht aus: "´Es war schrecklich, das Kind in der
Folie. Ich fasste einen Knöchel an, sah das Blut.` Kurz nach seiner Aussage
brach der erfahrene Polizist zusammen, schlug sich die Hände vors Gericht – und
weinte" (Bild, 5.9.2007).
Zum Hintergrund: Ein Katholik muss nach der Lehre seiner
Kirche bei einer Eheschließung auch katholisch heiraten. Von dieser "Formpflicht"
einer katholischen Trauung kann
der einzelne Katholik jedoch unter bestimmten Bedingungen befreit werden, z.
B. wenn ein islamischer oder evangelischer Partner keine katholische Trauung
möchte. In
diesem Fall ist diese "Befreiung von der Formpflicht" (= Dispens) nur möglich, wenn die Frau der Kirche
versprochen hätte, das von ihrem islamischen Freund gezeugte Kind katholisch
zu taufen und zu erziehen. Dies ist die Bedingung der Kirche.
Andernfalls macht sich die Frau nach katholischem Kirchenrecht strafbar (siehe
hier).
Die Folge: Ihr droht der Ausschluss von den katholischen Sakramenten, und sie gefährdet
damit nach katholischer Lehre ihr Seelenheil und das Seelenheil des Kindes - ein furchtbares
Droh- und Druckmittel gegenüber gläubigen Katholiken. Deshalb die Frage:
Welche Rolle spielte der Glaube der "streng" katholischen Frau bei
dieser Verzweiflungstat? Hat die Frau das Kind vielleicht unbewusst auch
deshalb
getötet, um nicht zuzulassen, dass es vielleicht zu einem kleinen Moslem wird?
Denn die römisch-katholische Lehre sieht vor:
Bei einem ungetauft
gestorbenen oder ermordeten Säugling: Die "Internationale Theologische
Kommission" des Vatikan kam im April 2007 nach dreijähriger Beratung zu der
Schlussfolgerung, "dass es theologische Grundlagen und ernst zu nehmende
Liturgien gibt, die hoffen lassen, dass ungetaufte Säuglinge erlöst werden,
wenn sie sterben" (zit.
nach Spiegel online, 20.4.2007). Die bisherige Vorstellung einer Art
leidensfreien ewigen "Vorhölle" als endgültiger Bestimmungsort dieser Kinder
sei "zu
streng" gewesen.
Bei einem Moslem:
Hier gilt weiterhin folgender "unfehlbare" Lehrsatz:
[Die heilige römische Kirche, durch das
Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] "glaubt fest, bekennt und
verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide`
noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen
Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel
und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der
Kirche) anschließt." (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, Lehrsatz
Nr. 381, siehe hier).
Konkret: Hätte der moslemische Vater also einer
katholischen Taufe des Säuglings nicht zugestimmt und seinen Sohn
stattdessen islamisch erzogen, wäre das Kind nach römisch-katholischem
Dogma von der ewigen Verdammnis bedroht gewesen. Denn es
hätte durch seine Mutter diesen Glauben zunächst kennen gelernt. Und es hätte sich
nach "unfehlbarer" katholischer Lehre später von seiner islamischen
Erziehung distanzieren und in die Kirche eintreten müssen, um dem
angeblichen Schicksal grässlicher ewiger Höllenqualen zu entgehen (PS: Auch wenn diese
Lehrentscheidung heute
in der katholischen Kirche nicht besonders hervorgehoben wird, so wurde es eben doch als
"unfehlbare" "irrtumslose" Entscheidung des päpstlichen Lehramtes
so festgelegt, und die
Gläubigen werden bewusst oder unbewusst damit geängstigt und innerlich
gebunden).
Von daher sollte geprüft werden, ob im Zusammenhang des Säuglingsmords
bzw. -totschlags auch ein Verfahren gegen den Papst bzw. gegen seinen
Stellvertreter vor Ort, dem Bischof von Hamburg, eröffnet werden muss, da
diese die Garanten und
Verantwortlichen für die
fortgesetzte Gültigkeit der römisch-katholischen Verdammnis-Lehre sind.
21.9.2007 -
Kampf der Kulturen in Deutschland:
Katholische Politiker wollen Islam klein halten
-
Der künftige CSU-Vorsitzende Erwin Huber ist
als bekennender Katholik ein Gegner von großen Moscheen in Deutschland.
Wörtlich erklärt er:
"Wir lassen uns den christlichen Charakter unseres
Landes nicht durch monströse Moscheebauten verschandeln" (Netzeitung,
3.9.2007). Mit Christus und "christlich" hat eine solche
Einstellung jedoch nicht das Geringste zu tun.
Nun hat der scheidende CSU-Vorsitzende
und ebenfalls bekennende Katholik Edmund Stoiber noch einmal nachgelegt und
präzisiert:
"Es gibt eine in Jahrhunderten gewachsene Leitkultur in Deutschland.
Also: Bei aller Toleranz - Kathedralen müssen größer sein als Moscheen"
(Bild, 21.9.2007).
Worte sind schnell ausgesprochen. Doch in diesem Fall lohnt es sich, einmal
in die Worte hinein zu empfinden. Welcher Inhalt wurde in die Worte
hineingelegt?
Jesus von Nazareth wollte keine Kirchen und Kathedralen, da jeder Mensch
selbst ein "Tempel" Gottes sein soll. Lesen Sie dazu
"Freie Christen Nr. 1" - Es braucht keine
Kirchen aus Stein: Darum treten Sie aus. Sie sind nicht allein.
Mehr zu der "in Jahrhunderten gewachsenen Leitkultur" lesen Sie z. B. unter
www.kirchenopfer.de
Lesen Sie auch den Artikel: Sie galten als "Fremdkörper" im kirchliche
geprägten "Volksleben": "Die Juden passten nicht in die deutsche Leitkultur
der 30er-Jahre",
http://www.das-weisse-pferd.com/00_23/leitkultur.html
Siehe auch:
Evangelischer CDU-Generalsekretär
macht Islam für Gewalt verantwortlich und verschweigt Verantwortung des
kirchlichen Christentums
Sowie mehr zu
Papst Benedikt XVI. und der Islam
Und:
Kardinal Lehmann möchte in
Riad/Saudi-Arabien eine Messen lesen - Hintergründe
Auszug aus
Der Theologe Nr. 22 über den
protestantischen US-Prediger Billy Graham / Das Christentum hätte den
Pazifismus des Jesus von Nazareth vorleben sollen - ... Und die
Entscheidung zum 1. Irakkrieg (1991) traf Präsident George Bush senior
offenbar nach einem Gespräch und Gebet mit Billy Graham. Zwar wäre Graham von seiner
Frau Ruth
(1920-2007) grundsätzlich ermahnt worden, sich nicht in die Politik
einzumischen
(es gibt dazu einen Hinweis aus dem Jahr 1964; idea-spektrum Nr. 25/2007),
doch konnte der Prediger kaum verhehlen, wie er dachte, und er verhalf den
Präsidenten zumindest immer zu dem guten Gewissen für ihre Entscheidungen. Und seit
Billy Graham den amtierenden US-Präsidenten George W. Bush
(seit 2001) vom Alkohol weg brachte und vom evangelischen "Glauben"
überzeugte, hört dieser eine Stimme "aus dem Jenseits", die
ihm jeweils einflüstert, welchen Krieg er beginnen soll. Z. B. 2001: "George,
geh los und bekämpfe diese Terroristen in Afghanistan!" Und dann
2003: "George, geh los und beende die Tyrannei im Irak"
(Focus online, 8.10.2005; zit. nach
http://www.das-weisse-pferd.com/2005.html#Bush).
Derweil bleibt Graham betend im Hintergrund. Gleich nach dem 1.
Golfkrieg hatte Billy Graham im Hinblick auf eine "nukleare oder
biochemische Katastrophe" noch gewarnt, "Hitzköpfe wie Saddam
Hussein" könnten "die Welt mit einem Überraschungsangriff
aufschrecken" (Geht unsere Welt ihrem Ende entgegen?,
Neuhausen-Stuttgart 1993, S. 170).
Religionsgeschichtlich könnte man es so
sehen: Das "christliche" Abendland hätte den asiatischen und
islamisch geprägten Völkern den Pazifismus des Jesus von Nazareth und seine
Friedensbotschaft beispielhaft vorleben sollen. Das hat man nicht getan.
Stattdessen hat man im Gegensatz dazu die Völker in Namen von Christus mit grausamen Kriegen
überzogen (einschließlich des Abwurfs von Atombomben in Japan), und man tut
es weiterhin. Ob Billy Graham nun sein Maß
im hohen Alter vollmachen kann, indem er auch
noch einen endzeitlichen Krieg gegen den Iran mit inspiriert?
Auf jeden Fall gibt es für ihn Schlimmeres. Graham wörtlich: "Der Schrecken eines Atomkriegs geht - im
Blick auf die Ewigkeit - vorüber. Der Zorn, der sich über alle ergießen
wird, welche die angebotene Barmherzigkeit, Gnade und Erlösung in Christus
ablehnen, ist viel schrecklicher"
(Geht unsere Welt ihrem Ende entgegen?, Neuhausen-Stuttgart 1993, S. 173).
Was für eine furchtbare Gottesvorstellung! Christus hat solches
nie gelehrt (vgl. dazu z. B. "Der Theologe Nr. 1", "Der Theologe Nr.
2" und "Der Theologe Nr. 19").
PS: Graham leidet,
mittlerweile 90jährig [2009], an einem Prostata-Karzinom und an der Parkinson-Krankheit ...
21.10.2007 -
Islamische Schulbücher: Mehr Toleranz als vermutet -
Während in
deutschen Schulbüchern auch friedfertige kleinere Religionsgemeinschaften
als "gefährliche Sekten" verhetzt und verleumdet werden, rechtfertigen
Vertreter der großen Kirchen die Verleumdungen manchmal mit dem Hinweis: Diese
seien harmlos im Verhältnis zur religiösen Intoleranz in islamischen
Ländern. In diesem Zusammenhang überraschte eine Studie des Erlanger
Religionspädagogen Johannes Lähnemann, wonach islamische Schulbücher
toleranter seien als von kirchlichen "Fachleuten" vermutet. Siehe dazu
http://www.tagesspiegel.de/kultur/Islam-Christentum;art772,2404114.
9.1.2008 -
Ruanda - Der Verrat der
Kirche an der Friedfertigkeit des Jesus von Nazareth - Moslems von
Staatspräsident um Hilfe gebeten - Jesus war
Pazifist. Die Kirche segnete jedoch Waffen, befürwortete Kriege und und
"brachte" nach Aussage des Historikers Karlheinz Deschner "mehr Menschen um
als Hitler und Stalin zusammen" (http://www.das-weisse-pferd.com/02_01/abzocker.html).
In der jüngeren Vergangenheit wurde vor allem ihre Verwicklung im Völkermord
an den ruandischen Tutsi durch ruandische Hutu bekannt - ca. 800.000 Tote im
Jahr 1994 (siehe
http://www.das-weisse-pferd.com/00_02/kirche_ruanda.html). Einer
dpa-Meldung vom 9.1.2008 zufolge seien nun über siebzehn Jahre nach den
Massakern in 84 Schulen Ruandas von Hutus verfasste Anti-Tutsi-Flugblätter
gefunden worden, u. a. mit dem Inhalt: "Wir haben genug von ihnen und werden
sie töten" (Netzeitung, 9.1.2008). Die Saat der Gewalt ist also
weiter am Keimen.
Dabei ist zu bedenken: Die Hutu sind überwiegend Katholiken. Bei den Tutsi
finden sich viele Anhänger von Naturreligionen. Insgesamt gehören in Ruanda
jedoch quer durch beide großen Volksgruppen ca. 75 % der Bevölkerung
entweder der römisch-katholischen (65 %) oder einer evangelischen Kirche an
(10 %), zum Islam bekennen sich ca. 8 %. In
einer Reportage von Arte-TV heißt es dazu:
"Als 1994 in Ruanda christliche* [*Anmerkung:
richtig wäre "kirchliche"] Hutus in 100 Tagen eine Million christlicher*
Tutsis umbrachten, waren es einzig die ruandischen Moslems, die sich - unter
Berufung auf den Koran - der Gewalt verweigerten. Mehr noch: Sie versteckten
Flüchtlinge und versorgten sie mit Lebensmitteln, sie gaben ihnen Zuflucht
in ihren Moscheen und zeigten sich mit ihnen solidarisch, vielfach um den
Preis des eigenen Lebens. Sie halfen Hutus und Tutsis, Moslems und Christen
gleichermaßen. Kein einziger führender Moslem wurde wegen des Völkermordes
angeklagt. Stattdessen bat der ruandische Staatspräsident die Moslems des
Landes, sie ´zu lehren, wie man zusammenlebt`" (http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/1172274.html).
Daran wird einmal mehr der Verrat der Kirchen an der Friedfertigkeit des
Jesus von Nazareth deutlich, der den Menschen zeigte und vorlebte, wie man
zusammenleben kann. Die institutionellen Kirchen haben ihre Mitglieder wie
zu allen Zeiten jedoch in die Irre geführt - weg vom großen Friedenslehrer
Jesus von Nazareth, den man nur den Lippen nach verehrte und hin zu
selbstgestrickten Dogmen, "Sakramenten" und Kulten. So haben auch einzelne
kirchliche "Friedensaufrufe" kaum Kraft, wenn man insgesamt beim Thema
"Gewalt und Krieg" Kompromisse macht und die Menschen nicht zu den Wurzeln
der eigenen Aggressionen führt, um diese zu bearbeiten (eine Hilfe könnte
dazu z. B. das Bibelwort "Was der Mensch sät, das wird er ernten" sein;
vgl. dazu auch Der Theologe Nr. 2). Mit
Jesus hat das kirchliche Lehrwerk und Tun jedenfalls nichts zu tun. Er
lehrte in seiner Bergpredigt, die Feinde zu lieben und bei Konflikten zuerst
den "Balken" im eigenen Auge zu erkennen und zu entfernen, bevor ich dem
anderen helfen kann, seinen "Splitter" zu entfernen. Doch die Kirchen
lehrten auch, die Bergpredigt sei insgesamt nicht lebbar. Die Folgen zeigten
und zeigen sich u. a. in Ruanda.
23.3. / 24.3.2008 - Provozierende Medien-Inszenierung in der
Osternacht: Papst macht prominenten Muslim durch Taufe zum Kirchenmitglied
- Ausgerechnet in der
weltweit am Fernsehen übertragenen Osternacht aus dem Petersdom im Vatikan
vollzieht der Papst die katholische Taufe an einem der prominentesten
Muslime Italiens, dem Journalisten Magdi Allam von der Zeitung Corriere
della Sera. Damit wird der Ägypter auch Mitglied der
römisch-katholischen Kirche. Er wählte eigens einen Taufnamen, nämlich
"Christian", und "bezeichnet den Islam als eine Religion, die
von Hass und Intoleranz charakterisiert sei. Er sei von einer Ideologie
befreit worden, die Lüge und Gewalt legitimiere, Mord und Selbstmord
hervorrufe sowie für blinde Unterwerfung unter eine Tyrannei stehe"
(idea, 24.3.2008).
Mit seiner Hinwendung zur Kirche habe er angeblich die
"authentische Religion der Wahrheit, des Lebens und der Freiheit" gefunden
(zit. nach idea, 24.3.2008). Möglicherweise wurde er aber über seinen
neuen Glauben nur unzureichend informiert (mehr dazu siehe z. B. in
Der Theologe Nr. 18 oder in
Der Theologe Nr. 25)
bzw. über dessen Geschichte (vgl. z. B. Informationen zur Inquisition
einst und jetzt).
Der Termin der Taufe und die vom Vatikan hergestellte weltweite Öffentlichkeit
sind natürlich gezielt so gewählt, denn Papst Benedikt XVI. zieht seinen Kurs
gegenüber Andersgläubigen freundlich, aber knallhart, provozierend und
öffentlichkeitswirksam durch. Dahinter steckt der nach römisch-katholischer
Lehre "unfehlbare" Lehrsatz: "Dem römischen Papst
sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig.
Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir"
(Neuner-Roos,
Der Glaube der Kirche, Nr. 430, siehe dazu Der
Theologe Nr. 18). Sowie, dass
Andersgläubige, welche die Kirche kennen, sich aber ihr nicht anschließen,
angeblich später dem "ewigen Feuer" "verfallen" (siehe
Lehrsatz Nr. 381).
- Zu Papst und Judentum siehe
hier
- Zu Papst und Protestanten siehe z. B.
hier
29.1. / 31.1.2009 -
Muslimischer Ministerpräsident verweist Christen- und Judentum auf
das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" -
Israels Präsident
Schimon Peres hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos/Schweiz seine Redezeit
deutlich überschreiten dürfen und dabei den Gaza-Krieg Israels verteidigt. Als
dann der Moderator von der Zeitung Washington Post dem türkischen Premier
Erdogan deutlich weniger Zeit einräumte als Peres und den Muslim zu stoppen
versuchte, platze diesem der Kragen. Er verließ schließlich den Saal, und mit
ihm noch einige andere Besucher. Erdogan erinnerte die Vertreter des kirchlichen
Christentums und des Judentums zuvor noch kurz an ihr eigenes 5. Gebot, das der
Schöpfergott über Mose offenbarte und das ursprünglich schlicht und ausnahmslos
lautete "Du sollst nicht töten"
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,604429,00.html). Im
durch Mose gegebenen 5. Gebot gilt also ursprünglich "Du sollst nicht töten"
ohne Wenn und Aber und ohne Ausnahme.
Doch die Priester der beiden Weltreligionen, des kirchlichen Christentums und des Judentums, haben das
Gottesgebot verfälscht und es sich so zurecht gezimmert, dass das Töten im Krieg
erlaubt ist, was z. B. bis heute zu unzähligen Opfern in Kriegen führt, z. B. im
Irak-Krieg der USA oder dem Afghanistan-Krieg der NATO oder dem Gaza-Krieg
Israels. Während jedoch die gefälschten Ausnahmen für das Judentum bereits im
Alten Testament stehen, haben die Kirchenchristen keine faule Ausrede.
Jesus, der Christus, auf den sich das kirchliche Christentum zu Unrecht
beruft, ließ nicht nur keine Ausnahmen vom Tötungsverbot zu, sondern
verschärfte das Gebot sogar noch und sagte: "Ihr habt gehört, dass zu
den Alten gesagt ist: ´Du sollst nicht töten`; wer aber tötet, der soll des
Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der
ist des Gerichts schuldig" (Matthäus 5, 21-22).
Die Opfer der Kriege in Gaza, zuletzt im Irak oder in Afghanistan sind überwiegend Moslems - davon viele, die ebenfalls getötet
haben, jedoch auch zahllose unbeteiligte Zivilisten. Und jetzt ist es
ein islamischer Präsident, der einmal mehr den Finger in diese
Wunde legt und schlicht aufzeigt, dass sich die kriegerischen Vertreter von Christen-
und Judentum nicht an ihr eigenes Gebot halten. Damit soll das Töten im Islam
jedoch nicht verharmlost werden. Denn dort gibt es ebenso Ausnahmen
vom Tötungsverbot, doch dort gelten diese von vorneherein.
1.4.2009
- Ein großer Teil der
Moslem-Gemeinschaften beteiligt sich nicht am Kirchentag
- Der Dachverband Schura Bremen, der 15 von 30 muslimische Gemeinschaften
der Stadt vertritt, beteiligt sich nicht am Evangelischen Kirchentag.
Seine Ablehnung begründete der Sprecher Mehmet
Kilinc "mit der Haltung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) zum Islam. Der Rat hatte 2006 eine Denkschrift zum Thema Christen
und Muslime in Deutschland herausgegeben, die nicht nur von Muslimen als
paternalistisch und ausgrenzend kritisiert worden war. Als ´Rückschritt`
bezeichnete gestern die Bremer Professorin für Religionswissenschaft, Gritt
Klinkhammer, den Text. ´Das ist eine Schließung der evangelischen Front
gegenüber den Muslimen`, so Klinkhammer ... Wir wollen endlich einen Dialog
auf Augenhöhe und nicht missioniert oder aus christlicher Nächstenliebe
gerettet werden`, so Kilinc" (http://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/1/kirchentag-mit-muslimen/).
24.6. / 11.7.2009 /
9.1.2010 -
Der unsägliche Schaden
durch Mission - Nachfolger des Jesus von Nazareth bemühen sich, Vorbilder zu
sein. Sie missionieren nicht / Verbrechen in Jemen: Hintergründe / Mord an
Muslimin in Dresden führt zu Aufruhr in der islamischen Welt -
Anlässlich der furchtbaren Ermordung
von Rita Stumpp und Anita Grünwald in Jemen ist in kirchlichen Kreisen das Thema "Mission"
wieder zur Sprache gekommen.
Mörderische
Kreuzfahrer werden bis heue als "Selige" verehrt
Drohung vor einer angeblich ewigen Hölle als
Mittel der Mission
Nachfolge Jesu: Vorbild statt Mission
Entführter Missionar in Jemen: "Betet, dass
Moslem zum Glauben kommt"
Hilfe mit oder ohne Hintergedanken?
Die "evangelikale" Jesusfigur ist nicht der Mann, der
einst in Nazareth lebte
"Man darf in diese Region nicht reisen"
Irak: Hunderte von Bibeln bereits im Kriegsgepäck?
Umgekehrte Vorzeichen: Der heimtückische Mord an
einer Muslimin in Dresden
Deutschland: Kaum Einfühlungsvermögen in die
arabische Seele
Staat sollte sich von Missionaren
distanzieren und Kirche auffordern, Höllenlehre zu ändern
Mörderische Kreuzfahrer werden bis heute als "Selige" verehrt
In früheren Zeiten ging die Mission einher mit brutalen Kreuzzügen gegen islamische Länder, mit Zwangsbekehrungen, Verbrennungen Andersgläubiger und vielem Horror mehr. Zwar ist dies heute nicht mehr der Fall, und Ermordungen aus Glaubensgründen gibt es heute umgekehrt nicht selten durch fanatische Islamisten. Doch werden brutale kirchliche Gewalttäter aus diesen Zeiten bis heute teilweise als "Heilige" oder "Selige" verehrt (siehe dazu hier). Und anstelle von Mord ist in der Kirche heute vielfach der Rufmord gegenüber religiösen Minderheiten getreten (siehe Der Theologe Nr. 12). Und auch die Grundhaltung eines kirchlich Missionierenden hat weiterhin einiges Negative an sich: Wer missioniert, versucht den Nächsten von seinem Glauben zu überzeugen, ihn womöglich durch zweifelhafte Warnungen zu bedrängen, eventuell sogar zu überreden. Doch wer überzeugen möchte, ist in seinem Inneren in Wirklichkeit selbst nicht von dem überzeugt, was er anbietet.
Drohung vor einer angeblich ewigen Hölle als Mittel der Mission
Und dies kann im Hinblick auf das kirchliche Christentum auch gar nicht anders sein, denn die Seele spürt intuitiv, dass dort vieles nicht stimmt. Kirchliche und vor allem so genannte "evangelikale" (= überzeugt evangelische) Missionare versuchen etwa, die Lehre von einem angeblich zornigen "Gott" zu verbreiten, dessen Zorn auf die sündigen Menschen jedoch durch ein angebliches "Sühnopfer" seines Sohnes Christus gesühnt worden sein soll (siehe dazu Starb Jesus einen Sühnetod?). Dies wäre nun seine "Liebe". Doch wer dieses angebliche "Geschenk" nicht annehmen möchte, obwohl er es kennt, sich also nicht auf diese Weise "retten" lassen möchte, der müsse nach seinem Tod in eine ewige Hölle, so diese Lehre, die man bestimmten Aussagen der Bibel entnimmt (vgl. "Der Theologe Nr. 19" - Es gibt keine ewige Verdammnis - auch nicht in der Bibel). Diese furchtbare Lehre erklärt den Druck, missionieren zu müssen, den viele "evangelikale" Christen verspüren. Was durch diese Lehre jedoch schon für Schäden in den Seelen von Menschen entstanden sind, kann kaum in Worte gefasst werden. Und auch die beiden Getöteten haben dies wahrscheinlich geglaubt. So heißt es im Bekenntnis ihrer Bibelschule in Brake bzw. Lemgo z. B.: Wir glauben, "dass die Ungläubigen zur ewigen Verdammnis" "auferstehen werden" (http://www.heise.de/tp, 25.6.2009).
Nachfolge Jesu: Vorbild anstatt von Mission
Die Nachfolge des Jesus von Nazareth ist jedoch etwas anderes, nämlich im Wesentlichen das Leben nach den Zehn Geboten und der Bergpredigt. Und Nachfolger des Jesus von Nazareth missionieren nicht. Sie bemühen sich stattdessen, in ihrem Alltag Vorbilder im praktischen Leben zu sein. Sie glauben nicht, dass ihre Nächsten ebenso denken oder glauben müssen wie sie, und sie achten deren Freiheit. Wenn darauf hin Menschen auf sie zukommen und nach ihrem Glauben fragen, dann geben sie Auskunft. Doch sie achten darauf, wenn möglich nur so viel mitzuteilen, wie sie selbst schon an Positivem verwirklicht haben. Und sie sagen nur das, von dem sie glauben, dass der Nächste es auch verstehen kann. An den satanischen Unsinn einer ewigen Verdammnis glauben sie nicht. Und auch nicht an einen Gott, der seinen Sohn als angeblich blutiges menschliches "Sühnopfer" für die Sünden der Menschen bestimmt haben soll - ein Glaube, der von der Kirche aus grausamen antiken "Götzenkulten" übernommen wurde. Deshalb sind manche Moslems, die Jesus als Propheten anerkennen und einiges von dem tun, was er lehrte, ihm unter Umständen auch viel näher als Kirchenchristen, welche die Botschaft des Christus mit dem "heidnisch-katholischen" Sühnopfer-Blutkult vermischen und dabei letzeres auch noch als angeblich wichtiger erachten (im Gegensatz z. B. zum Gleichnis vom Weltgericht in Matthäus, Kapitel 25). Deshalb führt diese Art der Mission auch eher weg von Jesus, dem Christus, als zu ihm hin.
Entführter Missionar im Jemen: "Betet, dass Moslem zum Glauben kommt"
Zum aktuellen Anlass: Über einen Missionsversuch des in
Jemen entführten deutschen Familienvaters berichtet Spiegel online wie
folgt: "Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes hat Erkenntnisse, wonach
aufgebrachte Muslime den deutschen Techniker Johannes H. bedrohten und
aufforderten, seine Missionierungsversuche einzustellen. Der Mann aus Sachsen
schilderte den Zwischenfall in einem Rundbrief an Freunde in Deutschland. Er
habe in einem Teehaus in Saada einen Muslim kennen gelernt und mit ihm
spirituelle Gespräche geführt. ´Außerdem`, berichtete Johannes H., ´ermutigte
ich ihn, die Bibel zu lesen.` Nach einiger Zeit sei allerdings der Bruder des
Mannes in dem Krankenhaus in Saada erschienen, in dem Johannes H. und seine Frau
Sabine arbeiteten, und habe ihm gedroht, ihn bei den geistlichen Autoritäten
anzuzeigen. Der Missionsversuch, habe der Mann zu H. gesagt, sei bereits
Diskussionsthema in den Moscheen. Offenbar schenkte der Vater von drei kleinen
Kindern der Warnung aber wenig Beachtung. ´Betet für seinen Glauben`, bat
Johannes H., ´und dass er tatsächlich zum Glauben kommt und Jesus als seinen
Herren annimmt`" (20.6.2009). Würde also Johannes Henschel tatsächlich
einen Moslem aus der Männergemeinschaft in der Moschee in Saada
heraus missionieren können?
Mit dieser Familie von der
Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen waren nun die
beiden russlanddeutschen Frauen unterwegs, als sie
ermordet wurden. Beide hatten in demselben christlichen Krankenhaus als Praktikantinnen
gearbeitet, in dem auch Johannes Henschel (oder: Hentschel) angestellt war. Und vermutlich wussten Rita Stumpp und Anita Grünwald nicht, dass Johannes Henschel schon massiv von strengen
Moslems beargwöhnt wurde. Und auch über die beiden
Frauen heißt es weiter bei Spiegel
online: "Auch in den Hinterlassenschaften der von den Entführern
erschossenen deutschen Frauen Rita S. und Anita G. aus dem westfälischen Lemgo
fanden die Ermittler Missionsschriften."
Hilfe mit oder ohne Hintergedanken?
Und während bei den Angehörigen der beiden getöteten Frauen wohl noch der sehr große Schmerz im Vordergrund steht, werden sie von Außenstehenden schon annähernd zu Märtyrerinnen erklärt. So heißt es z. B. in einem evangelischen Leitartikel: "Hier fallen einem nur noch die Worte Jesu ein: ´Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen`" (idea-spektrum Nr. 26/2009). Zwar haben die jungen Frauen nur "helfen" und niemandem schaden wollen, wie es heißt. Doch grundsätzlich gefragt: Was ist wirkliche Hilfe und wo wird vielleicht sogar mehr Schaden angerichtet? Und ob das Verteilen oder das Liebäugeln mit dem Weitergeben von evangelischen Bibel- oder Missionstraktaten im Jemen dem Willen von Jesus entspricht? Dies sollte auch im "evangelikalen" Umfeld zumindest einmal angezweifelt werden. Und ob in solchen Ländern das "Helfen" von angeblich "tiefgläubigen" Christen schließlich selbstlos im Sinne des Jesus von Nazareth erfolgt, oder ob eben doch gezielte missionarische Hintergedanken die eigentliche Motivation sind, sei einmal dahin gestellt. Dies hängt natürlich auch vom Einzelnen ab, und darüber wird hier nicht geurteilt. Sicher scheint jedenfalls, dass die einheimischen Demonstranten bei der Kundgebung gegen die Mörder im Jemen das praktische Tun im Krankenhaus schätzen, nicht eventuelle missionarische Hintergedanken der dort Beschäftigten. Und nahe liegend ist auch, dass durch die westlich-evangelische Mission in arabischen Ländern auch die Sicherheitslage für westliche Ausländer verschlechtert wird, die mit Mission nichts zu tun haben. Und dass das Krankenhaus, das offenbar hauptsächlich aus missionarischen Gründen betrieben wurde, jetzt aus Sicherheitsgründen geschlossen hat, ist besonders tragisch für die Menschen, die dort dankbar medizinische Hilfe erfahren haben ohne dass sie sich missionarisch bedrängt fühlten. Und das früher dort beschäftigte und entführte Ehepaar Henschel aus Sachsen soll nach Angaben der Regierung in Jemen weiter in der Gewalt von Huthi-Rebellen sein und dort die islamistischen Krieger medizinisch betreuen (Spiegel online, 7.1.2010).
Die "evangelikale" Jesusfigur ist nicht der Mann, der einst in Nazareth lebte
Eine deutliche Antwort auf die Frage nach Motiven für angebotene Hilfe gibt die "evangelikale" Missionsgemeinschaft Weltweiter Einsatz für Christus (WEC), die wiederum mit dem Hilfswerk Worldwide Services zusammenarbeitet, welches das betreffende Krankenhaus in Jemen betrieb (idea-spektrum Nr. 26/2009), welches nach den Morden jetzt geschlossen hat und seine weiteren Mitarbeiter evakuierte. Als Ziele sind hier unter anderem formuliert: "Das Evangelium von Jesus Christus zu den noch verbleibenden unerreichten Volksgruppen bringen, und zwar mit äußerster Dringlichkeit" und: "Menschen zu kulturübergreifender Mission inspirieren, mobilisieren und trainieren" (http://www.wec-int.de). Nur: Ist diese Art von "Evangelium" denn wirklich das, was Jesus, der Christus wollte? In der Regel nein. Stattdessen hat man im kirchlichen Umfeld die Botschaft von Jesus durch die Lehre des Paulus (siehe dazu Der Theologe Nr. 5) und vor allem durch heidnische Sühnopfer-Blutkulte und die darauf aufbauenden kirchlichen Lehren (siehe dazu Der Theologe Nr. 25) unterwandert, verfälscht und letztlich ersetzt. In einem Leserbrief in der Zeitschrift idea-spektrum interpretiert ein "Missionsarzt in einem islamischen Gebiet" die Tat der beiden jungen russlanddeutschen Frauen wie folgt: Sie hätten "aus Liebe zu Jesus und den Menschen im Jemen ihr Leben riskiert" (idea-spektrum Nr. 28/2009). Damit spricht er aus, dass die beiden bewusst ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Allerdings leider für den falschen Jesus der Institutionen Kirche.
"Man darf in diese Region nicht reisen"
In Jemen ist der Islam Staatsreligion, und kirchliche Mission ist
zudem verboten. Sind kirchliche oder "evangelikale" Missionare bzw. Helfer dennoch
hier und da "erfolgreich", was Johannes H. gemäß Spiegel online im
Hinblick auf seinen islamischen Gesprächspartner ja erhoffte (siehe
oben), würden sie vermutlich
in ihren Ursprungskirchen oder -gemeinden deswegen hoch angesehen.
Denn sie hätten eben dafür zuvor sehr große Risiken und Gefahren, ja sogar
Lebensgefahren auf sich genommen. Und so sagte der frühere deutsche
Staatssekretär Jürgen Chrobog auch zum Ort der brutalen Ermordungen: "Man darf
in diese Region nicht reisen, man darf sich in dieser Region nicht aufhalten.
Das ist hier schlicht ignoriert worden" (idea-spektrum Nr. 26/2009).
Und
Doch sind Reisewarnungen der Bundesregierung wohl wirkungslos, wenn sich der Betroffene von "Gott"
in das Land gesandt fühlt. So schreibt idea-spektrum z. B. von einer
18jährigen Abiturientin, die zu einem Hilfseinsatz nach Myanmar, wo eine
Militärdiktatur herrscht, aufbricht. Sie wäre angeblich von Gott auf dieses Land
aufmerksam gemacht worden (Nr. 27/2009). Und auch der "evangelikale" Ex-US-Präsident
George W. Bush wurde angeblich
von "Gott" gebeten, die Kriege gegen in Afghanistan und den Irak zu
beginnen. Haben wir heute also wirklich eine so völlig andere Zeit als in
früheren Jahrhunderten?
Doch was heißt "von Gott"? Rita Stumpp und Anita Grünwald wurden in ihrer
Bibelschule Brake e.V. in Lemgo für das Krankenhaus in der Krisenregion Jemen
begeistert. Und wer trägt dann die Verantwortung, wenn ein Vertreter dieser
Einrichtung in der Bibelschule Brake e.V. einen solch motivierenden Vortrag
hält, dass zwei Studentinnen im Anschluss daran sagen: "Da möchten wir hin"? Die
Bibelschule Brake e.V. hatte also anerkannte Praktikumsplätze in einer Region in
ihrem Ausbildungsprogramm, für die die Regierung massive Reisewarnungen
ausgesprochen hat.
Irak: Hunderte von Bibeln bereits im Kriegsgepäck?
PS:
Zum Thema Mission im Irak: Bereits wenige Tage nach dem
gewaltsamen Sturz des sunnitischen Moslems Saddam Husseins durch die überwiegend von Kirchenchristen
regierten USA verfrachteten westliche Bibelgesellschaften gleich Tausende von
Bibeln ins Land, so dass man den Eindruck erhielt, die ersten Bibeln gehörten
gar zum "Kriegsgepäck". Doch die gefeierte "Befreiung" wurde zum Bumerang.
Der Krieg und die nachfolgende Gewalt forderten Tausende von Opfern. Und Christen und
Kirchenmitglieder fliehen mittlerweile zu Tausenden aus dem Irak.
Siehe dazu unsere Meldungen vom 19.5.2009 und
vom 14.12.2008.
Doch die Missionsbestrebungen gehen weiter: Bei der Trauerfeier für Rita Stumpp und Anita Grünwald in ihrer
Heimatgemeinde, der baptistischen Immanuelgemeinde in Wolfsburg, nahm auch die
Generalsekretärin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinde, Regina Claas,
Stellung zur Mission. Im Evangelischen Sonntagsblatt heißt es dazu: "Der
kirchliche Missionsauftrag werde nicht hinterfragt. Die Frage nach der
Sicherheit in Krisengebieten sei allerdings zu stellen" (28.6.2009).
Über Hardliner schreibt dabei der Humanistische Pressedienst am
17.12.2009: "Ein Newsweek-Artikel
[http://www.newsweek.com/id/202734] zeigt, wie wichtig dieses Vorhaben
[Missionierung] weiterhin
ist. US-Militärs hatten im Krieg gegen den Terror christliche Missionierung
betrieben. Der höchste Militärgeistliche in Afghanistan gab die Parole ´Hunt
People for Jesus` [= Jagt Leute für Jesus] aus" (http://hpd.de/node/8478),
wobei der Militärpfarrer für den gefälschten evangelischen Jesus "jagt" und
nicht für Jesus von Nazareth, wie er wirklich war.
Kein westlicher Politiker kann sich also beschweren, wenn islamische Politiker
sich in diesem Zusammenhang über einen neuen "Kreuzzug" beklagen, der zwar
nicht offiziell ist, der jedoch praktisch ein Teil-Aspekt dieses Kriegsgeschehens
darstellt.
Umgekehrte Vorzeichen: Der heimtückische Mord an einer Muslimin in Dresden
PS:
Während manche deutsche Medien noch die fehlende Religionsfreiheit im Jemen
kritisierten und darauf hinwiesen, dass bekennende Muslime umgekehrt in
Deutschland angeblich gefahrenlos missionieren dürften, passierte in Dresden ausgerechnet
ein Mord mit fast umgekehrten Vorzeichen. Der 28-jährige russlanddeutsche
Alex W. hat die schwangere Ägypterin Marwa El Sherbini vor den Augen ihres dreijährigen
Kindes im Gerichtsgebäude erstochen und ihren Ehemann lebensgefährlich verletzt.
Im Vorjahr hatte er sie wegen ihres Kopftuchs bereits als "Islamistin" und
"Terroristin" beschimpft, die in Deutschland kein Lebensrecht hätte. Darauf hin
wurde er wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, über die nun in
Berufung verhandelt wurde. Dabei hatte Alex W. vor seinem geplanten Mord sein
späteres Opfer im Gerichtssaal offenbar zunächst weiter beleidigt,
ohne dass jemand die drohende Gefahr erkannte und darauf hin die
Sicherheitsmaßnahmen für die Bedrohten verstärken ließ: "Ich
finde es nicht in Ordnung, dass diese Monster nach dem 11. September nicht
rausgeschmissen wurden",
so drohte der Täter, den man zuvor auch nicht auf mögliche Waffen durchsucht
hatte, schon während der Verhandlung, an deren Ende er dann den brutalen Mord an
der Frau beging, die er für eines der "Monster" hielt (Focus online, 11.7.2009).
Auch andere Frauen mit Kopftuch berichten vielfach
von Anfeindungen in der Öffentlichkeit. Für muslimische Frauen im
öffentlichen Dienst ist in
acht vom kirchlichen Christentum geprägten westdeutschen Bundesländern das Kopftuch
verboten (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen,
Nordrhein-Westfalen, Saarland, Berlin und Bremen), während kirchliche Nonnen in Amtstracht willkommen sind, obwohl diese
das Erscheinungsbild der Frau viel extremer verändert als das muslimische
Kopftuch. Und die Mutter der Ermordeten
"erklärte, ihre Tochter habe Schwierigkeiten
gehabt, in Deutschland einen Job zu finden, weil sie die traditionelle
Kopfbedeckung trug"
(Spiegel online, 7.7.2009).
Deutschland: Kaum Einfühlungsvermögen in die arabische Seele
In Alexandria in Ägypten wurde die Ermordete, eine ehemalige
Handball-Nationalspielerin, zunächst mit einem Protestzug
von weit über 1.000 Menschen beigesetzt, die teilweise "Nieder mit Deutschland"
riefen und "Vergeltung" forderten (Sächsische Zeitung, 6.7.2009).
"Es gibt keinen Gott außer Gott, und
die Deutschen sind die Feinde Gottes", sangen die Menschen (Spiegel
online, 7.7.2009).
Es ist nicht klar, wie vielen Trauernden in diesen Momenten bewusst war, dass
der deutsche Staat den
heimtückischen Mord ebenfalls verurteilt. Auf der anderen Seite wird der Mord auch von
fanatischen Islamisten ausgenützt, die selbst vor bestialischen angeblichen
"Ehrenmorden" an Familienmitgliedern nicht zurückschrecken würden.
Doch so wie die beiden in Jemen ermordeten russlanddeutschen Missionsschülerinnen verschiedentlich
als "Märtyrerinnen" gelten (siehe oben), so
gilt auch die Muslimin Marwa El-Sherbini bereits in allen Schichten des Islam als "Märtyrerin",
"denn sie wurde wegen ihrer Religion getötet"
(Welt, 6.7.2009).
Die Empörung führte zu Kettenreaktionen und zur Aufruhr-Stimmung gegen
Deutschland, vor allem wegen der anfänglich und teilweise auch späteren mangelnden Anteilnahme der deutschen
Politiker und deren Versuch, die Tragweite des Mordes zu ignorieren, indem man
von einem Verbrechen eines "Einzeltäters" sprach. So haben die deutschen
Politiker nicht annähernd erfasst, was es bedeutet, dass der Mord im geschützten
staatlichen Rahmen, in einem Justizsaal passierte. Damit ist die
Verantwortung Deutschlands gegeben und auch eine Schutzpflicht. Und wenn man den
Mord schon nicht habe verhindern können, weil man die Aggressivität des Täters
völlig falsch einschätzte, dann hätten die Politiker anschließend die Tragweite
wenigstens nicht klein reden dürfen. Und dass der Schuss des Polizisten auch noch den Ehemann traf statt den
Täter, auch darauf hätten die Politiker nicht so Achsel zuckend reagieren
dürfen. Es war ein Symbol dafür, dass hier offenbar einiges grundsätzlich
verkehrt läuft, und
dies wurde in der arabischen Welt auch so gesehen. So folgten immer wieder Demonstrationen und
anti-deutsche Unruhen in Ägypten und anderen arabischen Ländern oder auch im Iran.
Und in Pakistan brannten sogar schwarz-rot-goldene Fahnen.
Aktualisierung [November 2009] - Die Frage ist, was gar passiert wäre,
wenn der Mörder mildernde "Umstände" bekommen hätte wegen von
Psychologen diagnostizierter "frühkindlicher Defizite" oder weil er
vielleicht kurz zuvor Alkohol getrunken hatte. Tatsächlich versuchten seine
Anwälte später, eine anscheinend einst in Russland diagnostizierte schizophrene Störung strafmindernd geltend zu machen. Doch
die Richter verurteilten den uneinsichtigen Täter dennoch zu lebenslanger Haft.
Staat
sollte sich von Missionaren distanzieren
und Kirchen auffordern,
ihre
Höllenlehre zu ändern
Das muslimische Ehepaar wollte während der
Zeit ihres Stipendiums in Deutschland nur in Frieden ihrer
Arbeit nachgehen und hatte keine islamisch-missionarischen Motive gegenüber
Deutschen.
Über die Konfession des Mörders bewahren die Medien Stillschweigen, doch ist ein
fanatischer kirchlich geprägter Glaube nahe liegend. So schrieb er dem Gericht,
der Islam sei "eine gefährliche Religion" und das muslimische Kopftuch eine
"Unterwerfung ... vor Satan" (Bild, 27.10.2009). Wer so redet,
ist seinerseits religiös geprägt und zündelt
vor einem Pulverfass.
Auch deshalb sollten kirchliche deutsche Missionare in islamischen Ländern, die
den Islam ebenfalls teilweise mit Satan in Verbindung bringen, in
keiner Weise von der deutschen Regierung unterstützt werden.
Und wer kann schon garantieren, ob nicht auch die Presseberichterstattung über
die Morde an den beiden russlanddeutschen Frauen in Jemen und die Entführung des
Ehepaares Henschel und seiner Kinder
beim Mörder Alex W. ein zusätzlicher großer
Tropfen Öl ins Feuer
war, der seine Aggressionen gegenüber dem Islam noch einmal steigerte. Das in Jemen noch immer nicht gefundene entführte Missionarsehepaar Johannes und Sabine Henschel und seine drei Kinder stammen ja ebenfalls aus
Sachsen, aus Lauske bei Bautzen, und sie erfahren gerade in Sachsen, wo auch der
Täter lebte, sehr große öffentliche Anteilnahme.
Auch sollte die Bundesregierung die beiden Institutionen Kirche im Sinne der
Völkerverständigung zu einer Änderung ihrer Lehre auffordern, so dass in Zukunft auch
Muslime, welche die Kirche gut kennen, später wegen ihres Glaubens nicht mehr
angeblich in eine ewige Hölle müssen (siehe dazu z. B.
hier). Denn wenn sich die deutsche Bevölkerung
zurecht darüber empört, dass der Mörder Alex W. dem Opfer und seiner Familie das
Lebensrecht in Deutschland absprach, dann sollte es genauso empörend sein, dass
die beiden moralischen Großinstitutionen Kirche den "Himmel"
später nur für ihresgleichen beanspruchen, während
die anderen angeblich ewig grausam leiden müssen. Denn hier liegen wesentliche
geistesgeschichtliche Wurzeln für jede Art von Ausgrenzung. Außerdem würde
auch der "Missionsdruck" bei überzeugten Kirchenanhängern wegfallen, wenn auch
überzeugte Moslems nach kirchlicher Lehre in den "Himmel" kommen können, so wie
es umgekehrt auch möglich ist: Nach islamischer Lehre könne nämlich auch ein Christ
aufgrund seiner guten Taten später ins Paradies eintreten (PS: Bei den
Übeltätern werden Moslems gemäß islamischer Lehre jedoch bevorzugt - ein Glaube, der in einem
weltanschaulich neutralen Staat ebenfalls nicht gefördert werden darf, auch wenn
die Kirchenlehren um einiges schlimmer sind: Denn demnach kommen Verbrecher mit
"korrekt" kirchlichem Glauben sogar allein aus Glauben in den Himmel, während
moralisch tadellose Andersgläubige mit vorbildlichem Charakter in die Hölle
müssen; siehe dazu Der Theologe Nr. 19).
Geht die Kirche jedoch nicht auf diese Aufforderung
ein, sollte die Regierung - als Zeichen des guten Willens gegenüber allen
gesetzestreuen
Religionen und als Zeichen der Völkerverständigung - der Kirche sofort alle
Privilegien und Subventionen streichen.
17.7.2009
-
Der
Muezzin von Köln und die Totenglocke von Bad Königshofen / Konfessionslose in
Deutschland in der Mehrheit
-
In Deutschland sind mittlerweile 29,9 Millionen Menschen konfessionslos. Das ist die Mehrheit. Demgegenüber gibt
es noch 25,5 Millionen Katholiken und 24,8 Millionen Protestanten
(idea-spektrum Nr. 29/30/2009; Stand: 2007; Tendenz weiter steigend zugunsten
der Konfessionslosen). Und in sehr vielen Städten ist das Verhältnis noch
weit deutlicher zugunsten der Konfessionslosen. Dennoch betrachten es die
Kirchen weiterhin als "selbstverständlich", mit ihrem Glockengeläute das
öffentliche Leben akustisch bestimmen zu können. Umgekehrt ruft der Bau
einer Großmoschee in Köln massiven Widerstand hervor.
Dazu schreibt die römisch-katholische
Publizistin und ehemalige Lehrbeauftragte an der Freien Universität Berlin Dr. phil. Astrid Meyer-Schubert wie folgt: "Ist Europa vom
Christentum und von der Aufklärung geprägt, so lässt es sich innerhalb dieses
Europas (oder in diesem speziellen Fall Deutschland) nicht in enger
Nachbarschaft mit einer alles überragenden Moschee und zwei Minaretten leben,
von denen aus die Muezzin fünfmal täglich Muslime und Musliminnen zum Gebet
rufen. Der Islam fordert ganz andere Zeitrhythmen und Lebenszusammenhänge
als unser Kulturraum es ihm bieten kann. Die deutschen und europäischen Anwohner
wiederum werden sich fünfmal am Tag in ihren Tagesabläufen gestört fühlen, was
unabsehbare Aggressionen hervorrufen wird" (Die Neue Ordnung Nr. 3/2009;
http://www.die-neue-ordnung.de/).
Hier fehlt die Sensibilität dafür,
dass z. B. die weltanschaulich neutrale Stadt Köln die beiden gespenstischen
übergroßen Türme des mittelalterlichen römisch-katholischen Kölner Domes sogar
als ihr Wahrzeichen betrachtet. Und auch im Wappen des 1. FC Köln sind die
beiden Türme als Symbole verewigt, obwohl dort auch Protestanten, Muslime und
Konfessionslose Mitglieder sind (http://de.wikipedia.org/wiki/1._FC_K%C3%B6ln).
Und wenn man bedenkt, wie viele Menschen unterhalb des Domes in vergangenen
Jahrhunderten als "Ketzer" auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, dann ist es schon
befremdlich, wenn man ausgerechnet dann von "unabsehbaren Aggressionen"
spricht, wenn in Köln der Muezzin zum Gebet rufen würde. Wie wäre
es, wenn die Kirchenchristen in der Umgebung der Moschee den Ruf des Muezzin
gelegentlich nützen würden, um für einen kurzen Augenblick innezuhalten anstatt
neue Aggressionen aufzubauen? Und um sich bewusst zu machen, dass Gott, der alles
Leben durchströmt, auch in ihrer Seele der unermüdliche Helfer und Mahner zum
Guten ist?
Denn auf das hohle kalte Läuten ihrer Kirchenglocken hören die meisten ja schon
lange nicht mehr. Und es löst bei vielen Menschen auch depressive Verstimmungen
aus.
Doch vielleicht ahnen die Katholiken
etwas von dem, was jetzt in der unterfränkischen Stadt Bad Königshofen geschah.
Die Totenglocke der Kirche hat einfach nicht mehr aufgehört zu läuten.
Ein technischer Defekt, wie sich später heraus stellte. Doch gleichzeitig ein
Symbol für die Zukunft derer, die Jahrhunderte lang ein Blutbad in dieser Welt
anrichteten und dabei auch noch den Namen des Jesus, des Christus, missbrauchten
und missbrauchen
(http://www.mainpost.de/lokales/rhoengrabfeld/Kirchenglocke-gibt-keine-Ruhe-Polizeieinsatz;art767,5211129;
vgl. Der Theologe Nr. 25).
1.12. / 4.12.2009 -
Kein Minarettbau mehr in der Schweiz - Werden bald auch die Kirchenglocken
schweigen?
- Die überwiegend kirchenchristlichen
Schweizer (41 % römisch-katholisch, 42,5 % evangelisch einschließlich der so
genannten "Freikirchen") mobilisierten ihre alten
mittelalterlichen Instinkte und entschieden in einer Volksabstimmung, die
Religionsfreiheit ein Stück weit einzuschränken und die Muslime zu
diskriminieren, indem man ihnen nicht mehr erlaubt, neue Minarette zu bauen.
Bereits das Plakat war manipulativ diskriminierend: wie Atomraketen in
Stellung gebrachte viele Minarette, so dass die Schweizer Flagge darunter kaum
mehr erkennbar ist, davor eine ganz in schwarz gehüllte vermummte Gestalt, um die Ängste
und niederen Instinkte der überwiegend kirchenchristlichen Bevölkerung
anzuheizen.
Zwar könnte man argumentieren, dass in manchen islamisch geprägten Ländern
Andersgläubige oft noch rigoroser diskriminiert oder gar verfolgt werden, aber
es zählt ja zu den ethischen Grundsätzen einer demokratischen Gesellschaft, sich
nicht diejenigen als Beispiel zu nehmen, welche Menschen- oder Bürgerrechte noch
weniger beachten.
Doch es gibt noch weitere Überlegungen: Die Moscheen in Europa sind in der Regel voll, und
die Mehrheit der Muslime hält sich auch an die täglichen Gebetszeiten, die der
Muezzin vom Minarett aus ausruft. Die Minarette erfüllen also ihren Zweck für
die Gläubigen. Völlig anders bei den Kirchenchristen: Die Kirchen sind
überwiegend gähnend leer. Und läuten die Glocken der Kirche eines bestimmten Stadtteils,
um die
dort wohnenden Kirchengläubigen zu den üblichen Gottesdiensten zu rufen, kommen
vielleicht 1 % der Betroffenen, wenn überhaupt (spezielle Gottesdienste
wie Heilig Abend ausgenommen). Und läuten die Kirchenglocken zu irgendwelchen Tageszeiten eine
kirchliche "Gebetszeit" ein, hält sich meist nicht einmal mehr der Pfarrer daran.
Manchmal reißen die Glocken auch die Menschen aus dem Schlaf, sei es durch den
hohlen kalten Glockenschlag nachts oder durch das laute Morgenläuten um 6.00 Uhr in der Frühe,
so dass immer mehr Klagen wegen Ruhestörung durch ein längst ins Leere
gelaufenes kirchliches Brauchtum anhängig sind, das unzählige Menschen zudem
depressiv verstimmt. Die Kirchenchristen könnten
also viel leichter auf ihre Kirchtürme verzichten als die Moslems auf ihre
Minarette. Und die "handverlesenen" vom Glockengeläut herbei
gerufenen
Kirchenchristen sind gegenüber den Moslems, die sich am Muezzin auf dem Minarett
orientieren,
eine winzige Minderheit.
So würde es schon der Anstand gebieten, dass die Kirche von sich aus auf einen
Großteil ihre Glockenzeremonien verzichtet, nachdem ihre Anhänger
umgekehrt die Moslems jetzt per Gesetz dabei behindern, ihr tägliches Gebet
pünktlich verrichten zu können.
Oder bricht hier einfach einmal mehr das im Kern antidemokratisch eingestellte Kirchenchristentum
durch, in dem die Menschen glauben müssen, dass alle Menschen
sich dem Papst unterwerfen müssen oder
dass nur der korrekt
evangelische Glaube zum Seelenheil führt? Für diesen Glauben ist der Muezzin
natürlich eine Bedrohung und das geistig tote und mit diffusen Ängsten
indoktrinierte Kirchenchristentum reagiert auf
religiöse Alternativen einmal mehr mit einem Verbot. Und auch der dunkle Geist Martin Luthers, der
einst zum Morden der türkischen Kriegsgegner aufrief, um das kirchliche
Abendland vor dem Islam zu schützen, scheint noch nicht gebannt. Die
konservativen Kirchenchristen scheinen auf jeden Fall im übertragenen Sinn "Blut
geleckt" zu haben. In der Euphorie des Minarettbauverbots planen jetzt auch
Politiker der am stärksten kirchlich orientierten Schweizer Christdemokraten als
nächstes das Burkaverbot für Musliminnen, auch wenn diese eine Burka freiwillig
tragen möchte (Frankfurter Rundschau, 4.12.2009). Sie könnten sich dann
nur noch als vermummte katholische Nonnen tarnen.
PS: Zu einem anderen Thema: Was die Bestialität der
Menschen gegenüber den Tieren betrifft, könnte gerade der Westen, wo unzählige
Informationen zu diesem Thema öffentlich für alle zugänglich sind, durch eigenes
Vorbild vieles dazu beitragen, dass sich
auch die Situation der Tiere in islamischen Ländern bessert. Stattdessen
übertrifft jedoch das kirchliche Weihnachten an Grausamkeiten gegenüber den
Tieren den Umfang der Grausamkeiten gegenüber Tieren in anderen Ländern und Religionen.
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Der Text kann wie folgt zitiert werden: |
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Die Zeitschriften
DER THEOLOGE,
Ausgaben Nr. 1, 3 und 8,
und die Ausgabe Nr. 1
der
FREIEN |