DER THEOLOGE
Christival, ein "Kongress junger Christen" 2008 in Bremen
"Christustag" 2014 in Stuttgart
Christival 2016 in Karlsruhe
Geplant: Christival vom 25. Mai bis 29. Mai 2022, Ort noch offen
 


Vom 30.4. - 4.5.2008 trafen sich in Bremen viele Jugendliche zum fünften Mal zu einem "Kongress junger Christen", genannt Christival. Veranstalter war ein Gremium aus verschiedenen evangelischen Kirchen, Werken und kirchlichen Verbänden. Es fanden dabei über 200 Workshops zu verschiedenen Themen statt. Und bereits im Vorfeld gab es heftige Auseinandersetzungen um einen zunächst geplanten Workshop, bei dem es um "Heilung" von Homosexualität bzw. homosexuellen Neigungen gehen sollte. Der Workshop wurde darauf hin abgesagt. Während des Christivals kam es dann mehrfach zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und homosexuellen "Aktivisten", die in Veranstaltungen laut auf sich aufmerksam machten.*
Die Fortsetzung des Projekts fand vom 4. Mai bis zum 8. Mai 2016 in Karlsruhe statt. Als übergeordnetes Thema wurde "Jesus versöhnt" gewählt. Bereits am 19.6.2014 hatte man einen so genannten "Christustag" in Stuttgart mit ca. 20.000 Teilnehmern durchgeführt. Vom 25. Mai bis zum 29. Mai 2022 ist nun das nächste Christival geplant, der Ort ist noch nicht in der Planung festgelegt. Doch wer weiß, was bis dahin alles noch passiert?


Die fünf voran gegangenen Christival-Treffen vor Bremen im Jahr 2008 waren 1976 in Essen mit dem Prediger Billy Graham aus den USA, 1988 in Nürnberg, 1996 in Dresden und 2002 in Kassel. Zum vierten Mal in Folge gab es 2016 in Karlsruhe einen Besucherrückgang. In Karlsruhe kamen 13.500 Teilnehmer, in Bremen waren es noch 16.400, in Kassel noch 20.000 und in Dresden 30.000. Beim Beginn in Essen waren es 12.500 gewesen, in Nürnberg 18.500.
Die geistig toten Institutionen Kirche, die vor allem mit Äußerlichkeiten und geschickten PR-Maßnahmen versuchen, Emotionen zu wecken, erhoffen sich von Initiativen wie dem Christival eine Art Vitalisierung, in diesem Fall die lutherischen Kirchen. So erhoffte sich der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, geb. Cornelius, im Vorfeld des Karlsruher Christivals, das Festival könne Jugendliche motivieren, ´ihren Weg mit der Kirche ... weiterzugehen`" (domradio.de, 4.5.2016). Das Ziel, den dahin siechenden Kircheninstitutionen, neues Leben einzuhauchen, bestätigte auch Karsten Hüttmann, Vorsitzender des Christival: "Was wir hier in Karlsruhe erleben, ist eine starke Ermutigung für die Zukunft der Kirche und Gemeinde" (regio-news.de. 6.5.2016). Doch wurde auch bei diesen Treffen überwiegend auf "Gemeinschaftsenergie" aufgebaut, die man sich gegenseitig gibt, was nichts bzw. nicht viel mit dem "Heiligen Geist" des Urchristentums zu tun hat.
 


Der Name "Jesus" bzw. "Christus" steht also, wie das Wort "Christival" schon sagt, im Mittelpunkt. Doch handelt es sich dabei um den "Christus der Institutionen der Kirche", in diesem Fall der konservativen Protestanten. Was hat dieser aber mit dem Christus zu tun, der in dem Menschen Jesus von Nazareth unter uns lebte? Und sind die in diesem Geist durchgeführten Aktionen "pro Christ", wie eine verwandte Veranstaltungsreihe genannt wird, oder im Kern "anti Christ"?

Zum Bedenken, was Jesus, der Christus, wirklich lehrte, wird das Lesen folgender Ausgaben empfohlen:


Nr.   3 - So spricht Martin Luther, so spricht Jesus von Nazareth

Nr.   5 - Wie Paulus die Lehre von Jesus veränderte

Nr.   7 - Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier

Nr.   8 - Wie der Teufel in der Bibel hauste

Nr. 19 - Es gibt keine ewige Verdammnis, auch nicht in der Bibel

Nr. 35 - Gefährliche Rechtfertigungslehre: Allein der Glaube führt in den Abgrund


Nr. 58 -  Der Kreuzestod von Jesus hätte nicht sein müssen - Was bedeutet Erlösung?

Alle Ausgaben sind hier zusammengestellt.

Wir wünschen allen Lesern einen inneren Gewinn.


PS: Vergleichbar mit dem Christival ist die Veranstaltungsreihe ProChrist (siehe Der Theologe Nr. 22). Einzelne dezentrale Treffen in über 100 Städten fanden zuletzt im Oktober und November 2015 statt. Für das Jahr 2018 ist vom 11. März bis zum 17. März wieder eine "Großevangelisation" geplant, dieses mal aus Leipzig - mit Übertragung per Leinwand in weitere Städte.
 



* Nachrichten: 4.3. / 26.4. / 8.5.2016 - Unmittelbar vor dem Christival 2016 trat einer der schärfsten Kritiker "der evangelikalen Bewegung", Volker Beck von der Partei "Bündnis 90/Die Grünen", zunächst von seinen politischen Ämtern zurück. Sein Rücktritt erfolgte, als er von der Polizei gefasst wurde, nachdem er die Wohnung eines Drogen-Dealers mit der harten Droge Crystal Meth verließ. Beck ist auch ein Anhänger für die Lockerung des Strafrechts im Umgang mit Drogen. "Angeblich soll er seit Jahren harte Drogen konsumieren" (bild.de, 6.3.2016). Volker Beck kritisierte jedoch nicht die Lehre, die beim Christival verkündet wird, sondern Teile der Ethik zum Thema Homosexualität: Vor allem auf seine Attacken hin wurde beim letzten Christival im Jahr 2008 in Bremen ein geplantes Seminar für Jugendliche und junge Menschen, die ihre homosexuellen Empfindungen nicht unbedingt ausleben wollen, gestrichen. Stattdessen wirbt Beck für Ehen unter Homosexuellen mit Adoptionsmöglichkeiten für "gemeinsame" Kinder usw. 1988 hatte Volker Beck auch "von einem ´Kampf für die zumindest teilweise Entkriminalisierung der Pädosexualität` - also des Geschlechtsverkehrs mit Kindern - gesprochen", dies aber nach einem Wechsel des Zeitgeistes in der Bevölkerung - nach Bekanntwerden von Zigtausenden von Kinder-Vergewaltigungen durch Pfarrer und Priester - später als "Irrtum" bezeichnet. Volker Beck war zuletzt unter anderem religionspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion und wurde kurz nach dem Rücktritt wieder in dieses Amt berufen. Ein Grund könnte sein: Er ist bei den Großkirchen sehr beliebt, obwohl gemäß ihrer eigenen Kirchenbibel der dort verehrte "Gott" die Hinrichtung Homosexueller fordere (3. Mose 20, 13); und obwohl der Kirchenlehrer Paulus in der Bibel schrieb, dass diejenigen, die diese "Unzucht" betrieben, nach seiner Meinung "den Tod verdienen" (Römer 1, 24-32), was für die Kirchen-Institutionen und kirchliche Initiativen wie dem "Christival" "unfehlbares reines Gotteswort" sein soll. "Die Nachricht von der Aufgabe der Ämter hat mich erschreckt", sagte ein Sprecher der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland (epd, 3.3.2016). So manchen erinnert das kirchliche Verhalten an das Winden einer Schlange - aalglatt von einem Extrem zum Nächsten, je nach momentaner Interessenlage.

So wurde Volker Beck, nachdem das Interesse der Öffentlichkeit an seinen Rauschgift-Delikten nachließ, auch als religionspolitischer Sprecher der Grünen wieder neu eingesetzt worden. Dass es unter den aktuellen Umständen eine neuerliche Auseinandersetzung zwischen Beck und den Verantwortlichen von Christival e.V. im Jahr 2016 geben könnte, war trotzdem nicht zu erwarten. Offenbar um Konflikten aus dem Weg zu gehen, wurde das Thema "Homosexualität" beim Christival 2016 von vorne herein sowieso nicht angeboten.
Eines der Seminare heißt lediglich ergebnisoffen Der Gender-Streit. Dazu ist auch eine Theologen-Ausgabe erschienen unter dem Titel Wie transsexuelle evangelische Pfarrer der Schöpfungsordnung den Kampf ansagen. Der Verein Christival e.V. gehört zur Deutschen Evangelischen Allianz, die besonders bibeltreu sein will und mittlerweile über dieses Thema ebenfalls zerstritten ist. Deren Vorsitzender Michael Diener lud praktizierende Homosexuelle ausdrücklich zur Mitarbeit ein. Doch droht ihnen dort aufgrund der unmissverständlichen Bibelstellen nicht Gefahr? Was ist, wenn man die Bibel in diesen Kreisen tatsächlich wieder ernster nimmt? Und zwar nicht nur dem Sinn nach, sondern auch wörtlich?
 

27.4. / 5.5.2016 - Für das unermessliche Leid der Tiere, das eine kosmische Schuld der verantwortlichen Menschen ist, war wie immer im Protestantismus auch bei diesem Treffen nur wenig Verständnis zu erwarten. Lediglich die Massentierhaltung erfährt mittlerweile teilweise Kritik. "Während die einen wegen der Massentierhaltung ganz auf Fleisch verzichteten, komme dieser Schritt für andere nicht infrage", wird die Stellungnahme von Karsten Hüttmann, der Vorsitzende des Trägervereins Christival e.V. wiedergegeben. (idea-spektrum Nr. 14, 6.4.2016)
Im Evangelischen Katechismus steht aber auch dazu nichts, da die "kleinen Brüder und Schwestern" der Menschen laut kirchlicher Vorstellung vom Heil in Christus ausgeschlossen sind.
Allerdings war erstmals die konfessionell ungebundene Tierschutzorganisation Peta auf dem Christival mit einem Stand vertreten.
 
Doch um die mächtige und traditionell kirchengebundene Schlacht-Lobby und Massentierhalter nicht zu verärgern, fügte der Vorsitzende Karsten Hüttmann die Erklärung hinzu: Einen "Großteil der theologischen Aussagen und Schlussfolgerungen" dieser Organisation teile man nicht (zit. nach idea.de, 15.4.2016). So verlangte der Norddeutsche Bauernverband im Vorfeld die Ausladung von Peta wegen "eklatantem Widerspruchs" zum "biblischen Menschenbild". Die Interpretation ihrer Bibel durch die Institutionen Kirche ist seit Jahrhunderten hauptverantwortlich für die grässliche Tierleid und die Zerstörung der Schöpfung Gottes. So biegt der Bauernverband den "Fluch der Urzeit" (Der bekannte Theologe Walther Zimmerli), der lautet "Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen" (Genesis 9, 3), als angebliche Erlaubnis Gottes (topagrar.com, 13.4.2016). Dass man das Mischwerk "Bibel" mit seinen vielen Fälschungen der Priesterkaste auch anders interpretieren kann, nämlich zugunsten der Tiere, siehe den Beitrag: Auch Paulus wäre heute Vegetarier.
 

4.5. / 8.5.2016 - Auch beim Christival wurde eine "Taizé-Nacht der Lichter" angeboten, am 6. Mai 2016 - Äußere Licht-Inszenierungen erzeugen Stimmungen und Gefühle und wirken in jeder Gemeinschaft, gleich welchen Inhalts. Auch wenn das Christival vordergründig eine evangelische Veranstaltung ist, wird über Elemente der Frömmigkeit, wie sie im südfranzösischen Taizé praktiziert werden, ein energetisches Sendepotenzial zum Vatikan aufgebaut, denn über Taizé sollen spirituell interessierte Jugendliche dem Papst in Rom und damit letztlich dem Gegenspieler von Jesus, dem Christus, zugeführt werden. Siehe dazu Die Taizé-Verschwörung. Das Christival ging am Sonntag, den 8. Mai 2016 zu Ende. Ob es 2022 wirklich eine Neuauflage gibt, wie geplant? Die Veränderungen in der Welt und in der Gesellschaft schreiten in einem immer rasanteren Tempo voran und das Lügengebäude der Institutionen Kirche wird von immer mehr Menschen durchschaut.
 


 

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Fassung vom 10.11.2018

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