DER THEOLOGE
Hintergrund zu Martin Luther


Martin Luther über die Juden und der kirchliche Rufmord "Judensau"


Martin Luther über die Juden u.a.: "Seid ihr doch nicht wert, dass ihr die Biblia von außen solltet ansehen, geschweige, dass ihr drinnen lesen solltet. Ihr solltet allein die Bibel lesen, die der Sau unter dem Schwanz steht und die Buchstaben, so da selbst herausfallen, fressen und saufen." (zit. nach "Von den Juden und ihren Lügen", Erstausgabe Wittenberg 1543, zit. nach Hans-Jürgen Böhm, Die Lehre M. Luthers - ein Mythos zerbricht, Selbstverlag, Plech 1994, S. 208)
Luther schreibt weiter: "Es ist hie zu Wittenberg an unserer Pfarrkirche eine Sau in Stein gehauen; da liegen junge Ferkel und Juden drunter, die saugen; hinter der Sau steht ein Rabbin, der hebt der Sau das rechte Bein empor, und mit seiner linken Hand zieht er den Pirzel über sich, bückt und guckt mit großem Fleiß der Sau unter dem Pirzel in den Talmud hinein, als wollt er etwas Scharfs und Sonderlichs lesen und ersehen ..." (Aus der Schrift "Von den Juden und ihren Lügen", Jena 1543, zit. nach Erlanger Ausgabe der Lutherschriften XXXII, S. 298)

Hier lesen Sie die Meldung über das "Judensau"-Motiv an der Bayreuther Stadtkirche aus dem Jahr 2005

Die "Judensau" war ein beliebtes Motiv der Kirche im Zusammenhang der Verleumdung und Verfolgung der jüdischen Mitbürger. Sie findet sich nicht nur an den Stadtkirchen der Lutherstadt Wittenberg (aus dem 14. Jahrhundert) und von Bayreuth, sondern auch an weiteren Kirchen; nach einer Aufstellung aus dem Jahr 2001 des evangelischen Theologen Oliver Gussmann, a.a.O., an folgenden Orten.

Aerschot/Belgien (Notre Dame, 16. Jahrhundert)
Bad Wimpfen (Stiftskirche St. Peter, 13. Jahrhundert)
Bamberg (Dom)
Basel (Münster, 1432)
Brandenburg (Dom, älteste Darstellung von 1230)
Cadolzburg bei Fürth (Burgtor, Außenseite, 15. Jahrhundert)
Colmar (Münster St. Martin, 14. Jahrhundert)
Eberswalde (St. Maria Magdalena, 13. Jahrhundert)
Erfurt (Dom, Chorgestühl, 15. Jahrhundert)
Gnesen (ht. Gniezo; Kathedrale, 14. Jahrhundert)
Heiligenstadt (Annakapelle, 1300)
Heilsbronn bei Ansbach (Münster, 15. Jahrhundert)
Köln (Chorgestühl im Dom, 14. Jahrhundert und St. Severin; dazu Südostchor und Embleme von 1937 und 1939)
Lemgo (St. Marien, 13. Jahrhundert)
Magdeburg (Dom, 13. Jahrhundert)
Metz (Kathedrale, 14. Jahrhundert)
Nordhausen (1380)
Nürnberg (St. Sebald, 1320)
Regensburg (Dom, 14. Jahrhundert)
Remagen (Torbogen)
Spalt bei Nürnberg (Chorherrenstift, 15. Jahrhundert)
Straßburg
Uppsala (Dom, 14. Jahrhundert)
Wien (heute Stadtmuseum)
Xanten (Dom, 1265)
Zerbst (Nikolaikirche, 15. Jahrhundert)

Der deutsche Künstler Wolfram Kastner (* 1947; Malereien, Zeichnungen, Objekte, Installationen, Fotoserien) vom "Institut für Kunst und Forschung" in München hat uns im Jahr 2011 auf die teilweise Unvollständigkeit und kleinere Fehler in dieser Zusamkulptmenstellung aufmerksam gemacht. Auf seiner Seite http://www.christliche-sauerei.de/aktuell/aktuell.html dokumentiert er von ihm überprüfte aktuelle Judensau-Motive mit einer Beschreibung der jeweiligen Sur. In seiner Aufstellung fehlen die Orte Aerschot, Bamberg, Remagen und Wien. Dafür sind weitere "Judensäue" dokumentiert in:

Ahrweiler
Bacherach
Bützow
Cadolzburg
Calbe
Goslar
Theilenberg
Wiener Neustadt

Der Künstler Wolfram Kastner schreibt:
"Es ist ein Kreuz mit den Saubildern an und in deutschen Kirchen. An mehr als 25 Kirchen existieren Skulpturen mit der Darstellung einer Sau, an deren Zitzen Juden – erkennbar an den ihnen im Mittelalter verordneten spitzen Hüten - saugen und sich am After des Tieres zu schaffen machen. Diese Skulpturen stammen aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert und sind Ausdruck einer extremen Judenfeindschaft, deren Folge viele Pogrome und schließlich die Verbreitung eines Antisemitismus waren, der im Auschwitzsystem und in der Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis gipfelte. Die Darstellung von Juden in körperlicher Gemeinschaft mit einer Sau ist wohl etwas anderes als religiöse Feindseligkeit. Sie denunziert sie als abartig, spricht ihnen menschliche Würde und Rechte (diesseits wie jenseits) ab und setzt sie Tieren gleich, die einerseits – nicht nur den Juden – als "unrein" galten und die andererseits zur eigenen Befriedigung abgeschlachtet werden dürfen. Das ‚christliche’ Schmähwort "Judensau", wurde zu einem gebräuchlichen Kampfbegriff, den die deutschen Antisemiten und Nazis übernahmen ... Eine der übelsten Hetzerein gegen Juden stammt von Martin Luther, der eine Hass-Predigt zur Wittenberger "Judensau"-Skulptur hielt, in der er sich einiger Fäkalausdrücke bedient. Vielleicht liegt in der Obszönität des Bildes der Grund für seine Popularität bei den Deutschen – erst bei den Christen und dann bei den Nazis." (zit. nach christliche-sauerei.de)

Anmerkung: Mit Christus und echten Christen haben Martin Luther und die Kirche nichts zu tun. Was dort getan wurde und wird, ist katholisch oder evangelisch, aber nicht christlich.

Foto links: Die "Judensau" im Kölner Dom, wo zwei 1937 und 1939 angebrachte "Judensau"-Embleme noch heute das katholische Kulthaus schmücken.

Der evangelische Theologe Oliver Gussmann schreibt über den Hintergrund der Judensau-Verhöhnung:
"Die Beleidigung von Juden und ihrer Religion durch das ´Judensau`-Motiv geschieht auf mehrfache Weise: Das Schwein ist für Juden ein unreines (unkoscheres) Tier (3. Mose 11, 7). Jeglicher Kontakt mit ihm wird vermieden. Der Genuss von Schweinefleisch und -fett oder gar von Schweinemilch ist Juden ein Abscheu. Die religiösen Gefühle von Juden werden dadurch in besonderer Weise verletzt. Schon in der Antike hat man bei Judenverfolgungen Juden zwingen wollen, Schweinefleisch zu essen (2. Makkabäer 7, 1). Eine intime Beziehung zu einem Tier (Sodomie) ist für Juden wie Christen in gleicher Weise eine Verhöhnung. Das beinahe familiäre Miteinander von Schwein und Juden lässt den Betrachter an eine verwandtschaftliche Beziehung der Juden mit dem Schwein denken, die Juden seien von ganz anderer Art als die Christen. Es ist sicher nicht zu weit gedacht, wenn man im ´Judensau`-Motiv schon einen Vorläufer des Rassenantisemitismus sieht". (Oliver Gussmann in: Begegnungen. Zeitschrift für Kirche und Judentum Nr. 84 (2001), S. 26-28)

Mehr zu Luthers Antisemitismus lesen Sie hier in "Der Theologe Nr. 4"

sowie ausführlich in:
Der Theologe Nr. 28 - Martin Luther und die Juden - Der "größte Antisemit seiner Zeit" und vielleicht aller Zeiten.
 

Letzte Änderung auf dieser Seite am 31.10.2017
 

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