DER THEOLOGE
Nr. 49


Prädestinationslehre: Nie wurde ein grausamerer Gott erfunden als hier


Zeitgenossen, die gelernt haben, Herz und Verstand zu gebrauchen, stellen immer mehr auch die Kirchenlehren auf den Prüfstand. Auf den ersten Blick könnte es dabei so erscheinen, als wäre die kirchliche Lehre einer angeblich ewigen, für den Einzelnen im Jenseits nie endenden Hölle bzw. Verdammnis das Schlimmste, was sich je Menschen ausgedacht haben. Für denjenigen, der diese Lehre befürwortet, sind "Sünde" und Schrecken größer und mächtiger als die Liebe des Schöpfergottes, und wer so denkt, der steht damit ein für eine in alle Ewigkeiten getrennte und geteilte Schöpfung in Herrlichkeit einerseits und Horror andererseits.
Doch es gibt noch eine Steigerung dieser Grausamkeit, welche besagt, "Gott" habe den einzelnen von ihm geschaffenen Menschen für dieses Schicksal auch noch vorher bestimmt oder er habe dies zumindest so vorher gesehen. Dieses kaum vorstellbare Grauen ist der Inhalt der kirchlichen Prädestinationslehren, die wir nachfolgend vor allem anhand von Original-Quellen darlegen. Die Quellen sind nicht vollständig, sie enthalten aber zentrale und wesentliche Aussagen der katholischen und evangelischen Kirchen zu diesem Thema.

Die Grundlage für die kirchliche Prädestinationslehre ist also deren ebenfalls grundsätzliche Lehre von einer ewigen Seligkeit der einen Menschengruppe und einer angeblich ewigen Verdammnis der anderen Gruppe am Ende der Zeiten; also letztlich Himmel oder Hölle, und das angeblich unveränderbar in alle Ewigkeiten, worüber einzig die kurze Zeitspanne eines irdischen Erdenlebens entscheiden soll. Doch schon diese Kirchenlehren einer ewigen Hölle haben nichts mit dem Schöpfergott und mit Jesus, dem Christus, zu tun, und sie lassen sich auch nicht mit den schillernden und unterschiedlichen Aussagen in ihrer eigenen Bibel vereinbaren, wie wir in Der Theologe Nr. 19 - Es gibt keine ewige Verdammnis, auch nicht in der Bibel ausführlich dargelegt haben. Wer sich zunächst mit dieser Voraussetzung für die kirchliche Prädestinationslehre näher befassen will, sollte jene Ausgabe des Theologen zuerst lesen. Im Folgenden aber zur Prädestinationslehre selbst.
 



Zwei Arten von Prädestination?

Kein wesentlicher Unterschied zwischen Vorhersehung oder Vorherbestimmung: Beides mit gleichen Folgen

Paulus (1. Jahrhundert)

Augustinus (4./5. Jahrhundert)

Die römisch-katholische Kirche

Martin Luther

Evangelisch-lutherische Theologen (20. Jahrhundert) über ihren Gründervater Martin Luther

Johannes Calvin

Die Evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften

Die Evangelisch-reformierten Bekenntnisschriften
 



Zwei Arten von Prädestination?
Die kirchliche Theologie unterscheidet dabei zwischen zwei Denkmöglichkeiten.
Nr. 1: Eine angeblichen Prädestination = Vorherbestimmung der "Erwählten" zum Heil in Verbindung mit einer so genannten "Vorhersehung" (praescientia) "Gottes", dass die "Nichterwählten" auf ewig verloren gingen.

Und Nr. 2: Die so genannte "doppelte Prädestination" (praedestinatio gemina), nämlich eine angebliche Vorherbestimmung Gottes sowohl für einen ewigen "Himmel" nach kirchlicher Vorstellung (für die katholische Variante z. B. mit über 250 Päpsten, aber ohne Tiere, die auch im evangelischen "Modell" fehlen) als auch für eine angeblich ewige Hölle nach kirchlicher Vorstellung.
Letzteres, also eine "doppelte Prädestination" lehren die reformatorischen Gründerväter Martin Luther und Johannes Calvin sowie die sich auf Johannes Calvin und Huldreich Zwingli gründenden "evangelisch-reformierten" Kirchen mit Mitgliedern vor allem in der Schweiz, den Niederlanden und den USA. Ersteres die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-lutherische Kirche.
Doch sind dies wirklich zwei unterschiedliche Arten der Prädestinationslehre oder ist nicht beides letztlich das gleiche furchtbare Gottesbild?
Bevor wir im nächsten Absatz näher darauf eingehen, noch eine grundsätzliche Anmerkung vorab: Mit dem Gott, den uns Jesus, der Christus nahe brachte, hat das alles nichts zu tun. Es ist Kirche, und Aspekte von Christus und Seiner Lehre werden dabei nur missbraucht.

Kein wesentlicher Unterschied zwischen "Vorhersehung" oder "Vorherbestimmung": Beides hat für das Opfer die gleichen Folgen
Auf den ersten Blick gewinnt vielleicht mancher den Eindruck, dass eine "Vorherbestimmung" zum Heil bei gleichzeitiger "Vorhersehung" zum Unheil nicht ganz so schlimm seien als die "Vorherbestimmung" für beides, so wie es Martin Luther und Johannes Calvin gelehrt hatten. Denn es wird bei den Katholiken und modernen Lutheranern ja offiziell verneint, dass der "Gott" der Kirche irgendwelche Menschen zur angeblichen ewigen Verdammnis vorher "bestimme". Doch der in der Dogmengeschichte der Kirche aufgeblähte Unterschied zwischen beiden theologischen Lehrrichtungen ist aus der Sicht der Opfer letztlich bedeutungslos. Denn für das angeblich ewig verdammte Kirchenopfer spielt es schlussendlich keine Rolle, ob der Kirchengott dessen ewige Verdammnis vorherbestimmt habe oder "nur" vorher gesehen. Denn "ewige Hölle" wäre nun mal "ewige Hölle", ohne Chance, diesem Zustand je wieder entkommen zu können, wenn das so stimmen würde; gleichgültig ob man sich dort "vorherbestimmt" oder "nur" "vorher gesehen" einfinden müsse.

Dazu ein Vergleich aus einem anderen Bereich: Wie ist das bei einem ermordeten bzw. getöteten Menschen? Aus Sicht des Opfers ist tot = tot, ganz gleich, ob ein irdischer Richter das Verbrechen im Nachhinein als "Totschlag" oder als "Mord" bewertet. Und es macht das Opfer keinen Deut lebendiger, wenn man feststellt, es wäre ja nun immerhin nicht ermordet worden, sondern "nur" getötet. Und was hätte die Seele, die gewaltsam ins Jenseits gebracht worden wäre, davon, wenn man ihr dort ausrichten würde, sie sei, wie sich heraus stellte, gar nicht ermordet, sondern nur getötet worden?

Wenn also die römisch-katholische und die evangelisch-lutherische Kirche lehren, ihre Prädestinationslehre sei doch etwas "Positives", nämlich die Erwählung der letztendlich "geretteten" Menschen zum ewigen Heil, dann ist das eine üble Manipulation der Menschen. Denn wenn der kirchlich ausgedachte "Gott" bestimmte Menschen demnach zum "ewigen Heil" prädestiniert = erwählt, dann bedeutet das nämlich ganz automatisch auch, dass er damit eben die anderen ausdrücklich nicht dafür prädestiniert bzw. erwählt hat. Also "unterlassene Hilfeleistung" im schwersten aller möglichen Fälle, denn es soll hier ja um eine Weichenstellung für die Unendlichkeit gehen. Und das bedeutet nach kirchlicher Lehre dann im Endeffekt für die nicht zum "Heil" Vorherbestimmten automatisch "ewige Hölle".
Zur Vollständigkeit muss hier noch ergänzt werden, dass dieses konfessionelle Glaubensmodell ohne Ausnahme alle aus ihrer Sicht "Geretteten" beträfe, die vom Konfessionsgott zuvor für diese "Rettung" vorher bestimmt worden wären. Es gebe also im kirchlichen "Himmel" nicht etwa einerseits die dafür "Vorherbestimmten" und andererseits andere, die nicht vorherbestimmt waren, es aber trotzdem geschafft hätten. Sondern alle Geretteten wären auch ausnahmslos dafür vorher bestimmt gewesen, und das grässliche Schicksal aller angeblich ewig Verdammten wäre ausnahmslos von "Gott" so vorher gesehen gewesen.

Indem der kirchliche "Gott" nun also laut katholischen und evangelischen Prädestinationslehre die "Geretteten" zum Heil vorher bestimmt, bestimmt (!) er die Nicht-Erwählten damit durch Unterlassen automatisch zur ewigen Verdammnis voraus. Daran ändert sich auch nichts, wenn die kirchliche Theologie diesen Sachverhalt mit dem Begriff "Vorhersehung" (praescientia) verbrämt, um ihr Gottesbild damit vermeintlich zu entlasten bzw. zu beschönigen. Einem "Gott", der einen Menschen neu schafft, obwohl er schon beim Schaffungsprozess dessen unendliches, ewiges grässliches Schicksal vorher sehen würde, müsste jeder Mensch mit einem Funken von Ethik und Moral sofort das Schöpfen untersagen, damit nicht noch mehr Unheil geschieht. Und hierbei geht es nach kirchlicher Lehre ja auch noch um wehrlose und hilflose Säuglinge, also um Babys, die gerade erst geboren werden, was der Grausamkeit der Kirchenlehren noch einen weiteren Aspekt hinzu fügt. Es gibt also in Wirklichkeit gar keine Prädestinationslehre "nur zum Heil", wie im Katholizismus und Luthertum behauptet wird, sondern jede Form der kirchlichen Prädestinationslehre ist letztlich immer eine so genannte "doppelte Prädestinationsbehauptung", entweder zum "Heil" oder zur "Hölle". So gesehen sind Martin Luther, Johannes Calvin und die evangelisch-reformierten Kirchen nur weniger scheinheilig, während sich die katholische und die lutherische Kirche hinter dem Wortgeflimmer einer angeblichen Nur-Vorhersehung einer angeblich ewigen Verdammnis verstecken.

Nachfolgend die Quellen bzw. einige Zitate aus der Literatur hierzu. Die Aufstellung ist, wie gesagt, nicht vollständig und kann jederzeit erweitert werden. Sie enthält aber bereits jetzt alles Wesentliche. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass für viele Menschen gilt: Wenn es noch eines Anlasses bedurfte, um aus der Kirche auszutreten und dem kirchlichen "Gott", der nur ein Trugbild der Theologen ist, endgültig den Rücken zu kehren, dann ist es die Prädestinationslehre, die mit Jesus, dem Christus, und dem Schöpfergott nicht das Geringste zu tun hat. Doch lesen Sie selbst! Es begann mit der Verfälschung der Lehre Jesu durch Paulus.

Paulus (1. Jahrhundert)

Paulus im Brief an die Römer:
"Geschrieben steht: ´Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.` Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne. Denn er spricht zu Mose: ´Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.` So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen ... So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will.
Nun sagst du zu mir: ´Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen?` Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: ´Warum machst du mich so?` Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren ... Was sollen wir nun hierzu sagen? ...
Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Mund bekennt, so wird man gerettet ... So kommt der Glaube aus der Predigt ... O welch eine Tiefe ... der Erkenntnis Gottes. Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!" (aus Römerbrief, Kapitel 9-11)
Zur Erinnerung: Mit Jesus, dem Christus und dem Gott, den Er uns nahe brachte, hat dieses Pauluswort nichts zu tun. Doch es kommt noch ärger.


Augustinus (4./5. Jahrhundert)

Der katholische "Heilige" und Kirchenvater Augustinus gilt als der eigentliche Erfinder der Prädestinationslehre. Er war auch der Lehrmeister für den Reformationsmönch Martin Luther, der als junger Mann nach seinem Studium den "Augustinern" in Erfurt angehörte. Augustinus hat eine unverhohlen "doppelte" Prädestinationslehre vertreten. Dabei ging er sogar davon aus, dass die von Gott dazu vorherbestimmten Menschen bereits vor (!) der Erschaffung der Welt zum ewigen Heil berufen worden seien, woraus sich der Schluss ergibt, dass ihm gemäß diesem kirchlichen Gottesbild dann auch bekannt gewesen sein dürfte, dass der Rest später in einer ewigen Verdammnis enden würde. Dieser konfessionelle Götze wäre also ein solches grässliches Monster gewesen, dass er eine Schöpfung ins Leben gerufen hätte, wo laut Kirche von vorne herein klar gewesen wäre, dass dies überwiegend im entsetzlichen und für alle Ewigkeiten unaufhörlichen Leiden für die meisten Menschen enden würde.

In dem theologischen Lexikon Theologische Realenzyklopädie, Band 27 (Herausgeber Robert Balz, Gerhard Krause, Gerhard Müller, Berlin. New York 1997) steht über Augustins Prädestinationslehre Folgendes geschrieben: Augustin fand
"... zu der Auffassung, dass schon der Beginn des Glaubens Gottes Gabe sei und dass diese Gabe frei sein müsse, da durch Verdienst Erworbenes keine Gnade sei (De praedestinatio sanctorum 3, 2; 6, 2). In einem Gnadenakt hat Gott entschieden, dass bestimmte Menschen erlöst werden sollen (ebd. 11, 6). Diese Gnadenwahl ist Prädestination. Gnade ist Gabe, auf die die Prädestination vorbereitet (ebd. 19, 10) ... Die Gnadenwahl hat ihren Ort in der Vorsehung Gottes (ebd. 32, 16). Er trifft seine Vorherbestimmung zum Heil, nicht aber zur Verdammnis, denn das würde ihn zum Urheber des Bösen machen. Niemand kann wissen, ob er prädestiniert ist, und darum kann auch niemand seines Heils gewiss sein. Im Gegeneinander ... stehen die zur himmlischen Herrlichkeit Vorherbestimmten denjenigen gegenüber, die nicht in dieser Weise prädestiniert und damit Bürger der Hölle sind." (De civitate Dei, X.)
Mit einem intellektuellen Winkelzug versucht der Kirchenheilige also, sein Gottesbild von der Urheberschaft des Bösen zu entlasten. Dafür wären dann Adam und Eva beim Sündenfall verantwortlich gewesen. Doch was muss das für eine "Gott" sein, der einen Fehler der von ihm geschaffenen Ur-Menschen zum Anlass für ewige Höllenstrafen aller nachfolgender Menschengenerationen nähme? Und das "Vorherbestimmung zum Heil" auch automatisch auch "Vorherbestimmung zum Unheil" ist, haben wir oben bereits dargelegt.

"Ich rufe auch die Heiligen an. Ich bin mit Augustinus ... befreundet. Man sagt dann auch zu solchen Heiligen: ´Helft mir!`" (Ex-Papst Joseph Ratzinger in "Licht der Welt", Freiburg 2010, S. 32; Link: Die Lehre des Augustinus über die angebliche  ewigen Verdammnis)

Augustinus betont dabei, dass es von diesem grässlichen Schmerz keine "Erlösung" gebe wie bei einem Menschen, der z. B. durch den Tod von Schmerzen erlöst würde. Der Kirchenheilige begründet dieses an grässlichstem Sadismus nicht zu überbietende Denken auch noch mit dem "allmächtigen" Schöpfergott, der es so hat einrichten können.
Augustinus wörtlich:
"Denn dass Leibeswesen auch im Feuer zu leben vermögen, in der Glut, ohne verzehrt zu werden, in der Pein, ohne zu sterben, habe ich oben schon zur Genüge dargetan; sie vermögen es durch Wunderwirkung ihres in jeder Hinsicht allmächtigen Schöpfers. Wer diesem die Kraft dazu abspricht, der weiß nicht, von wem all das Wunderbare herkommt, das er an allen Naturen anstaunt." (De Civitate Dei, IX)
Dies ist eine nicht mehr überbietbare zynische Verhöhnung des Schöpfergottes, mit dem sich Augustinus, der "Heilige" und Kirchenlehrer der katholischen Kirche, für jeden Menschen, der noch Herz und Verstand hat, entlarvt und der damit auch seine Kirche entlavt.

Augustinus weiter wörtlich:
"
Wüsste sie [die Kirche] übrigens von dem einen oder anderen sicher, dass er zu denen gehöre, die, noch im irdischen Leben befindlich, doch vorherbestimmt sind, ins ewige Feuer einzugehen mit dem Teufel, so würde sie für einen solchen so wenig beten wie für den Teufel. Weil sie jedoch über niemand in der Hinsicht Gewissheit hat, so betet sie für alle ihre Feinde, genauer für alle am Leben befindlichen Feinde unter den Menschen, ohne indes für alle erhört zu werden. Sie wird vielmehr nur für die erhört, die, trotzdem sie der Kirche feindlich gegenüberstehen, doch in der Weise vorherbestimmt sind, dass die Kirche in ihrem Gebete für sie Erhörung finden soll und dass aus den Gegnern Kinder der Kirche werden sollen." (De civitate Dei, XXIV.)

Die römisch-katholische Kirche und ihr erfundener "Gott"
Die römisch-katholische Kirche lehrt offiziell:
"Der gute und gerechte Gott ... erwählte aus ebendieser Masse des Verderbens gemäß seinem Vorherwissen die, welche er aus Gnade zum Leben vorherbestimmte [Röm 8, 29f; Eph. 1, 11], und bestimmte sie für das ewige Leben vorher; von den übrigen aber, die er nach dem Ratschluss seiner Gerechtigkeit in der Masse des Verderbens zurückließ, wusste er im Voraus, dass sie zugrunde gehen würden, aber er bestimmte nicht vorher, dass sie zugrunde gehen sollten; er bestimmte diesen aber, weil er gerecht ist, die ewige Strafe vorher [Anmerkung: eine absurde Unterscheidung]. Und deshalb reden wir lediglich von einer Vorherbestimmung Gottes, die sich entweder auf das Geschenk der Gnade erstreckt oder auf die Vergeltung der Gerechtigkeit." (Synode von Quiercy, Mai 853, zitiert nach Denzinger-Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, 42. Auflage, Freiburg 2009, Lehrsatz Nr. 621)


Martin Luther (16. Jahrhundert) und sein erfundener "Gott"
Martin Luther hat sich vor allem in seiner "Haupt"-Schrift De servo arbitrio [= Vom geknechteten Willen] zur Prädestinationslehre geäußert, Quellenangabe: Weimarer Ausgabe der Lutherschriften, WA 18
Im Folgenden zitieren wir Martin Luther wörtlich. Eine Kommentierung seiner zynischen Vorstellung eines grausamen Gottes erfolgt an dieser Stelle nicht. Es ist bereits weiter oben dazu alles Wesentliche gesagt. Und manches wird im nächsten Kapitel dazu noch ergänzt, wo es um die lutherischen "Sektenbeauftragten" geht. Doch zunächst Martin Luther wörtlich:

"Solange der Mensch der Ansicht ist, er könne für sein Heil auch nur das Geringste tun, bleibt er im Vertrauen auf sich selbst und verzweifelt nicht ganz an sich … Wer aber keinesfalls daran zweifelt, dass alles am Willen Gottes hängt, der verzweifelt gänzlich an sich selbst, wählt nichts für sich aus und wartet auf den wirkenden Gott." (Martin Luther, De servo arbitrio, Vom geknechteten Willen, Weimarer Ausgabe Nr. 18. S. 632)


"Damit also dem Glauben Raum gegeben wird, ist es notwendig, dass alles, was geglaubt wird, verborgen ist. Es kann aber nicht tiefer verborgen sein, als unter dem Gegensatz zum gegenständlichen Objekt, zur Empfindung und Erfahrung. Wenn Gott lebendig macht, tut er es also, indem er tötet; wenn er rechtfertigt, tut er das, indem er schuldig macht; wenn er in den Himmel führt, tut er es, indem er in die Hölle führt, wie die Schrift sagt: ´Der Herr tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus`. 1Sam 2[,6] Davon ausführlicher zu reden ist hier nicht der Platz; wer unsere Schriften gelesen hat, dem ist dies ganz vertraut. So verbirgt Gott seine ewige Güte und Barmherzigkeit unter ewigem Zorn, die Gerechtigkeit unter Ungerechtigkeit. Das ist der höchste Grad des Glaubens, zu glauben, jener [Gott] sei gütig, der so wenige rettet und so viele verdammt; zu glauben, dass er gerecht ist, der uns durch seinen Willen unabänderlich verdammenswert macht, so dass er, Erasmus [von Rotterdam] zufolge, an den Qualen der Unglücklichen Gefallen zu haben und eher hassens- als liebenswert zu sein scheint. Wenn ich also auf irgendeine Weise begreifen könnte, wie denn dieser Gott barmherzig und gerecht ist, der solchen Zorn und solche Ungerechtigkeit zeigt, wäre der Glaube nicht nötig. Da es nun nicht begriffen werden kann, wird Raum gegeben zur Einübung des Glaubens, indem Derartiges gepredigt und öffentlich verbreitet wird; und zwar nur so, dass, indem Gott tötet, der Glaube an das Leben im Tod eingeübt wird." (Martin Luther, De servo arbitrio, Vom geknechteten Willen, Weimarer Ausgabe Nr. 18. S. 633)

Foto: Martin Luthers Totenmaske und Abdruck seiner Hände nach einer Rekonstruktion, verehrt in der Kirche "Unsere lieben Frauen" in Halle an der Saale. Unzählige Menschen hat Martin Luther foltern und qualvoll töten wollen. Im Jahr 1546 ist er in Eisleben gestorben, wahrscheinlich an einem Herzinfarkt. Nach der Lehre Luthers ist der Mensch entweder von "Gott" oder vom "Satan" besessen, und er habe dafür keine Entscheidungsfreiheit. Luther lehrte eine grausamen Gott, über den er sagte: "Das ist der höchste Grad des Glaubens, zu glauben, jener [Gott] sei gütig, der so wenige rettet und so viele verdammt." Die Lutherkirche feiert 2017 sein Andenken anlässlich des 500jährigen Reformationsjubiläums.

"Auf diese Weise ist der menschliche Wille mitten zwischen beide gestellt, ganz wie ein Reittier, wenn Gott darauf sitzt, will er und geht, wohin Gott will … Wenn der Satan darauf sitzt, will er und geht, wohin der Satan will. Und er hat nicht die Entscheidungsfreiheit, zu einem der Reiter zu laufen oder ihn zu suchen, sondern die Reiter selbst streiten darum, ihn festzuhalten und zu besitzen." (Martin Luther, De servo arbitrio, Weimarer Ausgabe 18, S. 634f.)

"Vieles tut Gott, was er uns durch sein Wort nicht zeigt. Vieles auch will er, von dem er durch sein Wort nicht zeigt, dass er es will. So will er nicht den Tod des Sünders, nämlich nach dem Wort 1Tim 2,4; er will ihn aber nach jenem unausforschlichen Willen. Wir sollen aber auf das Wort schauen und jenen unausforschlichen Willen stehen lassen … Es genügt zu wissen, dass in Gott ein unausforschlicher Wille da ist [Anmerkung: Jesus und die Gottespropheten lehrten solches nicht]. Was aber dieser Wille und warum und inwiefern er es will, das darf man schlechterdings nicht fragen, zu erkunden wünschen, sich darum kümmern oder berühren, sondern nur fürchten und anbeten … Warum aber jene Majestät diese Schuld unseres Willens nicht wegnimmt oder ihn bei allen verwandelt, da es doch nicht in der Macht des Menschen liegt, oder warum er ihm das zurechnet, obwohl der Mensch davon nicht frei sein kann, das darf man nicht fragen, und wenn du auch viel fragst, du wirst es niemals erfahren, wie Paulus Röm 11 sagt: ´Wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?`" (Martin Luther, De servo arbitrio, Weimarer Ausgabe 18, S. 685 f.)

Die evangelisch-lutherischen "Sektenbeauftragten" Dr. Werner Thiede und Dr. Wolfgang Behnk (20. Jahrhundert) über ihren Gründervater Martin Luther und den von ihm erfundenen grausamen "Götzen"
Der Experte unter den Theologen für die Auslegung der Lutherschrift Der servo arbitrio ist der ehemalige "Sektenbeauftragte" und Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk. Er hat mit diesem Thema seinen theologischen Doktorgrad erworben. Deshalb hier vor allem einige Zitate aus dieser Schrift mit dem Titel Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, die in der Ausgabe Der Theologe Nr. 1 ausführlich besprochen ist.
Dr. Wolfgang Behnk kann deshalb hier auch "Hüter" der reinen evangelisch-lutherischen Lehre verstanden werden gegen angeblich "sektenmäßige" Veränderungen. Auch wenn er Martin Luther als Person im Sinne der späteren "Evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften" (wo ein paar Änderungen an Luthers Lehre vorgenommen wurden) ansatzweise ein wenig kritisiert, so betrachtet er dessen Lehre dennoch als "letztlich verbindlich" (S. 397). Außerdem haben wir eingangs bereits darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen der Prädestinationslehre Martin Luthers und der scheinbaren Abmilderung durch die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften für die Opfer letztlich bedeutungslos ist.

Problematisch sei Martin Luthers Annahme, so zunächst hier ein Satz des Beauftragten Prof. Dr. Werner Thiede, "dass ein Teil der Menschen endgültig nicht gerettet wird - Menschen nämlich, die nicht aus freiem Willen von Gott abgefallen, sondern von Gott zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt worden sind ... Entsprechend nimmt er [Luther] an, dass sich im Leben vor dem Tode am Glauben oder Unglauben eines Menschen zeigt, ob er sozusagen in Richtung Himmel oder Hölle nach dem Tode fährt. In diesem Sinne formuliert er: Wer an Christus ´glaubt, hat das Leben, wer nicht, ist verdammt. Das Urteil ist längst ergangen` (Weimarer Ausgabe 41, 430, 1-3)." (Werner Thiede, Auferstehungshoffnung nach Martin Luther, EZW-Texte (Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen), Impulse Nr. 34, Stuttgart 1992, S. 19)

Nun im Folgenden etwas ausführlicher der Beauftragte Dr. Wolfgang Behnk über Luther:
"Der Wille des Menschen hat mithin über seine eigene Verstockung keinerlei Macht, sondern ist dem ihn verstockenden Willen Gottes – wenngleich willig und verantwortlich – ausgeliefert. Wird dadurch aber nicht Gottes Güte und Gerechtigkeit in Frage gestellt? Luther beantwortet diese Frage unter Verwendung eines Bildes entschieden negativ. Weil der menschliche Wille das Gute nicht wollen kann, sondern immer nur das Böse, darum kann man ihn mit Ton oder unbestelltem Land vergleichen, auf welchen die Sonne scheint; trotz ihrer lenitas (Weichheit), so der Reformator, bewirkt sie, dass der Ton immer härter und das unbestellte Land immer dorniger wird."
(Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 334)


"Demgegenüber wird die Prädestination in DSA [Luthers Schrift "De servo arbitrio" = Vom geknechteten Willen] durchaus so gedacht, dass Gottes ewige Erwählung oder Verwerfung des Menschen zum Heil oder zur Verdammnis auch auf Ewigkeit hin gültig ist. Die Frage ist nur, ob Luther die Verdammung lediglich als Strafzuweisung Gottes unter der Voraussetzung der durch den Menschen ursächlich bedingten Sünde versteht, oder ob die Verdammnis bereits in eine weitergehende Verwerfung eingebettet ist, die über sie hinaus auch noch die Bestimmung des Menschen zum Bösen, d. h. die Verursachung der Sünde, umfasst, was wiederum mit der Schuldfrage engstens zusammenhängt." (Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 347)

"Allerdings, so Luther, bringt ein solcher Glaube an Gottes Erwählung in Christo auch schwere und schwerste Anfechtungen mit sich. Eine von ihnen besteht in der schmerzlichen Demütigung, die durch die Verneinung unseres freien Willens entsteht; jedoch gelangen wir gerade auf dem Weg einer derartigen humilatio (Erniedrigung) zu der Gewissheit, dass Gott allein uns zu erretten vermag. Eine andere Anfechtung ist schwerer: Sie besteht in der Verzweiflung, dass es offenbar eine ganze Anzahl von Menschen gibt, die nicht zu den electi (Auserwählten) gehören; Luther quantifiziert sie als die Zahl jener, die der Heilige Geist nicht gebessert hat, sondern im Unglauben verloren gehen lässt." (Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 353)

"... der Empfang des Heils und des Unheils hängt allein davon ab, ... welche Menschen er [Gott] verloren gehen lassen will, und welche nicht ... Luther ... präzisiert auch, ... was er [Gott] will, nämlich den Tod des Sünders, den er keineswegs betrauert oder gar aufzuheben bereit ist. Und zwar aus dem bereits vorgebrachten Grund, dass Gott ´omnia in omnibus` (= alles in allem) wirkt, auch den Tod." (Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 362)

Johannes Calvin (16. Jahrhundert) und sein erfundener "Gott"
Der große evangelische Reformator Johannes Calvin (1509-1564) lehrt, Prädestination sei "die ewige Anordnung Gottes, derzufolge er bei sich beschloss, was aus jedem Menschen werden sollte nach seinem Willen. Denn sie werden nicht alle mit der gleichen Bestimmung geschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis im Voraus verordnet." (Johannes Calvin, Institutio Christianae religionis III, XXI, 5)

Die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften (16. Jahrhundert bis heute) und der intellektuelle Trick einer "Vorsehung Gottes"

"Die ewige Wahl Gottes aber, Gottes Verordnung zur Seligkeit, geht nicht zumal über die Frommen und Bösen, sondern allein über die Kinder Gottes, die zum ewigen Leben erwählet und verordnet sind, ´ehe der Welt Grund gelegt ward` … Die Vorsehung Gottes sieht und weiß zuvor auch das Böse, aber nicht so, dass es Gottes gnädiger Wille wäre, dass es geschehen sollte; sondern was der verkehrte, böse Wille des Teufels und der Menschen vornehmen und tun werden und wolle, das sieht und weiß Gott alles zuvor, und hält seine Vorsehung auch in den bösen Händeln oder Werken ihre Ordnung, dass von Gott dem Bösen, welches Gott nicht will, sein Ziel und Maß gesetzt wird, wie ferne es gehen und wie lang es währen solle, wann und wie er’s hindern und strafen wölle ... Wie Gott in seinem Rat verordnet hat, dass der Heilige Geist die Auserwählten durchs Wort berufen, erleuchten und belehren und dass er alle die, so durch rechten Glauben Christum annehmen, gerecht und selig machen wölle; also hat er auch in seinem Rat beschlossen, dass er diejenigen, so durch Wort berufen werden, wann sie das Wort von sich stoßen und dem Heiligen Geist, der in ihnen durchs Wort kräftig sein und wirken will, widerstreben und darin verharren, sie verstocken, verwerfen und verdammen wölle ..." (Konkordienformel, Solida Declaratio XI., Von der ewigen Vorsehung, 1580, zit. nach Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Göttingen 1980, S. 1075)
Siehe oben: Zur "Vorhersehung" als einer verkappten "Vorherbestimmung"

Die evangelisch-reformierten Bekenntnisschriften und ihr furchtbares Gottesbild (16./17. Jahrhundert bis heute)
Zunächst scheint es positiv zu klingen, wenn es im Heidelberger Katechismus heißt:
"Was glaubst du von der ´heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche`? Ich glaube, dass der Sohn Gottes aus dem ganzen Menschengeschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält und dass auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin." (Heidelberger Katechismus, 1563, Frage 54)
Mit dieser Formulierung vermeidet der Heidelberger Katechismus zwar eine klare Aussage zur Prädestination, bringt sie aber in den Worten "auserwählte Gemeinde" trotzdem zum Ausdruck.
Das Helvetische Bekenntnis von 1566 versucht es dann dadurch schönzureden, dass man ja nicht wisse, wer auf welcher Seite stünde, nur, dass die Erwählten eine "geringe Zahl" seien.
Wörtlich:
"Obwohl nur Gott weiß, wer die Seinen sind und da und dort [in der Schrift] die geringe Zahl der Erwählten erwähnt wird, muss man doch für alle das Beste hoffen und darf nicht vorschnell jemanden den Verworfenen beizählen." (Kapitel X)

In der Nachfolge Johannes Calvins beschließt die Evangelisch-Reformierte Kirche auf der Dordrechter Synode in den Jahren 1618 und 1619 in Dordrecht/Niederlande dann aber doch unmissverständlich die angebliche Vorherbestimmung jedes Menschen entweder zur ewigen Seligkeit oder zur ewigen Hölle, beides als angeblichen "ewigen Ratschluss" Gottes. In den Lehrregeln von Dordrecht, die - gleich den katholischen und lutherischen Lehren - nichts mit Jesus, dem Christus und mit dem Schöpfergott, den Er uns nahe brachte, zu tun haben, heißt es unter anderem:

"Dass aber zur Zeit einige mit dem Glauben beschenkt werden, andere nicht, das geht aus Gottes ewigem Ratschluss hervor, denn alle seine Werke weiß Gott von Ewigkeit. Nach diesem Ratschluss erweicht er die Herzen der Auserwählten gnädiglich, mögen sie noch so hart sein, und führt sie zum Glauben, die Nichtauserwählten aber überlässt er nach gerechtem Urteil ihrer Bosheit und Verhärtung ... (Artikel 6)

"Und wie Gott selbst am weisesten ist, unveränderlich, allwissend und allmächtig, so kann die von ihm geschehene Erwählung weder unterbrochen, noch verändert, noch widerrufen oder abgebrochen werden, noch können die Erwählten verworfen, noch kann ihre Zahl vermindert werden." (Artikel 11)

Ein neues Bekenntnis für die Dämonen - Die Dordrechter Synode beratschlagt

"Übrigens erläutert und empfiehlt uns die Heilige Schrift dadurch vorzüglich diese ewige und unverdiente Gnade der Erwählung, dass sie ferner bezeugt, dass nicht alle Menschen erwählt sind, sondern einige nicht erwählt oder bei der Erwählung Gottes übergangen, die Gott nämlich nach seinem freien, gerechten, untadeligen und unveränderlichen Wohlgefallen in dem gemeinsamen Elend, in das sie sich durch ihre Schuld gestürzt haben, zu lassen und sie nicht mit dem seligmachenden Glauben und der Gnade der Sinnesänderung zu beschenken, sondern sie, auf ihren Wegen und unter dem gerechten Gericht lassend, endlich nicht nur wegen ihres Unglaubens, sondern auch wegen ihrer übrigen Sünden zur Bezeugung seiner Gerechtigkeit zu verdammen und ewig zu strafen beschlossen hat. Und dies ist der Ratschluss der Verwerfung, der Gott keineswegs zum Urheber der Sünde (das zu denken eine Lästerung wäre), sondern zum furchtbaren, untadeligen und gerechten Richter und Rächer macht." (Artikel 15)

Wie Augustinus versuchen auch die Kirchenmänner der Dordrechter Synode, ihr Gottesbild zu beschönigen, indem sie behaupten, dass ihr "Gott" ja nicht "Urheber der Sünde" sei, wofür beim "Sündenfall" die Urmenschen Adam und Eva verantwortlich gewesen seien. Doch
wir können es an dieser Stelle nur noch einmal wiederholen: Was muss das für eine "Gott" sein, der einen Fehler der von ihm geschaffenen Ur-Menschen zum Anlass nähme, von nun an für alle Ewigkeiten Menschen in eine ewige Hölle zu verwerfen bzw. durch unterlassene Hilfeleistung dort unsäglich und unendlich leiden zu lassen.
Die Dordrechter Synode antwortet darauf mit einem Verweis auf Paulus, einem der ersten Fälscher der Lehre von Christus:
"
Demjenigen aber, der gegen diese Gnade der unverdienten Erwählung und die Strenge der gerechten Verwerfung murrt, setzen wir die Worte des Apostels entgegen: ´Ja, o Mensch, wer bist denn du, dass du mit Gott rechten willst? […]` (Röm 9,20) ... Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!" (Artikel 18)

Zum Schluss:
Dem niederländische Politiker Johan van Oldenbarnevelt, der neben der Kirchenmeinung der "doppelten Prädestination" auch den Glauben tolerieren wollte, dass Gott nicht das Schicksal jedes Menschen vorher bestimmt habe, wurde vier Tage nach dem Ende der Synode von Dordrecht der Kopf abgeschlagen.
Seine theologischen Gegner hatten sich durchgesetzt.
Die Lehrregeln von Dordrecht (= Five points of Calvinism) zählen bis heute zum verbindlichen Lehrbekenntnis evangelisch-reformierter Kirchen, auch in der Schweiz und den USA. Auf der Synode von Dordrecht wurde auch der Heidelberger Katechismus von 1563 als zentrale Bekenntnisschrift der Evangelisch-Reformierten Kirche anerkannt.

 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 49, Prädestination: Nie wurde ein grausamerer Gott erfunden als hier, zit. nach http://www.theologe.de/praedestinationslehre.htm, Fassung vom 27.6.2016,
Copyright © und Impressum siehe hier.

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