DER THEOLOGE - Nr. 9
Todesfalle Kirche - Warum musste Anneliese Michel sterben?
 Materialien zum Thema "Epilepsie"


Nachfolgend eine Zusammenstellung von Indizien bzw. Bausteinen aus dem Internet-Lexikon Wikipedia (Stand: 31.12.2005), die auf denkbare Querverbindungen zwischen der Diagnose „Epilepsie“ und dem Phänomen der „Besetzung“ hinweisen könnten. Beide Sachverhalte könnten demnach teilweise in Verbindung stehen. Dass eine Epilepsie deckungsgleich mit einer „Besessenheit“ ist, wie es in der mittelalterlichen Kirche angenommen wurde, wird hier ausdrücklich nicht vertreten. Es spricht jedoch manches für fließende Übergänge bzw. für eine “Besessenheit“ als eine Verschärfung der seelischen Situation, die ursprünglich in einer Epilepsie ihren körperlichen Ausdruck gefunden hatte. Bezieht man die “angeborene“ Epilepsie hier in diese Überlegungen mit ein, ließe sich das nur damit erklären, dass eben kein Mensch als “unbeschriebenes Blatt“ auf die Welt käme, sondern die Seele, die in einen Körper inkarniert, bereits bestimmte Belastungen mitbringt (vgl. hier Der Theologe Nr. 2 zum Thema Reinkarnation).
Der umfassend dargelegte aktuelle Wissensstand zum Thema „Epilepsie“ lässt sich unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie abrufen. Bei Anneliese Michel wurde von ärztlicher Seite „Epilepsie“ diagnostiziert, während die Angehörigen von einer „Besetzung“ bzw. Besessenheit ausgingen. Frau Michel starb am 1. Juli 1976 mit 23 Jahren, als sich im Zusammenhang mit vielen an ihr durchgeführten römisch-katholischen Teufelsaustreibungen ihr Zustand dramatisch verschlimmert hatte und sie auf nur noch 31 kg abgemagert war.
Das Thema beschäftigte aufgrund zweier Kinofilme verstärkt die deutsche Öffentlichkeit. Ende 2005 war die US-amerikanische Produktion
Der Exorzismus von Emily Rose zu sehen. Und Anfang 2006 folgte ein deutscher Film, der an Anneliese Michel anknüpft und den Titel Requiem trägt. Er wurde bereits mehrfach preisgekrönt.

… Konvulsive Anfälle, der typische "große" Anfall mit Bewusstseinsverlust … Wenn des Bewusstsein eingeschränkt ist und eine Erinnerungslücke oder Verwirrtheitszustände während des Anfalls oder danach auftreten, wird der Anfall komplex partiell genannt.

Vorangehen können akustische, visuelle und olfaktorische Halluzinationen bzw. "Pseudohalluzinationen".

Manchmal besteht die Möglichkeit, auf Auren [= den Anfängen eines Anfalls] mit einem meditativen Zustand zu reagieren, um Anfälle zu verhindern. Dazu trainiert man beispielsweise, sich blitzschnell auf das Wort "Leer" zu konzentrieren.

Die Anfälle sind charakterisiert durch meist viszerale Auren mit Aufsteigen unangenehmer Gefühle aus der Magengegend. Sie werden gefolgt von herdförmigen Anfällen mit Bewusstseinsverlust, die sich in schmatzend-kauenden Mundbewegungen, gefolgt von sich wiederholenden Handbewegungen, dann Umhergucken und schließlich Bewegungen des ganzen Körpers. Die medikamentöse Therapie ist bei Temporallappenepilepsien zumindest schwierig …

Bei generalisierten Anfällen ist immer von Anfang an die gesamte Hirnrinde von der elektrischen Anfallsaktivität betroffen. Diese Anfallsformen gehen daher auch immer mit einem Bewusstseinsverlust einher. Sie werden nochmals in so genannte kleine (Petit-mal, frz. kleines Übel) und große (Grand-mal, frz. großes Übel) Anfälle unterschieden.

Zu den möglichen Auslösern gehören z. B. Alkohol(entzug), Drogen, Schwangerschaftsvergiftung.
Findet man keine der beiden vorgenannten Ursachen [Hirnschädigung oder erbliche Veranlagung], nennt man die Epilepsie kryptogen.

Mit dem Spektrum der heute verfügbaren Medikamente gelingt es in circa zwei Drittel der Fälle, die Anfälle zu kontrollieren. Bei den übrigen Patienten spricht man von einer pharmakoresistenten Epilepsie. Hier gilt als Faustregel: Wenn das erste Medikament nicht zur Anfallsfreiheit geführt hat, beträgt die Chance, dass ein anderes Medikament zur dauerhaften Anfallsfreiheit führt, nur circa 10 %.

Viele Hunde können den epileptischen Anfall eines Familienmitglieds vorhersagen. Daher versucht man neuerdings gezielt Epilepsiehunde auszubilden.

Verhaltenstherapie (mit oder ohne Biofeedback) kann den Betroffenen ermöglichen, auf Vorzeichen eines Anfalls zu reagieren und diesen zu verhindern oder abzumildern.

Hell-Dunkel-Wechsel sind, wenn der Wechsel nur wenige Male pro Sekunde stattfindet, für die meisten Menschen gefahrlos. Die Wechsel wirken anregend und motivieren zum Beispiel Kinder dazu, mit einem Stock an Lattenzäunen entlang zu laufen, oder Jugendliche, in die Disko zu gehen. Durch sehr schnelle Farb- und Hell-Dunkel-Wechsel löste 1997 in Japan die Kindersendung Pocket Monsters [Pokemon] bei über 600 Zuschauern ohne epileptische Vorgeschichte, zumeist Kindern, epileptische Reaktionen aus, so dass 200 von ihnen im Krankenhaus übernachten mussten ...

Mit Pius IX. (1792-1878) gelangte ein Epileptiker sogar auf den Papststuhl.

So galten Epilepsiekranke in manchen antiken Kulturen als Heilige, da ihnen der (scheinbare) Übergang in Trancezustände so leicht fiel. Bei den alten Griechen galt die Epilepsie als "heilige Krankheit", als "Besessensein von der göttlichen Macht" - der Epilepsiebegriff stammt von dem griechischen Wort "epilambanein" ab, das "packen, jemanden heftig ergreifen" bedeutet.
 

Zusammenstellung des Textes: Dieter Potzel, Theologe, ehemaliger evangelisch-lutherischer Pfarrer, Autor der Untersuchung "Todesfalle Kirche – Warum musste Anneliese Michel sterben?" in www.theologe.de/theologe9.htm - zuletzt überarbeitet am 29.5.2010


 



"Der Theologe Nr. 9" - Todesfalle Kirche: Warum musste Anneliese Michel sterben?
 

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