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Intellektuelle, Machtmenschen und Priester: Die Entstehung der Kirche
Die Nachfolger von Jesus bildeten urchristliche Gemeinschaften. Doch viele,
die sich dort "Christen" nannten, suchten den Halt überwiegend bei
anderen Menschen anstatt bei Christus und Gott in ihrem Inneren, in dem
Sinne, wie es Jesus von Nazareth lehrte: "Das Reich Gottes ist in
euch". Anstatt also mit Hilfe der
inneren Gotteskraft immer konsequenter nach den Geboten Gottes zu leben, erlaubte
man sich
zunehmend
Schwächen und Nachlässigkeiten und ließ immer mehr Kompromisse zu. Und weil
die Menschen deshalb also zu wenig in Christus verwurzelt waren und zu wenig
im Inneren mit Gott verbunden, entstanden oft
auch Uneinigkeiten darüber, was nun in konkreten Situationen richtig und was falsch
sei. Und so wurde der lebendige "Gottesgeist", der die
ersten
Nachfolger von Jesus in ihrem Inneren und in der Gemeinschaft noch führte,
durch intellektuell geprägte Meinungsbildner immer
mehr unterdrückt.
Dafür bekamen religiöse Formen und äußere Regeln und Vereinbarungen ein
immer größeres Gewicht. Durch diese Entwicklung wurden die urchristlichen Gemeinschaften geschwächt.
Und so war
es schon nach kurzer Zeit möglich, dass Intellektuelle und nach persönlicher
Macht strebende Menschen dort zu großem
Einfluss gelangten. Schließlich
war der "Geist Gottes" kaum mehr spürbar. Stattdessen hatten stark auf ihr
Ego bezogene Personen das Sagen, und es entstand eine
Hierarchie, ein Oben und ein Unten. Die ehemaligen Urgemeinden begannen sich
auf diese Weise zu "institutionalisieren". Die ursprünglichen "Gemeinde-Ältesten"
(die so genannten "Presbyter"), die ihre Aufgabe einzig aufgrund ihrer
inneren Autorität ausüben sollten, wurden zu fest installierten Priestern
und Bischöfen umfunktioniert. Und diese "Posten" behielten sie auch
dann, wenn sie von ihrer Lebensweise nicht mehr für eine Gemeindeleitung
geeignet waren. Ähnliches war auch in anderen Kulten der damaligen Zeit
üblich. Doch Jesus
hat niemals eine Institution gewollt. Es wäre Ihm ein Gräuel gewesen.
Doch die sich immer mehr zu Unrecht auf Christus berufenden Gemeinden sind so zunehmend in
Gegensatz zu Ihm geraten. Dies
ist die Geburtsstunde der Kirche bereits im Laufe des 1. Jahrhunderts.
Das einst dynamische und lebendige
Urchristentum wurde bald nur noch in kleinen Gruppen außerhalb dieser sich
heraus bildenden Kirche und
Kirchen gelebt, man spricht in der Forschung von "Frühkatholizismus". In den kirchlichen Gemeinden schritt unterdessen die
Institutionalisierung und Veräußerlichung noch weiter fort: Aus einst weniger
wichtigen Äußerlichkeiten und Symbolen wurden verbindliche Vorschriften und
am Ende gar unumstößliche Dogmen und "Sakramente" = rituelle
Symbolhandlungen. Und die neuen Führer, die Priester und
Bischöfe, vermischten die noch verbliebenen Restbestände der Botschaft von Jesus
noch weiter mit
"Traditionen", gegen die einst schon die Propheten
des Alten Testaments angekämpft hatten, sowie mit Lehren und Praktiken aus den antiken Götzen-, Herrscher- und Blut-Kulten und
ihrer "Vielgötterei".
Während man einerseits diese Kulte als "Konkurrenz"
bekämpfte, übernahm man immer mehr die dort üblichen Vorstellungen und Praktiken und
baute sie zu eigenen kirchlichen Lehrgebäuden, Sakramenten und "gottesdienstlichen"
Handlungen um. Auf diese Weise formte sich eine machtvolle neue (so genannte "synkretistische") Mischreligion, die römisch-katholische
Kirche.
Wer hingegen Jesus nachfolgen wollte, hatte dort keinen Platz mehr. Die
Kirche jedoch stieg im 4. Jahrhundert zur einzigen Staatsreligion des
Römischen Reiches auf und wurde nach der Völkerwanderung praktisch zur
Nachfolgerin des antiken Imperium Romanum. Doch sie zeigte in allen Epochen
seither auch ihr wahres Gesicht.
Hier konnte schließlich nichts mehr im urchristlichen Geist "reformiert" werden, alles
würde sogleich im Dienst des Gegenteils missbraucht. Denn das "System
Kirche" war zur mächtigsten Gegenspielerin von Christus und seinen Nachfolgern
geworden.
Tod den Urchristen und anderen Nichtkatholiken
Gleich zu Beginn ihrer staatlichen
Etablierung ließ die römisch-katholische Kirche ihre Kritiker enteignen (ab dem Jahr 326).
So beschlagnahmte die Obrigkeit z. B. Häuser, in denen sich Menschen versammelt
hatten, die wie
in der Zeit des Urchristentums leben wollten und "schenkte" die
beschlagnahmten Wohnungen der
römisch-katholischen Kirche. Im Jahr 380 wurde dann die
Todesstrafe für Nichtkatholiken eingeführt, was im Laufe von Jahrhunderten
Hunderttausenden, ja einschließlich von Kriegen Millionen von Menschen das Leben kostete, deren Vermögen man
ebenfalls meist der Kirche übereignete - ein Grundstock für den bis heute
unermesslichen Reichtum der Kirche. Die antiken heidnischen Götzenkulte
wurden von der Kirche auf diese Weise ganz vernichtet, und die
römisch-katholische Großinstitution hat faktisch deren Nachfolge angetreten.
Für die
bisherigen Anhänger der meist totalitären religiösen Kulte war es dabei nicht schwer, sich in
der neuen Staatsreligion zurecht zu finden. Denn bis auf das "christliche" "Mäntelchen",
das man jetzt noch mit überziehen musste, hatte sich wenig geändert. Und die Kirche gründet ihre Macht dabei bis heute auf eine Hierarchie von Priestern, Theologen
und Juristen in Verbindung mit der Staatsmacht. Als geistige Grundlage schuf man dazu immer mehr Dogmen
und verbindliche Lehrmeinungen, in die man einige Restbestände aus dem
Schatz des Urchristentums mit
einfließen ließ.
Auf diese Weise haben die Gegner von Jesus seine
Botschaft praktisch vereinnahmt und verunstaltet, anstatt sie
in
offener Konfrontation zu vernichten. Wer jedoch wirklich Christ sein
wollte, konnte deshalb nicht mehr Mitglied der Kirche sein, und hier reagierte
die neue Macht des Imperium Romanum mit äußerster Grausamkeit: Mit Folter,
Mord
und Hinrichtungen versuchte man seither immer wieder, die Urchristen,
die sich nicht der kirchlichen
Machthierarchie unterordneten, auszurotten.
Um sich dafür in der Bevölkerung einen gewissen Rückhalt zu verschaffen,
probierte man parallel dazu, das in der Bevölkerung anerkannte Tun der
Urchristen nachzuahmen und auf diese Weise
in die Kirche zu integrieren. So wurden z. B. im 12. Jahrhundert die
urchristlichen Katharer in Frankreich ermordet und vernichtet, während die
Kirche deren soziales Engagement zu kopieren versuchte, indem sie die Orden
der Dominikaner oder Franziskaner ins Leben rief. Gleichzeitig wurden innerhalb
dieser Orden aber ganz bewusst die Inquisitoren rekrutiert, die dann meist "aus
der zweiten Reihe heraus" diejenigen mordeten, diskriminierten und verfolgten,
die sie nachzuahmen versuchten. Das
vermeintlich "Gute" in der Kirche wurde also immer in den Dienst der
kirchlichen Schreckensherrschaft gestellt.
Foto links @ Maryanne Bilham (USA) for Divine Eros: Die
Gottesprophetin Marguerite Poréte wurde 1310 in Paris auf dem Scheiterhaufen
lebendig verbrannt. Und die Kirche beauftragte den "heiligen"
Franziskaner Giovanni de Capistrano (Foto rechts), alle Exemplare ihrer Schrift
Spiegel der einfachen Seelen, der den Weg zu Gott im eigenen Herzen
aufzeigte (durch tätige Nächstenliebe und Überwindung des Ego), zu
vernichten.
Der
hintergründige Sinn der Reformation
Als der Betrug und der Verrat der
römisch-katholischen Kirche an Jesus von Nazareth in Mitteleuropa um das Jahr 1500
jedoch immer offensichtlicher
war,
wurde das System einer obrigkeitlichen und gegen Christus gerichteten Machtkirche durch die evangelische
Reformation zunächst "gerettet". Es erfolgten dazu von den
"Reformatoren" einige Veränderungen
und eine Neugestaltung der Machtverhältnisse, und man ging dabei anfangs
noch schroff gegen den Vatikan vor, was im Sinne von Jesus, dem Christus,
war. Und dies war damals auch vielen Menschen sympathisch. Doch auf´s Ganze
gesehen wirkte hierbei nicht Jesus, der Christus, sondern Machtmenschen wie Martin Luther,
Huldreich Zwingli, Johannes Calvin, andere "Reformatoren" und ihre
Hintermänner. Diese wichen nur teilweise von den Überzeugungen der herrschenden Päpste, Kardinäle,
Bischöfe und kirchlichen Theologen ab und blieben diesen in ihrem Wesen
ähnlich.
Diese "Reformatoren", die sich dank ihres Bündnisses mit
den mächtigen Fürsten und regionalen Herrschern gesellschaftlich
durchgesetzt haben, gaben zwar vor, die "christliche" Lehre wieder
herstellen zu wollen. Sie fälschten sie aber letztlich nur auf andere Art.
Und über eine lange Zeit
standen sich seither zwei große religiöse Machtblöcke in Mitteleuropa dann in Kriegen gegenüber,
und
erneut mussten Hunderttausende von Menschen ihr Leben lassen - für den einen
Machtblock oder den anderen. Und wer die christliche Lehre wirklich wieder
herstellen wollte wie z. B. Gruppen so genannter "Täufer" oder einzelne
Menschen freien Geistes, wurde nun von mittlerweile zwei kirchlichen Staats-Machtblöcken
(dem katholischen und dem evangelischen)
grausam verfolgt, gefoltert und hingerichtet.
Als auch der Betrug der evangelischen Obrigkeits-Institution von immer mehr
Menschen durchschaut
wurde, bildeten sich im 19. Jahrhundert innerhalb oder im Umfeld der
evangelischen Kirchen so genannte Erweckungsbewegungen und Freikirchen,
die der erstarrten und
eiskalten Kirchenlehre neues Leben einzuhauchen versuchten - vergleichbar den
Dominikanern oder Franziskanern des Mittelalters, die dem Katholizismus
erneuern sollten. Dies geschah, indem man
die kirchlichen Lehren ernster nahm und sich gleichzeitig z. B. sozial
engagierte, um so im Volk beliebter zu werden. Dies änderte jedoch nichts
daran, dass die Lehren zum großen Teil weiterhin im Gegensatz zu Jesus, dem
Christus standen.
Und diese Entwicklung führte bis in unsere heutige "Ökumene". In diesem Boot
sitzen neben der katholischen alle evangelischen Organisationen, die mit der
römisch-katholischen Kirche und dem Papst zusammen arbeiten bzw. von diesen
berechtigt werden, mit ihr zusammen arbeiten zu dürfen. Und auch Gemeinschaften,
deren Glieder früher von der Kirche ermordet wurden, bemühen sich dabei
- unter Preisgabe oder durch Verschweigen ihrer Erkenntnisse - um die Gunst der
Machtkirchen (z. B. Baptisten, Mennoniten, Waldenser, Quäker). Und in neuester Zeit
bemüht sich auch die Neuapostolische Kirche oder Teile der so genannten
Adventisten um Anerkennung durch den
Katholizismus und den Protestantismus.
Durch diese Entwicklung konnte das Ziel der Kirche, Jesus durch Vereinnahmung besiegen
zu können, einige weitere Jahrhunderte aufrecht erhalten werden - in Mittel-
und Westeuropa nun vor allem verteilt auf zwei Groß-Institutionen, die
katholische und die evangelische mit ihren vielen "Einzelkirchen"
und den so genannten Freikirchen am Randbereich der so genannten "Ökumene".
Hierzu gehören auch die so genannten "evangelikalen" oder "charismatischen"
Gemeinschaften innerhalb oder außerhalb der evangelischen Machtkirchen, die
für sich in Anspruch nehmen, die evangelische Lehre intensiver zu
praktizieren als dies innerhalb des institutionellen Haupt-Machtblocks getan
wird.
In unserer gegenwärtigen Umbruchszeit
[21. Jahrhundert] werden die vielen evangelischen Blend-Feuer nun von
ihrer inneren Kraft her jedoch immer schwächer oder sie vermischen sich - wie in der katholischen Kirche - mit
okkulten Praktiken
wie z. B. in Südamerika oder Afrika, was hier und da zu kurzfristigen
"Aufbrüchen" führen kann, die dann dem "Heiligen Geist" zugeschrieben werden.
Und die Nachfolger der einstigen
"Reformatoren" sehnen sich heute vor allem nach Anerkennung
als "richtige Kirche" durch ihre römisch-katholische Mutterkirche. Doch auch diese ist im
rasanten Niedergang begriffen, vor allem durch die massenhaften
Sexualverbrechen von Priestern an Kindern und deren Deckung oder
Verharmlosung durch den katholischen Papst und die Kirchenhierarchie, wobei sicher erst die Spitze des
Eisbergs aufgedeckt ist.
Aufklärung
Die Zeitschrift Der Theologe ist dabei ausdrücklich nicht
gegen katholische und evangelische Mitbürger gerichtet - im Gegenteil. Sie
deckt jedoch den Etikettenschwindel der Institutionen Kirche auf
vielfache Art und Weise auf, und sie weist
auf folgendes hin: Das, was dort gelehrt und getan wird, ist zwar katholisch
oder evangelisch, jedoch nicht christlich. Denn mit dem Urchristentum haben
beide Großkirchen und ihre Lehren nichts zu tun, und der Name "Christus"
wird deshalb von ihnen grob missbraucht.
Und selbst dort, wo die Worte hier und da mit Christus übereinstimmen, gilt vielfach das
Jesuswort: "Was sie sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken
sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen´s zwar, tun´s aber nicht ... Alle
ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden"
(Matthäus 23, 3.5).
Auch in unserer Zeit gibt es natürlich auch unter den Kirchenmitgliedern
Menschen guten Willens, die sich ehrlich bemühen, in ihrem persönlichen
Leben auch den Willen Gottes zu tun.
Wenn sich diese jedoch nicht für den Kampf gegen Christus missbrauchen
lassen wollen, dann gilt für sie der Aufruf des Propheten Johannes über die
"Hure Babylon", einem biblischen Bild für die endzeitliche Kirche: "Tretet
aus von ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts
empfangt von ihren Plagen" (Offenbarung 18, 4). Tun sie es nicht,
haben sie eben "teil an den Sünden" der Kirche und werden entsprechend
"empfangen".
Viele Menschen verhalten sich leider noch so und bleiben damit oft
wider besseren Wissens ein Blatt am "Stammbaum der Verbrechen", der seit ca.
1900 Jahren ein Zeichen der Warnung und Mahnung für alle Menschen ist, die
sehen wollen, welche Mächte tatsächlich im Hintergrund wirken. Dabei handelt
es sich nicht nur um die nachweisbaren Verbrechen von Folter, Morden und
Kriegen, sondern auch um das Verbrechen, den Namen "Christus" zu
missbrauchen, um ganze Generationen von Menschen in die Irre zu führen
und um ihr Glück und um ein erfülltes Leben zu bringen.
Der Theologe
möchte also in erster Linie aufklären. Daneben wird hier und da aber auch versucht,
die
ursprünglichen Anliegen von Jesus von Nazareth wieder lebendig werden zu
lassen.
Jesus lehrte in seiner Bergpredigt z. B. Gewaltlosigkeit und Feindesliebe
und nicht den Einsatz von Waffengewalt als "letztes Mittel" wie die Kirchen
und auch wie die kirchenkritische "Theologie der Befreiung", die vor allem
in den 70-er und 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts sehr weit verbreitet war.
So könnte man im modernen Wortgebrauch sagen: Jesus war Pazifist. Und unsere "theologische" Arbeit
könnte man auch als eine "Befreiungstheologie"
nach der Bergpredigt des Jesus von Nazareth bezeichnen. Denn die
Bergpredigt ist lebbar. Und sie ist die Hoffnung für diese Erde.
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