Das Schuldbekenntnis des Papstes -
eine ungültige Beichte

  Ein Brief von Freien Christen an den Papst

Bei einer ordentlichen Beichte würde man bekennen: „Wir haben getötet, verbrannt, geplündert, versklavt usw.“ Doch die Kirche will ihre Schuld in eine vage Kollektivschuld von „Christen“ ummünzen. Zu einer nach katholischer Lehre gültigen Beichte gehört auch die echte Reue und die Wiedergutmachung. Doch wo bleibt die Wiedergutmachung, z.B. an den Indianern? Bei einer echten Beichte sollten Mörder oder Mordanstifter hinterher auch keine „Heiligen“ mehr sein. Doch die Täter werden nicht angetastet. Und wie ist es mit den ermordeten „Abweichlern“ vom römisch-katholischen Glauben? Müssen sie nach katholischer Lehre weiterhin in der „ewigen Verdammnis“ verharren? Nichts Gegenteiliges war zu hören. Viele Fragen. Wir werden den Brief solange in der Öffentlichkeit verbreiten, bis wir eine Antwort aus Rom erhalten, um dann auch diese Antwort zu veröffentlichen.

Lesen Sie den Brief der Freien Christen an den Papst:

 

Freie Christen für den Christus der Bergpredigt

Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld

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An                                                                                                      Sprecher:

Papst Johannes Paul II.                                                                Johannes Meier
- Vatikan -                                                                     
Dieter Potzel
                                                                                                           Moris Hoblaj

R O M                                                                            Email:

I T A L I E N                                                                                  info@freie-christen.com

 

                                                                                                      15. März 2000

Sehr geehrter Papst Johannes Paul,

Ihr "Schuldbekenntnis", das Sie zusammen mit einigen Kardinälen abgelegt haben, hat einerseits großes Aufsehen erregt, andererseits schwer enttäuscht.

Aufsehen erregt hat, dass die sich unfehlbar wähnende Kirche endlich das tun wollte, was für einen Christen eigentlich selbstverständlich ist, nämlich Schuld einzugestehen. Enttäuscht hat, mit welch verharmlosenden Formulierungen Sie furchtbaren Fakten aus dem Weg gegangen sind und wie bedenkenlos Sie die Schuld für die blutige Vergangenheit Ihrer Institution ganz allgemein "den Christen" zuschieben. Mit der Verharmlosung verhöhnen Sie die Opfer der eingestandenen Verfehlungen; mit der Schuldzuweisung an "die Christen" verhöhnen Sie Jesus, den Christus: denn viele, die sich nach Ihm benannt haben, vor allem jene, die Seine Nachfolge ernst nahmen, haben mit der Römisch-Katholischen Kirche und ihrer Vergangenheit nichts zu tun. Erlauben Sie uns, sehr geehrter Papst Johannes Paul, dass wir dies etwas näher ausführen:

Unter der Überschrift "Bekenntnis der Schuld im Dienste der Wahrheit" lautet Ihr Schuldeingeständnis: "In manchen Zeiten der Geschichte haben die Christen bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen." Diese ungeheuerliche Verharmlosung verschlägt einem den Atem: Was Sie "bisweilen" nennen, dauerte vom 11. bis zum 18. Jahrhundert. Und in all diesen Jahrhunderten kam es nicht nur zu "Methoden der Intoleranz", sondern die Kreuzzüge (vom 11. bis zum 13. Jahrhundert) und die Inquisition (vom 13. bis zum 18. Jahrhundert) sowie die "Hexenverfolgung" (vom 16. bis zum 18. Jahrhundert) führten zur systematischen Ausrottung von Millionen von Menschen durch Folter und Feuertod. Und dies alles wurde nicht von ungenannten Christen "zugelassen", sondern von Ihren und des Kardinals Ratzinger Vorgängern angeordnet und durchgeführt, mit Hilfe von Zehntausenden irregeleiteter Gläubigen Ihrer Kirche, die mit Verdammnisdrohungen und Ablassversprechungen gefügig gemacht wurden.

Wie will die Kirche bei Gott Vergebung für ihre Blutspur erlangen und glaubwürdig dartun, dass sich derartiges nicht wiederholt, wenn ihr Schuldbekenntnis die Taten gar nicht eingesteht und die Verantwortung dafür anderen zuschiebt? Von jedem Ihrer Gläubigen verlangen Sie im Beichtstuhl ein ehrliches Bekenntnis unter Angabe seiner konkreten Sünden. Eine Beichte, die so ausfiele wie Ihr Schuldbekenntnis, wäre nach kirchlicher Lehre schlicht ungültig. Das Wort "töten", das in der Kirchengeschichte lange Zeit das Wort "lieben" ersetzte, kommt in Ihrer Beichte überhaupt nicht vor, sondern wird nur im Zusammenhang mit der Tötung ungeborenen Lebens erwähnt, einem Bereich, der für Sie ungefährlich ist. Die Toten der Kreuzzüge, die Opfer der Inquisition, die verbrannten "Hexen" und die ermordeten Katharer, Waldenser, Hussiten und Täufer erwähnen Sie mit keinem Wort.

Da war Ihre Kirche früher schon weiter, als beispielsweise Ihr Vorgänger Hadrian VI. 1523 eingestand, dass "auch bei diesem Heiligen Stuhl schon seit manchen Jahren viel Verabscheuungswürdiges vorgekommen" sei: Er jedenfalls hat die Verfehlungen der Kirche nicht auf deren "Söhne und Töchter" abgeschoben. Haben Ihnen womöglich Ihre Kurienkardinäle ein ehrliches Bekenntnis, zu dem Sie in früheren Ansprachen ansetzten, nicht mehr erlaubt? Wo bleibt Ihr Bekenntnis zur Versklavung der schwarzen Brüder und Schwestern, von der Sie 1985 bereits sprachen, und das Bekenntnis zu den Verbrechen gegenüber den indianischen Ureinwohnern, die Sie 1992 erwähnten? Anstatt einzugestehen, dass im Auftrag der Kirche von kirchlichen Missionaren unter den Eingeborenen Blutbäder "zur höheren Ehre Gottes" angerichtet wurden, sprechen Sie kühl von der "Logik der Gewalt", der "die Christen nachgegeben" hätten - selbstverständlich "im Dienste der Wahrheit". Bei einer ordentlichen Beichte würde man bekennen: "Wir haben Indianer getötet, wir haben dunkelhäutige Menschen versklavt, wir haben die Kolonien geplündert, wir haben Ketzer und Hexen verbrannt und insgesamt Millionen von Menschen auf grausame Weise ermordet."

Geradezu gefährlich ist Ihr Ausweichen in der Judenfrage: Sie sind "zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Lauf der Geschichte" die Juden "leiden ließen". In diesem Punkt scheinen Sie die Schuld der Kirche vollends zu verdrängen, obwohl sie es doch war, die von den "Gottesmördern" sprach und auf diese Weise die Juden Jahrhunderte lang stigmatisierte, so dass Adolf Hitler nach eigenem Bekunden nur mehr vollzog, was die Kirche geistig vorbereitet hatte. Wer garantiert den Juden und anderen der Kirche missliebigen Religionen, dass sie vor weiteren Verfolgungen durch die Kirche wirklich sicher sind, wenn die Kirche so wenig Einsicht in ihre moralische Mitverantwortung am Holocaust zeigt und statt dessen geradezu dreist von einer "heidnischen Ideologie" spricht?

Zu einer gültigen Beichte gehört nach katholischer Lehre nicht nur die ehrliche Reue und der gute Vorsatz, die alten Sünden nicht erneut zu tun, sondern auch die Wiedergutmachung. In dem von Ihnen herausgegebenen Katechismus der Katholischen Kirche heißt es in Ziff. 1459: "Viele Sünden fügen dem Nächsten Schaden zu. Man muss diesen, soweit möglich, wiedergutmachen (z. B. Gestohlenes zurückgeben, den Ruf dessen, den man verleumdet hat, wiederherstellen, für Beleidigungen Genugtuung leisten). Allein schon die Gerechtigkeit verlangt dies." Wann gibt die Kirche ihr Diebesgut zurück, das ihren unglaublichen Reichtum begründete: Die Vermögen der Ketzer, das Geld der "Hexen", die Schätze der beraubten Indianerstämme, die Ländereien, die sie sich durch nachgewiesene Urkundenfälschungen erschlichen hat? Wann räumt die Kirche ihre Schatzkammern, um einen weltweiten Entschädigungsfonds zu bilden - für die Nachkommen der von ihr "missionierten" Ur-Einwohner Afrikas und der Indianer, für die Opfer der Judenverfolgung und auch für die Folteropfer moderner Diktatoren, die nicht zuletzt deshalb möglich wurden, weil die Kirche als moralische Autorität des Abendlandes der Welt Jahrhunderte lang auf grausamste Weise vorexerziert hat, wie man mit religiösen, rassischen und politischen Minderheiten verfährt.

Wann befreit sich die Kirche von ihren eigenen Lehrern der Gewalttätigkeit, z.B. von einem "heiligen" Augustinus, der die Folter als "Kur für die Seele" pries, von einem "heiligen" Bernhard von Clairvaux, der die Katharer ins Feuer trieb oder von einem "heiligen" Thomas von Aquin, der die Häretiker dem staatlichen Henker empfahl? Will sie im Ernst einen Mann wie Pius XII. heilig sprechen, der Hitlers Russlandkrieg befürwortete und zum Holocaust schwieg?

Und wie sieht es mit den in den Tod und die "ewige Verdammnis" geschickten Millionen Ketzern im Jenseits aus? Nachdem sie in Ihrem "Mea Culpa" mit keinem Wort erwähnt werden, bleibt ihr geistiges Schicksal ungewiss: Wird die Kirche diese "armen Seelen" vom Bannfluch befreien und dafür nun ihre kirchlichen Peiniger verfluchen?

Wir sind freie Christen, die dem Christus der Bergpredigt nachfolgen wollen. Deshalb wenden wir uns dagegen, dass die Kirche ihre schwere eigene Schuld in eine christliche Kollektivschuld ummünzt. Ihre Erklärung hat mit dem Christus der Bergpredigt nichts gemein, so lange die Kirche den Balken im eigenen Auge nicht sieht und fortfährt, ihre "Söhne und Töchter" für die Verbrechen von Päpsten und Kardinälen verantwortlich zu machen. So lange ist auch die Gefahr nicht gebannt, dass die Kirche die Scheiterhaufen, die nur unter dem Zwang der weltlichen Menschenrechtsbewegung gelöscht wurden, wieder anzündet.

Wir hoffen, sehr geehrter Papst Johannes Paul, dass Sie dieser Brief auch tatsächlich erreicht und wir eine Antwort von Ihnen erhalten. So lange dies nicht der Fall ist, werden wir ihn in der Öffentlichkeit verbreiten, um sodann auch Ihre Antwort bekannt zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Freie Christen für den Christus der Bergpredigt
 

i. V. Johannes Meier

 



Aktualisierung: Bis heute [2009], bereits mehr als neun Jahre später, haben wir keine Antwort aus Rom erhalten. Stattdessen versucht die Kirche offenbar langfristig, ihre eigene Geschichte Zug um Zug zu verfälschen und zu "entlasten", indem sie z. B. "Atheisten" oder "Kommunisten" vermehrt der Verbrechen beschuldigt (siehe z. B.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,618696,00.html)
.

 


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