Die lebenden Weihnachtsbäume
Eine Weihnachts- bzw. Bethlehem-Geschichte für Kinder und Erwachsene


Die drei Geschwister Thomas, Sara und Benni haben ihr erstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr schon einige Tage vor dem Heiligen Abend erhalten. Gerhard und Marion, die Eltern der Kinder, haben nämlich entschieden, dass die Kinder in diesem Jahr den Weihnachtsbaum für das Wohnzimmer aussuchen dürfen - und nicht, wie sonst üblich, der Vater. Und das Besondere dabei ist: Sie dürfen sich den "Christbaum", wie er auch genannt wird, sogar direkt im Wald holen. Denn der Förster ist der Bruder von Vater Gerhard, es ist Onkel Martin. Und der Onkel hat versprochen, jeden Baum zu fällen, den sich die drei Geschwister wünschen, und wenn es der schönste Baum des ganzen Waldes ist. 

Der Sturm auf die Fichtenschonung

Und so kommt der Tag, an dem die drei Kinder, Thomas, Sara und Benni, mit Martin, ihrem Onkel, und dessen Hündin Luzy in den Wald fahren. Dort angekommen, stürmen Sara und Benni gleich auf die nahe Fichtenschonung zu, wo die Bäume vor vielen Jahren enger gesetzt und mit einem kleinen Zaun umgeben wurden, weil schon geplant wurde, irgendwann Weihnachtsbäume aus ihnen zu machen. Doch Thomas, der Dritte im Bunde, ist schon den ganzen Tag über nachdenklicher als sonst, und ihm scheint es heute nicht so gut zu gehen, was seine beiden Geschwistern aber nicht weiter bemerken. 

Am Eingang des Waldes. Zwei mächtige Fichten begrüßen die Waldbesucher

Schnell haben Sara und Benni einige Fichten in Wohnzimmerhöhe gemustert, und nach einigem Hin- und Her-Prüfen zeigen sie beide mit den Händen auf eine sehr schön gewachsene Fichte am Rand der Schonung. "Diesen Baum möchten wir haben," rufen Benni und Sara mit freudigen Augen. Doch Thomas zögert: "Ich weiß noch nicht."
"Willst du noch etwas weitersuchen?", fragt ihn Förster Martin. Doch Thomas ist nicht zum Suchen zu Mute. Schon den ganzen Tag scheint ihn innerlich etwas zu beschäftigen, doch er hat noch mit keinem darüber gesprochen. Jetzt kann er aber seine Gedanken nicht weiter für sich behalten: "Dieser schöne Baum ist dann aber ein sterbender Baum, wenn wir ihn gefällt haben", wendet er ein. Seine beiden Geschwister sind irritiert und auch Onkel Martin schaut erstaunt.

 

Nach dem Weihnachtsfest werden die Nadeln gelb und fallen ab
 

"Wie? Sterbender Baum? Das ist doch normal", entgegnet Benni. Und Sara ergänzt: "Bis Weihnachten und noch länger ist es doch noch ein kräftiger Baum. Erst später wird er dann gelb."
"Eben, aber sein Todeskampf beginnt schon jetzt, wenn wir ihn fällen und mitnehmen. Bis er dann gestorben ist", antwortet Thomas, und sein Einwand führt zu betretenen Gesichtern.
"Na, ja", überlegt Onkel Martin, der ein gütiges Herz hat und bei allen Kindern beliebt ist. "So ganz Unrecht hat euer Bruder nicht. Der Baum stirbt dann schon ziemlich schnell. Denn wenn das Weihnachtsfest vorbei ist, wird er ja nicht mehr gebraucht. Und er hat ja dann auch keine Wurzeln mehr, so dass dann die Nadeln erst gelb werden und dann abfallen. Man kann den Baum aber noch verbrennen, wenn man ihn nicht wegwerfen will. Das gibt noch ein schönes warmes Lagerfeuer. Das habe ich schon manchmal so gemacht."

Doch: Wegwerfen? Verbrennen? Den schönen Weihnachtsbaum? An so etwas hatte Sara bis dahin überhaupt noch nicht gedacht. Und auch ihr kommen nun Zweifel: "Tut das dem Baum eigentlich weh, wenn man ihn fällt?" fragt Sara zögerlich ihren Onkel, den Förster.
Der Onkel überlegt kurz: "Ich bin zwar Förster. Aber das weiß ich ehrlich gesagt nicht", und er fährt mit etwas kräftigerer Stimme fort: "Ich habe jedenfalls noch keinen Baum schreien hören. Es ist eben ein Baum und nicht ein Mensch oder ein Tier, die uns mitteilen können, wenn sie Schmerzen haben."
Als sein Onkel das gesagt hat, wird Thomas nun ganz unruhig und sagt, was er darüber denkt: "Ich habe aber zu Hause ein Buch. Und da steht drin, dass Bäume rufen können und dass Bäume, die man absägt, dabei Schmerz empfinden. Und dass Bäume, die man gefällt hat, sterbende Bäume sind."
"Ich habe so etwas noch nirgends gelesen", antwortet Benni.
Doch Thomas lässt sich nicht beirren: "Ich habe es aber nicht nur gelesen. Auch schon gesehen habe ich es. Ich war nämlich dabei, als man den großen Baum am Eingang vom Dorf gefällt hat. Das war, als die Straße dort breiter gemacht wurde. Und da habe ich das getestet, ob es stimmt. Weil ich wissen wollte, ob der Baum wirklich schreit. Und ich glaube, das stimmt. Als der Baum umgefallen ist, habe ich mich voll darauf konzentriert, und da habe ich es gehört."

Jetzt atmen alle anderen erst mal durch, bis Benni erneut das Wort ergreift: "Lieber Thomas, das kann ich mir nun überhaupt nicht vorstellen. Das war doch nur das Krachen, als der Baum umgefallen ist, und das kräftige Brechen und Rascheln der Äste und Zweige. Das ist doch normal, wenn man einen Baum fällt. Es macht ´Wuuuumm`, und am Boden liegt der Baum."
 

Die Seele oder das Wesen des Baumes
 

"Das meine ich nicht", widerspricht Thomas. "In dem Buch steht, dass auch die Seele oder das Wesen des Baumes schreit, wenn er umgehauen wird. Und ich habe das eben ausprobiert, auf das Wesen des Baumes zu hören. Und außerdem habe stammt das nicht von mir. Das alles haben weise Menschen früher schon so heraus gefunden, und auch richtige Indianerhäuptlinge waren dabei. Und die kennen sich mit Bäumen besonders gut aus."
"Na, ja, ich bin zwar kein Häuptling", entgegnet Onkel Martin, der Förster, "aber ein bisschen kenne ich mich wohl auch mit Bäumen aus. Und ich kann mich auch an diesen Tag erinnern. Es war wirklich eine prächtige große Eiche, die man damals gefällt hat. Wirklich schade um den schönen Baum. Das hat mir damals auch sehr weh getan. Wie viele Jahre ist er dort schon gewachsen und hat Generationen von Menschen immer wieder gefallen, dort wo er stand, und er hat ihnen Schatten und Sauerstoff gespendet. Und viele Vögel bauten dort ihre Nester. Der Baum war älter als die ältesten Einwohner des Dorfes", so erklärt jetzt der Förster den Kindern. "Ich hatte kein gutes Gefühl, als der Baum umgefallen ist. Aber ob er wirklich geschrien hat? Was denkst du, Thomas, hat die Eiche gerufen? Wenn sie tatsächlich geschrien hat, dann sollte ich als Förster das auch wissen."

Thomas freut sich, dass sein Onkel ihn ganz offensichtlich ernst nimmt und er versucht zu erklären: "Es war eben so ähnlich wie ein Schrei. Aber ich habe das nicht direkt gehört. Sondern mehr so gespürt. Versteht ihr? Und so steht es auch in dem Buch, dass man es mehr spürt als dass man es hört. Es war eine eigenartige Stimmung in der Luft ..." Thomas erzählt sein Erlebnis so beschwörend, dass einem ein Schauer den Rücken hinunter laufen könnte.
"Hör auf, Thomas, hör bitte damit auf! Mir wird das alles hier langsam unheimlich", unterbricht ihn seine Schwester. "Das mit der Eiche ist doch schon lange her. Aber wie ist das, wenn ein Weihnachtsbaum gefällt wird? Ich will nur dann einen Weihnachtsbaum, wenn er bestimmt nicht schreit."
 
Betretenes Schweigen. "So Freunde", brummt nun der Förster mit nachdenklicher Miene. "Die Frage ist: Was machen wir jetzt? Wollt ihr diesen schönen Baum für das Weihnachtsfest jetzt mitnehmen oder nicht? Oder soll´ ich euren Eltern sagen, der Thomas hat plötzlich Gewissensbisse bekommen, weil er Bäume schreien hört. Oder schreien spürt. Und Sara möchte den Weihnachtsbaum nur dann haben, wenn er bestimmt nicht schreit."
Die Kinder lassen ihre Köpfe hängen und keines von ihnen antwortet auf die Frage des Onkels. Und so wendet sich der Förster wieder an Thomas: "Hm. Ich denke mir, dass deine Häuptlinge und weisen alten Leute wahrscheinlich überhaupt nicht Weihnachten feiern. Vielleicht haben sie andere Bräuche. Aber hier im Dorf holen sich die Leute eben zu Weihnachten immer einen Baum für ihre Wohnzimmer. Und in der Kirche, das wisst ihr ja, steht immer der schönste und größte, und der Pfarrer bedankt sich dafür jedes Jahr bei mir persönlich. So ist das eben bei uns. Und so ist es auch dieses Jahr wieder ..."
 

Gewissensbisse und Waldgeister


"Ja", unterbricht ihn jetzt Sara. "Alle Jahre wieder das gleiche. Aber ich habe auch überhaupt keine Lust mehr, den Weihnachtsbaum zu fällen. Was ist, wenn es stimmt, dass es ihm dann auch weh tut wie der Eiche, und der Thomas merkt wieder, wie der Baum schreit? Ich finde das jetzt nicht mehr schön." Sara bekommt feuchte Augen und sagt weiter: "Dann soll lieber unser Vater wieder den Baum holen." 
Thomas ist überrascht, dass seine Schwester von seinen sorgenvollen Gedanken so getroffen wurde, und er versucht sich jetzt fast dafür zu entschuldigen: "Ich habe es ja nicht so richtig gehört damals, sondern mehr gespürt, das habe ich doch schon gesagt. In dem Buch steht: ´Die Bäume rufen. Du musst nur genau hinhören.` Ich muss das aber noch etwas üben, bis ich es richtig höre, Sara. So etwas muss man nämlich üben, das genaue Hinhören. Ich meine, der Weihnachtsbaum ist auch nicht so groß wie die Eiche damals. Vielleicht schreit er auch etwas leiser."


"Ich höre nichts", raunt Benni. "Ein Baum ist halt ein Baum. Aber wenn Thomas solche Bücher liest, dann ist das kein Wunder. Vielleicht wird es dann bei uns im Wohnzimmer an Weihnachten spuken, huuuuh - der Fluch der Waldgeister."
Plötzlich ist Stille. Benni scheint über seine eigenen Worte erschrocken zu sein, und die ganze Situation kommt ihm langsam unheimlich vor. Sara ist nun den Tränen nahe, Onkel Martin fährt sich mit den Händen durch sein graues Haar und Thomas denkt weiter vor sich hin. Benni schnauft einmal laut durch die Nase und sagt dann ganz schlicht: "Aber eigentlich möchte ich den Baum auch lieber nicht fällen. Ich finde, einmal ganz ehrlich und ohne Bücher betrachtet, solche Bäume gehören wirklich besser hier in den Wald als in ein Wohnzimmer. Ich überlege mir das einfach praktisch. Ganz normal eben." Und er bekräftigt seine Worte mit einem deutlichen Nicken.
In diesem Augenblick fängt die Hündin des Försters, an, laut zu bellen, nachdem sie die ganze Zeit friedlich am Boden gelegen war. "Seht ihr, Luzy will auch nicht, dass wir den Baum fällen", sagt Sara offenbar erleichtert und sie fängt an, wieder zu lächeln.
"Jetzt sag bloß, du bist auch so eine Künstlerin", wundert sich Benni, und er wird wieder etwas frecher. "Der Thomas hört die Bäume rufen, und jetzt kommst du und sagst uns, was der Hund uns zubellt. Da fällt mir jetzt nichts mehr dazu ein."
"Bei den Tieren kann man das viel leichter heraus bekommen, was sie meinen, als bei den Bäumen", erklärt Sara, und Förster Martin seufzt: "Ich merke schon: Da wollten euch eure Eltern eine Freude machen, dass ihr den Weihnachtsbaum in diesem Jahr aussuchen dürft, und jetzt wollt ihr nicht mehr. Was sagen wir jetzt bloß dem Gerhard und der Marion? Dass ihre Kinder Revolutionäre sind und Weihnachten in diesem Jahr ganz ohne Baum feiern wollen?"
 

Die Kindern ändern ihren Plan


"Wieso denn? Hier sind doch Hunderte, ja Tausende von Bäumen" entgegnet Benni und zeigt auf die vielen Bäume, die rund um sie herum stehen. "Feiern wir Weihnachten doch mal hier draußen, mit warmem Glühwein und Geschenke-Verstecken im Schnee."
Die anderen blicken etwas verdutzt und schauen einander an, und sie sind sich nicht sicher, wie ernst dieser Vorschlag gemeint ist. Und ganz offenbar weiß das auch Benni selbst nicht. Er zieht seine Schultern nach oben und sagt kleinlaut: "Ist ja nur ein Vorschlag."
Kurzes Schweigen. Dann bricht Sara das Eis: "Was schaut ihr denn alle so? Ist doch eine super Idee. Wir feiern einfach mit allen den Tausend Bäumen hier", und sie breitet ihre Arme weit aus. Und unser Baum, den wir herausgesucht haben, bleibt stehen, und nächstes Jahr zu Weihnachten kommen wir wieder und besuchen ihn und schauen, wie viel er gewachsen ist."
"Genau", bemerkt Benni ein wenig schelmenhaft. "Wir haben ihn dann sozusagen vor dem Holzfäller ´gerettet`, wenn Onkel Martin ihn nicht noch für jemand anderen umhaut."

"Hunderte, ja Tausende von Bäumen!"

Bei diesen Worten wird Thomas noch einmal ganz ernst und nachdenklich und fügt hinzu: "Das ist schon wirklich kein guter Brauch. Während der Christbaum im Wohnzimmer langsam stirbt, feiern die Leute fröhliche Weihnachten und singen fromme Lieder ..."
"Ich hab´ noch eine Idee", unterbricht ihn Sara. "Wo wir uns doch schon einen Baum herausgesucht haben! Wir schmücken ihn einfach nicht im Wohnzimmer, sondern hier draußen, im Wald. Und wir bringen auch die Geschenke hier raus."
"Und Luzy passt auf, dass die Geschenke von keinem geklaut werden", sagt Benni und zeigt auf den Hund, der nun wieder bellt, und man kann immer noch nicht sicher sein, was Benni nur zum Spaß sagt und was er ernst meint. Doch dann merkt man auch seine Begeisterung: "Also Leute, macht, was ihr denkt, ich bin dabei." 
 

Das ganz andere Weihnachtsfest
 

Onkel Martin schaut noch ein wenig ungläubig, als ihn plötzlich Sara an die Hand nimmt, und ihn leise umschmeichelt: "Onkel Martin, dürfen wir? Du musst es uns erlauben."
Und der Onkel schüttelt immer noch ein wenig ungläubig, aber sehr wohlwollend den Kopf und sagt: "Na, da wollen wir mal sehen, was eure Eltern dazu sagen. Die müssen es euch erlauben. Nicht ich. Und ich stimme aber nur zu, wenn ihr dann keinen Krach macht. Ihr wisst doch: Der Wald ist das Zuhause der Tiere. Und die Tiere verdienen unseren großen Respekt."
Förster Martin sagt diese Sätze langsam, nachdrücklich und ganz bewusst. Denn er ist der einzige Förster weit und breit - und das sollte an dieser Stelle auch einmal gesagt werden - der sich schon lange dafür einsetzt, dass Tiere in Zukunft nicht mehr gejagt werden sollen. Und der an Weihnachten mit seiner Frau schon viele Jahre kein geschossenes oder geschlachtetes Tier mehr verspeist. Und der auch sonst seit einiger Zeit gar kein Fleisch und keine Wurst mehr isst. Weil er nämlich die Tiere sehr gern hat und weil er deshalb nicht möchte, dass seinetwegen irgendein Tier getötet wird. So hat er es auch den Kindern erklärt, als sie ihn früher einmal danach gefragt haben.

Und so kommt tatsächlich alles ganz anders als man es ursprünglich geplant hatte. Und wie es dann weiter geht, ist schnell erzählt:
Vater Gerhard und Mutter Marion lassen sich ebenfalls von der Idee der Kinder anstecken. Und so wird im Familienrat gemeinsam und einstimmig beschlossen, sich an Heiligabend auf den Weg zu Martin, dem Onkel und Förster zu begeben und mit ihm zu den lebenden Weihnachtsbäumen im Wald zu gehen anstatt sich einen geschlagenen Baum ins Wohnzimmer zu stellen, der dann stirbt.
Dies soll aber noch nicht alles gewesen sein. Es passiert nämlich noch etwas Überraschendes.
 
Zunächst jedoch läuft am Heiligabend alles nach Plan. Doch als die Familie gerade das Haus verlässt, kommen ihr die beiden Nachbarskinder entgegen. "Geht ihr jetzt schon in die Kirche?" fragt eines der Kinder und schaut auf seine Uhr. "Ihr seid doch viel zu früh dran." "Nein, überhaupt nicht. Wir gehen ja gar nicht dorthin", schwärmt Thomas. "Wir gehen zu den lebenden Weihnachtsbäumen in den Wald, nicht zu dem großen sterbenden Baum in der Kirche, hoho."

"Aha, Thomas erzählt uns wieder einiges aus seinen Naturbüchern", sagt das andere Nachbarskind verschmitzt.
"Wir gehen in den Wald und feiern dort unsere Bescherung", erklärt Mutter Marion ganz leise und bedächtig. So, als hätte sie ein wenig Angst, dass es noch irgend jemand merken könnte. Und sie ahnt gar nicht, was sie damit bei den beiden Nachbarskindern auslöst. "Oh, das ist ja toll", rufen die beiden Kinder spontan, "wie macht ihr denn das genau? Bekommt ihr eure Geschenke dann im Wald?"


Im Stall von Bethlehem gab es auch keinen sterbenden Baum
 

Und auch an dieser Stelle ist schnell erzählt, wie die Geschichte dann weiter ging. Die beiden Nachbarskinder fangen ebenfalls Feuer bei dieser Idee, und Thomas, Sara, Benni und ihre Eltern haben auch gar nichts gegen eine größere Runde einzuwenden. Nur würde dies wegen der Eltern der beiden anderen Kinder bestimmt nicht gehen, so überlegen sie. Denn diese hätten natürlich schon alles ganz anders organisiert. Und außerdem gehen sie traditionell am Heiligabend immer in die Kirche und wollen sicher die Kinder dabei haben.
Doch die fünf Kinder schmieden schnell einen guten Plan. Weil die Nachbarseltern immer besonders an die Geburt von Jesus vor 2000 Jahren denken möchten und weil sie gern in der Bibel lesen, beauftragt man Thomas, sich etwas auszudenken, weil er am meisten über diese Dinge Bescheid weiß. "Kein Problem", sagt Thomas. "Bei unserer Sache passt alles zusammen: Jesus kam in einem Stall bei den Tieren zur Welt. Und da gab es auch keinen sterbenden Baum, den jemand gefällt und in den Stall gestellt hat. Und da war es ziemlich kalt, so ähnlich wie bei uns im Wald. Und im Wald, da sind ja auch Tiere, wie bei Jesus im Stall. Und das mit den Hirten damals, die lebten doch auch in freier Natur. Und die Geschenke der Könige, die wurden ja schließlich auch nicht in ein Wohnzimmer gebracht. Und eine Kirche gab es damals auch nicht. Also: Es passt alles zusammen."


Doch die Kinder müssen zu ihrer Überraschung gar keine große Überzeugungsarbeit leisten, denn auch die Nachbarseltern haben, ganz anders als erwartet, gar keine so starren und traditionellen Vorstellungen, wie der Heilige Abend genau abzulaufen habe. Und so nimmt das Weihnachtswunder seinen Lauf, und es geschieht etwas, was man in diesem Dorf eigentlich nicht für möglich gehalten hätte.

Und so nimmt das Weihnachtswunder seinen Lauf ...

So sind es also fünf Kinder und sechs Erwachsene, denn es kommen noch Förster Martin und seine Frau hinzu, die sich am Heiligen Abend nicht um einen großen sterbenden Baum in einer Kirche oder in einem Wohnzimmer versammeln. Sondern welche bei den lebenden Bäumen im nahen Wald eine Waldweihnacht feiern. Und an einem der Bäume, den sich Sara, Benni und Thomas ausgesucht hatten, brennen die Weihnachtskerzen und an ihm hängen auch ein paar rote Weihnachtskugeln und einige Streifen Lametta. Das ist also der lebende Weihnachtsbaum der Familien, der weiter fest in der Erde verwurzelt bleiben darf. Und am Fuße des Baumes, da liegen die Geschenke für die Kinder, welche die Eltern zuvor in großen Taschen herbei getragen hatten. Und überall rund herum stecken brennende und knisternde Fackeln im Schnee, welche alle die vielen lebenden Weihnachtsbäume in diesem Wald erleuchten - ja, denn sie wurden alle an diesem Abend zu Weihnachtsbäumen.
 

Frohe Weihnachten auch für einige Tiere

Doch auch die Tiere im Wald werden an diesem Abend nicht vergessen. Für die Vögel werden Meisenknödel an mehreren Bäumen befestigt. Und auch wenn das Füttern größerer Tiere verboten ist und nur den Jägern erlaubt, legen die Kinder als Zeichen der Freundschaft für die Tiere einige Äpfel aus. Denn sie ahnen, dass gerade die größeren Tiere in der kalten Jahreszeit sehr leiden. Und leider werden die hungrigen Tiere dann oft abgeschossen, wenn sie sich vertrauensvoll den Futterstellen der Jäger nähern. Onkel Martin sagen sie zur Sicherheit von den Äpfeln nichts, damit er keine Schwierigkeiten bekommt.

Und bevor die Kinder schließlich anfangen, ihre eigenen Geschenke auszupacken, spielt die Mutter der Nachbarskinder mit der Gitarre noch ein bekanntes Lied zum Mitsingen. Und Förster Martin passt genau auf, dass alle schön singen und vor allem nicht so laut. Wenn man schon an diesem "heiligen Abend" die Tiere im Wald aus der Ruhe bringt, dann soll der Gesang zumindest richtig sein und nicht schief. 

Die Kinder ahnen, dass gerade die größeren Tiere in der kalten Jahreszeit sehr leiden. Und leider werden die hungrigen Tiere dann oft abgeschossen.


Die Bäume rufen
 

Dann endlich die Bescherung. Und während die Freude dann groß ist und sich so manches Gespräch ergibt oder man noch mit den Geschenken beschäftigt sind, begutachtet Benni nachdenklich den geschmückten Baum und er blickt auf seinen Bruder. "Na, Thomas, was sagt uns jetzt dieser Baum?"
"´Danke`, sagt er, ganz einfach ´Danke`," so die knappe Antwort.
"Ok.", antwortet Benni. "Jetzt probiere ich es mal mit dem Hinhören."


Nach einer kurzen Pause fragt Thomas: "Und? Was hörst du?"
Benni drückt seine Lippen fest zusammen und sagt dann: "Ich glaube, der Baum sagt: ´Ich möchte auch ein Geschenk.`"
"Aber", so Thomas, "er hat doch schon welche: die Kugeln, die Kerzen, das Lametta ..."
"Davon hat der Baum doch nichts", antwortet Benni fast vorwurfsvoll." Das ist doch mehr etwas für die Menschen, damit es feierlich aussieht. Als Baum würde ich sagen: ´Wie wäre es mit etwas Dünger? Für mich und meine Freunde um mich herum.`"
Darauf hin fängt Benni an, herzhaft über seine eigenen Gedanken zu lachen, bevor er weiter spricht: "Du, Thomas, das ist kein Witz. Ich meine das ernst. Ich werde mal Onkel Martin fragen, was er davon hält."
Und für Sara, die auch hinzu gekommen ist, ist der Fall sowieso klar, und sie sagt: "Ist doch logisch, dass der Baum sich bedankt, dass wir ihn stehen gelassen haben und dass er sich über etwas Dünger freuen würde. Das ist bei den Pflanzen in meinem Zimmer genauso."

Und so erleben die beiden Familien mit ihren Kindern und Förster Martin und seine Frau einen Heiligen Abend, der sie noch lange Zeit danach im Inneren beschenkt. Außerdem hat es Förster Martin geschafft, dass es anschließend im größeren Kreis der beiden Familien im Forsthaus kein geschlachtetes Tier zum Essen gibt, sondern ein schmackhaftes Weihnachtsmenü mit leckerem gebratenen Gemüse und einigen Köstlichkeiten mehr. Schließlich hätten Maria und Josef bestimmt auch etwas dagegen gehabt, wenn man auch nur eines der Tiere im Stall von Bethlehem geschlachtet hätte.

Und noch einige Wochen später sagte der Förster zu einem Kollegen: "Das war mein bisher schönstes Weihnachtsfest. Und immer, wenn ich seither in den Wald gehe, muss ich daran denken, was mir die Kinder damals beigebracht haben: ´Die Bäume rufen. Du musst nur genau hinhören`."
 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Die lebenden Weihnachtsbäume - eine Weihnachts- bzw. Bethlehem-Geschichte für Kinder und Erwachsene von Dieter Potzel, 1992, zit. nach http://www.theologe.de/weihnachtsgeschichte.htm, Fassung vom 2.12.2015; @ Dieter Potzel, info@theologe.de
Diese Weihnachtsgeschichte darf für private nicht kommerzielle Zwecke vorgetragen, auf Wunsch gekürzt und auch in kleineren Mengen kopiert werden, z.B. für Weihnachtsfeiern in Vereinen oder für Schulklassen. Umfangreichere Nutzungswünsche müssen mit uns abgesprochen werden. Vielen Dank!
Copyright © und Impressum siehe hier.

 

     
 


"Viele Jahre lang habe ich immer wieder an Weihnachten einen schönen Baum aus dem Wald für unser Wohnzimmer holen lassen. Bis ich ein Erlebnis hatte: Es war an einem Neujahrsmorgen, und ich blickte aus dem Fenster meines Wohnzimmers. Es war ein sehr stürmischer Morgen. Da wehte auf einmal ein Bäumchen heran, ein kleiner Baum, den jemand wohl einfach vor seine Türe geworfen hat. Der starke Wind trieb ihn die Straße entlang. Das Bäumchen war noch grün und in ihm hingen auch noch einige Reste von Lamettafäden, die an das vergangene Fest erinnerten. In diesem Augenblick erfasste mich plötzlich ein tiefes Mitgefühl mit dem kleinen Baum. Ich schaute dem weg geworfenen Bäumchen noch lange nach, wie es vom stürmischen Wind bald hierhin und bald dorthin getrieben wurde, und mir kam dabei in den Sinn: ´Was machen wir bloß mit den Bäumen? Diese Achtlosigkeit! Erst festlich dekoriert und dann einfach weggeworfen!` Es war, wie wenn ich aus einer Betäubung erwachte, und ich empfand dabei das Falsche an unserem Weihnachten. Seit diesem Erlebnis ließen wir nie wieder einen abgeschlagenen Baum in unser Wohnzimmer stellen."
(Ein Erlebnisbericht)
 


 



Hintergrundinformationen Der Weihnachtsbaum bzw. Tannenbaum oder Christbaum / Im Jahr 2008 gab es einen neuen Höhenrekord im Vatikan / Wie der Christbaum stirbt: Eine Wissenschaftlerin erklärt / Dortmund 2011: Engel statt Fußball auf Spitze des Weihnachtsbaums / 2013: Die Botschaften des Sturms Xaver: Baum für Deutschland im Garten des Bundespräsidenten abgebrochen / Im Jahr 2015 wird der Weihnachtsbaum vor dem Bundeskanzleramt zum "Kriegsbaum"


1) Die Weihnachtsbaum bzw. Tannenbaum oder Christbaum
Wie so vieles im kirchlichen Christentum stammt auch der Brauch, Bäume zu schmücken, aus dem antiken Mithras-Kult. Dort wurden zur Wintersonnenwende die Bäume jedoch nicht abgehackt, sondern an ihrem Standort in der Natur geschmückt, was einfach ein religiöser Brauch war, der niemandem schadete. Und die Römer und die Menschen in nordischen Ländern Europas begnügten sich in der Folgezeit mit einigen Zweigen, mit denen sie ihre Wohnungen schmückten. Auch hier wurden die Pflanzen nicht zerstört.
Erst im kirchenchristlichen Abendland im Mittelalter begann man dann mit dem Naturfrevel, im Saft stehende Bäume zu Hunderten und heute gar zu Millionen (alleine ca. 28 Millionen pro Jahr in Deutschland) abzuhacken und die abgeschlagenen Bäume dann als "Christbäume" zu schmücken und gleichzeitig langsam sterben zu lassen.
Es war die Zeit des heilig gesprochenen Kirchenlehrers Thomas von Aquin, der Pflanzen und Tiere zu vernunftlosen Geschöpfen erklärte, die ausschließlich zum Gebrauch durch die Menschen bestimmt seien, und der bis heute der große Kirchenlehrer der Vatikankirche ist. In dieser Zeit wurde also damit begonnen, im Saft stehende Bäume zu Hunderten abzuschlagen. Wer genau und wo genau damit begonnen hat, weiß man heute nicht mehr. Zwar sprach man in der Kirche zunächst noch von einem "heidnischen" Brauch und sah als feudale Waldbesitzerin darin eher eine Bedrohung ihres "Besitzes" statt einer möglichen zusätzlichen Einnahmequelle. Doch ist es kein Zufall, dass diese Barbarei an der Natur sich im kirchlichen Umfeld entwickelte. Denn die Kirche lehrt, dass Tiere und Pflanzen unbeseelte Wesen bzw. Objekte sind, die keinen oder kaum Schmerz empfinden und die mit ihrem Tod zugrunde gehen, weswegen sie der völligen Verfügungsgewalt der Menschen und ihrer Interessen unterworfen seien (siehe dazu Der Theologe Nr. 7). Aus diesem Grund gelten Tiere und Pflanzen im kirchlich-abendländischen Rechtsraum nur als "Sachen". Doch wie erbärmlich müsste es in einem "Himmel" zugehen, wo man zwar auf über 200 ehemalige Päpste treffen würde, jedoch auf kein einziges Tier. Angeblich nur der Mensch sei voll schmerzempfindlich und habe eine unsterbliche Seele, so wird dort gelehrt.
Und bald hatten die beiden Großkirchen den "Brauch", anlässlich des Gedenkens an die Geburt von Jesus, Bäume zu fällen, auch komplett übernommen. Doch damit nicht genug: Die Kirche wollte sich sogar besonders dabei hervor tun und trieb den Frevel nun im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze. So hatten zuerst die evangelische und dann auch die römisch-katholische Kirche ab dem 19. Jahrhundert bald den größten abgeschlagenen und damit sterbenden Baum in einem Dorf oder in einer Stadt. Seine Spitze reichte am weitesten an den "Himmel" heran. So wie die Kirchturmspitze und der bekannte "Turm zu Babel" in der Bibel. Und einer der größten Bäume weltweit wird bis in unserer Zeit alljährlich irgendwo in Europa für den Petersplatz im Vatikan gefällt, mit gigantischem Aufwand dort hingefahren und unter großem Brimborium aufgestellt. Im Jahr 2015 geschah das mit einer ehemals prächtigen Rottanne aus Bayern, aus einem Wald zwischen Amberg und Weiden in der Oberpfalz.


Im Jahr 2008 gab es offenbar zuletzt einen neuen Höhenrekord: Für den Vatikan wurde damals eine 33 m hohe und 120 Jahre alte Fichte geschlagen.
Zum Vergleich: Der Weihnachtsbaum, den die USA im Jahr 2008 vor dem Kapitol in Washington aufstellen ließen, war "nur" acht Meter hoch. Und der im Vergleich "riesige" Weihnachtsbaum, der während der Straßenunruhen 2008 in Athen abbrannte, war auch "nur" 20 m hoch. Der Baum, der im Vatikan sein Ende fand, hatte im Jahr 1888 zu wachsen begonnen und er überragte diese Bäume bei weitem - vordergründig ein religiöses Symbol für den Anspruch des Vatikan, "Gott" auf dieser Erde zu vertreten. Und in seinem Sterben ein aussagekräftiges Symbol dafür, dass das gar nicht stimmt.
Und der Weihnachtsbaum im Vatikan ist auch im Hinblick auf die Natur ein Symbol. Lesen Sie hier.

Im Jahr 2011 wurde der sterbende Baum für den Vatikan in der Ukraine in den Karpaten gefällt und mit einem unsäglich teuren Spezialtransport nach Rom eskortiert - ein Symbol auch für den Drang des Vatikan, die orthodox Gläubigen Osteuropas wieder dem Katholizismus einzuverleiben. In der Ukraine gibt es neben den selbstständigen Orthodoxen auch romtreue und mit dem Vatikan "unierte" Orthodoxe, die beide vor allem wegen Kirchenbesitz im Streit liegen. Der Großerzbischof der Unierten, "Swjatoslaw Schewtschuk, habe in den vergangenen Tagen mit Botschafterin Tetiana Izhevska organisatorische Fragen der Initiative erörtert" (kna, 20.6.2011). Der Baum war ca. 30 m hoch und ca. 60 Jahre alt. Zusätzlich wurden in der Karpaten 43 weitere Tannen für den Apostolischen Palast in Rom abgehackt. Das alles, einschließlich Transport, kostet die Kirche keinen Cent. Es war ein Geschenk der Ukraine (http://german.ruvr.ru, 21.11.2011). Zudem war der Baum bereits Teil der Kirchendiplomatie, da die katholischen Orthodoxen die nichtpapstreuen Orthodoxen eingeladen haben, an der Übergabezeremonie des Baumes an den Vatikan mitzuwirken. KAP schreibt: "Eine Teilnahme [selbstständiger] ukrainischer orthodoxer Bischöfe an der Übergabe des Christbaums im Vatikan hätte deshalb große symbolische Bedeutung" (21.10.2011). Die ganze Sache war letztlich auch ein ungutes Omen für das Land. Bekanntlich kam es zwei Jahre später in der Ukraine zu einem Aufstand, die Regierung wurde gestürzt und ein Krieg begann, bei dem der Vatikan im Hintergrund seine Interessen vertritt.
2013 waren es dann Katholiken aus Bayern, die einen Baum von 25 m Höhe in Tschechien fällen ließen und  in den Vatikan transportieren lassen. Auch eine tschechische Delegation wollte deshalb am Tag der so genannten "Illumination" des sterbenden Riesenbaumes, also seiner "Erleuchtung" im Vatikan, vom Papst empfangen werden. Wie der "Grenzstreit" geschlichtet wurde, wissen wir nicht. Im Jahr 2015 fällten die Bayern dann einen Baum diesseits der Grenze.



2) Wie der Christbaum stirbt - Eine Wissenschaftlerin erklärt:
Vordergründig sieht man den schönen Schein, z. B. den aufwändig geschmückten Weihnachtsbaum bzw. Christbaum. Doch der junge Baum, der ungefähr im Alter zwischen acht und zwölf Jahren gefällt wurde, ist nun im dauernden Todeskampf. Er kämpft um sein Leben, doch er wird verlieren, weil er keine Chance mehr hat. Andrea Polle von der Abteilung Forstbotanik der Universität Göttingen erklärt das Weihnachtsgeschehen wie folgt:
 "Wenn die Zellen des Baumes noch ausreichend mit Wasser gefüllt sind, betreiben sie Stoffwechsel - sie leben also" (Main-Echo, 24.12.2009). Deshalb sieht der Baum im Wohnzimmer auch noch schön aus, weil er noch lebt. Allerdings fehlt jetzt ein lebenswichtiges Organ, die Wurzel. Pflanzen können sich nun unter Umständen helfen, neue Wurzeln zu schlagen, um zu überleben.
Das Main-Echo schreibt dazu jedoch weiter: "Für eine abgesägte Tanne oder Fichte gilt das nicht. Sie können an der Schnittfläche keine neuen Wurzeln bilden, denn am Stamm ist das Pflanzengewebe zu stark verholzt."
Die Wissenschaftlerin Andrea Polle weiter: "Die Vertrocknung setzt dem Leben des Weihnachtsbaumes schließlich ein Ende". Wenn die Wurzeln kein Wasser mehr nachliefern können, würden irgendwann auch die Zellen in den letzten Nadeln absterben.
Während beim Menschen und beim Tier der Atem entscheidend ist für Leben oder Tod, atmet die Pflanze also in einem anderen, in einem längeren Rhythmus. Sie stirbt also langsamer, weil sie einen anderen Atem-Rhythmus hat.
Die Wissenschaftlerin tröstet sich wegen der sterbenden Bäume mit den Worten: "Der Weihnachtsgans geht es ja auch nicht anders." So ist es. Man könnte sagen: Erst der Baum, dann das Tier. Und was kommt dann: Der Mensch?
Wie sich die Menschheit gegenüber Gottes Schöpfung gebärdet und wie man diese für den hemmungslosen und von den Politikern und Kirchen erlaubten und abgesegneten Profit zerstört, das hat keine Zukunft. Die Apokalypse hat bereits begonnen. Siehe dazu auch Der Theologe Nr. 31 und Der Theologe Nr. 41.
 

3) Dortmund 2011: "Größter Weihnachtsbaum der Welt" bekommt nach dem Willen der Kirche einen Engel statt einen Fußball auf die Spitze
Noch größer als der Weihnachtsbaum im Vatikan ist alle Jahre wieder der Weihnachtsbaum in Dortmund in Deutschland, im Jahr 2011 war er 45 m hoch. Ein solches monströses sterbendes Naturdenkmal ist jedoch nur mithilfe eines aufwändigen Tricks möglich. Es wurden dazu insgesamt 1700 (in Worten: eintausendsiebenhundert) Fichten abgeschlagen und von einer Spezialfirma zu diesem "Riesenbaum" zusammen montiert. Aufgrund der Fußballbegeisterung in der Stadt (wegen der Erfolge der Mannschaft von Borussia Dortmund) sollte in diesem Jahr erstmals ein leuchtender Fußball auf der Spitze der Baumkonstruktion befestigt werden. Doch die Kirche protestierte dagegen. "Dortmunder Kirchenvertreter hatten den Fußball abgelehnt. Er finde die Aktion peinlich, sagte der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Kirchenkreise Dortmund, Paul-Gerhard Stamm, dem epd" (evangelisch.de, 13.11.2011). Und so wurden die ursprünglichen Pläne der Stadt und des Markthandel- und Schaustellerverbandes Westfalen verworfen und es wurde wie bisher weiterhin ein "Engel" nach den Vorstellungen der Kirche als kirchliches Symbol auf die Spitze montiert. Gleichzeitig reklamieren die Kirchen damit aber auch den Riesenbaum wieder indirekt für sich und ihren Glauben.

PS: Wer auf einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer nicht verzichten will, könnte ja auch einen edlen Baum mit künstlichen Nadeln in seinem Wohnzimmer schmücken. Es gibt hier so fein gearbeitete Zimmer-Bäume, dass
man den Unterschied zu einem Baum aus der Natur auf den ersten Blick gar nicht sieht.


4) 2013 - Der Sturm "Xaver" bricht den repräsentativen Baum für Deutschland ab und den Baum in Weimar an der "Geburtsstätte" dieses "Brauchs"
- Abgehackte Weihnachtsbäume: Die Natur antwortete 2013 auch auf den Frevel an Millionen von Bäumen alle Jahre wieder im kirchlichen Abendland. Der Orkan Xaver riss womöglich mehrere abgehackte und langsam sterbenden Bäume, die der Mensch entwurzelt hat, nun um. Sicher ist: Der Sturm Xaver schickte auf jeden Fall mehrere "punktgenaue" Botschaften.
So brach beispielsweise die 23,5 m hohe Rotfichte auf dem Weihnachtsmarkt in Weimar, der Stadt Goethes und Schillers, einen halben Meter über dem Boden ab und krachte auf einen Schafstall, den die Tiere jedoch bereits verlassen hatten. Weimar gilt als "Geburtsstätte des öffentlichen Weihnachtsbaums in Deutschland" im Jahr 1815 (Thüringer Allgemeine, 6.12.2013). Das bedeutet: Dort, wo es seinen Anfang nahm, nimmt nun das Ende dieses Brauchtums seinen Anfang. Der Baum wird dort auch nicht mehr "ersetzt".
Auch der Sturz auf den Schafstall ist ein Symbol: Die Kirchenchristenheit lässt die Tiere im Stall zu Bethlehem, die dem Gottessohn Wärme und Obdach spendeten, seit Jahrhunderten quälen und grausam schlachten. Angesichts dessen ist jede kirchenweihnachtliche Stall-Symbolik ein Hohn. Denn hinter den "Krippelein" warten schon die Schlächter mit dem Messer auf "Ochs und Lämmlein".
Schließlich sogar mehr als Symbol: Der repräsentative Weihnachtsbaum für Deutschland am Sitz der Bundespräsidenten brach auseinander. Der Weihnachtsbaum des Bundespräsidenten und Pfarrers Joachim Gauck im Garten von Schloss Bellevue war zwar stabil befestigt. Doch er brach oberhalb der Befestigung einfach ab. Das könnte als eine Vorwarnung für das ganze Land verstanden werden.

Foto rechts: Der Glitzerschein trügt. Der Baum wurde nach vielen Jahrzehnten einfach abgehauen. Da er keine Wurzeln mehr hat, stirbt er im hellen Schein vor sich hin. Nach wenigen Wochen wird er in Stücke gehauen bzw. wie Müll entsorgt (Wikimedia Commons Lizenz, Thomas Wolf, 31.12.2008 auf dem Römerberg in Frankfurt)
 

5) 2015 - Der Weihnachtsbaum wird zum Kriegsbaum - Im Jahr 2013 brach also der Weihnachtsbaum von Präsident und Pfarrer Gauck zusammen. Das war eine Warnung. Zwei Jahre später versammelten sich die konfessionellen Politiker vor dem Weihnachtsbaum im Bundeskanzleramt. Nahezu zeitgleich erklärten sie ihren Willen zum Eintritt Deutschlands in den Krieg im Nahen Osten.

 

Links:
Lesen Sie hier auch eine Weihnachtsgeschichte über die Geburt von Jesus, befreit von kirchlichem Dogma und Kult und unter Berücksichtigung von urchristlichen Schriften außerhalb der Bibel. Und:
Die Gänse klagen - ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die Gänse am Leben zu lassen
Was der große sterbende Baum im Vatikan uns sagen könnte

... sowie bleibend aktuelle Nachrichten zum blutigen Weihnachtsfest:
Unschuldige Tiere als Opfer der Menschen - Grausame Schlachtungen im kirchlichen Christentum, Judentum, Islam und Hinduismus / Für ein Weihnachts- und Silvestermenü vegetarisch
Verhöhnung von Christus - 10.000 sterbende Kinder pochen jeden Tag an die schweren Tore des Vatikan

 

 

Vielleicht nehmen Sie sich einmal etwas Zeit und schauen diesen Film. Eventuell nur in Ausschnitten, weil man nicht alles auf einmal verkraftet.

http://www.veggiecafe.de/earthlings-deutsch.html

Und bedenken Sie dazu die Lehre der Kirche, welche besagt:
 
"Wenn wir also das Verbot des Tötens nicht auf das Pflanzenreich anwenden, weil es da keine Empfindung gibt, desgleichen nicht auf die unvernünftige Tierwelt mit ihren fliegenden, schwimmenden, laufenden und kriechenden Geschöpfen, weil ihnen im Unterschied von uns keine Vernunft verliehen ist, weswegen auch nach der gerechten Anordnung des Schöpfers ihr Leben und Tod unserem Nutzen dienen muss." (Der "Heilige" Augustin, De Civitate Dei I, 20)

Es spiele keine Rolle, ob man Tiere gut oder schlecht behandle, und "keiner sündigt, indem er eine Sache zu dem verwendet, wozu sie bestimmt ist."  (Der "Heilige" Thomas von Aquin, Summa theologica II. 64. I)

"Ich rufe auch die Heiligen an. Ich bin mit Augustinus, mit Bonaventura, mit Thomas von Aquin befreundet. Man sagt dann auch zu solchen Heiligen: ´Helft mir!`" (Papst Joseph Ratzinger in Licht der Welt, Freiburg 2010, S. 32)

"Hatte nicht schon der junge Theologieprofessor Ratzinger, damals also noch nicht Bischof, Kardinal oder Papst, in seinen Vorlesungen vor seinen Theologiestudenten vollmundig getönt, es könne dem Reh oder Hasen gar nichts Besseres passieren, als geschossen zu werden und auf dem Teller des Menschen zu landen, denn damit erfülle das Tier seine Bestimmung, die der Schöpfergott ihm zugeteilt habe." (Der ehemalige katholische Theologieprofessor Hubertus Mynarek in: Papst ohne Heiligenschein, Sonderdruck, Odernheim 2006, S. 4)

"Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt." (Katechismus der Katholischen Kirche, verfasst von Joseph Ratzinger, Lehrsatz Nr. 2418)

"Unter Gefühle verstehe ich Sympathie, Schuld, Verzeihung, Gewissen, Barmherzigkeit, Liebe. All das kann ein Tier nicht empfinden. Gott hat den Menschen die Welt geschenkt. Eine Welt, in der nur der Mensch lachen, lieben und denken kann." (Der Kapuziner-Abt Bruder Paulus, Nachfolger des Franz von Assisi, erklärt den heutigen Menschen im Auftrag der Kirche den angeblichen Unterschied zwischen Mensch und Tier, Bild, 22.2.2003)

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