DER THEOLOGE
Hintergrund zu Martin Luther


Martin Luther über die jüdische Mitbürger und die "Judensau"

"Es ist hie zu Wittenberg an unserer Pfarrkirche eine Sau in Stein gehauen; da liegen junge Ferkel und Juden drunter, die saugen; hinter der Sau steht ein Rabbin, der hebt der Sau das rechte Bein empor, und mit seiner linken Hand zieht er den Pirzel über sich, bückt und guckt mit großem Fleiß der Sau unter dem Pirzel in den Talmud hinein, als wollt er etwas Scharfs und Sonderlichs lesen und ersehen ..."

(Aus der Schrift "Von den Juden und ihren Lügen", Jena 1543, zit. nach Erlanger Ausgabe der Lutherschriften XXXII, S. 298)

Hier lesen Sie die Meldung über das "Judensau"-Motiv an der Bayreuther Stadtkirche aus dem Jahr 2005

Die "Judensau" war ein beliebtes Motiv der Kirche im Zusammenhang der Verleumdung und Verfolgung der jüdischen Mitbürger. Sie findet sich nicht nur an den Stadtkirchen der Lutherstadt Wittenberg (aus dem 14. Jahrhundert) und von Bayreuth. Sondern auch an weiteren Kirchen; nach einer Aufstellung von Oliver Gussmann,
 a.a.O. aus dem Jahr 2001 an folgenden Orten.

Aerschot/Belgien (Notre Dame, 16. Jahrhundert)
Bad Wimpfen (Stiftskirche St. Peter, 13. Jahrhundert)
Bamberg (Dom)
Basel (Münster, 1432)
Brandenburg (Dom, älteste Darstellung von 1230)
Cadolzburg bei Fürth (Burgtor, Außenseite, 15. Jahrhundert)
Colmar (Münster St. Martin, 14. Jahrhundert)
Eberswalde (St. Maria Magdalena, 13. Jahrhundert)
Erfurt (Dom, Chorgestühl, 15. Jahrhundert)
Gnesen (Kathedrale, 14. Jahrhundert)
Heiligenstadt (Annakapelle, 1300)
Heilsbronn bei Ansbach (Münster, 15. Jahrhundert)
Köln (Chorgestühl im Dom, 14. Jahrhundert und St. Severin)
Lemgo (St. Marien, 13. Jahrhundert)
Magdeburg (Dom, 13. Jahrhundert)
Metz (Kathedrale, 14. Jahrhundert)
Nordhausen (1380)
Nürnberg (St. Sebald, 1320)
Regensburg (Dom, 14. Jahrhundert)
Remagen (Torbogen)
Spalt bei Nürnberg (Chorherrenstift, 15. Jahrhundert)
Straßburg
Uppsala (Dom, 14. Jahrhundert)
Wien (heute Stadtmuseum)
Xanten (Dom, 1265)
Zerbst (Nikolaikirche, 15. Jahrhundert)


Herr Wolfram Kastner vom Institut für Kunst und Forschung in München hat uns im Jahr 2011 jedoch auf die teilweise Unvollständigkeit und Fehlerhaftigkeit dieser Aufstellung aufmerksam gemacht. Auf seiner Seite http://www.christliche-sauerei.de/aktuell/aktuell.html dokumentiert er von ihm überprüfte aktuelle Judensau-Motive mit einer Beschreibung der jeweiligen Skulptur. In seiner Aufstellung fehlen die Orte Aerschot, Bamberg, Remagen und Wien. Dafür sind weitere "Judensäue" dokumentiert in:

Ahrweiler
Bacherach
Bützow
Cadolzburg
Calbe
Theilenberg
Wiener Neustadt
 

Zur Erklärung:
"Die Beleidigung von Juden und ihrer Religion durch das ´Judensau`-Motiv geschieht auf mehrfache Weise: Das Schwein ist für Juden ein unreines (unkoscheres) Tier (3. Mose 11, 7). Jeglicher Kontakt mit ihm wird vermieden. Der Genuss von Schweinefleisch und -fett oder gar von Schweinemilch ist Juden ein Abscheu. Die religiösen Gefühle von Juden werden dadurch in besonderer Weise verletzt. Schon in der Antike hat man bei Judenverfolgungen Juden zwingen wollen, Schweinefleisch zu essen (2. Makkabäer 7, 1). Eine intime Beziehung zu einem Tier (Sodomie) ist für Juden wie Christen in gleicher Weise eine Verhöhnung. Das beinahe familiäre Miteinander von Schwein und Juden lässt den Betrachter an eine verwandtschaftliche Beziehung der Juden mit dem Schwein denken, die Juden seien von ganz anderer Art als die Christen. Es ist sicher nicht zu weit gedacht, wenn man im ´Judensau`-Motiv schon einen Vorläufer des Rassenantisemitismus sieht" (Oliver Gussmann in: Begegnungen. Zeitschrift für Kirche und Judentum Nr. 84 (2001), S. 26-28).


Mehr zu Luthers Antisemitismus lesen Sie hier im "Theologen Nr. 4"

sowie ausführlich in:

"Der Theologe Nr. 28": Martin Luther und die Juden - Der "größte Antisemit seiner Zeit" und vielleicht aller Zeiten.

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