DER THEOLOGE
Nr. 36


Kirche, Christentum und Islam

Vorbemerkung:
Martin Luther sah im Islam der türkischen Osmanen die große Bedrohung für das kirchenchristliche Abendland. Der "große Deutsche" predigte deshalb im Jahr 1529:
"... weil die Christen ... ein jeglicher von seiner Obrigkeit, zum Streit wider die Türken gefordert und berufen werden, sollen sie tun als die treuen und gehorsamen Untertanen (wie sie denn gewisslich tun, so sie rechte Christen sind) und mit Freuden die Faust regen und getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer mögen, weil sie eine Ader regen können ... werden sie darüber erschlagen, wohlan, so sind sie nicht allein Christen, sondern auch gehorsame, treue Untertanen gewesen, die Leib und Gut in Gottes Gehorsam bei ihren Oberherrn zugesetzt haben. Selig und heilig sind sie ewiglich ..." (Eine Heerpredigt wider den Türken, D. Mar. Luther. Anno 1529; Tomos 4, S. 494 b - 496). Wer das anders sah als Martin Luther und die katholische Kirche, so z. B. der urchristliche Lehrer Michael Sattler, dem drohte der Foltertod. Mcihael Sattler lehrte laut der gegen ihn verfassten Klageschrift 1527 unter Punkt 9, "dass Christen nicht gegen die Türken kämpfen sollen; wenn er die Wahl hätte und ein Krieg überhaupt recht wäre, dann würde er lieber auf Seiten der Türken kämpfen". Und weiter: "Christen dürfen niemandem das Leben nehmen, sie können nur Gott um ihren Schutz anrufen. Wenn die Türken gegen Christen in den Krieg ziehen, so liegt es daran, dass sie es als Muslime nicht besser wissen. Menschen, die sich Christen nennen und Türken töten, sind ´türcken nach dem geist`".
Auch wollte Michael Sattler, einer der großen weisen Männer seiner Zeit, mit Berufung auf Jesus laut Punkt 3 der Klageschrift gegen ihn keine Säuglinge taufen. Wegen diesen und weiteren Glaubensgründen und wegen seiner nicht militaristischen Haltung gegenüber dem Islam wird ihm 1527 in Rottenburg am Neckar (dem heutigen katholischen Bistumssitz) von der römisch-katholischen Inquisition der Prozess gemacht. In dessen Folge wird ihm zuerst die Zunge heraus gerissen, dann werden mit glühenden Schmiedeisen Löcher in seinen Leib gebrannt. Danach wird er ganz "zu Pulver" verbrannt. Drei Tage später wird seine Frau, die seine Überzeugungen teilt, auf Befehl der katholischen Oberherren solange in den Neckar getaucht, bis sie ertrunken ist (Quelle).
Der Theologe Thomas Kaufmann weist in seinem neuen Buch Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main, Leipzig 2009 nun darauf hin, "dass die Angst vor den Türken entscheidend zum Erfolg der Reformation beigetragen habe", so Die Zeit (Nr. 1, 30.12.2009). "Die Bedrohung durch die fremdgläubigen Osmanen auf dem eigenen Kontinent sei vielfach als göttliche Strafe und Zeichen des nahen Weltgerichts verstanden worden." Doch anstatt in einer solchen aufgewühlten Zeit auf Männer wie Michael Sattler zu hören und dem Verrat der Kirche an Jesus, dem Christus, mit echt christlichen Reformen entgegen zu treten, verfielen die Politiker lieber der bequemen Lehre des Machtmenschen Luther und seiner Nachfolger, die auch nicht christlicher war und ist als der Katholizismus. Und deren Prediger, wie auch Luther selbst, sich oft sogar noch kriegerischer gegen Andersgläubige gebärdeten als so mancher katholische Volksaufwiegler.

Wie ist es heute? Von den beiden Großkirchen setzt sich vor allem die evangelische öffentlich mit dem Islam auseinander und bietet dafür auch eine eigene sachlich gehaltene Internet-Seite (http://www.kirche-islam.de/). Die Haltung der evangelischen Kirche ist jedoch überhaupt nicht einheitlich. So erläutert eine andere offizielle evangelische Seite, wie ein Muslim vom evangelischen Glauben überzeugt werden könne (http://www.ead.de/gebet/30-tage-gebet/durch-gebet-berge-versetzen/wie-findet-ein-muslim-zu-jesus-christus.html), wobei eben die evangelischen Christusvorstellungen missioniert werden, die gleich den katholischen Christusvorstellungen, nur noch wenig mit dem zu tun haben, wie Jesus, der Christus, wirklich war.
Zum Thema siehe auch:
http://wetzww.neitung.de/deutschland/799170.html und http://www.ksta.de/html/artikel/1190968686826.shtml.
Die Auseinandersetzung in der römisch-katholischen Kirche wird demgegenüber mehr im Hintergrund geführt. Siehe dazu eine Sendung von Radio Vatikan zu den islamkritischen Äußerungen des Papstes unter http://www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=96118. Ein Überblick aus römisch-katholischer Sicht hinsichtlich der Schweiz aus dem Jahr 2002 siehe unter
http://www.kath.ch/infosekten/text_detail.php?nemeid=8244
Auf dieser Seite wird das Thema - vergleichbar einem Mosaik - anhand jüngerer Ereignisse der Zeitgeschichte beleuchtet.
Lesen Sie eine Zusammenstellung der Meldungen aus den Rubriken Der Theologe aktuell sowie Das Weisse Pferd aktuell aus dem Jahren 2005 bis 2010 (chronologisch geordnet).
 

Unser Anliegen: Wir bewerten den Islam ausdrücklich nicht. Auch nicht seinen Stifter Mohammed oder weitere Lehrer dieser Religion. Das mögen diejenigen tun, die dies als ihre Aufgabe betrachten. Wir wenden uns jedoch dagegen, dass ein verfälschtes Christentum den Namen von Jesus, dem Christus, missbraucht, um einen Kulturkampf gegen den Islam führt und Kriege gegen islamisch geprägte Länder befürwortet - so, wie einst auch die Katholiken und Protestanten früheren Jahrhunderte. Anstatt die Botschaft des Christus vorzuleben, wird er auf diese Weise von Kirchenchristen zwar mit den Lippen bekannt. doch seine Lehre dabei erneut mit Füßen getreten. Durch die Kirche entstehen in islamischen Ländern also völlig falsche Vorstellungen von Christus. Und wir möchten mithelfen, aufzuklären, dass diese Art von Christentum mit dem Mann aus Nazareth nur wenig oder gar nichts zu tun hat.


Inhaltsverzeichnis:

2005
Die Kreuzzüge sind noch lebendig
Konflikt Iran - USA: "Durch ein persisches Auge"
Von Präsident Bush bis Islamischer Dschihad - alle huldigen dem Papst
"Königreich der Himmel" - Kreuzzugswahn ist noch nicht überwunden
Römisch-katholischer Professor: Aufrufe von Papst Urban II. gleichen denen Osama bin Ladens

2006
Der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen
Jahreslosung 2006 - "Gottes" Beistand für einen Völkermörder - Kirchen entlarven sich
Libanon-Krieg - "Test" für den Iran-Krieg? War es ein gerechter Krieg? Kriegsstimmung in der evangelischen Kirche
Nahost-Kriege: Wer steigt aus aus dem Kreislauf der Gewalt?
Papst beleidigt Islam - Sturm der Entrüstung in der moslemischen Welt über Benedikt XVI.
Wegen Kritik am Papst: CSU-Chef Stoiber schließt Türkei aus Europa aus
Ausschreitungen in Indonesien nach Hinrichtung von drei Katholiken
Das Spiel von Politik, Militär und Wissenschaft mit dem Feuer
Trotz Audienz für Moslems: Katholische Kirche verlangt Unterwerfung aller Menschen unter den Papst für Erlangung des Heils
Kirchliche Politiker kritisieren Absage der Oper mit enthaupteten Kopf Mohammeds und anderer Menschheitslehrer
Drahtzieher polarisieren weiter gegen Islam
CDU-Generalsekretär macht Islam für Gewalt verantwortlich und verschweigt Verantwortung des kirchlichen Christentums
Der Krieg beginnt
Protest gegen Islam: Evangelischer Pfarrer verbrennt sich bei lebendigem Leib
George W. Bush und Benedikt XVI. - Ökumenische politische Doppelstrategie?

"Ich halte die Regensburger Rede, so wie sie gehalten wurde, für prophetisch."
(Papst-Privatsekretär Georg Gänswein auf die Frage "Warum hat den Text niemand gegengelesen?" - aus einem Interview mit der Zeitschrift Kurier, 3.9.2007 über die Rede des Papstes am 10.9.2006 an der Universität Regensburg; mehr dazu hier)


2007
Die "heilige" Elisabeth und der Kreuzzug gegen die Moslems im Palästina
"Wir fliegen in den Krieg" - Deutschland im heimlichen Angriffskrieg
Kardinal Lehmann sollte in Saudi-Arabien eine Messe lesen dürfen - Was müsste er selbst dafür tun?
Afghanistan: Nahezu täglich getötete Zivilisten - Der heimliche Krieg wird immer brutaler
Afghanistan, Irak: Kriege geraten immer mehr außer Kontrolle
Streng gläubige Katholikin mit islamischem Freund warf Neugeborenes aus dem Fenster
Kampf der Kulturen in Deutschland: Katholische Politiker wollen Islam klein halten
Das Christentum hätte den Pazifismus des Jesus von Nazareth lehren sollen
Islamische Schulbücher - Mehr Toleranz als vermutet

2008
Ruanda - Der Verrat der Kirche an Jesus von Nazareth - Moslems von Präsident um Hilfe gebeten
Provozierende Medien-Inszenierung in der Osternacht - Prominenter Muslim katholisch getauft

2009
Muslimischer Ministerpräsident der Türkei verweist Christen und Juden auf deren 5. Gebot
Ein großer Teil der Moslem-Gemeinschaften beteiligt sich nicht am Kirchentag
Der Schaden durch Mission / Die Morde von Jemen und Dresden
Der Muezzin von Köln und die Totenglocke von Bad Königshofen
Nach dem Neubau-Verbot für Minarette: Schweigen in der Schweiz bald auch die Kirchenglocken?

2010
Zwei Moslems verhaftet, nachdem sie in katholischer Kathedrale gebetet hatten
 



1.11.2001 - Die Kreuzzüge sind noch lebendig: Was sind die Ursachen der Aggressionen, die sich vielfach in der islamischen Welt gegen den Westen aufgebaut haben. Lesen Sie dazu
http://www.das-weisse-pferd.com/01_11/kreuzzuege.html
 



12.2.2005 - Konflikt Iran - USA: Zu diesem Thema äußerte sich im Jahr eine Iranerin, die in Deutschland lebt. Damals hatten die USA den Iran in die "Achse des Bösen" eingereiht. Wenn Sie mehr über die Hintergründe aus "persischer Sicht" erfahren wollen, welche dem gegenwärtigen Konflikt zugrunde liegen, lesen Sie: http://www.das-weisse-pferd.com/02_04/persisches_auge.html
 



3.4.2005 - Von Präsident Bush bis Islamischer Dschihad - alle huldigen dem Papst: Das erinnert in diesen Tagen viele Christen an die biblische Prophezeiung des Matthäusevangeliums, wo es bei der Versuchung von Jesus im Blick auf  "alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht" heißt: "Das alles will ich [der "Fürst dieser Welt"] dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest" (Matthäus 5, 9).
 



5.5.2005 - Kinostart von "Königreich der Himmel" - Der Kreuzzugswahn ist noch nicht überwunden. Noch relativ milde kam die Kirche in der aufwändigen Hollywood-Produktion über die Kreuzzüge davon. Wem jedoch das, was er gesehen hat, schon ausreicht, der kann sich überlegen, warum er noch Mitglied ist. Der bekannte deutsche Philosoph Karl Jaspers warnte z. B. davor, dass der "biblisch fundierte Absolutheitsanspruch" der Kirchen nach wie vor "ständig auf dem Sprung" stehe, "von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen
(Der philosophische Glaube, 9. Auflage, 1988, S. 73). Wer es nicht glaubt? In der aktuellen Lehrbuchsammlung der katholischen Kirche von Josef Neuner und Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden und Lehrverkündigungen, neu bearbeitet von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger wird u. a. ohne jeglichen kritischen Kommentar die "Glaubenswahrheit" Nr. 382 dargelegt, in der es heißt: Die Kirche muss "mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte." Und der Abt Bernhard von Clairvaux (1091-1153), der durch seine Kreuzzugspredigten den grausamen Tod zahlloser Menschen auf dem Gewissen hat, wird seit 1179 bis heute in der römisch-katholischen Kirche als "Heiliger" verehrt. Ihm ist auch der 20.8. als Namenstag gewidmet und er wurde 1830 gar zum "Kirchenlehrer" erhoben. Das sind nur wenige Beispiele. Wie praktisch "ausgemerzt" wurde, lesen Sie auch in drei Artikeln in der Zeitschrift "Das Weisse Pferd", v. a.. im ersten Artikel über die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer im 1. Kreuzzug 1099. Der zweite Artikel weist auf den Kreuzzug gegen die christlichen Katharer hin und der dritte behandelt ausführlich den Krieg der Kirche gegen die christlichen Arianer.
http://www.das-weisse-pferd.com/98_ex/kreuzzuege.html
http://www.das-weisse-pferd.com/98_ex/katharer.html
http://www.das-weisse-pferd.com/00_01/arianer.html
 



30.10.2005 - Römisch-katholischer Professor gibt zu: "Die Verheißungen durch den damaligen Papst gleichen den Aufrufen Osama bin Ladens" - "Bin Laden in der Tradition von Papst Urban II." lautete die Überschrift in zahlreichen Tageszeitungen (z. B. Main-Echo 29./30.10.2005), welche eine Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur KNA verbreiteten. Darin heißt es wörtlich: "Nach Meinung des katholischen Augsburger Theologen Klaus Kienzler ´wurzelt die fundamentalistisch-islamische Dschihad-Idee in den christlichen Kreuzzügen`. Die arabischen Kriegsherren hätten zur Zeit Saladins (1138 bis 1193) den ´heiligen Krieg` der römischen Westkirche übernommen, um muslimische Kämpfer für die Rückeroberung Jerusalems zu motivieren, sagt Kienzler bei einem Vortrag in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Der Hass zwischen Christen, Juden und Muslimen sei erst durch die Kreuzzüge entstanden. Der Fundamentaltheologe zitierte einen Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. (1088 bis 1099) und erklärte dazu: ´Die Verheißungen des Paradieses für die christlichen Märtyrer durch den damaligen Papst gleichen den Aufrufen Osama bin Ladens.`" 
Dies wiegt umso schwerer, da sich die römisch-katholische Kirche bis heute nicht von ihrem "Heiligen Vater" Urban II. distanziert hat, obwohl zeitgleich zu Urban II. mit Clemens III. ein zweiter Papst regierte (1080 bis 1100), den z. B. die damalige deutsche Bischofskonferenz als den rechtmäßigen betrachtete und dessen "moralische Integrität" auch von seinen Gegnern "anerkannt" wurde (Wikipedia-Internet-Enzyklopädie zu Clemens III.). Doch der Vatikan entschied sich für den Mordbrenner Urban II., der die Kreuzzüge ins Leben rief, als den rechtmäßigen "Heiligen Vater". So könnte man einmal mehr grundsätzlich fragen: Wer sitzt eigentlich auf dem Stuhl Petri?


Lesen Sie dazu:
Über die geistigen Wurzeln des Holocaust: Die Kreuzzüge - die brutale Vernichtung Andersgläubiger:
http://www.das-weisse-pferd.com/98_ex/kreuzzuege.html

 



8.2.2006 - Der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen - Lesen Sie dazu den Artikel
Der Kampf der Kulturen - http://www.das-weisse-pferd.com/98_01/kriege.html
Darin heißt es u. a.: "Nicht im ´Kampf der Kulturen` kann die Zukunft der Menschheit liegen, sondern in der Suche nach der gemeinsamen Identität aller Menschen ..."
 



13.3. / 14.3.2006 - Jahrslosung 2006 - "Gottes" Beistand für einen Völkermörder - Kirchen entlarven sich - "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht" heißt ein angebliches Gotteswort an Josua in der Bibel (Josua 1, 5b), das die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland als Jahreslosung 2006 für die Gläubigen auswählten. Unmittelbar zuvor heißt es in der Bibel: "Niemand wird dir Widerstand leisten können, solange du lebst" (Vers 5a). Worum geht es? Bereits einige Verse weiter bekommt die kirchliche Andachtsstimmung die ersten Kratzer. "Jeder, der sich deinem Befehl widersetzt und nicht allen deinen Anordnungen gehorcht, soll mit dem Tod bestraft werden" (Vers 16). Also wird hier zunächst erklärt, wie sich die eigene Bevölkerung verhalten muss: Befehle ausführen oder hingerichtet werden. Den Nachbarvölkern "stockte der Atem" (5, 1), als sie das hörten. Doch lange würden sie nicht mehr atmen können, denn bald gerieten sie selbst in Visier. Zuerst wurden die menschlichen Bewohner und die Tiere der heutigen Palästinenserstadt Jericho massakriert: "Mit scharfem Schwert weihten sie [die Soldaten unter dem Befehl Josuas] alles, was in der Stadt war, dem Untergang, Männer und Frauen, Kinder und Greise, Rinder, Schafe und Esel" (6, 21).  Nicht alle befolgten jedoch den Ausrottungsbefehl, so dass wieder eine Phase innerer "Säuberungen" folgte: "Bei wem man dann etwas findet, das dem Untergang geweiht ist, der soll mit allem, was er hat, verbrannt werden ..." (7, 15.25). Dann wieder Völkermord nach außen: "Es gab an jenem Tag insgesamt zwölftausend Gefallene, Männer und Frauen, alle Einwohner von Ai. Josua aber ließ seine Hand mit dem Sichelschwert nicht sinken, bis er alle Einwohner von Ai dem Untergang geweiht hatte ... Den König von Ai aber ließ er an einem Baum aufhängen ... (8,  25.29). Und so weiter. Alles im Auftrag des "Gottes", der dem Feldherrn Josua die Massaker befohlen hatte und ihm für seine Befehlstreue versprochen hatte: "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht" - die Jahreslosung der Kirchen für das Jahr 2006.
 
Vertreter der Kirchen erklären nun als Rechtfertigung ihrer Jahreslosung, dass es bei diesen Ereignissen in Wirklichkeit gar nicht so gewalttätig zuging, wie dies in der Bibel beschrieben sei. Das ist insofern bemerkenswert, da dies ja auch ein Eingeständnis wäre, dass die biblischen Berichte die Wirklichkeit verfälscht hätten. Warum werden sie dann aber als "Gottes Wort" bezeichnet? Kann eine Fälschung gleichzeitig "Gottes Wort" sein?

Abgesehen von diesem Widerspruch glaubt man den kirchlichen Theologen aber gerne, dass das damalige Volk Israel viel friedlicher war, und spätere Schriftgelehrte und Theologen sich die Massaker nur besonders total und grausam ausgemalt hatten. Doch das spielt im Zusammenhang der Jahreslosung 2006 keine Rolle. Denn in diesem Zusammenhang zählt eben nicht die Historie vor über 3.000 Jahren (die hoffentlich friedlicher war), sondern das, was heute als "Gottes Wort" in der Bibel steht. Mit anderen Worten: Was für die Kirchen als "Gottes Wort" gilt, ist heute maßgeblich und nicht das, was sich vielleicht in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hat, aber niemand beweisen kann. Und als "Gottes Wort" gilt eben der Völkermord nach außen und nach innen in seiner schlimmsten Form. So kann man sich auch fragen: Mit welchem Recht erhebt man sich angesichts dieser "heiligen Schriften" in den Kirchen heute z. B. über den Islam, dessen Gläubige in der Geschichte mehrfach tatsächliche Opfer von kirchlichen Völkermördern wurden?
 
Wer die Kirche und ihre Lehren kennt, den überrascht die Selbstverständlichkeit dieses Horrors allerdings nicht. Durch Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte (die Nachfahren der früheren Inquisitoren) werden auch heute Minderheiten auf Schärfste bekämpft, die den Kirchen ein Dorn im Auge sind (siehe Der Theologe Nr. 12). Und in den vergangenen ca. 1.700 Jahren verbündete man sich mit vielen Regimes, welche auf Geheiß der Kirche Menschen hinrichten ließen, die dieser unliebsam waren. Und wörtlich heißt es bis heute in den gültigen Lehren der Kirche: "Deshalb muss sie [die römisch-katholische Kirche] mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist oder dem Seelenheil irgendwie schaden könnte." (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, Glaubenswahrheit Nr. 382, siehe dazu Der Theologe Nr. 18).
Sollten also eines Tages sogar wieder Menschen "ausgemerzt" werden, (wenn man sich wieder mit einem dazu passenden Regime verbündet), bräuchte sich niemand zu wundern. Damit es aber nicht dazu kommt, wäre es notwendig, dass alle aufrechten Demokraten und Verfechter von Glaubensfreiheit und Toleranz die Kirchen in die Schranken des Grundgesetzes weisen (wo sich die Bundesrepublik Deutschland zur Religionsfreiheit und zur Ablösung kirchlicher Privilegien bekennt) anstatt sie mit Milliardensubventionen am üppigen Leben zu erhalten und ihre Macht- und Ausrottungsphantasien achselzuckend hinzunehmen.

Warner gibt es viele, so z. B. auch den Göttinger Theologen Gerd Lüdemann, der zur Jahreslosung u. a. schrieb: "Die Texte aus dem Josuabuch schildern die totale Abschlachtung der kanaanäischen Bevölkerung ... Der Bann hat einen erschreckend grundsätzlichen Charakter: Gott lässt seine Exekutoren nicht fallen und verlässt sie nicht"
(Welt am Sonntag, 8.1.2006; http://www.welt.de/data/2006/01/08/828497.html).

 



19.7. /  28.11.2006 - Libanon-Krieg - "Test" für Iran-Krieg? War es ein gerechter Krieg? Kriegsstimmung in der evangelischen Kirche - "Pünktlich" drei Tage nach der Fußball-Weltmeisterschaft begann am 12.7.2006 der von vielen voraus geahnte neue Nahost-Krieg. Im Zusammenhang des Weihnachts-Urbi-et-Orbi von Benedikt XVI. war verschiedentlich gemutmaßt worden, dass die derzeitige Regierung der USA das Fußball-Großereignis in Deutschland noch abwartet, um dann in irgendeiner Form gegen den Iran loszuschlagen (siehe dazu unsere Meldung vom 25.12.2005). Am 19.7.2006, eine Woche nach Beginn des neuen Krieges, verbreiteten die New York Times in den USA und The Guardian in Großbritannien die Meldung, dass Israel anscheinend in enger Absprache mit der Regierung Bush handele. "Washington habe Israel ein Zeitfenster von einer Woche eingeräumt, um die Infrastruktur der militanten Hisbollah zu zerstören", die bekanntlich vom Iran unterstützt wird (Focus online, 19.7.2006; siehe dazu auch http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,427836,00.html). "Israels Militäroffensive im Libanon sei lange geplant gewesen", glaubt auch der israelische Historiker Tom Segev (Spiegel online, 19.7.2006). "Israel habe von den USA eine ´carte blanche` (= Freibrief, Blanko-Vollmacht) für eine Ausweitung der Angriffe gegen Hisbollahziele im Libanon", sagte zudem ein Armeesprecher Israels, der anonym bleiben möchte (Spiegel online, 21.7.2006). Und vielleicht hat der gläubige protestantische US-Präsident George W. Bush (er wurde einst vom "Evangelisten" Billy Graham für den kirchlichen Glauben bekehrt) auf eine Art "Wunschzettel" für mögliche Entwicklungen zurück gegriffen, als er Syrien am 19.7.2006 scharf attackierte und in diesem Zusammenhang erklärte: "Mir kommt´s so vor, als wollten die Syrer wieder in den Libanon" (Focus online, 20.7.2006). Zum Zeitpunkt des etwas überraschenden Wortbeitrags des Präsidenten waren allerdings die Israelis wieder dort eingedrungen und nicht die Syrer, die 2005 als bisherige "Schutzmacht" ihre Truppen unter dem Jubel der libanesischen Bevölkerung zurückgezogen hatten. Mittlerweile hat auch der US-amerikanische Journalist Seymour Hersh Indizien dafür zusammengetragen, dass der Libanon-Krieg für die Bush-Regierung ein "Testlauf für einen Iran-Krieg" gewesen sein soll (siehe http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,431774,00.html).

Ganz selbstverständlich können die Kirchenchristen bei ihrer Beurteilung des Krieges die in ihrem Glaubensbekenntnis verankerte "Lehre vom gerechten Krieg" anwenden, der auch für die evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland bis heute verbindliche Glaubenslehre ist. So wird in der Augsburger Konfession gelehrt, "dass Christen mögen ... Übeltäter mit dem Schwert strafen [und](,) rechte Kriege führen" (CA XV), und jeder Pfarrer wird darauf vereidigt. Am direktesten sprach bisher der bekannte Politologe, Buchautor und häufige Referent auf Kirchentagen und in kirchlichen Kreisen, Dr. Matthias Küntzel, von einem "gerechten Krieg" (Spiegel online, 23.7.2006) - im Gegensatz zur UNO, deren Vertreter in diesem Krieg z. B. "Verstöße gegen internationales Recht" beklagte (25.7.2006). Zwar hatten sich der Papst und der EKD-Vorsitzende Bischof Wolfgang Huber während des Krieges der UN-Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand angeschlossen, doch vor allem innerhalb der evangelischen Kirche griff vielfach unverhohlene Kriegsstimmung um sich. So heißt es z. B. im Leitartikel von Johannes Gerloff in dem angesehenen evangelischen Wochenmagazin idea-spektrum (Nr. 29/2006): "´Israel muss die Hisbollah total vernichten.` Darin sind sich die messianische Jüdin Alice aus Naharija und der arabische Christ Nabil aus Mrar einig." Und: "Die größte Angst der Israelis kommt immer wieder zur Sprache: dass der Druck der Weltöffentlichkeit Israel einmal mehr zwingen könnte, eine Militäraktion vorzeitig und unvollendet abbrechen zu müssen." Dies klingt wie eine Drohung gegenüber europäischen Vermittlern wie Javier Solana oder der französischen Regierung oder dem deutschen Ex-Außenminister Joschka Fischer, die sich um einen sofortigen Waffenstillstand bemühen, um weiteres furchtbares Leid zu verhindern. Und dann lässt die evangelische Zeitung am Ende ihres Kommentars eine vielleicht versteckte Aufforderung zum Krieg gegen den Iran folgen: "Wer dem mörderischen Ungetüm das Genick brechen will, muss sich nach Teheran wenden."
 
PS: Auch der bekannte römisch-katholische Fernsehkorrespondent Ulrich W. Sahm (ntv), gleichzeitig Mitarbeiter der römisch-katholischen Nachrichtenagentur KNA, stand hinter den Angriffen der israelischen Armee. Sein Argument: "Die Kriegserklärung ging vom Libanon aus" (idea spektrum Nr. 31/2006).


Einmal mehr wird der große jüdische Friedensstifter Jesus von Nazareth damit von den Kirchenchristen auf böse Art und Weise verhöhnt
. Denn Jesus sprach niemals von totaler militärischer Vernichtung eines Gegners oder einer Angst, einen Krieg vorzeitig abbrechen zu müssen oder davon, einem Gegner das Genick zu brechen. Nicht einmal von einem "gerechtfertigten" "Verteidigungskrieg". Jesus lehrte in der Bergpredigt (Matthäusevangelium, Kapitel 5-7): "Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen." Wem dies ethisch zu anspruchsvoll erscheint oder aus einer Betroffenheit heraus augenblicklich unannehmbar, der sollte sein Denken und Empfinden dann aber wenigstens nicht "christlich" nennen. Und Jesus lehrte auch ganz schlicht und für jeden sofort verständlich: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" Dies ist gleichbedeutend dem bekannten Sprichwort "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu." Oder Jesus weiter: "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge." Oder: "Selig sind die Friedensstifter; denn sie werden Gottes Kinder heißen." Das also wäre der Beitrag von Christen zum Nahost-Krieg im Gegensatz zu vielen anti-christlichen evangelischen Beiträgen. Auffällig ist, dass sich viele Nachfolger Martin Luthers nicht einmal mehr die Mühe machen, Jesus zu widerlegen. Auch jammern sie gar nicht mehr herum, dass es doch so "schwer" sei, seine Lehre zu befolgen und man leider "notgedrungen" das Gegenteil von dem tun müsse, was er lehrte. Jesus von Nazareth wird immer häufiger einfach ignoriert.


Selbst das Alte Testament, gleichermaßen die Glaubensgrundlage des Judentums und der Kirche, wird vielfach ignoriert und damit stellenweise praktisch für bedeutungslos erklärt. Denn das Alte Testament lehrt: "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2. Mose 21, 24). Bekanntlich hat Jesus auch diesem Satz, der einem Geschädigten erlauben soll, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, deutlich widersprochen (siehe dazu Matthäus 5, 38 ff.). Doch dessen Lehre hat man ja eh´ schon über Bord geworfen. Nun steht aber auch hier im Alten Testament geschrieben: Vergeltung mit Gleichem, nicht mit Unverhältnismäßigem. Doch man hielt sich in diesem Krieg auch nicht an dieses Gebot im Alten Testament, sondern riss sinngemäß für ein Auge manchmal 100 Augen aus und für einen Zahn manchmal 100 Zähne. Wäre man stattdessen nach dem alttestamentlichen Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (bzw. "Auge für Auge, Zahn für Zahn") vorgegangen, so wäre also auf eine Entführung oder einen Terror-Anschlag eine Vergeltung gleichen Ausmaßes erfolgt.

Für die Kirchenchristen in der US-Regierung und ihre Gesinnungsfreunde in den deutschen Kirchen zählt es jedoch zum legitimen Recht, ein Unrecht x-fach vergelten zu dürfen bis zur Ausrottung eines Verursachers, was auch mit der Ausmerzung zahlloser Unbeteiligter verbunden ist. Und im Alten Testament gibt es leider auch andere Stellen, in denen ein solches Verhalten auch religiös gerechtfertigt wird. Zudem glauben Millionen von Bibelanhängern, v. a. in den USA, dass ihr evangelischer bzw. kirchlicher Gott in der so genannten "Endzeit" der Armee Israels den militärischen Sieg schenkt und alle ihre Gegner vernichtet, und dass sich die Israelis anschließend zum kirchlichen Glauben bekehren. In diesem Sinne biegt man sich teilweise gefälschte Bibelstellen aus dem Alten Testament (so z. B. in Hesekiel 38 und 39) oder der Offenbarung des Johannes (z. B. 14, 20) zurecht. Siehe dazu:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5782498_TYP_THE_NAV_REF3,00.html.
Im Gegensatz dazu ist auch die Verheißung an den Propheten Abraham zu bedenken, in der es heißt: "In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden"
(1. Mose 12, 3). Wie aber müsste eine Politik aussehen, die zum "Segen" auch für die anderen "Geschlechter" bzw. Völker würde? Zudem heißt es sowohl im Alten als auch im Neuen Testament: "Was der Mensch sät, das wird er ernten." Wenn diese geistige "Gesetzmäßigkeit" zutreffend ist, kann sich jeder selbst ausrechnen, was bald auf diejenigen zukommt, die in den letzten Wochen anderen großes Leid zufügten, gleich, auf welcher Seite sie stehen. "Es wurde so viel Hass gesät", berichten Menschen vor Ort (siehe http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,432616,00.html), und dies gilt wohl für Menschen in Israel und im Libanon. "F
ast der ganze Südlibanon ist eine Ruinenlandschaft", schreibt z. B. Spiegel online (15.8.2006), und was werden wohl die Flüchtlinge denken, die in ihre Häuser zurückkehren wollten und dort jetzt nur noch eine Ruine finden (siehe dazu auch http://focus.msn.de/politik/nahost/beirut_nid_33705.html über die Situation in Beirut). Noch wenige Stunden vor Kriegsende wurden die Angriffe mit auch in militärischen Kreisen heftig kritisierten Streubomben intensiviert, von denen 100.000 noch nicht explodiert seien und in der "Nachkriegszeit" weiter täglich Menschen töten (siehe http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,434435,00.html). Während des Krieges wurden zudem Phosphorbomben abgeworfen, die demnächst als chemische Waffen geächtet werden sollen (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,443964,00.html). Und schließlich hat die israelische Armee auch die im Jahr 1997 von 152 Staaten geächteten Landminen eingesetzt (http://www.focus.de/politik/nahost/un_nid_40121.html).
Und ein Krieg zieht immer auch noch weitere unheilvolle Kreise: Bei einem Angriff soll z. B. auch der Bruder eines libanesischen Studenten aus Kiel ums Leben gekommen sein.
Und dieser versuchte später wiederum, zwei Bomben in deutschen Regionalzügen zu zünden. Nach Ansicht von Experten sind solche privaten Tragödien oft der Auslöser dafür, dass sich jemand dem Terrorismus zuwendet. Wie also könnte man demnach den Terrorismus wirksam bekämpfen?

Anmerkung
: Im Jahr 1982 kam es im Libanon sogar zu einer massiven Kriegshandlung einer angeblich "christlichen" Armee: Damals verübte die so genannte Phalangisten-Armee der kirchenchristlichen Maroniten das Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila nahe Beirut. Die israelischen Besatzer hielten den Maroniten dabei den Rücken frei. 2.500 Palästinenser wurden wahllos ermordet, nachdem zuvor der maronitische libanesischen Präsidenten Baschir Gemayel ermordet wurde und man Palästinenser als Drahtzieher vermutete. Die Maroniten erkennen den römisch-katholischen Papst im Rom als ihr Oberhaupt an (Näheres dazu bei http://de.wikipedia.org/wiki/Sabra_und_Schatila).

Zum Kriegsverlauf
: Während drei bekannte israelische Schriftsteller (David Grossmann, A. B. Yehoshua, Amoz Oz) in der letzten Kriegsphase ein sofortiges beidseitiges Ende der Angriffe forderten (Haaretz, 6.8.2006) und auch Rolf Verleger vom Zentralrat der Juden in Deutschland die Fortsetzung des Kriegs kritisierte (siehe http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/430907.html), meldete sich zu diesem Thema in Deutschland auch der außenpolitische Sprecher der CDU, das Vorstandsmitglied Eckart von Klaeden, zugleich Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages, zu Wort. Er warf der Hisbollah vor, möglichst "viele Tote unter der Zivilbevölkerung beider Seiten" herbeiführen zu wollen (Bild, 5.8.2006). "Wir dürfen auf diese menschenverachtende Strategie nicht hereinfallen", so der führende evangelisch-lutherische Politiker. Was sollte das nun praktisch heißen? Es war offenbar eine weitere Rechtfertigung dafür, dass der Krieg erst einmal weitergehen müsse. Eine andere Rechtfertigung lautete seit dem 1.8.2006, der Krieg sei eine notwendige "Vorbereitung für die internationale Friedensmission" im Libanon, die seither vorbereitet wurde.
Dabei könnten folgende Entwicklungen allerdings eine Warnung sein: Nach dem Irak-Krieg der USA wurde das Land zur Operationsbasis für Terroristen (ca. 6.500 Todesopfer seit "Kriegsende", davon ca. 40 getötete US-Soldaten monatlich, tägliche Selbstmordattentate). Und auch seit dem Afghanistan-Krieg der NATO verfällt dieses Land zunehmend in Terror und Chaos und die im Krieg scheinbar besiegten Taliban kommen wieder. Im Libanon kommen zu den Todesopfern und Verletzten momentan auch wirtschaftliche Schäden in Höhe von ca. acht Milliarden Euro hinzu, das Ausmaß der Ölpest noch nicht mit eingerechnet (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,432293,00.html). Der Krieg hat solche "ökologischen Schäden" verursacht, dass auch die Landwirtschaft, die Lebensgrundlage der Bevölkerung, auf lange Sicht zerstört ist. "So hätten etwa die israelischen Luftangriffe auf den Süden des Libanons so schwere Umweltschäden angerichtet, dass dort die nächsten Jahre nicht mehr an Landwirtschaft ... zu denken sei" (dpa, 27.10.2006).
PS: Wer soll dafür aufkommen und wie genau soll denn die "internationale Friedensmission" die Friedens- und Versöhnungsbereitschaft der Bevölkerung fördern?

Im Nachbarland Syrien war in den letzten Kriegstagen "die Wut kaum noch kontrollierbar", so der Imam Muhammad al-Habash. Spiegel online schreibt: "´Das Volk glaubt, es habe die religiöse Pflicht, den Besatzern Widerstand zu leisten`, sagt er und erzählt von Familien in seinem Bekanntenkreis, deren Söhne sich in den letzten Tagen in den Dschihad verabschiedet haben. Vermutlich in den Libanon, da Syrien der Frustration noch kein Ventil bietet. Al-Habash ist ein Geistlicher, der für seine Weltoffenheit und Toleranz bekannt ist. ´Aber jedes Mal, wenn die Menschen hier Opfer von Israel werden, wird die Stimme der Gemäßigten immer leiser. Wir verlieren an Glaubwürdigkeit`, beklagt er. ´Wenn der Krieg weiter eskaliert, wird sich unser Volk von nichts mehr aufhalten lassen`" (10.8.2006).
Nun ist der Krieg tatsächlich kurzzeitig eskaliert, doch mittlerweile haben alle Seiten der UN-Resolution für eine Waffenruhe zugestimmt. Doch werden sich nun z. B. alle Kämpfer, die gerade erst in den Dschihad gezogen waren, der Führung der Hisbollah beugen, wenn diese die Waffen niederlegt? Oder ist das Leid des gerade gestoppten Krieges und der akuten Kriegsfolgen nicht schon der Keim für den nächsten Krieg? Auch die israelische Regierung hat bereits die Fortsetzung des Krieges angekündigt, wenn die Hisbollah sich nicht entwaffnen lässt. Währenddessen bauen jüdische Siedler im besetzten Westjordanland weiter illegal Häuser auf Grundstücken von Palästinensern, was von der Regierung geduldet wird. (http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/448497.html). Doch immerhin gibt es auch einen jüdischen Rabbi, der palästinensischen Opfern beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern oder bei der Ernte hilft.
Die deutsche Regierung hat sich ebenfalls in den Konflikt hineinziehen lassen und schickte 2.500 Soldaten im Rahmen der UN in den Libanon, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden (siehe dazu z. B. http://www.netzeitung.de/deutschland/433054.html).

Lesen Sie dazu auch:
Der Theologe Nr. 6 - Die evangelische Kirche, immer für den Krieg
Der Theologe Nr. 3 - So spricht Martin Luther - so spricht Jesus von Nazareth

 



20.7.2006 - Nahostkriege - Lesen Sie dazu den Artikel Wer steigt aus aus dem Kreislauf der Gewalt? (http://www.das-weisse-pferd.com/02_04/kreislauf_gewalt.html)
 



15.9. /  2.10.2006 - Papst beleidigt Islam - Sturm der Entrüstung in der moslemischen Welt über Benedikt XVI. - Es ist kaum vorstellbar, dass Joseph Ratzinger, der seine Reden Wochen im Voraus penibel plant, nicht wusste, was er tat. Seine Rede in der Universität Regensburg war dann eine hintergründige Kampfansage an den Islam, nachdem er am 10.9.2006 in München ebenso hintergründig die Toleranz gegenüber Kritikern ablehnte, welche die Lehre des Katholizismus aufdecken (Wörtlich warf er ihnen "Zynismus" vor, "der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht" und er ergänzte, dies sei nicht "die Art von Toleranz und von kultureller Offenheit, auf die die Völker warten und die wir alle wünschen"). Im nächsten Absatz lesen Sie zunächst, was der Papst am 12.9.2006 in Regensburg wörtlich sagte (zit. nach der Mittelbayerischen Zeitung Regensburg, mittelbayerische.de). Die fett markierten Stelle sind dabei der Anlass für die Entrüstung, wobei sich der Papst das Zitat von Kaiser Manuel II. durch die Art und Weise der Darlegung unmissverständlich zu eigen macht:

"Eminenzen, Magnifizenzen, Exzellenzen, verehrte Damen und Herren! Es ist für mich ein bewegender Augenblick, noch einmal in der Universität zu sein und noch einmal eine Vorlesung halten zu dürfen ...
Dass es auch solch radikaler Skepsis gegenüber notwendig und vernünftig bleibt, mit der Vernunft nach Gott zu fragen und es im Zusammenhang der Überlieferung des christlichen Glaubens zu tun, war im Ganzen der Universität unbestritten. All dies ist mir wieder in den Sinn gekommen, als ich kürzlich den von Professor Theodore Khoury (Münster) herausgegebenen Teil des Dialogs las, den der gelehrte byzantinische Kaiser Manuel II. Palaeologos wohl 1391 im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser über Christentum und Islam und beider Wahrheit führte. Der Kaiser hat wohl während der Belagerung von Konstantinopel zwischen 1394 und 1402 den Dialog aufgezeichnet; so versteht man auch, dass seine eigenen Ausführungen sehr viel ausführlicher wiedergegeben sind als die Antworten des persischen Gelehrten. Der Dialog erstreckt sich über den ganzen Bereich des von Bibel und Koran umschriebenen Glaubensgefüges und kreist besonders um das Gottes- und das Menschenbild, aber auch immer wieder notwendigerweise um das Verhältnis der ´drei Gesetze`: Altes Testament - Neues Testament - Koran. In dieser Vorlesung möchte ich nur einen - im Aufbau des Dialogs eher marginalen - Punkt behandeln, der mich im Zusammenhang des Themas Glaube und Vernunft fasziniert hat und der mir als Ausgangspunkt für meine Überlegungen zu diesem Thema dient.

"Ich halte die Regensburger Rede, so wie sie gehalten wurde, für prophetisch."
(Papst-Privatsekretär Georg Gänswein auf die Frage "Warum hat den Text niemand gegengelesen?" - aus einem Interview mit der Zeitschrift Kurier, 3.9.2007)

In der von Professor Khoury herausgegebenen siebten Gesprächsrunde (Dialexis-Kontroverse) kommt der Kaiser auf das Thema des Djihad (heiliger Krieg) zu sprechen. Der Kaiser wusste sicher, dass in Sure 2, 256 steht: Kein Zwang in Glaubenssachen - es ist eine der frühen Suren aus der Zeit, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten - später entstandenen - Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von ´Schriftbesitzern` und ´Ungläubigen` einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ´Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten`. Der Kaiser begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. ´Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß (´syn logo`) zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann…`.
Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit. Khoury zitiert dazu eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez, der darauf hinweist, dass Ibn Hazn so weit gehe zu erklären, dass Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und dass nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Idolatrie [= Götzendienst] treiben."

Auf diese Weise konstruierte Benedikt XVI. also auch eine an Geschichtsfälschung grenzende Verbindung von "Vernunft" und Katholizismus und rückte den Islam in Richtung "Idolatrie" (= Götzendienst). Joseph Ratzinger ist wie kein anderer die Verkörperung des Katholizismus, und er kennt natürlich auch den "unfehlbaren" römisch-katholischen Lehrsatz: "[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide` noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt" (zit. nach Josef Neuner, Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche, Regensburg 1971, Nr. 381; siehe dazu Der Theologe Nr. 18). Moslems müssen also nach römisch-katholischer Lehre nach ihrem Tod in die Hölle, wenn sie nicht rechtzeitig katholisch werden. Demgegenüber ist es noch maßvoll, was Benedikt XVI. in Regensburg tatsächlich sagte. Doch in jeder Zeile ist die unter bescheidenem Auftreten verborgene Überheblichkeit des "Lenkers des Erdkreises" spürbar, der nicht die geringsten Zweifel daran hat, auf welcher Seite angeblich das "Heil" zu finden ist und auf welcher das "Unheil". Natürlich ist es positiv, wenn er darauf hinweist, dass eine Religion nicht mit Gewalt verbreitet werden darf. Doch hätte er es vor allem im Hinblick auf seine eigene Kirche sagen können. So erklärt die römisch-katholische Kirche z. B. die Bibel als "wahres Wort Gottes" und legitimiert damit auch die biblische Aufforderung zu Krieg und Völkermord als "wahres Wort Gottes". Siehe dazu einen Auszug aus der kirchlichen Bibel in Der Theologe Nr. 26. Zudem sind kirchliche Drohungen mit der Hölle, z. B. Kindern gegenüber, auch eine Form der "Gewalt" sind, nämlich psychischer Gewalt, die auch heute noch angewandt wird.

Nach den weltweiten Unruhen aufgrund Benedikts Regensburger Rede rudert der Papst aber etappenweise zurück. Das Zitat von Kaiser Manuel II. drücke "in keiner Weise" seine "persönliche Haltung dem Islam gegenüber" aus (Spiegel online, 17.9.2006), so der Papst fünf Tage später. Doch Benedikt bleibt wortkarg, vermeidet jetzt bewusst Näheres über seine "Haltung dem Islam gegenüber". Und schweigt auch über offizielle römisch-katholische Lehrsätze wie "So verwerfen und verabscheuen Wir die gottlose Lehre von der Gleichwertigkeit aller Religionen" (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, 13. Auflage, Regensburg 1992, Lehrsatz Nr. 369, vgl. Der Theologe Nr. 18).

Währenddessen gießt das evangelische Wochenmagazin idea-spektrum weiter Öl ins Feuer und fragt in ihrem Leitartikel Warum der Rückzug des Papstes? - Der Leitartikel beginnt mit den Worten: "Als einziges deutsches Blatt brachte es die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) auf den Punkt: ´Bestimmte Dingen darf man nicht sagen, weil sie wahr sind. Diese Erfahrung macht ... der Papst.` Und später: "Wie aber können Christen und Moslems an einen Gott glauben, wenn alles, was Christen auszeichnet (Kreuzigung, Auferstehung), von Moslems geleugnet wird?" (Nr. 39/2006) Der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek hat einmal sinngemäß erklärt, dass in den Protestanten ein tief sitzender Minderwertigkeitskomplex gegenüber der katholischen Kirche steckt, den sie mit noch schärferer Bekämpfung Andersgläubiger und religiöser Minderheiten zu kompensieren sucht als dies bei Katholiken üblich ist. Auch die Protestanten bezeichnen sich zu Unrecht als "Christen" (siehe dazu den Widerspruch zu Jesus von Nazareth in Der Theologe Nr. 1).

Was der Papst in seiner Rede dem Islam vorhielt, erscheint dabei vor allem als eine Projektion von Verbrechen und Glaubensgrundlagen der eigenen Kirche auf Andersgläubige (der Katholizismus wurde Jahrhunderte lang mit dem Schwert verbreitet), wobei offenbar nicht oder nur kaum zwischen Islam und gewalttätigem islamischen Fundamentalismus unterschieden wird. So erwähnt Benedikt z. B. nicht, dass der Islam in der Geschichte vielfach toleranter, friedfertiger und gerechter war als das kirchliche Christentum. Vor allem der protestantische Gründervater Martin Luther rief zu regelrechten Gewaltexzessen auf (siehe Der Theologe Nr. 3), so dass die Verleumdung und Kritisierung Mohammeds durch die Evangelischen, die Martin Luther bis heute ehren, ebenfalls eine Projektion der eigenen Vergehen auf Andersgläubige ist.

PS: Unter zahllosen Beispielen aus dem Verhältnis von kirchlichem Christentum und Islam hier nur zwei Hinweise: Besonders grausam war die Eroberung von Jerusalem durch die römisch-katholischen Kreuzfahrer im Jahr 1099 und die Massaker an den moslemischen Einwohnern; siehe http://www.das-weisse-pferd.com/99_14/jerusalem.html. Oder die Verfolgung der Moslems in Spanien. So schreibt Spiegel online (16.9.2006): "Zunächst geduldet werden verbliebene Muslime und Juden im 15. und 16. Jahrhundert zusehends drangsaliert. Zwangstaufe und Ausweisung sind an der Tagesordnung. Selbst Konvertiten können sich nicht in Sicherheit vor Verfolgung wiegen. Spanisch-katholischer Fanatismus und die Inquisition der katholischen Kirche sind der Schrecken aller Minderheiten." Für Benedikt XVI. war die Inquisition jedoch eine "Fortschritt", da im Unterschied zu sofortigen Hinrichtungen die Kirche hier erstmals "Untersuchungen" durchführen ließ (allerdings oftmals unter Folter). Joseph Ratzinger wörtlich: "Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass Untersuchungen statt finden mussten" (Monitor, 3.3.2005; siehe auch hier).
In Spanien werden bis heute von den Katholiken zum Gedenken an die Vertreibung der muslimischen Mauren im Jahr 1492 Mohammed-Puppen in die Luft gesprengt oder vom Kirchturm geworfen. Erstmals in diesem Jahr verzichten einige Orte auf die symbolischen Tötungen Mohammeds

(http://www.netzeitung.de/vermischtes/444293.html).

Wichtige Information für alle Moslems: Benedikt XVI. spricht für den Vatikan und den Katholizismus, aber nicht für Christus und den christlichen Glauben. Die Kirche missbraucht den großen Menschheitslehrer Jesus von Nazareth für ihre Zwecke. Die Nachfolger des Jesus von Nazareth, des Christus, wurden von der Macht-Kirche immer unterdrückt und verfolgt. Benedikt XVI. ist der Abkömmling der Abkömmlinge derer, die nicht nur den Islam, sondern auch das wahre Christentum verfolgten.

Heuchlerisch ist zudem die Konstruktion einer Verbindung zwischen Katholizismus und Vernunft, da die römisch-katholischen Dogmen in der Regel im Widerspruch zur Vernunft stehen (z. B. Jungfrauengeburt, Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes, "unbefleckte Empfängnis" von Maria durch ihre Mutter Anna, Verwandlung einer Oblate in den Körper von Jesus usw.). Die von Vernunft geprägte griechische und römische Philosophie wurde dagegen von der Kirche massiv bekämpft, und viele ihrer Vertreter ließ man umbringen. Zudem wehrt sich die römisch-katholische Kirche mit dem als "unfehlbar" geltenden Lehrsatz Nr. 57 aus dem Buch Der Glaube der Kirche von Neuner/Roos gegen eine Anpassung ihres Glaubens an den Fortschritt der Wissenschaft, und sie droht den auf diese Weise Glaubenden die ewige Hölle an. Wörtlich heißt der Lehrsatz: "Wer sagt, es sei möglich, dass man den von der Kirche vorgelegten Glaubenssätzen entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft gelegentlich einen anderen Sinn beilegen müsse als den, den die Kirche verstanden hat und versteht, der sei ausgeschlossen." "Ausgeschlossen" bedeutet hier "ewig verdammt". Das islamische Gottesbild demgegenüber diesem katholischen Gottesbild als "unvernünftig" darzustellen, ist zumindest unredlich vom Papst. Und eine Kampfansage ist zudem die unwidersprochene Charakterisierung der islamischen Gottesvorstellung mit den Worten: "Wenn er [Gott] es wollte, müsse der Mensch auch Idolatrie [= Götzendienst] treiben." Hier sollte Benedikt XVI. lieber vor der eigenen Türe kehren (Siehe dazu Der Theologe Nr. 25 - Die Kirche: ein totalitärer Götzenkult). Und anstatt den Islam zu Unrecht als weniger vernünftig als die Kirche abzuwerten und seine Anhänger belehren zu wollen, sollte er lieber um Reue bitten für das, was seine Kirche den Moslems angetan hat.

PS: Eine islamische Antwort von Ahamadiyya Muslim Jamaat Amerkia (Ein Kommentar über die Ausführungen des Papstes Benedikt XVI.) auf die Rede des Papstes in Regensburg ist unter www.verlagderislam.de (ISBN Nr. 3-932244-89-3) erhältlich.

PS
: Auch die Moslems in Deutschland mussten den Papstbesuch mitbezahlen. Geht man von Kosten für den Staat in Höhe von ca. 250 Millionen Euro aus und von ca. 3,5 % Moslems in Deutschland, dann entfällt auf diese Bevölkerungsgruppe ein Anteil von 8,75 Millionen Euro, die sie für Benedikts Besuch aufbringen mussten.

Siehe dazu auch unsere Meldung: George W. Bush und Benedikt XVI. - Ökumenische politische Doppelstrategie?

 



20.9.2006 - Wegen Kritik am Papst: CSU-Chef Edmund Stoiber schließt Türkei aus Europa aus - Erneut hat der CSU-Ministerpräsident aus Bayern die islamkritischen Äußerungen von Papst Benedikt XVI. verteidigt. Er meldete sich aus dem oberfränkischen katholischen Kloster Banz zu Wort und kritisierte seinerseits islamische Politiker aus der Türkei wegen deren Kritik an Joseph Ratzinger, dessen Besuch in Bayern für Stoiber "vielleicht ein Jahrtausendereignis" war. Aus der Haltung der türkischen Politiker spreche "eine große geistige und kulturelle Distanz zu unserer europäischen Werteordnung", so der römisch-katholische deutsche Spitzenpolitiker, der im Jahr 2002 beinahe Bundeskanzler geworden wäre. Gleichzeitig nimmt Stoiber den Konflikt zum Anlass, die Türkei inoffiziell aus Europa auszuschließen. Im Gegensatz zur völkerrechtlichen Einteilung der Kontinente erklärt der überzeugte Katholik wörtlich: "Die Türkei ist nicht Europa – und die Türkei gehört nicht nach Europa!" (Focus online, 20.9.2006) Der Kampf der Religionen ist in vollem Gang.
Um im 16. Jahrhundert das Eindringen der Türken nach Mitteleuropa zu stoppen, rief Martin Luther zu Krieg und Massakern auf, um die Vorherrschaft der Kirche zu erhalten.

PS: In Deutschland lebt eine Minderheit von ca. 3 % türkischstämmigen Moslems.

Vgl. dazu die Idee eines geeinten römisch-katholischen Europa unter der Oberhoheit des Papstes in Rom.
Sowie den Sachverhalt, dass die Europäische Verfassung vor zwei überlebensgroßen Papst-Statuen unterzeichnet wurde.
Und siehe dazu auch unsere Distanzierung von Benedikt XVI.
 



22.9. / 26.9.2006 - Ausschreitungen in Indonesien nach Hinrichtung von drei Katholiken - In Indonesien liefern sich Katholiken (ca. 4 % der Bevölkerung) und Protestanten (ca. 8 %) einerseits und Moslems andererseits (ca. 87 %) seit Jahren furchtbare Gemetzel mit zahllosen Toten. Jetzt wurden auf der Insel Sulawasi drei Katholiken hingerichtet, die dafür verurteilt wurden, im Jahr 2000 Übergriffe auf Moslems entscheidend mit angezettelt zu haben, die zu Ausschreitungen zwischen Muslimen und Kirchenchristen führten (ca. 1.000 Tote). Nun kam es erneut zu Gewaltexzessen aufgebrachter Kirchenanhänger mit Brandstiftungen, Plünderungen von Läden, die Moslems gehören, sowie Attacken gegen staatliche Gebäude (dpa, 22.9.2006). Papst Benedikt XVI. hatte vergeblich versucht, die Hinrichtungen der drei zu verhindern, die gesagt hatten, sie seien unschuldig. Ob das Kirchenoberhaupt auch die Gewaltexzesse der Katholiken verurteilt hat, ist nicht bekannt.
Wird dabei in Indonesien ein endzeitliches Szenario vorweg genommen, das bald auch auf andere Länder übergreift?
Jede Seite rechtfertigt neue Massaker und gewalttätige Übergriffe dabei auch mit den Massakern und gewalttätigen Übergriffen der anderen Seite und übt Rache. Die darin verwickelten Mitglieder der römisch-katholischen Kirche und der evangelischen Kirche sollten sich als erstes ausdrücklich von Jesus von Nazareth distanzieren, und sich stattdessen sinngemäß zu folgendem bekennen: "Wir stehen in der Tradition der Päpste, die Krieg und Gewalt als mögliches Mittel der Auseinandersetzung befürworteten, und von Martin Luther, der im Konfliktfall auch Massaker befürwortete, und wir bekennen uns zur Lehre vom ´gerechten Krieg`, so wie er im Katholizismus und Protestantismus bis heute geglaubt wird. Doch mit Jesus, dem Christus, haben wir nichts zu tun." Dies wäre auch ein deutliches Signal an die islamische Welt, dass einerseits Kirche, Vatikan und Luthertum und andererseits christlicher Glaube in der Nachfolge des Jesus von Nazareth im Kern Gegensätze sind.

PS
: Welche Macht die Kirche in Indonesien - trotz der zahlenmäßigen Übermacht der Moslems - teilweise hat, zeigt auch folgendes Beispiel aus dem Jahr 2005: Ein Mann, der eine römisch-katholische Hostie nicht während der Veranstaltung zerkaute und schluckte, sondern mit nach außen nahm, wurde beobachtet, denunziert, festgenommen und zu acht Jahren Haft verurteilt.

PS: Auch Moslems wurden aufgrund der Unruhen aus dem Jahr 2000 verurteilt und erhielten bis zu 15 Jahren Haft.

 



23.9.2006 / 4.5.2007 - Das Spiel von Politik, Militär und Wissenschaft mit dem Feuer: Massive Warnungen werden ignoriert - ...
Und auch die Militärs glauben, ohne schwere Schäden zündeln zu können: 1999 half man mit, Jugoslawien anzugreifen und zu bombardieren, 2001 griffen auch deutsche Flieger Afghanistan an. Heute zahlen wir Milliarden an Folgekosten vor Ort. Die den Kriegen zugrunde liegenden Probleme hat man jedoch nicht gelöst, die Kessel brodeln weiter (PS: US-Soldaten sollen zudem Gefangene in Afghanistan gefoltert und ermordet haben; siehe http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,438858,00.html; der Krieg gilt unter Experten schon jetzt als kaum mehr zu gewinnen; die Ausgaben würden damit in ein Milliardengrab fließen; vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,439688,00.html).
Die Vorschläge des großen Friedensstifters Jesus von Nazareth (z. B. "Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen zuerst") hält man in Politik und Militär ohnehin für utopisch. Trotzdem missbraucht man dort weiter seinen Namen (z. B. durch die Bezeichnung "christlich"). Und die Probleme bauen sich wieder auf. Beispiel Libanon. Die Bundeswehr ist mit 1.000 Soldaten gerade dorthin unterwegs, um im Auftrag der UNO die Nachschub-Bewaffnung der islamistischen Hisbollah-Armee auf dem Seeweg militärisch zu unterbinden (was wohl auch Millionen oder langfristig Milliarden kostet). Und ein paar Dutzend römisch-katholische und evangelisch-lutherische "Militärseelsorger" (früher nannte man sie "Feldgeistliche") sind mit ihren Bibeln auch wieder mit an Bord. Vor mehreren Hunderttausend begeisterten Anhängern in Beirut hat jetzt Hisbollah-Chef Nasrallah öffentlich den Eintritt Deutschlands in den Nahost-Konflikt kritisiert und der Rechtfertigung von Angela Merkel widersprochen, der Militäreinsatz Deutschlands diene der "Sicherheit Israels" (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,438719,00.html). Auch Syriens Staatschef Assad bezeichnete das militärische Eingreifen der Deutschen in den Nahost-Konflikt als sinnlos und den Erfolg als unmöglich, da die Hisbollah die "Unterstützung des Volkes" besitze.
Durch das Eingreifen Deutschlands in den unterschwellig weiter schwelenden Nahost-Krieg und die Äußerungen des deutschen Papstes über den Propheten Mohammed ist Deutschland erstmals mit ins Zentrum der weltweiten Auseinandersetzungen gerückt ...
 
Allgemein könnte man sagen: Schlägt man Warnungen in den Wind, baut sich in der Regel das nächste Ereignis auf ...
 



23.9. / 26.9.2006 - Trotz Audienz für Moslems: Katholische Kirche verlangt Unterwerfung aller Menschen unter den Papst für die Erlangung des Heils - Im Zuge der Beschwichtigung von Moslems übte sich der Vatikan und katholische Würdenträger zuletzt gelegentlich in einer Art "Kuschel-Pädagogik". Doch es ist fraglich, ob das Fass, das Benedikt XVI. in der Regensburger Universität aufgemacht hat, wieder so leicht zu schließen ist. In diesem Zusammenhang ist auch der Hinweis auf den nach römisch-katholischer Lehre unfehlbaren Lehrsatz wesentlich, der lautet: "Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig." So z. B. der Lehrsatz Nr. 430 aus dem Standardwerk von Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche. Immerhin hätte Benedikt XVI. die historische Chance, mit dem Un- und Wahnsinn seiner Kirche aus vielen Jahrhunderten endlich aufzuräumen und schlicht zu verkünden: "Ich erkläre diesen Lehrsatz für ungültig" (... und gleich ein paar Dutzend weitere auch). Man muss aber kein Prophet sein, um zu prophezeien, dass er wohl nicht das Geringste von dem widerrufen wird, was die Kirche bis heute lehrt. Auch die Audienz für muslimische Religionsführer in Castelgandolfo hat daran nichts geändert (vgl. dazu den Artikel Drewermann kritisiert Islam-Gipfel beim Papst unter http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,439334,00.html). Doch dann sollte man sich auch keine Illusionen machen über den Stuhl Petri und seine Funktion im Weltgeschehen. Doch das Problem ließe sich auch von einer anderen Seite her lösen, nämlich durch massive Kirchenaustritte. Wenn z. B. alle Katholiken austreten, die nach der Lehre ihrer Kirche nach ihrem Tod ohnehin ewig verdammt sind (siehe www.theologe.de/glaubenstest.htm; in Deutschland wären das mehrere Millionen), dann könnte der Papst nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, für das kirchliche Abendland zu sprechen. Er wäre dann nur noch eine Art "Sektensprecher" für eine römisch-katholische Minderheit, und die moslemische Welt bräuchte seinen Aussagen nicht mehr so viel Bedeutung beizumessen.
 



27.9. / 19.10.2006 - Kirchliche Politiker kritisieren Absage der Oper mit enthauptetem Kopf Mohammeds und anderer Menschheitslehrer - Die deutsche Regierung und vor allem die sich zu Unrecht "christlich" nennende CDU kritisieren derzeit mit aller Schärfe die Absage einer Oper in Berlin, an deren Ende man den abgeschlagenen Kopf Mohammeds (neben dem von Poseidon, Buddha und Jesus) auf der Bühne zeigt. "Inakzeptabel und lächerlich" sei die Absetzung, so der römisch-katholische Innenminister Wolfgang Schäuble. Der ebenfalls katholische CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer warf der Deutschen Oper sogar "pure Feigheit" vor. Und die evangelisch-lutherische Pfarrerstochter und Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte das Verhalten der Deutschen Oper sogar als "unerträglich". Es ist allerdings fraglich, ob die Reaktionen auf die Absage genauso heftig ausgefallen wären, wenn auch Mose, der dem Judentum als Religionsstifter gilt, mit geköpft worden wäre. Insgesamt scheint es so, als ob die Politiker der islamischen Welt ihr Land und ihre Kultur als mögliches Feindbild geradezu aufdrängen wollten, obwohl sie dazu verpflichtet wären, Schaden von ihm abzuwenden. In moslemischen Ländern wird nämlich bereits eine normale Abbildung Mohammeds oder seine Darstellung durch einen Schauspieler abgelehnt. Die von der deutschen Regierung ausgesuchten "handverlesenen" Vertreter der Muslime in Deutschland (von den 15 geladenen Moslems gehören nur vier zu den vier größten islamischen Dachverbänden; siehe http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,439389,00.html) und die Bundesregierung selbst wollen jedoch, dass die Oper wieder aufgeführt wird, und sie möchten sich die Inszenierung zusammen ansehen. Die Besonnenheit der Intendantin, die das Stück nach dem Eklat um Benedikt XVI. (siehe hier) vorsorglich vom Spielplan nahm, wird unterdessen immer mehr zur Staatsaffäre, und sie muss um ihren Arbeitsplatz fürchten. Das Land Berlin will die Oper unbedingt wieder aufführen, und man hofft auf eine Initiative, an der sich auch die Kirchen beteiligen (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,439592,00.html). Das intellektuelle Theater-Deutschland rüstet sich zum Kampf der Kulturen, und vermutlich muss bald ein Großaufgebot an Polizei und Sicherheitskräften die schauspielerische Enthauptung von Mohammed, Buddha und Jesus und das Zeigen der gerollten Köpfe absichern. Damit zündelt man jedoch direkt über einem Pulverfass, und man fordert das Schicksal geradezu heraus. Die von den (im Vergleich zur Enthauptungsszene eher harmlosen) Mohammed-Karikaturen ausgelösten weltweiten Unruhen könnten nämlich für diejenigen eine Warnung sein, die  selbstzufrieden glauben, es wieder besser zu wissen. Dieses Pulverfass wurde im kirchlichen Abendland im Laufe von Jahrhunderten entscheidend mit aufgefüllt. Denn die Kirche ließ früher Muslime und andere Andersgläubige zu Millionen tatsächlich köpfen oder anderweitig hinrichten (siehe z. B. www.kirchenopfer.de).

Und in der Gegenwart sind es ebenfalls die Oberlehrer in Politik und Kirche, die das Atomwaffenlager in bestimmten Ländern des Abendlandes befürworten. Sollte jedoch eine islamische Republik wie Iran im Verdacht stehen, den Besitz derselben Waffen anzustreben, legt man einen anderen Maßstab an und droht mit Sanktionen oder gar mit Krieg. Mit dem christlichen Glauben und mit dem Pazifisten Jesus (der lehrte: "Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihr ihnen zuerst" bzw. sinngemäß "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg´ auch keinem anderen zu!") hat das nichts zu tun.

PS
: Und was nützt langfristig ein Atomwaffensperrvertrag, wenn er zuallererst von den so genannten Atommächten selbst nicht eingehalten wird? Artikel 6 sieht nämlich vor, dass die Länder, die völkerrechtlich "legal" über Atomwaffen verfügen, abrüsten müssen. Doch das geschieht nicht. Stattdessen bauen diese Staaten überwiegend ihre militärischen Vormachtstellungen aus (und arbeiten z. B. wie die USA an einer immer weiteren Präzisierung von Atombomben). Damit verlieren sie aber auch das moralische Recht, gegen andere Länder, die ebenfalls nach Atomwaffen streben, vorzugehen. Und so wird insgesamt ein furchtbares apokalyptisches Szenario aufgebaut.

Im Abendland kritisiert man jedoch nicht nur Mohammed, sondern man verhöhnt auch Jesus von Nazareth, der von der Kirche ständig als geschundene Leiche am Kreuz dargestellt wird, obwohl er dort schon lange nicht mehr hängt (zur tiefenpsychologischen Bedeutung des Kruzifix siehe www.theologe.de/theologe2.htm#Kruzifix).

Die drei abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Buddha und Mohammed in der Oper könnten schließlich auch ein Symbol dafür sein, dass man weltweit gerade dabei ist, den friedfertigen Kern ihrer Lehren zu köpfen und ganz allmählich auf einen möglichen Weltenbrand hinsteuert, für den man dann natürlich "die andere Seite" verantwortlich machen würde, nicht sich selbst (PS: In der ursprünglichen Fassung der Oper Idomeneo von Wolfgang Amadeus Mozart werden die Propheten gar nicht geköpft. Es ist eine Hinzufügung des Berliner Regisseurs Hans Neuenfels).
So beklagen die katholischen und evangelischen Politiker heute schon die fehlende Toleranz in moslemischen Ländern. Dabei übt man sie gegenüber friedfertigen religiösen Minderheiten im eigenen Land auch nicht. Dies gilt vor allem für das Land Berlin, wo der Staat auch unbescholtene und zum Staat loyale Gemeinschaften diskriminiert und bekämpft (siehe unten z. B. "Berlin - Hauptstadt der Intoleranz" in unserer Meldung vom 17.9.2006). Die kirchlichen Politiker sollten also lieber damit beginnen, vor der eigenen Türe zu kehren anstatt den Moslems Ratschläge zu geben, die man selber nicht erfüllt. 

 



28.9. / 29.9.2006 - Drahtzieher polarisieren weiter gegen Islam - Deutschlands größte Zeitung Bild veröffentlicht nun den abgeschlagenen Theater-Kopf Mohammeds auf Seite 1. Dazu die Überschrift Warum kuschen wir vor dem ISLAM?, obwohl noch kein einziger Moslem sich bisher offiziell beschwert hat. Gleichzeitig wird die ARD dafür kritisiert, dass sie einen "Thriller über kriminelle Türken" in das Nachtprogramm verbannt hat (27./28.9.2006), bei dem "die Familie des braven Deutschen Felix Laub" "zerstört" wird, und über den die Katholische Nachrichtenagentur KNA urteilt: "Der Film zählt zu den herausragenden Fernsehereignissen des Jahres" (27.9.2006).
Das ganze brandgefährliche "Spiel" um den Kopf Mohammeds in Deutschland ist bislang ausschließlich hausgemacht, allerdings mit ständigen Provokationen, so dass es eine Frage der Zeit sein könnte, bis jemand sich tatsächlich provozieren lässt. Und dann könnten die Provokateure wieder mit dem Finger auf "diese intoleranten Fanatiker" zeigen.
Auf derselben Titelseite von Bild findet sich auch das Foto eines lächelnden Joseph Ratzinger mit seinem Sekretär Georg Gänswein, der ihm gerade die Mütze wechselt; dazu die Überschrift: Unser Papst ganz wohl behütet. Die Drahtzieher im Hintergrund arbeiten offenbar immer stärker auf eine Polarisierung hin. Wir sind Papst - mit dieser Schlagzeile versuchte Bild bereits im Jahr 2005, die ganze Nation hinter das katholische Kirchenoberhaupt zu stellen, und bis heute gilt er vielen Medien als "unser Papst" (siehe dazu unsere Distanzierung von Benedikt XVI.).
Joseph Ratzinger hatte vor 16 Tagen mit der unkommentierten Zitierung, Mohammed habe an Neuem nur "Inhumanes und Schlechtes" gebracht, den Auftakt der Provokationen gemacht. Und seine versöhnlich klingenden Ergänzungserklärungen blieben mehrdeutig. Benedikts Anhänger Edmund Stoiber, CSU-Vorsitzender in Deutschland und seit dem Bayern-Besuch von Joseph Ratzinger im katholischen Aufwind, legte ebenfalls noch einmal nach: "Für was sollte sich der Papst entschuldigen? Ich würde mir wünschen, dass sich diejenigen entschuldigen, die gegen den Papst gehetzt und Gewaltausbrüche provoziert haben!" (Bild, 28.9.2006) Außerdem "sollte in deutschen Moscheen zumindest auch deutsch gesprochen und auf deutsch gepredigt werden." Ob die "Ratschläge" der deutschen Politiker an die Moslems von diesen wohl "richtig" verstanden werden?

 



30.9. / 13.10.2006 - Evangelischer CDU-Generalsekretär macht Islam für Gewalt verantwortlich und verschweigt die Verantwortung des kirchlichen Christentums - "Das Problem religiös motivierter Gewalt ist heute fast ausschließlich ein Problem des Islam", so der neue Vorwurf des evangelischen CDU-Spitzenpolitikers. Außerdem fühle er sich von den Moslems beleidigt, wenn er ihnen als "Ungläubiger" gilt (Netzeitung, 30.9.2006). Nicht beleidigt ist er allerdings, dass ihm die katholische Kirche nicht einmal zugesteht, einer "Kirche" anzugehören, da der Vatikan die Evangelischen nicht als Kirche anerkennt (siehe hier). Auch geht der Generalsekretär der CDU in seiner Frontstellung gegen den Islam darüber hinweg, dass die Kriege der USA gegen Länder der islamischen Welt zu einem großen Teil religiös motiviert sind. So hat der evangelische Präsident George W. Bush z. B. vor dem Irak-Krieg angeblich von "Gott" den Auftrag dazu erhalten, und die meisten Mitglieder der US-Regierung bekennen sich zu ihrem überzeugten protestantischen Glauben. Ca. eine halbe Million Tote soll dieser Krieg und seine Folgen bisher gefordert haben (nach Angaben des US-"Verteidigungsministeriums" Pentagon sind es höchstens 50.000), der mit Lügen begründet wurde (siehe http://www.netzeitung.de/spezial/irak/445891.html). Viele moslemische Zivilisten wurden dabei in Einzelfällen von kirchenchristlichen Eroberern kaltblütig ermordet (Siehe z. B.
http://focus.msn.de/politik/ausland/irak_nid_36983.html)
. Und auch die CDU-Bundestagsabgeordneten in Deutschland stimmten 1999 einstimmig für die Bombardierung Jugoslawiens und holten sich dabei den Segen ihrer Kirche (vgl. dazu den Artikel "Weg mit dem scheinheiligen ´C`! - CDU soll sich nicht christlich nennen"; http://www.das-weisse-pferd.com/99_12/cdu_scheinheilig.html). Ebenso war es 2002 bei dem Angriff auf Afghanistan, wo man mithalf, die islamistische Taliban-Regierung weg zu bomben. Jetzt wies die Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul darauf hin, dass die Taliban durch das teilweise brutale Verhalten der kirchengläubigen Besatzer in der Bevölkerung immer mehr Zulauf gewinnen (siehe http://www.bild.t-online.de, Newsticker 13.10.2006).


Und schließlich ist es das Vorbild von Ronald Pofallas Glauben, Martin Luther, der wie kaum ein anderer zur Gewalt im Namen der Religion aufrief (siehe dazu Der Theologe Nr. 3). So forderte Martin Luther z. B. wörtlich: "... weil die Christen
... ein jeglicher von seiner Obrigkeit, zum Streit wider die Türken gefordert und berufen werden, sollen sie tun als die treuen und gehorsamen Untertanen (wie sie denn gewisslich tun, so sie rechte Christen sind) und mit Freuden die Faust regen und getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer mögen, weil sie eine Ader regen können ... werden sie darüber erschlagen, wohlan, so sind sie nicht allein Christen, sondern auch gehorsame, treue Untertanen gewesen, die Leib und Gut in Gottes Gehorsam bei ihren Oberherrn zugesetzt haben. Selig und heilig sind sie ewiglich" (Eine Heerpredigt wider den Türken, D. Mar. Luther. Anno 1529; Tomos 4, S. 494 b - 496). Bis heute hat sich die evangelische Kirche z. B. nicht von Martin Luther distanziert, der zudem die Todesstrafe für Juden (wenn sie ihren Glauben in der Öffentlichkeit praktizieren) und Andersgläubige forderte und vielfach durchsetzte. Die Kirche ehrt ihn aber wie eh und je als "großen Deutschen" und "Vorbild im Glauben".

Hinzu kommt die subtile Gewalt der Diskriminierung und Ausgrenzung religiöser Minderheiten in Deutschland, die überwiegend "religiös motiviert" ist (Konkurrenz für die Kirchen), denn die Betroffenen stehen oftmals oder gar meistens loyal zum Staat und haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Siehe dazu Der Theologe Nr. 12 und den zutreffenden Bericht des US-Außenministeriums über die Einschränkung der Religionsfreiheit in Deutschland.

Schließlich unterschlägt der evangelische CDU-Spitzenpolitiker auch die Praxis von einzelnen israelischen Siedlergruppen im Nahen Osten, die sich mit Gewalt bestimmte Landstriche von den Moslems holen wollen, weil es ihnen im Alten Testament so versprochen wurde (siehe dazu Der Theologe Nr. 26). Nicht erwähnt von Roland Pofalla wird in diesem Zusammenhang auch, dass in gemischt-religiösen Ländern wie Indonesien die Gewalt gegen den Andersgläubigen gleichermaßen von Moslems und Kirchenchristen ausgeht (siehe hier). Und es gäbe noch viele Beispiele mehr. Doch es passt natürlich einfacher in ein Schwarz-Weiß-Weltbild, wenn man wie der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagt: "Das Problem religiös motivierter Gewalt ist heute fast ausschließlich ein Problem des Islam." So wird mit der Zeit ein immer explosiveres Szenario herauf beschworen, begleitet von der Melodie: "Wir können nichts dafür, schuldig sind die Moslems."

PS: Mittlerweile haben Anhänger der regierungstreuen dänischen Volkspartei DVP, deren Mitglieder überwiegend auch Mitglieder der evangelisch-lutherischen Kirche sind, den Propheten Mohammed als urinierendes Kamel dargestellt. Zur Erinnerung: Für Moslems gilt bereits eine einfache bildhafte Darstellung oder eine Film, in dem Mohammed durch einen seriösen Schauspieler dargestellt wird, als eine Verletzung des religiösen Empfindens. Die DVP beschimpfte die Moslems im obigen Zusammenhang als "Menschen, die sich ganz offensichtlich auf einem zivilisatorischen, kulturellen und geistigen Niveau des Jahres 1005 statt 2005 befinden" (Netzeitung, 8.10.2006). Und in Deutschland soll ab Dezember 2006 in der Deutschen Oper wieder der Kopf Mohammeds abgeschlagen werden. Im kirchenchristlichen Abendland wird gerade getestet, wie weit man mit seiner Arroganz und Dekadenz noch gehen kann. Mittlerweile hat sich der dänische Ministerpräsident Rasmussen jedoch scharf von der Mohammed-Darstellung aus den Reihen der DVP distanziert.

Lesen Sie dazu auch den Artikel Die Kreuzzüge sind noch lebendig (http://www.das-weisse-pferd.com/01_11/kreuzzuege.html).
 



28.10. / 20.11.2006 - Der Krieg beginnt - Als die Regierung Schröder/Fischer die Bundeswehr im Oktober/November 2001 in den Afghanistan-Krieg schickte (bei der Bundeswehr-Beteiligung an den Angriffen auf Jugoslawien im Kosovo-Krieg 1999 sammelte man bereits erste Erfahrungen), glaubte man an einen schnellen Sieg gegen die damalige islamistische Taliban-Regierung. Doch die Taliban sind wieder da. Und jetzt heißt es in Focus online unter der Überschrift Lernt, Taliban zu töten fünf Jahre später: "Nato-Verbündete, allen voran die USA, verlangen immer drängender von den Deutschen, ihre Soldaten nicht nur zur Stabilisierung Nordafghanistans einzusetzen, sondern Kampftruppen in die blutigen Gefechte mit den Taliban im Süden zu schicken" (28.10.2006). Mit anderen Worten: Anstatt mit den Totenschädeln getöteter Moslems herumzuspielen, sollen die deutschen Soldaten lieber mithelfen, lebendige aufständische Islamisten zu töten (siehe auch hier). Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist (wenn es nicht eh schon so weit ist), und man könnte sagen: "Na, also". Ganz allmählich wurden wir daran gewöhnt, wie eine ursprünglich reine Armee zur Verteidigung des eigenen Landes in anderen Teilen der Erde allmählich in einen neuen weltweiten Krieg hineingezogen wird (was alles übrigens Milliarden kostet). Jetzt legt auch der Spiegel nach: "Die Deutschen müssen das Töten lernen", lautete die Schlagzeile der Ausgabe Nr. 47/2006, die britischen und kanadischen Soldaten in den Mund gelegt wird. Die Bundeswehr soll also den Vormarsch der Taliban am Hindukusch stoppen.
Und rechtzeitig vor den blutigen Schlachten erklärt z. B. der ehemalige Landesbischof Thüringens, Werner Leich, erneut öffentlich die evangelisch-lutherische Lehre zum Krieg, und er schreibt im Hinblick auf die "Auslandseinsätze" der Bundeswehr: Unter der Voraussetzung der "Würde des Menschen" "hat die Staatsmacht das Recht, Soldaten einzuberufen und einzusetzen, wenn die Sicherheit der Bürger bedroht ist. Das ist Gottes Regierweise im Bereich der Welt" (idea-spektrum Nr. 43/2006). Und es ist sicher nicht schwer, irgendwie zu begründen, wie die Taliban uns alle bedrohen. Und auch der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, wandte sich klar gegen die Beendigung des Afghanistan-Einsatzes (z. B. Kölner Stadtanzeiger, 25.10.2006). Dabei wäre es eine einfache Weisheit, wenn man sich einmal bewusst machen würde: Krieg löst kein Problem, sondern Krieg bringt immer nur wieder neuen Krieg, weswegen sich ja auch Jesus von Nazareth eindringlich gegen jede Art von Krieg aussprach. Doch die Kirchen haben seine Lehre  bekanntlich "verbessert", wie es einst der Großinquisitor im Roman Die Brüder Karamasov von Dostojewski formulierte.

 
Lesen Sie dazu auch:
Afghanistan: Deutschland im heimlichen Angriffskrieg
Libanon-Krieg - "Test" für Iran-Krieg? War es ein gerechter Krieg? Kriegsstimmung in der evangelischen Kirche
Der Theologe Nr. 6 - Die evangelische Kirche - immer für den Krieg
 



1.11. / 16.11.2006 - Protest gegen Islam: Evangelisch-lutherischer Pfarrer verbrennt sich bei lebendigem Leibe - Pfarrer Roland Weißelberg (73) aus Windischholzhausen bei Erfurt gingen die Warnungen der Kirche vor dem Islam nicht weit genug. Deshalb fährt er am Reformationstag, den 31.10.2006, in das legendäre Augustinerkloster nach Erfurt (Martin Luther lebte dort sechs Jahre als Mönch und wurde dort 1507 zum Priester geweiht), wo an diesem Morgen der Kantaten-Gottesdienst stattfindet. Als in der Kirche gerade das Abendmahl vorbereitet wird, übergießt sich der Pfarrer in der Baugrube unmittelbar neben der Kirche mit Benzin und zündet sich an. Der Tagesspiegel schreibt dazu: "Da der Mann zuvor im Kreuzgang des Klosters gesehen worden war, habe er möglicherweise eine Selbstverbrennung während des Gottesdienstes geplant. Er sei vielleicht nur deshalb auf die Baustelle ausgewichen, weil das Westportal der Augustinerkirche ausnahmsweise verschlossen war" (1.11.2006). Dort steht nämlich um 10.43 Uhr gerade der Kirchenchor und singt "Ave verum corpus" (= "Gegrüßt seist du, wahrer Leib") von Wolfgang Amadeus Mozart, als den Sängern beißender Geruch brennenden Fleisches in die Nase steigt. Erste Kirchenbesucher laufen nach draußen und sehen mit Entsetzen, was gerade passiert.
Mit seinem Selbstmord habe er "seine große Sorge über die Ausbreitung des Islams zum Ausdruck bringen wollen", so die Pröpstin Elfriede Begrich (Spiegel online, 1.11.2006) über Pfarrer Roland Weißelberg, den sie "als sehr belesenen und aktiven Christen" beschrieb, der noch vor 14 Tagen selbst einen evangelisch-lutherischen Gottesdienst zelebriert hat. Immer wieder warnte der evangelische Pfarrer vor den "Nachfolgern Mohammeds". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt dazu: "Wie kann ein so eloquenter, gottesfürchtiger, vernünftiger und bis zuletzt agiler und vitaler Mann ein Fanal setzen gegen eine Bedrohung, die zumindest in Erfurt bis heute weitgehend abstrakt geblieben ist?" (3.11.2006) Verhältnismäßig wenige Moslems leben in Thüringen in Frieden mit ihren Nachbarn und ihrer Umgebung. Ironie des Schicksals: In der Spezialklinik in Halle/Saale rang ein muslimischer Arzt vergeblich um das Leben des evangelischen Theologen (idea-spektrum Nr. 45/2006). Die Frau des Pfarrers, Ingelore Weißelberg, hat sich bei ihm inzwischen entschuldigt.


PS: Bereits in der DDR war Pfarrer Weißelberg öffentlich bekannt. So hatte er z. B. am 21.4.1988 eine Veranstaltung unter dem Titel Christlicher Glaube und marxistische Weltanschauung im Gespräch moderiert (Utopie kreativ, H. 129/139 (Juli/August 2001), S. 709-721).

Welches sind mögliche Hintergründe des Selbstmords? Pfarrer Uwe Edom, sein Nachfolger im Pfarramt in Windischholzhausen erinnert sich an ein Gespräch, in dem Pfarrer Roland Weißelberg "bedauert habe, dass der Islam zu stark werde, dass das Christentum zu wenig Profil habe und deshalb untergehe" (FAZ, 3.11.2006*). Bei Martin Luther, dessen geistige Nähe Pfarrer Weißelberg im Erfurter Augustinerkloster vor seinem Tod suchte, war das noch anders. Martin Luther wollte die Ausbreitung des Islam in Europa mit aller Gewalt verhindern, und er ging deshalb rigoros vor. Um einen moslemischen Einfluss in Europa zu unterbinden, rief er zum gnadenlosen Krieg gegen die Türken, deren Heer vor Wien stand. In dieser Situation predigte Martin Luther: Die "Christen" sollen "mit Freuden die Faust regen und getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer mögen ... werden sie darüber erschlagen, wohlan ... selig und heilig sind sie ewiglich" (Eine Heerpredigt wider den Türken, Anno 1529; Tomos 4, S. 494b-496). Wer also im Krieg gegen den Islam ums Leben kommt, wurde von Luther selig bzw. heilig gesprochen, was vielleicht auch die Hemmschwelle des Thüringer Pfarrers zum Selbstmord senkte. "Der 73-Jährige habe bereits seit Jahren die Haltung der Kirche kritisiert und bei Treffen und Versammlungen mehr Aufmerksamkeit für die Auseinandersetzung mit dem Islam gefordert, sagte die Erfurter Pröpstin Elfriede Begrich unter Verweis auf die Ehefrau des Mannes" (Tagesspiegel). Pfarrer Weißelberg beschwor immer wieder die Bedrohung des kirchlichen Christentum durch den Islam und wollte mit seiner geistig toten Kirche nicht kampflos untergehen, sondern forderte, "dass die Christen ihr Europa verteidigen müssten" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 5.11.2006). "Der Islam ist dran", so Weißelberg in den letzten zwei, drei Jahren im Pfarrer-Ruheständler-Konvent, der ihm als Plattform diente.

Der lutherische Pfarrer muss extrem verzweifelt über seine Kirche gewesen sein. Eine erste Reaktion in der von ihm gewünschten Richtung kam vom Magdeburger Bischof Axel Noack, der sich im Zusammenhang des Selbstmords neben dem Entsetzen über die Tat auch für "ein klares Bekenntnis der Moslems zur Gewaltfreiheit" aussprach (Tagesspiegel). Auch brachte der Bischof die Haltung Martin Luthers gegenüber den "Türken vor Wien" von sich aus ins Gespräch und erklärte im Interview: "Er [Luther] meinte, dass wir von den Türken neu lernen könnten, was Glaube ist" (Spiegel online, 3.11.2006).
Die evangelische Kirche stellt Martin Luther bis heute immer wieder als beispielhaft hin und untergräbt damit eine Orientierung an ethisch wertvollen, christlichen und demokratischen Werten. Denn was Martin Luther u. a. gemeint hat, als er der Christenheit die kriegerischen Osmanen aus dem 16. Jahrhundert als Glaubensvorbild hinstellt, wird ja aus seiner Heerpredigt deutlich (siehe hier).


Ruth Meili, Pfarrerin, Mitglied der Kirchenleitung der Kirchenprovinz Sachsen und Leiterin der evangelischen Communität Casteller Ring (CCR), die das Augustinerkloster betreuen, hat übrigens mit Pfarrer Weißelberg am Tatort noch gebetet. Sie hat in diesem Zusammenhang gesagt, "dass er sich mit dieser Tat nicht von Gott getrennt habe" (FAZ, 3.11.2006) bzw. "dass Gott mit ihm sei" (idea-spektrum Nr. 45/2006). Auch wenn nicht klar wird, wie die Theologin ihre Worte genau gemeint hat, so ist für die Protestanten Gott auf jeden Fall Gott auch ein "grausamer Gott" (siehe z. B. Der Theologe Nr. 1). Das Verhalten der Theologin Ruth Meili kommentierte der Kurator Lothar Schmelz von der Klosterleitung mit den Worten: "Es hat sich gezeigt, dass wir hier im Kloster eine Art Familie sind" (Tagesspiegel). (Doch wehe, Ähnliches wäre im Umfeld einer religiösen Minderheit passiert!)

Pfarrer Uwe Edom, Nachfolger Weißelbergs im Pfarramt in Windischholzhausen "glaubt, dass Weißelberg sich bewusst am Reformationstag verbrannt habe. Das sei schließlich der Tag der kirchlichen Erneuerung." (idea-spektrum Nr. 46/2006).

* Solche und ähnliche Vorahnungen zur Zukunft der Kirche häufen sich. Die Kirche wird überwiegend noch von staatlichen Milliarden-Subventionen am Leben gehalten (siehe www.stop-kirchensubventionen.de).

PS: Lesen Sie dazu auch - Ein Mahnmal in Erfurt für die Millionen Opfer der Kirche
 



30.12.2006 / 1.1.2007 - George W. Bush und Papst Benedikt XVI.: Ökumenische politische Doppelstrategie? - Nach der Hinrichtung Saddam Husseins lobte der protestantische US-Präsident George W. Bush die Tat als "wesentlichen Meilenstein" auf dem Weg zu einer Demokratie im Irak. Der Vatikan sprach sich jedoch gegen die Todesstrafe aus, obwohl sie laut ihrem gültigen Katechismus "in schwerwiegendsten Fällen" grundsätzlich nicht "auszuschließen" sei (Nr. 2266). Doch jede Hinrichtung ist "Brudermord", gleich wer der Hingerichtete ist. Die kirchlichen Positionen sind wie meistens zwiespältig. Und was anlässlich der Hinrichtung von Saddam Hussein und anderen Beispielen auf den ersten Blick aussieht wie zwei unterschiedliche Positionen, könnte auch eine abgestimmte Doppelstrategie sein, mit der die beiden mächtigsten Führer des kirchlichen Abendlandes gemeinsame Politik machen. Denn der US-Präsident und der Papst sind intensiver miteinander verbunden als allgemein bekannt. Dazu einige Hinweise:

Ohne Kardinal Ratzingers Hilfe wäre George W. Bush wahrscheinlich gar nicht Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Mitten im Wahlkampf 2004 schrieb Kardinal Ratzinger im Namen des Vatikan einen Brief an die amerikanischen Bischöfe, in dem er ihnen nahe legte, Politkern, die sich nicht klar gegen die Abtreibung aussprächen, die Kommunion zu verweigern. Doch ging es dabei wirklich nur um den wichtigen Schutz für ungeborene Kinder? Oder war diese drakonische Anordnung nicht vor allem gegen den demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten und Katholiken John Kerry gerichtet, der - im Gegensatz zum Protestanten Bush - eine liberalere Gesetzgebung beim Thema Abtreibung wollte?

Im Zusammenhang der Regensburger Rede von Benedikt XVI. (siehe dazu unsere Meldungen mit einem Auszug der Rede hier) schreibt Sybille Hamann für die Presse in Wien (20.9.2006) von einer möglichen "geopolitischen Neuorientierung" des Papstes: "Und zwar eine Annäherung an die evangelikalen Christen und an die USA." Man müsse auch Päpste "ganz nüchtern ... als Realpolitiker interpretieren", die ab und zu "neue Duftmarken" setzen. Laut Hamann ist die katholische Kirche "weltweit in der Defensive und von Skandalen gebeutelt. Die Evangelikalen jagen ihr in rasantem Tempo Territorien ab, missionieren mit großem Erfolg in Lateinamerika, in Afrika, in Ostasien und Osteuropa. In den USA sind sie, in Gestalt von George W. Bush, de facto an der Macht".

Und der Nahostexperte Professor Mohssen Massarrat aus Osnabrück meint in einem Interview mit der Wochenzeitung Freitag (22.9.2006), dass der Papst mit seiner Rede in Regensburg im Grunde die Intellektuellen in aller Welt beleidige, indem er glaube, diese würden nicht merken, dass seine Aussagen über die angebliche Friedfertigkeit seiner Religion eine "Lüge" seien. Man müsse daran erinnern, "dass alle Gewaltorgien des 20. Jahrhunderts - nicht zuletzt die beiden Weltkriege - von [angeblich] christlichen Ländern ausgingen" [vgl. dazu den "Theologen Nr. 27" über den von Benedikt XVI. "selig" gesprochenen modernen Kreuzzugsprediger Kardinal von Galen].  "Nach meinem Eindruck brauchen die westlichen Demokratien so etwas wie eine zweite Aufklärung in Sachen Frieden." Ratzinger habe "den Alleinvertretungsanspruch des Katholizismus für das Gute und Vernünftige herausstellen" wollen, sollte jedoch "aufpassen, nicht als ein Papst, der Kriege schürt, in die Geschichte einzugehen".

Deutlich wird auch der israelische Friedensaktivist Uri Avnery, der, ebenfalls in Freitag (6.10.2006) zu den Papstäußerungen Stellung nimmt. Er stellt zunächst in Anspielung auf die mittelalterlichen Auseinandersetzungen zwischen Kaisern und Päpsten, eine "wunderbare Harmonie" zwischen "dem gegenwärtigen Papst Benedikt XVI. und dem gegenwärtigen Kaiser George Bush II." fest. Avnery legt dann Wert auf die Feststellung, dass der Islam in der Geschichte viel toleranter war als die so genannten Christen. Die aus Spanien vertriebenen Juden etwa wurden 50 Generationen lang im damaligen osmanischen Reich geschützt, ehe sie im Völkermord der Nazis untergingen. Schließlich bringt der israelische Journalist die Papstrede in Zusammenhang mit dem Versuch Bushs, "die Herrschaft über die Öl-Ressourcen der Welt zu rechtfertigen. Es wäre nicht das erste Mal im Laufe der Geschichte, dass ein religiöses Mäntelchen über nackte wirtschaftliche Interessen gebreitet wird ... Die Rede des Papstes passt zu diesen Bemühungen. Wer kann uns die möglichen unheilvollen Folgen voraussagen?"
 



1.1.2007 - Kirchliches "Elisabethjahr" 2007 - Wie die Kirche Elisabeths Mann, Landgraf Ludwig, zum Kreuzzug gegen die Moslems in Palästina warb - Lesen Sie Auszüge aus Der Theologe Nr. 30:
1) Kreuzzüge gegen Moslems und Urchristen
2) Elisabeth und Ludwig als Opfer ihrer Religion
3)
Kaiser Friedrich II., "der Sarazene"
 



13.3. / 17.7.2007 - "Wir fliegen in den Krieg" - Deutschland im heimlichen Angriffskrieg - Im krassen Widerspruch zum deutschen Grundgesetz beschloss der deutsche Bundestag mehrheitlich die Entsendung von Kampfbombern in den Afghanistan-Krieg, den so genannten Tornados (auch die Fraktion der GRÜNEN stimmte mehrheitlich dafür, wie schon für den Kosovo-Krieg und für den Beginn des Afghanistan-Krieges). Zwar werfen die Deutschen die Bomben nicht selber ab, sondern sagen "nur" der USA, wohin diese die Bomben werfen müssen. Doch der Unterschied ist minimal. Da keine der afghanischen Kriegsparteien Deutschland bis dahin etwas getan hat, handelt es sich um einen Angriffskrieg. Die USA führen solche "präventiven" Angriffskriege "gegen den Terror" ohne Zustimmung der UNO seit Ende 2001 und wollen auch die Deutschen immer weiter mit hinein ziehen. Denn man braucht die eigenen Kapazitäten wohl schon für die nächsten Kriegsziele.
Um die überwiegend kriegsunwillige deutsche Bevölkerung ruhig zu halten, denken sich die Politiker trickreiche Konstruktionen aus: So heißt es, die Bundeswehr wäre im Rahmen des von der UNO eingesetzten ISAF-Einsatzes (International Securitiy Assistance Force) tätig. Gleichzeitig ist sie aber auch Teil des andauernden weltweiten Krieges mit den Namen "Enduring Freedom", der unter dem Oberkommando der USA geführt wird und der mit der UNO nichts zu tun hat. Im Rahmen dieses Krieges sind seit 2001 auch Tausende unschuldiger Zivilisten getötet worden. Das wird jedoch gerne verheimlicht. Denn ein großer Teil der Bevölkerung hat in der Schule auch noch gelernt, Deutschland übe sich in Deeskalation von Konflikten, nicht im Führen von Kriegen, wie es seit 1999 (Kosovo-Krieg der Regierung Schröder (evangelisch) / Fischer (katholisch)) praktiziert wird.

Eine Verfassungsklage der Abgeordneten Peter Gauweiler (CSU) und Willi Wimmer (CDU) gegen den erweiterten Kriegseinsatz Deutschlands in Afghanistan wurde bereits abgewiesen. Auch die Klage der Linkspartei. Derweil schuf die Bundeswehr erste vollendete Tatsachen. "Wir fliegen in den Krieg", schreibt Bild am 3.4.2007.
Siehe dazu auch unsere Meldungen vom:      23.9.2006      28.10.2006  
sowie den Artikel: Die Lunte brennt - Wohin treibt der Afghanistan-Krieg? vom Dezember 2001 http://www.das-weisse-pferd.com/01_12/afghanistan.html

Für den Krieg müssen wir auch wieder Millionen oder gar Milliarden Euro an Steuergeldern aufbringen, die woanders fehlen. Z. B. gehen alleine die Unterhaltskosten der Tornado-Flotte in die Zig-Millionen. Nach einer Stunde Flug muss das Kriegsflugzeug nämlich 20 Stunden gewartet werden (AP, 13.4.2007), und bis jetzt erlitten nur bei Übungen schon 44 Tornados Totalschaden durch Abstürze, Kollisionen und Brände.
Und glaubt die deutsche Regierung Merkel-Müntefering im Ernst, dass die Islamisten, die in Afghanistan vor dem NATO-Angriff im Jahr 2001 die Regierung stellten, ohne schlimme Folgen für die Bundesrepublik Deutschland und die anderen NATO-Staaten einfach von der Erdoberfläche weggebombt werden können? Vielmehr gilt, was schon in der Bibel (Galaterbrief 6, 7) steht: "Was der Mensch sät, das wird er ernten." Das heißt z. B. auch: "Wer Krieg sät, wird Krieg ernten."

PS: Die Kirchen lehren jedoch, dass dies nur manchmal so ist, nicht immer. Und Angela Merkel ist evangelisch, Franz Müntefering katholisch, und auch die übrigen Minister sind meistens evangelisch oder katholisch und lassen sich von den Kirchenführern segnen und in die Irre führen.  

Aktualisierung [18.5. / 23.6.2007] Drittes Selbstmordattentat gegen die Bundeswehr - Deutsche Armee als Teil des Krieges "Enduring Freedom" / Immer mehr Zivilisten werden versehentlich mit getötet: Während die NATO im April und Mai 2007 wöchentlich die Anzahl der von ihr im Rahmen von "Enduring Freedom" getöteten Taliban-Soldaten im zwei- oder dreistelligen Bereich verkündet, schlagen die Islamisten teilweise in Guerilla-Taktik zurück. Zeitgleich zur Meldung über 67 getötete Taliban am 18.5.2007 im Osten Afghanistans werden im Norden drei deutsche NATO-Soldaten von zwei Taliban-Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt und getötet. Es ist das dritte Selbstmordattentat gegen die Bundeswehr in Afghanistan. Und damit erhöht sich die Zahl der auf diese Weise getöteten Deutschen von 5 auf 8. Hinzu kommen 13 bei Unfällen getötete Soldaten.

Anlässlich des Attentats auf die Bundeswehr bestätigte der römisch-katholische
"Verteidigungs"-Minister Franz Josef Jung noch einmal, dass die deutsche Armee nicht nur im Auftrag der UNO tätig ist, sondern auch als Teil des von der USA geführten weltweiten Krieges "Enduring Freedom" (z. B. Main-Echo, 24.5.2007)
. In diesem seit 2001 geführten Krieg hat die USA schon nachweislich mit massiven Lügen zur Täuschung der Weltöffentlichkeit gearbeitet, z. B. zu Beginn des völkerrechtswidrigen Einmarsches in den Irak im Jahr 2003. Der evangelische Präsident George W. Bush setzt dort weiter auf den militärischen Sieg und kündigt für den Sommer 2007 bereits "mehr Opfer auf allen Seiten" an (ARD, Tagesschau, 24.5.2007).
Mittlerweile informieren Irak-Kriegs-Veteranen immer mehr über die Gräueltaten der Enduring-Freedom-Truppen an der Zivilbevölkerung vor allem im Irak. "Veteranen beschreiben in ´The Nation`, dass US-Soldaten rücksichtslos um sich feuern, sobald sie das Militärgelände verlassen. Einige schossen demnach Löcher in Benzinkanister, die am Wegesrand verkauft werden, um dann Granaten in die Benzinpfützen zu werfen. Andere eröffnen das Feuer auf Kinder – unter den Augen der Iraker. Es existieren sogar Fotos, auf denen Soldaten irakische Leichen schänden. Auf einem Bild soll ein Soldat so tun, als ob er das verspritzte Gehirn eines toten irakischen Mannes mit seinem braunen Plastik-Löffel der Armee essen wollte." Und: "Das Kämpfen mitten in belebten irakischen Innenstädten – auf Marktplätzen und in engen Wohnvierteln – führt dazu, dass die US-Soldaten Gewalt völlig wahllos einsetzen und tausendfach Unschuldige töten" (http://www.focus.de/politik/ausland/tid-6860/irak-krieg_aid_66752.html). So frisst sich der kirchenchristliche Westen auf solche Weise immer weiter mordend in die islamische Welt hinein und wundert sich dann, dass auch der gewalttätige Islamismus immer mehr zunimmt. Eigentlich müssten die US-Truppen Morde und Tötungen Unschuldiger verfolgen, doch ein Armeevertreter resigniert: "´Man kann gar nicht jedes Mal eine Untersuchung einleiten, wenn ein Zivilist verletzt oder getötet wird, weil es ganz einfach so oft passiert und man sonst die ganze Zeit nichts anderes tun könnte`, sagt Leutnant Jonathan Morgenstein."
Die Bundeswehr sollte auch deshalb nicht Teil der Enduring Freedom-Truppen sein.

Zu Opfern von "Enduring Freedom" zählen in diesem Sommer auch in Afghanistan vor allem immer mehr unbeteiligte Zivilisten. Zuletzt kamen wieder 25 Zivilisten ums Leben, darunter Frauen und Kinder, die bei einem NATO-Luftangriff auf Taliban-Soldaten ebenfalls mit in Stücke gerissen wurden. Erst einige Tage zuvor versteckten sich islamistische Kämpfer unter Kindern, weswegen sieben Kinder bei dem Angriff gleich mit getötet wurden. In der Vergangenheit bombte die NATO manchmal auch auf Verdacht bzw. irrtümlich, und sie verwandelte z. B. eine Hochzeitsfeier in ein Blutmeer mit Dutzenden von Toten. Mittlerweile hat der afghanische Präsident Karsai die ISAF-Truppen scharf kritisiert und um Absprache aller Angriffe mit der afghanischen Regierung aufgefordert. Wegen der deutschen Beteiligung am Krieg "Enduring Freedom" drohen jetzt auch Deutschland Selbstmordattentate von islamistischen Kriegern (Nachrichtenagenturen am 23.6.2007).
 



10.6.2007 - Kardinal Lehmann sollte in Riad/Saudi-Arabien eine katholische Messe lesen dürfen - Was müsste er selbst dafür tun? - Kardinal Karl Lehmann möchte "in Saudi-Arabien Gottesdienst halten dürfen, ohne verhaftet zu werden" (Spiegel online, 9.6.2007). Dieser Wunsch ist begrüßenswert, genauso wie die allgemeine Forderung nach Religionsfreiheit in islamischen Ländern. Der Wunsch des Kardinals bedürfte aber sicher auch einiger Vorleistungen seitens der römisch-katholischen Kirche, um eine politische Chance zu haben. Diese könnten sein:

1.) Die römisch-katholische Kirche bereut das Leid, das sie durch die Kreuzzüge in den arabischen Ländern angerichtet hat und bittet um Vergebung. Die Vergebungsbitte darf nicht unverbindlich an die Adresse von "Jesus Christus" gerichtet werden wie frühere "Vergebungsbitten", sondern an die Seelen und Menschen, denen das Leid tatsächlich zugefügt wurde, also z. B. an die zahllosen Ermordeten bzw. deren Nachkommen. Die islamischen Religionsführer beraten die Kirche dabei, welche genaue Form von den Moslems auch als echte Vergebungsbitte (und nicht nur als taktisches Manöver) empfunden würde und die Kirche kommt diesen Wünschen entgegen. Beide Seiten treten auch in Gespräche über eine mögliche historische Wiedergutmachung ein.

2.) Die römisch-katholische Kirche erklärt, dass niemals mehr katholische Soldaten arabische bzw. muslimisch geprägte Länder überfallen werden. Und wenn sie es doch tun, dann würden diese auf der Stelle exkommuniziert.

3.) Die römisch-katholische Kirche erklärt ihren bisher als "unfehlbar" geltenden Lehrsatz für ungültig, der lautet: "Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig. Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir" (zit. nach Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche, Lehrsatz Nr. 430; siehe dazu Der Theologe Nr. 18). Auf diese Weise nimmt die Kirche den Moslems die Angst, sie müssten sich entweder früher oder später alle der Kirche unterwerfen oder mit der dauernden Einschüchterung leben, später in der Hölle ewig grausame Qualen zu erleiden. Und sie nimmt den islamischen Regierungen die Angst, die Kirche möchte die muslimische Bevölkerung in diesem Sinne bewusst indoktrinieren bzw. einzelne gezielt aus ihrer bisherigen Religion und aus ihrem Familienverbund heraus lösen. Dazu wird kirchlicherseits auch der ebenfalls als bisher "unfehlbar" geltende Lehrsatz für ungültig erklärt, der lautet: "[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide` noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt" (zit. nach Neuner/Roos, Der Glaube der Kirche, Lehrsatz Nr. 381; siehe dazu Der Theologe Nr. 18).

4.) Die römisch-katholische Kirche erklärt, dass sie nicht im Namen des Jesus von Nazareth spricht, der von allen Moslems als einer der größten Propheten verehrt wird. Sie macht dazu den Menschen in den arabischen Ländern klar, dass die Kirche die Person des Jesus in einen "dreieinigen" Gott mit eingearbeitet hat, in dessen Namen sie spricht und der unter Kaiser Konstantin im Jahr 325 zum verbindlichen "Gott der Kirche" erklärt wurde. Wenn die Kirche also in ihren geplanten Messen in Saudi-Arabien von "Jesus" oder von "Christus" spricht, dann sei nicht der Mensch Jesus gemeint, der einst über die staubigen Straßen Palästinas ging, der von einer "Dreieinigkeit" nichts wusste (vgl. hier) und der von vielen Moslems geschätzt wird. Sondern es sei der "Gott" gemeint, dessen Konturen erst im 4. Jahrhundert verbindlich festgelegt wurden und in den man einige Elemente der Botschaft von Jesus mit aufgenommen hat. Diese Elemente könnten dann auch zu einer positiven Verbindung zwischen Katholiken und Moslems beitragen.

Wenn Kardinal Karl Lehmann König Abdullah bin Abd al-Aziz diese Vorschläge unterbreitet, dürften wesentliche Voraussetzungen dafür geschaffen sein, dass eines Tages katholische Amtsträger in Riad und auch in der übrigen islamischen Welt ohne Druck und Zwang ihren Glauben praktizieren und Messen lesen dürfen
. Dann sind auch wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, die es den islamischen Ländern erleichtern würden, die Religionsfreiheit einzuführen und einen Religionswechsel von Bürgern zu tolerieren.
 



24.6. / 28.6.2007 - Afghanistan: Nahezu täglich getötete Zivilisten: Der heimliche Krieg wird immer brutaler:  Im Oktober 2001 glaubte die NATO noch, in relativ kurzer Zeit die islamistische Taliban-Regierung in Afghanistan wegbomben und einen Staat nach westlichen Prinzipien aufbauen zu können. Und auch die deutsche Regierung aus SPD und GRÜNEN beteiligte sich in einer "historischen" Entscheidung an diesem Krieg (die nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Jugoslawien im Jahr 1999* nicht mehr so schwer fiel). Am 5.10.2001 rief die NATO wegen des Anschläge in New York den "Bündnisfall" aus. Man sprach von einer "Verbindung" zwischen den Terroristen und der afghanischen Regierung, und der Krieg gegen Afghanistan begann am 7.10.2001. Offiziell sagte man, bei dem Krieg handle sich um "kollektive Selbstverteidigung" (NATO-Vertrag, Artikel 5). Es gehe darum, "unsere Sicherheit" am Hindukusch zu "verteidigen", wie der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck den Bürgern auf einer Pressekonferenz am 5.12.2002 weis zu machen versuchte (vgl. http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/weissbuch/strutynski.html). Doch die deutschen Wohnzimmer-Strategen unterschätzten die Taliban. Zwar wurden sie schnell aus der Regierung vertrieben. Doch fast sechs Jahre später ist der Afghanistan-Krieg immer noch nicht "gewonnen" und brutaler denn je. Täglich sollen zuletzt jeweils Dutzende Taliban liquidiert worden sein, doch es scheinen nicht weniger zu werden. Zuletzt erreichten auch nahezu täglich Meldungen über "bedauerlicherweise" von der NATO bzw. der ISAF (International Securitiy Assistance Force) getötete Zivilisten die Öffentlichkeit. Und bei einer Kriegsberichterstattung erfährt man ja meist nur etwas von der Spitze des Eisbergs.

Einige der aktuellen Meldungen: NATO-Soldaten überschritten versehentlich die Grenze zu Pakistan und töteten Zivilisten in einem Haus (Bild, 24.6.2007). / Bei einem US-Angriff auf ein kleines Hotel in Pakistan wurden zwölf Zivilisten zerfetzt. / Laut pakistanischer Polizei wurden bei einem weiteren Angriff weitere 20 Zivilisten getötet (Spiegel online, 24.6.2007). / Erst vor einem Tag waren in einem afghanischen Dorf neben 20 Taliban auch 25 Zivilisten getötet, darunter neun Frauen und drei Babies (Focus online, 22.6.2007; siehe bereits unsere Meldung hier bzw. http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan_aid_64211.html) usw. usw.

Um aus den Bewohnern Afghanistans mehr Informationen über die Taliban herausholen zu können, wenden die von den USA geführten Truppen auch Folter und Schein-Exekutionen an. Focus online schreibt: "US-Soldaten rechtfertigten die Gewalt gegen die afghanische Bevölkerung pauschal: ´Die Afghanen haben eine andere Kultur`, sagte Captain Brad McCoy vom Führungsstab der aktuellen Operation ´Maiwand`. ´Wir sind nicht dazu da, ihre Kultur zu verändern`" (http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan_aid_64306.html).

Noch immer hat die deutsche Regierung offenbar nicht verstanden, dass Krieg immer nur wieder mehr Krieg bringt und dass eine solche Politik den Krieg auch ganz allmählich ins eigene Land bringt. So wenden die deutschen Regierungen keinen Schaden vom Land ab, wozu sie verpflichtet wären, sondern sorgen durch die Kriegsbeteiligung Deutschlands (siehe dazu die Aussage des deutschen Ministers Franz-Josef Jung hier) täglich für die Eskalation der Schäden. Dabei gehen die Politiker sehr leise vor, um die deutsche Bevölkerung nicht zu verschrecken. So kämpfen offenbar auch schon 100 deutsche "Soldaten der Elitekampftruppe ´Kommando Spezialkräfte`; sie operieren im Verborgenen an der Seite der US-Truppen und ihrer Koalition der Willigen. Wie man hört, beiderseits der afghanisch-pakistanischen Grenze" (http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/weissbuch/strutynski.html). Dabei lassen sich die deutschen Politiker von den Kirchen, die den Afghanistan-Krieg von Anfang an mit dem üblichen "Wenn und Aber" "legitimierten"**, mitunter in trügerische "Sicherheit" versetzen. Und seitdem im Jahr 1985 das 5. Gebot von "Du sollst nicht töten" in "Du sollst nicht morden" geändert wurde (neue Einheitsübersetzung der Bibel), können auch die Kirchenvertreter das Töten im Krieg leichter rechtfertigen. Doch mit dem Friedensstifter Jesus von Nazareth haben der Afghanistan-Krieg und auch alle anderen Kriege nicht das Geringste zu tun. Einmal mehr wird dabei Jesus, der Christus, der große Menschheitslehrer, von denen verhöhnt, die sich zwar "christlich" nennen, doch im krassen Gegensatz zur christlichen Lehre sowohl kriegerische Islamisten als auch (versehentlich aber stetig) unbeteiligte Moslems in Stücke reißen lassen. Und mit jedem Toten wächst in der Bevölkerung auch der Hass auf die Angreifer. Was die eigentliche Aufgabe der christlich geprägten Länder gewesen wäre, siehe hier.

Mehr zum Afghanistan-Krieg: Siehe unsere Meldung hier. Und wieder ein kleiner Schritt Richtung großer Krieg: Bundeswehr bald mitten im Kampfgebiet?
Lesen Sie unter:
http://www.focus.de/politik/ausland/koalitionspolitiker_aid_64864.html

* Lesen Sie dazu auch den Offenen Brief der Freien Christen: Distanziert Euch vom Krieg oder nennt Euch nicht christlich!

** "In der Abschluss-Kundgebung der EKD-Synode [Evangelische Kirche in Deutschland] vom 9. November [2001] bezogen die Synodalen bei aller Solidarisierung mit den zivilen Opfern und der Einrede auf die humanitäre Verantwortung der Entscheidungsträger letztlich eine für ihre innere Verfassung typische Sowohl-als-auch-Position: Beide Optionen (für oder gegen den Militäreinsatz) werden der individuellen Gewissensentscheidung anheim gestellt und damit kirchlich legitimiert ..." Ein Antrag von einzelnen Synodalen für eine kirchliche Entscheidung gegen den Krieg wurde von der EKD abgelehnt.  "In einer fast zeitgleich ergangenen Erklärung des Vorsitzenden der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, werden wiederum sowohl die Bedenken wie auch die Anerkenntnis eines «ultima ratio»-Handelnmüssens der Staaten zum Schutze ihrer Bürger vor terroristischen Anschlägen in ein verbales Gemenge eines von Zweifeln zerfurchten Einerseits-andererseits und Sowohl-als-auch gegossen". Damit "legitimierte" auch die römisch-katholische Kirche den Krieg (http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Kirche/franz.html).
 



15.8. / 16.8.2007 - Afghanistan, Irak - Kriege geraten immer mehr außer Kontrolle - Trotz immer neuer "Erfolgsmeldungen" über im Krieg getötete Taliban (25.7.2007: "Mehr als 70" http://www.focus.de/politik/ausland/koalitionstruppen_aid_67837.html; 10.8.2007: "Dutzende" http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,498739,00.html) geraten die beiden von der US-Regierung entfesselten Kriege in Afghanistan und Irak immer mehr außer Kontrolle. Es scheint, dass trotz der andauernden Tötungen von Taliban, die bis zum NATO-Angriff im Oktober 2001 die afghanische Regierung stellten, immer mehr Taliban "nachwachsen". Diese oder andere gewaltbereite Gruppen töten nun ihrerseits z. B. Deutsche, wie z. B. am 15.8.2007 die drei Sicherheitsbeamten.
Im Irak kamen am selben Tag gar mindestens 500 Menschen bei Anschlägen um (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,499961,00.html). Dennoch gibt es weiter Bestrebungen, zusätzlich zu den beiden Fronten am Hindukusch und im Zweistromland noch einen dritten Krieg gegen den Iran zu beginnen. Doch man kann Islamisten nicht einfach von der Erdoberfläche wegbomben, und dies hat auch nicht das Geringste mit Jesus von Nazareth zu tun, der die Goldene Regel lehrte ("Alles, was ihr wollt, das Euch die Leute tun, das tut ihr ihnen zuerst"; Matthäus 7, 12). Und einen Frieden wird es auch nie geben, solange man glaubt, man hätte ja ein "Recht", einen Krieg zu führen und solange man zudem glaubt, die "Goldene Regel" könne man nicht auf die Politik anwenden.
Mehr zum Afghanistan-Krieg lesen Sie z. B. hier

 



18.9. / 20.9.2007 - Streng gläubige Katholikin mit islamischem Freund warf ihr Neugeborenes aus dem 10. Stock - Die Mutter (Monika K. aus Hamburg, 27 Jahre alt, "streng gläubige Katholikin"), die ihr Neugeborenes 30 Minuten nach der Geburt in eine Plastiktüte steckte und von einem Hochhausbalkon warf, kommt mit einer milden Strafe davon: drei Jahre und neun Monate Haft für Totschlag wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit (http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2007/09/18/urteil-mutter-hamburg/baby-10-stock,geo=2514186.html). Bevor sie das Verbrechen gestand, hatte sie noch ihren islamischen Freund der Tat bezichtigt: Er habe "das Baby in eine Tüte gestopft und vom Balkon geworfen" (Bild, 5.9.2007). Die Polizei glaubte ihr und verfolgte zunächst den Freund. Die Frau machte ihm zudem Vorwürfe, sie nicht heiraten zu wollen. Außerdem hätte er sie mit anderen Frauen betrogen und viele Nächte in Spielsalons verbracht. Der Mann erklärte hingegen: "Sie hatte Angst vor ihren katholischen Eltern. Sie wollten keinen Moslem als Schwiegersohn. Aber das ist keine Entschuldigung. Ich wäre für das Kind da gewesen." Und: "Sie ist so eiskalt." Der erste Polizist am Tatort sagte vor Gericht aus: "´Es war schrecklich, das Kind in der Folie. Ich fasste einen Knöchel an, sah das Blut.` Kurz nach seiner Aussage brach der erfahrene Polizist zusammen, schlug sich die Hände vors Gericht – und weinte" (Bild, 5.9.2007).

Zum Hintergrund: Ein Katholik muss nach der Lehre seiner Kirche bei einer Eheschließung auch katholisch heiraten. Von dieser "Formpflicht" einer katholischen Trauung kann der einzelne Katholik jedoch unter bestimmten Bedingungen befreit werden, z. B. wenn ein islamischer oder evangelischer Partner keine katholische Trauung möchte. In diesem Fall ist diese "Befreiung von der Formpflicht" (= Dispens) nur möglich, wenn die Frau der Kirche versprochen hätte, das von ihrem islamischen Freund gezeugte Kind katholisch zu taufen und zu erziehen. Dies ist die Bedingung der Kirche. Andernfalls macht sich die Frau nach katholischem Kirchenrecht strafbar (siehe hier). Die Folge: Ihr droht der Ausschluss von den katholischen Sakramenten, und sie gefährdet damit nach katholischer Lehre ihr Seelenheil und das Seelenheil des Kindes - ein furchtbares Droh- und Druckmittel gegenüber gläubigen Katholiken. Deshalb die Frage: Welche Rolle spielte der Glaube der "streng" katholischen Frau bei dieser Verzweiflungstat? Hat die Frau das Kind vielleicht unbewusst auch deshalb getötet, um nicht zuzulassen, dass es vielleicht zu einem kleinen Moslem wird?

Denn die römisch-katholische Lehre sieht vor:
Bei einem ungetauft gestorbenen oder ermordeten Säugling: Die "Internationale Theologische Kommission" des Vatikan kam im April 2007 nach dreijähriger Beratung zu der Schlussfolgerung, "dass es theologische Grundlagen und ernst zu nehmende Liturgien gibt, die hoffen lassen, dass ungetaufte Säuglinge erlöst werden, wenn sie sterben" (zit. nach Spiegel online, 20.4.2007). Die bisherige Vorstellung einer Art leidensfreien ewigen "Vorhölle" als endgültiger Bestimmungsort dieser Kinder sei "zu streng" gewesen.
Bei einem Moslem: Hier gilt weiterhin folgender "unfehlbare" Lehrsatz: [Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] "glaubt fest, bekennt und verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide` noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt." (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, Lehrsatz Nr. 381, siehe hier).


Konkret: Hätte der moslemische Vater also einer katholischen Taufe des Säuglings nicht zugestimmt und seinen Sohn stattdessen islamisch erzogen, wäre das Kind nach römisch-katholischem Dogma von der ewigen Verdammnis bedroht gewesen. Denn es hätte durch seine Mutter diesen Glauben zunächst kennen gelernt. Und es hätte sich nach "unfehlbarer" katholischer Lehre später von seiner islamischen Erziehung distanzieren und in die Kirche eintreten müssen, um dem angeblichen Schicksal grässlicher ewiger Höllenqualen zu entgehen (PS: Auch wenn diese Lehrentscheidung heute in der katholischen Kirche nicht besonders hervorgehoben wird, so wurde es eben doch als "unfehlbare" "irrtumslose" Entscheidung des päpstlichen Lehramtes so festgelegt, und die Gläubigen werden bewusst oder unbewusst damit geängstigt und innerlich gebunden).
Von daher sollte geprüft werden, ob im Zusammenhang des Säuglingsmords bzw. -totschlags auch ein Verfahren gegen den Papst bzw. gegen seinen Stellvertreter vor Ort, dem Bischof von Hamburg, eröffnet werden muss, da diese die Garanten und Verantwortlichen für die fortgesetzte Gültigkeit der römisch-katholischen Verdammnis-Lehre sind.

 



21.9.2007 - Kampf der Kulturen in Deutschland: Katholische Politiker wollen Islam klein halten - Der künftige CSU-Vorsitzende Erwin Huber ist als bekennender Katholik ein Gegner von großen Moscheen in Deutschland. Wörtlich erklärt er: "Wir lassen uns den christlichen Charakter unseres Landes nicht durch monströse Moscheebauten verschandeln" (Netzeitung, 3.9.2007). Mit Christus und "christlich" hat eine solche Einstellung jedoch nicht das Geringste zu tun.
Nun
hat der scheidende CSU-Vorsitzende und ebenfalls bekennende Katholik Edmund Stoiber noch einmal nachgelegt und präzisiert: "Es gibt eine in Jahrhunderten gewachsene Leitkultur in Deutschland. Also: Bei aller Toleranz - Kathedralen müssen größer sein als Moscheen" (Bild, 21.9.2007).
Worte sind schnell ausgesprochen. Doch in diesem Fall lohnt es sich, einmal in die Worte hinein zu empfinden. Welcher Inhalt wurde in die Worte hineingelegt?
Jesus von Nazareth wollte keine Kirchen und Kathedralen, da jeder Mensch selbst ein "Tempel" Gottes sein soll. Lesen Sie dazu "Freie Christen Nr. 1" - Es braucht keine Kirchen aus Stein: Darum treten Sie aus. Sie sind nicht allein.

Mehr zu der "in Jahrhunderten gewachsenen Leitkultur" lesen Sie z. B. unter www.kirchenopfer.de
Lesen Sie auch den Artikel: Sie galten als "Fremdkörper" im kirchliche geprägten "Volksleben": "Die Juden passten nicht in die deutsche Leitkultur der 30er-Jahre",
http://www.das-weisse-pferd.com/00_23/leitkultur.html
Siehe auch: Evangelischer CDU-Generalsekretär macht Islam für Gewalt verantwortlich und verschweigt Verantwortung des kirchlichen Christentums
Sowie mehr zu Papst Benedikt XVI. und der Islam
Und: Kardinal Lehmann möchte in Riad/Saudi-Arabien eine Messen lesen - Hintergründe

 



Auszug aus Der Theologe Nr. 22 über den protestantischen US-Prediger Billy Graham / Das Christentum hätte den Pazifismus des Jesus von Nazareth vorleben sollen - ... Und die Entscheidung zum 1. Irakkrieg (1991) traf Präsident George Bush senior offenbar nach einem Gespräch und Gebet mit Billy Graham. Zwar wäre Graham von seiner Frau Ruth (1920-2007) grundsätzlich ermahnt worden, sich nicht in die Politik einzumischen (es gibt dazu einen Hinweis aus dem Jahr 1964; idea-spektrum Nr. 25/2007), doch konnte der Prediger kaum verhehlen, wie er dachte, und er verhalf den Präsidenten zumindest immer zu dem guten Gewissen für ihre Entscheidungen. Und seit Billy Graham den amtierenden US-Präsidenten George W. Bush (seit 2001) vom Alkohol weg brachte und vom evangelischen "Glauben" überzeugte, hört dieser eine Stimme "aus dem Jenseits", die ihm jeweils einflüstert, welchen Krieg er beginnen soll. Z. B. 2001: "George, geh los und bekämpfe diese Terroristen in Afghanistan!" Und dann 2003: "George, geh los und beende die Tyrannei im Irak" (Focus online, 8.10.2005; zit. nach http://www.das-weisse-pferd.com/2005.html#Bush). Derweil bleibt Graham betend im Hintergrund. Gleich nach dem 1. Golfkrieg hatte Billy Graham im Hinblick auf eine "nukleare oder biochemische Katastrophe" noch gewarnt, "Hitzköpfe wie Saddam Hussein" könnten "die Welt mit einem Überraschungsangriff aufschrecken" (Geht unsere Welt ihrem Ende entgegen?, Neuhausen-Stuttgart 1993, S. 170).

Religionsgeschichtlich könnte man es so sehen: Das "christliche" Abendland hätte den asiatischen und islamisch geprägten Völkern den Pazifismus des Jesus von Nazareth und seine Friedensbotschaft beispielhaft vorleben sollen. Das hat man nicht getan. Stattdessen hat man im Gegensatz dazu die Völker in Namen von Christus mit grausamen Kriegen überzogen (einschließlich des Abwurfs von Atombomben in Japan), und man tut es weiterhin. Ob Billy Graham nun sein Maß im hohen Alter vollmachen kann, indem er auch noch einen endzeitlichen Krieg gegen den Iran mit inspiriert? Auf jeden Fall gibt es für ihn Schlimmeres. Graham wörtlich: "Der Schrecken eines Atomkriegs geht - im Blick auf die Ewigkeit - vorüber. Der Zorn, der sich über alle ergießen wird, welche die angebotene Barmherzigkeit, Gnade und Erlösung in Christus ablehnen, ist viel schrecklicher" (Geht unsere Welt ihrem Ende entgegen?, Neuhausen-Stuttgart 1993, S. 173). Was für eine furchtbare Gottesvorstellung! Christus hat solches nie gelehrt (vgl. dazu z. B. "Der Theologe Nr. 1", "Der Theologe Nr. 2" und "Der Theologe Nr. 19").

PS: Graham leidet, mittlerweile 90jährig [2009], an einem Prostata-Karzinom und an der Parkinson-Krankheit ...
 



21.10.2007 - Islamische Schulbücher: Mehr Toleranz als vermutet - Während in deutschen Schulbüchern auch friedfertige kleinere Religionsgemeinschaften als "gefährliche Sekten" verhetzt und verleumdet werden, rechtfertigen Vertreter der großen Kirchen die Verleumdungen manchmal mit dem Hinweis: Diese seien harmlos im Verhältnis zur religiösen Intoleranz in islamischen Ländern. In diesem Zusammenhang überraschte eine Studie des Erlanger Religionspädagogen Johannes Lähnemann, wonach islamische Schulbücher toleranter seien als von kirchlichen "Fachleuten" vermutet. Siehe dazu http://www.tagesspiegel.de/kultur/Islam-Christentum;art772,2404114.
 



9.1.2008 - Ruanda - Der Verrat der Kirche an der Friedfertigkeit des Jesus von Nazareth - Moslems von Staatspräsident um Hilfe gebeten - Jesus war Pazifist. Die Kirche segnete jedoch Waffen, befürwortete Kriege und und "brachte" nach Aussage des Historikers Karlheinz Deschner "mehr Menschen um als Hitler und Stalin zusammen" (http://www.das-weisse-pferd.com/02_01/abzocker.html). In der jüngeren Vergangenheit wurde vor allem ihre Verwicklung im Völkermord an den ruandischen Tutsi durch ruandische Hutu bekannt - ca. 800.000 Tote im Jahr 1994 (siehe http://www.das-weisse-pferd.com/00_02/kirche_ruanda.html). Einer dpa-Meldung vom 9.1.2008 zufolge seien nun über siebzehn Jahre nach den Massakern in 84 Schulen Ruandas von Hutus verfasste Anti-Tutsi-Flugblätter gefunden worden, u. a. mit dem Inhalt: "Wir haben genug von ihnen und werden sie töten" (Netzeitung, 9.1.2008). Die Saat der Gewalt ist also weiter am Keimen.
Dabei ist zu bedenken: Die Hutu sind überwiegend Katholiken. Bei den Tutsi finden sich viele Anhänger von Naturreligionen. Insgesamt gehören in Ruanda jedoch quer durch beide großen Volksgruppen ca. 75 % der Bevölkerung entweder der römisch-katholischen (65 %) oder einer evangelischen Kirche an (10 %), zum Islam bekennen sich ca. 8 %. In einer Reportage von Arte-TV heißt es dazu:
"Als 1994 in Ruanda christliche* [*Anmerkung: richtig wäre "kirchliche"] Hutus in 100 Tagen eine Million christlicher* Tutsis umbrachten, waren es einzig die ruandischen Moslems, die sich - unter Berufung auf den Koran - der Gewalt verweigerten. Mehr noch: Sie versteckten Flüchtlinge und versorgten sie mit Lebensmitteln, sie gaben ihnen Zuflucht in ihren Moscheen und zeigten sich mit ihnen solidarisch, vielfach um den Preis des eigenen Lebens. Sie halfen Hutus und Tutsis, Moslems und Christen gleichermaßen. Kein einziger führender Moslem wurde wegen des Völkermordes angeklagt. Stattdessen bat der ruandische Staatspräsident die Moslems des Landes, sie ´zu lehren, wie man zusammenlebt`" (http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/1172274.html).
Daran wird einmal mehr der Verrat der Kirchen an der Friedfertigkeit des Jesus von Nazareth deutlich, der den Menschen zeigte und vorlebte, wie man zusammenleben kann. Die institutionellen Kirchen haben ihre Mitglieder wie zu allen Zeiten jedoch in die Irre geführt - weg vom großen Friedenslehrer Jesus von Nazareth, den man nur den Lippen nach verehrte und hin zu selbstgestrickten Dogmen, "Sakramenten" und Kulten. So haben auch einzelne kirchliche "Friedensaufrufe" kaum Kraft, wenn man insgesamt beim Thema "Gewalt und Krieg" Kompromisse macht und die Menschen nicht zu den Wurzeln der eigenen Aggressionen führt, um diese zu bearbeiten (eine Hilfe könnte dazu z. B. das Bibelwort "Was der Mensch sät, das wird er ernten" sein; vgl. dazu auch Der Theologe Nr. 2). Mit Jesus hat das kirchliche Lehrwerk und Tun jedenfalls nichts zu tun. Er lehrte in seiner Bergpredigt, die Feinde zu lieben und bei Konflikten zuerst den "Balken" im eigenen Auge zu erkennen und zu entfernen, bevor ich dem anderen helfen kann, seinen "Splitter" zu entfernen. Doch die Kirchen lehrten auch, die Bergpredigt sei insgesamt nicht lebbar. Die Folgen zeigten und zeigen sich u. a. in Ruanda.

 



23.3. / 24.3.2008 - Provozierende Medien-Inszenierung in der Osternacht: Papst macht prominenten Muslim durch Taufe zum Kirchenmitglied - Ausgerechnet in der weltweit am Fernsehen übertragenen Osternacht aus dem Petersdom im Vatikan vollzieht der Papst die katholische Taufe an einem der prominentesten Muslime Italiens, dem Journalisten Magdi Allam von der Zeitung Corriere della Sera. Damit wird der Ägypter auch Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Er wählte eigens einen Taufnamen, nämlich "Christian", und "bezeichnet den Islam als eine Religion, die von Hass und Intoleranz charakterisiert sei. Er sei von einer Ideologie befreit worden, die Lüge und Gewalt legitimiere, Mord und Selbstmord hervorrufe sowie für blinde Unterwerfung unter eine Tyrannei stehe" (idea, 24.3.2008). Mit seiner Hinwendung zur Kirche habe er angeblich die "authentische Religion der Wahrheit, des Lebens und der Freiheit" gefunden (zit. nach idea, 24.3.2008). Möglicherweise wurde er aber über seinen neuen Glauben nur unzureichend informiert (mehr dazu siehe z. B. in Der Theologe Nr. 18 oder in Der Theologe Nr. 25) bzw. über dessen Geschichte (vgl. z. B. Informationen zur Inquisition einst und jetzt).
Der Termin der Taufe und die vom Vatikan hergestellte weltweite Öffentlichkeit sind natürlich gezielt so gewählt, denn Papst Benedikt XVI. zieht seinen Kurs gegenüber Andersgläubigen freundlich, aber knallhart, provozierend und öffentlichkeitswirksam durch. Dahinter steckt der nach römisch-katholischer Lehre "unfehlbare" Lehrsatz:  "
Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig. Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir"
(Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, Nr. 430, siehe dazu Der Theologe Nr. 18). Sowie, dass Andersgläubige, welche die Kirche kennen, sich aber ihr nicht anschließen, angeblich später dem "ewigen Feuer" "verfallen" (siehe Lehrsatz Nr. 381).
- Zu Papst und Judentum siehe hier
- Zu Papst und Protestanten
siehe z. B. hier
 



29.1. / 31.1.2009 - Muslimischer Ministerpräsident verweist Christen- und Judentum auf das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" - Israels Präsident Schimon Peres hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos/Schweiz seine Redezeit deutlich überschreiten dürfen und dabei den Gaza-Krieg Israels verteidigt. Als dann der Moderator von der Zeitung Washington Post dem türkischen Premier Erdogan deutlich weniger Zeit einräumte als Peres und den Muslim zu stoppen versuchte, platze diesem der Kragen. Er verließ schließlich den Saal, und mit ihm noch einige andere Besucher. Erdogan erinnerte die Vertreter des kirchlichen Christentums und des Judentums zuvor noch kurz an ihr eigenes 5. Gebot, das der Schöpfergott über Mose offenbarte und das ursprünglich schlicht und ausnahmslos lautete "Du sollst nicht töten"
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,604429,00.html). Im durch Mose gegebenen 5. Gebot gilt also ursprünglich "Du sollst nicht töten" ohne Wenn und Aber und ohne Ausnahme. Doch die Priester der beiden Weltreligionen, des kirchlichen Christentums und des Judentums, haben das Gottesgebot verfälscht und es sich so zurecht gezimmert, dass das Töten im Krieg erlaubt ist, was z. B. bis heute zu unzähligen Opfern in Kriegen führt, z. B. im Irak-Krieg der USA oder dem Afghanistan-Krieg der NATO oder dem Gaza-Krieg Israels. Während jedoch die gefälschten Ausnahmen für das Judentum bereits im Alten Testament stehen, haben die Kirchenchristen keine faule Ausrede. Jesus, der Christus, auf den sich das kirchliche Christentum zu Unrecht beruft, ließ nicht nur keine Ausnahmen vom Tötungsverbot zu, sondern verschärfte das Gebot sogar noch und sagte: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ´Du sollst nicht töten`; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig" (Matthäus 5, 21-22).
Die Opfer der Kriege in Gaza, zuletzt im Irak oder in Afghanistan sind überwiegend Moslems - davon viele, die ebenfalls getötet haben, jedoch auch zahllose unbeteiligte Zivilisten. Und jetzt ist es ein islamischer Präsident, der einmal mehr den Finger in diese Wunde legt und schlicht aufzeigt, dass sich die kriegerischen Vertreter von Christen- und Judentum nicht an ihr eigenes Gebot halten. Damit soll das Töten im Islam jedoch nicht verharmlost werden. Denn dort gibt es ebenso Ausnahmen vom Tötungsverbot, doch dort gelten diese von vorneherein.

 



1.4.2009 - Ein großer Teil der Moslem-Gemeinschaften beteiligt sich nicht am Kirchentag - Der Dachverband Schura Bremen, der 15 von 30 muslimische Gemeinschaften der Stadt vertritt, beteiligt sich nicht am Evangelischen Kirchentag. Seine Ablehnung begründete der Sprecher Mehmet Kilinc "mit der Haltung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Islam. Der Rat hatte 2006 eine Denkschrift zum Thema Christen und Muslime in Deutschland herausgegeben, die nicht nur von Muslimen als paternalistisch und ausgrenzend kritisiert worden war. Als ´Rückschritt` bezeichnete gestern die Bremer Professorin für Religionswissenschaft, Gritt Klinkhammer, den Text. ´Das ist eine Schließung der evangelischen Front gegenüber den Muslimen`, so Klinkhammer ... Wir wollen endlich einen Dialog auf Augenhöhe und nicht missioniert oder aus christlicher Nächstenliebe gerettet werden`, so Kilinc" (http://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/1/kirchentag-mit-muslimen/).
 



24.6. / 11.7.2009 / 9.1.2010 - Der unsägliche Schaden durch Mission - Nachfolger des Jesus von Nazareth bemühen sich, Vorbilder zu sein. Sie missionieren nicht / Verbrechen in Jemen: Hintergründe / Mord an Muslimin in Dresden führt zu Aufruhr in der islamischen Welt - Anlässlich der furchtbaren Ermordung von Rita Stumpp und Anita Grünwald in Jemen ist in kirchlichen Kreisen das Thema "Mission" wieder zur Sprache gekommen.

Mörderische Kreuzfahrer werden bis heue als "Selige" verehrt
Drohung vor einer angeblich ewigen Hölle als Mittel der Mission
Nachfolge Jesu: Vorbild statt Mission
Entführter Missionar in Jemen: "Betet, dass Moslem zum Glauben kommt"
Hilfe mit oder ohne Hintergedanken?
Die "evangelikale" Jesusfigur ist nicht der Mann, der einst in Nazareth lebte
"Man darf in diese Region nicht reisen"
Irak: Hunderte von Bibeln bereits im Kriegsgepäck?
Umgekehrte Vorzeichen: Der heimtückische Mord an einer Muslimin in Dresden
Deutschland: Kaum Einfühlungsvermögen in die arabische Seele
Staat sollte sich von Missionaren distanzieren und Kirche auffordern, Höllenlehre zu ändern

Mörderische Kreuzfahrer werden bis heute als "Selige" verehrt

In früheren Zeiten ging die Mission einher mit brutalen Kreuzzügen gegen islamische Länder, mit Zwangsbekehrungen, Verbrennungen Andersgläubiger und vielem Horror mehr. Zwar ist dies heute nicht mehr der Fall, und Ermordungen aus Glaubensgründen gibt es heute umgekehrt nicht selten durch fanatische Islamisten. Doch werden brutale kirchliche Gewalttäter aus diesen Zeiten bis heute teilweise als "Heilige" oder "Selige" verehrt (siehe dazu hier). Und anstelle von Mord ist in der Kirche heute vielfach der Rufmord gegenüber religiösen Minderheiten getreten (siehe Der Theologe Nr. 12). Und auch die Grundhaltung eines kirchlich Missionierenden hat weiterhin einiges Negative an sich: Wer missioniert, versucht den Nächsten von seinem Glauben zu überzeugen, ihn womöglich durch zweifelhafte Warnungen zu bedrängen, eventuell sogar zu überreden. Doch wer überzeugen möchte, ist in seinem Inneren in Wirklichkeit selbst nicht von dem überzeugt, was er anbietet.

Drohung vor einer angeblich ewigen Hölle als Mittel der Mission

Und dies kann im Hinblick auf das kirchliche Christentum auch gar nicht anders sein, denn die Seele spürt intuitiv, dass dort vieles nicht stimmt. Kirchliche und vor allem so genannte "evangelikale" (= überzeugt evangelische) Missionare versuchen etwa, die Lehre von einem angeblich zornigen "Gott" zu verbreiten, dessen Zorn auf die sündigen Menschen jedoch durch ein angebliches "Sühnopfer" seines Sohnes Christus gesühnt worden sein soll (siehe dazu Starb Jesus einen Sühnetod?). Dies wäre nun seine "Liebe". Doch wer dieses angebliche "Geschenk" nicht annehmen möchte, obwohl er es kennt, sich also nicht auf diese Weise "retten" lassen möchte, der müsse nach seinem Tod in eine ewige Hölle, so diese Lehre, die man bestimmten Aussagen der Bibel entnimmt (vgl. "Der Theologe Nr. 19" - Es gibt keine ewige Verdammnis - auch nicht in der Bibel). Diese furchtbare Lehre erklärt den Druck, missionieren zu müssen, den viele "evangelikale" Christen verspüren. Was durch diese Lehre jedoch schon für Schäden in den Seelen von Menschen entstanden sind, kann kaum in Worte gefasst werden. Und auch die beiden Getöteten haben dies wahrscheinlich geglaubt. So heißt es im Bekenntnis ihrer Bibelschule in Brake bzw. Lemgo z. B.: Wir glauben, "dass die Ungläubigen zur ewigen Verdammnis" "auferstehen werden" (http://www.heise.de/tp, 25.6.2009).

Nachfolge Jesu: Vorbild anstatt von Mission

Die Nachfolge des Jesus von Nazareth ist jedoch etwas anderes, nämlich im Wesentlichen das Leben nach den Zehn Geboten und der Bergpredigt. Und Nachfolger des Jesus von Nazareth missionieren nicht. Sie bemühen sich stattdessen, in ihrem Alltag Vorbilder im praktischen Leben zu sein. Sie glauben nicht, dass ihre Nächsten ebenso denken oder glauben müssen wie sie, und sie achten deren Freiheit. Wenn darauf hin Menschen auf sie zukommen und nach ihrem Glauben fragen, dann geben sie Auskunft. Doch sie achten darauf, wenn möglich nur so viel mitzuteilen, wie sie selbst schon an Positivem verwirklicht haben. Und sie sagen nur das, von dem sie glauben, dass der Nächste es auch verstehen kann. An den satanischen Unsinn einer ewigen Verdammnis glauben sie nicht. Und auch nicht an einen Gott, der seinen Sohn als angeblich blutiges menschliches "Sühnopfer" für die Sünden der Menschen bestimmt haben soll - ein Glaube, der von der Kirche aus grausamen antiken "Götzenkulten" übernommen wurde. Deshalb sind manche Moslems, die Jesus als Propheten anerkennen und einiges von dem tun, was er lehrte, ihm unter Umständen auch viel näher als Kirchenchristen, welche die Botschaft des Christus mit dem "heidnisch-katholischen" Sühnopfer-Blutkult vermischen und dabei letzeres auch noch als angeblich wichtiger erachten (im Gegensatz z. B. zum Gleichnis vom Weltgericht in Matthäus, Kapitel 25). Deshalb führt diese Art der Mission auch eher weg von Jesus, dem Christus, als zu ihm hin.

Entführter Missionar im Jemen: "Betet, dass Moslem zum Glauben kommt"

Zum aktuellen Anlass: Über einen Missionsversuch des in Jemen entführten deutschen Familienvaters berichtet Spiegel online wie folgt: "Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes hat Erkenntnisse, wonach aufgebrachte Muslime den deutschen Techniker Johannes H. bedrohten und aufforderten, seine Missionierungsversuche einzustellen. Der Mann aus Sachsen schilderte den Zwischenfall in einem Rundbrief an Freunde in Deutschland. Er habe in einem Teehaus in Saada einen Muslim kennen gelernt und mit ihm spirituelle Gespräche geführt. ´Außerdem`, berichtete Johannes H., ´ermutigte ich ihn, die Bibel zu lesen.` Nach einiger Zeit sei allerdings der Bruder des Mannes in dem Krankenhaus in Saada erschienen, in dem Johannes H. und seine Frau Sabine arbeiteten, und habe ihm gedroht, ihn bei den geistlichen Autoritäten anzuzeigen. Der Missionsversuch, habe der Mann zu H. gesagt, sei bereits Diskussionsthema in den Moscheen. Offenbar schenkte der Vater von drei kleinen Kindern der Warnung aber wenig Beachtung. ´Betet für seinen Glauben`, bat Johannes H., ´und dass er tatsächlich zum Glauben kommt und Jesus als seinen Herren annimmt`" (20.6.2009). Würde also Johannes Henschel tatsächlich einen Moslem aus der Männergemeinschaft in der Moschee in Saada heraus missionieren können?

Mit dieser Familie von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen waren nun die beiden russlanddeutschen Frauen unterwegs, als sie ermordet wurden. Beide hatten in demselben christlichen Krankenhaus als Praktikantinnen gearbeitet, in dem auch Johannes Henschel (oder: Hentschel) angestellt war. Und vermutlich wussten Rita Stumpp und Anita Grünwald nicht, dass Johannes Henschel schon massiv von strengen Moslems beargwöhnt wurde. Und auch über die beiden Frauen heißt es weiter bei Spiegel online: "Auch in den Hinterlassenschaften der von den Entführern erschossenen deutschen Frauen Rita S. und Anita G. aus dem westfälischen Lemgo fanden die Ermittler Missionsschriften."

Hilfe mit oder ohne Hintergedanken?

Und während bei den Angehörigen der beiden getöteten Frauen wohl noch der sehr große Schmerz im Vordergrund steht, werden sie von Außenstehenden schon annähernd zu Märtyrerinnen erklärt. So heißt es z. B. in einem evangelischen Leitartikel: "Hier fallen einem nur noch die Worte Jesu ein: ´Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen`" (idea-spektrum Nr. 26/2009). Zwar haben die jungen Frauen nur "helfen" und niemandem schaden wollen, wie es heißt. Doch grundsätzlich gefragt: Was ist wirkliche Hilfe und wo wird vielleicht sogar mehr Schaden angerichtet? Und ob das Verteilen oder das Liebäugeln mit dem Weitergeben von evangelischen Bibel- oder Missionstraktaten im Jemen dem Willen von Jesus entspricht? Dies sollte auch im "evangelikalen" Umfeld zumindest einmal angezweifelt werden. Und ob in solchen Ländern das "Helfen" von angeblich "tiefgläubigen" Christen schließlich selbstlos im Sinne des Jesus von Nazareth erfolgt, oder ob eben doch gezielte missionarische Hintergedanken die eigentliche Motivation sind, sei einmal dahin gestellt. Dies hängt natürlich auch vom Einzelnen ab, und darüber wird hier nicht geurteilt. Sicher scheint jedenfalls, dass die einheimischen Demonstranten bei der Kundgebung gegen die Mörder im Jemen das praktische Tun im Krankenhaus schätzen, nicht eventuelle missionarische Hintergedanken der dort Beschäftigten. Und nahe liegend ist auch, dass durch die westlich-evangelische Mission in arabischen Ländern auch die Sicherheitslage für westliche Ausländer verschlechtert wird, die mit Mission nichts zu tun haben. Und dass das Krankenhaus, das offenbar hauptsächlich aus missionarischen Gründen betrieben wurde, jetzt aus Sicherheitsgründen geschlossen hat, ist besonders tragisch für die Menschen, die dort dankbar medizinische Hilfe erfahren haben ohne dass sie sich missionarisch bedrängt fühlten. Und das früher dort beschäftigte und entführte Ehepaar Henschel aus Sachsen soll nach Angaben der Regierung in Jemen weiter in der Gewalt von Huthi-Rebellen sein und dort die islamistischen Krieger medizinisch betreuen (Spiegel online, 7.1.2010).

Die "evangelikale" Jesusfigur ist nicht der Mann, der einst in Nazareth lebte

Eine deutliche Antwort auf die Frage nach Motiven für angebotene Hilfe gibt die "evangelikale" Missionsgemeinschaft Weltweiter Einsatz für Christus (WEC), die wiederum mit dem Hilfswerk Worldwide Services zusammenarbeitet, welches das betreffende Krankenhaus in Jemen betrieb (idea-spektrum Nr. 26/2009), welches nach den Morden jetzt geschlossen hat und seine weiteren Mitarbeiter evakuierte. Als Ziele sind hier unter anderem formuliert: "Das Evangelium von Jesus Christus zu den noch verbleibenden unerreichten Volksgruppen bringen, und zwar mit äußerster Dringlichkeit" und: "Menschen zu kulturübergreifender Mission inspirieren, mobilisieren und trainieren" (http://www.wec-int.de). Nur: Ist diese Art von "Evangelium" denn wirklich das, was Jesus, der Christus wollte? In der Regel nein. Stattdessen hat man im kirchlichen Umfeld die Botschaft von Jesus durch die Lehre des Paulus (siehe dazu Der Theologe Nr. 5) und vor allem durch heidnische Sühnopfer-Blutkulte und die darauf aufbauenden kirchlichen Lehren (siehe dazu Der Theologe Nr. 25) unterwandert, verfälscht und letztlich ersetzt. In einem Leserbrief in der Zeitschrift idea-spektrum interpretiert ein "Missionsarzt in einem islamischen Gebiet" die Tat der beiden jungen russlanddeutschen Frauen wie folgt: Sie hätten "aus Liebe zu Jesus und den Menschen im Jemen ihr Leben riskiert" (idea-spektrum Nr. 28/2009). Damit spricht er aus, dass die beiden bewusst ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Allerdings leider für den falschen Jesus der Institutionen Kirche.

"Man darf in diese Region nicht reisen"

In Jemen ist der Islam Staatsreligion, und kirchliche Mission ist zudem verboten. Sind kirchliche oder "evangelikale" Missionare bzw. Helfer dennoch hier und da "erfolgreich", was Johannes H. gemäß Spiegel online im Hinblick auf seinen islamischen Gesprächspartner ja erhoffte (siehe oben), würden sie vermutlich in ihren Ursprungskirchen oder -gemeinden deswegen hoch angesehen. Denn sie hätten eben dafür zuvor sehr große Risiken und Gefahren, ja sogar Lebensgefahren auf sich genommen. Und so sagte der frühere deutsche Staatssekretär Jürgen Chrobog auch zum Ort der brutalen Ermordungen: "Man darf in diese Region nicht reisen, man darf sich in dieser Region nicht aufhalten. Das ist hier schlicht ignoriert worden" (idea-spektrum Nr. 26/2009). Und
Doch sind Reisewarnungen der Bundesregierung wohl wirkungslos, wenn sich der Betroffene von "Gott" in das Land gesandt fühlt. So schreibt idea-spektrum z. B. von einer 18jährigen Abiturientin, die zu einem Hilfseinsatz nach Myanmar, wo eine Militärdiktatur herrscht, aufbricht. Sie wäre angeblich von Gott auf dieses Land aufmerksam gemacht worden (Nr. 27/2009). Und auch der "evangelikale" Ex-US-Präsident George W. Bush wurde angeblich von "Gott" gebeten, die Kriege gegen in Afghanistan und den Irak zu beginnen. Haben wir heute also wirklich eine so völlig andere Zeit als in früheren Jahrhunderten?
Doch was heißt "von Gott"? Rita Stumpp und Anita Grünwald wurden in ihrer Bibelschule Brake e.V. in Lemgo für das Krankenhaus in der Krisenregion Jemen begeistert. Und wer trägt dann die Verantwortung, wenn ein Vertreter dieser Einrichtung in der Bibelschule Brake e.V. einen solch motivierenden Vortrag hält, dass zwei Studentinnen im Anschluss daran sagen: "Da möchten wir hin"? Die Bibelschule Brake e.V. hatte also anerkannte Praktikumsplätze in einer Region in ihrem Ausbildungsprogramm, für die die Regierung massive Reisewarnungen ausgesprochen hat.

Irak: Hunderte von Bibeln bereits im Kriegsgepäck?

PS: Zum Thema Mission im Irak: Bereits wenige Tage nach dem gewaltsamen Sturz des sunnitischen Moslems Saddam Husseins durch die überwiegend von Kirchenchristen regierten USA verfrachteten westliche Bibelgesellschaften gleich Tausende von Bibeln ins Land, so dass man den Eindruck erhielt, die ersten Bibeln gehörten gar zum "Kriegsgepäck".  Doch die gefeierte "Befreiung" wurde zum Bumerang. Der Krieg und die nachfolgende Gewalt forderten Tausende von Opfern. Und Christen und Kirchenmitglieder fliehen mittlerweile zu Tausenden aus dem Irak.
Siehe dazu unsere Meldungen vom 19.5.2009 und vom 14.12.2008.

Doch die Missionsbestrebungen gehen weiter: Bei der Trauerfeier für Rita Stumpp und Anita Grünwald in ihrer Heimatgemeinde, der baptistischen Immanuelgemeinde in Wolfsburg, nahm auch die Generalsekretärin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinde, Regina Claas, Stellung zur Mission. Im Evangelischen Sonntagsblatt heißt es dazu: "Der kirchliche Missionsauftrag werde nicht hinterfragt. Die Frage nach der Sicherheit in Krisengebieten sei allerdings zu stellen" (28.6.2009).
 
Über Hardliner schreibt dabei der Humanistische Pressedienst am 17.12.2009: "
Ein Newsweek-Artikel  [http://www.newsweek.com/id/202734] zeigt, wie wichtig dieses Vorhaben [Missionierung] weiterhin ist. US-Militärs hatten im Krieg gegen den Terror christliche Missionierung betrieben. Der höchste Militärgeistliche in Afghanistan gab die Parole ´Hunt People for Jesus` [= Jagt Leute für Jesus] aus" (http://hpd.de/node/8478), wobei der Militärpfarrer für den gefälschten evangelischen Jesus "jagt" und nicht für Jesus von Nazareth, wie er wirklich war. Kein westlicher Politiker kann sich also beschweren, wenn islamische Politiker sich in diesem Zusammenhang über einen neuen "Kreuzzug" beklagen, der zwar nicht offiziell ist, der jedoch praktisch ein Teil-Aspekt dieses Kriegsgeschehens darstellt.

Umgekehrte Vorzeichen: Der heimtückische Mord an einer Muslimin in Dresden

PS: Während manche deutsche Medien noch die fehlende Religionsfreiheit im Jemen kritisierten und darauf hinwiesen, dass bekennende Muslime umgekehrt in Deutschland angeblich gefahrenlos missionieren dürften, passierte in Dresden ausgerechnet ein Mord mit fast umgekehrten Vorzeichen. Der 28-jährige russlanddeutsche Alex W. hat die schwangere Ägypterin Marwa El Sherbini vor den Augen ihres dreijährigen Kindes im Gerichtsgebäude erstochen und ihren Ehemann lebensgefährlich verletzt. Im Vorjahr hatte er sie wegen ihres Kopftuchs bereits als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft, die in Deutschland kein Lebensrecht hätte. Darauf hin wurde er wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, über die nun in Berufung verhandelt wurde. Dabei hatte Alex W. vor seinem geplanten Mord sein späteres Opfer im Gerichtssaal offenbar zunächst weiter beleidigt, ohne dass jemand die drohende Gefahr erkannte und darauf hin die Sicherheitsmaßnahmen für die Bedrohten verstärken ließ: "Ich finde es nicht in Ordnung, dass diese Monster nach dem 11. September nicht rausgeschmissen wurden", so drohte der Täter, den man zuvor auch nicht auf mögliche Waffen durchsucht hatte, schon während der Verhandlung, an deren Ende er dann den brutalen Mord an der Frau beging, die er für eines der "Monster" hielt (Focus online, 11.7.2009).
Auch andere Frauen mit Kopftuch berichten vielfach von Anfeindungen in der Öffentlichkeit. Für muslimische Frauen im öffentlichen Dienst ist in acht vom kirchlichen Christentum geprägten westdeutschen Bundesländern das Kopftuch verboten (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Berlin und Bremen), während kirchliche Nonnen in Amtstracht willkommen sind, obwohl diese das Erscheinungsbild der Frau viel extremer verändert als das muslimische Kopftuch. Und die Mutter der Ermordeten
"erklärte, ihre Tochter habe Schwierigkeiten gehabt, in Deutschland einen Job zu finden, weil sie die traditionelle Kopfbedeckung trug" (Spiegel online, 7.7.2009).

Deutschland: Kaum Einfühlungsvermögen in die arabische Seele

In Alexandria in Ägypten wurde die Ermordete, eine ehemalige Handball-Nationalspielerin, zunächst mit einem Protestzug von weit über 1.000 Menschen beigesetzt, die teilweise "Nieder mit Deutschland" riefen und "Vergeltung" forderten (Sächsische Zeitung, 6.7.2009). "Es gibt keinen Gott außer Gott, und die Deutschen sind die Feinde Gottes", sangen die Menschen (Spiegel online, 7.7.2009). Es ist nicht klar, wie vielen Trauernden in diesen Momenten bewusst war, dass der deutsche Staat den heimtückischen Mord ebenfalls verurteilt. Auf der anderen Seite wird der Mord auch von fanatischen Islamisten ausgenützt, die selbst vor bestialischen angeblichen "Ehrenmorden" an Familienmitgliedern nicht zurückschrecken würden.
Doch so wie die beiden in Jemen ermordeten russlanddeutschen Missionsschülerinnen verschiedentlich als "Märtyrerinnen" gelten (siehe oben), so gilt auch die Muslimin Marwa El-Sherbini bereits in allen Schichten des Islam als "Märtyrerin", "denn sie wurde wegen ihrer Religion getötet" (Welt, 6.7.2009).
Die Empörung führte zu Kettenreaktionen und zur Aufruhr-Stimmung gegen Deutschland, vor allem wegen der anfänglich und teilweise auch späteren mangelnden Anteilnahme der deutschen Politiker und deren Versuch, die Tragweite des Mordes zu ignorieren, indem man von einem Verbrechen eines "Einzeltäters" sprach. So haben die deutschen Politiker nicht annähernd erfasst, was es bedeutet, dass der Mord im geschützten staatlichen Rahmen, in einem Justizsaal passierte. Damit ist die Verantwortung Deutschlands gegeben und auch eine Schutzpflicht. Und wenn man den Mord schon nicht habe verhindern können, weil man die Aggressivität des Täters völlig falsch einschätzte, dann hätten die Politiker anschließend die Tragweite wenigstens nicht klein reden dürfen. Und dass der Schuss des Polizisten auch noch den Ehemann traf statt den Täter, auch darauf hätten die Politiker nicht so Achsel zuckend reagieren dürfen. Es war ein Symbol dafür, dass hier offenbar einiges grundsätzlich verkehrt läuft, und dies wurde in der arabischen Welt auch so gesehen. So folgten immer wieder Demonstrationen und anti-deutsche Unruhen in Ägypten und anderen arabischen Ländern oder auch im Iran. Und in Pakistan brannten sogar schwarz-rot-goldene Fahnen.
Aktualisierung [November 2009] - Die Frage ist, was gar passiert wäre, wenn der Mörder mildernde "Umstände" bekommen hätte wegen von Psychologen diagnostizierter "frühkindlicher Defizite" oder weil er vielleicht kurz zuvor Alkohol getrunken hatte. Tatsächlich versuchten seine Anwälte später, eine anscheinend einst in Russland diagnostizierte schizophrene Störung strafmindernd geltend zu machen. Doch die Richter verurteilten den uneinsichtigen Täter dennoch zu lebenslanger Haft.

Staat sollte sich von Missionaren distanzieren
und Kirchen auffordern, ihre Höllenlehre zu ändern

Das muslimische Ehepaar wollte während der Zeit ihres Stipendiums in Deutschland nur in Frieden ihrer Arbeit nachgehen und hatte keine islamisch-missionarischen Motive gegenüber Deutschen.
Über die Konfession des Mörders bewahren die Medien Stillschweigen, doch ist ein fanatischer kirchlich geprägter Glaube nahe liegend. So schrieb er dem Gericht, der Islam sei "eine gefährliche Religion" und das muslimische Kopftuch eine "Unterwerfung ... vor Satan" (Bild, 27.10.2009). Wer so redet, ist seinerseits religiös geprägt und zündelt vor einem Pulverfass. Auch deshalb sollten kirchliche deutsche Missionare in islamischen Ländern, die den Islam ebenfalls teilweise mit Satan in Verbindung bringen, in keiner Weise von der deutschen Regierung unterstützt werden.
 
Und wer kann schon garantieren, ob nicht auch die Presseberichterstattung über die Morde an den beiden russlanddeutschen Frauen in Jemen und die Entführung des Ehepaares Henschel und seiner Kinder beim Mörder Alex W. ein zusätzlicher großer Tropfen Öl ins Feuer war, der seine Aggressionen gegenüber dem Islam noch einmal steigerte. Das in Jemen noch immer nicht gefundene entführte Missionarsehepaar Johannes und Sabine Henschel und seine drei Kinder stammen ja ebenfalls aus Sachsen, aus Lauske bei Bautzen, und sie erfahren gerade in Sachsen, wo auch der Täter lebte, sehr große öffentliche Anteilnahme.

Auch sollte die Bundesregierung die beiden Institutionen Kirche im Sinne der Völkerverständigung zu einer Änderung ihrer Lehre auffordern, so dass in Zukunft auch Muslime, welche die Kirche gut kennen, später wegen ihres Glaubens nicht mehr angeblich in eine ewige Hölle müssen (siehe dazu z. B. hier). Denn wenn sich die deutsche Bevölkerung zurecht darüber empört, dass der Mörder Alex W. dem Opfer und seiner Familie das Lebensrecht in Deutschland absprach, dann sollte es genauso empörend sein, dass die beiden moralischen Großinstitutionen Kirche den "Himmel" später nur für ihresgleichen beanspruchen, während die anderen angeblich ewig grausam leiden müssen. Denn hier liegen wesentliche geistesgeschichtliche Wurzeln für jede Art von Ausgrenzung. Außerdem würde auch der "Missionsdruck" bei überzeugten Kirchenanhängern wegfallen, wenn auch überzeugte Moslems nach kirchlicher Lehre in den "Himmel" kommen können, so wie es umgekehrt auch möglich ist: Nach islamischer Lehre könne nämlich auch ein Christ aufgrund seiner guten Taten später ins Paradies eintreten (PS: Bei den Übeltätern werden Moslems gemäß islamischer Lehre jedoch bevorzugt - ein Glaube, der in einem weltanschaulich neutralen Staat ebenfalls nicht gefördert werden darf, auch wenn die Kirchenlehren um einiges schlimmer sind: Denn demnach kommen Verbrecher mit "korrekt" kirchlichem Glauben sogar allein aus Glauben in den Himmel, während moralisch tadellose Andersgläubige mit vorbildlichem Charakter in die Hölle müssen; siehe dazu Der Theologe Nr. 19).
Geht die Kirche jedoch nicht auf diese Aufforderung ein, sollte die Regierung - als Zeichen des guten Willens gegenüber allen gesetzestreuen Religionen und als Zeichen der Völkerverständigung - der Kirche sofort alle Privilegien und Subventionen streichen.
 



17.7.2009 - Der Muezzin von Köln und die Totenglocke von Bad Königshofen / Konfessionslose in Deutschland in der Mehrheit - In Deutschland sind mittlerweile 29,9 Millionen Menschen konfessionslos. Das ist die Mehrheit. Demgegenüber gibt es noch 25,5 Millionen Katholiken und 24,8 Millionen Protestanten (idea-spektrum Nr. 29/30/2009; Stand: 2007; Tendenz weiter steigend zugunsten der Konfessionslosen). Und in sehr vielen Städten ist das Verhältnis noch weit deutlicher zugunsten der Konfessionslosen. Dennoch betrachten es die Kirchen weiterhin als "selbstverständlich", mit ihrem Glockengeläute das öffentliche Leben akustisch bestimmen zu können. Umgekehrt ruft der Bau einer Großmoschee in Köln massiven Widerstand hervor.

Dazu schreibt die römisch-katholische Publizistin und ehemalige Lehrbeauftragte an der Freien Universität Berlin Dr. phil. Astrid Meyer-Schubert wie folgt: "Ist Europa vom Christentum und von der Aufklärung geprägt, so lässt es sich innerhalb dieses Europas (oder in diesem speziellen Fall Deutschland) nicht in enger Nachbarschaft mit einer alles überragenden Moschee und zwei Minaretten leben, von denen aus die Muezzin fünfmal täglich Muslime und Musliminnen zum Gebet rufen. Der Islam fordert ganz andere Zeitrhythmen und Lebenszusammenhänge als unser Kulturraum es ihm bieten kann. Die deutschen und europäischen Anwohner wiederum werden sich fünfmal am Tag in ihren Tagesabläufen gestört fühlen, was unabsehbare Aggressionen hervorrufen wird" (Die Neue Ordnung Nr. 3/2009; http://www.die-neue-ordnung.de/).

Hier fehlt die Sensibilität dafür, dass z. B. die weltanschaulich neutrale Stadt Köln die beiden gespenstischen übergroßen Türme des mittelalterlichen römisch-katholischen Kölner Domes sogar als ihr Wahrzeichen betrachtet. Und auch im Wappen des 1. FC Köln sind die beiden Türme als Symbole verewigt, obwohl dort auch Protestanten, Muslime und Konfessionslose Mitglieder sind (http://de.wikipedia.org/wiki/1._FC_K%C3%B6ln). Und wenn man bedenkt, wie viele Menschen unterhalb des Domes in vergangenen Jahrhunderten als "Ketzer" auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, dann ist es schon befremdlich, wenn man ausgerechnet dann von "unabsehbaren Aggressionen" spricht, wenn in Köln der Muezzin zum Gebet rufen würde. Wie wäre es, wenn die Kirchenchristen in der Umgebung der Moschee den Ruf des Muezzin gelegentlich nützen würden, um für einen kurzen Augenblick innezuhalten anstatt neue Aggressionen aufzubauen? Und um sich bewusst zu machen, dass Gott, der alles Leben durchströmt, auch in ihrer Seele der unermüdliche Helfer und Mahner zum Guten ist? Denn auf das hohle kalte Läuten ihrer Kirchenglocken hören die meisten ja schon lange nicht mehr. Und es löst bei vielen Menschen auch depressive Verstimmungen aus.

Doch vielleicht ahnen die Katholiken etwas von dem, was jetzt in der unterfränkischen Stadt Bad Königshofen geschah. Die Totenglocke der Kirche hat einfach nicht mehr aufgehört zu läuten. Ein technischer Defekt, wie sich später heraus stellte. Doch gleichzeitig ein Symbol für die Zukunft derer, die Jahrhunderte lang ein Blutbad in dieser Welt anrichteten und dabei auch noch den Namen des Jesus, des Christus, missbrauchten und missbrauchen
(
http://www.mainpost.de/lokales/rhoengrabfeld/Kirchenglocke-gibt-keine-Ruhe-Polizeieinsatz;art767,5211129; vgl. Der Theologe Nr. 25).
 



1.12. / 4.12.2009 - Kein Minarettbau mehr in der Schweiz - Werden bald auch die Kirchenglocken schweigen? - Die überwiegend kirchenchristlichen Schweizer (41 % römisch-katholisch, 42,5 % evangelisch einschließlich der so genannten "Freikirchen") mobilisierten ihre alten mittelalterlichen Instinkte und entschieden in einer Volksabstimmung, die Religionsfreiheit ein Stück weit einzuschränken und die Muslime zu diskriminieren, indem man ihnen nicht mehr erlaubt, neue Minarette zu bauen. Bereits das Plakat war manipulativ diskriminierend: wie Atomraketen in Stellung gebrachte viele Minarette, so dass die Schweizer Flagge darunter kaum mehr erkennbar ist, davor eine ganz in schwarz gehüllte vermummte Gestalt, um die Ängste und niederen Instinkte der überwiegend kirchenchristlichen Bevölkerung anzuheizen.
Zwar könnte man argumentieren, dass in manchen islamisch geprägten Ländern Andersgläubige oft noch rigoroser diskriminiert oder gar verfolgt werden, aber es zählt ja zu den ethischen Grundsätzen einer demokratischen Gesellschaft, sich nicht diejenigen als Beispiel zu nehmen, welche Menschen- oder Bürgerrechte noch weniger beachten.
Doch es gibt noch weitere Überlegungen: Die Moscheen in Europa sind in der Regel voll, und die Mehrheit der Muslime hält sich auch an die täglichen Gebetszeiten, die der Muezzin vom Minarett aus ausruft. Die Minarette erfüllen also ihren Zweck für die Gläubigen. Völlig anders bei den Kirchenchristen: Die Kirchen sind überwiegend gähnend leer. Und läuten die Glocken der Kirche eines bestimmten Stadtteils, um die dort wohnenden Kirchengläubigen zu den üblichen Gottesdiensten zu rufen, kommen vielleicht 1 % der Betroffenen, wenn überhaupt (spezielle Gottesdienste wie Heilig Abend ausgenommen). Und läuten die Kirchenglocken zu irgendwelchen Tageszeiten eine kirchliche "Gebetszeit" ein, hält sich meist nicht einmal mehr der Pfarrer daran. Manchmal reißen die Glocken auch die Menschen aus dem Schlaf, sei es durch den hohlen kalten Glockenschlag nachts oder durch das laute Morgenläuten um 6.00 Uhr in der Frühe, so dass immer mehr Klagen wegen Ruhestörung durch ein längst ins Leere gelaufenes kirchliches Brauchtum anhängig sind, das unzählige Menschen zudem depressiv verstimmt. Die Kirchenchristen könnten also viel leichter auf ihre Kirchtürme verzichten als die Moslems auf ihre Minarette. Und die "handverlesenen" vom Glockengeläut herbei gerufenen Kirchenchristen sind gegenüber den Moslems, die sich am Muezzin auf dem Minarett orientieren, eine winzige Minderheit.
So würde es schon der Anstand gebieten, dass die Kirche von sich aus auf einen Großteil ihre Glockenzeremonien verzichtet, nachdem ihre Anhänger umgekehrt die Moslems jetzt per Gesetz dabei behindern, ihr tägliches Gebet pünktlich verrichten zu können.
Oder bricht hier einfach einmal mehr das im Kern antidemokratisch eingestellte Kirchenchristentum durch, in dem die Menschen glauben müssen, dass alle Menschen sich dem Papst unterwerfen müssen oder dass nur der korrekt evangelische Glaube zum Seelenheil führt? Für diesen Glauben ist der Muezzin natürlich eine Bedrohung und das geistig tote und mit diffusen Ängsten indoktrinierte Kirchenchristentum reagiert auf religiöse Alternativen einmal mehr mit einem Verbot. Und auch der dunkle Geist Martin Luthers, der einst zum Morden der türkischen Kriegsgegner aufrief, um das kirchliche Abendland vor dem Islam zu schützen, scheint noch nicht gebannt. Die konservativen Kirchenchristen scheinen auf jeden Fall im übertragenen Sinn "Blut geleckt" zu haben. In der Euphorie des Minarettbauverbots planen jetzt auch Politiker der am stärksten kirchlich orientierten Schweizer Christdemokraten als nächstes das Burkaverbot für Musliminnen, auch wenn diese eine Burka freiwillig tragen möchte (Frankfurter Rundschau, 4.12.2009). Sie könnten sich dann nur noch als vermummte katholische Nonnen tarnen.

PS: Zu einem anderen Thema: Was die Bestialität der Menschen gegenüber den Tieren betrifft, könnte gerade der Westen, wo unzählige Informationen zu diesem Thema öffentlich für alle zugänglich sind, durch eigenes Vorbild vieles dazu beitragen, dass sich auch die Situation der Tiere in islamischen Ländern bessert. Stattdessen übertrifft jedoch das kirchliche Weihnachten an Grausamkeiten gegenüber den Tieren den Umfang der Grausamkeiten gegenüber Tieren in anderen Ländern und Religionen.
 



11.4.2010 - Zwei Muslime verhaftet, nachdem sie in katholischer Kathedrale gebetet haben - Das evangelische Magazin idea-spektrum schreibt in seiner Ausgabe Nr. 14/2010 u. a.: "Für einen Eklat haben junge Muslime aus Österreich in der katholischen Kathedrale von Cordoba in Südspanien - einer ehemaligen Moschee - gesorgt. Sechs von 118 jungen Männern einer Reisegruppe sprachen am 31. März in der Kirche ein muslimisches Gebet, was dort verboten ist ... Nach den Worten ihres Sprechers Alexander Osman (Linz) waren Mitglieder der Reisegruppe von der Atmosphäre der Kathedrale so überwältigt, dass sie sich zu einem spontanen Gebet entschlossen hätten. Keinesfalls habe man damit die religiösen Gefühle der Katholiken verletzen wollen ... Die Kathedrale von Cordoba ... wurde im 8. Jahrhundert ... von den Mauren als damals größte und wichtigste Moschee der westlichen Welt gebaut - auf den Grundmauern der katholischen Kathedrale aus dem 5. Jahrhundert. Nach der Wiedereroberung des Gebietes durch die Spanier wurde die Moschee 1236 erneut zur Kathedrale geweiht."
Die Diözese Cordoba lehnt seit mehreren Jahren den Wunsch muslimischer Organisationen ab, die Kathedrale auch wieder als Moschee nutzen zu können. Die beiden verhafteten Muslime wurden zuvor in Handgreiflichkeiten mit dem katholischen Wachpersonal verwickelt, welches die Moslems aufgefordert hatte, ihr dort verbotenes Gebet sofort zu beenden. Nach zwei Tagen wurden sie wieder aus der Haft entlassen. Die Katholiken rechtfertigen ihre ablehnende Haltung damit, dass sie ja auch nicht in Moscheen im Mittelmeerraum, die früher einmal Kirchen waren, katholische Messen lesen dürfen.
Mit Jesus von Nazareth hat der Katholizismus und das Verhalten der Katholiken jedoch nicht das Geringste zu tun.

 

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 36, Kirche, Christentum und Islam, Wertheim 2007, zitiert nach http://www.theologe.de/kirche_islam.htm, Fassung vom 7.8.2010

 

Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer interessanter Texte.
Alle Theologen-Ausgaben finden Sie auf der Startseite [ www.theologe.de ]
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[ 1 - Luther-Evangelische Lehre ]  [ 2 - Reinkarnation ]  [ 3 - Luther-Christus ]  [ 4 - Kirche-Holocaust ]
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