DER THEOLOGE
Nr. 54


Der blinde Blindenführer in Rom
und sein Missbrauch von Jesus


Die Falschaussagen in den Papst-Büchern Glaube, Wahrheit, Toleranz und Jesus von Nazareth

Nachlese zum so genannten Pontifikat von Joseph Ratzinger (2005-2013)


Vorbemerkung:
In den unruhigen Tagen des Jahres 2013 kündigte Papst Benedikt XVI. am Rosenmontag seinen Rücktritt an, worauf hin in der Nacht im Petersdom ein Blitz einschlug - ein Symbol für das, was mit dieser Erklärung eingeleitet wurde. Der ehemalige Papst gilt vielen als einer der "klügsten Theologen" und er ist sicher ein Intellektueller. In dieser Ausgabe des Theologen möchten wir einigen Glaubenslehren von Joseph Ratzinger auf den Grund gehen. Angesichts seiner Abdankung als vormals "Benedikt XVI." ist dies gleichzeitig eine Nachlese zu seinem "Pontifikat" als Papst von 2005-2013. Jesus von Nazareth sprach jedoch nie von einem "Pontifikat", geschweige denn von einem irdischen "Stellvertreter", worüber wir in Der Theologe Nr. 51 ausführlich geschrieben haben. Hier geht es nun um eine Auseinandersetzung, was die Inhalte der Lehre des "Stellvertreters" betrifft, die nicht mehr viel mit dem zu tun hat, den sie zu vertreten vorgibt. Notgedrungen mussten wir dazu allerdings auch auf die intellektuellen Denkschienen des katholischen Dogmatik-Professors Ratzinger einsteigen, doch wir hoffen, dabei so verständlich wie möglich geblieben zu sein.

Die unten zitierten Absätze aus dem Buch von Joseph Ratzinger Glaube, Wahrheit, Toleranz (Freiburg 2003) beinhalten das religiöse Programm des Papstes. Er baut dort einen falschen Gegensatz auf zwischen "Mystik" und "Offenbarung", zwischen Gotteserfahrung im eigenen Inneren und dem "Ruf Gottes" an den Menschen, dem z. B. die alttestamentlichen Gottespropheten gefolgt sind. Doch die Gottespropheten machten zur gleichen Zeit auch die innere Gotteserfahrung.
Denn in Wirklichkeit gehört beides zusammen, "Mystik" und "Offenbarung", es sind die beiden Seiten ein und derselben Sache. Die Erfahrung vieler Menschen dabei ist: Wer durch ein Leben nach den Geboten Gottes (wie den Zehn Geboten) sein Bewusstsein erweitert, macht auf diese Weise erste Schritte zur Gotteserfahrung. Er erlebt die Nähe, den "Ruf" und die "Antworten" Gottes in seinem Alltag, und er vernimmt diese dabei in seinem Inneren (erste ansatzweise "mystische" Erfahrungen). Doch nur über ein noch einigermaßen intaktes Gewissen kann ihn ein solcher "Ruf Gottes" überhaupt erreichen. Deshalb gibt es auch viele Menschen, die zwar von einem "Ruf Gottes" sprechen, den sie angeblich vernommen haben, die in Wirklichkeit jedoch nur eine Mixtur aus gespeicherten Inhalten ihres Egos, z. B. aus ihrem Unterbewusstsein, gehört haben.

Ein echter Gottesprophet muss deswegen immer auch ein tugendhafter Mensch sein, ein Mystiker oder zumindest ein ehrlicher Gottsucher auf dem mystischen Weg. Denn nur über einen "Kanal", den dieser Mensch durch ein Leben nach den Geboten Gottes und durch entsprechende Gedanken und Empfindungen bereits von einigem Ballast (z. B. Intellektuelles, egoistisch Leidenschaftliches, Selbstsüchtiges, Niederträchtiges) gereinigt hat, kann die "göttliche" Welt ihn überhaupt erreichen. Ansonsten "empfängt" er eben nur solches, was seinem eigenen Bewusstseinsstand und seinen Speicherungen z. B. in seinem Gehirn entspricht.
Und erst der fortgeschrittene Mystiker, der das Gebot von Jesus "Ihr sollt vollkommen sein" (Matthäus 5, 48) - eventuell nach vielen inneren Kämpfen - weit gehend erfüllt, könnte den "Ruf Gottes" in allen Facetten vernehmen, und er kann dann gewiss sein, dass der Ruf, den er hört, wirklich von Gott kommt und dass er nicht von Kräften getäuscht wird, die sich als "Gott" ausgeben (
wie z. B. beim Ex-US-Präsidenten George W. Bush) oder als "Christus", was im 21. Jahrhundert leider immer häufiger auftritt. So kommt ein vermeintlicher "Ruf" aus der göttlichen Welt meist von einer Seele aus dem Jenseits, aus den so genannten Astral-Bereichen, die sich wichtig zu machen versucht, indem sie sich "Christus" nennt, und die ein entsprechendes Medium auf der Erde für ihre Zwecke gebraucht = missbraucht. Dies geschieht vor allem bei solchen Menschen, die aus dem eigenen Ego heraus die Stimme von Christus hören wollen, nach dem Prinzip "Senden und Empfangen" stattdessen aber Antwort von einer oder mehreren Seelen erhören, die einen ähnlichen Bewusstseinsstand haben wie sie. Das jedoch ist keine Mystik und auch keine Offenbarung, sondern eine Form der Besessenheit bzw. des Besetztheits-Grades.

Auf der anderen Seite: Nur wenige Menschen, die tatsächlich den "Ruf Gottes" hören können, haben auch die Aufgabe, auch als Prophet zu wirken, der als solcher auch lehren kann, da er sowohl die Stimme der göttlichen Welt in menschliche Sprache übersetzen kann als auch aus seinem eigenen Bewusstsein die Wahrheit in all ihren Aspekten "schöpfen" und an andere Menschen übermitteln kann. Dies trifft z. B. für die großen Gottespropheten des Alten Testaments zu wie Mose oder Jesaja, deren Botschaften in der Bibel allerdings durch "Schriftgelehrte" und Priester vielfach verfälscht wieder gegeben werden. Und auch in unserer Zeit lebt nach der Überzeugung vieler Menschen wieder ein solcher "Lehrprophet" unter den Menschen.

Den zweiten Typ eines Propheten neben dem "
Lehrpropheten" könnte man als "Künderpropheten" bezeichnen. Dieser ist ein tugendhafter Mensch, der über einen "gereinigten" Kanal in seinem Inneren ebenfalls die "göttliche" Stimme vernehmen kann. Er kann jedoch noch nicht aus seinem eigenen Bewusstsein die "göttliche" Welt erfassen wie ein fortgeschrittener oder nahezu "vollkommener" Mystiker. Die Autoren des Theologen gehören hier nicht dazu, haben sich jedoch neben ihrem Quellenstudium auch bei hier erfahrenen Menschen kundig gemacht.

Und während der mystische Weg zu Gott im eigenen Herzensgrund für jeden Menschen offen steht, gibt es offenbar nur sehr wenige, die einen Auftrag aus der geistigen Welt hatten oder haben, um ein Prophetenamt auch auszuüben, was besagt, das von ihnen Gehörte auch als Botschaft anderen Menschen weiter zu geben. Allerdings gibt es eben - wie gesagt - viele Menschen, die von sich behaupten, dass es bei ihnen so sei. Als Kriterium für echte oder falsche Prophetie gab Jesus von Nazareth dazu die "Früchte" an, die ein Prophet oder vermeintlicher Prophet in seinem täglichen Leben bringt (Matthäus 7, 15ff.).
Doch dabei gilt zunächst: Nur derjenige kann überhaupt berufen werden, der die Nähe Gottes zuvor bewusst oder unbewusst schon ein Stück weit erfahren hat.

Joseph Ratzinger hingegen konstruiert demgegenüber einen falschen Gegensatz zwischen "Mystiker" und "Prophet" und er stellt sich scheinbar auf die Seite der Propheten. Zwar erkennt der ehemalige Papst auch die Existenz "christlicher Mystiker" an. Doch diese sind für ihn nur Menschen, die mit ihren "Erfahrungen" "bestätigen", was die katholische Kirche durch ihre Päpste und Theologen zuvor erfunden hat. Oder sie sind für ihn Menschen, die mit ihrer "Schau" zumindest nicht mit dem römisch-katholischen Dogma in Widerspruch stehen. Es wäre also katholischerseits jemand, der in seinen Gehirnzellen "schaut", dass Marias Leiche angeblich im Grab unverwest geblieben sein soll; oder der in einer "Vision" "schaut", wie sich eine Oblate durch die Wandlungsworte eines Priesters angeblich tatsächlich in den "Leib Christi" verwandle oder andere Absurditäten aus dem katholischen Dogmen- und Lehrgebäude. Diese haben aber nichts mit Gott zu tun, sondern sie sind dem allzumenschlichen Sumpf von 2000 Jahren blutigem Katholizismus entwachsen, und hierfür ist das Wort "Mystik" auch ein gravierender Missbrauch.

Auf diese Weise ist der Theologe Joseph Ratzinger auch einer der schärfsten Gegner jeder Gotteserfahrung. Denn schon kleine Gotteserlebnisse zeigen dem Menschen, der diese Erfahrung macht, dass der Katholizismus und seine Abspaltung, der Protestantismus, im Wesentlichen aus falschem intellektuellen Ballast bestehen. Und ihm ist dann auch klar, dass dieser Ballast den Gehirnen sündhafter Menschen entsprungen ist, niemals jedoch einem "Ruf Gottes". Zugespitzt kann man formulieren:
Die Theologie des Papstes hat den Sinn, Gotteserfahrungen bei den Menschen zu verhindern, um sie auf diese Weise als "gehorsame" = "hörige" Schafe im Pferch des kirchlichen Dogmen- und Sakramentengebäudes halten zu können.

Vor diesem Hintergrund wird ein Leser die schönfärberischen und wohlklingenden Worte des Papstes anders hören und lesen und die Irreführung darin leichter erkennen.
Auch ergibt sich daraus, dass der Ex-Papst auf´s Ganze gesehen gar kein Verständnis für die Person des Jesus von Nazareth hat und deswegen ihn und seinen Namen missbraucht. Wir dokumentieren in diesem Zusammenhang im 4. Kapitel mehrere Passagen aus seinem Buch Jesus von Nazareth, Teil 2, Freiburg 2011.

Jesus von Nazareth über die damaligen Theologen und Schriftgelehrten: "Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den anderen führt, so fallen sie beide in die Grube." (Matthäusevangelium, Kapitel 15,14) Und wie ist es mit den heutigen Theologen und Schriftgelehrten?

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Manches gerade auf dieser Seite Geschriebene ist vielleicht nicht auf Anhieb leicht verständlich. Das liegt einerseits an dem Bemühen, hier zunächst das Gewirr einer absurden kirchlichen Macht-Theologie darzustellen, damit es verstanden und entlarvt werden kann. Und dann ist es natürlich auch nicht immer leicht, Wahrheiten aus anderen Dimensionen in der Sprache unserer dreidimensionalen Welt mit ihren Begrenzungen von Raum und Zeit darzulegen. Dies gilt vor allem im Hinblick auf echte Gottespropheten. Aber es gilt auch für diese Studie, in der wir den Propheten und den Mystikern einigermaßen gerecht werden möchten, obwohl wir selbst weder Propheten noch Mystiker sind, sondern einfache Gottsucher auf dem mystischen Weg mit einer gewissen theologischen "Bildung". Dennoch hoffen wir, die Gottesverfälschung durch Päpste und Machtkirchen aufzeigen zu können und die Türen für eine echte Gotteserfahrung ein wenig öffnen zu können.


 

1) Zitate des Papstes aus dem Buch Glaube, Wahrheit, Toleranz

2) Erklärung der Papstzitate - Die Theologie von Joseph Ratzinger

3) Was bedeuten diese Ansichten des Papstes in Glaube, Wahrheit, Toleranz?


4) Der verfälschte Jesus und der falsche Christus von Joseph Ratzinger in dem Buch Jesus von Nazareth, Band 2

4.1. -  Der Papst deutet das Ankommen von Jesus in Jerusalem kultisch.

4.2. -  Der Papst spricht das "Volk" von Mitverantwortung am Tod von Jesus frei. Kreuzigung sei angeblich "notwendig" gewesen.

4.3. -
 Die Tempelaustreibung spielt der Papst herunter, und er erwähnt das Leid der Tiere nicht, weil er dafür kein Gefühl hat.

           Die grausamen Tieropfer werden vom Papst sogar nachträglich gerechtfertigt.

4.4. -
 Der Papst verfälscht die Botschaft des Stephanus, der sterbend rief, Gott wohnt nicht in Häusern aus Stein.

4.5. -  Die Worte von Jesus über die Apokalypse der Endzeit wird vom Papst verharmlost und "schöngeistig" umgedeutet.

4.6. -  Der Papst dichtet in das Gebet von Jesus zu Gott, seinem Vater, die "Stiftung der Kirche" hinein.

4.7. -  Der Papst deutet das ernste Abschiedsessen von Jesus mit seinen Jüngern zur "Gründung" der katholischen Kirche um.

4.8. -  Der Papst verklausuliert das Ringen um Leben und Tod im Garten Gethsemane mit philosophischen Floskeln.

4.9. -  Der Papst deutet den Foltertod von Jesus um als "Verherrlichung Gottes".

4.10.- Der Papst fabuliert in den sterbenden Jesus gar die kirchlichen "Grundsakramente" hinein.

4.11.- Der Papst glaubt, dass es Jesus sei, der das Boot der Kirche vor dem Untergang schützt.

5) Joseph Ratzingers Rede von der angeblichen "Abwesenheit Gottes - "Gotteskrise" ist in Wirklichkeit eine Kirchen- und Papstkrise

     Joseph Kardinal Ratzinger: Der "notwendige Einsatz" der Inquisition

6) Nachrichten

    Ratzinger-Schülerkreis will "Aufklärung" überwinden. Schuldbekenntnis für Entstehung der Aufklärung in Gespräch / Atheistische Plakataktion in Polen



1

Joseph Ratzinger hat in seinem Buch Glaube, Wahrheit, Toleranz geschrieben:
"[Es] ist klar, dass zwischen den beiden Wegen, die wir ´Mystik` und ´monotheistische Religion` genannt haben, nicht auf rationale Weise zugunsten des einen und zuungunsten des anderen entschieden werden kann ... Diese Entscheidung ist vielmehr im letzten eine Sache des Glaubens, wenn auch eines Glaubens, der sich vernünftiger Maßstäbe bedient ... ´Mystik` wird hier radikaler verstanden als religionsgeschichtlicher Weg, als eine Einstellung, die keine übergeordnete Größe mehr über sich duldet, sondern die geheimnisvollen, bildlosen Erfahrungen des Mystikers als die einzig verbindliche, letzte Wirklichkeit im Bereich des Religiösen ansieht ... (S. 27f.). Der Typus, in dem sich die monotheistische Revolution konkretisiert, ist demgegenüber nicht der Mystiker, sondern der Prophet ... Für ihn ist ... das Gegenüberstehen des rufenden und befehlenden Gottes entscheidend. Damit kann jetzt endlich verdeutlicht werden, warum bisher fortwährend von monotheistischer ´Revolution` gesprochen wurde, wenn das Gegenüber zum religionsgeschichtlichen Weg der Mystik bezeichnet werden sollte ... (S. 29)
Schon diese wenigen Andeutungen dürften genügen, um zu zeigen,
dass wir in ´Monotheismus` und ´Mystik` zwei von Anfang an total verschieden gebaute Strukturen vor uns haben. In der Mystik gilt: ... Es gibt kein Handeln Gottes, sondern es gibt nur die ´Mystik` des Menschen, den Stufenweg der Einung. Der monotheistische Weg geht von einer gegenteiligen Überzeugung aus: hier ist der Mensch das Passiv, an dem Gott handelt, hier ist der Mensch es, der von sich aus nichts kann, aber hier gibt es dafür ein Tun Gottes, einen Anruf von Gott her, und dem Menschen eröffnet sich so das Heil im Gehorsam gegen den Ruf.
Insofern könnte man statt der Gegenüberstellung ´Mystik - monotheistische Revolution` auch die Gegenüberstellung ´Mystik - Offenbarung` wählen ... Für den einen Weg ist es charakteristisch, dass ´Mystik` als geistliche Erfahrung des Menschen geschieht ... Es kann bei diesem Ausgangspunkt letztlich gar keine ´Offenbarung` Gottes geben, sie wäre unlogisch in diesem Zusammenhang. Für den anderen Weg ist es hingegen ebenso charakteristisch, dass ´Offenbarung` ist, dass es einen Anruf Gottes gibt und dass dieser Anruf das Absolute in der Menschheit ist, dass von ihm dem Menschen Heil kommt (S. 30f.)".
Dennoch gebe es laut Joseph Ratzinger auch eine "christliche Mystik: "Ihr christlicher Charakter hängt daran, dass sie sich untergeordnet nimmt. Insofern könnte man von hier her geradezu das Wesen christlicher Mystik definieren" (S. 28).

Joseph Ratzinger hat in seinem Buch Glaube, Wahrheit, Toleranz geschrieben:
" Abraham, Isaak, Jakob, Mose erscheinen mit all ihren Schlichen und ihrer Schläue, mit ihrem Temperament und ihrer Neigung zu Gewaltsamkeit zumindest recht mittelmäßig und armselig neben einem Buddha, Konfutse oder Laotse, aber selbst so große prophetische Gestalten wie Hosea, Jeremia, Ezechiel machen bei einem solchen Vergleich keine ganz überzeugende Figur. Das ist eine Empfindung, die schon die Kirchenväter beim Aufeinandertreffen von Bibel und Hellenismus bewegte ... Vor der Erhabenheit mythischen Denkens erscheinen die Träger der Geschichte des Glaubens beinahe pöbelhaft." (S. 34)

Joseph Ratzinger hat in seinem Buch Glaube, Wahrheit, Toleranz geschrieben:
"Religionsgeschichtlich gesehen, sind Abraham, Isaak und Jakob wirklich keine ´großen religiösen Persönlichkeiten` (J. Danielou, Vom Geheimnis der Geschichte, übersetzt von P. Henrici, Ostfildern 1955, S. 133ff.). Das wegzudeuten hieße genau den Anstoß wegzudeuten, der auf das Besondere und Einzigartige der biblischen Offenbarung hinführt. Dieses Besondere und Ganz-Andere liegt darin, dass der Gott der Bibel nicht wie bei den großen Mystikern geschaut, sondern als der Handelnde erfahren wird, der dabei (für das äußere und innere Auge) im Dunkeln bleibt. Und dies wiederum liegt daran, dass hier nicht der Mensch in eigener Aufstiegsbemühung durch die verschiedenen Schichten des Seins durchstößt auf die innerste und geistigste und so das Göttliche an seinem eigenen Orte auffindet, sondern es gilt das Umgekehrte: dass Gott den Menschen mitten in den weltlichen und irdischen Zusammenhängen sucht, dass Gott, den von sich aus niemand entdecken kann, auch der Reinste nicht, seinerseits dem Menschen nachgeht und in Beziehung zu ihm tritt. Man könnte sagen: die biblische ´Mystik` ist nicht Bild-, sondern Wortmystik, ihre Offenbarung nicht Schauung des Menschen, sondern Wort und Tat Gottes. Sie ist nicht primär das Finden einer Wahrheit, sondern geschichtsbildendes Tun Gottes selbst. Ihr Sinn ist nicht der, dass dem Menschen göttliche Wirklichkeit sichtbar wird, sondern ist, den Offenbarungsempfänger zum Träger göttlicher Geschichte zu machen. Denn hier ist im Gegensatz zur Mystik Gott der Handelnde, und er ist es, der dem Menschen das Heil schafft." (S. 35)

Joseph Ratzinger
hat in seinem Buch Glaube, Wahrheit, Toleranz geschrieben:
 "Wenn aber das Entscheidende der göttliche Anruf ist, dann sind letzten Endes alle in der gleichen Lage, die diesem Anruf glauben: Ein jeder ist in gleicher Weise gerufen. Während in den mystischen Religionen der Mystiker ´erster Hand` und der Gläubige ´zweiter Hand` ist, ist hier ´erster Hand` überhaupt nur Gott selbst. Die Menschen sind samt und sonders zweiter Hand: Hörige des göttlichen Rufs". (S. 37)



2

Erklärung dieser Lehren von Joseph Ratzinger:

Es geht Joseph Ratzinger und der römisch-katholischen Lehre nicht um Gotteserfahrung, weil nämlich keine oder kaum welche zugrunde liegt, sondern um ein blindes Für-Wahr-Halten intellektueller und teilweise absurder Thesen und Überlieferungen, die man "Gott" unterschiebt. Man klammert sich dabei an das eigene Dogmen- und Kultgebäude, das man als von Gott "offenbart" bezeichnet, das man in Wirklichkeit aber überwiegend vom antiken Baalskult übernommen hat. Zu Unrecht wird sich dabei auch auf die echten Gottespropheten des Alten Testamtens berufen. Diese hatten Gotteserfahrung. Sie waren allesamt, wenn man sie so nennen will, "Mystiker", die Gott in ihrem Inneren erfahren haben, und durch die deswegen Gott und die reine geistige Welt auch zu den Menschen sprechen konnten.

Joseph Ratzinger spricht ihnen das jedoch ab, womit er aber nur seine eigene fehlende Gotteserfahrung auf die Propheten projiziert. Er kann sich nicht vorstellen, dass diese unbeschreiblich viel weiter auf ihrem Weg hin zu Gott waren als er selbst und seinesgleichen, welche allesamt die heutigen Nachfolger der biblischen "Pharisäer und Schriftgelehrten" sind, die erbitterten Gegner von Jesus und den Propheten.
Und weil der Papst von der Gotteserfahrung der Propheten keine Ahnung hat, konstruiert er folglich ein davon angeblich unabhängiges Handeln Gottes an diesen "mittelmäßigen" Leuten, wie er sie nennt - etwa in der Art, wie heute der Vatikan mit seinen Gläubigen umgeht, nach dem Motto: "Du musst das und das glauben. Das und das ist von Gott. Das behaupten wir. Und du, gehorche oder du wirst verdammt!"

Vornehmlich der heutige bornierte und lasterhafte Priester muss glauben und an seine Gläubigen weiter vermitteln, dass die katholischen Lehren über dieses angebliche "Handeln Gottes" tatsächlich von Gott stammen. Und weil Papst und Priester die Propheten zu Unrecht für ihren Glauben vereinnahmen, können diese nach den Worten Joseph Ratzingers auch allerhöchstens "mittelmäßig" sein, denn selbst von diesem "Mittelmaß" sind sie, die Theologen, immer noch Welten entfernt. Wäre er ehrlich, müssten der Papst und seine Priester-Vasallen ihren Gegensatz zum Propheten zugeben. Die kirchlichen Lehren wurden von gottfernen Theologen erfunden und haben mit Gott und Seinen Propheten nichts zu tun. Die Theologen haben die göttlichen Botschaften und die Lehre von Jesus nur genommen und in ein veräußerlichtes Kult-Gebäude hinein gepresst, das den antiken Götzen-Kulten entlehnt wurde. Letztlich ist dies der Versuch, Jesus und die Propheten kalt zu stellen, indem man sie vereinnahmt. Doch genau dieser Gegensatz der Kirche zu Christus und den Propheten wird in der Kirche versteckt gehalten. Dies ist ihr eigentliches Geheimnis.

Und solange Menschen keine Ahnung von der geistigen Dimension hinter der materiellen Welt haben und noch nicht die Nähe Gottes in allen Lebensformen, ja in der ganzen Schöpfung erfahren oder zumindest erahnt haben, solange können der Papst-"Meister" und seine Theologen-Gesellen weiterhin behaupten, der "Ruf Gottes" einerseits und die "mystischen Gotteserfahrungen von Menschen" andererseits hätten nichts miteinander zu tun, seien letztlich unvereinbar. Doch wer dies lehrt, ist der "blinde Blindenführer
", von dem das Neue Testament spricht (Matthäus 15, 14).
Dass der Vatikan daneben mit intellektueller Raffinesse auch Mystiker für das eigene Glaubenssystem vereinnahmt, steht dazu nicht in Widerspruch.
Ein Beispiel ist der spanische Mönch Johannes vom Kreuz (1542-1591), dem der Papst z. B. 2011 eine "schöne" Ansprache widmete. Er wird 1577 und 1578 von der Kirche gefangen genommen und schwer gefoltert. Dennoch hält er der "Schlange" und seinen Peinigern die Treue. Dafür wird er erst "selig", dann "heilig" gesprochen und schließlich zum "Kirchenlehrer" ernannt - Jahrhunderte nach (!) seinem Tod, versteht sich.
Doch jeder, der auch nur ansatzweise eigene Gotteserfahrung macht, entdeckt normalerweise gleich zu Beginn dieser Erfahrung Aspekte des Humbug des Katholizismus mit all seinem intellektuellen Ballast und absurden Krimskrams auf Hunderttausenden von Seiten kirchlicher Lehrbücher.

Und so ist die wesentliche Mission der römisch-katholischen Kirche unausgesprochen folgende: Zu verhindern, dass Menschen Gotteserfahrungen machen. Nur so können die Priester und Theologen ihre seelische Macht über Menschen und Staaten aufrecht erhalten und diese weiterhin mit einem Zwangssystem indoktrinieren, das als schärfste Waffe immer mit den Worten droht: "Der sei verdammt!" (siehe dazu Der Theologe Nr. 18).
Und so brauchte der Papst nur darum zu bitten, z. B. zum Staatsbesuch nach Deutschland kommen zu wollen, und schon werden 100 Millionen Euro und weit mehr dafür locker gemacht. Und so braucht er auch nur darum zu bitten, im Bundestag reden zu wollen, und schon gehorchen die meisten Abgeordneten in Ehrerbietung diesem "Ruf", auch wenn der Papst als letzter absolutistischer Staatsführer Europas nichts im Parlament einer weltanschaulich neutralen parlamentarischen Demokratie verloren hat. Die Indoktrination sitzt bei den meisten Politikern sogar schon in den Körperzellen.




3

Einige weitere Gedanken zu den Thesen von Joseph Ratzinger in seinem Buch Glaube, Wahrheit, Toleranz:


Der Papst benutzt ein Zerrbild von "Mystik", um dieses dann zu widerlegen. Er behauptet, dies sei "eine Einstellung, die keine übergeordnete Größe mehr über sich duldet". Wahre Mystik weiß sich jedoch geborgen im großen "All-Einen", dem All-Geist, den man auch als "Gott" bezeichnen kann. Andere Religionen bezeichnen ihn als "Allah" oder als "Jehova" oder als "Brahman", wenn man die ursprünglich allen Menschen gemeinsame Gottesahnung zugrunde legt und die späteren Verfälschungen (die man z. B. Allah oder Jahwe angedichtet hat) hier außer Acht lässt. Christliche Mystiker glauben darüber hinaus, dass sich Gott aus dem göttlichen All-Geist, dem All-Strom heraus die Form gegeben hat, den "Schöpfergott", den man auch "Vater-Mutter-Gott" nennen könnte. Und dieser hat im Laufe der Geschichte immer wieder Prophetinnen und Propheten berufen, die sowohl den "Ruf Gottes" in sich vernommen haben, als auch die Gegenwart Gottes in allen Lebensformen erfahren haben.
Die Theologie des Papstes folgt demgegenüber dem dämonischen Prinzip "Trenne, binde und herrsche".
"Trenne" die Mystik von der Offenbarung, "binde" die Menschen an deine Kirche und "herrsche" als Oberpriester der Hierarchie über die Gläubigen! Doch im Gegensatz dazu legen wir dar:

Es gibt keinen Gegensatz zwischen Mystik und dem Handeln Gottes; nur einen Gegensatz zwischen der Kirche und dem Handeln Gottes.
 
Abraham, Isaak und Jakob, nach dem Papst "mittelmäßige" und "armselige" Gestalten, gelten ja auch als die Stammväter der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Was will der Papst damit über diese drei Weltreligionen sagen?

Das Judentum und der Islam halten wenigstens die Propheten in Ehren.

Wenn die Propheten beinahe "pöbelhaft" sind, dann ist für Joseph Ratzinger auch Gott beinahe "pöbelhaft".

Buddha lehrte zum Beispiel das Mitgefühl mit den Menschen und Tieren. Wenn der Papst schon Buddha so lobt, warum folgt er dann nicht wenigstens dem nach, was dieser an Wahrheiten lehrte?

Die "Neigung zur Gewaltsamkeit" haben die Priester den Propheten unterstellt, und sie haben die Prophetenbücher entsprechend gefälscht. Der Prophet war jedoch nicht gewalttätig und hat solches auch nie befohlen. Er konnte jedoch aus dem göttlichen Ernst sprechen, und das war und ist immer sehr unbequem für die Priester aller Religionen.

Das Volk und vor allem die Priester waren die "Pöbelhaften", wie unzählige Aussagen der Propheten über die Priesterkaste im Alten Testament belegen. Oder Aussagen von Jesus von Nazareth im Neuen Testament über die "Schlangenbrut" der Theologen und Priester (z. B. Matthäus 23).

Wer sind die "Kirchenväter"? Es waren meist intellektuelle Schöngeister, die keine Ahnung davon hatten, was die Propheten durchmachen mussten. Hat man jedoch an ihrem kirchenväterlichen Habitus gerüttelt und die Maske etwas angehoben, wandelten sich die "Kirchenväter" schnell zu inquisitorischen Gewalttätern.

Diese Kirche hat sich so weit von dem Einen Gott der Propheten und des Jesus von Nazareth entfernt, da bleibt nur der Gott Baal des Altertums übrig, dem man in Wirklichkeit nachfolgt.

Mit dem Maß, mit dem der Papst hier die Propheten misst, wird er einst selber gemessen werden.

Ist die Aussage des Propheten über die Gottespropheten nur der Versuch einer billigen Retourkutsche, weil die Propheten die scheinheilige Priesterkaste so deutlich angegangen sind?

Die verweichlichten Bischöfe und Priester tanzen bis heute um das Goldene Kalb. Mose musste ein Volk führen, der Papst nimmt das Volk aus und lässt sich seinen Hofstaat und seine Staats- und Pastoralbesuche mit Milliarden von Euros aus den Steuereinnahmen der Staaten subventionieren. Und Bischöfe streichen sich über ihren Bauch und sagen, die Propheten wären zu wenig "erhaben".

Der Papst unterscheidet hier nicht zwischen einem ehrbaren Menschen mit Anstand und Moral und dem nur dumpf Gläubigen. Zwischen dem Menschen, der nach der Bergpredigt des Jesus von Nazareth lebt, der in seinem Tun und Denken vielleicht sogar wieder annähernd ´vollkommen` geworden ist, wie es Jesus in der Bergpredigt als Ziel des Weges lehrte (Matthäus 5, 48) und demjenigen, der dumpf glaubt, was ihm als angebliches Gotteswort vorgeschrieben wird. Er unterscheidet nicht zwischen einem tugendhaften Menschen und dem, der unter Umständen skrupellos Menschen ermordet, Kinder schändet, gewissenlos Tiere schlachtet und verzehrt, der aber ein treuer "Höriger" des katholischen Rufs ist. Entsprechend hat sich auch diese Religion entwickelt.

"Vor allem aber setzte Ratzinger die überlange Betrugsgeschichte der Kirche fort, die den ursprünglichen jüdischen Jesus dem Judentum entrissen ... hat, um ein göttliches Fundament für das Existenzrecht der Kirche zu haben. Eine wirkliche theologische Neuerung wäre es gewesen, wenn Ratzinger diesen Betrug am jüdischen Jesus zugegeben hätte, denn dieser hat nicht im mindesten an eine christliche Religion gedacht, hat weder eine Kirche noch ein Priestertum, noch eine Papsttum noch ein christliches Abendmahl oder andere Sakramente gegründet bzw. gestiftet. Die beiden großen christlichen Kirchen haben also kein Fundament, schweben in der Luft, weil sie die Kluft zwischen dem jüdischen Jesus und dem Christus der Kirchen nicht zu überbrücken vermögen."

(Der Religionswissenschaftler und ehemalige katholische Theologieprofessor Dr. Hubertus Mynarek in Ketzerbriefe Nr. 180, Ahriman-Verlag, Freiburg 2013, S. 9, in dem Artikel "Das Theater mit der Abdankung - Zum Rücktritt des Papstes"; Hubertus Mynarek (Jahrgang 1929) kennt Joseph Ratzinger (Jahrgang 1927) aus ihrer gemeinsamen Zeit in der Kirche persönlich)

4

Der verfälschte Jesus - Die katholische Jesusfigur des Papstes - Nachfolgend dazu einige Zitate aus dem Buch Jesus von Nazareth, Teil 2 von Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI
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4.1. - Der Papst deutet die Ankunft von Jesus in Jerusalem kultisch

"Jesus nimmt das in der ganzen Antike bekannte Königsrecht der Requisition von Transportmitteln in Anspruch. Auch dass es sich um ein Tier handelt, auf dem noch niemand gesessen hat, verweist auf königliches Recht ..." (S. 18)
"Auch das Ausbreiten der Kleider hat Tradition im Königtum Israels. Was die Jünger tun, ist eine Gebärde der Inthronisation in der Tradition des davidischen Königtums ..." (S. 20)

Hierzu kann gesagt werden:
Jesus war ein Zimmermann und dachte praktisch. So auch seine Jünger. Mit "Requisition von Transportmitteln" und "Gebärden der Inthronisation" hatten sie nichts am Hut. Auch ist es völlig belanglos, ob auf dem Esel schon jemand gesessen hatte (was beim Evangelisten Markus steht, nicht aber bei Matthäus, Lukas und Johannes) oder nicht. Wichtig ist, dass Jesus auch Rücksicht auf die Tiere nahm - im Gegensatz zur Kirche, welche den Tieren die unsterbliche Seele abspricht und sie zur Schlachtung, für das Jagdvergnügen und für Tierversuche frei gibt. Das ist alles das verfälschte blutige Christentum.
 

4.2. - Der Papst spricht das "Volk" von einer Verantwortung am Tod von Jesus frei. Die Kreuzigung sei angeblich "notwendig" gewesen

"Die Menge, die Jesus am Stadtrand huldigte, ist nicht dieselbe Menge, die seine Kreuzigung forderte." (S. 23)
"[Der Evangelist] Matthäus drückte damit sicher nicht einen historischen Befund aus: Wie hätte das ganze Volk in diesem Augenblick anwesend sein und nach Jesu Tod rufen können? Die historische Realität erscheint offenkundig richtig bei Johannes und bei Markus. Die eigentliche Klägergruppe sind die bestehenden Tempelkreise und im Rahmen der Pascha-Amnestie gesellt sich ihnen der ´Haufe` der Parteigänger des Barrabas bei." (S. 210)
"Wenn nach Matthäus das ´ganze Volk` gesagt haben habe: ´Sein Blut komme über uns und unsere Kinder` (27, 25), dann wird der Christ sich daran erinnern, dass Jesu Blut eine andere Sprache spricht als das Blut Abels ... Wie man den Spruch des Kaiphas über den notwendigen Tod Jesu vom Glauben her ganz neu lesen muss, so auch das Matthäus-Wort vom Blut: Vom Glauben her gelesen heißt es, dass wir alle die reinigende Kraft der Liebe brauchen, die sein Blut ist. Es ist nicht Fluch, sondern Erlösung, Heil. Nur von der Abendmahls- und Kreuzestheologie des ganzen Neuen Testaments her erhält das matthäische Blutwort seinen richtigen Sinn."
(S. 211)

Hierzu kann gesagt werden:
Es gibt also beim Papst nicht den Sinneswandel von heute "Hosianna" auf morgen "Kreuzige ihn". Es wären für ihn andere Leute gewesen. Das ist, wie er selbst zugibt, ein Widerspruch zum Evangelisten Matthäus, der sogar vom "ganzen Volk" sprach. Und nimmt man den Sinn dieser biblischen Darstellung, wäre es zumindest der große Teil der anwesenden Menge gewesen. Welche Absicht der Papst damit verbindet, das "Volk" nachträglich rehabilitieren zu wollen, ist offensichtlich: Nach fast 2000 Jahren brutalster kirchlicher Judenverfolgung und -vernichtung möchte er diese vielen hundert ungesühnten Jahre weitgehend beiseite schieben, um dem aktuellen Zeitgeist zu entsprechen. Dies scheint ihm am ehesten dadurch möglich, dass er den Vertretern des Judentums schmeichelt.

Doch das Heute-Hosianna und Morgen-Kreuzige-ihn trifft auf viele Menschen aller Religionen und Weltanschauungen zu, völlig losgelöst von damaligen Staatsangehörigkeiten oder Volkszugehörigkeiten. Und es betrifft insbesondere Menschen, die sich christlich nennen, aber nicht tun, was Jesus lehrte. Doch der Papst hat seinen Grund dafür, dass er nichts darüber schreibt, warum so viele Menschen zu Gegnern von Jesus wurden, die ihm anfänglich vielleicht eher positiv gegenüber gestanden hatten, damals und vor allem heute. 
Denn die so genannte "Masse" möchte immer äußeren Führern zujubeln, die sie in ihrer Bequemlichkeit, ihren schlechten Gewohnheiten und in ihren Eitelkeiten nicht antastet; die ihr ausschweifendes Leben billigt und ihren Vorstellungen vom Leben schmeichelt; und die ihre politischen Überzeugungen in die Tat umsetzt; in der damaligen Zeit war es der Wunsch, die römische Besatzungsmacht möglichst bald aus dem Land zu jagen.

Ein politischer Machtkampf mit Rom war jedoch niemals das Anliegen von Jesus, denn sein Reich "ist nicht von dieser Welt". Und so legte Jesus den Finger in die Wunden jedes einzelnen, damit dieser sein Sündhaftes, sein Negatives erkennt, um es zu ändern, damit er dem "Reich Gottes" in sich näher kommen kann. Denn das Reich Gottes ist "inwendig" in euch, so Jesus. Und wer es in sich erschließt, der kann auch äußerlich eine Gesellschaft mit aufbauen, in der nach den Geboten Gottes gelebt wird. Insofern ist die Botschaft von Jesus auch eine politische Botschaft.
Anders die Priester, welche die "Menge" mit schmeichlerischen und heuchlerischen Worten zu betören und für sich und ihre Priester-Interessen einzunehmen versuchen - damals wie auch heute. Die Priester waren neidisch auf Jesus und sie fühlten sich in ihrem Habitus und ihrem Getue von ihm in Frage gestellt und bedroht. Im "Reich Gottes", das Jesus verkündete, braucht es nämlich keine Priester mehr. Deshalb beschlossen sie seine Ermordung, wofür man sowohl die römische Staatsmacht als auch die einfache Bevölkerung geschickt einzuspannen versuchte, was letztlich auch gelang.

Auch waren viele andere Menschen keine Freunde des Mannes aus Nazareth mehr. Dazu gehörten unter Umständen welche, die er z. B. nicht heilen konnte bzw. die nach einer kurzzeitigen Genesung wieder krank wurden, weil sie die Ursachen für ihre Krankheit und ihr Leid nicht ausräumen wollten: z. B. ihr Fehlverhalten oder ihre massiven negativen Gedanken. Stattdessen beschimpften viele Jesus nun als "Scharlatan", weil er ihnen zwar einen großen Teil aus seinem Kraft-Potenzial geschenkt hatte, sie aber gleichzeitig ermahnte, "hinfort nicht mehr zu sündigen", damit die Krankheit nicht zurück komme. Doch dies wollten die meisten nicht hören, damals wie heute nicht. Und diese Unzufriedenen oder Zweifler wurden folglich leicht zur Beute der Priesterkaste, welche die Menge aufstachelte, den Tod von Jesus zu fordern, weil dieser angeblich ein Betrüger sei.

Dass "Jesu Blut" anders sprechen solle als das "Blut Abels" ist eine philosophische Tüftelei, die hier nicht weiter führt. Beide Male wurde "unschuldiges Blut" vergossen, wenn auch bei Jesus im vollen Sinn, bei Abel nur im Großen und Ganzen. Und dass der Tod von Jesus "notwendig" gewesen sein sollte, ist furchtbarer Unsinn. Nur für die damaligen Priester, die ihn los werden wollten, war sein Tod unbedingt "notwendig". Und um das nicht zugeben zu müsse
n, erfand der Hohepriester Kaiphas dazu die heuchlerische Ausrede, der Tod von Jesus käme ja doch dem Volk zugute, da ein lebendiger Jesus die Römer gegen die Bevölkerung aufbringen könnte (Johannes 11, 48-50). Da kann man nur sagen: "Pfui Teufel, was für eine trickreiche Gedankenkonstruktion, um einen aufrechten Menschen töten zu können!"
Die Kreuzigung von Jesus war in Wirklichkeit eine Tragödie für die Menschen sowohl aus dem jüdischen Volk als auch aus anderen Völkern, die weiter auf Jesus und sein Friedensreich hofften und die sich in dem von den Priestern aufgeheizten Tumult und den "Kreuzige-ihn-Rufen" kein Gehör verschaffen konnten. Oder die einfach zu feige waren, der verlogenen Priesterbrut (die es in vielen Religionen gibt) die Meinung zu sagen. Jesus selbst nahm kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Priester und Theologen ging, er nannte sie sogar "Schlangenbrut" (Matthäus 23, 33). Deshalb musste er sterben, weil er die Wahrheit sagte und diese auch mit Vollmacht lebte.

Wenn der Papst nun aber über diese Vorgänge schreibt, entlarvt er sich mit seiner Meinung einmal mehr als heidnischer Baals- und Blut-Priester: "Reinigende Kraft der Liebe", "die sein Blut ist", so die Worte von Papst Ratzinger über den Tod von Jesus. Der Papst unterstellt dem Geschehen auf diese Weise die katholische Sühnopfertheologie, wonach Jesus angeblich sein Blut vergossen habe, um einen angeblichen "Zorn Gottes" zu sühnen. Das aber ist eine heidnische Götzenvorstellung, der auch die Priester des Alten Testaments huldigten und auf der bis heute die Kirche des Papstes aufbaut. Aber es hat nichts mit Jesus, dem Christus, zu tun, der einen liebenden Gott lehrt, der keines Seiner Kinder ewig verdammt oder straft, wenn es nicht dem angeblich richtigen Glauben anhängt und der auch nicht ein "Blutopfer" Seines eigenen Sohnes forderte, um den Menschen "gnädig" sein zu können.

Ein weiterer Sachverhalt zu diesem Thema: Die jüdischen Leser des Papstbuches werden mit einem trickreichen Pontifex-Winkelzug um den Finger gewickelt.
Worum geht es? Im Hinblick auf die "Judenmission" der Kirche spricht der Papst von "folgenschweren Missverständnissen", welche "die Jahrhunderte belastet haben".
Dann, ähnlich wie bei seiner Regensburger Rede über den Islam, macht sich Benedikt XVI. zu eigen, was andere schreiben. Er zitiert dazu zunächst den fanatischen und "heiligen" Kreuzzugsprediger Bernhard von Clairvaux; und zwar eine Passage, mit welcher der "heilige" Bernhard den "seligen" Papst Eugen III. geschult hatte, der wiederum im Jahr 1145 zum Zweiten Kreuzzug ins "Heilige Land" aufgerufen hatte. Und zu dieser Passage zitiert Joseph Ratzinger weiterhin den Kommentar der Bernhard-Clairvaux-Biografin Hildegard Brem, und zwar ohne eigene Kommentierung. Auf dieser Weise versucht er zu verschleiern, was er selbst denkt. Fakt ist: Er macht sich das Zitat zu eigen, indem er es einfach unkommentiert lässt. Der Satz aus dem Papst-Buch lautet nun wie folgt:

"Hildegard Brem kommentiert diese Stelle so: ´Im Anschluss an Röm 11, 25 muss sich die Kirche nicht um die Bekehrung der Juden bemühen, da der von Gott dafür festgesetzte Zeitpunkt ´bis die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben` (Röm 11, 25) abgewartet werden muss. Im Gegenteil, die Juden sind selbst eine lebendige Predigt, auf die die Kirche hinweisen muss, da sie das Leiden des Herrn vergegenwärtigen ...`" (Winkler I, S. 834) (S. 60f.) Auf gut Deutsch übersetzt: Bei den Juden schweigen, schmeichlerisch Honig um den Mund schmieren und abwarten. Die Zeit laufe hier für die Kirche. Irgendwann habe man sie schon dort, wo man sie haben will.
 

4.3. - Die Tempelaustreibung spielt der Papst herunter, und er erwähnt das Leid der Tiere mit keinem Wort - weil er dafür keinen Sinn hat.

Jesus hat mit der Tempelaustreibung den satanischen und leidvollen Opferkult beenden wollen, den die Priester dem Propheten Mose unterschoben hatten. Wenn jedoch ein Oberpriester wie der Papst darüber schreibt, dann kommt dabei folgendes heraus:

"Jesus griff mit seinem Tun die von der Tempelaristokratie verfügte bestehende Ordnung an, aber er verstieß nicht gegen Gesetz und Propheten ... Nur so erklärt es sich, dass weder die Tempelpolizei noch die in der Burg Antonia bereit stehende römische Kohorte einschritt. Die Autoritäten des Tempels begnügten sich damit, Jesus die Frage nach seiner Vollmacht für solches Handeln zu stellen. In diesem Sinne ist die besonders von Vittorio Messori eingehend begründete These richtig, dass Jesus bei der Tempelreinigung im Einklang mit dem Gesetz handelte und einem Missbrauch des Tempels wehrte." (S. 27)

Die grausamen Tieropfer werden vom Papst nachträglich gerechtfertigt.

Denn er schreibt weiter im Zusammenhang der Fußwaschung, die für ihn ein "Kult" ist:

"Wie die alten Opfer ein wartender Ausgriff nach Kommendem waren, ihr Licht und ihre Würde von dem Kommenden empfingen, auf das sie zugehen wollten, so ist auch das rituelle Reinigungswesen, das diesem Kult zugehörte, mit ihm - wie die Väter sagen würde - ´sacramentum futuri`: eine Etappe in der Geschichte Gottes mit den Menschen, der Menschen mit Gott, die auf das Künftige hin öffnen wollte, aber zurücktreten musste, als die Stunde des Neuen gekommen war." (S. 77f.)


Hierzu kann gesagt werden:
Tieropfer als "wartender Ausgriff nach Kommenden"? Mit der Scheinheiligkeit dieser Worte versucht der Papst hier, das Leid gegenüber den unschuldigen Tieren zu verbrämen und damit zu verschleiern, dass das Leid der Tiere unter der Ethik des Katholizismus noch weitere Grade der Bestialität und Scheußlichkeit erreicht hat - wenn man z. B. bedenkt, wie Kälbchen oder Lämmer der Mutter entrissen und einzig für den Gaumengenuss einzelner Menschen geschlachtet werden und wie nicht einmal die Betäubung ausreichend gewählt wird, damit nämlich das Herz des qualvoll verendenden Tieres das Blut noch selbst aus den Adern pumpen kann, um die Qualität des Fleisches zu erhöhen usw. usf.
Die Schlachtungen der Tiere, um damit angeblich einen "Zorn Gottes" zu besänftigen, haben weder "Licht" noch "Würde", sondern sie sind Vernichtung von Leben, denn auch gegenüber den Tieren gilt das Gebot "Du sollst nicht töten".
Was die echten Propheten des Alten Testaments über die Gräuel der Tieropfer offenbarten, wird vom Papst hier wohlweislich unterschlagen. Auch damit entlarvt er sich als der "falsche Prophet".
Denn die echten Propheten sprachen nicht wie der Papst vom
"Licht" und von der "Würde" der Schlachtungen, sondern sie klärten das Volk wie folgt auf:
 - Gotteswort in  Hosea 6, 6:  "Denn Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer."
- Jesaja 1, 11.13a: "Was soll Mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR, Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke ... Bringt Mir nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer. Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel ..."
- Jeremia 7, 21-23a: "So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Tut eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und fresst Fleisch! Ich aber habe euren Vätern an dem Tage, als Ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern; sondern dies habe Ich ihnen geboten: Gehorcht Meinem Wort, so will Ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein ..."
- Amos 5, 22.24: "Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe Ich keinen Gefallen daran und mag auch Eure fetten Dankopfer nicht ansehen ... Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach."
- Jesus von Nazareth nach Matthäus 9, 13a: "Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6, 6): ´Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht an Opfer.`"

Doch ausgerechnet im Namen von Jesus, dem Christus haben die schmerzhaften Qualen der Tiere unter der Schirmherrschaft der Kirche ein bisher nie gekanntes Ausmaß erreicht, und das Verhalten der Menschen ist Lichtjahre von dem entfernt, was Gott durch die Propheten und Jesus, den Christus lehrte. Das ist Missbrauch von Christus und von allen Propheten.
 

4.4. - Der Papst verfälscht die Botschaft des Stephanus, der sterbend rief, Gott wohnt nicht in Häusern aus Stein.

Der Papst wörtlich:
"Leben und Botschaft des heiligen Stephanus sind Fragment geblieben, das jählings mit der Steinigung abbricht ... Die theologische Vision zu Ende zu führen und von ihr her die Kirche der Heiden aufzubauen, fiel einem anderen zu: Paulus ..." (S. 53)

Hierzu kann gesagt werden:
Benedikt XVI. bezieht die Botschaft des Stephanus, dass Gott nicht in Häusern aus Stein wohne, nur auf den damaligen jüdischen Tempel und die zugehörigen Tempelopfer, was eine antisemitische und verfälschte Auslegung der Bibel ist. Denn Stephanus meinte: Gott wohnt grundsätzlich (!) nicht in Häusern aus Stein, auch in keinen späteren katholischen oder evangelischen Steinkirchen, und auch nicht in Tabernakeln und ähnlichem - alles, was man später zur angeblichen Ehre, in Wirklichkeit aber zur Verhöhnung Gottes, dem Leben in allem Sein, bauen und herrichten ließ und was letztlich nur der eigenen Selbstbeweihräucherung dient. Doch dabei kann sich der Papst nicht einmal auf Paulus berufen. Zwar war Paulus bereits der erste, der die Lehre von Jesus zu verfälschen begann, doch auch Paulus sprach noch nicht von Steinkirchen, sondern, wie Jesus, vom menschlichen Leib als einem "Tempel des Heiligen Geistes". (1. Korinther 3, 16f., 6, 19)


4.5. -
Die Worte von Jesus über das Ende der materialistischen Welt werden vom Papst verharmlost und mit nichtssagenden Sprüchen umgedeutet

"Die apokalyptischen Worte Jesu haben nichts mit Hellseherei zu tun. Sie wollen uns gerade von der äußeren Neugier auf das Anzuschauende abbringen und zum Wesentlichen führen: zum Leben auf dem Boden des Wortes Gottes ..." (S.68)

Hierzu kann gesagt werden:
Die Menschen in unserer Zeit spüren immer deutlicher, dass wir in der so genannten Endzeit leben. Die Apokalypse, wie sie Jesus von Nazareth und der Seher Johannes in der Bibel vorher gesagt hatten, hat längst begonnen. Der Papst jedoch versucht, die Menschen mit theologischen Floskeln ("zum Leben auf dem Boden des Wortes Gottes") davon abzulenken.



4.6. -
Der Papst vergewaltigt die Bedeutung des Gebetes von Jesus zu Gott, seinem Vater, indem er Jesus darin die Stiftung der Kirche andichtet.

In diesem Gebet nach dem Johannesevangelium, Kapitel 17, spricht Jesus von der Einheit seiner Nachfolger, nicht von einer Kirche. Und er betet zum "Heiligen Vater", womit er jedoch "Gott" meint - im krassen Gegensatz zur Kirche, die mit "Heiliger Vater", einem Gottesnamen, ihren Papst schmückt, der auch auf diese Weise zum "Götzen" wird. Der gegenwärtige Papst schreibt:

"Blicken wir zum Schluss auf das Ganze der Bitte um die Einheit zurück, so dürfen wir sagen, dass in ihr sich Stiftung der Kirche vollzieht, auch wenn das Wort Kirche nicht fällt ... Die Kirche entspringt dem Gebot Jesu ... Im Gebet wird das grausame Geschehen am Kreuz zu ´Wort`, zum Versöhnungsfest zwischen Gott und Welt. Daraus entspringt die Kirche als die Gemeinschaft derer, die auf das Wort der Apostel hin an Christus glauben." (S. 119)

Hierzu kann weiter gesagt werden:
Das klarste an dieser Passage ist der Halbsatz "auch wenn das Wort Kirche nicht fällt". Das Wort fällt in der Tat nicht, und gemeint ist die Kirche schon dreimal nicht. Die Kirche entspringt nämlich nicht dem Gebot Jesu, sondern ihre Führer und ihr Dogmen- und ihr Lehrgebäude sind bei genauerem Hinsehen ein Verstoß gegen nahezu alle Gebote.
Und das grausame Geschehen am Kreuz ist kein "Versöhnungsfest zwischen Gott und Welt", sondern ein schrecklicher Höhepunkt der Unversöhnlichkeit und Hartherzigkeit der Menschen. Nur für die Priester, die sich vor der Gotteserfahrung der Menschen fürchten und den Gottsuchern die angebliche Notwendigkeit ihrer Kulte und Sakramente einreden wollen, ist der Tod von Jesus "versöhnlich". Endlich haben sie ihn zum Schweigen gebracht. Denn fast hätte er die Menschen noch davon überzeugt, dass diese überhaupt keine Priester, Pfarrer und Theologen brauchen, weil Gott ihnen ja näher ist als ihre Arme und Beine.
(Weitere geistige Hintergründe der Kreuzigung von Jesus siehe hier)

 

4.7. - Der Papst deutet das ernste Abschiedsessen von Jesus mit seinen Jüngern zur Gründung der katholischen Kirche um

"Der evangelische Theologe Ferdinand Kattenbusch hat 1921 zu zeigen versucht, dass die Stiftungsworte Jesu beim letzten Abendmahl der eigentliche Akt der Kirchengründung seien ... Kattenbusch hatte recht: Mit der Eucharistie ist die Kirche selbst gestiftet. Sie wird eins, sie wird sie selbst vom Leib Christi her, und sie wird zugleich von seinem Tod her geöffnet auf die Weite der Welt und die Geschichte hin ... Die Kirche kommt vom Abendmahl, aber eben deshalb von Tod und Auferstehung Christi her, die er in der Gabe von Leib und Blut vorweggenommen hat." (S. 158)

Hierzu kann gesagt werden:
Wenn der Papst von keinem in die Schranken gewiesen wird, dann setzt er scheinheilig eine Geschichtsfälschung hinter die andere, so wie auch hier. Denn das Abschiedsessen von Jesus mit seinen Jüngern hat mit Eucharistie und Kirchengründung nichts zu tun. Auch haben Jesus und die Jünger normal gegessen, und sie ließen sich keine angeblich real in Menschenfleisch "verwandelte" Oblate von einem Priester in den Mund einführen. Jesus hat keine Sakramente eingesetzt, sondern er sprach beim Abendmahl vom Geist Gottes auch in den Früchten des Feldes und im Brot.

 

4.8. - Der Papst verklausuliert das Ringen um Leben und Tod im Garten Gethsemane mit philosophischen Floskeln

"Das Drama des Ölbergs besteht darin, dass Jesus den Naturwillen des Menschen aus der Opposition in die Synergie zurückholt und damit den Menschen in seiner Größe wiederherstellt. In dem menschlichen Naturwillen Jesu ist sozusagen in ihm selbst der ganze Widerstand der menschlichen Natur gegen Gott anwesend. Unser aller Eigensinn, die ganze Opposition gegen Gott ist da, und ringend zieht Jesus die widerständige Natur in ihr eigentliches Wesen hinauf. Christoph Schönborn sagt dazu, ´dass der Übergang vom Gegensatz zur Gemeinschaft der beiden Willen durch das Kreuz des Gehorsams führt. In der Agonie von Gethsemane vollzieht sich dieser Übergang` (Christus-Ikone, S. 131). So ist das Gebet ´nicht mein Wille, sondern der deine (Lk. 22, 24) wirklich ein Sohnesgebet an den Vater, bei dem der menschliche Naturwille ganz hineingeholt ist in das Ich des Sohnes, dessen Wesen sich eben in dem ´nicht ich, sondern du` ausspricht, in der völligen Übergabe des Ich an das Du Gott Vaters. Dieses ´Ich` aber hat die Opposition des Menschseins in sich aufgenommen und umgewandelt, so dass nun im Sohnesgehorsam wir alle mit anwesend sind, wir alle in die Sohnschaft hineingezogen werden." (S. 182f.)

Hierzu kann gesagt werden:
Im Garten Gethsemane ging es um Leben und Tod und darum, ob die Jünger die Gefangennahme von Jesus und die drohende Hinrichtung noch verhindern konnten. Denn es hätte noch eine Möglichkeit gegeben, dass die Jünger, wenn sie wach geblieben wären,  Jesus vor der Verhaftung hätten schützen können. Die schöngeistigen Ausführungen des Papstes von einer Rückholung "der Opposition in die Synergie" und dergleichen entstammen aus einer völlig anderen intellektualistischen Theologen-Welt. Das selbstgefällige salbungsvolle und intellektuelle Wortgeklingel von Theologen macht aus Jesus ein philosophisches Kunstgebilde, und der Theologe J. Ratzinger philosophiert narzisstisch über verschiedene Naturen bzw. "Ichs" von Jesus anstatt ihm in aller Schlichtheit und Demut nachzufolgen. Dann wäre nämlich Schluss mit "Eminenz" und "Exzellenz", mit "Eurer Heiligkeit", mit "Monsignore" und "Hochwürden" und mit anderen gestelzten und gespreizten Eitelkeiten, und es gäbe nur noch Bruder und Schwester.


4.9. - Der Papst deutet den Foltertod von Jesus um als "Verherrlichung Gottes"

"So leuchtet in dieser Welt das große Geheimnis des Kreuzes auf. Die neue kosmische Liturgie ist vollzogen. Das Kreuz Jesu tritt an die Stelle aller anderen Kult-Akte als die einzige wirkliche Verherrlichung Gottes, in der sich Gott selbst verherrlicht durch den, in dem er uns seine Liebe schenkt und so uns zu sich hinaufzieht ... Unter dem Kreuz beginnt die Kirche der Heiden. Vom Kreuz her sammelt der Herr die Menschen zur neuen Gemeinschaft der weltweiten Kirche ..." (S. 247f.)

Hierzu kann gesagt werden:
Der Foltertod von Jesus ist keine "Verherrlichung Gottes", sondern eine versuchte Verherrlichung der Dämonen. Sie, die satanischen Kräfte, der Widersacher Gottes, wollten Jesus am Kreuz sehen. Und zwar als Verherrlichung ihrer Macht und als Zeichen ihres Triumphes, damit sie sagen und jedem zeigen können: "Wir haben ihn besiegt".
Dazu auch die Frage: Wenn Jesus auch nach kirchlichem Glauben auferstanden sei, warum hängt er dann in der Kirche bis heute immer noch am Kreuz? Warum sieht man an den Kruzifixen bis heute den sterbenden Jesus?
Mit der offiziellen kirchlichen Antwort "Wegen der Erlösung" täuscht der Papst die Menschen. Und er verwendet dafür die Vernebelungs-Strategien seiner Theologie und die Weihrauch-Schwaden für das Volk. In diesem Fall, indem er die Ereignisse mit seiner Sühnopfer-Theologie so deutet, als ob Gott den Tod von Jesus als ein "Opfer" gebraucht hätte.
Doch nicht der Vater-Mutter-Gott, der Gott des Jesus von Nazareth, benötigt dieses Opfer, sondern der Götze Baal, dem der Papst in Wirklichkeit anhängt, der wollte es so. Die Sicht des Papstes ist nichts anderes als ein bestialischer Höhepunkt antiker Götzenkult-Theorien und nicht deren Überwindung, wie der Papst suggeriert. Das ist das eigentliche "Geheimnis des Kreuzes", wenn in der Kirche davon gesprochen wird. Und der Inhalt des Geheimnisses heißt, in kurze Worte gefasst: "Wir, die Priester, haben Jesus besiegt! Wir haben ihn kalt gestellt und uns an seine Stelle gesetzt". Unfreiwillig und indirekt gibt dies der Papst sogar zu, wenn er von der "Kirche der Heiden" spricht, denn Kirche ist nun mal nicht christlich, sondern heidnisch, wie sich dutzendfach belegen lässt.
Dass die geistige Welt sich dennoch nicht von den Dämonen und ihren Helfern und Helfershelfern besiegen ließ, darauf weisen jedoch folgende Hintergründe zum Kreuzigungsgeschehen hin. Jesus hat allen Seelen und Menschen einen Teil seines geistigen Erbes übertragen, aber dafür hätte er nicht gewaltsam sterben müssen.


4.10. - Der Papst fabuliert in den sterbenden Jesus gar die kirchlichen "Grundsakramente" hinein

"Blut und Wasser flossen aus dem durchbohrten Herzen Jesu. In allen Jahrhunderten hat die Kirche, dem Wort des Sacharja gemäß, auf dieses durchbohrte Herz geschaut und in ihm die Quelle des Segens erkannt, die im Blut und Wasser vorgedeutet ist ... Die Väter haben in diesem doppelten Strom von Blut und Wasser ein Bild für die beiden Grundsakramente - Eucharistie und Taufe - gesehen, die aus der durchbohrten Seite des Herrn, aus seinem Herzen entspringen. Sie sind der neue Strom, der die Kirche schafft und die Menschen erneuert. Bei der geöffneten Seite des am Kreuz entschlafenen Herrn haben die Väter aber auch an die Erschaffung Evas aus der Seite des schlafenden Adam gedacht und so in dem Strom der Sakramente zugleich den Ursprung der Kirche gesehen: die Erschaffung der neuen Frau aus der Seite des neuen Adam." (S. 249f.)

Hierzu kann noch gesagt werden:
Im "Strom der Sakramente" Blut (für die so genannte Eucharistie) und Wasser (für die Säuglingstaufe) (in Wirklichkeit dem Flüssigkeitsverlust im Körper des sterbenden Jesus) hätten die kirchlichen Schöngeister demnach die Kirche als "neue Frau" erblickt, die dem Leib des Gekreuzigten bei dessen qualvollem Tod entnommen würde - eine dreistere Verhunzung des Todes von Jesus ist kaum vorstellbar.


4.11. - Der Papst glaubt, dass es Jesus sei, der die Kirche vor dem Untergang schütze

"Der scheidende Jesus geht nicht irgendwo hin auf ein fernes Gestirn. Er geht in die Macht- und Lebensgemeinschaft mit dem lebendigen Gott ein, in Gottes Raumüberlegenheit. Darum ist er nicht ´weggegangen`, sondern nun immer von Gottes eigener Macht her bei uns und für uns da ... Das Boot der Kirche fährt auch heute im Gegenwind der Geschichte durch den aufgewühlten Ozean der Zeit. Oft sieht es aus, als ob es untergehen müsse. Aber der Herr ist da und kommt zur rechten Zeit ..." (S. 309f.)

Hierzu kann gesagt werden:
Alles dies ist nichts als Missbrauch: Missbrauch von Jesus von Nazareth und Missbrauch, des guten Namens von Jesus dem Christus.
Die Kirche wird nicht von Jesus geschützt und gehalten, sondern in erster Linie durch Milliarden von Euro an staatlichen Subventionen im Jahr und von der Einschüchterung, dass ein Kirchenaustritt in eine angeblich ewige Verdammnis führe. Ginge es wirklich nach dem "Herrn", dann wäre längst Schluss mit Kirche und Papst. Und die Menschen wären frei und sie würden Gott in sich, in ihrem Inneren, in ihrem Herzen erfahren, und sie würden wissen, dass Gott ihnen auch in jedem Menschen, ja in allen Lebensformen begegnet. Das ist, um die beiden Worte des Papstes im richtigen Sinne zu gebrauchen, "Mystik" und "Offenbarung" zugleich (siehe oben).


* Kath.net schreibt am 7.2.2012: "Rom (kath.net/KAP) "Der dritte Band des Jesus-Buchs von Papst Benedikt XVI. soll römischen Quellen zufolge bereits im September in den Buchhandel kommen. Zunächst war mit einem Erscheinen des Werkes, das sich mit der Geburt und der Kindheit Jesu befasst, zum Jahresende gerechnet worden. Wie bereits in den vergangenen Jahren werde der Papst auch in diesem Sommer seinen Urlaub und die arbeitsärmeren Wochen zur Arbeit an dem Buch nutzen, das wieder gleichzeitig in mehreren Sprachen erscheinen soll."
Was Joseph Ratzinger dazu schreiben wird, ist eine Vermischung einiger Informationen aus der Bibel mit dem katholischen Dogmengebäude, also letztlich falsche Auskünfte über die Geburt und Kindheit von Jesus. Zu diesem Thema ist aber bereits im Februar 2012 ein Buch erschienen, in welchem auch einige Passagen darüber enthalten sind, wo Christus selbst durch Prophetie über seine Kindheit und Jugend berichtet. Das glauben Sie nicht? Wenn Sie wollen, prüfen Sie einfach selbst! Der Titel: Wer war Jesus von Nazareth? Seine Kindheit und Jugendjahre, erschienen im Gabriele-Verlag Das Wort.

 

5

Joseph Ratzingers Rede von der angeblichen "Abwesenheit Gottes - Die "Gotteskrise" ist in Wirklichkeit eine Kirchenkrise und eine Papstkrise

Zum Abschluss dieser Studie noch einige Anmerkungen zu den immer wiederkehrenden Worten von Papst Benedikt XVI. über die angebliche "Abwesenheit Gottes" bzw. über die angebliche "Gotteskrise", wie es in kirchlichen Kreisen immer wieder heißt.
Hierzu zitieren wir zunächst aus einer Papstrede aus dem Jahr 2011, als sich Joseph Ratzinger in seiner italienischen Sommerresidenz Castelgandolfo mit dem so genannten "Ratzinger-Schülerkreis" getroffen hat. Das sind seine engsten Schüler, von denen die meisten bei ihm den Titel "Doktor der Theologie" erworben haben. Bei diesem Treffen sagte der Papst wörtlich:
"In dieser Zeit der Abwesenheit Gottes, in der das Land der Seelen dürre ist und die Menschen dennoch nicht wissen, wo das lebendige Wasser herkommen soll, wollen wir den Herrn bitten, dass er sich zeigt!" (radiovaticana.org, 28.8.2011)

Und einige Wochen später hat Kardinal Stanislaw Ryliko, Präsident des päpstlichen Laienrates, sogar eine Tagung zu der so genannten "Gotteskrise" geleitet. Der Kardinal dazu wörtlich: "Bei der Auswahl des Themas der Tagung sind wir ganz einfach Papst Benedikt XVI. gefolgt, der nicht müde wird zu betonen, dass das fundamentale Problem unserer Zeit die ´Gotteskrise` ist, die ´Abwesenheit Gottes`" (zit. nach muenchner-kirchenradio.de, 23.11.2011).

Das fundamentale Problem unserer Zeit ist aber doch ein ganz anderes! Warum wissen denn die Menschen nicht, "wo das lebendige Wasser herkommen soll", wie sich Papst Joseph Ratzinger ausdrückt?
Die Kirche des Papstes hat Gott doch den Menschen verleidet. Sie hat die Menschen in Kirchen aus Stein geführt und zu veräußerlichten kirchlichen Sakramenten, und dort haben die Menschen das lebendige Wasser natürlich nicht gefunden.
Doch Jesus, der Christus hat ganz anders gelehrt, und das wird den Menschen weitgehend verschwiegen. Er sprach: "Das Reich Gottes ist   i  n   Euch." Also es ist in unserem Seelengrund. Oder, wie der Papst in seiner eigenen Bibel nachlesen könnte: Gott wohnt nicht in Tempeln, die von Menschen gemacht sind, sondern jeder Mensch selbst ist der Tempel des Heiligen Geistes.

Doch wie ging die damalige Priesterkaste mit Jesus von Nazareth um? Jesus starb einen unvorstellbar grausamen Tod am Kreuz, nachdem Er zuvor gefoltert, verhöhnt und verspottet wurde. Das alles musste Er erleiden, weil Er als Sohn Gottes den Menschen die Wahrheit über Seinen und unseren Vater nahebrachte. Das alles musste Er erleiden, weil Er der Menschheit lehrte, wie sie – ohne Priester! – Gott in ihrem Innerem näher kommen können. Jesus, der Christus, zeigte den Weg auf: Indem wir tun, was Jesus uns lehrte. Nicht, indem wir nur glauben, wie es in den großen Kirchen gelehrt wird und dazu Lippengebete formulieren. Sondern indem Menschen damit beginnen, die Weisheits-Lehre des Jesus von Nazareth, insbesondere die Bergpredigt, in die Tat umzusetzen.
Mit dieser Tatlehre stand Jesus von Nazareth in einer Reihe mit allen großen Gottespropheten. Bereits durch den Gottespropheten Jesaja sprach Gott:
"Wenn ihr auch noch so viel betet, Ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut. Wascht euch, reinigt euch! Lasst ab von eurem üblen Treiben. Hört auf, vor Meinen Augen Böses zu tun. Lernt Gutes zu tun"
(1, 15-17). So weit die Worte bei Jesaja.
Wer sich an diese prophetischen Gottesworte durch Jesaja hält, wer lernt Gutes zu tun, der erfährt Schritt für Schritt Gott in sich. Doch die kirchlichen Institutionen haben diese Tatlehre der Gottespropheten und des Christus-Gottes durch eine nebulöse Dogmen- und Geheimnislehre ersetzt und sich dann auch noch erdreistet zu verkünden, dieses kirchliche Gebilde wäre das, was Gott und Jesus gewollt hätten.


Ja, wenn das auch nur annähernd so wäre, wo ist dann die Kirche, die ihre unermesslichen Reichtümer in den Dienst des Gemeinwohls stellt, um die Not in der Welt damit zu lindern? Wo ist die Kirche, die Kriege nicht nur manchmal, sondern ein für allemal verurteilt, wie es der Friedenslehrer Jesus von Nazareth tat, als Er warnte: "Wer zum Schwert greift, der wird durch das Schwert umkommen?" Wo ist die Kirche, die echte Sühne und Wiedergutmachung leistet an den Hunderttausenden von Kindern, die von Priestern vergewaltigt wurden und deren Seelen auf diese Weise zerstört wurden? Und, und und.
Vergleicht man die schlichte Lehre des Jesus von Nazareth mit den kirchlichen Institutionen und ihrem Tun, dann lässt sich der Gegensatz tausendfach nachweisen.
 
Statt über eine angebliche "Abwesenheit Gottes" zu klagen, müssten der Papst und seine Theologen stattdessen also ihre eigene Kirche anklagen. Denn sie hat, symbolisch gesprochen, Gott davon gejagt durch ihre grausamen Taten und ihre absurden Lehren. Und sie hat über Jahrhunderte verhindert, dass die Menschen Gott in sich, in ihrem Nächsten und in allen Lebensformen finden können, so wie es Jesus, der Christus, gelehrt hat.

Dann hätten selbst jene Menschen zum freien Geist, dem Göttlichen in allem Sein, gefunden, die nicht ausdrücklich nach Gott gesucht haben. Und auch dazu sprach Gott durch den Propheten Jesaja:
"Ich wäre zu erreichen gewesen für die, die nicht nach Mir fragten, Ich wäre zu finden gewesen für die, die nicht nach Mir suchten. Ich sagte zu einem Volk, das Meinen Namen nicht anrief: ´Hier bin Ich. Hier bin Ich.` Den ganzen Tag streckte ich Meine Hände aus nach einem abtrünnigen Volk, das einen Weg ging, der nicht gut war, nach seinen eigenen Plänen, nach einem Volk, das in seinem Trotz mich ständig ärgert" (65, 1).
Und deshalb verkündete der Prophet Jesaja auch das Gericht über die Priester, die dem Genuss verfallen sind dem Volk seichte und nichts sagende Predigten vorsetzen.
Wer Ohren hat, der höre. Wer einen Verstand hat, der schalte ihn ein!

Und deshalb suchen immer mehr Menschen Gott auch nicht mehr bei den Priestern, sondern, sie würden – wir zitieren Joseph Ratzinger – "anderswo das lebendige Wasser suchen". Und das ist aus der Sicht des Papstes nun das Problem: die bockigen Schafe, die nicht mehr
im Pferch der Kirche bleiben wollen.
Und so klagt er auch nicht darüber, dass er und seine Kirche Gott davon gejagt haben, sondern er beklagt, dass die Kirche angeblich nicht genügend Mission betrieben habe. 
Nicht genügend "Mission"? Was meint der Kirchenführer damit? Blicken wir zurück: Was hat denn die kirchliche Mission und die Zwangschristianisierung im Laufe der Geschichte gebracht? Was hat die Indianermission mit Hunderttausenden, ja Millionen von Ermordeten gebracht? Und was haben die Kreuzzüge vom 11. bis 13. Jahrhundert gebracht, und was die unzähligen Judenpogrome auf Veranlassung der Kirche? Was haben die Hexen- und Ketzerverfolgungen gebracht? Oder, um auch hier das Wort des Papstes von der "Mission" zu gebrauchen: Was hat die Heidenmission gebracht, was die Judenmission und was die Ketzerbekehrung? Hat die Jahrhunderte lange Mission der Kirche etwa näher zu Gott gebracht oder sind diese unzähligen Grausamkeiten nicht der beste Beweis dafür, dass man Gott davon gejagt hat und gegen Gott war? Und dann beklagen ausgerechnet die Täter und ihre Nachkommen die "Abwesenheit Gottes"?
Die "Gotteskrise", von der in der Kirche also oft die Rede ist, ist also in Wirklichkeit eine Kirchenkrise und eine Papstkrise.

 

Joseph Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI.:

Der "notwendige Einsatz" der Inquisition

[Gott ...] "Lass jeden von uns zur Einsicht gelangen, dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens und der Moral in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen."
 

So der Beginn eines so genannten "Schuldbekenntnisses" aufgrund der Verbrechen der Kirche, das so genannte "Mea Culpa", das Papst Johannes Paul II am 12.3.2000 im Wechsel mit anderen hochrangigen Vertretern des Vatikan in Rom öffentlich vorgetragen hat
(z. B.
http://www.theology.de/religionen/oekumene/
evangelischerkatholischerdialog/meaculpa.php
)
. Den Text hatte damals Joseph Kardinal Ratzinger verfasst und er hatte dabei auch die oben zitierten Worte gesprochen (z.B. http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/inquisition/manuskript/). Der Papst und die Kardinäle haben mit ihren schöngefärbten und ausgeklügelten Worten aber nicht ihre Opfer um Verzeihung gebeten - was notwendig wäre und bei einer echten Reue auch selbstverständlich. Man richtete stattdessen ein weitgehend allgemein gehaltenes Gebet an die Adresse von "Gott".

"Großinquisitor ist eine historische Einordnung, irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heute das, was nach damaligen Methoden zum Teil kritisierbar gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne ´inquisitio`, das heißt, dass Untersuchungen stattfinden mussten."

So Joseph Kardinal Ratzinger im ARD-Magazin Kontraste (3.3.2005) zu seinem inoffiziellen Titel "Moderner Großinquisitor". Wenige Wochen später wurde er zum Papst gewählt.

"Jetzt haben wir ja unser Archiv Gott sei Dank nach mühsamen Vorarbeiten eröffnen können und freuen uns, dass also gerade auch nicht-gläubige Historiker sagen: ´Also ganz so schlecht war die Inquisition auch wieder nicht.` Sie war eigentlich der zeitgenössischen Justiz voraus, weil sie Verteidigungsmöglichkeiten, Anhörungspflicht usw. geschaffen hat. Machen wir uns nicht vor: Vieles waren Fehlurteile, vieles ist schief gelaufen. Aber eine Suche nach Gerechtigkeit ist doch dagewesen und ich glaube, die Öffnung des Archivs wird vielleicht, soweit die Leute zuhören wollen, ein bisschen was von den dunklen Schatten aufhellen können."

So Joseph Ratzinger im Jahr 1998, zit. nach Der deutsche Papst, 3Sat, 18.9.2011(Erstausstrahlung). Eine Unterscheidung von "Inquisition" und "zeitgenössischer Justiz" ist dabei nicht seriös. Es gab keine "zeitgenössische" Justiz, die ohne Zustimmung der Kirche ihre Urteile fällen konnte. Die staatlichen Richter waren genauso der kirchlichen Obrigkeit hörig wie speziell tätige "Inquisitionsrichter".

 

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Nachrichten

19.9.2012 - Ratzinger-Schülerkreis will "Aufklärung" überwinden - "Schuldbekenntnis" für kirchlichen Anteil an Aufklärung im Gespräch / Atheistische Plakataktion in Polen: "Ich töte nicht, ich stehle nicht, ich glaube nicht." - Der evangelisch-lutherische Bischof Ulrich Wilckens war der erste evangelische Würdenträger, der von Papst Benedikt XVI. im Sommer 2012 zu dem Treffen des so genannten Ratzinger-Schülerkreises in der Papst-Residenz von Castel Gandolfo eingeladen wurde. Darüber berichtete die evangelische Nachrichtenagentur idea: "Die etwas 30 Teilnehmer hätten darin übereingestimmt, dass es eine zentrale Aufgabe der Kirche sei, gemeinsam dafür einzutreten, dass die bis in die Gegenwart reichenden Folgen der Aufklärung im 18. Jahrhundert überwunden werden" (idea-spektrum Nr. 38/2012). Gemeint ist in diesem Umfeld vor allem die Abwendung der Menschen vom Gott der Kirche aufgrund ihrer Vernunft, was man kirchlicherseits natürlich bedauert, obwohl der gesunde Menschenverstand und eine hohe Ethik und Moral zwangsläufig zu einer Abkehr vom Gott der Kirche führen müssen.
In diesem Sinne ist auch eine Plakataktion in Polen zu verstehen, die von Atheisten verantwortet wird. Auf den Großflächen-Plakaten steht z. B.:
"Ich töte nicht, ich stehle nicht, ich glaube nicht" (idea-spektrum Nr. 38/2012). Das Motto nimmt darauf Bezug, dass keine Institution mehr Menschen töten ließ als die Kirche und dass der heutige kirchliche Reichtum geschichtlich auf den "größten Raubzug aller Zeiten" zurück geht, bzw. vor allem Blutgeld ist. In Polen sind immer noch 86 % der Bürger römisch-katholisch, vor allem aufgrund der Säuglingstaufen und der Drohungen mit grausamster ewiger Hölle gegenüber den Eltern, wenn die Säuglinge nicht sofort zu Kirchenmitgliedern gemacht werden. Beim Ratzinger-Schülerkreis sieht man die Wurzeln für die immer stärkere Abkehr von der Kirche im 18. Jahrhundert und möchte diese überwinden. Man könnte auch sagen, man will diesbezüglich wieder hinter das 18. Jahrhundert zurückkehren.
Und was brachte das 18. Jahrhundert? In der Tat: In Düsseldorf wurden noch 1738 zwei Frauen bei lebendigem Leibe als "Hexen" verbrannt. Und die letzte "Hexe" wurde in Deutschland noch 1756 auf dem Scheiterhaufen verbrannt, in Landshut. Danach war die Aufklärung jedoch stärker, und die Kirche kann nun seit ca. 250 Jahren ihre Kritiker nicht mehr einfach hinrichten lassen. Die Kirche sieht das "Problem" natürlich offiziell woanders. Nämlich darin, dass die Leute ihr schlicht nicht mehr glauben.
Der erste hochrangige Protestant unter dem harten Kern der Papst-Anhänger forderte deshalb nun: "
Die Kirchen sollten ein gemeinsames Schuldbekenntnis im Blick auf die Entstehung der Aufklärung und ihrer Wirkung bis in die heutige Zeit ablegen". Die Nachrichtenagentur schreibt weiter: "Mit diesem Vorschlag sei er auf breite Zustimmung gestoßen, so Wilckens."

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Der Theologe Nr. 54 - Der blinde Blindenführer in Rom und sein Missbrauch von Jesus, zit. nach http://www.theologe.de/joseph-ratzinger.htm, Fassung vom 5.5.2015,
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