DER THEOLOGE
Ein Mahnmal für die Opfer der Kirche in Erfurt


„Regierung und Volk, Spart Euch die Kirche“, Podiumsgespräch am 25. April 2005 in Erfurt, Veranstalter: Initiative „Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche“

Rede- und Diskussionsbeitrag von Dieter Potzel, ehemaliger evangelischer Pfarrer und Herausgeber von „Der Theologe“

Redebeitrag:
... Ich stamme ja aus Hof an der Saale und hatte schon als Jugendlicher Kontakte zur Kirche in der damals nur wenige Kilometer entfernten DDR. Und vor einiger Zeit wurde ich nach Plauen in Sachsen zu einem Podiumsgespräch eingeladen, und da habe ich gemerkt, wie gerade die etwas Älteren noch der Kirche in der DDR bzw. in der unmittelbaren Wendezeit nachtrauern. Die Kirche wurde dort überwiegend wahrgenommen als eine Institution, die Freiräume gibt, die man sonst so in dieser Gesellschaft nicht hatte. Das ist unbestritten, doch es hat auch mit etwas Typischem für die Kirche zu tun, wie ich es in allen den Jahren immer wieder erlebt habe: Ich möchte die These aufstellen: Die Kirche steht immer auf allen Seiten. Und das hatte man gerade auch in der DDR erlebt. Sie wissen wahrscheinlich selber von den vielfältigen Verflechtungen zwischen Kirche und Staat auf höchster Ebene, wo Kirchenvertreter ebenfalls Privilegien genossen, während einfache Mitglieder der Kirche unter Umständen schwer benachteiligt wurden. Und wo sich auch in der DDR-Zeit Kirche und Staat einig waren, war die Bekämpfung religiöser Minderheiten. Das traf hier in Ostdeutschland vor allem die Zeugen Jehovas. Und das war in Deutschland immer so, unter jeder Regierung: Ob es bei den Nazis war, in der DDR, in der Bundesrepublik oder erst recht in den früheren Zeiten: Immer gab’s diese Allianz zwischen Kirche und Staat zur Ausgrenzung oder gar Verfolgung der kleineren Gemeinschaften, die der Kirche ein Dorn im Auge waren. Der Staat versprach sich davon z. B. moralische Rückendeckung durch die Kirchenführer.
Ich habe das selber erlebt beim ersten Golfkrieg. Für mich war klar aus dem Studium des Neuen Testaments, dass Jesus Pazifist ist. Und als damals Anfang der 90er Jahre die Kriegsvorbereitungen liefen, habe ich als Pfarrer gesagt, jetzt müssten wir von der Kirche doch eine Stellungnahme abgeben, dass Jesus nicht in einem Flugzeug sitzen würde und Bomben auf Bagdad abwerfen würde und dass er auch die Flugzeuge und Bomben der Alliierten nicht segnen würde. Ich war allerdings der Einzige in der Pfarrerversammlung damals, der das so wollte. Die überwiegende Mehrheit war für den Krieg als so genanntes letztes Mittel“, wie es in modernen Zeiten immer heißt, weil Saddam Hussein eben nicht das tat, was die westlichen Politiker wollten. Und dann lautete aber auch die Botschaft an mich: „Schreiben Sie doch einen Leserbrief.“ Das war kirchlicherseits durchaus gewünscht, damit die Menschen sehen, es gibt da einen Pfarrer, der sieht das anders. Und dieser Mann bindet wieder ganz andere Leute an die Kirche als die Mehrheit der Kollegen, die andere Überzeugungen hatten. Also, die Kirchenführer gaben den Politikern das gute Gewissen für den Krieg, und bei mir hieß es: Ich hätte halt ein wenig Außenseitermeinungen, doch auch solche Leute brauche die Kirche.
Doch das wollte ich auf Dauer so nicht mitmachen, weil ich mir auch folgendes klar machte: Der einzelne Pfarrer, und ich denke jetzt auch an einige mutige Pfarrer in der DDR, der einzelne Pfarrer kommt und geht. Aber die Institution, die bleibt, und sie ist unverrückbar mit oft ganz anderen Inhalten als denen, die vielleicht ein einzelner Rebell mal für ein paar Jahre repräsentieren darf.
Und wie sich diese Institution auch in Ostdeutschland festigt, darauf hat ja mein Vorredner schon hingewiesen, und mich hat dabei schockiert, mit welcher Geschwindigkeit alle neuen Bundesländer Konkordate mit den Kirchen, mit der evangelischen und mit der katholischen, abgeschlossen haben. Ganz nebenbei hat man damit auch ein großes Stück politische Freiheit verkauft. Denn es gilt meines Wissens bei allen Konkordaten: Diese Konkordate dürfen später vom Staat nicht einseitig gekündigt oder verändert werden, weil sie in gegenseitiger Freundschaft mit der Kirche geschlossen wurden. Das heißt: Wenn jetzt eine Länderregierung herkommen und sagen würde: Aus dem Zuschuss von 50 Millionen Euro im Jahr hier an dieser Stelle machen wir mal nur 25 Millionen Euro, dann muss die Kirche zustimmen, sonst geht das nicht. Ohne Not hat sich der Staat damit in eine massive Abhängigkeit begeben. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass es bei Personen des öffentlichen Lebens manchmal eine große Unsicherheit gibt mit der Ethik. Und hier bläst die Kirche nun einen großen Ballon auf und sagt „Hallo, hier sind wir!“ Sie wissen hier in Erfurt sicher besser über die Situation vor Ort Bescheid als ich. Manches bekommt man aber auch außerhalb mit. Als z. B. das Massaker in Erfurt im Jahr 2002 war, habe ich im Fernsehen gesehen, dass die Gedenkfeier unter der Regie der Kirche stattgefunden hat, obwohl doch nur eine Minderheit der Bevölkerung und auch der Angehörigen von den Opfern der Kirche angehört. Also, da stimmt doch irgend etwas nicht. Morgen ist es ja genau drei Jahre her, als das passierte. Und warum gibt es keine Bürgerschaft, die die innere Substanz hat oder die Zivilcourage, ebenfalls eine Ethik, eine gute Ethik hier öffentlich zu vertreten anstatt dies der Kirche zu überlassen? Ich denke mir, eine solche Ethik gibt es doch. Allein das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland - Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit - das sind Ideale, die im Laufe der Geschichte gegen die Kirche durchgekämpft werden mussten. Und vor allem die Toleranz. Mit diesen Werten könnte so viel bewirkt werden, auch mit einfacher Mitmenschlichkeit. Deutschland hatte Philosophen, hatte Dichter und Denker, hatte weise Männer und Frauen, und dann sagt die Kirche, „Ja, wir füllen das ethische Vakuum“. Also, da denke ich, hier wird auch der Bildungsauftrag der Schulen nicht richtig wahrgenommen, wenn den Verantwortlichen im Staat nichts Besseres einfällt und man Milliarden von Euro ausgibt, dass die Kirche dort ihre Lehren verbreiten kann [Anmerkung: vgl. dazu auch unsere Meldung zum Massaker in Winnenden].

Ich möchte noch sagen, ich selbst habe, als ich im kirchlichen Dienst war, manches nicht so gesehen wie jetzt nach einigen Jahren, wo ich draußen bin. Ich habe immer wieder das Positive in der Kirche betont. Klar, sonst hätte ich damals nicht drin bleiben können. Und ich möchte sagen, dass auch heute für mich wichtig ist, niemanden zu beleidigen oder anzugreifen, der jetzt evangelisch oder katholisch ist. Aber die Aufklärung über Sachverhalte hat mir in manchem die Augen geöffnet, und deshalb möchte ich mithelfen, ebenfalls zu informieren.

Ich möchte mal nur ein Beispiel sagen von der katholischen Lehre. Da gibt es ein Lehrwerk „Der Glaube der Kirche“, von dem berühmten katholischen Theologen Karl Rahner herausgegeben. Und dort heißt es doch als eine der bis heute gültigen Lehr- und Glaubenswahrheiten der Kirche: „Die Kirche hat kraft ihrer göttlichen Einsetzung“ – ich zitiere – „die Pflicht, das Gut des göttlichen Glaubens unversehrt zu bewahren. Deshalb muss sie mit peinlicher Sorgfalt alles entfernen und ausmerzen, was gegen den Glauben ist“. Und weiter heißt es im Text noch, „Irrlehren gehören verboten“. Und das ist nicht widerrufen. Das wird dann zwar dem Zeitgeist entsprechend angepasst. Kardinal Ratzinger, der Papst Benedikt XVI., sagt das dann etwas diplomatischer, aber im Kern gilt das weiter.

Und dieses Fehlen der Toleranz habe ich immer wieder erlebt. Ich war selber beteiligt auf der kirchlichen Seite. Ich war z. B. Abiturprüfer in Evangelischer Religionslehre. Und da steht in den Lehrplänen z. B. im 9. Schuljahrgang ziemlich viel Negatives drin, was man den Schülern über religiöse Minderheiten beibringen soll. Man nennt sie abfällig „Sekten“, und da werden die Gruppierungen der Reihe nach mit Verleumdungen in die Pfanne gehauen. So werden die Kinder indoktriniert, damit sie nicht mehr unvoreingenommen prüfen können, dass eine kleinere Gemeinschaft womöglich höhere Werte entwickelt und auch lebt als dies in den Großkirchen der Fall ist. Da werden alle Gemeinschaften negativ über einen Kamm geschoren, die den Großkirchen nicht genehm sind und schon die Schüler vielfach zur Intoleranz erzogen. Deshalb beobachte ich mit großem Interesse, was in Berlin-Brandenburg passiert, und hoffe nur, dass die Politiker endlich einmal stark bleiben und nicht schon wieder umkippen und den konfessionellen Religionsunterricht, der solche Intoleranz mehr oder weniger lehrt, dort wieder an die staatlichen Schulen zurückholen.

Ein weiterer Punkt, dass man auch Kirchenaustritte aus DDR-Zeiten vielfach nicht anerkannt hat von den Kirchen und nach der Überprüfung von Taufregistern Bürger zu Nachzahlungen von zum Teil einigen Tausend Euro verpflichtet hat. Das ist einfach unredlich. Das geht auch gegen das Gewissen. Aber die Kirche legt eben Wert darauf, möglichst viel Geld einzunehmen, und sie ist hier zum Teil knallhart vorgegangen.

Ich selbst habe jedenfalls nach sechs Jahren Studium und fast sechs Jahren Dienst in der Kirche irgendwann gesagt, das will ich nicht mehr. Ich habe bei meiner Einsetzung als Pfarrer versprochen, der Kirche und Christus die Treue zu halten. Doch ich habe gemerkt: Ich kann jetzt nur entweder der Kirche oder Christus die Treue halten. Beides zusammen geht nicht. Denn mir wurde von Jahr zu Jahr deutlicher, dass die Kirche eigentlich mit Christus nicht viel zu tun hat. Denn Christus bzw. Jesus von Nazareth wollte keine Pfarrer, Priester, Theologen. Er hat damals sogar gesagt: »Weh euch, ihr Schriftgelehrten«. Er stand im krassen Gegensatz zu den Theologen seiner Zeit. Man kann sich auch nicht vorstellen, dass der Mann aus Nazareth und seine Jünger mit solchen Gewändern herumgelaufen wären, wie wir es jetzt im Fernsehen in Rom gesehen haben. Das, was dort abgelaufen ist, ist purer Heidenkult, das ist Mithraskult. Das gab’s damals vor 2000 Jahren im Imperium Romanum – das ist ein Herrscherkult mit besonderen Gewändern und Mützen, mit Taufen, kultischem Mahl und anderen Handlungen, die den Sakramenten der Kirche vergleichbar sind. Die Kirche ist somit die Nachfolgerin des Mithras-Kultes und nicht die Nachfolgerin der ersten Christen. Auch die Dogmen, die Reliquien usw., Kanzeln, Altäre, Brimborium und Pomp – das alles hat mit Jesus überhaupt nichts zu tun. Und da sollte man redlich sein in den Kirchen. Und das wird dort natürlich nicht gerne gehört, wenn ich sage, es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Kirchen sagen, wir sind römisch-katholisch oder evangelisch-lutherisch, aber sie sollten Jesus aus dem Spiel lassen. Das trifft natürlich ins Selbstverständnis, und das macht für mich auch den Kern der Sache aus.

Dass es viele anders sehen, hängt nur zusammen damit, dass die Kirche einen großen Teil ihrer Lehre verschweigt und auch ihre Vergangenheit beschönigt. Ich bin ja auch, wenn man so will, ein „Experte“ für Luther. Mein Vorredner hat schon einiges gesagt über ihn. Ich habe es erst nach dem Studium erfahren, dass Martin Luther Hinrichtungsaufrufe durchgegeben hat: gegen Juden, gegen Zauberinnen, man könnte sagen, gegen Frauen mit geistigen oder magischen Fähigkeiten, gegen Eltern, die ihr Kind nicht als Säugling taufen lassen wollten, gegen Ehebrecher, gegen Wucherer, und, und, und. Er hat Hinrichtungen verlangt und sie auch durchsetzen können, vielfach gegen friedfertige Menschen. Und wenn man in der Schule Luther als Vorbild lehrt, dann wird das entweder nicht gesagt oder grob beschönigt. Oder man sagt dann: „Aber das ist doch Vergangenheit.“ Aber wenn es wirklich Vergangenheit ist, warum steht da um die Ecke noch ein Luther-Denkmal? Warum sagt man dann nicht: „Okay, das war damals. Aber heute geben wir doch diesen Leuten keine Denkmäler mehr oder benennen Straßen nach ihnen, die vielfach für Hinrichtungen und Morde verantwortlich sind.“ Da muss man das endlich mal aufarbeiten und sich neue Vorbilder suchen. Und wenn die Kirche das nicht will, kann man sagen: Dann entlarvt sie sich.

Eine andere Sache ist, was die wenigsten Menschen wissen oder auch ernst nehmen, die Lehre von der ewigen Verdammnis, die laut katholischer Lehre schon denjenigen betrifft, der das Katholische nicht in seiner Fülle annimmt. Wer also schon an einzelnen Glaubenswahrheiten zweifelt oder sie ablehnt, kann nicht ins Himmelreich eingehen – mit furchtbaren Folgen also im Jenseits. Das ist natürlich Unsinn, aber damit wird Leuten gedroht, damit werden sie eingeschüchtert. Luther hat sogar gesagt, diese ewige Verdammnis sei von Gott für die davon betroffenen Menschen vorherbestimmt. Was für ein grausames Gottesbild. Das weiß nur keiner, und man steht hier 100 m weiter voller Ehrfurcht vor seinem Denkmal.

Ja, ich komme zum Schluss. Mir ist der Wert der Toleranz sehr wichtig. Wenn ich hier die Kirche ziemlich kritisch in meinem Statement dargelegt habe, hat das einen ganz einfachen Grund. Wenn man den Fernseher anmacht: Positives über die Kirche noch und nöcher - der Beitrag am Anfang des Abends war wirklich die Ausnahme und dem anderen wird einfach kein Raum gegeben. Professor Dr. Mynarek wird da manches noch dazu sagen, wie auf diese Weise Wahrheiten unterdrückt werden. Deshalb wollte ich möglichst viele Minuten meiner Redezeit dafür verwenden, darüber zu informieren. Toleranz ist mir wichtig, auch gegenüber Kirchenmitgliedern. Aber jeder sollte frei entscheiden dürfen, welchen Glauben oder welche Institution er unterstützt. Und deshalb geht es einfach nicht, dass durch die staatlichen Subventionen wir alle die Kirchen mit finanzieren müssen und damit sogar weit mehr für die Kirchen bezahlen als ein Kirchensteuerzahler. Es wurde von einem Experten einmal ausgerechnet: Auch wer nicht Kirchenmitglied ist, zahlt anteilmäßig Subventionen in Höhe eines doppelten Kirchensteuerbeitrags.
Und das andere ist: Durch die massiven Bevorzugungen, durch die Privilegien, wird unsere Gesellschaft auch unterhöhlt. Überall sitzen Kirchenleute in entscheidenden Positionen, v. a. in den Medien. Da könnte ich einen ganzen Abend mit füllen. Professor Mynarek auch. Und ich möchte noch mal dran erinnern. Ich habe einen Verdacht – und damit möchte ich schließen: Der bekannte Philosoph Karl Jaspers hat mal sinngemäß gesagt: „Die Kirchen mit ihrem Absolutheitsanspruch stehen jederzeit auf dem Sprung, die Scheiterhaufen für Ketzer wieder zu entflammen“. Ich hielt es anfangs für übertrieben, aber nach manchen Erfahrungen der letzten Jahre glaube ich das. Ich glaube, es ist ein neues katholisches Europa geplant. Und die Kirche hat nie widerrufen, dass sie Irrlehren verbieten will, dass sie ausmerzen will, was gegen ihren Glauben ist. Und was ist, wenn die Kirche wieder diese Macht bekommt, wenn die Errungenschaften der Demokratie die religiösen Minderheiten nicht mehr schützen? Vielfach, wie es im Buch „Der Steinadler und sein Schwefelgeruch“ auch steht, wo es um Verfolgung und Diskriminierung von Minderheiten in der Bundesrepublik geht, vielfach ist der Schutz schon heute aufgehoben, aber ein bisschen hält er noch. Also, ich habe da kein gutes Gefühl, gerade aus meiner Außensicht. Als ich in der Kirche war, habe ich es nicht gesehen, jetzt wird es von Jahr zu Jahr klarer. Deshalb bin ich mit vollem Herzen bei dieser Initiative »Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche« dabei. Weil, wenn man mal ein Mahnmal aufbaut und sagt, das waren die Opfer, hier sind Hunderttausende von Leuten umgebracht worden, dann stellt man sich automatisch auch die Frage „Wie ist es in der Gegenwart?“ Und dann käme man vielleicht zu dem Ergebnis: Wehret den Anfängen! – Dankeschön.



Diskussionsbeitrag:
... Ich möchte auf die Frage antworten, die mich auch in vielen Phasen meines Lebens beschäftigt hat: Was kann ich tun? Ich erinnere mich, als ich sehr viel jünger war, ich war in bestimmten Gruppen drin. Wo die anderen hingegangen sind, bin ich auch mit hingegangen. Aber ich habe in mir irgendwo oft eine Unruhe gespürt. Und ich habe dann etwas befolgt, was mir für mein Leben bis heute geholfen hat, und das habe ich auch von Jesus gelernt. Er hat gesagt: Wenn du beten willst, wenn du Gott suchst, gehe in dein Inneres, gehe in dein Kämmerlein, in dein inneres Kämmerlein. Also nicht, besuche eine Kirche aus Stein, sondern suche dein eigenes Herz auf. Und ich habe damals als Jugendlicher gelernt, öfters auch mal allein zu sein, ganz bewusst mal aus einer Gruppe herauszugehen und darüber nachzudenken: Bin ich da überhaupt auf dem richtigen Schiff? Ist das alles auch so okay für mich, was wir hier miteinander machen? Und ich habe da für mich eine innere Stärke und auch eine Gewissensstärke erreicht, von der ich bis heute zehre. Mich hat dann auch z. B. der Film „Gandhi“ beeindruckt. Bevor er die entscheidenden Ideen hatte, wie es in Indien weiter gehen könnte, war er auch in der Stille. Da habe ich gedacht: Ja, genau, der hat das auch so getan.
Natürlich ist das Äußere sehr wichtig. Die Aktionen, von denen hier die Rede war, unterstütze ich voll. Aber auch die Stille ist eben wichtig. Irgendwann einmal habe ich auch mal Tiere beobachtet, und ich kann das schwer in Worte fassen: Aber ich habe das Gefühl gehabt, sie haben denselben Atem wie ich. Ich bin z. B. auch – ich stelle das jetzt ein bisschen verkürzt dar – aus dieser Erfahrung zum Vegetarier geworden. Denn ich habe gemerkt: Ich kann die Tiere, denen ich jetzt noch in die Augen sehe, doch nicht einfach aufessen, sie haben doch denselben Atem wie ich. Und ich bin aus dem zwischenzeitlichen Rückzug innerlich oft auf ganz neue Gedanken gekommen und habe dann gewusst, was ich tun muss. Also, dafür möchte ich einfach mal Mut machen, das ist mir so gekommen, als ich diese vielen Hunderttausend junge Menschen gesehen habe in Rom. Ich habe mich erinnert, dass es in einer Gemeinschaft toll sein kann, aber dass man dann auch mal den Mut hat, raus zu gehen und zu fragen: Was stimmt für mich? Und plötzlich kommt man auf etwas, wo man genau weiß, was man jetzt zu tun hat. Also, Jesus hat es auch gesagt, „Gehe in das stille Kämmerlein“, nicht in das große Gemenge und in die Kirchen aus Stein, und dann findet man oft Lösungen.

Schlusswort:
... Ich möchte noch mal an die Verfassungsgemäßheit erinnern: Es heißt ja schon in der Weimarer Reichsverfassung Anfang des 20. Jahrhunderts, dass diese Staatsleistungen abgelöst werden sollen. Und wir haben es ja in dem Film gesehen: Da verlangt die Kirche plötzlich das Hundertfache eines jährlichen Betrages für die Ablösung. Eine politische Gemeinde sagt, wir möchten diese 180,00 € im Jahr nicht mehr zahlen, doch die Kirche sagt: „Gib mir 32.000,00 Euro, und dann brauchst du die nächsten Jahre keine 180,00 Euro mehr zu zahlen.“ Warum kann sich die Kirche ein so dreistes Verhalten leisten? Weil jeder Politiker einen Kniefall vor der Kirche macht, und ich noch keinen Politiker getroffen hab, der da ein Rückgrat hat. Also, wenn man so etwas hört, da muss es doch – wenn man zumindest ein Minimum des Verstandes aktiviert – da muss es doch möglich sein, dass man sich so etwas einfach nicht gefallen lässt. Im Grundgesetz heißt ja auch wörtlich: „Niemand darf aufgrund seiner Religion bevorzugt oder benachteiligt werden.“ Dass es anders ist, das wissen wir, es sprach z. B. ein Vertreter einer Gruppe, ich kenne sie jetzt weniger, die Mormonen. Ich weiß nur, wenn diese oder eine andere Gruppe so etwas in ihrem Programm hätte wie die katholische Kirche, wo es heißt: „In ihrer Machtvollkommenheit möchte sie alles ausmerzen, was gegen ihren Glauben ist“, diese Gruppe würde sofort verboten. Daran sieht man, dass es diese Religionsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz nicht gibt.
Ich selber habe ja auch schon gesagt: Ich versuche mich an Jesus zu orientieren, so gut es eben geht, und da ist mir auch ein Widerspruch aufgefallen: „Seligpreisungen“ heißt es bei Jesus. Also, er hat, liest man das Neue Testament, Menschen selig gepriesen. Da heißt es z. B.: „Selig sind die Friedfertigen. Selig sind die Sanftmütigen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen leiden usw.“ Die Kirche jedoch macht eine Seligsprechung daraus. Die sagt dann: Selig wird der gesprochen, der so- und soviel dafür zahlt, und selig wird der gesprochen, der da diese Glaubensgegner ausgemerzt hat und noch ein oder zwei Wunder getan haben soll. Also, das Ursprüngliche von Jesus wird völlig verfälscht. Und ich möchte mich mehr an die Seligpreisungen von Jesus halten, und ich merke dann manchmal, das ist gar nicht so leicht, immer so friedfertig zu bleiben, aber es gibt letztlich keine Alternative als diese kleinen Schritte: Austreten aus der Kirche oder aufmüpfig sein und immer wieder das eigene Gewissen prüfen. Und ich denke: Vor ein paar Jahren hätten wir auch nicht gedacht, dass wir hier so auf einem Podium sitzen, dass wir eine eigene Zeitschrift rausgeben, dass ja doch was in Bewegung kommen kann. Und es kann etwas ins Rollen kommen, wenn man nicht einfach hinnimmt, dass die Kirchen die Schaltstellen der Gesellschaft übernehmen und auch ich unfreiwillig meinen Beitrag dazu leisten muss. Und es kommt etwas ins Rollen, auch für einen selber, auch im persönlichen Umfeld, und dazu möchte ich eigentlich jeden ermutigen.

Die Eingangsreferate aller Podiumsteilnehmer finden Sie bei
http://www.kirchenopfer.de/downloads/erfurtbroschuere.5.pdf

Lesen Sie eine Zusammenstellung von Opfern der Kirche in Thüringen und Erfurt bei:
http://www.kirchenopfer.de/53498897771004620/5349889777126983d/index.html

Lesen Sie dazu auch:
Selbstmord eines evangelischen Pfarrers in Erfurt
"Der Theologe Nr. 25", "Die Kirche - ein heidnischer Götzenkult"


Online-Zeitschrift "Der Theologe"

Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer interessanter Texte.
Alle Theologen-Ausgaben finden Sie auf der Startseite [ www.theologe.de ]
Weitere Seiten mit Hintergrundinformationen finden Sie bei [ Inhaltsverzeichnis ]

[ 1 - Luther-Evangelische Lehre ]  [ 2 - Reinkarnation ]  [ 3 - Luther-Christus ]  [ 4 - Kirche-Holocaust ]
[
5 - Paulus ]  [ 7 - Urchristentum-Tiere ]  [ 8 - Bibel ]  [ 9 - Anneliese Michel-Exorzismus ] 
 
[ 11 - Bischof Meiser ]  [ 12 - Sektenbeauftragte ]  [ 14 - Hieronymus-Bibel ]  [ 15 - Qumran ]
[ 16 - Papst ]  [ 17 - Organspende ]  [ 18 - Glaube der Kirche ]  [ 19 - Keine ewige Hölle ]

[ 20 - Propheten ]  [ 23 - Kirche-Staat ]  [ 24 - Kirche und Hölle auf Erden ]  [ 25 - Götzenkult Kirche ]  

[ 28 - Luther-Juden ]  [ 30 - Elisabeth von Thüringen ]  [ 31 - Tiere-Kirche ]  [ 32 - Sakramente der Kirche ]
[ 33 - Zehn Gebote ]  [ 34 - Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit ]  [ 35 - Rechtfertigungslehre ]
   [ 39 - Bewaffnung im Vatikan ]  [ 40 -Taufe ]  [ 41- Apokalypse ]  [ 42 - Baal ]  [ 45 - Maria ] 
[ 46 - Kirchensubventionen ]  [ 47 - Gotteserfahrung ]  [
FC 1 - Kirchenaustritt ]  [ FC 3 - Reichtum der Kirche ] 
[ FC 6 - Kirche und Tod ] 
[ Englisch - Bible ]  [ Spanisch - Teólogo ]  [ Kirchenaussteiger ]  [ 2009-1 ] 
 [ 2009-2 ]  [ 2010-1 ]  [ 2010-2 ] 
[ Glaubenstest ]  [ Pfarrer ]  [ Michelrieth ]  [ Vaterunser ]  [ Links ] 
 
[ Frage und Antwort ]  [ 500 Jahre Reformation ]  [ Urchristentum ]  [ Prophetie ]
 [ Geburt von Jesus ]  [ Sex-Verbrechen von Priestern ]  [ Schwarzbuch Katholische Kirche ] 
 [ Schwarzbuch Evangelische Kirche ]  [ Kirchentag ]  [ Bischof Huber ]
  [ Klage gegen evangelische Kirche ]  [ Klage gegen katholische Kirche ]  [ E-Mail ]  [
Impressum ]

Hit Counter