DER THEOLOGE
Gastbeitrag zur Ausgabe Nr. 7
Auch in der Bibel wird deutlich:
Tiere sollen
nicht getötet werden
Kirchenlehre
wider besseres Wissen
"Der Gerechte erbarmt sich der Tiere"
"Und siehe, es war sehr gut"
Nach Christus: "Nicht mehr erlaubt,
Tierfleisch zu essen"
Priester erlaubten Fleischessen im Rahmen des Opfers
Auch Paulus wäre heute Vegetarier
Trink- und Essgelage: "Wer so etwas tut, wird das Reich
Gottes nicht erben"
Kirchenlehre wider besseres Wissen
Tiere werden, überall auf der Erde,
rücksichtslos getötet, und die meisten Menschen nehmen daran keinen Anstoß.
Die Hauptschuld dafür tragen die Priester und Theologen der evangelischen
und katholischen Kirche, die das Töten der Tiere immer noch erlauben und
damit der Lehre Jesu und ihrer eigenen Bibel widersprechen. Sie tun es
vorsätzlich, denn sie haben selber die relevante Lehre der Bibel, z. B. in
einem Diskussionsbeitrag des Rates der EKD von 1991 zum Tierschutz,
herausgearbeitet (Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als
Mitgeschöpf, Ein Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats des
Beauftragten für Umweltfragen des Rates der EKD, EKD-Text 41, 1991). Und
sie haben dabei selbst mehr als genug biblische Hinweise gefunden und
dokumentiert, die sich zu einem zwingenden Plädoyer gegen ein vermeintliches
Recht, Tiere töten und verspeisen zu dürfen, verdichten.
In diesem Diskussionsbeitrag der
Evangelischen Kirche in Deutschland heißt es z. B., dass die Erde und alles
was auf ihr ist und alle, die auf ihr wohnen, allein Gott gehören (Psalm
24, 1). Der Mensch als Gottes Ebenbild (1. Mose 1, 27) soll die
Güte Gottes, welcher allen Seinen Geschöpfen gegenüber gütig ist (Psalm
145, 9), verkörpern und, auch das ist klar, Gott hat kein Gefallen am
Tode dessen, was lebt.
"Der Gerechte erbarmt sich der Tiere"
Der Mensch soll die Erde beherrschen,
das hat Gott in der Bibel gesagt (1. Mose 1, 28). Aber was der Mensch
zerstört, kann er nicht mehr beherrschen. Als Gottes Ebenbild hat er sein
Vorbild am Urbild – Gott – zu nehmen; dann aber heißt "Beherrschen"
"liebende Sorge", "hegendes Bewahren" (2. Mose 1, 15).
Beherrschen fordert die Verantwortung für die Beherrschten ein. Dies gilt
gerade für das Verhältnis des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen, den Tieren
(vgl. Psalm 8). Wie Gott die Herrschaft des Menschen über die Tiere
gemeint hat, wird deutlich gesagt: "Der Gerechte erbarmt sich der Tiere;
denn nur das Herz der Gottlosen ist den Tieren gegenüber unbarmherzig"
(Sprüche 12, 10). Menschen sollen erkennen, dass sie und die Tiere das
gleiche Schicksal teilen, denn beide verdanken gleichermaßen Gott ihr Leben
– der Mensch hat dem Tier diesbezüglich nichts voraus (Prediger 3, 18-21;
siehe auch Jesaja 66, 3: "Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der
einen Mann erschlägt").
Das erkennt man auch an der Sabbatruhe, die gleichermaßen für Mensch und
Tier gilt (2. Mose 20, 10). Gott verlangt Rücksichtnahme gegenüber
dem Schwächerem. Ein Rind und ein Esel sollen zum Beispiel nicht zusammen
zum Pflügen eingespannt werden (5. Mose 22, 10). Dies alles wird in
der evangelischen Schrift richtig heraus gearbeitet.
Und weiteres noch: Alle Aussagen in
der Bibel über Mensch und Tier stehen im Licht der Erwartung einer anderen,
neuen Welt und des Friedens in und mit der Schöpfung. Die
Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1, 29f) beweist, dass die von Gott sehr
gut gemachte Welt kein Blutvergießen unter Tieren und Menschen kannte:
Beiden wird pflanzliche Nahrung zugewiesen. Dieser so genannte
Schöpfungsfriede ist auch Gegenstand alttestamentlicher Verheißungen der
kommenden neuen Welt: "Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die
Panther bei den Böcken lagern ..." (Jesaja 11, 6-9; vgl. 65, 17ff).
An Jesaja schließt Jesus von Nazareth nahtlos an, denn Sein Evangelium vom
Reich Gottes soll gerechterweise nicht nur allen Menschen, sondern der
ganzen Schöpfung gepredigt werden (Markus 16, 15: "Geht hin in
alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur"). Gottes
Gerechtigkeit (dikaiosyne) ist ein gemeinsames Recht aller Geschöpfe, auf
dem Boden des Gesetzes Gottes, das Liebe ist. Liebe aber fügt keinem anderen
etwas Böses zu (Römer 13, 10).
Mit dem Kommen des Jesus von Nazareth schließt sich der Kreis. Ausgehend von
der sehr gut geschaffenen Welt, über die gefallene sündhafte Welt, kehrt
alles wieder zurück in das Reich Gottes, das mit Jesus von Nazareth nicht
nur seinen Anfang auf Erden nahm, sondern "inwendig" in jedem Menschen
bereits da ist (Lukas 17, 21). Dort, wo die Gesetze Gottes erfüllt
werden, ist das Reich Gottes auf Erden bereits gegenwärtig (vgl.: "Wo die
Macht der Sünde gebrochen, alles Böse gewichen ist, herrschte nur noch Gott
allein, wie es einst zu Beginn der Weltgeschichte gewesen war";
Prof.Dr.Dr. Hartmut Stegemann, Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und
Jesus, Freiburg 1993).
|
"Und Gott
sprach: ´Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen,
auf der ganzen Erde, und alle Bäume und Früchte, die Samen bringen, zu Eurer
Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und
allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles gründe Kraut zur Nahrung
gegeben.` Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was Er gemacht hatte,
und siehe, es war sehr gut." (1. Mose 1, 29-31) |
Nach Christus: "Nicht mehr erlaubt,
Tierfleisch zu essen"
Das alles hatte übrigens auch schon
Kirchenvater Hieronymus, der die bis heute verbindliche katholische Bibel, die
Vulgata, zusammenstellte, erkannt, als er schrieb:
"Der Genuss des
Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt; aber seit der Sintflut hat man
uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund
gestopft; wie man in der Wüste dem murrenden, sinnlichen Volk Wachteln
vorwarf. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das
Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr
erlaubt ist, Tierfleisch zu essen" (Adversus Jovinianum I, 18)
–
ein Satz, der allerdings in der EKD-Studie nicht vorkommt
–
vermutlich, weil Hieronymus Klartext spricht.
Und man kann sich natürlich fragen:
Hat Hieronymus da etwas
falsch verstanden oder wusste er nur noch mehr als die heutigen Konfessionen
wahrhaben wollen? Und jeder, der eine ehrliche Antwort auf ehrliche Fragen
finden will, wird Hieronymus recht geben. Dass es zwischenzeitlich anders
war und der Fleischkonsum von Priestern und Schriftgelehrten erlaubt wurde
(z. B. Priester im Alten Testament, Paulus), wird am Ende der Zeit endgültig
überwunden. So hat es der Gottesprophet Jesaja beschrieben ("Löwen werden
Stroh fressen wie die Rinder ... Und ein Kind wird seine Hand stecken in die
Höhle der Natter"; 11, 7-8) Und so hat es auch Jesus selbst gelehrt,
was noch deutlicher wird, wenn man die Aussagen
von und über ihn außerhalb der Bibel mit einbezieht. So schreibt z. B. der
Kirchenvater
Epiphanius,
dass die von ihm (nach einem Mann namens Ebion) so genannten Ebionäer oder Ebioniten auf die Frage, warum sie Fleischspeisen und Opferkult strikt
ablehnten, erklärten, Jesus habe es ihnen so gesagt (Panarion 30, 18, 9), ein sehr wesentliches antikes Zeugnis für das Denken
von Jesus von Nazareth. Und genau dies bestätigt auch der für die katholische
Kirche "heilige" Kirchenvater Hieronymus. Seit Christus sei es uns "nicht
mehr erlaubt", "Tierfleisch zu essen".
Mit Recht wird immer gesagt, dass die
Umkehr des Menschen und sein
Friedenswille in der unmittelbaren Umgebung des Menschen beginnen muss; und
das bezieht sich nicht nur auf die Mitmenschen, sondern ebenso auf die
Mitgeschöpfe, auf die Tiere und die ganze Natur. Die Herrlichkeit des
Reiches Gottes bezieht ausdrücklich die ganze Schöpfung mit ein (Römer
8, 18-25). Alle Hoffnungen auf Frieden und Gewaltlosigkeit werden
auf- und wachgerufen, wenn wir im Vaterunser beten: "Dein Reich komme"
(Matthäus 6, 10).
Das
verlorene Paradies wird also zurück gewonnen. Am Ende wird es sein, wie es
am Anfang war. Im Reich Gottes wird
kein Blut mehr vergossen
(Offenbarung 21, 3-4; Jesaja 11, 6-9). Wie soll das Reich Gottes aber
nun kommen, wenn nicht wir Menschen aufhören, Blut zu vergießen? Während wir
auf die Wiederkunft Christi warten, sollen wir bereits unser Möglichstes tun, um so
zu leben, wie Christus uns haben will –
sanftmütig, gerecht und barmherzig (Matthäus 5, 5-7).
Das war und ist der Wille Gottes. Spätestens ab jetzt kann
sich niemand mehr heraus reden und sagen: "Ich weiß doch nicht, was Gott
will." Auch der, der nur die Bibel gelten lässt, kann es dort vielfach lesen. Wir
wissen, was Gott am Anfang wollte. Wir wissen, wie Er das Ende will. Aus dem,
was am Anfang im Paradies war und was am Ende im Friedensreich Gottes sein
wird, erkennt also auch ein bibelgläubiger Mensch, was gemäß seines Glaubens
Gott will. Und wie verhalte ich mich dann in der Zwischenzeit? Auch im 2.
Petrusbrief finden wir dazu klare Worte: "Wir warten aber
auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach Seiner Verheißung, in denen
Gerechtigkeit wohnt. Darum, meine Lieben, während ihr darauf wartet, seid
bemüht, dass ihr vor Ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet"
(3, 13-14). Das heißt doch: Ich lebe schon jetzt so, wie es dem neuen
Himmel und der neuen Erde entspricht, was auch bedeutet: Ich lasse keine
Tiere mehr für meinen Gaumengenuss töten und esse nicht mehr ihr Fleisch.
Priester erlaubten Fleischessen im Rahmen des Opfers
Diesen vielen klaren biblischen Worten
stehen in der Bibel, nachdem die Opfer durch Jesus von Nazareth abgeschafft
wurden, vor allem noch zwei Sätze gegenüber, in denen das Fleischessen und
damit das Töten der Tiere ausdrücklich erlaubt wird: 1. Mose 9, 2-3
und 5. Mose 12, 15 – und beide Stellen wurden von Priestern für die
sündhafte, gefallene Welt geschrieben, um dort das Opfern zu ermöglichen.
Und wer an ihnen festhält, hält damit an der alten sündhaften Welt fest.
Jesus kam aber, um diese zu überwinden. Folglich sind auch diese letzten
beiden Sätze von Christen in der Nachfolge Jesu zu überwinden und
aufzugeben. Es hält ja heute auch kein Christ mehr an den alttestamentlichen
Opfergesetzen fest. Auch sie sind durch Christus überwunden.
Bibelwissenschaftlern zufolge wurde
1. Mose 9, 3 von Priestern notwendigerweise deshalb geschrieben, um
die Tieropfer einsetzen zu können. Ohne 1. Mose 9, 3 wäre kein
einziges Tieropfer in der Bibel möglich gewesen, da diese sonst alle im
Widerspruch zu 1. Mose 1, 29 stünden. Und 5. Mose 12, 15 wurde
von Priestern womöglich deshalb geschrieben, um die Zentralisierung der Opfer in
Jerusalem unter König Josia und König Hiskia zu ermöglichen. Aus diesem
religionspolitischen Grund hat man für weiter entfernte Stämme als
Zugeständnis den Fleischkonsum vom Opfer abgekoppelt. Das heißt: Wenn diese
Fleisch essen wollen, müssen sie dazu ausnahmsweise nicht opfern, wozu sie
hätten extra nach Jerusalem reisen müssen.
Alle diese Entscheidungen trafen Priester, es hatte also alles religiöse
Bedeutung. Und es waren immer
die Priester, welche die Opfer wollten und die deshalb das Töten der Tiere
gemäß ihrer Opfervorstellungen regulierten. Doch Gott wollte niemals Opfer (Jeremia 7, 22: "Tut
eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und fresst Fleisch! Ich aber habe
euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt
noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern."). Und Gott
wollte auch nicht, dass Tiere getötet werden (1. Mose 1, 29) –
auch nicht außerhalb von Opferhandlungen. Gegenüber
schwerwiegenden Aussagen in der Bibel, die das Töten und Opfern der Tiere
verbieten, wie z. B. 1. Mose 1, 29, legten die Pfarrer und Priester den Menschen immer wieder das
Gegenteil nahe – bis heute.
Dabei ist es heute um vieles schlimmer
als in den Zeiten des Alten Testaments.
Wenn es unter Menschen des Alten Testaments in
der Regel keine andere Möglichkeit gab, um
zu einer Fleischmahlzeit zu kommen als über den Weg des Opferns (mit der
Ausnahme von Fisch und Geflügel, oder
– wie hier
eben dargelegt – man wohnte weit entfernt vom
Heiligtum), dann können wir mit diesen Umständen nicht unseren heutigen
Fleischkonsum rechtfertigen. So, wie wir heute zu unserer Fleischmahlzeit
kommen, ist es nirgends in der Bibel erlaubt. Dort stehen im Gegenteil immer
Gesetze, um den heute üblichen hemmungslosen Fleischkonsum zu unterbinden.
Und wenn das wenige Fleisch, das die Menschen damals aßen, immer in
Verbindung mit einem religiösen Akt zubereitet werden sollte, und wenn Gott
alle Tiere der Fürsorge des Menschen anvertraut hatte, dann kann die Kirche
unmöglich behaupten, Massentierhaltung und Großschlachthöfe seien von der
Bibel her erlaubt. Selbst der Braten, welcher der bäuerlichen
Fleischerzeugung im Alpenraum entspringt, steht im Widerspruch zu diesen
Geboten.
Wenn die Menschen in der Zeit des Alten Testamentes gelegentlich Fleisch essen
wollten, konnten sie ihr Schaf also nicht einfach zu Hause opfern.
Wohlgemerkt "opfern", nicht einfach schlachten. Sie mussten das Schaf zu
einem Priester am Altar bringen. Die heute geübte Praxis des grenzenlosen
und hemmungslosen Fleischkonsums wird im Alten Testament eben gerade durch
religiöse und kultische Gesetze und Vorgaben unterbunden. Und Verstöße gegen
diese Regeln wurden sehr streng bestraft, wie in 3. Mose 17
nachzulesen ist. Wir können unmöglich sagen: Im Alten Testament wurde das
Fleischessen im Zusammenhang der Opferung ermöglicht, opfern tun wir seit
Jesus nicht mehr, aber Fleischessen tun wir dennoch weiterhin – eben ohne
Opfer. Es sei denn, dass jemand aufsteht, um zu behaupten, die Fleischtheke
im Supermarkt sei der gottgewollte Ersatz für den Altar des jüdischen
Tempels in Jerusalem! Doch diese Fleischtheken sind biblisch durch nichts zu
rechtfertigen.
Jesus lehrte die Jünger, keine Tiere zu töten und nicht ihr Fleisch zu
verspeisen. Dass Er gelegentlich doch Fleisch oder Fisch aß, hatte seinen
Grund darin, dass Er einen Gastgeber, der es gut meinte, nicht brüskieren
wollte. Das steht so in außerbiblischen Evangelien. Bei Gelegenheit klärte
Jesus jedoch auf, was Gottes Willen ist (siehe dazu vor allem die
Passagen aus Das Evangelium Jesu: Jesus
war eine Freund der Tiere).
Auch Paulus wäre heute Vegetarier
Im kirchlichen Christentum beruft man
sich jedoch auch gerne auf Paulus. Und was sagte Paulus zu dem Thema?
Paulus
wird von Bibellesern heute ebenfalls gerne als Rechtfertigung für das Fleischessen
herangezogen
–
zu Unrecht, wie sich bei näherer Betrachtung erweist. Paulus legt sich nicht
fest und überlässt die Entscheidung, Fleisch zu essen oder nicht, jedem
Einzelnen
– wohl
ebenfalls, um niemanden zu verprellen. Es gibt drei Bibelstellen, in denen
Paulus über das Fleischessen schreibt: 1. Korinther 8, 4ff., 1.
Korinther 10, 21-33 und Römer 14. Und es geht Paulus, wenn er
über Fleischnahrung spricht, nicht um das Leid der Tiere und um das
Mitgefühl mit ihnen, sondern um drei andere Dinge: Erstens müsse sich ein Christ
entscheiden, ob er weiterhin an anderen unchristlichen Kulten teilnimmt, in
denen Fleisch geopfert und gegessen wird. Zweitens geht es um die Frage, was
ein Christ in diesem Zusammenhang essen darf, wenn er bei Nichtchristen zu Gast ist. Und drittens
geht es Paulus um eine bestimmte Deutung der Freiheit bzw. darum, dass der Christ nicht mehr unter
dem Gesetz des Alten Testaments steht.
Im Römerbrief schreibt Paulus: "Der eine hat den Glauben, alles essen
zu können, der Schwache aber isst kein Fleisch ... So wird denn jeder
von uns für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen. Darum lasst uns nicht
mehr einander richten, sondern vielmehr sei dies eure Entscheidung: Einem
Bruder keine Ursache des Strauchelns zu geben noch ihm einen Fallstrick zu
legen ... Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst
du nicht mehr gemäß der Liebe. Verdirb durch deine Speise nicht den, für den
Christus gestorben ist ... Es ist gut, nicht Fleisch zu essen noch Wein zu
trinken, noch sonst etwas zu tun, woran dein Bruder Anstoß nimmt" Und: "Wenn
daher Speise meinen Bruder zum Straucheln bringt, will ich überhaupt nie
wieder Fleisch essen, damit ich meinen Bruder nicht zum Straucheln bringe"
(1. Korinther 8, 13).
Und es geht hierbei eben nicht um das Mitgefühl mit den Tieren, das er
offenbar nicht hat, sondern vor allem um Speisen, die bei Götzendiensten
geopfert werden, und welche Auswirkung das auf andere Menschen hat, wenn man
als Christ dort gesehen wird, wie man Götzenopfer isst. Doch heute haben wir
andere Probleme zu lösen: Z. B. die ethischen Grundfragen von
Massentierhaltung, Tiertransport, Massenschlachtung, Zwangsbefruchtung,
Genmanipulation, Urwaldrodung, Hunger in der Dritten Welt, vermehrte
Zivilisationskrankheiten, soziale Ungerechtigkeit usw., wozu Paulus nichts
sagt.
Doch selbst,
wenn Paulus im 1. Korintherbrief schreibt, dass man ohne
Gewissensbisse alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, essen könne
(weil es ihm im Gegensatz zu Jesus am Mitgefühl für die Tiere weitgehend
fehlt), so wird doch selbst
bei Paulus noch klar, dass der Vorteil beim Vegetarier liegt. Denn nach
Paulus ist es gut, alles zu lassen, woran der Bruder Anstoß nimmt. Und
dadurch, dass ich Gemüse und Brot esse, kann niemand "betrübt sein". An
einer Fleischmahlzeit kann aber jemand Anstoß nehmen, denn dafür wurden
Tieren nachweislich Schmerzen zugefügt und sie getötet. Und dafür müssen andere Menschen
verhungern, denn die Nahrung und das Wasser zur Aufzucht der Rinder für
den Fleischkonsum der Reichen fehlt den Armen. Schon von Paulus her wäre es
deshalb für den Christen geboten, kein Fleisch zu essen. Die Eltern der
verhungernden Kinder in der Dritten Welt müssen sehr "betrübt sein", dass
wir lieber unsere Schweine mästen als die Getreideernten so zu verteilen,
dass für ihre Kinder etwas übrig bleibt.
Aber andererseits wäre auch die Vorsicht im Sinne des Paulus: Nämlich die
Fleischesser, welche in das noch junge Christentum hinzu kommen wollen,
nicht durch Fanatismus zu verprellen. Paulus wollte die Schwelle nicht zu
hoch legen. Er hat also gegen einen engstirnigen, fanatischen Dogmatismus
geredet –
und zwar in einer Zeit, in der die Menschen ohnehin schon zum überwiegenden
Teil vegetarisch lebten und oft Mühe hatten, überhaupt genügend Nahrung zu
bekommen. Vegetarismus wäre also von daher keine Eingangsvoraussetzung für
Christen.
Doch alle Textstellen bei Paulus, die von bibelgläubigen Menschen gezielt
zur Rechtfertigung des Fleischkonsums herangezogen werden, sprechen in
Wirklichkeit eher gegen das Fleischessen: "Denn wenn dein Bruder wegen einer
Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr gemäß der Liebe." "Darum, ob
ihr esst oder trinkt, tut alles zur Verherrlichung Gottes" (10, 31). Ja, wie denn
nur? Durch Tierquälerei und Massentiermord und Hunger in der Dritten Welt?
Soll das etwa der Verherrlichung Gottes dienen?
Und man kann doch nicht einerseits in der Kirche sagen, dass die
Bibel über jedem anderen Schrifttum steht, sich dann aber an ihre Lehre
nicht halten.
Trink- und Essgelage:
"Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben"
Das Blut von 47
Milliarden geschlachteter Tieren jährlich schreit zum Himmel, und wer sich
Christ nennt, kann doch nicht einfach weghören. Und selbst wenn das
Gewissen dem Tierleid gegenüber abgestumpft und ist, wie möglicherweise auch
bei
Paulus, dann merkt der Christ doch, wie andere Menschen dafür ein Empfinden haben
und mitleiden. Zudem können die konfessionellen Christen
doch unmöglich sagen: "Die Menschen im Alten Testament, Jesus und Paulus
haben Fleisch gegessen, also tun wir es auch". Denn auch wenn das Zeugnis
der Bibel zum Fleischkonsum nicht einheitlich ist, so kann
man doch sicher sagen: So, wie wir es tun, mit allen seinen Folgen, haben
die Menschen im Alten Testament, Jesus und Paulus niemals Fleisch gegessen,
und das lässt sich zweifelsfrei aus allen Stellen der Bibel herleiten.
Verglichen mit den damaligen Lebensverhältnissen erfüllen wir mit unseren
heutigen Essgewohnheiten längst den Tatbestand des "Prassens und
Schlemmens". Zu unseren Problemen gehört es doch, wie wir ein epidemisches
Übergewicht in den Griff bekommen. Und dazu hat Paulus gesagt: "Die
Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: ... Ausschweifendes Leben ...
Eigennutz ... Trink- und Essgelage und ähnliches mehr. Davon habe ich euch
voraus gesagt und sage noch einmal voraus: Wer so etwas tut, wird das Reich
Gottes nicht erben" (Galater 5, 19-22). Das
ist deutlich.
Und zum Fleischessen in den Industrieländern gehört der Hunger in der
Dritten Welt. Beides gehört untrennbar
zusammen. Und Paulus sagte selbst gegenüber einem "Feind": "Wenn dein Feind
hungrig ist, speise ihn; wenn er durstig ist, gib ihm etwas zu trinken ...
Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse stets mit dem
Guten" (Römer 12, 21-22). Und wenn das schon gegenüber dem
"Feind" gilt, dann gilt das doch genauso gegenüber dem Freund und Bruder: "Gib ihm zu
essen". Allein wegen dieses Satzes wäre Paulus heute Vegetarier, damit nicht
so viele Menschen in der Dritten Welt den Hungertod erleiden.
Und ein solches Verhalten ist doch für einen Menschen in den
Industrieländern gar nicht so schwer.
Es sind die Pfarrer und Priester, die
sagen, die Verwirklichung des Schöpfungsfriedens im Reich Gottes, wozu der
Friede zwischen Mensch und Tier gehört, sei eine rigoristische Überforderung
des Menschen und könne von ihnen nicht geleistet werden. Christus müsse den
Frieden schaffen, wenn Er wieder käme. Damit widersprechen die Pfarrer und
Priester aber der eindeutigen Lehre Jesu, der sagte: "Wer diese meine Lehre
hört und sie tut, der ist ein kluger Mann" (Matthäus 7, 24). Zu allen
Zeiten erlaubten die Pfarrer, Priester und Theologen den Menschen das Töten
der Tiere. Deshalb tragen sie die Hauptschuld an diesem ganzen Leid und
Elend in der Tierwelt, denn sie hätten durch ihre Bibel die bessere Lehre,
die Vorbildfunktion und die Möglichkeiten gehabt, um es den Menschen richtig
zu lehren.
Die
biblische Vorstellung vom verheißenen Schöpfungsfrieden, der kein
Blutvergießen kennt, verleiht dem Denken und Handeln zugunsten der
Mitgeschöpfe auch nach evangelischer Sicht eine starke Dynamik, wie es der
eingangs erwähnte EKD-Text beschreibt. Und die daraus folgende Ethik der
Mensch-Tier-Beziehung, die wir hier dargelegt haben, ist nicht utopisch und
unerreichbar. Wenn also die Pfarrer und Priester anderes lehren, dann tun
sie das wider besseres Wissen. (Alfred Schulte)
|
Der Text
kann wie folgt zitiert werden: |
Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer
interessanter Texte.
Alle Theologen-Ausgaben finden Sie auf der Startseite
[
www.theologe.de
]
Weitere Seiten mit Hintergrundinformationen finden Sie bei
[
Inhaltsverzeichnis
]
[
1 - Luther-Evangelische Lehre
]
[
2 - Reinkarnation
]
[
3 - Luther-Christus
]
[ 4 - Kirche-Holocaust
]
[
5 - Paulus
] [
7 - Urchristentum-Tiere
]
[ 8 - Bibel
] [ 9 - Anneliese
Michel-Exorzismus ]
[
12 - Sektenbeauftragte ]
[
14 - Hieronymus-Bibel ]
[ 15
- Qumran ] [
16 - Papst ]
[
17 - Organspende ]
[
18 - Glaube der Kirche
] [
19 - Keine ewige Hölle ]
[
20 - Propheten ]
[ 23 - Kirche-Staat
]
[ 24 - Kirche und Hölle auf
Erden ]
[
25 - Götzenkult Kirche ]
[
28 - Luther-Juden ]
[
31 - Tiere-Kirche ] [
32 - Sakramente der Kirche ]
[
33 - Zehn Gebote ]
[ 34 -
Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit ]
[ 35 - Rechtfertigungslehre
]
[
40 -Taufe ] [
41- Apokalypse ]
[ 45 -
Maria ]
[ 46 - Kirchensubventionen
]
[ 47 - Gotteserfahrung
]
[ 48 - Positives Denken
]
[ 49 - Prädestination ]
[ 50 - Genmanipulation
] [
51 - Petrus-Kirche ]
[ 53 - Atomkraft
]
[ 54 - Papst Ratzinger
]
[ 55 - Beichtgeheimnis
]
[
57 - Pius XII. ]
[ 58
- Kreuzigung ]
[
FC 1 - Kirchenaustritt
]
[
FC 3 - Reichtum der Kirche ]
[
FC 6 - Kirche und Tod ]
[
Englisch - Bible
]
[
Spanisch - Teólogo ]
[ Glaubenstest
] [
Michelrieth ]
[ Vaterunser ] [
Frage und Antwort ]
[ 2011
]
[ 2012
]
[ 500 Jahre Reformation
] [
Urchristentum
]
[
Prophetie ]
[
Geburt von Jesus ]
[
Sex-Verbrechen von Priestern
]
[ Schwarzbuch Katholische
Kirche ]
[ Schwarzbuch Evangelische
Kirche ]
[
Kirchenaussteiger ]
[
Links
]
[
E-Mail ] [
Impressum
]
|
|