Freie Christen für den Christus der Bergpredigt



Die Bethlehem-Geschichte
von der Geburt Jesu

 

Vorbemerkung: Die Geschichte von der Geburt von Jesus ist vor allem durch die Bibel bekannt geworden. Viele haben auch den Kino-Spielfilm Es begab sich aber zu der Zeit (The Nativity Story), der auf der Bibel aufbaut, gesehen. Doch die Bibel enthält auch Unwahrheiten (wie die Legende, dass Maria ohne das Zutun von Josef schwanger geworden sei, welche die Kirche aus antiken Götzenkulten übernommen hat). Und vieles ist nicht beschrieben, was sich damals ereignet hat, wovon auch der Evangelist Johannes spricht, wenn er schreibt: "Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem anderen aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären" (21, 25).  Manches davon steht allerdings in urchristlichen Schriften außerhalb der Bibel und diese wurden auch in der nachfolgenden Weihnachtsgeschichte berücksichtigt. Sie kommt der Wahrheit noch näher als die jahraus jahrein in der Kirche leider oft monoton verlesene oder nachgespielte Darstellung des Evangelisten Lukas. Sie eignet sich zum Vorlesen (z. B. mit wechselnden Sprechern) sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche und Kinder. Wer gut hinhört, für den werden die Ereignisse vor 2.000 Jahren ganz neu lebendig.
 

 

1  In jenen Tagen ergeht ein Befehl des römischen Kaisers Augustus: Alle Bewohner des Reiches müssen an einer Volkszählung teilnehmen und sich in Steuerlisten eintragen. Und jede Familie muss dazu an den Ort ihrer Herkunft reisen. Die Familie Josefs, des Zimmermanns, wohnt in Nazareth in Galiläa. Doch sie stammt ursprünglich aus Bethlehem in Judäa, aus dem Süden, ca. 150 km von Nazareth entfernt. Deshalb bedeutet der Befehl, dass Josef, seine Frau und seine Kinder den ganzen langen Weg bis nach Bethlehem laufen müssen, um sich dort in die Steuerlisten einzutragen. Die Mutter von Josefs Söhnen war vor einigen Jahren gestorben und Josef hatte wieder geheiratet. Von ihm und von seinen Kindern wird man die Reise wohl verlangen. Doch muss wirklich auch Maria auf diese beschwerliche Reise mitkommen? Denn Maria ist hochschwanger, im 9. Monat. Und für Maria ist es das erste Kind, das sie erwartet. Außerdem ist es gerade die kalte und lichtarme Jahreszeit, und es geht oft durch unwegsames Gelände, und der Fußmarsch dauert mindestens drei Tage. Doch alle müssen mit, so die Vorschrift, ohne Ausnahme.

 

2  Keine Bitte um Schonung der Frau hat also geholfen. Ob krank, ob schwanger oder hoch betagt – wer kümmert sich von den Reichen und Mächtigen um die Not der Armen. Der Statthalter Roms hat es befohlen, und die ganze Familie Josefs muss sich mitten im Winter zu Fuß auf die Reise machen. Josef und seine Söhne gehen zu Fuß, und Maria reitet auf dem Rücken eines Esels – durch Wälder und Wüsten, über kleinere Flüsse, Bäche und auf steinigen Gebirgspfaden. Immer in Sorge um das Kind. Und niemand kann Maria die Ruhe geben und die Umgebung, die sie jetzt eigentlich bräuchte. Josef und seine Söhne sind natürlich sehr fürsorglich und sie tun ihr Bestes. Und auch der treue Esel tut seinen Dienst – immer auf der Hut, dass er nicht ausrutscht oder umknickt oder dass Maria plötzlich den Halt auf ihm verlieren könnte. Josef kann seine Sorge um seine Frau und das noch nicht geborene Kind jedoch kaum verbergen. Doch Josef und Maria halten sich in ihrem Herzen fest an Gott und sie vertrauen auf Seinen Schutz und Seine Hilfe.
 

3  Endlich erschöpft und durchfroren in Bethlehem angekommen, sehnen sich alle nach einer warmen Unterkunft, um etwas zu schlafen. Die Familienmitglieder gehen von einer Herberge zur anderen und klopfen an. Doch eine hochschwangere und dazu noch arme Frau, die jeden Augenblick das Kind zur Welt bringen könnte? Das könnte zu Unannehmlichkeiten führen. In allen Quartieren werden sie abgewiesen. Niemand möchte die arme Familie aufnehmen. Maria spürt, wie sich das Kind in ihrem Körper bewegt und geboren werden möchte. Soll sie es nun etwa mitten auf der Straße zur Welt bringen? Und würde es nicht erfrieren in der eisigen Kälte ohne Dach über dem Kopf? Da erbarmt sich eine ebenfalls arme Bauersfamilie. Die Frau des Bauern geht auf Josef und Maria zu und sagt: „Ein Zimmer habe ich nicht. Doch einen Stall. Dort könnt ihr bleiben in der Nacht.“ Der Stall ist zum Teil in eine Felsenhöhle hineingebaut, und es ist eine besonders kalte Nacht. Darf die Familie deshalb wenigstens ein kleines Feuer machen, um sich etwas zu erwärmen? „Nein, kein Feuer“, so die Antwort. Nur die Körperwärme der Tiere strahlt auch den Menschen im Stall wenigstens ein klein wenig Wärme zu.

 

4  Und Josef und Maria hatten auch Hunger. Und vielleicht war es wieder dieselbe Frau, die ihnen etwas Brot brachte. Da beginnen bei Maria die Wehen. Die junge Frau Josefs liegt im Stroh für die Tiere und sie hat starke Schmerzen. Kein Arzt und keine Hebamme sind in der Nähe. „Gott, Vater“, so fleht Maria in ihrem Herzen, „in der Fremde und unter den einfachsten Verhältnissen, nicht einmal unter den Menschen, sondern unter den Tieren, kommt Dein Sohn auf diese Welt.“

 

5  Und so nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Noch in dieser Nacht bringt Maria Jesus mitten unter den Tieren zur Welt. Die Tiere im Stall sind ruhig. Und sie spüren, dass hier etwas Großes geschieht. Und diese Geburt ist für die Welt ein Symbol. Gott zeigt damit der Menschheit, dass die Tierwelt den Menschen achtet und ihm Unterschlupf gewährt, doch nicht der reiche Mensch! Arme Menschen stellten den Stall zur Verfügung, so wie es auch Jesus später sagt: „Nicht bei den Reichen werde ich Wohnung nehmen.“

 

6  Der Stall in Bethlehem und die Geburt in der Fremde, weit weg vom irdischen Heimatort, bedeuten auch: Gott ist überall: im Tier, in der Natur, in der einfachsten Hütte. Er wohnt nicht in goldenen Palästen und in reich verzierten und geschmückten Kirchen, sondern in einem Herzen, das von der Liebe zu Gott erfüllt ist.

7  Ein Tier weicht zur Seite und überlässt Maria seinen Futtertrog, damit sie den Neugeborenen dort hinein legen kann. Das Tier begnügt sich mit der Krippe der anderen Tiere. Dieses Symbol bedeutet: Die Tiere leben miteinander. Nur der habgierige Mensch gönnt seinem Bruder weder Essen noch Unterkunft, er ist in allem sich selbst der Nächste. Und merken Menschen überhaupt, wie die Tiere liebevoll Anteil auch am Leben der Menschen nehmen? Und welche inneren Werte sie ausstrahlen?

8  Im Laufe der Nacht kommen Hirten mit ihren Schafen und klopfen an der Tür zum Stall. Auch ihr Besuch ist ein Symbol für die Welt. Es bedeutet: Die Armen und Einfältigen werden ihren Gott schneller erkennen und Ihn lieben als die Reichen. Die Hirten spüren in dieser Nacht wie noch nie zuvor, dass Gott ihnen nahe ist. Sie können es nicht fassen - und doch merken sie: Es ist, wie wenn ein Licht aufgegangen ist. Sie können der Familie im Äußeren nichts geben. Doch sie schenken sich im Gebet. Naturverbundene Menschen, die wie die Schäfer unter freiem Himmel leben, haben oft eine sehr sensible Seele. Sie empfinden, dass sich in diesen Augenblicken etwas Gewaltiges im Kosmos bewegt. Noch liegt der neugeborene Mensch hilflos in einem Futtertrog für Tiere. Als Erwachsener wird er später sagen: „Ich bin der gute Hirte. Ich rufe alle Menschen guten Willens in Israel. Und in allen anderen Völkern dieser Erde! Höret meine Stimme: Das Friedensreich ist nahe herbeigekommen!“

9  In dieser Zeit waren auch einige Sterndeuter aus dem Orient auf der Reise. Sie wussten von einer Prophezeiung. Der Befreier der Menschen, der Messias, würde unter einer ganz bestimmten Sternenkonstellation auf diese Erde kommen. Dieser Mann wird der lang ersehnte König sein, der das Volk Israel wieder zurück zu seinem Gott führen wird. Und diesen König würden danach auch die anderen Völker anerkennen. Und genau diese Sternenkonstellation zeigt sich jetzt am Himmel. Und auch ihnen, den Weisen aus dem Morgenland, ist in ihrem Inneren ein Stern aufgegangen, dass etwas Großes geschehen wird. Als der jüdische König Herodes in Jerusalem davon erfährt, lässt er die Männer seinen Hof rufen. Und er spricht zu ihnen: „Sucht sorgfältig nach dem Kind. Und wenn ihr es gefunden habt, so sagt mir wieder Bescheid, so dass auch ich kommen und es anbeten kann.“ Er redet süß. Doch dabei hat er finstere Gedanken: „Wenn hier ein zukünftiger König geboren werden soll“, so denkt sich Herodes, „dann wird er seine Geburt nicht lange überleben. Denn ich, Herodes, und meine Nachkommen – wir sind und wir bleiben die Könige dieses Landes.“

10  Die weisen Männer aus dem Orient, dem Morgenland, ahnen von den furchtbaren Plänen des Königs von Israel nichts. Und so ziehen sie mit ihren Kamelen und Eseln weiter erwartungsvoll ihres Weges. Und der Stern geleitet ihren Weg. In Gedanken versunken bemerken sie dabei nicht, dass die Tiere müde und durstig geworden sind. Denn sie sind schwer mit Proviant und mit Geschenken beladen. Doch auf einmal ist der Stern verschwunden. Bestürzt schauen die Sterndeuter einander an. „Wo ist der Stern? Warum ist er nicht mehr am Firmament zu sehen? Was ist geschehen?“ Sie steigen von den Tieren herab. Da erst fällt ihnen auf, wie erschöpft die Kamele und Esel sind und wie die Tiere vor Durst leiden. Deshalb laden sie zunächst die Lasten ab. Und zum Glück ist ein Brunnen zum Trinken ganz in der Nähe. Und gerade als sie Wasser für ihre Tiere schöpfen, spiegelt sich auf der Wasserfläche plötzlich wieder der Stern, den sie verloren hatten. Da ist ihre Freude groß. Sie danken Gott, der ihnen weiterhilft, gerade als sie sich ihrer durstigen Tiere erbarmt hatten. Und sie deuteten das Geschehen als ein Zeichen, dass sie mehr auf ihre Tiere achten sollten.

11  Und so kommen auch die Weisen Männer aus dem Orient noch in der Nacht in den Stall, und sie sehen dort den kleinen neugeborenen Menschen. Wenn die Prophezeiung stimmt, dann liegt also hier das Kind, das später neuer König werden würde. Er wird von seiner Mutter Maria liebevoll geschützt vor der großen Kälte. Die drei Männer beugen sich und gehen auf die Knie. Und sie öffnen ihre Tücher und breiten ihre mitgebrachten Gaben für den zukünftigen König und seine Familie aus. Dann legen sie sich – erschöpft von der langen Reise – ein wenig zur Ruhe. Doch während sie schlafen, haben sie einen Traum. „Kehrt nicht wieder zu König Herodes zurück, wie ihr es ihm versprochen habt“, so eine Stimme in dem Traum. Von diesem Traum sehr betroffen, beratschlagen sie am Morgen, was nun zu tun sei. Und sie entscheiden, auf die Warnung der Stimme in dem Traum zu hören. Und so ziehen sie auf einem ganz anderen langen Weg zurück in den Orient, von wo sie einst aufgebrochen waren.

12  Die erste Nacht war nun auch für Josef und seine Familie überstanden. Es war grimmig kalt im Stall, und Maria hatte das Kind zur Welt gebracht. Und die Hirten waren da und die Sterndeuter. Und Maria ist noch sehr schwach, doch Josef und Maria spüren: Gott ist ganz nah und kümmert sich um sie. Da klopft plötzlich eine ältere Frau an. Sie hat gehört, dass in dieser Stallhöhle ein Kind geboren wurde. Und die Frau fasst sich ein Herz und führt Josef, Maria und das Kind aus dem Stall heraus in ein warmes Quartier. Und so gehen Josef, Maria und die Söhne Josephs in dieses Quartier und von diesem Quartier aus dann zu den Steuerbehörden. Und sie lassen sich in die Steuerlisten des römischen Reiches eintragen, wie es ihnen befohlen wurde. Danach wollen sie noch einige Zeit ruhen, damit vor allem Maria wieder zu Kräften kommt. Denn erneut steht ihnen ein beschwerlicher Fußmarsch bevor, zurück nach Nazareth, nach Hause.

13  Doch etwas Böses liegt in der Luft. Und nachdem Josef eingeschlafen ist, träumt auch er schwer und hat eine Ahnung, dass sich etwas Unheilvolles naht. Inzwischen hat sich der Tag längst dem Ende zugeneigt. Da überbringt ein Bote mitten in der Nacht die Nachricht an die Bewohner der Stadt, dass die Soldaten von König Herodes nach einem neugeborenen Kind suchen. Es soll in den Königspalast gebracht werden, wenn man es gefunden hat. Josef und Maria bekommen alles mit und sie erschrecken. Sie ahnen, dass ihr Kind gemeint sein muss, und dass Herodes nichts Gutes mit ihm vorhat. Und sie spüren genau: Jetzt dürfen sie keine Zeit mehr verlieren. Und sogleich, noch mitten in der Nacht, machen sich Josef und Maria mit Jesus auf. Sie fliehen zu Fuß aus Bethlehem jedoch nicht nach Nazareth, sondern in die entgegen gesetzte Richtung, weiter nach Süden in Richtung Ägypten – Maria noch sehr schwach, doch voller Vertrauen auf die Hilfe Gottes. Und so ziehen die Söhne Josefs am nächsten Morgen alleine wieder in Richtung Norden zurück nach Nazareth. Und Josef vernimmt eine Stimme in sich, die sagt: „Wenn ihr in Ägypten angekommen seid, bleibe dort, bis ich dir weiteres sage. Denn König Herodes versucht, das Kind umzubringen.“
So ziehen Maria, Josef und Jesus nach Ägypten und bleiben dort, bis die Zeit gekommen ist, in der sie wieder zurückkehren können nach Nazareth.

 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Die Bethlehem-Geschichte von der Geburt Jesu, Freie Christen für den Christus der Bergpredigt, Marktheidenfeld 2003, zit.  nach http://www.theologe.de/geburt_jesu.htm, Fassung vom 23.12.2009


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