DER THEOLOGE
Nr. 39
"Die Angst geht um im Vatikan" –
Bewaffnete Einheiten schützen den Papst
Ein Gespräch zu einem brisanten Thema
"Seit Monaten mehren sich die Drohungen gegen den Vatikan", so die deutsche
Zeitung Bild am 6.12.2008. Und Andreas Englisch, der Korrespondent
der Zeitung im Vatikanstaat, schrieb: "Der Papst musste handeln. Die Gendarmerie
erhielt eine moderne, neue Uniform und dazu Waffen. Jetzt müssen die
Gendarmen des Papstes wieder Schießtraining absolvieren ... Keiner spricht
gern darüber, aber nach dem Bombenanschlag in Bombay ist es noch deutlicher
zu spüren: Die Angst geht um im Vatikan." So weit der Korrespondentenbericht
aus dem Vatikan.
Waffen und Schießtraining – davon bekommt die
Gläubigen, die vom Papst gesegnet werden wollen, normalerweise nichts mit.
Wir haben jedoch die Meldung von der "Angst im Vatikan" einmal zum Anlass
genommen, genauer hin zu sehen. In der Meldung heißt es, die Gendarmerie des
Vatikan erhielt Waffen. Was heißt das genau? Und wie war es denn bisher
gewesen?
Neue Aktualität gewann das Thema in Deutschland ab Mai 2009 anlässlich des
Kinofilms Illuminati nach einem Roman von Dan Brown: Ein Papst wird
von seinem eigenen Kammerdiener ermordet, und auch die Chefs von Gendarmerie
und Schweizergarde werden im Laufe des Films erschossen.
Am Heiligabend 2009 schließlich hüpft die 25jährige Susanna Maiolo aus der
Schweiz über eine Absperrung im Petersdom, um den Papst zu umarmen. Dieser
ging dabei überrascht zu Boden, was bei den "Sicherheitskräfte"
des Vatikan die Frage aufwarf, wie sie ihn noch besser "beschützen"
können.
Nachfolgender Artikel ist die Mitschrift eines
Gesprächs von Freien Christen zum Thema.
Zwei Truppen: Gendarmerie und
Schweizergarde
Würde Jesus einer "hohen Feuerdichte" im
Nahkampf vertrauen?
Karate, Judo und gute Kontakte zur
Leibwache des US-Präsidenten
Wurde der geistige Schutzengel des Papstes degradiert?
Für den Papst: Allerhöchste
Sicherheitsvorkehrungen, die diese Welt bieten kann
Scharfschützen auf den Dächern bei der Wiederkunft von Christus?
Erfahrungen des Kommandanten der
Schweizergarde
Woher kommt die Angst im Vatikan?
Hinter jedem Soldaten im Krieg stand ein
Priester, der ihn segnete
Notfalls das Leben zu lassen - welche
"totalitäre Sekte" verlangt das?
Die
Hilfe des "heiligen" Damasus
"Blutlügen" und verwischte Spuren - Wer ermordete Kommandant Estermann?
"Wir haben deine Lehre verbessert"
Zwei Truppen: Die Gendarmerie und die
Schweizergarde
Möglicherweise erhielten die Gendarmen neue Waffen parallel zu den neuen
Uniformen. Es ist aktuell von professionellen Pistolen vom Typ Glock die
Rede, die viele Militärs und Polizeieinheiten weltweit verwenden und die
jetzt auch die Gendarmen im Vatikan an ihrem Gürtel tragen. Zuvor hieß
es, sie tragen Pistolen der Marke Beretta automatica vom Kaliber 7,65, so z.
B. der katholische Nachrichtendienst zenit.org. Grundsätzlich heißt das
aber: Die Gendarmen sind also nicht erst seit kurzem, sondern schon seit
vielen Jahren bewaffnet, genauso wie die Schweizergarde, die bekannte
Leibwache des Papstes.
Die Gendarmerie einerseits und die Schweizergarde andererseits, das sind zwei
unterschiedliche Truppen. Die ca. 110 Schweizergardisten haben die Funktion
einer Art Armee im Vatikan, die ca. 150 Gendarmen die Funktion der Polizei.
Bis nach dem 2. Vatikanischen Konzil im 20. Jahrhundert gab es zudem noch
die adlige Palatinergarde und eine 500 Mann starke Bürgermiliz im Vatikan,
also insgesamt vier bewaffnete Organisationen im Vatikan. Papst Paul VI.
hatte nach dem 2. Vatikanischen Konzil dann die beiden letztgenannten Milizen aufgelöst, und
die Gendarmen und Schweizergardisten sollten ihre Feuerwaffen abgeben. Ob
dies dann wirklich geschah, sei einmal dahin gestellt. Auf jeden Fall
bekannte man sich nach dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981
wieder zu Waffen. Und spätestens seit dem 11. September 2001 ist eine
deutliche weitere Aufrüstung im Vatikan spürbar, die jetzt noch einmal
verstärkt wird.
Dazu die Frage: Hatte Jesus von Nazareth
damals seine Anhänger aufrüsten
lassen, als sich die Pharisäer und Schriftgelehrten zunehmend gegen Ihn
stellten?
Jesus hat in der Bergpredigt, wie sie im Matthäusevangelium
nachzulesen ist, gesagt: "Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden
das Land erben." Da wäre es ein Widerspruch gewesen, wenn Er seine Jünger
bewaffnet hätte.
Und ist nicht eine Bewaffnung auch eine Vorstufe von Gewalt? Also hat das
doch mit Jesus nichts zu tun, was wir aus dem Vatikan von "verstärkter
Bewaffnung" hören. "Die Angst geht
um im Vatikan", so lesen wir. Wie wird denn im Umfeld des Papstes
aufgerüstet? Was ist hier in den letzten Jahren und Monaten im Jahr 2008 genau passiert?
Würde Jesus einer "hohen Feuerdichte im Nahkampf" vertrauen?
Wir haben ja bereits von Feuerwaffen gehört. Und so sind die altertümlichen
Lanzen und die bunten Uniformen der Schweizergarde auch nur die Folklore,
die man nach außen zeigt. Die verborgene Seite der Wirklichkeit beschreibt
der Redakteur Andreas Englisch so: "Die Schweizergardisten trainieren
regelmäßig mit der Schweizer Armee und sind mit Pistolen vom Schweizer
Hersteller SIG Sauer und mit Sturmgewehren ausgerüstet" (Bild, 6.12.2008).
Und zum Stichwort "Sturmgewehr" kann man z. B. im Internet-Lexikon
Wikipedia lesen: "Nach taktischen Gesichtspunkten ist das ´Sturmgewehr`
eine Handfeuerwaffe, welche die Einsatzbereiche des Gewehrs, gegebenenfalls
sogar eines Scharfschützengewehrs, und einer Maschinenpistole gleichermaßen
abdecken soll." Ein Sturmgewehr zeichnet sich zudem aus durch "zielgenaues,
durchschlagskräftiges Einzelfeuer im Fernkampf" und "hohe Feuerdichte im
Nahkampf" (Stand: 18.2.2009).
Ich stelle mir hierzu den Kreuzweg des Jesus von Nazareth vor. Ich ahne, wie
Jesus gelitten hat. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus, wenn
dies damals schon möglich gewesen wäre, auf "durchschlagskräftiges
Einzelfeuer im Fernkampf" oder auf "hohe Feuerdichte im Nahkampf" gebaut
hätte, z. B. bei seiner Festnahme im Garten Gethsemane.
Jesus ist ja auch nicht der Papst. Jesus wurde von den Obrigkeiten verlacht,
dem Papst liegen alle Regierungschefs zu Füßen.
Karate, Judo und gute Kontakte zur Leibwache des US-Präsidenten
Und entsprechend geht es dort auch zu. Im Osservatore Romano, der
Vatikan-Zeitung, heißt es z. B. in der Ausgabe Nr. 48/2008: "Dass der
Vatikanstaat mit seinem Gendarmeriekorps über eine professionelle
internationale Polizei verfügt, bestätigte vor einigen Wochen Robert S.
Muller, der Direktor der US-amerikanischen Bundespolizei FBI bei einem
Besuch im Vatikan." Und wenn schon die Gendarmen so professionell sind, dann
erheben natürlich die Schweizergardisten auch diesen Anspruch. Zwischen
diesen beiden Vatikan-Truppen soll es vielfach eine Konkurrenz geben, wer
denn den Papst und den Vatikan effektiver schützt.
Im Jahr 2006 feierte diese Schweizergarde ja ihr 500-jähriges Jubiläum. Und
hierzu schreibt die Süddeutsche Zeitung vom 21.1.2006: "Die
Vatikan-Zugänge, den Apostolischen Palast und den Papst müssen sie schützen;
und das tun sie nicht mit ihren Hellebarden, Lanzen und Schwertern, sondern
mit modernstem Gerät – und Feuerwaffen. ´Wir sind genauso fit wie andere
Sicherheitsdienste`, sagt der Kommandant. Seine Personenschützer werden in
der Schweiz trainiert. Zudem pflegt die Garde gute Kontakte zur Leibwache
des amerikanischen Präsidenten. In Rom üben die Schutzengel des Heiligen
Vaters Karate und Judo, manchmal schießen sie im Keller des Vatikan."
Ähnliches gilt dann natürlich für die Gendarmen. Denn wie gesagt: Keine der
beiden Truppen möchte gegenüber der anderen ins Hintertreffen geraten. Und
hier konnten wir im Jahr 2008 eine enorme Aufrüstung bzw.
Aufwertung der Gendarmen erfahren. So ist die vatikanische Gendarmerie seit
Oktober 2008 Mitglied von Interpol, der internationalen Polizeieinheit. Und
etwa im selben Zeitraum wurde eine Anti-Terroreinheit, die Unita Antisabotaggio, aufgebaut und auch eine schwer bewaffnete
"Schnelle
Eingreiftruppe", die Intervento Rapido – die Begriffe wurden aus dem
Sprachgebrauch z. B. der NATO und der US-Armee entlehnt.
Und bereits unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New
York 2001 wurde die Zentrale der Gendarmerie im Vatikan ja auch zu einer
hochmodernen Überwachungszentrale umgebaut. Auf über 50 Monitoren kann die
Vatikan-Polizei seither fast jeden Winkel des Kirchenstaates beobachten.
Wurde der geistige Schutzengel des Papstes degradiert?
Antiterroreinheit? Schnelle-Eingreif-Truppe? Und dann die Aussage: Die
Schutzengel des so genannten Heiligen Vaters führen im Keller des Vatikan
Schießübungen durch. Und sonst trainieren sie mit der Schweizer Armee und
sind mit Sturmgewehren ausgerüstet. Heißt das vielleicht: Der Schutzengel,
den der Papst wie jeder Mensch auch aus der geistigen Welt für sein
Erdenleben mitbekommen hat, wurde degradiert? Der Papst vertraut weniger seinem
geistigen Schutzengel, sondern eher seinen bewaffneten Schutzengeln?
Es hat den Anschein, dass es so ist. Wir haben schon gehört, dass Jesus die
Menschen selig gepriesen hat, die keine Gewalt anwenden. Aber wie ist das
denn, wenn man angegriffen wird? Hat Jesus nicht vielleicht doch wenigstens
eine bewaffnete Verteidigung befürwortet?
Nein, er trug keinen Dolch im Gewand, um sich z. B. bei seiner Festnahme zu
verteidigen. Und was man heute aus dem Vatikan hört, ist deshalb das
Gegenteil von dem, was man von Jesus von Nazareth weiß. Einer seiner Jünger,
Petrus, trug zwar auch noch ein Schwert. Und einmal heißt es in der
Bibel, die zwölf Jünger hätten insgesamt zwei Schwerter bei sich. Der Grund:
Wohl, um
mögliche Straßenräuber fernzuhalten. Doch als Petrus das eine der beiden Schwerter zur
Verteidigung dann einmal tatsächlich einsetzen wollte, hat ihm Jesus deutlich widersprochen. Im
Matthäusevangelium in der Bibel, Kapitel 25, heißt es ab Vers
26: "Da sprach Jesus zu ihm: ´Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn
wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, ich
könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf
Legionen Engel schickte?`"
Und es gibt noch sehr viel mehr Stellen dieser Art. Jesus hat sich also in
keiner Weise auf eine Waffe verlassen. Ganz anders sein selbsternannter
Stellvertreter.
Für den Papst: Allerhöchste militärische und
polizeiliche
Sicherheitsvorkehrungen, die diese Welt bieten kann
Und passt es nicht dazu, was der Versucher von Jesus wollte? Er versprach ihm alle
Reiche der Welt, wenn er, Jesus, den Versucher, den Satan anbetet. Und die
Reiche der Welt werden nun mal mit Waffen zusammen gehalten. Jesus, der
Christus, sagte jedoch, und das kann man im Johannesevangelium der Bibel
nachlesen: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt
wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich nicht ausgeliefert würde." Wie
ist es jedoch beim Papst? Bei Papstbesuchen wird der Papst mit den
allerhöchsten militärischen und polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen
bewacht, die überhaupt denkbar sind, vergleichbar z. B. dem Präsidenten der
USA und noch darüber hinaus.
Im Jahr 2007 war ja der Papst in Deutschland. Und auf den Dächern der Städte
waren damals Scharfschützen postiert. Der gesperrte Luftraum wurde von
AWACS-Aufklärungsflugzeugen der Bundeswehr überwacht. Sogar
Luftabwehrraketen wurden in Stellung gebracht. Der Papst und die Seinen
wurden mit militärischen Mitteln empfangen und begrüßt. Und jeweils 5.000
Polizisten waren in München und Regensburg für die persönliche "Sicherheit"
von Joseph Ratzinger im Einsatz und zusätzlich spezielle Bodyguards des
Landeskriminalamtes Bayern. Allein in München kam es zu einer Viertelmillion
Überstunden für die Polizei, die aus der Staatskasse beglichen werden
müssen. Hinzu kamen mehrere Tausend Feuerwehrleute. Die Autobahn A 3 bei
Regensburg wurde gesperrt, der Güternah- und Fernverkehr eingestellt, der
Personenverkehr sowieso. Zudem wurde eine eigene Autobahnabfahrt für Joseph
Ratzinger gebaut. Und der Staat hatte allerschärfste Sicherheitsvorkehrungen
nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden angeordnet. Das bedeutete:
Jeder einzelne Meter der Fahrt- und Flugrouten mit Hubschraubern und
Autokonvois stand unter besonderer Überwachung. Entlang der Routen des
Papstes waren alle Gullies versiegelt. Alle Pflanzentröge und Vitrinen
wurden abmontiert, alle Mülleimer entfernt. Polizei mit Hundestaffeln
durchkämmten zuvor die einzelnen Häuser. Jedes Fahrrad stellte in München in
der Stadtmitte ein Sicherheitsrisiko dar und musste für den Schutz von
Joseph Ratzinger entfernt werden, auch Kinderfahrräder. Und während der
Papst am Marienplatz ein Gebet an Gott ablas, wurde jedes einzelne Fenster
der umliegenden Häuser von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht. Auch
Hotel- und Pensionsgäste wurden in ihren Zimmern von der Polizei beobachtet.
Der Einzelhandel vor Ort brach zusammen, die Schulen waren geschlossen, und
fast alle Betriebe mussten dicht machen. In Regensburg wurden sogar die
Hochspannungsmasten abgebaut und die Starkstromleitungen unterirdisch
verlegt, ein gigantisches Unterfangen – doch für die optimale Sicht der
Katholiken auf den Altar des Papstes hat der Staat dies gratis durchgeführt.
Scharfschützen auf den Dächern bei Wiederkunft von Christus?
Was im Vatikan und beim Papst üblich ist und jetzt im Vatikan weiter
verschärft wird, gibt es ja im Ansatz bei allen Reichen und Mächtigen dieser
Welt: Strenge oder gar strengste Sicherheitsmaßnahmen bis zu Scharfschützen.
Doch bei den Papstbesuchen wurde vieles noch einmal auf die Spitze getrieben. Und der
Vatikan nennt sich "christlich". Und so müsste er sich schon die Frage
gefallen lassen: Würde Jesus, der Christus, befürworten, dass bei
öffentlichen Terminen seiner Nachfolger Luftabwehrraketen oder Scharfschützen in Position gebracht
werden?
Man stelle sich das einmal vor. Die Christen und auch die
Mitglieder der Kirchen glauben ja, das Jesus, der Christus wiederkommt. Wie
würde das dann sein? Ich glaube, dass für Christus kein einziger Gulli versiegelt
wird, kein Kinderfahrrad entfernt wird, keine Hundestaffeln die Städte und
Dörfer durchkämmen und keine Schafschützen auf den Dächern postiert sind –
bereit zum Schuss, wenn jemand Jesus, dem Christus z. B. gefährlich nahe zu
kommen droht. Und er braucht auch keinen Altar und auch keine Kanzel wie die
Päpste und Priester und keine eigene Autobahn-Abfahrt, und es muss wegen ihm kein einziger Hochspannungsmast
abgebaut werden, um eine bessere Sicht auf ihn zu ermöglichen. Und er trägt auch keine besonderen Gewänder und Mützen
wie die Päpste und Bischöfe.
Das ist eben der Widerspruch. Das eine ist katholisch. Das andere ist
christlich. Das eine ist der Papst, das andere ist Christus. Beides hat
nichts miteinander zu tun.
Erfahrungen des Kommandanten der Schweizergarde
Es war auch zu lesen, dass die Schweizergarde des Papstes jetzt
einen neuen Kommandanten hat. Und auch hier scheint der Vatikan die Zügel
anzuziehen. Denn der neue Kommandant, Daniel Anrig, genoss zuvor einen
zweifelhaften Ruf als Polizeichef des Kantons Glarus. So wurde aufgrund
eines Polizeieinsatzes von Amnesty International gegen ihn Strafanzeige
gestellt. Ich lese dazu einmal den Bericht aus der Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung vom 2.12.2008:
"Geführt hat Anrig im Juli 2003 auch eine Spezialeinheit seiner
Kantonspolizei. Diese drang auf der Suche nach Drogen in zwei
Asylbewerberheime ein. Sie fesselte die Menschen dort an Händen und Füßen,
entkleidete und fotografierte sie und zog ihnen einen Stoffsack über den
Kopf. Ein 16-jähriger Afrikaner stürzte sich vor Schreck aus einem Fenster
des dritten Stocks und trug bleibende Verletzungen davon. Andere wurden
sechs Stunden lang gefesselt festgehalten. Einem Asylbewerber wurde der Mund
mit Klebeband zugeklebt. So beschreibt es der Zürcher ´Tages-Anzeiger`. Der
Richter damals sah die objektiven Tatbestandsvoraussetzungen des
Amtsmissbrauchs und der Freiheitsberaubung erfüllt. Weil aber seitens der
Polizei kein Vorsatz bestanden habe, den Asylbewerbern einen Nachteil
zuzufügen, kam Anrig mit der Bezahlung der Verfahrenskosten davon. Bezüglich
der ´entwürdigenden Behandlung` der Asylbewerber, beschied der Richter dem
damaligen Chef der Glarner Kriminalpolizei, es bestehe in der Ausbildung der
Polizeibeamten ein erheblicher Nachholbedarf." So weit der Artikel. Und der
neue Kommandant der Schweizergarde sagte zu diesem hier beschriebenen Einsatz selbst: Es
"war für mich eine bereichernde Erfahrung – gerade auch im Blick auf mein
neues Amt in Rom."
Welche weiteren Erfahrungen wird Kommandant Anrig im Vatikan machen? Der Vatikan-Korrespondent
Andreas Englisch beschrieb die Stimmung so: "Die Angst geht um im
Vatikan". Ist es also die Angst, die den Vatikan dazu bringt, sich immer
mehr zu bewaffnen und z. B. auch Leute zu holen, die einschlägige praktische
Erfahrungen mit dem Einsatz von Gewalt haben?
Woher kommt die Angst im Vatikan?
So ist es ja hier geschehen. Und die Frage ist doch auch: Woher kommt diese
Angst im Vatikan? Und warum verstärkt man die Bewaffnung? Könnte es nicht
sein, dass man Angst hat, dass einen das eigene unbereinigte Schicksal
einholt? Jahrhunderte lang hat man zu Kriegen aufgerufen und die Waffen
gesegnet, und die Täter von einst gelten heute oft als Heilige oder Selige.
Das ist der Gegensatz zu dem Mann aus Nazareth, der lehrte: "Wer das Schwert
nimmt, der wird durch das Schwert umkommen." Und die Schwerter und Lanzen
von damals sind natürlich heute auch die Pistolen und Sturmgewehre. Und die
Angst wird bleiben, solange man z. B. weltweit so genannte Militärseelsorge
betreibt, um die Soldaten in ihren Kriegen zu stärken. Irgendwann schlägt
der Kriegsgegner zurück und trifft dann wohl irgendwann auch denjenigen, der
den Soldaten mit seinen Segnungen immer wieder ein gutes Gewissen
verschaffte.
Das erleben wir ja immer wieder, wie die katholischen oder auch
evangelischen Militärseelsorger die Soldaten segnen. Aber ist es nicht sogar
so, dass die Päpste früher auch selbst Kriege geführt haben?
So ist es. Wenn man also im Kirchenstaat Angst hat, dass einen vielleicht
das eigene unbereinigte Schicksal einholen könnte, so scheint diese Angst
berechtigt. Hierzu ist interessant, was der bekannte Historiker Karlheinz
Deschner in einem Interview zu diesem Thema sagte:
"Nein, Kriege, Kriege in eigener Regie, führt der Papst inzwischen keine
mehr, nicht mehr gegen Heiden und nicht mehr gegen Christen, weil man ihm
alles, womit er Jahrhunderte lang Kriege geführt, weggenommen hat – Truppen,
Generäle, Schlachtschiffe, Kanonen, Festungen, Waffenfabriken. Doch gibt es
Möglichkeiten, die Menschheit auf andere Weise, gleichsam friedlicher, zu
bekämpfen. Ideologisch, durch dogmatischen Wahnsinn, der sich ja nie mit dem
bloßen Glauben begnügt, der ´missionieren`, ausgreifen will; durch
Unterstützung einer desaströsen Gesellschaftsmoral, die die Armen zugunsten
der Reichen betrügt; durch eine desaströse Sexualmoral, die im Mutterschoß
schützt, was sie preisgibt im Krieg ... im übrigen ist das Papsttum, seine
ganze Geschichte beweist es, intolerant durch und durch, ist tolerant nur,
wenn es die Opportunität erheischt, wenn es zweckdienlich ist, wenn es
einfach nicht mehr anders geht, aber nur dann!"
(Main-Post, 1.10.2008)
Hinter jedem Soldaten im Krieg stand ein Priester, der ihn segnete
Kriege, Aufforderung zu Kriegen: hier ist auch
an die Kreuzzüge zu denken und
die Segnungen von Soldaten in nahezu allen Kriegen. Und ist die Verbindung von Kreuzen und
Gewehren nicht sogar sprichwörtlich? Jahrhunderte lang hat die Kirche Waffen
gesegnet und hinter jedem Soldaten im Krieg stand ein Priester oder Pfarrer,
der ihm Kraft und Segen zusprach. Und jetzt ist es so weit, dass man selbst
offenbar immer mehr von den gesegneten Waffen braucht. So wird eigentlich
auch der Widerspruch zu Jesus von Nazareth noch deutlicher.
Denn Jesus hat weder Waffen eingesetzt noch hat er jemals Waffen
gesegnet. In seiner Bergpredigt
sagte er: "Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die
euch fluchen; bittet für die, die euch beleidigen." Und: "Selig die Frieden
stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden."
Manche behaupten allerdings, die Bewaffnung diene doch nur dem Frieden.
Doch so hat man schon immer geredet. Und man könnte auch sagen, über Jahrhunderte
waren Kreuz und Schwert beim kirchlichen Tun untrennbar verbunden. Und auch
die Vorläufer der heutigen Gendarmerie im Vatikan hatten keinen guten Ruf. "Schon im Mittelalter gab es in Rom eine eigene schlagkräftige
Polizeitruppe," schreibt die katholische Nachrichtendienst zenit.org.
Bekannt wurden die so genannten "Sbirri". "Ihr Vorgehen", so heißt es
weiter, "zeichnete sich durch Härte und Entschiedenheit aus ... Nach der
Französischen Revolution wurden sie verstärkt zur Bekämpfung revolutionärer
und anarchischer Bewegungen im päpstlichen Herrschaftsgebiet eingesetzt."
Bekannt wurde die vatikanische Polizei auch durch die Oper "Tosca" von Giacomo
Puccini, die im Jahr 1900 erstmals aufgeführt wurde. Puccini besang sie dort
als "gewissenlose Büttel einer absoluten Monarchie".
Notfalls das Leben zu lassen für den
Religionsführer -
welche "totalitäre Sekte" verlangt das?
Heute heißt es natürlich, hätte sich manches gebessert. Doch das Papsttum
ist nach wie vor eine Art absolute Monarchie. Denn es heißt ja in den
angeblich unfehlbaren Lehrsätzen der Kirche – und wir zitieren dazu die
Lehrbuchsammlung von Neuner-Roos,
Der Glaube der Kirche, Lehrsatz Nr. 430 –: "Dem römischen Papst sich
zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig. Das
erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir." Und die Angehörigen der
Schweizergarde müssen zudem den Eid leisten, notfalls ihr Leben für den
Papst zu lassen. Dazu heißt es im Amtseid des Gardisten: "Ich schwöre,
treue, redlich und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst Benedikt XVI.
und seinen rechtmäßigen Nachfolgern, und mich mit ganzer Kraft für sie
einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, selbst mein Leben für
sie hinzugeben ... Ich verspreche überdies dem Herrn Kommandanten und meinen
übrigen Vorgesetzten Achtung, Treue und Gehorsam ... Ich schwöre, alles das,
was mir soeben vorgelesen wurde, gewissenhaft und treu zu halten, so wahr
mir Gott und seine Heiligen helfen."
Man stelle sich vor, in irgendeiner anderen Glaubensgemeinschaft gäbe es
einen Sicherheitsdienst, und man ließe dort die Bediensteten schwören, ihr
Leben notfalls für die Anführer hinzugeben, wie dies im Vatikan üblich ist.
Die Kirche wäre die erste, die diese "totalitäre Sekte" brandmarken und vom
Staat ihr Verbot fordern würde.
Und das ist interessant. Die Kirche würde andere beschimpfen, wenn sie das tun
würden, was in der Kirche selbst gang und gäbe ist. Und was wir hier sagen,
ist ja nicht aus der Luft gegriffen.
Die Hilfe des "heiligen" Damasus
Interessant ist auch, wo die Vereidigung der Schweizergardisten erfolgt.
Anlässlich des 500jährigen Jubiläums war dies der Petersplatz, doch in der
Regel werden die Gardisten auf dem Damasushof vereidigt, der nach
Papst Damasus I. benannt ist, einem Heiligen der römisch-katholischen
Kirche. Und die Schweizergardisten leisten ja u. a. folgenden Eid: "Ich schwöre, alles das, was mir soeben vorgelesen wurde,
gewissenhaft und treu zu halten, so wahr mir Gott und seine Heiligen
helfen." Und da ist natürlich die Frage: Was liegt näher, als im Damasushof
natürlich besonders um die Hilfe des "heiligen" Damasus zu bitten.
Und wie soll das gehen? Wie soll Damasus helfen?
Dazu sollte man einiges aus seinem Leben wissen. Damasus, so heißt es, habe
ich sich im 4. Jahrhundert bei der Entstehung der Bibel verdient gemacht
(siehe dazu Der Theologe Nr. 14), doch
er hatte auch erhebliche militärische Erfahrung. Damasus hatte sich den
Papstthron mit Gewalt gegenüber seinem Konkurrenten Ursinus erobert. Doch
Ursinus gab nicht so schnell auf. Schließlich führte am 26. Oktober 366
eine von Papst Damasus I. bezahlte Söldnerarmee in der berühmten
Papstbasilika Santa Maria Maggiore ein Blutbad durch. In dem Buch Geschichte der Spätantike
von Alexander Demandt heißt es dazu auf Seite 98: "Die Leute des
Papstes Damasus stürmten eine Kirche und brachten 137 Anhänger seines
Gegners Ursinus um. Unfähig den Streit [der Kirchenführer] zu beenden verließ der praefectus
urbi [eine Art Bürgermeister] die Stadt. [Der Geschichtsschreiber] Ammian
meinte, dass der Kampf um den römischen Bischofsthron lohne angesichts des
fürstlichen Luxus, der seinen Inhaber erwarte. Der Kaiser ließ den Fall
untersuchen und bestätigte Damasus im Amt" (Alexander Demandt, Geschichte der Spätantike, S. 89,
C.H.Beck-Verlag München 1998).
Hier stellt sich natürlich die Frage: Wie könnte der Heilige Damasus mit
seiner Erfahrung den Schweizergardisten heute helfen?
Das ist doch alles ein Hohn und Spott auf Christus, was im Vatikan geschah
und geschieht. Und auch ein Hohn auf die Zehn Gebote des Alten Testaments.
Eines davon heißt ja auch schlicht: "Du sollst nicht töten". Und Jesus sagte
dazu in der Bergpredigt: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt
worden ist: ´Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, der soll dem
Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch
nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein". Und: "Wenn du deine Opfergabe
zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich
hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich
zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne
Zögern Friede mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum
Gericht bist." So also Jesus von Nazareth. Was jedoch ordnete der Heilige
Damasus an, nach dem der Damasushof benannt ist, in dem die Schweizergarde
ihren Eid ablegt: "Bringt die Anhänger meines Gegners um, bis sie alle tot
sind." Was also würde passieren, wenn ein Schweizergardist, der schwört,
Gott und die Heiligen um Hilfe zu bitten, die Hilfe des Damasus erhält?
"Blutlügen" und verwischte Spuren -
Wer
ermordete Kommandant Alois Estermann?
Es sage niemand, dass ist vielleicht etwas weit hergeholt.
Dazu sei
an den Mord an dem Kommandanten der Schweizergarde Alois Estermann erinnert, der am
4. Mai 1998 nur zehn Tage nach seiner Ernennung zusammen mit seiner Frau
erschossen wurde. Es hieß, der Schweizergardist Cedric Tornay hätte es getan
und sich anschließend selbst umgebracht. Doch die Hintergründe der Tat sind
bis heute unaufgeklärt, und es sind mittlerweile Bücher erschienen wie z. B.
eines mit dem Titel Blutlügen im Vatikan. Dort geht man von einem
Machtkampf in der Armee des Vatikan aus, der durchaus an frühere Machtkämpfe
erinnern könnte wie den zwischen Damasus und Ursinus im 4. Jahrhundert. Und
in der Zeitschrift Das Weisse Pferd ist zu dem Mord an dem
Kommandanten zu lesen: "Der Tatort wurde stundenlang nicht abgesichert, die
römische Polizei wurde nicht angefordert, um die Spuren fachmännisch zu
sichern; auch die veröffentlichten Ergebnisse der Obduktion entsprächen bei
weitem nicht den Standards des Polizeihandwerks" (http://www.das-weisse-pferd.com/00_13/morde_im_vatikan.html).
Und wiederum kann man fragen: Wie hätte die Kirche wohl reagiert, wenn die
Morde nicht in ihrem eigenen Machtzentrum passiert wären, sondern bei einer
Gemeinschaft, die ihr ein Dorn im Auge ist? Und bei alledem behauptet man im
Vatikan, hier würde der Stellvertreter Christi wohnen und alles, was man
dort militärisch und polizeilich tut, diene seinem Schutz und dem Schutz
seiner Untergebenen.
Doch die Kirche sollte wenigstens Christus aus dem Spiel lassen. Denn das ist
Täuschung des Volkes. Was dort geschieht, ist sicher katholisch. Und die
Mächtigen der Kirche können das ja tun. Dann sollen sie aber auch so ehrlich
sein und sagen, dass das nichts mit der Lehre von Christus zu tun hat.
"Wir haben deine Lehre verbessert"
Dazu sei auch an den Großinquisitor in der bekannten Erzählung des
russischen Schriftstellers Dostojewski erinnert. Der Großinquisitor sagt zum
wieder gekommen Christus: "Wir haben deine Lehre verbessert."
Indem die Kirche z. B. das Gebot "Du sollst nicht töten" aufgehoben bzw.
relativiert hat und gesagt hat, die Bergpredigt von Jesus sei in Politik und
Gesellschaft nicht anwendbar. Doch Jesus selbst sagte einst: "Wer nun eines
von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der
Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß
heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht
besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht
in das Himmelreich kommen." Und ist die Gerechtigkeit des Papstes und des
Vatikan wirklich besser als die der damaligen Theologen und Schriftgelehrten?
Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer
interessanter Texte.
[
1 - Luther-Evangelische Lehre
]
[
2 - Reinkarnation
]
[
3 - Luther-Christus
]
[ 4 - Kirche-Holocaust
]
|